zur Landkreiskarte              ausführl.Beschreibung              Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen


Filialkirche St. Martin in UNTERBACHERN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

85232 Bergkirchen, Ludwig-Thoma-Straße 54
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die erste Erwähnung einer Kirche in "Pahhara" entstammt einer Gerichtsakte aus dem Jahr 824. Man weiß aber nicht, ob der Ort dieses Namens das heutige Unter- oder Oberbachern bezeichnete.
Zwanzig Jahre später, im Jahr 843, wurde unter dem Freisinger Bischof Erchanbert eine Kirche zu Pacharon dem hl. Martin von Tours geweiht. Dies dürfte die Kirche in Unterbachern gewesen sein, die heute noch das Martinspatrozinium besitzt.

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde das Gotteshaus als Filiale "Niderpachern" der Pfarrei Pellheim erwähnt.
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt das Patrozinium der Kirche: "s.Martini in Bachern". Unterbachern gehört zur Pfarrei Pellheim und mit dieser Pfarrei zum Pfarrverband Dachau, der 2011 neu gebildet wurde.

Der älteste Teil der heutigen Martins-kirche in Unterbachern ist die halbrunde Chorapsis aus romanischer Zeit, die sich im Osten an das Langhaus anschmiegt.

Der in vier Geschosse gegliederte Turm mit Spitzhelm im neuromanischen Stil kam erst 1899 hinzu. Vorher hatte die Kirche einen westlichen Dachreiter. Damals wurde auch das Kirchenschiff um eine Achse verlängert.

Im Turm hängen drei Glocken aus neuerer Zeit.


auf dem Seitenaltar

Die letzte Renovierung wurde 2003 abgeschlossen.

Innenausstattung

Der Altarraum ist stark eingezogen. An seinem Kreuzgratgewölbe sind in einem Gemälde die vier Evangelistensymbole dargestellt.

Der um 1670 entstandene Choraltar mit seinen gewendelten Säulen ist schön in den halbrunden Altarraum hineinkomponiert.
Mittelpunkt des Altars ist die Schnitzfigur des Kirchenpatrons, des hl. Martin, zu Pferd, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt.
Im Altarauszug eine Figur von Gottvater mit der Weltkugel, umgeben von Putten und zwei verehrenden Engeln.
Assistenzfiguren sind die Bistumspatrone St.Korbinian (im Bischofsornat mit Bären - links) und St. Sigismund (im Plattenharnisch mit Königskrone).

Die beiden Seitenaltäre aus der Zeit um 1690 (wahrscheinlich von Konstantin Pader) sind
- der Muttergottes (mit dem Jesuskind) und
- dem Apostel Andreas (mit Andreaskreuz) geweiht.

KirchenbankwangenKirchenbankwangenKreuzwegstationenApostelleuchterApostelleuchterAltaraufsatz - St.Anna Zelebrationsaltar Korbinian St.Sigismund Altaraufsatz  -Gottvater Muttergottes St.Andreas Altaraufsatz - St.AnnaSt.Martin und der BettlerDeckengemälde-4 EvangelistenTabernakelAmboKreuzwegstationenMater dolorosaKruzifixDeckengemälde
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Das Deckenfresko im Kirchenschiff zeigt Maria als Friedenskönigin im Engelskreis. Es wurde 1946 vom bekannten Dachauer Kunstmaler Richard Huber geschaffen. Es gilt als Dank der Bevölkerung für die Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Der Künstler hat auch die 14 Kreuzwegstations-Bilder gemalt.

Weitere Figurenausstattung:

- St. Sebastian,
an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt
- St.Leonhard
(18.Jh) mit massiven Ketten in den Händen
- St. Antonius hält den Jesusknaben auf dem Arm
- St. Bruder Konrad (mit Kreuz und Rosenkranz)
- St. Wendelin mit einer Wurfschaufel (Hirtenschaufel) in der Hand und einem Rind zu seinen Füßen.

Die Orgel wurde 1960 von den Gebrüdern Sandtner aus Steinheim bei Dillingen als zweimanualiges Werk mit 12 Registern aufgestellt. Sie ist zum Teil in einem klassizistisch gestalteten Flachfelderprospekt mit Regence-Schleierornamenten aus der Zeit um 1735 untergebracht.

In der Kirche findet alle zwei Wochen ein Gottesdienst statt.
Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Kirchenführung:
Falls Sie eine Kirchenführung wünschen, wenden Sie sich bitte an Frau Ingrid Scheingraber


Beschreibung der Kirche
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:  Erste Kirche 824  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Matrikel 1738
   Beschreibung 1884  Beschreibung 1895  Verlängerung 1899       
Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar  
   Deckengemälde  Empore  Ewig-Licht-Ampel  Figuren im Schiff  Kirchenbänke
   Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe  Kruzifix  Orgel  Opferstock
   Reliquien  Seitenaltäre  Turm  Zelebrationsaltar Gottesdienstzeiten

Der Ort "Pahhara" (Siedlung am Bach) wurde urkundlich erstmals vielleicht im Jahre 763, ganz sicher aber 777 in einer Schenkungsurkunde an die Freisinger Bischofskirche erwähnt. Bachern ist damit eine der ältesten Siedlungen im Landkreis Dachau. Eine Unterscheidung in Ober- und Unterbachern wird erstmals aber erst in einer Scheyerner Klosterurkunde getroffen, die in die Zeit zwischen 1186 und 1199 zu datieren ist. Das genaue Ausstellungsdatum der Urkunde wird nicht genannt. Das ist nicht ungewöhnlich, weil zum einen die Zeitrechnung "nach Christi Geburt" damals noch nicht verwendet wurde und zum anderen die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht worden war. Nach römischem Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh, also zu der Ausstellungszeit unserer Urkunde, begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung aller Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Prominente Zeugen, von denen ebenfalls Lebensdaten erhalten sind, lassen eine weitere Eingrenzung zu.

