zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibg             Kirchen i.d. Gem.Markt Indersdorf

Filialkirche St. Ottilia in Straßbach

Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Straßbach 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Eine Kapelle hat in Straßbach wohl schon im Jahr 845 bestanden. Damals hat der Priester Kerhoh die Ansiedlung "strazpahc" mitsamt einer "Kirche" dem Dom zu Freising geschenkt.

Die frühesten Teile der heutigen Filial- und frühere Wallfahrtskirche stammen aus der Zeit vor 1430 als eine Kirche im gotischen Stil errichtet wurde.

1652 (außen) und 1717 (innen) wurde die Kirche in zwei Abschnitten grundlegend umge-baut. Sie erhielt damals im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen. Von der gotischen Kirche verblieben nur noch einige Teile des Mauerwerks. Auch die Ausstattung stammt großenteils aus dieser Zeit.

Die Kirche ist ein dreiachsiger Saalbau. Die Proportionen sind ungewöhnlich: Der Chor ist ebenso lang und sogar etwas breiter als das Kirchenschiff. Der Turm an der Westseite erscheint für die lange Kirche zu schmal und zu klein. Der Grund könnte im abgebrochenen ersten Bauabschnitt von 1652 liegen. Wahrscheinlich war ein längeres und breiteres Kirchenschiff geplant, das dann im 2.Abschnitt um 1717 aber nicht zur Ausführung kam.


An die Südseite ist am Übergang zwischen Chor und Kirchenschiff die Sakristei angebaut.

Das Patronat der hl. St. Ottilia (13.Dezember) hängt wohl mit dem "Siechhaus" bzw. "Leprosenhaus" des Klosters Indersdorf zusammen, das sich in Straßbach befand. Lepra führt zur Erblindung. Die blind geborene und später durch ein Wunder sehend gewordene hl. Ottilia gilt speziell als Schutzpatronin für Blinde und Augenleidende und allgemein als Patronin der Armen und Kranken.Sie war um 720 Äbtissin des Klosters Niedermünster, das schon damals mit einem Spital verbunden war. Ein Hinweis auf die Wallfahrt sind mehrere Ablassverleihungen im Jahr 1432 an die Ottilienkirche in Straßbach. Straßbach ist die einzige Ottilienkirche im Landkreis Dachau.

 Inneneinrichtung

Im Inneren überdeckt ein flaches Tonnengewölbe den Raum; es ist mit Stichkappen und Akanthusranken- Stuckdes Haimhausener Stuckateurs Mathias Heimerl geschmückt (1716).     

Die Deckenfresken schildern in sechs Bildern die Legenden um die hl. Ottilia.

Auch das Gemälde des Hochaltars stellt die St. Ottilia in der himmlischen Glorie dar, mit ihren typischen Attributen, Buch mit Augenpaar (gemalt 1795 von Franz Josef Zoll).
Neben dem Tabernakel silberne Reliquienbehälter.

Im Chorraum stehen noch zwei große Figuren der Heiligen Wolfgang und Martin sowie ein Schrein mit der früheren Gnadenfigur der hl.Ottilia.

Auf den beiden quergestellten Seitenaltären befinden sich Barockfiguren des Feuerpatrons St. Florian (mit Wasserschaff und brennendem Haus) und des Viehpatrons St. Leonhard (mit Buch und Ketten).

Im Langhaus sehenswert sind die Rokokokanzel (1765), das Kanzelkreuz mit der Mater dolorosa, die Kreuzwegbilder im neubarocken Rahmen, die Apostelleuchter sowie die drei Ottilia-Bilder an der Emporenbrüstung.


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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1524  Neubau 1652  Matrikel 1740  Beschreibung 1880
Beschreibung 1895  Wallfahrt  Patronat
Ausstattung:  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar  Deckengemälde-1  Deckengemälde-2
 Empore  Kanzel  Kanzelkreuz  Kreuzweg  Mater dolorosa
  Patronat   Reliquien   Seitenaltäre   Stuck

Der Ort Straßbach gehört zu den älteren Siedlungen im Landkreis. Er wurde zwar erst im Jahr 836 als Strazpahc (Bach an der Straße) urkundlich erwähnt. Damals übergab der Priester Kerhoh seinen Besitz in Strazpahc dem Bistum in Freising.
Doch seine Lage an der Römerstraße zwischen Salzburg und Augsburg spricht für eine noch frühere Ansiedlung.

In Straßbach bestand schon im Mittelalter ein Hospital, das von einem durchreisenden päpstlichen Legaten im Jahr 1225 besucht wurde. Auch eine im gleichen Jahr ausgestellte Urkunde der Augsburger Diözese erwähnt das Hospital, das -wie damals üblich- direkt an der Hauptstraße (frühere Römerstraße) zwischen Augsburg und Passau lag. Aus diesem Hospital für Reisende entstand ein Spital, in das man sich als Pfründner einkaufen konnte. Es diente - so Dr.Liebhart - im 15.Jh. auch den altgedienten alten Ehalten (Dienstboten). Beim Spital war eine Apotheke eingerichtet.

Jedenfalls hat das Kloster Indersdorf den Ort Straßbach im Jahr 1313 vom Kloster Kühbach eingetauscht und eine Hofmark "Karpfhofen und Straßbach" eingerichtet. In einem weiteren Tausch erwarb das Kloster die Vogtei aus den Höfen von Straßbach von Friedrich dem Eisenhofer gegen Überlassung der Mühle zu Orthofen. Grundlage für die niedere Gerichtsbarkeit des Klosters in Straßbach, die das Wesensmerkmal der Hofmark ausmacht, war - so der Historischen Atlas von Bayern - das große Hofmarken-privileg von Kaiser Ludwig dem Bayern aus dem Jahr 1330. Um 1440 schreibt der Landrichter von Dachau: "Item der von Unterstorf maint ze richten über Karpfhofen und über Straspach bey dem Weiar". Straßbach stand also über 350 Jahre voll unter kirchlicher Herrschaft.

