zur Landkreiskarte       ausführl.Beschreibg        Kirchen in der Gem.Odelzhausen

Filialkirche St. Leonhard in Roßbach

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Adresse : 85235 Odelzhausen, Essenbacher Weg 6
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Roßbach wurde urkundlich erstmals 957 als Rossapach im Rahmen eines Tauschhandels erwähnt.
Die Filialkirche St.Leonhard der Pfarrei Sittenbach wurde schriftlich erstmals zwar erst in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt. Sie dürfte aber schon 1315 zu den vier Filialen gehört haben, die in der Konradinischen Matrikel der Pfarrei Sittenbach zugeordnet wurden. Dafür spricht auch die halbrunde Apsis im romanischen Stil, die sich als einziger Teil aus dem früheren Bau erhalten hat. In ihr ist nunmehr die Sakristei untergebracht.
Ihre heutige Gestalt und die Innenausstattung erhielt die Kirche in frühbarocker Zeit um 1680. Die Kirche ist im Verhältnis zu ihrer Länge außergewöhnlich hoch.Die gelben Außenmauern des Kirchenschiffs sind durch Blenden verziert.

Der mit lebhafter Außengliederung versehene Zwiebelturm mit Holzschindel-Deckung ist im unteren Teil rechteckig, darüber oktogonal (als gleichmäßiges Achteck) aufgebaut.

Die Fenster im Westteil der Kirche wurden -wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Einbau der Empore- zugemauert. In einem davon hängt ein großes Kruzifix aus dem Ende des 19.Jh.

Verzierung am Tabernakel

Die letzte Renovierungen wurden in den Jahren 1976-79 und 2010 durchgeführt.                              

 Innenausstattung

Der rechteckige Altarraum ist eingezogen.  Er ist von einem Tonnengewölbe überdeckt, das mit Stuckornamenten geschmückt ist.

Auf dem Hochaltar eine Holzplastik des thronenden St.Leonhard mit aufgeschlagenem Buch, Abtsstab, Ketten und Bischofsmütze.  Zu seinen Füßen knien zwei Pilger in devoter Haltung. Am Tabernakel Bilder von Opfer des Melchisedek und dem Opfer Abrahams.

Auf den Blendwänden stehen die Assistenzfiguren: links der hl.Nikolaus mit Buch, rechts der hl. Martin mit einer Gans zu seinen Füßen. Im Altaraufsatz ein Muttergottesbild nach Art des Passauer Gnadenbildes Maria Hilf

Die Seitenaltäre sind der hl. Katharina und der Muttergottes geweiht, die auf den großen Altarblättern abgebildet sind. Die Auf den Altartischen stehen Muttergottesfiguren "Maria Königin" und "Mater dolorosa" mit einem großen Schwert in der Brust.

PilgerKreuzwegbilderAltaraufsatzKruzifix mit MadonnaSt.KatharinaMaria KöniginSt.MartinSt.LeonhardMater  dolorosaNikolausPilgerOpferung IsaaksOpfer des MechisedekMuttergottes-Altar
13 Details (Seitenaltäre, Figuren,Hochaltaraufsatz, Kruzifix, Tabernakel) per Mouseklick

Im Kirchenschiff ein Kruzifix mit Mater dolorosa (1880).
Die Orgel mit 6 Registern stammt aus der Werkstatt von August Behler, München und wurde 1912 eingebaut.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Ältere Matrikel Neubau 1660 Matrikel 1738 Beschreibg 1884
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Choraltar
Empore Kirchenschiff Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Orgel
Portal Seitenaltäre Tabernakel Vorraum

Der Ortsname Rossa- oder Rossepach (= Roßweidebach) erscheint erstmalig in den Jahren zwischen 957 und 972 anlässlich von Tauschhandlungen mit dem Bistum Freising. Der Freisinger Bischof Abraham 957-994) tauschte von dem Edlen Isangrim Besitz zu Rossabach und Bergkirchen ein und gab dafür anderen Besitz zu Biburg. Die Urkunde hat sich in Freising in der Sammlung "Freisinger Traditionen" über die Jahrhunderte erhalten.

