Filialkirche St. Martin in UNTERBACHERN
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Kurzbeschreibung Die erste Erwähnung einer
Kirche in "Pahhara" entstammt einer Gerichtsakte aus dem Jahr
824. Man weiß aber nicht, ob der Ort dieses Namens das heutige
Unter- oder Oberbachern bezeichnete. In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde die Kirche als Filiale "Niderpachern" der Pfarrei Pellheim erwähnt. Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt das Patrozinium der Kirche: "s.Martini in Bachern". Unterbachern gehört zur Pfarrei Pellheim und mit dieser Pfarrei zum Pfarrverband Dachau, der 2011 neu gebildet wurde.
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Die letzte Renovierung wurde
2003 abgeschlossen.
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Innenausstattung Der Altarraum ist stark eingezogen. An seinem Kreuzgratgewölbe sind in einem Gemälde die vier Evangelistensymbole dargestellt. Der um 1670 entstandene Choraltar mit
seinen gewendelten Säulen ist schön in den halbrunden Altarraum
hineinkomponiert. |
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Weitere Figurenausstattung:
- St. Sebastian, an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt
- St.Leonhard (18.Jh) mit massiven Ketten in den Händen
- St. Antonius hält den Jesusknaben auf dem Arm
- St. Bruder Konrad (mit Kreuz und Rosenkranz)
- St. Wendelin mit einer Wurfschaufel (Hirtenschaufel) in der Hand und
einem Rind zu seinen Füßen.
Die Orgel wurde 1960 von den Gebrüdern Sandtner aus Steinheim bei Dillingen als zweimanualiges Werk mit 12 Registern aufgestellt. Sie ist zum Teil in einem klassizistisch gestalteten Flachfelderprospekt mit Regence-Schleierornamenten aus der Zeit um 1735 untergebracht.
In der Kirche findet alle zwei Wochen
ein Gottesdienst statt.
Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...
Kirchenführung:
Falls Sie eine Kirchenführung wünschen, wenden Sie sich bitte an Frau Ingrid Scheingraber
Der Ort "Pahhara" (Siedlung am Bach) wurde urkundlich erstmals vielleicht im Jahre 763, ganz sicher aber 777 in einer Schenkungsurkunde an die Freisinger Bischofskirche erwähnt und ist damit eine der ältesten Gemeinden im Landkreis Dachau. Eine Unterscheidung in Ober- und Unterbachern wird erstmals aber erst in einer Scheyerner Klosterurkunde getroffen, die in die Zeit zwischen 1186 und 1199 zu datieren ist. Das genaue Datum geht aus der Urkunde nicht hervor, weil damals die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht wurde. Nach römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh, also zu der Austellungszeit unserer Urkunde, begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung aller Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Prominente Zeugen, von denen ebenfalls Lebensdaten erhalten sind, lassen eine weitere Eingrenzung zu.
Geschichte der Kirche
Erste Kirche
Die erste Erwähnung einer Kirche in Ober/Unterbachern stammt aus einer
Gerichtsakte aus dem Jahr 824, nach der zwei Männer namens Hruadolf
und Engilman die Herausgabe der Kirche in "Pachara" an den Freisinger Bischof
Hitto (810-834) verweigerten. In dieser Urkunde (Nr.507 der Freisinger Traditionen)
wird von einer "Basilica" gesprochen, d.h. es bestand damals schon eine Kirche,
keine Kapelle mehr; auch wenn es sich -wie allgemein üblich- um einen Holzbau
gehandelt haben dürfte. Die Urkunde wurde übrigens in Ergolding bei
Landshut (anlässlich eines Gerichtstags ?) ausgestellt.
Zwanzig Jahre später, im Jahr 843, wurde unter Bischof Erchanbert
(835-854) eine Kirche zu Pacharon dem hl. Martin von Tours geweiht, berichten
die Freisinger Akten. Dies wird wohl die Kirche in Unterbachern gewesen sein,
die heute noch das Martinspatrozinium besitzt. Wenn dies eine neue Kirche war,
dann wird das 824 erwähnte Gotteshaus wohl in Oberbachern gestanden haben.
