zur Landkreiskarte           ausführliche Beschreibg.        Kirchen i.d. Gem. Sulzemoos


Wallfahrtskirche Heilig Blut in EINSBACH

Luftbild
Adresse : 85254 Sulzemoos, Brucker Straße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Einsbach begrüßt den Besucher mit zwei Kirchtürmen: Dem barocken der Pfarrkirche und dem gotischen mit dem beeindruckenden Stabwerk in der Wallfahrtskirche. Dennoch ist die Pfarrkirche die ältere der beiden Kirchen.

Die Wallfahrtskirche hl. Blut mit dem weiteren Kirchenpatron St.Sebastian soll der Legende nach im Jahr 1004 erbaut worden sein; tatsächlich wurde sie wohl erheblich später errichtet.

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird sie jedenfalls noch nicht erwähnt. Man geht davon aus, dass sie zwischen 1354 und der erstmaligen schriftlichen Erwähnung in einer Urkunde des Klosters Fürstenfeld aus dem Jahr 1430 gebaut worden ist.

Gründungslegende: Ein Hirte will die Kommunion von der Pfarrkirche Einsbach mit nach Hause nehmen und verliert unterwegs die Hostie. An dieser Stelle entsteht eine Quelle; sie wird gefasst und später mit der Kirche überbaut.

Die heutige Kirchebau wurde in spätgotischer Zeit (16.Jh) errichtet und um 1670/1680 in barockem Stil um- und ausgebaut.

Der Turm ist durchgehend mit seltenem feinem gotischen Stab- und Maßwerk an den Außenwänden besetzt, das ihm sein charakteristisches Aussehen verleiht. Im unteren Bereich ist er viereckig, im oberen Bereich achteckig.

Bedeckt wird er von einem Spitzhelm mit Schindeln und einem goldenen Knopf. In ihm hängen zwei historische Glocken aus den Jahren 1645 und 1646, die von Bernhard Ernst in München gegossen wurden.

Jahreszahl 1688 am Brunnen

Die letzte Außenrenovierung wurde 1987 durchgeführt; die Innenrenovierung dauerte von 1995 bis 2005.
Am 23. Januar 2005 wurde die Kirche von Weihbischof Haslberger nach der Renovierung neu gesegnet.

Innenausstattung

Das Innere ist barock mit Einsprengseln aus der Zeit des Historismus.

Das Sterngewölbe im Altarraum ist mit Ornamentik-Malerei in den Stuckfeldern ausgestattet. In einem runden Fresko im Perlstab-Stuckrahmen wird ein dornen-gekrönter Christus dargestellt (1680).

Der Hochaltar von Constantin Pader aus dem Jahr 1630 (später verändert) besteht aus einem rundbogigen Aufbau, der durch seitliche Säulen gestützt wird.
Das Hochaltarblatt mit einer Darstellung des hl.Sebastian wurde von Johann Baader Anfang des 18.Jh.gemalt. 

An den Wänden des Altarraums steht inzwischen wieder das ursprüngliche Chorgestühl aus der Zeit um 1680 in altem Glanz.

An der Südwand des Altarraums ist über der Sakristei ein Oratorium eingebaut, von dem aus die Hofmarkherren der hl.Messe beiwohnen konnten, ohne selbst von den Gläubigen gesehen zu werden.


per Mouseklick zur Beschreibungzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des Chorgestühlszur Beschreibung der Kirchenbank-NamensschilderGitterzur Beschreibung der Glasgemäldes: St.Mariazur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung des Brunnenszur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Deckengemäldezur Beschreibung des Glasgemäldes: St.JosefGitterzur Beschreibung der Anna selbdrittzur Beschreibung des St.Rochuszur Beschreibung des Tabernakelszur Beschreibung der Kirchenbank-Namensschilderzur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des Chorgestühlszur Beschreibung der Kreuzwegbilder

Blickpunkt der Kirche ist der barocke Ziehbrunnen am Chorbogen. Er wurde 1688 aus Rotmarmor gemauert. Mit der Aufhängung und dem Rad misst er (über dem Boden) 2, 80 Meter. Auf der Brunnenmauer sitzt ein schönes schmiedeeisernes Gitter. Der Brunnen steht an der Stelle, an der -nach der Legende- die Hostie herunterfiel.

Die Seitenaltäre sind
- der Muttergottes (links mit Nachbildung der Altöttinger Gnadenfigur) und
- dem Herzen Jesu (rechts mit Herz-Jesu-Figur) geweiht.
In den Altaraufsätzen Monogramme von Jesus (IHS) und Maria (MRIA).

Prächtig ist die barocke Kanzel mit Engeln am Kanzelkorb, Baldachin und Vorhangtraperie (1680).

Figurenausstattung der Kirche:
 Anna selbdritt. St.Anna, die Großmutter Jesu, hält ihren Enkel auf dem linken Arm; die Tochter Maria steht zu ihren Füßen.
 St.Rochus, der für Beinleiden zuständige Nothelfer mit Pilgerhut, Hund und Beinwunde.
 St.Notburga, die Bauernheilige mit Sichel und Brot.

Die Kirchenbänke haben geschnitzte Wangen aus der Zeit um 1710; an den Bänken sind noch die alten Namensschilder befestigt.

Nicht mehr in der Kirche, aber noch in der Pfarrei hat sich eine Sammlung alter Votivbilder erhalten.

Heutige Nutzung
Die Kirche wird heute nur noch für besondere Zwecke genutzt. So z.B. für die Feier der Osternacht oder für den Festgottesdienst der Sebastiani-Bruderschaft. 31)



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte: Erste Erwähnung Matrikel 1524 Visitation 1560 Neue Altäre 1630
Bruderschaft 1656 Barockisierung 1678 Matrikel 1740  
Säkularisation 1803 Beschreibung 1874 Patrozinium Renovierungen
 
Ausstattung:
Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl
Brunnen Choraltar Chorgestühl Deckengemälde
Empore Epitaphe Figuren/Altarraum Figuren/Langhaus
Fenster Heiliges Grab Kanzel Kanzelkreuz
Kreuzweg Kirchenbank Oratorium Opferstock
Portale Renovierungen Sakristei Seitenaltäre
Tabernakel Votivbilder Wallfahrt


Geschichte der Kirche

Einsbach wurde 1098 als Jinespach = Bachsiedlung eines Egino erstmals erwähnt. Die Einsbacher Kirche Heilig Blut wurde zwar erst viel später erbaut, dürfte aber dennoch zu den ältesten Wallfahrtskirchen im Landkreis gehören.
  Hinweis: Einer Wallfahrt liegt die Überlegung zugrunde, dass an einem bestimmten Ort Gott mit seinen Gnadenkräften dem hilfsbedürftigen Menschen besonders nahe steht. Schon die Christen der ersten Jh. begannen das durch die irdische Pilgerschaft Jesu für sie heilige Land von überall her zu erwandern. Das früheste Wallfahrtsziel war das Heilige Grab, das damals als "Mittelpunkt der Erde" angesehen wurde. Dazu kamen bald die Gräber der Märtyrer und Heiligen, über die man Kapellen errichtete.

Erste Erwähnung 1430
Das Jahr 1004 wird der Legende nach als Ursprungsjahr der Wallfahrt genannt - eine Zeitangabe, die man heute allerdings für zu früh angesetzt hält. Denn in der Konradinischen Matrikel von 1315 wird die Kirche noch nicht erwähnt. Belegt ist die Existenz des Gotteshauses erst durch eine Urkunde des Klosters Fürstenfeld aus dem Jahr 1430. Nach Auffassung des früheren Kreisheimatpfle-gers Angerpointner spricht auch das von Rom nachweislich im Jahre 1354 eingeführte Patrozinium "Landa et armis Domini" (Hl.Lanze und Marterwerkzeuge unseres Herrn), das am Freitag nach dem Weißen Sonntag gefeiert wurde, dafür, dass der Ursprung der Kirche zwischen 1354 und 1430 zu legen ist. Mit der Hl.Lanze soll der römische Soldat Longinus bei der Kreuzigung Jesu dessen Seite geöffnet haben. Der Legende nach wurde die Lanze zusammen mit dem Kreuz Christi von der hl.Helena im 4.Jh. gefunden. Sie gehörte zu den in Wien aufbewahrten deutschen Reichsinsignien.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524 01)
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 ist von einer "sacella s.Salvatoris in Einspach" (Kapelle des heiligen Erlösers) die Rede. Das Patronat des Heiligen Blutes Christi ist erst später entstanden.


