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Pfarrkirche St. Nikolaus und St.Maria in MITTERNDORF

mehr über St.Nikolaus

Adresse: 85221 Dachau, Heinrich-Nicolaus-Straße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...
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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau auf der Landkarte


K
urzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Nikolaus und Maria steht im Dachauer Ortsteil Mitterndorf, im Westen der Stadt.

Die erste Erwähnung einer Kirche in Mitterndorf dürfte in einer um das Jahr 930 ausgestellten Freisinger Urkunde enthalten sein.
Bis 1300 war die Kirche in Mitterndorf Filialkirche von Steinkirchen. Dann wurden der Pfarrsitz im Zuge einer Aufteilung der Pfarrei nach Mitterndorf verlegt und die Verhältnisse umgekehrt.

In der Konradinischen Matrikel von 1315 war die Kirche schon als Pfarrkirche mit den Filialen Günding und Steinkirchen beschrieben.

Seit 1524 ist auch der hl.Nikolaus als Patron der Kirche bekannt.

Das Kirchengebäude stammt aus der Zeit um 1500. Der Turm ist der älteste Teil; der Altarraum wurde im Jahr 1496 errichtet, das Kirchenschiff im Jahr 1515 fertiggestellt. Baumeister war Hanns Widerl.
Der Kirchenbau gehört zu den ältesten voll erhaltenen Bauten aus gotischer Zeit.


Hl.Geist-Loch

Im Nordwesten der Kirche steht das im Jahr 2002 erbaute sog. Sphärenkreuz mit vier waagerechten Kreuzbalken.

Die Pfarrei hatte 2014: 2.300 Gläubige.
Seit 1. Mai 2011 bildet die Pfarrei Mitterndorf mit den Pfarreien Mariä Himmelfahrt, St.Jakob und Pellheim den Pfarrverband Dachau St.Jakob mit mehr als 15.000 Pfarrangehörigen.

Inneneinrichtung

Der Altarraum und das Langhaus sind von einem gut erhaltenen Netzgewölbe überzogen, das in Pilastern an den Seitenwänden endet. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe - allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.
Vier der Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden in neugotischem Stil ausgestattet.

Der Hochaltar wurde u.a. vom Dachauer Künstler Constantin Pader um 1630 gestaltet. Seit 2006 ist in seiner Mitte wieder das Altarblatt mit der Kreuzigungs-darstellung zu sehen (Maler Georg Lacher um 1850/70).
Die Assistenzfiguren (ebenfalls von Pader) stellen die den Evangelisten Johannes (mit Kelch und einer sich daraus windenden Schlange) und den Apostel Jakobus (mit Wanderstab, Wanderhut und Wanderschuhen) dar. Ganz oben im Auszug steht eine kleine Figur des hl.Nikolaus (um 1500) mit Buch und 3 Goldkugeln.
Im Antependium ein Holzrelief aus dem 16.Jh. Es zeigt den aus der Grabkufe aufsteigenden Christus, der auf seine Wunden hinweist ("lmago pietatis'').

An der Chornordwand befindet sich ein vom Landrichter Georg Pettenbeck gestiftetes Fresko der Schutzmantelmadonna und der hl. Dreifaltigkeit aus dem 16. Jh.

In den Mauernischen beiderseits des Choraltars sind Reliefs mit Darstellungen der Hl.Familie (18.Jh) und der Beweinung Jesu nach der Kreuzabnahme (1912) angebracht.

ChorgestühlKreuzwegstationenKreuzwegstationenGewölbeGewölbeApostelleuchterApostelleuchter Steinkirchner Kreuz das frühere Gnadenbild Altaraufsatz AmboSt.Josefs-FensterMarien-FensterSt.JakobusSt.JohannesJohannes der TäuferBeweinung ChristiHl.FamilieTabernakelVergrößerung des AltarsKanzelkreuzMater dolorosaChorgestühl
per Mouseklick zu den Beschreibungen

Am Chorbogen hängt das große Steinkirchner Kreuz, das 1902 aus Steinkirchen nach Mitterndorf kam.

Die Kirche hat seit den 1950er Jahren keine Seitenaltäre mehr. An deren Stelle sind heute Figuren angebracht.
Links das frühere Gnadenbild, eine sitzende Muttergottes aus dem Jahr 1460. Rechts die Figur von Johannes d.Täufer mit Kreuzstab.

Die barocke Kanzel ist eine der ältesten noch erhaltenen Holzkanzeln im Dachauer Land und stammt aus dem Jahr 1630.

Unter der Empore steht der Taufstein aus Graumarmor (18.Jh). Auf dem bauchigen Holzdeckel sind sehr schöne Figuren von Johannes dem Täufer und Jesus zu sehen.

Die Empore aus dem Jahr 2000 ist sehr modern gestaltet.

Die Eingangstüre der Kirche an der Westseite dürfte noch aus dem Ende des 19.Jh stammen. Der Türklopfer ist um 100 Jahre älter.
Prämiert wurde der hochmoderne Eingangsbereich aus dem Jahr 2000.

Mitterndorf ist eine der wenigen gotischen Kirchen des Dachauer Landes, die sich als Bau noch relativ unverfälscht erhalten haben.

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


 Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1315  Gotische Kirche  Matrikel 1524  Visitation 1560
 Beschreibung 1575  30jähriger Krieg  Matrikel 1738  Beschreibung 1884  Beschreibung 1893
   Renovierungen  Bittgänge   Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
 Ausstattung:
  
 Altarraum  Apostelleuchter   Baubeschreibung  Bilder im Altarraum  Choraltar
  Decke
  Empore
 
 
 Kreuzweg  Fenster  Pfarrhaus  Portal  Pfarrerliste
   Gottesdienstzeiten

Geschichte des Ortes

Die Gegend um Mitterndorf ist schon lange besiedelt. Beweis dafür ist eine gut erhaltene bronzene Gürtelkette, die 1908 beim Ausschachten eines Kellers in Mitterndorf gefunden wurde. Solche Gürtelketten gehörten zur Tracht der wohlhabenden Frauen in der mittleren La-Tene-Zeit (450 v.Chr. bis 15 v.Chr).

Geschichte der Kirche


Erste Kirche

Die erste Erwähnung Mitterndorfs dürfte in einer um 930 ausgestellten Freisinger Urkunde enthalten sein. Der Vogt der Freisinger Domkirche, der Edle Jakob, erhielt damals den Besitz der Freisinger Domkirche in Dachau überschrieben. Darunter war neben einem kleinen Herrenhof, sechs Kolonnenhöfen und einer Mühle (=Steinmühle) auch eine Eigenkirche, der Vorgängerbau der heutigen Mitterndorfer Kirche. Dieses kleine Gotteshaus wird wohl -wie damals allgemein üblich - aus Holz gebaut gewesen sein.
Mehr zum Aussehen mittelalterlicher Kirchen......
Die Dachauer Urpfarrei lag wahrscheinlich in Steinkirchen, auch Mitterndorf gehörte dazu. So gegen 1300 wurde die Pfarrei Steinkirchen geteilt. Ein Teil wurde zur Pfarrei Dachau-St.Jakob, der andere zur Pfarrei Mitterndorf. Nun war aus der Pfarrkirche Steinkirchen eine Filialkirche und aus der Filialkirche Mitterndorf die Pfarrkirche geworden.

Der Grund für die Verlagerung des Pfarrsitzes könnte nach Dr.Hanke sein, dass die Kirche vom Privatbesitz in den kirchlichen Besitz übergegangen ist und der neue, vom Edlen nicht mehr besoldete Pfarrer mit einem Bauernhof (Pfarrwidum) ausgestattet werden musste. Da die Grundstücke um Steinkirchen zu den einzelnen Kolonenhöfen gehörten, konnte der Pfarrer nur mit bisherigem Brachland ausgestattet werden. Das gab es aber nicht um Steinkirchen, sondern bei Mitterndorf. Weil aber diese Felder in Mitterndorf von Steinkirchen zu weit entfernt lagen, war es sinnvoll, den Pfarrsitz nach Mitterndorf zu verlegen.

Pfarrerliste
Bis zum Jahr 1314 zurück reicht die Liste der Mitterndorfer Pfarrer, wenn auch nicht lückenlos. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...


