zur Landkreiskarte       ausführl.Beschreibg       Kirchen in der Gem.Hebertshausen

Filialkirche St. Nikolaus in SULZRAIN

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

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Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Sulzrain wurde erstmals im Jahr 829 als Sulzreini erwähnt.
Sulz bedeutete versumpfter Boden.

Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche von Sulzrain wird schon 1315 in den Konradinischen Matrikeln als Filialkirche von Arnpermoching genannt und war damals wie heute ohne einen Friedhof.
Der heutige Kirchenbau ist der Spätgotik (15./16.Jh) zuzuordnen. In der Rokokozeit um 1750 wurde das Innere barockisiert.
Im Jahre 1803 war die Kirche im Zusammenhang mit der Säkularisation in Bayern zum Abriss vorgesehen. Nachdem sich aber die Gemeinde Sulzrain zur baulichen Erhaltung der Kirche verbindlich verpflichtete, wurde sie vom Abbruch verschont.

Der 3-seitig geschlossene Chor ist breiter als das Langhaus (dies ist selten in Kirchen des Dachauer Landes). 
Der quadratische Turm aus dem 17.Jh mit seinem achteckigem Oberteil ist teilweise in die Westmauer integriert. Er ist durch viele barocke Blendnischen reich gegliedert. Der Spitzhelm wurde er erst nach einem Sturmschaden im Jahr 1878 aufgesetzt und ersetzte eine frühere Zwiebelhaube.
Im Turm hängen zwei Glocken


barocke Ministrantenglocke mit 4 Schellen

Renovierungen der kleinen Dorfkirche dürften -wie dies auch bei vielen anderen Kirchen der Fall ist- mindestens alle 50 Jahre vorgenommen worden sein. Nachgewiesen sind sie in den Jahren 1630, 1793, 1849, 1923 und 1978.

Innenausstattung

Der mit drei Achteckseiten schließende Altarraum ist mit einer unbemalten Flachdecke überzogen; vier rundbogige Fenster erhellen den Raum.

Der Rokoko-Altar stammt von 1749. Drei berühmte Dachauer Künstler waren hier beteiligt: Der Altar wurde von Franz Mayr, Maler in Dachau, und Nikolaus Prugger, Kistler und ebenfalls aus Dachau (sign.), gestaltet; Anton Huber restaurierte ihn 1849.

Die St. Nikolaus-Figur in der geschweiften Mittelnische entstand schon vor dem Altar um 1680. Der Heilige ist im Bischofsornat dargestellt,
in der rechten Hand drei goldene Kugeln.
Im Altarauszug ein Gottvater-Gemälde.

An den Wänden zwei Kreuzigungsgruppen und eine Muttergottesstatue (mit Krone und Zepter).


GottvaterApostel JohannesKreuzigungsgruppeKruzifixSt.NikolausMuttergottesfigurMaria unter dem KreuzVortragekreuz
Vergrößerung von 8 Details (Figuren, Kreuz, Bild) per Mouseklick

Die Kreuzwegbilder im rückwärtigen Bereich des Kirchenschiffs sind Kupferstiche des Augsburger Künstlers Klauber aus dem Jahr 1797.

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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg Matrikel 1740
Säkularisation 1803 Kirchweihfestverlegg Beschreibung 1874
Einrichtung: Altarraum Altar Baubeschreibung Empore Figuren
  Harmonium Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Säkularisation Vortragekreuze

Die Ortschaft Sulzrain wurde erstmals im Jahr 829 als Sulzreini erwähnt. Sulz bedeutete versumpfter Boden.

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315
Die dem heiligen Nikolaus geweihte Kirche von Sulzrain wird schon 1315 in den Konradinischen Matrikeln als Filialkirche von Arnpermoching genannt und war damals wie heute ohne einen Friedhof.

Matrikel 1524
Auch in der
Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird Sulzrain ohne Friedhof beschrieben. In diesem Verzeichnis ist erstmals das Nikolaus-Patrozinium genannt. Nach Georg Werner muss aber zu einer unbekannten Zeit (Kriegszeit ?) ein Friedhof bestanden haben, weil bei Straßenbauarbeiten neben der Kirche menschliche Gebeine zum Vorschein kamen.

