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Filialkirche St. Urban in PALSWEIS

Für Navi-Nutzer : 85232 Bergkirchen, St.-Urban-Straße 14a
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Palsweis wurde erstmals 1172 als Paldenneswis (Dorf des Paldo) erwähnt.
Eine Kirche wird in der Konradinischen Matrikel von 1315 unter dem Ortsnamen "Pallenswis" beschrieben. Sie war damals eine Filiale der Pfarrei Einsbach, heute gehört sie zur Pfarrei Bergkirchen. Die Kirche St.Urban in Palsweis ist ein spätromanischer Backsteinbau mit wuchtigem Sattel-turm. Es gilt zu Recht als das schönste Beispiel einer romanischen Dorfkirche im Dachauer Land.

Im Untergeschoss des niedrigen Turms, der wohl Anfang des 14. Jahr-hunderts entstanden sein dürfte, liegt der Altarraum (Chorturmanlage).

Auffällig sind die Bogen-friese und Lisenen
an den bis zu 1,30 Metern dicken Außenmauern


Weihwasserkessel
am Eingang

Um 1693 wurde die Kirche barock umgestaltet; die Altäre wurden um 1710 eingebaut.

Hinter dem Beichtstuhl im Chorraum ist ein geheimer Gang entdeckt worden, der in der Turmwand verläuft.

Inneneinrichtung

Das flach gedeckte, lichtdurchflutete Schiff ist durch einen 1,20 Meter starken Chorbogen vom Altarraum im Turmuntergeschoss getrennt.

Die Altäre sind in spätbarockem Stil gearbeitet.

Am Hochaltar die Figur des hl. Urban in päpstlichem Ornat mit Buch und großer Weintraube. Assistenzfiguren sind die Heiligen St. Sebastian (mit Pfeilen in der Hand) und St. Vitus (mit Ölkessel). Im Altaraufsatz eine Skulptur von Gottvater.

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Die Figur der Gottesmutter Maria (mit Jesuskind auf dem Arm und Zepter in der Hand) steht auf einer Mondsichel. Im Auszug eine schmerzhafte Muttergottes.

Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Andreas (mit dem nach ihm benannten x-förmigen Kreuz) gewidmet. Im Aufsatzbild wird wiederum Gottvater dargestellt. Der Altar musste 1975 nach einem Schwelbrand erneuert werden.


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In den vier Fenstern des Kirchenschiffes befinden sich acht Glasgemälde aus dem Jahr 1936. Sie wurden von Gläubigen der Filiale gestiftet und vom Dachauer Glasmaler Syrius Eberle ausgeführt.

Unter der Empore steht ein schön geschnitzter Opferstock mit der Jahreszahl "1693". In diesem Jahr wurde die Kirche barockisiert.

Der Figurenschmuck außerhalb der Altäre ist rar. An den Wänden ist lediglich ein Holzkruzifix (1600) mit einer darunter stehenden Mater dolorosa (19.Jh) angebracht.

Die Orgel mit dem spätklassizistischen Prospekt stammt aus dem Jahr 1976 und wurde vom Orgelbauer Günter Ismayr (1 Manual, 6 Register, mechanische Schleiflade) errichtet.

Das Patronat des hl.Urban, des Patrons der Winzer, ist in unserer Gegend sehr ungewöhnlich. Eine Deutung wäre, dass früher an den Südhängen des tertiären Hügellandes von Palsweis bis Günding Wein angebaut worden ist.


Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560
Barockisierung 1690 Matrikel 1740 Beschreibg 1874 Beschreibg 1895
       
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl
  Choraltar Ewig-Licht-Ampel Fenster Kanzel
  Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Kreuzigungsgruppe
  Orgel Opferstock Patronat St.Urban Seitenaltäre
Tabernakel Vortragekreuz Zelebrationsaltar Gottesdienstordnung

Der Ort Palsweis wurde erstmals um 1185 in einer Indersdorfer Urkunde und 1224 und 1231 in Scheyerner Urkunden als Paldenwis (Dorf des Paldo) schriftlich erwähnt. 1315 hieß es Pallenswis und 1388 (in einer Fürstenfelder Urkunde) Palnsweis.