Matrikel von 1315
In der Konradinischen
Matrikel von 1315 wurde die Kirche als Filiale "Niderpachern"
der Pfarrei Pellheim erwähnt. Damals, rd. 500 Jahre nach der ersten schriftlichen
Erwähnung, hatte sie noch immer keinen Friedhof.
Matrikel von 1524
Die Sunderndorfer'sche
Matrikel von 1524 spricht von der Kirche "s.Martini
in Bachern".
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Visitationsbericht von 1560
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Die Filialkirche St.Martinus in "Underpachern"
hatte ein eigenes kleines Einkommen (neben dem der Pfarrei) in Höhe von
fünf Gulden und vier Pfennigen an Geld und 1 Pfund an Wachs. Von dem Geld
erhielten die Kirchenverwalter 11 Kreuzer, der Mesner 4
Kreuzer, der Pfarrer und der Ambtmann jeweils 15 Kreuzer. Der Rest wurde für
Kerzen und Öl ausgegeben ("das ander ist uber die beleuchtung gangen").
Ein Mesnerhaus gab es nicht. Mesner war wohl einer der Gütler. An liturgischen
Gerätschaften waren vorhanden: Zwei Kelche, davon einer aus vergoldetem
Kupfer ("hat 2 kelch, dern ainer kupferin und vergult"), eine kleine
Monstranz aus Messing, 2 Messbücher, 1 Liturgiebuch, ein zerrissenes Kantorenbuch
und vier Messgewänder ("4 ornät, darunder ainer guet").
Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein aufbewahrt.
Das Sakramentshaus war verschlossen und mit einem Ewigen Licht ausgestattet
("Sacramentum seind wol beschlossen und zimblich beleucht"). Der Bericht
endet mit einer Aussage über die Kirche: Der Bauzustand war nicht zufriedenstellend
("Das gotshauß ist paufellig"). Auch im Inneren gab es Mängel
(an altär, tafeln und gestuel ist grosser, sonst an andern dingen nit mangel)".
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 über die Visitation in der Pfarrei
Pellheim (in heutigem Deutsch) lesen möchten,
klicken Sie hier...
In den Jahren 1630
(Einbau des rechten Seitenaltars) und um 1690 wurde die Kirche renoviert.
Matrikel
1738/40
Eine weitere Erwähnung findet Unterbachern in der Schmidt'schen
Matrikel der Kirchen des Bistums Freising,
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die der Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738/40 erstellt hat. Er beschreibt die Kirche in Unterbachern als von gutem Baubestand; sie gehöre zu den Schöneren unter den ländlichen Kirchen der Umgebung. Auch damals waren drei Altäre vorhanden: der Hochaltar mit Patron St.Martin, die Seitenaltäre zu Ehren von St.Andreas und der Jungfrau Maria. Messfeier war hier jeden dritten Sonntag und an bestimmten Festtagen (von St.Martin, St.Korbinian, Andreas und Oktav des Arme-Seelen-Festes). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen diser Kirchen wirdet der Zeit yber 400 fl. (Gulden) nit ausmachen". Dieses Vermögen war im Verhältnis zu den anderen Kirchen unserer Gegend nicht üppig. |
Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
von Unterbachern als Filiale der Pfarrei Pellheim enthalten. Damals gehörten
111 Gläubige (in 28 Häusern) in Unterbachern und 28 (3) in Ried zum
Bereich dieser Filiale. Mayer schreibt: "Unterbachern, 1/4 Stunde östlich
der Straße von Dachau nach Augsburg gelegen. Erbauungsjahr unbekannt.
Spätgothischer Stil. Geräumigkeit genügend. Baupflicht: (an
der Kirche) die Kirche, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm
mit 2 unbedeutenden Glocken. 3 Altäre, keine Orgel. Gottesdienste: jeden
dritten Sonntag, dann am Oster- u.Pfingst-Montage, Mariä Geburt (=8.9.)
-Seitenaltarpratrozinium- und Stephanitag (=26.12.). Stiftungen: 4 Jahrtags-Requien
und 1 Jahr-Messe. Der Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen:
rd. 5000 Gulden.
