zur
Landkreiskarte ausführl.Beschreibung Kirchen
in der Gem.Röhrmoos
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Filialkirche St. Peter und Paul in RUDELZHOFEN
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Kurzbeschreibung Die Ortschaft Rudelzhofen ist seit 1158 als "Rudolteshoven" (bei den Höfen des Ruodolt) belegt. Eine Kirche wird in Rudelzhofen urkundlich erstmals unter dem Namen "Rudoltzhouen" in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Filialkirche von Vierkirchen erwähnt. Die heutige Kirche St.Petrus und St.Pauluswurde zwischen 1735 und 1750 von Gregor Glonner und Michael Pröbstl neu errichtet, nachdem der Turm und ein Teil der Seitenmauer eingefallen waren. Im Jahr 1807 wurde die Kirche als baufällig
erklärt und damit zum Abbruch freigegeben. Da aber die vier Bauern
(Utz, Pfundmair, Hecker und Riedl) die Baulast übernahmen, blieb
sie erhalten.
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Die Kirche gehört seit einigen Jahren mit der Pfarrei Vierkirchen zum Pfarrverband Weichs-Vierkirchen.
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Innenausstattung Der Altarraum ist etwas eingezogen und schließt halbrund. Die Flachdecke ist nicht bemalt. Der Choraltar im Rokokostil wurde 1750 von dem Bildhauer Bartholomäus Schuhpaur und von Nikolaus Prugger errichtet und durch Franz Mayr gefasst. Er ist heiligen Päpsten geweiht: Im Altarblatt wird die Übergabe der Himmelsschlüssel an St.Petrus gezeigt, die beiden Assistenzfiguren stellen Papst Pius V. und Papst Silvester I. dar. Die schräggestellten
Seitenaltäre sind der Muttergottes und Herz-Jesu geweiht. An den Wänden des Kirchenschiffs befinden sich neben einer Kreuzigungsgruppe noch Figuren des Geißelheilands und des Auferstandenen. |
![]() 9 Details (Altäre, Figuren, Madonna an Chordecke, Figuren an den Stufen) per Mouseklick |
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen
und kunsthistorischen Hinweisen
Die Ortschaft Rudelzhofen ist seit
1158 als "Rudolteshoven" (bei den Höfen des Ruodolt) belegt. Sie ist damit
genau so alt wie die Stadt München und feierte 2008 ihr 850-jähriges
Jubiläum.
Geschichte
der Kirche
Konradinische
Matrikel 1315
Eine Kirche wird in Rudelzhofen urkundlich
erstmals unter dem Namen "Rudoltzhouen" in der Konradinischen
Matrikel von 1315 als Filialkirche von Vierkirchen erwähnt.
Auch heute noch gehört die Kirche zur Pfarrei Vierkirchen und mit der Pfarrei
zum Pfarrverband Weichs-Vierkirchen. Schon damals hatte die Kirche einen Friedhof,
was ihre Bedeutung hervorhebt. Dieser Friedhof besteht bis heute.
Mit nur fünf Gräbern dürfte Rudelzhofen den kleinsten, noch genutzten
Friedhöfe des Dachauer Landes, ja wohl der Diözese München-Freising
besitzen.
Um 1500 gehörten drei der Bauernhöfe dem Domstift in Freising. Einer
davon hatte dem Kanonikus Wolfgang von Weichs gehört, der als Domherr im
geistlichen Dienst beim Bischof stand und den Hof 1473 dem Stift übereignete.
Sunderndorfer'sche
Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'sche
Matrikel von 1524 wird erstmals das Peter und Paul-Patrozinium ("ss.
Petri et Pauli in Ruedeltzhouen") genannt.
Visitationsbericht
von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation,
eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte
durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517)
entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur
Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation
wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation
der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer
und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen
Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung
der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Petrus
et Paulus in Ruedeltzhoven" erwähnt. Die Kirche mitsamt der
Kirchenmauer wird als baufällig beschrieben ("Die kirch und kirchmaur
seind paufellig"). Außerdem fehlte eine Ausmalung ("wenig gmäl
in der kirchen"). An Gerätschaften waren vorhanden: 1 Liturgiebuch,
1 Messbuch, ein Corporale und 2 Messgewänder. Der einzige Kelch war gestohlen
worden ("hat ain kelch gehabt, ist gstolen worden"). Der Bericht endet
mit dem Satz "Sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Vierkirchen -in heutigem Deutsch-
lesen möchten, klicken Sie hier...
Gotischer
Kirchenbau
Wahrscheinlich wurde auch in Rudelzhofen - wie in den meisten anderen Ortschaften
des Dachauer Landes- in gotischer Zeit (15. oder 16.Jh) eine neue Kirche
gebaut. Aus dieser Zeit ist nur noch eine Kirchenrechnung vorhanden, als 1630,
noch kurz vor dem Einmarsch der Schweden, Reparaturarbeiten notwendig wurden.
