zur
Landkreiskarte ausführl.Beschreibg
Kirchen i.d. Gem.Markt
Indersdorf
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Filialkirche St. Ottilia in Straßbach
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Adresse:
85229 Markt Indersdorf, Straßbach 4 |
Kurzbeschreibung Die heutige Filial- und frühere Wallfahrtskirche St. Ottilia der Pfarrei Indersdorf in Straßbach wurde 1652 erbaut und Anfang des 18.Jh erweitert, umgestaltet und neu ausgestattet.
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Das Patronat der hl. Ottilia (13.Dezember) hängt
wohl mit dem "Siechhaus" bzw. "Leprosenhaus" des Klosters
Indersdorf zusammen, das sich in Straßbach befand. Lepra führt zur Erblindung.
Die blind geborene und später durch ein Wunder sehend gewordene hl. Ottilia
gilt speziell als Schutzpatronin für Blinde und Augenleidende und allgemein
als Patronin der Armen und Kranken. Sie war um 720 Äbtissin des Klosters Niedermünster,
das schon damals mit einem Spital verbunden war.
Ein Hinweis auf die Wallfahrt ist eine Ablassverleihung am 6.10.1432
an die Ottilienkirche in Straßbach durch den Bischof des damals noch existierenden
Bistums Chiemsee. Straßbach ist die
einzige Ottilienkirche im Landkreis Dachau.
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Inneneinrichtung Im Inneren ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen und Akanthusranken-Stuck des Haimhausener Stuckateurs Mathias Heimerl (1716). Die Deckenfresken schildern in sechs Bildern die Legenden um die hl. Ottilia. Auch das Gemälde des 1717 datierten
Hochaltars stellt die St. Ottilia in der himmlischen Glorie dar, mit ihren
typischen Attributen (einem Buch mit Augenpaar). Im Chorraum stehen noch zwei große Figuren der Heiligen Wolfgang und Martin sowie ein Schrein mit einer weiteren Figur der hl.Ottilia. Auf den beiden quergestellten Seitenaltären Barockfiguren des Feuerpatrons St. Florian (mit Wasserschaff und brennendem Haus) und des Viehpatrons St. Leonhard (mit Buch und Ketten). Im Langhaus sehenswert sind die Rokokokanzel (1740), das Kanzelkreuz mit der Mater dolorosa, die Kreuzwegbilder im neubarocken Rahmen, die Apostelleuchter sowie die drei Ottilia-Bilder an der Emporenbrüstung. |
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Ausführliche
Beschreibung
mit
ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Der Ort Straßbach gehört zu
den älteren Siedlungen im Landkreis. Er wurde zwar erst im Jahr 836 als
Strazpahc (Bach an der Straße) urkundlich erwähnt. Damals übergab
der Priester Kerhoh seinen Besitz in Strazpahc dem Bistum in Freising.
Doch seine Lage an der Römerstraße zwischen Salzburg und Augsburg
spricht für eine noch frühere Ansiedlung.
Jedenfalls hat das Kloster Indersdorf den Ort Straßbach im Jahr 1313 vom
Kloster Kühbach eingetauscht und eine Hofmark "Karpfhofen und Straßbach"
eingerichtet. In einem weiteren Tausch erwarb das Kloster die Vogtei aus den
Höfen von Straßbach von Friedrich dem Eisenhofer gegen Überlassung
der Mühle zu Orthofen. Grundlage für die niedere Gerichtsbarkeit des
Klosters in Straßbach, die das Wesensmerkmal der Hofmark ausmacht, war
- so der Historischen Atlas von Bayern - das große Hofmarkenprivileg von
Kaiser Ludwig dem Bayern aus dem Jahr 1330. Um 1440 schreibt der Landrichter
von Dachau: "Item der von Unterstorf maint ze richten über Karpfhofen
und über Straspach bey dem Weiar".
Geschichte
der Kirche
Eine
Kapelle (wohl Holzgebäude) hat wohl schon 845 bestanden.
