zur Landkreiskarte      ausführl.Beschreibung     Kirchen in der Gem.Haimhausen

Schlosskapelle Salvator Mundi in HAIMHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür
Die Kapelle liegt im Südflügel des Schlosses (links)
Lage auf der Landkarte...


K
urzbeschreibung

Die Kapelle im Schloss Haimhausen wurde ab 1740 zusammen mit dem Schlossneubau an der Stelle einer älteren Kapelle errichtet und am 14. Oktober 1749 vom Freisinger Weihbischof von Werdenstein feierlich eingeweiht. Es ist mindestens die vierte Schlosskapelle, die in Haimhausen im Laufe der Jahrhunderte gebaut wurde. Architekt des Schlosses und damit auch der Schlosskapelle war der berühmte Francois Cuvilliés der Ältere (1695-1768).

Die Ausgestaltung des Kapelleninneren übernahm im Wesentlichen der flämische Künstler Egid Verhelst mit seinen Söhnen Ignaz und Placidus.

Die Kapelle liegt im östlichen Teil des Südflügels des Schlosses. Sie ist ein rechteckiger, über zwei Geschosse reichender Raum.

Die Einrichtung ist ganz einheitlich im feinsten Spätrokoko, größtenteils wohl nach den Plänen Cuvilliés'gearbeitet. Die Stuckarbeiten und die Altäre stammen vom flämischen Künstler Ägid Verhelst (1696-1749) und seinen Söhnen.

In der Kapelle stehen drei Altäre. Der Hochaltar erinnert in der Figur des Geißelheilands von 1660 (einer der ersten Figuren dieses Typs im Dachauer Land) an Christus, den Erlöser der Welt (Salvator mundi).
Besonders prächtig ist der Altaraufsatz.

Da die Nordseite an Schlossräume stößt, sind die dortigen Fenster dem Geschmack der Zeit entsprechend, durch Spiegel ersetzt.

Berühmt ist die Schlosskapelle wegen ihrer Deckengemälde, die von Joh. Georg Bergmüller 1750 geschaffen wurden. Das große Bild zeigt die Rückkehr Christi auf den Thron der Dreifaltigkeit; ein in der Kirchen-malerei sehr seltenes Motiv. In der Mitte kniet Christus mit dem Kreuz auf der großen, von Flammen umzüngelten Erdkugel um bittet für die Menschheit um Gnade.
Eine Besonderheit ist die Darstellung des Hl.Geistes als gekrönter junger Mann mit Flügeln.

zur Beschreibung der Reliefszur Beschreibung der ApostelleuchterReliquiarezur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Reliquiarezur Beschreibung der Deckengemäldezur Beschreibung der Kanzelzur Beschreibung der Reliefszur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung der Spiegelfensterzur Beschreibung des linken SeitenaltarsReliquiareApostelleuchterApostelleuchterReliquiarezur Beschreibung der DeckengemäldeKanzelSchalldeckel der Kanzelkirchliche InsignienVerlobung MariensAltarblatt: St.NepomukGeißelheilandSpiegelfensterWeltliche InsignienReliquiareApostelleuchterApostelleuchterReliquiarezur Beschreibung der DeckengemäldeKanzelSchalldeckel der Kanzelkirchliche InsignienVerlobung MariensAltarblatt: St.NepomukGeißelheilandSpiegelfensterWeltliche Insignien
per Mouseklick zu den Beschreibungen

Bei der Orgel handelt es sich noch um das barocke Positiv von Quirin Weber, Dachau, aus dem Jahr 1736.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Kapelle altes Schloss Kapelle von 1743 Kapelle im 19.Jh Kapelle im 20.J
Apostelleuchter Beichtstuhl Choraltar Chorbogen Deckenfresken
Empore Epitaphe Kanzel Kanzelkreuz Kirchenbänke
Orgel Reliefs Seitenaltäre Türen  


Geschichte der Schlosskapelle

Schloss in Haimhausen

  In alter Zeit soll das Schloss in Haimhausen auf der Anhöhe neben der Kirche gelegen haben.
Nachdem die bayerischen Herzöge Haimhausen erworben hatten, vergaben sie Schloss und Besitz als Lehen an verschiedene Geschlechter. Vermutlich am 5. August 1504 fiel das Schloss mit dem Dorf im Landshuter Erbfolgekrieg (Oberbayern gegen Niederbayern) dem Feuer zum Opfer. Eine geraume Zeit später wurde es -dem Geschmack der Zeit entsprechend- als Wasserschloss unten an der Amper wieder aufgebaut. Graf Franz Ferdinand schuf durch den Münchner Hofmaler Andreas Wolf (1652-1716), dessen Büste in der Münchner Ruhmeshalle an der Bavaria steht, den Mittelbau mit der Freitreppe. Wolff war auch Schöpfer des Hochaltarbildes in der Klosterkirche Indersdorf ... mehr über den Maler Wolff...

Der Schriftsteller und Kreisdirektor Joseph von Obernberg hat 1816 auf seinen Reisen durch das Königreich Baiern auch das Schloss Haimhausen besucht und war begeistert vom vorzüglichsten Schloss im Landgericht Dachau. "Das prächtige Schloss Heimhausen, ausgezeichnet nicht nur durch Größe und Weitläufigkeit der Gebäude, sondern durch gutes Verhältniß, Geschmack, Einfachheit und durch sie hervorgehende Ordnung. Man wird durch die Ansicht des Schönen und Herrlichen überrascht und je näher man kommt und im Innern sich umsieht, stets mehr und mehr bezaubert".

Eine Aufstellung der Haimhausener Schlossherren von 1590-1983 finden Sie hier....


Die Kapelle im alten Schloss

Aus den Archivalien geht hervor, dass es mindestens vier, vielleicht auch fünf Schlosskapellen in Haimhausen gegeben hat.

Ob schon in dem 1504 zerstörten Schloss auf der Anhöhe eine Kapelle bestand, ist nicht sicher. Schließlich stand die Pfarrkirche direkt daneben.

Die erste Benennung einer Schlosskapelle in Haimhausen datiert aus dem Jahr 1662. Diese Kapelle befand sich im Vorgängerbau des heutigen Schlosses, der 100 Meter weiter nordöstlich gelegen war. Zu diesem Zeitpunkt stand dort ein portabler Altar. Dies geht aus dem Ersuchen um Genehmigung von Schlossandachten hervor, das Graf Franz Albrecht Freiherr von Haimhausen an den Freisinger Fürstbischof gerichtet hatte. Die Erlaubnis wurde erst 1669 -nach erneutem Gesuch von 1666 an den Papst Alexander VII- erteilt, der entsprechende Konsensbrief sogar erst am 5.5.1670 ausgestellt. Möglicherweise war die Kapelle -wie das ganze Schloss- im 30jährigen Krieg beschädigt und eben erst wieder repariert worden.

Ab 1687 wurde -noch immer im alten Schloss- unter dem Sohn Franz Albrechts, Franz Ferdinand, eine zweite Schlosskapelle zu Ehren der Welterlösers erbaut oder die erste Kapelle verlegt. 1692 wird der Bau vollendet gewesen sein, denn Franz Ferdinand kaufte zwei Glocken. Auch hier verzögerte sich die Einweihung bis zum 16. Oktober 1695. Erst 1701 erhielt der Graf die bischöfliche Erlaubnis, das Allerheiligste in der Kapelle aufbewahren zu dürfen. Um den Bestand der Kapelle zu sichern rief er eine Stiftung ins Leben und stattete sie mit einem Kapital von 400 Gulden aus.

Das alte Schloss
Das alte Schloss - oben die Schlosskapelle (Nr.1)

1706 errichtete Reichsgraf Franz Ferdinand, unter Österreichischer Besatzung seiner Ämter ledig, eine weitere Kapelle. Sie lag außerhalb des Schlosses, neben einem schon früher erbauten Lusthaus, wohl an der Stelle, an der sich die heutige Kapelle befindet. In den Quellen wird diese Kapelle "Arcis sacellum" genannt, was auf eine Gedächtniskapelle hinweist. Das "dem Heiland in der Geißlung" geweihte Gotteshaus wurde am 14. Okt. 1709 durch Freiherrn Franz Ignatz Albert von Werdenstein, den damaligen Generalvikar des Bischofs Johann Theodor von Freising konsekriert und erhielt von Papst Clemens XI. mit Bulle vom 15. März 1713 die Erlaubnis zur Errichtung von drei Altären. Als Ferdinand 1724 an einem Krebsleiden starb, wurde er hier in der "illustrissimo arcis sacello", wie es im Totenbuch heißt, begraben.