Dieser Rechnung ist zu entnehmen, dass der Maurer Jonas Winklern aus Wessobrunn
ein neues Pflaster legte und "die Khirchen allenthalben außbessert
und abgeweisst hat". Er war drei Wochen beschäftigt und erhielt einen
Tageslohn von 24 Kreuzern. Auch eine Sonnenuhr wurde an der Kirchenwand angebracht.
Die Zimmererarbeiten erledigte Georg Stölzl aus Ampermoching.
Während dieser Zeit hat man übrigens
auch die St.Albrechtskapelle (?) renoviert. Dazu heißt es in der Kirchenrechnung:
"die alt St.Albrechts Capelln, so alher Paufellig und Teglich daß
einfallen Zubesorgen gewesst wider aufgerichtet... die Capell deckht, in- und
auswendig sauber ab- und außgebraith". Außerdem erhielt der
Kistler zu Viehbach "von machung deß Täfls in die Capelln"
14 Gulden. Jakob Pichler lieferte ein Kapellengitter, Georg Stölzl erneuerte
den Dachstuhl.
Dreißigjähriger
Krieg
Im 30jährigen Krieg dürfte die Kirche abgebrannt sein. Jedenfalls
findet sich in den Kirchenrechnungen von 1640 und 1650 entsprechende Vermerke
("von St.Peters abgeprentem Gottshauß alda"). Die Kirche war
also mindestens ein Jahrzehnt eine Brandstatt. Auch die Mitteilung, dass 1650
von der Mess-Stiftung des Khürchenbrobsts (=Kirchenpfleger) Geörg
Khreitmayr nichts mehr übrig war, lässt nichts Gutes ahnen. Khreitmayr
hatte sich um 1630, "nachdem Er an seinen rdo. schenckhlen ain starckhe
Kranckheit außgestanden, Zu dem Gottshauß verlobt" 10 Gulden
zu spenden und hat jährlich Zinsen dafür gezahlt. Zwanzig Jahre später
heißt es, er sei verstorben und verdorben, und es es seien keine Zinsen
mehr zu erwarten "iezt und hinfiran" (=zukünftig).
Neubau
1735-1750
Doch der gotische Bau hielt nur noch 100 Jahre. Als 1735 (andere Quelle: 1739)
der Turm und ein Teil der Seitenwand einstürzten, wurde an ihrer Stelle
die heutige Kirche völlig neu errichtet. Die gotischen Teile wurden nicht
verwendet. Die Bauzeit dauerte 15 Jahre, von 1735 bis 1750 und
kostete 444 Gulden. Das war relativ günstig und entspricht heutigen 90.000
Euro, wenn man die Handwerkerlöhne von damals und heute -2010- vergleicht.
Baumeister waren Gregor Glonner und nach
dessen Tod im Jahr 1745, Michael Pröbstl, wie Glonner aus Greiling gebürtig,
der damals in München lebte. Eine
erste Einweihung fand bereits 1742 statt.
Beteiligt am Bau waren auch der Vierkirchener Zimmermeister Jakob Öggl
und mehrere Dachauer Künstler:
der Kupferschmied Matthias Prandthuber,
der Kistler Nikolaus Prugger, der den Hochaltar
sowie die Kirchen- und Sakristeitüren anfertigte,
der Bildhauer Bartholomäus Schupaur
(Altar) und
der Maler Franz Mayr.
Die bischöfliche Weihe erfolgte erst 29 Jahre später, am 28.Juni 1779,
durch den Freisinger Fürstbischof
Ludwig Joseph. Grund für diese Auszeichnung dürfte die Tatsache gewesen
sein, dass der Bischof ohnehin in der Gegend war: Einen Tag später hat
er die neue Pfarrkirche in Vierkirchen "consecrirt" (eingeweiht).
Schmidt'sche
Matrikel 1738/40
Zu Beginn der Bauphase, um die Jahre 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus
(Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der
nach ihm benannten Schmidt'schen
Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur
"Ecclesia filialis ss.Petri et Pauli in Ruedelzhoffen" bemerkte er,
die alte Kirche sei eingestürzt. Sie habe drei Altäre aus Ziegelsteinen
gehabt, die im Zeitpunkt des Besuchs nicht benutzt werden könnten. Gottesdienste
fänden (nach Baufertigstellung) am Fest des hl.Innozenz sowie an allen
Apostelfesten statt, außer an den Gedenktagen der Apostel Jakobus (25.Juli),
Bartholomäus (24.Aug) und Johannes (27.Dez). Das Kirchweihfest falle auf
den Sonntag vor Jakobi. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen
und Ausgaben der Kirche verwalteten der Vikar aus Vierkirchen und der Landpfleger
aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache:
"Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet wenig yber 200
fl. (=Gulden) betreffen". Das war auch für eine kleine Kirche ein
geringer Betrag, ist aber wegen der laufenden Bauausgaben erklärbar.