Visitation 1621   15)
1621 wurde die Pfarrei visitiert (überprüft). In dem dabei erstellten Vistationsprotokoll über die Pfarrei Einsbach von 1621 heißt es: "Hatt noch ein Khirchen ad S. Cruorem [= zum Hl. Blut]. Darzue ein grosse Khirchfahrt". Des weiteren berichtet es über den auch von anderen Gnadenstätten bekannten Brauch des Durchkriechens zu Heilzwecken: "Ist der Altar durchaus holl (besitzt eine Höhlung). Schlieffen die Leith dardurch" (s. S.37 f.). Erwähnt wird ferner der "Bronnen mitten in der Khirchen, der wunderbarlich entsprungen". Aus dem gleichen Protokoll erfahren wir, daß die Hl. Blut-Kirche keine Reliquien besitze, außer dem "Holz, daran die heilige Hostia behangen, da der Bronnen entsprungen. Ist in ein hilzig vergolt X (= Kreuz) gefast".


Neue Altäre 1630
Im Jahr 1630 hat man einen neuen Choraltar angeschafft, der vom Dachauer Bildhauer Constantin Pader (1605-1681) geschaffen wurde. Pader erhielt dafür lt. Kirchenrechnung 196 Gulden.   07)
Diesen Choraltar hat der Maler Johann Zehentberger aus Dachau für 190 Gulden gefasst, d.h. bemalt und (teil)vergoldet. Die Gesellen erhielten 45 Kreuzer Trinkgeld. Die Fuhrleute verlangten für das Abholen des Altars 2 Gulden. Das Aufstellen des Altars dauerte vier Tage und verursachte Kosten von vier Gulden in Form von Naturalien (Originaltext: "sy biß an 4ten tag Zetuen gehebt, Jnnen für Zehrung 4 f."). Sogar die 600 ganzen und 150 halben Nägel, die man in Bruck besorgte, sind aufgeführt. Der Altar kostete somit etwas über 388 Gulden (= den Wert von 1850 Litern Messwein).
Damals wurden auch die beiden Seitenaltäre renoviert. Geörgen Stuber, Kistler aus Dachau hat die "gemauerthen Altär unnten her mit holzwerch sauber eingefasßt, damit die Leinwath und andere Altar Ziehr nit also verdirbt".

In dieser Kirchenrechnung 1630 wurde auch aufgezählt, welche Baumaßnahmen in Hl.Plueth für die nächsten Jahre geplant waren. Ob und ggf. wann diese Maßnahmen angesichts des Schwedeneinfalls zwei Jahre später durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt. Lediglich die Arbeiten unter Nr. 7 sind belegt.
Originaltext :   1. Auf dem Chor gegen Mitternacht ein Fenster dem ainen gleich, einzeprechen
     (= Nordwestfenster im Altarraum ausbrechen)
    2. Daß andere Fenster aufm Chor beim Altar auf derLinckhen seithen dem ainen gleich zemachen
     (= Nordostfenster verändern)
    3. Im Lanckhaus gegen Mitternacht 2 Neue Fenster Zemachen
     (= im Kirchenschiff zwei neue Nordfenster ausbrechen)
    4. Item unnder der Porkirchen, am hindtern Schießen 2 große vergätterte Fenster einZeprechen, die man an
      Wolfahrts tägen aufthuen und also Weiln die Khirchen zu Eng, man Zum Gottsdienst hinein sehen khann
      (= für Wallfahrer großes Fenster an der Westseite unterhalb der Empore schaffen und vergittern)
    5. Ain Neuen Predigstuel und Zwar doppelt also Zuerichten, daß man an Khirchfahrthen wie aufm Hl.Perg von
     der Khirchen in Anger hinauß Predigen khann
     (= neue Kanzel auf der man Predigten nach innen und nach außen halten kann, wie in Andechs)
    6. Vom Prunnen in der Khirchen ein Rinnen von Duffstuckhen herauß Zupflastern
    7. Den Prunnen schöner und Zierlicher einZefassen und obenher ein Crucifix Zestellen
     (= neue Brunneneinfasssung mit Kruzifix)
    8. Den Uhrsprung und Miracul mit der heiligen Hostia renoviern Zlassen
      (= Wallfahrtsbild renovieren)
    9. Jnn der Sacristey ein rechten Cassten Zu den Ornäthen Zemachen
     (= neuer Sakristeischrank)
  10. Item damits Liechter und nit so dimplet wehre, noch ein Fenster einzeprechen
     (= ein weiteres Fenster ausbrechen, damit es heller und nicht mehr so dämpfig ist)
  11. Die Thier beim Choraltar besser Zuuerwahren und noch ein yberthür machen Zlassen
     (= Die Tür hinter dem Choraltar besser verschließen)

 

Bruderschaft 1656
Im Jahr 1656 wurde eine Sebastiani-Bruderschaft gegründet. Der Wirt Georg Bernhard hatte einige Zeit vorher 200 Gulden gestiftet. Die Kriegsereignisse aber hatten die Gründung verhindert.
Der Namenstag des Heiligen, der 20.Januar, war immer ein großes Fest, zu dem viele Pilgerschaften aus den benachbarten Orten kamen. Es wurde vormittags ein Hochamt gehalten; am Nachmittag folgten Predigt und Prozession mit Allerheiligstem. Am Tage danach wurde für die Verstorbenen Bruderschaftsmitglieder ein Requiem und Lobamt zelebriert. Am Gründonnerstag ging man mit Allerheiligsten von hier in die Pfarrkirche; das hl.Grab und die Auferstehungsfeierlichkeiten waren aber in der hl.Blutkirche. In einem zeitgenössischen Bericht heißt es, dass "in Kriegs- und Sterbsläufften" die Pfarrgemeinde Zuflucht zum hl. Sebastian genommen habe.   03)

Die Verehrung von St.Sebastian als eine Art zweiter Patron der Kirche zeigt sich auch im Altargemälde, im früheren rechten Seitenaltar und in den Votivtafeln, auf denen häufig St.Sebastian um Fürbitte angerufen worden ist. Die Bruderschaft existiert auch heute noch. Aus dem Jahr 1933 gibt es einen Zeitungsbericht über die Feier des Sebastianifestes (zum Lesen hier klicken...)

Barockisierung 1678
Die heutige Kirche wurde, wie so viele Kirchen im Dachauer Raum, im gotischen Stil errichtet und in der Barockzeit, hier um 1678, (andere Quelle: 1670) um- und ausgebaut. Das Altarblatt des Hochaltars, der hl. Sebastian soll von Johann Bapt. Baader (1717-1780) gemalt worden sein. Wenn das zutrifft, ist das Altarblatt erheblich später als der Altar entstanden und dürfte nicht zur Erstausstattung gehört haben.
Erhalten ist das Gesuch um Erlaubnis zur Renovierung, bei dem auch der Kostenvoranschlag (Überschlag) in Höhe von 1000 Gulden vorgelegt wurde. Begründet wird das Gesuch damit, dass das ganze Jahr hindurch Wallfahrer kommen. Das Pflaster der Kirche sei wegen der Feuchte ruinös und müsse neu verlegt und das Chorgewölbe, abgetragen und neu aufgerichtet werden. Und der Dachstuhl sei total verfault.


Altarweihe 1704
Am 24. Mai 1704 (andere Quelle: 26.9.1707) hat Fürstbischof Johann Franz von Eckher den Hochaltar zu Ehren des Heiligsten Welterlösers und die Seitenaltäre der Jungfrau Maria (links) bzw. dem hl. Sebastian (rechts; inzwischen Herz-Jesu-Altar) geweiht. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach), ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (= 23 pro Jahr) geweiht. Dies war notwendig geworden, weil von 1652 bis 1695 nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron saßen , die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe.   10)


Schmidt'sche Matrikel 1738/40 01)
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis ad s.Cruorem in Einspach" bemerkte er, die Kirche sei ein sehr schöner Bau und sei berühmt für das Wunder, nach dem ein Kommunizierender die heilige Hostie aus dem Mund genommen hat und später versehentlich auf die Erde fallen ließ, worauf an dieser Stelle eine Quelle entsprungen sei. Dieser Ort befinde sich mitten in der Kirche beim Brunnen, dessen Wasser Heilkräfte vor allem gegen Blutfluss besitze. In der Kirche befänden sich drei Altäre: Der Hochaltar sei zu Ehren des heiligen Bluts Jesu Christi geweiht; dort stehe die wundertätige Figur des heiligsten Erlösers, die von Wallfahrern besucht werde. Ein Seitenaltar habe die Jungfrau Maria, der andere den Martyrer Sebastian zum Patron. Der letztere Altar sei der Bruderschaftsaltar (Sebastianibruderschaft); in ihm befänden sich Reliquien von St.Sebastian. Gottesdienste würden hier in der Kirche gefeiert: an Kirchweih (3.Sonntag nach Pfingsten), am Lanzenfest oder Heiltumsfest (Freitag nach dem Weißen Sonntag), außerdem Messen aufgrund einer Stiftung des früheren Pfarrers Johann Kayser von 1560. Zur Stiftung schreibt Schmidt: "darumben genüesset ein Pfarrer ein Wismath, die mittere Seelacha genannt; mues aber hiervon dem Gottshaus 5 fl. jährlich raichen". Auch damals gab es keinen Friedhof. In der Sakristei wurden die notwendigen Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

Vom Jahr 1791 ist die Stiftung eines Kreuzwegs bekannt. Es kann sich aber nicht um die heutigen Bilder handeln, weil diese nach einer erst um 1850 angefertigten Vorlage gestaltet sind.

