zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibg           Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos


Hofmarkkirche Heiliges Kreuz in SCHÖNBRUNN

zur Kirchentür
   

Für Navi-Nutzer: 85244 Röhrmoos, Kirchweg 4
Lage der Kirche auf der Landkarte...


Kurzbeschreibung

Eine Kirche im 798 bzw. 804 erstmals erwähnten Schönbrunn wird schon in einer Schrift aus dem letzen Jahren des 10.Jh genannt.

Diese -in der Folgezeit sicher mehrmals veränderte- Katharinenkirche ließ Baron Franz v.Unertl (1675-1750), der damalige Hofmarkbesitzer, wegen eines Gelübdes abreißen und an ihrer Stelle in den Jahren 1723-24 von Joh. Bapt. Gunezrainer einen Neubau errichten.

Bereits die "Schmidtschen Matrikel" (1738/40) rühmen diesen Bau als "Ecclesia haec inter rurales splendida et valde elegans" (für eine Landkirche ist sie außergewöhnlich prächtig und elegant).
Nach Auffassung des Barockexperten Prof. Bernhard Schütz zählt die Kirche zu den Spitzenwerken unter den bayerischen Barockbauten.

Hanns-Martin Römisch vom Baureferat des Ordinariats der Erzdiözese Mch-Freising vertritt in einem Zeitungsartikel der SZ die Auffassung, "dass die Kirche an die herausragende bauliche Qualität des Schlosses Schleißheim oder auch der Residenz in München heranreicht".


Und der Journalist W.Eitler von der SZ misst ihr "den Rang eines herausragenden politisch-kulturellen und landesgeschichtlichen Denkmals in Oberbayern" zu.


Detail aus dem Deckenfresko

Das außen rechteckig begrenzte Schiff ist im Innern fast rund mit einer ovaler Flachkuppel.
Der Bau ist eine interessante Vorstufe des später besonders von Joh.Michael Fischer weiter verfochtenen Gedankens eines Zentralbaus, wie er insbesondere in Bergkirchen umgesetzt wurde.
Die bemerkenswert reiche Stuckatur zeigt die abstrakten Formen der Stilstufe zwischen Barock und Rokoko.

Auf das Patrozinium vom Hl.Kreuz und die Kreuzigung verweisen insbesondere die Deckengemälde im Altarraum und in der Kuppel des Kirchenschiffs sowie der Choraltar mit einem großen Kruzifix als Mittelpunkt. Das Altarbild ist als Hintergrund für dieses Kruzifix gemalt. Im hinteren Teil der Kirche sind zwei kleine Kapellen mit je einem Altar angebaut: rechts zur Ehre der Verspottung Jesu durch zwei Schergen, links zur Ehre der Geißelung des Herrn, dargestellt durch lebensgroße Holzfiguren mit echten Haaren, Kleidern und Gegenständen.

Im Kirchenschiff befinden sich zwei große Seitenaltäre: Links der Katharinenaltar als Erinnerung an das Patrozinium der früheren Kirche.

Auf der rechten Seite steht der Gelöbnis-Altar, der der hl. Anna geweiht ist. Franz-Xaver Unertl hatte der hl.Anna gegenüber gelobt, er werde eine Kirche bauen, wenn er aus einer gefährlichen politischen Situation am Ende des Spanischen Erbfolgekriegs heil herauskomme.

Die vier Oratorien mit ihren vorkragenden Loggien und eine Familiengruft des früheren Hofmarkbesitzers, des Kanzlers v.Schmid sowie Epitaphe und Wappen betonen die große Bedeutung der Hofmarksherren für dieses Gotteshaus.


zur vergrößerten Ansicht des Hochaltars bitte klickenAnna-AltarKatharinenaltarDeckengemälde Pilaster mit korinthischen Kapitellen tragen das durchlaufende GebälkDeckengemälde im Chor 4 Details (Choraltar, Seitenaltäre, Deckengemälde) per Mouseklick vergrößern

Der schöne Stuck in Formen des Frührokokos ist über den ganzen Innenraum verteilt. Er deutet auf Joh.Baptist Zimmermann (1680-1758) hin, auch wenn nach neueren Forschungen dieser Künstler selbst wohl nicht beteiligt war. 

Das Deckengemälde im Hauptraum stellt die Verehrung des heiligen Kreuzes durch die Engel dar (ca.1730). Es nimmt die gesamte Gewölbefläche ein. Es sind die einzigen erhaltenen Fresken des Münchner Hofmalers Balthasar Augustin Albrecht. Sie haben die Verehrung des Kreuzes Christi zum Thema.


B
ewertung
Die Hofmarkkirche in Schönbrunn gehört nach Auffassung der Kreisheimatpflegerin Dr.Unger-Richter in die Reihe der fünf kunsthistorisch bedeutendsten Kirchen des Landkreises Dachau (neben Altomünster, Indersdorf, Bergkirchen und Petersbergbasilika). Ihr Erbauer hatte wegen seines hohen Amtes am Münchner Kurfürstenhof Kontakt zu den besten in Bayern wirkenden Künstlern seiner Zeit. Geld scheint keine große Rolle gespielt zu haben. Die Kirche wurde nicht als Dorf- sondern als Hofkirche errichtet, für die edlen Herrschaften, ihr Personal und für die hohen Gäste. Sie war deshalb auch ein Mittel der Präsentation. Durch ihre Balkone und den damals ungemein modernen achteckigen Grundriss wirkt sie wie ein Theater mit dem Altarraum als Bühne, der Bestuhlung als Parkett und den fünf Emporen als Ränge.
Außerdem ist die Hofmarkkirche einer der wenigen Kirchenbauten unserer Gegend, die ohne An-oder Umbauten noch in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten sind, fast 300 Jahre lang. Auch die Kircheneinrichtung stammt noch großenteils aus der Erbauungszeit.


  Kirche im Juni 2014 - Blick zum Altar

(Das Gerüst ist übrigens Eigentum des Erzbistums und war
vor 2001 an der Kirche St.Maximilian in München
aufgestellt. Es verursacht deshalb keine weiteren Kosten)

Seit Ostern 2001 ist die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen.

Bisher wurden nur das Dach, der Turm und die Außenmauern saniert.
Dafür wurden bis 2014: 2,8 Mio Euro ausgegeben.

Seit 2014 zeigt sich das Gotteshaus zumindest von außen
wieder von seiner schönsten Seite. Im Inneren ist der Zustand seit 2001 unverändert (siehe Bild links) .

Eine der Voraussetzungen für den Fortgang der Renovierung im Inneren war die Gründung eines Fördervereins; dies ist am 30. Januar 2014 unter maßgeblicher Mitwirkung von Kreisheimatpflegerin Dr. Unger-Richter geschehen. Von den weiteren Renovierungskosten muss die Pfarrgemeinde Röhrmoos, zu der die Filialkirche Schönbrunn gehört, rd. 30-40 % (d.s. 1,5 bis 2 Mio Euro) selbst aufbringen. Aufgabe des Fördervereins ist es, durch Sammeln von Spenden oder durch Veranstaltungen verschiedenster Art zu Gunsten der Hofmarkkiche zur Finanzierung beizutragen.

Inzwischen hat auch die Innenraumsanierung begonnen, selbst wenn davon noch wenig zu sehen ist. Derzeit werden die Einrichtungsgegenstände, die beim Maler Neubauer am Chiemsee eingelagert sind, wissenschaftlich untersucht (Projektuntersuchungen), um den Renovierungsbedarf zu klären. 2014 wurden Holzuntersuchungen durchgeführt; im Sommer 2015 sollen die Deckengemälde untersucht und -wenn möglich- restauriert werden.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1723
Matrikel 1738 Beschreibg 1874 Beschreibg 1882 Kirchenbrand 1899
Ausstattung: Baubeschreibung Choraltar Deckenfresken-1 Deckenfresken-2 Epitaphe
  Figuren im Schiff Gelübde v.Unertl Gruft Kapellen
  Kirchenschiff Kirchenbänke Kommunionbank Kreuzweg ehem.Schlosskapelle
  Orgel Patronat Portal
  Seitenaltäre Turm Uhrwerk Vorraum Wallfahrt

Die Ortschaft Schönbrunn wurde schriftlich erstmals um die Jahre 798,  804 bis 807,  811 und 818 unter dem Namen "Prunnon" in Urkunden des Bistums Freising aufgeführt und zwar in einem Verzeichnis von Orten, die durch Kauf oder Tausch an das Domstift Freising gelangt sind (Freisinger Traditionen). Die Urkunde Nr. 212 wurde am 7.Juli eines Jahres (804-807) ausgefertigt und kündet davon, dass der Priester Uulfrih seinen Besitz zu Schönbrunn dem Bistum Freising geschenkt hat.
Aus der Zeit kurz nach der Jahrtausendwende ist bekannt, dass Bischof Egilbert mit dem Edlen Wolftregil Besitz zu Schönbrunn (Prunna) gegen andere in Hohenkammer (Chamara) und Kammerberg (Perga). Diese Urkunde wurde in der Zeit zwischen 1006 und 1039 ausgestellt. Die frühen Urkunden sind zeitlich nicht genau zu bestimmen, weil darin nicht das Erstellungsdatum, sondern oft nur der jeweils regierende Freisinger Bischof genannt ist. Manchmal ist der Zeitraum weiter einzugrenzen, wenn Lebensdaten der beim Vertragsabschluss anwesenden Zeugen bekannt sind.
Ab 1160 tritt das Adelsgeschlecht der Schönbrunner als "Honesti viri" in Erscheinung. Sie werden wohl schon in einem Schloss gewohnt haben. Sowohl der Name als auch das Wappen der "Schoenenprunner", ein gelber Schöpfbrunnen auf grünem Berg, deuten auf einen Brunnen hin.
Gegen Ende des 16.Jh wird die Familie nicht mehr erwähnt. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts hatte sich ein Sedelhof (heute noch auf dem Anwesen Nr. 7 der Hausname Sedlbauer) erhalten. 1650 erwarb ihn Daniel Pfundmeier, ein Angehöriger des berühmten Münchener Ratsherrngeschlechtes, der weiteren Besitz dazukaufte. 1672 kam alles in die Hände des damaligen bayerischen Kanzlers Kaspar Schmid, der auch noch die Herrschaftsrechte über die Dörfer Lotzbach und Ampermoching erwarb und eine Hofmark errichtete.

Geschichte der Kirche

Schon vor dem 1. Jahrtausendwende bestand hier nachweislich eine Kirche. Sie wird in einer Schrift aus dem letzen Jahren des 10.Jh genannt. Bischof Abraham (957-994) tauschte von dem Edlen Petto Besitz und die Hälfte der Kirche zu Schönbrunn mit Zehent (in loco Prunna dicto, id es aecclesiam dimidiam cum decima) ein und gab dafür Liegenschaften und die Kirche zu Groß/Kleingründling (Bezirksamt Freising) ab.

Konradinische Matrikel 1315 03)
In der Konradinischen Matrikelvon 1315 wird sie als Filialkirche "Schönprunne cum sepulturis" (mit Friedhof) bei der Pfarrei Röhrmoos erwähnt.

Aus dem Jahr 1348 wird berichtet, dass "den 25.Jenner in Oberbayern ein so starker Erdbiben (Erdbeben) gewesen, daß Kürchen und Haußer erschittert, die Klocken in den Thurmen von selbsten angeschlagen, und stillstehende Wanderer auf denen Straßen daumlent gemacht (zum Taumeln gebracht) worden."