Geschichte der Kirche

Ältere Matrikel
Wann die erste Kirche in Roßbach errichtet wurde, ist nicht zweifelsfrei zu bestimmen. In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist eine Kirche in Rossbach zwar nicht namentlich enthalten. Doch die Pfarrei Sittenbach wird mit vier nicht näher bezeichneten Filialkirchen ("habet IIII filias") erwähnt. Wenn man berücksichtigt, dass auch die Sunderndorfer'sche Matrikelvon 1524 von "quatour filiales" spricht und als eine der vier Filialen "s.Leonardi in Rospach" nennt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch schon 1315 in Roßbach eine Kirche gestanden hat. Dafür spricht auch, dass der einzige noch erhaltene Teil dieser Kirche, die frühere Apsis, die heute als Sakristei dient, in romanischem Stil gebaut worden ist. Die erste Kirche dürfte somit im 13. oder 14.Jh errichtet worden sein.
Schon bei der ersten Erwähnung des Patrons (1524) wird St.Leonhard genannt. Obwohl Leonhard einer der beliebtesten Heiligen im Dachauer Land war und von ihm in fast jeder Kirche ein Bild hängt bzw. eine Figur steht, ist er nur in zwei Kirchen, in Rossbach und in Pasenbach Patron.

Neubau 1660
Der heutige Kirchenbau in Roßbach wurde größtenteils in der Zeit um 1660, also kurz nach dem 30jährigen Krieg errichtet und im Jahr 1671 eingeweiht. Für eine Beschädigung im Krieg spricht ein Brief, den Pfarrer Schädl am 3. Februar 1656 an das Ordinariat in Freising schrieb:Darin heißt es, dass in der engen und kleine Kirche, der Altar und Stühle "negst aneinander stehn, die Leuth im Gedreng stäckhend (=steckend/stehend) den Gottsdienst hören miessen" und zudem "mit Herunterhangung der Gloggenstricke negst aufm Altar der Priester mit grosser Gfahr Sanctissimae Eucharistiae (=heiliges Messopfer) celebrirn thuet". Dies erfordere dringend einen Umbau.Die geplante Vergrößerung hätte "schon vorm ersten Feindt, also vor anno 1631" geschehen sollen, "so ist doch solches durch Einfahl des Feindts wider verhindert worden, aniezo (=jetzt) aber bey erlangtem lieben Frieden" solle endlich das Werk beginnen.



Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663
Der Überschlag sah eine Verlängerung um 26 Werkschuh vor und erwähnt, daß die alte mauer 4 Schuh dick sei (also massives romanisches Mauerwerk von 1,20 Metern), die neue aber nur 2 Schuh betragen werde.Insgesamt käme der Umbau auf 587 fl 50 kr. Am 29. März 1656 meldet der Landrichter von Friedberg, es sei ohnehin notwendig, den baufälligen Turm dieser Kirche abzutragen, "dahero man willens gewest, ein neuen koppeten (gekuppelten) Thurm aufzuesezen, auf die Dachung ob dem Langhaus". Die Genehmigung des Geistl.Rates in München sei bereits vor S.Johann erfolgt. Dafür wären 219 Gulden und 15 Kreuzer vorgesehen gewesen. Da nun das Langhaus um 24 Schuh vergrößert werden solle, sei der neue Überschlag auf 431 Gulden und 40 Kreuzer angesetzt, der auch annehmbar sei, während der vorige (Voranschlag) von 587 fl und 50 kr zu hoch gewesen wäre.
Demgemäß erteilte am 10. April 1656 das Ordinariat die Bauerlaubnis, zu dem "mittleren Überschlag von 431 fl. und dass "dabei aller Überfluß abgestelt und eingezogen werden solle."