Säkularisation 1803
In der Zeit der Säkularisation, 1804, galt die Hl.Blut-Kirche nach dem Ende der Wallfahrt als überflüssig. Sie sollte in einer öffentlichen Versteigerung verkauft werden. Der Pfarrer gab an, in der Kirche befänden sich keine Reliquien; "nur ein miraculößer Brunnen, welcher sich mitten in dieser Kirche befindet". Am 21.7.1804 erging der Befehl, die Kirche zu versteigern. Die Altäre dieser Wallfahrtskirche waren schon exsekriert, d. h. die Altarsteine entnommen, so dass auf den Altären nicht mehr das Messopfer gefeiert werden durfte.
Aber die Einsbacher Einwohner griffen zu einer List: sie funktionierten die Kirche zu einer Scheune um und füllten sie bis oben hin mit Heu. Eine Scheune brauchte aber nicht abgerissen zu werden.
Eine andere Quelle schreibt die Rettung dem Pfarrer Joseph Metzger zu. Er soll durch seine mündliche Vorstellung beim kurfürst-lichen Hofe in München die Kirche vor dem Abbruch gerettet haben. Und das trotz oder mglw. wegen seiner schwierigen Umgangsformen, die im Pfarrarchiv wie folgt beschrieben werden: "Er war bekannt und gefürchtet durch seine Derbheit in Figuren und Sprüchen".

Patrozinium
Seit der Säkularisation (nachgewiesen seit 1817) wird das Patrozinium der Wallfahrtskirche am 20. Januar, dem Fest des hl.Sebastian begangen. Bis dahin war es das Lanzenfest (auch Speerfest oder Heiltumsfest genannt), am Freitag nach dem Weißen Sonntag.   04)

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Wallfahrtskirche zum hl.Blute in Einsbach als Nebenkirche der Pfarrei erwähnt. Dort heißt es : "Erbauungsjahr unbekannt. Geräumig. Größer als die Pfarrkirche. Stillos. Im Schiffe ein Tonnengewölbe. Spitz-Thurm mit 2 Glocken, mit der Kirche nicht in Proportion. Auch hier ist ein Consecrationsjahr nicht aufzufinden. Eine hölzerne Tafel theilt aber mit, daß Bischof Joh.Franz am 26.Sept.1707 den Hochaltar "in honorem Sanctissime oruoris Domini", die Seitenaltäre "in hon.B.V.M." und "S.Sebastiani" consecrirt habe. Als im Jahr 1804 auch diese schöne Kirche als entbehrlich demolirt werden sollte, erhielt der damalige Pfarrer Metzger den oberhirtlichen Auftrag, die Reliquien ohne Aufsehen aus der Kirche zu entfernen. Kirchenvermögen 2400 Gulden". Zwar gelang es seinem eifrigsten Bemühen, die Kirche zu retten, aber die Altäre waren bereits exsecrirt. Als bei einer Hauptreparatur das Tonnengewölbe hergestellt wurde, blieben die Mauern des Schiffes und das Gewölbe des Presbyteriums stehen, war also die Kirche noch als consecrirt zu betrachten. 3 Altäre, Orgel mit 4 Registern. Stiftungen:12 Monatsmessen, 1 Jahrtag, 8 Quatember-Aemter (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Bittgänge: An Mariä Heimsuchungsfest kommt die Gemeinde von Maisach hierher. Meßner und Cantor ist der Lehrer.


Renovierungen

1715 erstellte der Zimmermeister Thomas Kiening aus Einsbach (1663-1723) einen Überschlag für Reparaturen 13)
1788
Aus dem Jahr 1788 ist eine Renovierung der "hl.Blutkapelle" aus Mitteln der Sebastiani-
bruderschaft bekannt. Und das, obwohl am 20.März 1787 das Landgericht Dachau in einer Resolution die Kirche als "nach vorläufiger Correspondenz mit dem Ordinariat als unnütz" bezeichnet wurde.
1815 war eine weitere Restauration nötig, nachdem die Kirche 11 Jahre vorher zur Scheune
    umfunktioniert worden war, um sie zu retten. 460 Gulden kostete die Instandsetzung.
1856 Doch die Baumaßnahme von 1815 war wohl nicht von hoher Qualität. Denn schon 1856 notierte man:
    "dem Verfall nahe". Die Restauration kostete 900 Gulden.
1987 Im 20.Jh sank der Grundwasserspiegel. Dies führte zu schweren Bauschäden bei der Kirche, die deshalb um die Jahrtausendwende mit einem Betonfundament unterfangen werden musste. 1987 wurde eine Außenrenovierung durchgeführt.

1995
-
2005

Die umfassende Restauration des Kircheninneren dauerte fast zehn Jahre. Farblich wurde der Zustand aus dem späten 18.Jh. wieder hergestellt.

um 1980



Wallfahrt

Auf einem 177 x 150 cm großen Ölbild aus der Zeit um 1600, das erstmals 1696 und zuletzt im Jahr 2007 renoviert wurde, wird die Gründungslegende von Heilig Blut in Wort und Bild erzählt:
Danach wollte ein Hirte aus dem nahen Schloss Lauterbach nach der Osterkommunion die geweihte Hostie mit nach Hause nehmen (Detailbild 2). Als er ein Viehgatter am Ortsrand überstieg, sei ihm, so der Bericht, die Hostie aus der Hand gefallen. An der Stelle, an der sie den Boden berührte, sei daraufhin eine Quelle entsprungen (Detailbild 1). Die Quelle wurde gefasst und mit der Wallfahrtskirche überbaut.

Der Text in der Kartusche unter dem Bild beginnt mit den Worten "Als man eintausendvier gezählt hat"
Das Jahr 1004 ist historisch nicht richtig; die Wallfahrt entstand erst mehrere Jahrhunderte später.
Denn in der Konradinischen Matrikel von 1315, dem ältesten Verzeichnis aller Kirchen in der Diözese München und Freising ist die Kirche noch nicht enthalten. Erstmals erwähnt wurde sie erst in einer Urkunde des Klosters Fürstenfeld aus dem Jahr 1430. Der Bau ist demnach zwischen 1315 und 1430 errichtet worden.

Hirte empfängt KommunionHier entspringt die QuelleText
zu Detailvergrößerungen ins Bild klicken

Der Text auf dem Legendenbild lautet:
" Alß man ain Taußent Vnd vier gezellt hat Der Finger gottes grosß Wunder That: Es hielt ßich auf in dem Schloß Lauterpach Ein Man der s vich gfuetert Zu tag vnd nacht. Dißer wolt dem g'bott Chrißtlich auch nachlebn, Daß die Kürch Gottes z'osterszeit thuet geben: Er alßo mit andern Hieher gangen Daß hegste Guett willens zu empfangen. In desßen gab ihme ßein ainfalt ein, Er ßoll diesen Göttlichen Gast Tragen heimb, Ihn alß Seinen Erleßern Gott vnd Herrn In der bewohnung liebn lobn vnd verehrn. Mit disser Beüth er schnell nach hauß geeillt Doch hat er auf der Stügl sich was verweillt, Will die Hosty nemben auß seinem Mundt Damit ers in ein reineß Tüechlein wundt: Da entwich ihm daß heillig Sacrament, Vnd blibe an einem Spalten (des Dorfzaunes) hangent Von dannen durch einen Wündt erhoben, Ist disß Englbrodt völlig Zur Erdt geflogen. Nun hört Wunder waß hierbey geschechen Daß vill hundert Menschen mit augn gesehen Kaum ist die Hosty Zur Erdten khomen Ist gleich clar wasßer heruorgespruengen Dem armen Man voller forcht vnd verzagt Khombt die Reu der That, die sein ainfalt gwagt. Auß sorg beweeget lauft er von hinnen, Dem Pfarrer disß Wunder Zuuerkün-den. Der Selbe mit sambt seinen Capellan, Vnd villen so Ihm waren zuegethan, Besuchn mit grosser andacht disses orth, Zuerforschn waß gewürkht das Göttlich wortt: Da sahens mit hegster verwunderung, Das Gott im neuem brindlein herumbschwumb Als Er Ihn mit der handt wolt erlangen, Ist Jesvs vor aller augn vndergan-gen. Worauf solche wunder geschehen waren, Derglei-chen nit bekhant von villen Jahren. Daher dißer Brun allen so angenemb Gleichwie der Fischteich Zu Jerusa-lem. Khombt dann kranckh lamb vnd waß presthafft ist, Schepfft haill auß dem Brun deß Herrn JESV Christ Amen!' "

Hinweis: Im mittelalterlichen Verständnis bedeutete das heilige Blut die Verehrung des "Fronleichnams", des Leibes Christi in Form der Hostie. Bis in die Barockzeit hinein wurden überall dort, wo Hostien gefunden wurden, Kapellen und Kirchen errichtet. Die Missachtung oder die unwürdige Behandlung der Hostien wurde als große Schuld angesehen. Einen Weg, um Verfehlungen zu sühnen, sah man nach dem 13. Jh in Heilig-Blut-Wallfahrten.

