zur
Landkreiskarte ausführl.Beschreibung
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in JARZT
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Jarzt liegt zwischen Fahrenzhausen und Allershausen im Landkreis Freising. Die Pfarrkirche von Westerndorf und Oberndorf gehörte bis zum Jahr 1924 zum Dekanat Dachau. Eine Kirche in Jarzt wird erstmals in der Konradinischen Matrikel aus dem Jahr 1315 (mit vier Filialkirchen) erwähnt.
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Der quadratische Turm steht auf der Nordseite;
mit seinen vierfach abgestuften Stützpfeilern sieht er recht urtümlich
aus.
Im Jahr 1929 wurde das Kirchenschiff
um knapp 10 Meter auf insgesamt über 34 Meter verlängert.
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Der tiefe Altarraum ist sehr stark eingezogen und von einem Tonnengewölbe überdeckt. Das Gewölbe stützt sich auf Pilaster mit korinthischen Kapitellen, die ein breites umlaufendes Gesims bilden. Dieses Gesims umfasst in einfacherer Form auch das gesamte Kirchenschiff. Das Deckenbild im Chor zeigt den Besuch von Maria bei ihrer Cousine Elisabeth (Mariä Heimsuchung). Das Hauptgemälde im Kirchenschiff stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. In kleineren Gemälde sind die Filial-kirchen der Pfarrei Jarzt und deren Patrone zu sehen. Die Deckenbilder wurden erst 1947 von Heinrich Bickel gemalt. Der prächtige,
barocke Hochaltar aus dem Jahr 1723 füllt den Altarraum in
voller Breite aus. Das Altarblatt zeigt den Abschied Jesu von seiner Mutter
vor seinem Gang nach Jerusalem. Es wurde vom italienischen Maler Antonio
Zanchi geschaffen. Die Seitenaltäre
sind der Muttergottes (links) und dem Geißelheiland (rechts) geweiht,
deren Figuren in den Mittelnischen stehen. Assistenzfiguren sind: |
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Auch an den Wänden
des Altarraums und des Kirchenschiffs stehen außergewöhnlich viele
weitere Heiligenfiguren.
- Erzengel Michael mit weit ausgebreiteten Flügeln, der eine Lanze in
das Maul eines geflügelten Drachens stößt (1730),
- Erzengel Raphael ist in ein Pilgergewand gekleidet und hält unter seinem
linken Arm einen großen Fisch (1730),
- St.Agatha mit einem Tablett, auf dem ihre beiden abgeschnittenen Brüste
liegen (1730),
- St.Florian, mit Federbusch auf dem Helm, schüttet aus einem Holzschaff
Wasser auf ein lichterloh brennendes Haus (1700)
- Täufergruppe mit Jesus, der von Joh.d.Täufer getauft wird
(1730),
- St.Sebastian ist, von Pfeilen durchbohrt, an einen Marterbaum gefesselt,
- St. Anna, ,im traditionellen grüne Gewand mit dem Kopftuch der älteren,
verheirateten Frau (18.Jh)
- St.Joachim mit Schäferschaufel (18.Jh),
- Guter Hirte mit Lamm um die Schultern (18.Jh)
- St.Franz Xaver mit einem Stab in der Hand (18.Jh),
- St.Antonius v.Padua mit Jesuskind auf dem Arm (18.Jh),
- Maria Immaculata, die auf einer Weltkugel steht, um die sich die Schlange
mit dem Apfel im Maul gewunden hat (1730),
- Christusfigur auf einem Wolkensockel (1929),
- Pietà (Vesperbild) über der Tafel mit den Namen der Gefallenen
und Vermissten in beiden Weltkriegen (18.Jh),
- Bruder Konrad, der einem bettelndem Kind ein Brot reicht (20.Jh).
12 Epitaphe erinnern an Adelige des Ortes und an Geistliche der Pfarrei.
Ab 1.November 1990
bildete die Pfarrei Jarzt mit der Pfarrei Giebing und der Kuratie Weng den Pfarrverband
Jarzt-Fahrenzhausen.