Abbruchplan
1807
Im Jahr 1807, im Zeitalter der Säkularisation,
wurde die Kirche als baufällig erklärt und damit praktisch zum Abbruch
freigegeben. Da aber die vier Bauern (Utz, Pfundmair, Hecker und Riedl) erklärten,
sie würden künftig die Baulast übernehmen, blieb das Kirchengebäude
erhalten.
Den neuen Baulastträgern stand auch gleich die erste Renovierung ins Haus.
Das Kirchendach musste repariert werden, was Anton
Glonner und Zimmermeister Melchior Hochensteiner übernahmen. Es hielt 50
Jahre.
1861 bekam die Kirche nach dem Plan des Dachauer Baumeisters Jakob Hergl einen neuen Dachstuhl.
Beschreibung
1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche
von Rudelzhofen als Filiale von Vierkirchen erwähnt. Zu ihr gehörten
47 Dorfbewohner (Seelen), die in 5 Häusern wohnten.
Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Geräumigkeit
hinreichend. Die Baupflicht an der Kirche und am Cemeterium (= Friedhof) haben
die dortigen 4 Bauern Utz, Pfundmair, Hecker und Riedl, welche den Friedhof
nur für die Ihrigen benützen und für diesen wie für die
Kirche schon große Opfer gebracht haben. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3
Altäre, keine Orgel. Gottesdienste: An den Apostelfesten durch den Cooperator
(=Kaplan). Stiftungen: 1 Requiem, 1 Jahrmesse. Meßner ist der Utzbauer.
Kirchenvermögen 1870 rd. 1100 Gulden.
Die erste Restauration der barocken Kirche fand
1796 (Kirchendach und Friedhofsmauer),
weitere 1811 und 1861 (Dachstuhl), die jüngste Renovierung
1978 statt.
Berichte
aus dem kirchlichen Leben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus
dem Leben der Pfarreien berichtet. Diese meist in blumiger Sprache geschriebenen
Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln
aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Rudelzhofen wird
in einem Bericht über die Beerdigung von Kreszenz Polz in Rudelzhofen genannt.
Wenn Sie Interesse am Berichten haben, klicken Sie hier....
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Der
mit einer Zwiebelhaube geschmückte Turm der Kirche steht an
der Südseite, in Höhe des Übergangs vom Altarraum zum Kirchenschiff.
Er hat im unteren Teil einen quadratischen, im oberen Teil einen achteckigen
(oktogonen) Grundriss. Markant sind die rot gefärbten
Ecklisenen, die den Turm gliedern.
Pfarrer Steinberger schrieb 1879 in seiner Chronik, im Kuppelthurm hätten
damals zwei Glocken gehangen. Eine habe die Inschrift: "Bernhardus
Ernst in München goß mich 1655", die andere nur die Jahreszahl
"1568" getragen. Die Glocken dürften wohl nicht mehr vorhanden
sein, weil im Jahr 1905 und später nochmals 1924 jeweils zwei Glocken
geweiht wurden. Eine der 1905 angeschafften Glocken war im Ersten Weltkrieg
zu Rüstungszwecken eingeschmolzen worden; was mit der zweiten Glocke
passiert war, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls war sie 1924, als zwei
neue Glocken geweiht wurden, nicht mehr vorhanden. |
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| Östlich des Turms ist
die kleine Sakristei mit Pultdach angebaut. Westlich des Turms ist in die Südmauer eine Nische eingearbeitet, in der eine schlanke Marienfigur steht. |
Innenausstattung
Der Altarraum ist nur in der Höhe etwas eingezogen und schließt halbrund. Die gelbe Flachdecke ist nicht bemalt, sondern lediglich durch ein längsovales weißes Stuckrahmenfeld geschmückt. Zwei seitliche Fenster erhellen den Raum. Die sechseckverbleiten Fenster sind mit zwei kleineren runden Glasgemälden verziert.
| Ein
Glasgemälde zeigt den ans Kreuz gebunden Jesus
mit Dornenkrone. Hinter ihm das von Pilatus angebrachte Schild mit dem Text:
Jesus Nazarenus Rex Judaeorum (Jesus aus Nazareth, König der Juden).
Inschrift: "Gestiftet v.Martin u.Theresa Deichl, Bauersehleute v.Rudelzhofen 1924". |
Das
gegenüber liegende Gemälde hat Maria
als mater dolorosa, als die unter dem Kreuz stehende und mit Jesus leidende
Mutter zum Inhalt. Inschrift: "Gestiftet v.Josef u.Anna Hörmanl, Bauerseheleute v.Rudelzhofen 1924". |
Der über drei Meter breite und fast raumhohe
Choraltar ist rot-grau-grün
marmoriert.