Geschichte der Kirche


Erste Kirche
Die erste Erwähnung einer Kirche in Ober/Unterbachern stammt aus einer Gerichtsakte aus dem Jahr 824, nach der zwei Männer namens Hruadolf und Engilman die Herausgabe der Kirche in "Pachara" an den Freisinger Bischof Hitto (810-834) verweigerten. In dieser Urkunde (Nr.507 der Freisinger Traditionen) wird von einer "Basilica" gesprochen, d.h. es bestand damals schon eine Kirche, keine Kapelle mehr; auch wenn es sich -wie allgemein üblich- um einen Holzbau gehandelt haben dürfte. Die Urkunde wurde übrigens in Ergolding bei Landshut (anlässlich eines Gerichtstags ?) ausgestellt.

Zwanzig Jahre später, im Jahr 843, wurde unter Bischof Erchanbert (835-854) eine Kirche zu Pacharon dem hl. Martin von Tours geweiht, berichten die Freisinger Akten. Dies wird wohl die Kirche in Unterbachern gewesen sein, die heute noch das Martinspatrozinium besitzt. Wenn dies eine neue Kirche war, dann wird das 824 erwähnte Gotteshaus wohl die Kirche in Oberbachern gewesen sein.


Matrikel von 1315 01)
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde die Kirche als Filiale "Niderpachern" der Pfarrei Pellheim erwähnt. Damals, rd. 500 Jahre nach der ersten schriftlichen Erwähnung, hatte sie noch immer keinen Friedhof.


Matrikel von 1524 01)
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 spricht von der Kirche "s.Martini in Bachern".

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.


Auszug aus der Karte von Apian 1568
Unterbachern = U.Pachern
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Im Bericht über die Pfarrei Pellheim ist auch Unterbachern kurz erwähnt. Die Filialkirche St.Martinus in "Underpachern" hatte ein eigenes kleines Einkommen (neben dem der Pfarrei) in Höhe von fünf Gulden und vier Pfennigen an Geld und 1 Pfund an Wachs. Von dem Geld erhielten die Kirchenverwalter 11 Kreuzer, der Mesner 4 Kreuzer, der Pfarrer und der Ambtmann jeweils 15 Kreuzer. Der Rest wurde für Kerzen und Öl ausgegeben ("das ander ist uber die beleuchtung gangen"). Ein Mesnerhaus gab es nicht. Mesner war wohl einer der Gütler. An liturgischen Gerätschaften waren vorhanden: Zwei Kelche, davon einer aus vergoldetem Kupfer ("hat 2 kelch, dern ainer kupferin und vergult"), eine kleine Monstranz aus Messing, 2 Messbücher, 1 Liturgiebuch, ein zerrissenes Kantorenbuch und vier Messgewänder ("4 ornät, darunder ainer guet"). Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein aufbewahrt. Das Sakramentshaus war verschlossen und mit einem Ewigen Licht ausgestattet ("Sacramentum seind wol beschlossen und zimblich beleucht"). Der Bericht endet mit einer Aussage über die Kirche: Der Bauzustand war nicht zufriedenstellend ("Das gotshauß ist paufellig"). Auch im Inneren gab es allerhand Mängel (an altär, tafeln und gestuel ist grosser, sonst an andern dingen nit mangel)".
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 über die Visitation in der Pfarrei Pellheim (in heutigem Deutsch) lesen möchten,
klicken Sie hier...

In den Jahren 1630 (Einbau des rechten Seitenaltars) und um 1690 wurde die Kirche renoviert.


Matrikel 1738/40 01)
Eine weitere Erwähnung findet Unterbachern in der Schmidt'schen Matrikel,

Auszug aus einer Landkarte des
Geografen Finckh von 1655

die der Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738/40 erstellt hat. Er beschreibt die Kirche in Unterbachern als von gutem Baubestand; sie gehöre zu den Schöneren unter den ländlichen Kirchen der Umgebung. Auch damals waren drei Altäre vorhanden: der Hochaltar mit Patron St.Martin, die Seitenaltäre zu Ehren von St.Andreas und der Jungfrau Maria. Messfeier war hier jeden dritten Sonntag und an bestimmten Festtagen (von St.Martin, St.Korbinian, Andreas und Oktav des Arme-Seelen-Festes). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen diser Kirchen wirdet der Zeit yber 400 fl. (Gulden) nit ausmachen". Dieses Vermögen war im Verhältnis zu den anderen Kirchen unserer Gegend nicht üppig.


Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Unterbachern als Filiale der Pfarrei Pellheim enthalten. Damals gehörten 111 Gläubige (in 28 Häusern) in Unterbachern und 28 (3) in Ried zum Bereich dieser Filiale. Mayer schreibt:
  "Unterbachern, 1/4 Stunde östlich der Straße von Dachau nach Augsburg gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Spätgothischer Stil. Geräumigkeit genügend. Baupflicht: (an der Kirche) die Kirche, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 2 unbedeutenden Glocken. 3 Altäre, keine Orgel. Gottesdienste: jeden dritten Sonntag, dann am Oster- u.Pfingst-Montage, Mariä Geburt (=8.9.) -Seitenaltarpratrozinium- und Stephanitag (=26.12.). Stiftungen: 4 Jahrtags-Requien und 1 Jahr-Messe. Der Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen: rd. 5000 Gulden. "


Beschreibung 1895
Das Kruzifix in der Unterbachener Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
  "Über dem Triumphbogen hängt ein Holzcrucifixus; das Kreuz läuft kleeblattförmig aus. Die Füsse Christi sind gekreuzt; die Rippen durch parallele in der Mitte der Brust durch einen spitzen Winkel geschiedene Linien angedeutet. Lendentuch anliegend, an der rechten Seite geknüpft. Wohl Ende des 14.Jh. Höhe ca. 1 m."

