zur Landkreiskarte                 ausführl.Beschreibung             Kirchen in der Gem.Haimhausen

Filialkirche St. Jakobus und St. Stephan in OTTERSHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür mehr über St.Jakobus d.Älteren.....

Adresse: 85778 Haimhausen, Dachauer Straße 89
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die zur Pfarrei Haimhausen gehörende Filialkirche in Ottershausen steht in der Mitte des sich direkt an der Amper entlangziehenden Straßendorfs. Sie ist den Heiligen Jakobus d. Ä. und Stephanus geweiht.

Die Kirche wurde schriftlich erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel (als Atershausen) erwähnt. Damals war sie wohl nur eine Kapelle, die den heutigen Chorraum umfasst. Später erhielt die Kapelle ein spätgotisches Sternengewölbe auf Kragsteinen. Vielleicht weist die Jahreszahl 1488 inmitten von Steinmetzzeichen links vom Hauptaltar auf das Baujahr hin. Um die Mitte des 18.Jh. baute man an die ursprüngliche Kapelle das Langhaus an, das noch heute besteht.

Der kurze Turm mit dem Spitzhelm sitzt auf der Ostmauer auf; seine Westseite wird durch starke Querbalken gestützt. Im ihm hängen zwei Glocken, darunter eine der ältesten im Landkreis Dachau. Sie stammt aus dem Jahr 1419, ist 40 kg schwer und hat einen Durchmesser von 50 cm.
Kurz nach 1740 wurden die Sakristei und die Vorhalle angebaut.

Viele Dachformen finden an der Kirche Verwendung: Das Kirchenschiff hat ein Satteldach, der Turm ein Pyramidendach, die Sakristei ein Pultdach und das Vorhaus ein Walmdach


Halbfigur an der Gewölbekonsole

Die letzte Renovierung innen und außen fand in den Jahren 1978/79 statt.

Innenausstattung

Der tiefe gotische Chorraum ist von einem gut erhaltenen Sterngewölbe mit Gewölberippen überdeckt, die an der Seitenwand auf Kragsteinen aufsitzen. Dort sind schöne Wappen und Halbfiguren angebracht. Die Rippen treffen sich im Gewölbescheitel in drei Schlusssteinen. Sie sind mit einer Hand, einer Taube und dem Christuszeichen bemalt.

Der Choraltar im Rokokostil besitzt zwei Säulen und vier schräg gestellte Pilaster. Das Altarblatt zeigt die Heiligen Stephanus (rechts mit Buch und Steinen)und Jakobus d.Älteren (mit Pilgerstab und Muschelpailletten auf dem Mantel) zu den Füßen der Muttergottes.

Die Seitenaltäre sind den Heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht, die auf den Altarblättern abgebildet sind.
In den Altarauszügen Joh.Nepomuk (mit 5 Sternen) und St.Josef (mit Kind und Lilie).

Die Kreuzwegbilder stammen aus dem Jahr 1782.

St.PetrusMarienfigurSt.JosefSt.PaulusJesuskindlKreuzweg
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Details (Hochaltarbild, Figuren, Apostelleuchter, Kreuzweg, u. Auszugsbild ) per Mouseklickzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  des Altaraufsatzes  bitte klickenKirchenbänke anschauen ? bitte klickenAltarbild - zur Vergrößerung bitte klicken


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:

Matrikel 1315

Umbau 1488 Matrikel 1524 Visitation 1560 Umbau 1740
Matrikel 1740 Beschreibung 1874 Beschreibung 1900
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Kirchenschiff
Kreuzweg Kruzifix Seitenaltäre Turm

Der Ort wird erstmals im Jahre 794 als Oathareshusir genannt. Damals schenkte ein Mann namens Crimperht seinen Besitz zu Oathareshusir dem Bischof von Freising. Die Urkunde datiert vom 8.Mai 794. Später ändert sich der Name um in Othereshusir und Otershusen. Der Name bedeutet: Häuser des Authari.
Ottershausen muss damals bedeutend gewesen sein, weil dort Urkunden ausgestellt worden sind (Gerichtstag ?). So z. B. am 19.April 820 zwei Schenkungsurkunden, mit denen ein Priester Heripald sein Eigentum in Hörenzhausen dem Freisinger Bischof schenkte und ein Priester namens Adalunc eine frühere Schenkung erneuerte.

