zur
Landkreiskarte ausführl.Beschreibung
Kirchen
in der Gem.Haimhausen
Filialkirche St.Peter und Paul in WESTERNDORF
|
Kurzbeschreibung Die Kirche St.Peter und Paul in Westerndorf wurde schon 1315 in der Konradinischen Matrikel als Filialkirche der Pfarrei Jarzt genannt. Da sie die ersten Jahrhunderte dem hl. Petrus allein geweiht war, ist anzunehmen, dass Westerndorf als Kirchdorf noch viel älter ist. Die heutige Kirche wurde sicher erst später
gebaut, da vor 1315 in Bayern auf dem Land noch der romanische Stil verbreitet
war. Der markante Sattelturm und der tiefe Altarraum stammen
aber unübersehbar aus gotischer Zeit; sie wurden wahrscheinlich um
1400 errichtet. Der Turm ist mit zehn First- und Seitenzinnen
versehen, die einen schwalbenschwanzförmigen Abschluss haben.
|
|
An den Chorwänden und in zwei Nischen sind Figuren der Heiligen Sebastian (am Marterbaum), Franziskus (mit Kreuz), Petrus (mit Schlüsseln), Antonius (mit Jesuskind) Leonhard (im Abts-gewand) und des Geißelheilands angebracht. Die beiden Seitenaltäre sind kurz nach
1700 im Zusammenhang mit dem Neubau des Langhauses entstandenen. An den Seitenwänden hängen
interessante Kreuzwegbilder im Rocaillerahmen. |
|
Seit 1844 findet jedes Jahr am 26.
Juni, dem Festtag der Heiligen Märtyrer Johannes und Paulus, die im Aufsatz
des linken Seitenaltars abgebildet sind,
ein Bittgang von Fahrenzhausen/Jarzt
nach Westerndorf mit anschließender Brotzeit im Stadel statt.
| Gottesdienste werden in Westerndorf
i.d.R. alle zwei Wochen gehalten. Jeden Sonntag wird um 12.00 Uhr der Rosenkranz
gebetet. Im Mai findet hier alljährlich eine Maiandacht mit alpenländischen Marienliedern statt; es singen die Schönbrunner Sänger. Der nächste Termin ist der 22.Mai 2012 (Dienstag) |
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Geprägt wird das Ortsbild von der am östlichen Rand stehenden Kirche mit dem markanten gotischen Sattelturm. Sie gehört nicht zur Pfarrei Haimhausen, sondern zur Pfarrei Jarzt. Leider sind von der Geschichte der Kirche nur spärliche Zeugnisse vorhanden. Dies mag daran liegen, dass 1799 das Pfarrhaus in Jarzt abgebrannt ist und dabei alle örtlichen Unterlagen vernichtet wurden.
Matrikel
von 1315
Dies war schon bei der ersten schriftlichen Erwähnung in der Konradinischen
Matrikelvon 1315 der Fall ("Jortz habet IIII filias:
Warnoltzhausen, Westerndorf, Perchach et Lauterbach cum sepulturis"
= Jarzt hat 4 Filialen....Westerndorf... mit Friedhof). Wann die erste Kirche
in Westerndorf gebaut wurde, ist nicht bekannt. Doch das früher alleinige
Patrozinium vom hl. Petrus (St.Paulus kam erst zwischen 1560 und 1738 hinzu),
deutet auf ein höheres Alter hin. Es kam durch die Römer zu uns und wurde vor
allem entlang der Römerstraßen verbreitet.
| Die heutige Kirche wurde nach 1315 errichtet. Ob im unteren Teil des Turms noch romanisches Mauerwerk vorhanden ist, ist nicht sicher. Der obere Teil des Turmes und der Chor stammen jedoch augenfällig aus der Zeit der Gotik. Die Lage und Form des Turmes lassen auf eine Bauzeit vor 1450 schließen. Über das weitere Aussehen dieser gotischen Kirche gibt es keine Aufzeichnungen. |
|
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine
Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien
angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte
durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517)
entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur
Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation
wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation
der Pfarreien gewinnen.
| Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Jarzt ist auch Westerndorf kurz erwähnt. Die Filialkirche St.Petrus habe "alle pfärrliche recht. Das Einkommen betrage 7 Gulden, von einer Hofstatt 20 kr sowie an Wachs 2 Pfund". Die Einnahmen werden vom Gericht zu Dachau verwaltet. Gottesdienst wird -wie von alters her- fleißig gehalten. In der Kirche gibt es 2 Kelche mit Corporale, 2 Messbücher, 4 Messgewänder, ein Liturgiebuch und ein Gesangsbuch. Das Sakramentshaus ist wohl verschlossen und allein bei der Nacht beleucht". Der Bericht endet mit den Sätzen: "Die kirch ist paufellig. Sonst kain mangel". ...vollständiger Bericht über die Pfarrei Jarzt... |
Altarweihen von
1708
In Freisinger Weihebuch "Extractus ex libro Consecrationum et Benedictionum
Joa.Fr.Eckher, Eppi Frisigensisab 1696 usque 1727" ist festgehalten, dass der
57. Freisinger Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck
am 4. September 1708 zwei Altäre in Westerndorf weihte. Es war der Kirchweihtag
der im Jahr 1700 errichteten Pfarrkirche in Jarzt. An diesem Tag weihte er in
den Filialkirchen auch Altäre (" Jarzt Kirche und 3 Altäre, Appercha
3 Ältäre, Fahrenzhausen 3 Ältäre, Westerndorf 2 Ältäre").
Da es in den anderen drei Kirchen jeweils alle Altäre waren, liegt es nahe,
dass damals in der noch gotischen Kirche von Westerndorf zwei Altäre gestanden
haben. Der dritte wird wohl erst 1729 dazu gekommen sein.
Der kunstsinnige Bischof Eckher von Kapfing regierte sein Bistum von der Reisekutsche
aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines
Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter
Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach,
Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23
pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40
Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger
waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern
und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs
nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe.
So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung
viel zu tun.
1710 Kirchenreparatur durch
Maurermeister Georg Schmid aus Weißling.
Kirchenumbau 1729
Um 1729 war eine Renovierung der Kirche notwendig. Dabei wurde das Langhaus
neu gebaut oder doch von Grund auf erneuert. Das Portal und die Seitenaltäre
wurden von dem Dachauer Maurermeister Johann Lettner gemauert. Er legte auch
das Pflaster. Lettner hat als Polier von Anton Glonner, die Kirchenneubauten
in Oberbachern und Bergkirchen geleitet. Damals wurde wohl auch eine Sakristei
im Osten des Altarraums angebaut, die 225 Jahre später, um 1955 wieder
abgetragen wurde.
1784 errichtete der Maurermeister des Baron Ruffini aus Weyhern, Andreas Mayr, eine neue Friedhofsmauer. Beteiligt war daran auch der Zimmerer Franz Berger als Palier.
Im Jahr 1864 wurden die beiden Seitenaltäre renoviert. Die Maurer und Vergolder waren 1 1/2 Jahre damit beschäftigt. Dabei entdeckte der damalige Pfarrer Fumy, dass Diebe die in den Altarstein eingelassenen Reliquien gestohlen hatten.
| Beschreibung 1874 In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Westerndorf enthalten. Damals gehörten 172 Seelen zur Kirche, die in 20 Häusern wohnten (89 /12 aus Oberndorf und 83/8 aus Westerndorf). Zur Kirche schreibt er: "Geräumigkeit genügend. Baupflicht der Baufond. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken (hier irrt der Verfasser; Westerndorf hatte auch damals einen Sattelturm). 3 Altäre. Gottesdienste fanden damals an zwei von drei Sonntagen statt (am 3.Sonntag in Appercha), sowie an allen Feiertagen. Westerndorf sei die "Hauptfiliale des Cooperators" hieß es. Stiftungen: 6 Jahrtage und 2 Jahrmessen. Der Mesner sei ein Bauer heißt es. Das Kirchenvermögen betrug 2700 Gulden. Der Baufond besaß 650 Gulden. |
![]() |
Beschreibung 1893
Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1893 Prof. von Betzold und
Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, finden
sich einige Bemerkungen über die Westerndorfer Kirche. Dort ist zu lesen:
| Architektur: "Die Kirche
selbst besteht aus zwei zeitlich verschieden erbauten Teilen. Der Chor ist
gotisch, gewölbt, aber die Gewölberippen sind abgeschlagen. Das
flach gedeckte Langhaus geht in das 18. Jahrhundert zurück. Ausstattung: Auf dem Choraltar steht eine mit großzügigem Faltenwurf versehene, gut bemalte ca. Holzfigur aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Diese Madonna mit dem Kind auf dem linken Arm, das die Weltkugel in der Hand hält, trägt in der Rechten einen Apfel. Im Triumphbogen ein Holzkruzifix aus der Zeit um 1600 (hängt nun im Leichhaus). An der Nordseite des Chores ist ein einfacher Sattelturm. Die Treppengiebel sind am Beginn, in der Mitte und am First mit zinnenartigen Aufsätzen versehen." |
Neue Glocken 1898
Im Jahr 1898 erhielt die Kirche ein neues Geläute, nachdem die beiden alten
Glocken zersprungen waren. Die neuen Glocken, 570 und 350 Pfund schwer, kosteten
rd. 1.150 Goldmark. Die alten Glocken nahm die Gießerei mit 264 Mark in
Zahlung. Die Kostendeckung übernahmen die Westerndorfer und Oberndorfer freiwillig
durch eine Verdoppelung ihrer Kirchensteuer.