Geschichte der Kirche

Wann die Kirche von Palsweis erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Doch die Bauform als Chorturmanlage (der Altarraum oder Chor ist im Erdgeschoss des Turmes eingerichtet) spricht für eine Entstehungszeit in der Spätromanik. Chorturmanlagen sind auch in benachbarten Kirchen wie Einsbach und Wiedenzhausen zu finden; sie waren für die Zeit des 13./14.Jh typisch. Auch die Gliederung und reiche Verzierung des Turms deutet auf eine Entstehung um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert hin.
Die Turmkirche diente damals auch der Sicherheit; denn ein Turm bot bei den häufigen Überfällen der damaligen Zeit einen vorübergehenden Schutz für die umwohnende Bevölkerung. Die oberen Stockwerke waren nur über einziehbare Leitern zu erreichen. Nicht vergessen werden sollte auch, dass Kirchen als geweihte Orte eine gewisse Sicherheit boten. Schließlich waren auch viele der Angreifer Christen, die eine gewaltsame Entweihung eines solchen Ortes wegen der zu befürchtenden schlimmen Jenseitsfolgen scheuten. Chorturmkirchen waren vor allem in Süddeutschland und im Elsass üblich. In Norddeutschland, das damals konfessionell noch nicht getrennt war, sind und waren sie unbekannt. Im Landkreis Dachau gibt es zwölf heute noch bestehende Chorturmkirchen. Das ist im Vergleich zu anderen Landkreisen eine hohe Zahl. So gibt es z.B. im Landkreis Erding z.B. keine Chorturmanlagen (mehr)

Der wuchtige Turm in Palsweis,der  im Vergleich zum Langhaus massig und überdimensioniert erscheint, erinnert an mittelalterliche Wehrkirchen, in die sich die Bevölkerung bei feindlichen Angriffen zurückgezogen hat. Tatsächlich hat der Palsweiser Turm über dem Chorgewölbe ein geräumiges Geschoss, das als Fluchtraum dienen konnte. Zudem ist hinter dem Beichtstuhl im Chorraum ein geheimer Gang entdeckt worden, der in der Turmwand verläuft. Vielleicht steht er im Zusammen-hang mit anderen in der Gegend gefundenen unterirdischen Gängen und Gewölben. Bereits vor Jahrzehnten fand sich in Palsweis an der Rückseite des Hauses Nr. 9 ein Gang, den man aber nicht weiter verfolgte.

Der große Turm könnte aber auch als Speicher gedient haben. Das Kloster Scheyern hatte 1231 vom bayerischen Herzog Otto II. (1206-1253) größere Grundflächen geschenkt bekommen. Die Bauern mussten wohl regelmäßig einen bestimmten Anteil der Ernte abliefern, der bis zum Abgabe-termin irgendwo zu lagern war. Vielleicht war der Turm mit seinem Obergeschoss eine Art Speicher, an den dann ein Langhaus angebaut wurde, sodass Palsweis eine Kirche bekam. Vielleicht bauten die Palsweiser für die Scheyerer auch Wein an. Auf den sonnigen Südhängen von Palsweis bis Günding wäre das durchaus möglich gewesen; damals herrschte bei uns ein warmes Klima, ähnlich wie heute. Der Weinbau würde auch erklären, warum die Kirche ihren Namen ausgerechnet vom hl. Urban hat, dem Patron der Winzer, der in unserer Gegend sehr selten, in Weingegenden aber sehr häufig als Kirchenpatron zu finden ist.


Rundbogenfriese am Turm


Konradinische Matrikel 1315

Erstmals schriftlich erwähnt wird die Kirche in Palsweis in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Filiale der Pfarrei Einsbach ("Pallenswis cum sepulturis"). Ein Friedhof war zur damaligen Zeit Ausweis für eine gewisse Bedeutung der Kirche und der Ortschaft

Patronat
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals das Patron der Kirche, der hl.Urban erwähnt (.. s.Urbani in Balsweiss). Es gibt im katholischen Heiligenkalender sechs verschiedene heilige Urban. Drei davon werden mit Weintrauben dargestellt:
-
Der bekannteste Urban ist der Schüler des hl.Gallus, der im 7.Jh lebte und Patron der Winzer geworden ist. Er soll den Weinbau gelehrt haben. Nach der Legende errichtete er ein Kreuz, um das sich eine Weinrebe schlang. In der fränkischen Weingegend ist er ein häufiger Patron (Fest am 25.Mai)
-
Daneben gibt es noch den heiligen Urban von Langres, den Bischof, der im 5.Jh. in Frankreich lebte, den Weinbau förderte und der häufig mit dem Urban aus dem 7.Jh gleichgesetzt wird. Beide haben die Weintraube als typisches Attribut (Fest am 2.April).
-

Nichts mit dem Weinbau zu tun hatte der heilige Papst St.Urban I., der um das Jahr 222 die Kirche regierte und unter Kaiser Severius das Martyrium erlitten haben soll, weil er sich weigerte, heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Dieser Papst ist durch seine Anordnung bekannt geworden, dass der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold sein müsse. Aufgrund der Vermischung mit den beiden vorgenannten Heiligen Urban wird auch Papst Urban I. als Patron der Weinstöcke und Winzer angesehen (Fest am 19.Mai).