Geschichte der Kirche

Eine erste Kirche (wohl ein kleines Holzgebäude) hat wohl schon 845 bestanden. Damals schenkte der Priester Kerhoh seinen Besitz in Straßbach (Strazpahc), zu dem auch die Kirche gehörte, dem Bistum in Freising. Diese Schenkung erfolgte unter der Auflage, dass er (Kerhoh) nach dem Tod des aktuellen Straßbacher Priesters Frumolt die dortige Kirche (in Straßbach) mit ihren Gütern auf Lebenszeits innehaben dürfe (Nutzungsrecht auf Lebenszeit).

Die Vielzahl der Schenkungen von Eigenkirchen an das Bistum im 9.Jahrhundert ging auf die Initiative der Bischöfe zurück, die
versuchten, das Kirchenwesen zu organisieren und unter ihrer Hoheit Pfarreien einzurichten. Da das Recht auf der Seite der Adeligen lag und Zwang und Gewalt ausschieden, blieben als einzige Möglichkeit die Schenkung, um die Kirchen in die Obhut des Bistums zu bekommen. Dies gelang dadurch, dass den Adeligen als Gegenleistung die Vergebung ihrer Sünden versprochen wurde oder dass, wie hier in Straßbach, ein adeliger Priester, der in der Regel ehe- und kinderlos war, sein Erbe aus Überzeugung ganz oder teilweise dem Bistum vermachte.

Wann die erste größere Kirche in Straßbach erbaut wurde, lässt sich nicht feststellen. 1432 stand dort jedenfalls schon eine Ottilien-Kirche; denn am 14. Juli 1432 verlegte der Freisinger Bischof Nicodemus della Scala (1421-1443) das Kirchweihfest der Kapelle vom Sonntag vor dem St.Ulrich-Fest (4.Juli) auf den Sonntag danach; zugleich verlieh er einen Ablass von 40 Tagen. Das sind oft Zeichen für einen Neubau oder einen größeren Umbau. Dies wird bestätigt durch eine weitere Ablassverleihung am 6.10.1432 durch Bischof Johann II. Ebser, der von 1429 bis 1438 das damals noch existierende Bistum Chiemsee leitete.
Aus dem Urbar von 1493 geht hervor, dass die Kapelle dem Kloster inkorporiert war ("die Capell sand Ottilgen..ist unsers gotzhauß..aigen").
Die Kirche wurde noch im 15. Jh (spätromanisch) umgestaltet und erweitert.

Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird St.Ottilia als Filialkirche von Indersdorf, als "s.Ottiliae in Straspach sine sepultura" also ohne Friedhof erwähnt.



Neubau 1652-1721

Ansicht von Westen

Ab 1652 baute Propst Martin Riegg von Indersdorf (1640-1662) eine größere Kirche. Bekannt ist, dass Zimmerer Wolf Wibner aus Holzhausen das Kirchendach um 70 Gulden aufstellte. Die Stuckbemalung des Hochaltars (1654 für 90 fl.) und die Fassung eines Seitenaltars (1656 für 127 fl.) kam von Thomas Holzmair .
Beim Neubau hat man einen neuen Altarraum errichtet, der breiter war als das Kirchenschiff. Dies ist selten in Kirchen unserer Gegend. Vielleicht war das der erste Abschnitt eines Kirchenumbaus, dessen zweiter Abschnitt, die Verbreiterung des Langhauses, nicht mehr zur Ausführung kam.


Unter Propst Georg II. Riezinger (1704-1721) wurden im Jahr 1716 neue Fenster ausgebrochen, neue Kirchenbänke eingebaut und ein "weißer Steinboden" verlegt, der noch heute in der Kirche liegt. Außerdem wurde der Kirchenraum mit Stuck versehen und 1717 mit Fresken bemalt. Stuckateur war der Haimhauser Mathias Heimerl (ca. 1680-1732). Die vergrößerten Fenster verglaste Ludwig Huber aus Dachau für 22 Gulden.
Das Chorfresko hat 1717 Joh. Georg Hörmann (1672-1749), der spätere Bürgermeister von Dachau geschaffen. Er war von Beruf Fassmaler, hat also meist Figuren gefasst, d.h., bemalt. Deckenfresken waren ein neues Betätigungsfeld für ihn, wobei hinzuweisen ist, dass es damals allgemein nur wenige Freskenmaler gab. Deshalb malte Hörmann das Deckenfresko im Altarraum nach einer Vorlage (Zeichnung). Wer die Vorlage gezeichnet hat, ist mir nicht bekannt. Allerdings hat das Fresko Hörmanns wohl keinen großen Anklang gefunden, denn man ließ es schon 1764 von Ignaz Baldauf (1715-1795) übermalen.
Ähnliches gilt für die Ausmalung des Kirchenschiffs, die vom Oberschleißheimer Fassmaler Franz
Deschler vorgenommen wurde. Auch er benötigte eine Vorlage; sie stammte von Johann Degler (1667-1729), dem Schüler des berühmten Malers Andreas Wolff (1652-1716).


Unter Propst Aquilin Noder (1721 -1728) wurde die Kirche ausgestattet und 1721 durch den Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck geweiht. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Hirtlbach, Ebertshausen, Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Mit Franz Eckher saß nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron. Seine Vorgänger waren meist nachgeborene Wittelsbacher Prinzen und besaßen oft nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen viel zu tun.


