zur Landkreiskarte          ausführl.Beschreibg             Kirchen in der Gem.Odelzhausen



Filialkirche St. Leonhard in Roßbach

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Adresse : 85235 Odelzhausen, Essenbacher Weg 6
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Roßbach wurde urkundlich erstmals im Jahr 957 als Rossapach im Rahmen eines Tauschhandels erwähnt.

Die Filialkirche St.Leonhard der Pfarrei Sittenbach wurde schriftlich erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 genannt. Sie dürfte aber schon 1315 zu den vier namentlich nicht genannten Filialen gehört haben, die in der Konradinischen Matrikel der Pfarrei Sittenbach zugeordnet wurden.

Für das höhere Alter spricht auch die Architektur. Der unterste der drei Turmabschnitte, der als halbrunde Apsis gestaltet ist, ist mit romanischer Bauzier versehen: mit Bogenfries und Deutschem Band. Es ist der einzige Teil, der sich aus dem früheren Bau von vor 700 Jahren erhalten hat. In ihm ist heute die Sakristei untergebracht.
Der vor allem im oberen Teil mit lebhafter Außengliederung versehene Zwiebelturm ist im mittleren Teil rechteckig, darüber oktogonal (als gleichmäßiges Achteck) aufgebaut. Die Zwiebel als oberer Abschluss ist imit Holzschindeln gedeckt.

Ihre heutige Gestalt und die Innenausstattung erhielt die Kirche in frühbarocker Zeit um 1680.

Die Kirche ist im Verhältnis zu ihrer Länge außergewöhnlich hoch. Die gelben Außenmauern des Kirchenschiffs sind durch weiße Blenden verziert; sie machen der Fassade lebhaft und interessant.

Verzierung am Tabernakel

Die Fenster im Südwest- und Westteil der Kirche wurden wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Einbau der Empore zuge-mauert. In einem davon hängt ein großes Kruzifix aus dem Ende des 19.Jh.

Die letzte Renovierungen wurden in den Jahren 1976-79 und 2010 (Sanierung der Außenfassade und des Kirchturm für 80.000 €) durchgeführt.

  Innenausstattung

Der rechteckige Altarraum ist eingezogen.  Er ist von einem Tonnengewölbe überdeckt, das mit Stuckornamenten geschmückt ist.

Auf dem Hochaltar steht eine Holzplastik des thronenden St.Leon-hard mit aufgeschlagenem Buch, Abtsstab, Ketten und Bischofsmütze.  Zu seinen Füßen knien zwei Pilger in devoter Haltung. Am Tabernakel sind Bilder von Opfer des Melchisedek und dem Opfer Abrahams zu sehen.

Auf den Blendwänden stehen die Assistenzfiguren: links der hl.Nikolaus mit Buch, rechts der hl. Martin mit einer Gans zu seinen Füßen. Im Altaraufsatz ein Muttergottesbild nach Art des Passauer Gnadenbildes Maria Hilf.

Die Seitenaltäre sind der hl.Katharina und der Muttergottes geweiht, die auf den großen Altarblättern abgebildet sind. Auf den Altartischen stehen Muttergottesfiguren:
- "Maria Königin" (mit Krone und
   Zepter) und
- "Mater dolorosa" mit einem großen
   Schwert in der Brust.

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Im Kirchenschiff hängt ein Kruzifix mit einer darunterstehenden Mater dolorosa (1880).

Die Orgel mit 6 Registern stammt aus der Werkstatt von August Behler, München und wurde 1912 eingebaut.

