zur Landkreiskarte            Geschichte des Heilbads    Kirchen i.d.Gem.Röhrmoos

Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in MARIABRUNN

Lage auf der Landkarte...


Kurzbeschreibung

Am Nordhang eines sanften Höhenzuges, zwischen Ampermoching und Schönbrunn, liegt Mariabrunn mit einem efeuumrankten Brunnenhäuschen, einem renommierten Gasthaus mit großem Biergarten und der Wallfahrtskirche Verkündigung Mariens. Mariabrunn erlangte in den 15 Jahren von 1863 bis 1878 als Heilbad unter der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester Weltruhm. Mehr dazu siehe unten..

Die ausführlichste Quelle für die Geschichte des Heilbades und der Kirche Mariabrunn ist das 2018 erschiene Buch "Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching" von Georg Werner aus Ampermoching (Herausgeber Gemeinde Hebertshausen).

Die Kirche Maria Verkündigung ist ein ovaler Zentralbau, dessen flache, weiß gestrichene Lisenen sich vom beige-roten Farbton des Mauerwerks abheben. Sie wurde in den Jahren 1669-1670 vom Dachauer Pfleger Georg Teisinger aus privaten Mitteln errichtet. Der Stil ist von italienischen Einflüssen geprägt.
Das Gotteshaus ist jetzt eine Privatkirche der Familie Breitling.

Über dem Kirchendach aus Kupfer befindet sich ein sehr anmutiger Dachreiter mit Dop-pelzwiebel und offener Laterne aus dem 18. Jh., der mit Kupfer verkleidet worden ist. Dieses Kupferblech verleiht der Kirche eine gediegene Vornehmheit.

An der Rückseite befindet sich ein kleiner rechteckiger Anbau, der wohl ursprünglich eine Einsiedelei war und jetzt die Sakristei enthält.


Weihnachtstaler 1985

Innenausstattung
Optischer Mittelpunkt der Rundkirche ist der in den Kuppelbereich reichende Hochaltar, dessen Retabel auf zwei glatte, marmorierte Säulen gestützt ist und nach oben durch einen Segmentgiebel abgeschlossen ist.

Das in einen wuchtigen Rahmen ge-fasste Hochaltargemälde ist eine Kopie des Gnadenbildes von St.Annun-ziata zu Florenz aus dem Jahr 1670.
Es trägt den Titel: "Wahre Abbildung des Florentinischen Englischen Grueß,
in welchem beede Angesichter unser lieben Frawen und des Engels, von einer Englischen Hand gemahlet worden"
.

Der prächtige, silbergetriebene Tabernakel darunter wurde von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester gestiftet oder erneuert.

Zu beiden Seiten des Hochaltars sind auf halber Höhe Oratorien angebaut, an deren nach vorn geschwungenen Brüstungen jetzt Votivbilder hängen.

Seitenaltäre
:
Der der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef (auf dem Altarblatt mit dem Jesuskind auf dem Arm), der rechte Seitenaltar dem hl.Johannes Nepomuk (mit Kruzifix und einem Kranz von fünf Sternen) geweiht.

An den Wänden hängen viele Bilder (die u.a. die Hammerthaler Madonna und den Evangelisten Lukas zeigen) sowie zwei große Kruzifixe. Dort stehen auch Heiligenfiguren (Muttergottes und St.Florian).

Zur Beschreibung des OratoriumsZur Beschreibung der ApostelleuchterApostelleuchterZur Beschreibung des KreuzwegsZur Beschreibung des KreuzwegsZur Beschreibung des HochaltargemäldesZur Beschreibung des Altaraufsatz: GottvaterZur Beschreibung des TabernakelsZur Beschreibung des KreuzwegsZur Beschreibung der ApostelleuchterZur Beschreibung der MuttergottesfigurZur Beschreibung der Ewig-Licht-AmpelZur Beschreibung des Oratoriums

In der linken Wandnische sind die Krücken der jungen bayerischen Prinzessin Elise Ludovika, der späteren Königin von Preußen, zu sehen. Die Prinzessin kam 1808 in Begleitung ihres Vaters König Max I. von Bayern nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genaß. Die nicht mehr benötigten Krücken überließ sie der Kirche.

Der Gesamteindruck der Kirche als barockes Kunstwerk im italienischen Stil wird durch die vielen Bilder, Drucke und Statuen von unterschiedlicher Größe, Gestaltung und Anordnung etwas beeinträchtigt.

Mariabrunn liegt am sog. Dachauer Jakobsweg, den Dachau-Agil mit dem europäischen Jakobswegzeichen ausgeschildert hat. Die Karte mit dem Verlauf des Weges finden Sie hier...

Die Wege der Jakobspilger sind ein System von ausgeschilderten und in Führern beschriebenen Pilgerwegen, die von vielen Ausgangspunkten kommend, quer durch Europa bis nach Pamplona und von dort in einer Route nach Santiago de Compostela führen. Sie orientieren sich in der Regel an den historisch nachweisbaren Routen mittelalterlicher Jakobspilger.


Chronologische Übersicht

«— 1669 Bau der Kapelle «— 1845 große Renovierung 1845
«— 1670 Ausstattung mit einer Wochenmesse (900 fl.)     Verkauf des Bades an Ignatz Hummel
«— 1671 Einweihung der Kapelle am 18.Oktober «— 1847 Hummelscher Vergleichsabschluss
«— 1700 Bericht und Bilder von Michael Wening   1854 Bad ersteigert von Joseph Eichberger, München um 1802 fl.
«— 1710 Abtrag der "Martersäule" durch Zimmermeister Anton Pürckh/Birg aus Ampermoching «— 1862 Verkauf des Bads von Barth. Reichl an das Ehepaar Hohenester um 28.000 fl.
1725

Schenkung des Bads von Kurfürst Max Emanuel an Franz Josef v.Unertl

«— 1863 Dachreparatur mit 16900 Dachschindeln
«— 1740

Schmidt'sche Matrikel

«— 1873 Renovierung außen u.innen d.Amalie Hohenester
  1750

Verkauf des Bads an Baron Widdner

  1875 Stiftung eines Kelchs und eines Messgewands im Wert von 750 Mark d.Frau Trappentreu
  1757

Verkauf des Bads an Graf Piosasque de Non

  1880 Sechs hölzerne Leuchter und 6 Canontafeln von der Kirche Ampermoching um 172 Mark gekauft
«— 1789 Ersteigerung des Bades durch Dr.Leuthner   1881 Verkauf des Bades an Heinrich Graf Rambaldi
«— 1791 Glocke von C.Karl Ellmayr aus München «— 1895 Beschreibung 1895 
  1804

Verkauf des Bads an Magdalena von Chatel

«— 1896 Verkauf an des Bades an Margarethe Kolb
1816 Verkauf des Bads an Ehepaar Hesse f.16.000 fl.  
«— 1817 Pfarrbeschreibung 1817 «— 1895 Beschreibung 1895 
«— 1818 Reparatur der Turmuhr für 22 fl. «— 1896 Verkauf an des Bades an Margarethe Kolb
1820 Verkauf des Bades an Anton Ostler   1899 Verkauf an des Bades an Johann Freiherr v. Imhof für 168 000,00 Mark
1821 Verkauf des Bades an Georg Nachtmann   1903 Bad von der Hypobank ersteigert 75.000 Mark
«— 1823 Versteigerung des Bades
Übernahme durch Kreditgeber
  Verkauf des Bades an Eheleute Stummbeck für 160.000 Mark
«— 1824 Eindeckung des Kapellenturms «— 1907 Verkauf des Bads an Fam. Breitling (175.000 M.)
1825 Verkauf des Bads an Ehepaar Hesse f.12.680 fl. «— 1909 Renovierung der Kapelle
«— 1826 neue Pächterin Margarethe Kolb «— 1917 Ablieferung einer Glocke
«— 1831 Versilberung und Vergoldung des Tabernakels «— 1923 neue Glocke aus Osterwarngau
«— 1832 Reparatur der Glasgemälde in den Fenstern   Erneuerung des Kupferdachs durch H.Breitling
«— neuer Pächter Michael Scharl «— 1927 Renovierung des Silberaufbaus des Tabernakels
1839 Verkauf des Bades an Caroline Mayr,Sandizell
um 15.500 fl.
«— 1962 300jähr. Wallfahrtsjubiläum am 15.7.
«— 1843 Sammlung für Kapellenrenovierung      
«— 1844 neuer Kreuzweg von Anton Huber    


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Mariabrunn ist um eine Quelle herum entstanden, deren Heilkraft 1662 zufällig von einem Waldarbeiter entdeckt wurde. 1670 errichtete der Pfleger von Dachau in kurfürstlichem Auftrag eine Badeanstalt. 1725 schenkte Kurfürst Max Emanuel das Bad dem Hofmarksherrn vom nahegelegenen Schönbrunn, dem Freiherrn Franz Josef von Unertl und gewährte ihm zugleich die niedere Gerichtsbarkeit darüber. Ende der 1780er Jahre kaufte der Medizinalrat Joh.Nepomuk Reichsfreiherr von Leuthner das Heilbad.
1791 erhob Kurfürst Karl Theodor Mariabrunn zum Rittersitz mit Gerichtsbarkeit "innerhalb der Dachtraufen des Wohn- und Hauptgebäudes". Acht Jahre später, 1799, wurde der Rittersitz wieder aufgelöst, aber zum Ausgleich die Gerichtsbarkeit ausgedehnt.
Im 19.Jh. war das Bad an mehrere Privatleute verkauft und verpachtet. 1867 erwarb es Amalie Hohenester und baute es groß aus. Der Höhenflug dauerte nur 15 Jahre. Dann starb Hohenester. Der Badebetrieb ging zurück und Mariabrunn wurde versteigert.
Bis zum Jahre 1907 folgten noch mehrere Besitzer, dann fing durch den 25-jährigen Brauer Heribert Breitling eine neue Ära an.
1912 baute Breitling ein Sudhaus und brachte den Betrieb wirtschaftlich wieder in die Höhe. Die heilkräftige Quelle wurde nicht mehr wirtschaftlich genutzt.


Geschichte der Kirche


Die Kirche Maria Verkündigung wurde in den Jahren 1669-1670 als Kapelle errichtet. Bauherr war der 1663 ernannte Dachauer Pfleger Georg Teisinger (+1670), der die Kapelle privat finanzierte. Dies wird auch auf einem Erinnerungsstein erwähnt, der an der rechten Kapellenwand eingemauert ist: 25)
  "Der Wohl Edl vnd Gestrenge Herr Georg Teißinger u. Churfrtl. Drtl. in Bayern u. Gehaimben Rhat und Pfleger zu Dachau, hat zu Gottes vnd vnsern Lieben Frauen Ehr, dem Negsten zu Trost vnd Hail, diese Capelle zu Mariaprun auf sein Kosten erpauet, zugleich ain Ewige Wochentliche Mösß da gestüfftet, yber welche iederzeit ain nachfolgender Herr Pfleger zu Dachau die praesentation auch Inspection haben solle. Im Jahre 1670".