Bis 1736 war Straßbach eine Filiale der dem Kloster incorporierten Pfarrei Indersdorf. Ab 1736 wurde es von Langenpettenbach aus seelsorgerisch betreut.

Schmidt'sche Matrikel von 1738
Wenige Jahre später, um 1738/40, beschrieb Kanonikus Schmidt aus Freising die "ecclesia filialis s.Ottiliae in Strassbach" in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel. Danach war die Kirche ein neuer Bau. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei der hl. Jungfrau Ottilia, die Seitenaltäre der Heiligen Familie (Jesus, Maria, Joseph) und der Familie Marias (Anna, Joachim, Maria) gewidmet. Ein Friedhof sei nicht vorhanden. In der Sakristei befänden sich die notwendigen Messgewänder. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

1764/65 wurde die Kirche auf Initiative des Chorherrn Schidl und des Propstes Morhardt restauriert und neu ausgemalt. Dabei wurde das 1717 von Georg Hörmann geschaffene Deckenfresko im Chor von Ignaz Baldauf (1715-1795) übermalt.

Beschreibung 1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über die Pfarrei Indersdorf auch die Kirche von Straßbach enthalten. Im Dorf selbst wohnten 36 Seelen (in 7 Häusern). Über die Kirche schreibt er: "Abseits der Straße vom Kloster Indersdorf nach Röhrmoos gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt 1652 und wiederholt zu Anfang des XVIII Jahrhunderts. Renaissancestyl. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht die Kirchenstiftung. Kuppelthurm mit 2 Glocken. Consecrirt 1721 durch Weihbischof Johann Franz von Freising. 3 Altäre. Pfarrgottesdienst am Sonntag nach dem Feste der hl.Ottilia und am Pfingstmontag. Am Ostermontag nachmittags Predigt und Rosenkranz. Am Pfingstmontag Bittgang der Gemeinde hierher. Stiftung: 1 hl.Messe. Meßner ist ein Ortsangehöriger, Cantor der Lehrer. Kirchenvermögen: 6.200 Mark".

Beschreibung 1895 
Die Kirche von Straßbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es auf Seite 320:
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Bau des 17. Jahrhunderts (1652), 1721 von Probst Georg II. von Indersdorf erweitert und neu ausgeschmückt.
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Notiz im liber baptismalis der Kirche in der Pfarrregistratur zu Indersdorf.
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Die Arbeiten von 1652 werden in dieser Notiz nur als Restauration bezeichnet, doch zeigt die Kirche keine Merkmale höheren Alters.
  Dasf Langhaus hat 3 Axen, der Chor, etwas breiter als das Langhaus und Schluss in 3 Achtecksseiten.
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Westthurm.
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Sakristei an der Südseite des Chores.
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Langhaus und Chor haben Tonnengewölbe mit Stichkappen, welche in ersterem auf Gesimsstücken, in letzterem auf eingezogenen Wandpfeilern ruhen.
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Stuckdekoration mit Akanthusranken und Medaillons, welche mit Kränzen von Sonnenblumen umrahmt sind.
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Die Ranken sind röthlich, die Blumenkränze gelb gefärbt und das Ganze gar anmuthig und heiter gestimmt.
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Ausstattung einheitlich und von guter Wirkung aus der Zeit um 1721.
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An der Rückseite d.h. Georgius Praepositus des Choraltars (mit Säulen) GP 1717. Aus derselben Zeit stammen die Schränke der Sakristei mit aufgelegtem Schnitzwerk verziert.



Patronat
Das Patronat der hl. Ottilia (13.Dezember) hängt wohl mit dem "Siechhaus" bzw. "Leprosenhaus" des Klosters Indersdorf zusammen, das sich in Straßbach befand. Lepra führt zur Erblindung. Ottilia von Hohenburg ist eine historische Gestalt. Die blind geborene und später durch ein Wunder sehend gewordene hl. Ottilia gilt speziell als Schutzpatronin für Blinde und Augenleidende und allgemein als Patronin der Armen und Kranken. Sie war um 720 Äbtissin des Klosters Niedermünster, das schon damals mit einem Spital verbunden war.

Wallfahrt
Straßbach war früher das Ziel vieler Bittgänge. So wallfahrteten Ende des 18.Jh die Pfarrgemeinden Weichs, Vierkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen, Pellheim, Niederroth, Rumeltshausen, Kreuzholzhausen, Schwabhausen, Oberroth, Arnbach, Hirtlbach, Westernholzhausen und Indersdorf alljährlich nach Straßbach. Dass es dabei nicht nur fromm zuging, kann man einer Schrift des Schwabhausener Pfarrers Schenk entnehmen. Er schreibt:
  "Kommen mehrere Kreuzgänge an einem Ort zusammen, so haben auch Wirte, Bäcker und Krämer ihr Stelldichein. Die Fieranten freuen sich über das lukrative Geschäft und der Richter zieht mit seinem Gerichtsdiener von Stand zu Stand und zieht das Standgeld ein. Das Volk isst und trinkt, steht auf und verdrischt sich. Mit der Prozession zieht man mitten durch die Kramerstände, vorbei an Käufern und Verkäufern, die zu beiden Seiten lachen und scherzen. Und wo fast allerorten unseren Glaubensgegnern kein Tanz erlaubt ist, da zur Ärgernus schweiget und tanzet der größte Haufen der catholischen Bayern".

Auf die frühere Wallfahrt weisen auch die noch vorhandenen Votivgaben hin: 5 Tafeln aus den Jahren 1855, 1857, 1863, 1864 und 1893, ein Paar Wachsaugen, eine Votantenfamilie (= bittflehende Familie) aus getriebenem Blech und 9 Silberaugen auf einem Tablett.