Beschreibung von 1315 02)
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Mitterndorf als Pfarrkirche mit den Filialkirchen Günding und Steinkirchen beschrieben (Mitterndorf habet 2 filias: Gundingen et Steinkirchen cum sepult et Wegkirchen sine sepult (Mitterndorf hat zwei Filialen Günding und Steinkirchen mit Friedhof und die Rotschwaige ohne Friedhof).

Die Kirchenpatronin "unsere liebe Frau" wurde erstmals 1436 erwähnt. 1524 wurde St.Nikolaus als weiterer Patron genannt.

Aus dem Jahr 1460 ist eine Urkunde überliefert, die ein Übereinkommen zwischen dem Mitterndorfer Pfarrer Hans Lod und dem Kloster Indersdorf enthält. Danach sollte der Indersdorfer Propst ein unbeschränktes Recht auf das Stockopfer der neugebauten Capelle in der Schwaig haben, um es zum Unterhalte und Schmucke des Gotteshauses zu verwenden. Würde der Fond hinreichend sein, um eine Wochenmesse zu stiften, so sollte der Propst "diese zuerst dem Pfarrer anbieten, ob er sie übernehmen wolle". Nimmt er sie nicht, so mag der Prälat mit Rath des Pfarrers sie einem anderen Herrn empfehlen. Dem Mitterndorfer Pfarrer bleiben jedoch "in Andern seine billigen pfarrlichen Rechte". Dieses Übereinkommen wurde vom Freisinger Bischof Johann IV. Tulbeck am 29.6.1460 und von Papst Paul am 16.9.1464 bestätigt.
Die Rothschwaigkapelle war 1124 von der Gräfin Beatrix zu Dachau zu Ehren des hl.Jakobus errichtet worden. Als sie 1454 ruinös wurde, hat Propst Rothut von Indersdorf sie neu und schöner erbaut, wie es heißt. 300 Jahre später wurde sie von Propst Gelasius wieder von Grund auf renoviert und größer erstellt, als es vorher war (1764). Doch es stand keine 40 Jahre mehr: Im Zuge der Säkularisation wurde 1802 "das niedliche Kirchlein ganz demolirt"

Gotische Kirche um 1500
Um das Jahr 1500 wurde auf dem Hügel über dem Ampermoos eine neue Kirche gebaut. Baumeister war Hanns Widerl. Eine kleine unscheinbare Büste am dritten Geschoss des Turmes erinnert an ihn.
Der Altarraum wurde im Jahr 1496 errichtet, wie einer Inschrift an der Chorschlusswand zu entnehmen ist.

Das Kirchenschiff wurde 1515 fertiggestellt. Auch dies ist in einer Inschrift (am Chorbogen) zu lesen.

Baujahr 1515


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
02)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird die Pfarrei Mitterndorf mit vier Filialkichen (s.Viti in Ginding mit Friedhof, s.Leonard in Webling, s.Michaelis in Stainkirchen und B.Virginis in Schwaig, jeweils ohne Friedhof) vorgestellt. Die Pfarrei hatte 160 Communicantes (d.s. Gläubige nach der Erstkommunion). Mitterndorf gehörte somit zu den etwas kleineren Pfarreien (Durchschnitt im Dachauer Land: 233 Communicantes).


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Seligste Jungfrau in Mitterndorf heißt es,die Pfarrei umfasse 250 Communicanten, alle gut katholisch, die sich mit Opfergaben nicht zurückhalten, den Zehent bereitwillig zahlen und an Kircheweih eine besondere Spende entrichten. Probleme gebe es nur mit Hans Schabl aus Günding, der nicht beichten wolle, weil er von seiner Frau verlassen wurde ["wöll nit peichten, darumb das im sein weib entloffen"). Der bauliche Zustand der Kirche war gut, aber über die Innenausstattung machten der Kirchenverwalter und der Visitator unterschiedliche Angaben. Das Pfarrhof wurde gerade renoviert.
Der Pfarrer in hieß Augustinus Gebhart. Er dürfte gegen 60 Jahre alt gewesen sein. Er war gut katholisch geblieben und konnte auf die Fragen der Visitatoren zur Glaubenslehre und zur kirchlichen Praxis ausgezeichnet Auskunft geben. Seine Einnahmen lagen bei 100 Gulden. Er hatte eine Lebensgefährtin, aber keine Kinder. Dennoch waren sich alle einig, dass er einen ehrbaren Lebenswandel pflege [" Pfarrer sey aines erbern gueten wandels"). Wenn Sie ganzen Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...

Pfarrbeschreibung 1575 02)
In der Staatsbibliothek München befindet sich eine Handschrift mit dem Titel: "Beschreibung der Pfarren Einkommen Rentambts München und anders betreffend de Ao.1575". Die Schrift wurde von staatlichen (herzoglichen) Stellen erstellt. Sie enthält Pfarreien aus den umliegenden Gerichtsbezirken, u.a. auch Dachau, Friedberg und Kranzberg. Die Handschrift ist nur noch teilweise erhalten und umfasst deshalb nur noch 73 Pfarreien; dazu gehört aber auch die Pfarrei Mitterndorf, als einzige aus dem Gerichtsbezirk Dachau. Die von weltlichen Behörden erstellte Handschrift befasst sich, wie Deutinger schreibt, "nur mit den äußeren Rechtsverhältnissen und Temporalien, den Präsentations- und Installationsrechten, Renten und Lasten der Pfarrpfründe".
Die Einkünfte der Pfarrei Mitterndorf werden dort mit 160 Gulden jährlich angegeben. Sie gehörten dem damals neuen Pfarrer Salomon Hess ungeteilt, weil ihm die Pfarrei übertragen war und er die Seelsorge selbst ausgeführt hat. Das hatte der Herzog um 1560 so bestimmt. So ersparte er sich das sog. Absentgeld. Allerdings musste er bei der Übernahme der Pfarrei einmalig 6 Gulden zahlen. Seine jährlichen Abgaben betrugen: an den Vogt Andreen Hörl in München 4 Schäffl Korn und an die Erben eines Stefan Trainers 1 Schäffl Hafer sowie 1 Gulden Jägergeld.
Wenn Sie den ganzen Text der Pfarrbeschreibung lesen möchten, klicken Sie hier...


30jähriger Krieg
Den 30jährigen Krieg schein der Kirchenbau einigermaßen gut überstanden zu haben. Jedenfalls ist Mitterndorf nicht in der 1671 erstellten Liste der von den Schweden entweihten Altäre zu finden. Nur von eingeschlagenen Fenstern wird berichtet. Allerdings ist die Hälfte aller Pfarrangehörigen (!) im Krieg umgekommen. Deshalb erhielt der Mitterndorfer Pfarrvikar Georg Schäbl, der die seelsorgerischen Aufgaben für den offiziellen Pfarrherrn Salomon Höß verrichtete, einen Nachlass auf den Absent. Statt 85 Gulden musste er nur noch 45 Gulden von den Mitterndorfer Pfarreinkünften an den Pfründeinhaber Salomon Höß abgeben.

Pfarrhofbrand 1673
Zu allem Unglück brannte am 16.Mai 1673 der Pfarrhof mit den Ökonomiegebäuden ab. Damit waren auch alle Bücher und Archivalien aus der Zeit vorher vernichtet.

1708 wurde das Kirchendach erneuert. Leitender Handwerksmeister war der Zimmerer Eusebius Helfetsrieder. Sein Engagement endete tragisch: Er fiel am 25.Mai vom Kirchendach und verstarb.


Umbau 1730

Im Jahr 1730 wurde eine größere Renovierung für 183 Gulden durchgeführt. Damals erhielt die Kirche einen neuen Glockenstuhl und eine neue Kirchendachdeckung. Bauleiter war der Maurermeister Gregor Glonner (ca.1680-1745) aus Dachau; Zimmererarbeiten führte Melchior Purckhardt aus Günding aus. Glonner lieferte 1733 auch einen Kostenvoranschlag zur Kirchenmauererhöhung und Dacherneuerung; diese Baumaßnahmen wurde 1733 von Melchior Purckhardt durchgeführt. Glonner und Purckhardt haben des Öfteren bei kirchlichen Baumaßnahmen zusammengearbeitet.


Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
02)
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidtschen Matrikel kurz beschrieben. Bei der Pfarrei Mitterndorf berichtet er, dass das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) monatlich zwischen dem Bistum Freising und dem bayerischen Kurfürsten in München wechselt (=Monatspfarrei; dabei konnte der Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen Monaten-ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog).
Der damalige Pfarrer hieß Franc.Damianus Mair, der seit 1717 installiert war. Das Pfarrhaus war aus Holz gebaut und befand sich in gutem baulichen Zustand. Das galt auch für die landwirtschaftlichen Nebengebäude. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangenen 200 Jahren trotz der schrecklichen Verluste im Dreißigjährigen Krieg von 160 auf 297 fast verdoppelt.
Die Pfarrei hatte damals vier Filialen "nempe in Stain-Kirchen, Webling, Gündting und Weeg-Kirchen vulgo auf der rothen Schwaig". Die Pfarrkirche wird als schöner und guter Bau beschrieben. In ihr standen drei Altäre: der Hochaltar war dem hl.Bischof Nikolaus geweiht. Auf ihm stand über dem Tabernakel eine Statue der Jungfrau Maria, zu welcher in der Pfingstzeit Bittgänge aus anderen Pfarreien führten. Die Seitenaltäre hatten die hl.Anna sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus als Patrone. Die Sonntagsgottes-dienste fanden zweimal in der Pfarrkirche und einmal in der Filialkirche Günding statt. Das Kirchweihfest wurde am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landrichter aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses wirdet diser Zeit gegen 700 fl. (=Gulden) betragen". Das war nicht viel, wenn man das Vermögen von Günding mit 1000 Gulden und von Steinkirchen mit 3000 Gulden betrachtet.

1810, am hl.Kreuztag, schlug ein Blitz ein und beschädigte neben dem Turm auch die Kanzel, die Altäre und das Chorgestühl. Die Reparatur dauerte wohl einige Zeit. Jedenfalls bezeichnete Pfarrer Richhuber alle drei Altäre noch 1817 als "uralt und vermodert". Erst 1847 hat man die Renovierung der zwei Seitenaltäre bewilligt.



Beschreibung 1874

Kirche und Pfarrei Mitterndorf sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: " Die Pfarrei hat 463 Seelen in 71 Häusern. Davon wohnen 88 Gläubige (in 14 Häusern) in der Ortschaft Mitterndorf selbst, die Übrigen in Günding 189 (31), Gündinger Moos 110 (12), Udlding 17 (5), Webling 32 (5) sowie in 4 weiteren Weilern und Einöden. 4 Häuser in Webling gehören zur Pfarrei Dachau. Der Umfang der Pfarrei beträgt 2 Stunden. In Mitterndorf gibt es keine Schule.
Pfarrei
: "Mitterndorf ist eine Wechselpfarrei. Wie auch andere Pfarreien in Bayern war auch Mitterndorf am 26. Juli 1830 von einer Monatspfarrei in eine Wechselpfarrei umgewandelt worden. Das Präsentationsrecht wechselte nun nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München). Die Kirchenrechnung weist bei 1645 Mark Einnahmen und 94 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1551 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 95 Tagwerk (= 31 ha) der Bonität 12. Das geräumige Pfarrhaus wurde im Jahr 1756 erbaut. Die Ökonomiegebäude sind hinreichend groß".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt, gothischer Stil, aber die Fenster sind verzopft (=barock). Geräumigkeit genügend. Sattelthurm mit 3 Glocken, worunter 2 neue. 3 Altäre. Gottesdienste Zwei Sonntage nacheinander und an allen Hauptfesten sowie 15 Rorateandachten, Kreuzwegandachten und 9 Rosenkränze in der Allerseelenoktave. Kreuzgänge: Am 4.Sonntage nach Ostern gehen die Mitterndorfer zur hl.Edigna nach Puch. Den Meßnerdienst versieht ein Gütler, dessen Sohn z.Zt. als Cantor fungirt. Kirchenvermögen: 9.300 Mark".



Beschreibung 1893
Die Mitterndorfer Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
  "Architektur: Kirche spätgotisch, 16.Jh, im 18. etwas umgestaltet.
Da einschiffige Langhaus umfasst vier Gewölbejoche von ungleicher Länge, der eingezogene Chor ein Langjoch und Schluss in fünf Seiten des Achtecks. Thurm an der Nordseite, Sakristei an der Südseite des Chores. Vorzeichen südlich. Die Wände sind durch rechteckige Pfeiler mit abgefassten Ecken gegliedert, welche ohne Kapitell oder Kämpfergesimse in die spitzen Schildbögen übergehen. Diesen Pfeilern sind im Langhause dreikantige Pilaster mit einfach profilierten Rippen und runden Schlusssteinen. Die Grundform des Gewölbes ist ein rundbogigiges Tonnengewölbe mit spitzbogigen Stichkappen. Chorbogen halbkreisförmig, seine Dekoration, wohl auch seine dermalige Gestalt aus dem 17.Jh. Fenster im Segmentbogen geschlossen (modern), mit Ausnahme derjenigen auf der Südseite des Langhauses, welche oben und unten abgerundet sind (17.Jh).
Innenausstattung: Als Antependium des Choraltars dient ein jüngst aus dem Friedhof hierher versetztes Holzrelief, in Halbfigur denn die Wundmals weisenden Christus darstellend; Engel halten beiderseits den Mantel. 16.Jh.
An der Ostwand des Chores zwei Reliquiarien mit in Kupfer (?) getriebenen versilberten Reliefs, die Himmelfahrt und die Krönung Mariä, in altarartigem Aufbau von Holz. Ziemlich unbedeutend. Um 1670. H.98 cm.
An der Südwand des Chores S.Nikolaus, bemalte gute Holzfigur. Um 1500. H. 93 cm.
An der Nordwand des Chores Johannes der Täufer, im härenen Gewand und rothem Mantel, in der L.das Kreuz haltend. Bemalte Holzfigur. Um 1500. H. 90 cm.
Eine gute Arbeit aus der Mitte des 15.Jh. ist die bemalte Holzfigur der Maria an der Nordwand des Schiffes, auf einem Thron sitzend, mit dem rechten Arm das Jesuskind haltend; letzteres hält in der R. eine Traube, während es mit der L. nach dem Apfel greift, dan Maria entgegen hält. H. 83 cm.
In die Ostwand des Chores ist ein zinnenbekrönter Kasten aus Holz eingelassen, der von flachgeschnittenen spätgotischen Blattornamenten umrahmt ist H.170 br. 118 cm.
Innen an der Südwand Epitaph des Georg Pettenpeckh, Landrichter und Kastner in Haag von 1600. Solenh(ofener) Stein. H. 54 br 45 cm. "



Restaurierungen und Umbauten

fanden statt in den Jahren:

1708 ..... Erneuerung des Kirchendachs
1730 ..... Glockenstuhl und Kirchendach
1752/56  Neubau Pfarrhof
1849
— um 1860
1908 ..... innen
1938
1962
1977 ..... außen
1978-87  innen
1999 ..... wurde der statisch gefährdete Bau unterfangen.


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1524:Pfarrei mit 160 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1560: Pfarrei mit 250 (?) erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1738: Pfarrei mit 297 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1826: Pfarrei mit 353 Seelen
37)
1868: Pfarrei mit 436 Seelen 38)
1874: Gemeinde mit 463 Seelen


Bittgänge
Die Mitterndorfer wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach Andechs. Das wissen wir, weil für den "Herrn Pfarrer auf den heyll.Berg eine Zöhrung" (= Verpflegung) bereitgestellt und deren Wert in der Kirchenrechnung mit 30 Kreuzern verbucht wurde.
Ziel der Wallfahrt nach Andechs war der "Heilthumschatz". Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst. Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren Kreuzpartikel, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien (Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer). Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen oder eine Herrenreliquie handelte. 22)

Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Abschiedsfeierlichkeiten, Jubiläen und Installationsfeiern von Pfarrern usw.
Wenn Sie sie lesen möchten, klicken sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche liegt im Südwesten von Dachau auf einem Hügel nahe der Amper und des Mooses in einem ummauertem Friedhof. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.
Der spätgotische Bau aus dem Ende des 15. Jahrhunderts verfügt über einen kaum eingezogenen, einjochigen Chor, der mit drei Seiten eines Achtecks schließt
. In die südlichen Außenwand sind zwei Epitaphe eingelassen.