Visitationsbericht von 1560
Auch im Visitationsbericht von 1560 wird die Kirche in "Sultzrain" kurz erwähnt. Dort heißt es, sie besitze zwei Kelche mit Corporale (Tuch unter dem Kelch), eine Messingmonstranz, ein Messbuch, ein Liturgiebuch, ein zerissenes Liederbuch und zwei Messgewänder. Das Tauföl ist in einer kleinen Flasche aufbewahrt. Mit den Worten "Sonst kain mangel" endet der Bericht über Sulzrain.



Ausschnitt aus der Karte des Freisinger
Geografen Georg Philipp Finckh von 1655

Die älteste Kirchenrechung stammt aus dem Jahr 1630. Damals erstellte ein namentlich nicht genannter Zimmerermeister die Empore. Die Kosten dafür übernahm der Kirchenpfleger Michael Mändl (Hörlbauer) privat. Der Dachauer Maler Johann Zehentsperger bemalte für 14 Gulden die Emporenfelder mit acht Bildern, darunter die vier Kirchenlehrer (Augustinus, Ambrosius, Gregor d.Große und Hieronymus) und den hl.Bernhard.

Dreißigjährigen Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg hat Sulzrain unter den Schwedeneinfällen 1632 und 1648 schwer gelitten. Am Ende des Krieges, 1648, standen nur noch zwei der elf Anwesen. Ob die Kirche in Mitleidenschaft gezogen worden ist, ist mir nicht bekannt.

Der heutige Kirchenbau ist der Spätgotik (15./16.Jh) zuzuordnen.
In der Rokokozeit um 1750 wurde das Innere barockisiert.

Matrikel 1740

Kirchturm
im 18.Jh.

In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Nicolai in Sulzrain" bemerkt er, sie liege auf einem kleinen Hügel. Der einzige Altar sei dem hl.Nikolaus geweiht. Gottesdienste würden am Kirchweihfest gehalten, das auf den Sonntag innerhalb der Oktav von Mariä Himmelfahrt (15.Aug.) falle und natürlich am Patronatsfest (6.Dezember). Außerdem bestehe nach einem Dekret von 20.Okt. 1692 eine Messstiftung des Ortsangehörigen Michael Mändel für eine Messe monatlich. Dies gehe aus einer Visitationsbeschreibung aus dem Jahr 1706 hervor. Die Messgewänder müssten in der Regel von der Pfarrkirche mitgebracht werden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Ampermoching und der Landpfleger von Dachau. Das Vermögen der Kirche betrage 600 fl. (=Gulden). Das war für damalige Zeiten ein für die Größe der Kirche angemessener Betrag.

Renovierung um 1800
Im Jahre 1793 erstellte der Schlosser- und Maurermeister Anton Glonner einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur der Kirche. Darin schlug er vor, die Bedachung "gegen das Wetter neu auszuschlagen", das Kirchengemäuer an vier Orten zu untermauern und das baufällige Vorhaus neu aufzumauern. Außerdem sollte das Kirchenpflaster neu gelegt werden "weil es selbst völlig verfault ist". Die ruinöse Holzvertäfelung der Decke des Kirchenraums aus "Dafllaerch" (=Tafellärche) sollte abgenommen und die Decke geweißelt werden (Kosten 181 Gulden).


Säkularisation 1803
Im Jahre 1803 war die Kirche im Zusammenhang mit der Säkularisation in Bayern zum Abriss vorgesehen. Nachdem sich aber die Gemeinde zur baulichen Erhaltung der Kirche verbindlich verpflichtete, wurde sie vom Abbruch verschont. Ab dem Jahre 1806 war deshalb die Gemeinde Sulzrain für den Bauunterhalt zuständig.
  In der Anmerkung zum Inventarverzeichnis von 1817 heißt es dazu:
"Diesem Kirchlein wurde ihr Vermögen eingezogen, als entbehrlich erklärt und zu demolieren angeordnet, hätte selbes baulich zu unterhalten die Gemeinde nicht übernommen, das sie auch bisher geleistet und so stehts zur Zierde der Gegend, beraubt ihres Vermögens noch da".

Renovierung 1849
Im Jahr 1849 hat man eine größere Renovierung der Kircheneinrichtung durchgeführt. An erster Stelle stand die Reparatur des prächtigen Choraltars, der damals genau 100 Jahr alt war. Aus dem Kostenvoranschlag des Dachauer Malers Anton Huber kennen wir die Maße und die Ausstattung des Altars, die weitgehend den heutigen entsprechen: Größe: 13,5 Fuß (=3,92 m) hoch und 5,5 Fuß (=1,60 m) breit. Zwei korinthische Säulen. Zwei Altarrahmen, einer vier Fuß, der andere zwei Fuß hoch. Daneben hat man noch die Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Magdalena (!) restauriert.