 

Baubeschreibung


Ansicht von Süden

Die Kirche ist ein dreiachsiger Saalbau mit ebenso langem, sogar etwas breiterem, dreiseitig geschlos-senem Chor und einem Turm im Westen. An die Südseite ist am Übergang zwischen Chor und Kirchenschiff die Sakristei angebaut.
Von außen erscheinen die Proportionen als nicht sehr stimmig. Der Turm an der Westseite ist für die Kirche zu schmal und zu klein.
In einer alten Abbildung aus der Zeit um 1765 (siehe Bild rechts) ist die Kirche vor der Verlängerung, also ohne den Altarraum, der sich auf dem linken Bild rechts von der Sakristei befindet, zu sehen.


Kirche um 1765
Auf dem mittleren Emporenbild ist die Kirche von Straßbach abgebildet. Das Gemälde ist um 1900 entstanden. Es zeigt einen Turm, der einen anderen Oberbau hat, als der heutige.
Auf dem Helm sitzt eine weitere Laterne.

Kirche um 1900 ?
In der Regel haben die Maler die Kirchen so gemalt, wie sie sie gesehen haben. So ist auf dem Gemälde auch der überbreite Chor richtig dargestellt. Ob der Turm im letzten Jahrhundert verändert wurde, ist mir nicht bekannt.

Ob die 1643 von
Bernhard Ernst aus München gegossene Glocke noch vorhanden ist, konnte ich ebenfalls nicht ermitteln. Eine Übersicht über die ältesten noch vorhandenen Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

 

Innenausstattung

Decke und Stuck

Im Inneren sind die Chorwände durch Vorlagen, die Wände des Langhauses durch ein Gesims gegliedert. Darüber ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen. Den Akanthusrankenstuck hat 1716 der Haimhausener Stuckateur Mathias Heimerl (ca. 1680-1732) geschaffen. Der Maler des Chorfreskos war Ignaz Baldauf 1764, der das Fresko von J.G. Hörmann aus dem Jahr 1717 übermalte.
Die Kirche St.Ottilia ist nach Auffassung von Kunstexperten eine der ganz wenigen Kirchen, deren Deckenstuck noch im originalen Zustand verblieben ist, also noch nicht durch eine Renovierung verändert wurde. Dies gilt vor allem für die vorherrschenden Farben Rosa und Gelb, die 1717 modern, zur Zeit der Ausmalung 1764 aber eigentlich schon als altmodisch galten. Auch spätere Generationen haben daran nichts geändert.


Hochaltar / Choraltar

Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1717. An seiner Rückseite ist die Inschrift "G.P 17117" zu sehen. G.P.bedeutet Georgius Praepositus = Probst Georg (Riezinger). Der Altar wurden von Mathias Heimerl aus Haimhausen entworfen. Er besitzt einen säulengestützen Aufbau (Retabel) mit Gesims und breitem Altaraufsatz. Die vier hellen Säulen sind gedreht.
Der Altar besteht großenteils nicht aus Holz, sondern aus Stuck.
Das Gemälde des Hochaltars stellt die Patronin der Kirche, die hl.Ottilia, dar. Sie schwebt auf einer Wolke, von zwei Engelchen begleitet, zum Himmel, wo sie von der Hl. Dreifaltigkeit empfangen wird. Die Engel tragen ihre Attribute, den Äbtissinnenstab und ein Buch mit einem daraufliegenden Augenpaar.

Glorie von St.Ottilia
Im unteren Teil des Bildes gruppieren sich Pilger um die Wallfahrtskirche, wobei ein am Boden Sitzender auf seine Augen deutet, ein anderer ein Ex-Voto-Täfelchen mit einem auf schwarzen Stoff genähten, silbernen Augenpaar zur Heiligen empor hält.
Das Bild wurde 1795 vom schwäbischen Künstler Franz Josef Zoll (1770-1833) gemalt (sign).

Ein reich geschnitzter, in die Wand über der Sakristeitüre eingelassener, verglaster Barockschrein birgt eine holzgeschnitzte Statue der hl. Ottilia aus der 1. Hälfte des 18. Jh. Es könnte sich um das ursprüngliche Gnadenbild handeln, das in diesem Gehäuse auf dem früheren Hochaltar stand; allerdings ist das nicht belegt.
Die als Jugendliche dargestellte Heilige trägt eine mit Edelsteinen verzierte Krone auf dem Haupt und einen breiten Schal um den Hals. In der rechten Hand hält sie den Äbtissinenstab (ebenfalls mit Edelsteinen), in der Linken ein Buch mit darauf liegenden Augen. Bei der Krone und dem Stab könnte es sich um Opfergaben handeln.
Odilia war eine Tochter des Herzogs Athich aus dem Elsass (deshalb die Krone). Sie gründete 690 das später nach ihr benannte Kloster Odilienberg (deshalb der Äbtissinenstab). Der Legende nach wurde sie blind geboren und bei ihrer Taufe sehend (deshalb die Augen).


Ehem.
Gnadenbild
  
Reliquienbehälter

Zu beiden Seiten des Tabernakels sind zwei große, silbergetriebene Reliquienbehälter in barockem Stil angebracht. Sie sind mit Rubinen verziert. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.


An den Wänden des Altarraums stehen auf Postamenten Skulpturen der Heiligen Martin und Wolfgang. Beide Figuren gleichen sich ungemein. Der Unterschied besteht fast nur in den Attributen. Die Figuren stammen aus dem 17.Jh und dienten möglicherweise am früheren Choraltar als Assistenzfiguren. Die Wahl der Heiligen Bischöfe geht möglicherweise auf die Vornamen von zwei wichigen Indersdorfer Pröpsten des 17.Jh. zurück: an Wolfgang Carl von Polling (1618-1631), dem das Recht, die Bischofsmütze (Inful) und den Hirtenstab zu tragen verliehen wurde und an Martin Rieg (1640-62), der den Straßbacher Chor neu errichten ließ.
Der hl. Martin ist als Bischof dargestellt, mit einer Gans zu seinen Füßen. Der Heilige wurde gegen seinen Willen im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.