Seit 1.September 2011 wurde der Pfarrverband um die Pfarrei Haimhausen erweitert.
Der Name des neuen Pfarrverbands steht noch nicht fest.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Das
Dorf Jarzt, nördlich von Fahrenzhausen gelegen, wurde um das Jahr
1000 erstmals im Zusammenhang mit dem Ortsadel der "Edlen von Jorze"
erwähnt. Steinzeitliche Funde und Relikte aus der Römerzeit weisen
aber auf eine schon frühe Besiedelung der Gegend hin. Jarzt
dürfte eine der Missionskirchen gewesen sein, von denen sich der christliche
Glaube in der Gegend zwischen Amper und Glonn ausgebreitet hat.
Jarzt gehörte von 1499 bis 1803 zur Hofmark Massenhausen, die vom Freisinger
Hochstift als Hofmarksherrn verwaltet wurde.
Geschichte
Konradinische
Matrikel 1315
Die Pfarrkirche Jarzt wird -wie so viele Kirchen in der Erzdiözese
Freising- erstmals in der Konradinischen
Matrikel aus dem Jahr 1315 mit vier Filialkirchen erwähnt:
"Jortz soluit VII Pfund (zahlt 7 Pfund Silberpfennig) habet IIII
filias: Warnoltzhausen, Westerndorf, Perchach et Lauterbach cum sepulturis".
Damals gehörte Jarzt zum Dekanat Bergkirchen bei Dachau. Das bedeutet zunächst
zwar nur, dass der Bergkirchener Pfarrer Dekan war, aber es zeigt auch die schon
frühe Beziehung von Jarzt zum Dachauer Land auf. Denn zu diesem Dekanat
gehörten auch die Pfarreien Hohenkammer, Kollbach, Vierkirchen, Röhrmoos,
Ampermoching, Dachau, Pellheim, Mitterndorf, Kreuzholzhausen, Rumeltshausen
und Hebertshausen (nicht aber Haimhausen). Bis 1924 war die Pfarrei Jarzt
Teil des Dekanats Dachau. Dann wurde es dem neu gebildeten Dekanat Weihenstephan,
das den westlichen Teil des Landkreises Freising umfasst, zugeordnet.
1461 wird die Kirche in Jarzt erstmals
als Marienkirche beschrieben.
Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
Auch in der Sunderndorfer'schen
Matrikel von 1524, die erstmals alle Kirchenpatrone
der Diözese Freising aufführt, ist von einer Kirche in Gartz zu
Ehren der "Jungfrau Maria" die Rede. Der Anlaut "J" wurde
im Mittelhochdeutschen häuft mit "G" wiedergegeben. Die Pfarrei
war offziell dem Johannes Mentzinger übertragen; der wohnte aber in einem
anderen Ort und hatte die Seelsorge dem von ihm bezahlten Hilfspriester (Vikar)
Sebastian Westermair überlassen. Westermair wurde durch einen Cooperator
unterstützt, den er auch mitverpflegte ("cui dat tabulam") und
dem er 24 Gulden Jahresgehalt zahlte. Die Pfarrei hatte 315 Communikantes, d.h.
Gläubige mit Erstkommunion. Das erscheint wenig, aber auch Dachau hatte
damals nur 450 Communicantes (Petershausen 270; Vierkirchen 800; Haimhausen
270; Kollbach 200 und Hohenkammer 450). Dass für so wenige Gläubige
zwei Priester zur Verfügung standen, hat sicher damit zu tun, dass der
Pfarrer den Bauernhof zu bearbeiten hatte.
Das Pfarrhaus und die landwirschaftlichen Gebäude waren vor nicht allzu
langer Zeit durch Pfarrer Mentzinger restauriert worden. Die Einkünfte
aus dem großen Zehent betrugen 90 Gulden, aus dem kleinen Zehent 2 Gulden,
die Gesamteinkünfte des Pfarrer rd. 100 Gulden im Jahr.