Verlegung des Kirchweihfestes
Im Jahr 1854 haben die Sulzrainer beim Ordinariat den Antrag gestellt, das Kirchweihfest aus dem Sommer (Sonntag nach Mariä Himmelfahrt -15.8.) in den Herbst zu verlegen. Grund war die Klage der Bauern, dass die Knechte und insbesondere die Mägde mitten in der Erntezeit von Freitag vor der Kirchweih bis Dienstag nach der Kirchweih für die Arbeit ausfielen. Da es für einen Bauern üblich sei, ein Rind, ein Schwein und oft noch zwei bis drei Schafe zu schlachten, bleibe meist Fleisch übrig. Das könne man im Sommer aber nicht räuchern, weil es zu schnell verderbe. Damals war das weltliche Kirchweihfest schon auf den 3.Sonntag im Oktober verlegt; nun sollte auch die kirchliche Feier in Sulzrain, die offensichtlich getrennt von der weltlichen Feier durchgeführt wurde, in eine günstigere Zeit verschoben werden. Geplant war der 3.Sonntag vor Simon und Judas (28.10.), also Anfang Oktober. Dies hätte den Vorteil, dass an einem Sonntag in Sulzrain, am nächsten Sonntag in Mariabrunn und am dritten Sonntag in Ampermoching Kirchweih gefeiert werde. Ob der Antrag genehmigt wurde, ist mir nicht bekannt.
Ab 1866 hat man staatlicherseits alle Kirchweihfeste zwingend auf den 3.So im Oktober verlegt.
Wenn Sie den Antrag im Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über Sulzrain ist zu lesen, dass
in dem "an der Vicinalstraße nach Unterbruck" gelegenen Ort 98 Gläubige in 12 Häusern wohnten. Das Erbauungsjahr der Kirche sei unbekannt. Die "stillose" Gotteshaus habe einen Kuppel-Thurm mit zwei Glöckchen. Die Baupflicht liege bei der Gemeinde. Gottesdienst werde am Patrozinium (6.12.) gefeiert. Den Mesnerdienst versehe ein Bauer.

Pfarrzugehörigkeit
Sulzrain war zwar über die Jahrhundert immer eine Filialkirche der Pfarrei Ampermoching. Doch wirtschaftlich war sie bis 1933 eine eigene Kirchenstiftung. Dies zeigt auch eine Entscheidung des Patrimonialgerichts Schönbrunn vom 16. Juni 1828, in der der damalige Pfarrer Nebel getadelt wurde, weil er zu den Gottesdiensten Kelche, Messgewänder und die Chorröcke der Ministranten aus der Pfarrkirche Ampermoching mitbrachte. Die Sulzrainer mussten sich diese Utensilien selbst beschaffen. Das taten sie auch und kauften sich bei Anton Mairhofer in München für 48 Gulden einen vergoldeten Silberkelch samt Löffel und Patene.
Wenn Sie den Schiedsspruch im vollen Text lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche liegt auf einer kleinen Anhöhe inmitten des Dorfes. Ein Friedhof ist nicht vorhanden.
Der 3-seitig geschlossene Chor ist geringfügig breiter als das Langhaus (dies ist selten in Kirchen des Dachauer Landes). Die Kirche in ihrer breit dahingelagerten Form  gleicht einer Henne, die ihre Flügel schützend über ihre Küken ausbreitet.
Der quadratische Turm aus dem 17.Jh mit seinem achteckigem Oberteil und dem schindelgedeckten Spitzhelm ist teilweise in die Westmauer integriert. Er ist durch viele barocke Blendnischen reich gegliedert. Der Spitzhelm wurde er erst drei Jahre nach einem Sturmschaden im Jahr 1878 aufgesetzt und ersetzte eine frühere Zwiebelhaube (Kosten 350 fl).