St.Wolfgang war im 10.Jh Bischof von Regensburg. Zwischendurch lebte er einige Jahre als Einsiedler am nach ihm benannten Wolfgangsee in Österreich. Das Kirchen-modell zu seinen Füßen erinnert an die Schwierigkeiten, die der Teufel dem St.Wolfgang beim Kirchenbau am Wolfgangsee bereitete.

 

Deckenfresken

Die Deckenfresken aus der Zeit um 1764 befassen sich mit der Legende der hl. Ottilia. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Ottilia: wie der Vater die Blindgeborene verstößt; wie sie bei der Taufe durch Bischof Erhard ihr Augenlicht erhält und wie sie als Äbtissin im Kloster Hohenburg zum letzten Mal die hl. Kommunion empfängt. Daneben sind weisen vier Embleme in Allegorien auf die Tugenden der hl.Ottilia hin.
Wenn Deckengemälde das Leben eines Heiligen darstellen, sind sie in aller Regel von hinten nach vorne, also von der Empore bis zum Altarraum zu lesen. Ganz hinten die Bilder aus der Kindheit, ganz vorne der Tod, der Übergang ins himmlische Leben.
Hier in Straßbach ist es umgekehrt. Im Altarraum die Darstellung der Geburt, über der Empore die letzte Kommunion der Kirchenpatronin.

Das Fresko im Altarraum (erstellt zwischen 1760 und 1765) wird dem Inchenhofer Ignaz Baldauf (1715-1795) zugeschrieben. Es übermalte ein früheres Fresko von Hans Georg Hörmann aus dem Jahr 1717
...mehr zu Ignaz Baldauf....

Geburt der Ottilia
Das ovale Gemälde zeigt die Geburt der hl.Ottilia. Sie war die Tochter des alemannischen Herzogs Adalrich, der im Elsaß regierte. Dass sie blind geboren wurde, traf den Stolz des Herzogs so tief, dass er das Mädchen zum großen Schmerz seiner Gemahlin Bereswinda verstieß und es in einem Kloster verstecken ließ. Der Betrachter blickt von unten auf eine Treppenanlage, die zu zwei Baldachinen führt.
Unter dem linken Baldachin ist das Wochenbett mit der Mutter Ottilias aufgebaut. Auf einem Steinsockel im Vordergrund hält eine weinende Magd die leere Wiege. Dahinter steht auf Stufen eine weitere Magd mit der Neugeborenen im spitzenbesetzten Kissen auf dem Arm. Ein Knecht mit dramatischem Gesichtsausdruck will ihr die Kleine entreißen. Das Kind im Wickelkissen hat die Augen geschlossen, als Zeichen für die Blindheit. Auf dem Thron unter dem rechten Baldachin sitzt der Fürst, Ottilias Vater, und senkt seinen Stab als Zeichen für das Verstoßen der Tochter. Im Himmel über der Szene sieht man auf Wolken Divina Providentia neben der Weltkugel thronen. In der Hand hält sie das Zepter mit dem Auge Gottes im Dreieck an der Spitze. Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.

Im Osten und Westen des großen Deckengemäldes im Chorraum sind zwei kleine Fresken (Embleme) zu sehen, die sich auf die hl. Ottilia beziehen und die thematisch durch zwei weitere Fresken im Kirchenschiff ergänzt werden.

aufgehende Sonne
Im östlichsten Bild, über dem Altar, wird die aufgehende Sonne von Nebelbänken verdeckt. Im Hintergrund eine Burg auf dem Gipfel eines Berges. Darüber auf einem Schriftband der Text: ORTUS SINE LUMINE TRISTIS ( der Aufgang ohne Licht ist traurig). Die aufgehende Sonne ist Sinnbild für die Geburt. Die Nebelbänke, die das Licht verschlucken, weisen auf die Blindheit Ottilias hin. Die Burg ist das Schloss ihres Vaters im Elsaß.
Das weitere Bild zeigt eine Landschaft mit der untergehenden Sonne. Wieder ist im Hintergrund die Burg zu sehen. Im Schriftband die Worte " OCCASUS SPLENDORE CORUSCANS " (Untergang, schimmernd im Glanz). Das Gemälde weist auf den Tod Ottilias hin. Bei der Geburt noch umschattet, im Tod aber strahlend.

untergehende Sonne


Kirchenschiff / Langhaus

Deckenfresken im Langhaus

Die Deckenfresken im Langhaus hat Franz Deschler aus Schleißheim im Jahr 1717 nach dem Enwurf Johann Deglers gemalt (Degler hatte übrigens 1720 auch den Entwurf für das große Deckengemälde in Weichs geliefert). Im Langhaus befinden sich zwei größere und zwei kleine Fresken.

Das vordere größere Bild zeigt die Heilung des Mädchens Ottilia durch die Taufe. Im Zentrum des Bildes kniet Ottilia, gestützt von ihrer Mutter Bereswinda. Vor ihr steht Bischof Erhard von Regensburg und legt seine rechte Hand segnend auf die Augen der Heiligen. Zwei Geistliche stehen hinter dem Bischof. Ein Knabe hält eine Schale mit einem Gefäß. Dabei handelt es sich um eine Teekanne.