Die Kirche gehört (mit den übrigen Filialen St. Johann in Sixtnitgern, Orthofen, Geiselwies und Langengern) zur Pfarrei Sittenbach. Seit 1979 ist sie auch Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Ältere Matrikel Beschreibg 1560 Neubau 1660 Matrikel 1738 Beschreibg 1884
  Beschreibg 1895        
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Choraltar
Empore Kirchenschiff Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Orgel
Portal Seitenaltäre Tabernakel Turm Vorraum

Der Ortsname Rossa- oder Rossepach (= Roßweidebach) erscheint erstmalig in einer Tauschurkunde, die in der Zeit zwischen 957 und 972 ausgestellt worden ist. Der Freisinger Bischof Abraham 957-994) tauschte von dem Edlen Isangrim Besitz zu Rossabach und Bergkirchen ein und gab dafür seinen Besitz zu Biburg. Die Urkunde hat sich in Freising in der Sammlung "Freisinger Traditionen" über die Jahrhunderte erhalten. 04)

Geschichte der Kirche

Ältere Freisinger Matrikel  01)
Wann die erste Kirche in Roßbach errichtet wurde, ist nicht zweifelsfrei zu bestimmen. In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist eine Kirche in Roßbach zwar nicht namentlich enthalten. Doch die Pfarrei Sittenbach wird mit vier nicht näher bezeichneten Filialkirchen ("habet IIII filias") erwähnt. Wenn man berücksichtigt, dass auch die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 von "quatour filiales" spricht und als eine der vier Filialen "s.Leonardi in Rospach" nennt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch schon 1315 in Roßbach eine Kirche gestanden hat.

Für das höhere Alter spricht auch die Architektur. Der unterste der drei Turmabschnitte, der als halbrunde Apsis gestaltet ist, ist mit romanischer Bauzier versehen: mit Bogenfries und Deutschem Band. Es ist der einzige Teil, der sich aus dem früheren Bau von vor 700 Jahren erhalten hat. Die Höhe der romanischen Apsis könnte aber auch bedeuten, dass es sich -ähnlich wie in Oberroth- um Überreste einer Wehrkirche handelt. Dazu passt die Klage von Pfarrer Schädl im Jahr 1656, dass in der alten Kirche die Glockenstricke über dem Altar baumelten und die Messfeier behinderten. Der Altar stand damals also direkt unter den Glocken -wenn auch durch mehrere Stockwerke getrennt- im Erdgeschoss des Turms. Dort ist heute die Sakristei untergebracht.
Das alles bedeutet, dass die erste Kirche im 13. oder 14.Jh errichtet worden sein dürfte.



Schon bei der ersten Erwähnung des Patrons (1524) wird St.Leonhard genannt. Obwohl Leonhard einer der beliebtesten Heiligen im Dachauer Land war und von ihm in fast jeder Kirche ein Bild hängt bzw. eine Figur steht, ist er nur in zwei heimischen Kirchen, in Roßbach und in Pasenbach, Kirchenpatron.
Interessant ist, dass im Visitationsbericht von 1560 neben dem hl. Leonhard auch St. Sebastian als Patron genannt wurde.

Visitationsbericht von 1560 12)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbeson-dere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Sittenbach ist auch Roßbach (damals unter der Bezeichnung "Rospach") kurz erwähnt.
Da die Kirchenverwalter von Roßbach nicht auffindbar waren, konnten sich die Visitatoren nur durch Inaugenscheinnahme ("ocularis inspectio") informieren. Daraus ergibt sich folgende sehr kurze Beschreibung:                                    

Filialis Rospach Patronus s.Vitus
Als Patron der Kirche wird in diesem Berichtsteil nicht St. Leonhard, sondern St.Vitus genannt.
Die Kirche besitzt zwei Kelche, 3 Corporale, 2 Messbücher, ein Buch über die Beerdigungsriten, 4 Messgewänder, ein zerrissenes Liederbuch. Die geweihten Hostien und die hl.Öle werden rein behandelt. Das Taufwasser befindet sich in einer Flasche. Das Sakramentshaus ist verschlossen und durch ein Ewig-Licht beleuchtet. Die Kirche, die Stühle und die Kirchenmauer sollten repariert werden. Der Text endet mit den Worten: "Sonst ist kain magel".

...vollständiger Bericht über die Pfarrei Sittenbach ...


Apiankarte 1568

  
Apian-Karte von 1568  
Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 auch den Ort und die Kirche von Roßbach unter der Bezeichnung "Roschpach" dargestellt (siehe Landkarte links). Damals hatte die Kirche wohl noch einen Spitzturm, denn Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude.