Beschreibung
1893
Das Kruzifix in der Unterbachener Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale
des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold
Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und
Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
"Über dem Triumpfbogen hängt ein Holzcrucifixus; das Kreuz läuft
kleeblattförmig aus. Die Füsse Christi sind gekreuzt; die Rippen durch
parallele in der Mitte der Brust durch einen spitzen Winkel geschiedene Linien
angedeutet. Lendentuch anliegend, an der rechten Seite geknüpft. Wohl Ende
des 14.Jh. Höhe ca 1 m."
Verlängerung 1899
Auch wenn es 1874 hieß, dass die Kirche genügend geräumig sei,
wurde im Jahr 1899 das Kirchenschiff verlängert.
Bei dieser Baumaßnahme hat man auch den Turm an der Südseite errichtet.
Zuvor besaß die Kirche einen Dachreiter, dessen Fundamentbalken morsch
geworden war.
Die letzte Renovierung wurde 2003 abgeschlossen.
Die Kirche steht in der Mitte des Straßendorfs
auf einem kleinen Hügelvorsprung. Sie ist von einem ummauerten Friedhof
umgeben.
Der älteste Teil der heutigen Martinskirche in Unterbachern ist die halbrunde
Chorapsis aus romanischer Zeit. Der mit Apsis fast acht Meter lange Chor
besitzt zwei Achsen, das Langhaus, das 14 x 8 m große Kirchenschiff vier.
Die vierte Achse kam 1899 hinzu, als auch das Gewölbe insgesamt neu angelegt
wurde.
Der in vier Geschosse gegliederte Spitzturm mit
schönem Bogenfries
steht an der Südseite beim Übergang von Langhaus in den Chor. Er wurde
erst 1899 anstelle eines früheren (1895 abgebrochenen) Westturms errichtet.
Die vier Geschosse des Turms sind durch ein Staffelfries im zweiten Geschoss,
durch rundbogige doppelte Klangarkaden sowie ein kupferbeschlagenes Spitzdach
über vier Giebeln in neuromanischem Stil gestaltet. Hinter den Schallfenstern
hängen drei Glocken: Sie wurden 1946 und 1947 von Karl Czudnochowsky,
Erding sowie 1899 von Anton Josef Bachmair aus Erding gegossen.
Das Vorhaus ist an die Südwestseite des Langhauses angefügt,
mit Rundfenstern an der Süd- und Ostseite.
Die zweigeschossige Sakristei steht an der Südseite des Chores und wird von vier schmalen Rundbogenfenstern erhellt.
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An der Ostseite der Sakristei hängt ein Missionskreuz von 1966. Es erinnert an die in diesem Jahr durchgeführte Volksmission. Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle.Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden.Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. |
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| Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge.Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht: sie hatten viele Schläge der Predigerhand auf die Holzeinfassung auszuhalten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt. |
Lourdesgrotte
| An der mittleren Südseite
der Friedhofsmauer befindet sich in einem kleinen gemauerten Giebelbau,
der nach Norden offen ist, eine Lourdesgrotte.
Sie ist mit Tuffstein verkleidet. Darin steht -etwas erhöht- eine Lourdesmadonna
aus Gips (Ende l9. Jh.). Davor eine Kniebank. Über der Öffnung
der Text: "Hl. Maria beschütze unsere Heimat". Hinweis: Vom 11. Februar 1858 an erschien dem Mädchen Bernadette Soubirous an der Grotte von Massabielle beim Fluss Gave du Pau wiederholt die heilige Maria. Während einer dieser Visionen entsprang in der Grotte eine Quelle, deren Wasser als heilkräftig gilt. Die offiziellen Vertreter der Kirche sahen diese Erscheinungen zunächst mit Argwohn an und glaubten erst nach einiger Zeit den Aussagen des Hirtenmädchens. Als der Pfarrer Bernadette aufforderte, die Erscheinung nach ihrem Namen zu fragen, und Bernadette ihm den Namen "unbefleckte Empfängnis" überbrachte, war er von der Authentizität der Erscheinung überzeugt; denn diesen theologischen Terminus konnte Bernadette seiner Meinung nach nicht wissen. Bald entstand bei der Grotte ein "heiliger Bezirk" mit mehreren großen Kirchen und einem Prozessionsplatz. Der Ort zieht seither Millionen von Pilgern an, darunter viele Kranke, die sich vom vermeintlich wundertätigen Wasser Heilung versprechen. 67 Heilungen sind von der kath.Kirche als Wunder anerkannt. |
Innenausstattung
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Der mit 6 m Seitenlänge quadratische
Altarraum ist von einem Kreuzgratgewölbe
überdeckt. Geschlossen wird der Altarraum durch eine halbrunde Apsis mit einer Tiefe von 1,80 m aus romanischer Zeit. |
Wegen der geringen Größe des Altarraums (Seitenlänge 6 m) und der romanischen Apsis wird vermutet, dass die Kirche in früherer Zeit eine Chorturmkirche gewesen sein könnte. Dann wäre über dem heutigen Altarraum der Turm gestanden; der Altarraum hätte das Untergeschoss des Turmes eingenommen. Solche Chorturmkirchen waren in romanischer Zeit (als Schutz der Bevölkerung vor feindlichen Angriffen) häufig errichtet worden; einige haben als Bauform die Zeiten bis heute überstanden. (z.B. in Schwabhausen, Rumeltshausen, Arzbach, Großinzemoos) |
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Hinweis: Die vier Symbole geflügelter
Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen
zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier
Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier),
Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache
hielten. Im Alten Testament werden sie
in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der
Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings
um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang
mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen
sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter
Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200). |
| Die rundbogigen Fenster haben Fischblasen-verglasung mit farbigem Muster (wohl Anfang 20. Jh). | Die beiden östlichen Chorfenster
enthalten zusätzlich im Mittelteil Darstellungen von Johannes dem Täufer
und der hl. Ursula. Johannes trägt einen Kreuzstab und ein Lamm auf dem Arm, Ursula hält einen Pfeil in der Hand. Die Heilige soll von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein. |
| Der Boden des Altarraums ist mit einem farbenfrohen Pflaster belegt. Das Muster besteht aus Ornamentik, die typisch für die Zeit des Historismus am Ende des 19.Jh. ist (z.B. Vierpass). Das Pflaster dürfte beim Umbau um 1899 verlegt worden sein. | |
| Der um 1670 entstandene Choraltar besitzt einen barocken Aufbau (Retabel) und ist schön in den halbrunden Altarraum hineinkomponiert. Die grau und rosa marmorierten Wendelsäulen tragen ein vorkragendes, verkröpftes Gebälk, auf dem der Altarauszug sitzt. Das Antependium ist mit grün marmoriertem Holz verkleidet und mit vergoldeten Ornamenten geschmückt. | Mittelpunkt des Altars ist die fast lebensgroße Schnitzfigur des Kirchenpatrons, des hl. Martin. Er sitzt vor dem als Relief gestalteten Hintergrund einer Stadt auf einem edlen Pferd und teilt mit seinem Schwert den Mantel mit dem neben ihm stehenden mageren Bettler. Darüber eine Schriftkartusche mit dem Text "St.Martinus ora pro nobis". |
| Der Legende nach begegnete Martin als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus, der mit dem Mantelstück bekleidet war. St.Martin wurde im Jahr 371, nachdem er aus dem Militärdienst ausgeschieden war, auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. |
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Als Assistenzfiguren stehen auf Konsolen
unter baldachinartigen Anschwüngen die beiden Bistumsheiligen |
| Hinweis: Korbinian
(um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Als bei
einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die
Traglast dem Bären um, der sie nach Freising zurücktrug. Sigismund, ein selten dargestellter Heiliger, war ab 516 König von Burgund. Nachdem er seinen Sohn irrtümlich als Rebellen erdrosseln ließ, erneuerte er zur Buße das Kloster von St.Moritz im Wallis und zog sich später dorthin zu Bußübungen zurück. 524 wurde er vom Frankenkönig Chlodomir besiegt und und - als der Bruder des Sigismund gegen die Franken zu Feld zog, aus Rache hingerichtet; der Leib wurde in einen Brunnen geworfen. Obwohl der Krieg mit den Franken wohl eine politische Auseinandersetzung war, galt Sigismund als Märtyrer, weil sich an seinem Grab Wunderheilungen ereigneten. Zudem war er ein eifriger Förderer des Katholizismus und ein erbitterter Gegner des damals weithin verbreiteten Arianismus gewesen. Ein Teil der Gebeine kam nach Freising. Hier wird er als einer der Schutzheiligen des Doms und der Diözese verehrt. |