Er wurde 1745/50 von dem Bildhauer Bartholomäus Schuhpaur und von Nikolaus
Prugger errichtet und durch Franz Mayr
gefasst (bemalt). Die von zwei glatten Säulen und zwei Pilastern gestützte
Retabel trägt ein schweres, verkröpftes
Gebälk. Der Altaraufsatz wird von zwei Voluten gestützt. Auf dem Gebälk
stehen Ziervasen.
Der Choraltar ist ein Papstaltar. Drei heilige Päpste sind auf ihm im Bild
und figürlich abgebildet.
| Das große Altarblatt im Zentrum des Altars, ist von einem doppelten, vergoldeten Rahmen umgeben und hat die Übergabe der Himmelsschlüssel an St.Petrus (in der Kunst auch "donatio clavis" genannt) zum Inhalt. Petrus kniet vor Jesus, der mit der linken Hand zwei prächtige Schlüssel (einen versilberten und einen vergoldeten) übergibt und die Rechte Hand mit dem Segensgestus (drei ausgestreckte Finger) erhebt. Über dem Altarblatt eine Schriftkartusche mit dem Hinweistext "S.Petrus". Das 2,26 x 1,39 m große Ölbild auf Leinwand wurde in der Zeit des Neubaus gemalt. | ||
| Hinweis: Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. |
Die beiden anderen Päpste sind in den 1,30 m hohen Assistenzfiguren
dargestellt, die sich an die Säulen und Pilaster der Retabel lehnen: Auf
der linken Seite ist dies die Figur von Papst Silvester
I., auf der rechten Seite die Figur von Pius
V. Die Figur von Silvester wurde um 1710 geschnitzt und wird von Kunstkennern
dem Umkreis der Landsberger Schnitzerfamilie Luidl zugeschrieben, die auch in
anderen Kirchen des Dachauer Landes künstlerisch tätig waren (z.B.Dachau/St.Jakob,
Egenburg, Feldgeding, Lauterbach, Sittenbach, und Prittlbach).
Die Figur von Pius stammt aus der Zeit um 1910. Der Schnitzer ist unbekannt.
Ob auch schon vor 1910 eine Piusfigur an dieser Stelle stand, ist mir nicht
bekannt.
| Pius V. (1504-1572, ab 1566 Papst) war wenige Jahre vor dem Bau der Kirche heilig gesprochen worden (1712). Pius V. hatte ein für heutige Verhältnisse zwiespältiges Wirken. Pius war ein frommer Asket und ein Reformer von Verwaltung, Katechismus, Brevier und Messbuch, bekämpfte leidenschaftlich die Simonie (Kauf der geistlichen Ämter) und verfocht den Zölibat (Ehelosigkeit der Priester). Auch dass die Päpste bis weiße Gewänder tragen ist auf ihn zurückzuführen. Als er Papst gewählt wurde, behielt er die weiße Soutane der Dominikanerpatres an und spätere Päpste folgten seinem Beispiel. Seinen Gebetsbemühungen wird der wunderbare Seesieg über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571 zugeschrieben. Nach außen machte er aber vor allem durch repressive Maßnahmen gegen Andersdenkende von sich reden, unterstützte die französischen Katholiken in ihrer Verfolgung der Hugenotten, vertrieb zahlreiche Juden aus dem Kirchenstaat, strafte schonungslos jeden Ketzer und zerstörte den Protestantismus in Italien. Gedenktag: 30.April. |
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Silvester I., (314 - 335) war der Papst unter dem das Christentum im Jahr 313 im römischen Reich Staatsreligion wurde. Dieses Ereignis begründet zwar Silvesters Bedeutsamkeit; sein eigenes Wirken hat dazu aber wenig beigetragen. Eine Legende berichtet von einem Streitgespräch, das Silvester mit zwölf jüdischen Rabbinern geführt haben soll, weil die Kaiserin Helena ihren inzwischen getauften Sohn Konstantin zum Judentum bekehren wollte. Silvester obsiegte im Disput gegen elf der gelehrten Juden; der zwölfte tötete einen Stier, damit er ihn wieder zum Leben erwecken und so die Kraft seines Glaubens beweisen könne. Was dem Rabbiner misslang, konnte Silvester sofort vollbringen, worauf die Rabbiner und Helena sich sofort taufen ließen. Silvester war in Bayern beliebt, nicht nur, weil sein Gedenktag der letzte Tag des Jahres ist und seinen Namen trägt. Früher wurden viele Buben auf den Namen Silvester getauft. Figuren von ihm stehen deshalb in mehreren Kirchen des Dachauer Landes (Ebersbach, Feldgeding, Hohenzell, Jarzt, Appercha, Kiemertshofen, Kleininzemoos, Puchschlagen, Westerholzhausen) |
| Hinweis: Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden u.die Kaiserkrone von Rom). |
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| Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht:"Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt. |
Auch
der Tabernakel (aus der Erbauungszeit)
ist ganz im Stil des Rokoko mit seitlichen Voluten und einem geschwungenen
Giebel gearbeitet. Er besteht aus Holz und ist hellbraun marmoriert (d.h.
mit Marmormaserung bemalt). Vor der schmucklosen Türe in der Mittelnische
steht ein Kruzifix.