Schmidtsche Matrikel von 1738
In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 ist auch die Kirche von Rossbach kurz beschrieben. Kanonikus Schmidt bezeichnet sie als eines der schöneren Gotteshäuser im ländlichen Bereich. In der Kirche standen drei Altäre: Der Choraltar mit dem Patron S.Leonard. Im Altar Reliquien dieses Heiligen. Die Seitenaltäre waren der Jungfrau Maria und der hl.Katharina d.Großen geweiht. In der Sakristei waren schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer von Sittenbach und der Landrichter in Friedberg. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wüßlich".


Beschreibung 1884
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus dem Jahr 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Sittenbach auch die Kirche St.Leonhard in Roßbach enthalten. Im Dorf selbst wohnten 137 Seelen (in 30 Häusern). Dazu kamen noch Gläubige in St.Johann 10 (1). Über die Kirche schreibt er:"Roßbach liegt imGlonntal an der Glonn und an der Vicinalstraße von Sittenbach nach Odelzhausen. Erbauungsjahr unbekannt. Renaissancestyl. Geräumigkeit: zureichend. Kuppelthurm mit 2 Glocken: a) Zu Gottes Ehr goss mich nach Rosspach J.M.Langenegger in München 1706   
b) Dieselbe Inschrift, nur Jahreszahl 1710. 3 Altäre; Orgel mit 7 Reg(istern). Stiftungen: 5 Jahrtage, 5 Jahrmessen. Meßner: ein Bauer von Roßbach, Cantor der Lehrer von Sittenbach. Kirchenvermögen: 25.100 Mark"

Die letzte Renovierung fand von 1976-1979 statt.


Baubeschreibung

Die gelb verputzte Kirche steht im Dorf inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Der zweiachsige Chor isteingezogen
und schließt gerade.
Das sehr hohe Kirchenschiff besitzt drei Joche/Achsen und wird von vier Fenstern erhellt.
Die westlichen Fenster auf der Süd- und Nordseite sind zugemauert und durch eine Blende ersetzt. Darin ist an der Südseite ein großes Kruzifix angebracht. Die neuromanischen Verzierungen an den Kreuzbalken zeigen deutlich, dass es aus der Zeit des Historismus, Ende des 19.Jh, stammt. Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog. Viernageltypus. Die Beine Jesu liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt; zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in der Zeit der Romanik bis zum 12.Jh üblich und war deshalb auch in der neuromanischen Kunst wieder beliebt
Die gelben Außenmauern des Kirchenschiffs sind durch Blenden sehr lebhaft gegliedert. Dazu tragen auch die quereliptischen Nischen über den Fenstern bei.
Im Chorscheitel ist eine halbrunde Apsis vom romanischen Vorgängerbau mit Bogenfries und Deutschem Band erhalten. Sie dient jetzt als Sakristei. Auf der Apsis sitzt der Turm auf. Er stammt in seinem unteren, quadratischen Teil wohl noch aus der Gotik, im oberen Teil mit seinem achteckigen Grundriss aus der Barockzeit. Der Turm ist durch horizontale Gesimse und Wandrücklagen gegliedert und mit einer etwas klein geratenen Zwiebel aus Holzschindeln gekrönt.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".
In der Glockenstube hängen zwei Glocken, von denen eine im Jahr 1928 von den Gebrüdern Ulrich in Kempten gegossen worden ist. Die andere Glocke stammt aus dem Jahr 1950; die Gießerei ist mir nicht bekannt. Vor 130 Jahren hingen hier noch Glocken aus den Jahren 1706 und 1710.

Renovierungen:
Eine umfassende Renovierung wurde in den Jahren 1976-79 durchgeführt.
Im Jahr 2010 hat man die Aussenfassade und den Kirchturm saniert. Die Kosten betrugen 80.000 Euro, die zur Hälfte durch Arbeitsleistung der Pfarrangehörigen abgegolten wurden.

Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene und gerade schließende Altarraum hat ein auf Gesimsen ruhendesTonnengewölbe, in das Stichkappen hineinreichen. Die um 1680 eingebauten Stukkaturen bestehen aus Rahmenfeldern mit Fruchtgehängen, Bändern,Akanthusformen und kleinen Engeln.

Choraltar / Hochaltar

Der Choraltar/Hochaltar aus der Zeit um 1680/90 ist ein barockes Säulenretabel. Das Holz ist graublau und rot marmoriert (=mit Marmormuster bemalt). Er ist 3,50 Meter breit und raumhoch. Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet. Die Retabel, der Altaraufbau wird von vier gedrehten Säulen mit Kompositkapitellen und Weinrankenbesatz gestützt. Die beiden äußeren Säulen wurden später nach vorne geschoben; daher ist das Gebälk, das sie tragen, starkverkröpft . Die inneren Säulen sind mit einem seitlichen Volutendekor geschmückt. Zwischen dem Altar und den Chor-Aussenwänden stehen Durchgänge mit geschweiften Flachbögen.

Mittelpunkt des Choraltares ist die von 10 Putten umgebene Holzplastik des thronenden St. Leonhard aus der Zeit um 1500.
Der Heilige ist in ein vergoldetes Mönchsgewand gekleidet; sein Haupt ist von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgeben. Mehrere Putti umschweben ihn mit ihren weißen Flügeln wie Vögel. Leonhard hält mit seiner linken Hand den Abtsstab, in seiner Rechten ein aufgeschlagenes Buch. Am Handgelenk baumeln Viehketten. Zu seinen Füßen steht die vom Haupt genommene Mitra (Bischofsmütze) Ein Teil der Engel stammt noch aus der Erbauungszeit des Altars (um 1680) die übrigen Engel wurden im 20.Jh hinzugefügt.

Hinweis: Die Kopfbedeckung des Bischofs, die Mitra, ist seit dem 11.Jh Kopfbedeckung und Würdezeichen der Bischöfe, Päpste, Kardinäle und Äbte. Zunächst war sie halbkugelige oder dreieckige Haube mit zwei hinten herabhängenden Zierbändern, den Infulae (lat. = Binde, altes röm. Symbol für Obrigkeit). Bald schon bekam sie hornförmige Ausbuchtungen, die zunächst seitlich abstanden, dann aber über Stirn und Nacken verschoben wurden. Sie nahmen dabei die Form eines Dreiecks an, wurden bald immer höher und schildförmiger.
Zwischen den inneren und äußeren Säulen schweben zwei Engel.
Darunter knien zwei bäuerliche Pilger in devoter Haltung. Die Gruppe ist Figuren in St. Leonhard in Inchenhofen nachgestaltet, wohin die Gemeinde Roßbach nachweisbar seit 1661 alljährlich einen Kreuzgang unternahm.
Die Assistenzfiguren stehen auf den Blendwänden zwischen Altar und Chorseitenwänden. Es sind zwei Bischöfe im vollen Ornat mit edelsteinbesetzten Mitren (1680): links steht der hl.Nikolaus mit der Bibel in der Hand , rechts der hl. Martin, mit einer Gans zu seinen Füßen.
Hinweis: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte die Tortur und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil.
    
