zur Landkreiskarte    ausführl.Beschreibg    Kirchen i.d.Gem.Odelzhausen   Pfarrei Sittenbach

Pfarrkirche St. Laurentius in SITTENBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
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den hl. Laurentius
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Kurzb
eschreibung

Weithin sichtbar ist der schlanke Turm der Pfarrkirche St. Laurentius von Sittenbach an der Nordseite der Glonn zwischen Odelzhausen und Unterweikertshofen. Er weist den Weg zu einer der schönsten Rokokokirchen des Landkreises.

Erstmals erwähnt wurde ein Gotteshaus in Sittenbach um das Jahr 1180.
Die heutige Kirche wurde 1464 im gotischen Stil erbaut, 1680 nach einem Unwetter renoviert und erweitert und erhielt ihre heutige Form im Jahr 1760 mit einer Neueinwölbung und dem Anbau der kurzen Querschiffe.

1930 wurde die Kirche wiederum verlängert und eine besonders tiefe Empore eingebaut.

Die letzte Außen-renovierung fand in den Jahren 1986-1988, die letzte Innenrenovierung 1990-1993 statt.

Die Pfarrei Sittenbach, zu der die Filialen St. Johann in Sixtnitgern, Orthofen, Roßbach, Geiselwies gehören, ist seit einigen Jahren Teil des Pfarr-verbands Odelzhausen.

         
Kartusche im Chorbogen 
(heiliger Laurentius, bitte für uns)


Innenaustattung

Im Inneren der Kirche prägen der reiche, wundervolle Stuck aus Blumengirlanden, Stäben und Rocaillen von Johann Jakob Rauch (und mglw. F.X. Feichtmayr), die fünf herrlichen Deckenmalereien von Johann Georg Dieffenbrunner und die verspielten Rokokoaltäre den prachtvollen Gesamteindruck.

Die Gemälde zeigen vom Altarraum bis zur Empore:
- die Glorie des hl. Laurentius,
- ein Engelskonzert,
- das Martyrium des Kirchenpatrons.
- die Heilung von Kranken durch Laurentius
- die Gefangennahme des Papstes Sixtus II.

Der dem St. Laurentius geweihte Hochaltar  (1755) mit der Schnitzfigur des hl. Laurentius dürfte vom Bildhauer Johann Luidl aus Landsberg (1685-1758) stammen.
Die Seitenaltäre sind der Muttergottes (Figur mit Jesuskind-1920) und dem Pestpatron Sebastian (Figur des Heiligen in voller römischer Rüstung mit Pfeilen in der Hand-1920)
An den Wänden der Kirche stehen noch einige weitere Heiligenfiguren:


    8 Details (Altäre, Deckengemälde, Kanzel, Kreuz, Seitenkapelle links) per Mouseklick
linker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klickenvorderes DeckengmäldeKanzel - zur Vergrößerung  des Engels mit dem Anker  bitte klickenWenn sie in die Seitenkapelle schauen wollen: klicken Sie dochgroßes  Deckengemälde Deckengemälde im ChorAltaraufsatz: St.Michael
- St. Nepomuk mit Kruzifix und Märtyrerpalmzweig (um 1770);
- St. Paulus ebenfalls mit Palmzweig und Schwert (1520/1920);

- St. Stephanus im Gewand des Diakons mit kurzen Ärmeln und geschlitzter Seite sowie einem Märtyrerpalmzweig in der rechten
  Hand (1520);
- Hervorzuheben ist ein eindrucksvolles Vesperbild (Pietà ) aus der Zeit um 1530.

Eine Besonderheit birgt die Kanzel an der Südseite, die dem Landshuter Künstler Christian Wenzeslaus Jorhan d.Ä. (1727-1804) zugeschrieben wird: sie ist als sog. Schiffskanzel gestaltet. Am ovalen Kanzelkorb zwei Puttos, von denen einer einen Anker in den Händen hält. Die Begründung für diese Form liegt im Bibelwort: "Jesus lehrte die Menge vom Schiffe aus" (Lk. 5,3).

Die Kreuzweg-Stationsbilder bestehen aus Alabaster oder Marmor vor goldfarbigem Hintergrund.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Erste Kirche 1180 Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Beschreibung 1590
  Umbau 1657 Verlängerung 1680 Altarweihe 1707 Matrikel 1738  Umbau 1760
  Beschreibung 1880 Bruderschaften Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Choraltar
  Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore Epitaphe außen Figuren im Chor
  Kanzel Kanzelkreuz Seitenkapellen Kreuzweg Orgel
  Pietà Pfarrhaus Reliquien Seitenaltäre
  Tabernakel Turm Vorraum Zelebrationsaltar

Die Pfarrei Sittenbach, zu der die Filialen St. Johann in Sixtnitgern, Orthofen, Roßbach, Geiselwies und Langengern (früher noch Unterweikertshofen und Großberghofen) gehören, ist seit einigen Jahren Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen.


Geschichte der Kirche

Sittenbach wird von vielen Historikern als eine der Urpfarreien des Glonntales bezeichnet. Unterstützt wird diese Einschätzung durch das Patrozinium St.Laurentius das vor allem in der Römerzeit (bis 450) sehr beliebt war. Auch die Nebenpatronate Papst Sixtus und St.Maria sprechen für ein hohes Alter.
Erstmals schriftlich erwähnt wurde eine Kirche in Sittenbach aber erst um das Jahr 1180. Damals fand in Freising eine Synode (= Versammlung wichtiger kirchlicher Repräsentanten) statt, unter deren Teilnehmern sich auch Fridericus plebanus de Sitenbach befand. Im Jahr 1293 verkaufte Friedrich von Freundsberg den Brüdern Rapoto und Otto von Eisenhofen neben mehreren Höfen auch die "Vogtei übr die Kirch Sickhenpach".

Matrikel von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 heißt es: "Sitenpach soluit XII Pfund, habet IIII filias". Die Namen der vier Filialen werden aber nicht genannt.