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| Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
| Im Altaraufsatz zeigt ein Ölbild (auf Leinwand) des sitzenden Gottvaters, mit langem, weißen Bart und dreieckigem Heiligenschein, wie er die vor ihm ruhende blaue Erdkugel segnet. Über dem goldumrahmten Bild schmückt eine mit Edelsteinen besetzte stilisierte Akanthusstaude die dargestellte göttliche Person. |
| Das
Gestühl an der südlichen Chorseite (aus neuerer Zeit) besitzt
noch schöne, geschnitzte Eichenwangen
mit reichem Akanthusdekor aus der Zeit um 1680/1700. |
Solch
alte Stuhlwangen sind selten in den Kirchen unserer Gegend. Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier... |
Von
der Decke des Altarraum hängt die 46 cm hohe Ewig-Licht-Ampel.
mit drei flügelartigen Ansätzen und Blattornamentik (um 1840/50).
Sie besteht aus getriebenem Messingblech mit Silberüberzug. "Getrieben"
bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer
nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.
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| der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des"Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen. |
Am
leicht gedrückten Chorbogen sind drei kleine Cherubsköpfchen
aus Stuck (18.Jh) angebracht.
|
|
Die Langhausdecke ist wie die
Chordecke nicht bemalt, sondern mit einfachen geometrischen Figuren und
Linien im Stuckrahmen verziert. In der Mitte der Decke ist das Heilig-Geist-Loch
angebracht. Es ist von einem Stuckrahmen umgeben und mit einem mit dem Jesusmonogramm
bemalten Holzdeckel verschlossen. Das Heilig-Geist-Loch (auch Pfingstloch genannt) in der Decke diente wohl in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten (und an Christi Himmelfahrt) wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur hinuntergelassen. Auch brennende (Flachs-)Flocken ließ man vom Pfingstloch aus in das Kircheninnere fallen; sie sollten die Flammenzungen des Hl. Geistes symbolisieren. Der Brandgefahr wegen war dieser Brauch umstritten. Das Pfingstloch spielt auch in vielen alten Anekdoten eine Rolle, so z.B: Statt der Taube kam die Stimme des Mesners aus dem Pfingstloch: "Herr Pfarrer, den Heiligen Geist hat Katz gfressn". |
| Am Chorbogen ist eine große Figur der Rosenkranzmadonna aus der Zeit um 1700 befestigt. Sie besteht aus Holz und ist mehrfarbig gefasst. Die Muttergottes ist umgeben von 50 silbernen und 10 goldenen Kugeln, die die 50 "Gegrüßet seist Du Maria" und die 10 "Vater unser" versinnbildlichen. Die Avekugeln für die Bitte um die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe fehlen. Die Madonnenfigur ist mir königlichen Insignien (Krone, Szepter) geschmückt. Ihr Fuß ruht auf einer Mondsichel. |
Die 2 Meter breiten Seitenaltäre stehen schräg am Chorbogen, um in der relativ schmalen Kirche den Blick der Gläubigen aus den Kirchenbänken auf den Hochaltar nicht zu beeinträchtigen. Sie haben ebenfalls Säulenretabel. Hier handelt es sich aber um grün marmorierte Wendelsäulen mit korinthischen Kapitellen. Auf den Voluten-Sprenggiebeln des Gebälks sitzen jeweils zwei große Engel. Die Frisur der Engel ist so flach gestaltet, dass sie den Eindruck erweckt, die Engelsfiguren seien oben abgeschnitten. Die Auszugsbilder sind hochoval. Gekrönt werden die Seitenaltäre durch vergoldete Kreuze mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden und Strahlen zwischen den Balken.
Linker Seitenaltar| Der
Unterbau des linken Seitenaltars
wurde 1685 aus der Pfarrkirche Vierkirchen hierher transportiert. In der
Nische des Altars steht vor blauem Hintergrund eine Madonnenstatue
im Strahlenkranz aus der Zeit um 1740/50. Maria und der auf ihrem Arm sitzende
Jesus sind mit den königlichen Insignien Krone, Zepter und Reichsapfel
geschmückt. Marias Fuß ruht auf einer Mondsichel. Diese Mondsichel
erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1)
"von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet. |
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| In der Predella des Altars erinnert eine große Schrifttafel aus Holz an die Errichtung dieses Marienaltares im Jahr 1685 durch den Vierkirchner Pfarrer Daniel Sartorius. |
| Im Aufsatz des Altars zeigt ein hochovales Gemälde die Eltern Marias, Anna und Joachim mit ihrer Tochter. Maria steht auf einem Hocker und hält in ihrer Hand einen Rosenstrauß. Zwei Engel stützen den Aufsatz. | Anna und Joachim werden in der Bibel nicht erwähnt.Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jh wurden ihre Namen in Marienlegenden verbreitet. |
Der rechte
Seitenaltar ist seit 2007 dem Herzen Jesu geweiht. Die Herz-Jesu-Figur
wurde von einer Rudelzhofener Familie gestiftet.