Hinweis: Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568
vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.



Neubau 1660
Der heutige Kirchenbau in Roßbach wurde größtenteils in der Zeit um 1660, also kurz nach dem 30jährigen Krieg errichtet und im Jahr 1671 eingeweiht.
Für eine Beschädigung im Krieg spricht ein Brief, den Pfarrer Schädl am 3. Februar 1656 an das Ordinariat in Freising geschrieben hat: Darin heißt es, dass in der engen und kleine Kirche, der Altar und Stühle "negst aneinander stehn, die Leuth im Gedreng stäckhend (=steckend/stehend) den Gottsdienst hören miessen" und zudem "mit Herunterhangung der Gloggenstricke negst aufm Altar der Priester mit grosser Gfahr Sanctissimae Eucharistiae (= heiliges Messopfer) celebrirn thuet". Dies erfordere dringend einen Umbau. Die geplante Vergrößerung hätte "schon vorm ersten Feindt, also vor anno 1631" geschehen sollen, "so ist doch solches durch Einfahl des Feindts wider verhindert worden, aniezo (= jetzt) aber bey erlangtem lieben Frieden" solle endlich das Werk beginnen. Der Überschlag sah eine Verlängerung um 26 Werkschuh vor und erwähnt, daß die alte mauer 4 Schuh dick sei (also massives romanisches Mauerwerk von 1,20 Metern), die neue aber nur 2 Schuh betragen werde. Insgesamt käme der Umbau auf 587 fl. 50 kr.

Am 29. März 1656 meldete der Landrichter von Friedberg, es sei ohnehin notwendig, den baufälligen Turm dieser Kirche abzutragen, "dahero man willens gewest, ein neuen koppeten (=gekuppelten) Thurm aufzuesezen, auf die Dachung ob dem Langhaus". Die Genehmigung des Geistl.Rates in München sei bereits vor S.Johann (24.6.) erfolgt. Dafür seien 219 Gulden und 15 Kreuzer vorgesehen gewesen. Da nun das Langhaus um 24 Schuh vergrößert werden solle, sei der neue Überschlag auf 431 Gulden und 40 Kreuzer angesetzt, der auch annehmbar sei, während der vorige (Voranschlag) von 587 fl. und 50 kr. zu hoch gewesen wäre.
Demgemäß erteilte am 10. April 1656 das Ordinariat die Bauerlaubnis, zu dem "mittleren Überschlag von 431 fl. und dass "dabei aller Überfluß abgestelt und eingezogen werden solle."




Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663


Spanischer Erbfolgekrieg 1704  05)


Roßbach im Hintergrund des Taxa-Gemäldes
von Gustav Amling v.1690
Im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) fielen feindliche Soldaten, Österreicher und Engländer, in Bayern ein. Auch wenn die Schäden nicht so flächendeckend waren wie im 30jährigen Krieg, wurden einige Orte (insbesondere im Glonntal), zu denen auch Roßbach zählte, schlimm verwüstet. Der Sittenbacher Pfarrer Franz Josef Leb schrieb am 14.9.1704 an das Ordinariat, der Feind habe "mit Sengen, prennen, plündern und heuffiger Weckführung (= Entführung) des Viehs alles verdörbt". In der Pfarrei habe der Feind sowohl in der Pfarrkirche wie in den 3 Filialen alles zerschlagen, vernichtet, die Kelch, Ciborium, Fahnen, Alben, Chorröcke, die besten Messgewänder, ja sogar alle "Gloggen aus dem Thurm zu Sittenbach, Roßbach und Orthoven herundergeworffen und neben obigen Sachen weckhgefürhet, die Filial Khürchen Grossen Pergkhoven aber gar völlig abgeprennt".


Schmidt'scheMatrikel von 1738 01)
In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 ist auch die Kirche von Roßbach kurz beschrieben. Kanonikus Schmidt bezeichnet sie als eines der schöneren Gotteshäuser im ländlichen Bereich. In der Kirche standen drei Altäre: Der Choraltar mit dem Patron S.Leonard. Im Altar Reliquien dieses Heiligen. Die Seitenaltäre waren der Jungfrau Maria und der hl.Katharina d.Großen geweiht. In der Sakristei waren schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer von Sittenbach und der Landrichter in Friedberg.
Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wüßlich (= nicht bekannt)".