An den Balken des Dachstuhls haben sich einige Zimmerer mit ihren Namen verewigt:
|
1.6.1847
|
Johann.B. Metzger | Maurer von Dachau |
21.9.1864
|
Deger Anton | Zimmerergesell v.Oberndorf | |
|
20.11.1869
|
Hofmeier Johannes |
1888
|
Eder Josef | |||
|
1884
|
Eder Michael | Maurer von Biberbach |
1883
|
Mathias Widhopf | Oberndorf | |
|
1898
|
Mayer Rudolf |
Restaurierungen sind aus den Jahren 1674,
1710, 1903 (neues Schieferdach), 1933 (Turmrenovierung und elektrische Beleuchtung)
1955 und 1975 bekannt.
Am 10.1.1920 meldete der Amperbote die Elektrifizierung der Westerndorfer
Kirche mit den Worten: "Am Hl. Dreikönigstag erstrahlte unser schmuckes
Kirchlein zum ersten Mal im vollen Glanz der elektrischen Beleuchtung; ein altes
Versäumnis ist damit gutgemacht. Westerndorf und Oberndorf haben sich durch
ihre opferwillige Tat in ihrer Kirche selbst ein Ehrenmal gesetzt. Ein Hauptverdienst
am Gelingen der zur Zeit kostspieligen Einrichtung fällt dem rührigen
Sinne des Mesners Denk in Westerndorf zu"
1955 wurde im Rahmen einer größeren Renovierung die Sakristei abgetragen,
im Inneren die Kanzel entfernt und insbesondere
der Altarraum umgestaltet (Abbau der Durchgänge am Altar, Figuren auf den
Seitenaltären, Freilegung eines zugemauerten Fensters). Ein altes Foto
zeigt die Ansicht vor der Renovierung. Klicken sie hier...
Die letzte große Renovierung der Kirche fand in den Jahren 1972-76
statt. Damals erhielt sie ein Betonfundament, einen neuen Dachstuhl und
eine neue Dacheindeckung. Für die zwei Glocken wurde ein neuer Glockenstuhl
und eine Läutanlage installiert.
Im Innern wurden der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und das Deckengemälde
restauriert. Auch das Gestühl erneuerte man. Zudem wurde eine moderne Alarmanlage
eingebaut. Bei dieser Renovierungsarbeiten fand man auf der Empore in den Bretterritzen
alte Geldstücke. Die älteste dieser Münzen ist ein Schweizer
ein 2-Pfennig-Stück aus dem Jahre 1724-1742. (Wie könnte das Schweizer
Geld nach Westerndorf gekommen sein... siehe eigenen Bericht)
Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Western-und Oberdorfer alljährlich
nach Johanneck, nach Neufahrn, zum Kloster Taxa und nach München zum hl.
Benno (der in der Frauenkirche verehrt worden ist) gewallfahrtet sind. Die "Creiztrager"
und "Vorsinger" erhielten dafür ein kleines Zehrgeld.
Die Kirche in Westerndorf ist eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt. Der Bau mit zwei Fensterachsen hat ein hohes Satteldach aus rotem Kirchenbiber. Gelbe Rahmungen zieren Fenster und Chor. Vor der glatten Westfassade ist ein Vorhaus mit einer Nische angebaut. Der Zugang erfolgt durch das Vorhaus von Süden her. Dort befand sich bis zur Renovierung 1972 ein kleines Beinhaus mit Totenschädeln, das an die Vergänglichkeit des Daseins erinnerte.
| Der markante Sattelturm steht nördlich des Chores. Er stammt noch aus gotischer Zeit. Der Turm ist mit 10 First- und Seitenzinnen versehen, die einen schwalbenschwanzförmigen Abschluss haben. Der Grundriss des Turms ist quadratisch. Die Fassade ist durch gelbe Felderungen in vier Geschosse unterteilt. 1933 wurde der Turm restauriert. |
| Im Untergeschoss des Turms ist
seit 1975 die Sakristei eingerichtet. Sie besitzt wie der Chorraum
ein gotisches Gewölbe. Vorher war sie in einem kleinen Anbau östlich
der Apsis untergebracht, der wohl 1729 errichtet und um 1955 wieder abgetragen
worden war. Die Chorglocke (Sakristeiglocke) neben dem Sakristeizugang (mit der der Beginn des Gottesdienstes eingeläutet wird), ist neugotisch und mit Maßwerk verziert. |
Innenausstattung
Der dreiseitig
geschlossene Chorraum ist mit einem bemalten Gewölbe überdeckt. Inmitten
einer Verzierung mit unterschiedlichen Goldbrokatmustern befindet sich ein Deckenfresko.
