zur Landkreiskarte    ausführl.Beschreibung     Kirchen i.d. Gem.Haimhausen

Bericht über die Visitation im Jahr 1560
in heutigem Deutsch
[in eckigen Klammern Originaltext-Auszüge]

Pfarrer ist Leonhard Stadler. Er wurde in Feldkirchen bei Aibling geboren, hat dort sowie in Freising und München beim Poeten studiert und wurde 1549 in Dillingen zum Priester geweiht. Gefördert wurde er vom Domprediger Johann Widmann, der alle Kosten der Ausbildung trug. Primiz feierte er im Heimatort. Danach war er 2 Jahre Pfarrer in Thankirchen, 4 Jahre in anderen Orten und ist seit 6 Jahren in Haimhausen.
Der Pfarrer und "sein gsell" halten es bei der Predigt und der Darreichung der Kommunion wie früher ["wie vor Alter"]. Stadler predigt alle Feiertage aus alten Schriften. Vertritt auch sonst in allen Fragen der Doktrin, der Zeremonien, der Heiligenverehrung die katholische Auffassung. Glaubt an die 7 Sakramente (Luther predigte nur zwei) und konnte alle dahingehenden Fragen der Visitatoren beantworten, mit folgender Ausnahme: Über die Firmung habe er nichts gepredigt. Er erzählte, dass er erst neulich eine Auseinandersetzung mit zwei Gläubigen gehabt habe. Die beiden wollten heiraten und hätten einander die Firmbinden (?) umgebunden. Er sei deshalb mit ihnen in Freising gewesen und habe sie später von der Kanzel öffentlich getadelt ["eine Vermanung auf der Cantzl davon gethan"]. Die Jahrtage werden in aller Regel gehalten. Nur bei einer Wochenmesse geschieht das nicht. Das Pfarrvolk beichte meist zweimal im Jahr, er selbst alle Monat. Die Sterbesakramente habe er bei seiner vorigen Pfarrstelle erteilt. In Haimhausen habe aber noch niemand nachgefragt.
Bei Hochzeiten oder anderen Feiern geht der Pfarrer auch ins Wirtshaus. Er hat eine Köchin, die aber nur seine Hauswirtschafterin sei ["sey nur sein dienerin"]. Allerdings habe sie 5 Kinder. Mit seiner Köchin lasse er sich draußen nicht sehen; nur ein paarmal habe er sie mit auf einen Kirchtag genommen.

Die Pfarrei liegt in der Hofmark Haimhausen. Hofmarksherr ist der bayer.Herzog selbst, der auch das Präsentationsrecht besitzt. (1485 hatte zwar das Recht vom Herzog zum Bischof gewechselt. Auch die Matrikel von 1524 bezeichnet den Bischof als Inhaber des Präsentationsrechts. Aber in der Praxis scheint der Herzog sich nicht daran gehalten zu haben).
Die Pfarrei hat rd. 350 Communicantes. Sie sind alle katholisch und gehen fleißig in die Kirche. Außer einem verweigert sich niemand der Beichte. Mit Opfer und Sammlungen sind die Pfarrleuth aber nicht großzügig ["seind nachlessig gnug mit opfer und collectur"]. Vom Pfarrgrund ist nichts verkauft. In guten Erntejahren hat der Pfarrer Einnahmen von 150 Gulden. Dazu kommen Einnahmen aus den Mess-Gebühren von rd. 60 Gulden ["macht ungeverlich 60 fl."].

In der Pfarrei gebe es auch noch einen Kaplan (Gsellbriester) und einen Frühmesser.
Der Kaplan heiße Andreas Unfueg. Er sei in München geboren und wurde vor einem dreiviertel Jahr in Freising ordiniert. Seine Primiz feierte er im Münchner Dom. Er konnte den Prüfern seine formata und admission vorlegen. Unfueg besitzt die Predigtbücher Nauseam, Eckhium und Hofmaister und hat daraus bisher 12 mal gepredigt. Er ermahnt das Volk zum Gebet und hält die Feier- und Fasttage. Derzeit liest er zwei Messen in der Woche. Glaubt an die Konkomitanzlehre. Theologisch hatte er aber Lücken aufzuweisen: Er konnte die Absolutionsformel bei der Beichte nicht aufsagen. Er hat keine Köchin und wird im Pfarrhof verpflegt.

In Inhausen gibt es einen Frühmesser (einen der die Frühmesse hält und aus dem Beneficium bezahlt wird). Er heißt Johannes Meislmayr, ist in Neuburg in der Pfalz geboren, hat in München, Neuburg, Niederaltaich und Braunau studiert und wurde 1541 in Dillingen ordiniert. Die Primiz feierte er in Haimhausen. Die ersten vier Jahre war er Cooperator; seit 14 Jahren ist er in Inhausen tätig. Empfohlen wurde er von seinem Vorgänger Johannes Nandelstetter. Er ist nicht in der Seelsorge tätig. Auf die Fragen der Prüfer über die katholische Religion und ihre Zeremonien konnte er untadelige Antworten geben; auch glaubte er an die 7 Sakramente. Seit 17 Jahren hat er keine Firmung mehr erlebt. Und hat in den 19 Jahren seiner Priesterschaft nur 3 mal die Sterbesakramente gereicht. Seine kirchenrechtlichen Kenntnisse waren nicht sehr ausgeprägt. Er hatte Probleme bei der Aufzählung der Ehehindernisse und konnte die Wandlungsworte nicht richtig wiedergeben.
Meislmayr hatte eine Geliebte. Die Kinder aus dieser Verbindung waren aber verstorben. Der Frühmesser hätte gerne geheiratet (was kurz vorher auch von den bayerischen Herrschern gefordert worden war).

Unter den Gläubigen gibt es keine neuen Anhänger der neuen Lehren. Problemfälle seien aber Hanns Haischl und seine bei ihm wohnende (aber wohl nicht mit ihm verheiratete) Hausfraw. Ihnen hat der Herr Vicar die Kommunion verweigert. Georg Milknecht hat ein Weib genommen und will sich nicht einsegnen lassen. Deshalb ist er zwei Jahre nicht zur Kommunion gegangen.
Die übrigen Gläubigen beichten zweimal in der Fastenzeit. Die Kreuzgänge werden gehalten.

Die Pfarrkirche in Haimhausen ist in gutem baulichen Zustand. In ihm stehen drei Altären. Er besitzt alle notwendige "kirchentzier". Die Kirche wird sauber gehalten. Das Sakramentshäuschen ist wohl geschlossen und beleuchtet. Vorhanden sind auch: ein Taufstein, eine Monstranz, 3 bzw. 4 vergoldete Kelche mit Corporale, 4 Messbücher,1 Buch für Beerdigung-Gebete, 1 Gesangsbuch und 7 ziehmlich gute Messgewänder. Das Sacrament und die heiligen Öle werden rein aufbewahrt. Der Bericht endet mit den Worten: "Sonst an andern dingen kain mangel".


Pfarrkirche Haimhausen in der
Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874

"Erbauungsjahr unbekannt. 1871 durch Marggraf aus München restaurirt. Ursprünglich gothischer Stil. Geräumigkeit nicht hinreichend. Baupflicht an der Kirche hat der Gutsherr (Graf Buttler) und die Decimatoren, nemlich die Unterrichtsstiftg-Administration in München u. ein Bauer (Sedlmair) in Haimhausen. Am Cm. (Coemeterium =Friedhof) die Kirche. Kuppel-Thurm mit 4 Glocken vom Jahr 1866. Cons.dub. Patron Hl.Nikolaus B.  3 altar. f. Ss. B.  Cm. ohn Cap(elle).  Unter der Kirche die gräfl. Buttler'sche Familien-Gruft.  Orgel: 8 Register.
Gottesdienste: regelmäßig alle, mit Ausnahme der Frauenfeste (Marienfeste), welche in Innhausen gehalten werden. Concurse: Allerseelentag, hl.Dreikönigsfest, Fronleichnamssonntag, Portiunkula.  Aushilfleistung: 3 mal nach Jarzt (ohne Celebration) durch den Cooperator.  Außerordentliche Andachten: Tägl. im Advente Rorate, Mai-Andachten, Fastenpredigten, Stundengebet mit Predigt in den 3 Faschingstagen, in der Allerseelen-Oktave Rosenkränze (cor. Ss. in Cibor. = mit Aussetzung des Allerheiligsten).
Stiftungen: 3 Jahrtage mit Vigil, 7 Jahrtage mit Libera, darunter 2 mit 2, u. 2 mit 1 Beimesse, 5 Jahrtage ohne Vigil, darunter 1 mit 1 Beimesse, 18 Jahrmessen, 1 Amt, 4 Quat.-Messen.
Kreuzgänge: Am Mittwoch in der Bittwoche (vor Christi Himmelfahrt) Felderumgang cum Sanctissime (mit dem Allerheiligsten) mit Abhaltung der 4 Evangelien.
Bruderschaft von der immerwährenden Anbetung des allerheiligsten Sakramentes (Filiale der Corpor.Christi Bruderschaft zu St.Peter in München). Confirm.-Urkunde (Bestätigung) zu Verlust gegangen. Titularfest: Dreikönigsfest und Fronleichnam. Ablässe: die der Bruderschaft eigenthümlichen. Andachten: An beidenFesten je 2 Frühämter,dann Hochamt cor.Ss. mit Predigt, Nachmittags Vesper.
Den Mesner- u. Cantordienst versieht der Lehrer.
Kirchenvermögen
: Rent. 6086 fl. (=Gulden) 35 kr. (=Kreuzer), nicht rent.: 9234 fl. 41 kr."


Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns
1893

Mit der Haimhausener Kirche befasste sich auch das Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns, das Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
 

"Pfarrkirche. Zwei Nebenaltäre von Egidius Verhelst von Augsburg 1695-1749 (nach Stetten, Kunstgesch. d.Stadt Augsburg 1779, 455), jeder mit zwei Säulen und einem kleineren, ebenfalls mit zwei Säulen besetzten Aufbau, von edlen Formen; seitlich stehen auf Consolen Figuren, auf dem nördlichen Altar S.Rochus und S.Sebastian, auf dem südlichen S.Ulrich und S.Antonius von Padua. (Der Choraltar, der ebenfalls von Verhelst war, ist durch einen modernen ersetzt).
Im Triumph
bogen (früher an der Nordwand des Schiffes) lebensgrosses Holzcrucifix, wohl vom Anfang des 18.Jh., mit kräftig gebildetem Körper, von tiefer Empfindung. Hervorragendes Werk.
Grabsteine:
Innen an der Nordwand des Chores:
1.Grabstein des Theodor von und zu Haimhausen +12.November 1626 und siner Ehefrau Anna +1600.
Innen, hoch oben an der Südwand des Chores:
2. Epitaph des Maximilian Freiherrn von und zu Haimhausen +21.Oktober 1681, darstellend einen Ritter in Lebensgrösse in voller Figur mit seinem und seiner Frau Wappen. Holz
Aussen am Chor:
3.Grabstein, in Relief einen Priester mit Kelch in Halbfigur zeigend. Der Theil, worauf die Inschrift stand, fehlt. Ziemlich unbedeutend. Rother Marmor. H.82, br.82 cm.
4.Grabstein eines 1622 verstorbenen Priesters mit der bärtigen Halbfigur des Verstorbenen in Relief. Rother Marmor. H.151, br.74 cm.
5. Grabstein eines 1520 verstorbenen Priesters Johannes, mit dem Reliefbilde des Geistlichen in voller Figur. Rother Marmor. Sehr beschädigt. H.168, br.75 cm.
In der Sakristei:
Ein Kelch mit Rankenwerk und Emailmedaillons verziert. Nach der Marke Arbeit des Münchener Goldschmiedes Franz Kessler (+1717), Anfang des 18.Jh. Ampel von Silber, mit durchbrochenem Rankenwerk verziert, von 1721, ein Weihrauchschiffchen von 1764.
Eine Casula, roth, mit weissem Mittelstück und sehr hübschen Stickereien (Vögel), 18.Jh."