| Im Altarauszug des Hochaltars ist eine Halbfigur von Gottvater mit der Weltkugel angebracht, umgeben von Putten und zwei verehrenden Engeln mit Fruchtgehängen in den Händen. | Darüber ein mit Voluten und Blumenfestons verzierten Segmentgiebel. |
| Der zweitürige Tabernakel
im neubarocken Stil stammt aus der Zeit um 1908. Er besteht aus vergoldetem
Holz und wird von zwei Wendelsäulchen gestützt. Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
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Der Zelebrationsaltar ist ein barocker Holztisch mit gedrechselten Beinen in Form von gewendelten Säulen. Er wurde um 1979 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. |
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| Das
Ambo in Naturholzfarbe ist für sich ein formschöner, zweckmäßiger
Einrichtungsgegenstand. Sein oberer Abschluss hat die Form eines geöffneten
Buches. Der Ambo passt jedoch stilistisch nicht zur Einrichtung des Altarraums,
insbesondere nicht zum Zelebrationsaltar, mit dem das Ambo üblicherweise
stilistisch korrespondiert. Schließlich gilt das Ambo als "Altar
des Wortes". Hinweis: Das Ambo (griech. ámbon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist das Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen. Von hier aus werden Lesungen, Evangelium, Predigten und Kantorengesänge vorgetragen. |
Die Ewig-Licht-Ampel, die vom Chorbogen hängt, besteht aus Messingblech und ist versilbert (19. Jh). Die Aufhängevorrichtungen für die Ketten haben die Form von Akanthusblättern.
| Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. In der Anfangszeit des Christentums gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Der Johanniter-Ritterorden hatte das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs heißt es: "Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird. In manchen Kirchen, in denen nur noch selten Gottesdienst gefeiert wird, wird das Ewige Licht elektrisch betrieben. So wohl auch in Unterbachern. |
Kirchenschiff / Langhaus
Das Langhaus erhielt 1899 eine Flachdecke über niedriger Hohlkehle auf profiliertem Gesims.
Das Deckenfresko (Maria als Friedenskönigin im Engelkreis) wurde am 30.9.1946 vom bekannten Dachauer Kunstmaler Richard Huber geschaffen.| Es gilt als Dank der Bevölkerung
für die Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Im unteren Teil des Bildes
ist eine Szene aus der Zeit am Kriegsende
dargestellt und zeigt die Sehnsucht aller nach Frieden. Vor dem Hintergrund
der Unterbacherner Kirche wird ein verwundeter Kriegsheimkehrer von seiner
Frau begrüßt. Abziehende Tiefflieger und das Gebet zur Muttergottes
bezeugen dies in eindringlicher Weise (so der Enkel des Malers, Christian
Huber, s.u.Quellen). Das Fresko war Hubers erstes Deckengemälde. |
| Die Altäre werden mit den dort stehenden Figuren dem Dachauer Bildhauer Konstantin Pader zugeschrieben. Die Antependien in Kastenform sind grün marmoriert und mit Kreuz und Kreuzblumen vergoldet. Nach Aussage der Pfarrei sollen die Seitenaltäre 1690 entstanden sein; darauf lasse die vom Freisinger Ordinariat 1684 genehmigte Kirchenrenovierung schließen. Allerdings war 1690 Konstantin Pader schon 9 Jahre tot. Außerdem ist in der Kirchenrechnung von 1630 vermerkt, dass in diesem Jahr Konstantin Pader den "seithen Altar uf der rechten handt" für 29 Gulden erstellt hat, der vom Maler Johann Zechentperger für 32 Gulden gefasst wurde (der Maler erhielt meist eine höhere Vergütung, weil die Farben damals so teuer waren). Vielleicht sind beide Seitenaltäre zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, oder man hat sie 1690 renoviert. |
Linker Seitenaltar
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Am linken Seitenaltar
steht die Figur der Muttergottes
mit Kind. Beide Figuren sind bekrönt. Sie halten je einen kunstvollen
Rosenkranz in der Hand, der ihnen sicher erst später hinzugefügt
worden ist. Das Zepter in der linken Hand Mariens weist zusammen mit der
Krone auf die Himmelskönigin hin.