Matrikel von 1524
03)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals die frühere Patronin der Kirche, die heilige Katharina genannt.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Röhrmoos ist auch die Filialkirche in Schönbrunn kurz erwähnt. Dort wird einmal S.Catharina, ein andermal das hl.Kreuz als Kirchenpatron bezeichnet. In der Kirche standen damals zwei Altäre ("hat zwen alter"), die "mit schöner Zier versehen" waren. Daneben stand ein "wol beschlossenes" Sakramentshaus. Gottesdienste wurden einmal in jeder Woche und an jedem 3.Sonntag gehalten. Der Pfarrer wurde allgemein gelobt ("ein guet lob in allen dingen"). Er halte sich an katholische Bräuche und nehme keine Neuerung vor ("und mit nichten ainicherlai neuerung furnem"). Das Einkommen der Kirche betrage an Geld 1 1/2 Gulden, an Korn und Hafer jeweils 1 1/2 Schäffel. Ein der Kirche gehörender Acker ist um 27 Gulden verkauft worden. An Gerätschaften vorhanden waren ein Kelch mit Corporale, ein Messbuch, ein Liturgiebuch und vier teils schöne, teils weniger schöne Messgewänder ("4 Meßgewandt, guet und beß"). Das Allerheiligste und die hl.Öle wurden rein aufbewahrt. Der Mesner sei fleißig, notierte der Visitator. Doch der Kirchenbau schien nicht mehr gut gewesen zu sein. "An Khirchen und Fanen ist Mangel", heißt es abschließend.

Diese alte Katharinenkirche besaß noch einen Turm mit reiner Zwiebelhaube, wie auf dem Bild rechts zu sehen ist. Die alte Kirche war ein spätgotischer Bau. Der kurfürstliche Ratskanzler Kaspar Freiherr von Schmid hatte 1672 das Schloss erworben und im Jahr 1682 auch die gotische Kirche barock umgestaltet, "von einem "welschen Baumeister" neu stuckiert" heißt es.

Der Münchner Kartograph Michael Wening dessen Stich Sie rechts sehen können, widmet in seinem um 1718 herausgegebenen Buch "Historico-topographica descriptio Bavariae" bei der Beschreibung des Schlosses Schönbrunn auch einige wenige Worte der Kirche: " Die Pfarrkirch (!) allhier ist ein Filial zur Pfarr Rermosen hat U.L.Frau zur Schutz-Patronin und verehret einen mercklichen Particul vom H.Creutz." Hier irrt Wening. Patronin war damals St.Katharina.


Schloss und alte Katharinenkirche um 1700
  Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen".

30jähriger Krieg
Beim Schwedeneinfall 1632 sind in Schönbrunn 28 namentlich bekannte Personen ums Leben gekommen (Matrikelbuch von Pfarrer Wolfgang Ströber). Von Beschädigungen der Kirche ist nichts bekannt.


Neubau 1723

Baron Franz v.Unertl (1675-1750),der damalige Hofmarkbesitzer, ließ die Kirche wegen eines Gelübdes abreißen und in den Jahren 1723-24 einen Neubau errichten. Von diesem Erbauer, dem "Schlossherrn", dürfte sich der Name "Große Schlosskapelle", der längere Zeit im Volksmund üblich war, herleiten. Die Pläne ließ Unertl schon 1722 fertigen, weil Pfarrer Kreitmaier schon am 6.Febr.1723 dem Ordinariat berichtete, "der Baron wolle die Kirche niederreißen und vom Fundament ganz neu erbauen und zwar ohne Angreifen der Gotshaus Kapitalien" (dh. vollständig auf seine Kosten). Das Ordinariat beauftragte im Übrigen den Pfarrer, "sich mit Manier und im Geheimen zu erkundigen", in welcher Form der Bau ausgeführt werden solle. Die Grundsteinlegung erfolgte am St.Georgstag 1723 (23.April).
Baumeister war Johann Baptist Gunezrainer (1692-1763). Auch der aus Dachau gebürtige kurfürstliche Hofbaumeister Joseph Effner dürfte -vielleicht auch nur beratend- beteiligt gewesen sein.  Neben Bergkirchen, Altomünster und Sigmertshausen, die J.M. Fischer gebaut hat, sowie Unterweikertshofen (erbaut vom Hirtlbacher Maurermeister Hans Maurer) ist die Hofmarkkirche zu Schönbrunn eine von fünf Zentralkirchen im Dachauer Landkreis. Sie war möglicherweise Vorbild für die Fischer-Kirchen, die später entstanden. Für Gunezrainer war Schönbrunn der erste Kirchenbau.
Die feierliche Einweihung erfolgte durch Bischof Johann Franz v. Freising eineinhalb Jahre später, am 29./30. Oktober 1724. Unter den Gästen der Einweihung befand sich auch der damalige Regensburger Bischof Johann Theodor, ein Wittelsbacher, der später als Freisinger Fürstbischof (1727-1763) den Kardinalshut erhielt.
Der Turm wurde erst nach weiteren 2 Jahren, 1726, fertiggestellt.


Patronat

Die neue Kirche in Schönbrunn hatte nicht mehr St.Katharina als Patron sondern war zu Ehren des allerheiligsten Kreuzes und der hl. Mutter Anna geweiht. Mutter Anna hat mit dem Gelübde zu tun, das Kreuzpatrozinium mit einem von Michael Wening 1701 erwähnten Kreuzpartikel.
  Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten. Schönbrunn war mit Kreuzholzhausen die bedeutendste dieser Kreuz-Wallfahrten im Landkreis Dachau.

Wallfahrt
Die Filialkirche in Schönbrunn war früher eine Wallfahrtsstätte. In großen Zügen und Prozessionen kamen die Wallfahrer aus nah und fern zum Feste der Kreuzauffindung nach Schönbrunn, um den heute noch vorhandenen großen Kreuzpartikel im Hochaltar zu verehren. Um die Kirche herum waren an diesen Tagen sogar Verkaufsbuden angebracht.


Matrikel von 1738/40
03)
15 Jahre nach dem Neubau, in den Jahren 1738 bis 1740, hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Die "Ecclesia filialis s.Crucis in Schoenbrun" rühmt er als " inter rurales splendida et valde elegans" (für eine Landkirche ist sie außergewöhnlich prächtig und elegant). Mit ihren Kapellen habe sie sechs Altäre. Der Hochaltar sei dem hl.Kreuz gewidmet; er enthalte eine Kreuzpartikel. Die beiden Seitenaltäre hätten die hl. Katharina und die hl.Anna als Patrone. Die übrigen Altäre seien Passionsaltäre, an denen man der Geißelung, der Dornenkrönung und der Verspottung Christi gedenke. In der Kirche würden auch Reliquien aufbewahrt:
Eine Skelettreliquie des Katakombenheiligen Theodor sowie Partikel der Gebeine der Heiligen Anna, Wolfgang, Martin und vieler anderer Heiliger. Gottesdienste fänden im Wechsel mit Röhrmoos und Sigmertshausen jeden dritten Sonntag statt, außerdem an jedem Freitag und natürlich an den Festen Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung. Dazu kämen noch zwei wöchentliche Gottesdienste, die auf eine Stiftung des Barons Caspar Schmidt, des Schönbrunner Schlossherrn und bayerischen Kanzlers sowie seines Sohnes Ignatius Ferdinand, eines Freisinger Kanonikus und Dekans an der Münchner Peterskirche. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag vor Michaeli (29.Sept). In der Kirche gebe es eine Gruft, in der der schon erwähnte bayerische Kanzler Caspar Schmidt bestattet sei. Um die Kirche herum sei der Friedhof mit Grabstätten und Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer von Röhrmoos und der Schlossherr von Schönbrunn, damals der Baron von Unertl, ebenfalls bayerischer Kanzler. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses solle diser Zeit yber 4000 fl. (=Gulden) betreffen". Das war für ein neues Gotteshaus ein sehr hoher Betrag.


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Schönbrunn enthalten. Zu ihr gehörten 183 Dorfbewohner (Seelen), die in 15 Häusern wohnten. Gottesdienste fanden jeden dritten Sonntag im Wechsel mit Röhrmoos und Sigmertshausen statt. In der Kirche standen sechs Altäre (Choraltar, zwei Seitenaltäre, zwei Nischenaltäre und ein Gruftaltar). Auf der Empore standen zwei Orgeln, eine mit sechs, die andere mit zwei Registern. Die kleinere Orgel hat man auch Trauerorgel genannt, weil sie bei Beerdigungen allein gespielt wurde. Im Turm hingen damals 2 Glocken, eine sehr alte ohne Jahreszahl, die zweite aus dem Jahr 1861. Das Kirchenvermögen betrug 9000 Gulden.


Kirchenbeschreibung 1882

Pfarrer Johann v. G.Gierl hatte 1882 eine Chronik des Schlosses, der Associationsanstalt und Dorfes Schönbrunn geschrieben. Darin beschreibt er die Dorfkirche zu Schönbrunn sehr ausführlich. Im Wesentlichen bot sich den Gläubigen damals ein ähnliches Bild wie heutigen Besuchern.
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Kirchenbrand 1899

In der Mittagszeit des 29.Okt.1899 brach am Ökonomiegebäude der Anstalt Feuer aus, das trotz geringen Winds auf die Kirche übergriff. Als Entstehungsursache vermutete man, eine Ziege habe eine im Stall befindliche Laterne umgestoßen, die dann das Heu entzündete; auch Brandstiftung wurde nicht ausgeschlossen.
Zur Brandlöschung trafen 19 Feuerwehren aus der Umgebung ein, auch eine Kompanie der Freiwilligen Feuerwehr in München und eine Kompanie des Eisenbahnbatallions erschienen um mitzuhelfen. Dem Brande fielen zum Opfer der große, der Anstalt gehörende Viehstall mit 15 Stück Rindvieh, 16 Schweinen, 20 Ziegen und vielen Hühnern, ferner ein großer, ebenfalls der Anstalt gehörender Stadel mit 15000 Zentner Heu, 14000 Ztr. Korn, 12000 Ztr. Weizen und 13000 Ztr. Stroh, ferner das Wohnhaus und der Stadel des Landwirtes Johann Bieringer (Haus Nr. 5, zum Dodl), ferner das erst vor kurzem von der Anstalt angekaufte Haus Nr. 9 und der Kirchturm der Dorfkirche.


Ansichtskarte
Zur Erinnerung an den großen Brand 1899
Der Röhrmooser Pfarrer Schanderl berichtet darüber in seinem Tagebuch: "Die Turmkuppel brannte lichterloh. Auch das Zinkdach des Turmes war bereits ergriffen; es schmolz und fiel in glühenden Stücken zu Boden. Das brennende Gebälk des Turmes bildete eine weithin sichtbare Fackel. Alles Lob verdient der Meßmer, der oben bei den Glocken die Wetterbretter benetzte und den Brand abzuhalten versuchte, bis er sich selbst retten musste. Der Turm brannte dann aus. Nachmittags 5 Uhr stürzte unter gewaltigem Krachen die erste Glocke innwendig im Turm herunter, die beiden anderen folgten. Zwei der Glocken fielen in Trümmer, nur die kleinste Glocke blieb ganz. Die Orgel wurde durch die Wassermassen ganz ruiniert. Das Langhaus der Kirche konnte durch die opfermutige Tätigkeit der Feuerwehr gerettet werden. "Der umsichtige, energische Baumeister von Pasenbach rettete es mit Hilfe anderer beherzigter Männer. Allerdings wurde die Kirche mit Vandalismus ausgeräumt von einem oder ein paar rettungswütigen Toren. Tabernakel und Heiligenstatuen wurden beschädigt. Die Kirche selbst war versichert. Der Brand an der Anstalt Schönbrunn wütete von mittags 1 Uhr bis abends 11 Uhr mit ununterbrochener Gewalt".
Die Beseitigung der Schäden in der Kirche dauerte bis 1903 und kostete rd. 6000 Mark. Die Handwerkerzeichen im Dachgebälk zeigen, dass die Zimmererarbeiten von der Fa. Gattinger aus Vierkirchen ausgeführt wurden.