Damals wurde die Ansiedlung strazpahc von einem Priester Kerhoh der Domkirche
in Freising geschenkt, mit der Auflage, dass er (Kerhoh) nach demTod
des Priesters Frumolt die dortige Kirche (in Straßbach) mit ihren
Gütern auf Lebenszeits innehaben dürfe.
Wann die erste größere Kirche in Straßbach erbaut wurde, lässt sich
nicht feststellen. 1432 stand dort jedenfalls schon eine Ottilien-Kirche;
denn am 14.Juli 1432 verlegte der 42. Freisinger Bischof Nicodemus della Scala
(1421-1443) das Kirchweihfest der Kapelle vom Sonntag vor dem St.Ulrich-Fest
(4.Juli) auf den Sonntag danach; zugleich verlieh er einen Ablass von
40 Tagen. Das sind oft Zeichen für einen Neubau oder einen größeren
Umbau.
Aus dem Urbar von 1493 geht hervor, dass die Kapelle dem Kloster inkorporiert
war ("die Capell sand Ottilgen..ist unsers gotzhauß..aigen").
Die Kirche wurde noch im 15. Jh (spätromanisch) umgestaltet und erweitert.
Matrikel
1524
In der Sunderndorfer'schen
Matrikel von 1524 wird sie als
Filialkirche von Indersdorf als "s.Ottiliae in Straspach sine sepultura"
also ohne Friedhof erwähnt.
Neubau
1652
Um 1652 baute Propst Martin Riegg von Indersdorf (1640-1662) eine größere Kirche,
die unter seinen Nachfolgern Georg II. Riezinger (1704-1721) und Aquilin Noder
(1721 -1728) zu ihrer heutigen Form erweitert, ausgestattet und 1721
durch den 57.Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck
geweiht wurde. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche
aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines
Bistums. In seiner Regierungszeit
von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Hirtlbach, Ebertshausen,
Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro
Jahr) geweiht. Mit Franz Eckher saß nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof
auf dem Freisinger Thron. Seine Vorgänger waren meist nachgeborene Wittelsbacher
Prinzen und besaßen oft nicht einmal die Priesterweihe. So war für
den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.
Bis 1736 war Straßbach eine Filiale der dem Kloster incorporierten Pfarrei Indersdorf. Ab 1736 wurde es von Langenpettenbach aus seelsorgerisch betreut.
Schmidt'sche
Matrikel von 1738
Wenige Jahre später, um 1738/40, hat Kanonikus
Schmidt aus Freising die "ecclesia filialis s.Ottiliae in Strassbach"
in der nach ihm benannten Schmidt'schen
Matrikel kurz beschrieben:
"Die Kirche sei ein neuer Bau. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar
sei der hl. Jungfrau Ottilia, die Seitenaltäre der Heiligen Familie (Jesus,
Maria, Joseph) und der Familie Marias (Anna, Joachim, Maria) gewidmet. Ein Friedhof
sei nicht vorhanden. In der Sakristei seien die notwendigen Messgewänder
vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.
1765 wurde die Kirche auf Initiative des Chorherrn Schidl und des Propstes Morhardt restauriert und neu ausgemalt.
Beschreibung
1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über
die Pfarrei Indersdorf auch die Kirche von Straßbach enthalten. Im Dorf
selbst wohnten 36 Seelen (in 7 Häusern).
Über die Kirche schreibt er: "Abseits der Straße vom Kloster
Indersdorf nach Röhrmoos gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt 1652
und wiederholt zu Anfang des XVIII Jahrhunderts. Renaissancestyl. Geräumigkeit
zureichend. Baupflicht die Kirchenstiftung. Kuppelthurm mit 2 Glocken. Consecrirt
1721 durch Weihbischof Johann Franz von Freising. 3 Altäre. Pfarrgottesdienst
am Sonntag nach dem Feste der hl.Ottilia und am Pfingstmontag. Am Ostermontag
nachmittags Predigt und Rosenkranz. Am Pfingstmontag Bittgang der Gemeinde hierher.
Stiftung: 1 hl.Messe. Meßner ist ein Ortsangehöriger, Cantor der
Lehrer. Kirchenvermögen: 6.200 Mark".