Epitaph

Für Ludwig Withmann, Lehrer in Schleißheim, und seine Frau Ursula

Im Tympanon des Steins eine Figurengruppe (als Relief), ein Mann unterrichtet zwei Kinder.

  Hier ruht in Gott Ludwig Duval-Stelzl, Kapellmeister, geb. 18.Aug. 1886 in München, gestorben 4. Mai 1950 und seine liebe treue
Gattin Frau Barbara Stelzl-Duval, geb. 15.Febr.1895, gest.5.Mai 1974.
Unter der Inschrift ist eine Violine eingraviert.


Epitaph 1974

Auch das vierjochige Langhaus, das Kirchenschiff, stammt aus gotischer Zeit und wurde nur wenig verändert. Der Kirchenbau gehört zu den ältesten voll erhaltenen Bauten aus der Gotik.
Der Turm steht an der Nordseite. Er ist mit dem rechteckigem Grundriss (4,9 x 3,7 m) der älteste Teil und könnte sogar noch vom Vorgängerbau stammen. Seine sechsgeschossige Fassade ist durch Lisenen, vertiefte, rechteckige Mauerblenden und zwei an Lisenen durchlaufende Bänder gegliedert. Über der Uhr eine Doppelarkade mit Rundsäule. Der östliche Giebel zeigt bandartiges Stabwerk. Bedeckt ist der Turm mit einem Satteldach mit vier Giebelansätzen.

Schon im Jahr 1730 befand sich am Turm eine Uhr. In der Kirchenrechnung dieses Jahres sind neben den Kosten auch die Gründe für eine Reparatur dieser Uhr enthalten.
Das Werk hatte durch die starke Staubentwicklung beim Abbruch des Kirchturms Schaden gelitten und war unbrauchbar geworden. Es musste zerlegt, geputzt und wieder zusammengelegt werden.

Im Turm hing bis 1924 als älteste Glocke eine 1481 von Ulrich von Rosen gegossene, der Jungfrau Maria gewidmete Glocke; sie befindet sich heute in der Weblinger Kirche. Eine zweite Glocke, 1486 vom gleichen Glockengießer hergestellt, wurde 1897 dem Bayerischen Nationalmuseum verkauft. Um 1730 hat man eine neue Glockenstube in den Turm eingebaut. Damals wurden die beiden Glocken von "Glocken Umbhenger aus dem Salzburger Landt" gedreht damit der Klöppel an anderer Stelle anschlägt.

Ende August 1917, im 1.Weltkrieg, wurden zwei Glocken zum Einschmelzen für Kriegszwecke vom Turm abgenommen und im Friedhof zur Abholung zwischengelagert. Am nächsten Tag war eine der Glocken verschwunden. "Glockendiebstahl in Mitterndorf" überschrieb die Zeitung ihren Bericht. Wahrscheinlich hatten verantwortungsvolle Gläubige die Glocke retten wollen. Leider wurde sie schon einige Tage später von Kindern in einer Torfhütte gefunden und von den Behörden zur Waffenfabrik weitergeschickt.

Derzeit hängen in der Glockenstube drei 1924 in Bochum gegossene Stahlglocken, die die eingeschmolzenen Glocken ersetzten. Über die Glockenweihe 1924 hat sich noch ein Zeitungsbericht erhalten, den Sie hier... lesen können.

Die doppelgeschossige Sakristei ist an die Südseite des Altarraums angebaut. Schon in der Kirchenrechnung von 1654 ist von einer Sakristei die Rede, die man damals erweitert und mit 4000 Steinen "von Neuem aufzuerpaut" hat.

Am Volkstrauertag 2002 wurde das neue Kriegerdenkmal im Friedhof eingeweiht. An einer frei stehenden Betonwand sind unter dem Kreuz eine Reihe von Tafeln mit den Namen der Gefallenen angebracht.

  Kriegerdenkmal

Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene, einjochige Chor (4 x 3,30 m) und das vierjochige Langhaus (13,7 x 6 m) sind von einem schönen Netzgewölbe überzogen, das sich auf Wandvorlagen und dreikantige Pilaster an den Seitenwänden stützt. Neben den oben halbrund geformten Fenstern sind drei Rundfenster eingebaut.

Hochaltar

Der frühbarocke Hochaltar mit Säulen und Pilastern wurde um 1630 gestaltet. Nach der Kirchenrechnung führte Hannß Pillmayr die Schreinerarbeiten aus; der über Dachau hinaus bekannte Künstler Constantin Pader schnitzte für den Altar 10 Figuren, die von Christoph Pfab gefasst, d.h. bemalt wurden. Die aus Dachau stammenden Künstler Konstantin Pader (Bildhauer) und Christoph Pfab (Maler) haben des Öfteren zusammengearbeitet. 15) Bekannt ist dies aus den Kirchen im Dachauer Gebiet von Arzbach (Seitenaltar), Einsbach-Wallfahrtskirche Hl.Blut (Choraltar) und Mitterndorf (Choraltar) sowie aus Biberach /Würtemberg. Bei der Restaurierung und dem Umbau des Altars 1887 blieben aber nur wenige Originalteile von Pader/Pfab erhalten.

Seit 2006 ist der Altar wieder komplett. Das über 2,60 m hohe Altarblatt unter dem prächtigen Bogen hing viele Jahre in der Filialkirche von Eschenried. Es stellt die Kreuzigung Christi dar. Unter dem Kreuz Maria, Johannes, Magdalena und wohl Nikodemus. Das dem Künstler Georg Lacher (1809-1882) zugeschriebene Bild wurde um 1850/70 gemalt. Mehr zu Georg Lacher...


Hochaltar
bis 2006
Bis zum Jahr 2006 war anstelle des Altarblatts ein versilbertes, barockes Kruzifix mit einem kleinen, vergoldeten Corpus vor blauem Hintergrund befestigt. Wie der Altar bis 2006 ausgesehen hat, sehen Sie beim Klick auf diesen Link.... ..
                     Der Altarauszug besteht aus zwei ge-sprengten Volutengiebeln, auf denen große Anbetungsengel Platz genommen haben. Dazwischen steht in einer rund-bogigen Nische eine Figur des hl.Nikolaus, des Patrons der Kirche, im Bischofsornat mit Buch und drei Goldkugeln. Die Figur stammt noch aus der Erbauungszeit der Kirche, also aus der Zeit um 1500. Gekrönt wird der Altarauszug durch ein geflammte Strahlensonne mit dem Jesusmonogramm IHS.
Hl.FamilieChorgestühlChorgestühlSt.JohannesSt.JakobusMarien-FensterSt.Josefs-FensterAltaraufsatzTabernakelVergrößerung des AltarsBeweinung Christi Hl.Familie
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Hinweis: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste. 
Assistenzfiguren
Umgeben wird das Kreuz von Schnitzfiguren der Apostel Jakobus d.Älteren (um 1500) mit Wanderstab, Wanderhut und Wanderschuhen (links) und von Johannes Evangelist mit Kelch und einer sich daraus windenden Schlange. Diese Figur wird Constantin Pader (1605-1681) zugeschrieben. Johannes wird übrigens barfuß dargestellt, wie alle anderen Apostel, außer (manchmal) Jakobus. Über den beiden Assistenzfiguren ragen aus der Altarwand Rocaillebögen, auf denen zwei weitere Engel mit ausgebreiteten Armen stehen.
  Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2).
Johannes der Evangelist und Johannes der Apostel werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelt. Der Evangelist Johannes lebte wohl erst um das Jahr 95. Auf die Insel Patmos verbannt, schrieb er dort die Apokalypse, das Buch der "Offenbarung". Die Schlange im Kelch erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange.

Der halbrund gestaltete Tabernakel ist blau-violett marmoriert, d.h., das Holz ist mit Marmormaserung bemalt. Er wurde beim großen Altarumbau 1887 unter Verwendung von barocken Teilen neu errichtet.
Die zweiflügelige Tür im erhöhten mittleren Teil ist mit vergoldeten Trauben- und Ährenreliefs geschmückt, die auf den dahinter aufbewahrten Leib und das Blut Christi hinweisen.
Vor der Tabernakeltüre steht ein Kruzifix mit vergoldetem Kreuzesstamm (18.Jh.).