 


Verlängerung 1899

Auch wenn es 1874 hieß, dass die Kirche genügend geräumig sei, wurde im Jahr 1899 das Kirchenschiff verlängert.
Bei dieser Baumaßnahme hat man auch den Turm an der Südseite errichtet. Zuvor soll die Kirche einen Dachreiter auf der Westseite besessen haben, dessen Fundamentbalken morsch geworden war. Allerdings ist in den Matrikeln von 1738 und 1874 von einem Sattelturm die Rede. In diesen Matrikeln werden Dachreiter in anderen Kirchen als solche benannt. Möglicherweise saß der Dachreiter nur mit der Ostseite auf einem Balken auf und hatte auf der Westseite eine Mauer bis zum Boden, sodass er wie ein Turm wirkte.

Die letzte Renovierung wurde 2003 abgeschlossen.

Baubeschreibung

Die Kirche steht in der Mitte des Straßendorfs auf einem kleinen Hügelvorsprung. Sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der älteste Teil der heutigen Martinskirche in Unterbachern ist die halbrunde Chorapsis aus romanischer Zeit. 13) Der mit Apsis fast acht Meter lange Chor besitzt zwei Achsen, das Langhaus, das 14 x 8 m große Kirchenschiff vier. Die vierte Achse kam 1899 hinzu, als auch das Gewölbe insgesamt neu angelegt wurde.

Der in vier Geschosse gegliederte Spitzturm mit schönem Bogenfries steht an der Südseite beim Übergang von Langhaus in den Chor. Er wurde erst 1899 anstelle eines früheren (1895 abgebrochenen) Westturms errichtet. Die vier Geschosse des Turms sind durch ein Staffelfries im zweiten Geschoss, durch rundbogige doppelte Klangarkaden sowie ein kupferbeschlagenes Spitzdach über vier Giebeln in neuromanischem Stil gestaltet. Hinter den Schallfenstern hängen drei Glocken: Sie wurden 1946 und 1947 von Karl Czudnochowsky (1900-1977), Erding sowie 1899 von dessen Vorgänger Anton Josef Bachmair (tätig 1873-1912)
aus Erding gegossen.

Das Vorhaus ist an die Südwestseite des Langhauses angefügt, mit Rundfenstern an der Süd- und Ostseite.

Die zweigeschossige Sakristei steht an der Südseite des Chores und wird von vier schmalen Rundbogenfenstern erhellt.

An der Ostseite der Sakristei hängt ein Missionskreuz von 1966. Es erinnert an die in diesem Jahr durchgeführ-te Volksmission.
Hinweis:
Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. In Bayern wurde die erste Volksmission 1843 in Tuntenhausen von den Redemptoristen abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle.
Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies


Missionskreuz
  geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Bei diesen Volksmissionen wirkte bis zum 2.Vatikanischen Konzil noch ganz die alte Frömmigkeitshaltung des Barock nach, auch seine starre Liturgie, bald als dunkle Wucht, bald als feierliche Pracht. Christliche Verkündigung, die Lebensfülle der hl.Schrift, wurde verengt auf moralische Verbote. Damals wurden das 6.Gebot und die Kirchengebote (Keuschheit, Sonntagsgebot, Fasten und Abstinenzen) zum wichtigsten Inhalt katholischen Lebens gemacht. Tugendbündnisse und Jungfrauenkongregationen entstanden. Der Zulauf zu den Volksmissionen war dennoch groß.
Heutzutage wird die Volksmission durch neue Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt. Im Mittelpunkt stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Bei diesen Volksmissionen wirkte bis zum 2.Vatikanischen Konzil noch ganz die alte Frömmigkeitshaltung des Barock nach, auch seine starre Liturgie, bald als dunkle Wucht, bald als feierliche Pracht. Christliche Verkündigung, die Lebensfülle der hl.Schrift, wurde verengt auf moralische Verbote. Damals wurden das 6.Gebot und die Kirchengebote (Keuschheit, Sonntagsgebot, Fasten und Abstinenzen) zum wichtigsten Inhalt katholischen Lebens gemacht. Tugendbündnisse und Jungfrauenkongregationen entstanden. Der Zulauf zu den Volksmissionen war dennoch groß.
Heutzutage wird die Volksmission durch neue Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.

Lourdesgrotte


Lourdesgrotte
An der mittleren Südseite der Friedhofsmauer befindet sich in einem kleinen gemauerten Giebelbau, der nach Norden offen ist, eine Lourdesgrotte. Sie ist mit Tuffsteinen verkleidet. Darin steht -etwas erhöht- eine Lourdesmadonna aus Gips (Ende l9. Jh.). Davor eine Kniebank. Über der Öffnung der Text: "Hl. Maria beschütze unsere Heimat".
Hinweis:
Vom 11. Februar 1858 an erschien dem Mädchen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave du Pau wiederholt die heilige Maria. Während einer dieser Visionen entsprang in der Grotte eine Quelle, deren Wasser als heilkräftig gilt. Die offiziellen Vertreter der Kirche sahen diese Erscheinungen zunächst mit Argwohn an und glaubten erst nach einiger Zeit den Aussagen des Hirtenmädchens. Als der Pfarrer Bernadette aufforderte, die Erscheinung nach ihrem Namen zu fragen, und Bernadette ihm den Namen "unbefleckte Empfängnis" überbrachte, war er von der Authentizität der Erscheinung überzeugt; denn diesen theologischen Terminus konnte Bernadette seiner Meinung nach nicht wissen. Bald entstand bei der Grotte ein "heiliger Bezirk" mit mehreren großen Kirchen und einem Prozessionsplatz. Der Ort zieht seither Millionen von Pilgern an, darunter viele Kranke, die sich vom vermeintlich wundertätigen Wasser Heilung versprechen. 67 Heilungen sind von der Kath.Kirche als Wunder anerkannt.