Hinweis: Martin wurde gegen seinen Willen im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.
Der rd. 2,30 Meter breite Tabernakel aus der Zeit um 1890/1900 ist mit mit reich ornamentierten Doppelpilastern und Segmentbogengiebeln gestaltet In Tabernakelwand sind auf vergoldetem Hintergrund Bilder (Öl auf Blech) zweier Opferszenen aus dem Alten Testament im Stil des ausgehenden 19.Jh. eingesetzt.
Links von Opfer des Melchisedek.
Hinweis: Melchisedek war zu Zeiten Abrahams Priesterkönig von Salem (=Jerusalem). Er segnete den Abraham, als der von seinem Sieg über Kedor-Laomer zurückkehrte und brachte im anschließenden Dankopfer für den Sieg Brot und Wein als Opfergaben dar (Gen. 14,18-20). Wegen der Übereinstimmung der Opfergaben wurde er im Christentum als Vorläufer von Christus angesehen. In der christlichen Kunst soll die Darstellung des Opfers des Melchisedek auf die lange Tradition des Messopfers mit Brot und Wein hinweisen.
Rechts ist das Bild von der Opferung Isaaks durch Abraham zu sehen.
  Hinweis: Abraham wurde von Gott angewiesen, seinen Sohn Isaak zu opfern (offensichtlich waren Menschenopfer zu damaliger Zeit nicht außergewöhnlich). Doch Gott ließ das Opfer nicht zu und gab ihm ein Zeichen, in Zukunft Tiere zu opfern (Gen 22,1-19).
Der hohe Altaraufsatz zeigt zwischen den sog.gesprengten Segmentgiebeln ein Muttergottesbild nach Art des Passauer Gnadenbildes Maria Hilf. Links und rechts ein Säulenpaar und zwei Engel. In einer stark verzierten Textkartusche ist der Patron der Kirche "St.Leonhard" genannt.
...mehr über das Passauer Maria-Hilf-Bild...


Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus besitzt eine Flachdecke, die wie das Gewölbe im Chorraum durch ein Blenden- und Vorlagenmuster gegliedert und mit ornamentartigen Stuckmustern auf hellgrünem Hintergrund und mit Perl- und Eierstableiste verziert ist.


Seitenaltäre

Auch die beiden rd. 2 Meter breiten und zu zwei Dritteln raumhohen Seitenaltäre sind prächtige Säulenretabel mit hohen Altaraufsätzen. Sie sind aber rd. 70 Jahre jünger als der Choraltar und wurden um 1750/60 aufgestellt. Die Stipes sind mit Holz verkleidet. Die Predella schmücken aufgesetzte Rocaillen. Die Mittelnischen sind mit Blüten und Ornamentik dekoriert.

Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar ist der hl. Katharina geweiht. Die Heilige ist -mit Krone und Lilie ausgestattet- Mittelpunkt des 180 x 88 cm großen Altarblatts (Ölgemälde auf Leinwand) aus der Zeit um 1700.
Hinweis: Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer zugerechnet.
Auf dem Altartisch steht die Figur einer schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa) mit einem großen Schwert in der Brust. Die Figur ist um 1760/70 geschnitzt worden.
Im hohen Altaraufsatz ist im Strahlenkranz ein Dreieck als Dreifaltigkeitssymbol zu sehen, umkränzt von Gewölk und zwei Putten.


Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Das aus dem Jahr 1887 stammende Altarblatt wurde von Sebastian Wirsching gemalt (Öl auf Leinwand).
Die Muttergottes, mit einer Krone auf dem Haupt, thront auf Wolken. Sie ist in ein rotes Kleid und einen blauen Mantel gehüllt. Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). In ihrem linken Arm trägt sie das Jesuskind, das segnend die Hand erhebt. Ein Engel zu ihren Füßen hält eine Lilie als Symbol der Reinheit. Zwei Putten reichen Rosen zu Maria. Im Altaraufsatz ist im Strahlenkranz ein brennendes Herz als Relief dargestellt, ebenfalls umkränzt von Gewölk und zwei Putten.
Auf dem Altartisch steht die Figur einer Muttergottes (um 1690), die in ihrer Aussage dem Gemälde im Altarblatt entspricht. Auf ihrem Haupt befindet sich aber eine noch prächtigere Krone, in ihrer Hand hält sie ein Zepter. Außerdem trägt sie ihr Haar offen, während im Bild das Haupt von Maria durch ein Kopftuch bedeckt ist.