Im Turm hängen zwei Glocken. Die Marienglocke mit einem Gewicht von 35 kg stammt aus dem 19.Jh. Die mit 64 kg fast doppel so schwere Nikolausglocke aus Kupfer-Zinn-Bronze wurde von Karl Czudnochowsky aus Erding nach dem 2.Weltkrieg gegossen. Sie besitzt die Aufschrift "Zu Ehren des hl.Nikolaus" und erklingt in der Tonlage g.
  Früher: Schon die Inventarliste von 1656 wies zwei Glocken aus. Nach der Kirchenrechnung von 1730 hat man zwei Glocken repariert: Der Glockenumhänger Thomas Gruber aus dem Salzburger Land hing die beiden Glocken um, machte einen neuen Schwengel und einen neuen Glockenboden (6 fl.26 kr). Aus dem Jahr 1809 ist bekannt, dass im Turm nur ein kleines Glöckchen hing. Im Ersten Weltkrieg musste eine Glocke mit 65 kg (mit der Aufschrift "Maria bitt") für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Die Entschädigung dafür betrug 290 Mark. Die als Ersatz angeschaffte Glocke überstand nur wenige Jahre; sie wurde im 2.Weltkrieg eingeschmolzen.

Im Vorhaus an der Südwestseite sind zwei Gedenktafeln für die Gefallenen der Ortschaft in den beiden letzten Weltkriegen angebracht.

Renovierungen der kleinen Dorfkirche dürften -wie dies auch bei vielen anderen Kirchen der Fall ist- mindestens alle 25 Jahre vorgenommen worden sein. Nachgewiesen sind sie in den Jahren 1630, 1793, 1824 (Dach), 1835 (Blitzableiter), 1848 (innen und außen), 1901, 1908, 1923, 1934 (Dach), 1939/40 (Figuren), 1979 (Isolierung der Fundamente, Putz, Pflaster) und 2001.

Der Heimatforscher Georg Werner aus Ampermoching hat sich ausführlich mit der Baugeschichte der Kirche befasst. Wenn Sie den Aufsatz, der in der Zeitschrift Amperland 2003/1 veröffentlicht wurde, lesen möchten, klicken Sie hier....


I
nnenausstattung

Altarraum

Der mit drei Achteckseiten schließende Altarraum ist mit einer unbemalten Flachdecke überzogen; vier rundbogige Fenster erhellen den Raum.

Altar

Der Rokoko-Altar von 1749 besitzt einen von zwei Wendelsäulen und zwei Pilastern getragenen Aufbau mit verkröpftem Gesims und schrägen Volutenstützen im Aufsatz. Drei berühmte Dachauer Künstler waren hier beteiligt: Der Altar wurde von Franz Mayr, Maler in Dachau (sign), und Nikolaus Prugger, Kistler und ebenfalls aus Dachau (sign.), gestaltet; Anton Huber restaurierte ihn 1849.
Das Antependium ist braun-beige marmoriert (Holz mit Marmorstruktur bemalt) und mit einem vergoldeten Kreuz geschmückt.
Die St. Nikolaus-Figur in der geschweiften Mittelnische entstand schon vor dem Altar um 1680. Der Heilige ist im Bischofsornat dargestellt,auf dem Kopf die Mitra, in der linken Hand den Bischofsstab,
in der rechten Hand drei goldene Kugeln.
Nach der Legende konnte er durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass ein Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste.

Auf dem verkröpften Gesims sitzt der Altaraufsatz, der von seitlichen Voluten gestützt wird. Das ovale Bild wurde wohl bei der Erstellung des Altars im 18.Jh. gemalt.Es stellt Gottvater dar, mit dichtem Bart, der sich auf eine Weltkugel stützt. Das Haupt ist von dem nur ihm vorbehaltenen dreieckigen Heiligenschein umgeben. In der Hand hält er ein Zepter.
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.

Ein kleiner Bronzeleuchter, der angeblich aus dem 13. Jahrhundert stammte, ist 1945 verschwunden.


Figurenausstattung

An der linken Seitenwand steht auf einem Sockel eine Muttergottesstatue aus spätgotischer Zeit. Maria, mit einem rot/ blau/goldenem Gewand gekleidet, trägt eine Krone auf dem Haupt. Sie hält auf dem  linken Arm das Jesuskind, in der rechten Hand ein Szepter.  Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung; im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe den Edelstein Lapislazuli. Und Gold symbolisiert das Ewige, die himmlische Herkunft, den himmlischen Glanz und höchste Herrlichkeit.