1948 Sturmschäden
Bei einem schweren Sturm gingen Fenster im Wert von 1000 DM zu Bruch.


Kirche vor 2001

Renovierungen

1907: Innenrenovierung
1934
: Außenrenovierung der Kirche durch die Firmen Gattinger Vierkichen, Kupferschmied Blümel Dachau (Kupferdach für Turm und Blitzableiter), Wagnermeister Peter Wiedemann sen. Röhrmoos (malte Ziffernblätter und vergoldete die Zeiger der Uhr), Joh.Mayr, Schönbrunn (Fuhrdienste). Die Kosten betrugen 6.545 RM, davon zahlten: die Diözese 1500 RM, der Staat 1200 RM, GeistlRat Steininger 1707 aus Privatkasse, die Filialgemeinde 1138 RM über Umlagen).
1936 erhielt die Kirche ein neues Dach (Fa. Pachmayr, Mch).


Kirche 2016


Baubeschreibung

Die Kirche steht zwischen dem Kloster Schönbrunn und dem Dorf auf einer kleinen Anhöhe. Nach einer Beschreibung aus dem Jahr 1882 ist sie 67 Fuß (19,5 m) lang, 46 Fuß (13,5 m) breit und 47 Fuß (13,9 m) hoch. Sie hat 68 Sitzplätze und 300 Stehplätze.

Nord-Süd-Ausrichtung der Kirche
Im Unterschied zu allen Kirchen der Umgebung ist sie -wie schon ihr Vorgängerbau- mit der Apsis nach Norden statt nach Osten ausgerichtet. Dafür gibt es zwei Überlegungen:
 

1. Der Baureferent des Ordinariats der Erzdiözese Mch-Freising Hanns-Martin Römisch glaubt, dass die Kirche auf das damalige Zentrum der bayerischen Macht, das Schloss Schleißheim ausgerichtet wurde, das im Süden liegt. Dem pflichtet Gerhard Ongyerth vom Landesamt für Denkmalpflege bei: diese Sichtbeziehungen seien zwischen Bauwerken in der Barockzeit bewusst als Machtachsen eingesetzt wurden, um die Nähe zum Kurfürsten und die eigene politische Bedeutung zu betonen. In den Unterlagen ist allerdings nur von einer Achse nach Ampermoching die Rede.
2. Die beengte Lage ließ eine andere Ausrichtung nicht zu. Für diese Auslegung spricht zum einen der Augenschein des Geländes, zum anderen die gleiche Ausrichtung der Vorgängerkirche, die auch ohne höchst-herrschaftlichen Bezug in Nord-Südrichtung erbaut wurde. Damals gab es das Schloss in Schleißheim noch gar nicht. Die Abweichung von der Ost-West-Richtung war ein Makel, für den es wichtiger Gründe bedurfte.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Kirche nicht nach Süden, sondern nach Norden ausgerichtet ist, denn für die Ausrichtung ist die Lage des Choraltars entscheidend; und der liegt im Norden.

Christliche Kirchenbauten sind in der Regel in der Ost-West-Richtung errichtet; der Altarraum liegt im Osten. Diese Ausrichtung geht auf die schon in vorchristlicher Zeit geltende Gebetshaltung in der Antike zur aufgehenden Sonne hin zurück. Aus der Richtung der aufgehenden Sonne erwartet die christliche Gemeinde auch die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag. Die Ost-West-Richtung hat nichts mit der Lage von Jerusalem zu tun, wie oftmals fälschlich angenommen wird. Auch Kirchen in Indien oder Afrika sind in Ost-West-Richtung erbaut. Nicht nur die Architektur, sondern auch die ganze Ausstattung des Kirchengebäudes entspricht dieser Orientierung. Sogar bei Bestattungen in der Kirche (Grablegen) ist diese Richtung maßgebend: Bei Laien liegen die Füße, bei Geistlichen der Kopf im Osten. Bestattungen in der Kirche sind seit Mitte des 19.Jh. verboten.

Künstlerische Qualität
Nach Auffassung des Barockexperten und früherem Lehrstuhlinhaber am Institut für Kunstgeschichte der LMU München, Prof. Bernhard Schütz zählt die Kirche zu den Spitzenwerken unter den bayerischen Barockbauten. Hanns-Martin Römisch vom Baureferat des Ordinariats der Erzdiözese Mch-Freising vertritt in einem Zeitungsartikel der SZ die Auffassung, "dass die Kirche an die herausragende bauliche Qualität des Schlosses Schleißheim oder auch der Residenz in München heranreicht".
Und der Journalist W.Eitler von der SZ hebt sie "über ihre künstlerische Bedeutung hinaus (in) den Rang eines herausragenden politisch-kulturellen und landesgeschichtlichen Denkmals in Oberbayern".

Vom Grundriss her gesehen, gibt es ähnliche Kirchen in Fürholzen im Lkr.Freising (von Dominikus Gläsl) oder die Dreifaltigkeitskirche in München (von Viscardi), vor allem aber die Schlosskapelle in Urfahrn bei Bad Feilnbach, die zur gleichen Zeit errichtet wurde und an der wahrscheinlich auch Gunezrainer und Effner mitgewirkt haben. Doch Prof. Schütz vertritt die Auffassung, dass die Hofmarkkirche in Schönbrunn "unter den kleineren Landkirchen Oberbayerns aus der Zeit vor dem ersten Auftreten von Johann Michael Fischer unstreitig die qualitätsvollste" ist und "mit ihrem Innenraum auch die späteren Dorfkirchen von Sigmertshausen und Bergkirchen im Dachauer Land übertrifft".

Architektur des Innenraums
SeitenaltarPilaster mit korinthischen Kapitellen tragen das durchlaufende Gebälk.Pilaster mit korinthischen Kapitellen tragen das durchlaufende GebälkEines der vier OratorienEines der vier OratorienHier gehts in die Seitenkapellen und zur EmporentreppeHier gehts in die Seitenkapellen und zur EmporentreppeAltarraum mit HochaltarDer KatharinenaltarDer Annaaltar - GelöbnisaltarSakristei mit TurmaufgangGruftKapelle Geisselung ChristiKapelle Verspottung Christiunten Eingang, darüber Empore, mit Orgel
Der Mousezeiger gibt Hinweise

Das außen rechteckig begrenzte Schiff mit jeweils 7 Blindfenstern auf den Längsseiten ist im Innern nach den zentralisierenden Tendenzen des 18. Jh. angelegt: Dieser Bau ist eine interessante Vorstufe des später besonders von Joh.Michael Fischer weiter verfochtenen Gedankens eines Zentralbaus mit gestrecktem Mittelraum und ovaler Flachkuppel, an den sich in die Längsachse tiefere, in der Querachse kürzere Kreuzarme mit den Seitenaltären anschließen In den Diagonalachsen liegen hinter halbrunden Nischen die Nebenräume, die in der Außenansicht in den rechteckigen, zweistöckigen Kirchenbau eingeschlossen sind. Nur die Apsis und der von einer Helmkuppel gekrönte 32 m hohe Turm ragen hervor.

Im Inneren deckt eine ovale Flachkuppel den Mittelraum, je ein Tonnengewölbe die Seitenarme. Pilaster mit korinthischen Kapitellen tragen das durchlaufende Gebälk.
Beim Innenraum in Schönbrunn handelt es sich nach Aussagen von Prof.Schütz aber nicht um das sonst gebräuchliche ungleichseitige Oktogon (unregelmäßige Achteck), sondern und eine längsovale Rotunde mit vier Kreuzarmen.

Blick nach vorne - vor 2001
Dieser Typus stamme aus der italienischen Renaissance und sei dort im Planungsmaterial von Antonio da Sangallo d.J. vorgebildet. Die Hofmarkkirche habe "mehr als die meisten anderen bayerischen Kirchen des 18.Jh. eine italienisch-klassischen Beiklang, der durch die kannelierten Pilaster und die regelhaft durchgebildeten Gebälke noch unterstrichen" werde. Die vier vorschwingenden Logen betonten zudem das Hochherrschaftliche. Nach Schütz ist "das baukünstlerisch Wichtigste aber sind die sicher beherrschten Proportionen des Raumes, also das Verhältnis der vier geschlossenen Wandstücke der Schrägseiten izu den hohen rukndbogigen Öffnungsarkaden an den Kreuzarmen, das Verhältnis von Wänden und Wölbung zum Raumvolumen". Das alles sei glücklich aufeinander abgestimmt.
Diese hohe Qualität zeigt sich im Inneren durch die bemerkenswert reiche Stuckatur. Sie ist im Stil des Barock und Rokoko gehalten, in abstrakte Formen in die auch viele figürliche Darstellungen eingestreut sind. Der Stuck könnte von Johann Bapt. Zimmermann stammen, der die erwähnte Schlosskapelle in Urfahrn damit ausstattete.

Zum Baustil der Kirche hat sich auch Pfarrer Endres aus Röhrmoos geäußert und diese Bewertung 1953 in der Kirchenchronik festgehalten:
  "Schönbrunn gehört baulich zum Barock. Die Stuckformen sind bereits im Frührokoko, dem sogenannten Regence, gehalten. Hier atmen sie zum ersten Mal den neuen Geist des Französischen Rokoko. Sie sind möglichst flach gehalten und leicht. Band- und Gitterwerk spielen eine Rolle. An Stelle des kräftigen Akanthusstengels des Spätbarocks ist das Bandwerk getreten. Das Blatt verdeckt nur da und dort Ecken des oft verschlungenen Bandes. In den Hohlkehlen sind Palmetten schön ausgebildet. Deutsche Pflanzen treten öfters an Stelle des Akanthus. Manches erinnert an die Dreifaltigkeitskirche in München. Kannelierte Pilaster tragen das Gebälk. Zwischen denselben sind im Chore Oratorien eingesetzt, nach dem Hauptraum zu vorspringende Balkone. Die vier Eckpfeiler des Hauptraumes haben nach der Kirche zu eine Nische für eine lebensgroße Heiligenfigur. In der Nähe des Balkons ist im Westen eine Orgelempore eingezogen".

Der außergewöhnlich schöne Turm an der Südseite der Kirche ist -wie die Kirche- außen durch gelb gestrichene Pilaster gegliedert, die über den Uhrblättern ein vorkragendes Gesims tragen. Diese "Augenbrauen" heben die Ziffernblätter besonders hervor und geben dem Turm sein unverwechselbares Gepräge.
Der Turm wird von einem wuchtigen Kupferhelm mit einer geschlossenen Laterne bedeckt und wird von einer vergoldeten Wetterfahne und einem Kreuz nach oben beschlossen.<

1865, 1877 (bekrönendes Kreuz) und 2012/13 (Fassade und Dach) wurde der Turm renoviert.


Die vier Ziffernblätter der Turmuhr stammen noch aus der Erbauungszeit, wurden aber augenscheinlich 2012/13 restauriert. Der Stundenzeiger ist mit dem Mondsymbol, der Minutenzeiger mit dem Sonnensymbol versehen.

Früher befand sich über der Uhr ein Ölgemälde auf Blech. Auf der einen Seite zeigte es das Bild der Mutter Anna, die von zwei Engeln mit Kränzen umschwebt wird; auf der anderen Seite zwei Bischöfe, von denen einer als Attribut eine Kirche mit zwei Spitztürmen (Dom zu Freising ?) trug.

Turmuhr 1725
Glocken
An den rundbogigen Schallfenstern sind ganz deutlich die Schallbretter zu sehen, die dafür sorgen sollen, dass sich der Schall der Glocken bevorzugt um die Kirche herum ausbreitet. In der Glockenstube hinter den Fenstern hängen vier Glocken, von denen drei 1953 in Erding bei Karl Czudnochowsky gegossen wurden:
• die erste Glocke ist dem Andenken des Hl.Kreuzes gewidmet; sie besitzt einen Durchmesser von 107 cm,
   wiegt 600 kg, erklingt auf den Grun–dton fis'u. kostete 2800 DM. Inschrift: "Hl.Kreuz–Schönbrunn 1953".
• zweite Glocke: St.Maria, Durchm. 87 cm, Gewicht 350 kg, Ton a', Kosten:1680 DM. Inschrift: "St.Maria-
   Schönbrunn 1953"

Glocken 1953
• dritte Glocke: St.Josef, Durchmesser 87 cm, Gewicht 275 kg, Ton h', Kosten: 1320 DM. Inschrift: "St. Josef.Schönbrunn 1953"
• Die vierte Glocke, die 1942 nicht abgeliefert werden musste, ist dem Hl. Joh. Bapt. geweiht. Sie besteht aus Bronze, ist
  136,5 kg schwer und besitzt den Schlagton cis. Gegossen wurde sie von der Fa. Straßer in München im Jahr 1882.
Über den Kauf der Ersatzglocken 1953 gibt es einen Bericht in der Pfarrchronik. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...

