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Pfarrkirche St.Michael in PFAFFENHOFEN/Glonn

Luftbild

Adresse : 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Kirchplatz 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Pfarrei St.Michael in Pfaffenhofen an der Glonn war trotz der bis 1802 dauernden Zugehörigkeit zur "Benediktiner-Reichsabtei St.Ulrich und Afra" in Augsburg immer ein Bestandteil der Diözese Freising.

Bis ins 12.Jh hinein soll in Pfaffenhofen nur eine Kapelle gestanden haben. In der Konradinischen Matrikel des Bistums Freising von 1315 wird aber schon von einer Kirche geschrieben.

Der heutige Kirchenbau hat zwar noch romanische und spätgotische Mauerteile; zum größten Teil stammt er aber aus der Zeit um 1718/20, als Reichsabt Willibald Popp (1694-1735) die Kirche weitgehend erneuerte.

Sie ist nun ein langgezogener (vierachsiger) Saalbau mit einem eingezogenen, halbrund geschlossenen Altarraum.
Der 36 Meter hohe Turm steht im nördlichen Chorwinkel und stammt in seinem Unterbau noch aus spätgotischer Zeit.

Die doppelte Zwiebelhaube mit schmaler, hoher Laterne wurde im 18.Jh aufgesetzt.

Im Turm hängen vier Glocken aus neuerer Zeit.

Im südlichen Chorwinkel, ist die Sakristei angebaut.


Wappen des hl. Johannes  

Die letzten Renovierungen fanden 1933, 1975 (im Außenbereich), 1976/77 (im Inneren) und 2010 (Deckengemälde) statt.

Die Pfarrei Pfaffenhofen hat drei Filialen: Unterumbach, Oberumbach und Wagenhofen.
Seit 1979 bildet sie zusammen mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Sittenbach und Sulzemoos den Pfarrverband Odelzhausen.

Innenausstattung

Die prachtvolle Innenausstattung des 18. Jh. ist auf die damalige Zugehörigkeit zum Kloster St.Ulrich und Afra zurückzuführen.

Blickfang in der Kirche sind die Decken-gemälde, die von den Künstlern Johann Adam Schöpf und Sohn Johann Nepomuk um 1765/72 geschaffen worden sind. Sie zeigen inmitten wuchtiger Scheinarchitektur Szenen mit dem Kirchenpatron Michael, Opferszenen des alten Bundes, Personifikationen und Lobpreisungen des Herrn.
... mehr zu den Deckengemälden auf eigener Seite...

Der von gewundenen Doppelsäulen gestützte Rokoko-Choraltar ist reich verziert.
Im Mittelteil umschwebt eine Vielzahl von Engeln das Altarbild, bei dem es sich um eine Kopie des Gnadenbildes der Mutter vom Guten Rat in der Wallfahrtskirche Genazzano bei Rom handelt (um 1720).

Assistenzfiguren sind die Bistumsheiligen von Freising und Augsburg, St.Ulrich (mit Fisch) und St.Korbinian (mit Bär).

zur Beschreibung des Kanzelkorbszur Beschreibung der KanzelTaufsteinzur Beschreibung der Mater dolorosazur Beschreibung des Deckengemäldes im Altarraumzur Beschreibung des Kanzelkreuzeszur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung der Deckengemäldezur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung der Leuchter
Vergrößerung von 19 Einzelheiten( Altäre, Kanzel, Kreuz, Figuren, Taufstein) 
per Mouseklick
zur Vergrößerung  des Epitaphs  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenKirchenbänke anschauen ? bitte klickenzur Beschreibung der DeckengemäldeGnadenbildHochaltar

Die Seitenaltäre sind dem hl.Sebastian und den Schutzengeln geweiht, die jeweils auf den Altarblättern abgebildet sind.

Besonders reich verziert ist die Kanzel mit prächtigem Schalldeckel.

Sehenswert ist auch der alte Pfarrhof, ein früheres Renaissanceschlösschen, der in den Jahren vor 2002 renoviert wurde.



Was noch interessiert...

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....

Glockengeläute
Von den Glocken der Kirche St.Michael gibt es Audioaufnahmen im Internet
. Auf youtube ist das Feierabend-Einläuten mit allen Glocken zu hören. Klicken Sie hier...



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Mittelalter  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Visitation 1575
 Matrikel 1740  Beschreibung 1820  Beschreibg 1874  Beschreibg 1895   Pfarrerliste
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar  Deckengemälde-1 
 Deckengemälde-2  Empore  Epitaphe  Ewig-Licht-Ampel  Heiliges Grab
 Kanzel  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Mater dolorosa  Orgel  Pfarrhof  Pfarrei  Reliquien
 Seitenaltäre  Taufstein  Tabernakel  Turm  Vorhaus
     Gottesdienste    

Die Ortschaft Pfaffenhofen a.d.Glonn wurde erstmals in einer Urkunde vom 14.Juni 1158 genannt, obgleich die Siedlung auf Grund des suffix "-hofen" auf ein deutlich höheres Alter schließen lässt. 1158 vermachte ein Edler aus Bayern mit Namen Adalbert seinen Besitz aus Sorge um sein und seiner Eltern Seelenheil im Beisein Herzog Heinrichs von Bayern und Sachsen seinen Verwandten Marchward und Adalbert von Grunertshofen. Der Besitz lag in Pfaffenhofen, Höfa und Wagenhofen und bestand aus rd. 15 Höfen und 3 Mühlen. Die Schenkung war an die Bedingung geknüpft, dass Adalbert und seine Frau nach ihrem Tod den Besitz an das Augsburger Kloster Ulrich und Afra ("an die Brüder, die Gott und den Heiligen Ulrich und Afra dienten") weiterschenken sollten. Dies geschah 1167/70. Eine weitere Bedingung soll gewesen sein, dass der Ort Pfaffenhofen zum Pfarrsitz erhoben wird.

Pfarrei

Die Gemeinde Pfaffenhofen a.d.Glonn gehört seit 1972 zum Landkreis Dachau (vorher Landkreis Friedberg/Schwaben).
Die Pfarrei St.Michael war über die Jahrhunderte der Benediktiner-Reichsabtei St.Ulrich und Afra in Augsburg inkorporiert; die Seelsorge wurde entweder von angestellten Vikaren oder von Patres des Klosters ausgeübt. Namentlich bekannt sind wenige Vikare. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1478, damals hieß der Pfarrer Lienhart Seyffestoffer. Die Pfarrei war zwar im Besitz des Augsburger Klosters, kirchenorganisatorisch gehörte sie aber immer zur Diözese Freising. Um 1700 ist das Kloster von seinem Präsentationsrecht wohl zurückgetreten, weil im Jahr 1706 Pfarrer Lampfriedsam als erster, nicht von Augsburg übersandter, sondern vom bischöflichen Ordinariat in Freising investierter Pfarrer die Pfarrei übernommen hat. Die Filialkirche in Unterumbach gehörte schon immer zur Pfarrei, Oberumbach kam erst Ende des 19.Jh. dazu (vorher Pfarrei Sulzemoos).
Eine Aufstellung der Pfarrer können Sie hier sehen...

Seit 1979 bildet die Pfarrei Pfaffenhofen zusammen mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Sittenbach und Sulzemoos den Pfarrverband Odelzhausen. Pfaffenhofen ist die einzige Gemeinde im Landkreis Dachau, in der kein Pfarrer mehr wohnt.