Innenausstattung

Altarraum

Der mit 6 m Seitenlänge quadratische Altarraum ist von einem Kreuzgratgewölbe überdeckt.
Ein Kreuzgratgewölbe entsteht, wenn zwei Tonnengewölbe gleicher Höhe sich rechtwinklig schneiden, d.h. es setzt sich aus 4 Tonnenkappen zusammen. Die Schnittstellen heißen Grate.

Geschlossen wird der Altarraum durch eine halbrunde Apsis mit einer Tiefe von 1,80 m aus romanischer Zeit.


Altarraum
an Weihnachten

Wegen der geringen Größe des Altarraums und der romanischen Apsis wird vermutet, dass die Kirche in früherer Zeit eine Chorturmkirche gewesen sein könnte. Dann wäre über dem heutigen Altarraum der Turm gestanden; der Altarraum hätte das Unterge-schoss des Turmes eingenommen. Solche Chorturm-kirchen waren in romanischer Zeit (als Schutz der Bevölkerung vor feindlichen Angriffen) häufig errichtet worden; einige haben als Bauform die Zeiten bis heute überstanden. (z.B. in Schwabhausen, Rumeltshausen, Arzbach, Großinzemoos).


In den Gewölbewinkeln sind in Gemälden von W. Bertam die Symbole der vier Evangelisten dargestellt (um 1940).
 
                    
Der Adler des Johannes               der geflügelte Löwe des Markus    der geflügelte Stier des Lucas     der geflügelte Mensch des Matthäus
 


Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt
  (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangelium mit der Predigt des Johannes in der
  Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und
  Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit
  dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
  das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Fenster


  Fenstergemälde
Die rundbogigen Fenster haben Fischblasen-verglasung mit farbigem Muster
(wohl Anfang 20. Jh).

Johannes d.Täufer - St.Ursula
Die beiden östlichen Chorfenster enthalten zusätzlich im Mittelteil Darstellungen von Johannes dem Täufer und der hl. Ursula.
Johannes trägt einen Kreuzstab und ein Lamm auf dem Arm, Ursula hält einen Pfeil in der Hand; die Heilige soll von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein.

 

Pflaster
Der Boden des Altarraums ist mit einem farbenfrohen Pflaster belegt. Das Muster besteht aus Ornamentik, die typisch für die Zeit des Historismus am Ende des 19.Jh. ist (z.B. Vierpass). Das Pflaster dürfte beim Umbau um 1899 verlegt worden sein.

Pflaster im Altarraum

Choraltar / Hochaltar

Im Altarauszug des Hochaltars ist eine Halbfigur von Gottvater mit der vergoldeten Weltkugel angebracht, umgeben von Putten und zwei verehrenden Engeln mit Fruchtgehängen in den Händen. Die Vergoldung der Weltkugel zeigt an, dass hier die erlöste Welt dargestellt werden soll.

Gottvater
Darüber ein mit Voluten und Blumenfestons verzierter Segmentgiebel.

Der um 1670 entstandene Choraltar besitzt einen barocken Aufbau (Retabel) und ist schön in den halbrunden Altarraum hineinkomponiert. 
Die grau und rosa marmorierten Wendelsäulen tragen ein vorkragendes, verkröpftes Gebälk, auf dem der Altarauszug sitzt.
Das Antependium ist mit grün marmoriertem Holz verkleidet und mit vergoldeten Ornamenten geschmückt.

St.Martin
Mittelpunkt des Altars ist die fast lebensgroße Schnitzfigur des Kirchenpatrons, des hl. Martin.
Der Heilige sitzt vor dem als Relief gestalteten Hintergrund einer Stadt auf einem edlen Pferd und teilt mit seinem Schwert den Mantel mit dem neben ihm stehenden mageren Bettler.
Darüber eine Schriftkartusche mit dem Text "St.Martinus ora pro nobis".
  Der Legende nach begegnete Martin als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus, der mit dem Mantelstück bekleidet war. St.Martin wurde im Jahr 371, nachdem er aus dem Militärdienst ausgeschieden war, auf Drängen des Volkes Bischof von Tours.
Assistenzfiguren

St.Korbinian

Als Assistenzfiguren stehen auf Konsolen unter baldachinartigen Anschwüngen die beiden Bistumsheiligen
- St.Korbinian
(Diözesanpatron - links im Bischofsornat mit Bibel in der Hand und einem Bären
  zu seinen Füßen) und
- St.Sigismund (rechts im Plattenharnisch mit Königskrone auf dem Haupt sowie großem
  Reichsapfel in der Hand). Was Sigismund in der linken Hand hält, sollte eigentlich ein Zepter sein; doch es handelt sich eindeutig um einen Bischofs- oder Abtsstab. Vielleicht soll damit seine Fürsorge um das Kloster St.Moritz gewürdigt werden.