Frühere Glocken
Bei der Erbauung 1725 besaß die Kirche zwei Glocken, später kam wohl eine weitere dazu.
1861 wurde eine Glocke mit 350 Pfund gegen eine neue mit 630 Pfund (Gießer Fr.S.Greßner aus München) umgetauscht.
Am 18.2.1942 mussten zwei Glocken zum Einschmelzen abliefern:
- die große Glocke (Hl. Kreuz) mit einem Gewicht von 580 kg; unterer Durchmesser 101 cm; von Ulrich Kortler, München
   im Jahre 1900 gegossen; Beschriftung am oberen Kranz: Magister Udalricus Kortler nos fecit Monachii 1900. (Hl. Kreuz)
- die mittlere Glocke (St. Josef) mit einem Gewicht von 260 kg; unterer Durchmesser 76 cm; von Ulrich Kortler, München
  
im Jahr 1900 gegossen; Beschriftung am oberen Kranz: Gestiftet von Leonhard Mayr und dessen Ehefrau Maria, Sedlbauer;
   Beschriftung am unteren Kranz: "St. Josef ora pro nobis"; an der Glockenwand: "Wappen mit Münchner Kindl" und Jahreszahl
   "1900".
Kurz bevor die Glocken (am 18.2.1942) abgeliefert werden mussten, wurden sie zusammen geläutet als Abschiedsgruß der scheidenden Glocken von der Gemeinde Schönbrunn, schreibt Pfarrer Endres.

Unter dem Turm liegt der Eingang mit seinem zweiflügeligen Portal.
Im Inneren trennt ein großes Gitter den Vorraum im Turmerdgeschoss vom Kirchenraum.

Der Dachstuhl ist eine aufwändige Konstruktion. Für ihn wurden Balken verwendet, die eine Länge von 20 Metern haben und die aus einem Eichenstamm geschlagen wurden.
B
ei einem Brand im Jahr 1898 wurde der Dachstuhl beschädigt. Die Restaurierung erfolgte erst 9 Jahre später, im Jahr 1907. Die Jahreszahl ist am Chorbogen zu lesen. Das in der Zwischenzeit eingedrungene Wasser verursachte erhebliche Schäden, insbesondere auch am Deckenbild.


Schloss und Kirche Schönbrunn um 1700

Epitaphe
An der Ostseite der äußeren Kirchenmauer sind mehrere Epitaphe eingelassen:

Epitaph für Georg Nöscher - 1871
(Größe 56 x 75). Text: "Hier ruht in Gott Hochwürdiger Herr Georg Nöscher erzbischöfl. Geistl. Rat 15 Jahre Direktor der Assoziationsanstalt geboren am 18.Jan. 1871 zu Oberheldenberg gestorben am 19. Nov. 1921 zu Schönbrunn Besser als das Leben ist deine Barmherzigkeit o Herr."
Im Sterbebuch Röhrmoos ist eingetragen, daß Revd, Georg Nöscher, Anstaltsdirektor in Schönbrunn, am 19. November 1921 abends 8 Uhr an tuberc.....pulmonum, 50 Jahre, 10 Monate alt, gestorben ist und am 23. November 1921 in Schönbrunn von Domkapitular Gehsl, München, beerdigt wurde.

Epitaph für Francisca Stainbergerin- 1757
(Größe:83 x55)
Text: "Hier Ligt Begraben die Ehr Unnd Tugentreiche Frau Maria Francisca Stainbergerin Koch: Gräfl. Piosasoue Haushalt erin allda. Welche den 4. September Anno 1757 Ihres aldters 44: Jahr Gott Seelig Entschlaffen. Got Gebe ihr die Ewige Ruch + (Totenkopf) +"
Im Sterbebuch Röhrmoos ist unterm 5. September 1757 eingetragen: "Maria Francisca Steinbergerin, oeconoma in Schönprun omnibus morientium Sacramentis obiit et sepulta fuit."

 

Ehemalige Schlosskapellen

Kapelle 1672
Möglicherweise hatte schon die gläubige Familie der Ligsalz Anfang des 17.Jh eine Kapelle im Schloss errichtet. Schriftlich erwähnt wird ein Kapellenbau aber erst im November 1792, als der geheime Rat Anton v.Schmid ans Ordinariat in Freising schrieb: "Glaubbar war die Einweihung von anno 1672 bis etlich neunzig, als mein Urahnherr das ganze Schloß neu auf zubauen angefangen und die Kapelle mitgebaut hat".
Der Kupferstecher Michael Weni ng (1645-1718) hat 1701 das Schloss mit der Kapelle an der nordwestlichen Ecke abgebildet. Er schätzte das Alter der Kapelle auf ungefähr 20 Jahre.
Die Gottesdienste wurden von einem Schlosskaplan abgehalten. Am 27.11.1716 gestattete Bischof Johann Franz auf einem von Pfarrer Vitus Kreitmair eingereichten Bericht über den Zustan der Kapelle und des Altares, "daß nicht nur an Sonn- und Feiertagen (außer der drei principalfeste) sondern auc in der Woch nach Belieb sowohl von denen, alldahin frembd-ankhoment, als auch secular und regular Priester das hl.Meßopfer gelesen werden dürfe."


Schloss Schönbrunn
Kapelle 1724
Um das Jahr 1724 -zeitgleich mit der Hofmarkkirche- erweiterten die Schlossbesitzer den westlichen Flügel des Schlosses. Dabei wurde die bisherige Kapelle mitsamt dem Türmchen abgebrochen und eine neue Kapelle in den Neubau aufgenommen. Die Schmidtsche Matrikel von 1738/40 lobte das Gotteshaus als valde elegans, als sehr schönen Bau; er sei mit einem Altar ausgestattet und zu Ehren von Mariä Geburt errichtet. Am 30. Oktober 1724 ist die Kapelle vom Freisinger Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck "unter Beiwohnung von 4 Domherren unter äußerst großer Feierlichkeit geweiht worden". 1792 erhielt Anton v.Schmid die Erlaubnis, für alle Schlossbediensteten Werktagsgottesdienste abzuhalten. An Feiertägen nur, wenn die Witterung sehr schlecht und stürmisch ist, oder der ein oder der andere etwas unpäßlich ist, oder wenn Pfarrgottesdienst in Sigmertshausen oder Röhrmoos ist.

Kapelle 1740
Die Schmidtsche Matrikel aus den Jahren 1738/40 erwähnt auch noch kurz, dass das Schloss eine sehr schöne Kapelle mit einem Altar enthalte. Sie sei zu Ehren von Mariä Geburt errichtet.

Um 1768 gab es Streit zwischen dem Schlosskaplan Loibl und dem Pfarrer von Röhrmoos. Der als "ebenso unklug in seinem Eifer als boshaft in seinem Auftreten" beschriebene Loibl wollte neben der Schlosskapelle auch alle Messfeiern in der Filialkirche Heilig Kreuz übernehmen und Pfarrer Ponschab (von den Einnahmen aus Mess-Stipendien) verdrängen. Damit hatte er aber trotz Unterstützung durch Graf Piosasque keinen Erfolg.

1831 wurde die Kapelle zusammen mit einem Teil des Schlosses abgebrochen.

 

 

Innenausstattung

Deckengemälde im Altarraum

Das Deckengemälde im Altarraum zeigt das Auge Gottes im strahlenden Dreieck, Symbol der Trinität, von Engeln umgeben. Sechs Putten sind auf Wolken dargestellt. Sie umgeben eine helle Himmelsöffnung mit dem symbolischen Auge Gottes.

Verehrung der Dreifaltigkeit
Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich.In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem
18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.

 

Hochaltar / Choraltar

Als Hochaltaraufbau dient ein großes Kreuz mit Crucifixus und Dolorosa über dem Tabernakel, rückwärts an der Wand ist -zwischen drei Fenster- ein kräftiger Barockrahmen angebracht. Der vom Münchner Hofbildhauer Johann Joachim Friedrich (1690-1753) im Jahr 1727 gestaltete Altar macht einen erhabenen Eindruck.
In der Mitte über dem Tabernakel steht das große, den Chor beherrschende Kruzifix. Darunter steht die Figur der Schmerzhaften Muttergottes, die dem wun-dertätigen und deshalb oft kopierten Gnadenbild in der Münchner Herzogspitalkirche nachempfunden ist.
...mehr zur Herzogspitalmadonna...
Links und rechts zwei große Anbetungsengel mit je einem Schriftblatt in den Händen: "Ecce lignum crucis" (links) und "in quo salus mundi pependit" (rechts).
auf deutsch: "Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen".

Choraltar
Das Hintergrundgemälde für die Kreuzigungsgruppe mit den anbetenden und trauernden Engeln wurde von Balthasar August Albrecht (1687-1765) angefertigt. Auf ihm sind viele Engelgestalten zu sehen, die den Tod Christi betrauern.
...mehr zu Balthasar August Albrecht finden Sie hier...
 
Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.

In der Osterzeit steht auf dem Tabernakel die Figur des auferstandenen Christus. Er hält in seiner linken Hand eine große Prozessionsfahne. Die Kreuzfahne ist ein in Kreuzform endender Stab, an dem eine Fahne oder ein Banner angebracht ist. Sie gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.

Auferstandener
Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelchergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.
Im Altar sind Reliquien von den Heiligen Sigmund, Albert, Emmeram (Patron des Bistums Regensburg) und Corbinian (Patron des Bistums Freising) eingemauert. Bei der Einweihung des Altars waren die Bischöfe von Regensburg und Freising anwesend.

Epitaph für Kanzler Anton Schmid
An der linken Seite des Chorbogens ist eine Steinplatte: 95 cm hoch, 65 cm breit mit Wappen eingemauert.
Der Text lautet:
  "Hier ruhet der Hochwohlgebohrene Reichsfreyherr Anton von Schmid von Haslach auf Pirnbach, Schönbrunn und Schernberg, Kurpfalzbajerischer Kämmerer wirklich geheimer Rath, Frejresignierter Revisions Direktor, Erb Pfleger zu Aybling, Gemeiner Löblicher Landschaft in Bajern, Verordneter Rechnungsaufnehmer. Und erwartet den Tag der Auferstehung. Ein verdienter Staatsmann. Ein gründlicher Gelehrter. Zärtlicher Gatte. Liebender Vater. Getreuer Freund. Ein edler , biederer Mann. Er kannte dieses Lebens Philosophie und übte sie aus. Er war Christ. Er starb im 65. Jahre seines Alters den 31. Dezember 1802 "
Im Sterbebuch Röhmoos ist eingetragen:
  Die 29 XII bris 1802 obiit Monachii Perillustris ac Excellentissimus Dominus Antonius de Schmid, Liber Baro de Hasslach, Dominus in Schönbrunn, Pirnbach s:s: 66 annos natus, dieque Tertia Januar: 1803 in Ecclesia filiali S: Crucis in Schönbrunn ad pede superioris Altaris ritu Cathol. sepultus fuit

 

Epitaph und Gruft

In die Chorwand ist ein großer Epitaph für Anton von Schmid eingemauert, der 1802 gestorben ist. Im oberen Teil ist sein Wappen eingraviert (siehe Bild rechts).
Der Text auf dem Grabstein lautet:

Wappen f. A. von Schmid


 

  Hier ruhet der Hochwohlgebohrne Reichsfreyherr Anton von Schmid  von Haslach auf Pirnbach,  Schönbrunn  und Schernberg.
Kurpfalzbayerischer Kämmerer Wirklich geheimer Rat und  Freyresignierter Revisions Director Erbpfleger zu Aybling,
Gemeiner Löblicher Landschaft in Bayern Verordneter u.Rechnungs-Aufnehmer. Und erwartet den Tag der Auferstehung.
Ein verdienter Staatsmann, ein gründlicher Gelehrter Zartlieber Gatte,
Liebender Vater , Getreuer Freund
Ein edler biederer Mann
Er kannte Dieses Lebens Philosophie Und übte sie aus.
Er war Christ.
Er starb im 65 ten Jahre seines Alters den 31 ten Dezember 1802.
Im Sterbebuch Röhmoos ist eingetragen:
  Die 29 XII bris 1802 obiit Monachii Perillustris ac Excellentissimus Dominus Antonius de Schmid, Liber Baro de Hasslach, Dominus in Schönbrunn, Pirnbach s:s: 66 annos natus, dieque Tertia Januar: 1803 in Ecclesia filiali S: Crucis in Schönbrunn ad pede superioris Altaris ritu Cathol. sepultus fuit"
Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Gruft


Gruft
Die beiden nördlichen Nebenräume bergen auf der linken Seite eine Kapelle zu Ehren des Begräbnisses Christi. Im Altar liegen Reliquien der Heiligen Albert, Cyprian, Longuman und Valentin.
Unter der Kapelle befindet sich die Familiengruft derer v.Schmid in der Größe der darüber liegenden Kapelle.
Von der Seitenkapelle aus führt eine Stiege hinab. 16 Öffnungen (jeweils 4 in vier Reihen übereinander) konnten Särge aufnehmen. Sie waren aber nie alle belegt. In der ersten Reihe befanden sich zwei männliche und drei weibliche Leichname. 1740 war hier noch das Grab des früheren bayerischen Kanzlers Caspar Schmidt. Doch schon 1815 schrieb Freiherr v.Obernberg, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, über seinen Besuch in der Gruft: "Schmidt starb, 71 Jahre alt, den 8.September 1693 und ward in der Kirche begraben. Ich fand wohl seinen Denkstein mit einfacher Inschrift (große Männer bedürfen des Prunkes nicht; ihr Wert ist ohnehin bekannt genug) aber seine Ruhestätte nicht. Die Gruft ist leer, mit vielen Öffnungen, als künftigen Ruhestätten, wie in Klostergrüften versehen".
Der obengenannte Revisionsdirektor Anton von Schmid, dessen Leichnam mit einem Pferdegespann von 6 Rappen von München nach Schönbrunn überführt wurde, liegt im Fußboden der Kirche selbst, zwischen den Kirchenstühlen und der Kommunionbank (Speisgitter) begraben. Die Buchstabenkombination "A.v.S." auf einer Steinplatte weist auf ihn hin. Während eines sonntäglichen Gottesdienstes im Jahr 1855 gab der Boden über dem Grab nach und begann zu sinken. Dies rief unter den Kindern, die an dieser Stelle in ihren Kinderbänken knieten, "furchtbare Panik hervor". Als man nachgrub, fand man den gebrochenen eisernen Sarg. Der Tote sei fast 7 Fuß (2 Meter) groß gewesen und war "in einen großen faltenreichen Mantel von feinstem Tuche brauner Farbe" gehüllt. Neben ihm lag sein Degen. An der Außenmauer ist ein (weiteres) Epitaph für den Toten angebracht.



Sakristei

Rechts ist die Sakristei mit marmornem Lavabo-Becken. Über der Sakristei wieder ein Oratorium mit den schönen Sakristeischränken aus dem Jahr 1725.

Sakristeischrank



Kommunionbank

Das Schiff und der Altarraum sind getrennt durch die Kommunionbank aus hellem Marmor (18.Jh).
Sie wird von den profilierten und in der Mitte stark geschwellten barocken Docken (kleine Säulchen) getragen.
  Hinweis: An die Kommunionbank knieten sich früher die Gläubigen, die kommunizieren wollten. Der Priester reichte von der dem Altarraum zugewandten Seite der Kommunionbank die konsekrierten Hostien aus dem Kelch. Ein Ministrant hielt unter das Kinn des Gläubigen die Patene, um ein Herunterfallen der Hostie zu vermeiden. Im Rahmen der Liturgiereform um 1970 wurde die Kommunionbank in den meisten Kirchen abgebaut, um so eine Einheit zwischen dem Priester und der Gemeinde zu schaffen. Zudem ist nach herrschender Auffassung der Altar auch Tisch des österlichen Mahles; von ihm empfangen die Gläubigen die Kommunion. Zum Teil wurde die Kommunionbank auch einer anderen Verwendung im Kirchenraum zugeführt (so wurde z.B. Teile der alten Kommunionbank auf dem Petersberg zum Volksaltar in Orthofen).



Kirchenschiff bzw. Langhaus

Deckengemälde

Deckenstuck
Der schöne Stuck in Formen des Frührokokos ist über den ganzen Innenraum verteilt.
Er deutet auf Joh.Baptist Zimmermann (1680-1758) hin, auch wenn nach neueren Forschungen dieser Künstler selbst wohl nicht beteiligt war. Aber es könnte aus seiner Werkstatt stamme.  


Über den Gesimsen der vier Eckpfeiler beginnt ein großes Deckengemälde, das sich über die ganze Kuppel hinzieht. Es stellt die Verehrung des heiligen Kreuzes dar (ca.1730).
Das Deckengemälde in Schönbrunn ist das einzige erhaltene Fresko des Münchner Hofmalers Balthasar Augustin Albrecht (1687-1765), von dessen Kunstfertigkeit noch viele Bilder (Wieskirche, Freising-Neustift, Schloss Schleißheim, Mch-Residenz, Polling, Dießen und Schäftlarn) zeugen. Die Frühwerke Albrechts in Schönbrunn sind erstaunlich qualitätsvoll und verraten vor allem in der Art der Figurenbildung und der Inkarnate (Farbe der Haut) den Einfluss der Maler Johann Anton Gumpp und Melchior Steidl.

In der Mitte - im Licht - ist die Dreifaltigkeit von einer großen Anzahl von Engeln umgeben, von denen viele auf das Kreuz hindeuten. Die Engel werden zur Mitte hin immer kleiner; das vermittelt die Illusion von Höhe und Entfernung. Der Künstler will mit seiner Perspektive eine unendliche Höhe des Himmels darstellen; er malt die einzelnen Höhenstufen nicht konzentrisch, sondern exzentrisch, in Ellipsen statt in kreisrunden Formen.

Stuckfuß im Gemälde
Auf der untersten Wolkenbank sind sehr große und mächtige Engelsfiguren zu sehen. Der Fuß eines Engels an der Westseite ragt aus dem Fresko heraus über den Stuckrahmen, der das Bild umgibt.
Der Fuß selbst ist nicht Teil des Gemäldes; er ist vielmehr ein Teil der Stuckatur und wurde dem Fresko entsprechend bemalt. Es ist eine illusionistische Spielerei, die auch andere große Künstler bei Deckengemälden angewandt haben.


Das Kreuz

Thematischer Mittelpunkt des Gemäldes ist das Kreuz Christi, das von drei Engeln aufrecht gehalten wird (siehe Bild rechts). Rundherum sind die übrigen Leidenswerkzeuge -Arma Christi- dargestellt, die von großen, durchwegs weiblichen Engeln präsentiert werden.
Im Urzeigersinn vom Kreuz aus betrachtet:
Ein Engel im dunklen Kleid hält den Leidenskelch (derzeit durch eine
Eisenklammer zur Stabilisierung der Kirche halb verdeckt) und die Geißeln

Leidenskelch  
   

Schweißtuch
eine Wolkenbank höher zeigt ein kleinerer Engel das Schweißtuch mit dem Bildnis Jesu
ein Engel im beigen Kleid hält -auf einer Wolke sitzend- die Dornenkrone


Dornenkrone  


Nägel und INRI-Tafel

ein sehr lebhafter Engel mit wehendem roten Gewand hält die INRI-Tafel hoch; in seiner rechten Hand liegen die Kreuzesnägel,
darunter lagert ein Engel mit rotem Gewand auf Wolken mit der Geißelsäule im Arm;


Geißelsäule  

     


Lanze und Schwamm

ganz in der Nähe trägt ein Engel mit blauem Kleid die Lanze und den Schwamm auf einer Ysop-Stange.

In den unteren Teilen des Gemäldes (in den Diagonalen) sind Putti dargestellt, die mit ihren Attributen auf alttestamentliche Bezüge zu der Erlösungstat und dem Opfertod Christi verweisen:

die eherne Schlange (Num 21,4-9), die an einem Stamm (als Vorläufer für das Kreuz) aufgerichtet war und Heilung brachte


eherne Schlange  

 

Maßstab f.Paradiesbaum
ein Maßstab für den den Paradiesbaum, aus dem das Kreuz gefertigt worden sein soll,
ein Bündel Holz erinnert an die Opferung Isaaks, der das Holz für das Opferfeuer selbst am Altar aufgeschichtet hatte
und damit zum Vorbild für die Kreuzestragung Christi wurde,

Bündel Holz   
 
 
Moses-Stab
ein Stab (im Nordwesten) als Erinnerung an das Wasserwunder des Moses. Moses schlug mit dem Stab Wasser aus einem Felsen.

Dazwischen eilen noch einige andere Engel über die Wolken, als wenn sie einen dringenden Auftrag zu erfüllen hätten.


Betender Engel

Engel im Zwiegespräch

Dreifaltigkeit

Engel verweist auf Gott

Eilender Engel

Die Deckengemälde wurden 1907 restauriert.

  
Decke -Ost

Passend zum Fresko ein eleganter Bandelwerkstuck, der auch in Friesen, an Gurten, Oratorien, Türöffnungen und Figurennischen auftaucht und der durch sein Weiß die Wirkung des farbkräftigen Deckengemäldes noch erhöht.

 

Bilder des ganzen Deckengemälde
 
Teil 1  

 
Decke voll

Seitenaltäre

In die beide Kreuzarme des Grundrisses sind die beiden Seitenaltäre gestellt. Wie der Hochaltar verzichten auch die Seitenaltäre auf einen architektonischen Aufbau mit Säulen und Gebälk, bestehen also nur aus der Mensa (Altartisch) und einem großem gerahmten Altarblatt, das jeweils seitlich durch geschnitzte Fruchtgirlanden und oben durch das Wappen der Unertl-Schmid bereichert wird.

Linker Seitenaltar

Katharinenaltar
Durch ein Gitter eingeschlossen , links der Katharinenaltar mit einem Bild von der Enthauptung der hl.Märtyrerin Katharina, der Patronin der Vorgängerkirche und der Namenspatronin der damaligen Hofmarksherrin (gemalt von Baltasar August Albrecht, der auch die Kreuzigungsszene am Hochaltar geschaffen hat). Die legendäre Königstochter Katharina kniet, angetan mit dem weißen Gewand der Jungfräulichkeit, im Zentrum des Bildes und erwartet den Schwertstreich, der sie enthaupten wird. Sie wurde zum Tod verurteilt, weil sie sich weigerte, den heidnischen Göttern zu opfern. Das Marterrad, mit dem sie getötet werden sollte, ist zerbrochen. Aus dem Himmel eilen ihr zwei Engel entgegen, um ihr einen Palmzweig als Siegeszeichen zu überreichen.

Enthauptung von St.Katharina
Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die
christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).
In die Mensa des Altars, in den Altartisch, sind Reliquien der Heiligen Justin, Alban, Hyazinth und Lampert eingebettet.

An der Predella steht ein vergoldeten Reliquienschrein mit dem Leib (eigentlich nur dem Haupt und mehreren Knochenstücken) des Märtyrers Theodorus. Dieser Schrein, vorne verglast, hinten mit rotem Samtbezug, wurde zusammen mit dem zweiten Schrein auf dem rechten Altar im Jahr 1876 vom Maler Hagg aus Dachau für 300 Gulden restauriert. Die Gebeine wurden von den Servittinnen in München für 400 Gulden neu gefasst (in Klosterarbeit). Am 29.6.1876 hat man die restaurierten Reliquienschreine an der Bahnstation in Röhrmoos abgeholt und in feierlicher Prozession nach Schönbrunn überführt.
  Hinweis: Bei den Reliquien handelt es sich um einen sog. Katakomben-Heiligen. Die in den Katakomben Roms gefundenen anonymen Gebeine wurden mit einem Namen versehen und als Märtyrergebeine verkauft. Es ist somit nicht sicher, aber auch nicht ausgeschlossen, dass es sich um die Gebeine eines Märtyrers handelt.
Reliquien (lat. reliquiae = Überrest) waren in früheren Jahrhunderten sehr wertvoll und wurden von den Herrschenden gesammelt wie heute Kunstgegenstände. Ganze Skelette als Reliquien konnten sich nur mit großen finanziellen Mitteln ausgestattete Kirchen leisten (im Dachauer Landkreis die Jakobskirche in Dachau und die Klosterkirchen in Altomünster und Indersdorf). Die Gläubigen verehrten in der Reliquie den Heiligen selbst. Damit wurde in der christlichen Kirche ein Brauch fortgesetzt, der schon im Altertum weit verbreitet war. Bereits im Heroenkult antiker Zeit, in der Verehrung von besonders herausragenden und ausgezeichneten Menschen nach ihrem Tod, standen deren Grab und Gebeine im Mittelpunkt des Kultes. Der christliche Reliquienkult ging von den Gräbern der Märtyrer aus. In der Verehrung der Reliquien erhofften sich die Gläubigen eine Teilhabe an der überirdischen Kraft des Heiligen, die ihm Gott wegen seine Martyrertodes oder seines segensreichen Wirkens auf Erden verliehen hat. Für das einfache Volk war es auch unmaßgeblich, ob es sich um die Originalreliquien handelte oder um einen Gegenstand, den man lediglich an der Originalreliquie "anberührt" hatte. Bis zum 13.Jh waren die Reliquien verschlossen. Erst danach wurden sie den Gläubigen in allerlei Schaugefäßen gezeigt. 
Auf dem Schrein in der Mitte eine kleine Statue des einen Inder taufenden hl. Franz Xaver. Dieser Heilige war der Namenspatron von Baron Unertl.
  Hinweis: Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.


Rechts neben dem Altarblatt des linken Seitenaltars steht die vergoldete Figur des Viehpatrons Leonhard mit im Mönchsgewand mit einem Buch (Verkünder des Evangeliums), einem Abstab und einer Kette in der Hand.
  Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
Neben dem hl.Leonhard an der Wand eine 8,75 kg schwere, reich verzierte Votivkerze die mit Bild und Inschrift: "Ex voto 1740 - St.Leonhard geopfert" noch an die frühere Wallfahrt erinnert.

Die linke ebenfalls vergoldete Assistenzfigur stellt den sitzenden hl. Wolfgang dar. Er ist im vollen Bischofsornat mit Bischofsstab, Mitra und Pallium abgebildet und hält in der linken Hand das Modell einer Kapelle.

  Hinweis: Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück. Die vielseitige und umsichtige Tätigkeit als Bischof begründete Wolfgangs Beliebtheit und seine Verehrung schon zu Lebzeiten. Er versuchte insbesondere, die Bildung und das geistliche Lebens des Klerus und der Orden zu fördern. Zahlreiche Orte wurden nach Wolfgang benannt.


Rechter Seitenaltar


Rechter Altar
Auf der rechten Seite steht der Gelöbnis-Altar, der der hl. Anna geweiht ist. Das Altarbild, ebenfalls von Balthasar August Albrecht, zeigt Mutter Anna, die im Beisein von Vater Joachim und einiger Engel ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Auf dem Altar ein Reliquienschrein mit Gebeinen von vielen Heiligen; darunter auch eine "Annahand", eine Nachbildung der in Wien aufbewahrten angeblichen mumifizierten Hand der hl. Anna in Wachs von 1724.

Anna lehrt Maria das Lesen
  Hinweis: Das Buch in den Händen von Anna geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen
sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem
14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.
In der Stipes des Altars, im Altarblock, befinden sich Reliquien der Heiligen Severin, Faustina, Papst Alexander und Honorius.

Rechts neben dem Altarblatt steht die lebensgroße Figur des hl.Sebastian, von Pfeilen durchbohrt am Marterbaum.

  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Die linke Assistenzfigur am Annaaltar zeigt den hl.Laurentius im typischen Gewand der Diakone (kurzärmelig und mit einem Seitenschlitz versehen). In den Händen hält der sein Attribut, den Marterrost und einen Palmzweig.

  Hinweise: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet.
Im Christentum werden Märtyrer häufig mit Palmzweigen dargestellt. Die immergrünen Blätter symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum.

Im Aufsatz des rechten Seitenaltars sind -wie schon am linken Altar- die Wappen der Schmids und Unertls, begleitet von Putten zu sehen.

 

In einem Reliquienschrein sind Gebeine verschiedener Heiliger aufbewahrt.

1. Darunter auch eine sog. Anna-Hand. Für sie existiert eine Echtheits-Urkunde: "Ich Endes-Unterschriebener bezeuge mit Priesterlichem Glauben, daß Gegenwärtige von unterschiedlichen Heiligen Reliquien formirte hand an der wahrhafften Hand der Heiligen Mutter Annae (welche in Ihrer Römisch-Kayserlich und Catholischen Majestät Hof Capelle S.Francisco Xaverii in Ehren aufbehalten wird) würklich angerühret worden, und Ihr in allem gleichförmig ist; Zur gewissener Sicherheit hab ich solch Heilige Hand mit Attestations gleichen Sigill-Zeichen behanget. Wien den 5.April 1724."
Darunter ist geschrieben: "Franz Simon auch Sakristan und Rosenkranz Pater bei denen durchlauchtigsten Erzh. Rosabetha und Magdalena Ihro Röm.Kayserlich und Catholischen Majestät Frauen, Frauen Schwestern.."
'Authentica super Particulam Sanctae Matris Annae est acclusa retro tributam in tergo.
Die Urkunde ist mit einem Kranz weißer Perlen eingefasst, und mit einer Kapsel, einem Siegel und einem Stück Samt versehen. Die Annahand selbst war schon 1882 zerbrochen.

2. Außerdem findet sich noch vor eine Kapsel, deren Reliquien abhanden gekommen. Sie enthält die Inschrift: J. F. E. F. G. R. J. P. MDCCXXIV, das fürstbischöfliche Wappen, in das Frising. R. P. J. N. Jo. Fra??. D. G. Episc., eingezeichnet ist.

3. Die meisten der übrigen 26 Reliquien sind mit Beschriftungen versehen, die die Namen der Heiligen bezeichnen, von denen die Partikel stammen sollen. Es sind sog. Katakombenheilige, also Gebeine aus den am 31.3.1578 entdeckten Katakomben. Die Gebeine wurden ausgegraben und "getauft", d.h. mit Namen versehen, die an Tugenden, heroische Eigenschaften oder an andere Heilige erinnerten.gefunden wurden. Die Namen der Heiligen, deren Reliquien in Schönbrunn liegen, lauten:

  "Os magnum S. Timothei Apost. et Mart. – Part. parv. S. Gregorii Papae, - Coxa S. Hiacinthi M. - Os aliguom. magn. S. Petri M. - Os parv. S. Agathae V.M. - Coxa S. Wolfgangi Episcopi. Long. pars Crur. S. Severi M. - Os minus S. Mauritii M. - Coxa S. Prothi Mart. - Coxa S. Nicasi Episcopi - S. Simplicii M. – Os magn. S. [S. 195*] Eucharii Rev. Archiepiscop. - S. Bonifatia M. - Pars Cranii S. Vitalis Mart. - Os parv. S. Gertrudis - …… S. Margarethae Virg. M. - Os parv. S. Nikolai Ep. - S. Anastasiae Martyris - Os minus S. Severi Ep. Rav. - Os minus S. Erasmi Ep M. - Os densum S. Stephani - Os minus Wilibaldi Ep. Confess. - Scapula S. Martini Papae - Os parvum S. Antonii C. - Os magnum S. Dionysii Areopagitae"
 

Links an der Wand eine ebenfalls 8,75 kg schwere Votivkerze mit der Inschrift: "Ex voto:der heyl. Mutter Annae geopfert 1729". Sie ist ein wenig angebrannt. Nach der Überlieferung soll sich selbst entzündet haben, als im Schloss einmal ein Feuer ausbrach.

Neben der Kerze befindet sich am rechten Seitenaltar in einem Schaukasten mit Rokoko-Glasrahmen der gegeißelte Heiland (ca 1750).
  Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Schönbrunn.


Figuren im Kirchenschiff

Im Kirchenschiff stehen in den beiden nördlichen Nischen (zum Hochaltar hin) lebensgroße Figuren des hl.Josef, des Nährvaters Jesu, Garant für einen guten Tod und zweiter Namenspatron des Hofmarksherren v. Unertel (links) sowie des hl.Johann Nepomuk, des Wahrers des Beichtgeheimnisses und Beschützers bei Gefahren des Wasserns (rechts). Diese Figuren wurden von Franz Ableitner (1652–1728) 17)in München gefertigt. Nach Auffassung von Pfarrer Endres "lassen sie den allmälichen Übergang vom Barock zu Rokoko erkennen, daher sind die Gestalten nicht mehr zu massig, sondern schon etwas graciös gegeben. Noch deutlicher als der hl. Johannes der Täufer läßt das Graciöse, stark Dekorative die Figur des hl Florian erkennen, besonders die Gewandung und der Helmschmuck. Eigenartig ist, daß der hl Florian das Wasser nicht wie sonst auf ein brennendes Haus schüttet, sondern daß zu seinen Füßen Flammen frei emporschlagen. Leider hat die letze Restauration die Figuren mehr verdorben als gebessert.".
  Hinweise: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

Zu beiden Seiten des Eingangs präsentieren sich in in Lebensgröße den südlichen Nischen Statuen des hl.Florian (in römischer Soldatenrüstung mit hohem Federbusch-Helm) zu seinen Füßen ein brennendes Haus und in der Hand die Siegesfahne sowie des Joh.d.Täufer des Bußpredigers und Vorläufers Jesu.


St.Florian
  Hinweise: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres.
Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen.In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.
Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.



Kreuzwegbilder

An den Seitenwänden hängen die 14 Kreuzwegtafeln des Dachauer Malers Anton Huber von 1842. Die Kosten von 340 Gulden trug größtenteils Anna Schuster. Aus der Hand von Anton Huber d.Ä. stammt eine Reihe von weiteren Kirchenbildern im Landkreis Dachau.

 

Hinweis: Kreuzwegbilder in den Kirchen unserer Gegend sind erst seit 1700 üblich. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...



Kirchenbänke


Die 10 Kirchenbänke aus Eichenholz mit ihren interessant gestalteten Wangen stammen noch aus der Erbauungszeit (1724) und sind noch recht gut erhalten. Eine dendrologische Untersuchung im Rahmen der Renovierung 2001-2020 hatte zum Ergebnis: das Gestühl ist von höchster Qualität.
Die Bankreihen sind in der Mitte abgeteilt; jeweils 8-10 Personen finden in der Reihe Platz. Mit einem Stuhlgeld konnte man die Plätze reservieren (Höhe 1882: 20 Pfennig jährlich).
Nach Meinung von Kunstexperten könnten die Bänke aus der Werkstatt von Ägid Verhelst (1696-1749) stammen, der kurz vorher bei der Neuausstattung der Pfarrkirche in Haimhausen maßgeblich mitgewirkte.

Wenn Sie auch noch andere Muster an Kirchenstuhlwangen sehen möchten, klicken Sie hier...

Kirchenbank


O
pferstock

Gleichen Alters wie die Kirchenbänke ist auch der kleine Opferstock an der letzten Bank.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Opferstock
 

KatharinenaltarAnna-Altar
Blick nach hinten

Seiten -Kapellen

Dahinter befinden sich kleine Kapellen mit je einem Altar:

rechts zur Ehre der Verspottung Jesu (mit Reliquien der Heiligen Justin, Alban, Hyacint und Lampert)
links zur Ehre der Geißelung des Herrn (mit Reliquien der Heiligen Sigmund, Dionys, Donat und Corbinian).

Dargestellt wird die Thematik von lebensgroßen Holzfiguren mit echten Bart- und Haupthaaren, Kleidern und Gegenständen. Sie stammen aus der Erbauungszeit, der 1.Hälfte des 18.Jh.


Verspottung Jesu
Geißelung
Jesu

Im Geschoss über diesen beiden Nebenräumen schwingen sich -ebenso wie im Chor links und rechts vom Hochaltar (über der Sakristei)- lichte Oratorien für die Hofmarksherrschaft und ihre hochgestellten Gäste. Sie haben Glastüren mit runden Butzenscheiben, die einzeln von Hand gefertigt wurden und noch aus der Erbauungszeit (1725) stammen.


Orgel

Durch beide Kapellen führt je eine Treppe zur Empore mit der Orgel. Sie wurde im Jahr 1905 (andere Quelle: 1900) von Franz Borgias Maerz im Neurokokostil gebaut, hat 7 Register bei pneumatischer Kegellade und einen entfernt stehenden Spieltisch mit einem Manual.

Orgel
An einem Brett im Innern des Orgelkastens ist die Schrift angebracht: "Laudate, pueri, Dominum;. laudate nomen Domini..." (Preist den Herrn, ihr Knaben, lobt den Namen des Herrn), eine Aufforderung an die Blasebalgtreter (Kalkanten) früherer Zeiten.
Mehr über den Orgelbauer Maerz...
  Hinweis: Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Frühere Orgeln:

1. Schon bei der Erbauung 1724 wurde die Kirche mit Orgeln ausgestattet. Neben der Hauptorgel mit 6 Registern gab es daneben noch ein zusätzliches kleines Orgelpositiv mit zwei Registern vorhanden war. Man hat sie Trauerorgel genannt, wahrscheinlich weil sie bei Trauerfeierlichkeiten allein gespielt wurde. An Festtagen oder bei hohem Besuch hat man beide Orgeln zugleich gespielt. Beide Orgeln wurden 1879 vom Orgelbauer Vogel in Rosenheim restauriert. Pfarrer Gierl schrieb 1882, dass an der kleinen Orgel auf einem Schild folgender Text stand: "Non mortui laudabunt te, Domine; neque omnes, qui descendunt in infernum. Frh. v.Stein 1724".

2. Im 19.Jh hat man -unter "Darangabe" der beiden kleinen Orgeln von 1724 um 300 Mark die Orgel aus der alten königlichen Hofkirche erworben. Orgelbaumeister Franz B.März hatte sie aufgestellt. Diese Orgel hatte folgende Disposition: Prinzipal 8’; Gedeckt 8’; Salicional 8’; Viola 4’; Flöte 4’; Quint 22/3’; Superoktav 2’; Mixtur 2’; Subbaß 16’; Oktavbaß 8’; Quintbaß 51/3’; Cornetbaß 2’.
Beim Brand im Jahr 1899 wurde die damals vorhandene Orgel völlig irreparabel beschädigt.


Vorraum


Weihwasserbecken
Der Vorraum ist durch ein Eisengitter mit Durchgangstüre vom Schiff der Kirche getrennt. Dort sind an der Wand große repräsentative Weihwasserbecken angebracht.
Hinweis: In Katholischen Kirchen sind in der Nähe der Eingangstüren Weihwasserbecken angebracht, aus Stein oder Metall. Das Wasser das sie enthalten ist nicht geweiht, sondern gesegnet. Mit ihm zeichnet der Eintretende ein Kreuz über sich, um sich selbst an seine Taufe, an sein "Eingetauchtwerden in den Geist Gottes", zu erinnern.
 

Portal

Das kunstvolle alte Türschloss der Eingangstür sowie die hübschen Eisengitter vor den Seitenaltären wurden 1725 von einem einfachen ländlichen Arbeiter, dem sog Bauernschmid aus dem nahen Riedenzhofen angefertigt.  Sie stammen damit noch aus der Erbauungszeit.

Portal
 Der Zugang für die Schlossbesitzer lag lange Zeit über dem heutigen Portal. Als dieser Zugang geschlossen wurde, hat man ein großes Fenster eingebaut, durch das wegen seiner Südlage Licht bis zum Altar hin einfällt.

 

Uhrwerk

 
Altes Uhrwerk
Im Turm über dem Eingangsbereich hängen Glocken neueren Datums. Im zweiten Turmgeschoss steht noch das Uhrwerk der früheren Turmuhr aus dem Jahr 1955.

Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege gibt es in Schönbrunn Reste eines unterirdischen Gangs, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Seit Ostern 2001 ist die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen.
Bis Ende 2014 wurden das Dach, der Turm und die Außenseiten saniert.
2015 wird mit der Innensanierung begonnen.


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Kirchenbeschreibung 1882
   

Hans Schertl



Quellen:
01)
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
02) Joseph von Obernberg, Reisen durch das Königreich Baiern, 1816
03)
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
04) Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte (Band 13), 1852 (Balthasar Augustin Albrecht)
05) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
06) Pfarrer Johann v. G.Gierl, Schönbrunn- Schloß,Dorf, Associationsanstalt, 1882
07) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1382, 212, 297, 395, 696a, 1017, 1034)
08) Niklas/Endres, Pfarrchronik Röhrmoos 1933-1953
09) Max Gruber, Die Hofmarkkirche von Schönbrunn, Amperland 1966
10) Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/1 (Zimmermann)
11) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
12) Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
13) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2 u. 1976/1
14) Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
15) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
16) Helmut Rumrich/Franz Thaler, Die Gemeinde Röhrmoos, 1986
17) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Bildhauer, Amperl.1987 (Ableitner),
     Der Bildhauer und Wachsbossierer (Wachsmodellierer) Franz Ableitner wurde 1652 als Sohn des Münchner Hofbildhauers
     Balthasar (1614 -1705) geboren.
     1678 wird er als "Meister" in München erwähnt. 1681 kündigte er das Münchner Bürgerrecht auf. Franz war mit der
     Miniaturmalerin Maria Theresia (1657- 1719), einer Tochter des Hofmalers Nikolaus Prugger verheiratet. Für Maria
     Theresia war es die zweite Ehe. Vorher war sie mit Hans Georg Asam (1649-1711) verheiratet, mit dem sie neun Kinder
     hatte. Darunter waren die berühmten Barockkünstler Cosmas Damian (1686-1739) und Egid Quirin (1692-1750).
     Franz Ableitner, der Stiefvater der Künstler, starb 1728 in München.
18) Röhrmoos Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
19) Beschreibung der Kirche in Schönbrunn, herausgegeben vom Kath.Pfarramt Röhrmoos
20) Dr. Werner Gross, Kirche und Denkmalpflege-Die Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil
21) Kirchenführer Heilig Kreuz Schönbrunn, 1998
22) Dachauer Nachrichten v. 21.5.1999
23) Dachauer Nachrichten, Beilage Unser Dachauer Land v. 26.27.6.1999
24) Dachauer SZ vom 5.6.Mai 2001, 2.9.2013 (Förderverein)
25) Dr. Eckhard Bieger SJ, das Katholische Symbollexikon, 2004
26) Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
27) Dachauer Nachrichten vom 23.9.2009 (Renovierung, Glocken beim Brand)
28) Wolfgang Eitler, Ein echtes Luxusobjekt, Dachauer SZ vom 14.12.2012 (Architektur)
29) Prof.Bernhard Schütz, Ich zähle es zu den Spitzenwerken, Dachauer SZ vom 14.12.2012 (Architektur)
30) Dr.Jocher / Hanns-Martin Römisch, Besprechung 2014 (Verhelst, Gerüst)
31) Josef Ostermair, Sanierung ist so wichtig, Dachauer Nachrichten vom 31.12.2015 (Dendrologie)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990

54 Bilder: Dr.Egon Steinbacher (12), Helmut Filtz (1), Hans Schertl (34)
   

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

22.10.2014


Das Gelübde des Franz Xaver Joseph v. Unertl

Franz Xaver Joseph v. Unertl (geb. am 21.2.1675 in München) stammte aus bürgerlichen Verhältnissen. Sein Vater war der Sekretär Georg Unertl, der um 1665 von Rötz/Opf. nach München übersiedelt war und 1668 Regina Metzger, eine Brauerstochter aus (Fürstenfeld-)Bruck, geheiratet hatte.

Schon früh scheint Unertl das Vertrauen des bayerischen Max Emanuels gewonnen zu haben, der ihn 1696 an seinen glänzenden Hof nach Brüssel (!) berief, bald zum wirklich Geheimen Rat ernannte und mit der Verwaltung des geheimen Archivs betraute.

Nach dem plötzlichen Tod des für die spanische Thronfolge vorgesehenen kaiserlichen Erbprinzen Joseph Ferdinand 1699 begann sich Max Emanuel politisch umzustellen und kehrte 1701 nach München zurück. Im selben Jahr entbrannte der Spanische Erbfolgekrieg, in dem der Kurfürst nunmehr an der Seite Frankreichs versuchte, die Spanischen Niederlande als Königtum zu gewinnen. Nach anfänglichen Erfolgen wurde er aber 1704 in der Schlacht bei Höchstädt geschlagen, dann geächtet und vertrieben. Über ein Jahrzehnt lebte er als Verbannter in den Niederlanden und Frankreich, während Bayern von Österreichern besetzt war.

Damals spielte Unertl eine Doppelrolle, in der er trickreich seine patriotische Gesinnung für Bayern und das Haus Wittelsbach mit geradezu kollaborativer Loyalität zu den Habsburger Okkupanten verband. Diese hätten ihn allerdings schwerlich zur "grauen Eminenz" der kaiserlichen Administration befördert, wenn sie gewusst hätten, dass der Geheimrat den brisantesten Teil des geheimen Archivs und den Hausschatz der Wittelsbacher so raffiniert zu verbergen wusste, dass er diese seinem Herrn nach dessen Rückkehr aus dem Exil unversehrt übergeben konnte.

Besonders brenzlig wurde die Situation für Unertl einige Zeit nach dem Einmarsch der Österreicher, als ein in die Angelegenheit eingeweihter Karmeliterbruder des Münchner Konvents wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Prior nach Regensburg versetzt wurde und nun drohte, das Geheimnis zu verraten. Unertl bekam es mit der Angst zu tun: Er redete mit der Leitung der Carmeliter und versprach der hl. Anna, wenn sie ihn aus der unangenehmen, ja lebensgefährlichen Lage befreie, werde er eine Kirche bauen.

Der Provinzial und der Prior versprachen ihm, den Bruder von Regensburg wieder nach München zu locken und ihn hier im Kloster einzusperren. Der entkam zwar wieder nach Regensburg; doch dort herrschte die Pest und er wurde von dieser Seuche -als einziger der Klosterbrüder- "infiziert und aus dieser Welt gerissen".

Unertl verstand es nach der Rückkehr von Max Emanuel 1715 glänzend, seine Verdienste um das Kurfürstentum während der Besatzungszeit ins rechte Licht zu rücken, sodass er bald zum leitenden Politiker Bayerns aufstieg. Mit dem damit verbundenen Einkommenszuwachs (von 1000 fl. Jahresgehalt 1715 auf 10.000 fl. 1724) waren auch die finanziellen Grundlagen für den gelobten Kirchenbau geschaffen.