Die Bemalung aus unbekannter Zeit trat erst wieder bei der Restaurierung 1975
unter zwei Farbschichten zutage. Vorher war das Gewölbe mit aufgemalten
Sternen übersäht. Die Gewölberippen waren schon vor Jahrhunderten
abgeschlagen worden; sie sind inzwischen farblich hervorgehoben.
Vier Fenster (3 südlich, 1 nördlich) sorgen für ausreichende
Helligkeit. Vor 1955 war das linke Fenster im Chorraum zugemauert. Hier hing
das große Bild, auf dem Maria
als Mittlerin dargestellt ist, und das heute an der Westwand zu sehen
ist.
| Thema des Deckengemäldes ist die Verkündigung Mariens. Es handelt sich um ein einfaches bäuerliches Kunstwerk. Der Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)erscheint der völlig überraschten Maria und kündigt ihr die Empfängnis Jesu an. Die beiden großen Buchstaben GE im unteren Teil des Bildes könnten die Initialen des Stifters sein. Der aus dem Bild herausweisende etwas grob gestaltete Pfeil mit der Inschrift "Ex voto" (zu deutsch: aufgrund eines Gelübdes) ist auf den Altar gerichtet. |
| An dem um das Jahr
1700/1730 (wohl im Zusammenhang mit dem Langhausneubau 1729) entstandenen
Hochaltar ist eine Rocaillekartusche
mit folgendem Text angebracht" Altare privilegiatur feria IV".
Diese Inschrift dürfte auf die Stiftung einer Totengedenkmesse an jedem
4.Tag der Woche (Mittwoch) hinweisen. Nach Auffassung des früheren
Pfarrers der Pfarrei Jarzt, Geistlicher Rat Anton Maier, könnte es
sich beim Stifter der Messe, des Deckengemäldes und der Kartusche (oder
auch des Hochaltars) um die selbe Person handeln; deshalb auch der Pfeil
am Gemälde. Vor 1955 hing die Kartusche -gestalterisch wenig geglückt-
"ein Stockwerk höher" halb auf und halb über dem Altaraufsatzbild. Wie fast alle Kartuschen in Kirchen hat auch die in Westerndorf eine unregelmäßig Form; sie hat sich aus einer Schnur entwickelt, die ursprünglich um Inschriften, Wappen und Namen geschlungen wurde. Deshalb sind die meisten Einrahumungen von Kartuschen nicht rechteckig, sondern kurvig. |
|
Im Mittelteil des Altars, zwischen den
glatten, korinthischen Säulen, steht die Holzfigur einer Madonna
mit Kind, die wahrscheinlich aus der Zeit um 1460/70 stammt.
Maria hält einen goldenen Apfel in ihren Händen. Es ist ein
Granatapfel. Der ist als Gegensatz zum Apfel der Eva beim Sündenfall
im Paradies gedacht: Maria ist die zweite Eva; durch die erste kam die
Sünde, durch die zweite das Heil in die Welt. Der Granatapfel als
Zeichen des Lebens und der Auferstehung. |
||
| Die Muttergottesfigur ist von zwei Englein und zwei Engelsköpfen umgeben, die aber erst im 18.Jh geschnitzt worden sind. |
| Assistenzfiguren auf den Volutenkonsolen unter den Rocaillebögen des Hochaltars sind der hl. Petrus mit den beiden Himmelsschlüsseln in der einen und der Bibel in der anderen Hand (links)und der sehr lebendig wirkende hl. Paulus mit Schwert, der aus der Bibel vorzulesen scheint (rechts). | Beide Holzfiguren sind 110 cm hoch und stammen wohl auch aus der Zeit um 1730. Denn in der Kirchenrechnung dieses Jahres ist der Vermerk enthalten, dass Hans Georg Grassl aus Weilbach "auf dem Chor Altar die Biltnussen der heyl.Apostlen Petri et Pauli und den Altar mit Farben gefasst" hat. |
| Im Rundbild des Altarauszugs ist Gottvater mit der Heilig-Geist-Taube dargestellt. Darüber ein Segmentgiebel mit IHS-Gloriole. Auf den Sprenggiebeln sitzen zwei Engelsfiguren. |
| Hinweise:
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten
Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte
nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell,
die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert,
als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem
Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht
mehr gerecht. Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam. Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher". |
| Der schwarze Tabernakel hat eine golden gefasste, leicht konvexe Türe. Daran ist ein Kruzifix angebracht, dessen unteres Ende mit einem kleinen Hahn geschmückt ist (siehe Bild oben). Der Hahn soll an die Verleugnung Christi durch Petrus am Abend vor der Kreuzigung erinnern. Seitlich sind am Tabernakel gedrehte Säulen angebracht. An den Schrägseiten stehen in Nischen mit Muschelkalotten 17 cm hohe Figürchen auf Weltkugeln: Maria mit Apfel und Schlange, Christus mit Szepter südlich. |
| Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
Bis 1955 befanden
sich zwischen dem Altar und den Außenwänden Blendwände
mit Durchgängen. Auf den marmorierten Blendwänden standen keine Figuren,
sondern Ziervasen. Die linke Seite der nördlichen Blendwand war als Beichtgitter
gestaltet. Dort wurde die Beichte abgenommen. Der Pfarrer saß hinter der
Blendwand, der Beichtende im Mesnerstuhl vor der Blendwand.