Tabernakel
In seitlichen Nischen, die durch kleine, kannelierte Säulchen abgetrennt sind, und unmittelbar neben dem Tabernakel, sind Figuren der vier Evangelisten angebracht. Sie halten eine offene Bibel in der Hand; zu ihren Füßen ist ihr jeweiliges Attribut (St.Markus/Löwe, St.Lukas/Stier, St.Johannses/ Adler, St.Matthäus/Mensch) zu sehen.
 


Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Das 1887 bei der großen Altarrestaurierung von Josef A.Müller aus München geschaffene Antependium des Hochaltars ist in drei Felder gegliedert. In den beiden äußeren Feldern sind Engelsköpfe angebracht.
Imago pietatis
Das mittlere Feld ist mit einem Holzrelief aus dem 16.Jh verziert, das den aus der Grabkufe aufsteigenden, wundenweisenden Christus ["lmago pietatis'') zeigt. Jesus wird von zwei Engeln begleitet, die den Mantel offen halten. Vor 1887 befand sich das Relief auf dem Friedhof.
 
Hinweis: Der Figurentypus des lmago pietatis geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Kruzifix auf der Rückseite des Altars

An der Rückseite des Altaraufbaus ist ein sehr schönes barockes Kruzifix angebracht. Es dürfte sich hier sicher nur einen vorübergehenden Aufbewahrungsort handeln. Wo das Kruzifix früher stand, ist mir leider nicht bekannt.


barockes Kruzifix
Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen
  nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus".



Bilder und Fresken an den Wänden des Altarraums


Heilige Familie

 

In den Mauernischen beiderseits des Choraltars sind Reliefs angebracht:
Auf der linken Seite sind die Heilige Familie mit Josef und Maria, dazwischen Jesus und darüber die Hl.Geist-Taube dargestellt und von einem ausladenden, vergoldeten Rahmen im Rokokostil umgeben. Das Relief stammt aus dem Anfang des 18.Jh.

Auf der rechten Seite ist die Beweinung Jesu nach der Kreuzabnahme, umgeben von Eichenlaubschnüren zu sehen. Dieses mit "Hoerhager und Maurer, Mch" signierte Holzrelief stiftete entsprechend einer Aufschrift "Familie Deichl, Wenger dahier am 1.3.1912. Der Rahmen ist neugotisch.


Beweinung Jesu nach der Kreuzabnahme

Hinweis: Die Beweinung Christi wird in der Bibel nicht erwähnt. In der Kunst finden sich die ersten Darstellungen erst rd. 1000 Jahre nach Christi Tod, nachdem Symeon Metaphrastes dieses Ereignis in seinem Buch beschrieben hat. Nördlich der Alpen kommt die Darstellung erst im 13. Jh auf.


Gotisches Fresko

An der Chornordwand ist ein vom Landrichter Georg Pettenbeck (gest. 1608) gestiftetes Fresko aus der Zeit um 1600 zu sehen.
Pettenbeck war bayer. Rat, Pfleger, Landrichter, Kastner u. Landhauptmann der Grafschaft Haag.
Man nimmt an, dass Georg Pettenbeck aus Mitterndorf oder der näheren Umgebung im Dachauer Land stammte.

Schutzmantelmadonna
Im oberen, spitzbogig zulaufenden Teil des Freskos ist die Hl.Dreifaltigkeit beim Jüngsten Gericht zu sehen. Im darunter liegenden rechteckigen Feld ist die Schutzmantel-Madonna dargestellt.
Zu Füßen der Madonna knien betend der Landrichter Pettenbeck und seine zahlreiche Familie, während Engel den weiten Mantel Mariens schützend um sie halten. Unter den Frauen in der ersten Reihe rechts im Bild ist auch die 1573 geborene Tochter Maria Petten-beck, die 1588 den bayerischen Prinzen Ferdinand (1550-1608) heiratete. Die nicht
  standesgemäße Ehe schloss den Prinzen, den Sohn von Albrecht V., von der Erbfolge aus. Sie begründeten aber die Wittelsbacher Seitenlinie der Grafen von Wartenberg, die sogenannte Ferdinandinische Linie des bayerischen Herrscherhauses.
Hinweis:Der Bildtypus der Schutzmantelmadonna ist bei uns seit dem 14.Jh verbreitet. Er wurde vor allem von den Zisterziensern und Dominikanern gefördert. Die Darstellung geht auf den Mantelschutz im alten Rom (lateinisch velamentum) zurück, den man Verfolgten gewähren konnte. Abgeleitet davon entstand die Darstellung der Schutz-mantelmadonna. In alten Schriften wird das Motiv der Schutzmantelmadonna mit dem lateinischen Terminus auch als Mater omnium, "Mutter aller", bezeichnet.



Über dem Sakristeieingang hängt an der Südwand ein Bilderzyklus mit Themen aus dem Marienleben. Die Bilder waren früher an der Brüstung der unteren Empore befestigt.

In acht Detailbildern werden bedeutende Stationen des Lebens von der Geburt bis zur Krönung im Himmel dargestellt. Darunter sind auch Begebenheiten, die nicht in der Bibel, sondern nur in Legenden beschrieben werden.
Die Gemälde (Öl auf Leinwand) dürften aus der 1.Hälfte des 18.Jh stammen.
Aufnahme in den HimmelBesuch bei ElisabethVerkündigung durch GabrielVermählung mit JosefAufnahme als TempeljungfrauAufopferung im TempelDie apokalyptische FrauGeburt Mariens
Marienleben

Im Einzelnen sind von links oben bis rechts unten zu sehen:
1.Geburt Mariens,
2 Darstellung im Tempel
3.Aufnahme als Tempeljungfrau
4.Verlobung mit Josef
5.Verkündigung,
6.Besuch bei Elisabeth
7.Aufnahme in den Himmel
8.Apokalyptische Frau (Offb 12,1)

Wenn Sie sich ein Bild genauer ansehen möchten, klicken Sie mit dem Mousezeiger darauf.


Der Zugang zum Turm an der Nordseite des Altarraums besitzt noch die schöne Spitzform, die auf die Erbauungszeit der Kirche in der Zeit der Gotik (1496) hinweist.

Zugang
zum Turm

Das Gewände ist durch fünf hintereinander liegenden Pilastern profiliert (gut zu sehen auf dem vergrößerten Bild, das Sie durch einen Klick auf das kleine Bild links erhalten).


Fenster im Altarraum

Vier der Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden ausgestattet. Die darin dargestellten Heiligen sind -dem Zeitgeschmack um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20.Jh entsprechend- von vielen neugotischen Verzierungen umgeben.


St.Maria

Links ist Maria, die Mutter Jesu dargestellt, mit dem Kind auf dem linken Arm. Maria ist in das traditionelle rot-blaue Gewand gekleidet. Sie trägt eine Krone auf dem Haupt und ein Zepter in der Hand. Das Jesuskind hält den Reichsapfel auf dem Schoß und segnet den Betrachter. Der Text unter dem Bild lautet: "Zum Andenken an Maria Kleber, 1888".

 

Rechts ist der Vater Jesu, der hl.Josef zu sehen. Er ist ebenfalls in ein sehr kostbares Gewand gekleidet und hält in der Hand eine Lilie. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In
der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein konnte. Der Text unter dem Bild lautet: "Gestiftet im Jahre des Heils 1890 von J. und S. Kleber".


St.Josef

St.Sofia
Das dritte Fenster zeigt eine hl.Sofia mit Kelch und Kreuz in den Händen. Im Heiligenkalender gibt es zwei hl.Sofias: Die Märtyrerin von Rom um 304, deren Fest am 15.Mai gefeiert wird ["kalte Sophie") und die Gründerin des Ordens vom Heiligsten Herzen (1779-1865). Das Fenster wurde 1896 ebenfalls von der Fam. Kleber, Josef und Sophia, gestiftet und von der Kgl. Bay. Hofglasmalerei Franz X.Zeltler, Mch ausgeführt.   Das vierte Fenster ist dem hl.Nikolaus gewidmet. Er ist im Bischofsornat dargestellt, in der Hand eine Bibel, auf der drei goldene Kugeln liegen. Die Kugeln soll er der Legende nach heimlich einer armen Familie gegeben haben, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste. 