Die immer noch bestehende Kapelle im alten Schloss wurde dagegen vernachlässigt. Sie gefiel dem Nachfolger Franz Ferdinands, dem Grafen Karl nicht mehr. Der ließ sie deshalb im Oktober 1719 abbrechen. Ob die Kapelle hier oder an anderer Stelle im alten Schloss wieder aufgebaut wurde, ist nach der Quellenlage nicht sicher. Einerseits bestand neben dem Schloss schon die erwähnte "Arcis sacellum", die mit ihren drei Altären wohl ausreichend dimensioniert war. Andererseits gibt es aber Überlieferungen, die einen Brandes im Schloss 1733 und eine Renovierung der Kapelle um das Jahr 1734 schildern. Graf Karl hatte am 24.10.1734 in einer Eingabe an den Bischof geschrieben, dass "die Capellen vor geraumer zeit abgebrochen und biß dato in seinen perfecten Stand noch nit ausgepaut wordten" sei.

In der Zeit von 1700 bis 1817 wirkten im Schloss Schloss-Kapläne, die die Schlossbewohner seelsorgerisch betreuten und die ersten 70 Jahre auch in der Pfarrkirche als Musiker aushalfen.
Mehr zu den Aufgaben und dem Leben der Schlosskapläne finden Sie hier...

Um die Bedeutung der Schlosskapelle zu heben, gründete Graf Franz Ferdinand drei Bruderschaften (=Gebetsgemeinschaften), die bis zur Säkularisation im Jahr 1803 bestanden:
1698 die Armen-Seelen Bruderschaft,
1715 die Bruderschaft von der hl. Familie und
1718 die Skapulierbruderschaft. Mehr zu diesen Bruderschaften erfahren Sie hier...

 

Die neue Kapelle von 1740/43


Schlosskapelle von außen (Südostflügel)

Um 1740 wurde im Zuge des Schlossum- und -neubaues die neue, noch heute bestehende 17 x 10,5 Meter große Kapelle errichtet und am 14. Oktober 1749 vom Freisinger Weihbischof von Werdenstein feierlich eingeweiht. Möglicherweise war der neue Kapellentrakt auf der Grundlage der an dieser Stelle schon bestehenden Kapelle "Arcis sacellum" als erster Bauteil errichtet worden; denn als Baubeginn für das Schloss selbst wird das Jahr 1747 genannt. Jedenfalls hat Graf Karl in einer Bittschrift vom 3.2.1743 von seiner "neu gebautten" Schlosskapelle gesprochen. Vollendet war die Kapelle jedenfalls um 1750 mit dem Deckengemälde von Johann Georg Bergmüller, das mit dieser Jahreszahl signiert ist. Zum Kirchenpatron war der Heiland in der Geißelung bestimmt. Die neue Kapelle erhielt einen 15-tägigen Ablass auf ewige Zeiten. Die Messen durften ausdrücklich nicht nur vom Schlosspersonal, sondern auch von den Haimhauser Bürgern besucht werden.

Architekt des Schlosses und damit auch der Schlosskapelle war der berühmte Francois Cuvilliés der Ältere (1695–1768). Die Ausgestaltung des Inneren der Kapelle (Stuck, Hochaltar mit Engeln und Putten mit den Arma Christi im Auszug, die

Nebenaltäre, die Kanzel und die Beichtstühle) übernahm Egid Verhelst (1696-1749) mit seinen Söhnen Placidus (1727-1778) und Ignaz Wilhelm (1729-1792), der auch die Haimhausener Pfarrkirche ausgestattet hat. In der Schlosskapelle hat Vater Egid aber wahrscheinlich nur noch den Auftrag vorbereitet und Planungen erstellt. Kunstexperten begründen dies mit dem auffallenden Verzicht auf figürliche Elemente in der Kapelle und auch damit, dass Egid kurz vor seinem Tod 1749 in der Wieskirche als Bildhauer tätig war. Die Arbeiten in Haimhausen mussten deshalb die Söhne ausführen. Die Kirche trägt die künstlerische Handschrift von Placidus Verhelst, der auch später als Ornamentschneider Erfolg hatte. In jedem Falle werden ihm die Stuckdekoration (Entwurf wohl Cuvilliés), die Holzschnitzereien an der Kanzelstiege und die Beichtstuhldekorationen zugeschrieben. Ignaz Verhelst soll dagegen den Figurenschmuck erstellt haben.
Bei der Restaurierung 1984/88 haben die Restauratoren entdeckt, dass die Stuckierung unterhalb der Fenster weder in der Stuckmasse, noch in der Qualität der Ausführung mit dem oberen Teil übereinstimmt. Sie nahmen an, dass der Termindruck der Kapelleneinweihung zur Vergabe dieser Arbeiten an andere Handwerker geführt hat.
Egid (Ägid) Verhelst wurde 1696 in Antwerpen geboren, kam 1718 nach München, wirkte von 1726-1736 im Kloster Ettal und zog schließlich 1738 nach Augsburg, wo er 1749 starb. Das künstlerische Schaffen in den Haimhausener Gotteshäusern fällt somit in seine Augsburger Zeit. Verhelst trug maßgeblich dazu bei, dass die flämische Kunstauffassung auch in Süddeutschland Fuß fassen konnte, die zwischen der Hofkunst und ländlicher Sakralkunst vermittelt.

Spätestens 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt die Kirchen der Diözese besucht und kurz beschrieben. Er hat wohl bereits die neue Kapelle gesehen, denn er schwärmt in seiner Beschreibung von der unglaublichen Schönheit des Neubaues, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht konsekriert war. Die beiden Altäre waren dem gegeißelten Heiland und dem Johannes Nepomuk gewidmet. In der Beschreibung werden auch drei Bruderschaften genannt "confraternitates nempe Jesu, Mariae, Josef - sacri scapularis - fidelium defunctorum". Messen wurden an jedem zweiten Sonntag gelesen. Die Kapelle hatte auch zwei Glocken.

Das Kirchenpatronat Salvator Mundi wurde am Lukastag (18.Oktober) gefeiert. Später hat man das Fest auf den 2.Sonntag im Oktober verlegt. An diesem Kirchweihsonntag wurde Hauptgottesdienst nicht in der Pfarrkirche, sondern in der Schlosskapelle gehalten.

Im ausgehenden 18.Jh wurde die Schlosskapelle als Schulkirche genutzt. Nach der vom Grafen Sigmund eigenhändig unterschriebenen Schulordnung von 1788 mussten die Kinder an Schultagen um 10 Uhr von der Schule aus in die Schlosskapelle kommen, dort der hl.Messe beiwohnen und bevor sie zum Mittagessen nach Hause gehen konnten, noch einen Rosenkranz beten (der zweite Teil des Schulalltags begann um 12.30 Uhr). Im Jahr 1792 gab es in Haimhausen immerhin 57 Schulkinder; für 12 zahlte der Schlossherr das Schulgeld.


Kapelle im 19.Jahrhundert

Im Jahr 1819 plante Graf Butler die Auflassung der Kapelle und die Umwandlung in Wohnungen. Dagegen standen aber die aus den Mess-Stiftungen von Franz Albert und Franz Ferdinand stammenden Verpflichtungen, sodass eine Umwandlung nicht genehmigt wurde.

In der Zeit zwischen 1836 und 1842 hat Graf Theobald am Schloss größere Instandsetzungsarbeiten durchführen lassen, die wohl auch die Schlosskapelle betroffen haben. Zumal sich Graf Butler nach dem gescheiterten Umwandlungsprojekt bei der Erhaltung der Kapelle Zurückhaltung auferlegt hatte.

Im Jahr 1841 musste die Schlosskapelle eine Zeit lang die Pfarrkirche ersetzen, weil dort die Familiengruft der Butlers eingebaut wurde. Mehr über die Gruft finden Sie hier...

In der Zeit um 1874/80 hat Anton Mayr die "Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" verfasst. Darin ist auch die Schlosskapelle in Haimhausen enthalten:
 

"Erbaut im Jahr 1706.  Renaissance-Stil.  Baupflicht: Die Schlossherrschaft.  Hat keinen Turm, aber 2 Glocken. Consecriert 14.Okt. 1709 durch den damaligen Generalvikar des Bischofs Johann Theodor von Freising: Freiherrn Franz Ignatz Albert von Werdenstein, 'episc. Taenariens.in part.'zu Ehren des Heilandes in der Geißlung. 3 altar. f. Ss., zu dessen Einsetzung Papst Clemens XI. die Erlaubniß gab. 15. März 1713, worüber die Bulle im Archive des Ordinariates sich befindet (Pergament-Urkunden N.104).   Orgel: 9 Register.
Gottesdienste: Jede Woche 1 hl.Messe. In dieser Capelle waren früher drei Bruderschaften: Die Allerseelen-Bruderschaft (conf. vom Bischofe Johann Franz 14.März 1697, aggregirt der damal. Erzbruderschaft am 'Alten Hofe'in München), dann die St.Josephi-Bruderschaft vom selben Bischofe am gleichen Tage conf. (=bestätigt) und eine Scapulier-Bruderschaft. Mit Aufhebung der Klöster erloschen selbe, u. wurde nichts mehr dafür gethan. Der Meßnerdienst wird vom Schlosse aus versehen.
"

Der Erwerb des Schlosses durch die evangelische Industriellenfamilie Haniel im Jahr 1892 bereitete der Führung der Katholiken in Pfarrei und Bistum Sorge. Pfarrer Neureuther war beunruhigt, weil der neue Inhaber unmittelbar von seinem Schlafzimmer in die angebaute Kapelle sehen und so der Messe beiwohnen konnte. Er sorgte dafür, dass das Allerheiligste aus der Kapelle entfernt wurde. Des weiteren stand die Frage an, ob die Kapelle weiterhin ausschließlich dem "katholischen Kultus" zur Verfügung stehe. Dies wurde zwar bestätigt. Doch der 1893 geadelte Eduard James von Haniel ließ überhaupt keine Gottesdienste zu. So wurden auch die Trauerfeiern für ihn selbst (1904) und seine Witwe Henriette (1913) nicht hier, sondern in der Klausenkapelle bzw. im Rockerl begangen. Mehr zu diesen Begräbnissen finden Sie hier...