Visitationsbericht
von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des
bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung
aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche
und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die
durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe,
die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens
geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten
Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere
sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen
Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer
die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen
Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Jarzt heißt es, die
Pfarrei umfasse 380 Communicanten, alle gut katholisch; nur bei der Bezahlung
des kleinen Zehents seien sie "saumselig". Die Einnahmen des Pfarrers
liegen bei 200 Gulden.
Die Kirche habe 3 Altäre, ein wohl verschlossenes und beleuchtetes
Sakramentshäuschen, einen Taufstein und "sonst alle khirchenzier".
Sonst kain mangl, heißt es im Bericht. In der Pfarrkirche wurden wöchentlich
(wohl einmal) und jeden 2.Sonntag Messen gelesen. Der Pfarrer/Vicar in
Jartz hieß Georgius Hirschpeckh. Er war der Sohn des Oberrother Pfarrers
Melchior Hirschpeckh. Der Jarzter Pfarrer hatte zwar eine Köchin, aber
"kain kind". Er und sein Geselbriester (Kaplan) waren nicht
nur gut katholisch geblieben, sondern wurden auch eines ehrbaren Lebenswandels
gerühmt.
Wenn Sie den ganzen Bericht
von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...
Visitation
1584
Eine Generation später, im Jahr 1584, wurde schon wieder eine Visitation
gehalten. Diesmal war der Herzog allein der Initiator. Er ließ insbesondere
die Einhaltung des Zölibats kontrollieren. Leider war der Lebenswandel
der Jarzter Kleriker nicht mehr so ehrbar wie 1560. Wenn
Sie diesen Bericht lesen
möchten, klicken Sie hier...
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In einer Zeichnung des "Veltvermessers
und Mathematicus Volkhmair" aus dem Jahr 1643, mitten im Dreißigjährigen
Krieg (1618-48), der bei uns in Bayern von 1632 bis 1648 gewütet
hat, ist die Pfarrkirche als einfaches Gotteshaus mit gotischem Sattelturm
an der Ostseite der Kirche dargestellt. Dieser Bau wird wohl nach 1315
errichtet worden sein. 1667 war er jedenfalls in sehr schlechtem baulichen
Zustand, wie ein Gutachten des Fahrenzhausener Maurermeisters Melchior
Kainz ausweist. Die alte Kirche hatte nicht einmal Fundamente. Eine Reparatur
lohnte sich offensichtlich nicht mehr; vielleicht wollte man auch ein
größeres Kirchenschiff haben. |
Es scheint damals -50 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg- noch große Not geherrscht zu haben. Denn als das Langhaus 1929 erweitert wurde, hat man festgestellt, dass die Mauern des Baues von 1700 "aus lauter zerbrochenen und zerbröckelten Steinen aufgebaut" waren, wie Georg Völkl in seiner Pfarrbeschreibung anmerkte. Möglicherweise war die Kirche in den letzten Kriegsjahren noch beschädigt worden. Jedenfalls ist alten Verzeichnissen zu entnehmen, dass noch 1666 in Jarzt und den umliegenden Ortschaften viele Höfe verödet lägen; bei vielen Anwesen heiße es "dass weder Haus noch Stadel stehet und sei erstem Feindfall sich ödt befindet". Unter diesen Umständen ist der Kirchenneubau um 1700 auch als finanzieller Kraftakt zu bewerten.
Am 4.September 1708 wurde die Kirche vom 57. Fürstbischof Johann Franz v.Eckher von Kapfing geweiht. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.
Schon seit Oktober 1700 waren wieder Gottesdienste abgehalten worden; der Fußboden wurde aber erst 1720/21 gelegt.
Schmidt'sche
Matrikel 1738/40
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 eine nach ihm benannte
Schmidt'sche
Matrikel (= Verzeichnis)
erstellt. Darin sind auch kurze Beschreibungen der Pfarrei und der Kirche von
Jarzt enthalten. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht
für die Besetzung einer Pfarrerstelle)wechselte damals monatlich zwischen dem bayerischen
Fürstenhof und dem Freisinger Bistum (=Monatspfarrei; dabei konnte der
Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen
Monaten=ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog).