Des weiteren ist an der linken Seitenwand eine Kreuzigungsgruppe im gotischen Stil angebracht. Maria hat die Arme in Trauerhaltung über der Brust gekreuzt, der Apostel Johannes mit der Bibel unter dem Arm, weist mit der mit der rechten Hand auf das Kruzifix

      
Früher gehörte zu dieser Gruppe noch eine Figur der Maria Magdalena. Dies wissen wir von der Aufstellung der Renovierungskosten in der Kirchenrechnung 1849.

Kreuzigungsgruppe

Gegenüber, an der rechten Seitenwand ist eine weiter Kreuzigungsgruppe zu sehen. Sie wurde im 18.Jh geschnitzt. Unter dem Kreuz steht Maria als Mater Dolorosa, als Schmerzensmutter mit einem Schwert in der Brust. Das Schwert erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung   im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

 

Neben der Kreuzigungsgruppe steht auf einem Postament an der rechten Wand eine Figur des Erzengels Michael , der mit dem Spieß den unter ihm liegenden Luzifer in Schach hält. Eine weitere Engelsfigur, die mit der Michaelsfigur um das Jahr 1700 geschnitzt worden war, wurde im 20.Jh gestohlen.
  Hinweis: Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1.Mose 3, 23-24) zeigte Hagar, der von Abrahams
  eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres SohnesLeben (1.Mose 16, 7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1.Mose 18, 1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1.Mose 22, 11-18) rang mit Jakob (1.Mose 32, 24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2.Mose 14, 19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte. Gedenktag: 29.September

Das Langhaus besitzt wie der Altarraum eine einfache Flachdecke. 

KreuzwegbilderGeorg WernerMichebaur aus SchuihofKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderRundbildHocker
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Kreuzwegbilder

Ein Teil der Kreuzwegbilder im rückwärtigen Bereich des Kirchenschiffs sind Kupferstiche des Augsburger Künstlers Klauber aus dem Jahr 1797, wie aus der Signatur hervorgeht. Sie wurden für das Exerzitienhaus Fürstenried erstellt und kamen später nach Sulzrain. Die übrigen Bilder stammen aus späterer Zeit und sind im Stil den älteren Bildern nachempfunden. Von Klauber stammen auch die von der selben Platte gedruckten aber colorierten Kreuzwegbilder in Wollomoos.


Vortragekreuz
Das vor den Kirchenbänken aus dem 19.Jh. befestigte Vortragekreuz aus der selben Zeit erinnert an den früheren alljährlichen Bittgang der Sulzrainer nach Pasenbach am 1. Mai jeden Jahres. Dem Korpus wurde ein Blechherz umgehängt.


Empore

Die Kirche ist nicht sehr hoch. Wegen der geringen Kopffreiheit hilft hochgewachsenen Kirchenbesuchern auf der Empore nur eine demütige Haltung.

Die Emporenbrüstung ist durch acht Felder gegliedert. Alten Kirchenrechnungen ist zu entnehmen, dass sie wohl im Jahr 1630 eingebaut wurde. Damals bemalte der Dachauer Maler Johann Zehentsperger acht Bilder, darunter die vier Kirchenlehrer (Augustinus, Ambrosius, Gregor d.Große und Hieronymus) und den hl.Bernhard. Später waren hier die Kreuzwegbilder befestigt, die nunmehr an den Wänden hängen. Heute sind die Holzfelder der Brüstung leer; lediglich ein Rundbild ist in der Mitte angebracht. Es zeigt eine etwas süßliche Muttergottesdarstellung.

Harmonium

Die Kirche hat keine Orgel. Im Kirchenschiff steht hinten links ein Harmonium. Besonders schön ist der Hocker für den Organisten.

 

Die Nische hinter der Rückwand ist der unterste Teil des Kirchturms. In ihr hängen die Glockenseile, mit denen die beiden Glocken noch von Hand geläutet werden.