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| Bis zum Jahr 2006 war der rechte Seitenaltar den Schutzengeln geweiht. Eine Engelsfigur mit großen Flügeln und einem Hosenträger über dem Oberkörper, hält seine rechte Hand schützend über ein neben im gehendes Kind, das recht unbeholfen wirkt. Die fast lebensgroßen Figuren wurden um 1920/30 geschnitzt. |
| Hinweis: Die liturgische Verehrung der Schutzengel hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet, zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael (29. September); 1670 hat Papst Klemens X. das Schutzengelfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auf den 2. Oktober festgelegt. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18, 10. Dort ist zu lesen: Hütet Euch davor, einen dieser Kleinen zu verachten. Denn ich sage Euch Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. |
| Im ovalen Auszugsbild eine Darstellung der Krönung Mariens aus der Mitte des 19.Jh. Das Gemälde zeigt Gottvater mit der Erdkugel in der Hand sowie Christus, die der vor ihnen auf Wolken knienden Maria eine Krone aufsetzen. | Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Um das Haupt Marias rankt sich ein Kreis von zwölf Sternen. |
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Das Kirchenschiff
wird durch fünf kompositbogige Fenster (Nordseite 3, Südseite 2) und
zwei Rundfenster (über dem Portal und auf der Westseite) erhellt. An einigen
Fenstern sind auf Inschriften die Stifter vermerkt:
Kirchenschiff Südseite:
"Gestiftet v.Jos. u.Anna Hörmanl, Bauerseheleute v.Rudelzhofen
1924".
"Gestiftet
v.Ursula Sedlmair, Bauerswitwe v.Rudelzhofen 1924".
Kirchenschiff Nordseite:
"Gestiftet v.der Ortsgemeinde, Rudelzhofen 1924".
Kreuzwegstationsbilder
und Apostelleuchter
Die 77 x 55 cm großen
Kreuzwegbilder,
die an den Wänden im Chor und Langhaus angebracht sind, wurden um 1770
(andere Quelle: 1750) mit Öl auf Leinwand gemalt.
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Unter
den Kreuzwegstationen sind an den Wänden des Kirchenschiffs die einfachen
schmiedeeisernen Apostelleuchter
aus der Erbauungszeit (um 1750) angebracht. An der Wand die sog. Apostelkreuze
als Fresko mit gleich langen Kreuzbalken und einem Strahlenkranz im Hintergrund.
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Weitere Figuren im Kirchenschiff
Im hinteren Bereich der Kirche stehen an den Wänden auf Postamenten kleinere Figuren, die auf das unmittelbare Heilsgeschehen, die Passion und die Auferstehung Christi hinweisen:| An
der westlichen Nordwand ist ein Geißelheiland
aus der 1.Hälfte des 18.Jh zu sehen. Jesus, nur mit dem Lendentuch,
dem Perizoma bekleidet, ist mit seinen Armen an eine Säule in barocker
Form gekettet. Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Rudelzhofen. |
| An der Rückwand steht die
Figur des Auferstandenen.
Jesus hat die rechte Hand segnend erhoben; in der linken Hand hält
er die Siegesfahne. Sein Leib ist von einem roten Gewand umhüllt, das
die Seitenwunde Jesu freigibt. Die Figur wurde um 1880/90 geschnitzt. Die
Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In
der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere
in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik. |
| Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altarstehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln. |
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Das Gestühl
auf der Empore ist noch von der ursprünglichen Art wie sie nur in
wenigen Kirchen des Dachauer Landes noch anzufinden sind. Eine Orgel ist nicht vorhanden. |
Frühere Kunstwerke
Die Kirche enthält keine Kanzel mehr. Sie
wurde abgebrochen. Die Figuren der vier Evangelisten am Kanzelkorb kamen in
die Pfarrkirche nach Vierkirchen und stehen dort an der Kanzel wieder an ihrem
alten Platz. Auch die Chor- und Beichtstühle, die Simon
Prugger 1750 angefertigt hatte, sind leider nicht mehr vorhanden. Gleiches
gilt für die Apostelbilder aus der selben Zeit von Franz Mayr. Zwei Bilder,
die um 1890 aus Vierkirchen hierher kamen und vom Freisinger Hofmalers Johann
Baptist Deyrer 1787 gemalt worden waren (St.Sebastian und Mariä Heimsuchung)
wurden wieder zurück nach Vierkirchen gebracht und zieren dort die Seitenaltäre
als Altarblätter.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin
v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Amperbote vom 12.08.1905 u. vom 23.10.1924 (Glocken), vom 21.12.1934
(Beerdigung)
Max Gruber, Die Dachauer Schloßmaurerfamilie Glonner, Amperbote 1966
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr.Gerhard Hanke, Festschrift 1200 Jahre Vierkirchen, 1979
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Alois Angerpointner, Wolfgang von Weichs, Freisinger Domherr, Amperland 1965/1
Max Gruber, Die Pfarrkirche Vierkirchen und ihre Filialkirchen sowie die Pfarrkirche
Giebing, 1979
Max Gruber, Im Amperland tätige Architekten, Bau und Maurermeister, Amperland
1987/2
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (30jähriger
Krieg)
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos,1997
Dachauer SZ 2001
Dr.G.Brenninger, Kirchenabbrüche im Gebiet des Amperlandes als Folgen der
Säkularisation v.1803, Amperland 1992/1
Günter Meissner, Allgemeines Künstlerlexikon, Band 41, 2007 (Glonner Gregor,
Todestag)
30 Bilder: Hans Schertl
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7.6.2010
Gregor Glonner wurde als Sohn der
Bauerseheleute Johann und Katharina Glonner in Greilling bei Tölz geboren.