Ein "richtiger" Beichtstuhl befand sich auf der rechten Seite des
Altarraums gegenüber der Sakristei.
| An den Chorwänden sind im unteren Bereich zwei Nischen eingelassen, in denen Figuren des Heilands an der Geißelsäule aus dem 19.Jh (grün und bluttriefend gefasst) sowie des St.Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt (um 1600). Der Kopf von Sebastian ist mit einem dreistrahligen Nimbus (Heiligenschein) geschmückt. Dies ist bei einem Heiligen selten. In der Regel ist der dreistrahlige Heiligenschein den göttlichen Personen (Gottvater oder Christus) vorbehalten. Vor 1955 stand die Sebastiansfigur hoch oben am Aufsatz des linken Seitenaltars. Damals hatte er noch keinen Heiligenschein. Auch der Marterbaum fehlte. Das Lendentuch war nicht vergoldet, sondern weiß bemalt. |
| Hinweise:
Die
ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden
zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte
Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen
setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein.
Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen
vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte
Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen
im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet;
so auch in Westerndorf. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
||
| Hinweis: Die zwei Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. |
| Hinweis: Der Heilige (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und setzte sich bei Clodwig I. für die Freilassung ein. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. |
| Hinweis: Der Heilige lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner |
| Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wieder-auffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. |
| Hinweis: Die glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, die Franziskus vorlebte, faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen. |
|
Das rechte Chorschrägen-Fenster
enthält eine Weihnachtsdarstellung
aus Buntglas. Eine Inschrift weist darauf hin, dass die"Bauerseheleute
Carolina und Josef Brandmair aus Westerndorf das Fenster 1928 gestiftet
haben.
|
Es stammt von Syrius
Eberle aus Dachau. Der Glaskünstler hat das gleiche Bild 1932 in
Arnbach, in Palsweis und wohl auch in Odelzhausen erstellt hat. Wollen Sie vergleichen ? |
Bild des Guten Hirten
|
über dem Sakristeieingang
hängt ein Bild des Guten Hirten
, das bis 1955 die Rückwand (Dorsale) der Kanzel an der Nordwand
zierte. Es wurde in der 1.Hälfte des 18.Jh. gemalt.
|
Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. |
In der Osterzeit steht auf dem
Tabernakel die Figur eines "auferstandenen
Christus" mit der Siegesfahne in der Hand. Die Fahne gilt seit
dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute
sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen
Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik.
In der Weihnachtszeit steht an gleicher Stelle ein Jesuskind,
mit Glorienschein um das Haupt.
Beide Figuren dürften aus der 1.Hälfte des 20.Jh stammen.
| Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln. |
Der Zelebrationsaltar ist aus alten Gestühlwangen, die früher im Altarraum (für Mesner u. Ministranten) standen, erbaut. Er wurde nach der Renovierung 1975 aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils. Dies bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. "Die Eucharistie kann gemäß einem Desiderat der Liturgischen Bewegung wiederum versus populum gefeiert werden. Dafür ist ein freistehender, umschreitbarer Altar notwendig, heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanischen Konzils "Sacrosanctum concilium" (SC 124)
| Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte |
| jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt.Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
Im Schmiedeeisen-Ständer neben dem Zelebrationsaltar ist ein schönes Vortragekreuz befestigt. Der Corpus stammt aus der Zeit um 1760. Das Kreuz dürfte früher an der Wand gehangen haben.
| Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh. |
Am bemalten Chorbogen ist die Jahreszahl
1729 angebracht, die auf den Langhausneubau in diesem Jahr hinweist.