Der Pfarrer hieß Thomas Schuechbaur; er war 1723 eingesetzt worden. Die
Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangenen 200 Jahren trotz der Gräuel
des 30jährigen Krieges mit 586 fast verdoppelt. Der Pfarrhof und die landwirtschaftlichen
Gebäude waren neu und in gutem Zustand. Die Wohnung des Cooperators (Kaplans)
lag früher beim Kornspeicher; jetzt (1740) wohnte auch er im Pfarrhaus.
Die Pfarrei hatte damals fünf Filialen, nämlich "Farenzhausen,
Lautterbach, Westerndorff, Apercha und Pelkha" sowie die neue Kapelle in
"Unterpruckh" (= der Vorgängerbau der heutigen Annakirche).
Die Pfarrkirche beschreibt Schmidt als feinen Bau, der drei Altäre habe.
Der Hochaltar war der heute noch bestehende Marienaltar (Mariä Himmelfahrt).
Ihn ihm war ein Kreuzpartikel "bestattet" (d.h. eingemauert).
Die Seitenaltäre waren der Schmerzhaften Muttergottes sowie den Heiligen
Sebastian und Leonhard geweiht. Gottesdienste fanden hier in Jarzt an zwei Sonntagen,
in Fahrenzhausen am dritten Sonntag statt. Das Kirchweihfest wurde am zweiten
Sonntag nach Mariä Geburt (8.Sept.) gefeiert. Besonders erwähnt werden
das Vorhandensein von Taufstein und Heiligen Ölen. In der Sakristei wurden
Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Friedhof stand ein
Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten
der Pfarrer und der Landpfleger von Massenhausen. Der Bericht schließt
mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen
dises Pfarr-Gottshauses mechte sich gegen 600 fl. (=Gulden) diser Zeit belauffen".
Das war für eine so große Kirche kein besonders hoher Betrag.
Im Jahr 1766 (andere Quelle: 1762)beschädigte ein Unwetter den Turm. Pfarrer Joh.Kaspar Paur schrieb, ein "Donnerstrahl sei in die Pfarrturmkuppel, welche schon alt und schadhaft gewesen sei, gefahren und habe die Helmstangen gänzlich zerschmettert. Bei der Reparatur der Kuppel wurde dann auch der "ziemlich verfaulte" Glockenstuhl mit repariert.
Pfarrhofbrand 1799
Am 17.August 1799 hat eine Feuersbrunst den Pfarrhof in Jarzt in Schutt und
Asche gelegt. Fast alle Archivalien, Stiftungsbücher, Matrikel und sonstige
Schriftstücke verbrannten. Dies verursachte einen großen Schaden
für die Heimatforschung. Der Pfarrer hat aus dem Gedächtnis und wohl
durch Befragung der Bürger einen Teil der letzten Jahre nachgetragen. Bezeichnend
ist aber der erste aktuelle Eintrag ins Sterbebuch, nach dem der Schusterveit
von Jarzt beim Anblick des brennenden Pfarrhofs vom Schlag getroffen starb.
Neue Grenzen 1868
im Jahr 1868 wurde die Ortschaft Pelka mit dem kleinen Georgskircherl von der
Pfarrei Jarzt in die Pfarrei Hohenkammer umgepfarrt. Dafür kam die Bärnau,
in der die "Gräflich von Butlerische Ziegelei" angesiedelt war,
von Giebing zur Pfarrei Jarzt. Dies war die letzte Änderung der Pfarreigrenzen.
Historiker Georg Völkl schreibt dazu: "Ursprünglich kam Bärnau
nach Giebing, da einst der Zieglermeister sich in schlechten Verhältnissen
befand, so daß weder der Pfarrer von Jarzt noch der von Giebing von ihm
etwas wissen wollten".
Umbau 1890
Um 1890 gab es größere Umbaumaßnahmen. 1887 wurde
die Kirche von den Gebr.Kraft aus Freising ausgemalt. Dazu kamen 12 Apostelleuchter.