Patronat
Das Patronat der hl. Ottilia (13.Dezember) hängt wohl mit dem "Siechhaus"
bzw. "Leprosenhaus" des Klosters Indersdorf zusammen, das sich in
Straßbach befand. Lepra führt zur Erblindung. Ottilia von Hohenburg ist
eine historische Gestalt. Die blind geborene
und später durch ein Wunder sehend gewordene hl. Ottilia gilt speziell als Schutzpatronin
für Blinde und Augenleidende und allgemein als Patronin der Armen und Kranken.
Sie war um 720 Äbtissin des Klosters Niedermünster, das schon damals mit einem
Spital verbunden war.
Wallfahrt
Straßbach war früher
das Ziel vieler Bittgänge. So wallfahrteten Ende des 18.Jh die Pfarrgemeinden
Weichs, Vierkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen, Pellheim, Niederroth, Rumeltshausen,
Kreuzholzhausen, Schwabhausen, Oberroth, Arnbach, Hirtlbach, Westernholzhausen
und Indersdorf alljährlich nach Straßbach. Dass es dabei nicht nur
fromm zuging, kann man einer Schrift des Schwabhausener Pfarrers Schenk entnehmen.
Er schreibt:
"Kommen mehrere Kreuzgänge an einem Ort zusammen, so haben auch Wirte,
Bäcker und Krämer ihr Stelldichein. Die Fieranten freuen sich über
das lukrative Geschäft und der Richter zieht mit seinem Gerichtsdiener
von Stand zu Stand und zieht das Standgeld ein. Das Volk isst und trinkt, steht
auf und verdrischt sich. Mit der Prozession zieht man mitten durch die Kramerstände,
vorbei an Käufern und Verkäufern, die zu beiden Seiten lachen und
scherzen. Und wo fast allerorten unseren Glaubensgegnern kein Tanz erlaubt ist,
da zur Ärgernus schweiget und tanzet der größte Haufen der catholischen
Bayern".
Auf die frühere Wallfahrt weisen auch die noch vorhandenen Votivgaben hin:
5 Tafeln aus den Jahren 1855, 1857, 1863, 1864 und 1893, ein Paar Wachsaugen,
eine Votantenfamilie aus getriebenem Blech und 9 Silberaugen auf einem Tablett.
Die Kirche ist ein dreiachsigerSaalbau
mit ebenso langem, sogar etwas breiterem, dreiseitig
geschlossenem Chor und einem Turm im Westen. An die Südseite ist am Übergang
zwischen Chor und Kirchenschiff die Sakristei angebaut.
Von außen erscheinen die Proportionen als
nicht sehr stimmig. Der Turm an der Westseite erscheint für die Kirche zu schmal
und zu klein.
Ob
die 1643 von
Bernhard Ernst aus München gegossene Glocke noch vorhanden ist,
konnte ich nicht ermitteln. Eine
Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...
Innenausstattung
Im Inneren sind die Chorwände durch Vorlagen, die Wände des Langhauses durch ein Gesims gegliedert. Darüber ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen. Den Akanthusrankenstuck hat 1716 der Haimhausener Stuckateur Mathias Heimerl geschaffen.
Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1717. An seiner Rückseite ist die Inschrift "G.P 17117" zu sehen. G.P.bedeutet Georgius Praepositus = Probst Georg (Riezinger). Der Altar wurden von Mathias Heimerl entworfen. Er besitzt einen säulengestützen Aufbau (Retabel) mit Gesims und breitem Altaraufsatz. Die vier hellen Säulen sind gedreht.