Geschichte der Kirche


Konradinische Matrikel von 1315

Die Kirche wurde schriftlich erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel (als Atershausen) erwähnt. Damals soll sie allerdings nur eine Kapelle gewesen sein, die den heutigen Chorraum umfasste.


Umbau 1488
Später erhielt der Altarraum ein spätgotisches Sternengewölbe auf Kragsteinen. Vielleicht weist die Jahreszahl 1488, die sich -inmitten von Steinmetzzeichen- unter der Decke, links vom Hauptaltar, befindet, auf das Baujahr hin. Die Ziffer "4" wird als halbe "8" dargestellt. Die Jahreszahl wurde erst bei der Renovierung im Jahr 1958 freigelegt.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, dass Ottershausen eine Filiale von Haimhausen war. Sie nennt erstmals das Patronat der Kirche: s.Stephani in Ottershausen". Vom zweiten Patron St.Jakobus war noch nicht die Rede.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.

Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Im Bericht über die Pfarrei Haimhausen ist auch die Filialkirche "St.Steffanus in Ottertzhausen" kurz erwähnt. Das "Gottshauß ist paufellig" , heißt es, "hat sonst kain Mängl". Das Einkommen betrage 2 1/2 Gulden; doch das Geld gehe für die Beleuchtung auf. Die Kirchen-rechnung kontrolliere der Castner zu München ohne Bezahlung. Das Sakraments-häuschen sei "zimblich beschlossen". Das Allerheiligste und die Öle würden rein aufbewahrt. Das Taufwasser befinde sich in einem Fläschchen ("in aim fleschl"). An Gerätschaften seien vorhanden: 2 vergoldete Kelche mit Corporale, 2 schlechte Messbücher, fünf schlechte Messgewänder, 1 Liturgiebuch. Der Mesner sei fleißig. Die Pfarrersköchin hatte 5 Kinder. Ob



Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
(Otershausn)
aber der Pfarrer der Vater war, bleibt ungewiss. Mit den Worten "Soll all Wochen Meß gelesen werden, geschicht nit", endet der Bericht.
Wenn Sie ganzen Bericht über die Visitation der Pfarrei Haimhausen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Umbau 1740

Das Kirchenschiff wurde um die Mitte des 18.Jh an die ursprüngliche Kapelle angebaut. Für das genaue Datum stehen zwei Jahreszahlen bereit: 1757 und 1740. Am Chorbogen ist die Jahreszahl 1757 aufgemalt. Dagegen berichtet die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40, dass die Kirche damals schon drei Altäre hatte, von denen zwei noch nicht geweiht waren. Bei drei Altären im heutigen Chorraum wäre der Platz für die Gläubigen aber sehr eingeschränkt gewesen. Zudem sind ungeweihte Altäre ein Hinweis darauf, dass sie in nicht allzu langer Zeit vorher errichtet wurden. Dies alles spricht für einen Anbau des Kirchenschiffs kurz vor 1740. Vielleicht wurde der Neubau vor 1740 erstellt und 1757 geweiht.


Schmidt'sche Matrikel 1738/40

Die erwähnte Schmidt'sche Matrikel wurde von Kanonikus Schmidt aus Freising in den Jahren 1738 bis 1740 erstellt. Sie enthält eine Kurzbeschreibung aller Pfarreien und aller Kirchen in der Diözese Freising. Die Filialkirche "s.Jakobi in Ottershausen" wurde als schöner Bau bezeichnet, nur der Turm sei ruinös. Die drei Altäre hatten den Apostel Jakobus d.Älteren, St.Petrus und St.Paulus als Patron. Gottesdienste fanden am Kirchweihfest (Sonntag nach Mariä Geburt - 8.Sept.) und am Patrozinium, dem Fest des hl.Jakobus statt. Außerdem hielt der Haimhausener Cooperator (= Kaplan) jede zweite Woche eine Messe, alternierend mit Inhausen. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Eine Sakristei war noch nicht vorhanden; die Messgewänder wurden hinter dem Hochaltar aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Schlossherr von Haimhausen. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit 2000 fl. (=Gulden) erreichen". Das war für so eine kleine Kirche viel Geld.