Beschreibung 1893
Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1893 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die Schlosskapelle in Haimhausen. Dort ist zu lesen:
  "Schloss. Erbaut um die Mitte des 18.Jh. An einen Mittelbau schliessen sich seitlich zwei gegen Norden vortretende Flügel an. In der ursprünglichen Ausstattung aus der Mitte des 18.Jh. hat sich erhalten: die Schlosskapelle im östlichen Flügel, ein rechteckiger,durch zwei Geschosse reichender Raum mit Spiegelgewölbe. Kanzel und Beichtstuhl. Gute Arbeiten".

Kapelle im 20.Jahrhundert

In den Jahren 1900/1901 und 1930 wurde die Kapelle gründlich renoviert.

Am 27.Juni 1935 muss es ein Erdbeben in Haimhausen gegeben haben. Jedenfalls ist auf der Rückseite des großen, von einem Engel getragenen Kreuzes am Hochaltar ein mit Bleistift geschriebener Hinweis zu lesen: " ... wieder aufgehängt am Tage nach dem Erdbeben, 28.Juni 1935".

Als Dr. Edgar von Haniel am 14.1.1935 starb, wurde er in der Schlosskapelle aufgebahrt; dort hielt auch der evangelische Vikar von Moosach, von Kirschbaum, die kirchliche Begräbnisfeier ab. Die Zeitung berichtete, es seien so viele Trauergäste erschienen, dass nicht alle in der Kapelle Platz fanden. Diese Begräbnisfeier war zwar ein Verstoß gegen den Vorbehalt der ausschließlichen Nutzung im katholischen Kultus; doch der blieb folgenlos.
Während des Zweiten Weltkriegs waren in der Kapelle viele Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek ausgelagert. Der Raum war meterhoch mit Bücherstapeln (ohne Regale) gefüllt.

Nach dem Weltkrieg bestand das Erzbistum München und Freising nicht mehr darauf, dass es sich bei der Schlosskapelle um eine katholische Kirche handelt. Günther von Haniel überließ sie deshalb der ev.-luth. Gemeinde, die durch die Flüchtlinge stark angewachsen war und dringend ein Gotteshaus brauchte. 1951 wurde sogar ein eigenes Vikariat Unterschleißheim-Haimhausen gegründet und von der Pfarrei Moosach getrennt. 11 Jahre später wurde aus dem Vikariat eine Pfarrei. Die Gottesdienste in Haimhausen fanden alle in der Schlosskapelle statt.

Nach dem Verkauf des Schlosses an die Fam. Daxer-Piéch im Jahr 1983 kam es zu einer Unterbrechung der bisherigen Nutzung.
1985 musste die Kapelle restauriert werden. Der niedrige Grundwasserspiegel von nur 1,20 Metern hatte zu einer starken Schädigung der Putze und des Fußbodens beigetragen. Die Solnhofener Kalkschieferplatten mussten vollständig durch neue Platten ersetzt werden.

Die letzte Renovierung wurde im Jahr 2011 beendet. In den sechs Jahren dauernden Arbeiten wurde das marode Dachgestühl komplett erneuert. Dabei musste man den Druck des Daches, der die Mauern um einen halben Meter nach außen getrieben hat, ableiten. Außenwände wurden trocken gelegt, eine Fußbodenheizung eingebaut sowie das Deckengemälde und ein Teil der Innenausstattung restauriert.


D
erzeitige Nutzung

Das Schloss Haimhausen gehört seit 1997 der Bavarian International School, die vor allem von Diplomatenkindern oder Kindern ausländischer Firmenvertreter besucht wird. In der Schlosskapelle feierte bis vor kurzem die evangelische Kirchengemeinde Unterschleißheim/Haimhausen, jeden zweiten Sonntag ihren Gottesdienst.
Derzeit wird die Schlosskapelle aufwändig renoviert.



Innenausstattung

Die Schlosskapelle ist ein durch zwei Geschosse reichender 16,90 x 10,50 Meter großer Saalbaumit einer Spiegeldecke in 10 m Höhe, ohne ausgeschiedenen Altarraum. Unter der Decke verläuft ein durchgehender Sims. Die Hohlkehle ist durch graue Füllungsfelder gegliedert, die von vergoldeten Stuckleisten umrahmt werden. Der obere Profilstab ist von ebenfalls vergoldeten Blumengirlanden umrahmt.
Die Bemalung der Wände ist einfach gehalten. An der Nordwand der Kapelle sind Spiegeleinfassungen angebracht, die in der Form von den gegenüberliegenden Fenstern auf der Südseite nur geringfügig abweichen.


Deckenmalerei

Die mit Stuckgesims umrandete Decke hat der Augsburger Akademiedirektor Joh. Georg Bergmüller 1748-50 in perspektivischer Architekturmalerei gegliedert und die einzelnen Felder unter Bezugnahme auf das Patrozinium der Kapelle (Salvator mundi - Welterlöser) mit verschiedenen Szenen aus der Bibel gefüllt.


Vertreibung aus dem Paradies
Über dem Eingang (Westseite) wird die Vertreibung aus dem Paradies dargestellt. Adam und Eva haben ihre Blöße mit üppigem Weinlaub bedeckt, auch wenn die Bibel von Feigenblättern spricht. Die Stammeltern werden vom Erzengel Michael mit dem Feuerschwert aus dem Paradies vertrieben. Adam und Eva beugen sich in flehend abwehrenden Gebärden, die Gesichter furchtsam dem Engel zugewandt, dem Urteil Gottes. Vor ihnen läuft ein kleiner Hund; unter den Beinen Adams ringelt sich die Schlange. In der Kartusche unter dem Bild ist folgender Text enthalten: "Et sicut in Adam omnes moriuntur" (So wie alle in Adam sterben werden...), der mit dem Text in der Kartusche am anderen Ende der Decke (Ölbergszene siehe unten) korrespondiert.

Über dem Altar (Ostseite) wird Christus am Ölberg gezeigt. Jesus kniet mit weit ausgebreiteten Händen im Garten und betet. Unmittelbar hinter ihm schwebt der Engel mit dem Kelch, der ihn tröstet. Der Kelch ist Sinnbild für das kommende Leiden, aber auch für das Sakrament des Altares. Durch eine Kreisöffnung fallen auf den Betenden Gnadenstrahlen nieder, ausgehend von der Dreifaltigkeit im Hauptbild. Im Hintergrund schlafen die Jünger auf dem Boden. In der Schriftkartusche unter dem Bild stehen die Worte "Ita et in Christo omnes vivificabuntur" (...so werden alle in Christus lebendig gemacht werden).

Christus am Ölberg
Christus am Ölberg
Die Zusammengehörigkeit dieser beiden äußersten Bilder (Sünde und Opfertod) ist Programm. Christus ist der Erlöser der Menschheit, die durch die Schuld Adams und Evas der Sünde verfallen ist. Die Erlösung von dieser Schuld wird im Opfertod Christi am Kreuz vollzogen.

Im Zentrum der Decke wird im größten Gemälde die Rückkehr Christi auf den Thron der Dreifaltigkeit dargestellt. Ein in der Kirchenmalerei sehr seltenes Motiv. Im oberen Teil hält Gottvater das Flammenschwert des Jüngsten Gerichts und weist mit der linken Hand auf den leeren Platz zu seiner Rechten.
In der Mitte kniet Christus mit dem Kreuz auf der großen, von Flammen umzüngelten Erdkugel, auf der die vier damals bekannten Kontinente zu erkennen sind.

Rückkehr Christi auf den himmlischen Thron

Sein purpurner Mantel ist Hinweis auf die durchlittene Passion. Auf dem Pupurkissen auf dem Thron liegen Krone und Zepter für den Salvator Mundi bereit. Engel helfen das Kreuz tragen, das er seinem himmlischen Vater vorweist als Zeichen, dass er den Kampf in Gethsemane bestand und den Kelch getrunken hat. Weitere Engel haben die Hände gefaltet und bitten für die brennende Erde. Auch Christus verweist auf sie: der Salvator Mundi bittet für die Menschheit um Gnade.