Aus den Votivbildern ist zu erkennen, dass bis zur Mitte des 19. Jh. in Einsbach der Heiligblutkult im Vordergrund stand. Auf den älteren Bildern sehen wir als Gegenstand der Verehrung die Hostienmonstranz, ab 1800 rückt St.Sebastian immer mehr in den Vordergrund. 15)
Der Historiker Robert Böck beschreibt in seinem Buch "Wallfahrten im Dachauer Land" eingehend die Liturgie in der Heiligblutkirche. "Sie galt vor allem der Verehrung der Passion Christi". Außer den Gottesdiensten und Andachten am Schauer-freitag (=Tag nach Christi Himmelfahrt) und an Kirchweih (= 3.Sonntag nach Pfingsten) war das 'Speerfest' ein feierlicher Höhepunkt des Kirchenjahres. Dabei waren vor allem die 'Heilige Lanze' und die Leidenswerkzeuge Christi Ziel der Verehrung. Zu diesem Fest kamen Bittgänger aus Sulzemoos, Kreuzholzhausen, Welshofen, Wenigmünchen, Rottbach und Mammendorf. "Am Schauer- oder Wetterfreitag, der, wie das Speerfest, mit Hochamt, Predigt und Flurumgängen gefeiert wurde, fanden sich die Gemeinden Sulzemoos, Maisach, Wenigmünchen, Ebertshausen, Bergkirchen, Walkertshofen und Kreuzholzhausen ein. Mit den Donnerstag-Andachten in der Fastenzeit war bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein aufwendiges Ölbergspiel mit einer großen Bühne und beweglichen Figuren verbunden. 15)

Auch das Heilige Grab wurde in der Heiligblutkirche aufgestellt" ..mehr zum Hl.Grab .... Dazu kamen die Feste und religiösen Übungen der Sebastiani-Bruderschaft, die auf Betreiben von Pfarrer Ulrich Widmann zu Ehren des Pestpatrons errichtet, am 20. Juli 1656 durch Fürstbischof Albrecht Sigismund (1651–1685) bischöflich genehmigt wurde.
Papst Alexander VII. (im Amt 1655 bis 1667 ) verlieh der Bruderschaft am 21. Februar 1658 einen Ablass. Die Bruderschaftsfeste wurden damals am linken Seitenaltar gefeiert. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. fand am Sebastianstag (20. Januar) das Hauptfest der Kirche statt. Man zelebrierte es mit Amt, Nachmittagspredigt und Sakramentsprozession. 15)

Die Wallfahrt zum hl.Blut hielt sich bis zum Ende des 18.Jh. Die Pilger tranken das Brunnenwasser oder wuschen sich damit die Augen. Zudem pflegten sie zur Beichte zu gehen.   27)

Der Pfarrer Franz Felix Sigler, der in der Zeit der Auf-klärung die Pfarrei von 1781-1802 leitete, war schon in seiner Zeit als Dachauer Pfarrer (1776-1781) ein Illuminat gewesen, d. h. er gehörte jenem Geheim-bund an, der durch "Selbst- und Menschenkenntnis reine menschliche Vollkommenheit zu erreichen such-te, zu dem der Orden als Weisheitsschule führen sollte".

Wallfahrtsbrunnen
Sigler sah das Wassertrinken zu Heilzwecken als einen Aberglauben an und versuchte, die "Mär aufzuklären", wie es in einem von der Agendagruppe "Geschichte von Sulzemoos" entdeckten Dokument heißt. Die damaligen Pfarrangehörigen vermuteten, der Pfarrer sei wohl mit der seelsorgerischen Betreuung der Wallfahrer überfordert und wolle seine Ruhe haben. Als die "Aufklärung" beim Volk nichts bewirkte, ließ Sigler mehrere Zentner Salz in den Brunnen schütten, um das Wasser ungenießbar
zu machen. Das erregte den größten Unwillen der Bevölkerung ringsum im "Dachauer Gau",erreichte aber sein Ziel, das Wassertrinken zu verhindern. Doch die Überzeugung des Pfarrers war wohl nicht sehr gefestigt, denn als er später selbst schwer an einem Beinleiden erkrankte, suchte auch er Heilung im Brunnenwasser. Und es hat wohl auch geholfen. Denn auf einer von ihm gestifteten Votivtafel mit dem Datum 3.6.1791 ist der Pfarrer darauf dargestellt, in einem Schlafrock im Lehnstuhl sitzend; sein Fuß ist hoch angeschwollen und verbunden. Die Krücken stehen daneben. Der Text auf dem "Ex voto - Bild" lautet: "Der H.H Pfarrer Felix Sigler, kurfürstlicher Rat und Pfarrer allhier (zu Einsbach) verlobte sich in einer todesgefährlichen Krankheit, dann darauf folgenden ebenso todesgefährlichen Operation seines Fußes zum allerheiligsten Blute Jesu mit warmen Vertrauen und, obschon Doktor und Leibarzt an seinem Leben gänzlich verzweifelten, ist selber (Pfarrer Sigler) doch durch Gottes Hilfe wunderbar ich erhalten worden. Zur schuldigsten Dankbarkeit hat er gegenwärtige Tafel fertigen und anbringen lassen. Geschehen den 3.6.1791."  11),  15)


Baubeschreibung

Der spätgotische Chor besitzt 2 Achsen , ist gegenüber dem Kirchenschiff leicht eingezogen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Er wird durch zweifach abgetreppte Stützpfeiler gestützt.
Das Langhaus, das Kirchenschiff, ist dreiachsig. Es besitzt zwei Portale an der Südwest und der Nordwestseite.


Stab- u.Maßwerk am Turm

Der an der Südseite des Chores angebaute Turm besitzt einen viereckigen Grundriss und verjüngt sich nach oben zu einem Achteck. Er ist durchgehend mit seltenem feinem Stab- und Maßwerk an den Außenwänden geziert, unterbrochen nur von den vier rundbogigen Schallfenstern für die Glocken. Bedeckt ist er mit einem Spitzhelm. 1936/37 wurde der Turm renoviert und mit Fichtenschindeln neu eingedeckt: das war auch notwendig; an einer Stelle des Dachs wuchs in "ziemlicher Höhe" ein Baum heraus.
Im Turm hängen -nach Aussage des Glockenexperten Ralf Müller- zwei historischen Glocken. Beide wurden von Bernhard Ernst in München gegossen; die kleinere 1645, die größere 1646.
Wenn Sie eine Zusammenstellung der historischen Glocken im Landkreis Dachau sehen möchten, klicken Sie hier...

Zwischen Turm und Kirchenschiff ist die Sakristei mit Pultdach angebaut.

Innenausstattung

Altarraum

Der etwas eingezogene Altarraum besitzt zwei Joche und schließt mit 3 Seiten eines Achtecks . Er liegt um 2 Stufen höher als das Kirchenschiff.
Der Altarraum ist mit einem Sterngewölbe mit Stich-kappen überdeckt. Das Gewölbe wird scheinbar von Pilastern mit korinthischen Kapitellen und doppelten Gesimsstücken getragen.

Decke im Altarraum
Diese Pilaster sind aber nur spätgotischen Pfeilern vorgesetzt. Geschmückt ist die Decke des Chores mit einfacher Stuckdekoration, die auch als Qua-dratur bezeichnet wird (Rahmenstuck, Akanthus-Motive und Engel mit farbigen Flügeln).  05)


D
eckenfresko


Das runde Fresko im Chorgewölbe stellt den dornengekrönten Christus als Schmerzensmann dar.
In seiner Linken hält er das Kreuz; aus der Seitenwunde fließt sein Blut, das er in einem Kelch auffängt.