Welcher Urban ist nun der Patron von Palsweis ?
Interessant ist ein Hinweis in der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40, in der als Patron vom Märtyrer Papst Urban (s.Urbani pontificis martyris) die Rede ist. Das bedeutet, dass jedenfalls 1738 der Papst Urban I. als Patron angesehen wurde. Sein Fest wird am 19.Mai gefeiert. Auch die Figur am Hochaltar stellt den Papst Urban dar, zu erkennen an der Tiara und dem Papstkreuz mit den drei Querbalken. Diese drei Querbalken symbolisieren die drei päpstlichen Gewalten: die Priester-, Hirten- und Lehrgewalt.



Visitationsbericht von 1560
13) Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Der neue Einsbacher Pfarrer Castulus Plank bestand die Prüfung. Er predigte jeden Sonntag und benutzte zur Vorbereitung katholische Bücher. Er glaubte an die 7 Sakramente (nicht nur an die 2 Sakramente der Protestanten) und hielt den Gottesdienst nach herkömmlichen Ritus. Sein Privatleben wird vom Kirchenpfleger so beschrieben: "Pfarrer helt sich wol, ist kain rumorer.... hat ain Köchin, 4 kinder darbei." Das Pfarrvolk, zu dem auch die Lauterbacher gehörten, ging fleißig in die Kirche, aber mit dem Zehent "helt es sich gar ubel".
Im Bericht über die Pfarrei Einsbach ist auch die Filiale St.Urbanus in Palsweis kurz erwähnt. Daraus ergibt sich -in heutigem Deutsch- folgende Beschreibung.
  Die Kirche liegt in der Hofmark Eisolzried, die dem Herrn von Pern gehört (Inhaber Wilhelm und Warmund Bern von der Leiter). Die Einnahmen betrugen jährlich 7 Gulden weniger 15 d. Die Ausgaben haben für Beleuchtung und anderes 4 Gulden 30 Kreuzer betragen. Die Kirchenrechnung wird von den Herren Pern aufgestellt. Sie verlangen dafür keine Bezahlung in Geld, sondern nur ein Essen.
Die Filiale Palsweis besitzt kein eigenes Mesnerhaus aber ein kleines Gütl, das dem Gottshaus gehört. Dafür zahlt der Mesner 13 ß und 3 Pfund Wachs. Der Mesner hält die Kirche und den Friedhof sauber. An den Samstagen sperrt er die Kirche auf, die von den Pfarrkindern auch besucht wird.
Die Kirche besitzt 3 Altäre, die ausreichend verziert sind und ein Sakramentshaus. An liturgischen Geräten sind eine Monstranz, zwei Kelche (von denen die Kirchenverwalter aber nicht wussten, ob sie noch von guter Qualität sind) sowie vier "nit vast guete" (?) Messgewänder. Der Pfarrer ist in allen Dingen katholisch geblieben, wie früher [wie vor allter]. Er hält in Palsweis jeden dritten Sonntag und einmal während der Woche einen Gottesdienst.

Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts über die Pfarrei Einsbach lesen möchten, klicken sie hier...



Barockisierung um 1690

Der Dreißigjährige Krieg wütete in der Gegend des südlichen Landkreises Dachau besonders stark. Viele Menschen und Gebäude fielen ihm zum Opfer. Ob die Kirche in Palsweis stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, ist mir nicht bekannt. Doch am Ende des 17. Jh. , eine Generation nach dem Krieg, wurde eine größere Baumaßnahme durchgeführt.
Die Kirche wurde barock umgestaltet. Dabei hat man Fenster im Sinne des damaligen Raumempfindens erheblich vergrößert; an der Ostseite des Turms die Sakristei angebaut und den alten Sakristeieingang durch einen Beichtstuhl verstellt. Im Chorraum wurde ein Gewölbe eingezogen. Auch der Opferstock am Eingang mit der Jahreszahl "1693" stammt aus dieser Zeit.