Auch eine neue Turmuhr wurde für 750 Mark angeschafft, die von Uhrmacher
H.Hemberger aus Erling bei Andechs angefertigt worden war. 1894 renovierte der
Maler und Vergolder H.Franz Welker aus München die drei Altäre der
Pfarrkirche sowie die Bilder der Heiligen, die Leuchter und Tafeln.
Umbau
1929
Im Jahr 1928/29 wurden das Kirchenschiff um 9 1/2 Meter auf insgesamt
über 34 1/2 Meter verlängert und die Doppelempore auf eine einfache
Empore zurückgebaut.
Renovierungen sind aus den Jahren 1894, 1902, 1929 und 1975 bekannt.
Zahl der Katholiken
1991
zählte die Pfarrei 1206 Katholiken.
Zahl der Katholiken der Pfarrei
| 1524 | 315 |
| 1560 | 380 |
| 1738 | 586 |
| 1970 | 1426 |
| 1991 | 1206 |
Aus dem Pfarrleben
Ein 50 Jahre alter Zeitungsbericht erzählt von der Ankunft des neuen Pfarrrers
Anton Mayer im April 1964. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...
Die Kirche Maria Himmelfahrt in Jarzt hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für den christlichen Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet als eine runde kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.
Die Kirche besitzt im Chor 3 Joche und im Langhaus 7 Joche mit 12 barocken Ovalfenstern. Das Dach ist im Westen abgewalmt. Die Eingänge liegen auf der Nord- und der Südseite vor der Verlängerung. Die Sakristei ist an der Südseite des Altarraums angebaut.
| Der quadratische Turm steht auf der Nordseite; mit seinen vierfach abgestuften Stützpfeilern sieht er recht urtümlich aus. Die Turmfassade ist durch Blendbögen in vier Geschosse gegliedert. Unter dem Turmhelm mit aufgesetzter Laterne sind acht rundbogige Schallfenster.Das Kirchturmdach aus Schiefer mit dem aufgesetzten Kreuz stammt aus dem Jahr 1892. | Die drei Glocken
sind jüngeren Datums: Die ersten beiden aus dem Jahr 1948 stammen aus der Glockengießerei Chudnochowsky aus Erding. Eine ist der Muttergottesgottes geweiht. Unter dem Madonnenrelief steht der Text: "Königin des Friedens, bitte für uns". Die andere Glocke wird von ein Relief des hl.Andreas geschmückt. Die dritte Glocke stammt aus der Gießerei Bachmair, dem Vorgänger von Chudnochowsky, und wurde 1867 (mit zwei weiteren Glocken, die später für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden) gegossen. |
| Hinweis: Ein Kruzifix (crux= Kreuz, fixum= angeheftet) ist die Darstellung des am Kreuz hängenden Christus. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus (Körper) des Gekreuzigten angebracht, weil die Kreuzigung als eine schändliche und würdelose Art der Hinrichtung galt (wie vor kurzem bei uns der Galgen). Auch in der jüdischen Tradition war nach dem Alten Testament (Buch Dtn 21,22) jeder Gekreuzigte (ans Holz Gehängte) ein "von Gott Verfluchter". Ab dem 4.Jh wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden oder toten Gekreuzigten, und damit die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen. |
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Epitaph aus
Kalkstein (65 x 59 cm) für Pfarrer
Joh. Mich. Miller gest. 1820 |
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| Epitaph
aus Kalksandstein für den Landwirt Anton
Kistler Text auf dem Stein: " Zum Andenken dem ehrengeachteten Anton Kistler, Hagenbauer in Jarzt, gestorben den 25.Dezember 1856 im 12.Jahre seines Alters, dem fromen Gebete empfelen dem Verstorbenen die 9 hinterlassenen Kinder". |
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| Epitaph
aus Kalksandstein (72 x 59 cm) für Pfarrer
Rup. Weli (?) C.S.B. , der 27 Jahre Pfarrer in Jarzt war -"nat. 18.Aug. 1778 - preb. 30 Maji 1801 - paroch. loci per 27 annos - cap..... -denat: 21.Julji 1848". |
Innenausstattung
Der gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöhte Altarraum ist sehr stark eingezogen. Er schließt halbrund und wird von einem Tonnengewölbe überdeckt. Das Gewölbe stützt sich auf Pilaster mit korinthischen Kapitellen. Darüber verläuft ein umlaufendes, verkröpftes Gesims. Schon diese architektonischen Elemente bilden einen prächtigen Wandschmuck.