In Dachau wird Glonner erstmals aus Anlass seiner Eheschließung mit der
Dachauer Schlossmaurerswitwe Sabina Öttl am 11.1.1701 genannt. Durch diese
Ehe wurde Glonner Amtsnachfolger von Johann Öttl. Die Ehe dauerte 13 Jahre.
Sabina starb 1714. Glonner ehelichte noch im selben Jahr, am 21.8.1714, die
Bäckerstochter Maria Babst; Trauzeuge war Schlossgärtner Christoph
Effner. Schon nach drei Jahren verstarb Maria und Glonner musste eine dritte
Ehe mit Maria Miller eingehen, einer Zimmermannstochter aus der Jachenau.
Glonner hatte aus den beiden letzten Ehen acht Kinder, darunter
- den am 14.10.1725 geborenen Sohn Franz Christoph, der später Gärtner
wurde und
- den am 11.1.1723 geborenen Sohn Anton,
dessen Taufpate der berühmte Baumeister Joseph Effner war und
der als Maurermeister in die Fußstapfen seines Vater trat
(er erbaute die Kirche in Vierkirchen).
Von Gregor Glonner sind folgende
Werke bekannt:
- 1706 in Rottbach (Kostenvoranschlag für Friedhofsmauer-Reparatur)
- 1706 in Bogenried (Kostenvoranschlag für Kirchenerneuerung, Ausführung
1709)
- 1707 in Frauenberg (Kostenvoranschlag für Friedhofsmauer-Reparatur)
- 1708 in Freimann (Kostenvoranschlag zum Umbau)
- 1709 in Großberghofen (Kirchenneubau)
- 1709 in Bogenried (Kirchenerneuerung)
- 1710 in Aufkirchen a.d.Maisach ( Kostenvoranschlag für neues Gewölbe)
- 1710 in Etzenhausen (Ausbesserung der Kirche wegen Blitzschlags)
- 1711 in Bergkirchen (Reparatur des Kirchendachs und der Friedhofsmauer)
- 1712 in Niederroth (Kostenvoranschlag zur Reparatur von Kirchen- und
Sakristeigewölbe)
- 1717 in Pellheim (Pfarrhofneubau-Planung)
- 1718 in Biberbach (Kostenvoranschlag für Friedhofsmauer-Reparatur)
- 1722 bis 26 in Oberbachern (Kirchenneubau)
- 1726 in Giebing (Kirchenreparatur)
- 1726 in Fahrenzhausen (Sakristei, Kanzelstiege, Fenstervergrößerung,
Friedhofsmauer).
- 1726 in Etzenhausen (Friedhofsmauer)
- 1726 in Unterschleißheim (Kirchenbau)
- 1727 in Bergkirchen (Kostenvoranschlag für Kirchenneubau)
- 1730 in Bergkirchen (Kirchendach-Ausbesserung)
- 1730 in Mitterndorf (Kirchenturm-Dach)
- 1730 in Röhrmoos (Sakristei und Friedhofsmauer), zusammen mit
J.Leithner
- 1731 bis 37 in Bergkirchen (Ausführung des Kirchenneubaus nach
Plänen von J.M.Fischer)
- 1732 in Emmering (Kostenvoranschlag Turm- und Kirchendachreparatur)
- 1733 in Mitterndorf (Kostenvoranschlag zur Kirchenmauererhöhung
und Dacherneuerung)
- 1740 in Rudelzhofen (Kirchenumbau)
- 1745 in Oberroth (Pfarrhofschätzung).
Glonner starb während des Baus der Kirche in Rudelzhofen am 1.September 1745.