Heilung von Ottilia
Früher war es ein Salbgefäß. Erst durch die Restaurierung im Jahr 1765, also 46 Jahre nach der Erstausmalung,wurde daraus eine Teekanne. Am linken Rand steht ein Ritter (Ottilias Vater), in dessen Gewand sich ein Knabe, der Bruder Ottilias, schmiegt. Am oberen Bildrand schweben auf und zwischen Wolken die Heilig-Geist-Taube und Putten. Von dort führt ein Gnadenstrahl zu Ottilia herab.
  Ikonographischer Hintergrund des Bildes ist die Legende, Bischof Erhard von Regensburg habe im Traum die Weisung Gottes erhalten, in das Kloster Baumeles-Dames zu gehen und dort eine junge Blinde zu taufen. Er folgte dem göttlichen Auftrag. Während der Taufe wurde das Mädchen sehend. Ottilias Bruder brachte das Mädchen, das der Vater wegen seiner Behinderung im Kloster versteckt hatte, zurück ins elterliche Schloss. Der Vater war über diese Eigenmächtigkeit so erbost, dass er seinen Sohn deswegen umbrachte.
Die Heilung Ottilias von der Blindheit wird ikonographisch auch als Überwindung des Heidentums verstanden.
Rätsel gibt der Mönch ganz rechts im Bild auf. Es handelt sich um den Taufpaten von Ottilia, wie an der Taufkerze in seiner Hand beweist. Er ist in die weiße Ordenstracht der Prämonstratenser gekleidet, obwohl Ottilia dem Augustinerorden angehörte. Kunstexperten glauben, dass
Deschler aus der Schwarz-Weiß-Zeichnung der Vorlage die Farbe nicht erkennen konnte und deshalb die falsche Farbe wählte.



Das hintere Bild im Kirchenschiff (an der Decke vor der Empore) zeigt den Tod der hl. Ottilia.
Die Vollendung eines heiligen Lebens ist ein heiligmäßiges Sterben. Die Heilige liegt auf ihrem mit einem Bärenfell bedeckten Sterbebett, umgeben von ihren Mitschwestern. In ihrer Linken hält sie den Äbtissinnenstab, in der Rechten eine Hostie.

Tod von Ottilia
Ein Priester steht am Fuß des Bettes mit einem Kelch in der Hand. Auf einem Tisch steht ein Sterbekreuz zwischen zwei brennenden Kerzen, auf einem anderen ein Buch und ein Weihwasserkessel. Über der Szene schweben Putten auf Wolken, mit Lilien und Rosen. Ein Strahlenbündel fällt vom Himmel auf die Sterbende. Das Bild hat folgenden Legendenhinter-grund: Ottilia starb ohne die Sterbesakramente.
  Ihre Mitschwestern waren darüber untröstlich. Da kehrte die Seele noch einmal in den Körper zurück, die Heilige ergriff Kelch und Hostie, die ein inzwischen herbeigeeilter Priester in der Hand hielt, gab sich selbst die Kommunion und verschied. Eine andere Legende berichtet, sie habe ihre letzten Lebenstag in einer Kapelle zugebracht. Vor ihrem Tod habe sie ihren Mitschwestern noch letzte Ratschläge gegeben, sei in Verzückung geraten, habe dem Kelch eine Hostie entnommen und sei danach gestorben.



Auch die beiden kleineren Fresken im Langhaus in der Form eines Dreipasses befassen sich wieder mit dem Leben der Ottilia. (In der christlichen Kunst versinnbildlicht der Dreipass die Dreifaltigkeit):

Im vorderen Bild, in der Nähe des Chorbogens, ist ein Bienenkorb abgebildet, über dem eine Heilig-Geist-Taube schwebt.
Der Text im Schriftband "CAELESTI IMPLENDA NECTARE" (muss mit himml.Nektar gefüllt werden) weist auf den Sinn des Bildes hin:


Bienenkorb

"Wie der Bienenkorb von Bienen mit Honig gefüllt wird, so füllt der Heilige Geist die Seele von Ottilia mit himmlischem Nektar".   
Der Bienenkorb gilt als Vorbild von Tugend und Gemeinschaftssinn; er ist deshalb Symbol für die Kirche.
Das Bild an der Decke über der Empore zeigt
zwei Putten, die einen Kranz für Ottilia bereithalten.


Putten mit Siegeskranz

Text: "VENI CORONABERIS"
(Komm, damit du gekrönt wirst).
Die Inschrift verweist auf die himmlische Vollendung der Heiligen.

 

Seitenaltäre


Floriansaltar -links
Die beiden Seitenaltäre stehen in der Längsachse an den Außenwänden, um in der schmalen Kirche nicht die Sicht auf den Hochaltar zu behindern. Beide haben im Altaraufsatz Halbfiguren von heilig gesprochenen Päpsten. Dr.Morsch ist der Auffassung, dass die Seiten-altäre erst 1765 angeschafft worden sind. Andererseits steht fest, dass Mathias Heimerl im Jahr 1717 neue Antependien geliefert hat. Vielleicht wurden die Seitenaltäre 1717 errichtet und 1765 umgestaltet oder es wurden 1717, bei der ersten barocken Ausstattung, die gotischen Seitenaltäre belassen und erst 1765 durch neue ersetzt. Für Letzteres spricht, dass nach der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 die Seitenaltäre noch den beiden Heiligen Familien Jesus, Maria und Joseph bzw. Maria, Joachim und Anna (= heilige Sippe) geweiht waren. Heute sind St.Florian und St. Leonhard ihre Patrone.

Leonhardsaltar -rechts


Linker Seitenaltar

Mittelpunkt auf dem linken Seitenaltar ist eine große Figur des Feuerpatrons St. Florian. Er ist in römische Rüstung gekleidet und hält in seiner Hand ein Wasserschaff. Zu seinen Füßen ein in den rosa Hintergrund gemaltes, brennendes Haus.

St.Florian
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.