Früher (jedenfalls 1887) hing am Chorbogen ein Kruzifix aus der Zeit um
1600, das derzeit im Leichenhaus angebracht ist.
Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.
Auch die beiden Seitenaltäre
stammen aus der Rokokozeit. Einer dürfte vor 1708 errichtet worden sein,
der andere wurde wohl 1729 im gleichen Stil nachgearbeitet. Die Altäre
haben jeweils zwei glatte Säulen und sind aus grau-rötlich marmoriertem
Holz gearbeitet. Die Altaraufsätze bestehen aus Gips und sind mit der Außenmauer
verbunden. Der Kirchenrechnung von 1730 ist zu entnehmen, dass für die
Seitenaltäre zwei weiß/grün bedruckte Antependien gekauft worden
sind (Originaltext: "Von Hanns Georgen Haimmüller Burger und Pallier
zu München seint zu dennen 2 neben Altar 2 von weis- und grienner Farb
gethruckhte Antipendie erkhaufft und hiefür bezalt worden: 6 fl.".
Im Jahr 1864 wurden die beiden Seitenaltäre renoviert. Die Maurer und Vergolde
sollen eineinhalb Jahre damit beschäftigt gewesen sein. Die beiden Reliquienkästchen
waren vor 1955 gegenüber der heutigen Situation seitenvertauscht.
| Der rechte Seitenaltar ist der Jungfrau Maria geweiht. Auf dem von M.Huber, Oberschleißheim (sign 1819) gemalten Altarbild wird die "Verlobung oder Vermählung Mariens mit Josef" dargestellt Das Fest Maria Verlobung (Sposalizio) wird am 23. Januar gefeiert. Josef streift einen Ring über Marias Finger; der Rabbi dahinter segnet das Paar. Zu Füßen von Josef liegt ein grünender Aaronstab. |
| Hinweis: Der blühende Aaronstab hat seinen Hintergrund in Legenden aus dem 2. Jh., die von der Brautwerbung Josephs berichten. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Aaronstab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab grünte und blühte, zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder. |
| In einem schön bemalten Schrein befindet sich eine kupfergetriebene, versilberte und vergoldete Reliquienmonstranz aus dem Jahr 1780. Vor dem Strahlenkranz sind Festons, Fruchtgehänge und Schleifen mit Steinbesatz angebracht. In der Mitte ein ovales Sichtfenster, das den Blick auf die Reliquie und die Aufschrift "Petr.Ap." (Apostel Petrus) auf dem kleinen Pergamentstreifen (Cedula) frei gibt. Kupfergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Vor 1955 war der Schrein nicht bemalt, sondern mit Akanthusschnitzwerk verziert, wie alte Fotos zeigen. |
| Auf dem Schrein steht eine Maria Immaculata im Strahlenkranz, die aus der 1.Hälfte des 18.Jh. stammt. Maria als neue Eva (Gen 3,15) und als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1). Marias Haupt wird von einem Kranz von 12 Sternen umgeben. | Ihr Fuß zertritt einer Schlange, die die Weltkugel umschlungen hat, den Kopf. Im Hintergrund die Strahlen der Sonne. |
| Im Aufsatz des rechten Seitenaltars ein Bild des hl. Florian in römischer Rüstung und weißer Fahne. In der Hand hält er ein Wasserschaff und löscht das brennende Haus zu seinen Füßen. | Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. |
| Auf dem linken Seitenaltar ein großes Bild des heiligen Leonhard. Auf dem oberen Teil des Bildes schwebt der Heilige auf Wolken, umgeben von Engeln die seine Attribute halten. Der untere Teil zeigt St.Leonhard, wie er Gefangene besucht. Daneben kniet ein Bauer und fleht die Hilfe des "Viehpatrons" an. Auf der Weide im Hintergrund grasen Kühe und Pferde. | |||
| In einem schönen marmorierten Holzschrein mit hohem Barockschmuck und Glasfront aus dem Jahr 1760 steht eine Kreuzpartikelmonstranz aus dem Jahr 1760. Sie ist aus Messing/Kupfer und mit Silber bzw. Gold überzogen und besitzt einen geschwungenen Fuß mit Rocaillerelief. Um das Sichtfenster mit den Kreuzpartikeln rankt sich ein Rocaillerahmen. Die Kreuzpartikel selbst in einen Bergkristall in Kreuzesform eingelassen. | |||
|
Im Aufsatz des linken Seitenaltars ein rundes Bild der Wetterheiligen Johannes und Paulus in der römischer Kleidung mit Schwertern in den Händen. |