Der Maler Balthasar Augustin Albrecht
(1687-1765)

Balthasar Augustin Albrecht, der Schöpfer der Deckenfresken und der Altarbilder am Hochaltar und am rechten Seitenaltar in Schönbrunn, war Münchner Hofmaler. Im 1852 herausgegebenen Oberbayerischen Archiv für vaterländische Geschichte (Band 13) findet sich folgender Eintrag:
  "Der Historienmaler Balthasar Augustin Albrecht, 1687 den 6.Januar zu Berg am Würmsee in Oberbayern geboren, machte seine Studien zu Rom und Venedig, wurde nach seiner Rückkunft churbayer.Hofmaler und nachmals churf.Gallerie-Inspector zu München. Er starb daselbst am 15.August 1765.
die k.bayer.Gallerie und mehrere Klöster und Kirchen Bayerns besitzen Bilder von ihm".

Die Bilder in Schönbrunn (um 1727) sind die einzigen Werke des Künstlers im Landkreis Dachau.
Von ihm stammen auch die Altarbilder in den Kirchen von Dießen, Polling, Schäftlarn, Solln, der Heilig-Geist-Kirche in München sowie in St. Michael in Niederaudorf. Berühmt ist er vor allem als Schöpfer des Altarbildes in der Wieskirche (1753/54) und als Freskant der Münchner Residenz. Die Schönbrunner Fresken sind aber die einzigen Fresken, die die Kriege überstanden haben.



Kirchenbeschreibung 1882
   von Pfarrer Johann v. G.Gierl

"Schönbrunn ist eine Filiale der Pfarrei Röhrmoos, 1 km 855 Meter nordöstlich vom Pfarrdorfe entfernt. Sie ist im Rokokostil erbaut, 67'lang, 46'breit, 47'hoch und sehr geräumig. Das Portal ist durch ein Eisengitter vom Schiffe der Kirche getrennt. Zu beiden Seiten davon befinden sich kleine Kapelle mit je einem Altare: rechts zur Ehre der Verspottung, links der Geißlung des Herrn, dargestellt durch lebensgroße Figuren. Durch genannte Kapellen führt je eine Treppe zur Empor, wo 2 Orgeln angebracht sind. Ober der größeren Orgel ist ein kleines Oratorium, das früher durch einen Gang mit dem Schlosse in Verbindung stand, nunmehr aber außer Gebrauch ist.
Tritt man in das Schiff der Kirche, so präsentiert sich gleich am Eingang in einer Nische eine Statue in Lebensgröße: links vom hl.Florian, rechts vom hl.Johannes dem Täufer. Daran reiht sich in einer Halbrotunde, durch ein Gitter eingeschlossen: links im Westen, der Katharinenaltar mit einem großen Bilde (einer Darstellung aus dem Leben der hl.Jungfrau und Martyrin Chatharina). Auf dem Altare ruht ein Reliquienschrein mit dem Leib des hl.Martyrers Theodor. Rechts eine große Statue des hl.Leonhard, links eine solche vom hl.Wolfgang. Auf dem Schreine steht in der Mitte eine kleine Statue von der unbefleckten Empfängnis Mariens, umgeben von Engeln. Oben, als Abschluss des Altars befindet sich Schmid-Unertls Wappen.
Rechts im Osten der St.Anna-Altar mit einem großen Bilde (einer Darstellung aus dem Leben der hl.Mutter Anna). Auf dem Altare ist ein Reliquienschrein mit Gebeinen von unzählig vielen Heiligen, rechts eine große Statue des hl.Sebastian, links eine solche vom hl.Laurentius. In der Mitte des Schreines steht eine kleine Figur vom hl.Franz Xaver, von Engeln umschwebt. Des Altares Abschluss bildet Schmid-Unertls Wappen.
An der Wand befindet sich eine Votivkerze: rechts vom Altare, 8,75 kg schwer, mit der Inschrift: 'Ex voto 1740 - St.Leonhard geopfert'. Links vom Altare, 8,75 kg schwer, mit der Inschrift: 'Ex voto: der heyl.Mutter Annae geopfert 1729". Diese letzte Kerze ist ein wenig angebrannt. Der Sage nach soll sie sich von selbst entzündet haben, als im Schloss einmal Feuer auskam.
In einer kleinen Entfernung, dem Hochaltare zu, befindet sich in einer Nische die lebensgroße Statue vom hl.Josef (links) und vom hl.Johann Nepomuk (rechts).
Schiff und Presbyterium sind gleichfalls getrennt und zwar durch die Communionbank, die, herrlich gearbeitet, vollständig aus Marmor ist. Selbe überschreitend, treffen wir links eine Kapelle mit einem Altare zu Ehren der Begräbnis Christi; an diese Kapelle reiht sich links die Familiengrabstätte derer v.Schmid. Ober der Kapelle findet sich ein Oratorium, das der Association zum Gebrauche eingeräumt ist. Rechts eine hübsche Sakristei, darinnen ein schönes, marmornes Lavobo(!)-Becken; über derselben Raum mit Schränken zur Aufbewahrung von Paramenten und Gerätschaften, und 2 Oratorien, von denen das eine, dem Schiffe sich zuneigende, gewöhnlich als Kanzel dient.
Der Hochaltar macht einen erhabenen Eindruck. Er steht gegen Norden gleichfalls in einer Halbrotunde. In der Mitte ist ein großes Kreuz aufgepflanzt, zu dessen Fuß die schmerzhafte Gottesmutter ruht. Links und rechts vom Tabernakel sind 2 große Engelsfiguren angebracht. Sie halten eine Tafel in den Händen, mit der Inschrift: 'Ecce lignum Crucis! (links) und "in quo salus mundi pependit (rechts)'. Im Hintergrunde zeigt sich ein herrliches Gemälde mit vielen Engelsgestalten, die den Tod Christi betrauern. Den Abschluß des Altares bildet wieder Schmid-Unertls Wappen.
Die Stukaturarbeiten in der Kirche, von Italienern gefertigt, sind ausgezeichnet. Die Plafondsgemälde, darstellend Scenen aus der hl.Kreuzgeschichte, mittelmäßiger Art. Die 2 Glasfenster neben dem Hauptaltare, hat Langer in München 1880 trefflich gemacht, sowie auch die Kreuzwegstationen vom Maler Huber in Dachau 1842 nicht übel gemalt sind. Die in der Kirche befindlichen sehr hübschen Gitter fertigte 1725 ein einfacher, ländlicher Arbeiter, der sog. Bauernschmid vom nahe gelegenen Riedenshofen.
Erwähnt sei hier auch jenes Gebäude, das früher am Friedhofe, an der Nordseite der Kirche stand. Es hatte 2 Abteilungen, die durch eine Mittelmauer getrennt waren. Die eine war die Ölbergskapelle, die andere diente zum Beisetzen der Leichen. Es fiel dem Vandalen Pregler zum Opfer.


Primiz von Rudolf Kühl
Auszug aus der Pfarrchronik vom 7. März 1948

Einen großen Freudentag erlebten heute die schlesischen Flüchtlinge. Herr Rudolf Kühl, beheimatet in Leobschütz, empfing am 25. Februar 1948 im Dom zu Osnabrück die hl. Priesterweihe und feierte am 7. März 1948 vormittags ½ 10 Uhr in der Schönbrunner Anstaltskirche das feierliche hl. Primizopfer. Mehrere Geistliche aus der Umgebung nahmen an der Feier teil. Die Schwestern der Anstalt und der Kirchenchor boten alles auf, um den H.H. Primizianten das Elend der Flüchtlingsnot vergessen zu lassen. Flüchtlingstheologen, die mit dem H.H. Primizianten studierten, versahen den Altardienst. Einheimische Bevölkerung und besonders Flüchtlinge waren in großen Scharen zu dieser Feier herbeigeeilt. Der evangelische Vater und ein Bruder des H.H. Primizianten sind noch in russischer Gefangenschaft. Die Mutter und eine Schwester des H.H. Primizianten leben als Flüchtlinge in Ampermoching.


Neue Glocken für die Schönbrunn 1953
Ersatz für die eingeschmolzenen Glocken im 2.Weltkrieg
Auszug aus der Pfarrchronik

(Pfarrchronik-Eintrag vom 8. Juni 1949)
Auf Ortsversammlungen in Röhrmoos, Sigmertshausen und Riedenzhofen wurde unter allseitiger Billigung der anwesenden Bürger beschlossen, die 1942 abgenommenen Glocken durch neue in gleichem Gewicht und in gleichem Ton wie die alten zu ersetzen. Den bereits eingeholten Kostenvoranschlägen der Glockengießerei Czudnochowsky (früher J. Bachmair) in Erding wurde allgemein zugestimmt und zur Aufbringung der notwendigen Geldmittel der Vorschlag gemacht, die Grundbesitzer sollten nach der Zahl ihrer Tagwerke und die übrigen Gemeindemitglieder bei einer Haussammlung ihre Spenden abgeben. Heute hat der Pfarrer mit dem Kirchenpfleger in Sigmertshausen, Herrn Leonhard Hof, die Glockengießerei in Erding aufgesucht und die Verträge mit der Glockengießerei abgeschlossen.
Dabei wurde für Röhrmoos und Sigmertshausen die Hälfte der Gesamtkosten anbezahlt. Riedenzhofen leistet seine Anzahlung erst im Oktober.
Die Gesamtkosten für die zwei Röhrmooser Glocken belaufen sich auf 4360.- DM, die Gesamtkosten für die zwei Sigmertshausener Glocken auf 1680.- DM, und für die Riedenzhofener Glocke auf 1400.- DM. Die neuen Glocken werden Euphon-Glocken, d.h. Glocken aus zinnfreier Bronze. Euphon-Glocken sollen, wie in verschiedenen Gutachten festgestellt wird, schöner, klangvoller und lauter ertönen als Glocken in Bronze. Auch sollen Euphon-Glocken unzerbrechlich und nicht mehr kriegsgefährdet sein. (Anmerkung: Dieses Material bot sich damals auch deswegen an, weil nach dem Krieg Zinn für Glockengießerein nicht in der nötigen Menge zu bekommen war).
Die Ersatzglocken für die Schönbrunner Dorfkirche würden 4615.- DM kosten. Die Glocken wurden aber vorerst noch nicht bestellt, denn 1.) sind die Geldmittel an und für sich sehr rar, 2.) ist Schönbrunn, von der Anstalt abgesehen, als Gemeinde nicht genug zahlungskräftig (nur ein Bauer und ein paar Gütler gehören zur Filiale Schönbrunn), 3.) musste Schönbrunn erst in den letzten Wochen eine Glaserrechnung von 1000.- DM (Sturmschäden an der Kirche) begleichen und 4.) ist das neue Glockengeläute der Anstaltskirche auch für jene, die nicht zur Anstalt gehören, hörbar.

Die im Kriege nicht abgelieferte Glocke in Schönbrunn ist dem Hl. Joh. Bapt. geweiht, aus Bronze, 136,5 kg, Ton cis; von Straßer in München gegossen.)

(Pfarrchronik-Eintrag vom 15. August 1953
Von Prälat Pfanzelt, Dachau, wurden heute 3 neue Glocken für die Filialkirche Schönbrunn geweiht. Die neuen Glocken wurden in der Glockengießerei Karl Czudnochowsky (Erding) aus Euphon-Metall gegossen.
- Die erste Glocke fis’ wiegt 12 Zentner, hat 107 cm Durchmesser, kostete 2800 DM und hat die Inschrift: "Hl. Kreuz Schönbrunn 1953".
- Die zweite Glocke a’ wiegt 7 Zentner, hat 87 cm Durchmesser, kostete 1680.-DM und hat die Inschrift: "St. Maria – Schönbrunn 1953".
- Die 3. Glocke h’ wiegt 5,5 Zentner, hat 81 cm Durchmesser, kostete 1320 DM und hat die Inschrift: "St. Josef – Schönbrunn 1953".

Herzogspitalmutter

Die originale Herzogspitalmutter ist eine von Tobias Pader 1651 geschaffene Holzstatue der Schmerzhaften Muttergottes, die am 21. 1. 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens von Bayern (1685–1694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.