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Ob die Figuren aus der Spätgotik
oder dem Frühbarock stammen, wird von Experten unterschiedlich beurteilt.
Maria und Jesus tragen zwar gotische Kronen, doch die Lebhaftigkeit der
Gestik, die lebensnahe Körperlichkeit der Figuren und die "Vielfältigkeit"
des Gewandes sprechen für die Barockzeit.
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Auf dem Gebälk sind in der Mitte ein
Puttenkopf (1630) und daneben auf den Gebälkstücken je eine
Putte mit schrägem Hosenträger angebracht (siehe Bild rechts).
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Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist
eine Figur des hl. Apostels Andreas
mit dem für ihn typischen langen Bart und seinem Haupt-Attribut,
dem sog. Andreaskreuz. Die Figur wurde im 17.Jh (mglw. von Konstantin
Pader) geschnitzt. |
| Hinweise: IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden. |
![]() 3 Details (Orgel, Decke, Emporenbild) per Mouseklick |
An den Seitenwänden hängen interessante
Bilder der vierzehn Kreuzwegstationen.
Die Apostelleuchter bestehen aus Schmiedeeisen (Mitte 20. Jh). Die Kreuze an der Wand, an denen die Leuchter befestigt sind, haben Kreuzbalken, die in stilisierten Lilien enden. Lilien und Kreuze sind zusammen Symbol für Schöpfung und Erlösung.
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Das Kruzifix
an der nördlichen Langhauswand stammt aus dem 18. Jh. Wie in der
Barockzeit üblich wird Christus als Verstorbener dargestellt. Sein
Haupt ist geneigt; die Seitenwunde, die ihm nach dem Tod zugefügt
wurde, ist deutlich sichtbar. Die Lage der Seitenwunde wird in der Bibel
nicht beschrieben. Bei Johannes (19,34) heißt es nur, "einer der Kriegsknechte
durchbohrte seine Seite mit einem Speer". Das hatte den Zweck zu prüfen,
ob Jesus schon tot war. Bei Toten sammelt sich im Herzen Wasser. Deshalb
heißt es auch in der Bibel: "und sogleich flossen Blut und
Wasser heraus." Nach mittelalterlicher
Deutung konnte es nur die rechte, die gute Seite sein, durch die Blut
und Wasser als Hinweis auf die kommenden Sakramente der Eucharistie und
der Taufe auf die Menschheit herabströmte. Auch wenn die Menschen natürlich
wussten, dass das Herz auf der linken Seite des Menschen schlägt.
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Weitere
Figurenausstattung im Kirchenschiff
| An der südlichen
Chorbogenlaibung steht die Figur des hl. Sebastian
aus dem 18.Jh. auf einer Rokokokonsole. Der Heilige ist an den Marterbaum
gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein römischer Offizier, der auf Befehl des Kaisers Diokletian wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen wurde. Auf seine Anrufung hin, soll in Rom eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Deshalb wird er als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
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| Gegenüber von
Sebastian steht die Figur von St.Leonhard
(18.Jh). Er ist in ein Ordensgewand gekleidet und hält massive Ketten
in der Hand. Hinweis: Der beliebte Heilige Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Abt in Frankreich. Er verwendete sich für die Gefangenen und galt deshalb als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Später wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. |
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| An der Langhauswand ist eine weitere Figur vom hl.Martin, dem Kirchenpatron, angebracht. Der Heilige sitzt auf dem Pferd und teilt den Mantel mit dem vor dem Pferd knienden halbnackten Bettler. Unter dem Pferd lugt eine Gans hervor. Die Legende berichtet, Martin, der den Soldatenberuf an den Nagel gehängt hatte und Eremit geworden war, habe sich in einem Stall versteckt. Damit habe er seiner Wahl zum Bischof von Tours entgehen wollen; doch er sei durch das Schnattern der Gänse verraten worden. | |
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Der hl.Antonius
hält den Jesusknaben in den Händen. |
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In der Osterzeit steht auf dem Hochaltar
die lebhaft gestaltete Figur des
Auferstandenen |
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| Die Figur des hl.