| Das Gemälde des Hochaltars stellt die Patronin der Kirche, die hl.Ottilia, dar. Sie schwebt auf einer Wolke, von zwei Engelchen begleitet, zum Himmel, wo sie von der Hl. Dreifaltigkeit empfangen wird. Die Engel tragen ihre Attribute, den Äbtissinnenstab und ein Buch mit einem daraufliegenden Augenpaar. | Im unteren Teil des Bildes gruppieren sich Pilger um die Wallfahrtskirche, wobei ein am Boden Sitzender auf seine Augen deutet, ein anderer ein Ex-Voto-Täfelchen mit einem auf schwarzen Stoff genähten, silbernen Augenpaar zur Heiligen empor hält. |
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Zu beiden Seiten des Tabernakels sind zwei große, silbergetriebene Reliquienbehälter in barockem Stil angebracht. Sie sind mit Rubinen verziert. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Ein reich geschnitzter, in die Wand über der Sakristeitüre eingelassener, verglaster Barockschrein birgt eine holzgeschnitzte Statue der hl. Ottilia aus der 1. Hälfte des 18. Jh. Es handelt sich um das ursprüngliche Gnadenbild, das in diesem Gehäuse auf dem früheren Hochaltar stand. Die als |
| Jugendliche dargestellte Heilige trägt eine mit Edelsteinen verzierte Krone auf dem Haupt und einen breiten Schal um den Hals. In der rechten Hand hält sie den Äbtissinenstab (ebenfalls mit Edelsteinen), in der Linken ein Buch mit darauf liegenden Augen. Bei der Krone und dem Stab könnte es sich um Opfergaben handeln. Odilia war eine Tochter des Herzogs Athich aus dem Elsass (deshalb die Krone). Sie gründete 690 das später nach ihr benannte Kloster Odilienberg (deshalb der Äbtissinenstab). Der Legende nach wurde sie blind geboren und bei ihrer Taufe sehend (deshalb die Augen). |
| Der hl. Martin ist als Bischof dargestellt, mit einer Gans zu seinen Füßen. Der Heilige wurde gegen seinen Willen im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. |
St.Wolfgang war im 10.Jh Bischof von Regensburg. Zwischendurch lebte er einige Jahre als Einsiedler am nach ihm benannten Wolfgangsee in Österreich. Das Kirchenmodell zu seinen Füßen erinnert an die Schwierigkeiten, die der Teufel dem St.Wolfgang beim Kirchenbau am Wolfgangsee bereitete. |
Die Deckenfresken aus der Zeit um 1765 befassen sich mit der Legende der hl. Ottilia. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Ottilia: wie der Vater die Blindgeborene verstößt; wie sie bei der Taufe durch Bischof Erhard ihr Augenlicht erhält und wie sie als Äbtissin im Kloster Hohenburg zum letzten Mal die hl. Kommunion empfängt. Daneben sind weisen vier Embleme in Allegorien auf die Tugenden der hl.Ottilia hin.
| Das Fresko
im Altarraum (zwischen 1760 und 1765) wird dem Inchenhofer Ignaz
Baldauf (1715-1795) zugeschrieben. Es ersetzte ein früheres Fresko
von Hans Georg Hörmann aus dem Jahr 1717 ...mehr zu Ignaz Baldauf.... Das ovale Gemälde zeigt die Geburt der hl.Ottilia. Sie war die Tochter des alemannischen Herzogs Adalrich, der im Elsaß regierte. Dass sie blind geboren wurde, traf den Stolz des Herzogs so tief, dass er das Mädchen zum großen Schmerz seiner Gemahlin Bereswinda verstieß und es in einem Kloster verstecken ließ. |
Im Osten und Westen des großen Deckengemäldes im Chorraum sind zwei kleine Fresken (Embleme) zu sehen, die sich auf die hl. Ottilia beziehen und die thematisch durch zwei weitere Fresken im Kirchenschiff ergänzt werden.
| Im östlichsten
Bild, über dem Altar, wird die aufgehende Sonne von Nebelbänken
verdeckt. Im Hintergrund eine Burg auf dem Gipfel eines Berges. Darüber
auf einem Schriftband der Text: ORTUS SINE LUMINE TRISTIS ( der Aufgang
ohne Licht ist traurig). Die aufgehende Sonne ist Sinnbild für die
Geburt. Die Nebelbänke, die das Licht verschlucken, weisen auf die
Blindheit Ottilias hin. Die Burg ist das Schloss ihres Vaters im Elsaß.