Im Altaraufsatz ist im Strahlenkranz zwischen zwei Putten das flammende Herz Jesu zu sehen.


Kreuzigungsgruppe

An der linken Seitenwand ist ein großes Kruzifix aus der Zeit um 1880 angebracht. Wie in der Zeit des Historismus üblich, umrahmt als Heiligenschein ein Reif mit vielen Strahlen Jesu Haupt.
  Hinweis: Ein Heiligenschein war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben.

Unter dem Kreuz steht eine Madonnenfigur aus der gleichen Kunstepoche. Bei ihr handelt es sich nicht -wie sonst üblich- um eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes mit dem Schwert in der Brust.

Kreuzwegbilderalter BeichtstuhlEingangstüreKreuzwegbilderOrgel von 1912
4 Details (Türe, Kreuzwegbilder, Orgel, Beichtstuhl) per Mouseklick

Eine Kanzel ist nicht vorhanden.

 

Kreuzweg-Stationsbilder

Die 99 x 54 cm großen Kreuzwegbilder hängen an den Seitenwänden über dem umlaufenden Gesims. Die Ölbilder wurden um 1880/90 auf Leinwanduntergrund gemalt.
Hinweis: In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus

anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen im Dachauer Land erfahren wollen, klicken Sie hier...


Apostelleuchter

Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter aus grün und gold gefasstem Schmiedeeisen angebracht (18.Jh); sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems
Ich kann Ihnen auch eine Sammlung schöner Apostelleuchter aus den Kirchen des Dachauer Landes zeigen. Klicken Sie hier...
St.Leonhard -zur Vergrößerung der Ansicht bitte klickenWallfahrerfigur -zur Vergrößerung der Ansicht bitte klicken



Beichtstuhl
Unter dem Emporenaufgang steht noch ein alter, reich verzierter Beichtstuhl. Er wird nicht mehr genutzt, sondern dient nur noch der Zierde. Der offene Beichtstuhl (175 breit, 62 cm hoch) wurde schon im späten 18.Jh aus Fichtenholz gefertigt.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Empore und Orgel

Die Kirche besitzt eine auf je zwei Rundsäulen gestützte doppelte Empore.
Die untere Empore hat eine gerade, die obere eine geschwungene Brüstung (mit Verputz).

Die Orgel mit 6 Registern stammt aus der Werkstatt von August Behler, München und wurde 1912 eingebaut. Sie ist in einem Neubarockgehäuse hinter einem dreiteiligen, rundbogigen Flachfelderprospekt mit überhöhtem Mittelteil untergebracht.
  Allgemeines zur Orgel - Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jh. als profanes
  Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die Pfeifen sind verschieden groß. Die kleinsten Metallpfeifen sind rd. sechs Zentimeter lang, während manche Holzpfeifen mehrere Meter hoch sein können. Die verschiedenen Register fassen bestimmte Pfeifen zusammen und erzeugen verschiedene Klangfarben (z.B. Flöten, Hörner). Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Portal                  

Die Eingangstüre besitzt zwei sehr schöne Türblätter mit Kassettenfüllung.


Vorraum

Im Vorraum hängt ein großes Kruzifix, das an die Toten der Weltkriege erinnert. Über dem Kreuz ist an die Wand der Text gemalt: "Den Toten zum Andenken, den Lebenden zur Erinnerung". Das Kreuz ist in barockem Stil gearbeitet. Das vergoldete Lendentuch flattert im Wind.
  Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten

  bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen. Es ist Bestandteil der künstlerischen Darstellung geworden, flatternd im Wind, nur von einer Kordel gehalten.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer : Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 1161, 1202)
Jakob Mois, Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Lkr Dachau, unveröffentlicht, um 1950
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes , 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Dachauer Nachrichten vom 23.6.2010 (Renovierung)
25 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

3.7.2010