Im Zuge dieser Umgestaltung erhielt die Kirche offenbar auch drei neue Altäre, deren Weihedatum der 7. Juli 1710 war. Vielleicht wurden sie vom Fürstbischof Johann Franz v.Eckher von Kapfing benediziert. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Urbani in Palsweis" bemerkte er, die Kirche sei ein altes Bauwerk und enthalte drei Altäre: Der Hochaltar sei dem Märtyrer Urban, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem Apostel Andreas geweiht war. Gottesdienste fänden hier jeden dritten Sonntag (abwechselnd mit Überacker und Wiedenzhausen), an Lichtmeß, an den Festen der Apostel und anderer Heiliger (abwechselnd mit Überacker),
am Kirchweihfest (Sonntag vor Marä Geburt- 8.Sept) und am Patrozinium (19.Mai) statt. Außerdem gebe es eine wöchentliche Messe aufgrund der Stiftung eines unbekannten Wohltäters aus Orthofen. Der Pfarrer erhalte aus dieser Stiftung "zwey Schäffel Korn, 2 Schäffl. Haaber, 50 Ayr (= Eier) und 4 Hüendl". In der Sakristei würden genügend Mess-gewänder aufbewahrt. Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer aus Einsbach und der Hofmarksherr in Eisolzried (Freiherr von Ruffini). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Gottshauses hat sich in letzter Rechnung auf 1422 fl. (=Gulden), 41 kr.(=Kreuzer) und 4 hl.
(= Heller) herausgeworffen".

Nordansicht


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Palsweis als Filiale von Einsbach erwähnt. Zu ihr gehörten 114 Dorfbewohner (Seelen), die in 18 Häusern wohnten. Mayer bemerkt über die Kirche:
  "Erbauungsjahr unbekannt. Ursprünglich vorgothisch, Anbau stillos. Geräumigkeit beschränkt. Sattel-Thurm mit 2 Glocken; 1 ohne Jahreszahl, 1 von (Anton) Hubinger in München 1859. 3 Altäre, Orgel. Gottesdienste: Jeden 3.Sonntag abwechselnd mit Lauterbach und Ueberacker sowie am Neujahrstag, Lichtmeß, Ostersonntag und Patrocinium. Stiftungen: 3 Jahrtage, 18 Jahrmessen und 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) . Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer von Einspach. Kirchenvermögen: 6100 Gulden."



Beschreibung 1895
12)

Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1895 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die Kirche in Palsweis. Dort ist auf Seite 313 zu lesen:

Palsweis. Kirche Spätromanisch, 1693 umgestaltet
Einschiffig mit eingezogenem Chor im Untergeschoss des Thurmes.
Langhaus flachgedeckt, im Chor ein Kreuzgewölbe auf Eckkonsolen.
Opferstock von 1693. Ganz unbedeutend.
Das Aeussere ist in der Gegend das einzige Beispiel einer einfachen Außenarchitektur.
Das Langhaus hat in etwas mehr als der halben Höhe einen Mauerabsatz. Die drei freistehenden Seiten sind durch je zwei kräftige Rundbogenblenden gegliedert, ebenso das Untergeschoss des Thurmes auf der Süd- und Ostseite. Das zweite Geschoss des Thurmes hat Spitzbogenblenden, das dritte ist mit einem von Kragsteinen getragenen Bande abgeschlossen.
In der Glockenstube (viertes Geschoss) je zwei Spitzbogenfenster Satteldach.
Die 3 Altäre wurden nach einer in der Sakristei befindlichen Urkunde am 7. Juli 1710 konsekrirt.
Der hl. Andreas auf dem südlichen Seitenaltar ist eine gute bemalte Holzfigur, um 1710. H. 73 cm.
In der Sakristei zwei bemalte Holzfiguren aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, ein hl. Bischof mit einem Hafen in der Hand (wohl St. Rupert) H. 84 cm, und St. Bartholomäus mit aufgeschlagenem Buch in der Linken und Messer in der Rechten (der rechte Fuss fehlt). H. 76 cm, die Köpfe sind gut durchgebildet, der Faltenwurf erinnert an die Blutenburger Figuren.
In einem Thurmgeschoss fand sich ein Holzcrucifix, gute Arbeit aus der Zeit um 1600. H. 75 cm. H.

 

1910 wurden drei neue Glocken angeschafft sowie eine neue Orgel und -unter Verwendung der alten Ornamente- ein neues Orgelgehäuse.
'

1939 wurde die Kirche innen restauriert, 1969 außen. Dabei erhielt sie auch eine neue Eingangstür, ein neues Pflaster und ein neues Gestühl (unter Wiederverwendung der alten Rokokowangen.).

Bis in die 1960er Jahre gab es ein Storchennest auf dem Kirchturm. Leider gelang seitdem die erneute Ansiedlung eines Storches nicht mehr.

Am 1.4.1975 gab es dann leider einen Schwelbrand in der Kirche, der den rechten Seitenaltar völlig zerstörte. Der Brand beschädigte auch die übrige Ausstattung erheblich und machte das Orgelwerk unbrauchbar.
Bei der folgenden Restaurierung wurden alle Einrichtungsgegenstände und Bildwerke gereinigt und neu gefasst.



Baubeschreibung

Das massige Gotteshaus steht wie eine Burg am südöstlichen Ende des Dorfes, am Rande der Hügelkette mit weitem Blick über das Alpenvorland. Es ist von einem Friedhof umgeben. Das geräumige Kirchenschiff ist innen 8,50 Meter lang und 6 Meter breit; der durch einen 1,20 Meter starken Chorbogen getrennte Altarraum misst 5 mal 5 Meter. Das bis zu 130 cm dicke Mauerwerk der Anlage ist aus Backstein und zum Teil zweischalig konstruiert.


Rundbogenfriese

Ins Auge fällt vor allem der schöne Wandschmuck an Turm und Kirchenschiff. Er besteht aus Wandvorlagen in einer Stärke von zwei bzw. drei Ziegelsteinen. Sie sind als Felder gestaltet, die oben durch Friese abgeschlossen sind.

Bei der Kirche handelt es sich um eine sogenannte Chorturmanlage, denn der Turm ist über dem erst im 17. Jh. eingewölbten Chor (Altarraum) erbaut.  Das Schiff ist durch kräftige, 18 Zentimeter vertiefte Rechteckblenden gegliedert, die nach oben hin mit einem sorgfältig gearbeiteten Rundbogen-fries schließen. Die Außenfassade des Turms ist reich durch Wandvorlagen gegliedert (siehe Bild links)
An der südlichen und östlichen Turmfassade setzen sich die abgetreppten Bogenfriesblenden des Kirchenschiffs fort. Im Untergeschoss sind Rundbogen angebracht, das zweite Geschoss zieren Spitzbogenarkaden, und im dritten Geschoss lässt sich ein  rechteckiges Stufenfries erkennen. Eine Bauorna-mentik, die  -ebenso wie die spitzbogigen Schallöffnungen- an den Übergang der Romanik zur Gotik hinweist.

In der Glockenstube hängen in einem alten Glockenstuhl drei Glocken, eine 1910 von Ulrich Kortler aus München gegossen, die beiden anderen 1950 bei Karl Czudnochowsky in Erding.

Der Eingang zur Kirche liegt an der Südwestseite.
Darüber durchbricht ein hölzerner Erker die Dachfläche.

Die Außenmauern leuchten heute in vollem Weiß; noch um 1970 waren sie - mit Ausnahme der Wandvorlagen- rosa gefärbt.

Die östlich an den Chorturm angebaute Sakristei mit Pultdach (siehe Bild rechts) dürfte um 1700 entstanden sein. Drei Rundfenster geben dem Raum Helligkeit.


rechts Sakristei

Karneranbau
Südwestlich am Turm befindet sich ein kleiner Karneranbau, der durch ein Holzgitter
geschützt wird.
Dahinter sind keine Totenschädel mehr aufbewahrt. Hier stehen vielmehr zwei Blechtafeln mit den Maßen 60 x 40 cm, auf die jeweils zwei "Arme Seelen in den Flammen des Fegefeuers" aufgemalt sind. Links zwei Frauen, rechts zwei Männer.
Sie können sich die Tafeln anschauen, wenn Sie auf das Gitter-Bild links klicken.


Innenausstattung

Altarraum

Der eingezogene Chor/Altarraum liegt, wie erwähnt, im Erdgeschoss des Turms und hat der gleichen quadratischen Grundriss wie der Turm. Überdeckt wird er mit einem Kreuzgratgewölbe, das sich auf Eckkonsolen gründet. Die Decke ist mit barocker Rahmenfelderung stuckiert.

Choraltar / Hochaltar

Der Hochaltar stammt aus der Barockzeit. Er wurde wohl um 1690 aufgestellt und am 7.7.1710 geweiht. Das Retabel, der Altaraufbau, ist dreiteilig. Das Holz ist marmoriert (d.h. mit Marmormuster bemalt). Vier Wendelsäulen tragen ein vorkragendes Gebälk mit dem geschweiftem Altarauszug/Altaraufsatz. Das Antependium, die Verblendung der Vorderseite des Altarblocks, besteht aus marmoriertem Holz und ist mit Ornamenten vergoldet.

Altaraufsatz

Im reich geschmückten Altarauszug ist zwischen zwei kleinen Engeln Gottvater als Halbskulptur zu sehen (um 1700).

Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20,3) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhun-derte nicht als Person dargestellt.


Gottvater
Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.

Mittelnische

St.Sebastian

St.Urban

St.Vitus

In der rundbogigen Mittelnische steht eine Figur des Kirchenpatrons St.Urban in päpstlichem Ornat. In der Hand hält er ein Buch (hl. Schrift), auf dem eine große Weintraube liegt.
Linke Assistenzfigur ist der hl. Sebastian, der seine Marterwerkzeuge, die Pfeile, in der Hand hält.
Rechts von St.Urban steht die Figur des hl. Vitus mit dem Ölkessel in der Hand.
 

Hinweise: Papst St.Urban I., hat um das Jahr 222 die Kirche regiert und unter Kaiser Severius das Martyrium erlitten, weil er sich weigerte, heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Dieser Papst ist durch seine Anordnung bekannt geworden, dass der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold sein müsse. Aufgrund der Vermischung mit zwei anderen Heiligen gleichen Namens, die später in Weinbaugebieten gelebt haben, wird auch Papst Urban I. als Patron der Weinstöcke und Winzer angesehen (Fest am 19.Mai).
Nach der Legende war Sebastian im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Deshalb wird der heilige Sebastian als Pestpatron und -der Pfeile wegen- auch als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete, wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer und Patron für 30 Krankheiten (z.B.Veitstanz). Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete.

Tabernakel

Der fast einen Meter hohe Tabernakel wurde 1883 im neubarocken Stil erstellt. Er besteht aus blau-grau marmoriertem Holz. Der originale Tabernakel aus barocker Zeit befindet sich angeblich in der Einsbacher Kirche.


Tabernakel

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Taber-nakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort
  und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Früher standen zu beiden Seiten des Tabernakels Skulpturen des hl. Bartholomäus (mit Messer in der Rechten und Buch in der Linken; der rechte Fuß fehlte) und ein hl. Bischof mit einem Tonkrug (hl. Rupert ?). Die spätgotischen Figuren stammten beide aus dem Ende 15. Jh. und waren polychrom (bunt) gefasst. Die Köpfe waren gut durchgebildet; der Faltenwurf der Gewänder erinnerte an die Blutenburger Figuren. Heute sind die Statuen ausgelagert.



Beichtstuhl

In die Stirnseite des Altarraums ist ein zweiteiliger Beichtstuhl eingelassen. Er ist in neubarockem Stil gearbeitet und stammt wohl aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Hinter dem Beichtstuhl befindet sich der Eingang zu einem geheimen Gang.

 

Ewig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen hängt eine neuromanische Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900. Sie besteht aus versilber-tem Messingblech und ist mit getriebenen Ornamenten verziert.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern.

Ewig-Licht-Ampel
Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Aller-heiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar einfacher Tisch. Er wurde um 1970 aufgestellt. Das Altarkreuz stammt wohl noch aus dem 18. Jh.
  Hinweis: Der Zelebrationsaltar ist eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jahrhundert wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 11)

 

Kirchenschiff / Langhaus

Das Langhaus ist flach gedeckt. Um die Decke zieht sich eine schmale Hohlkehle.

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind im spätbarocken Stil gearbeitet. Sie haben einen viersäuligen Aufbau, die ein verkröpftes Gebälk mit Vasenaufsätzen und Altaraufsatz tragen.

Linker Seitenaltar

Im Auszug eine schmerzhafte Muttergottes
(1975 nach altem Vorbild gemalt).

Über dem Bild schließt ein farbenfroher Segmentgiebel den Altar nach oben ab.

Mater dolorosa
 
Die Madonnenfigur im Mittelpunkt des linken Seitenaltars stammt aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Madonna
Maria steht auf einer Mondsichel, hält ein Zepter in der rechten Hand und das Jesuskind auf dem linken Arm. Jesus trägt die Weltkugel und hebt segnend seine rechte Hand.

 

Rechter Seitenaltar

Im Auszugsbild ist Gottvater mit dreieckigem Heiligenschein und Zepter darstellt; das Bild wurde nach dem Brand 1975 neu gemalt.

Gottvater 'mit Zepter
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Der rechte Seitenaltar, der dem der hl. Andreas geweiht ist, wurde am 1.4.1975 durch einen Schwelbrand in der Kirche völlig zerstört.
Iinzwischen ist er nach dem Vorbild des linken Altars wieder rekonstruiert. Auf ihm steht eine Figur des hl. Andreas mit dem nach ihm benannten x-förmigen Kreuz (die verbrannte Figur stammte aus der Zeit um 1700/1710).

St.Andreas
Hinweis: Der Apostel Andreas war der Bruder von Simon Petrus. Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief. Nach Jesu Himmelfahrt lehrte er in Griechenland und wirkte zahlreiche Wunder. Als er die Frau des röm. Statthalters Ägeas zum Christentum bekehrte und ihr eheliche Enthaltsamkeit anriet, ließ ihn Ägeas an ein X-förmiges Kreuz binden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb. In den ersten 1000 Jahren des Christentums war St.Andreas mit einem
  Stabkreuz abgebildet. Das X-förmige Kreuz ist erst seit dem 15.Jh sein Attribut. Gedenktag:30.November

 

Kanzel

An der rechten Wand ist seit einiger Zeit wieder die Kanzel angebracht. Sie besteht nur (noch) aus dem Kanzelkorb ohne Schalldeckel. Der Korb ist durch Säulchen in fünf Nischen getrennt. Darin sind Ölgemälde von Jesus und den vier Evangelisten mit ihren Attributen zu sehen. Matthäus mit einem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.