Beschreibung 1884 02)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus dem Jahr 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Sittenbach auch die Kirche St.Leonhard in Roßbach enthalten. Im Dorf selbst wohnten 137 Seelen (in 30 Häusern). Dazu kamen noch Gläubige in St.Johann 10 (1). Über die Kirche schreibt er:
  "Roßbach liegt im Glonntal an der Glonn und an der Vicinalstraße (= Landstraße) von Sittenbach nach Odelzhausen. Erbauungsjahr unbekannt. Renaissancestyl. Geräumigkeit: zureichend. Kuppelthurm mit 2 Glocken:
   1) "Zu Gottes Ehr goss mich nach Rosspach J(ohann).M(atthias).Langenegger in München 1706"   
   2) Dieselbe Inschrift, nur Jahreszahl 1710.
3 Altäre; Orgel mit 7 Reg(istern). Stiftungen: 5 Jahrtage, 5 Jahrmessen. Meßner: ein Bauer von Roßbach, Cantor der Lehrer von Sittenbach. Kirchenvermögen: 25.100 Mark"



Beschreibung 1895  03)
Die Kirche in Roßbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Friedberger Teil ab 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
"Kirche
-
Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts erbaut.
-
Der Thurm erhebt sich über einer romanischen Apsis.
-
An das einschiffige Langhaus schliesst sich ein eingezogener, rechteckiger Chor und östlich an diesen die Apsis der älteren Kirche, jetzt Sakristei, an, darüber der Thurm.
-
Vorhalle westlich.
-
Das Langhaus ist flachgedeckt.
-
Unter den Fenstern ein Gesimse auf hohen Consolen, zwischen den Fenstern breite Lisenen. Darüber ein niedriges Gesimse.
-
Flachdecke mit geometrischen Füllungen.
-
Die Mauern des Chores sind ungegliedert, das obere Gesimse ist gleichwohl zwischen den Fenstern und in den Ecken verkröpft, zur Aufnahme des Tonnengewölbes, in welches von den Fenstern Stichkappen einschneiden.
-
Das Aeussere ist durch vertiefte Blenden, in welchen die Fenster sitzen, lebhaft gegliedert.
-
An der Apsis deutsches Band und Bogenfries.
-
In der Sakristei bemalte Hölzfigur S. Leonhard, er hält in der R. das Gewand und trägt das Buch unter dem Arm, die L. ist abgebrochen. Anfang des 16. Jahrhunderts, unbedeutend. H. 88 cm.
-
Am Triumphbogen gegen den Chor zu bemalte Holzfigur des Crucifixus, das Haupt etwas gegen den r. Arm geneigt; unbedeutende Arbeit des früheren 16. Jahrhunderts. H. 90 cm. "



Baubeschreibung

Die gelb verputzte Kirche steht im Dorf inmitten eines Friedhofs, der von einer neuen, schön verputzten Mauer umgeben ist.
Der zweiachsige Chor ist eingezogen und schließt gerade, weil im Osten der Turm angebaut ist.

Das sehr hohe Kirchenschiff besitzt drei Achsen und wird von vier Fenstern erhellt.
Die westlichen Fenster auf der Süd- und Nordseite sind zugemauert und durch eine Blende ersetzt. Darin ist an der Südseite ein großes Kruzifix angebracht. Die neuromanischen Verzierungen an den Kreuzbalken zeigen deutlich, dass es aus der Zeit des Historismus, Ende des 19.Jh, stammt. Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog. Viernageltypus. Die Beine Jesu liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt; zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernagel-typus". Diese Darstellung war in der Zeit der Romanik bis zum 12.Jh üblich und deshalb auch in der neuromanischen Kunst wieder beliebt.
Die gelben Außenmauern des Kirchenschiffs sind durch Blenden sehr lebhaft gegliedert. Dazu tragen auch die quer-elliptischen Nischen über den Fenstern bei.