Der heutige Bau wurde 1464 im gotischen Stil errichtet. Davon steht noch der Altarraum, an dessen Mauer früher wie es heißt "mitls gotischen Buchstaben und Züffern von aussen" das Baujahr angeschrieben war.
Weitere Informationen zum Neubau sind mir nicht bekannt.


Matrikel von 1524
Der Verfasser der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 hat jedenfalls diese gotische Kirche besucht. Er schreibt, dass die Pfarrei dem Pastor Christophorus Scheurer übertragen war, die seelsorgerischen Aufgaben aber vom Vikar Martinus Mayr versehen wurden. Daneben war noch ein Cooperator (Kaplan) vorhanden, der neben Kost und Wohnung ein Jahresgehalt von 4 Pfund Silberpfennig. erhielt. Das Pfarrhaus wird als renovierungsbedürftig bezeichnet. Die Zahl der Filialen wird weiterhin mit vier angegeben, "s.Georgii in Grossenperckhofen, s.Sabini (Gabini ?) in Weickertzhofen, s.Crucis in Orthofen, s.Leonardi in Rospach" (alle mit Friedhöfen). Dazu kam noch eine Kapelle: "et capellam s.Joannis Baptistae in Greimertswinkl sine sepultura" (ohne Friedhof). Die Pfarrei Sittenbach hatte damals 390 Communicantes (Gläubige nach der Erstkommunion).

Pfarrbeschreibung 1590
Der in der Zeit von 1579 bis 1595 amtierende Pfarrer Salomon Höß hat eine Pfarrbeschreibung erstellt, die sich zumindest teilweise noch in den Pfarrakten befindet. Im Inventarium führt er folgende Kleinodien (Clenodien") auf:
  Erstlich - 2 Silberne vergulte (=vergoldete) Khelch, sambt den Patenen, Corporalen und aller zugeherung (=allem
         was dazu gehört).
Item - 1 Silberne Monstrantz. So man in der 8va Corporis Christi braucht.
Item - 1 Siblerne Khapsel. Inwendig vergullt darin das H.Hochwürdige Sakrament auffbehalten würdt.
Item - im Sacrament Heusl - 1 Silberne Creutz
Item - Sechs Mäessgewänter, sambt aller Zugeherung, daruntter 1 Rottsametes (rot-samt) mit 1 guldnen Creutz
Item - 4 Missal - 1 Gsang Puech (= Gesangbuch)- 1 Vigil Puech - 1 obsequial Puechel
Item - die Sechs ....
Item - Siben Messen Leuchter, zween Zinen
Item - drey Khürchen Fanen"

Seitenaltar 1657
Aus dem Jahr 1657 ist bekannt, dass der Sittenbacher Pfarrer dem Ordinariat die Entwürfe für einen für einen Seitenaltar in Sittenbach (und dazu für den Choraltar in Großberghofen) zur Genehmigung vorgelegt hatte. Der alte Altar war vielleicht im 30jährigen Krieg beschädigt und nur notdürftig repariert worden. Die Antwort aus Freising (vom 15.10.1657) war abschlägig. Die Proportionen zwischen Höhe und Breite stimmten nicht, deshalb müssten neue Visiere (Entwürfe) gemacht werden. Auch zweifelte das Ordinariat die Fähigkeiten der Maler an. Die Arbeit in Sittenbach sollte dem Altomünsterer Maler Franz Zeller übertragen werden, von dem auch der Entwurf stammte. Die Maler wehrten sich und behaupteten, dass die schon mehrfach Entwürfe für Kunstwerke den weltlichen und geistlichen Obrigkeiten vorgelegt hätten, ohne dass ihnen Bedenken entgegengebracht worden seien. Weiter lobte der der Pfarrer besonders den Maler Zeller mit den Worten "Überdies der Maler von Altomünster der verstendigen und wolerfahrnen Mainung nach dem mahler zu Dachau villeicht vorzuziehen sein mechte". Ob der Seitenaltar damals von diesem Künstler gestaltet wurde, ist mir nicht bekannt. Der heutige Altar selbst wurde ja 60 Jahre später, 1720 erstellt. Der Schriftverkehr ist aber ein Zeichen dafür, wie streng das Ordinariat die künstlerische Ausstattung der Kirchen überwacht hat.

Bruderschaften
Am 14. April 1670 wurde die Bruderschaft vom hl.Sebastian vom Bischof bestätigt. Ablässe hatte sie schon am 18. November 1669 erhalten. Hauptfest am 20.Januar, Convente an den 4 Quatembersonntagen (= 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). An diesen Festtagen gab es nachmittags eine Predigt und eine Prozession. Ein berühmtes Mitglied war der große Prediger und Augustinerpater Abraham a Santa Clara aus dem Kloster Taxa, der der Bruderschaft am 20.Januar 1671 beitrat.
Daneben existierte seit 13.Mai 1873 noch ein christlicher Mütterverein mit dem Hauptfest am 1.Sonntag im September.