| Das Deckengemälde im Altarraum wurde erst 1947 von Heinrich Bickel (1897-1965), einem Freskenmaler aus Grainau, geschaffen (Signatur: invenit ex pinxit Bückel 47). Im oval geschweiften Rahmen zeigt es -noch ganz in der Formensprache des Barock- den Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth (Mariä Heimsuchung). Im Garten vor dem Haus (im barocken Stil) empfängt Elisabeth mit offenen Armen Maria. Im Hintergrund wartet Josef, der Begleiter Marias, einen Wanderhut auf dem Kopf und auf seinen Stock gestützt, die Begrüßungszeremonie ab. Am Horizont sind die Häuser der "Stadt im Gebirge von Juda" zu sehen, von der der Evangelist spricht (Lk. 1,39). Das Gemälde wurde nicht in der Freskotechnik, sondern als "al Secco-Malerei" (auf trockenem Putz) ausgeführt. Er verwendete sog. keimische Minderalfarben, die mit Quark und Käse angerührt werden. | ||
| Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung wurde Elisabeth offenbar, dass Maria die Mutter des Gottessohnes werden würde, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..). |
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Der dekorative barocke Hochaltar nimmt fast die gesamte Breite des Chors ein. Es handelt sich dabei um ein Säulenretabel (Altaraufbau hinter dem Altartisch) aus marmoriertem Holz mit wuchtigem Aufsatz. Im Altartisch ruhen Reliquien der Heiligen Alexander, Felix und Korbinian. Zwischen den beiden glatten Säulen und den vier Pilastern ist das Altargemälde von Antonio Zanchi aus dem Jahr 1723 (sign.) angebracht. Es zeigt den Abschied Jesu von seiner Mutter vor dem Gang nach Jerusalem, wo ihn die Kreuzigung erwartete. Maria und Jesus stehen sich im Bildvordergrund gegenüber. Jesus schmiegt seinen Kopf an die Brust Mariens; sein linker Arm umfasst ihre Schulter. Maria hat beide Arme um Jesus gelegt. |
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Im Hintergrund warten links
einige Frauen (wahrscheinlich Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus),
während rechts die Apostel hinter einer Säule am Boden sitzen.
Im oberen Bildteil schweben acht Engel und Putten
auf Wolken und beobachten die Szene. Der
Abschied Jesu von seiner Mutter ist in der Bibel nicht enthalten. Das
Thema wird lediglich in den Apokryphen
erwähnt und dort zeitlich nach der Erweckung des Lazarus und vor
dem Einzug in Jerusalem auf der Eselin angesiedelt. In religiösen
Schriften der Gotik wurde mit zunehmender Marienverehrung darauf Bezug
genommen und das Motiv in der Bildenden Kunst seit dem 15.Jh dargestellt.
Auch Albrecht Dürer hat ein entsprechendes Bild gemalt.