Bruder Konrad (in der Kutte der Franziskaner, mit Kruzifix und Rosenkranz)
wurde in der Mitte des 20. Jh. geschnitzt. Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner. Dort hatte er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. |
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Die Figur der hl. Wendelin
ist mit einer Wurfschaufel (Hirtenschaufel) in der Hand und einem Rind
beim rechten Fuß dargestellt. |
| Die Kirchenbänke
sind beidseits des Mittelganges in 8 bzw. 12 Reihen aufgestellt. Sie wurden
1909 nach dem Entwurf von Architekt Josef Elsner, München von Zimmermeister
Mayer aus Dachau erstellt. Ihre Wangen sind in den Formen des Historismus
gehalten und ähnelt dem in der Giebinger Kirche. Die Plätze in den Bänken sind nummeriert. Dies kann ganz praktische Gründe haben, z.B. dass die Besucher nach der Kommunion wieder zum Platz zurückfinden. |
Wahrscheinlich waren die Plätze aber auch in Unterbachern -so wie in vielen anderen Kirchen- gegen ein angemessenes Entgelt an bestimmte Personen vergeben. Auf diese Weise sicherten sich die Bauern bis zum Beginn des 20.Jh einen festen Platz in der Kirche. Diese Plätze waren in der Regel nicht an die Person, sondern an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenplatz. |
Auf der Empore stehen weitere fünf kurze Bankreihen.
An den Kirchenbänken im Kirchenschiff ist manchmal ein neues Vortragekreuz mit einem geschnitzten Korpus aus dem 18. Jh. befestigt.
In der Nähe der Eingangstüre
steht ein kleiner schwarzer Opferstock an der Mauer (Mitte 20. Jh).
Klassizistisch gestaltet ist der
dreiteilige, auf der Empore aufsitzende Orgelprospekt
(Brüstungsgehäuse) mit Flachfelderprospekt und Regence-Schleierornamenten
aus der Zeit um 1735. Das Gehäuse stand bis 1903 in der Pfarrkirche Kreuzholzhausen.
Die Orgel, das Musikinstrument, wurde um das Jahr 1960 von den Gebrüdern
Sandtner aus Steinheim bei Dillingen als zweimanualiges Werk mit 12 Registern
aufgestellt. Die vom I.Manual aus gespielten Pfeifen stehen offen an der Rückwand,
die des II.Manuals im schönen Brüstungsgehäuse. Die Gebrüder
Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Günding, Oberroth, Eschenried
neu gebaut oder restauriert.
| Disposition
der Orgel (nach Brenninger - Stand 1975-): I. Manual (C-g'''): Principal 8', Sp 8', Pommer 4', Mixtur 2' II. Manual (C-g'''): Lieblich Gedeckt 8', Principal 4', Salicional 4', Blockflöte 4', Quintaton 1 1/3', Cimbel 1' Pedal: (C-f'): Subbaß 16', Zartbaß 16', GePommer 4', Koppeln: II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P |
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Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
An der Emporenbrüstung
sind zu beiden Seiten des Orgelwerks acht Apostelbilder angebracht. Sie dürften
im 18.Jh gemalt worden sein. Es handelt sich um Ölbilder auf Holzuntergrund
(Maße: 81 x 47 cm). Derzeit sind nur acht Bilder vorhanden. Die fehlenden
vier Bilder wurden vermutlich 1903 bei Einbau des Orgelwerkes entfernt. Der
Maler ist nicht bekannt. Welche
Apostel auf den Bildern dargestellt werden, ist nicht abschließend zu
sagen, weil die Attribute, die der Maler ihnen in die Hand gedrückt hat,
nur teilweise eindeutig sind. Sicher sind die Apostel Jakobus d.Ältere
(Muschel), Bartholomäus (Messer), Philippus (Kreuzstab), Johannes (Kelch)
und Simon (Säge)zu erkennen. Die Attribute Hellebarde, Winkelmaß
und Spieß+Buch sind mehrfach vergeben. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit
hat der Künstler Matthias mit der Hellebarde, Thomas mit dem Winkelmaß
und Matthäus mit dem Spieß und dem Evangelium (er ist der einzige
Apostel, der auch Evangelist war) abgebildet.