Beschreibung 1874

Die Kirche in Ottershausen ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es: "Ottershausen, an der Straße nach Dachau gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Presbytherium gothisch, Anbau ohne Stil.  Geräumigkeit hinreichend.  Baupflicht: An Kirche u. Cm. (=Friedhof) die Kirche.
Spitz-Thurm mit 2 Glocken.  Cons.dub.   Patron: Hl.Jakobus Ap. u. Stephanus M.  3 altar. p.   Cm. ohne Capelle.
Gottesdienste: Am Patrocinium u. wochentl. eine hl.Messe. Stiftungen: 3 Requiem mit Vigil u.Libera, zwei davon mit je 1 Beimesse. 2 Requiem mit Libera. Zwei Jahrmessen.
Meßner: Ein Gütler. Cantor: Der Lehrer. Kirchen-Vermögen: Rent. 11600 fl. nicht rent. 2706 fl."
Im Jahr 1874 wohnten in Inhausen206 Seelen (Gläubige) in 33 Häusern.


Beschreibung 1900

In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung verfasst. Im Abschnitt Filialkirchen ist auch Großnöbach aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...


Interessant ist das Patronat. Während die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, der Patron von Ottershausen sei St.Stephanus, wird dieser Heilige in der Schmidt'schen Matrikel überhaupt nicht erwähnt. 1740 war die Kirche St.Jakobus geweiht. Inzwischen werden beide Heilige als Kirchenpatrone geführt.

Die letzte Renovierung innen und außen fand in den Jahren 1978/79 statt.

Baubeschreibung

Die Filialkirche St. Jakobus und St.Stephan der Pfarrei Haimhausen in Ottershausen steht in der Mitte des sich direkt an der Amper entlangziehenden Straßendorfs auf einer kleinen Anhöhe. Sie ist von einem Friedhof umgeben.
Der zweiachsige Chor
schließt in drei Seiten eines Achtecks.
Das ebenfalls
zweiachsige Langhaus, das Mitte des 18.Jh erbaute Kirchenschiff, wird durch Fenster mit Antikglas erhellt.

Der kurze Turm mit dem schiefergedeckten Spitzhelm sitzt auf der Ostmauer auf; seine Westseite wird durch starke Querbalken gestützt (Dachreiter). Im Turm hängt eine der ältesten Glocken im Landkreis Dachau. Sie stammt aus dem Jahr 1419, ist 40 kg schwer und hat einen Durchmesser von 50 cm. Die Glockenaufschriften lauten: "Ave Maria gratia plena DMS tecum" (Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden, der Herr ist mit dir)" und .. "gos mich 1419"... sowie das Glockengießerzeichen, das aber nicht gedeutet werden kann. Die zweite Glocke wurde 1957 von Carl Czudnochowsky in Erding gegossen. Sie trägt die Aufschrift: "Glockengießerei Erding 1957". (Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....)

1734 sollen die Sakristei und die Vorhalle angebaut worden sein. Allerdings enthält die Schmidt'sche Matrikel von 1740 die Aussage: "Sacristia not adest" = eine Sakristei ist nicht vorhanden.

Viele Dachformen finden an der Kirche Verwendung: Das Kirchenschiff hat ein Satteldach, der Turm ein Pyramidendach, die Sakristei ein Pultdach und das Vorhaus ein Walmdach.
Leider ist die denkmalgeschützte Friedhofsmauer äußerst baufällig. Putz und Mauerwerk weise starke Beschädigungen und Löcher auf. Eine Reparatur wird auf 400.000 Euro geschätzt. Die Arbeiten sollen noch 2010 beginnen.