Rechter Seitenaltar

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist eine Barockfiguren des Viehpatrons St. Leonhard. Der etwas "grantig dreinschauende" Heilige ist mit einem weißen Ordensgewand bekleidet. Diese Farbe ist für eine Leonhardsfigur ungewöhnlich und entspricht wohl auch nicht dem Ornat, das St.Leonhard trug.

 


St.Leonhard
Wahrscheinlich wurde sie gewählt, um den Heiligen als übernatürliche Person darzustellen. Weiß ist die Farbe des Lichts und damit des Himmels. Gleiches gilt auch für St.Florian auf dem linken Seitenaltar. In späteren Zeiten hat man die Figuren polychrom (bunt) gefasst. Erst im letzten Jahrhundert wurde die ursprüngliche Fassung bei einer Restauration wieder hergestellt. In der Hand hält die Figur den Abtsstab, ein Buch und Viehketten.
  Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhards-verehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

 
Johannes d.Täufer

An der Predella sind auf barocken Sockeln zwei Halbfiguren angebracht. Sie stellen
- St.Sebastian
(ohne die Pfeile, die er wohl
  in der linken Hand gehalten hat) und
- Johannes den Täufer (?) dar. Für
  Johannes d.Täufer sprechen Kreuzstab und
  Haarbesatz am Mantel, dagegen das   Evangelienbuch in seiner Hand.

St.Sebastian

 

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Kanzel

Die barocke Kanzel mit vergol-deten Zierrahmen am Kanzel-korb stammt aus der Zeit um 1765. Sie ist von der Sakristei aus begehbar. An der Unter-seite des flachen Schall-deckels eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz.

Kanzel
Hinweis: Die Gestalt der Taube
für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstel-lung der dritten göttlichen Person in Men-schengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

                                                                                                              

Kanzelkreuz
und Mater Dolorosa

Gegenüber der Kanzel hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz. Darunter steht die Figur der schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa) mit einer barocken Krone auf dem Haupt. In ihrer Brust steckt ein Schwert als Sinnbild der Schmerzen, die sie durchleiden musste.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Beide Figuren wurden 1717 in die Kirche gebracht.
 
Kanzelkreuz mit Mater dolorosa

Die Kirchenstühle mit den schön geschnitzten Wangen wurden 1720, im Zuge der ersten barocken Ausstattung beschafft.
Sie sind sehr einfach gestaltet.
Wenn Sie eine Zusammenstellung von Mustern der Kirchenstuhlwangen aus den Landkreiskirchen sehen wollen, klicken Sie hier...


Kreuzwegbilder und Apostelleuchter

An den Seitenwänden des Kirchenschiffs hängen die großen Kreuzwegbilder in schönen neubarocken Rahmen aus der Zeit um 1900.

Kreuzwegbild

Im späten Mittelalter hielt man Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land.

Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


Unter den Kreuzwegbildern sind vor den stuckierten Apostelkreuzen die kunstvollen Apostelleuchter aus Schmiedeeisen angebracht.

Hinweis: Die Apostelkreuze sind von alters her von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuz). In der Barockzeit und in der Zeit des Klassizismus hat man diesen Kreis aus Blattornamentik gestaltet. Im Inneren des Kreises befindet sich ein gleichschenkliges Kreuz, dessen Kreuzbalken wie stilisierte Lilien geformt sind. Lilien und Kreuz sollen Schöpfung und Erlösung symbolisieren. Die Apostelkreuze/leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 
Eine Zusammenstellung vieler verschiedener Apostelleuchter aus den Kirchen des Landkreises finden Sie hier...


Apostelleuchter


Empore

An die geschwungene Emporenbrüstung sind inmitten reichen Stucks drei Bilder (über früher schon vorhandene Darstellungen) gemalt, die sich mit Ottilia als Patronin und Helferin für die Blinden befassen (gemalt um 1900):

Südlich (in der Sicht vom Altar aus links) ein Rundbild mit einem Schrift-band "H.Jungfrau Othilia Hilff uns". Zu sehen sind vor dem Hintergrund eines Hauses und einer weiten Land-schaft ein blinder Mann, der von einem Kind auf der Straße geführt wird.


Blinder Mann mit Kind


St.Ottilia über ihrer Kirche in Straßbach

Rast zweier Blinder
Das Bild auf der Nordseite trägt die Überschrift "H.Jungfrau Othilia Hilff uns". Auf einem von Bäumen umgebe-nen Platz rasten zwei junge Menschen, die an ihren Stöcken als Blinde zu erkennen sind.
 
Das mittlere, ovale Bild unter der Überschrift "Ich Will Helffen" zeigt die hl. Ottilia auf Wolken in der Tracht einer Äbtissin. In ihren Händen hält sie ein Buch, auf dem ihr Attribut, die Augen, liegen. Von der Heiligen reicht ein Gnadenstrahl bis zur Erde, wo die Kirche von Straßbach zwischen einigen Häusern zu sehen ist.
 



Ausstattungsstücke aus Straßbach im Augustiner-Chorherrenmuseum in Indersdorf

Eine Reihe von Ausstattungsgegenständen aus der Kirche von Straßbach ist im Augustiner-Chorherrenmuseum Indersdorf ausgestellt. Es handelt sich meist um Stücke, die aus Sicherheitsgründen bisher im Pfarrhaus oder an anderer Stelle verwahrt worden waren. Im Museum werden sie in ansprechendem Rahmen wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch wertvolle liturgische Geräte aus den übrigen Kirchen der Pfarrei Indersdorf sind dort zu sehen. Das 2014 eröffnete Museum ist ein kultureller Glanzpunkt des Landkreises Dachau.