Neue
Kirchenglocken in Rudelzhofen
Amperbote vom 12.08.1905
Gestern wurden die für die Filialkirche Rudelzhofen bestimmten neugeweihten 2 Glocken in feierlicher Weise auf schön dekorierten Wagen unter Begleitung stattlicher Reiter überführt. Hochwürden Herr Pfarrer Kannreuther von Vierkirchen hielt am Bestimmungsort eine erhebende Ansprache, während religiöse Gesangsvorträge der Herren Lehrer der Umgebung zur Hebung der Feier beitrugen. Unter Gebet fand der Einzug statt. Die 2 Glocken wurden Ökonomen Utz und der Glockenstuhl vom Ökonomen Pfundtner daselbst gestiftet. Die beiden Glocken wiegen ca. 8 Zentner.
Glockenweihe
in Rudelzhofen
Amperbote vom 23.10.1924
Der Kirchweihsonntag war für Rudelzhofen ein Festtag – der Tag der Glockenweihe. Gegen 2 Uhr kam der bekränzte Wagen mit den zwei neuen Glocken, eskortiert von schneidigen Reitern, an der Triumpfpforte an, erwartet nicht bloß von den Rudelzhofern, sondern auch von einer Menge von Leuten aus Biberbach, Schönbrunn, Ried usw. Nach einem sinnigen Prolog, vorgetragen von dem Töchterlein des Herrn Bürgermeisters Deichl, hielt dieser selbst die Festrede, in der er ausführte, dass auch Rudelzhofen im Weltkrieg die eine von seinen beiden Glocken abliefern musste; von heute ab aber sollen wieder zwei neue Glocken zur Ehre Gottes erklingen, wodurch ein längst gehegter Wunsch zur größten Freude aller Rudelzhofener in Erfüllung ginge. Die Weihe nahm hierauf Hochwürden Herr Kammerer Johann Söptzl von Vierkirchen vor. Eines soll auch an dieser Stelle betont werden. Die geradezu vorbildliche Opferwilligkeit der Rudelzhofener für ihre Filialkirche. Trotz der derzeitigen enormen öffentlichen Lasten, die auf den Schultern der Landwirtschaft ruhen und trotzdem Rudelzhofen nur vier Höfe zählt, ließen es sich die Rudelzhofener nicht nehmen, heuer im Juni ihr Gotteshaus mit sechs neuen schönen Fenstern zu schmücken, welche die aufstrebende Firma Eberle in Dachau lieferte. Und jetzt, nach vier Monaten, brachten sie schon wieder das Geld auf, um zwei neue Glocken im Gewicht von 5 und 3 Zentnern bei der Firma Hamm in Regensburg zu bestellen. Wahrlich eine Opferwilligkeit, die suchen braucht und die Gott den guten Rudelzhofenern reichlich vergelten möge.
(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)
Beerdigung
von Kreszenz Polz
Amperbote vom 21.12.1934
Am Samstagmorgen läuteten von der Filiale in Rudelzhofen die Totenglocken, um mit dem Klang die im hohen Alter von 80 ½ Jahren verstorbene Hackermutter, Frau Kreszenz Polz, die in der Familie des Schwiegersohnes Deichl hier ihren Lebensabend verbracht hatte, hinüber zu geleiten über die Höhen des Dachauer Landes nach Asbach, wo sie im Familiengrab Polz-Loderer ihre letzte Ruhestätte finden sollte. Hochwürden Herr Kooperator von Biberbach segnete die Leiche im Sterbehaus aus. Den Sarg mit den sterblichen Überresten brachte der Bauer Josef Sedlmeier von Rudelzhofen nach Asbach, wo eine große Trauerschar die Verstorbene zu Grabe geleitete. HH. Pfarrer Geisenberger von Asbach hielt nach den kirchlichen Zeremonien eine tiefempfundene Grabrede, in welcher er die Heimgegangene als eine echte Bäuerin vom guten alten Schrot und Korn schilderte, deren Leben Arbeit und Pflichterfüllung war. Ihrem Gatten war sie eine treubesorgte Lebensgefährtin, ihren Kindern, deren sie elf das Leben schenkte, eine unermüdliche Mutter; sie hat alle Sorgen, die eine Frau und Mutter treffen können, miterlebt und gottergeben getragen. Der Tod raubte ihr acht Kinder und vor sechs Jahren verlor sie den Gatten durch Tod. Eine große Freude war ihrem Mutterherzen zuteil, als ihre jüngste Tochter in das Kloster Lauterbach bei Bregenz eintrat. Anschließend an die Beerdigung fand in Asbach der 1. Seelengottesdienst statt. Ebenso stark wie der Seelengottesdienst besucht wurde, war auch der 2. Seelengottesdienst in Rudelzholfen, der dort am Montag gehalten wurde, von einer großen Trauerschar besucht.
(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)