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Verlängerung des Kirchenschiffs 1680
Im Jahr 1680 musste die Kirche nach einem Unwetter renoviert werden.
Es begann mit einem Gesuch von Pfarrer Georg Schödl beim Freisinger Ordinariat um Genehmigung folgender "reparationes und Enderungen": Dabei solle der Chor ausgebessert, das Langhaus um 12 Schuh (3,5 m) verlängert, darin sechs neue Fenster und ein neue Zillen (=Decke) errichtet werden. Nebendem bezaigt sich den Tabernacl pro Sanctissimo, so biß dato in der seitenmaur ist, gnädigst ...... massen auf den Choraltar zu transferiren". als Begründung erwähnt der Pfarrer, die Kirche fasse kaum mehr die Hälfte des Gottesvolkes und es müssten "für die vielfältigen Confidenten im Namen der löblichen Bruderschaft S.Sebastian wenig(stens) 4 Beichtstüel in die offene Khürchen gestellt werden".
Die Bauarbeiten wurden Maurermeister Bernhard Schmidt aus Eisenhofen, die Zimmermannsarbeiten am Dachstuhl dem Georg Lang aus Miegersbach und die Fensterrahmen dem Schlosser Georg Ulman aus Altomünster und die Glaserarbeiten dem Maister Hansen Hitten (?) aus Odelzhauen übertragen. Die neue Decke mit den Ausmaßen 50 Schuh lang und 25 Schuh breit, mit 24 doppelten Rosen in den Feldern, schuf Maister Johann Kopseder, Schreiner aus Friedberg für 93 Gulden und 12 Kreuzern. Die Bemalung der Felderdecke und Fassung der Rosen mit feinem Gold besorgte Maler Johann Jakob Speth aus Altomünster. Franz Brucker aus Dachau sollte für 25 Gulden einen neuen Tabernakel auf dem Choraltar mit den Maßen 2 x 1,2 Metern fertigen. Dem Bildhauer Georg Loidl wurde aufgetragen dazu Figuren der 4 Evangelisten zu schnitzen und Hans Hörmann, den Tabernakel zu fassen. Insgesamt kostete der Tabernakel über 64 Gulden.
  Orginaltext: ".. sollte einen neuen Tabernacul pro Sanctissimo aufm Chor Altar zurichten, ist mit handtwerkhsleuthen soweith accordirt worden, das erstlich Franz Bruckher, Schreiner in Dachau selben von Paizter (=gebeizter) arbeith auf 6 schuch hoch und 4 breith auß(en) zumachen, geben solle werden 25 fl. Georgen Lödl, Bildhauer daselbst für ausschneidung 4 bilder die 4 Evangelisten repraesentierent indes ain schuch hoch neben ihren insignien soll geben werden 12 fl. Hannsen Hörmann, Maler daselbst für außfassung der bilder und Ciraten unt guten Feingoldt, die saülen mit faingolt und das das Thürl das Abendmahl zu mahlen 25 fl. Georgen Osser (?), schlosser daselbst für beschlagung derselben 2 fl 30 kr. Gesamtbetrag für den Tabernakel 64 fl 30 kr."

Altarweihe 1707
Am 7. Oktober 1707 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Sittenbach und weihte drei Altäre in der Kirche. Außerdem spendete er 75 Kindern die Firmung. Am selben Tag hat er auch noch in Unterweikertshofen die drei Altäre benediziert. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - der Altar von Soldaten entweiht und in den Jahren danach von den Unterweikertshofenern wieder hergestellt worden ist, oder dass die Altäre bei der Verlängerung 1680 neu errichtet oder renoviert worden sind. Eine Altarweihe war damals nicht möglich. Denn ab 1652 saßen nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In den drei Tagen vom 7.bis 9. Okt. 1707 weihte er neben den Altären in Sittenbach und Unterweikertshofen weitere Altäre in St.Johann/Sixtnitgern, Roßbach und Orthofen und spendete jeden Tag in einer anderen die Firmung.

Pfarrhofbau 1720
1720 wurde ein neuer Pfarrhof erbaut. Die Kosten dafür beliefen sich auf 200 Gulden. Diesen Betrag erfahren wir aus den Kirchenrechnungen der Pfarrei Bergkirchen. Denn Sittenbach erhielt zu den Baukosten ein zinsloses Darlehen des Landgerichts Dachau. Dazu mussten alle übrigen Pfarreien beitragen.

Schmidtsche Matrikel von 1738/40
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 in der nach ihm benannten
Schmidt'schen Matrikel auch die Pfarrei s.Laurentii in Sittenbach beschrieben. Sie war damals einem vornehmen Pfarrherrn verliehen. Maximilianus Georgius Pancratius Liber Baro (Freiherr) de Hegnenberg war Domkanoniker in Freising. Zur Pfarrei gehörten drei auswärtige Pfarrgüter in Orthoffen, Weikhershoffen und Grossen-Perghoffen. Die Seelsorge wurde von zwei Kooperatoren versehen, einer in Sittenbach, der andere in Großberghofen. Das Pfarrhaus war in gutem baulichen Zustand. Die Gläubigen hatten sich gegenüber 1524 von 390 auf 896 mehr als verdoppelt, und das trotz der schrecklichen Verluste im 30jährigen Krieg. Die Zahl der Filialkirchen war gleichgeblieben. In der Pfarrkirche standen drei Altäre. Der Hochaltar war dem Patron St.Laurentius geweiht. Seine Mensa enthielt eine Kreuzpartikel, Teile von Gebeinen des Kirchenpatrons St. Laurentius und des syrischen Märtyrers St. Xystus. In dem der Jungfrau Maria gewidmeten Seitenaltar waren Gebeine der Märtyrer Johannes und Paulus, des hl. Franz Xaver und des hl.Sebastian "beigesetzt", wie es in der Fachsprache heißt. Der dritte Altar war als Sebastianialtar Mittelpunkt der 1670 gegründeten Sebastiani-Bruderschaft. Auch dieser Altar enthält Reliquien u.zwar der Heiligen Sebastian, Maximilian und Johannes Nepomuk. In der Kirche war auch ein Taufstein mitsamt den Heiligen Ölen vorhanden. Im Turm hingen drei Glocken und im Friedhof stand ein Beinhaus. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landrichter in Friedberg.