Hans Schertl


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Bericht des Kreisheimatpflegers Angerpointner (nicht veröffentlicht)
Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Dachauer Nachrichten 2001
Dachauer SZ 2001
Kreisbote Dachau 2001
Georg Werner, Kirchenführung 2001
Georg Werner, Die Sankt Nikolaus Kirche in Sulzrain, Amperland Heft 2003/1 (klicken sie hier....)
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Georg Werner, Kirchenrechnungen der Pfarrei Ampermoching, 2009
21 Bilder: Hans Schertl (20), Georg Werner (1)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.2.2010

Entscheidung des Patrimonialgerichts Schönbrunn
vom 16.Juni 1828

"Man mußte mit großem Befremden in Erfahrung bringen, daß von Herrn Pfarrer zur Haltung verschiedener Gottesdienste in Sulzrain jedes Mal aus der Pfarrkirche Ampermoching ein Kelch als noch andere Gegenstände als Chorröcke verwendet werden. Da diese Gegenstände, namentlch der vergoldete Kelch durch das häufige Hin- und Herschlagen beschädigt werden, so sieht man sich veranlaßt, diese Handlung dem Herrn Pfarrer um so mehr zu rügen, da die Filialkirche Sulzrain mit dere Pfarrkirche Ampermoching in gar keiner Verbindung steht, so sieht man sich bemüßigt, den Gebrauch eines Kelches, Chorrockes ... für alle Zukunft zu untersagen, widrigenfalls dem Pfarrer für jede Übertretung 3 fl von seinem Stiftungsgefälle abgezogen werden müßten. Dieser Mißstand kann um so leichter abgestellt werden, als die Gemeinde Sulzrain allerdings so viel vermögend sein wird, diese höchst nötigen Requisiten aus eigenen Mitteln beizuschaffen."
Pfarrer Nebel fügte folgenden Zusatz an: "Dieses wurde den Bauern in Sulzrain am 22.Juni kundgetan und zur Beischaffung eines Kelches mit Patene, den Ministrantenröcken, Corporale ermahnt."

 

Verlegung der Kirchweihe in Sulzrain

Protokoll aufgenommen im Pfarrhof zu Ampermoching am 11. Juni 1854
die Verlegung der Kirchweih der Filiale Sulzrain betreffend".

Praesent:
Angerpointner, Pfarrer
1 . Johann Riedmaier, Bauer beim Brettschleipfer
2. Michael Heckmaier, Gütler und Kirchenpfleger, gleichfalls von dort
und geben an:

die Feier unserer kleinen Filialkirche fällt jährlich auf den nächsten Sonntag nach Maria Himmelfahrt in Mitte August und sohin in eine Zeit, wo gewöhnlich noch der Weizen oder doch wenigstens Gerste und Haber auf dem Halme stehen. Durch die Feier der Kirchweih gehen uns aber die weiblichen Dienstleistungen am Freitag und Samstag vor und am Dienstag nach der Kirchweih verloren und daß am Kirchweihmontag ohnehin nichts geschieht, ist bekannt. In der Ernte aber vier Arbeitstage verlieren müssen, ist gewiß ein kostspieliger Verlust. Ein weiterer sehr bedeutender Nachteil geht uns dadurch zu, daß uns diese Zeit das Fleisch so leicht verdirbt. Wie dermalen die Kirchweihen gehalten zu werden pflegen, muß der Bauer ein Rind, ein gutes Schwein und oft noch 2 - 3 Schafe schlachten und kann erst am Dienstag sagen, ob und was ihm geblieben ist. Durch die Wärme in dieser Zeit ist aber häufig der Überrest schon riechend und es bleibt sohin nichts anderes übrig als auch ihn noch schnell aufzuzehren, während er zu jeder anderen Zeit geräuchert und aufbehalten werden könnte. Darum hätten sie schon längst gerne die Verlegung ihrer Kirchweih nachgesucht, hätten sie nicht die Feindschaft des Wirtes von Amperpettenbach gefürchtet da aber nunmehr die weltliche Feier aller Kirchweihen auf den 3. Sonntag im Oktober verlegt ist, so bringen sie die unterthänigste Bitte an: "Es möge die kirchliche Feier ihrer Filialkirchweihe auf den 3. Sonntag vor Simon und Judas verlegt worden, wonach am 1. Sonntag vor genanntem Aposteltage die Kirchweih von Ampermoching, am 2.jene von Mariabrunn und am 3. die von Sulzrain fiele."

Es unterschreiben dieses zur Bestätigung auf Ablesen eigenhändig
Johann Riedmair

Ergänzung:
Soll dieses Protokoll mit gutachtlichem Briefe an das hochwürdigste Ordinariat einbefördert werden.
Das katholische Pfarramt, Angerpointner, Pfarrer