St.Nikolaus



Chorgestühl

An den Wänden des Kirchenschiffs ist seit 2006 wieder das renovierte Chorgestühl aus der Zeit der 2.Hälfte
des 19.Jh angebracht. Der Mittelteil der Rückwand sind Türen eingearbeitet, hinter denen die Hl.Öle aufbewahrt werden können.


Chorgestühl


Chorbogen


Steinkirchner Kruzifix
Am halbkreisförmigen -im 17.Jh veränderten- Chorbogen hängt das große Steinkirchner Kreuz, das im Jahre 1902 aus Steinkirchen nach Mitterndorf kam. Es handelt sich um ein spätgotisches Kunstwerk (um 1600).

Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

 

Zelebrationsaltar und Ambo


Ambo
Seit 2006 steht in der Kirche ein neuer Zelebrationsaltar und ein neues Ambo. Sie waren zusammen mit dem neuen Priestersitz am 1.Oktober vom Weihbischof Dr.Haßlberger geweiht worden. Das dreiteilige Ensemble ist aus patinierter Bronze gefertigt und wurde von den Künstlern Toni und Hannah Stegmayer aus Kiefersfelden geschaffen. Nach ihrer Aussage wirken Altar und Ambo durch ihre Schlichtheit und Eleganz. Die Kosten von 60.000 Euro teilten sich Pfarrei und Bistum.

Volksaltar seit 2006

Hinweis: Der Ambo (griech.ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes'ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.

Wie der bisherige Zelebrationsaltar, der um 1985 von einer Gündinger Familie gestiftet worden war, und das bisherige Ambo ausgesehen hatten, sehen Sie beim Klick auf diesen Link....


Kirchenschiff / Langhaus

Auch das Langhaus ist von dem beeindruckenden Netzgewölbe überzogen, das an den Seitenwänden in Pilastern endet. Die Rippen des Gewölbes sind noch sehr gut erhalten. Einziger zusätzlicher Schmuck ist die Abdeckung des sog. Heilig-Geist-Lochs, auf der eine Hl.-Geist-Taube vor goldenem Hintergrund gemalt ist.

gotisches Netzgewölbe
Das sog.Heilig-Geist-Loch oder Pfingstloch in der Decke dient in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur hinuntergelassen.


Frühere Seitenaltäre

Die Kirche hat keine Seitenaltäre mehr. Wann sie entfernt wurden ist nicht bekannt. 1560 waren 3 Seitenaltäre beschrieben. 1817 wurden sie als uralt und vermodert bezeichnet, beschädigt durch einen Blitzschlag am hl.Kreuztag im Jahr 1810. Erst vierzig Jahre später, im Jahr 1849 (und noch einmal 1885), wurden sie restauriert. Im Jahr 1910 klagte der Generalkonservator Georg Hager, "das Innere der aus der spätgotischen Zeit stammenden Pfarrkirche hat durch die neuen modernen Renaissancealtäre und die modernen Glasmalereien an Wert verloren". Die letzte Spur ist ein Privatfoto von 1950, auf dem beiden Seitenaltäre noch zu sehen sind."


Muttergottes
An der Stelle des linken Seitenaltars ist nunmehr eine Muttergottesfigur zu sehen. Die Holzplastik aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt Maria thronend, mit einer Krone auf dem Haupt, als "zweite Eva''. Mit dem rechten Arm trägt sie das Jesuskind, das in seiner rechten Hand eine Traube hält, während es mit der linken Hand nach dem auf den Sündenfall im Paradies bezogenen Apfel greift, den ihm seine Mutter zeigt. Die Geste symbolisiert seine Bereitschaft zum Erlösungswerk. Die Muttergottes von Mitterndorf war in den Jahren 1626, 1636 und 1648, also während des Dreißigjährigen Krieges, das Ziel von Kreuzgängen der Marktgemeinde Dachau.

An der rechten Seite steht die Figur von Johannes dem Täufer mit einem Kreuzstab in der Hand, um den ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei" (seht das Lamm Gottes) geschlungen ist . Die Figur wurde um 1500 (andere Quelle: 17.Jh.) geschnitzt.
  Hinweis: Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.


Joh.d.Täufer



KreuzwegstationenKreuzwegstationenApostelleuchter TaufsteinfigurenApostelleuchterGewölbeKanzelKanzelkreuzWangen der KIrchenbänkeKreuzwegstationenMater dolorosaTüreOrgel
Vergrößerung von 9 verschiedenen, hier abgebildeten Objekten per Mouseklick
Kreuzweg-Stationsbilder

Die Bilder der Kreuzwegstatio-nen (Öl auf Leinwand) im weißen Profilrahmen stammen aus dem Jahr 1862.
Die Mitterndorfer Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien


Kreuzwegbild

(1800-1876) die Vorlage geschaffen hat. Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch z.B. Anton Huber für Petershausen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.

Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

 

Apostelleuchter

An den Wänden des Kirchenschiffs und am Chorbogen sind auch die im Akanthusmuster gestalteten Apostelleuchter angebracht. Sie bestehen aus vergoldetem Metall. Apostelkreuze an der Wand fehlen. Sie waren früher aber vorhanden, wie zwei freigelegte gotische Kreuzfresken im Altarraum zeigen.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

Apostelleuchter


Kirchenbänke

Die Kirchenbänke haben spätklassizistische Wangen und dürften somit aus dem Beginn des 19.Jh stammen. Die Muster (Blüte und waagrechte Kette) gleichen jenen, die in der Welshofener und in der Rumeltshausener Kirche zu sehen sind.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es an den Wangen der Kirchenbänke viele verschiedene Muster. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

Kirchenbänke


Kanzel

Die frühbarocke Kanzel an der Nordseite des Kirchenschiffs besitzt einen polygonalen Kanzelkorb, der auf einer trichterförmigen Konsole ruht. Sie ist eine der ältesten noch erhaltenen Holzkanzeln und stammt aus dem Jahr 1630. Die Brüstung des Kanzelkorbs ist mit zwei Heiligenfiguren und drei Symbolfiguren geschmückt. Es handelt sich um die Heiligen Augustinus und Korbinian, um die Herzen Jesu und Mariens sowie das Lamm Gottes.

St.Augustinus
Die Figuren St.Nikolaus und Korbinian, das Lamm und die Taube an der Kanzel sollen von Konstantin Pader (1605-1681) stammen.  St.Augustinus ist als Bischof mit seinem Attribut, einem kleinen Engel mit Schöpfgefäß, dargestellt.

Kanzel v.1630
Auch St.Korbinian ist in Bischofs-gewänder gekleidet. Zu seinen Füßen leckt sich ein Bär seine Tatzen. Das Herz Jesu ist von einer Dornenkrone, das Herz Marias von einem Kranz aus Rosen umwunden.

St.Korbinian
 
Hinweis: Augustinus war um das Jahr 40 Bischof von Hippo. Nach der Legende sah er ein Kind, das mit einer Muschelschale das Wasser des Meeres auszuschöpfen versuchte. Als Augustinus das Kind auf die Aussichtslosigkeit seines Tuns aufmerksam machte, erwiderte es, dass sein Tun nicht weniger aussichtslos sei als der Versuch, das Wesen der Dreifaltigkeit Gottes zu ergründen.
Der Bär bei St.Korbinian, dem Bischof von Freising (um 720) ist auf die Legende zurückzurühren, nach der auf einer Romreise Korbinians ein Lasttier von einem Bären angefallen wurde. Korbinian zwang daraufhin den Bären, die Last selbst zu tragen.
In die Rückseite der Kanzel (Dorsale) ist die Türe eingearbeitet, durch die die Kanzel über eine Außentreppe betreten werden konnte. Der dreistöckige Schalldeckel überragt in der Breite sowohl Dorsale als auch den Kanzelkorb, was der Kanzel optisch eine gewisse Kopflastigkeit verleiht. An der Unterseite des Schalldeckels ist zwischen der Felder-Gliederung eine Heilig-Geist-Taube befestigt. Die Spitze bildet ein vergoldetes Kreuz. Der Schalldeckel soll die Worte des Priesters bei der Predigt gezielt in Richtung der Gläubigen reflektieren und ihr Verhallen im hohen Kirchenschiff verhindern.