Die Weihe der Kapelle fand vermutlich am 18. Oktober 1671 statt. Dieses Datum ist in den Akten nicht festgehalten. Der Heimatforscher Georg Werner 25) entnahm es indirekt einer Rechnung des Dachauer Wirts Joachim Pinzer vom 19. Oktober 1671. Darin berechnet der Wirt unter der Überschrift "Altarweihe" die Bewirtung von zwölf geistlichen und anderen Herrn, die am Vortag "nach Verrichtung Bey dem H: Maria Brun bey Moching" bei ihm eingekehrt waren: für "Essen, Bier, Brot samt Connect 29 fl 2 kr."

Die Kapelle wurde mit einem Kapital von 900 Gulden für eine ewige Wochenmesse ausgestattet. Aus den Zinsen dieses Kapitals bestritt man die Ausgaben für die wöchentlich zu haltende Messe bzw. des Kapellenunterhalts. Da es Banken und Sparkassen für die ländliche Bevölkerung nicht gab, musste und konnte deren Aufgabe die Kirche selbst übernehmen und das Geld an die örtliche Bevölkerung oder an benachbarte Kirchen gegen Zinsen ausleihen. Das Mariabrunner Stiftungs-kapital von 900 Gulden wurde bei der staatlichen Institution "Landschaft", der Vertretung der Landstände, angelegt und erbrachte jährlich 45 Gulden (=5 %) Ertrag. Da die Ausgaben aber nur 30 Gulden betrugen, verblieb ein Überschuss, der dem "Hauptgut", dem Kirchenvermögen, zugute kam.

Dieses Hauptgut wiederum wurde an viele Kreditnehmer verliehen. So z.B. dem Wirt von Ampermoching, den Kirchen Oberroth, Westerholzhausen, Einsbach und Schwabhausen, Bauern aus Sulzrain, Fahrenzhausen und Pritllbach, dem Kriegszahlamt München für die Finanzierung der Türkenkriege und der kurfürstlichen Hofkammer.


Der Münchner Kartograph Michael Wening hat in seiner um 1700 entstandenen Beschreibung des Landgerichts Dachau auch Mariabrunn erwähnt:
  "Ferner ist zwey Stundt von hier (von Dachau) nechst Mochin Anno 1662 ein Gnadenreicher Haylbrunn sonst Maria Brunn genannt entsprungen warbey (wobei) bishero nit wenig in jhren Gepresten (Krankheiten) und Anligen Hülff gefunden. Anno 1670 ist allda von Herrn Georg Teysinger Churfürstl. Geheimben Rath ein schöne Capell erbauet auch nachmals ein doppletes Bad mitverschydenen Zimmeren auffgericht und darbey der Armen nicht vergessen worden. Von Ursprung dises Haylbrunn ist Anno 1674 ein eygnes Tractätl außgangen".
Hinweis:
Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen".


Aus dem Jahr 1710 ist bekannt, dass der Zimmermeister Anton Pürckh/Birg aus Ampermoching die "Martersäule" abgetragen hat.



Schmidt'sche Matrikel 1740
Die erste ausführliche Beschreibung (in lateinischer Sprache) stammt aus der Schmidt'schen Matrikel 03) , die der Kanonikus (=Domherr) Schmidt aus Freising in den Jahren 1738/40 erstellt hat. Unter der Pfarrei Ampermoching ist die "Capella filialis Beatae Mariae Virginis ad fontem prope Moching" genannt:
  Die Kapelle ist ein schöner und aufwändiger Bau, der von dem vornehmen Herrn Georgii Teisinger, Dachauer Pfleger und Berater des erlauchtigsten bayerischen Kurfürsten von Bayern, erbaut wurde. Die Kapelle liegt im Wald an einem Brunnen, Maria-Prünl genannt, wo durch heilende Bäder verschiedene Krankheiten behandelt werden. In der Kapelle steht ein Altar, der der Verkündigung Mariens geweiht ist. Das Kirchweihfest wird am 18.Oktober gefeiert. In der Sakristei werden schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hängen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalten der Pfarrer von Ampermoching und der Dachauer Pfleger gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet dieser Zeit gegen 1400 fl. (=Gulden) auswerffen". Das war im Hinblick auf den guten Bauzustand des Gotteshauses ein großer Betrag.

Kapelle um 1700



Pfarrbeschreibung 1817
In der kurzen Pfarrbeschreibung aus dem Jahre 1817 ist zu lesen, dass der Bau ziemlich trocken, aber die Dachung ziemlich baufällig sei. Am Hauptaltar sei ein gemaltes Bildnis der Annunciata angebracht und an beiden Seiten stünden zwei Altärlein, die keinen Altarstein besitzen. 25)
Der Zustand der Kapelle war aber wohl dramatisch schlechter als 1817 geschildert. Denn der damalige Inhaber des Bades von Mariabrunn namens Hesse berichtete in einem Schreiben an das Landgericht Dachau: "dass im Frühjahr 1817 die Kapelle und die Sakristey zu Mariabrunn in dem erbärmlichsten Zustand war, das Pflaster aufgerissen und zertrümmert, die Wände mit grünem Schimmel bezogen, die Fenster zerbrochen, die Thüren und Kreuzstöcke ruinös". Diese Beschreibung hatte immerhin zur Folge, dass die Kapelle in den Jahren 1817 bis 1820 notdürftig renoviert wurde.

Versteigerung 1823
Das Heilbad und mit ihm die Kapelle wurde vor allem im 19. Jh. mehrfach verkauft oder versteigert. Bei der Versteigerung 1823 hat man in das Angebot auch den Wert der Kapelle mit aufgenommen. Der wurde einschließlich des Inventars auf 2 500 fl geschätzt (ein Zimmer im Heilbad kostete pro Nacht 12 fl.). Schätzer waren der Zimmermeister Andreas Höß und der Maurermeister Hergl, beide aus Dachau. Die Versteigerung verlief übrigens ergebnislos: die Kreditgeber übernahmen das Bad und verpachteten es. 25)


Renovierung 1845   25)
Auch nach der Renovierung von 1820 blieb das schadhafte Schindeldach das größte Problem für den baulichen Zustand. Das einsickernde Wasser verursachte weitere Schäden im Inneren. Aber die auf 1500 Gulden geschätzten Baukosten verzögerten die Reparatur.
Pfarrer Angerpointner ergriff 1843 die Initiative und wandte sich an das für die Baugenehmigung zuständige Landgericht Dachau. Er schrieb, das Dach auf der Westseite sei so schadhaft , dass bereits Regen in die Empore einsickere, von da in die Sakristei dringe und somit das Mauerwerk und die Decke schädige. Des Weiteren sei die hölzerne Umfriedung des Turmes auf der Westseite abgefault. Das Sakristeipflaster sei ruinös und die Sakristeieingangstüre so vermodert, dass ohne große Schwierigkeiten eingebrochen werden könne.
Die vom Landgericht Dachau als Sachverständige beauftragten Handwerker gaben folgende Schadensberichte:
 

Zimmermann Josef Fottner
   "Das Dach ist mit Ausnahme des westlichen Teiles, der im vorigen Jahr eingedeckt wurde, sehr schadhaft.
    Durch das Eindringen des Regens ist das Gebälkwerk, die Kreuzbänder bereits angefault und es ist daher eine
    bedeuthende Reparatur notwendig, wenn nicht das ganze Kirchlein Schaden nehmen soll."
Der Maurer Joseph Hechenleitner
    "Es sey zwar dermalen noch keine bedeutende Gefahr für das Gewölbe, indessen habe durch das Einregnen
     bereits das ganze Mauerwerk gelitten. Auf der Seite gegen die Sakristey habe dasselbe bedeutende Sprünge,
     welche mit Schraufen verbandet werden müssen. An der Ecke habe sich dort und da bereits der Verwurf
     abgelöst und es sey also nothwendig, daß nach vollendeter Zimmermannsarbeit am Thurme und Dachstuhle
     das ganze Mauerwerk innen und außen repariert, verbandet und verworfen, dann herunter geweißt werde,
     was schon seit langer Zeit nicht mehr geschehen zu seyn scheint. Ebenso soll um die ganze Kirche der Grund,
     ganz besonders auf der Südseite abgeführt werden, damit das Grundmauerwerk mehr austrocknen könne.
     Auch sey das Pflaster in der Sakristey ganz hin und somit, unter Benützung der alten etwa noch brauchbaren
     Steine, ein solches neu zu legen."

Zur Finanzierung dieser Renovierung wurden Sammlungen veranstaltet, die aber nur 84 Gulden erbrachten. Letztendlich beglich der damalige Badinhaber Hummel die Kosten allein; in der Kirchenrechnung von Ampermoching war die Bemerkung zu lesen, dass "Herr Hummel alles gänzlich ex propriis (= aus eigenen Mitteln) herstellen ließ". Damit blieb der Vermögensgrundstock der Kapelle (so gegen 500 fl.) erhalten. Hier muss erwähnt werden, dass Hummel auch alle Opferstockeinnahmen der Kirche erhielt.


Hummelscher Vergleichsabschluss 1847
25)

Um den Inhalt des Opferstocks gab es immer wieder Streitigkeiten, weil die privaten Bad-Inhaber behaupteten, sie hätten alles gekauft, auch die Kapelle samt Einrichtung und Opferstock. Das erzürnte den Ampermochinger Pfarrer Angerpointner. Der schrieb am 6.Juli 1841 an das Ordinariat:
      "Die Badinhaberin (damals
Caroline Mayr) öffnet wie sonst den Opferstock und verwendet für die Kapelle höchstens soviel,
       dass sie dem Pfarrer 4 fl, dem Schullehrer 2 fl bei Abhaltung des Patroziniums und des Kirchweihfestes bezahlt und im Sommer
       zu den etlichen Messen, die da gelesen werden, den Wein und die Hostien beyschafft. Alles übrige (rd. 80 fl.) fällt in den
       Sack der Badinhaberin und für das Kirchlein geschieht nichts".

Am 02. Juli 1847 wurde vor dem Landgericht Dachau ein Vergleich zwischen dem Vorstand der Kirchenverwaltung Ampermoching Pfarrer Angerpointner und dem Badbesitzer Ignatz Hummel geschlossen, der die strittigen Eigentumsfragen um die Kirche klärte.
Er sah vor,
dass die Kapelle für immer im Eigentum des jeweiligen Badbesitzers bleiben solle. Die vorhandenen Paramente (Messgewänder) sowie die Einrichtung der Kapelle sollen inventarisiert und im Eigentum der Filialkirchenstiftung verbleiben; Gleiches gelte für die Erträgnisse aus dem vorhandenem Geldvermögen in Höhe von damals 270 fl und die Einnahmen aus dem Opferstock. Die Vermögensverwaltung solle der Filialkirchenstiftung obliegen, deren Vorstand der jeweilige Pfarrer von Ampermoching war. Der jeweilige Badbesitzer habe aber das Recht, Verwaltungsmitglied zu sein. Der Opferstock solle mit einer Doppelsperre versehen werden, wobei der eine Schlüssel beim Pfarrer, der andere beim Badinhaber verwahrt werde. Weiter verpflichtete sich Hummel zur Aufbewahrung der Paramente, zur Reinigung, Öffnung und Schließung der Kapelle und auch zum Morgen- und Abendgebetläuten.
Daneben übernahm Hummel die großen und kleinen Baureparaturen, die Lieferung des Messweines sowie der Oblaten (=Hostien) und des Wachses; dies gelte aber nur für ihn selbst während der Zeit seines Badbesitzes, jedoch nicht für seine Rechtsnachfolger. Der Filialkirchenstiftung verblieb die Honorierung der zelebrierenden Geistlichen. Der Vergleich wurde von der Kammer des Innern am 19. Juli 1847 obercuratelamtlich genehmigt.
Als 1907 die heutige Besitzerfamilie Breitling das Gut Mariabrunn erwarb, wurde sie von Dekan Hilger davon unterrichtet, dass der Eigentümer auch die Baupflicht an der Kapelle habe. Dieser Verpflichtung stimmte Breitling zu. Aber er äußerte den Wunsch, das Geld im Opferstock solle in einen Baufond für die Kapelle einbezahlt werden. Dies wurde 1914 sogar notariell beglaubigt.