Innenausstattung

Altarraum
Der tiefe gotische Chorraum ist nicht eingezogen und schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er wird von einem gut erhaltenen Sterngewölbe mit Gewölberippen überdeckt, die an der Seitenwand auf Kragsteinen aufsitzen. Dort sind schöne Wappen und Halbfiguren angebracht. Die Rippen treffen sich im Gewölbescheitel in drei Schlusssteinen. Diese sind mit einer Hand, einer Taube und dem Christuszeichen bemalt.
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).

Ein gotisches Wandgemälde mit der Darstellung des Todes Mariens wurde 1903 vom Münchner Kunstmaler Josef Seiler erneuert.


Hochaltar / Choraltar

1693 hatte Graf Franz Ferdinand von Haimhausen als Herr des Ortes zwar einen neuen Hochaltar gestiftet; doch eine Generation später, Mitte des 18.Jh, hatte man an den schweren Barockformen kein rechtes Gefallen mehr. Der frühere Kooperator Benno Kern von Haimhausen hatte in seinem Testament die Kirche in Ottershausen bedacht und davon wurde ein neuer Hochaltar gekauft. (Dr.Gleißner spricht vom Jahr 1730). Dieser Altar steht heute noch in der Kirche.
Der Rokoko-Altaraufbau (Retabel) besitzt zwei Säulen und vier schräg gestellte Pilaster. Das Altarbild, ein Ölgemälde, zeigt die beiden Kirchenpatrone, die Heiligen Stephanus (mit der Bibel und Steinen, die auf seine Todesart hindeuten) und Jakobus d.Älteren (mit Pilgerstab und Muschelpailletten auf dem Mantel) zu den Füßen der Muttergottes. Auf dem linken Knie Mariens sitzt das Jesuskind, das sich lebhaft den beiden Kirchenpatronen zuwendet.
  Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Stephanus
war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten.
Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden  in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat.  Die in  Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete.  Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb.  Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem. 

Unter dem Altarbild steht auf dem Altar in einem tabernakelähnlichen Holzschrein mit Glastüre die Holzfigur des Heilandes an der Geißelsäule. Die Figur stammt aus der 2.Hälfte des 18.Jh.
Hinweise: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Ottershausen.
In der Osterzeit steht auf dem Holzschrein die Figur eines Auferstehungsheilandes mit der Siegesfahne im Arm aus der 2.Hälfte des 18.Jh.
Im Altaraufsatz  ist inmitten von Vasenaufsätzen und Rocalleornamenten in einem ovalen Leinwand-Bild der hl. Leonhard (ebenfalls aus dem 18.Jh) mit Abtsstab, Viehketten und einem Pferd dargestellt.
Hinweise: Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.



Seitenaltäre

Auch die Seitenaltäre gehören wie der Hochaltar der frühen Rokokozeit um 1740 an. Sie haben Retabel mit zwei Pilastern und volutengeschmückten Aufsätze. Patrone der Seitenaltaltäre sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus.
Die -leider wenig kontrastreichen- Hauptbilder (Ölbilder auf Holz) der beiden Seitenaltäre sind durch den Münchner Kunstmaler Josef Seiler 1903 neu gemalt worden. Damals wurde die ganze Kirche durch den Dekorationsmaler Karl Bartelme von Nymphenburg durchgreifend restauriert. Kurz vor der Restaurierung hatte der Haimhauser Kaplan Hugo Straßer in seiner Pfarrbeschreibung von 1901 geschrieben:
"Die Kirche schreit geradezu nach Renovierung. Der Reichtum der Stiftungsgelder ließe auch eine Verwendung auf diesen Zweck zu, alle Bestrebungen aber zerschlugen sich". Die Seitenaltäre schätzte er gar nicht und behauptete: " Die Seitenaltäre, in ihrem jetzigen Zustand mehr einer morschen, dem gänzlichen Verfall anheimgegebener Bretterwand ähnlich, dürften, je eher desto besser, ganz verschwinden und der hieraus ganz neue Platz frei werden. Es wird keinem Architekten, keinem Presbyter gelingen, einerseits einen den kirchlichen Anforderungen entsprechenden Altar hieher zu setzen, andererseits auf einem derartigen Altare en miniature zu celebrieren."