romanische
Apsis

Eine architektonische Besonderheit ist der halbrunde untere Teil des Turmes, der an den Chor im Osten angebaut ist. Es könnte sich um die Apsis des romanischen Vorgängerbaus der Kirche handeln, geschmückt mit Bogenfries und Deutschem Band.
Rätsel gibt allerdings die Höhe des Halbrunds auf, das weit über die Traufe hinausreicht. Eine Änlichkeit mit Oberroth ist unverkennbar. Dort wird dieser Bau auch als Teil einer ältere Wehranlage eingeschätzt. Jedenfalls war die Kirche in Roßbach über Jahrhunderte wohl eine Chorturmkirche. Dies ist einem Brief von Pfarrer Schädl aus Jahr 1656 zu entnehmen, in dem er beklagt, dass in der alten Kirche die Glockenstricke über dem Altar baumelten und die Messfeier behinderten. Der Altar stand damals also direkt unter den Glocken im Erdgeschoss des Turms ("Gloggenstricke negst aufm Altar der Priester mit grosser Gfahr Sanctissimae Eucharistiae celebrirn thuet").
Dieser zweigeschossige Raum in Roßbach ist jedenfalls der älteste und architektonisch wertvollste Teil der Kirche (siehe Bild links). Heute enthält er die Sakristei.


achteckiges
Turmoberteil
Auf der Apsis sitzt der Turm auf. Er stammt in seinem unteren, quadratischen Teil wohl noch aus der Gotik, im oberen Teil mit seinem achteckigen Grundriss aus der Barockzeit. Der achteckige Teil ist durch horizontale Gesimse und Wandrücklagen gegliedert und mit einer etwas klein geratenen Zwiebel aus Holzschindeln gekrönt (siehe Bild rechts).
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".  10)
In der Glockenstube des Turms (im vorletzten Stockwerk) hängen zwei Glocken, von denen eine im Jahr 1928 von den Gebrüdern Ulrich in Kempten gegossen worden ist. Die andere Glocke stammt aus dem Jahr 1950; die Gießerei ist mir nicht bekannt. Vor 130 Jahren, um 1880, hingen hier noch Glocken aus den Jahren 1706 und 1710. Sie hatten die 1704 von den Österreichern gestohlenen Glocken ersetzt und mussten 2 Jahrhunderte später im Ersten und Zweiten Weltkrieg (jeweils 1 Glocke) zum Einschmelzen für die Waffenproduktion abgeliefert werden.


Renovierungen
:
Eine umfassende Renovierung wurde in den Jahren 1976-79 durchgeführt.
Im Jahr 2010 hat man die Außenfassade und den Kirchturm saniert. Die Kosten betrugen 80.000 Euro, die zur Hälfte durch Arbeitsleistung der Pfarrangehörigen abgegolten wurden. 11)

Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene und gerade schließende Altarraum hat ein auf Gesimsen ruhendes Tonnengewölbe, in das Stichkappen hineinreichen. Die um 1680 eingebauten Stuckaturen bestehen aus Rahmenfeldern mit Fruchtgehängen, Bändern, Akanthusformen und kleinen Engeln.


Choraltar / Hochaltar

Der Choraltar/Hochaltar aus der Zeit um 1680/90 ist ein barockes Säulenretabel. Das Holz ist graublau und rot marmoriert (= mit Marmormuster bemalt). Er ist 3,50 Meter breit und raumhoch. Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet. Das Retabel, der Altaraufbau, wird von vier gedrehten Säulen mit Kompositkapitellen und Weinrankenbesatz gestützt. Die beiden äußeren Säulen wurden später nach vorne geschoben; daher ist das Gebälk, das sie tragen, stark verkröpft. Die inneren Säulen sind mit einem seitlichen Volutendekor geschmückt. Zwischen dem Altar und den Chor-Außenwänden sind Durchgänge mit geschweiften Flachbögen angebracht.