Der Heilige Geist hat nicht -wie sonst üblich- die Gestalt einer Taube, sondern wird in menschlicher Gestalt als junger Mann in weißem Kleid mit Flügeln, dargestellt. Er hält in der einen Hand ein Zepter mit der anderen Hand weist er auf Christus. So kennen wir den Heiligen Geist im Allgemeinen nur aus mittelalterlichen Dreifaltigkeitsbildern. Diese Tradition war um 1743 wieder aufgelebt, als die (im Jahr 2001 durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochene) Kreszentia von Kaufbeuren (1682-1744) die dritte göttliche Person in einer Vision geschaut und ihrer Umgebung als jungen Mann geschildert hatte. Doch diese Darstellungsform in menschlicher Gestalt war nur von kurzer Dauer. Papst Benedikt XIV. verbot sie zwei Jahre später, im Oktober 1745, kurz vor der Erstellung des Gemäldes in Haimhausen Seither ist sie nur noch in der Gestalt der Taube erlaubt.
Über der Dreieinigkeit steht als riesiger Kreis der Regenbogen der Apokalypse (Apo, 4,3), der die Sonne einschließt. In ihr schwebt das Dreieckszeichen der Trinität mit den Buchstaben Alpha und Omega, dem göttlichen Auge und dem M darüber. Aus dieser Sonne brechen sieben Strahlenbündel. Darauf sind die sieben Fackeln angebracht, die die sieben Geister Gottes darstellen.Der Thron, der auf der Wolke steht, hat drei Sitze.


An den Längsseiten der Decke sind in monochromer (einfarbiger) Darstellung die Verkündigung und die Geburt Christi zu sehen. Eingefasst sind diese Gemälde von farbigen Rocailleverzierungen und einem von Putten angehobenen blauen Vorhang, der nach oben hin im weiten S-Schwung abschließt.
Verkündigung: Auf dem Bild an der Nordseite empfängt Maria den auf Wolken sitzenden Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)hinter einem Betpult, an dem sie soeben in einem Buch gelesen hat. Sie senkt den Blick, verschränkt die Arme und horcht auf die Worte des Engels. Ihr Ohr ist sichtbar.
Gabriel überbringt für den Betrachter die Botschaft in Form einer Lilie, die er Maria überreicht. Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage".
Mit der rechten Hand weist Gabriel zum Himmel hinauf. Über der Szene erscheint der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube und sendet seinen Gnadenstrahl auf Maria hinab. Im Hintergrund ist der Baldachin eines Himmelbettes zu sehen um anzudeuten, dass die Begegnung in der Wohnung Mariens stattgefunden hat.

Gabriel bei Maria
Geburt Christi: Das Bild auf der Südseite zeigt die Anbetung der Hirten vor der Krippe in Bethlehem. Um Maria und Josef und das Kind im höhlenartigen Gemäuer stehen drei Hirten und verehren Jesus. Einer ist niedergekniet und betet das Kind an, während ein zweiter hinter ihm neugierig auf Jesus schaut und mit umständlicher Gebärde seine Mütze vom Kopf nimmt. In der Mitte steht ein mit Tüchern verdeckter Futterstein. Josef stützt sich mit beiden Händen auf seinen Stab. Im Hintergrund betrachten der Ochs und der Esel interessiert die Szene.


Geburt Christi

Ochs und Esel versinnbildlichen das Judentum (Ochs, reines Tier) und das Heidentum (Esel, unreines Tier); sie erinnern aber auch an den zweiten Satz des Buches Jesaja "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht." Der Kirchenlehrer und östl. Kirchenvater Bischof Gregor von Nazianz (330-390) greift einen weiteren Gedanken auf: "Zwischen dem jungen Ochsen/Stier, der an das jüdische Gesetz gespannt ist, und dem Esel, der mit der Sünde des heidnischen Götzendienstes beladen ist, liegt der Gottessohn, der sie von beiden Lasten befreite".

In den ornamentalen Durchbrüchen an den 4 Ecken sind die 4 Evangelisten mit ihren Attributen (Symbolen) dargestellt.Die vier Evangelistensymbole Engel, Löwe, Stier und Adlerhaben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (Altes Testamtent) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar.


Evangelist
Matthäus

Matthäus hält vor dem Hintergrund der bergigen Landschaft, in der Christus am Ölberg kniet, eine Schreibtafel mit hebräischen Buchstaben in der Hand. Hinter sein typisches Attribut, der Engel oder Mensch, der auf den Stammbaum Jesu hinweist. Das Matthäusevangelium beginnt mit dem Bericht über die Geburt Christi.

Markus hält -in Gedanken versunken- das aufgeschlagene Evangelienbuch, in dem auf dem linken Blatt das Monogramm des Malers Bergmüller und die Jahreszahl 1750 zu erkennen sind. Der Löwe im Hintergrund ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil das Evangelium des Markus die Auferstehung und die Todesüberwindung betont.


Evangelist
Markus

Evangelist
Johannes

Johannes ist wie Matthäus mit einer großen Schrifttafel und (ungewöhnlich bei Johannes) ebenfalls hebräischen Buchstaben dargestellt. Hinter ihm hat sichflügelschlagend ein Adler auf einer Wolke niedergelassen. Diesen Adler versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums.
Auf dem Bild sitzt Johannes auf einem Sockelvorsprung und blickt auf die Szene der Vertreibung.
Vor Lukas liegt das geschlossene Buch. Er schaut auf die Gemeinde hinab. Mit der Linken Hand weist er hinauf auf zum Erlöser. Im Hintergrund seine Attribute, der Stier sowie die Malutensilien Pinsel und Palette (Lukas soll Maler gewesen sein).
Der Stier (als Opfertier) galt als Hinweis auf den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.


Evangelist
Lukas

Renovierung 2010

            
eingerüstete Kirche
Renovator Siebert
bei der Arbeit
ausgebauchte Aussenwand
Riss in der Decke
dunkle Linien = Zeichenstriche des Malers

Im Zuge der großen Renovierung in den Jahren 2006 bis 2010/11 (mit Kosten von 650.000 Euro) wurden auch die Deckengemälde renoviert. Der gesamte Raum war eingerüstet (Bild oben links) um das Podium für den Diplomrestaurator Peter Siebert aufbauen zu können (Bild 2 von links). Die Decke der Kirche war extrem einsturzgefährdet, weil sich im letzten Jahrhundert die Dachkonstruktion über die Tragmauern um bis zu 50 cm nach außen geschoben hatte. Auf dem Bild oben (3.von links) ist diese Vorwölbung auch von außen gut zu sehen. Dies führte zu großen Rissen an der Stuckdecke, die sich auch durch die Reparatur 2010 nicht mehr beheben ließen; die beschriebene Verschiebung der Decke kann mit vertretbarem Aufwand nicht mehr rückgängig gemacht werden. Zurück bleibt ein Absatz im Stuck und im Gemälde, der im Bild oben (4. von links) als schwarze Schattenlinie zu sehen ist.
Betrachtet man die Gemälde aus der Nähe, fallen dunkle Striche ins Auge, die sich entlang der Farbverläufe ziehen (Bild rechts). Es sind die Zeichenstriche des Malers Bergmüller, die er zu Beginn der Ausmalung 1748 als eine Art Entwurfs-Zeichnung auf den Putz der Decke gezeichnet hat. Bei der Ausmalung hat er sich übrigens nicht immer an die Begrenzungslinien gehalten. Von unten aus sind die Linien mit bloßem Auge nicht zu sehen.



Choraltar / Hochaltar

Der Hochaltar ist ein Säulenretabel auf hohen Sockeln. Die korinthischen Kapitelle der vier glatten Säulen und das klassische Gebälk mit Architrav (waagrechter, tragender Hauptbalken), Fries und Kranzgesimse verraten bereits die kommende Kunst des Klassizismus. Das Kranzgesims, das den oberen Abschluss des Gebälks bildet, ragt das Fries hinaus. Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb sind Säulenretabel eine beliebte Bauform.

Der prächtige Aufsatz entspricht noch dem Geiste des Rokoko. Zwischen dem hohen Gebälk ist im Zentrum ein Dreieck mit dem Namen Gottes in hebräischer Schrift zu sehen. Das Symbol der Hl.Dreifaltigkeit ist von einem Strahlenkranz umgeben. Ein großer Engel auf Wolken hält das Kreuz in seinen Händen.

Kleinere Engel (Putten) tragen einen Kelch und Leidenswerkzeuge (arma christi)wie z.B. Nägel, Lendentuch, Hammer und Leiter; andere Englein betrachten interessiert die Szene. Diese Putten geben dem Altar Bewegung. Sie umgeben Christus an der Martersäule, fliegen über den kreuztragenden Engel oberhalb des Säulenaufbaus und lassen die Leidenswerkzeuge mehr wie ein kindliches Spielzeug wirken. Das Lendentuch dient den Engeln als Tränen- oder gar als Schneuztuch zur Dokumentation ihres Schmerzes.


Hochaltar-Aufsatz
Die Puttenfiguren sind polierweiß ( Alabasterfassung) gefasst und wirken mit den scharfen Glanzlichtern wie Porzellanfiguren; ihre Flügel sind, wie der gesamte übrige figürliche Schmuck, vergoldet. Nach Auffassung von Kunstexperten stehen die auffallend kleinen Putten in einem unpassenden Verhältnis zur pompösen Wirkung der Hauptarchitektur und deuten auf den Wechsel der ausführenden Künstler vom planenden Vater Egid Verhelst zum ausführenden Ignaz Verhelst hin. Die Englein wirken frisch, naiv und kindlich; ein Markenzeichen für die Kunst des Sohnes von Verhelst, das auch an späteren Werken von ihm sichtbar wird.
  Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.

Unter dem großen Engel am Altar ist das voll vergoldete Wappen der Haimhausener Grafen einer Krone angebracht; es ist als Herrschaftszeichen mit der Krone geschmückt.

Haimhausener
Grafen- Wappen

  
In der Mittelnische des Altars steht der Heiland an der Geißelsäule, eine Barockfigur aus der alten Kapelle, ungefähr um 1660 geschnitzt. Es ist der älteste Geißelheiland in unserer Gegend; einer der wenigen, die schon vor dem Wunder auf der Wies (1738) in das Dachau Land kam. Jesus ist mit Fußfesseln an die Geißelsäule gekettet.

Heiland an der Geißelsäule
Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut.

Vergoldete Reliefs im Chorschluss

Zu beiden Seiten des Hochaltars sind vermauerte Türen zu erkennen, die ursprünglich in die 1892/93 abgerissene Sakristei führten. Darüber sind geschnitzte und vergoldete Reliefs zu sehen, die links die kirchliche Herrschaft und rechts die weltliche Herrschaft versinnbildlichen. In diesen Reliefs zeigt sich die Feinheit des Stils Cuvilliés.
Die kirchliche Gewalt wird dargestellt durch die Papstkrone (Tiara) und das Papstkreuz mit den drei Querbalken, Bischofsstab (Pedum) und die Bischofsmütze (Mitra), Kerzenleuchter, Monstranzen, Bibel, Patene und Weinkrug sowie ein Weihwasserkessel mit Sprengel (Asperges). Die drei Querbalken des Papstkreuzes symbolisieren die drei päpstlichen Gewalten: die Priester-, Hirten- und Lehrgewalt.

Die weltliche Gewalt wird vor allem durch Waffen (Hellebarde, Geißel, Rüstung, Keule), aber auch durch Getreidegarben und eine verzierte Vase gekennzeichnet, die um einen großen Schild mit der Aufschrift "SPQR" gruppiert sind. "SPQR" heißt "Senatus populusque romanum (Senat und Volk Roms) und verweist auf die verliehen Macht.


kirchliche Gewalt


weltliche Gewalt

Den unteren Abschluss dieser Stuckreliefs bilden je zwei Puttenköpfe auf rosa Stuckwolken.



Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre stehen an den Längswänden und sind möglichst flächig gehalten, um die Sicht der Gläubigen auf den Hochaltar nicht zu beeinträchtigen. Das mit Rosengirlanden in gleichmäßigen Abständen verzierte Rahmenwerk der Seitenaltäre zeigt die gleiche Ausführung wie am Hochaltar in der ehem. Klosterkirche von Dießen. Beide wurden von Cuvilliés geplant. Die Figuren und die Stuckaturen sind Werke des flämischen Bildhauers Ägid Verhelst und seiner beiden Söhne Ignaz und Placidus. Pfarrer Prämer von Fürholzen berichtet in seiner Chronik, dass die Verhelsts mit der Ausschmückung der Kapelle betraut wurden.


Kanontafel

Auf den Altären stehen noch die alten Kanontafeln im Rokokorahmen. Seit dem 16. Jh. bis zur Liturgie-Reform 1963 waren auf dem Altar drei solcher Tafeln mit den gleich bleibenden Messtexten als Gedächtnisstütze für den Priester aufgestellt. Diese Kanontafeln finden heute manchmal wieder Verwendung, allerdings nicht aufgestellt, sondern auf dem Altar liegend.


Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Johann Nepomuk geweiht. Seine Glorie ist Thema des großen Altarblatts. Nepomuk schwebt auf Wolken zum Himmel empor, umgeben von einer Vielzahl von Engeln. Sie halten Gefangenenkette, Fackel, Märtyrerpalme und Buch in Händen. Über der Hand des Heiligen schwebt in einem Strahlenkranz eine Zunge. Bekleidet ist er mit Rochett und Mozetta. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorne geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird.

Joh.Nepomuk
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai

Der Altaraufsatz ist mit
Akanthussträußen und Wolken geschmückt, zwischen denen zwei Engel und 4 Putten auf den Betrachter blicken. Im Zentrum des Aufsatzes sind 5 Sterne angebracht. Sie weisen auf die Nepomuklegende hin, nach der der Fundort des ertränkten Heiligen durch fünf Sterne geoffenbart worden sein soll.


Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar wurde erst in der neuen Kapelle aufgestellt, die alte hatte nur zwei Altäre. Das von Joh. G. Bergmüller 1749 (sign.) gemalte Bild zeigt die Vermählung von Maria und Josef. Die Brautleute knien im Vordergrund und reichen sich die rechte Hand. Um die linke Hand Marias ist ein Blumenkranz gewunden. Hinter beiden steht ein Hoherpriester mit der (wohl auf Moses zurückzuführenden) Hornkappe. Im Hintergrund mehrere junge Frauen. An der Wand hängen die Gesetzestafeln. Am Himmel hat sich ein Loch in den Wolken aufgetan, das einen Blick auf die Dreifaltigkeit (in Form eines Auges im Dreieck) freigibt.


Vermählung von Maria u.Josef

Das Bild wird eingerahmt von zwei schräg gestellten Pilastern. Im Altaraufsatz sind Engel und Putten auf Wolken zu sehen.


Figuren an den Seitenwänden

Zwischen den Seitenaltären und dem Hochaltar sind an der Außenwand zwei versilberte Halbfiguren mit Brustreliquiaren auf sich treppenförmig verjüngenden Konsolen dargestellt. Zwei Putten halten Vorhänge wie eine Art Baldachin darüber.
Reliquiare
Halbfigur mit
Brustreliquiaren
Die rechte Figur ist in eine Rüstung gekleidet und trägt auf dem Kopf einen federgeschmückten Helm. In der Brust ist das relativ große Reliquienbehältnis noch erhalten. Dagegen klafft an der Brust der linken Figur (mit Zivilkleidung) ein Loch.



Chorgitter

Noch erhalten ist in der Schlosskapelle das barocke Chorgitter, an dem früher die Kommunion ausgeteilt worden ist (Speisgitter). Die Gläubigen knieten dabei nebeneinander auf der Stufe vor dem Gitter.


Spiegelfenster


Spiegelfenster
Da die Nordseite an Schlossräume stößt, führen die Fenster auf dieser Seite nicht ins Freie. Sie sind vielmehr dem Geschmack der Zeit entsprechend, größtenteils durch Spiegel ersetzt und erwecken so den Eindruck von Weite und Helligkeit. Ein kleines Fenster im Spiegel ermöglichte die Teilnahme am Gottesdienst von einem Kabinett im ersten Geschoss des Schlosses aus.

Darüber sind an der Wand die feinen von Cuvillies geplanten Stuckaturen (mit vergoldetem Rahmen-, Wolken- und Blumenwerk) angebracht. Die Ecken des schmale Stuckrahmens sind jeweils durch ein profilübergreifendes Akanthusblatt verziert.



Kanzel

Auch die Kanzel dürfte von den Verhelsts stammen. Sie wird von vielen als ein wahres Prunkstück angesehen. Die Stiege wurde von Placidus Verhelst mit reichem Schnitzdekor (Blumengirlanden und geometrische Ornamente) versehen, der sich nicht nur an der Brüstung, sondern auch an der Unterseite wiederfindet. Der Kanzelkorb ist vorgebaucht. Der Schalldeckel hat die Form eines Thronbaldachins. Nach Auffassung des Domkapitulars und Kirchenhistorikers Dr.Hartig drückt die Kanzel nicht nach dem Gesetz der Schwerkraft von oben nach unten, sondern scheint vielmehr von unten nach oben zu schweben.
Am geschweiftem Kanzelkorb hat Ignaz Verhelst die Symbole der vier Evangelisten figürlich dargestellt. Sie haben große Ähnlichkeit mit den Figuren in der Wieskirche, die damals der Vater Egid zeitgleich als eine seiner letzten Arbeiten schuf.
Kanzel

Daneben
in Polierweiß gefasste Ornamente des sog. Rocaillestiles. In einem von Akanthusranken eingerahmten Feld des Kanzelkorbes ist der Gute Hirte als Relief zu sehen. Die geschwungene Konsole passt sich in das Gesamtbild ein und endet unten in einem gedrehten Hängezapfen. Besonders aufwändig ist der Schalldeckel der Kanzel als Baldachin mit Quasten gestaltet. An der Unterseite des Schalldeckels schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube im Strahlenkranz. Oben sind inmitten von Wolkengebilden die beiden Gesetzestafeln des Moses mit den Zehn Geboten, ein Kreuz und -von einem Engel gehalten- zwei Schlüssel zu sehen.

 

Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Zudem bildet eine Holzkanzel -wie ein Cello- den Resonanzkasten für die Stimme des Predigers. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
Die Gesetzestafeln wurden Moses von Gott zweimal übergeben. Den ersten Satz hatte Moses beim Anblick der um das Goldene Kalb tanzenden Israeliten vor Zorn zerschmettert.



Kanzelkreuz

Der Kanzel gegenüber hängt -wie in allen katholischen Kirchen- ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz. Darunter steht eine Figur der schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa), in deren Brust ein Schwert steckt.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Kanzelkreuz

Die Muttergottes unter dem Kreuz ist eine Nachbildung des Gnadenbildes in der Herzogspitalkirche in München. Sie steht mit einer barocken Krone auf dem Haupt und in einen roten Mantel gehüllt vor einem mächtigen Strahlenkranz. Ein Kranz von 12 Sternen umgibt ihr Haupt. Dies erinnert an die Apokalyptische Frau in der Vision des Johannes: Sie war vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater dolorosa


per Mouseklick zu den Beschreibungenzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der DeckengemäldeBeichtstuhlBeichtstuhlzur Beschreibung der ApostelleuchterBeichtstuhlTürbeschlagEpitaph für Maria Regina, 1770zur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung der Orgelzur Beschreibung der Emprenbrüstung
Beichtstühle
Wegen der Bruderschaften gibt es in der Kapelle vier Beichtstühle, die früher an den Bruderschaftsfesten alle besetzt waren. Sie wirken heute wie elegante Dekorationsstücke. Die Beichtstühle sind etwas schräg geformt, vier Lisenen trennen die Nischen des Priesters und der Beichtenden. Das Gesims
ist reich mit Ornamenten und Engelsfiguren geziert. Der erhöhte Mittelteil ist von einer Ziervase gekrönt.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Kirchenstühle

Die Stuhlwangen oder Kocken der Kirchenstühle vermeiden -echt Rokoko- jede Kreislinie. Der elegant geschwungene Aufbau ist mit Muschelmotiven, Blumen und weichen, medaillenartig gehaltenen Dekoration geziert. Wenn Sie sich auch für die Stuhlwangen in anderen Kirchen des Landkreises interessieren, klicken Sie hier...
Zur Zeit sind noch keine Kirchenbänke eingebaut. Dies kann daran liegen, dass die Bänke noch renoviert werden müssen, oder dass die Bänke das vorgesehene Nutzungskonzept für den Kirchenraum, das auch Ausstellungen umfasst, stören.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Apostelkreuze

An den Innenwänden ringsum die Kirche sind die zwölf vergoldeten Apostelkreuze angebracht. Sie bestehen aus Gipsgüssen, die als Versatzstücke in die Wand eingelassen wurden und nun ca. 2 cm aus der Wand hervortreten. Zehn der ebenfalls vergoldeten Apostelleuchter wurden bei der Renovierung 1983 den beiden vorhandenen nachgeschnitzt.
Ein Apostelkreuz hat nur durch Zufall die zwei Jahrhunderte in Originalfassung überstanden: Es war durch das 1792 aufgestellte Epitaph für den Grafen Sigismund verdeckt und vergessen worden.

Apostelkreuze
  Hinweis: Die Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische
Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.



Grabdenkmäler (Epitaphe)

  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

In der Schlosskapelle stehen drei Grabdenkmäler und zwar für den Erbauer der Kapelle, seinen Bruder und dessen Frau:

1. Rechts neben dem Eingang an der Südseite steht das in Pyramidenform gehaltene Grabdenkmal des Erbauers der Kirche, des Grafen Karl Ferdinand Maria (Hofmarksherr von 1731-1775) aus dem Jahr 1795. Es wird nach oben von einem Segmentgiebel abgeschlossen, unter dem das Haimhausener Wappen zu sehen ist. Auf dem Giebel sitzt ein trauernder Putto mit einem Totenschädel neben sich. Der Totenschädel ist Zeichen der Sterblichkeit aller irdischen Dinge, Ermahnung zur Buße und Anruf der Ewigkeit.
  Inschrift: "Hier liegt der Schöpfer dieser Kürch, der Feind von Geiz und Plagen
der für des Unterthannes Wohl als Krist hat Sorg getragen,
der Menschen Freund, der edle Mann, die Redlichkeit begraben.

Epitaph für
Karl Ferdinan Maria
  Weyland der Hochgebohrene Herr Karl Joseph Maria - Des Heil.Röm.Reiches Graf von und zu Heimhausen
auf Inn- und Ottershausen Palzing, Gerlhausen - und Helfenbrunn, Herr der Herrschaften Kuttenplan,
Heil.Kreuz, Neudorf, Dörmaul, Herrnberg und Kotten - in Böhmen, Sr.Kurfrtl. Drtl. in Bayern Kammerer,
geheimer Rath, dann einer Löbl.Bajerischen -Landschaft Verordneter Unterlandes etc. So gebohren
den 11.Jänner 1708 und gestorben den 10.May 1775.
Ruh Vater, ruhe gutt, ruh Hofmarksherr in Frieden, wir sind zwar hier von dir, nicht aber dort geschieden".


2. Das Epitaph von Reichsgraf Sigismund von und zu Haimhausen (Hofmarksherr von 1782-1793) befindet sich in der Ecke links neben dem Eingang. Es wird von einem schönen Wappen aus grauem Stein bekrönt.

Epitaph für Graf
Sigismund
Das Wappen besteht aus vier Feldern. Jeweils zwei diagonal angeordnete Felder haben -seitenverkehrt- den gleichen Inhalt: Die gekrönten Adler links oben und rechts unten stellen den habsburgischen Reichsadler dar, weil die Grafen von Haimhausen seit 1692 ja Reichsgrafen waren. Mit den beiden Häusern wird symbolisch Haimhausen zum Ausdruck gebracht. Sie kamen 1615 ins Wappen, nachdem Theodor Viepeckh von Kaiser Mathias die Erlaubnis erhielt, den Namen Haimhausen zu führen.
Der Text auf dem Epitaph lautet:
  "Wanderer ! Bet für mich. Hier Ligt Seine Exzellenz, der Hochgebohrne Herr Sigismund Joseph des H.R.R. (=Heiligen Römischen Reichs) Graf von und zu Haimhausen auf Inn- und Ottershausen, Herr der Herrschaft Kuttenplan, Kotten Rha, heil.Kreutz, Neudorf und des Ritterguts Herrnberg in Böhmen, Sr. Churfl. Durchl. in Baiern etc.etc. Kammerer, wirkl. geheim. Rat und des Hochadel.Ritterordens des heil.Hubertus Komenthur, Bergwerkkollegiums Präsident, Obermünzmeister und Oberbergwerks Direktor in Baiern und der oberen Pfalz, auch der Churfl. Porzellainfabrik Director und der Churfl. Akademie der Wissenschaften in München Präsident.
Gebor. den 28ten December im Jahre 1708, gestorb. den 16ten Jener 1793. seines Alters im 85ten Jahre.
Der letzte des männlichen Stammes. Errichtet Zum ewigen Gedächtnüß
Von dessen zärtlich geliebten zwoen hinterlaß. Töchtern"
Der Reichsgraf war vom deutschen Kaiser Karl VII. - einem Wittelsbacher- wegen seine profunden Kenntnisse des Bergbaus und der Metallverarbeitung zum böhmischen Obermünzmeister ernannt und dann mit der Leitung des bayerischen Berg- und Münzwesens bestellt worden. Später gründete er die Porzellanmanufaktur Nymphenburg und war schließlich Ehrenpräsident der Akademie der Wissenschaften.

3. Zwischen zwei Beichtstühlen ist in der Nordwestecke das Denkmal für die im Jahr 1770 im Alter von 66 Jahren verstorbene Gemahlin des Reichsgrafen Sigismund, Maria Regina, geborene Baronessa von Wolframsdorf, angebracht. Dieses Epitaph wird von einem Allianzwappen und einem Totenschädel mit gekreuzten Gebeinen (Oberschenkelknochen) gekrönt. Diese beiden Symbole Totenschädel und Gebeine versinnbildlichen die abgestorbene Kraft der Lenden und den entschwundenen Geist der Toten. Ein Allianzwappen ist ein Ehewappen oder Heiratswappen. Es enthält die Wappen der Ehepartner, in diesem Falle der Haimhausener-links- und der Wolframsdorfer-rechts. Falls Sie die lateinische Inschrift auf dem Epitaph und die deutsche Übersetzung hierzu lesen möchten, klicken Sie hier...

Epitaph für
Maria Regina

 

Empore

Die Empore wurde 1892/93 zu ihrer heutigen Form vergrößert. Sie ist derzeit baufällig und darf aus statischen Gründen nicht mehr betreten werden. Die nach vorne geschwungene Emporenbrüstung trägt Stuckierungen aus Muschelornamenten, die rot-violett und golden gefasst sind. Die Ornamente sind durch vergoldete Leisten verbunden, die violett gestrichene Felder umrahmen. Das Spiegelfeld der Mittelkartusche ist gelb bemalt. In gleicher Weise wie die Brüstung ist die Unterseite der Empore gestaltet.

Orgel

Bei der Orgel handelt es sich noch um das barocke Positiv von Quirin Weber, Dachau, aus dem Jahr 1736. Es ist -bis auf ein Register- noch original erhalten. Quirin Weber war der berühmteste Dachauer Orgelbauer. Mehr darüber....

Die Orgel wurde 1960 von Leopold Nenninger restauriert und verfügt über 9 Register.
Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Sittenbach, Wiedenz-hausen, Welshofen und Langenpettenbach gebaut.

Der Orgelprospekt wurde 1750, nach dem Umbau der Kapelle, durch Rocaille-Schnitzereien verändert.


Orgelprospekt
Disposition der originalen Weber-Orgel von 1736 (nach Brenninger):
Manual (C-c''', 45): Gedeckt 8', Gamba 8'(später), Principal 4', Flöte 4', Octav 2', Quint 1 1/3',
                           Mixtur 1'+2/3'+1/2'.
Pedal (C-a,18):      Subbaß 16'
  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Empore


Türbeschlag
Die Empore ist vom Kirchenraum aus über ein besonderes Treppenhaus zu erreichen. Die Türe zu diesem Treppenhaus hat -zum Gesamteindruck des Kirchenraumes passend- ein vergoldetes Türschloss und vergoldete Türbeschläge.

Türschloss


W
eihbrunnen

Über das große Weihwasserbecken (Weihbrunnen)am Eingang schreibt Dr. M. Hartig 1938 im Stil der damaligen Zeit:


Weihwasserbecken
" Alles in der Kapelle ist möglichst prunkvoll geformt, so auch der Weihbrunnen neben dem Eingang. Fuß, Schale und Aufsatz sind aus Marmor. Das Weihwasser sollte vor allem den Armen Seelen zugute kommen. Der Totenkopf in der Nische will den Beter mahnen, an, sein eigenes Ende zu denken und für die Armen Seelen fleißig zu beten. An die Vergänglichkeit des Lebens erinnert auch die Sanduhr unter dem Totenkopf. Die 3 in Polierweiß gefassten Engel über dem Gehäuse wollen sagen: "Wenn wir betend durch die Zeit gehen, werden wir die Siegespalme des ewigen Lebens erringen".

Das Weihwasserbecken in der Schlosskapelle ist tatsächlich das größte in den Kirchen des Landkreises Dachau. Weihwasserbecken gehören zu den Kennzeichen einer katholischen Kirche. Sie befinden sich gleich neben dem Eingang. Nach heutiger Lesart laden sie ein, im Gebrauch des Weihwassers beim Betreten der Kirche die innere Bereitschaft zur Erneuerung durch Gott auszudrücken und beim Verlassen sich unter Gottes Sendung, Führung und Schutz zu stellen. In evangelischen Kirchen gibt es solche Weihwasserbecken nicht.

Früher besaß die Kirche im Haimhausener Schloss auch eine Kreuzpartikel. Ob dies noch der Fall ist, ist mir leider nicht bekannt. Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.



Hans Schertl

Quellen:
Joseph von Obernberg, Reisen durch das Königreich Baiern, 1816

Dr.Eduard Vehse, Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, Bd 24, 1853
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Max Frankenburger, Zur Geschichte des Schlosses Haimhausen, 1931
Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
August Alckens, Das Schloss Haimhausen, Amperland 1969
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Für Dachau und sein Hinterland bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Cuvillies)
11) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Bildhauer, Amperld. 1982/1 (
Egid Verhelst, Placidus u. Ignaz Verhelst)
 

Der Künstler Placidus Verhelst war der Sohn von Egid. Er wurde am 9.4.1727 in Ettal geboren. Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Ignaz (1729-1792) war er zwischen 1747 und 1750 künstlerisch in der Schlosskirche Haimhausen tätig. Placidus war wohl für die Stuckdekoration (Entwurf wohl Cuvilliés), die Holzschnitzereien an der Kanzelstiege und die Beichtstuhldekorationen zuständig. Placidus hatte später auch als Ornamentschneider Erfolg. Zum Ende seiner Laufbauhn folgte 1774 seinem Stiefvater Mutschele in seiner Anstellung als Modelleur für die Porzellanmanufaktur Wirbilky in Moskau. Er soll in St.Petersburg gestorben sein.
Auch Bildhauer Ignaz Verhelst war ein Sohn von Egid. Er wurde am 23.7.1729 in München geboren. In Haimhausen war er vor allem in der Schlosskirche (zusammen mit Vater und Bruder Placidus) tätig. Die Figuren in der Kirche scheinen allein sein Werk zu sein. Ignaz starb am 12.11. 1792 in Augsburg.

Erwin Riedenauer, Zur Entstehung und Ausformung des landesfürstlichen Briefadels in Bayern, in ZBLG 47, 1984 (1619)
Fa. Kellner, Restaurierungsdokumentation, 1988
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Dachauer Neueste 1998
Grove Dictionary of Art, 2003
Robert Giersch, Archivalienforschung zur Geschichte der Schlosskapelle, 2004
Hiltrud Frühauf, Haimhausen, 2005
www.erzbistum-muenchen.de, 2006
Ludwig Erlebach, 400 Jahre Schlossareal Haimhausen, 2006
Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007 (OchsEsel)
Sarah Khan, Diversa diversis: mittelalterliche Standespredigten und ihre Visualisierung, 2007
Diplomrestaurator Peter Siebert, Führung durch die Baustelle, 2010
Künstler in Haimhausen im Barock und Rokoko, Ausstellung 2014 (Placidus Verhelst)

49 Bilder: Ortsarchiv Haimhausen (1), Hans Schertl (48)
Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür


7.7.2014

 


Schloss-Kapläne
in Haimhausen

Die Anstellung eines Schlosskaplans war in der Zeit um 1700 nicht einfach. Sie musste vom zuständigen Bischof, hier dem Fürstbischof von Freising, genehmigt werden. Der örtliche Pfarrer hatte ein Mitspracherecht und das nahm der Haimhauser Pfarrer auch in Anspruch. Er intervenierte in den Jahren vor 1700 zunächst erfolgreich gegen den Antrag des Schlossherrn, weil er eine Schmälerung seiner Rechte befürchtete. Der Schlossherr Franz Ferdinand Graf von Haimhausen musste sich verpflichten, nur Kapläne einzustellen, die auch musizieren konnten und sie an allen Sonn- und Feiertagen für die Tätigkeit als Orgelspieler in der Pfarrkirche abzustellen. Zudem sollte der größte Teil der Opferstockeinnahmen in der Schlosskapelle der Pfarrei zugute kommen.
Der Ortspfarrer war auch berechtigt, jederzeit die Kapelle, das Allerheiligste, die Sakristei und die Paramente (Zeremonien-Gewänder) visitieren (überprüfen) können.
Die seelsorgerischen Rechte des Kaplans waren zunächst auf die Beichtabnahme und den Versehgang für Schlossangehörige eingeschränkt. Im Laufe der nächsten Jahre haben sich diese Befugnisse aber stillschweigend auf die gesamte Seelsorge für die Schlossbewohner erstreckt.

Rechte
Der Schlosskaplan erhielt ein Gehalt von 50 Gulden im Jahr und ein Weingeld von 25 Gulden. Dazu kamen freie Verpflegung, eine Wohnung im Schloss mit Brennholz und Licht. Das Jagdrecht in Begleitung des gräflichen Jägers und ein kleiner Gartenanteil standen unter der Bedingung, dass er seinen seelsorgerischen Aufgaben zur Zufriedenheit der Herrschaft erfüllte. Und als besonderes Bonbon durfte er an Tagen, an denen sich die Herrschaft im Schloss aufhielt, "die Tafell sambt ein Trunckh Wein mit derselben haben und genießen", also am gräflichen Tisch essen und trinken. Auch Kündigungsfristen gab es schon: sie betrugen sechs Wochen. Der Haimhausener Schlosskaplan wohnte übrigens in der Klause, an der Stelle, an der heute die Wirtschaft Schlossklause zu finden ist. Reichsgraf Franz Ferdinand schrieb im Jahr 1701: "Dem Schlosskaplan soll nit allein seine eigene Wohnung sambt einem Diener oder Mösmer in der Clausen gegeben werden, sondern demselben soll auch Kost, Trunk, Holz und Licht zustehen, damit er damit könne gar wohl zufrieden leben. Wie er dann auch, wann sich die Herrschaft in loco (am Ort) befinden solle, allzeit die Tafel mit derselben genießen solle".

Pflichten
Der Kaplan verpflichtete sich, an Feier- und Werktagen "nach Anbefehlen der Herrschaft" die Messe zu halten, danach den Verkündzettel zu verlesen und ein Vaterunser sowie ein AveMaria laut zu beten. Drei Messen in der Woche waren für das Seelenheil des Grafen Franz Ferdinand zu halten. Die Intentionen für die übrigen Gottesdienst konnte er "appliciren und lesen, vor weme er wolle". Täglich war in der Schlosskapelle vor dem Aveläuten (bei Einbruch der Dämmerung) ein Rosenkranz und eine Marien-Litanei für die Verstorbenen der Allerseelenbruderschaft zu beten.
In der übrigen Zeit musste der Kaplan die Kirche und die Sakristei sauber halten und die Paramente pflegen.
An den Sonntagen war er als Organist und Kantor in der Pfarrkirche eingesetzt.

Aus dem Wirken einzelner Schlosskapläne (nach den Pfarrakten).
Wenn die Schlosskapläne zur Zufriedenheit von Schlossherrn und Pfarrer ihren Dienst versahen und ohne Beanstandung lebten, fand dieses Verhalten keinen Niederschlag in den Akten. Deshalb sollten die wenigen Problemfälle, die aufgezeichnet wurden, nicht überbewertet werden.

Einer der ersten Kapläne war ein Augustinermönch. Über ihn ist nichts weiter bekannt.

Leonhard Stigler: Er war der Nachfolger des Augustinermönchs. Von ihm ist bekannt, dass er wegen nicht abgeführter Stolgebühren (Gebühren für kirchlichen Handlungen wie Taufe, Trauung, Begräbnis) und wegen selbstherrlicher Ausweitung der priesterlichen Aufgaben mit dem Pfarrer Jodok Neudegger zerstritten war. Interessant ist auch der Schriftverkehr eines Rechtsstreits mit der Hausmeisterin des Schlosses, Maria Anna Schneider, im Dezember 1733. Darin wandte sich Frau Schneider gegen die verleumderische Nachrede des Kaplans, sie habe das Schloss angezündet und warf ihm Rachegelüste vor. Er habe den Verdacht nur geäußert, weil sie eine Küchenmagd entlassen habe, die "nach dem Willen dess H.Capellans auf dem Saill getantzet". Außerdem bedrohe sie der Kaplan mit Ohrfeigen. Den Schlossmesner habe er schon geschlagen. Im Wirtshaus raufe er gern. Die Messe lese er nur selten und sitze lieber bei den Mägden im Zimmer. Der Kaplan erklärte, er habe dem Mesner nur auf die Hand geschlagen, weil der besoffen seinen Dienst verrichtet habe und beschuldigte die Hausmeisterin, sie setze den Dienstboten Krautwasser statt Milch vor, sei voller Läuse und missbrauche das gräfliche Speisegeschirr als salva venia, als Nachttopf. Die letztgenannte Anschuldigung kostete der Hausmeisterin übrigens die Stellung.

Johann Lechner: (1779-1802): Er war vom gräflichen Jäger der Wilderei bezichtigt worden. Der Kaplan hielt dagegen und bezeichnete den Sohn des Jägers als Wilddieb.

Conrad Mezerra (1802-1814): Er erbat sich vom Ordinariat Dispens (Ausnahmegenehmigung) vom kirchlichen Verbot des freitäglichen Fleischverzehrs, weil er im Schloss keine Fastenspeise bekomme. Zudem sollen ihm Graf Buttler und dessen Münchner Gäste belustigt gefragt haben, ob er denn nicht das Jesuswort kenne: "Esset und trinket, was man euch aufsetzet".
Der Dispens wurde nicht erteilt; im Gegenteil, der Pfarrer examinierte den Schlosskaplan und befand, dass der kein großer Schulgelehrter sei. Allerdings dokumentierte der Pfarrer auch den sehr lockeren Umgang im Schloss mit dem Freitagsgebot.

Andreas Obermayr (1814-1817). Er war der letzte Schlosskaplan.


Quelle:
Robert Giersch, Archivalienforschung zur Geschichte der Schlosskapelle, 2004


 

Bruderschaften
bei der
Schlosskapelle Haimhausen

Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften waren aber auch Hilfsgemeinschaften im täglichen Leben - in einer Zeit, in der von sozialer Absicherung noch keine Rede sein konnte. Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf.
Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung. 105)

Armen-Seelen-Bruderschaft - 1697
Graf Franz Ferdinand gründete diese Bruderschaft und stellte ihr ein Kapital von 400 Gulden zur Verfügung. Das Geld verwaltete nicht der Pfarrer oder die Kirchenstiftung, sondern der Hofmarksverwalter. Die Bruderschaft wurde vom Bischof Johann Franz am 14.März 1697 bestätigt. Die Statuten der Bruderschaft orientierten sich an der vom Kurfürsten Maximilian 1615 gegründeten Bruderschaft mit dem langen Namen "Aller lieben Christglaubigen Seelen Hof-Ertz-Bruederschaft in St.Laurentii Kuerchen zu Alten-Hof". Graf Franz Ferdinand war dort selbst Mitglied.
Für die Bruderschaft mussten in der Schlosskapelle die so genannten Quatembermessen (vierteljährliche Messen) gelesen werden, in denen die Namen der im jeweiligen Quatember verstorbenen Mitglieder verkündet wurden (Quatembertage waren Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Weitere Messen fanden an den neun Konventstagen statt: Dreikönig(6.1), Lichtmess (2.2.), Sonntag Laetare (Anfang März), am Fest der Apostel Philippus und Jakobus d.J.(1.Mai), an Johanni (24.6.), an St. Laurentius (10.8.), zu Michaeli (29.9.), am Fest der Apostel Simon und Thaddäus (28.10.) und am Andreastag (30.11.). An diesen Konventstagen hielt man auch eine Prozession ab. Eine Reihe von päpstlichen Ablässen machten die Mitgliedschaft noch interessanter.

Josephi-Bruderschaft - 1701
Graf Franz Ferdinand gründete diese zweite Bruderschaft und legte deren Unterhalt seinen Nachfolgern testamentarisch auf. In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 wird die Bruderschaft als "confraternitates nempe Jesu, Mariae, Josef" bezeichnet.

Scapulierbruderschaft - 1718
Die Gründung der Scapulierbruderschaft lässt sich aus den vorhandenen Akten nicht nachweisen. Sie wird lediglich in Aufsätzen späterer Kirchenhistoriker wie des Domkapitulars Hartig sowie in einer nicht datierten Pfarrbeschreibung erwähnt.
Das Skapulier war ursprünglich ein Bußkleid aus haarigem Stoff, das über der Schulter getragen wurde. Es sollte beständig zur Buße auffordern und an das Beispiel Mariens erinnern, Vertrauen einflößen und die Bruderschaftsmitglieder ermuntern, als ihre Kinder auf Erden zu wandeln. Die Mitglieder der Scapulierbruderschaft trugen kleine Skapuliere, die aus zwei durch Schnüre verbundenen Vierecken bestanden. Jeweils ein Viereck auf der Brust und eins auf dem Rücken. Die tatsächliche Größe der Vierecke variierte zwischen 5 und 10 cm. Meistens sind auf den Skapulieren kleine Bilder von Maria und dem Herzen Jesu angebracht.
Den Mitglieder« der Bruderschaft wird verheißen:
1) ein besonderer Schultz Mariens in allen Gefahren
2) ein seliger Tod, Bewahrung vor dem höllischen Feuer
3) Anteil an den guten Werken der Mitglieder der Bruderschaft
4) verschiedene vollkommene und unvollkommene Ablässe.


Für das 19.Jh wird in den Akten eine neu gegründete Bruderschaft Corpus Christi genannt. Zweck war die Förderung der Ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarsakraments; Höhepunkt war natürlich die Fronleichnamsprozession. Von den Dokumenten über die Bruderschaft ist nur eine Mitgliederliste aus dem Jahr 1844 bekannt.


Schlossherren von Haimhausen
von 1590-1983

 

Name
Schlossherr
von -bis
Sonstiges
Theodor Viepeckh von Haimhausen
1590-1626

adelig seit 1603,
durfte sich ab Juli 1619 "von und zu Haimhausen" nennen, wie schon sein Vater seit 1572

Johann Albrecht von Haimhausen
1626-1659
Totenschädel in Inhausen
Franz Albrecht Freiherr von und zu Haimhausen
1659-1687
Epitaph in der Pfarrkirche Haimhs.
Franz Ferdinand Reichsgraf von und zu Haimhausen
1687-1724
Reichsgraf seit 1692
Karl Ferdinand Maria Reichsgraf von und zu Haimhausen
1724-1775
Erbauer der Schlosskapelle
von 1724-1731 unter Vormundschaft
Sigmund Reichsgraf von und zu Haimhausen
1775-1793
letzter Viepeckh, Epitaph i.d.Schlosskapelle
Graf Theobald Sigmund Josef Hubert Butler
1794-1829
Nachfahre des Wallenstein-Mörders Walther Butler
Graf Theobald Butler
1829-1867
Erbauer der Gruft in der Pfarrkirche
Graf Theobald Moritz Kajetan Sigmund Hubert Butler
1867-1892
Carl James Eduard Haniel von Haimhausen
1892-1904
Dr.Edgar Karls Alfons Haniel von Haimhausen
1913-1935
Neffe von Carl James, hoher bayer.Beamter
Günther Haniel von Haimhausen
1935-1998