Geschichte der Kirche

Bis ins 12.Jh hinein soll in Pfaffenhofen eine Kapelle oder eine kleine Kirche gestanden haben. Die erste schriftliche Erwähnung der Kirche finden wir in einer Urkunde vom 6.August 1177, in der Papst Alexander III. (1159-1181) in Venedig alle Besitzungen des Augsburgers Klosters Ulrich und Afra bestätigte. Zu diesen Besitzungen gehörte auch die Kirche in Pfaffenhofen.
Wahrscheinlich wurde diese Kirche später überbaut, weil im Mittelteil des Kirchenbaus und insbesondere im unteren Teil des Turms noch Natursteine aus der Zeit vor dem Jahr 1200 (Tuff oder Nagelfluh) erhalten sind. Über diese Zeit hat Anton Mayer in seiner Beschreibung des Erzbistums Mch-Freising 1874 einen Bericht verfasst. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie bitte hier...

Es könnte aber auch schon in früher Zeit eine Kirche in Pfaffenhofen gestanden haben, denn in einem Saalbuch von Egenhofen aus dem Jahr 1587 ist zu lesen: "Erstlich hatt der wolgeporn Herr Herr Otto graf zu Hochenzollern (Ende des 8.Jh) die pruderschafft oder Capitl (=Priesterbruderschaft) zu Pfaffenhofen an der glon gestifft und das guett (=Gut) zu wagenhoffen mit grundt und poden darzu gegeben". Anton Mayer meint dazu, dass die Herrscher der damaligen Zeit ihr erstes Augenmerk auf die Pfarrei Pfaffenhofen richteten, um die sie nach und nach die umliegenden Gemeinden sammeln konnten. Daraus könnte das spätere Dekanat Egenhofen entstanden sein.


Konradinische Matrikel 1315 01).
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird die Kirche als Pfaffenhoven mit einer Filialkirche in Unterumbach erwähnt ("Pfaffenhoven soluit VI Pfund, habet I filiam Nidernumpach cum sepultura"). Sie gehörte zum Dekanat Günzelhofen/Egenhofen.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 01)
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 zählte die Pfarrei 150 Communikanten, das waren Gläubige, die schon zur Kommunion gehen durften, also Jugendliche und Erwachsene. Pfaffenhofen gehörte damit zu den kleineren Pfarreien im Gebiet des heutigen Landkreises Dachau (Durchschnitt 230 Communicantes). In dieser Matrikel wird erstmals auch das Patronat des hl.Michael genannt. Das Präsentationsrecht (=Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) lag beim Konvent des Klosters St.Ulrich in Augsburg. Der damalige Pfarrherr hieß Marcus Hader; die Seelsorge vor Ort aber versah Vikar Georg Schanderl. Diese Arbeits-teilung zwischen Pfarrherrn und Vikar war schon mehrere Jahrhunderte alt und hatte früher wegen allzu niedriger Bezahlung der Vikare zu bitterer Armut des einfachen Klerus geführt. Erst ein Beschluss der bayer. Provinzialsynode von 1418, die Vikare müssten ein anständiges Einkommen erhalten, hat die Ungleichheit im Einkommen etwas abgemildert. Mehrfachbesetzungen (Pfründe-häufungen) waren die Regel. Ein Vikar durfte aber seit 1418 nur noch eine Pfarrei seelsorgerisch betreuen; Mehrfachbetreuungen waren bis dahin möglich und wegen des Hungerlohns der Vikare auch nötig.
Die Pfarrei Pfaffenhofen hatte eine Filiale "s.Martini in Nidernumbpach". Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude zeigten keine Schäden, schrieb der Verfasser der Matrikel.


Visitationsbericht von 1560 12).
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über Pfaffenhofen heißt es, Pfarrer sei Erasmus Heß aus Peiting. Die Befragung über das theologische Wissen und die seelsorgerische Praxis ergab keine negativen Auffälligkeiten. Er hatte keine Geliebte und pflegte auch sonst einen ehrbaren, unverdächtigen Lebenswandel.
Über die Pfarrei ist zu lesen, sie habe 200 Communicanten, die alle katholisch und dem Glauben treu ergeben waren. Die hohe Gläubigenzahl erstaunt, wenn man berücksichtigt, dass die Pfarrei 1524 nur 150 erwachsene Gläubige hatte. Aber bei der Visitation scheint anders gezählt worden zu sein; das war bei anderern Pfarreien ebenso.
Im Bericht heißt es weiter, die der Jungfrau Maria (!) geweihte Kirche sei wohlgeziert und sauber. Sie besitze ein Sakramentshaus, einen Taufstein sowie vier Messgewänder und mehrere weitere liturgische Geräte.

Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...


Matrikel 1575
Unter dem Titel "Beschreibung der Pfarren Einkommen Rentambts München und anders betreffend de Anno 1575" hat sich in den Archiven der Diözese Freising ein Codex erhalten, der die Einkommenssituation der Pfarrer in dieser Zeit zum Inhalt hat. Leider ist der Großteil der Folien nicht mehr erhalten; deshalb sind auch nur wenige Dachauer Pfarreien aufgeführt. Dazu gehört glücklicher-weise auch die Pfarrei Pfaffenhofen a.d.Glonn.
Wie schon 1524 und 1560 lag das Präsentationsrecht beim Konvent des Klosters St.Ulrich in Augsburg, das die Pfarrei dem "verus pastor" Erasmus Hess verliehen hatten (wie schon 1560). Er durfte den großen und den kleinen Zehnt behalten, die in einem normalen Jahr den Wert von immerhin 100 Gulden hatten. Daneben bewirtschaftete er das Widum, den Pfarrbauernhof, in Pfaffenhofen selbst. Den Pfarrgrund in Wagenhofen hatte er verpachtet und erhielt dafür 5 Schäffel Roggen, 5 Schäffel Hafer und 18 Pfund Silberpfennig, eine Henne, 6 Hühner, 1 Gans und 100 Eier. Aus der Matrikel erfahren wir auch, was die Pfarrangehörigen für die einzelnen kirchlichen Handlungen noch zu zahlen hatten:
  Beichte: 2 Pfennig, Kindstaufe: ein Laib Brot oder 2 Kreuzer=8 Pfennig,
  Hochzeit: ein Essen, Beerdigung: von dem Vermögenden 1 Gulden=240 Pfennig, von einem Armen nichts.
Wenn Sie die Matrikel im Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...



Kirchenbau 1710
Der heutige Kirchenbau enthält im Turm und evtl. in der Apsis auch noch einige spätgotische Teile. Überwiegend stammt er aber aus der Zeit um 1710 (andere Quelle: 1718/20), als ihn Reichsabt Willibald Popp (1694-1735) weitgehend erneuerte. Bekannt ist, dass 1712 nach einem Brand zwei Altäre neu geweiht worden sind. Über den Brand ist mir nichts weiter bekannt. Aber wenige Jahre zuvor hatte der Spanische Erbfolgekrieg stattgefunden mit Einmarsch und Plünderungen von österreichischen Truppen.


Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 01)
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'schen Matrikel. Über die Pfarrei "s. Michaelis in Pfaffenhoffen an der Glon" berichtete er, das Präsentationsrecht liege noch immer beim Konvent des Klosters St.Ulrich und Afra in Augsburg. Der Pfarrer hieß Mathias Barmel (?); er war 1727 eingesetzt worden. Das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude (Widum) zeigten auch damals keine Defekte. Pfaffenhofen hatte 1738 noch immer die Filiale in "Nieder-seu Unterumbach" (damals scheint sich der Name von Nieder auf Unter gewandelt zu haben). Dazu kam die Kapelle in "Weittenriedt".
Die Zahl der Communicantes war in den vergangenen 200 Jahren überdurchschnittlich stark, von 150 auf 324 angestiegen. Und das trotz der schrecklichen Verluste im 30jährigen Krieg durch Plünderung und Pest. Aber nach dem Krieg wurden neue Siedler aus den Bergen ins Land geholt, die, so Heimatforscher J.Kiening, häufig die Gebäude mit dem mitgebrachten eigenen Geld aufbauten und deshalb freie Bauern wurden. Das förderte den Zuwachs bei den Bevölkerungszahlen.
Die Pfarrkirche St.Michael wird als neu renoviertes Gebäude beschrieben. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem Erzengel Michael geweiht, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem hl.Sebastian. Gottesdienste würden an drei Sonntagen in Pfaffen-hofen und am vierten Sonntag in Unterumbach gehalten. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag vor dem Fest des hl.Bartholo-mäus, das Patrozinium auf den 29.September. Schmidt erwähnt noch, dass in der Kirche ein Taufstein und die Heiligen Öle vorhanden seien. Im Friedhof stehe ein Beinhaus, im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Friedberg gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung 2618 fl. (=Gulden), 31 kr.(=Kreuzer) und 1 hl.(=Heller) betroffen".

Wallfahrt
Pfarrer Clemens Bauhofer berichtete im Jahr 1817:
  "Inmitten der Kirche ist ein Altärle, worauf die Muttergottes in einem kleinen Kapsel; bekannt unter dem Namen Fraule. Sie wurde vor ungefähr 40 Jahren aus dem Walde jenseits der Glon, genannt Wagenfurth, wohin viele Leute Andacht haben, hierher versetzt".

Beschreibung 1820  29), 30)
Der bischöfliche Registrator Martin von Deutinger erstellte im Jahr 1820 eine "Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate". Sie enthält auch einen Kurzbeschreibung der einzelnen Pfarreien.
Grundlage dafür waren die 1817 von jedem Pfarrer nach einem vorgegebenen Muster eingereichten Pfarrbeschreibungen.
Die Tabellarische Beschreibung blieb bis zum Werk von Anton Mayer und Georg Westermayer 05) die ausführlichste Darstellung.
Die Beschreibung wurde von der bischöflichen General-Vicariats-Kanzley (ohne Namensnennung des Verfassers) herausgegeben.

Die Pfarrei Pfaffenhofen/Glonn wird darin (S.122) wie folgt beschrieben:
 
"Pfaffenhofen
an der Glonn
"Säcular- Pfarrei (Kl.St.Ulrich in Augsburg); Pfk, Ptr. hl.Mich.; Kw. Sonnt. vor Barth.
Unterumbach Gottesd. jeden 4ten Sonnt.; Ptr. hl. Martin, Kw. Sonnt. vor Matth.
Weitenried Cap. mit einem zu Ehren der hl.Familie uknd des Apostels Petrus geweihtem Altare
Seelenzahl:
Pfarrei Pfaffenhofen
376 Gläubige in
73
 Häusern
Dorf Pfaffenhofen
125 Gläubige in
23
 Häusern
Einöde Bschorn
  9 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Dorf Höfen*
  8 Gläubige in
3
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Dorf Stocka **
  9 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Einöde Todtenried
  9 Gläubige in
2
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Dorf Unterumbach
  164 Gläubige in
33
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Weiler Weitenried***
44 Gläubige in
9
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
* 7 Familien dieses Dorfes (Höfa) gehören zur Pfarrey Sulzemoos
** das Dörfchen Stocka ist unter 3 Pfarreyen, Egenburg, Sulzemoos
und Pfaffenhofen/Glonn vertheilt
*** die übrigen 5 Häuser sind nach Egenburg eingepfarrt.



Beschreibung 1874 02)

Kirche und Pfarrei Pfaffenhofen/Glonn sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.
Mayer schreibt:
  Geographie: Die Pfarrei hat 415 Seelen in 65 Häusern. Davon wohnen in Pfaffenhofen selbst 150 Gläubige (in 22 Häusern), die Übrigen in Unterumbach 177 (31), Wagenhofen 68 (9), Todtenried 5 (1) und Stocka 7(1). Von Weitenried gehörten nur ein Bauernhof und die Capelle zur Pfarrei Pfaffenhofen; die übrigen Häuser zu Egenburg. Ähnliches gilt für Stocka (Rest zur Pfarrei Sulzemoos). Der Umfang der Pfarrei beträgt 1 1/2 Stunden. Es bestehen "gute Wege, nur die Communication mit Dottenried sei bisweilen durch Austreten der Glonn erschwert." Am Pfarrsitz hält ein Lehrer Unterricht vor 70 Werktags- und 29 Feiertagsschülern.
Pfarrei: Präsentationsrecht liegt beim bay.König. Die Kirchenrechnung ergibt bei 1914 Gulden Einnahmen und 93 Gulden Lasten einen Reinertrag von 1820 Gulden. Das Widum, der Pfarrbauernhof besitzt 71 Tagwerk (=24 ha) Grundfläche der Bonität 10. Das Pfarrhaus ist ein uraltes, urkundlich schon 1170 bekanntes Schlößchen, das "gut erhalten, zweckmäßig und trocken" ist. die Ökonomiegebäude stammen aus neuerer Zeit. Der Stadel ist zu groß.
Kirche: Zur Pfarrkirche erhoben im Jahr 1170. Der ursprüngliche Stil sei nicht mehr erkennbar, die neuesten Baumaßnahmen gehörten dem Rennaissance-Stil an. "Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Kuppel-Absätzen. 4 Glocken, die älteren ohne historischen Werth, die größere 1870 in Memmingen gegossen. 3 Altäre, Orgel mit 6 Registern". Gottesdienste fanden abwechselnd mit Unterumbach je 3 Sonntage nacheinander statt. Stiftungen: 12 Jahrtage, 39 Jahrmessen, 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag).
Meßner und Cantor ist der Lehrer. In der Pfarrei besteht ein Marianisches Bündnis, das für jedes "abgeleibte" (=verstorbene) Mitglied ein Requiem halten lasse. Kirchenvermögen: 8.400 Gulden.


Beschreibung 1895 28)
Die Pfaffenhofener Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben.
45) Im Bericht heißt es:
 

"Kirche.
- Kirche erbaut im 17. Jh. im 18.Jh. und 1889 renovirt.
- Eingezogener Chor mit halbrundem Schluss
- Thurm an der Nordseite,
- Sakristei an der Südseite des Chores.
- Vorzeichen westlich.
- Pilaster tragen ein niedriges Gesimse und darüber ein Segmenttonnengewölbe.
- Altäre und Kanzel ziemlich gute Arbeiten des späten 17. Jahrhunderts.
- Der Hochaltar, ein reicher Aufbau, um 1700

- Im Thurme bemalte Holzfigur des S. Leonhard. Er sitzt und hält beide Hände ausgestreckt. Um 1500. H. 93 cm.
- Im Pfarrhof, Kelch, Silber, vergoldet mit Engelsköpfen und Medaillons datirt 1700. H. 22 cm. Seh. Pfarrhof."



Verlängerung der Kirche 1928
Die Kirche wurde 1928 um eine Achse verlängert, ohne die Emporenbrüstung zu versetzen. Dadurch ist die Empore sehr tief geworden.

Die letzte große Kirchenrenovierung wurde in den Jahren 2004-2008 durchgeführt (Kosten rd. 650.000 Euro)
Im Jahr 2013 hat man das alte Leichenhaus abgerissen und durch ein neues ersetzt. Demnächst wird die südliche Treppenanlage erneuert. Notwendig wäre jetzt eine Sanierung der Friedhofsmauer, die bereits bedenklich bröckelt. Doch noch fehlt das Geld für die Baumaßnahme. 22)
2017 wurde zwei Glockenstühle (am Glockenjoch) erneuert. 31).

Statistik:
1933: Gemeinde mit  327 Einwohnern
1939: Gemeinde mit  320 Einwohnern

 

Baubeschreibung

Die Kirche St.Michael steht inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der zweijoche Chor ist eingezogen und schließt halbrund.
Das vierachsige Kirchenschiff ist ein stattlicher Saalbau mit barocken Kompositfenstern. Die Außenwände sind durch gelbe und graue Pilaster und durch Wandvorlagen gegliedert. An der Südseite führt eine lange Treppe vom Dorfplatz hinauf zum Friedhof und zur Kirche. Am oberen Ende der Treppe steht das große Missionskreuz aus der Zeit um 1880 unter einer geschwungenen Abdeckung. Der Corpus ist aus Gusseisen gefertigt; das Lendentuch Jesu ist vergoldet.


Missionskreuz

Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt, sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen.

Im Inneren des Chors und den Außenwänden des Kirchenschiffs sind einige Epitaphe eingemauert, die vor allem an frühere Pfarrer erinnern.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
  
  
Pfarrer von 1420-1989
1669
1837
1869
1870
1888

Text auf dem Stein: "Anno 1669 obiit pie in Domino 20.Septembris RD Domin. Wolfgangus Menhart, 34 Annis hic Parochus cuius anima Deo vitat. (Im Jahr 1669 verschied fromm im Herrn Wolfgang Menhart, 34 Jahre lang hier Pfarrer, dessen Seele in Gott leben möge)".
Solnhofener Stein, Maße: 57 x 57 cm.
Text: Hier ruht die hochwohlgeborne Fau Maria von Mässenhausen, Oberappellgerichts Secretärs Witwe, geb. d.11.Okt.1815, gest.22.Nov.1886. Ihr ging voraus ihr Gemahl Johann von Mässenhausen, geb.d.14.Febr.1805, gest.zu München d.4.9.1877, deren Tochter Frau Franziska Trojansky, geb. Mössenhausen, geb. zu München d. 25.Nov.1855, gest. d.3.Januar 1837. Andenken an Hochw.Herrn Georg von Mössenhausen, 11 Jahre Pfarrer daher, gest. a.19.Okt.1912 i.Ettal im 72.Lebensjahr. R.I.P.
Hier ruhen ferner der ehrengeachtete Josef Schnell, Bauer von hier, gestorben am 7.Jänner 1846, 57 Jahre alt, dessen Ehefrau Maria Schnell, gestorben am 2.Febr.1833, 38 Jahre alt, deren Enkelin Theresia Bernhart, geb. am 19.März 1863, best. d.20.Jänner 18.."
Text: Zum Andenken an den Hochwürdigen Herrn Johann Jakob Wimmer, 34 Jahre Pfarrer und Camerer dahier, geboren zu Kraiburg, den 31.Oktober 1786, zum Priester geweiht den 17.Sept. 1819, gestorben zu Mühldorf den 28.April 1869. Die Viele in der Gerechtigkeit unterweisen, werden glänzen wie die Sterne (Daniel, 12, Vers 8)
Weißer Marmor, Maße: 86 x 52 cm.
Das Epitaph für Josef Krepl besteht im Wesentlichen aus der Figur des sitzenden Christus, die rechte Hand segnend erhoben, mit der linken Hand eine Bibel auf seinen Knien stützend. Um ihn herum sind die Attribute der vier Evangelisten (Löwe, Stier, Adler, Mensch, alle geflügelt)
Text: Dem Andenken seiner Hochwürden Herrn Joseph Krepl, k.Kammerer dann Pfarrers dahier, geb.zu Frauenberg in der Oberpfalz d.30.April 1810, Sohn eines Schullehrers dortselbst, zum Priester geweiht in Freising d.1.Aug.1837, gest. d.9.Mai 1870."
Solnhofener Stein, Maße: 93 x 54 cm.
Text: "Hier ruhet der Hochwürdige Herr Josef Roth, geboren zu Ampermoching am 19.März 1825, zum Priester geweiht am 29.Juni 1850, 12 Jahre Pfarrer zu Pfaffenhofen a.d.Glonn. Er starb am 1.April 1888. R.I.P.
Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. "
Weißer Marmor, Maße: 95 x 61 cm

Pfarrer von 1420-1989: Zwei schlanke Epitaphe aus weißem Marmor (Maße: je 95 x 61 cm) erinnern an die früheren Pfarrherrn der Pfarrei Pfaffenhofen an der Glonn. Die Liste reicht weit zurück bis zum Jahr 1420 und erfasst alle 30 Pfarrer, die in den letzten 569 Jahren in der Pfarrei tätig waren.
   
Fries Jakob
1420-1433
Merenkrieg A.
1433-1444
Merenkrieg L.
1444-1466
Seybelsdorf Lienh.
1466-1510
Harter Mark.
1510-1539
Schenderlin Gg.
1539-1558
Höß Erasmus
1558-1593
Widmann Gg.
1593-1603
Demmelmayr P.
1603-1635
Menhart Wolfg.
1635-1669
Wolfgang Menhart
1635-1669
Lampfriedham D.
1706-1728
Lang Johann
1669-1706
Sieß Johann
1753-1789
Bärtl Matth.
1728-1753
Bauhofer Clem.
1816-1823
Renner Vitus
1789-1816
Roßnagel Ant.
1828-1831
Bauer Karl
1823-1827
Krepl Josef
1865-1870
Wimmer Jakob
1831-1865
Roth Josef
1876-1888
Lumberger Jgn.
1870-1876
Weiland Gg.
1905-1908
Mässenhausen G.
1888-1905
Finsterer Josef
1935-1952
Markl Vinzenz
1909-1925
Wimbauer Joh.
1965-1972
Kirmaier Josef
1952-1965
Genau Karl Leo
1973-1989
P.Balluff O. SMB
1972-1973

Aus einer Beschreibung der Kirche um 1980 ist bekannt, dass früher weitere Epitaphe vorhanden waren:

1593
Epitaph aus Rotmarmor für Pfarrer Georg Erasmus Hess (Höss). Maße 118 x 72 cm.
1635
Epitaph aus Rotmarmor für Pfarrer Paulus Demelmayr. Maße: 97 x 55 cm.
1706
Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Baptist Lang, gest. 23.5.1706. Maße 45 x 45 cm (Innenraum)
1753
Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Mathias Pärtl, gest. 21.1.1753.Maße 60 x 60 cm (Innenraum)
1789
Epitaph aus Solnhofener Stein für Pfarrer Johann Sieß,
gest. 25.1.1789. Maße 60 x 60 cm (Innenraum)

Pfarrer Sieß im Deckengemälde  in Unterumbach
1949
Epitaph aus weißem Marmor für Pfarrer Vinzenz Markl, gestorben 17.2.1949. Maße: 60 x 40 cm.
1952
Epitaph aus weißem Marmor für Pfarrer Josef Finsterer, gestorben 3.11.1952. Maße: 60 x 38 cm.

Turm
Der 36 Meter hohe Turm mit quadratischem Grundriss, vierseitiger, stark gedrückter unterer Zwiebelhaube und schmaler, hoher Laterne steht im nördlichen Chorwinkel. Er stammt in seinem Unterbau noch aus spätgotischer Zeit. Die schlanke Turmlaterne wurde aber erst im 18. Jh. aufgesetzt. Um 1870 wurde der Turm umgebaut.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Glocken
24)
Im Turm hängen 4 Glocken (Tonfolge es'-g'-b'-c'' = Melodiebeginn der Antiphon "Salve Regina"). Die drei größeren wurden nach dem Krieg angeschafft und ersetzten die Vorgängerinnen, die 1942 zum Einschmelzen abgeliefert werden mussten.
  Glocken-Patron Entstehungsjahr Glockengießerei  
  Hl. Michael,   1950 Johann Hahn, Landshut  
  Heilige Familie,   1950 Johann Hahn, Landshut  
  Bruder Konrad   1950 Johann Hahn, Landshut  
  Schutzengelglocke   1931 (Landshut, Reichenhall,  

Sie können sich übrigens das Glockengeläute über das Internet auch anhören. Auf youtube ist das Feierabend-Einläuten mit allen Glocken von Pfaffenhofen zu hören. Klicken Sie hier... 27).
2017 wurde zwei Glockenstühle (am Glockenjoch) erneuert. 31)

Über dem Eingang an der Westseite wurde ein kleiner Portalvorbau mit Walmdach angefügt, der den Zugang von Nord und Süd zulässt.
Am Übergang vom Chor zum Langhaus ist die Sakristei angebaut.

Die letzten Renovierungen fanden 1933, sowie 1975 (im Außenbereich) und 1976/77 (im Inneren) statt.
Im Jahr 2004 sind hatten sich Putzteile der Decke gelöst und sind herabgefallen. Die gefährdeten Teile wurden bis zur Renovierung 2010 mit insgesamt 2.300 (!) Deckenbefestigungen abgesichert.

Innenausstattung

Altarraum

Der stark eingezogene, halbrund geschlossene Altarraum ist mit zwei Achsen sehr tief. Er wird von einer Halbkreistonne überwölbt. Das Gewölbe erhebt sich über einem ringsumlaufenden Gesims aus Stuck, das im Gemälde als Scheingebälk fortgesetzt wird.

Blickfang in der Kirche sind die Deckengemälde, die von den Künstlern Johann Adam Schöpf und seinem Sohn Johann Nepomuk um 1765/72 geschaffen wurden. Sie zeigen inmitten wuchtiger Scheinarchitektur Opferszenen des alten Bundes, Personifikationen und Lobpreisungen des Herrn.

Deckengemälde

Ich habe über die Deckengemälde eine eigene Seite angelegt; wenn Sie mehr über die Gemälde und die Künstler erfahren möchten,
klicken Sie hier...
.

Johannes
in der Wüste
An der nördlichen Chorwand ist ein Fresko des hl.Johannes in der Wüste in einen wie ein Fenster gestalteten Rahmen gemalt. Johannes der Täufer -in gelbem Schurz und rotem Mantel- sitzt unter einer Palme und spricht zu einer Gruppe von Zuhörern. Im rechten Arm hält er den schräg auf die Erde gestützten Kreuzstab mit dem Agnus-Dei-Spruchband daran. Mit dem linken Arm weist er in den Hintergrund, aus dem Jesus auf die Gruppe zukommt.


Hochaltar /Choraltar

Der 3,50 m breite und raumhohe Choraltar ist im Stil des Rokoko reich verziert. Sein Holz wurde in neuerer Zeit rot und grau marmoriert (= mit Marmormuster bemalt). Die gewundenen Doppelsäulen mit vergoldeten Fruchtgirlanden stützen ein verkröpftes Gebälk, auf dem zwei Engel vor vier Blumenvasen sitzen.
Choraltar

Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit marmoriertem Holz verkleidet. Am Antependium sind vergoldete Rahmungen, Akanthusranken und ein Kreuz zu sehen.

Altaraufsatz
Im hoch aufragenden Aufsatz des Altars befindet sich ein Relief des hl. Michaels mit dem Flammen-schwert in der Rechten, der Seelenwaage in der Linken und dem Fuß auf dem sich krümmenden Luzifer (1720).

St.Michael stürzt Luzifer
Hinweis: Nach der Legende hält der Erzengel Michael nach dem Tode eines Menschen die Seelenwaage, mit der das Gute und das Böse im Leben abgewogen wird und empfängt die Seligen im Paradies. Das Schwert ist Sinnbild für den Sturz des Luzifers aus dem Himmel.
Mittelteil
Im Mittelteil des Altars ist ein nicht sehr großes Marienbild als Altarblatt angebracht. Es handelt sich um eine Kopie des Gnadenbildes der Mutter vom Guten Rat in der Wallfahrtskirche Genazzano bei Rom.

Das Pfaffenhofener Bild wurde um 1720 mit Ölfarbe auf Leinwandgrund gemalt.
Muttergottes vom guten Rat

Im Bild steht das nackte Kind auf Mariens Schoß, umschlingt mit seinen Ärmchen den Hals der Mutter und liebkost sie auf die Wange. Rund um das Bild schweben insgesamt elf Engelsfiguren; einige halten Instrumente in ihren Händen. Nach Auffassung von Kunstexperten entspricht die Anordnung der Engel und die Gestaltung der Nische insgesamt nicht mehr der ursprünglichen Konzeption von 1720.


St.Korbinian

Auf Postamenten stehen die beiden lebensgroßen Assistenzfiguren (1720), die Sinnbild für die Verbindung Pfaffenhofens zu den Bistümern Freising (kirchliche Zugehörigkeit) und Augsburg (Grundherrschaft) sind:
- links der hl. Korbinian, der Gründer des Bistums Freising, mit einem Bären zu seinen Füßen.
- rechts der heilige Bischof Ulrich mit dem Evangelienbuch (Verkünder des Evangeliums) und
   einem Fisch, der auf dem Buch liegt.


St.Ulrich
  Hinweise: Nach der Legende wurde auf einer Romreise Korbinians sein Lasttier von einem Bären angefallen und getötet. Korbinian zwang daraufhin den Bären, selbst die Last zu ragen.
St.Ulrich
(890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.

Tabernakel

Der Tabernakel aus Holz ist -wie der Altar- grau und rot marmoriert. Er ist im Stil des Rokoko gearbeitet; ob er aber tatsächlich noch aus dieser Zeit stammt oder später nachgebildet wurde, ist nicht sicher. Auf einem hohen Sockel mit vergolde-tem Kelchrelief steht ein Tabernakelaufsatz mit seitlichen Voluten. An der Türe und am Gesims ist er mit vergoldeter Rocaille-Ornamentik verziert.

Tabernakel
Die Leuchterengel, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgänge-rin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engels-
figuren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).


Ewig-Licht-Ampel

Die etwa 45 cm hohe Ewig-Licht-Ampel wurde um 1750 aus getriebenem und versilbertem Messing hergestellt.
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Das Ewige Licht war vom Johanniter-Ritterorden von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht worden.Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Taufstein


Taufstein

Links neben dem Altar steht der neue, 90 cm hohe Taufstein aus Rotmarmor. Der Fuß ist achteckig, das Wasserbehältnis viereckig und mit großen Reliefs (z.B. Auge Gottes, Taube, Taufdarstellung) versehen. Die Figuren auf dem Deckel sind wesentlich älter. Sie stellen Johannes den Täufer dar, der seinen Kreuzstab mit dem Schriftband "Agnus Dei" beiseite gelegt hat und mit einer Muschelschale den vor ihm knienden Jesus tauft. Die Figuren wurden um 1740/50 geschnitzt.


Taufsteinfiguren
 

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo
fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Pfaffenhofen- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchen-vater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"

 

Michaelsgemälde

An der südlichen Wand des Altarraum hängt ein großes Ölgemälde, das den Erzengel Michael mit Flammen-schwert und Schild (Aufschrift: "Quid est Deus" = Wer ist wie Gott) zeigt. Michael ist Sieger über Luzifer.
Das Bild war früher das Altarblatt des Hochaltars, bis es gegen die Mariendarstellung ausgetauscht wurde. Die Signatur unten links lautet: "Seb.Wirsching 1888". Der Künstler Sebastian Wirsching war auch in den Kirchen von Sulzemoos und wahrscheinlich in Pipinsried tätig.

St.Michael
In der Bibel ist der Engelssturz vor Beginn der Schöpfung nicht erwähnt. Allenfalls eine Stelle bei Lukas (Kap.10, Vers 18) deutet darauf hin (ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen).
Die Geschichte vom Aufstand des Luzifers ist auf die Kirchenväter zurückzuführen und wurde in der Kunst häufig als Motiv verwendet. In der Offenbarung des Johannes (Apokalypse) ist von einen Kampf zwischen den Kräften des Guten (Michael und seine Engel) und
  Satan am Ende der Zeiten die Rede (Offb.. 12), der damit endet, dass der Teufel und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden.


Langhaus / Kirchenschiff


Das Langhaus wird durch vier Rundbogenfenster erhellt; es ist von einem Tonnengewölbe überdeckt, das in der Mitte in einen ebenen Deckenspiegel übergeht.
Die ebenfalls von den Künstlern Johann Adam Schöpf und seinem Sohn Johann Nepomuk geschaffenen Deckengemälde haben am Chorbogen die göttlichen Tugenden, als Hauptgemälde den Engelsturz (Michael stürzt Luzifer in die Hölle) und über der Empore ein Engelskonzert zum Thema

Deckengemälde

 

Seitenaltäre

Die 200 cm breiten Seitenaltäre sind -wie der Choraltar- reich verzierte Retabel mit vier gedrehten Säulen. In ihrem Zentrum befinden sich Altarblätter; Assistenzfiguren fehlen. Beide Altäre haben hohe Aufsätze mit runden Aufsatzbildern in barocken Rahmen zwischen Putten. Sie wurden, wie der Choraltar, um 1720 erstellt.


Nördlicher (linker) Seitenaltar

Im Altarauszug das Bild eines Heiligen, bei dem es sich um den hl.Isidor handeln könnte.

Mittelteil
Der nördliche Seitenaltar ist dem hl. Sebastian geweiht. Sein Martyrium ist auf dem 170 x 90 cm großen Altarblatt dargestellt. Im Hintergrund ist die Ortschaft Pfaffenhofen zu sehen, deren Kirche damals noch einen Sattelturm trug. Das Bild ist mit "F.J. Brix" signiert und wurde um 1820 gemalt.

St.Sebastian 1820

Hinweis: Sebastian war der Legende nach im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.
Altartisch
Auf dem Altartisch des linken Seitenaltars steht eine Muttergottesstatue aus der Zeit um 1700; sie ersetzt das 1967 gestohlene Muttergottesgnadenbild "Fraule aus dem Wald". Diese Figur, eine kleine, tongebrannte Nachbildung des Gnadenbildes von Ettal war von einer Wallfahrt mitgebracht und in einer hohlen Fichte versteckt worden. Als man sie später dort fand, hielt man es für ein Wunder.

Muttergottes 1700

Die heutige Figur auf dem Altar hat aber keine Ähnlichkeit mit dem "Fraule aus dem Wald".
Maria in blaugoldenem Gewand mit Krone auf dem Kopf und dem Zepter in der Hand (Maria Königin), hält in der linken Hand das Jesuskind, das auf dem flachen Handteller zu balancieren scheint.



Südlicher (rechter) Seitenaltar

Im Altarauszug ein Ölbild (auf Leinwand) des hl.Florian, ebenfalls von 1720.

Mittelpunkt des südlichen Seitenaltars ist ein 170 x 90 cm großes Schutzengel-Gemälde (Öl auf Leinwand).
Der Schutzengel führt den ihm anvertrauten Menschen vorsichtig auf seinem Weg. Als Begleiter des Menschen ist der Schutzengel in der Kunst in der Regel mit Schuhen abgebildet 21). Dies ist auch hier in Pfaffenhofen so.
Im oberen Bildteil thront die Muttergottes mit dem schon relativ großen Jesuskind auf Wolken. Auch dieses Bild ist von Franz Josef Brix um 1820 gemalt worden (Signatur: "Fra.Jos.Brix /18.. invenit ex pinx."

Schutzengel 1820

Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen.Wahrscheinlich hat
  der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind. Auch das Gemälde in Pfaffenhofen dürfte in diesem Stil gemalt sein.
Auf dem Altartisch des rechten Seitenaltars steht eine Figur eines weiteren Engels, des hl. Michaels, mit Schwert und Seelenwaage. Die Figur stammt aus neuerer Zeit .

Michaelsfigur


Kanzel

Ganz in den barocken Stil der Kircheneinrichtung passt die prächtige Kanzel aus der Erbauungszeit um 1720. Sie ist mit Akanthusmotiven, Bandlwerk und Fruchtgirlanden verziert.

Dies gilt besonders für den Schalldeckel der Kanzel. Auf ihm zwei Putten, Ziervasen sowie -in goldenen Buchstaben- das Jesusmonogramm "IHS" im Rosenblütenkranz und mit rotem Herz verziert.

Ganz oben steht eine Figur des hl.Johannes mit Lamm und Kreuzstab. Um den Stab ist ein Schriftband mit dem Text "Ecce agnus dei" (seht das Lamm Gottes) gewunden. Johannes hat mit diesen Worten den Messias angekündigt (Joh.1,29).



Kanzel 1720

Auf dem Kanzelkorb ist ein Ölbild (auf Leinwand) des Guten Hirten angebracht, das jedoch erst um 1880 gemalt wurde.

Des Weiteren sind am Korb die Figuren der vier Evangelisten mit ihren Attributen zu sehen:
Matthäus mit einem (geflügelten) Menschen,
Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.
Unter dem Korb hängt die Nachbildung einer Weinrebe als Sinnbild für Christus. Dies ist ein häufiger Schmuck an den barocken Kanzelkörben.

  Hinweise zur Kanzel: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt. .18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.

Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".

Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher". Ganz oben die Figur des Johannes des Täufers mit Kreuzstab und Lamm.


Kreuzwegbilder
An den Wänden des Kirchenschiffs sind die Kreuzwegbilder (Öl auf Leinwand, 99 x 54 cm), wohl aus der 1.Hälfte
des 19.Jh. befestigt. Der Maler ist mir nicht bekannt.

Kreuzwegbilder
19.Jh
  Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den
Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

KreuzwegbilderApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterOrgelEmporeKreuzwegbilderKanzel
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Apostelleuchter


Eine Besonderheit der Kirche sind die stuckierten Relief-büsten der zwölf Apostel mit den jeweiligen Attributen. Sie sind in Kartuschen mit Blatt-ranken als Hintergrund für die Apostelleuchter an den Wänden des Langhauses und des Altarraums angebracht.

Apostelbilder
Die Reliefbüsten sind der hauptsächliche Schmuck des Kirchenschiffs und ersetzen die sonst dort üblichen Heiligenfiguren.
Ähnlich schmuck gestaltete Apostel-leuchter sind nur noch in den Kirchen von Glonn und Biberbach zu finden.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.



Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

Gegenüber der Kanzel hängt das sog. Kanzelkreuz, ein großes Kruzifix, wahrscheinlich aus der Erbauungszeit der heutigen Kirche um 1720. Der Corpus ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft das Blut. Das im Wind flatternde Lendentuch (perizoma) ist vergoldet.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Kanzelkreuz
Unter dem Kruzifix steht, wie in den meisten Kirchen, die Figur einer schmerzhafter Muttergottes (mater dolorosa). In Pfaffenhofen trägt sie eine Krone auf dem Haupt, umgeben von einem Kranz von Sternen. In ihrer Brust steckt ein großes Schwert. Dieses Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die Figur wurde um 1740 geschnitzt.
  Hinweis: Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.

Mater dolorosa


Kirchenbänke und Leuchter

Die Kirchenbänke
(14 Reihen links, 15 Reihen rechts) wurden 1938 mit Wangen nach barockem Vorbild erstellt.

Kirchenbänke
 

Messingleuchter
Darüber hängen schöne Messingleuchter mit jeweils 12 elektrischen Kerzen zur Beleuchtung des Kirchenraums.

 

Empore

Emporenbilder

Die von zwei Säulen gestützte Empore ist sehr tief, weil sie bei der Verlängerung der Kirche im Jahr 1928 nicht nach hinten versetzt, sondern mitverlängert wurde.

Die Emporenbrüstung ist mit Stuck überzogen. An ihr sind fünf Reliefs von Maria und verschiedenen Heiligen (z.B. Franz von Assisi mit Kreuz und Totenschädel oder St.Josef mit blühendem Aaronstab) angebracht. Der Zwischenraum zwischen den Reliefs ist von vielen Rocaille-Ornamenten in feiner Stuckarbeit ausgefüllt.


Emporenbilder

      Orgel 03),04)

Die Orgel mit einem Manual und 7 Registern wurde von Franz Borgias Maerz aus München um 1905 in einen neubarocken, dreiteiligen Flachfelderprospekt eingebaut.
Mehr über den Orgelbauer Franz Borgias Maerz...

Orgel von 1905
Im Jahr 1980 hat Maximilian Offner aus Kissing die Orgel entweder erweitert oder neu gebaut. Sie besitzt jetzt zwei Manuale und 10 Register. Im Jahr 2007 wurde sie aber als stark renovierungsbedürftig bezeichnet. Maximilian Offner hat auch die Orgeln in Arnzell, Egenburg, Gumpersdorf, Hilgertshausen, Hohenzell und Unterumbach renoviert oder neu errichtet.
  Hinweise zur Orgel: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


Vorhaus der Kirche


St.Georg 1954
Im westlich angebauten Vorhaus der Kirche, das von einem ovalem Fenster erhellt wird, sind zwei Gemälde zu sehen:
Direkt über dem Fenster eine Muttergottesdarstellung mit dem Kind auf dem Arm und mit königlichen Insignien (Krone und Zepter). Das Jesuskind hält den Reichsapfel.
Daneben ein Georgsbild im Stuckrahmen. Der Heilige zu Pferd stößt seine Lanze dem Drachen als dem Sinnbild für das Böse in den Rachen. Das Gemälde ist mit "1954 / Georg Wirnharter / Aichach" signiert. Georg Wirnharter (1921-2003) war Lehrer an der Werkkunstschule Augsburg und später Professor an der Fachhochschule Augsburg. Er lebte viele Jahre in Diedorf bei Augsburg.


Muttergottes
im Vorhaus

 

Hinweis: Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.
Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als Glück bringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperung des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.



Reliquien-Ostensorien

Nicht mehr in der Kirche befinden sich die zwei Reliquienostensorien (Schaugefäße für Reliquien) aus der Zeit um 1700. Sie sind aus Messing getrieben und versilbert. Die Monstranz-ähnlichen Gefäße sind außen mit Akanthusranken und zwei Cheruben geschmückt. Die Reliquien im Inneren sind mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht), Perlen und farbigen Steinen befestigt. In der Mitte jeweils ein Kupferstich mit Abbildungen der Schmerzensmutter und einer Nonne mit Handkreuz und Krone. Auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen, sind die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, genannt; z.B. "S.Bonifacii Mart., De vestibus B.V.Mariae, De S.Geniano(?) Mart." sowie "S.Benigni mart., S.Honesti mart., S.Candita mart."



Heiliges Grab

Seit 2008 wird am Gründonnerstag und Karfreitag wieder ein Heiliges Grab in der abgedunkelten Kirche an der Stelle des Volksaltars aufgebaut. Umrahmt von hohen Pflanzen und roten Blumen liegt die hölzerne Figur des Leichnams Jesu auf einem Felsen im Totenbett. Zwei Leuchterengel halten Kerzen in den Händen. Farbige Kugeln und Grablichter umgeben die Szene.

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nach-bildungen des historischen Grabes er-richteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schau-spiel, das für die Gläubigen das Heils-geschehen eindrucksvoll veranschaulichte.


Heiliges Grab
Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung. Die Kulissen der heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantas-tische Scheinarchitekturen mit bilbli-schen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrot-ten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.
In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung.
Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen. 26)

Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2007 waren dies neben Hirtlbach noch Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Peter, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Langenpettenbach, Weichs und Riedenzhofen. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...


Pfarrhof

Interessant ist auch der Pfarrhof von Pfaffenhofen, bei dem es sich um das älteste Gebäude weit und breit handeln dürfte.
Er war ursprünglich ein Renaissance-Schlösschen, das 1612 vom damaligen Pfarrer gekauft und zu seiner heutigen Gestalt umgebaut wurde. In den Jahren 1793 und 1805 wurde der Pfarrhof nach Norden und Osten erweitert. Im Inneren sind noch ein Teil des Decken-stucks, das barocke Treppengeländer und die Türen aus dem 18.Jh erhalten.
Bei der letzten Renovierung 2002 (Kosten: 800.000 Euro) wurde die Fassade aus dem frühen 19.Jh mit grüner Gliederung auf weißem Grund wiederher-gestellt (im 18.Jh war es rot/weiß, im 20.Jh ocker/gelb). Das Gebäude wird im Erdgeschoss als Pfarrheim genutzt; im Obergeschoss entstand eine schöne Wohnung.
Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
04) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
05) Dr.Wilhelm Liebhart,Klosterbesitz von St. Ulrich und Afra in Pfaffenhofen a.d. Glonn, Amperland 1983 (1712)
06) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
07) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
08) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
09) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
10) Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
11) Dr. Lothar Altmann, Die Hofmalerfamilie Schöpf im Amperland, Amperland 1999/4
12) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
13) Dachauer SZ vom 13.8.2003 u.
14) Dachauer SZ vom 13.3.2007
15) Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
16) Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg 1618 - 1648, Internetseite www.genealogie-kiening.de/berleben.htm
17) Prof. Dr.Wilhelm Liebhart, Im Schatten München, Pfaffenhofen und Furthmühle 1158, Amperland 2008/3
18) Dachauer Nachrichten v. 24./25./26.12.2005,
19) Dachauer Nachrichten vom 14.1.2008,
20) Dachauer Nachrichten vom 9.4.2008 (Hl.Grab)
21) Dr.Carmen Roll,Leiterin des Diözesanmuseums Freising, Vortrag 2010 (Schutzengel mit Schuhen)
22) Dachauer Nachrichten vom 9.4.2014 (Friedhofsmauer)
23) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel)
24) Ralf Müller, Oberhaching, 2014 (vier Glocken)
25) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
26) Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)
27) https://www.youtube.com/user/arnoldusglocke, Zugriff 2015 (Glocken u. Glockengeläute)
28) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895, S. 253
29) Martin von Deutinger, Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate, 1820
30) Peter Pfister, Von Arbeo zum Internet, Katalog zur Ausstellung "75 Jahre Diözesanarchiv Mch/Freising", 1999  

31) Werner Satzger, Zwei Glocken schweigen, Dachauer Nachrichten vom 22.8.2017 (Glockenstuhl)

48 Bilder: Kath.Axtner (1), Hans Schertl (47)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018


Wechsel des Pfarrsitzes von Unterumbach nach Pfaffenhofen
-ein mglw. etwas sagenhafter Bericht des Freisinger Beneficiaten Anton Mayer 1874-

Die Frage nach den ersten Schicksalen der Ortschaft und Pfarrei Pfaffenhofen führt ins graue Alterthum zurück und findet erst im 12.Jh. eine urkundliche Antwort.

Zur Zeit, oder bald nach Einführung des Christenthums in Bayern im 9.Jh scheint im heutigen Filialorte Unterumbach ein herzogliches Pfleggericht bestanden zu haben, etwa 200 Jahre vor Gründung der Stadt Friedberg. Und es ist erweislich, daß ebendaselbst sich auch der Pfarrsitz der umliegenden christlichen Gemeinden befunden habe, wofür bis auf neueste Zeit das eigene Widum (Pfarrbauernhof), sowie das noch dort vorhandene ehemalige Pfarrhaus (in Unterumbach) sprechen.

Es befand sich aber im benachbarten, dortmaligen Filialorte Pfaffenhofen, wo nur eine Marien-Capelle war, eine Adelsfamilie, welche in dem derzeit als Pfarrhaus bestehenden Schlößchen, das noch jetzt mit zwei Eckthürmchen geziert ist, wohnte.

Der im Jahre 1170 hier residierende Graf hieß Adalbero und dessen edle Gattin Gisella. Diese fassten in christlich-frommer Gesinnung den großmüthigen Entschluß, wohl auch in Anbetracht der mißlichen Lage des zu gering dotierten Pfarrers ihr eigenes Schloß (in Pfaffenhofen) sammt dazu gehörigem Areal und Widdum dem Benediktiner-Kloster zu St.Ulrich und Afra in Augsburg schankungsweise (=als Schenkung) zu übergeben. Urkunden hierüber finden sich u.a. im Kloster SS.Ulrich & Afra.

Wohl hatten sie dies mit der Bedingniß (unter der Bedingung) gethan, daß von dort aus (vom Kloster aus) die Erhebung des Ortes (Pfaffenhofen) zum Pfarrsitze, mit Residenz im Schlosse bewirkt werden solle, nach Übergabe aller dortigen Utensilien an den Pfarrherrn; wobei die Erbauung einer zweckentsprechenden Kirche an Stelle der Capelle wohl selbstverständlich war.

Wirklich muß diese Transferierung (=Verlegung) der Pfarrei mit der Benennung Pfaffenhofen an der Glon bald erfolgt sein; denn aus dem Dokument erhellt (=geht hervor), daß von da an die Besetzung der Pfarrei durch Kloster-Conventualen (=Mönche) eine Reihe von Jahrhunderten hindurch ausgeübt worden sei, in welchem Zeitraum wohl auch die dermalige (=heutige) Kirche im neueren Stile mag hergestellt worden sein. Wahrscheinlich mit Benützung (=unter teilweiser Belassung) bzw. durch Vergrößerung der alten gothischen (Kirche), von welcher noch der Sattel-Thurm stehen blieb. Die Erhöhung desselben und Umänderung in die Doppelkuppelform erfolgte erst viel später. Daß auch vom Kloster die innere Einrichtung der Kirche beschafft worden sei, dafür zeugen die kostspieligen Altäre, Kanzel und dergleichen.

Über das Patronats-Recht von Pfaffenhofen wurde vielfach gestritten, protestirt und die Berechtigung in Frage gestellt, eben weil die Pfarrei und Kirche dem Augsburger-Kloster fast Alles dankt, nun aber doch der geographischen Lage nach in die Erzdiöcese München-Freising gehört. Schon die Conradinische Matrikel (von 1315) zählt Pfaffenhofen mit (Unter)Umbach beim damaligen Decanate Günzelhofen auf. Sunderndorf sagt (in seiner Matrikel von 1524): "Est de praesentatione Abbatis et Conventus ad St.Udalricum Augustae" (=Präsentationsrecht haben der Abt und der Convent von St.Ulrich&Afra).
Es möchte schwer sein, das Jahr nachzuweisen, in welchem das Königliche Präsentations-Recht eintrat (=begann), das zur Zeit in Kraft ist, und ob selbes schon vor der Säcularisation (1802) gegolten hatte, oder erst in Folge derselben begonnen habe.


Beschreibung der Pfarren Einkommen Rentambts München
und anders betreffend de Anno 1575

Diese Matrikel ist leider nur noch zum Teil erhalten. Deshalb sind in ihr nur 73 Pfarreien des Bisthums Freysing beschrieben. Aus dem heutigen Landkreis Dachau sind dies die Pfarreien Mitterndorf, Sittenbach (teilw), Egenburg, Sulzemoos und Pfaffenhofen/Glonn. Alle Angaben sind, wie Dr.Deutinger in seinem 1850 erschienenen Buch "Die älteren Matrikel des Bistums Freising" betont, "aus erholten amtlichen Berichten geschöpft worden und können daher als zuverlässig angesehen werden".

Pfaffahouen im Lanndgericht Fridperg
in Umbacher-Ambt

Dise Pfarrkirchen wirt durch Georgium Erasmus Hess als verum pastorem besessen. Das Lehen gehört dem Prelaten von Sannt Ulrich in Augspurg, unnd die possession hat unnser genediger Fürst unnd herr in Bayrn zegeben. Gross unnd clainer Zehendt zu Pfaffahouen unnd Wagnhouen gehört aller dem Pfarrer allain, zu Unnderumpach aber nur die dritte garb. Die zway sambt dem clainen Zehendt gehörn in die früemess gen Odlzhausen. Mechte sein Pfarrers gannzer Zehenndt zu gemainen Jarn umb ainhundert gulden angeschlagen werden. Den Widem zu Pfaffahouen auf jedes veld siben Juchart Ackhers unnd fünffzehen tagwerch wissmadts, paut Pfarrer selb, unnd den zu Wagenhouen hat er ainem Pawrn verstifft, welcher Ime Järlich 5 schaff Roggen, 5 schaff haber, 6 ß dl. wissgüllt, 12 dl. Weissat oder Stifftgellt, Ain hennen, 6 hüenner, 1 Ganns unnd Ainhundert Ayr darvon gültet.
Dagegen mues Pfarrer dem von Weichs zu Täsing Jerlich drey Mezen haber raichen unnd bezalen. In der hat Pfarrer ungeverlich 40 Alterlaib einzunemmen.
Stollgelt: Opfergellt bey 2 fl. Beichtgelt von ainer Person 2 dl.; vom krannkhen zuversehen vorder er nicht, sunder was man Ime geb, nemme er an. Der Öllung werdt nit mer begert. Von ainer hochzeit einzusegnen unnd zu verkhindten das Mall. Von ainem khindt zutauffen ain Laib oder 2 kr. Kindpötterin herfürzusegnen in ainer khörzen 2 oder 3 d. Todfäll von ainem Vermöglichen 1 Cronna, 1 taler oder 1 fl. unnd von ainem Armen gar nichts, unnd da man auch ain fremden Priester zur besinknus habe, geb man demselben 10 kr.
Thuet der Corpus zu gemainen Jarn ain hundert gulden, aber dise Jar ungeverlich 300 fl. Stoll etc. 6 fl. Ist auch in Ir selbs kain bese Pfarr, sonnder sich ain Pfarrer alda wol begehn mag.

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