Das weitere Bild zeigt eine Landschaft mit der untergehenden Sonne. Wieder ist im Hintergrund die Burg zu sehen. Im Schriftband die Worte " OCCASUS SPLENDORE CORUSCANS " (Untergang, schimmernd im Glanz). Das Gemälde weist auf den Tod Ottilias hin. Bei der Geburt noch umschattet, im Tod aber strahlend. |
Die Deckenfresken im Langhaus hat Franz Deschler aus Schleißheim nach dem Enwurf Johann Deglers 1717 gemalt. Degler hatte übrigens 1720 auch den Entwurf für das große Deckengemälde in Weichs geliefert. Im Langhaus befinden sich zwei größere und zwei kleine Fresken.
| Das vordere größere Bild zeigt die Heilung des Mädchens Ottilia durch die Taufe. Im Zentrum des Bildes kniet Ottilia, gestützt von ihrer Mutter Bereswinda. Vor ihr steht Bischof Erhard von Regensburg und legt seine rechte Hand segnend auf die Augen der Heiligen. Zwei Geistliche stehen hinter dem Bischof. Ein Knabe hält eine Schale mit einem Gefäß. Dabei handelt es sich um eine Teekanne. Früher war es ein Salbgefäß. Erst durch die Restaurierung im Jahr 1765, also 46 Jahre nach der Erstausmalung,wurde daraus eine Teekanne. Am linken Rand steht ein Ritter (Ottilias Vater ?), in dessen Gewand sich ein Knabe schmiegt. | ||
| Das hintere Bild im Kirchenschiff (an der Decke vor der Empore) zeigt den Tod der hl. Ottilia. Die Heilige liegt auf ihrem mit einem Bärenfell bedeckten Sterbebett, umgeben von ihren Mitschwestern. In ihrer Linken hält sie den Äbtissinnenstab, in der Rechten eine Hostie. Ein Priester steht am Fuß des Bettes mit einem Kelch in der Hand. Auf einem Tisch steht ein Sterbekreuz zwischen zwei brennenden Kerzen, auf einem anderen ein Buch und ein Weihwasserkessel. Über der Szene schweben Putten auf Wolken, mit Lilien und Rosen. Ein Strahlenbündel fällt vom Himmel auf die Sterbende. Das Bild hat folgenden Legenden-Hintergrund: | ||
Auch die beiden kleineren Fresken im Langhaus
in der Form eines Dreipasses befassen sich wieder mit dem Leben der Ottilia.
(In der christlichen Kunst versinnbildlicht der Dreipass die Dreifaltigkeit).
Im vorderen Bild, in der Nähe des Chorbogens, ist ein Bienenkorb
abgebildet, über dem eine Heilig-Geist-Taube schwebt. Der Text im Schriftband
"CAELESTI IMPLENDA NECTARE" (muss mit himmlischem Nektar gefüllt
werden) weist auf den Sinn des Bildes hin: "Wie der Bienenkorb von Bienen
mit Honig gefüllt wird, so füllt der Heilige Geist die Seele von Ottilia
mit himmlischem Nektar". Der Bienenkorb gilt als Vorbild von
Tugend und Gemeinschaftssinn; er ist deshalb Symbol für die Kirche.
Das Bild an der Decke über der Empore zeigt zwei Putten, die einen
Kranz für Ottilia bereithalten. Text: "VENI CORONABERIS" (Komm,
damit du gekrönt wirst).
Die beiden Seitenaltäre stehen in der Längsachse an den Außenwänden, um in der schmalen Kirche nicht die Sicht auf den Hochaltar zu behindern. Beide haben im Altaraufsatz Halbfiguren von heilig gesprochenen Päpsten. Die Seitenaltäre sind möglicherweise älter als der Hochaltar. Fest steht, dass Mathias Heimerl 1717 neue Antependien geliefert hat. Die Altäre waren nach der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 noch den beiden Heiligen Familien Jesus, Maria und Joseph bzw. Maria, Joachim und Anna geweiht.
| Derzeit ist auf dem linken Seitenaltar eine große Figur des Feuerpatrons St. Florian zu sehen. Er ist in römische Rüstung gekleidet und hält in seiner Hand ein Wasserschaff. Zu seinen Füßen ein in den rosa Hintergrund gemaltes, brennendes Haus. St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. |
| Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist eine Barockfiguren des Viehpatrons St. Leonhard. Der etwas "grantig dreinschauende" Heilige ist mit einem hellen Ordensgewand bekleidet. In der Hand hält er den Abtsstab, ein Buch und Ketten. Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. |
An der Predella stehen zwei Halbfiguren von Johannes dem Täufer (?) und St.Sebastian (ohne die sonst üblichen Pfeile).