Kanzelkreuz

Gegenüber der Kanzel an der Südwand hängt ein großes Kruzifix aus der 1.Hälfte des 18.Jh. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn tropft Blut. Das um die Hüften geschlunge-ne Lendentuch ist vergoldet und zu einer Schleife gebunden.
  
Kanzelkreuz
Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus). Das Besondere in Mitterndorf sind die auffälligen Nägel mit der Spitze nach außen.
Das Kruzifix wird Kanzelkreuz genannt, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Unter dem Kreuz steht die Mater dolorosa, die sog. schmerzhafte Muttergottes. Durch ihre Brust dringt ein großes Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater dolorosa
 


Taufstein


Taufstein 18.Jh

Unter der Empore hat der 119 cm hohe Taufstein aus Graumarmor (18.Jh) seinen Platz. Er besteht aus einem balusterförmig gestalteten Unterteil und einem nicht dazu passenden, bauchigen Holzdeckel. Dieser Deckel ist in acht Felder gegliedert und blau-violett (wie der Tabernakel) marmoriert. Auf dem Deckel stehen sehr schöne Figuren von Johannes dem Täufer, der den vor ihm knienden Jesus tauft. Im Hintergrund ein Baumstumpf, auf dessen Spitze die strahlenumglänzte Heilig-Geist-Taube erscheint. Nach der Bibel (Mtt 3,16) "tat sich der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf ihn kommen".


Taufstein-figuren
 

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Mitterndorf- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"




Empore von 1910-2000

Empore und Orgel

Im Jahr 2000 wurde die Empore sehr modern gestaltet (Pläne Architekt Kießling).
Die Vorgängerempore, eine Doppelempore aus der Zeit um 1910, musste damals wegen statischer Probleme abgebrochen werden.

Die Frage der Harmonie mit den alten Teilen der Kirche wurde auf den Leserbriefseiten der örtlichen Zeitungen sehr kontrovers diskutiert. Machen Sie sich selbst ein Bild.


Empore seit 2000

Orgel

Die heutige Orgel ist ein Werk der Firma Christoph Kaps in Eichenau. Sie wurde am 14.10.2001 eingeweiht. Die Orgel Sie besitzt jedenfalls neben dem Pedal zwei Manuale und hat die
Disposition:
Manuale (C-f "): Rohrflöte 8', Principal 8', Gedeckt 8', Spitzflöte 4', Octave 4', Superoctave 2', Mixtur 1 1/3', Terz 1 3/5', Spillpfeife 2', Quinte 2 2/3', Fagott 8',
Pedal: (C-d'):   Subbass 16'; Koppeln: I-II, I-P, II-P

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Frühere Orgeln:
1.
Im Jahr 1846 war vom Mammendorfer Orgelbauer Peter Moser eine Orgel aufgestellt worden. Sie war in einem dreiteiligen Gehäuse mit einfachen, klassizistischen Formen untergebracht und hatte folgende Disposition:
 

Manual (C-c'", kurz): CO 8', Flöte 4', Principal 2', Qu 1 1/2, Mixtur 2fach 1'
Pedal: (C-a, kurz):   Copel-Paß von Holz Repetirt 8', angehängt.

Die heutige Orgel mit Brüstungswerk wurde 1876 durch Max Maerz, München errichtet.
Die alte Orgel hat man wohl verkauft; jedenfalls ist im Amperboten vom 16.6.1877 das Inserat zu lesen:
"In Mitterndorf bei Dachau ist eine Orgel - für eine Landkirche geeignet- zu verkaufen"
Ob und an wen tatsächlich verkauft wurde, ist mir nicht bekannt.

Um 1920 wurde die Orgel von Behler & Waldenmaier aus München umgebaut und mit zwei neuen Registern bestückt.
1935
hat sie Carl Behler & Georg Waldenmaier/Mch wiederum umgebaut; dabei wurde auch der Prospekt aus der Brüstung herausgenommen. Nach Brenninger hatte diese Orgel folgende Disposition (Stand 1975):

 

Manual (C-f "): Gamba 8', Dolce 8', Gedeckt 8', Principal 4', Flöte 4', Octav 2', Mixtur 3fach 1 1/3'.
Pedal: (C-d'):   Subbass 16', Stillgedeckt 16'


Früher befand sich an der Südseite ein Kalkstein Epitaph des Landrichters und Kastners von Haag Georg Pettenpeck aus dem Jahr 1600 mit einem Dreipass-Relief, in dem das Wappen des Verstorbenen abgebildet war. Es bestand aus Solnhofener Stein und hatte eine Breite von 45 cm und eine Höhe von 54 cm. Pettenbeck hatte das Schutzmantelmadonnen-Fresko im Chor in Auftrag gegeben; er ist dort mit seiner Familie auch abgebildet.

Portal

Die Eingangstüre der Kirche an der Westseite dürfte noch aus dem Ende des 19.Jh stammen. Sie ist mit Profilbrettern mit neugotischen Mustern verziert und besitzt auch noch die neugotischen Beschläge.

Der Türklopfer ist um 100 Jahre älter und stammt aus dem 18.Jh.
Wenn Sie an einer Zusammenstellung verschiedener Türbeschläge an Kirchen des Landkreises Dachau interessiert sind, klicken Sie hier...
Fast schon futuristisch mutet der um das Jahr 2000 nach Plänen des Architekten Kießling neu gestaltete Eingangsbereich mit der Treppe von der Straße aus an. Er wurde vor einigen Jahren als besonders gelungenes Bauwerk prämiiert.

 

Pfarrhof

Mitterndorf besitzt einen der ältesten und schönsten Pfarrhöfe. Der zweigeschossige Satteldachbau steht am Berg oberhalb der Kirche. Erbaut wurde er 1752 von Anton Glonner (1723-1797) aus Dachau, auch am Bau der Kirchen in Breitenau, Vierkirchen, Dachau-St.Jakob, Sulzrain und Rudelzhofen beteiligt war. Die Zimmererarbeiten erledigte Johann Wildgruber aus Andorf/Dachau 36) .

Das Pfarrhaus wurde um die Jahrtausendwende renoviert.

Von den Vorgängerbauten ist folgendes bekannt:
Die erste Nachricht kommt aus dem Jahr 1560. Im Visitationsbericht heißt es: "Hat ain ubel erpauten pfarrhof, ist aber im werkh, denselben zu bessern". Am 16.Mai 1673 brannte dieser Pfarrhof mit den Ökonomiegebäuden ab. Damit waren auch alle Bücher und Archivalien aus der Zeit vorher vernichtet.

Wenn Sie noch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

 

Reliquiarien

  Im Jahr 1893 befanden sich an der Ostwand des Chores zwei etwa 1m hohe Reliquiarien aus Holz. Sie hatten einen altarartigem Aufbau und waren mit in Kupfer getriebenen versilberten Reliefs verziert, die die Himmelfahrt und die Krönung Mariä zeigten. Sie waren um 1670 geschaffen worden. Riel/Bezold bezeichneten sie in ihrem Bericht von 1893 als: Ziemlich unbedeutend.


H
eiliges Grab

An Karfreitag und Karsamstag stand auch in Mitterndorf früher ein Heiliges Grab "mit Blattpflanzen und Blumen reich geschmückt", wie es in einem Bericht des Amperboten von 1933 heißt. Tagsüber sei das ganz verdunkelte Gotteshaus ständig von den Gläubigen besucht worden. Am Abend sei als hervorragender musikalischer Genuss für die Gläubigen eine Grabmusik geboten worden, die aus der Karfreitagskantate "Am Kreuz Jesu auf Kalvaria" für Chor, Soli und kleine Orchesterbesetzung bestand. Wenn Sie den Zeitungsbericht lesen möchen, klicken Sie hier...