Hinweis: Die beiden Heiligen waren Brüder, die hohe Beamtenstellungen am Hofe Kaiser Konstantins innehatten. Unter Kaiser Julian dem Abtrünnigen, wurden sie wegen ihres christlichen Glaubens um das Jahr 361 in ihrem Haus auf dem Caeliusten enthauptet und dort begraben. Seit dem 6. Jahrhundert werden sie als Märtyrer verehrt, später galten sie auch als Gewitterheilige (siehe Bittgang in Westerndorf). |
Deckengemälde
im Kirchenschiff
|
Das 1729 errichtete Langhaus hat eine einfache
Flachdecke mit farbigem Gesims,
die mit einem ovalen Deckengemälde
(Thema Krönung Mariens) aus dem gleichen Jahr geschmückt ist.Das
Al-Secco-Gemälde (= auf trockenen Putz gemalt) wurde 1975 restauriert. |
Die in einen blauen Mantel gekleidete Maria kniet auf Wolken. In ihrer Hand hält sie eine Lilie; ihr Haupt ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben. Christus (mit dem Kreuz) und Gottvater (mit Weltkugel) halten über Maria die Krone der Himmelskönigin. Darüber schwebt vor einem Lichtkranz die Hl.Geist-Taube. Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage" |
Figuren
und Bilder an den Seitenwänden
An
den Seitenwänden hängen im rückwärtigen Teil des Langhauses interessante
Kreuzwegbilder im Rocaillerahmen
aus der Zeit um 1760/70. Bei den Bildern handelt es sich um einfache
Bauernmalerei. Auf ihnen sind noch die Ablässe verzeichnet, die beim
Kreuzweggebet erzielt werden konnten. Dies ist sehr selten in den Kirchen
des Landkreises. Bei den ersten und letzten Bildern wurde ein vollkommener
Ablass gewährt, bei den mittleren Bildern sieben Jahre und sieben Quadragene.
Dieses Ablassmaß war wegen der heiligen Zahl Sieben sehr beliebt.
Eine Quadragene bedeutete vierzig Tage Fasten bei Wasser und Brot.
|
![]() Vergrößerung von 7Details per Mouseklick |
| Die 14 Kirchenbänke haben kunstvoll geschnitzte Eichenholz-Stuhlwangen, die mit Akanthusblättern verziert sind. Sie stammen aus dem Jahr 1729. | Das Muster dieser Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und hier in Westerndorf verwendet. |
| Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große „sündige“ körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts (südlich) und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese „Seitenwahl“ konnten selbst befragte Kirchenhistoriker nicht nennen. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite (so auch in Westerndorf). Bei seitlichen Eingängen geht die Trennlinie manchmal auch quer durch die Kirche. Vorne die Frauen, hinten und auf der Empore die Männer (z.B. in Jarzt). |
| An den Bänken sind weiß-blaue Prozessionsstangen mit Leuchter tragenden Engeln und mit Prozessionslaternen befestigt. Die aus dem 18.Jh stammenden Leuchterengel knien auf Wolkensockeln. | Im Eingangsbereich sind der schöne alte Opferstock und ein interessanter Weihwasserkessel angebracht. Wenn Sie sich auch andere alte Opferstöcke oder interessante Weihwasserkessel in den Kirchen des Landkreises ansehen möchten, klicken Sie hier... oder hier.. |
Die Kirche besitzt keine Orgel; auf der 1972 erneuerten einfachen Empore steht ein kleines, altersschwaches Harmonium mit Tretblasebalg. Die Emporenbrüstung ist mit einfachen Holztafeln verkleidet. Früher war sie weiß gestrichen; in der Mitte war ein vergoldetes IHS-Zeichen im Strahlenkranz aufgemalt.
Bittgang
..mehr über
den jährlichen Bittgang am Fest Johannes und Paulus am 26.Juni erfahren
Sie hier............
Kirchenraum vor 1955
Ein altes, etwas vergilbtes Foto
(wohl aus der Zeit um 1925) zeigt das Innere der Kirche in Westerndorf in ihrer
Gestaltung vor der großen Renovierung von 1955. Unterschiede zum heutigen
Zustand:
|
- ganz links
ist die Treppe zur ehem. Kanzel zu erkennen. Der Architekt Max Gruber
beschrieb die |
Westerndorfer Frauenchor
1921 gab es in Westerndorf einen
Frauenchor. Das meldete die Wochenzeitung Amperbote am 03.12.1921 mit folgenden
Worten:
"Wohl zum ersten mal seit den Jahrhunderten seines Bestandes hat unser
Filialkirchlein einen vierstimmigen Frauenchor vernommen, wie ihn am 29. November
die Westerndorfer Jungfrauen zu ihrem Engelamt gestellt haben. Das Merkwürdige
dabei ist, dass die Ortschaft überhaupt nur acht Häuser zählt.