Deckenfresko:
Schmerzensmann 1680
Das wohl 1680 entstandene Gemälde bezieht sich in seiner Aussage auf das Patrozinium der Kirche, das heilige Blut. Das Fresko ist in einen Perlstab-Stuckrahmen eingefasst. Danach folgt ein weiterer Fruchthänge-Rahmen aus Blättern, Birnen, Trau-ben und Granatäpfeln.

Hochaltar/Choraltar

Der 440 cm breite und fast raumhohe Hochaltar wurde wahrscheinlich von Constantin Pader im Jahr 1630 errichtet und und von Christian Pfab gefasst.  07) Die aus Dachau stammenden Künstler Konstantin Pader (Bildhauer) und Christoph Pfab (Maler) haben öfters zusammengearbeitet. Bekannt ist dies aus den Kirchen im Dachauer Gebiet von Arzbach (Seitenaltar), Einsbach-Wallfahrtskirche Hl.Blut (Choraltar) und Mitterndorf (Choraltar) sowie aus Biberach /Württemberg.
150 Jahre nach der Erstellung, um 1780/90 wurde der Choraltar in frühklassizistischem Stil umgearbeitet. Er besteht nun aus einem rundbogigen Aufbau, der durch vier schmale Säulen gestützt wird. Ein Altaraufsatz fehlt. Das Retabel ist blau-rosa marmoriert (= mit Marmormuster bemalt) und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Die Stipes, der Altartisch, besteht aus Holz mit Gitterwerk in Tumbaform. Darin befinden sich Kreuzpartikel.   


Hochaltarblatt
Das Hochaltarblatt zeigt eine Darstellung des hl.Sebastian. Es wurde von Johann Baptist Baader, dem "Lechhansl" aus Vilgertshofen im Lechrain (1717-1780) Mitte bis Ende des 18.Jh. gemalt.

Das Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund) stellt dar, wie der hl. Sebastian von seinen Henkern an den 'Marterpfahl gebunden wird, bevor sie ihn mit Pfeilen durchschießen. Im Himmel steht auf Wolken ein Kelch mit Hostie als Symbol für Christus.



Martyrium des Sebastian
von Joh.Baptist Baader

Das Bild erinnert an die Sebastianibruderschaft, die in Einsbach 1656 gegründet wurde und immer noch besteht. St.Sebastian ist der zweite Patron der Kirche.


Früher stand auf dem Hochaltar eine Salvator-Figur, die 1865 auf ein Podest an die Kirchenmauer versetzt wurde, weil sie angeblich "keinen künstlerischen Wert" hatte.
Die St. Salvator-Statue war bis zu diesem Zeit-punkt das Gnadenbild der Hl. Blut-Kirche, "das mit Wunderzeichen leuchtete und von volkreichen Prozessionen besucht wurde". Die Figur ist heute

 
nicht mehr vorhanden. Der Historiker Robert Böck schrieb, dass der der Heiligblut-Wallfahrt wenig zugeneigte Pfarrer Felix Sigler (1781 -1802) die Figur im Jahre 1790 entfernen ließ, um das neue St. Sebastiansbild, das bis heute den Hochaltar ziert, besser zur Geltung zu bringen. Die alte Salvatorstatue entsprach wohl den Darstellungen auf dem Chorfresko der Heiligblutkirche und auf dem Votivbild des Bauern Leonhard Strixner aus der nahegelegenen Einöde Prack von 1800. Möglicherweise diente es auch als Vorbild für das Salvatorbild auf dem Epitaph des Pfarrers und Dekans Georg Mezger (gest. 19. März 1560) an der Außenwand der Pfarrkirche in Bergkirchen (siehe Bild links)  15)

Tabernakel


Der Tabernakel im neubarocken Stil (um 1910) besteht aus Holz und ist marmoriert. Er besitzt einen geschwungenen Abschluss und wird von zwei Anbe-tungsengeln flankiert. An der Türe ist ein kleines Kruzifix angebracht.


Tabernakel -1910
Die Engelsfiguren mit Leuchtern, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundes-lade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9). 22)

 

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharis-tischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Diese Regel galt bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1962-65).


Auferstandener
In der Osterzeit steht auf dem Tabernakel die Figur des Auferstandenen. Jesus ist teilweise in ein rotes Gewand gehüllt. Mit der linken Hand hält er die Siegesfahne, die rechte Hand erhebt er segnend. Sein Haupt ist mit einem großen dreistrahligen Heiligenschein (Nimbus) umgeben. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik. 22)

Beichtstuhl

Hinter dem Altar, in die Ostwand des Altarraums hineingebaut, ist noch ein alter dreiteiliger Beichtstuhl aus Eichen- und Fichtenholz erhalten. Er ist 212 cm hoch und 164 cm breit und wurde um 1680 gefertigt. Allerdings wurde er später wohl ergänzt.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Er entwickelte sich ab dem 16.Jh zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem erhöhten Mittelteil für den Priester und mit der Trennung von Priester und

Beichtstuhl
1680
  Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den
Seiten-teilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten so genannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Hinter dem Altar sollen an der Wand noch Reste gotischer Wandmalereien zu sehen sein.


Fenster
  
Stuck in den Laibungen
Eine besondere Zierde sind die ovalen Fenster, deren Laibungen mit farbigem Stuckfeldern und deren Glasfläche mit Fenstergemälden verziert sind.


St.Josef -1910
Die Fenstergemälde stellen die Eltern Jesu, Josef und Maria in barocken Rahmen dar. Beiden ist eine Lilie zuge-ordnet, die Blume, die schon seit dem Mittelalter die Reinheit und Keuschheit verkörpern soll. Um das Haupt Mariens ein Kranz von zwölf Sternen.

St.Maria-1910

Die Fenstergemälde sind um 1910 entstanden und wurden 1987 von der Fa. Grün aus Velden-Taufkirchen restauriert.
  Hinweis: Die zwölf Sterne um das Haupt Mariens erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels.Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


Sakristei

An der Südseite des Altarraums führt eine Türe in die relativ langgestreckte Sakristei. Neben dieser Türe ist an der Wand des Altarraums die Chorglocke oder Sakristeiglocke befestigt, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes gibt. Es handelt sich um eine kleine Glocke, die mit einer Zugstange aus Metall zum Klingen gebracht werden. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Chorglocke


Deckenstuck
in der Sakristei

In der Sakristei hängen die Seile, mit denen die beiden Glocken im Turm per Hand geläutet werden können und müssen. Die Decke der Sakristei ist mit Stuck verziert, der ein kreuzförmiges Feld bildet. Darin ist auf rotem Hintergrund das Jesusmonogramm IHS sowie ein Herz mit drei Nägeln und einem Schwert abgebildet.

Hinweis: IHS das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Oratorium
An der Südwand des Altarraums ist über der Sakristei, im ersten Turmgeschoss, ein Oratorium eingebaut. Von hier aus konnten die Hofmarkherren der hl.Messe beiwohnen, ohne selbst von den Gläubigen gesehen zu werden. Über und unter dem Gitter sind Stuckverzierungen angebracht. Die untere Verzierung ist einem rosa Tuch nach-empfunden.
 
Oratorium


Chorgestühl

Seit Ostern 2007 steht auch wieder das ursprüng-liche Chorgestühl aus der Zeit um 1680 in altem Glanz an seinem Platz, an den Wänden des Altar-raums. In den 1970iger Jahren war es im Zuge der Grundsanierung (Betonarbeiten) ausgebaut und an verschiedenen Aufbewahrungsorten gelagert worden, wo es im Laufe der Zeit verfiel.


Chorgestühl 1680

Vor einigen Jahren holte die damalige Kirchen-verwaltung -gegen Widerstand- die 100 bis 200 maroden Einzelteile nach Einsbach zurück und beauftragte den Restaurator Hans Meyer aus Waging mit der Wiederherstellung. "Der Restaura-tor hat ein kleines Wunder vollbracht" hieß es bei der Einweihung.



Figuren im Altarraum

Am Chorbogen sind auf Postamenten zwei schöne Figuren angebracht:


Anna selbdritt

Links eine Darstellung der Anna selbdritt. Die Großmutter Jesu, Anna hält ihren Enkel auf dem linken Arm, während die Tochter Maria -noch als älteres Kind- zu ihren Füßen steht.
Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.

Rechts ist eine Figur von St.Rochus zu sehen. Der Heilige ist in ein faltenreiches Gewand gekleidet. Er trägt einen Pilgerhut mit Muschelverzierung auf dem Kopf. Zu seinen Füßen lagert ein Hund. St. Rochus weist mit der Hand auf eine große Wunde an seinem Oberschenkel.
  Hinweis: Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet.