St.Sigismund
  Hinweis: Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Als bei einer
Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um, der sie nach Freising zurücktrug.
Sigismund, ein selten dargestellter Heiliger, war ab 516 König von Burgund. Nachdem er seinen Sohn irrtümlich als Rebellen erdrosseln ließ, erneuerte er zur Buße das Kloster von St.Moritz im Wallis und zog sich später dorthin zu Bußübungen zurück. 524 wurde er vom Frankenkönig Chlodomir besiegt und und - als der Bruder des Sigismund gegen die Franken zu Feld zog- aus Rache hingerichtet; der Leib wurde in einen Brunnen geworfen. Obwohl der Krieg mit den Franken eine politische Auseinandersetzung war, galt Sigismund als Märtyrer, weil sich an seinem Grab Wunderheilungen ereignet haben sollen. Zudem war er ein eifriger Förderer des Katholizismus und ein erbitterter Gegner des damals weithin verbreiteten Arianismus gewesen. Ein Teil der Gebeine kam nach Freising. Hier wird er als einer der Schutzheiligen des Doms und der Diözese verehrt.
Tabernakel
Der zweitürige Tabernakel im neubarocken Stil stammt aus der Zeit um 1908. Er besteht aus vergoldetem Holz und wird von zwei Wendel-säulchen gestützt.
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war.

Tabernakel v. 1908
Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher
Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung ver-wandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharisti-schen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewah-rung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an.
  Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzube-wahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder moderni-sierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.



Z
elebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist ein barocker Holztisch mit gedrechselten Beinen in Form von gewendelten Säulen. Er wurde um 1979 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatika-nische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.


Zelebrationsaltar

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.
  Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. wich die Tischform immer mehr der Block-form. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zele-brierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar.


Ambo



Ambo
Der Ambo in Naturholzfarbe ist für sich ein formschöner, zweckmäßiger Einrichtungsgegenstand. Sein oberer Abschluss hat die Form eines geöffneten Buches. Der Ambo passt jedoch stilistisch nicht zur Einrichtung des Altarraums, insbesondere nicht zum Zelebrationsaltar, mit dem der Ambo üblicherweise stilistisch korrespondiert. Schließlich gilt der Ambo als "Altar des Wortes".
Hinweis: Der Ambo (griech.ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Platt-form an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.



E
wig-Licht-Ampel


Die Ewig-Licht-Ampel, die vom Chorbogen hängt, besteht aus Messingblech und ist versilbert (19. Jh). Die Aufhängevorrichtungen für die Ketten haben die Form von Akanthusblättern.

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katho-lischen Gotteshauses. In der Anfangszeit des Christentums gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Taberna-kel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, heraus-
gebildet. Der Johanniter-Ritterorden hatte das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs heißt es: "Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird. In manchen Kirchen, in denen nur noch selten Gottesdienst gefeiert wird, wird das Ewige Licht elektrisch betrieben. So wohl auch in Unterbachern.


Kirchenschiff /Langhaus

Das Langhaus erhielt 1899 eine Flachdecke, die über niedriger Hohlkehle auf profiliertem Gesims aufsitzt.


D
eckenfresko

Das Deckenfresko (Maria als Friedenskönigin im Engelkreis) wurde am 30.9.1946 vom bekannten Dachauer Kunstmaler Richard Huber geschaffen.
Es gilt als Dank der Bevölkerung für die Beendigung des Zweiten Weltkrieges.

oben: Friedenskönigin Maria
Im oberen Teil des Gemäldes steht Maria, in blau-weißem Gewand auf Gewölk und breitet ihre Hände aus. Ihr langes, gelocktes Haar liegt auf ihrer Schulter. Sechs Putten mit recht irdischen Gesichtern halten Rosengebinde über und neben sie.
Im unteren Teil des Bildes ist eine Szene aus der Zeit am Kriegsende dargestellt und zeigt die Sehnsucht aller nach Frieden.

unten: Heimkehr von Soldaten
Vor dem Hintergrund der Unterbacherner Kirche wird ein verwundeter Kriegsheimkehrer von seiner Frau begrüßt. Abziehende Tiefflieger und das Gebet zur Muttergottes bezeugen dies in eindringlicher Weise (so der Enkel des Malers, Christian Huber, s.u.Quellen).
Das Fresko war Hubers erstes Deckengemälde.


S
eitenaltäre

Die wertvollsten Stücke der Inneneinrichtung sind die Seitenaltäre. Sie haben wie der Choraltar einen barocken Aufbau, aber mit glatten Säulen, verkröpftem Gebälk und Sprenggiebeln

Marienaltar
links
Die Altäre werden mit den dort stehenden Figuren dem Dachauer Bildhauer Konstantin Pader (1605-1681) zugeschrieben. Die Antependien in Kastenform sind grün marmoriert und mit Kreuz und Kreuzblumen vergoldet. Nach Aussage der Pfarrei sollen die Seitenaltäre 1690 entstanden sein; darauf lasse die vom Freisinger Ordinariat 1684 genehmigte Kirchenrenovierung schließen. Allerdings war 1690 Konstantin Pader schon 9 Jahre tot. Zudem ist in der Kirchenrechnung von 1630 vermerkt, dass in diesem Jahr Konstantin Pader den "seithen Altar uf der rechten handt" für 29 Gulden erstellt hat, der vom Maler Johann Zechentperger für 32 Gulden gefasst wurde (der Maler erhielt meist eine höhere Vergütung, weil die Farben damals so teuer waren). Vielleicht sind beide Seitenaltäre zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, oder man hat sie 1690 renoviert.

Andreasaltar
rechts

Linker Seitenaltar

Auf dem Gebälk sind in der Mitte ein Puttenkopf (1630) und daneben auf den Gebälkstücken je eine Putte mit schrägem Hosenträger angebracht (siehe Bild rechts).
Über dem Gebälk und dem Segmentgiebel ist ein Sternaufsatz mit Marienmonogramm ange-bracht. Das Monogramm besteht aus den ineinander geschriebenen Buchstaben des Wortes MARI(A).
Im quadratischen Auszug zeigt in einer ovalen Nische Christus seine Wundmale. Die Halbfigur ragt aus dem Aufsatz heraus.
Wenn man sich die Aufsatzfiguren der beiden Seitenaltäre besieht, würde man erwarten, dass hier am Marienaltar die Muttergottesfigur des rechten Altars angebracht ist. Dann stimmten Monogramm, Aufsatzfigur und Altarfigur überein. Möglicherweise hat man bei einer Restauration in früherer Zeit einen Austausch vorgenommen.

Im Zentrum des linken Seitenaltars steht die Figur der Muttergottes mit Kind. Beide Figuren sind bekrönt. Sie halten je einen kunstvollen Rosenkranz in der Hand, der ihnen sicher erst später hinzugefügt worden ist. Das Zepter in der linken Hand Mariens weist zusammen mit der Krone auf die Himmelskönigin hin.

Ob die Figuren aus der Spätgotik oder dem Frühbarock stammen, wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Maria und Jesus tragen zwar gotische Kronen, doch die Lebhaftigkeit der Gestik, die lebensnahe Körperlichkeit der Figuren und die "Vielfältigkeit" des Gewandes sprechen für die Barockzeit.



Rechter Seitenaltar

Im Altaraufsatz eine Halbfigur von Maria, die ihre Arme zu den Betrachtern hin öffnet.
Darüber der Aufsatz-Stern mit dem Jesus-Monogramm (IHS).
Hinweise: IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist eine Figur des hl. Apostels Andreas mit dem für ihn typischen langen Bart und seinem Haupt-Attribut, dem sog. Andreaskreuz. Die Figur wurde im 17.Jh (mglw. von Konstantin Pader) geschnitzt.


Andreas war der Bruder des Petrus. Er wurde von Jesus als erster Jünger berufen. Der Apostel soll im Jahr 60 in Patras (Griechenland) an ein Schrägbalkenkreuz gebunden worden sein, an dem er nach 2 Tagen starb.


KirchenbankwangenKreuzwegstationenKreuzwegstationenApostelleuchterDeckengemäldeApostelbilderApostelleuchterSt.MartinSt.WendelinBruder KonradKirchenbankwangenSimon und Matthäus per Mouseklick

Kreuzwegstationen

An den Seitenwänden hängen interessante Bilder der vierzehn Kreuzwegstationen.
Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vom Dachauer Künstler Richard Huber mit Ölfarbe auf Holz gemalt und ersetzten einen früheren Kreuzweg von 1844. Die Bilder sind 38 x 33 cm groß.


Kreuzwegbilder

"Leider sind einige der Bilder durch dilettantische Restaurierungen und Übermalungen sehr in Mitlei-denschaft gezogen" schreibt der Enkel des Künst-lers, Christian Huber (siehe Quellen). Die Überma-lungen waren wegen Holzwurmfraßes notwendig geworden. An den Bildern sind heute noch (wieder ?) die Wurmlöcher zu sehen (siehe Bild rechts).

Wurmlöcher

Apostelleuchter

Die Apostelleuchter bestehen aus Schmiedeeisen (Mitte 20. Jh).
Die Kreuze an der Wand, an denen die Leuchter befestigt sind, haben Kreuzbalken, die in stilisierten Lilien enden. Lilien und Kreuze sind zusammen Symbol für Schöpfung und Erlösung.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebe-ne himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


Apostelleuchter

Kreuzigungsgruppe

Das Kruzifix an der nördlichen Langhauswand stammt aus der 1.Hälfte des 18. Jh. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Er hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt; es ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben, der in der Kunst den göttlichen Personen vorbehaltenen ist. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist vergoldet. Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).

Hinweis: Die Seitenwunde, die Jesus nach dem Tod zugefügt wurde, ist deutlich sichtbar auf seiner rechten Brustseite zu sehen. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Das hatte den Zweck zu prüfen, ob Jesus schon tot war. Bei Toten sammelt sich im Herzen Wasser. Deshalb heißt es auch in der Bibel: "und sogleich flossen Blut und Wasser heraus." Nach mittelalterlicher Deutung konnte es nur die rechte, die gute Seite sein, durch die Blut und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und der Taufe auf die Menschheit herabströmte. Auch wenn die Menschen natürlich wussten, dass das Herz auf der linken Seite des Menschen schlägt.

Unter dem Kruzifix steht die Figur einer Mater dolorosa mit hoher barocker Krone auf dem Haupt. Sie hält ihre Arme über der Brust gekreuzt. Der Rosenkranz um die Hand wurde erst später hinzugefügt. Der Bildtypus der Mater Dolorosa entwickelte sich schon im Mittelalter und bezieht sich direkt auf das aus dem 13. Jh stammen-de Gedicht "Stabat mater", das die Gottesmutter in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt: Christi Mut-ter stand mit Schmerzen, bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Das Lied wurde vielfach vertont; es ist auch im Gotteslob unter Lied Nr. 532 zu finden.

         
Kanzelkreuz mit
Mater dolorosa


Weitere Figurenausstattung im Kirchenschiff


St.Sebastian
An der südlichen Chorbogenlaibung steht die Figur des hl. Sebastian aus dem 18.Jh. auf einer Rokokokonsole. Der Heilige ist an den Marterbaum gebunden; sein Körper ist von fünf Pfeilen durchbohrt.
Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein römischer Offizier, der auf Befehl des Kaisers Diokletian wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen wurde. Auf seine Anrufung hin, soll in Rom eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Deshalb wird er als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag: 20.Januar.

St.Leonhard
Gegenüber von Sebastian steht die Figur von St.Leonhard (18.Jh). Er ist in ein Ordensgewand gekleidet und hält massive Ketten in der Hand.
Hinweis: Der beliebte Heilige Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Abt in Frankreich. Er verwendete sich für die Gefangenen und galt deshalb als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Später wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Festtag: 6.November


St.Martin

An der Langhauswand ist eine weitere Figur vom hl.Martin, dem Kirchenpatron, angebracht. Der Heilige sitzt auf dem Pferd und teilt den Mantel mit dem vor dem Pferd knienden halbnackten Bettler. Unter dem Pferd lugt eine Gans hervor. Die Legende berichtet, Martin, der den Soldatenberuf an den Nagel gehängt hatte und Eremit geworden war, habe sich in einem Stall versteckt. Damit habe er seiner Wahl zum Bischof von Tours entgehen wollen; doch er sei durch das Schnattern der Gänse verraten worden. Festtag: 11.November


St.Antonius

Der hl.Antonius, in der braunen Franziskanerkutte, hält den Jesusknaben in den Händen.
Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensatio-nellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wur-den den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte und unterstreicht auch seine besondere Verehrung der Geburt des Herrn.
Festtag: 13.Juni


Auferstandener

In der Osterzeit steht auf dem Hochaltar die lebhaft gestaltete Figur des Auferstandenen
mit der Siegesfahne in der Hand und den Kreuzigungswunden an den Händen und Füßen.
Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik.


Bruder Konrad
Die Figur des hl. Bruder Konrad (in der Kutte der Franziskaner, mit Kruzifix und Rosenkranz) wurde in der Mitte des 20. Jh. geschnitzt.
Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. Festtag: 21.April

St.Wendelin

Die Figur der hl. Wendelin ist mit einer Wurfschaufel (Hirtenschaufel) in der Hand und einem Rind am rechten Fuß dargestellt.
Hinweis: Wendelin (555-617), ein irischer Königssohn, war Hirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Dort ereignete sich das Translokationswunder, das ihn in den Ruf der Heiligkeit brachte: Sein Arbeitgeber machte ihm Vorwürfe, weil er mit der Herde auf der Suche nach gutem Weideland zu weit von zu Hause weggezogen war. Doch Wendelin kam mit der Herde schneller nach Hause, als der Erzürnte mit dem Pferd. Dies konnte nur ein Wunder gewesen sein. Später wurde Wendelin wegen seines guten Rufes Abt des nahegelegenen Klosters Tholey, ohne die Priesterweihe empfangen zu haben. Festtag: 21.Oktober


Kirchenstühle

Die Kirchenbänke sind beiderseits des Mittelganges in 8 bzw. 12 Reihen aufgestellt. Sie wurden 1909 nach dem Entwurf von Architekt Josef Elsner (1845-1933), München von Zimmermeister Mayer aus Dachau erstellt. Ihre Wangen sind in den Formen des in der Zeit des Historismus vorherrschenden Stils gehalten und ähneln denen in der Giebinger Kirche.
Die Plätze in den Bänken sind nummeriert.
Dies kann ganz praktische Gründe haben, z.B. dass die Besucher nach der Kommunion wieder zum Platz zurückfinden.

Kirchenstühle
von 1909
Wahrscheinlich waren die Plätze aber auch in Unterbachern -so wie in vielen anderen Kirchen- gegen ein angemessenes Entgelt an bestimmte Personen vergeben. Auf diese Weise sicherten sich die Bauern bis zum Beginn des 20.Jh einen festen Platz in der Kirche. Diese Plätze waren in der Regel nicht an die Person, sondern an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenplatz.

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Auf der Empore stehen weitere fünf kurze Bankreihen.

An den Kirchenbänken im Kirchenschiff ist manchmal ein neues Vortragekreuz mit einem geschnitzten Korpus aus dem 18. Jh. befestigt.


O
pferstock

In der Nähe der Eingangstüre steht ein kleiner schwarzer Opferstock an der Mauer (Mitte 20. Jh).


Empore und O
rgel

Klassizistisch gestaltet ist der dreiteilige, auf der Empore aufsitzende Orgelprospekt (Brüstungs-gehäuse) mit Flachfelderprospekt und Regence-Schleierornamenten aus der Zeit um 1735.
Das Gehäuse stand bis 1903 in der Pfarrkirche Kreuzholzhausen.

Orgelgehäuse
v. 1735
Die Orgel, das Musikinstrument hinter dem Prospekt, wurde um das Jahr 1960 von den Gebrüdern Sandtner aus Steinheim bei Dillingen als zweimanualiges Werk mit 12 Registern aufgestellt. Die vom I.Manual aus gespielten Pfeifen stehen offen an der Rückwand, die des II.Manuals im schönen Brüstungsgehäuse.
Die Gebrüder Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Altomünster, Günding, Oberroth, Eschenried neu gebaut oder restauriert.
Disposition der Orgel (nach Brenninger - Stand 1975-):
I. Manual (C-g'''):  Principal 8', Sp 8', Pommer 4', Mixtur 2'
II. Manual (C-g'''): Lieblich Gedeckt 8', Principal 4', Salicional 4',
                         Blockflöte 4', Quintaton 1 1/3', Cimbel 1'
Pedal: (C-f'):       Subbaß 16', Zartbaß 16', GePommer 4',
Koppeln:
             II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P

Orgelpfeifen
des I.Manuals

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Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


     Apostelbilder

 
   
 
           Simon         Matthäus      Johannes           Thomas        Jakobus       Matthias    Barthololmäus       Philippus  

An der Emporenbrüstung sind zu beiden Seiten des Orgelwerks acht Apostelbilder angebracht. Sie dürften im 18.Jh gemalt worden sein. Es handelt sich um Ölbilder auf Holzuntergrund (Maße: 81 x 47 cm). Derzeit sind nur acht Bilder vorhanden. Die fehlenden vier Bilder wurden vermutlich 1903 bei Einbau des Orgelwerkes entfernt. Der Maler ist nicht bekannt. Welche Apostel auf den Bildern dargestellt werden, ist nicht abschließend zu sagen, weil die Attribute, die der Maler ihnen in die Hand gedrückt hat, nur teilweise eindeutig sind. Sicher sind die Apostel Jakobus d.Ältere (Muschel), Bartholomäus (Messer), Philippus (Kreuzstab), Johannes (Kelch) und Simon (Säge)zu erkennen. Die Attribute Hellebarde, Winkelmaß und Spieß+Buch sind mehrfach vergeben. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit hat der Künstler Matthias mit der Hellebarde, Thomas mit dem Winkelmaß und Matthäus mit dem Spieß und dem Evangelium (er ist der einzige Apostel, der auch Evangelist war) abgebildet.
Von links nach rechts:
Simon (mit Säge). Simon trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk.3, 18); besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht.  Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.
Matthäus
(mit Lanze und Evangelienbuch). Matthäus hieß ursprünglich Levi. Die ersten drei Evangelien erwähnen, dass er Zöllner in der antiken Hafenstadt Kapernaum war - also einer der von den Juden verachteten - weil im Dienst der römischen Besatzungsmacht stehenden - Steuereintreiber. Markus nennt ihn "Levi, den Sohn des Alphäus" (Markusevangelium 2, 14), Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Im Neuen Testament wird nur erwähnt, dass er einer der zwölf Apostel war (z.B.Lukas 6, 15). Matthäus soll bis zum Jahr 42 das erste Evangelium geschrieben haben. Danach zog er nach Parthien um das Evangelium zu verkünden. Die Redensart "es ist Matthäi am letzten" ist seit dem 16. Jahrhundert verbreitet und meint, der Betreffende habe bald kein Geld mehr - das bezieht sich auf Matthäus'Beruf als Steuereintreiber.
Johannes (mit Kelch und Schlange, als einziger bartlos). Johannes wird als Zeichen seiner Jugend ohne Bart dargestellt. Der Kelch erinnert an einen Giftanschlag auf Johannes. Dabei sei das Gift in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte. Allerdings wird diese Legende dem Evangelisten Johannes zugeordnet. Früher wurden der Apostel und der Evangelist Johannes als eine Person angesehen.
Thomas (mit Winkelmaß). Thomas, der der Legende nach Zwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Jakobus d.Ältere (mit Pilgerstab u.Muschelpailletten auf dem Umhang). Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war.
Matthias (mit Hellebarde) kam als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo. 1, 28). Die Hellebarde deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.
Bartholomäus (mit Messer) wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer dargestellt.
Philippus (mit Kreuzstab). Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt (bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9). Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt.


Fatschnkindl

In der Weihnachtszeit steht vor dem Zelebrati-onsaltar eine Krippe, in der ein Fatschnkindl liegt. Acht Kerzen tauchen die Figur in ein magi-sches Licht. Die in ein Brokattuch mit Rüschen gewickelte Wachsfigur wurde vor einiger Zeit gestiftet.

Die stilistisch den Altären angeglichene Holzkrippe wurde von H.Burghardt erstellt.
Hinweis: Das Fatschnkindl (von lat.fascia=die Binde) stellt das nach barocker Art in Windeln und Wickelkissen gewickelte (eingefatschte) Christkind dar. Es ist die erste Krippendarstellung, lange bevor es Weihnachtskrippen gab. Die Praxis,

  Babys zu fatschen , damit sie keine "krummen Glieder" bekommen, war bis ins 19. Jh., in ländlichen Gebieten sogar noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., üblich. Entschied sich früher ein Mädchen für ein Leben im Kloster, bekam es von seinen Verwandten ein Fatschenkindl als Ersatz dafür, dass sie als Klosterschwester auf eigene Kinder verzichten musste. Deshalb wurde es auch "Seelentröster" oder "himmlischer Bräutigam" genannt.
Wenn Sie sich auch für Fatschnkindl in anderen Kirchen des Landkreises interessieren, klicken Sie hier..



R
eliquiar

Nicht mehr in der Kirche befindet sich ein Reliquiar mit einem Kreuzpartikel aus der Zeit um 1765. Es wird für den Wettersegen verwendet. Das 42 cm hohe Reliquiar besteht aus Silber und ist teilvergoldet. Es besitzt einen ovalen Fuß mit farbigen Steinen und Roccaille-Ornamenten in Treibarbeit.


G
otisches Kruzifix

Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns aus dem Jahr 1895 ist auch ein Kruzifix der Unterbacherner Kirche aufgeführt. Dort heißt es: "Über dem Triumphbogen hängt ein Holzcrucifixus; das Kreuz läuft kleeblattförmig aus. Die Füße Christi sind gekreuzt, die Rippen durch parallele, in der Mitte der Brust durch einen spitzen Winkel geschiedene Linien angedeutet. Lendentuch anliegend, an der rechten Seite geknüpft. Wohl Ende des 14.Jh. (!) Höhe ca. 1 m."

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
04) Hartig in: JbVchrK 6, 288
05) Amperbote vom 31.1.1906 (Kirchturmbau)
06) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (84, 493, 507, 656b, 675, 732, 1058, 1185, 1285)
07) Konrad Beyerle, Übersetzung der Handschrift Lex Baiuvariorum, 1926 (nach Christi Geburt)
08) Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
08) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
09) Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
10) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
11) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
12) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
13) Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
14) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
15) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ober- u.Unterbachern im Mittelalter, Amperland 1994/4
16) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Seitenaltar 1630)
17) Pfarrbrief der Pfarrgemeinde Pellheim, Weihnachten 2000
18) Christian Huber, Der Maler Richard Huber, Amperland 2002/2
19) Dachauer Nachrichten vom 9.10.2002
20) Münchner Merkur vom 22.06.10 (Glockengießerei Erding)
21) Kirchenführerin Ingrid Scheingraber, 2012 (Chorturmkirche)
22) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)


60 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

16.3.2018