Bau der Seitenkapellen um 1740
Kurz nach 1740 wurden in Sittenbach zwei Seitenkapellen angebaut. Jedenfalls sind sie in der Schmidt'schen Matrikel noch nicht genannt. In eine der Kapellen wurden der Taufstein und ein alter Beichtstuhl gestellt.
1748 wurde in diese Kapelle mit dem Beichtstuhl ein neuer Altar eingebaut. Auslöser dafür war die Wallfahrt zu den Wetterheiligen Johannes und Paulus, die sich in Sittenbach besonderer Verehrung erfreuten. An ihrem Fest, dem 26.Juni, kamen Wallfahrer aus Sielenbach, Altomünster, Wollomoos, Kleinberghofen, Hohenzell, Walkertshofen, Welshofen und Großberghofen. An diesem Tag wurde ein feierliches Amt mit Predigt und viele Beimessen gehalten. Die Figuren der beiden Heiligen standen getrennt an den beiden Seitenaltären. Dies mißfiel jedenfalls Pfarrer Anton Rottmanner, der sich in einem Brief an das Ordinariat (vom 29.3.1748) für den Bau einer Seitenkapelle einsetzte. Er schrieb, die getrennte Aufstellung mache die Figuren so "ungestalt und frembd, dass es nit einmahl gekennet, also erst von andern erfragen missen, wer dise Heilige und was sie hir machen". Er schlug vor, in die Seitenkapelle einen eigenen Altar für die beiden Heiligen aufstellen zu dürfen. Das Ordinariat verlangte einen Riß (=Plan) und Überschlag (=Kostenvoranschlag), sowie die Mitteilung, woher die Gelder genommen werden sollten. Am 27.Mai 1748 wurde dann die endgültige Erlaubnis für den Altar erteilt.

Umbau 1760
Ihre heutige Rokoko-Form erhielt die Kirche im Jahr 1760 unter Pfarrer Anton Rottmanner mit einer Neueinwölbung und der Ausmalung der Kirche. Maler war Johann Georg Dieffenbrunner aus Augsburg (sign.). Den Stuck schuf Jakob Rauch. Jakob Mois glaubt, dass der Stuck F.X. Feichtmayr stammt. Es könnten aber auch beide Stuckateure miteinander gearbeitet haben. Der 1718 in Unterpeissenberg geborene Rauch war nämlich der Schwiegersohn des um 20 Jahren älteren F.X. Feichtmayr.
In einem Schreiben vom 29.Juni 1764 an den Fürstbischof Clemens Wenzeslaus hat Pfarrer Rottmanner die Baumaßnahmen kurz geschildert: Er habe die Kirche "mit einem Gewölb item durch stoccedor-fresco- und faßarbaith wol schön und ansehnlich gemacht. Die Erneuerung sei als Erinnerung an das 300jährige Jubiläum der Erbauung gedacht. Deshalb habe er am Chorbogen die Inschrift angebracht: "Ita saLVs DoMVI faCta es In sIttenbaCh". Diese Inschrift ist ein Chronogramm. Dabei werden alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt. Die Inschrift am Chorbogen ergibt die Zahl 1764. Es ist also das Jahr des Jubiläums, nicht des Umbaus.

Beschreibung 1880
Kirche und Pfarrei Schwabhausen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: "Die Pfarrei hat 1246 Seelen in 242 Häusern. Davon wohnen 197 Gläubige (in 33 Häusern) in der Ortschaft Sittenbach selbst, die Übrigen in Gaggers 56 (12), Unterweikertshofen 276 (53), Guggenberg 33 (6), Langengern 79 (17), Orthofen 129 (25), Roßbach 137 (30), Sixtnitgern 102, (27) und Großberghofen 237 (39). Der Umfang der Pfarrei beträgt 5 km. Die Wege sind meist schlecht, weil Lehmboden." In Sittenbach neue Schule mit 1 Lehrer, 134 Werktags- und 42 Feiertagsschülern. Schule in Unterweikertshofen mit 45 Werktags- und 18 Feiertagsschülern".

Pfarrei: "Sittenbach ist eine Wechselpfarrei (= das Präsentationsrecht wechselte nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München). Die Kirchenrechnung weist bei 6044 Mark Einnahmen und 1802 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 4242 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 132 Tagwerk (= 44 ha) Fläche der Bonität 6. Das Pfarrhaus -1720 erbaut und 1869 repariert- ist geräumig, passend und in den unteren Räumlichkeiten etwas feucht. Das Ökonomiegebäude wurde 1766 erbaut, geräumig und passend. Die Matrikelbücher beginnen 1645.

Pfarrkirche: Erbauungsjahr 1464. Restauriert 1760 und 1860. Rococostyl. Die Geräumigkeit ist zureichend. Spitzthurm mit 3 Glocken. 5 Altäre; Orgel mit 8 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Bittgänge: In der Woche nach Peter und Paul (=29.6.) nach Scheyern, am Dienstag in der Bittwoche nach Andechs. Stiftungen: 24 Jahrtage und 34 Jahrmessen. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer; eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden".

1930 wurde die Kirche auf 6 Achsen (Joche) verlängert und eine besonders tiefe Empore eingebaut.

Renovierungen
Die letzte Außenrenovierung fand in den Jahren 1986-1988, die letzte Innenrenovierung 1990-1993 statt. Diese Maßnahmen kosteten zusammen 1,8 Mio DM.

Nach Sittenbach führten von Altomünster aus am Fest der Wetterheiligen Johannes und Paulus (26.Juni) regelmäßige Bittprozessionen mit Predigt. In dem der Jungfrau Maria gewidmeten Seitenaltar sind/waren Gebeine der Märtyrer Johannes und Paulus bestattet.

Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Abschiedsfeierlichkeiten, Jubiläenund Installationsfeiern von Pfarrern usw.
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Baubeschreibung

Die Kirche liegt am Dorfrand über dem Glonntal inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der noch aus gotischer Zeit stammende Chor ist ein wenig
eingezogen und wird durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler von außen gestützt.