Hans Schertl



Quellen:
01) Dr.Georg Kaspar Nagler, Neues allgemeines Künstler-Lexicon, Band 7 S. 228, 1839 (Georg Lacher)
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (1575:§708)
03) Amperbote vom 16.6.1877 (Verkauf der Orgel)
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
05) Amperbote vom 29.08.1917 (Glockendiebstahl)
06) Amperbote vom 12.08.1924 (Glockenweihe)
07) Amperbote vom 04.07.1931 (Pfr.Greß),
08) Amperbote vom 09.1931 (Pfr.Eicher)
09) Amperbote vom 10.04.1933 (Karfreitag)
10) Amperbote vom 3.7.1934 (Pfr.Wittmann)
11) Dachauer Nachrichten vom 07.02.1953 (Auswanderer)
12) Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
13) Max Gruber, Die Dachauer Schloßmaurerfamilie Glonner, Amperbote 1966 (Gregor Glonner)
14) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
15) Sigfrid Hofmann, Arbeitsgemeinschaften bei oberbay. Altarbauten des 17.u.18.Jh, in ZBLG 35, 1972 (Pader/Pfab)
16) Dr.Gerhard Hanke, Die Siedlungsanfänge von Dachau, Amperland 1973
17) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
18) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
19) Georg Brenninger, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
20) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
21) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
22) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
23) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Purckhardt, Helfetsrieder, Wildgruber)
24) Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band 7, Schwaben, 1989 (Gg.Lacher)
25) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
26) Dr. Manfred Kudernatsch, Hubert v.Bonhorst, 500 Jahre Pfarrkirche Mitterndorf, 1996
27) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Umbau 1730)
28) Dachauer Nachrichten vom 30.10.2003
29) Dachauer Nachrichten vom 5.10.2006
30) Internetseite Erzbistum München und Freising, Geschichte unserer Kirchen, Mitterndorf 2007 (Alter Joh.Bapt.)
31) Gustav Weltrich, Der aufrechte Löwe: oder Die Grafen von Wartenberg, 2009 (Pettenberg)
32) Vier Pfarreien verbünden sich, Dachauer Nachrichten vom 20.7.2011
33) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Netzgewölbe)
34) Tilman Mittelstrass, Turmkirche, Burgturm, Schlosskapelle in Altbayern, Amperland 2011/3,4 (Gürtelkette)
35) Matrikelbuch 1809-1841, 01380 Georg Lacher, matrikeldatenbank, Zugriff 2015 (G.Lacher-Studium)
36) Johann Wildgruber stammte aus Andorf. Er zog erst nach Aurburg bei Kufstein, später nach Dachau, wo er 1753 das
       
Bürgerrecht erhielt. Wildgruber heiratete am 22.1.1753 die Witwe Ursula des Zimmermeisters Anton Straßer, übernahm
       so den Betrieb und das Haus am Karlsberg (heute Nr.36). Kurz danach arbeitete er 1756 am Pfarrhof in Mitterndorf.
       Johann Wildgruber starb am 25.5.1776. Interessant ist, dass die Frau Ursula Wildgruber nacheinander drei Zimmermeister
       heiratete, und auch die Tochter einen Zimmermeister ehelichte.

37) Schematismus der Erzdiözese München und Freising, 5.Decanat Dachau, 1826 (Pfr.Reichhuber, Statistik)
38) Schematismus der Erzdiözese München und Freising, 5.Decanat Dachau, 1868 (Pfr.Grill, Statistik)

54 Bilder: Hans Schertl (53), Pfarrei (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

14.3.2015

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Wie hat man sich einen Kirchenbau im Frühmittelalter in unserer Region vorzustellen?

Die Kirche war meist aus Holz gebaut. Die Größe des Innenraumes betrug, je nach Größe der Gemeinde, 80 bis max. 150 qm.

Man betrat die Kirche in der Regel durch einen einzigen Eingang. Der Innenraum war durchwegs von rechteckigem Grundriss. Das Kircheninnere war durch eine querverlaufende Schranke in einen Laienraum und in ein dem Klerus vorbehaltenes Presbyterium geteilt.

Im Laienraum gab es keine feste Bestuhlung im Sinne von Kirchenbänken. In dem einen oder anderen Fall konnte eine an der Wand entlangführende Bank festgestellt werden.

Das Presbyterium (Altarraum), das häufig ein Drittel der Kirche ausmachte, wurde in der Regel durch eine halbrunde oder rechteckige Apsis nach Osten zu abgeschlossen. Zwischen Apsis und dem einfachen Steinaltar mit dem Reliquienkästchen befand sich -halbrund aufgestellt- die Priesterbank.

Dr. Manfred Kudernatsch


Pfarrerliste

Pfarrer seit

Name

Sonstiges
 
1314
Heinrich in einer Urkunde als Zeuge genannt

1452

Ulrich Stampfrock

1460

Hans Lod
1485
Georg Lackhner
1493-98
Sigmund Stigler
1502-24
Wilhelm Wylzinger
1524-28
Thomas Lämpl
1546
Augustin Gebhard aus Polling
1570-1575
Andreas Kaiser danach Pfr. in Einsbach
1575-1579
Salomon Heß danach Pfr. in Sittenbach
1579-1592
Vitus Lauchner auch Pfr. in Dachau/Jakob
1597-1607
Johannes Praun Vicar
1605
Michael Popp auch Pfr. in Dachau/Jakob
1609
Abraham Gindter Vicar
1612
Georg Wagner auch Pfr. in Dachau/Jakob
1619-1658
Georg Schäbl Vicar
1622
Caspar Khölbl auch Pfr. in Dachau/Jakob
bis 1652
Bartholomäus Holzner auch Pfr. in Dachau/Jakob
1659
Marcus Weber
1659-1665
Joh.Bapt. de Paulis
1665
Johann Kuttendreyer
1669-1677
Joh.Caspar Erhardt ist vor dem St.Annaaltar begraben
1677-1690
Georgius Schädl
1690
Matthias Schmidtner Provisor
1690-1711
Michael Schädl im Altarraum begraben
1705-1711
Balthasar Rambsmayr
1711-1736
Franz Damian Mayr in der Kirche begraben
1736-1773
Joseph Adam Öfele gest. 1775
1773-1776
Corbinianus Widmann Provisor
1776-1784
Joseph Hüttinger später Pfr. von Anzing
1784-1793
Joseph Stoeger später Pfr. von Dachau, gest.1816
1793-1827
Bartholomäus Reichhuber geb.20.4.1746 in Landshut, Priesterweihe 25.3.1769; 37) gest. 2.4.1827
1828-1840
Balthasar Weiler aus Erding, gest. 1844
1840-1841
Schöttl Vicar
1841-1858
Peter Gabler aus Arrach, gest. am 13.2.1858
1858-1875
Carl August Grill (geb.3.8.1817, Priesterweihe:3.7.1841) 38) .
danach Benefiziat in Nymphenburg
1875-1884
Dr. Aloys Gintersberger aus Weikertsheim, danach Pfr. in Oberbergkirchen
1884-1891
Dr. jur.Theodor August Müller aus Köln, danach Pfr. in Forstinning
1891
Franz Rolef Vikar
1891-1896
Sebastian Endl aus Albaching, danach Pfr. von Sittenbach
1897-1901
Georg Schneller aus Ampertshausen, danach Benefiziat in Höhenkirchen
1902-1923
Ludwig Wittmann aus Gachenbach, danach Pfr. von Oberweikertshofen
1923
Josef Bauer, Pfarrvikar
1923-1931
Joh.Bapt.Gress aus München, danach Pfr. v. Wiesent /Diöz.Regensbg
1931-1961
Ludwig Eicher aus Jägersdorf
1969-1994
Dr.Joseph Magobeko Pfarradministrator
1994-
Johannes v.Bonhorst Pfarradministrator
derzeit
Richard Nowik Pfarradministrator

Pfarrbeschreibung 1575
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Georg Lacher (1809-1882) Maler 01)24) 35)

Der Maler Georg Lacher (1809-1882) stammte aus Reisensburg bei Günzburg. Er studierte ab 24.4.1828 (Einschreibungsdatum) an der Akademie der Bildenden Künste in München. Lacher war Schüler des bekannten Nazarenermalers Peter Cornelius (1783-1867), dem Leiter der Akademie (Corneliusstraße nach ihm benannt). Im Allgemeinen Künstlerlexikon von 1839 wird darauf verwiesen, dass Lacher auf der Münchner Kunstausstellung 1836 ein für Vilsbiburg bestimmtes Gemälde, "die Krönung Mariä, streng im alten Typus gehalten", präsentierte. "Der Künstler offenbarte hier Gefühl für Schönheit und Einfachheit", schrieb Gg. Kaspar Nagler. Weitere Lebensdaten des Künstlers sind mir nicht bekannt.

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