Votivtafeln

An die Wallfahrt zur hl. Ottilia erinnern Votivtafeln, die von dankbaren Wallfahrern für die Hilfe der Heiligen in Notlagen gestiftet wurden. Meist erklärt sich das Anliegen anhand der Gemälde und des Textes auf den Tafeln, die heute im Heimatmuseum in Indersdorf zu sehen sind. In Straßbach dominiert natürlich das Symbol der Augen, denn die hl.Ottilia wurde besonders bei Augenleiden angerufen. Hier eine kleine Auswahl aus dem 19.Jh.

1855
1857
1864

Opferstock

Auch der alte Opferstock aus der Zeit des 17.Jh. befindet sich nicht mehr in der Kirche, sondern im Heimatmuseum Indersdorf.
Der Name Opferstock bezieht sich auf das Material (ein ausgehöhlter Holzstock) und den Zweck (Aufnahme der Geldspenden von Kirchgängern). Opferstöcke waren besonders in Wallfahrtskirchen wichtig. Die Einnahmen, die sog. Opferstockgefälle, überstiegen oft erheblich die Ausgaben für die Kirche und dienten auch der Finanzierung anderer Kirchen oder Einrichtungen der Kirchenpatrone (Edelmannsfamilien oder Klöster). Ob das Opferstock-gefälle in Straßbach die Erwartungen des Klosters erfüllte, ist ungewiss. Jedenfalls war die Wallfahrt nicht so groß, wie es das Kloster gerne gesehen hätte.
Der Opferstock wurde, so wie hier in Straßbach, mit Eisenbändern und massiven Vorhängeschlössern gegen den radikalen Aufbruch gesichert. Der Metallbügel über dem Einwurfschlitz soll das filigrane Fischen nach Geld mittels langer Drähte verhindern.


Opferstock 17.Jh

 

Reliquiar

Schon in der Schmidt'schen Matrikel von 1739/40 wird berichtet, dass die Kirche in Straßbach eine Kreuzpartikel besitze. Diese Partikel ist in einer kostbaren Reliquienmonstranz (Kreuzostensorium) enthalten und dort zentral in ein Kreuz aus Bergkristall eingefasst.
Bergkristall in Kreuzform als Einfassung einer Kreuzpartikel ist seit Jahrhunderten verbreitet. Während der Schmuckstein aus fossilem Harz in der Antike als wertvoller Heil- und Zauberstein galt, ist er im Christentum ein Zeichen für die Auferstehung Christi.

Das Museum ordnet das Reliquiar dem 3.Viertel des 18.Jh. zu. Falls dies zutrifft, ist es nicht -wie von mir vermutet- mit dem in der Schmidt'schen Matrikel von 1739 genannten Reliquiar identisch.

Reliquienmonstranz

Umgeben wird das Kreuz von drei Reliquien, Partikel der Heiligen Ottilie, Benedikt und Hyazinth wie auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen, zu lesen ist. Die Reliquie des hl.Hyazinth soll ein Geschenk des Abtes von Fürstenfeld sein, in dessen Kloster die Gebeine des Heiligen seit 1672 aufbewahrt werden. Im oberen Teil der Monstranz blickt ein lebensgroßes Auge zurück auf den Wallfahrer und erinnert daran, dass die göttliche Hilfe bei Augenleiden das Hauptanliegen der Pilger war.

Reliquie von St.Benedikt

Kreuzreliquie in der Mitte

Attribut Auge im oberen Teil
 
Die Monstranz ist heute zusammen mit vielen weiteren religiösen und säkularen Kunstschätzen im sehenswerten
Augustiner-Chorherrenmuseum Indersdorf im Schneiderturm zu sehen.
Der Erläuterungstext unter dem Reliquiar
lautet:
"Grundidee für dieses Kreuzreliquiar ist die Vermittlung des Lichtes für die trüben Augen und der Gnade für den Gläubigen. Das lebensgroße, emaillierte Auge steht unübersehbar für diese Aufgabe. In der Mitte befindet sich ein Kreuz aus Bergkristall, in welches zugleich eine Kreuzpartikel eingelassen ist. Bereits in der Antike trug man zur Heilung von Augenkrankheiten den Bergkristall in Amuletten. In diesem Reliquiar treffen sich also Glaube und Aberglaube... Sämtliche Perlen am Reliquiar sind bayerische Flussperlen".

Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 326 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Beyträge zur Geschichte, Topographie u. Statistik des Erzbistums München und Freising, München 1850 (Johann II. Ebser)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.624, 950, 1067, 1118, 1134)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dr.Peter Dorner, Die silbernen Augenmotive in Straßbach, Amperland 1976
Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (
Bernhard Ernst)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glaser, Amperland 1984 (Ludwig Huber)
Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986 (
Wibner, der auch in Indersdorf tätig war)
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr.Peter Dorner, Der Abtransport der Dachauer Glocken 1917, Amperland 1994/2
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Josef Berghammer, Der selige Bruder Marold, 1999
Hans Kornprobst, Die inkorporierten Pfarreien und Kirchen des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, Amperland 2004/2
Bruno Reudenbach,Gia Toussaint, Reliquiare im Mittelalter, 2011 (Bergkristall)
Dr. Dieter Morsch, Die Kirchen im Pfarrverband Indersdorf 2014 (WolfgangMartin,1765)
Dr. Dieter Morsch, Kirchenführung 2014 (Stuck-Choraltar, Farben Weiß,Rosa,Gelb )
Prof.Dr. Wilhelm Liebhart, Die Bedeutung des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf für das Dachauer Land, 2000
Max Gruber, Die Künstlerfamilie Holzmair, Amperland 1969/1 (Thomas Holzmair)

43 Bilder: Hans Schertl (34), Hans Kornprobst/Heimatmuseum (9)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

14.06.2016