Der glückliche Erfolg mag die wackeren Mädchen entschädigen für
die gebrachten Opfer an Zeit und Mühe".
Damals gab es noch viele Gottedienste in der Westerndorfer Kirche: Einer noch
erhaltenen Gottesdienstordnung der Pfarrei Jarzt vom 25.08.1921 ist zu entnehmen,
dass in Westerndorf mitten im Sommer am Montag, Donnerstag, Freitag und Sonntag
jeweils ein Amt abgehalten wurde.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Amperbote vom 10.01.1920 (Elektrifizierung)und vom 03.12.1921(Frauenchor)
Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland
1966/1
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Liturgiekonstitution des II. Vaticanischen
Konzils - Sacrosanctum concilium-SC 124, (Zelebrationsaltar)
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Markus Bogner, Die Geschichte der Ortsteile von Haimhausen, Amperland 1974
Dr.Alfred Gleißner, Die Kirchen in der Gemeinde Haimhausen, Amperland
1974/3
Festschrift zum 250jährigen Jubiläum der Langhausbaues, 1977
Dachauer Neueste 1977
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland
1982/3
Bericht des Kunstreferats der Erzdiözese München und Freising, 1985
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer
Landes, 1991
Heimatbeilage "Unser Dachauer Land" Nr. 41, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Sonnenuhr, Bittgänge,
Figuren 1730)
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
G.R. Anton Mayer, Wege, Zeichen, Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
Dr. Peter Pfister, Die Verehrung des hl Petrus in Bayern
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen
Symbole, 2011
(braun, Strick)
Dieter Gerhard Morsch, Die spätgotische
Madonna von Westerholzhausen, Amperland 2012/1
(Granatapfel, FN7)
58 Bilder: Josef Brandmair (1), Hans Schertl (57)
|
|
17.2.2011
Privilegierter
Altar
(altare privilegatum)
Der Hauptaltar der Kirche in Westerndorf war ein sog. Privilegierter Altar. Auf dem Altar bestand das Privileg - also das Recht an jedem Mittwoch (feria IV) eine heilige Messe für Verstorbene zu feiern. Diese Messen wurden wahrscheinlich nur mit dem Formular der Totenmessen ohne Berücksichtigung der jeweiligen Kalenderheiligen gefeiert.
1917 wurde der Codex Juris Canonici (CIC), in dem das Kirchenrecht zusammengefasst ist, reformiert und dabei die Altarprivilegien abgeschafft. Inzwischen waren Messintentionen für die Verstorbenen ohnehin üblich geworden und zudem wurde bei jeder Messfeier der Lebenden und der Toten gedacht.
Wie kam nun das Schweizer Geld nach Westerndorf ?
Darüber kann man natürlich nur Mutmaßungen anstellen. Nach Auskunft der Staatlichen Münzsammlung handelt es sich um eine Kupfermünze, die aus Schweizer Kanton Graubünden nahe der Stadt Chur stammt. Die aus dem Herrschaftsbereich Scharvenstein-Reichenbach stammende 2-Pfennig-Münze dürften ihrer damaligen Kaufkraft nach dem heutigen Betrag von -.15 Euro entsprechen (1 Kreuzer war unterteilt in 4 Pfennige). Sie kann durch Bauarbeiter während des Einbaus der Empore 1729 oder später durch Kirchenbesucher, denen das Geld in Ritzen zwischen den Brettern gefallen war, in den Fehlboden gekommen sein.
Es ist bekannt, dass in dieser Zeit viele Graubündener Baumeister und Maurer in Bayern gearbeitet haben, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden konnten. Vielleicht kam das Geld durch Gastarbeiter bei Schlossreparaturen in Haimhausen unter das Volk. Es ist aber durchaus möglich, dass auch am Bau des Kirchenschiffes in Westerndorf Graubündener beteiligt waren. Beim Kauf von Lebenmitteln könnte das von den Maurern mitgebrachte Geld unter die Westerndorfer/Oberndorfer Leute gekommen sein (damals fand auch ausländisches Geld wegen seines Silbergehalts als Zahlungsmittel Verwendung).
Nicht auszuschließen ist, dass man vor allem diese in Bayern wohl weniger gebräuchlichen Münzen bevorzugt in den Klingelbeutel geworfen hat; dann konnte sich der Pfarrer mit dem ausländischen Geld herumschlagen.
Hans Schertl
weiter zu..