Altaraufsatz
Der hohe Altaraufsatz zeigt zwischen den sog. ge-sprengten Segmentgiebeln ein Muttergottesbild
nach Art des Passauer Gnadenbildes Maria Hilf.
...mehr über das Passauer Maria-Hilf-Bild...
Links und rechts ein Säulenpaar und zwei Engel.
In einer stark verzierten Textkartusche ist der Patron der Kirche "St.Leonhard" genannt.
Mittelteil
Mittelpunkt des Choraltares ist die von insgesamt zehn Putten umgebene Holzplastik des thronenden
St. Leonhard
aus der Zeit um 1500. Der Heilige ist in ein vergoldetes Mönchsgewand gekleidet; sein Haupt ist von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgeben. Mehrere Putti umschweben ihn mit ihren weißen Flügeln wie Vögel. Leonhard hält mit seiner linken Hand den Abtsstab, in seiner Rechten ein aufgeschlagenes Buch. Am Handgelenk baumeln Viehketten. Zu seinen Füßen steht die vom Haupt genommene Mitra (Bischofsmütze) Ein Teil der Engel stammt noch aus der Erbauungszeit des Altars (um 1680) die übrigen Engel wurden im 20.Jh hinzugefügt.

Hinweis: Die Kopfbedeckung des Bischofs, die Mitra, ist seit dem 11.Jh Kopfbedeckung und Würdezeichen der Bischöfe, Päpste, Kardinäle und Äbte. Zunächst war sie halbkugelige oder dreieckige Haube mit zwei hinten herabhängenden Zierbändern, den Infulae (lat. = Binde, altes röm. Symbol für Obrigkeit). Bald schon bekam sie hornförmige Ausbuchtungen, die zunächst seitlich abstanden, dann aber über Stirn und Nacken verschoben wurden. Sie nahmen dabei die Form eines Dreiecks an, wurden bald immer höher und schildförmiger.
Auch zwischen den inneren und äußeren Säulen schweben zwei Engel.

Darunter knien zwei bäuerliche Pilger die Hilfe von St.Leonhard erbitten.
                                 
Die Gruppe ist Figuren in der Wallfahrtskirche St. Leonhard in Inchenhofen nachgestaltet, wohin die Gemeinde Roßbach nachweisbar seit 1661 alljährlich einen Kreuzgang unternahm.
Assistenzfiguren
Die Assistenzfiguren stehen auf den Blendwänden zwischen Altar und Chorseitenwänden. Es sind zwei Bischöfe im vollen Ornat mit edelsteinbesetzten Mitren (1680):
links steht der hl.Nikolaus mit der Bibel in der Hand, rechts der hl. Martin, mit einer Gans zu seinen Füßen.
Hinweise: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte die Tortur und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil.
Martin wurde gegen seinen Willen im Jahr 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.

Tabernakel
Der rd. 2,30 Meter breite Tabernakel aus der Zeit um 1890/1900 ist mit reich ornamentierten
Doppelpilastern und Segment-bogengiebeln gestaltet. In die Tabernakelwand sind auf vergoldetem Hintergrund Bilder (Ölfarbe auf Blechuntergrund) zweier Opferszenen aus dem Alten Testament im Stil des ausgehenden 19.Jh. eingesetzt:
Links wird das Opfer des Melchisedek abgebildet.
Hinweis: Melchisedek war zu Zeiten Abrahams Priesterkönig von Salem (=Jerusalem). Er segnete den Abraham, als der von seinem Sieg über Kedor-Laomer zurückkehrte und brachte im anschließen-den Dankopfer für den Sieg Brot und Wein als Opfergaben dar (Gen. 14,18-20).
Wegen der Übereinstimmung der Opfergaben wurde Melchisedek im Christentum als Vorläufer von Christus angesehen. In der christlichen Kunst soll die Darstellung des Opfers des Melchisedek auf die lange Tradition des Messopfers mit Brot und Wein hinweisen.

Rechts ist das Bild von der Opferung Isaaks durch Abraham zu sehen.

Hinweis: Abraham wurde von Gott angewiesen, seinen Sohn Isaak zu opfern (offensichtlich waren Menschenopfer zu damaliger Zeit nicht außergewöhnlich). Doch Gott ließ das Opfer nicht zu und gab ihm ein Zeichen, in Zukunft Tiere zu opfern (Gen 22,1-19).



Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus besitzt eine Flachdecke, die -wie das Gewölbe im Chorraum- durch ein Blenden- und Vorlagenmuster gegliedert und mit ornamentartigen Stuckmustern auf hellgrünem Hintergrund und mit Perl- und Eierstableiste verziert ist.


Seitenaltäre

Linker Seitenaltar

Auch die beiden rd. 2 Meter breiten und rd. 5 Meter hohen Seitenaltäre sind prächtige Säulenretabel mit hohen Altaraufsätzen. Sie sind aber rd. 70 Jahre jünger als der Choraltar und wurden um 1750/60 aufgestellt.
Die Stipes (= Altarunterbau) sind mit Holz verkleidet.
Die Altarblätter gehören unterschiedlichen Stilrichtungen (Historismus und Barock) an.

Die Predella schmücken aufgesetzte Rocaillen. Die Mittelnischen sind mit Blüten und Ornamentik dekoriert.


Rechter Seitenaltar


Linker Seitenaltar

Im Altaraufsatz des linken Seitenaltars ist im Strahlenkranz das flammende Herz Jesu, umkränzt von Gewölk und zwei Putten, zu sehen.

Altarblatt

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar.
Das aus dem Jahr 1887 stammende Altarblatt wurde von Sebastian Wirsching gemalt (Öl auf Leinwand).

Die Muttergottes, mit einer Krone auf dem Haupt, thront auf Wolken. Sie ist in ein rotes Kleid und einen blauen Mantel gehüllt.


Muttergottes
1887


Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli).

In ihrem linken Arm trägt sie das Jesuskind, das segnend die Hand erhebt. Ein Engel zu ihren Füßen hält eine Lilie als Symbol der Reinheit. Zwei Putten reichen Rosen zu Maria. Rosen und Lilien gelten als Marienblumen.

Altartisch
Auf dem Altartisch steht die Figur einer Muttergottes (um 1690), die in ihrer Aussage dem Gemälde im Altarblatt entspricht.

Muttergottes
Auf ihrem Haupt befindet sich aber eine noch prächtigere Krone, in ihrer Hand hält sie ein Zepter. Außerdem trägt sie ihr Haar offen, während im Bild das Haupt von Maria durch ein Kopftuch bedeckt ist.



Rechter Seitenaltar

Im hohen Altaraufsatz ist im Strahlenkranz ein Auge im Dreieck als Dreifaltigkeitssymbol zu sehen, umkränzt von Gewölk und zwei Putten. Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet.

Altarblatt
Der rechte Seitenaltar ist der hl. Katharina geweiht. Die Heilige ist -mit Krone und Lilie ausgestattet- Mittelpunkt des 180 x 88 cm großen Altarblatts (Ölgemälde auf Leinwand) aus der Zeit um 1700.
Unter ihren Füßen liegt eine männliche Person mit einem Buch.


St.Katharina

Der bärtige Mann erinnert an die Legende, nach der
der römischen Kaiser die 50 besten Philosophen einlud, um mit Katharina ein theologisches Streitgespräch zu führen. Katharina gewann durch ihre kluge Argumen-tation nicht nur den Disput, sondern bekehrte darüber hinaus sogar die 50 Philosophen zum christlichen Glauben. Sie erlitten alle mit Katharina den Martertod.

  Hinweis: Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine   legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer zugerechnet.
Auf dem Altartisch steht die Figur einer schmerz-haften Muttergottes (Mater dolorosa) mit einem großen Schwert in der Brust. Die Figur wurde um 1760/70 geschnitzt.
Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater dolorosa
Hinweis: Der Bildtypus der Mater Dolorosa entwickelte sich schon im Mittelalter; er bezieht sich direkt auf das aus dem 13. Jh stammende Gedicht "Stabat mater", das die Gottesmutter in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt: "Christi Mutter stand mit Schmerzen, bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing". Das Lied wurde vielfach vertont; es ist auch im Gotteslob (Nr.532) zu finden.


Kreuzigungsgruppe

An der linken Seitenwand ist ein großes Kruzifix aus der Zeit um 1880 angebracht. Wie in der Zeit des Historismus üblich, umrahmt als Heiligenschein ein Reif mit vielen Strahlen das Haupt Jesu. Das Lendentuch ist nicht vergoldet, sondern in weißer Farbe gehalten.

Unter dem Kreuz steht eine Madonnenfigur aus der gleichen Kunstepoche. Bei ihr handelt es sich nicht -wie sonst üblich- um eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes mit dem Schwert in der Brust.
  Hinweis: Ein Heiligenschein war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben.


Kreuzigungs-gruppe

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Eine Kanzel ist nicht (mehr) vorhanden.

 

Kreuzweg-Stationsbilder

Die 99 x 54 cm großen Kreuzwegbilder hängen an den Seitenwänden über dem umlaufenden Gesims. Die Ölbilder wurden um 1880/90 auf Leinwanduntergrund gemalt.
Hinweis: In der Fastenzeit wird in soge-nannten Kreuzwegandachten der Leidensweg


Kreuzweg
Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen im Dachauer Land erfahren wollen, klicken Sie hier...


Apostelleuchter

Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter aus grün und gold gefasstem Schmiedeeisen angebracht. Sie wurden im 18.Jh. gefertigt und erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems
Eine Sammlung schöner Apostelleuchter aus den Kirchen des Dachauer Landes finden Sie hier...
St.Leonhard -zur Vergrößerung der Ansicht bitte klickenWallfahrerfigur -zur Vergrößerung der Ansicht bitte klicken



                   Beichtstuhl

Unter dem Emporenaufgang steht noch ein alter, reich verzierter Beichtstuhl. Er wird nicht mehr genutzt, sondern dient nur noch der Zierde. Der offene Beichtstuhl (175 breit, 62 cm hoch) wurde schon im späten 18.Jh aus Fichtenholz gefertigt.

Beichtstuhl
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim
Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh.20,22) zurück.

 

Empore und Orgel

Die Kirche besitzt eine auf je zwei Rundsäulen gestützte doppelte Empore.
Die untere Empore hat eine gerade, die obere eine geschwungene Brüstung (mit Verputz).
Die Orgel mit 6 Registern stammt aus der Werkstatt von August Behler, München und wurde 1912 einge-baut. Sie ist in einem Neubarockgehäuse hinter einem dreiteiligen, rundbogigen Flachfelderprospekt mit überhöhtem Mittelteil untergebracht.  06)
Allgemeines zur Orgel:
Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jh. als profanes Instrument
  galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die Pfeifen sind verschieden groß. Die kleinsten Metallpfeifen sind rd. sechs Zentimeter lang, während manche Holzpfeifen mehrere Meter hoch sein können. Die verschiedenen Register fassen bestimmte Pfeifen zusammen und erzeugen unterschiedliche Klangfarben (z.B. Flöten, Hörner). Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.



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ortal
 

Die Eingangstüre besitzt zwei sehr schöne Türblätter mit Kassettenfüllung.




Vorraum

Im Vorraum hängt ein großes Kruzifix, das an die Toten der Weltkriege erinnert. Über dem Kreuz ist an die Wand der Text gemalt: "Den Toten zum Andenken, den Lebenden zur Erinnerung". Das Kreuz ist in barockem Stil gearbeitet. Das vergoldete Lendentuch flattert im Wind.
  Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten

  bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen. Es ist Bestandteil der künstlerischen Darstellung geworden, flatternd im Wind, nur von einer Kordel gehalten.

Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer /Georg Westermayer : Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
03) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895, Seite 255

04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 1161, 1202)
05) Jakob Mois, Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Lkr Dachau, unveröffentlicht, um 1950 (1704)
06) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
07) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
08) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes , 1991
09) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
10) Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
11) Dachauer Nachrichten vom 23.6.2010 (Renovierung)
12) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

30 Bilder: Hans Schertl (28), Horst Lachmann (2)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

5.4..2018