St.Rochus


Brunnen am Chorbogen


Brunnengitter
Unter dem neu betonierten Chorbogen ist ein großes schmiedeeisernes Gitter anstelle eines früher wahrscheinlich vorhandenen Lettners angebracht. Der Lettner war vom 13.bis 16.Jh eine Trennwand zwischen dem Chor (für die Kleriker) und dem Kirchenschiff (für die Laien). Am Lettner stand fast immer ein Lesepult; davon hatte er seinen Namen erhalten (lat. lectionarium).
Die heute noch vorhandenen Gitterstäbe sind in blaugrüner Farbe gestrichen, die Spitzen, Spangen und Köpfe wurden vergoldet.  

Blickpunkt der Kirche ist der barocke Ziehbrunnen am Chorbogen. Sie steht an der Stelle, an der nach der Legende die Hostie heruntergefallen war. Der heutige, aus Rotmarmor gemauerte Brunnen mit einem Eisen-gitter auf dem Brunnenrand (in Durchstecktechnik) wurde im Jahr 1688 errichtet.

Ziehbrunnen 1680

Die Jahreszahl ist im Marmor eingraviert. Oberirdisch besitzt das Mauerwerk die Maße: Höhe 92 cm, Durch-messer 120 cm. Dazu kommt noch die schmiedeeiser-ne Ziehbrunnenaufhängung mit Rad, sodass der Brun-nen eine Gesamthöhe von 282 cm erreicht. Das Zier-gitter auf dem Brunnen ist farblich und gestalterisch an das große Gitter angepasst. In den letzten Jahr-zehnten war das Wasser ausgeblieben. Im Zuge der Restaurierung sollte der Brunnen durch eine Bohrung auf die Tiefe von 6,60 Metern wieder seine
  Funktionsfähigkeit zurückerhalten. Früher holten die Wallfahrer das Wasser mit hölzernen Eimern herauf und erhofften sich von seinem Gebrauch Heilung von ihren Leiden.

Wenn Sie sich den Brunnen vor der Renovierung ansehen möchten, klicken Sie hier...


Kirchenschiff / Langhaus

Das Langhaus ist wieder von einem gedrückten Tonnengewölbe (Scheingewölbe) mit Stichkappen überdeckt. Das Vorgängergewölbe musste 1954 wegen Einsturzgefahr abgetragen werden. 50 Jahre lang war dann eine hölzerne, kassettierte Flachdecke eingezogen.
Die farblich mit Streifenmuster hervorgehobenen Pilaster an den Seitenwänden sind kanneliert; sie tragen Kapitelle, die mit Akanthusmotiven verziert sind. Die Wallfahrtskirche hl. Blut ist eine der wenigen Kirchen im Landkreis Dachau mit Wessobrunner Stuck (neben den Klosterkirchen Altomünster und Indersdorf sowie Unterweikertshofen, Lauterbach/Altom und Weichs).

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre haben einfach gestaltete Altaraufbauten. Es sind glatte, grau marmorierte, geschwungene Holzflächen mit eingearbeiteten Mittelnischen

    
Seitenaltäre
Die Altartische sind dem Hochaltar stilistisch nachempfunden. Im Aufsatz sind Monogramme im Strahlenkranz dargestellt.


Rechter Seitenaltar

Im Aufsatz das Jesusmonogramm "IHS".
Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

IHS im Aufsatz
 
Der rechte Seitenaltar war früher der Sebastianialtar. Derzeit steht dort -im barocken Rahmen- wahrscheinlich die Figur von Johannes dem Täufer mit dem Kreuzstab in der Hand. Um den Kreuzstab ist ein Spruchband gewickelt, das die Worte enthält, die Johannes bei der Taufe Jesu gesprochen hat.

Johannes d.Täufer
Auf dem Altartisch steht eine Herz-Jesu-Figur. Jesus ist in das traditionelle rote Gewand gekleidet. Er weist mit seiner linken Hand auf sein Herz. In seiner offenen rechten Hand zeigt er eines seiner Wundmale.


Linker Seitenaltar

Das Marienmonogramm im Altaraufsatz sind die ineinander geschriebenen Buchstaben des Namens "Maria" (M,R,I,A)

Marienmonogramm
 
Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist die Kopie des Gnadenbilds von Altötting, der schwarzen Muttergottes mit dem Kind auf dem rechten Arm und einem Zepter in der Linken. Das Haupt wird von einer Herzogsmütze bedeckt.



Muttergottes
von Altötting

Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Es war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem
 

Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnengalten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.

Früher war der linke Altar dem hl.Sebastian geweiht. Auf ihm stand eine Figur des Heiligen, die aber 1856 verschwunden ist.


zur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Kirchenbank-NamensschilderKIrchenbankwangenzur Beschreibung der Fenster mit schön gestalteter Laibungzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung des Beichtstuhlszur Beschreibung der Tür zum EmporenaufgangEmporenbänkezur Beschreibung der Fensterlaibungenzur Beschreibung der Rundfenster mit schön gestalteter LaibungSt.Notburgazur Beschreibung des Türbeschlagszur Beschreibung des Emporenbildeszur Beschreibung des Wallfahrtsbildeszur Beschreibung der Votivbilderzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des Opferstocks
per Mouseklick zur Beschreibung
Apostelleuchter

An den Kirchenwänden sind die neu renovierten Apostelleuchter mit den Metallplaketten angebracht, auf die die Apostelkreuze im neugotischen Stil gemalt sind.

Apostelleuchter
Hinweis: Bei der Kirchweihe wird der Kirchen-raum an zwölf Stellen gesalbt. Diese Sal-bungen sollen verdeutlichen, dass der Kir-chenraum vollständig und für immer dem christlichen Gottesdienst dienen soll. Die 12 Salbungsstellen werden vom Bischof durch Kreuze gekennzeichnet, über denen dann die heute sichbaren Apostelleuchter mit Apostel kreuzen platziert werden.
Die Zwölfzahl erinnert an das in der Apo-kalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Kreuzwegbilder

Die Kreuzweg-Stationsbilder im profilierten Rahmen mit Aufsatz kamen im Juli 2007 vom Restaurator zurück. Über den Maler ist mir leider nichts bekannt.
Es heißt, die Bilder seien im Jahr 1791 gemalt worden. Dies kann aber nicht zutreffen, denn die Einsbacher Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat. Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber, Franz Mayr und Anton Rick) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 22 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße. Unterschiedlich sind lediglich zum Teil der Hintergrund, die Farben der Gewänder der abgebilde-ten Personen und die Bilderrahmen.


Kreuzwegbilder

Kanzel

An der Südseite ist die prächtige Kanzel aus marmoriertem Holz angebracht. Der Kanzelkorb ruht auf einer trichterförmigen Konsole. Seine Brüstung ist durch Rundbogenfelder mit vergoldeten Zierranken gegliedert. Vier Putten in unterschiedlichen Posen nehmen der Brüstung die Strenge. Die Kanzel kann von der Sakristei aus durch eine Tür in der Rückwand (Dorsale) betreten werden. Über der Türe sind die beiden Gesetzestafeln mit den zehn Geboten angebracht. Die Rückwand und der Schalldeckel sind durch einen Baldachin und seitliche Vorhangtrape-rie verziert. Auf dem Schalldeckel steht eine Figur mit einem Kreuzstab (mit Spruchband) in der Hand. Es handelt sich entweder um den segnenden Johannes den Täufer oder den "Auferstandenen Christus". Die Kanzel stammt wahrscheinlich noch aus der Erbauungszeit um 1680.

Kanzel 1680
  Hinweis: In altchristlicher Zeit wurde die Predigt -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

 

Kanzelkreuz

Gegenüber von der Kanzel, an der Nordwand des Kirchenschiffs, hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz aus der Zeit um 1880/90. Der Kreuzesstamm hat dreipassförmige Balkenenden. Der fast lebensgroße Korpus ist S-linienförmig gestaltet; das Lendentuch (Perizoma) ist deshalb schräg angebracht.

Kanzelkreuz
1890

Um das Haupt Jesu ist die Dornenkrone gewunden; es wird von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben.

Eine Mater dolorosa, eine schmerzhafte Muttergottes, die sonst in den Kirchen unter dem Kanzelkreuz steht, fehlt in Einsbach (noch?).