Der Maler Antonio Zanchi lebte von 1631 bis 1722 in Venedig und erlangte dort einige Berühmtheit. |
| Wahrscheinlich wurde das Bild von den Edlen F.X. Ignaz und Helena von Wilhelm gestiftet, deren Wappen in einer prächtigen Rocaillekartusche mit der Jahreszahl 1723 (Aufstellungsjahr des Altars) zu finden sind. | Vielleicht stifteten die Wilhelms, die im Schloss Suresnes in München wohnten und in Jarzt einen Ganzhof (Harrerhof) als Landsitz hatten, auch den ganzen Altar. | ||
| Im Hochaltaraufsatz befindet sich zwischen Vasen und nach vorne gerichteten Voluten ein Bild des Empfangs Marias im Himmel durch die Hl.Dreifaltigkeit. Das Bild vermittelt nicht die Innigkeit, die sonst oft ähnlichen Darstellungen zu Eigen ist. Der (unbekannte) Künstler lässt auch die Zielgerichtetheit auf das Thema vermissen. Er stellt Jesus zwar mit ausgebreiteten Armen dar, der vor seiner auf Wolken knienden Mutter steht; es fehlt aber die zu erwartende Wiedersehensfreude. Gottvater wird, dem Stil der Zeit entsprechend, als alter Mann gezeigt. Dass er aber von Maria keine Notiz nimmt und nur interessiert auf die vor ihm liegende Erdkugel schaut, ist etwas befremdlich. Im Hintergrund schauen einige Engel auch mit besorgter Miene auf die Szene. |
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Joseph
war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung
Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau
Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs David,
aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde.
Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als "moderner" Heiliger häufig abgebildet worden. |
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Am Sockel der Säulen, zu Füßen der Assistenzfiguren, sitzen
auf der Predella zwei verspielte Engel
und lassen ihre Füße baumeln. Andächtiger sind naturgemäß
die beiden Anbetungsengel (aus dem Jahr 1730) um den Tabernakel
herum gestaltet. Sie weisen mit ihren Händen zum Tabernakel und auf
die darin aufbewahrten Hostien hin. Diese beiden Engel gehörten zur
Kirche in Lauterbach, wo sie ihren Platz auf den Blendwänden neben
dem Choraltar hatten. Sie wurden erst von Pfarrer Bauer nach Jarzt verbracht.
Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar; sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) eingerahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex, 37,7-9). |
| Der Tabernakel aus marmoriertem Holz und einigen Vergoldungen stammt aus der neugotischen Zeit am Ende des 19.Jh. Er besitzt ein abgeflachtes Kuppeldach mit einer Standfläche für ein schön verziertes Kruzifix. Die Tabernakeltür ist von Pilastern und Voluten eingerahmt und mit neugotischen Ornamentranken auf blauem Grund verziert. | ||
| Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
| Der Figurentypus des Salvator Mundi/Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln. |
Figuren an den Seitenwänden im Chorraum
An den Seitenwänden des schmalen Altarraums stehen vier weitere Heiligenfiguren auf Postamenten, von denen drei wohl aus der selben Werkstatt stammen dürften. Sie sind mit Lüsterfarbe (Farbharz aus Agavengewächsen) gefasst.
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Links: der Erzengel Michael (1730)
mit weit ausgebreiteten Flügeln, in ein Soldatengewand gekleidet und
mit einem Helm mit Federbusch auf dem Kopf. Mit seinen Händen stößt
er eine Lanze in das Maul eines geflügelten Drachens mit schlangenförmigem
Schwanz. Diese Darstellung erinnert an die Offenbarung des Johannes, in
der es heißt: "Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und
seine Engel kämpften mit dem Drachen. Auch der Drache und seine Engel kämpften;
aber sie siegten nicht, und es wurde für sie kein Platz mehr gefunden im
Himmel." (Off.12,7). Die Schnitzfigur in Jarzt hat Pfarrer Michael Fumy (1848-1867) aus Giebing mitgebracht, als er von dort nach Jarzt versetzt worden ist. |
| Hinweis: Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte schon vor Beginn der Schöpfung den Luzifer, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23-24), zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle, um sie und ihren Sohn vor dem Verdursten zu retten (1. Mose 16, 7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11-18), rang mit Jakob (1. Mose 32, 24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte. |