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| Gegenüber der Kanzel hängt das sog. Kanzelkreuz, ein großes Kruzifix mit darunter stehender Figur der schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa) mit einer barocken Krone auf dem Haupt. In ihrer Brust steckt ein Schwert als Sinnbild der Schmerzen, die sie durchleiden musste. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. |
Die Kirchenstühle mit den schön
geschnitzten Wangen wurden 1720 beschafft. Wenn Sie eine Zusammenstellung von
Mustern der Kirchenstuhlwangen aus den Landkreiskirchen sehen wollen, klicken
Sie hier.....
An den Seitenwänden des Kirchenschiffs hängen die großen Kreuzwegbilder in schönen neubarocken Rahmen. Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... |
| Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter angebracht; sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. Eine Zusammenstellung vieler verschiedener Apostelleuchter aus den Kirchen des Landkreises finden Sie hier... |
An die geschwungene Emporenbrüstung sind inmitten reichen Stucks drei Bilder (über früher schon vorhandene Darstellungen) gemalt, die sich mit Ottilia als Patronin und Helferin für die Blinden befassen:
| Rechts (in der Sicht
vom Altar aus links) ein Rundbild mit einem Schrift-band "H.Jungfrau
Othilia Hilff uns". Zu sehen sind vor dem Hintergrund eines
Hauses und einer weiten Landschaft ein blinder Mann, der von einem Kind
auf der Straße geführt wird. |
Das Bild auf der Nordseite trägt die Überschrift "H.Jungfrau Othilia Hilff uns". Auf einem von Bäumen umgebenen Platz rasten zwei junge Menschen, die an ihren Stöcken als Blinde zu erkennen sind. |
| Das mittlere, ovale Bild unter der Überschrift "Ich Will Helffen" zeigt die hl. Ottilia auf Wolken in der Tracht einer Äbtissin. In ihren Händen hält sie ein Buch, auf dem ihr Attribut, die Augen, liegen. Von der Heiligen reicht ein Gnadenstrahl bis zur Erde, wo die Kirche von Straßbach zwischen einigen Häusern zu sehen ist. |
Schon in der Schmidt'schen Matrikel von 1739/40 wird berichtet, dass die Kirche in Straßbach eine Kreuzpartikel besitzt. Diese Partikel ist in einer Reliquienmonstranz ausgestellt und dort zentral in einem Kreuz aus Bergkristall zu sehen. Umgeben wird das Kreuz von drei Reliquien, Partikel der Heiligen Ottilie, Benedikt und Hyazinth. Die Reliquie des hl.Hyazinth soll ein Geschenk des Abtes von Fürstenfeld sein, in dessen Kloster die Gebeine des Heiligen seit 1672 aufbewahrt werden. Im oberen Teil der Monstranz blickt ein lebensgroßes Auge zurück auf den Wallfahrer und erinnert daran, dass die göttliche Hilfe bei Augenleiden das Hauptanliegen der Pilger war.
| Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten. |
Hans Schertl
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Quellen:
Dr.Martin
v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung
des Erzbisthums München-Freising, 1880
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.624, 950,
1067, 1118, 1134)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dr.Peter Dorner, Die silbernen Augenmotive in Straßbach, Amperland 1976
Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann,
Amperland 1980/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer
Landes, 1991
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler,
Bayern IV, 1990
Dr.Peter Dorner, Der Abtransport der Dachauer Glocken 1917, Amperland 1994/2
Bauer/Rupprecht, Corpus
der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Josef Berghammer, Der selige Bruder Marold, 1999
Hans Kornprobst, Die inkorporierten Pfarreien und Kirchen des Augustinerchorherrenstifts
Indersdorf, Amperland 2004/2
24 Bilder: Hans Schertl (2000, 2003)
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15.11.2010