Das Kirchenschiff ist sehr lang und erstreckt sich über sechs Achsen. Es besitzt durch zwei querhausartige Erweiterungen eine Kreuzform.
Der schlanke, sehr hohe Turm mit quadratischem Grundriss steht an der nördlichen Seite des Chores. Er ist durch Ecklisenen und horizontale Wandvorlagen in fünf Geschosse gegliedert. Sein Spitzhelm ist mit Holzschindeln gedeckt und besitzt vier mit je einer Goldkugel verzierten Giebeln. Im Nordgiebel ist das Ziffernblatt der Kirchturmuhr angebracht. In der Glockenstube hängen vier Glocken, die 1949 von K.Hamm aus Regensburg gegossen worden sind. Vor 130 Jahren hingen hier noch drei Glocken aus den Jahren 1865, 1749 u. 1667, die die beiden Weltkriege mit ihrer Ablieferungspflicht nicht überstanden haben. Sie hatten die Aufschriften:
a) die größere Glocke : "F.Gossner in München 1865."
b) die mittlere: " Ad hon. Dei fusa ab A.B. Ernst Monachii 1749"
c) die kleinere: " Bernhard Ernst in München goss mich 1667"

Die Sakristei mit Pultdach ist östlich an den Turm angebaut.

Epitaphe

Bei der letzten Außenrenovierung wurden die Grabdenkmale in der nördlichen Friedhofsmauer eingesetzt.

- für Pfarrer Paul Loder, gest.20.4.1839 aus Solnhofener Stein (59 x 35 cm)

- für Pfarrer Antonius Rottmanner, gest. 13.6.1767 aus Solnhofener Stein (55 x 39 cm)

- für Pfarrer Johann Lebder, gest. 13.12.1704 aus Rotmarmor (86 x 26 cm)

- für Pfarrer Bartholomäus Telle, gest.2.6.1715, aus Solnhofener Stein (66 x 56 cm)

- für Pfarrer Andreas Scherer, gest.1621 aus Rotmarmor (86 x 60 cm)

- für Pfarrer Rochus Schade, gest. 21.7.1702 aus Rotmarmor (79 x 53 cm)

- für Pfarrer Josef Resch, gest. 15.12.1786 aus Solnhofener Stein (123 x 79 cm)

- für Pfarrer Anton Aufhauser, Josef Jaeger und Sebastian Ende aus Rotmarmor (120 x 80 cm)

- für Pfarrer Leopold Staudacher, gest. 30.3.1822. Freistehender Inschriftstein aus rötlichem Marmor mit aufgesetztem
  Eisenkreuz.


Innenaustattung

Die Kirche überrascht den Besucher durch den reichen, wundervollen Stuck der 1760 von Johann Jakob Rauch angebracht wurde. Rauch stattete 5 Jahre später auch die Klosterkirche in Altomünster mit Stuck aus. Einige Quellen sprechen davon, dass auch der aus Wessobrunn stammende und damals in Augsburg wohnende Franz Xaver Feichtmayr, der den Stuck in der Klosterkirche Indersdorf (1755) und in St.Wolfgang/Pipinsried (1746) geschaffen hatte, hier tätig war. Beide Stuckateure sollen häufig miteinander gearbeitet haben. Der 1718 in Unterpeissenberg geborene Rauch war der Schwiegersohn des um 20 Jahren älteren F.X. Feichtmayr.
Neben dem Stuck sind auch die fünf Deckenmalereien von beachtlicher Qualität. Sie wurden von dem im Dachauer Land viel beschäftigten Johann Georg Dieffenbrunner geschaffen, der auch in Eisenhofen, Inhausen, Indersdorf, Westerholzhausen, Kleinberghofen und in Vierkirchen Fresken gemalt hat.

Altarraum

Der zweijochige Altarraum ist eingezogen und schließt in drei Seiten. Er wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überwölbt. Im Chorschluss sind noch Reste gotischer Ornamentsmalerei zu sehen.

Stuckarbeiten
Die Kirche besitzt -wie erwähnt- seit 1760 eine äußerst qualitätsvolle Stuckausstattung Rocaillen, Stäbe, Blumengirlanden und zahlreiche Engel beleben den gesamten Kirchenraum (ohne den Anbau von 1930). Sie sind grün, grau und rosa gefasst. Der Stuck wurde von Jakob Rauch (geb.1718) geschaffen, der auch in Augsburg mit dem Maler Dieffenbrunner zusammengearbeitet hatte. Das bedeutendste Werk Rauchs war der Stuck in der Klosterkirche Altomünster (1768). Jakob Rauch war übrigens der Schwiegervater von Franz Xaver Feichtmayr, der 1755 den prächtigen Stuck in der Klosterkirche Indersdorf schuf. Beide zusammen statteten die Klosterkirche in Rott am Inn mit Stuckarbeiten aus (1763).


Deckengemälde im Chor

Der Altarraum wird mit einem barockisierten Gewölbe überdeckt, das mit einem Fresko bemalt ist. Es zeigt die Glorie des hl. Laurentius, mit Darstellung der Verherrlichung des Heiligen bei seiner Aufnahme in den Himmel nach dem Martyrium. Dieffenbrunner lehnt sich dabei an ein Altarblatt von Tizian in der Gesuitikirche von Vendig an. Inmitten vieler Wolken schwebt Laurentius mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost, in der Hand, zum Himmel empor. Engel halten Märtyrerpalme und Lorbeerkranz. Oben warten Gottvater, der die Hände ausbreitet, Christus, der eine Krone über das Haupt des Laurentius hält und dazwischen der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.  

  Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.
Am Scheitelpunkt des Chorbogens ist eine prächtig verzierte Kartusche angebracht, die ein Wappen mit zwei Winkeln enthält. Auf der Kartusche lugt eine Figur mit einer Mitra hervor. Im unteren Teil ist ein Schriftband mit den lateinischen Worten "Sub Duce" (unter dem Herzog) angebracht. Zwei Engel halten ein rosa gefärbtes Stoffband, das hinter der Kartusche vorbeiführt. Vielleicht hat diese Stukkatur mit der Einweihung (und Finanzierung ?) der Kirche zu tun, die 1760 von Kardinal Joh.Theodor von Bayern und vom Bischof Franz Ignaz Albert von Werdenstein vorgenommen wurde.