  Hinweise:
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30). Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters hat in ihren Offenbarungen geschrieben, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden. In der Kunst ist des Öfteren die Dornenkrone durch die Königskrone ersetzt. Damit soll auf die Überwindung der Sünde (=Dornen) durch Christus hingewiesen werden.
Am Korpus des Kreuzes in Einsbach liegt -wie bei den meisten Kreuzigungsdarstellungen üblich- die Seitenwunde auf der rechten Seite des Brustkorbs. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke sind in zwei Blöcken angeordnet und durch einen Mittelgang zu betreten. Sie haben schön gestaltete Wangen in barocker Form, mit Akanthus- mustern verziert (um 1700).
Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen.Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubi-gen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seit-lichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche
viel mehr Menschen; bei dichtem Gedrängewährend des

Kirchenbank
um 1700
Eine Besonderheit sind die Namens-schilder, die noch in großer Zahl angebracht sind. Sie sicherten früher den Bewohnern eines Hofes oder den Mitgliedern einer Familie einen festen Platz, der in der Regel auch dann freigehalten wurde, wenn kein Familienmitglied in der Kirche war.  08) Fremde mussten sich auf


Namensschild
in der Bank

Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer diszi-plinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefüg-ten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evange-lischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.   die Empore begeben. Diese festen Plätze in der Kirchen-bank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl. Die Namensschilder haben keine Bedeutung mehr. Sie werden aber dort, wo sie noch vorhanden sind, aus denkmalpflegerischen Gründen beibehalten. So z. B. in den Kirchen von Ainhofen, Odelzhausen, Altomünster, Dachau, Eisenhofen, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach, Puchschlagen und Asbach zu sehen.

Über dem Nordeingang steht eine Figur der Bauern-heiligen Notburga. Sie ist in ein bäuerliches Fest-gewand gekleidet. In einer Hand hält sie ihr Attribut, eine Sichel, in der anderen Hand wohl ein Brot. Notburga ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.

St.Notburga
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol. Auf Vorhaltungen des Bauern, sie verschenke zuviel Essen an Arme, verwandelten sich die Brote in ihrer Hand in Späne. Noch bekannter ist das Sichelwunder: Als sie der Bauer, entgegen geltender Abmachungen anwies, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, warf sie die Sichel in die Luft, wo sie zum Entsetzen des Bauern hängen blieb.


Bereich der Empore

Die Empore steht mit zwei gewölbten Bögen auf einem starken Mittelpfeiler, in dem der eng gewundene Trep-penaufgang versteckt ist. Die Emporenbrüstung ist durch Stuckfelder mit mehrfachen Rahmungen geglie-dert.

Wendeltreppe
zur Empore
Die Felder sind in den im Kirchenraum vorherrschenden Farben Rot und Blau ausgemalt und mit Stuckrahmen aus Herzlaub umrahmt. Unter der Empore ergeben sich durch den Mittelpfeiler zwei von Gewölben überdeckte, nach vorne offene Räume.


Rundfensterstuck
Auch im Langhaus sind die Fenster mit rot-blauen Stuckverzierungen in den Laibungen ausgestattet. Dies gilt auch für die beiden Rundfenster auf der Empore. Diese Form wird in der Architektur auch "oeil de boeuf"(Ochsenauge) genannt.
Die Kirchenbänke auf der Empore sind im ursprünglichen, sehr rustikalen Stil wieder restau-riert worden. Es handelt sich um grob behauenes Weichholzgestühl, wohl aus der Erbauungs-zeit um 1680.

Bänke auf der Empore

1730 fertigte der Dachauer Orgelbauer Quirin Weber für die Wallfahrtskirche ein Orgelpositiv mit 4 Registern (10 Gulden). Heute ist keine Orgel mehr vorhanden.  9)

Emporengemälde
An der Emporenbrüstung ist ein Ölgemälde befestigt, das eine bekannte Geschichte aus dem Alten Testament beim Zug der Israeliten durch die Wüste darstellt (2. Buch Mose, 17, 1-7).
Das Bild dürfte in der Zeit des Historismus entstanden sein.

Zug Israels durch die Wüste
Im Vordergrund sieht man Moses an einem Felsen, begleitet von einigen Männern, den in Vers 5 genannten Zeugen. Er hält die beiden Steintafeln mit den 10 Geboten in der einen Hand; in der anderen Hand streckt er seinen Stab in die Höhe mit dem er soeben gegen den Felsen geschlagen hatte. Aus dem Gestein sprudelt eine kräftige Quelle hervor. Im Hintergrund, vor hohen Bergen die Zelte der Israeliten mit Szenen aus dem Lager-leben.

Epitaphe

In den offenen Räumen unter der Empore sind zwei Epitaphe aus Marmor angebracht.


1683
Pfr. Widmann

Das Epitaph an der Nordseite wurde für Pfarrer Simon Widman angefertigt, der am 1. Mai 1683 starb. Im unteren Bereich des Epitaphs weist der eingravierte Kelch mit Hostie auf den Priesterberuf des Verstorbenen hin. Der Text lautet: Anno 1683 den 15.May starb Simon Widman Pfarrer und Cammerer alhie, gedenckht seiner im gebett, dan er ein grosser grosser guettäter dises Gotshauß gewesen". Das Epitaph war früher in der Pfarrkirche (Chor Nordwand) befestigt.
Simon und Urban Widmann waren Vettern (Bauernssöhne aus Palsweis). Pfarrer Simon Widmann war seit 27.10.1634 Pfarrer in Einsbach. Er musste hier 12 Jahre lang, bis 1648 all die Schrecken des 30jährigen Krieges erdulden, wobei Einsbach noch im Oktober 1648 von den sich nach Augsburg zurückziehenden schwedischen Soldaten eingeäschert wurde. Bereits im Jahre 1650 gründete Pfarrer Simon Widmann die Sebastianibruderschaft (in der Wallfahrtskirche). Die Mitglieder der Bruderschaft beteten um göttliche Hilfe bei der Pest und um eine gute Sterbestunde. 1661 wurde die Bruderschaft bischöflich bestätigt.
Simon Widmann war Kammerer des Kapitels Egenhofen.

1731
Urban Widmann

Das Epitaph an der Südseite erinnert an Pfarrer Urban Widmann, den Stifter des Leonhardsaltars in der Pfarrkirche, geb. 1646 in Palsweis, gestorben am 2.Oktober 1731
(Solnhofener Stein, Größe 90 x 52 cm). Es enthält zwei kleine Rundbilder. Das obere zeigt den Verstorbenen mit einem großen, wallenden Bart und einer Casula mit weiten Ärmeln. Das untere enthält das Wappen des Verstorbenen. Das Todesjahr ist nicht genannt; der Stein mit den Maßen 62 x 63 cm dürfte aber Anfang des 18.Jh gesetzt worden sein. Das Epitaph war früher in der Pfarrkirche (Chor Südwand) befestigt.
Urban Widmann war vom Frühjahr 1675 (als Nachfolger seines Vetters Simon) bis 1726, insgesamt 56 Jahre lang Pfarrer von Einsbach. Er gab den beiden Kirchen durch Umbauten das Erscheinungsbild, das sie heute noch haben. Außerdem legte er die im 30jährigen Krieg zerstörten Pfarrmatrikel (Tauf-, Heirats- und Totenbücher) wieder an. U.Widmann stiftete nicht nur die Kanzel und den Kapellenaltar, sondern auch einen Kelch wurde von ihm gestiftet, der mit Rankenwerk und Emaillemedaillons geziert ist und die Marke CK (Caspar Kolb) trägt, eine Augsburger Goldschmiedearbeit (1700).
Ein altes Foto aus dem Beginn oder der Mitte des 20.Jh. zeigt ein ca. 120 cm hohes Epitaph für den Pfarrer, das in die Außenwand der Kirche neben einem Portal eingelassen ist. Darauf ist ein großes Auferstehungsrelief zu sehen, mit dem aus der Grabkufe auferstandenen Christus mit der Siegesfahne in der Hand, einem Engel und zwei fliehenden Wächtern.

  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


Beichtstuhl
In der südlichen Nische unter der Empore steht noch ein schöner zweiteiliger Beichtstuhl in den Stilformen des Historismus aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Wahrscheinlich bestand der Beichtstuhl früher aus drei Teilen, weil der linke Teil, der Sitz des Priesters, zwei Sprechgitter hat. Ein dreiteiliger Beichtstuhl hatte den Vorteil, dass der Beichtvater bei den oft langen Beichtsitzungen seine Körperhaltung verändern konnte.

Beichtstuhl 19.Jh

Opferstock

In der Nähe des südlichen Eingangs steht auf einer Holzsäule ein schön gestalteter Opferstock aus der Erbauungszeit um 1680. Die Bezeichnung verweist darauf, dass der Opferstock aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht. Der 95 cm hohe Stock in Einsbach ist mit vier schmiedeisernen Bändern gesichert und zugleich verziert.