Von links nach rechts:
Simon (mit Säge). Simon
trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer"
- weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam
die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament
nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk 3, 18); besondere Erwähnung
findet er hier sonst nicht. Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien
und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.
Matthäus (mit Lanze und Evangelienbuch). Matthäus hieß
ursprünglich Levi. Die ersten drei Evangelien erwähnen, dass er Zöllner
in der antiken Hafenstadt Kapernaum war - also einer der von den Juden verachteten
- weil im Dienst der römischen Besatzungsmacht stehenden - Steuereintreiber.
Markus nennt ihn "Levi, den Sohn des Alphäus" (Markusevangelium 2, 14),
Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Im Neuen Testament wird nur erwähnt,
dass er einer der zwölf Apostel war (z.B.Lukas 6, 15). Matthäus soll
bis zum Jahr 42 das erste Evangelium geschrieben haben. Danach zog er nach Parthien
um das Evangelium zu verkünden. Die Redensart "es ist Matthäi am letzten"
ist seit dem 16. Jahrhundert verbreitet und meint, der Betreffende habe bald
kein Geld mehr - das bezieht sich auf Matthäus' Beruf als Steuereintreiber.
Johannes
(mit Kelch und Schlange, als einziger bartlos). Johannes
wird als Zeichen seiner Jugend ohne Bart dargestellt. Der
Kelch erinnert an einen Giftanschlag auf Johannes. Dabei sei das Gift in Form
einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte. Allerdings
wird diese Legende dem Evangelisten Johannes zugeordnet. Früher wurden der Apostel
und der Evangelist Johannes als eine Person angesehen.
Thomas (mit Winkelmaß).
Thomas, der der Legende nach Zwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt
durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich
die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte,
seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein
Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. Die Thomas-Christen
in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Jakobus
d.Ältere (mit Pilgerstab u.Muschelpailletten auf dem Umhang). Jakobus
war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach
setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in
Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt
zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten
des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer
Muschel geziert war.
Matthias (mit Hellebarde) kam
als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo 1, 28).
Die Hellebarde deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.
Bartholomäus (mit Messer)
wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut
abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer
dargestellt.
Philippus (mit Kreuzstab).
Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus
in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt
(bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9). Nach der Legende
predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb
einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben
sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt.
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In der Weihnachtszeit
steht vor dem Zelebrationsaltar eine Krippe, in der ein Fatschnkindl
liegt. Acht Kerzen tauchen die Figur in ein magisches Licht. Die in ein
Brokattuch mit Rüschen gewickelte Wachsfigur wurde vor einiger Zeit
gestiftet. Die stilistisch den Altären angeglichene Holzkrippe wurde
von H.Burghardt erstellt. |
Nicht in der Kirche befindet sich ein Reliquiar mit einem Kreuzpartikel aus der Zeit um 1765. Es wird für den Wettersegen verwendet. Das 42 cm hohe Reliquiar besteht aus Silber und ist teilvergoldet. Es besitzt einen ovalen Fuß mit farbigen Steinen und Roccailleornamenten in Treibarbeit.
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns aus dem Jahr 1893 ist auch ein Kruzifix der Unterbacherner Kirche enthalten. Dort heißt es:Über dem Triumpfbogen hängt ein Holzcrucifixus; das Kreuz läuft kleeblattförmig aus. Die Füße Christi sind gekreuzt, die Rippen durch parallele, in der Mitte der Brust durch einen spitzen Winkel geschiedene Linien angedeutet. Lendentuch anliegend, an der rechten Seite geknüpft. Wohl Ende des 14.Jh. (!) Höhe ca 1 m."
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Hartig in: JbVchrK 6, 288
Amperbote vom 31.1.1906 (Kirchturmbau)
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (84, 493, 507,
656b, 675, 732, 1058, 1185, 1285)
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische
Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ober- u.Unterbachern im Mittelalter, Amperland 1994/4
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Seitenaltar 1630)
Pfarrbrief der Pfarrgemeinde Pellheim, Weihnachten 2000
Christian Huber, Der Maler Richard Huber, Amperland 2002/2
Dachauer Nachrichten vom 9.10.02
Kirchenführerin Ingrid Scheingraber, 2012 (Chorturmkirche)
60 Bilder: Hans Schertl
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19.1.2012