Dachreparaturen 1863 und um 1873 25)
1863 war eine umfassende Erneuerung des Kuppeldaches notwendig. Nach der Kirchenrechnung wurden die ganz verfaulten hölzer-nen Umfassungswände des Turmes erneuert, der Gewölbe- und Wandputz im Innenbereich mit zarten Farben gestrichen sowie die äußere, vom Salpeter durchdrungene Wandfläche abgeschabt und gestrichen. Danach hat man das Dach mit 16.900 Scharschindeln gedeckt. Die Anstreicherarbeit erledigte der Maler Anton Huber aus Dachau. Insgesamt verursachte die Dachreparatur 359 fl 23 kr.

Warum die Doktorbäuerin Amalie Hohenester das ganze Dach nur kurze Zeit später (wohl um 1873) mit Zinkblech neu eindecken ließ, wie Pfarrer Thaller 1882 schrieb, ist wegen der kurzen Zeit seit der letzten Reparatur nicht erklärbar. Vielleicht war dies eine Baumaßnahme im Rahmen der Gesamtrenovierung der Kapelle, die von den Hohenesters bezahlt wurde. Dabei ließen sie auch zwei Glasgemälde mit Bildern der ihrer Namenspatrone, der heiligen Amalie und des heiligen Benedikt sowie ein farbiges Radfenster einsetzen. Die Glasarbeiten wurden von der Münchner Hofkunstanstalt Mayer im Jahre 1873 gefertigt.

Beschreibung 1895  08) ,
Die Kapelle von Mariabrunn ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es auf Seite 308:
Kapelle.
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Erbaut 1670 von dem Churfürstlichen Pfleger Georg Teissinger zu Dachau, Inschrift im Inneren an der Südseite.
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Ovaler Centralbau, südlich gerichtet. Südlich anstossend Sakristei, darüber ein Raum, der sich zu Seiten des Hochaltares in zwei Logen nach der Kapelle öffnet. Sehr einfach.
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Ueber dem Kuppeldach ein thurmartiger Aufbau aus dem 18. Jahrhundert. Ziemlich gut.
-
Das Choraltarblatt ist eine Kopie des wunderthätigen Bildes der Verkündigung in S. Annunziata in Florenz. 17. Jh..


Renovierung 1909 25)

Rund 30 Jahre nach der letzten Renovierung war der bauliche Zustand der Kapelle schon wieder sehr schlecht. Kapellenbesucher hätten sich wegen des schmutzigen, herabgekommenen Aussehens beschwert, hieß es. Deshalb wurde eine weitere Restauration durchgeführt. Dabei hat man für 150 Mark das schadhafte Mauerwerk ausgebessert, das schadhafte Kirchenpflaster nach Anweisung des Dachauer Bezirksbaumeisters Dotzler repariert, defekte Fenster wieder instand gesetzt und eine Fensterlüftung angebracht. Die Arbeiten wurden laut Kontrollbefund vom 16. Oktober 1909 "in schöner Weise" durchgeführt.

Wallfahrt 25)
Am 15.Juli 1962 feierten Tausende von Gläubigen in Mariabrunn das 300jährige Jubiläum der Wallfahrt mit einem Festgottesdienst, den Weihbischof Johannes Neuhäusler hielt.
300 Jahre vorher, im Juli des Jahres 1662, arbeitete der Mochinger Bauer Stephan Schlairboeck im Wald beim heutigen Mariabrunn. Als er Durst bekam und nach Wasser suchte, habe er dort "ein kleines Läckl vorgefunden". Als er ein wenig nachgrub, kam ein schönes Wasser zum Vorschein, von dem er trank. Nachdem er einen Monat lang davon getrunken habe, sei sein schmerzhafter Bruch, den er 18 Jahre lang gehabt habe, "von der Größe eines Huts auf die Größe einer Faust zusammengeschrumpft und hinweg gefallen". Aus Dankbarkeit brachte er bei der Quelle ein Marienbild an. Auch andere Personen haben Wasser nach Hause getragen und man sagt, ihnen sei geholfen worden. Dies wird als Beginn der Wallfahrt angesehen.
Schon ein Jahr später wird von 1000 Personen berichtet, die den Brunnen aufgesucht haben und von 100 Gulden, die sich im inzwischen aufgestellten Opferstock befunden hätten. Das Wasser habe vor allem Personen geheilt, die "Augenverletzungen, Leibschäden und verkrümmten Füße" hatten.
Schon bald wurde ein Badehaus mit Kessel und acht Badewannen errichtet. Das tägliche Badegeld wurde auf 4 kr festgesetzt um den Holzverbrauch und die Bedienung zu finanzieren. Davon waren jedoch die armen Badegäste ausgenommen. Schon um 1670 wurden 50 bis 60 Wannenbäder verabreicht. Die Badegäste spendeten auch für die Kirche fleißig. So betrug das Geld im Opferstock (Stockgefälle) schon in den ersten Jahren jeweils über 150 Gulden.
Im Laufe der Jahrzehnte hat man die Gebäude immer mehr erweitert und Unterkünfte mit vielen Zimmern errichtet. Die Gäste blieben durchschnittlich 2 bis 3 Wochen und haben täglich ein- bis zweimal gebadet.

An die Abhängigkeit von Heilbad und Wallfahrt erinnert ein Brief des Pfarrers Angerpointner vom 6. Juli 1841 an das Ordinariat in München, in dem er schreibt:
  "Das Kirchlein ist dermalen nunmehr die beste, wo nicht einzige Stütze des Badinhabers. Denn, nachdem jetzt wegen schlechter Wirthschaft die Badegäste beinahe ganz wegbleiben, kommen doch noch an Sonn- und Feyertagen viele Bauersleute hieher, die zuerst ihre Andacht vor dem Gnadenbilde verrichten und dann nach Belieben, Stand und Vermögen sich und den Ihrigen eine Erquickung erlauben. Man sperre nur das Kirchlein zu und mit dem Besuche des Bades ist´s zu Ende."
Andererseits war der Badebetrieb der Frömmigkeit nicht sehr förderlich, schreibt Pfarrer Spiegel 1864:
  "Insbesondere ist es der Ort Mariabrunn, wo die Schlange der Verführung keck ihr Haupt erhebt, wo alle göttlichen, kirchlichen und weltlichen Gesetze mit Füßen getreten werden, der wahre Glauben durch phantastischen Aberglauben, gute Sitte verunreinigt wird und leider ist ihr Zusammenschluß sehr zahlreich. Die Besseren ziehen sich zurück, die Schlechteren sich heimisch fühlen."
Die Wallfahrt wird wohl so lange bestanden haben, wie der Badebetrieb andauerte (bis 1885). Danach war Mariabrunn nur noch Ziel von Bittgängen aus Pfarreien der Umgebung.



Patronats- und Präsentationsrechte
25)

Nach der Georg Teisingerischen Stiftungsurkunde vom 28. November 1670 lagen die Rechte (Vorschlagsrecht für neue Benefiziaten) und Pflichten für die Erhaltung der Kapelle (Kosten) von Beginn an bei den Bayerischen Kurfürsten. Die Verwaltung des Vermögens oblag dem amtierenden Pfarrer von Ampermoching und den beiden gewählten Kirchpröbsten (Kirchenverwaltern). Die Einnahmen und Ausgaben, die mit der Kapelle und dem Badbetrieb zusammenhingen, durften miteinander verrechnet werden. Der Opferstock als die bedeutendste Einnahmequelle der Kapellenstiftung wurde stets vom Pfarrer, den Zechpröbsten (Finanzverwaltern), des Mesners und des Gutsherrn geöffnet.
Das änderte sich 1725, als der damalige Kurfürst Max Emanuel den Besitz seinem geheimen Rat Franz Xaver von Unertl übereignete. Damit verbunden waren das Patronats-, Präsentations- und Kirchenschutzrecht sowie die Gerichtsbarkeit. Die Verwaltung der Kirchenstiftung blieb unverändert bei Pfarrer und den Kirchpröbsten und wurde ab 1800 wohl gemeinschaftlich mit dem jeweiligen Bad-Inhaber ausgeübt.

 

Baubeschreibung

Die Kirche Maria Verkündigung ist ein ovaler Zentralbau in Süd/Nord-Richtung, dessen flache weiß gestrichene Lisenen sich vom beige-roten Farbton des Mauerwerks abheben. Treppen führen zum hochgelegenen Eingangsportal, das von einem einfachen Ohrenrahmen umgeben ist. Darüber befindet sich ein rundes Fenster, in der Kunst auch Ochsenauge oder "oeil de boeuf" genannt.

Über dem Kapellendach aus Kupfer sitzt ein sehr anmutiger Dachreiter mit Doppelzwiebel und offener Laterne aus dem 18. Jh., der ebenfalls mit Kupfer verkleidet ist. Dieses Kupferblech verleiht der Kirche eine gediegene Vornehmheit. Der italienische Einfluss in der Architektur ist unverkennbar. In den ersten Jahrhunderten war die Kirche mitsamt der Kuppel mit Schindeln gedeckt, die aber immer wieder Anlass für Reparaturen waren.
Direkt unter der mittleren Zwiebel sind die Ziffernblätter der Turmuhr angebracht. Sie stammt wohl schon aus dem 18.Jj. dann in der Kirchenrechnung des Jahres 1818 ist eine Reparatur für 22 Gulden vermerkt. 25)


Glocken 25)
In der Kuppel hängen derzeit zwei Glocken, die heute noch per Hand mit Seilen von der Sakristei aus geläutet werden.
Nach Angaben des Besitzers sollen sie um 1900 angeschafft worden sein 23)
; doch dies ist nach den Eintragungen in den Pfarrakten zweifelhaft. Möglicherweise wurden sie um 1900 gegossen und erst später erworben.
bis 1917:
Die Kapelle besaß bis zum 1.Weltkrieg zwei Glocken.
Die Größere, gegossen im Jahre 1791 von Crisantus Carolus Ellmayr in München, mit einem Gewicht von 90 kg, wurde wegen ihres Kunstwertes in Gruppe C (Glocken mit besonderem geschichtlichen oder kunstgewerblichen Wert) eingestuft und von der Ablieferung zurückgestellt.
Die Kleinere mit 43 kg, von der das Herstellungsjahr nicht bekannt war und die keine Inschrift aufwies, wurde "wegen fehlenden Kunstwertes" in Gruppe A eingestuft und am 18.7.1917 zum Einschmelzen für die Waffenproduktion abgeholt. Die Pfarrei erhielt für den Materialwert sogar eine Entschädigung und zwar 3,50 Mark je kg.
1923-1942
Die 1917 abgelieferte Glocke wurde 1923 ersetzt. Und zwar durch eine von der Ortschaft Schmidham in der Pfarrei Osterwarngau (Landkreis Miesbach) unentgeltlich überlassene Glocke mit einem Gewicht von einem Zentner. Der Jaklbauer Gschwendtner hat "die Glocke nach Beendigung der Feldarbeiten nach Mariabrunn" gebracht, so heißt es in der Kirchenrechnung. Einem undatierten Bericht vom Jahre 1946 nach musste auch im 2. Weltkrieg eine Mariabrunner Glocke abgeliefert werden.


An der Rückseite der Kirche befindet sich ein kleiner rechteckiger Anbau, der wohl ursprünglich eine Einsiedelei war und in dem jetzt die Sakristei untergebracht ist.

 

Innenausstattung

Kuppel

Die hohe Kuppel gibt dem Kirchenraum auch innen sein architektonisches Gepräge. Die Decke ist mit Scheinarchitektur bemalt. Sie stellt ein Gewölbe mit zwölf Rippen dar, die in der Mitte der Kuppel in einem Oval enden. Darin ist das Jesusmonogramm IHS mit einem Kreuz, einem Herzen und drei Nägeln zu sehen, umgeben von einem Strahlenkranz.
Die Felder zwischen den Rippen sind mit Brokatmuster bemalt.



Hochaltar/Choraltar

Optischer Mittelpunkt der Rundkirche ist der bis in den Kuppelbereich reichende Altar. Dessen Retabel (=Altaraufbau) ist auf zwei glatte, marmorierte Säulen gestützt und nach oben durch einen Segmentgiebel abgeschlossen. Früher war man am Hochaltar ein Baldachin angebracht, dessen samtener Mantel mit Gold bestickt war; dies berichtete das sog. Gantinventar (Versteigerungs-aufstellung) vom 20.11.1822. 25)

Altaraufsatz
In der Barockzeit wurde der Altaraufsatz meist für einen Blick in den Himmel genutzt. Auch hier in Mariabrunn sieht man im Altaraufsatz Gottvater mit der Weltkugel. Flankiert wird er von zwei Engeln, die auf den Segmentgiebeln sitzen (Dachungsengeln).
 
Aufsatzbild Gottvater
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4), kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als
würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Altarblatt

Das im Jahr 1670 gemalte und von einem wuchtigen Rahmen umgebene Hochaltargemälde ist eine Kopie des Gnadenbildes von St. Annunziata in Florenz. Maria sitzt auf der rechten Seite des Bildes auf einer Bank. Sie ist in einen blauen Mantel gehüllt. Ihr ernster, sehr gefasster Blick geht hinüber zum Erzengel Gabriel, der über einem farbigen Teppich schwebt. Der Engel ist von einem goldenen Strahlenkranz umgeben. Die Gesichter von Gabriel und Maria ähneln sich in hohem Maße. Zwischen den beiden Gestalten fliegt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube hernieder, die Gnaden-strahlen in Richtung Maria sendet (hier unterschei-den sich das Original in Florenz und die Nachbildung in Mariabrunn)



Verkündigung Mariens
Auf einer das ganze Bild durchmessenden Bank liegt auf einem Kissen die geöffnete Bibel. In großen Buchstaben wird der Beginn der Prophezeiung des Jesaias (Is 7,14) zitiert: "Ecce Virgo concipiet et pariet filium" = siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.

Unter dem Gemälde enthält eine -vom Tabernakel leider verdeckte Kartusche den Titel des Gemäldes:
"Wahre Abbildung des Florentinischen Englischen Grueß, in welchem beede Angesichter unser lieben Frawen und des Engels,von einer Englischen Hand gemahlet worden".
  Dies geht auf die Legende zurück, bei der Herstellung des Freskos in der Kirche Annunziata in Florenz im Jahr 1252 habe ein Engel die Häupter von Maria und von Gabriel gemalt, während der Maler schlief. Man nennt solche Bilder auch Acheiropoieta (griechisch: "nicht von Menschenhänden gemacht")



Tabernakel

Tabernakelkreuz

Tabernakel

12 Wachsmedaillons

Der silbergetriebene Tabernakel soll von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester (in Mariabrunn: 1863-1878) gestiftet worden sein, die sich darüber hinaus nicht als besondere Wohltäterin der Kirche hervorgetan hat. ...mehr über Amalie Hohenester siehe unten...
Falls dies zutrifft hat die Rechnung des Dachauer Gürtlers, Wenzeslaus Schwinghart vom 4.7.1831 25)
für die Versilberung und Vergoldung des Tabernakels (43 fl.) noch Arbeiten am Vorgängertabernakel gegolten.

In derzeitigen Tabernakel sind in den seitlichen Erweiterungen Klosterarbeiten eingearbeitet, die verzierte Reliquien und zwölf Wachsmedaillons enthalten. Der Mittelteil, der eigentliche Aufbewahrungsort der Hostien, ist ein Drehtabernakel, vor dem ein teilvergoldetes Kreuz steht. Im Sockel des Tabernakels liegt in einer vergoldeten Nische die Figur eines Lamm-Gottes aus dem gleichen Material. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.  
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Seit dem 2. Vatikanische Konzil (1962-65) können Tabernakel wieder selbstständig aufgestellt werden. Deshalb sehen wir in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel in die Außenwand eingelassen oder frei auf einer Säule stehen.

Stipes und Altarreliquien  25)
Der eigentliche Altar für die Messfeier umfasst die Stipes, den sarkophagähnlichen Altarblock, und die darauf liegende Mensa, die Altarplatte. In die Mensa ist ein Altarstein eingelassen. Aus Aufzeichnungen ist bekannt, dass der Ampermochinger Pfarrers Theodor Nebelwährend seiner Amtszeit (1814-1834) einen neuen Altarstein zum Preis von 5 fl 24 kr.erwarb.
Bei Renovierungsarbeiten der Silberverzierung des Tabernakels m Jahr 1927 kamen neben den Wachssiegeln auch päpstliche Überlassungsurkunden zum Vorschein, die die im Altar befindlichen Heiligenreliquien aufzählten:
  1. Mantelstück der heiligen Margareta von Cortona
2. Gebeine des heiligen Bernhard von Clairvaux
3. Gebeine des heiligen Rochus
4. Gebeine des heiligen Philipp Neri
5. Stückchen aus dem Birett des heiligen Nikolaus von Tolentino
6. Gebeine des heiligen Abtes Hilarion
7. Mantelstück des heiligen Philipp Neri
8. Gebeine des heiligen Abtes Ägidius
9. Stückchen aus dem Unterkleid des heiligen Kamillus von Lallis


Oratorien und Votivbilder


Oratorium

Zu beiden Seiten des Hochaltars sind auf halber Höhe Oratorien eingebaut, die von der Sakristei aus begehbar sind. An ihren nach vorn geschwungene Brüstungen hängen Votivbilder.

Obwohl in der Kirche viele Votivbilder zu sehen sind, stellen sie nur einen kleinen Teil aller im Laufe der Jahrhunderte gestifteten Votivbilder dar; die künstlerisch und vom Alter her wertvollsten Votivbilder hängen nicht mehr hier; sie sind entweder in den Museen oder anderweitig sichergestellt. Die jüngsten Votivbilder sind erst wenige Jahre alt.


Votivbild

 


Ewig-Licht-Ampel

Vor dem Altar hängt eine Ewig-Licht-Ampel. Sie besteht aus getriebenem Silberblech und kleinen Vergoldungen.
Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch sollte es, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Silberblech -zumal mit Vergoldungen- erfüllt diese Voraussetzung. 24)


Ewig-Licht-Ampel

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Das Ewige Licht war vom Johanniter-Ritterorden von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht worden.
  Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Seitenaltäre


St.Josef

Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef, der rechte Seitenaltar dem hl.Johannes Nepomuk, geweiht.
Josef wird mit dem Jesuskind auf dem Arm dargestellt, das schon ein kleines Kreuz in Händen hält. In den linken Arm von Josef eingeklemmt ist ein Aaronstab.

Johann Nepomuk betrachtet betend ein Kruzifix in seinen Händen. Um seinen Kopf ist ein Kranz von fünf Sternen gezeichnet.

Joh.Nepomuk
  Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Der Aaronstab wird in Legenden mit der Brautwerbung Josephs in Zusammenhang gebracht. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen. Josephs Stab grünte und blühte wie einst der des Hohepriesters Aaron (4 Mos. 17,1-13); zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder. 11)
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai


Reliquiar mit Skelettreliquie



Reliquienschrein
Auf dem Altartisch des rechten Seitenaltars (Nepomukaltar) steht ein teil-vergoldeter Holzschrein mit Verzierungen im Stile der Neugotik und mit Vierpassöffnungen im Deckel. Er enthält Reliquien eines oder einer Heiligen. Die durch Klosterarbeiten verzierten Reliquien machen den Anschein, als sei im Schrein die Skelettreliquie eines Kindes aufbewahrt. Um welchen Heiligen bzw. welche Heilige es sich handelt, ist mir nicht bekannt.

Reliquie

  Taufstein

Der Taufstein aus braun gefasstem Holz steht erst seit kurzem (wieder ?) im Kirchenraum. Auf einem achteckigen Schaft mit dem Bild des hl. Antonius erhebt sich ein mächtiges Becken, das an den Außenseiten durch aufgesetzte Reliefs mit Akanthusmuster verziert ist.
In einem Feld steht der Name des Stifters:
"Gestiftet zur Ehre des hl.Antonius von Anton Eibl, Landwirt in Maierhöfen Nr.7".
Der Deckel ist von einem Kreuz gekrönt.


Taufstein

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo
fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form,

  weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und  geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. 

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Fenster

Die Glasgemälde in den Fenstern wurden von der Familie Benedikt und Amalie Hohenester in Auftrag gegeben.

In ihnen sind deren beide Namenspatrone St.Amalia und St.Benedikt abgebildet.
Finanziert hat die Fenster aber die Kai-serin Sissi, die in Mariabrunn zur Kur war. Die Fenster wurden 1873 von der May-er'schen Hofkunstanstalt aus München 25)
geschaffen. Sie sind mit Verzierungen im Stil des damals so beliebten Historis-mus versehen. St.Benedikt (480-547) ist mit einem Kelch abgebildet, aus dem eine Schlange kriecht. Nach der Legende sollte Benedikt vergiftet werden. Doch das Gift kroch in Form einer Schlange aus dem Trinkbecher.
St. Amalia ist als Klosterfrau mit Kruzifix in der Hand dargestellt. Auf einem Tisch liegen Krone und Zepter. Diese Attribute deuten darauf hin, dass die Heilige das Klosterleben einem herrschaftlichen Le-ben (als Frau von Karl Martell) vorzog.
Amalie erhielt ihre Erziehung durch ihre Tante Landrad im Kloster Münsterbilsen. Später wohnte sie auf ihrem Erbbesitz im benachbarten Tamise, wo sie nach einem heiligen Leben im um 772 starb.


St.Benedikt



St.Amalie

.
Nicht einmal 20 Jahre nach dem Einbau mussten die Fenster schon wieder repariert werden. Das belegt eine Quittung der Kunst-Anstalt für Glasmalerei Ostermann & Hartwein57 in Freising vom 10. Februar 1892 25)
.

 

Figuren, Bilder und Gegenstände an den Seitenwänden

Der hl. Florian über dem Eingangsportal hat leider keine Attribute (Kübel und Haus) mehr. Früher befand sich die Statue in der linken Nische, in der heute die Schwarze Madonna steht.

St.Florian

Madonna
Die Schwarze Madonna, eine Nachbildung der Mutter Gottes von Tschenstochau in Polen, stammt vermutlich aus der Zeit der Amalie Hohenester, die damals besonders viele Badbesucher aus dem slawischen Raum nach Mariabrunn gebracht hat


Krücken der Prinzessin
In der linken Wandnische sind die Krücken der jungen bayerischen Prinzessin Elise Ludovika, der späteren Königin von Preußen zu sehen. Die Prinzessin kam 1808 und 1809 im Begleitung ihres Vaters König Max I. von Bayern nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genas. Die nicht mehr benötigten Krücken hat sie der Kirche überlassen. Vor der Reise der Prinzessin musste sich der Stabsökonomierat Lunglmair nach Mariabrunn begeben, "das Bad in Augenschein nehmen und die schicklicheren Zimmer auswählen".
Lunglmair vier Zimmer des Fürstenhauses für die Prinzessin aus, weitere vier Zimmer für deren Bedienstete, eine Küche, eine Stallung und eine Sattelkammer. Die Zimmer wurden renoviert, neu tapeziert und möbiliert. Für
die Bad-Inhaberin Frau von Chatel lohnte sich der Besuch. Der König verzichtete auf die Kostenerstattung der Renovierung (2220 fl.), gab 1000 fl. für den "Badegenuss" und nochmals 2000 fl. für weitere Renovierungen.  25)

Ein Jahr später kam auch die Zwillingsschwester von Elisabeth die Amalie Auguste, 8 Jahre alt, vom 17. Juli bis 12. Oktober mit nach Mariabrunn zur Badekur. Für die beiden wurde eine neue Küche aus Stein errichtet (Kosten 1443 fl.). Die Unterbringung der kgl. Köche allein kostete 900 fl.


In der Nähe des rechten Seitenaltars steht an der Wand eine große Marienfigur aus der Mitte des 18.Jh. Ihr Gewand ist mit einem überaus reichem Faltenwurf ausgestattet.
Die Figur stellt die Schmerzensmutter dar, wie der Ausdruck des Gesichts und die im Schmerz zusammen-gepressten Hände zeigen. Das sonst übliche Schwert in Marias Brust fehlt hier.


St.Maria
Der Bildtypus der Mater Dolorosa entwickelte sich schon im Mittelalter und bezieht sich direkt auf das aus dem 13. Jh stammende Gedicht "Stabat mater", das die Gottesmutter in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt: Christi Mutter stand mit Schmerzen, bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Das Lied wurde vielfach vertont; es ist auch im Gotteslob unter Lied Nr.532 zu finden.


An der linken Seitenwand hängt ein großes Ölgemälde mit einer Muttergottesabbildung.

Nach Auffassung einiger Heimatforscher handelt es sich bei dem Bild um das Geschenk einer polnischen Patientin an Amalie Hohenester und soll eine Abbil-dung der Muttergottes aus Tschenstochau darstellen. Doch das Gesicht der schwarzen Madonna aus Polen stimmt mit dem auf dem Bild nicht überein. Wahrscheinlich ist es ein Gemälde der Hammerthaler Madonna, die in Sigmertshausen als Gnadenbild verehrt wird. 17)


Hammertaler
Madonna ?
Die Muttergottes ist zusammen mit dem Jesuskind in ein langes, glockenartiges Gewand gekleidet. Ein bunter Überhang im spanischen Stil wird durch Schmuckketten zusammengehalten, an denen große und kleine herzförmige Anhänger befestigt sind. Von Maria und ihrem Sohn sind nur die gekrönten Häupter zu sehen. Auf dem Gewölk unter der Madonna liegt ein versilberter, zunehmender Mond mit Gesicht. Vier Englein, die ebenfalls Herzen in den Händen halten, umschweben die Gruppe.

     
  St.Lukas

Ein relativ großes Holzbild zeigt den Evangelisten St.Lukas mit seinem Attribut, dem Stier, vor goldenem Hintergrund. Es handelt sich wohl um ein Gemälde aus dem 19.Jh im Malstil der Nazarener.

Hinweis: Nazarener nannte man Angehörige einer Künstlergruppe der Romantik (2.Hälfte des 19.Jh), die von Schülern der Wiener Akademie (dem Lübecker Friedrich Overbeck, dem Frankfurter Franz Pforr u. a.) 1809 nach dem Vorbild der Lukasgilden gegründet wurde. Den Namen erhielten sie, weil sie ihr Haar nach dem Beispiel Jesu Christi lang und in der Mitte gescheitelt trugen. Die Nazarener fanden auch in Briefen von J.W. von Goethe Erwähnung.
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.


P
rozessionsfahnen

An den Kirchenbänken sind zwei schöne Prozessionsfahnen mit Stickereien befestigt.
- Die fünfeckige Prozessionsfahne zeigt in farbiger Stickerei die Kirche von Mariabrunn. Darum
   herum ist der Text: "Mariabrunn - Wallfahrtskirche zu unserer lieben Frau" zu lesen. An den unteren
   drei Ecken befinden sich Quasten.
- Die andere Fahne, mit den drei Spitzen unten, zeigt einen Heiligen (St.Aloisius ?) im priesterlichen
   Talar, der vor einem Kreuz in seinen Händen betet. Neben ihm auf einer Anrichte liegen Lilien und
   ein Totenschädel.

Prozessionsfahne

Epitaphe

Epitaph 1670

An den Stifter der Kapelle erinnert eine rote Marmortafel neben dem St.Josefs-Altar. Der Text lautet:


"Der wol Edl und gestrenge Herr Georg Teissinger kurfürstl. Durchlaucht in Bayern, Geheimer Rat und Pfleger zu Dachau hat zu Gottes und Unserer Lieben Frauen Ehr, dem Nächsten zum Trost, und Heil diese Kapelle zu Mariabrunn auf seine Kosten erbaut, zugleich eine Ewige wöchentliche Messe da gestiftet. Im Jahre 167o."


Die zweite und dritte Steintafel wurden vom Münchner Urologen und Hobbybildhauer Dr.Franz-Josef Stier, dem Bruder von Monika Breitling sen., geschaffen.

Eine weitere Tafel erinnert an den letzten Pfarrer von Mariabrunn, Joseph Schleich, auch "Schleichvater" genannt (1882-1953). Auf der Gedenktafel ist der Text zu lesen:
"So schleudert den Satan ins Höllenreich - Herr Pfarrer selig Joseph Schleich.
In des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes Namen - Requiescat in pacem in Ewigkeit Amen."
Die drastische Abbildung unterstreicht diesen Text.
Pfarrer Endres aus Röhrmoos schrieb am 30. April 1953 in die Pfarrchronik:
09)
  "In Schönbrunn starb heute früh H.H. Kommorant Josef Schleich (geboren am. 5.7.1882 in Inzell, zum Priester geweiht 29.6.1908). Der Verstorbene besaß ein großes allgemeines Wissen; er wurde als Beichtvater und zu Seelsorgeaushilfen gern in Anspruch genommen. R. I. P."


Epitaph für
Josef Schleich
Pfarrer Schleich kam um 1924 zu Fuß von Dorfen nach Mariabrunn. Er suchte eine Beschäftigung als Pfarrer, Benefiziat oder Kommorant. Er war von der Kapelle und vor allem vom schönen Altarbild 'Mariä Verkündigung' begeistert. Die Familie Breitling gab ihm die Stelle eines Hausgeistlichen, der seine Wohnung im ersten Stock des Herrenhauses hatte, mit Blick auf die Kapelle. Schleich fühlte sich in Mariabrunn wohl. Er trank am Abend gerne das Mariabrunner Bier und rauchte in Gesellschaft von Herbert Breitling und Graf Spreti aus Unterweilbach oftmals eine gute Zigarre. Er blieb hier bis 1950.
Konrad Böhmer berichtet über eine Episode im Beichstuhl: 22)
  "Pfarrer Schleich saß im Beichstuhl und sagte zu dem, der beichten wollte: 'fang doch endlich an, deine Sünden zu beichten'. Aber es blieb still, bis Pfarrer Schleich sagte: 'Ich werd dir jetzt deine Sünden sagen: Mensch ghabt, Rausch ghabt und gfluacht'. 'Des stimmt' sagte der Braubursch. Schleich schob nun einen Beichtzettel für die Osterbeichte unter dem Gitter heraus und der Brauer schob ein Bierzeichen hinein."


Epitaph für Herbert         Breitling

Die dritte Steintafel ist dem früheren Besitzer von Mariabrunn Herbert Breitling gewidmet, der als 25-jähriger im Jahr 1907 Mariabrunn gekauft hat. Breitling kam aus Schramberg im Schwarzwald. Die Familie Breitling ist noch heute Eigentümer der
Die Tafel zeigt den Geehrten in höherem Alter, der an einer Brüstung lehnt und auf Mariabrunn hinabschaut.
Text: "Hl.Mutter Gottes von Mariabrunn, segne uns alle um und um, bitt für unsre Eltern um die Seligkeit. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen. Herbert Breitling 9.7.1882-24.11.1956



Kruzifixe

Kruzifix
Zwei Kruzifixe sind links und rechts des Eingangs angebracht. Beide Kruzifixe entstammen dem Barock. Beim rechten, etwas größeren Kruzifix haben die Kreuzbalken dreipassförmige Enden; das Haupt Jesu ziert ein dreistrahliger Heiligenschein. In beiden Darstellungen trägt Jesus, der mit drei Nägeln an das Kreuz genagelt ist, eine Dornenkrone. Die Seitenwunde auf der rechten Seite und die geschlossenen Augen zeigen ihn als Verstorbenen.

Kruzifix
  Hinweis: Am Corpus des Kreuzes liegt -wie bei den meisten Kreuzigungsdarstellungen üblich- die Seitenwunde auf der rechten Seite des Brustkorbs. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Da das Öffnen der Seite aber den Zweck hatte, zu prüfen, ob Jesus schon tot war, muss es sich um seine linke Seite gehandelt haben. Nach dem Tod eines Menschen sammelt sich im Herzen Blut und Wasser. Das herauslaufende Wasser war somit das Zeichen für den eingetretenen Tod. Die häufige Darstellung der Stichwunde auf der rechten Seite liegt in der mittelalterlichen Deutung begründet, dass es nur die rechte, die gute Seite sein konnte, durch die Blut und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte.

Kreuzwegbilder und Apostelkreuze

An den Seitenwänden hängen die Bilder der vierzehn Kreuzwegstationen.
Sie wurden 1844 25)
vom Dachauer Künstler Anton Huber gemalt (sign.), der in vielen Kirchen des Dachauer Landes künstlerisch tätig war. Der Kreuzweg wurde von einem Wohltäter gestiftet.

Kreuzwegbilder
Im späten Mittelalter hielt man Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land.

Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzweg-stationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

 

An der Wand sind Apostelleuchter vor den Apostelkreuzen (in der Form von Radkreuzen) aus bemaltem Stuck angebracht. Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Bei der Weihe der Kirche werden die Apostelkreuze einzeln mit Chrisam gesalbt.


Apostelkreuz


Opferstock

Kurz nach dem Eingangsportal schützt ein Gitter die Kirche in Zeiten außerhalb des Gottesdienstes, gewährt aber den Besuchern dennoch einen Blick ins Innere. Vor dem Gitter steht ein über einen Meter großer Opferstock. Es ist ein Holzstock, der mit einem Metallmantel mit Rosetten versehen ist. Vier Schlossgurten mit Sicherheitsschlössern sichern die eingegangenen Spenden.

Die Einnahmen aus dem Opferstock (=Stockgefälle) waren für die Kirchen früherer Jahre, insbesondere aber für Wallfahrtskirchen, eine bedeutende Einnahmequelle. Sie betrugen in Mariabrunn den erst Jahren über 150 Gulden pro Jahr. Erst in der Mitte des 19.Jh. waren die Stockgefälle rückläufig; sie beliefen sich 1846/47 immer noch auf 138 Gulden, fielen 1847/48 auf 64 Gulden und betrugen 1858/59 nur noch 40 Gulden. 25)


Opferstock

Über die Eigentumsrechte an den erheblichen Einnahmen aus dem Opferstock gab es aber immer wieder Streit; die Parteien sind sogar vor Gericht gezogen. So gab es im Jahre 1863 Streit zwischen dem neuen Badbesitzer Benedikt Hohenester (Ehemann der berühmt-berüchtigten Amalie) und der Kirchenverwaltung, weil Hohenester die Opferstockschlüssel nicht herausgab. Er habe alles gekauft und somit sei die Kapelle samt Einrichtung und Opferstock sein Eigentum, argumentierte er vor Gericht. Doch die Kirchenverwaltung bekam vor Gericht recht. Hohenester mussten den Schlüssel herausgeben. Die Einnahmen kamen zur Kirchenverwaltung.
Als 1907 die heutige Besitzerfamilie Breitling das Gut Mariabrunn erwarb, übernahm sie freiwillig die Baupflicht an der Kapelle. Aber sie äußerte den Wunsch, das Geld im Opferstock solle in einen Baufond für die Kapelle einbezahlt werden. Dies wurde 1914 sogar notariell beglaubigt. 25)

Wenn Sie noch weitere schöne Opferstöcke aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...



W
achsstöcke


Votivbilder-Schrank
In einem Schrank sind schön verzierte Wachsstöcke aufbewahrt, die von Wallfahrern und Bittgängern gestiftet worden sind.
Hinweis: Es gehörte zur Tradition, dass jede Bäuerin ihren eigenen Wachsstock in der Sonntagsmesse vor sich auf der Kirchenbank brennen hatte. Dazu diente der einfache "Wachsrodel", der ohne Halterung aufgestellt werden konnte. Die Wachsstöcke wurden aus einem dünnen weichen Wachsstrang (Kerzenschnur) gefertigt, der nacheinander um Leghölzer gewickelt wurde, bis der Wachsstock die gewünschte Stärke erhielt. Ein Viering mit einem Gewicht von einem viertel Pfund brannte 24 Stunden. Erst Ende des 19.Jh wurden die Wachsstöcke durch die Kerzen abgelöst.

Wachsstöcke

 

Weihwasserbecken


Weihwasserbecken

Am Eingang ist auf der linken Seite ein fünfseitiges Weihwasserbecken aus Rotmarmor mit Steinrelief eingemauert. Das Relief ist ein Wappenschild mit einem gekrönten Löwen, der eine Kugel in der rechten Hand hält. Die Bedeutung dieses Wappens ist mir nicht bekannt.

Wenn Sie noch weitere schöne Bilder von Weihwasserbecken oder Weihwasserkesseln aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...


Krippe

In der Weihnachtszeit steht an der linken Seite eine kleine Krippe vor einem als Sternenhimmel gestalteten blauen Vorhang. Weihnachtskrippe



Gottesdienste

In der Privat-Kirche werden viele Hochzeiten (rd. 40 jährlich) und Taufen (30 jährlich) abgehalten.
Die Fatima-Gottesdienste von 13. Mai bis 13. Oktober ziehen viele Gläubige an. Begründet wurden sie 1957 vom Jesuitenpater Karl Ott aufgrund eines Gelübdes während seiner Zeit in russischer Gefangenschaft nach dem 2.Weltkrieg.
Auch 30 Bittgänge aus der näheren Umgebung (z.B. aus Prittlbach) haben häufig das romantische Mariabrunn zum Ziel.

Der jetzige Besitzer, Florian Breitling, kümmert sich mit großem finanziellen und ideellen Einsatz um die Kapelle und führt manchmal auch Besuchergruppen durch das Gotteshaus.

Hans Schertl



Geschichte des Heilbads Mariabrunn

Am Nordhang eines sanften Höhenzuges, zwischen Ampermoching und Schönbrunn gelegen und von drei Seiten her durch Wald eingesäumt, liegt der malerische Ausflugsort Mariabrunn. Der Besucher findet dort nicht nur das efeuumrankte Brunnenhäuschen aus vergangenen Tagen, sondern auch die von der Familie Breitling liebevoll gepflegte Kapelle und das inzwischen als Speisegaststätte renommierte Gasthaus mit großem Biergarten.
Die Kapelle erfreut sich eines regen Zuspruchs für Taufen und Eheschließungen. Die Fatima-Gottesdienste von Mai bis Oktober ziehen viele Gläubige an. Auch Bittgänge aus der näheren Umgebung haben häufig das romantische Mariabrunn zum Ziel.

Als Heilbad ist es seit 1670 bekannt


Auf der Südseite ist die 2stöckige Sakristei angebaut
1662 beginnt für Mariabrunn eine sehr reichhaltige, aber auch eine von vielen Höhen
und Tiefen geprägte Geschichte. Im Juli des Jahres 1662 arbeitete der Mochinger Holzknecht Stephan Schlairboeck im Wald beim heutigen Mariabrunn. Vom Durst geplagt, suchte er eine kleine Quelle auf und trank daraus. Das wiederholte sich einen Monat lang. Dann bemerkte er, dass das Leiden, das ihn vorher jahrelang geplagt hatte, verschwunden war. In großer Dankbarkeit brachte er bei der Quelle ein Marienbild an.

Anlage 1790

Die wundersame Heilung sprach sich bald in der ganzen Gegend herum. Immer mehr Menschen kamen zur Quelle, in der Hoffnung, durch den Genuss des Wassers gesund zu werden. Viele dieser Heilungssuchenden erfuhren tatsächlich eine Linderung ihrer Krankheit, manche wurden sogar völlig geheilt. Mariabrunn wurde zu einem Wallfahrtsort.

Auch die Obrigkeit wurde auf die Heilungen von Mariabrunn aufmerksam. Kurfürst Ferdinand Maria ließ über den 1663 zum Dachauer Landgerichtpfleger ernannten Kurfürstlichen Rat Teissinger aus Dachau die Quelle fassen; zudem veranlasste er 1668, ein Badehaus zu bauen. Das Wasser wurde in einem 30 m von der Quelle entfernten Pumpbrunnen aufgefangen, der 160 Eimer Wasser pro Tag lieferte. 25)


1674 verglich "Ihrer Kurfürstlichen Durchlaucht in Bayern Rat und Leibmedicus Franz I.Thiermair" in einem Tractätlein über die Vorzüge des Heilwassers die Wirkung des Mariabrunner Wassers mit dem von Adelholzen bei Traunstein.
"Vor 1756 wurde das Badehaus vollkommen restaurirt" stand 1852 in der Zeitung.

1789 erwarb der Münchner Leibarzt Dr.Anton Leuthner das Bad. Leuthner war ein geschäfts-tüchtiger Mann. Er verkaufte das Heilwasser sogar in Flaschen (für 15 kr.) als "das berühmte Marien=Brunnen=Mineralwasser zum innerlichen Gebrauche". 25)

Wasseranalyse von 1790

1790 analysierte Dr.Leuthner die Bestandteile des Wasser als Kalkerde, Erdsalz, Ockererde mit Eisengehalt (1852 hieß es dazu: "Das Wasser enthält Kohlenstoffsäure, kohlensaure Soda, kohlensaure und salzsaure Kalk- und Talkerde, kohlensaures Eisen und wird in Nieren-, Blasen- und Harnkrankheiten mit Erfolg gebraucht."). Die genaue Analyse können Sie hier lesen...

Die Kranken
Josef Bogner hat in seinem Aufsatz "Die Mirakel von Mariabrunn" 48 Beispiele von Kranken aufgeführt, die in Mariabrunn in der Zeit zwischen 1674 und 1850 Heilung gefunden haben. Es waren 18 Fälle von Leibschaden, 5 Fälle von Wassersucht, 6 Bein- u. Fußleiden, 3 Augenerkrankungen, 2 dauerndes Seitenstechen, 2 Brustleiden, 2 Armschmerzen, 1 Blasenleiden, 1 Magenerkrankung und 1 Aussatz. Meist blieben die Kranken zwei bis drei Wochen in Mariabrunn 25)
. Die männlichen Badegäste wurden von einem Bademeister und zwei Männern betreut. Die Bedienung der weiblichen Badegäste lag in den Händen der sechs Zimmermägde.

Meist berichten die Aufzeichnungen über "Leibschäden", die vor allem Behinderungen, aber auch Verletzungen bezeichnen.
-  Margarete Schaffl. mit "einem Loch unter der Achsel".
-  Sophie Sand aus Neukirchen mit "Gehbehinderung".
-  Mathias Scheiber von Oberhausen mit "Leibschwellungen".
-  Die blinde Zäzilie Voglberger aus Niedermarbach, "die am Leib ganz ausgefallen war",
-  dem Bäcker Balthasar Brandl war "der Hinterleib 12 Jahre lang ausgegangen".
-  Katharina Pücher aus Lotzbach hatte "stark geschwollene Beine, die das Anziehen von Schuhen unmöglich machten".
-  Oswald Weninger aus Ampermoching war "durch einen Sturz schon zwei Jahre lang am Knie verletzt".
-  Anna Stadler aus Geisenfeld litt "am grauen Star".
-  "Augenleiden" plagten auch die Bierbräuin Ursula Hueber in Dachau,
-  der erblindete Caspar Zehentmayr aus Ampermoching konnte nach dem Besuch von Mariabrunn "einen hellen Schein sehen
-  und damit ohne fremde Hilfe auf Weg und Steg gehen".
-  "Langjähriges Seitenstechen" hatte Elsbeth Sedlmayrin aus Ampermoching und Elisabeth Orthofer aus Purtlhofen geplagt.
-  Barbara Stöger hatte sogar "Aussatz".

Königlicher Besuch 1808/09 25)
In den nächsten Jahren und Jahrzehnten war Mariabrunn weit bekannt. 1808 und 1809 begleitete König Max I. von Bayern seine Heilung suchende Tochter Elise Ludovika, die spätere Königin von Preußen nach Mariabrunn, wo sie bald von ihrem Leiden genas. Die Krücken der jungen Prinzessin sind noch heute in der linken Wandnische zu sehen. Im Zuge dieser Besuche wurde das Bad renoviert und ausgebaut. Im Buch "Die Mineralquelle Maria-Brunn, nächst Moching, im königl. bayerischen Landgericht Dachau, und der damit verbundene Gebrauch der Molken" wird das Bad Mariabrunn in dieser Zeit wie folgt geschildert:
 

"Außer einer schönen Kirche, in der man noch die Krücke sieht, deren sich die königliche Prinzessin von Bayern Elisabetha Ludovica, jetzt Königin von Preußen, bediente, und die Höchstdieselben, nach glücklich erlangter Heilung durch das Bad Maria-Brunn, als dankbares Andenken zurückließen, sind noch fünf zum Bade gehörige Gebäude vorhanden:
1. Das sogenannte Fürstenhaus, welches die durchlauchtigste Frau während ihres Aufenthaltes im Kurhause
    bewohnte.
2. das Wohnhaus mit dem Speise- und Billardsaale
3. das Badehaus
4. das Wirthshaus
5. die ganz neuerbaute, geräumige Stallung nebst Remisen"

In den vier Häusern befinden sich 40 Zimmer, die alle neu eingerichtet sind. Teilweise sind sie prunkvoll ausgestattet. Die Aufkochung des Wassers erfolgt im Sudhaus, wo drei Sudkessel eingebaut sind, die das Wasser für 20 Bäder gleichzeitig liefern können. Bereits am frühen Morgen können Bäder in Anspruch genommen werden. Die Essenszeiten sind mittags 1 Uhr und 8 Uhr abends. Die Speisen sind dem Heilverfahren angemessen. Es stehen Weine und alle übrigen Getränke zur Verfügung, ebenso fremde Mineralwässer in Krügen.
Ein Zimmer kostet täglich je nach Ausstattung und Bedienung 36 kr bis 3 fl. Deutsche, französische und spanische Weine in vielen Sorten werden angeboten. Außerdem werden wöchentlich vier- bis fünfmal und ebenso an allen Feiertagen Stellwagenfahrten von München nach Maria-Brunn und wieder retour angeboten. Jede einzelne Fahrt pro Person kostet 36 kr. Werden Ausflüge gewünscht, so wird für die Benützung eines Fuhrwerkes Vorsorge getroffen. "


Im 19.Jahrhundert wechselten die Eigentümer und Pächter in rascher Folge. Wir erfahren dies aus den diversen Eröffnungsfeiern, die ein neuer Pächter abhielt und dies in der Presse groß ankündigte.


Neue Pächterin 1826
Im Königlich Bayerischen Polizeyanzeiger von München des Jahres 1826 26) warb die neue Pächterin Margarethe Kolb um Kundschaft. Dabei gab sie auch die Preise an, die die Heilsuchenden zu zahlen hatten.

 

"Eröffnung des Mineralbades Mariabrunn
Die wohlthätigen und durch Jahrhunderte wider Krankheiten mancherley Art erprobten Heilkräfte des Mineralbades Mariabrunn nächst Dachau sind so allgemein anerkannt, daß es überflüssig scheint, noch etwas darüber zu sagen. Indem also die ergebenst unterzeichnete Pächterin obigen Bades sich auf die in den vorigen Jahren darüber erschienendn öffentlichen Anzeigen beruft, giebt sie sich die Ehre, einem verehrungswürdigen Publikum zu melden, daß die vaterländische Heilanstalt bereits am Sonntage den 14.May i.J. eröffnet wurde, und daß sie alles aufbieten wird, um durch gute, gesunde Kost, reine, ächte Weine, zuvorkommende Gefälligkeit und aufmerksame Sorgfalt die Zufriedenheit ihrer Titl.Gäste zu erringen. In Rücksicht der Preise ist Folgendes bestimmt: Ein Bad kostet mit Inbegriff des Trinkgeldes 30 kr., eingerichtete Zimmer sind vorhanden zu dem täglichen Preis von 12 kr. bis 1 fl. 30 kr.; die Mittagstafel, die um 1 Uhr anfängt, zu 36 kr. und die Abendtafel zu 18 kr. werden in jeder Rücksicht den Wünschen Titl. Badegäste entsprechen; man kann auch nach Belieben um 24 kr. oder auch um 12 kr. zu Mittag speisen. Bier, Wein, Kaffee ec. werden eigens bezahlt. Kranke, die auf ihren Zimmern speisen wollen, werden pünktlich bedient. Bestellungen, Briefe ec. werden durch die Briefpost oder bey dem hiesigen Boten, welcher mittwochs und samstags gegen 3 Uhr nachmittags abfährt, und beym Kochwirt am Rindermarkte wohnt, besorgt. "        

Neuer Pächter 1832
Im Mai 1832 übernahm ein neuer Pächter das Heilbad. Im Münchner Conversations-Blatt von 1831 S. 448 verkündete Michael Scharl in einer Anzeige die Eröffnung und die Konditionen für eine Badekur.

das efeuumrankte frühere Brunnenhäuschen

"Eröffnung des Mineral.Bades Mariabrunn nächst Dachau
Unterzeichneter gibt sich die Ehre zu melden, daß das Mineralbad Mariabrunn sonntags den 15.Mai i.J. mit einem feierlichen Hochamte und darauffolgender Mittagstafel eröffnet wird.

Ueber den Nutzen und Gebrauch dieser durch Jahrhunderte erprobten Heilquelle gibt die klassische Beschreibung der bayer'schen Mineralwasser, von den verst.K.M.R.Hen.Dr.Graf verfaßt, genügend Auskunft. Dieses Werk und viele Erfahrungen zeigen, daß das Mineralbad Mariabrunn in den verwickelsten rheumatischen und arthritischen, so wie in andern chronischen Krankheiten Hülfe leistet, namentlich in Nieren- und Blase-Krankheiten, in den Hämorhoiden, in Schleim- und Blutflüßen aus der Mutter, in alten Wunden ec.

Indem der ergebenst Unterzeichnete bemerkt, daß ein Bad mit reiner Wasch und Trinkgeld 30 kr., die Mittagstafel täglich um 1 Uhr 36 kr. kostet, und daß eingerichtete Zimmer vorhanden sind zu dem täglichen Preis von 12 kr. bis zu 1 fl. 12 kr., zeigt er zugleich an, daß, um die Zufriedenheit eines hochverehrlichen Publikums immer mehr zu verdienen, er durch Aufnahme eines Schweitzers sich in den Stand gesetzt sieht, mit den so beliebten und so heilsamen Geis- oder Ziegen-Molken seinen werthesten Badegästen aufwarten zu können.

Schlüßlich bemerkt der Unterzeichnete noch, daß bei Hrn. Handelsmann Ravizza, Sendlingergasse Nro. 906., eine Niederlage des Wassers von der Mariabrunner-Heilquelle ist, woselbst der volle Krug um 12 kr. bei Darangabe eines leeren Krugs um 7 kr. abgelangt werden kann, und daß jeden Samstag ein fahrender Bot von Mariabrunn nach München kömmt, beim Kochwirth in der Rosengasse einkehrt, und am nämlichen Tage wieder im Bade eintrifft."

Die Eröffnung muss ein großes Ereignis gewesen sein. Jedenfalls wurde damals der Dachauer Landgerichtsarzt Dr. Joh.Nepomuk Loé von der Muse geküsst. Er schrieb "Zur Eröffnung des Mineralbades Mariabrunn bey Dachau im Wonnemonate" des Jahres 1832 ein langes Gedicht im romantischen Stil seiner Zeit, das sogar in Buchform veröffentlicht wurde.
Wenn Sie es lesen möchten, klicken Sie hier...

Aber irgendwann hat wohl ein Rückgang des Geschäfts eingesetzt, denn 1846 wird berichtet: "Das Anwesen wird nicht mehr als Bad, sondern nur noch als Ökonomiegut betrieben". Allerdings war im Geographisch-statistisch-historischen Handbuch des Königreiches Bayern 1852 04) zu lesen: "Vor 1856 wurde das Badehaus vollkommen restaurirt und erfreut sich nun eines größeren Zuspruchs... Derzeit ist der Privatier J.Hummel Besitzer".


Amalie Hohenester
Ab 1863 kam Mariabrunn zu seinem größten Glanz, als es von der "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester gekauft und wieder als Heilbad betrieben wurde. Die Geschäftstüchtigkeit wird durch eine Anzeige dokumentiert, die in den Augsburger neuesten Nachrichten vom 19. April 1864 erschienen ist. 25)
                  "Bad Mariabrunn bei Dachau
         Eröffnung dieser Bad=Saison am 24. April
Nach vieljährigen Erfahrungen hat sich dieses Mineralwasser in Gicht, Podagra, lähmungsartigen Zuständen, Bleichsucht, Leistenbrüchen, Hämorrhoidal=Leiden, Stein=Beschwerden, besonders in Stirn= und Blasensteinen und in der Leucorhoe oft auffallend wirksam erwiesen. Station Lohhof stehen immer meine Omnibus bereit, um mit jedem ankommenden Bahnzuge auf das Schnellste befördert zu werden.
              M a r i a b r u n n, im April 1864.
             Amalia Hohenester, Badbesitzerin"

Die zutreffenen Diagnosen der Amalie Hohenester, woher immer sie diese auch nahm, verblüfften die Heilungssuchenden. Mit verschiedenen Teesorten, Kräutern, Bädern und kargem Essen erzielte sie viele Heilungen. In den damaligen Gästebüchern sind Adelige und sonstige reiche Leute aus ganz Europa verzeichnet. So ist z.B. dem Wochenblatt Amperbote vom 16.6.1877 06) zu entnehmen, dass  "im Bade Mariabrunn bereits so viele Gäste sind, daß ohne vorherige Anmeldung kein Unterkommen mehr zu finden ist. Anfangs nächsten Monats wird daselbst auch die Erzherzogin Elisabeth von Oesterreich zur Cur erwartet".


Das Brünnlein gibt auch heute noch Wasser

Kurz vorher, am 26. Mai 1877 05) hatte der Amperbote berichtet, dass an
Sonn- und Feiertagen, sowie an Donnerstagen die Musikkapelle  "Lohmann im Heilbade spiele, welches trotz des russisch-türkischen Krieges wieder von einer Anzahl vornehmer Russen besucht"  sei.
Die zahlungskräftige Kundschaft vergrößerte den Besitz der Doktorbäuerin. Sie führte ein sehr strenges Regiment. Der behördlich vorgeschriebene Badearzt spielte ebenso wie ihr Mann nur eine untergeordnete Rolle.

Trotz ihrer Strenge war sie aber sehr sozial eingestellt. Es gab damals noch keine staatlichen Versorgungskassen. Wurde von ihren ca. 80 Angestellten jemand krank oder zu alt zum Arbeiten, so durfte er in Mariabrunn bleiben und wurde versorgt. Ein großes Bild in der Gastwirtschaft in Mariabrunn gibt heute noch Zeugnis von dieser erfolgreichen, aber auch etwas geheimnisumwitterten Frau. Bald nach ihrem plötzlichen Herztod im Jahre 1878 ging es mit der Anziehungskraft von "Bad Maria Brunn" und damit auch wirtschaftlich steil abwärts, Mariabrunn wurde versteigert.
Über ihre Beerdigung ist ein Zeitungsbericht erhalten; klicken Sie hier...


Heutiger Eigentümer

Am 12. Oktober 1907 kaufte
der 25-jährige Bierbrauer Herbert Breitling sen. Mariabrunn von Andreas und Viktoria Stummbeck. Breitling kam aus Schramberg im Schwarzwald. Der gesamte Komplex einschließlich der Nebenbesitzungen in Schönbrunn und Mariabrunn kostete 175.000 Mark, wobei 50 000 Mark für die beweglichen Sachen angesetzt wurden. Die Grundstücksfläche betrug 41,73 ha. Der Gebäudekomplex wurde wie folgt beschrieben:
        3 Wohngebäude, dann Wirtschaft mit Schlachthaus, Wirtschaftsgarten, Kegelbahn, Badhaus mit Sudhaus, Wasserreserve,
        Heilquelle, Stadel, Stallung, Bräuhaus mit Remisen, Pferdestall, Fremdenstall, Eiskeller, Holzremise, Ökonomiestadel, und
        Hofraum, Kapelle mit der Heilquelle sowie das sog. Jagdschlösschen.
1912 baute Breitling das neue Sudhaus und brachte den Betrieb wirtschaftlich wieder in die Höhe.
Heute ist die Brauerei stillgelegt, das Braurecht verpachtet. Doch die verpachtete Gaststätte mit ihrem weithin bekannten Biergarten unter ausladenden Kastanien erfreut sich großer Beliebtheit.



Die ausführlichste Quelle für die Geschichte des Bades und der Kirche Mariabrunn sowie für die Lebensgeschichte der sog. Doktorbäuerin Amalie Hohenester ist das 2018 erschiene Buch "Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching" 25)
von Georg Werner aus Ampermoching (Herausgeber Gemeinde Hebertshausen).

Hans Schertl

Quellen:
01) Johann Nepomuk Anton von Leuthner, Physisch-chemische Untersuchung des alt-berühmten Gesundbrunnens, und
          mineralischen Seifenbades zu Maria Brunn nächst Moching im churpfalzbaierischen Landgerichte Dachau Oberlandes Baiern,
          1790
02) Allgemeine Intelligenzblatt für das Königreich Baiern von 1818
03) Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
04) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, S.107, 1852 (auch 1756)
05) Amperbote vom 26.5.1877 (Kapelle Lohmann)
06) Amperbote vom 16.6.1877 (Ausgebuchte Zimmer)
07) Amperbote vom 27.03.1878 (Beerdigung Hohenester)
08) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
09) Pfarrer Niklas/Endres - Röhrmooser Pfarrchronik 1933 - 1953
10) Regionalanzeiger 1978
11) Heinrich u.Margarete Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 1981 (Aaronstab)
12) Dr.Gerhard Hanke, Die Mirakel von Mariabrunn, Amperland 1983
13) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
14) Helmut Rumrich/Franz Thaler, Die Gemeinde Röhrmoos, 1986
15) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Anton Pürckh )
16) Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
17) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
18) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996
19) Dachauer Nachrichten vom 29.4.2003, 8./9.9.2007
20) Peter Steiner u.a., Kreuz und Kruzifix, Ausstellungskatalog Dombergmuseum Freising, 2005
21) Flyer Mariabrunn, Fam.Breitling
22) Konrad Böhmer, Meine Kinder- und Jugenzeit in Mariabrunn, Röhrmooser Heimatblätter 2016
23) Dr.Florian Breitling, 2018
24  Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018
25) Georg Werner, Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching, 2018
26) Königlich Bayerischen Polizeyanzeiger von München des Jahres 1826 (S.498)


46 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.4.2018

  Beerdigung von Amalie Hohenester  07)
Amperbote vom 27.03.1878


Grabstein von Amalie Hohenester
in Ampermoching
Am Dienstag den 26. März schloss sich das Grab über die in den weitesten Kreisen durch ihre Kuren berühmt gewordene Badebesitzers-Gattin, Frau Amalie Hohenester, früher in Deisenhofen und seit 15 Jahren Besitzerin des Bades Mariabrunn. Wir wollen uns nur auf die im Bezirk Dachau bekannt gewordene Tätigkeit der verlebten beschränken und halten uns auch nicht berufen den Maßstab der Kritik an ihr Wirken anzulegen, jedoch so viel steht bei ihren Freunden und Feinden fest, dass in ihrer Brust für ihre Mitmenschen und namentlich für Arme und Unglückliche ein warmes Herz schlug. Ihr vielbewegtes erfahrungsreiches Leben schoss ihr beträchtliche Summen vor die auch später sich in klingende Münzen umwandelten und zwar ausschließlich durch ihren Scharfblick und Energie, die sie auf allen Bahnen zu betätigen schien. Das ziemlich heruntergekommene Bad Mariabrunn hat die Heimgegangene in einer Staunen erregender Weise wieder in Flor gebracht und dasselbe durch mehrere Neubauten, noble und geräumige Badlokalitäten den renommiertesten Bädern gleichstellt. Noch vor wenigen Tagen ging sie ihren üblichen Geschäften nach und ein vorausgegangenes Unwohlsein, welches sie wenig zu beachten schien, machte plötzlich ihrem tatenreichen Leben am Sonntag früh
1 1/4 Uhr durch einen Herzschlag ein Ende, in einem Alter von 49 Jahren, welches nach menschlicher Berechnung gewiss ein allzu frühes genannt werden darf. Bei der stattgefundenen Beerdigung der irdischen Hülle der Verlebten im Friedhof von Ampermoching fanden sich zahlreiche Leidtragende aus allen Ständen ein und nachmittags kam aus Petersburg ein Kammerdiener der Großfürstin und legte einen Kranz auf das Grab der Verblichenen. Ein Menge Beileidstelegramme aus allen Weltgegenden bezeugen von der großartigen Teilnahme, die den Hinterbliebenen gezollt wird.

Text auf dem Grabstein:
"Hier ruhet in Gott die wohlgeborne Frau Amalaie Hohenester, Bad- und Gutsbesitzersgattin in Mariabrunn, geboren am 18.Oktober 1827, gestorben am 24.März 1878.
Ihr folgte der treue Gatte, Herr Benedikt Hohenester, geboren am 1.Januar 1827 in Wessabrunn, gestorben am 8.Mai 1893 in München."

 


Gedicht zur Neueröffnung des Mineralbades Mariabrunn nach Pächterwechsel
von Dr. Johann Nepomuk Loé, 1832

1. Der May erschien: es wehen milde Lüfte,
Der Hain im zarten Grün, die bunte Flur
Schmückt bräutlich die erst kürzlich leeren Grüfte
Ein neues Leben kündet jede Spur
Es füllen seinen Tempel Ambradüfte
Zur Auferstehungsfeyer der Natur.
Im Jubelchore tönen Vögellieder
Dem Schöpfer huldgen alle Wesen wieder

2.

Mit freud'gem Murmel strömt die süsse Quelle,
Gesundheit perlt in ihrem klaren Thau;
Die welke Blum' belebet jede Welle
Aous ihrer Reinheit strahlt des Himmels Blau.
Dendurst'gen Wand'rer labtsie auf der STelle,
in üpp'ger Fülle prangt durch sie die Au.
Ihr frischer Trunk gibt Frohsinn allen Herzen,
Mit Wunderkraft ebt sie der Menschen Schmerzen.

3. Dort, wo die Tropfen sich zur Fluth gestalten
am Hügel, ist ein Kirchlein angebracht,
Das Herz der heil'gen Jungfrau zu entfalten,
Die himmlisch mild vom Altar niederlacht.
Zur Cur bereiten höhere Gewalten
Dem Leidenden mit überird'scher Macht.
Mit Inbrunst bethet er, in heiterem Frieden
Gewärtigt er sein Loos, das ihm beschieden.

4. Nach aufwärts bilden dichte Fichtenreihen
den duft'gen Hain, wo sanfte Kühle weht,
Wo Liebende die Schäferstunden weihen,
Die sehnsuchtsvoll ihr trunk'nes Aug erfleht.
O möchte doch der schöne Bund gedeihen,
Stets Treue blühn, die oft so schnell vergeht,
Wenn Leidenschaft die inn're Ruhe störet,
die Unschuld raubt, und den Verstand bethöret.
5. Ganz oben, auf bebautem Bergesrücken
Schweift anmuthsvoll der Blick in's Ferne hin
Die Felder, Dörfer bis zur Stadt entzücken
Den plötzlich freudig überraschten Sinn
Die Schneegebirg am Himmelssaum beglücken
Wenn sie verklärt, die Sonne leuchtet drin
Als wollt' es jetzt im Paradiese tagen
Die wonnevolle Seel hinübertragen.

6. Nicht fern vom Fuß des Berges, zwischen Auen
Fließt silberhell ein rascher Srom herab,
Auf leichten Kähnen kann man Fischer schauen,
Nach Hause steuernd, froh mit ihrer Hab !
Am gras'gen Ufer weiden Männer, Frauen
Die muntern Heerden, mit dem Hirtenstab,
Die traulich scherzen, lustig wiehern, brüllen,
Mit lautem Schellenklang die Luft erfüllen.
7. Hat sich der Mensch gelabt an diesen Bildern,
Die nah' und fern ergötzen ohne Zahl,
Die todte Worte nicht und Farben schildern,
Dann kehrt in seine Brust der Hoffnung Strahl.
Er sieht, wie sich nun seine Leiden mildern,
Im Frohgenuß vergißt er Sorge, Qual.
Genesen lenkt er freudig seine Schritte,
Zur Heimath in der Lieben traute Mitte.
8. Verzögert drum nicht euer Außenbleib en,
Eilt vom Gewühl' der Stadt auf's freye Land.
Entrinnt dem Formenzwang, dem irren Treiben,
Gehöret euch an holder Freundschaft Hand.
Wenn Gährung droht, sich Mächte feindlich reiben,
Umschlingt Alle hier ein gleiches Band.
Der Mensch ist's wieder, der mit Menschen lebet,
Sich glücklich fühlt, wenn Freude um ihn schwebet.

Zum Dichter:

Dr. Johann Nepomuk Loe (* 1793 Eichstätt) war von 1818-1858 Landgerichtsarzt in Dachau. Hier ist ihm eine Straße gewidmet. Das Allgemeine Intelligenzblatt für das Königreich Baiern von 1818 verkündete auf der Seit 576:
"Seine Königliche Mayestät (König Max I.) haben dem Medicinae et Chirurgiae Doctor Johann Nepomuk Loé "durch allerhöchste Entschließung an die Königliche Regierung des Isarkreises vom 29.April 1818 das erledigte Landgerichts-Physicat Dachau allergnädigst verliehen".