Linker Seitenaltar
Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist das schon erwähnte Bild des hl. Petrus. Auf der Mensa steht derzeit eine Marienfigur vom Typ der Immaculata, die von einem Bildhauer aus Jettingen-Scheppach geschnitzt worden sein soll. Maria ist in die traditionellen Farben Rot (Gewand), Blau und Gold (Mantel) gekleidet. Ihr Haupt ist von einem Strahlenkranz als Zeichen der Sonne umgeben. Ihr Fuß steht auf dem Kopf einer Schlange, die einen Apfel im Maul hält.
  Hinweise: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt.
Das Auszugsbild aus der Entstehungszeit des Altars zeigt einen Geistlichen, der zum Gekreuzigten betet. Es handelt sich wohl um den hl. Johannes Nepomuk, der häufig mit einem Kreuz abgebildet wird. Das Haupt des Heiligen wird von fünf Sternen umgeben. Nepomuk war bei der Erstellung des Altars um 1740 ein sehr aktueller Heiliger, weil er elf Jahre vorher, im Jahre 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen wurde.
  Hinweise: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen.

Rechter Seitenaltar
Am rechten Seitenaltar ist im Altarblatt der hl.Paulus dargestellt. Er stützt sich auf das Schwert als Zeichen für die Art seines Martyriums. Das Buch unter dem Arm weist ihn als Verkünder des Evangeliums aus.
Darüber im Altarauszug ein Bild des hl. Josef. Er hält in der Hand eine Lilie als Zeichen der sexuellen Enthaltsamkeit. Im Hintergrund sind ein Zimmermannswinkel und Einrichtungs-gegenstände als Hinweis auf den Beruf des St.Josef abgebildet.
Die Jesuskind-Figur aus dem 19.Jh auf dem Altartisch, kam nach Angaben der Mesnerin vor einiger Zeit im Austausch gegen ein Fatschenkindl aus der Pfarrkirche in Haimhausen hierher.
 


Emporenkreuz und Kreuzweg per MouseklickKreuzweg

Langhaus / Kirchenschiff

Das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke mit einfachem Stuckrahmen über der rosa gefärbten Hohlkehle.

Am Chorbogen sind die Jahreszahl 1757 sowie das Jesusmonogramm IHS aus Stuck zu sehen.

Apostelleuchter
An den Seitenwänden des Chores und des vorderen Teils des Langhauses befinden sich einige Apostelkreuze.
Hinweise: Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 

Kreuzwegbilder
Die Kreuzwegbilder, die an den Wänden des Kirchenschiffs oberhalb der  Apostelleuchter angebracht sind, stammen aus dem Jahr 1782.

Kruzifix

An der Emporenbrüstung ein schönes Kruzifix aus dem 19.Jh.
Der Corpus besitzt eine Inkarnatfassung. Die blauen Adern sind deutlich zu erkennen. Viel Blut tropft aus den Wunden. Das Lendentuch, das Perizoma, ist nicht wie in der Barockzeit vergoldet, sondern blau-weiß gefasst.

Die Kirchenstühle (südl.6 Reihen, nördlich 5 Reihen) stammen aus dem 19.Jh.
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler.

Die Kirche besitzt keine Orgel und keine Kanzel.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.170, 434)
Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938

Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr.Alfred Gleißner, Die Kirchen der Gemeinde Haimhausen, Amperland 1974 (1730)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991
Hans Schnell und Karl Wilhelm, Die Glocken der Pfarrei Haimhausen, 2002
Hans Schnell, Haimhausen, 2004
Dachauer Nachrichten vom 11.6.2010 (Friedhofsmauer)
20 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

23.8.2010