Hochaltar / Choraltar

Der prachtvolle barocke Choraltar von 1755/56 ist grau und rot marmoriert und mit Ornamentik vergoldet. Er ist 4 Meter breit und raumhoch. Teile der Ornamentik dürften um 1920/30 ergänzt worden sein. Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit einer marmorierten Holzverkleidung versehen. Sechs Säulen mit Kompositkapitellen tragen ein geschwungenes Gebälk mit Vorhangdrapierungen, auf dem zwischen Voluten 17 Engel sitzen und schweben. Der Altar und die Figuren dürften vom Bildhauer Johann Luidl aus Landsberg (1685-1758) oder seiner Werkstatt stammen. Arbeiten der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u.Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Sittenbach, Egenburg, Feldkirchen, Bergkirchen, Lauterbach und Prittlbach. Mehr über die Luidls finden Sie hier...

In der Mittelnische des Choraltars steht die Schnitzfigur des hl. Laurentius (Kirchenpatron), in das kurzärmelige Gewand des Diakons gekleidet, mit Buch und Rost in den Händen (um 1920/30). Rechts und links darunter sind zwei Engel zu sehen, die 1760 geschnitzt aber erst in neuerer Zeit gefasst (bemalt) worden sind.
Im halbrunden Aufsatz des Altars schwingt der zwischen Gewölk schwebende Erzengel St.Michael das Flammenschwert. Er ist umringt von sieben geflügelten Engelsköpfen. Hinweis: Der Erzengel Michael hat nach der Überlieferung häufig das Schwert benutzt. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer in die Hölle, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23-24) und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Michael ist mit Raphael, Gabriel und Uriel einer der vier Erzengel.

Tabernakel
Der seitlich weit ausgreifende Tabernakel besteht aus vergoldetem Holz. Die Lisenengliederung weist bereits auf den klassizistischen Stil hin. Er wurde wohl um 1790/1800 gefertigt. Es handelt sich um einen Drehtabernakel auf dem unmittelbar das Buch mit den sieben Siegeln liegt. Darauf wiederum ruht ein silberfarbenes Lamm Gottes, das Symbol für Christus.
  Hinweis: Die Darstellung greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen kann. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme
  Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaia 53,7) und Neuen Testament (Joh 1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt.

Reliquiare

Zwei Standreliquiare in angedeuteter Pyramidenform neben dem Tabernakel enthalten in den Schaugefäßen Reliquien, die in reicher Klosterarbeit (z.T. in Sprengtechnik) mit farbigen Steinen und Perlen gefasst sind. Auf den Cedulae, den kleinen Pergamentzettelchen, stehen die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen: S.Venantii M(artyrer) und S.Valentini. Die Reliquienkästchen wurden früher durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.


Figuren an den Wänden des Altarraums

An der Chornordseite sind spätgotische Figuren aus der Zeit um 1520 angebracht:
- die  des hl. Stephanus im Gewand des Diakons mit kurzen Ärmeln und geschlitzter Seite sowie einem Märtyrerpalmzweig in der rechten Hand. Die linke Hand ist leicht geöffnet; darin könnten früher einmal Steine gelegen haben (Stephanus wurde gesteinigt).
Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).
- und die des hl. Paulus ebenfalls mit Palmzweig und Schwert. Die dem Stil nach gotische Figur könnte auch eine Nachbildung aus der Zeit um 1900/1920 sein.
  Hinweise: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte (Kap.7, Verse 2 bis 53) wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Der Heilige sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.
Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Saulus verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.


Zelebrationsaltar

Im November 2007 erhielt die Kirche einen neuen Zelebrationsaltar und ein neues Ambo.


Kirchenschiff / Langhaus

Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre sind -wie der Choraltar- grau und rot marmoriert, mit vergoldetem Schnitzdekor versehen sowie reich mit Akanthusformen und Putten verziert. Sie sind 2,70 Meter breit und fast raumhoch. Aufstellt wurden sie um 1720, aber 160 Jahre später, um 1920, stark ergänzt. Die Stipes, die Altartische, sind mit Holz verkleidet, die Antependien mit einem Kreuz und Rocailleverzierungen geschmückt. Auch an den Retabeln sind diese Verzierungen zu sehen. Die seitlichen Lisenen mit Voluten tragen ein Gebälk, auf dem Engelsfiguren sitzen.

Linker Seitenaltar

 

Der linke Seitenaltar der Muttergottes geweiht. In einem um 1920/30 geschnitzten Relief wird die gekrönte Muttergottes mit dem Kind dargestellt. Engel halten ihren Mantel über die vor Maria knienden Frauen und Kinder (Schutzmantelmadonna).
Hinweis:Der Bildtypus der Schutzmantelmadonna ist bei uns seit dem 14.Jh verbreitet. Er wurde vor allem von den Zisterziensern und Dominikanern gefördert. Die Darstellung geht auf den Mantelschutz im alten Rom (lateinisch velamentum) zurück, den man Verfolgten gewähren konnte. Abgeleitet davon, entstand die Darstellung der Schutzmantelmadonna. In alten Schriften wird das Motiv der Schutzmantelmadonna mit dem lateinischen Terminus auch als Mater omnium, "Mutter aller", bezeichnet.


Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist ein Sebastianaltar. Eine Figurengruppe zeigt St.Sebastian in voller römischer Rüstung. Ein Engel neben ihm hält die Marterwerkzeuge (Pfeile), ein weiterer die Märtyrerpalme in den Händen. Zu seinen Füßen kniet eine Familie mit einem kranken Kind, die flehentlich um die Fürbitte Sebastians bei Gott zur Heilung des Kindes bittet (ebenfalls um 1920/30).  
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen-als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Seine Figur steht in fast allen Kirchen des Dachauer Landes.



Deckenfresken im Kirchenschiff

Die Decke des ersten Jochs des Langhauses von Osten -also zwischen den Deckenfresken im Chor und im Westteil des Langhauses- bildet eine Hängekuppel. Dort wird in einem Fresko ein Engelskonzert dargestellt. In der Mitte des Bildes liegt das sog. Hl.-Geist-Loch, das mit einem bemalten Holzdeckel verschlossen ist. Darum herum sind Engel mit Kniegeigen, Querflöten, Geigen und Notenblättern gruppiert. Zwei Putten mit Weihrauchfass und Schiffchen (Behälter für die Weihrauchkörner) verehren das Dreifaltigkeits-Symbol (auf der Spitze stehendes Dreieck) auf dem Holzdeckel.
  Hinweis: Das an Ketten hängende Rauchfass entwickelte sich erst in christlicher Zeit. Räucherungen im jüdischen Kult wurden in Weihrauchpfannen vorgenommen. Wie dort soll der aufsteigende Rauch Verehrung und Gebet bedeuten. In der Apokalypse findet sich die Gleichsetzung des aus dem Rauchfass aufsteigenden Duftes mit Gebet und guten Werken.

Die mittleren drei Langhausjoche sind seit 1760 zu einer zu ovaler Flachkuppel (verputzte Holzkonstruktion) zusammengezogen. Hier befindet sich das große, ovale Deckenfresko, das in einem umlaufenden Panorama verschiedene Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons zeigt.
Auf der Westseite ist die Gefangennahme des hl. Papstes Sixtus II. im Jahr 258 zu sehen. Sixtus -in roter päpstliche Kleidung- wird gefesselt von zwei Schergen des Kaisers Decius fortgeführt. Er blickt zurück zu seinem Diakon Laurentius, der mit der Linken auf sich selbst, mit der Rechten auf Männer im Hintergrund weist, die mit Gesten des Entsetzens das Geschehen verfolgen.
Laurentius hat nach der Legende den Papst angefleht, ihn nicht zu verlassen. Sixtus weissagte noch im Fortgehen seinem Schüler Laurentius das Martyrium und bat ihn, vorher noch die Kirchenschätze an die Armen zu verteilen.
Eine schöne große Palme leitet über zur nächsten Szene, in der Kranke zu sehen sind, zu Laurentius gekommen sind, um Hilfe zu erbitten. Ganz vorne ist eine Frau dargestellt, die am Boden vor dem Heiligen liegt.
Dabei dürfte es sich um die Frau handeln, die die Laurentius nach der Legende im Rahmen der Verteilung der Kirchenschätze traf und von ihrem Leiden heilte.
Hinter einer weiteren kleinen Palme wird das Martyrium des hl. Laurentius gezeigt. Eine Schar Soldaten kommt aus dem Hintergrund nach vorn zu der Stelle, an der Laurentius auf den Rost gelegt wird. Schergen schüren das Feuer, heidnische Priester, Krieger, Greise und eine junge Frau mit einem Kohlenkorb auf dem Kopf bilden das Umfeld.
In der Mitte des Bildes ist inmitten zartfarbiger Wolken eine lichte Himmelsöffnung zu sehen, in der Engel Palmzweige und Siegerkränze für den Heiligen bereit halten.


Seitenkapellen

Neben den Seitenaltären befindet sich der Zugang zu den beiden Kapellen, die seit 1747 im Norden und Süden des ersten Langhausjochs angebaut sind.


nördliche Seitenkapelle

In der nördlichen Kapelle steht der rotmarmorne Taufstein (79 cm) mit seinem wuchtigen achteckigen Becken. Er dürfte noch aus spätgotischer Zeit stammen. Der weit nach oben gezogenen Deckel aus Holz ist marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Auf ihm ist eine Figur von Johannes dem Täufer (um 1680) angebracht.  
  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war.
  Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.

Das Deckenbild in der nördlichen Kapelle zeigt zwei verspielte Putti, die eine Frucht-girlande und eine Getreidegarbe tragen.

 

1748 war in einer der Kapellen ein neuer Altar zu Ehren der Wetterheiligen Johannes und Paulus eingebaut worden. Grund dafür war die Wallfahrt zu den Heiligen, die sich in Sittenbach besonderer Verehrung erfreuten. An ihrem Fest, dem 26.Juni, kamen viele Wallfahrer hierher. Was aus dem Altar geworden ist, ist mir leider nicht bekannt. mehr über die Erbauung des Altars hier...


Pietà
An der Wand ist ein eindrucksvolles Vesperbild (Pietà) aus der Zeit um 1530 angebracht. Flankiert wird die Figur von kleinen Engel aus der gleichen Zeit. Das Vesperbild stand früher in der Kapelle von Gaggern.
  Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz;ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb stand die Darstellung der Pietàs in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei (z.B. auch Michelangelo) und wurden auch von den
  Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pietà" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


Südliche Kapelle

Die südliche Kapelle war früher Taufkapelle. Dort steht jetzt der Neu-Rokoko-Beichtstuhl mit herrlichen Verzierungen (Akanthusranken). Er ist aus Eiche gefertigt und stammt aus der Zeit um 1910/20. Außerdem ist dort eine große Figur des hl.Nepomuk zu sehen, die aus der Zeit um 1770 stammt.

Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt.
  Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.
An der Wand ist auf einem Postament eine große Figur des hl. Nepomuk im priesterlichen Gewand zur Zeit seiner Seligsprechung mit Kreuz und Märtyrerpalmzweig angebracht (um 1770).
  Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende
  berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen.Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als moderner Heiliger häufig abgebildet worden.
Das Deckengemälde in der südlichen Seitenkapelle zeigt einen Engel auf Wolken, der mit der Hand nach unten weist. Dort stand früher der Taufstein.
  Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.



 9 Details (Deckengemälde, Kanzel, Kreuz, Laternen, Orgel, Kreuzweg, Apostelleuchter)
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Kanzel

Die prächtige Kanzel an der Südseite, die dem Landshuter Christian Wenzeslaus Jorhan d. Ä. (1727-1804) zugeschrieben wird, ist als sog. Schiffskanzel gestaltet. Am ovalen Kanzelkorb zwei Puttos. Einer hält einen Anker, ein anderer das Ruder in den Händen. An der Rückseite führt eine vergoldete Leiter und ein Mastbaum zu den Segeln, die durch den
durchbrochenen Schalldeckel hindurch zu sehen sind. Unter dem Kanzelkorb ist in den Verzierungen eine Schiffsschraube und stilisierte Wellen zu erkennen. Im Deckel eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz und ein geschwelltes Segel.
Hinweis: Die Schiffskanzel geht zurück auf auf das Lukasevangelium. Dort heißt es in Kapitel 5 Vers 3: "Da trat er (Jesus) in eines der Schiffe, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande wegzufahren; und er setzte sich und lehrte die Menge vom Schiffe aus". Die Form der Schiffskanzel kam aber erst 1725 in Frankreich auf und verbreitete sich quer über Deutschland bis nach Polen.

  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
  Hinweis: Der Anker diente in biblischer Zeit nicht nur zum Festmachen, sondern auch zum Manövrieren des Schiffes. Er symbolisierte deshalb die göttliche Hilfe gegen die Bedrängnis der Christen in der Zeit der Verfolgung. Damals hat man ihn (mit Querbalken) als heimliches Zeichen für das Kreuz verwendet; insbesondere auf den Gräbern der Christen. Er war das Zeichen der Hoffnung während der Verfolgung. Dann verschwand der Anker als Symbol für die nächsten tausend Jahre. Erst im 15.Jh hat er wieder seine frühere Symbolik erhalten.


Kanzelkreuz

Der Kanzel gegenüber hängt ein großes Kruzifix im gotischen Stil an der Nordwand. Zu beiden Seiten sind kleine Anbetungsengel (um 1760) angebracht.
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
  
Unter dem Kruzifix steht eine Figur der Mater dolorosa, der leidenden Mutter Maria. Sie hat ihre Hände zum Zeichen des Schmerzes über der Brust gekreuzt und ihr Haupt geneigt. In der Brust steckt ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen".


Kreuzweg und Apostelleuchter


An den Außenwänden sind auch die Kreuzwegbilder (monochromes Relief aus Alabaster oder Marmor vor goldfarbigem Hintergrund) und die Apostelleuchter aus vergoldetem Schmiedeeisen (18.Jh) angebracht. In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 


P
rozessionslaternen

An den Kirchenbänken sind zwei schöne Prozessionslaternen befestigt. Sie sind aus Messing getrieben und verilbert und vergoldet. Die 85 cm hohen Laternen stammen aus dem Beginn des 19.Jh. Sie werden heute nur noch bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.

 

Empore und Orgel

Die tiefe, über drei Fensterachsen reichende Empore von 1928 besitzt eine schmucklose, verputzte Brüstung.
Die zweimanualige Orgel mit 12 Registern und modernem Prospekt mit erhöhtem Mittelteil wurde 1962 (andere Quelle: 1960) von der Fa Guido Nenninger aus München aufgestellt. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Welshofen, Wiedenzhausen und Langenpettenbach gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. Diese Orgel ersetzte ein einmanualiges Werk mit acht Registern, das der Orgelbauer Georg Beer aus Erling bei Andechs im Jahr 1875 eingebaut hatte.
Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

 

Vorraum
Im Vorraum der Kirche ist das Kriegerdenkmal eingerichtet. Das große Kruzifix ist von Tafeln mit den Namen der Gefallenen in den Weltkriegen umgeben.

Weihwasserbecken
Interessant ist auch das kleine Weihwasserbecken aus Kupfer am Eingang.
Ich habe übrigens eine Vielzahl unterschiedlicher Weihwasserbecken in den Kirchen des Landkreises auf zwei Seiten zusammengefasst. Wenn Sie Interesse haben, klicken Sie hier...
In katholischen Kirchen befinden sich neben den Eingängen frei stehende oder an der Wand angebrachte schalenförmige Becken aus Stein, die mit vom Priester geweihtem Wasser gefüllt sind. Beim Eintritt in das Gotteshaus benetzen die Gläubigen gewöhnlich die Finger ihrer rechten Hand und machen ein Kreuzzeichen. Diese Zeremonie soll an die Taufe erinnern.

 

Pfarrhof
Etwas nördlich von der Kirche, am Ortsrand, steht auf einer kleinen Anhöhe der prächtige ehem.Pfarrhof. Er wurde 1722 anstelle eines baufälligen Vorgängerbaus aus dem "Mittelalter" mit Walmdach errichtet. Dabei wurden Teile des bisherigen Pfarrhofs belassen. In den Jahren 1868 bis 1870 wurde der Pfarrhof renoviert; dabei wurden das Walmdach durch das heutige Satteldach ersetzt und neue Türen eingebaut. Die Größe des Widums, des landwirtschaftlichen Betriebs, betrug 132 Tagwerk (44 ha), davon 31 Tagw. Äcker, 23 Tagw.
Wiesen und 78 Tagw. Wald. Die Durchschnittsbonität der Felder betrug 6. Die Ökonomiegebäude wurden 1766 erbaut. Um 1900 änderte sich die Farbgebung des Pfarrhauses von Weiß zu Ocker, die man der letzten Renovierung wieder zurücknahm. Bei dieser Renovierung wurden die alten Kreuzstockfenster aus dem 18.Jh, das Pflaster, der Keller und das Dach erhalten. Derzeit wird das Gebäude als Pfarrheim genutzt. Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
Festschrift zum 1200jährigen St.Alto-Jubiläum, 1930
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (1657,1760,1740, Malerei)
Herbert Schindler, Barockreisen in Schwaben und Altbayern, 1970 (Stuckateure Feichtmayr/Rauch)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1
Hugo Schnell/Uta Schedler,
Wessobrunner Lexikon" 1988 (Stuckateure Feichtmayr/Rauch)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991

Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Pfarrhofbau 1720)

Dachauer Nachrichten vom 14.7.2004, 11.8.2006, 24./25.11.2007 (Ambo)
37 Bilder: Horst Lachmann (2), Hans Schertl (35)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.1.2011