Kanzelkorb
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Wandkruzifix und Mater Dolorosa

An der Nordwand ist ein altes Holzkruzifix (1600) mit einer darunter stehenden Mater dolorosa angebracht. Über dem Kreuz sind 3 große Nägel zu sehen, die als Halterungen für einen früher vorhandenen Vorhang oder Baldachin dienten.


Kanzelkreuz

Die Muttergottesfigur auf dem Sockel stammt aus dem 19.Jh und ist mit "G. Recht" signiert.
Maria steht händeringend, den schmerzvollen Blick nach oben gerichtet, unter dem Kreuz. Das sonst übliche Schwert in der Brust, das auf das Simeonwort bei der Darstellung Jesu im Tempel hinweist ("Dir aber wird ein Schwert durch die Brust dringen) fehlt.

Mater
dolorosa



Kreuzweg-Stationsbilder

Die 14 Kreuzwegstationen im Rokokostil sind an den Wänden des Kirchenschiffs, insbesondere unter der Empore, aufgehängt. Die 56 x 40,2 cm großen Bilder sind mit Ölfarbe auf Holzuntergrund gemalt.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen


Kreuzwegbilder

Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehal-ten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschau-licher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in
Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilato zum Tod des Creuzes verurtheilt
2. Station
Jesus Empfangt das Creuz auf seine Heilige Schuldern
3. Station
Jesus fallet
das erste mal under dem schweren Creuz
4. Station
Jesus begegnet
seiner betriebten
Mutter
5. Station
Simon Cyreneus hilft Jesu das Creuz tragen
6. Station
Veronica reicht
Jesus das
schweiß duch dar
7. Station
Jesus fallet
das zweyte mal
under dem Creuz
8. Station
Jesus begegnet
den weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fallet
das tritte mal unter
dem schweren Creuz
10. Station
Jesus wird endblöst un seiner Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird schmerzlich an das Creuz genagelt.
12. Station
Jesus
wird erhöht und stirbt am Heiligen Creuz
13. Station
Jesus wird vom Creuz
abgenommen und in die schoß Maria gelegt
14. Station
Jesus wird
in das Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

            

                     Apostelleuchter /Apostelkreuze

An der Emporenbrüstung und an den hinteren Wänden des Kirchenschiffs sind auch die Apostelleuchter mit den dekorativen Apostelkreuzen als Hintergrund angebracht, die früher an den Festtagen angezündet wurden. Die kunstvoll gearbeiteten Leuchter sind vergoldet. Die Apostelkreuze sind an die Wand gemalt. Die Kreuze mit dreipassförmigen Balkenenden sind von einem Blätterkranz umgeben (wohl 19.Jh).


Apostelleuchter
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


K
irchenbänke

Das Laiengestühl besteht aus neun bzw. sechs Reihen beiderseits des Mittelganges. Die Bänke sind mit Rokokowangen verziert; diese dürften noch aus der Zeit der Barockisierung stammen.
Auf der Empore stehen fünf Stuhlreihen.


Kirchenbankwange
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Vortragekreuz

An der hinteren Kirchenbank ist ein Vortragekreuz befestigt, das wohl vor allem bei Beerdigungen verwendet wird. Darauf deutet der geschnitzte Totenschädel zwischen der Stange und dem Kreuz hin.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.

Vortragekreuz


Fenster

In den vier Fenstern des Kirchenschiffes befinden sich acht Glasgemälde aus dem Jahr 1936. Sie wurden von Gläubigen der Filiale gestiftet und vom Dachauer Glasmaler Syrius Eberle ausgeführt.
Die Gemälde stellen folgende Heilige bzw. folgende Szenen dar:


St.Leonhard

- den hl. Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.


St.Notburga
- die hl. Notburga, die einen Krug in der Hand hält und die Sichel in die Luft wirft (gest.v. Josef Hicker und
  Sebastian Ruber).
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.

St.Theresia
- die hl. Theresia vom Kinde Jesu, als blumenbekränzte Nonne mit einem Kreuz in der Hand; Engel tragen
   ihren Umhang (gestiftet von Katharina Heigl).
Hinweis: Therese von Lisieux lebte von 1873 bis 1897 als Nonne in Frankreich. Nach Eingebungen und Visionen folgte sie dem - wie sie sagte - "kleinen Weg" einer innigen und zugleich kindlichen Hingabe an Gott: Gott in Jesus über alles lieben und in der Liebe zu Menschen Gott erfahren: das war der Kern ihrer Frömmigkeit.

Bruder Konrad
- den Bruder Konrad, der Kinder segnet (gestiftet von Familie Loder).
Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.


Geburt Jesu

- die Geburt Jesu  (gestiftet von Sophie Brandstetter).
  Text unter dem Bild: "So sehr hat Gott die Welt geliebt" (Joh.3,16)

Syrius Eberle hat Bilder von der Geburt Christi in fast identischer Form auch für die Kirchen von Arnbach, Odelzhausen, Taxa und Westerndorf zu gemalt.


Jesus als Kinderfreund
- Jesus als Kinderfreund (gestiftet von Rosina Groß)
   Text unter dem Bild: "Lasset die Kinder zu mir kommen" (Mtth 19,14).
 
Kriegergedächtnisbilder
- zwei Kriegergedächtnisbilder (gestiftet von der Gemeinde)
Das linke Bild zeigt Christus, der einem Sterbenden beisteht und mit der Hand in den Himmel weist.
Das rechte Bild zeigt die Heimkehr eines Soldaten, der vor dem Dorf am Wegkreuz von seiner Familie, seiner Frau und seinem Kind, begrüßt wird.


Opferstock

An der Emporentreppe ist ein alter Opferstock angebracht. Auf dem geschnitztem Sockel ist die Jahreszahl 1693 eingraviert. Der insgesamt 72 cm hohe Stock ist mit drei Schlössern gesichert.
Angesichts der Schönheit des Stocks und seines Sockels ist die Bemerkung im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 "Opferstock von 1693. Ganz unbedeutend." nicht verständlich.
12)

Opferstock 1693


In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Orgel

Auf der Empore, deren Brüstung mit einfachen Kassettenrahmungen verziert ist, steht eine kleine Orgel.
Das Orgelwerk wurde ein Jahr nach dem Brand von 1975 vom Bernrieder Orgelbauer Günter Ismayr (ein Manual, sechs Register, mechanische Schleiflade) aufgestellt; das alte spätklassizis-tische Orgelgehäuse aus der 1.Hälfte des 19.Jh. wurde damals restauriert und neu gefasst.

Orgelprospekt

Das Gehäuse besitzt einen fünfteiligen, flachfeld-rigen Prospekt, der mit geschnitztem Schleierdekor versehen ist.
Die kleine Vorgängerorgel (mit einem Manual und vier Registern) war von Willibald Siemann, Mch, im Jahr 1911 eingebaut worden.

Wenn Sie sich auch für andere Orgeln in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier...


Im Zuge der Wandrestaurierung kamen mittelalterliche Fresken zum Vorschein, die aber wieder übertüncht wurden.

Frühere Figuren

Nach dem Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 gab es früher zwei weitere Heiligenfiguren:
      "In der Sakristei zwei bemalte Holzfiguren aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, ein hl. Bischof mit einem Hafen in der Hand
     
(wohl St. Rupert) H. 84 cm, und St. Bartholomäus mit aufgeschlagenem Buch in der Linken und Messer in der Rechten
      (der rechte Fuss fehlt). H. 76 cm, die Köpfe sind gut durchgebildet, der Faltenwurf erinnert an die Blutenburger Figuren."
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Schrazllöcher
Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Palsweis Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Amperbote vom 2.Juni 1877 (Hochzeit)
04) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971 (rosa)
05) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
06) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
07) Alois Angerpointner, Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984
08) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
09) Maria Thanbichler in der Schriftenreihe, "Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen"
10) Gerhard Hanke / Wilhelm Liebhart, Der Landkreis Dachau, S. 126, 1992 (Erding)
11) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
12) Bezold/Riel, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 1895
13) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
  


48 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

16.4.2018

 

Einbruch auf der Fahrt zur Kirche

Der Amperbote meldete in seiner Ausgabe vom Samstag, 2.Juni 1877:

"Am vergangenen Montag feierte der Müller von Palsweis seine Hochzeit; als das Hochzeitsgespann mit der Braut, der Brautjungfer, dem Hochzeitslader und dem Kutscher über die Brücke bei der Mühle fahren wollte, brach dieselbe und sämmtliche Insassen mit sammt den Pferden und der Chaise stürzten in die Maisach; glücklicherweise war rasche Hilfe am Platze und kam die ganze Gesellschaft, ein paar Quetschungen ausgenommen, mit dem nassen Schrecken davon."