Opferstock
1680
Der Metallbügel über dem Einwurfschlitz an der Oberseite dient der Sicherung gegen das "Angeln" von Geld durch die Öffnung.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Portale


Türschloss
Die Kirche besitzt zwei Eingänge, an der Nord- und der Südseite vor der Empore. Sie besitzen neben den modernen Schließanlagen noch die alten Türschlösser und die kunstvoll gearbeiteten Beschläge (von 1680). Das Südportal ist zweiflügelig.

Beschlag 1680


Votivbilder

Nicht mehr in der Kirche, aber noch in der Pfarrei erhalten, ist eine Sammlung alter Votivbilder. Sie wird nur noch zu besonders festlichen Anlässen an einer Stellwand gezeigt. Unter dem wallfahrtskritischen Pfarrer Felix Sigler, ging während der Aufklärungszeit die Wallfahrt zurück. Wahrscheinlich wurden damals auch viele Votivbilder entfernt. 15)
Die noch erhaltenen Bilder machen deutlich, dass neben dem hl.Blut Christi vor allem der hl.Sebastian Ziel der Anrufungen um Beistand in gefährlichen Lebenssituationen war (klicken Sie auf die Bilder).

Es verlobte sich Rosina Probst von Fußberg in einer schweren Krankheit zum heiligen Sebastian hieher und hat Hilfe erhalten. Gott sei ewig Dank gesagt.
      1843
Maria Widmann Bäuerin von Hopfenau verlobt ihre Tochter hiher
1882
Ex voto
Anno 1817 verlobt sich Alois Kellerer und sein Eheweib in Viehkrankheit anhero zum heiligen Blut hat Hilf erhalten. Gott sei ewig Dank gesagt.
1836
Ex voto
                   1876
Es verlobte sich eine gewiße Person wegen Anliegen hieher und hat durch seine Bitte Hilfe erlang. Gott sei Dank.

Das Präfix "Votiv" kommt aus dem Lateinischen "ex voto" und bedeutet: "zum Gelöbnis". Die Aufschrift "ex voto" war bereits in altrömischer Zeit auf Opfergaben gebräuchlich. Die Sitte setzte sich dann bei den christlichen Votivgaben fort.

Diese Votivgaben werden zum Dank für den himmlischen Beistand eines Heiligen bei der Heilung einer Krankheit oder der Lösung eines schwierigen Problems gespendet und am Wallfahrtsort ausgestellt. Meist hatten sich der Kranke oder seine Familie am Wallfahrtsort an die Heiligen gewandt, denen die Kirche geweiht ist; hier insbesondere St.Sebastian. Dieser Heilige galt in der Bevölkerung als besonders erfolgreich gegen Pest und Seuchen, Geschwüre, Infektionen, Wunden und Krankheiten von Kindern.

Die Votivbilder (Votivtafeln) sind in der Regel dreifach gegliedert:
- unten teilt eine Schrift den Anlass mit
- darüber kniet der Bittsteller,
- im oberen Teil des Bildes, im Himmel thronen der angerufene Heilige oder die göttl.Personen und nehmen den Dank entgegen

 

Heiliges Grab

In Einsbach existieren auch noch Einzelteile eines Heiligen Grabes, das früher an Karfreitag und Karsamstag in der Pfarrkirche oder -so 1621- in der Wallfahrtskirche aufgebaut war. Der frühere Lehrer in Einsbach, Herr Baudisch, erinnert sich, dass er mit seinen Schülern Anfang der 1970er Jahre die Einzelteile des Hl.Grabes auf dem Dachboden besichtigt und katalogisiert hat. Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass im Jahr 1730 Nägel für die "Aufmachung des heyll.Grabs" um 32 kr gekauft sowie für den Auf- und Abbau 29 kr bezahlt wurden. Ob der in der Kirchenrechnung folgende Eintrag, dass "Franz Benedict Pfeill, Mahler in Lautterbach" (*1670) mehrere Bilder, darunter auch einen Ölberg gemalt hat, auch zum Hl.Grab gehört, ist nicht sicher.  28)

Neben den Kulissentafeln, den Glaskugeln und dem Grabchristus gab es in Einsbach auch einen wandernden Mond in den Formen der Mondphasen, einen Springbrunnen und eine weitere bewegliche Christusfigur (Auferstehung ?). Aus der Pfarrkirche wurde sogar ein Engel vom Hochaltar für die Kulisse in die Wallfahrtskirche gebracht. Das Heilige Grab in Einsbach war nicht nur eine Stätte des stillen Gebets, sondern auch Ort eines religiöses Schauspiels.

Reliquiar

1654 wird von einem silbernen Kreuz berichtet, in dem ein Teil vom Holz bzw.Baumstrunk, woran die Hostie hing, eingeschlossen war. 1732 ließ der Einsbacher Pfarrer Franz v. Sales Schwangen diese"Erinnerungsstücke" zusammen mit einer Kreuzpartikel vom Münchner Goldschmied Johann Christoph Steinbacher (Beschauzeichen "ICS'') in ein kreuzförmiges Ostensorium fassen, das bis heute zum Wettersegen verwendet wird. 15)

Hans Schertl

Quellen :
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Amperbote vom 23.1.1935
03) Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (1656)
04) Alois Angerpointer, Eine Stiftung aus der Pfarrei Einsbach, DN 20.01.1964 (Patrozinium)
05) Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/1 (Quadratur)
06) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
07) Sigfrid Hofmann, Arbeitsgemeinschaften bei oberbay. Altarbauten des 17.u.18.Jh, in ZBLG 35, 1972 (Pader/Pfab)
08) Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Namensschilder)
09) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
10) Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1704)
11) Alois Angerpointner, In 100 Jahren nur vier Pfarrherren, Dachauer Nachrichten vom 23.8.1983 (Pfr.Sigler)
12) Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
13)
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Thomas Kiening)
14) Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
15) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
16) Dachauer SZ v. 25.10.2001, 11.12.2006
17) Info Siegfried Ketterl, Einsbach 2001/2002
18) Albert Bichler, "Hl.-Blut-Wallfahrten überstanden die Stürme der Zeit", Unser Bayern, Nr. 6/2002
19) Dachauer Nachrichten vom 12./13.4.2003
20) Dachauer Nachrichten vom Mai 2003
21) Dachauer Nachrichten vom 11.10.2003,
22)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel,Osterfahne)
23) Dachauer Nachrichten vom 5.11.2003
24) Dachauer Nachrichten vom 12.11.2004
25) Dachauer Nachrichten vom 5./6.4.2007
26) Dachauer SZ v. 11.12.2006
27) Dachauer Nachrichten vom 17.8.07 (Ende Wallfahrt)
28) Herr Baudisch, Kleinberghofen, 2007 (Hl.Grab)
29) Ralf Müller, Oberhaching 2014 (heutige Glockenausstattung)
30) Rudolf Goerge, Wäxerne Mändl und gemalte Ex Votos, Fink, Freisinger Stadtmagazin, 2015/2 (Votivgaben)
31) Zauscher Renate, Renaissance für ein Kleinod, Dachauer SZ vom 4.3.2016 (Nutzung)

58 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.5.2014

Sebastianitag in Einsbach
Amperbote vom 23.1.1935

Der Sebastianitag ist für die Pfarrei Einsbach alljährlich von besonderer Bedeutung. Die Pfarrerangehörigen und viele Gläubige aus den Nachbarpfarreien, die der alten ehrwürdige Sankt Sebastianibruderschaft angehören, finden sich an diesem Tag in Einsbach ein, um die heiligen Sakramente zu empfangen. Auch heuer wurde der Gnadentag wieder eifrig ausgenützt und die heilige Blutkirche hätte sich bald wieder als zu klein erwiesen. Schon der Gottesdienst um 6:30 Uhr wurde durch den Gesang des Männerchores verschönt. Während des zweiten Amtes sang ein von Oberlehrer Königer vorzüglich geschulter Kinderchor eine feierliche Messe. Den Höhepunkt bildete das Hochamt, währenddessen der gemischte Chor Einsbach die Sankt-Ludwigs-Messe von Gruber in bekannt hervorragender Weise zur Aufführung brachte. Ein Franziskanerpater aus München hielt die Festpredigt, in der er den heiligen Sebastian, der Patron der Bruderschaft ist, und die heilige Blutkirche allen als Vorbild hinstellte. Genau wie zu der Zeit als Sankt Sebastian lebte, herrscht auch heute noch die Christenverfolgung. Dass sie nicht erloschen ist, beweisen uns die Nachrichten aus Mexiko, Spanien und Russland. Die 11 Millionen Martyrer, die schon ihr Leben für den heiligen Glauben hingaben, sollen stets ein Vorbild der Glaubenstreue sein. Den Abschluss des Festes bildete in den Nachmittagsstunden eine feierliche Vesper in der heiligen Blutkirche und eine Prozession von derselben zur Pfarrkirche.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen