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Pfarrkirche St. Laurentius in SITTENBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischLuftbild

Adresse : 85235 Odelzhausen/Sittenbach, Kirchstraße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzb
eschreibung

Weithin sichtbar ist der schlanke Turm der Pfarrkirche St. Laurentius von Sittenbach an der Nordseite der Glonn zwischen Odelzhausen und Unterweikertshofen. Er weist den Weg zu einer der schönsten Rokokokirchen des Landkreises.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde eine Kirche in Sittenbach um das Jahr 1180. Damals fand in Freising eine Synode (= Versammlung wichtiger kirchlicher Repräsentanten) statt, unter deren Teilnehmern sich auch Fridericus plebanus de Sitenbach befand.
Im Jahr 1293 verkaufte Friedrich von Freundsberg den Brüdern Rapoto und Otto von Eisenhofen neben mehreren Höfen auch die "Vogtei übr die Kirch Sickhenpach".

Der heutige Kirchenbau wurde 1464 im gotischen Stil errichtet und 1680 nach einem Unwetter renoviert und erweitert.

Seine heutige Form erhielt er im Jahr 1760 mit einer Neueinwölbung und dem Anbau der kurzen Querschiffe.

1930 wurde die Kirche wiederum verlängert (um eine Achse) und eine besonders tiefe Empore eingebaut.

Kartusche im Chorbogen 
(heiliger Laurentius, bitte für uns)

Das lange Kirchenschiff hat sechs Achsen. Es ist von einem böhmischen Gewölbe (östl.Achse) und einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Zwei querhausartige Seitenkapellen vor dem Chorbogen erweitern den Blick nach vorne.

Die letzte Außenrenovierung fand in den Jahren 1986-1988, die letzte Innenrenovierung 1990-1993 statt.

Die Pfarrei Sittenbach, zu der die Filialen St. Johann in Sixtnitgern, Orthofen, Roßbach, Geiselwies gehören, bildet seit 1979 mit den Pfarreien Einsbach, Egenburg, Odelzhausen, Pfaffenhofen, Ebertshausen und Sulzemoos den Pfarrverband Odelzhausen.

Innenausstattung

Im Inneren der Kirche prägen der reiche, wundervolle Stuck aus Blumengirlanden, Stäben und Rocaillen von Johann Jakob Rauch (und mglw. F.X. Feichtmayr), die fünf herrlichen Deckenmalereien von Johann Georg Dieffenbrunner und die verspielten Rokokoaltäre den prachtvollen Gesamteindruck.

Die Gemälde zeigen vom Altarraum
bis zur Empore:

- die Glorie des hl. Laurentius,
- ein Engelskonzert,
- das Martyrium des Kirchenpatrons.
- die Heilung von Kranken durch
   Laurentius
- die Gefangennahme des Papstes
   Sixtus II.

Der dem St. Laurentius geweihte Hochaltar  (1755) mit der Schnitzfigur des hl. Laurentius dürfte vom Bildhauer Johann Luidl aus Landsberg (1685-1758) stammen.


Die Seitenaltäre sind der Muttergottes (Figur mit Jesuskind-1920) und dem Pestpatron Sebastian (Figur des Heiligen in voller römischer Rüstung mit Pfeilen in der Hand-1920)

An den Wänden der Kirche stehen noch einige weitere Heiligenfiguren:

zur Beschreibung der DeckengemäldeZur Beschreibung des rechten SeitenaltarsChoraltarvorderes Deckengmäldezur Beschreibung der SchiffskanzelWenn sie in die Seitenkapelle schauen wollen: klicken Sie doch  Deckengemälde Altaraufsatz: St.MichaelZur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung der Deckengemälde
per Mouseklick zur jeweiligen Beschreibung der Einrichtung

- St. Nepomuk mit Kruzifix und Märtyrerpalmzweig (um 1770);
- St. Paulus ebenfalls mit Palmzweig und Schwert (1520/1920);
- St. Stephanus im Gewand des Diakons mit kurzen Ärmeln und geschlitzter Seite sowie einem Märtyrerpalmzweig in der rechten
  Hand (1520);
- Hervorzuheben ist ein eindrucksvolles Vesperbild (Pieta ) aus der Zeit um 1530.

Eine Besonderheit birgt die Kanzel an der Südseite, die dem Landshuter Künstler Christian Wenzeslaus Jorhan d.Ä. (1727-1804) zugeschrieben wird: sie ist als sog. Schiffskanzel gestaltet. Am ovalen Kanzelkorb zwei Puttos, von denen einer einen Anker in den Händen hält. Die Begründung für diese Form liegt im Bibelwort: "Jesus lehrte die Menge vom Schiffe aus" (Lk.. 5,3).

Die Kreuzweg-Stationsbilder bestehen aus Alabaster oder Marmor vor goldfarbigem Hintergrund.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Erste Kirche 1180  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Beschreibg 1560  Beschreibg 1575
   Beschreibg 1590  Umbau 1657  Verlängerung 1680  Altarweihe 1707  Matrikel 1738
   Umbau 1760  Beschreibung 1880  Beschreibung 1895    Bruderschaften
Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
   Deckengemälde-1  Deckengemälde-2  Empore  Epitaphe außen  Figuren im Chor
   Kanzel  Kanzelkreuz  Seitenkapellen  Kreuzweg  Orgel
   Pieta  Pfarrhof  Reliquien  Seitenaltäre  Tabernakel
   Turm  Vorraum  Zelebrationsaltar  Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben

Die Gegend um Sittenbach ist schon lange bewohnt. Hier wurden bei Ausgrabungen Relikte aus der Laténezeit (475-15 v.Chr.), der Zeit vor der Ankunft der Römer in unserem Gebiet, gefunden.

Die Pfarrei Sittenbach, zu der die Filialen St. Johann in Sixtnitgern, Orthofen, Roßbach, Geiselwies und Langengern (früher noch Unterweikertshofen und Großberghofen) gehören, ist seit 1979 Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen.


Geschichte der Kirche

Sittenbach wird von vielen Historikern als eine der Urpfarreien des Glonntales bezeichnet. Unterstützt wird diese Einschätzung durch das Patrozinium St.Laurentius, das vor allem in der Römerzeit (bis 450) sehr beliebt war. Auch die Nebenpatronate Papst Sixtus und St.Maria sprechen für ein hohes Alter.
Erstmals schriftlich erwähnt wurde eine Kirche in Sittenbach aber erst um das Jahr 1180. Damals fand in Freising eine Synode (= Versammlung wichtiger kirchlicher Repräsentanten) statt, unter deren Teilnehmern sich auch Fridericus plebanus de Sitenbach befand. Im Jahr 1293 verkaufte Friedrich von Freundsberg den Brüdern Rapoto und Otto von Eisenhofen neben mehreren Höfen auch die "Vogtei übr die Kirch Sickhenpach".

Matrikel von 1315 01)
In der Konradinischen Matrikel von 1315 heißt es: "Sitenpach soluit XII Pfund, habet IIII filias". Die Namen der vier Filialen werden aber nicht genannt.

Gotischer Neubau
Der heutige Bau wurde 1464 im gotischen Stil errichtet. Davon steht noch der Altarraum, an dessen Mauer früher -wie es heißt- "mitls gotischen Buchstaben und Züffern von außen " das Baujahr angeschrieben war.
Weitere Informationen zum Neubau sind mir nicht bekannt.


Matrikel von 1524 01)
Der Verfasser der Sunderndorfer'schen Matrikelvon 1524 hat jedenfalls diese gotische Kirche besucht. Er schreibt, dass die Pfarrei dem Pastor Christophorus Scheurer übertragen war, die seelsorgerischen Aufgaben aber vom Vikar Martinus Mayr versehen wurden. Daneben war noch ein Cooperator (Kaplan) vorhanden, der Kost und Wohnung sowie ein Jahresgehalt von 4 Pfund Silberpfennig erhielt. Der Pfarrherr erhielt aus festen Einkünften 19 Gulden, für die wöchtenlichen Messen 4 Gulden und dazu kamen Einnahmen aus den Messstipendien. Dazu kamen Zehent von 152 Gulden sowie andere Gebühren. Insgesamt wurden die Einnahmen auf 200 Gulden jährlich gechätzt. Davon erhielt der Vikar 120 Gulden, der Pfarrherr 80 Gulden.
Das Pfarrhaus wird als renovierungsbedürftig bezeichnet. Die Zahl der Filialen wird weiterhin mit vier angegeben,
"s.Georgii in Grossenperckhofen,
s.Sabini (Gabini ?) in Weickertzhofen,
s.Crucis in Orthofen,
s.Leonardi in Rospach" (alle mit Friedhöfen).
Dazu kam noch eine Kapelle: "et capellam s.Joannis Baptistae in Greimertswinkl sine sepultura" (ohne Friedhof). Die Pfarrei Sittenbach hatte damals 390 Communicantes (Gläubige nach der Erstkommunion).


Visitationsbericht von 1560 26)

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über Sittenbach heißt es, der Vikar Johannes Cesar sei in Massenhausen gebürtig, habe in Ingolstadt studiert und sei in Augsburg 1532 zum Priester geweiht worden. Er ist aber nur der Seelsorger; die Pfarrei ist dem Salzburger Kanonikus und Stiftspropst von Altötting Johann Auer (1517-1561) verliehen, der von seinem Stellvertreter in Sittenbach 40 Gulden Absentgeld jährlich erhält. Ihm selbst bleiben nach dem weiteren Abzug von 15 Gulden für den Cooperator 95 Gulden.
Die Visitatoren berichteten, der Vikar Cesar predige aus katholischen Büchern und vertrete in allen Vorschriften die katholische Lehre. Privat war er ein ordentlicher Vikar; er befleißigte sich eines ehrbaren Lebenswandels. Er habe eine Köchin, doch die sei wie er schon alt. Die Pfarrei ist mit 430 Communikanten relativ groß. Deshalb habe sie auch einen Cooperator (Gsellbriester).
Das Kirchengebäude und der Pfarrhof wiesen keine Mängel auf. Allerdings wird als Patron der Pfarrkirche der hl.Sebastian genannt.
Wenn Sie an weiteren Details der Visitation interessiert sind
, klicken Sie hier...


Pfarrbeschreibung 1575
Unter dem Titel "Beschreibung der Pfarren Einkommen Rentambts München und anders betreffend de Anno 1575" hat sich in den Archiven der Diözese Freising ein Codex erhalten, der die Einkommenssituation der Pfarrer in dieser Zeit zum Inhalt hat. Leider ist der Großteil der Folien nicht mehr erhalten; deshalb sind auch nur wenige Dachauer Pfarreien aufgeführt. Dazu gehört glücklicherweise auch die Pfarrei Sittenbach aus dem Gerichtsbezirk Friedberg. Die von weltlichen Behörden erstellte Handschrift befasst sich, wie Deutinger schreibt, "nur mit den äußeren Rechtsverhältnissen und Temporalien, den Präsentations- und Installationsrechten, Renten und Lasten der Pfarrpfründe". Immerhin wird auch der Pfarrer genannt. Es war Johann Kayser, der 20 Jahre lang als Stellvertreter von Pfarrer Auer die Seelsorge wahrgenommen hatte und danach (seit 10 Jahren) selbst das Amt des "verus pastor", des Pfarrherrn ausübte. Er hat den Pfarrhof selbst bewirtschaftet. Interessant sind die Stolgebühren (= Gebühren für kirchliche


Apian-Karte von 1568
Handlungen), die hier zum besseren Vergleich in der damals kleinsten Währung Pfennig angebe:Das Beichtgeld betrug 1 Pfennig. Für einen Krankenbesuch, den der Gesellbriester (Kaplan) vornahm, sollte der Kranke 16 Pfennig geben, doch: "ainer zahlt, der ander aber nit". Die letzte Ölung hätte 16 Pfennig gekostet, doch niemand wollte sie empfangen, weil man dachte, dann sterben zu müssen. Für eine Hochzeit erhielt der Pfarrer 12 Pfennig, für eine Kindstaufe 8 Pfennig oder einen Laib Brot. Eine Frau im Kindbett stiftete eine Kerze mit eingesteckten Münzen im Wert von 2 oder 3 Pfennig. Für ein Begräbnis erhielt der Pfarrer normalerweise 1 Gulden=240 Pfennig. Für ein gesungenes Requiem für ein Kind ermäßigte sich der Betrag auf 24 Pfennig, ohne Gesang war es kostenlos. Insgesamt hatte der Pfarrer Einnahmen von 220 Gulden jährlich. Dies war einer der Gründe für die Schlussbemerkung der Beschreibung: "Ist sonnsten der bessten Pfarrn eine, in Lanndgericht".
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Pfarrbeschreibung 1590
Der in der Zeit von 1579 bis 1595 amtierende Pfarrer Salomon Höß (vorher Pfarrer in Mitterndorf) hat eine Pfarrbeschreibung erstellt, die sich zumindest teilweise noch in den Pfarrakten befindet. Im Inventarium führt er folgende Kleinodien ("Clenodien") auf:
  Erstlich - 2 Silberne vergulte (=vergoldete) Khelch, sambt den Patenen, Corporalen und aller zugeherung (=allem
         was dazu gehört).
Item - 1 Silberne Monstrantz. So man in der 8va Corporis Christi braucht.
Item - 1 Siblerne Khapsel. Inwendig vergullt darin das H.Hochwürdige Sakrament auffbehalten würdt.
Item - im Sacrament Heusl - 1 Silberne Creutz
Item - Sechs Mäessgewänter, sambt aller Zugeherung, daruntter 1 Rottsametes (rot-samt) mit 1 guldnen Creutz
Item - 4 Missal - 1 Gsang Puech (= Gesangbuch)- 1 Vigil Puech - 1 obsequial Puechel
Item - die Sechs ....
Item - Siben Messen Leuchter, zween Zinen
Item - drey Khürchen Fanen"

 

Seitenaltar 1657
Aus dem Jahr 1657 ist bekannt, dass der Sittenbacher Pfarrer dem Ordinariat die Entwürfe für einen Seitenaltar in Sittenbach (und dazu für den Choraltar in Großberghofen) zur Genehmigung vorgelegt hatte. Der alte Altar war vielleicht im 30jährigen Krieg beschädigt und nur notdürftig repariert worden. Die Antwort aus Freising (vom 15.10.1657) war abschlägig. Bemängelt wurde, dass die Proportionen zwischen Höhe und Breite nicht stimmten. Deshalb müssten neue Visiere (Entwürfe) gemacht werden. Auch zweifelte das Ordinariat die Fähigkeiten der Maler an. Die Arbeit in Sittenbach sollte dem Altomünsterer Maler Franz Zeller übertragen werden, von dem auch der Entwurf stammte. Die Maler wehrten sich und behaupteten, dass sie den weltlichen und geistlichen Obrigkeiten schon mehrfach Entwürfe für Kunstwerke vorgelegt hätten, ohne dass ihnen Bedenken entgegengebracht worden seien. Weiter lobte der der Pfarrer besonders den Maler Zeller mit den Worten   "Überdies der Maler von Altomünster der verstendigen und wolerfahrnen Mainung nach dem mahler zu Dachau villeicht vorzuziehen sein mechte".   
Ob der Seitenaltar damals von diesem Künstler gestaltet wurde, ist mir nicht bekannt. Der heutige Altar selbst wurde ja erst 60 Jahre später, 1720 erstellt. Der Schriftverkehr ist aber ein Zeichen dafür, wie streng das Ordinariat die künstlerische Ausstattung der Kirchen überwachte.

1664 wurde die Kirche von einem großen Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Näheres ist mir darüber nicht bekannt. Doch damals häuften sich die schlechten Wetterereignisse.
- 1663 gab es Hochwasser,
- 1665 vernichtete Hagel das Getreide,
- 1667 herrschte ein grimmiger Winter und
- 1670 erschütterte sogar ein Erdbeben die Gebäude im Dachauer Land.
Jedenfalls war so kurz nach dem 30jährigen Krieg an eine schnelle Renovierung der Kirche nicht zu denken. Es dauerte 16 Jahre, bis genügend Mittel dafür vorhanden waren.

Bruderschaften
Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wie z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf. Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpingsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung.

Am 14. April 1670 wurde die Bruderschaft vom hl.Sebastian vom Bischof bestätigt. Ablässe hatte sie schon am 18. November 1669 erhalten. Hauptfest war am 20.Januar, dem Festtag des Patrons, Convente an den 4 Quatembersonntagen (= 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). An diesen Festtagen gab es nachmittags eine Predigt und eine Prozession. Ein berühmtes Mitglied war der große Prediger und Augustinerpater Abraham a Santa Clara aus dem Kloster Taxa, der der Bruderschaft am 20.Januar 1671 beitrat.

Daneben existierte seit 13.Mai 1873 noch ein christlicher Mütterverein mit dem Hauptfest am 1.Sonntag im September.

Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663


Verlängerung des Kirchenschiffs 1680
Im Jahr 1680 musste die Kirche renoviert werden. Ein großes Unwetter hatte den Bau -wie oben erwähnt- 1664 in Mitleidenschaft gezogen. Es begann mit einem Gesuch von Pfarrer Georg Schödl beim Freisinger Ordinariat um Genehmigung folgender "reparationes und Enderungen": Dabei solle der Chor ausgebessert, das Langhaus um 12 Schuh (3,5 m) verlängert, darin sechs neue Fenster und ein neue Zillen (=Decke) errichtet werden.   "Nebendem bezaigt sich den Tabernacl pro Sanctissimo, so biß dato in der seitenmaur ist, gnädigst ...... massen auf den Choraltar zu transferiren".
Als Begründung erwähnt der Pfarrer, die Kirche fasse kaum mehr die Hälfte des Gottesvolkes und es müssten   "für die vielfältigen Confidenten im Namen der löblichen Bruderschaft S.Sebastian wenig(stens) 4 Beichtstüel in die offene Khürchen gestellt werden".

Die Bauarbeiten wurden dem Maurermeister Bernhard Schmidt aus Eisenhofen, die Zimmermannsarbeiten am Dachstuhl dem Georg Lang aus Miegersbach und die Fensterrahmen dem Schlosser Georg Ulman aus Altomünster und die Glaserarbeiten dem Maister Hansen Hitten (?) aus Odelzhausen übertragen. Die neue Holzkassettendecke im Langhaus mit den Ausmaßen 50 Schuh lang und 25 Schuh breit, mit 24 doppelten Rosen in den Feldern, schuf Maister Johann Kopseder, Schreiner aus Friedberg für 93 Gulden und 12 Kreuzern. Die Bemalung der Felderdecke und Fassung der Rosen mit feinem Gold besorgte Maler Johann Jakob Speth aus Alto-münster. Franz Brucker aus Dachau sollte für 25 Gulden einen neuen Tabernakel auf dem Choraltar mit den Maßen 2 x 1,2 Metern fertigen. Dem Bildhauer Georg Loidl wurde aufgetragen dazu Figuren der 4 Evangelisten zu schnitzen und Hans Hörmann, den Tabernakel zu fassen. Insgesamt kostete der Tabernakel über 64 Gulden.

langes Kirchenschiff
Orginaltext:
".. sollte einen neuen Tabernacul pro Sanctissimo aufm Chor Altar zurichten, ist mit handtwerkhsleuthen soweith accordirt worden, das erstlich Franz Bruckher, Schreiner in Dachau selben von Paizter (=gebeizter) arbeith auf 6 schuch hoch und 4 breith auß(en) zumachen, geben solle werden 25 fl. Georgen Lödl, Bildhauer daselbst für ausschneidung 4 bilder die 4 Evangelisten repraesentierent indes ain schuch hoch neben ihren insignien soll geben werden 12 fl. Hannsen Hörmann, Maler daselbst für außfassung der bilder und Ciraten unt guten Feingoldt, die saülen mit faingolt und das das Thürl das Abendmahl zu mahlen 25 fl. Georgen Osser (?), schlosser daselbst für beschlagung derselben 2 fl. 30 kr. Gesamtbetrag für den Tabernakel 64 fl. 30 kr."

Spanischer Erbfolgekrieg 1704
Im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) fielen feindliche Soldaten, Österreicher und Engländer in Bayern ein. Auch wenn die Schäden nicht so flächendeckend waren wie im 30jährigen Krieg, wurden einige Orte (insbesondere im Glonntal), zu denen auch Sittenbach zählte, schlimm verwüstet. Der Sittenbacher Pfarrer Franz Josef Leb schrieb am 14.9.1704 an das Ordinariat, der Feind habe   "mit Sengen, prennen, plündern und heuffiger Weckführung (Entführung) des Viehs alles verdörbt".
In der Pfarrei habe der Feind sowohl in der Pfarrkirche wie in den 3 Filialen alles zerschlagen, vernichtet, die Kelch, Ciborium, Fahnen, Alben, Chorröcke, die besten Messgewänder, ja sogar alle
  "Gloggen aus dem Thurm zu Sittenbach,Roßbach und Orthoven herundergeworffen und neben obigen Sachen weckhgefürhet, die Filial Khürchen Grossen Pergkhoven aber gar völlig abgeprennt".


Altarweihe 1707
Am 7. Oktober 1707 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Sittenbach und weihte drei Altäre in der Kirche. Außerdem spendete er 75 Kindern die Firmung. Am selben Tag hat er auch noch in Unterweikertshofen die drei Altäre benediziert. Sie waren wohl drei Jahre zuvor von den österreichischen Soldaten zerstört, beschädigt oder entweiht und in den Jahren danach von den Sittenbachern wieder hergestellt worden. Vielleicht hatte man die Altäre bei der Verlängerung des Kirchenschiffs 1680 neu errichtet und noch nicht geweiht. Denn eine Altarweihe war damals schwierig. Ab 1652 saßen nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In den drei Tagen vom 7.bis 9. Okt. 1707 weihte er neben den Altären in Sittenbach und Unterweikertshofen weitere Altäre in St.Johann/Sixtnitgern, Roßbach und Orthofen und spendete jeden Tag in einer anderen die Firmung.

Pfarrhofbau 1720
1720 wurde ein neuer Pfarrhof erbaut. Die Kosten dafür beliefen sich auf 200 Gulden. Diesen Betrag erfahren wir aus den Kirchenrechnungen der Pfarrei Bergkirchen. Denn Sittenbach erhielt zu den Baukosten ein zinsloses Darlehen des Landgerichts Dachau. Dazu mussten alle übrigen Pfarreien beitragen.

Schmidt'scheMatrikel von 1738/40 01)
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Pfarrei s.Laurentii in Sittenbach beschrieben. Sie war damals einem vornehmen Pfarrherrn verliehen. Maximilianus Georgius Pancratius Liber Baro (Freiherr) de Hegnenberg war Domkanoniker in Freising. Zur Pfarrei gehörten drei auswärtige Pfarrgüter in Orthoffen, Weikhershoffen und Grossen-Perghoffen. Die Seelsorge wurde von zwei Kooperatoren versehen, einer in Sittenbach, der andere in Großberghofen. Das Pfarrhaus war in gutem baulichen Zustand. Die Gläubigen hatten sich gegenüber 1524 von 390 auf 896 mehr als verdoppelt, und das trotz der schrecklichen Verluste im 30jährigen Krieg.
Die Zahl der Filialkirchen war gleichgeblieben. In der Pfarrkirche standen drei Altäre. Der Hochaltar war dem Patron St.Laurentius geweiht. Seine Stipes enthielt eine Kreuzpartikel: Teile von Gebeinen des Kirchenpatrons St. Laurentius und des syrischen Märtyrers St. Xystus. In dem der Jungfrau Maria gewidmeten Seitenaltar waren Gebeine der Märtyrer Johannes und Paulus, des hl. Franz Xaver und des hl.Sebastian "beigesetzt", wie es in der Fachsprache heißt. Der dritte Altar war als Sebastianialtar Mittelpunkt der 1670 gegründeten Sebastiani-Bruderschaft. Auch dieser Altar enthält Reliquien u.zwar der Heiligen Sebastian, Maximilian und Johannes Nepomuk. In der Kirche war auch ein Taufstein mitsamt den Heiligen Ölen vorhanden. Im Turm hingen drei Glocken und im Friedhof stand ein Beinhaus. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landrichter in Friedberg.

Bau der Seitenkapellen um 1740
Kurz nach 1740 wurden in Sittenbach zwei Seitenkapellen angebaut. Jedenfalls sind sie in der Schmidt'schen Matrikel noch nicht genannt. In eine der Kapellen wurden der Taufstein und ein alter Beichtstuhl gestellt.
1748 hat man in diese Kapelle mit dem Beichtstuhl ein neuer Altar eingebaut. Auslöser dafür war die Wallfahrt zu den Wetterheiligen Johannes und Paulus, die sich in Sittenbach besonderer Verehrung erfreuten. An ihrem Fest, dem 26.Juni, kamen Wallfahrer aus Sielenbach, Altomünster, Wollomoos, Kleinberghofen, Hohenzell, Walkertshofen, Welshofen und Großberghofen. An diesem Tag wurde ein feierliches Amt mit Predigt und viele Beimessen gehalten. Die Figuren der beiden Heiligen standen getrennt an den beiden Seitenaltären. Dies missfiel jedenfalls Pfarrer Anton Rottmanner, der sich in einem Brief an das Ordinariat (vom 29.3.1748) für den Bau einer Seitenkapelle einsetzte. Er schrieb, die getrennte Aufstellung mache die Figuren so   "ungestalt und frembd, dass es nit einmahl gekennet, also erst von andern erfragen missen, wer dise Heilige und was sie hir machen".
Er schlug vor, in die Seitenkapelle einen eigenen Altar für die beiden Heiligen aufstellen zu dürfen. Das Ordinariat verlangte einen Riß (=Plan) und Überschlag (=Kostenvoranschlag), sowie die Mitteilung, woher die Gelder genommen werden sollten. Am 27.Mai 1748 wurde dann die endgültige Erlaubnis für den Altar erteilt.

Umbau 1760
Ihre heutige Rokoko-Form erhielt die Kirche im Jahr 1760 unter Pfarrer Anton Rottmanner (im Amt: 1744-1767) mit einer Neueinwölbung und der Ausmalung der Kirche. Maler war Johann Georg Dieffenbrunner aus Augsburg (sign.). Den Stuck schuf Jakob Rauch. Jakob Mois glaubt, dass der Stuck von F.X. Feichtmayr stammt. Es könnten aber auch beide Stuckateure miteinander gearbeitet haben. Der 1718 in Unterpeissenberg geborene Rauch war nämlich der Schwiegersohn des um 20 Jahren älteren F.X. Feichtmayr.
In einem Schreiben vom 29.Juni 1764 an den Fürstbischof Clemens Wenzeslaus hat Pfarrer (und Dekan) Rottmanner die Bau-maßnahmen kurz geschildert: Er habe die Kirche   "mit einem Gewölb item durch stoccedor-fresco- und faßarbaith wol schön und ansehnlich gemacht".
Zwei kurze Querschiffe hat man angebaut und die flache Holzkassettendecke des Langhauses durch eine neue gewölbte Decke ersetzt. Die wurde mit fünf sehr schön erhaltenen Wand- und Deckengemälden ausgestattet. Eingeweiht wurde die umgebaute Kirche von Kardinal Johann Theodor von Bayern (1727-1763).
Die Erneuerung sei, so schreibt Pfr.Rottmanner, als Erinnerung an das 300jährige Jubiläum der Erbauung von 1464 gedacht. Deshalb habe er am Chorbogen die Inschrift angebracht:   "Ita saLVs DoMVI faCta es In sIttenbaCh".
Diese Inschrift ist ein Chronogramm. Dabei werden alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt. Die Inschrift am Chorbogen ergibt die Zahl 1764. Es ist also das Jahr des Jubiläums, nicht des Umbaus.
Wie wichtig der Umbau dem Pfarrer Rottmanner war, wird auch aus seinem Nachlass deutlich. Er hatte aus seinem Privatvermögen mindestens zwei- bis dreitausend Gulden für den Kirchenumbau verwendet und starb deshalb hochverschuldet.


Beschreibung 1880 02)
Kirche und Pfarrei Sittenbach sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.

Geographie: "Die Pfarrei hat 1246 Seelen in 242 Häusern. Davon wohnen 197 Gläubige (in 33 Häusern) in der Ortschaft Sittenbach selbst, die Übrigen in Gaggers 56 (12), Unterweikertshofen 276 (53), Guggenberg 33 (6), Langengern 79 (17), Orthofen 129 (25), Roßbach 137 (30), Sixtnitgern 102, (27) und Großberghofen 237 (39). Der Umfang der Pfarrei beträgt 5 km. Die Wege sind meist schlecht, weil Lehmboden." In Sittenbach neue Schule mit 1 Lehrer, 134 Werktags- und 42 Feiertagsschülern. Schule in Unterweikertshofen mit 45 Werktags- und 18 Feiertagsschülern".

Ansicht von Westen

Pfarrei : "Sittenbach ist eine Wechselpfarrei (= das Präsentationsrecht wechselte nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München). Die Kirchenrechnung weist bei 6044 Mark Einnahmen und 1802 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 4242 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 132 Tagwerk (= 44 ha) Fläche der
Bonität 6. Das Pfarrhaus -1720 erbaut und 1869 repariert- ist geräumig, passend und in den unteren Räumlichkeiten etwas feucht. Das Ökonomiegebäude wurde 1766 erbaut, geräumig und passend. Die Matrikelbücher beginnen 1645.

Pfarrkirche: Erbauungsjahr 1464. Restauriert 1760 und 1860. Rococostyl. Die Geräumigkeit ist zureichend. Spitzthurm mit 3 Glocken. 5 Altäre; Orgel mit 8 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Bittgänge: In der Woche nach Peter und Paul (=29.6.) nach Scheyern, am Dienstag in der Bittwoche nach Andechs. Stiftungen: 24 Jahrtage und 34 Jahrmessen. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer; eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden".


Beschreibung 1895  25)

Die Kirche von Sittenbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt , dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
Kirche
-  
Gothischer Bau, 1464 erbaut, 1760 umgestaltet, 1860 restaurirt (Mayer III. 173).
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Das Langhaus hat in der Länge fünf Axen, an die östliche schliessen sich südlich und nördlich Seitenkapellen an.
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Eingezogener Chor mit zwei Langjochen und Schluss in drei Seiten des Achtecks.
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Thurm an der Nordseite des Chores
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Sakristei (neu) an dessen Ostseite
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Vorzeichen westlich
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Das östliche Joch des Langhauses hat ein böhmisches Gewölbe. Die drei mittleren Joche haben ein Gewölbe, in welches von den Fenstern aus Stichkappen einschneiden. Ueber den Spitzen der letzteren ist aus dem Gewöllbe eine elliptische Oeffnung ausgeschnitten, welche mit einer Kuppel überdeckt ist.
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Im westlichen Joch Tonne mit Stichkappen.
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Im Chor noch das gothische Gewölbe, aber ohne Rippen.
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Gute Rococo-Dekoration.
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Am Chor noch gothische Strebepfeiler
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Schlichter Spitzthurm mit vier Giebeln
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Deckenbild im Chor. Glorification des S, Laurentius, im Schiff ein Engelkonzert und das Martyrium des S. Laurentius; hier bez. J. Diefenbach. (=Dieffenbrunner)
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Hochaltar, beide Seitenaltäre und die Kanzel (letztere in Form eines Schiffs), sowie die Decke zierliche und originelle Arbeiten des späten 18. Jahrhunderts.
 
Grabsteine:
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Vor dem Altar Grabstein des Georg Schädel + 1702. Platte von rothem Marmor. H. 92, br. 60 cm, mit dem Wappen
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Ferner des Andreas Scherer, Dekan +1621. Platte von rothem Marmor, mit Brustbild und Wappen des Verewigten.
H. 87, br. 62 cm.
 
Im Pfarrhof:
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grosse Monstranz, Silber, vergoldet, mit Silberverzierungen. Mitte des 18. Jahrhunderts. H.56 cm.
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ferner silberner vergoldeter Kelch derselben Zeit. H. 26 cm.
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In der Sakristei zierlicher Kelch, Silber, vergoldet, mit Silberverzierungen. 17. Jahrhundert. H. 22 cm.


1930 wurde die Kirche auf sechs Achsen (Joche) verlängert und eine besonders tiefe Empore eingebaut.


Umpfarrung der Filialkirche Unterweikertshofen nach Welshofen 1936

Am 1.Aug.1936 wurde Unterweikertshofen von Sittenbach nach Welshofen umgepfarrt. Grund war die geringe Größe der Pfarrei Welshofen. "Wenn sie nicht vergrößert wird", so das Ordinariat in einem Schreiben vom 18.5.1936, "wird sie voraussichtlich im Falle einer Erledigung (= Abschied/Tod des Pfarrers) nicht mehr besetzt werden". 05)

Für Unterweikertshofen war die Entscheidung nicht schlimm; die Kinder besuchten ohnehin schon die Schule in Welshofen. Der Weg zur Pfarrkirche verkürzte sich um die Hälfte.
Die Entscheidung wurde mit Schreiben vom 29.Juli 1936 verkündet.
06)


Renovierungen

Die letzte Außenrenovierung fand in den Jahren 1986-1988, die letzte Innenrenovierung 1990-1993 statt. Diese Maßnahmen kosteten zusammen 1,8 Mio DM.

Nach Sittenbach führten von Altomünster aus am Fest der Wetterheiligen Johannes und Paulus (26.Juni) regelmäßige Bittprozessionen mit Predigt. In dem der Jungfrau Maria gewidmeten Seitenaltar sind/waren Gebeine der Märtyrer Johannes und Paulus bestattet.


Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben

Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Abschiedsfeierlichkeiten, Jubiläen und Installationsfeiern von Pfarrern usw.
Wenn Sie sie lesen möchten, klicken sie hier...

Baubeschreibung

Die Kirche liegt am Dorfrand über dem Glonntal inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der noch aus gotischer Zeit stammende Chor ist geringfügig
eingezogen und wird durch zweifach abgetreppte Stützpfeiler von außen gestützt.

Das Kirchenschiff ist sehr lang und erstreckt sich über sechs Achsen. Es besitzt durch zwei Querhaus-artige Erweiterungen eine Kreuzform. Es ist von einem böhmischen Gewölbe (östl.Achse) und einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Zwei querhausartige Seitenkapellen vor dem Chorbogen erweitern den Blick nach vorne.

Der schlanke, sehr hohe Turm mit quadratischem Grundriss steht an der nördlichen Seite des Chores. Er ist durch Ecklisenen und horizontale Wandvorlagen in fünf Geschosse gegliedert. Sein Spitzhelm ist mit Holzschindeln gedeckt und besitzt vier mit je einer Goldkugel verzierte Giebeln. Im Nordgiebel ist das Ziffernblatt der Kirchturmuhr angebracht.
In der Glockenstube hängen vier Glocken, die 1949 von K.Hamm aus Regensburg gegossen worden sind. Vor 130 Jahren hingen hier noch drei Glocken aus den Jahren 1865, 1749 u. 1667, die die beiden Weltkriege mit ihrer Ablieferungspflicht nicht überstanden haben. Sie hatten die Aufschriften:
a) die größere Glocke : "F.Gossner in München 1865."
b) die mittlere: " Ad hon. Dei fusa ab A.B. Ernst Monachii 1749" (
Anton Benedikt Ernst)
c) die kleinere: "
Bernhard Ernst in München goss mich 1667"

Die Sakristei mit Pultdach ist östlich an den Turm angebaut.

Volksmissionskreuz
Ein großes Kruzifix an der südlichen Außenwand erinnert an die Volksmission 1975. Das Kreuz könnte aber auch älter sein. Jedenfalls entspricht es stilistisch der Kunstepoche des Historismus: Der Kreuzesstamm besitzt dreipassförmige Enden. Der Corpus Christi ist mit einem einfachen, weißen Lendentuch versehen. Ein kunstvoll gebogenes Blechdach mit der Innenschrift "Im Kreuz ist Heil" gibt Schutz vor den Witterungseinflüssen. Unter dem Missionsschild mit der Aufschrift "1975 Heilige Mission" steht eine kleine Figur der Mater dolorosa, der schmerzhaften Muttergottes.

Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. In Bayern wurde die erste Volksmission 1843 in Tuntenhausen von den Redemptoristen abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von

Missionskreuz
zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Bei diesen Volksmissionen wirkte bis zum 2.Vatikanischen Konzil noch ganz die alte Frömmigkeitshaltung des Barock nach, auch seine starre Liturgie, bald als dunkle Wucht, bald als feierliche Pracht. Christliche Verkündigung, die Lebensfülle der hl.Schrift, wurde verengt auf moralische Verbote. Damals wurden das 6.Gebot und die Kirchengebote (Keuschheit, Sonntagsgebot, Fasten und Abstinenzen) zum wichtigsten Inhalt katholischen Lebens gemacht. Tugendbündnisse und Jungfrauenkongregationen entstanden. Der Zulauf zu den Volksmissionen war dennoch groß.
Heutzutage wird die Volksmission durch neue Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.

 

Epitaphe

Bei der letzten Außenrenovierung wurden die Grabdenkmale in der nördlichen Friedhofsmauer eingesetzt.


1621
- für Pfarrer Andreas Scherer,
  gest.1621 aus Rotmarmor
  mit Brustbild und Wappen
  (86 x 60 cm)
  - für Pfarrer Bartholomäus Telle,
  gest.2.6.1715, aus Solnhofener
  Stein (66 x 56 cm)

1715

1767
- für Pfarrer
  Anton Rottmanner,
  gest. 13.6.1767 aus Solnhofener
  Stein (55 x 39 cm)
Text:
P.R.D. Antonius Rottmanner
obiit die XIII Junii anno DN(domini) MCCCLXVII aetat lix paroch XXIII Decan XIII in signis templi huius restaurator. R.I.P.
  Neben dem Epitaph hat man eine Tafel mit der Übersetzung des Textes angebracht:
P.R.D. Anton Rottmanner starb am 13.Juni Anno Domini 1767 im Alter von 59. Pfarrer 23, Dekan 13 Jahre des hiesigen Gottes-hauses, ausgezeichneter Restau-rator. Er ruhe in Frieden.


1839
- für Pfarrer Paul Loder,
  gest.20.4.1839 aus Solnhofener
  Stein (59 x 35 cm)
  - für Pfarrer Georgius Schädl,
  gest. 21.7.1702 aus Rotmarmor   (79 x 53 cm)

1702
    - für Pfarrer
  Leopold Staudacher, gest.
  30.3.1822. Freistehender
  Inschriftstein aus rötlichem
  Marmor mit aufgesetztem
  Eisenkreuz.

1822

1704
- für Pfarrer Johann Lebder, gest. 13.12.1704 aus Rotmarmor (86 x 26 cm)   - für Pfarrer Anton Aufhauser,
  Josef Jaeger und
  Sebastian Ende
  aus Rotmarmor (120 x 80 cm)

1923


1786

- für Pfarrer Josef Resch, gest. 15.12.1786 aus Solnhofener Stein (123 x 79 cm)
Text: Hier liegt begraben Der Hochwürdige, Hochgeborne, und, Hochgelehrte Herr Josef Resch der Gottes gelehrtheit Licantiat. ward geboren 1717 Priester 1741 dann Direktor im Alumnat Zu Freising drauf im Priesterhause zu Dorffen und München: ward 1752 Pfarrer in Hirtlbach und endelich im Jahr 1767 Pfarrer und Dechant in Sittenbach, wie auch Hoffürstlicher wirklicher geistlicher Rath in Freising: gestorben 1788 den 15 Kristmonat.

Ein Mann von seltnen Gaben
Liegt, Leser, hier begraben.
Rein schon von Jugent auf
Und tugendhaft war seines Lebens Luf.
Er hat Talente, Witz, Verstand
Zum Guten immer angewandt:
Sein erstes Werk von Jesu Lehre
Macht ihm, macht unserm Glauben Ehre.
Den jungen Klerus bildte er
Durch klugen Unterrricht, doch durch sein Beyspiel mehr.
  Im Hirtenamt verband er Wachsamkeit
Mit Eifer und Bescheidenheit.
Voll Mitleid, voll Erbarmen
War er der vater aller Armen.
Den Freunden Gutes thun war immer sein Bestreben
Im Tode noch, so wie im gangen Leben.
Sein Geist ist nun dahin gegangen
Wo gute ihren Lohn empfangen:
Was sterblich noch an ihm gewesen,
Muß, lieder hier verwesen.


Innenausstattung

Die Kirche überrascht den Besucher durch den reichen, wundervollen Stuck, der 1760 von Johann Jakob Rauch angebracht wurde. Rauch stattete 5 Jahre später auch die Klosterkirche in Altomünster mit Stuck aus. Einige Quellen sprechen davon, dass auch der aus Wessobrunn stammende und damals in Augsburg wohnende Franz Xaver Feichtmayr, der den Stuck in der Klosterkirche Indersdorf (1755) und in St.Wolfgang/Pipinsried (1746) geschaffen hatte, hier tätig war. Beide Stuckateure sollen häufig miteinander gearbeitet haben. Der 1718 in Unterpeissenberg geborene Rauch war der Schwiegersohn des um 20 Jahren älteren F.X. Feichtmayr.
Neben dem Stuck sind auch die fünf Deckenmalereien von beachtlicher Qualität. Sie wurden von dem im Dachauer Land viel beschäftigten Johann Georg Dieffenbrunner geschaffen, der auch in Eisenhofen, Inhausen, Indersdorf, Westerholzhausen, Kleinberghofen und in Vierkirchen Fresken gemalt hat.

Altarraum

Der zweiachsige Altarraum ist eingezogen und schließt in drei Seiten. Er wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überwölbt. Im Chorschluss sind noch Reste gotischer Ornamentmalerei zu sehen.

Stuckarbeiten
Die Kirche besitzt -wie erwähnt- seit 1760 eine äußerst qualitätsvolle Stuckausstattung. Rocaillen, Stäbe, Blumengirlanden und zahlreiche Engel beleben den gesamten Kirchenraum (ohne den Anbau von 1930). Sie sind grün, grau und rosa gefasst. Der Stuck wurde von Jakob Rauch (geb.1718) geschaffen, der auch in Augsburg mit dem Maler Dieffenbrunner zusammengearbeitet hatte. Das bedeutendste Werk Rauchs war der Stuck in der Klosterkirche Altomünster (1768). Jakob Rauch und Franz Xaver Feichtmayr statteten die Klosterkirche in Rott am Inn mit Stuckarbeiten aus (1763).


Deckengemälde im Chor

Der Altarraum wird mit einem barockisierten Gewölbe überdeckt, das mit einem Fresko bemalt ist. Es zeigt die Glorie des hl. Laurentius, mit Darstellung der Verherrlichung des Heiligen bei seiner Aufnahme in den Himmel nach dem Martyrium. Dieffenbrunner lehnt sich dabei an ein Altarblatt von Tizian in der Gesuitikirche von Vendig an.

Glorie von St.Laurentius

Inmitten vieler Wolken schwebt Laurentius mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost, in der Hand, zum Himmel empor. Engel halten Märtyrerpalme und Lorbeerkranz. Oben warten Gottvater, der die Hände ausbreitet, Christus, der eine Krone über das Haupt des Laurentius hält und dazwischen der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.  

 
Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.

Wappen
Am Scheitelpunkt des Chorbogens ist eine prächtig verzierte Kartusche angebracht, die ein Wappen mit zwei Winkeln enthält. Auf der Kartusche lugt eine Figur mit einer Mitra hervor. Im unteren Teil ist ein Schriftband mit den lateinischen Worten "Sub Duce" (unter dem Herzog) angebracht. Zwei Engel halten ein rosa gefärbtes Stoffband, das hinter der Kartusche vorbeiführt. Vielleicht hat diese Stuckatur mit der Einweihung (und Finanzierung ?) der Kirche zu tun, die 1760 von Kardinal Joh.Theodor von Bayern und vom Bischof Franz Ignaz Albert von Werdenstein vorgenommen wurde.


Hochaltar / Choraltar

Der prachtvolle barocke Choraltar von 1755/56 ist grau und rot marmoriert und mit Ornamentik vergoldet. Er ist 4 Meter breit und raumhoch. Teile der Ornamentik dürften um 1920/30 ergänzt worden sein. Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit einer marmorierten Holzverkleidung versehen. Sechs Säulen mit Kompositkapitellen tragen ein geschwungenes Gebälk mit Vorhangdrapierungen. Zwischen den Voluten sitzen und schweben 17 Engel. Der Altar und die Figuren dürften vom Bildhauer Johann Luidl aus Landsberg (1685-1758) oder seiner Werkstatt stammen. Arbeiten der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u. Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Sittenbach, Egenburg, Feldkirchen, Bergkirchen, Lauterbach und Prittlbach.
mehr über die Luidls finden Sie hier...

Im halbrunden Aufsatz des Altars schwingt der zwischen Gewölk schwebende Erzengel St.Michael das Flammenschwert. Er ist umringt von sieben geflügelten Engelsköpfen (Cheruben).

St.Michael
Hinweis: Der Erzengel Michael hat nach der Überlieferung häufig das Schwert benutzt. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer in die Hölle, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23-24) und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Michael ist mit Raphael, Gabriel und Uriel einer der vier Erzengel.

In der Mittelnische des Choraltars steht die Schnitzfigur des hl. Laurentius (Kirchenpatron), in das kurzärmelige Gewand des Diakons gekleidet, mit Buch und Rost in den Händen (um 1920/30).

St.Laurentius
Rechts und links darunter sind zwei Engel zu sehen, die 1760 geschnitzt aber erst in neuerer Zeit gefasst (=bemalt) worden sind.
Tabernakel
Der seitlich weit ausgreifende Tabernakel besteht aus vergoldetem Holz. Es handelt sich um einen Drehtabernakel auf dem unmittelbar das Buch mit den sieben Siegeln liegt. Darauf wiederum ruht ein silberfarbenes Lamm Gottes, das Symbol für Christus.
Die Lisenengliederung weist bereits auf den klassizisti-schen Stil hin. Er wurde wohl um 1790/1800 gefertigt.

Tabernakel
Hinweis: Die Darstellung greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen kann. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten
  und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaja 53,7) und Neuen Testament (Joh.1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt.


Reliquiare

Zwei Standreliquiare in angedeuteter Pyramidenform neben dem Tabernakel enthalten in den Schaugefäßen Reliquien, die in reicher Klosterarbeit (z.T. in Sprengtechnik) mit farbigen Steinen und Perlen gefasst sind. Auf den Cedulae, den kleinen Pergament-zettelchen, stehen die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen: S.Venantii M(artyrer) und S.Valentini.
Die Reliquienkästchen wurden früher durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.


Figuren an den Wänden des Altarraums


St.Stephanus

St.Paulus
An der Chornordseite sind spätgotische Figuren aus der Zeit um 1520 angebracht:
- die  des hl. Stephanus im Gewand des Diakons, mit kurzen Ärmeln und geschlitzter Seite sowie einem
   Märtyrerpalmzweig in der rechten Hand. Die linke Hand ist leicht geöffnet; darin könnten früher
   einmal Steine gelegen haben (Stephanus wurde gesteinigt). Die Palme ist schon von alters her
   Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer
   übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des
   Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie
   standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den
   Händen" (Offb.7,9).
- die des hl. Paulus ebenfalls mit Palmzweig sowie einem Schwert. Die dem Stil nach gotische Figur
   könnte auch eine Nachbildung aus der Zeit um 1900/1920 sein.
  Hinweise: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Sie waren neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig. Diakone hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in der Apostelgeschichte (Kap.7, Verse 2 bis 53) wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Der Heilige sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus'Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Saulus verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Die Legende erzählt, Paulus sei unter Kaiser Nero zum Tode verurteilt worden. Weil er das römische Bürgerrecht besaß habe man ihn nicht gekreuzigt, sondern enthauptet. Wahrscheinlich ist er aber eines natürlichen Todes gestorben. 2006 hat man in der Kirche St.Paul vor den Mauern sein Grab gefunden.


Zelebrationsaltar

Im November 2007 erhielt die Kirche einen neuen Zelebrationsaltar und einen neuen Ambo.


Kirchenschiff bzw. Langhaus

Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre sind -wie der Choraltar- grau und rot marmoriert, mit vergoldetem Schnitzdekor versehen sowie reich mit Akanthusformen und Putten verziert. Sie sind 2,70 Meter breit und fast raumhoch. Aufstellt wurden sie um 1720, aber 160 Jahre später, um 1920, stark ergänzt. Die Stipes, die Altartische, sind mit Holz verkleidet, die Antependien mit einem Kreuz und Rocailleverzierungen geschmückt. Auch an den Retabeln sind diese Verzierungen zu sehen. Die seitlichen Lisenen mit Voluten tragen ein Gebälk, auf dem Engelsfiguren sitzen.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. In einem um 1920/30 geschnitzten Relief wird die gekrönte Muttergottes mit dem Kind dargestellt.
Engel halten den Mantel über die vor Maria knienden Frauen und Kinder (Schutzmantelmadonna).


Schutzmantel
madonna

Hinweis:Der Bildtypus der Schutzmantelmadonna ist bei uns seit dem 14.Jh verbreitet. Er wurde vor allem von den Zisterziensern und Dominikanern gefördert. Die Darstellung geht auf den Mantelschutz im alten Rom (lateinisch velamentum) zurück, den man Verfolgten gewähren konnte. Abgeleitet davon entstand die Darstellung der Schutzmantelmadonna. In alten Schriften wird das Motiv der Schutzmantelmadonna
  mit dem lateinischen Terminus auch als Mater omnium, "Mutter aller", bezeichnet.


Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar ist ein Sebastiansaltar. Eine Figurengruppe zeigt St.Sebastian in voller römischer Rüstung. Ein Engel neben ihm hält die Marterwerkzeuge (Pfeile), ein weiterer die Märtyrerpalme in den Händen.

St.Sebastian
 Zu seinen Füßen kniet eine Familie mit einem kranken Kind, die flehentlich um die Fürbitte Sebastians bei Gott zur Heilung des Kindes bittet (ebenfalls um 1920/30).
 
Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen-als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Seine Figur steht in fast allen Kirchen des Dachauer Landes.



Deckenfresken im Kirchenschiff

Die Decke der ersten Achse des Langhauses von Osten -also zwischen den Deckenfresken im Chor und im Westteil des Langhauses- bildet eine Hängekuppel. Dort wird in einem Fresko ein Engelskonzert dargestellt. In der Mitte des Bildes liegt das sog. Hl.-Geist-Loch, das mit einem bemalten Holzdeckel verschlossen ist.

Engelskonzert
Darum herum sind Engel mit Kniegeigen, Querflöten, Geigen und Notenblättern gruppiert. Zwei Putten mit Weihrauchfass und Schiffchen (Behälter für die Weihrauchkörner) verehren die Dreifaltigkeit, deren Symbol (auf der Spitze stehendes Dreieck) auf den Holzdeckel gemalt ist.
  Hinweis: Das an Ketten hängende Rauchfass entwickelte sich erst in christlicher Zeit. Räucherungen im jüdischen Kult wurden in Weihrauchpfannen vorgenommen. Wie dort, soll auch in unseren Kirchen, der aufsteigende Rauch Verehrung und Gebet bedeuten. In der Apokalypse findet sich die Gleichsetzung des aus dem Rauchfass aufsteigenden Duftes mit Gebet und guten Werken.

Die mittleren drei Langhausachsen sind seit 1760 zu einer zu ovaler Flachkuppel (verputzte Holzkonstruktion) zusammengezogen.
Hier befindet sich das große, ovale Deckenfresko, das in einem umlaufenden Panorama verschiedene Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons zeigt.
Auf der Westseite ist die Gefangennahme des hl. Papstes Sixtus II. im Jahr 258 zu sehen. Sixtus -in roter päpstliche Kleidung- wird gefesselt von zwei Schergen des Kaisers Decius fortgeführt. Er blickt zurück zu seinem Diakon Laurentius, der mit der Linken auf sich selbst, mit der Rechten auf Männer im Hintergrund weist, die mit Gesten des Entsetzens das Geschehen verfolgen.

Gefangennahme des hl.Sixtus II.
Laurentius hat nach der Legende den Papst angefleht, ihn nicht zu verlassen. Sixtus weissagte noch im Fortgehen seinem Schüler Laurentius das Martyrium und bat ihn, vorher noch die Kirchenschätze an die Armen zu verteilen.
Eine schöne große Palme leitet über zur nächsten Szene. In ihr sind Kranke zu sehen; sie sind zu St. Laurentius gekommen, um seine Hilfe zu erbitten.

Kranke bitten Laurentius
Ganz vorne ist eine Frau dargestellt, die am Boden vor dem Heiligen liegt. Dabei dürfte es sich um die Frau handeln, die die Laurentius nach der Legende im Rahmen der Verteilung der Kirchenschätze traf und von ihrem Leiden heilte.
Hinter einer weiteren kleinen Palme wird das Martyrium des hl. Laurentius gezeigt. Eine Schar Soldaten kommt aus dem Hintergrund nach vorn zu der Stelle, an der Laurentius auf den Rost gelegt wird. Schergen schüren das Feuer; heidnische Priester, Krieger, Greise und eine junge Frau mit einem Kohlenkorb auf dem Kopf bilden das Umfeld.

Martyrium des
hl. Laurentius
In der Mitte des Bildes ist inmitten zartfarbiger Wolken eine lichte Himmelsöffnung zu sehen, dort hält der Engel Palmzweige und Siegerkränze für den Heiligen bereit.


Seitenkapellen

Neben den Seitenaltären befindet sich der Zugang zu den beiden Kapellen, die seit 1747 im Norden und Süden der ersten Langhausachse angebaut sind.

Nördliche Kapelle


nördliche Seitenkapelle

In der nördlichen Kapelle steht der rotmarmorne Taufstein (79 cm) mit seinem wuchtigen achteckigen Becken. Er dürfte noch aus spätgotischer Zeit stammen. Der weit nach oben gezogenen Deckel aus Holz ist marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Auf ihm ist eine Figur von Johannes dem Täufer (um 1680) angebracht.  
  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war.

Taufsteinfigur
  Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Sittenbach- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"
Das Deckenbild in der nördlichen Kapelle zeigt zwei verspielte Putti, die eine Fruchtgirlande und eine Getreidegarbe tragen.

Putto mit Getreidegarbe
1748 war in einer der Kapellen ein neuer Altar zu Ehren der Wetterheiligen Johannes und Paulus eingebaut worden.
Grund dafür war die Wallfahrt zu den Heiligen, die sich in Sittenbach besonderer Verehrung erfreuten. An ihrem Fest, dem 26.Juni, kamen viele Wallfahrer hierher. Was aus dem Altar geworden ist, ist mir leider nicht bekannt.



Pieta

An der Wand ist ein eindrucksvolles Vesperbild (Pieta) aus der Zeit um 1530 angebracht. Flankiert wird die Figur von kleinen Engel aus der gleichen Zeit. Das Vesperbild stand früher in der Kapelle von Gaggern.

Die Figur ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 in der Beschreibung von Gaggers enthalten. Dort heißt es:

 " An der Wand rechts vom Altar Pieta. Maria sitzt
   auf gothisch profilirter Bank und hält den Kopf des
   nach links liegenden Christus mit der Rechten, mit
   der Linken hält sie ihren Mantel um dessen Leib
   und fasst denselben unter der rechten Achselhöhle.    Um 1500. Holz. H. 48 cm.
" 25)


Pieta

Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb stand die Darstellung der Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei (z.B. auch Michelangelo) und wurden auch von den Reformatoren in Deutsch-land abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


Südliche Kapelle

Die südliche Kapelle war früher Taufkapelle. Dort steht jetzt der Neu-Rokoko-Beichtstuhl mit herrlichen Verzierungen (Akanthusranken). Er ist aus Eiche gefertigt und stammt aus der Zeit um 1910/20. Außerdem ist dort eine große Figur des hl.Nepomuk zu sehen, die aus der Zeit um 1770 stammt.


Beichtstuhl
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt.
  Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh.20,22) zurück.
An der Wand ist auf einem Postament eine große Figur des hl. Nepomuk im priesterlichen Gewand zur Zeit seiner Seligsprechung mit Kreuz und Märtyrerpalmzweig angebracht (um 1770).
  Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche

St.Nepomuk
  Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die
Sünden seiner Frau gab. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Nepomuk der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist.
Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Joh. Nepomuk wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden. Festtag: 16.Mai
Das Deckengemälde in der südlichen Seitenkapelle zeigt einen Engel auf Wolken, der mit der Hand nach unten weist. Dort stand früher der Taufstein.
Engel zeigt auf Taufstein
 
Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.



 9 Details (Deckengemälde, Kanzel, Kreuz, Laternen, Orgel, Kreuzweg, Apostelleuchter)
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Kanzel

Die prächtige Kanzel an der Südseite, die dem Landshuter Christian Wenzeslaus Jorhan d. Ä. (1727-1804) zugeschrieben wird, ist als sog. Schiffskanzel gestaltet. Am ovalen Kanzelkorb zwei Puttos. Einer hält einen Anker, ein anderer das Ruder in den Händen. An der Rückseite führt eine

Kanzel
vergoldete Leiter und ein Mastbaum zu den Segeln,
die durch den durchbrochenen Schalldeckel hindurch zu sehen sind. Unter dem Kanzelkorb ist in den Verzierungen eine Schiffs-schraube und stilisierte Wellen zu erkennen. Im Deckel eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz und ein geschwelltes Segel.
Hinweis: Die Schiffskanzel geht zurück auf das Lukasevangelium. Dort heißt es in Kapitel 5 Vers 3: "Da trat er (Jesus) in eines der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande wegzufahren; und er setzte sich und lehrte die Menge vom Schiffe aus". Die Form der Schiffskanzel kam aber erst 1725 in Frank-reich auf und verbreitete sich quer über Deutschland bis nach Polen. Inzwischen wurden die meisten aber durch neue Kanzeln ersetzt oder ersatzlos abgebaut. In Bayern soll es nur noch vier weitere Schiffskanzeln geben:
In Altenerding, Niederding, Irsee und Weißenregen.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
  Hinweis: Der Anker diente in biblischer Zeit nicht nur zum Festmachen, sondern auch zum Manövrieren des Schiffes. Er symbolisierte deshalb die göttliche Hilfe gegen die Bedrängnis der Christen in der Zeit der Verfolgung. Damals hat man ihn (mit Querbalken) als heimliches Zeichen für das Kreuz verwendet; insbesondere auf den Gräbern der Christen. Er war das Zeichen der Hoffnung während der Verfolgung. Dann verschwand der Anker als Symbol für die nächsten tausend Jahre. Erst im 15.Jh erhielt er wieder seine frühere Symbolik.


Kanzelkreuz

Der Kanzel gegenüber hängt ein großes Kruzifix im gotischen Stil an der Nordwand. Zu beiden Seiten des Kreuzes sind kleine Anbetungsengel (um 1760) angebracht.
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
  
Kanzelkreuz
Unter dem Kruzifix steht eine Figur der Mater dolorosa, der leidenden Mutter Maria. Sie hat ihre Hände zum Zeichen des Schmerzes über der Brust gekreuzt und ihr Haupt geneigt. In der Brust steckt ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater dolorosa


Kreuzweg und Apostelleuchter


Apostelleuchter
An den Außenwänden sind auch die Kreuzwegbilder (monochromes Relief aus Alabaster oder Marmor vor goldfarbigem Hintergrund) und die Apostelleuchter aus vergoldetem Schmiedeeisen (18.Jh) angebracht. In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Kreuzweg
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische
Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. 


P
rozessionslaternen


An den Kirchenbänken sind zwei schöne Prozessionslaternen befestigt. Sie sind aus Messing getrieben und versilbert und vergoldet. Die 85 cm hohen Laternen stammen aus dem Beginn des 19.Jh. Sie werden heute nur noch bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.

Prozessionslaterne

 

Empore und Orgel

Die tiefe, über drei Fensterachsen reichende Empore von 1928 besitzt eine schmucklose, verputzte Brüstung.
Die zweimanualige Orgel mit 12 Registern und modernem Prospekt mit erhöhtem Mittelteil wurde 1962 (andere Quelle: 1960) von der Fa. Guido Nenninger aus München aufgestellt.


Orgel

Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Wiedenzhausen, Wels-hofen und Langenpettenbach gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restau-riert. Diese Orgel ersetzte ein einmanualiges Werk mit acht Registern, das der Orgelbauer Georg Beer aus Erling bei Andechs im Jahr 1875 eingebaut hatte.
Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

 

Weihwasserbecken

Interessant ist auch das kleine Weihwasserbecken aus Kupfer am Eingang.
Ich habe übrigens eine Vielzahl unterschiedlicher Weihwasserbecken in den Kirchen des Landkreises auf zwei Seiten zusammengefasst. Wenn Sie Interesse haben, klicken Sie hier...

Weihwasser-
becken
In katholischen Kirchen befinden sich neben den Eingängen frei stehende oder an der Wand ange-brachte schalenförmige Becken aus Stein, die mit vom Priester geweihtem Wasser gefüllt sind. Beim Eintritt in das Gotteshaus benetzen die Gläubigen gewöhnlich die Finger ihrer rechten Hand und machen ein Kreuz-zeichen. Diese Zeremonie soll an die Taufe erinnern.

 

Vorraum
Im Vorraum der Kirche ist das Kriegerdenkmal eingerichtet. Das große Kruzifix ist von Tafeln mit den Namen der Gefallenen in den Weltkriegen umgeben.

Kriegerdenkmal

Pfarrhof

Etwas nördlich von der Kirche, am Ortsrand, steht auf einer kleinen Anhöhe der prächtige ehem. Pfarrhof. Er wurde 1722 anstelle eines baufälligen Vorgängerbaus aus dem "Mittelalter" mit Walmdach errichtet. Dabei wurden Teile des bisherigen Pfarrhofs belassen.

Pfarrhaus

Die Kosten dafür beliefen sich auf 200 Gulden. Diesen Betrag erfahren wir aus den Kirchenrechnungen der Pfarrei Bergkirchen. Denn Sittenbach erhielt zu den Baukosten ein zinsloses Darlehen des Landgerichts Dachau. Dazu mussten alle übrigen Pfarreien beitragen.


Frühere Beschreibungen des Pfarrhofs

Die erste Nachricht von einem Pfarrhof in Sittenbach enthält die Sunderndorfer'sche Matrikel aus dem Jahr 1524. Darin wird das Haus als "renovierungsbedürftig" bezeichnet.

1575 werden in der Pfarrbeschreibung die landwirtschaftlichen Nutzfläche genannt:
  "Der Widen (=Pfarrbauernhof) daselbs hat auf Jedes Veldt Sechs Juchart Ackhers, ein zimblichen hewat unnd zum Hausgebrauch ain Holz darein gehörig, welchen aber Pfarrer selbs pautt unnd gleichsfals zur Haushalltung einthuet".

1738 schreibt der Kanonikus Schmid in der nach ihm benannten Matrikel, das Pfarrhaus sei in gutem baulichen Zustand. Kein Wunder, denn der Hof war 1722 neu erbaut worden. Zur Pfarrei gehörten drei auswärtige Pfarrgüter in Orthoffen, Weikhershoffen und Grossen-Perghoffen.

In den Jahren 1868 bis 1870 wurde der Pfarrhof renoviert; dabei hat man das Walmdach durch das heutige Satteldach ersetzt und neue Türen eingebaut. Die Größe des Widums, des landwirtschaftlichen Betriebs, betrug 132 Tagwerk (44 ha), davon 31 Tagw. Äcker, 23 Tagw. Wiesen und 78 Tagw. Wald. Die Durchschnittsbonität der Felder betrug 6.
Die Ökonomiegebäude wurden 1766 erbaut.

Im Jahr 1877 hat man die pfarrliche Landwirtschaft verkleinert. Am Am 30. Nov. vormittags 10 Uhr, wurden "wegen Reducirung des Oekonomiebetriebes im Pfarrhofe zu Sittenbach gegen Baarzahlung" versteigert: "2 Zugochsen, 2 schöne Sprungstiere, 5 trächtige Kühe, 2 Kalben, 3 Stallkälber (Stiere)" 03)

Um 1900 änderte sich die Farbgebung des Pfarrhauses von Weiß zu Ocker, die man der letzten Renovierung wieder zurücknahm.
Bei dieser Renovierung wurden die alten Kreuzstockfenster aus dem 18.Jh, das Pflaster, der Keller und das Dach erhalten. Derzeit wird das Gebäude als Pfarrheim genutzt.

Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...

Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (1575: §758)
02) Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
03) Amperbote v. 24.11.1877 (Versteigerung)
04) Festschrift zum 1200jährigen St.Alto-Jubiläum, 1930
05) Schreiben des Ordinariats der Erzdiözese München und Freising vom 18.5.1936, Gen.Vic.Nr. 4998, E Nr. 6606

06) Schreiben des Ordinariats an die Pfarrei Sittenbach vom 29.Juli 1936 (Gen.Vic.Nr.8508)
07) Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (1657,1760,1740, Malerei)
08) Herbert Schindler, Barockreisen in Schwaben und Altbayern, 1970 (Stuckateure Feichtmayr/Rauch)
09) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
10) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
11) Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (B.Schmidt)
12) Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
13) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
14) Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1
15) Hugo Schnell/Uta Schedler, Wessobrunner Lexikon" 1988 (Stuckateure Feichtmayr/Rauch)
16) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
17) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
18) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
19) Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
20) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Pfarrhofbau 1720)
21) Dachauer Nachrichten vom 14.7.2004, 11.8.2006, 24./25.11.2007 (Ambo)
22) Klaus R.Witschel, Vor-u.frühgeschichtliche Siedlungsspuren im Umland von Röhrmoos, Röhrm.Heimatblätter 2013 (Laténezeit)
23) Walter Pötzl, Bruderschaften, in: Historisches Lexikon Bayerns, Zugriff: 15.04.2013 (Bruderschaften)
24) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
25) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
(Seite 256)
26) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986


52 Bilder: Horst Lachmann (2), Hans Schertl (48), Hubert Eberl (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

13.3.2018

Pfarrbeschreibung 1575
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