| - Gegenüber von Michael steht eine Figur des Erzengels Raphael (1730). Er ist in ein Pilgergewand gekleidet und hält unter seinem linken Arm einen großen Fisch. | Hinweis: Die Figur des Erzengels Raphael (Name bedeutet im Hebräischen: Heiler mit Gottes Hilfe ) ist eng mit der Geschichte des Tobias verbunden, dem er Schutz und Medizin bei einer Reise gab. Er half ihm auch, den Fisch zu finden mit dessen Galle der Vater des Tobias von den weißen Flecken auf seinen Augen geheilt wurde. Raphael wurde im Mittelalter zum Inbegriff des Schutzengels, oftmals mit den sechs Flügeln der Seraphen. In der Kunst wird er häufig mit Reiseutensilien und einem Fisch dargestellt. |
| Hinweis: Agatha ist eine legendäre Person. Sie soll im 3.Jh einen Heiratsantrag des Statthalters Quintianus zurückgewiesen haben, weil sie Christin sei und dies auch bleiben wolle. Der Abgewiesene befahl aus verletztem Stolz, sie zu verhaften und zu martern. Er ließ ihr die Brüste mit Fackeln brennen, mit Zangen Stücke davon abreißen und sie schließlich ganz abschneiden; danach wurde Agatha auf spitze Scherben und glühende Kohlen gelegt. Am ersten Jahrestag ihres Todes wurde ihre Geburtsstadt Catania bei einem Ausbruch des Ätna von Lava bedroht und nach ihrer Anrufung verschont. Deshalb wurde sie Patronin gegen Feuersbrünste. Die Darstellung von Agatha mit einem Teller, auf dem abgeschnittene Brüste liegen, ist erst seit dem 14.Jh. üblich. |
| Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 als Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. Der Federbusch auf dem Helm, auch Plumage (=Gefieder) genannt, diente nicht nur der Zier, sondern sollte den Träger auch größer und damit furchterregender erscheinen lassen. |
| Hinweis:
Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall
dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung
der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als
sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann
man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich
für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein.
Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck
als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden.
Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem
Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die
Taufe Jesu figürlich dargestellt.
Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des
Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Wenn Sie noch weitere Täufergruppen aus anderen Kirchen sehen möchten, klicken Sie hier... |
| Hinweis. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
An
der nördlichen Chorwand, neben der Tür zum Turm, hängt noch
ein großes Vortragekreuz
aus dem 20.Jh. Bemerkenswert ist die Haltung der Finger des Gekreuzigten.
|
Unter dem Chorbogen steht der Zelebrationsaltar
(Volksaltar) aus marmoriertem Holz. In gleicher Farbe und gleichem Stil ist
auch das Ambo gefertigt. Der Altar wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr
zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
| Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei |
| aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.
Die Langhausdecke besteht aus einem gedrückten Tonnengewölbe mit gewölbten Enden (sog.Muldengewölbe). Die Gewölbekonstruktion besteht aus Holz. Die Wände des Kirchenschiffs sind durch flache Wandvorlagen nicht ganz so prächtig wie im Altarraum gegliedert.
| Auch die Deckengemälde im Langhaus wurden erst 1947 von Heinrich Bickel, geschaffen. Die al-Secco-Malereien bestehen aus dem Hauptgemälde im Deckenspiegel, einem kleineren Bild über der Empore und weiteren Gemälden (teils monochrom = einfarbig), die die Filialkirchen und deren Patrone darstellen. | In einer Schriftkartusche vorne links steht der Text: "In drangvoller Zeit 1947. Königin des Friedens, bitt für uns." |
Früher war die Jarzter Kirche mit Fresken
vom Freisinger Maler Kromer (andere Quelle: Gebrüder Kraft - 1887) ausgemalt.
Diese Fresken wurden beim Umbau von 1929 zerstört, weil sie, so Georg Völkl,
"keinen Anspruch auf höhere Kunst erhoben" haben. Sie seien lediglich
geeignet gewesen, "die Kirche farbig zu beleben und inhaltlich zu erbauen".
Ihre Vernichtung sei kein Schaden gewesen. "Bei der Neueinwölbung
konnten sie daher ohne Schaden vernichtet werden".
|
Das Hauptgemälde im Stuckrahmen zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel (Assumptio). Die Muttergottes, in das traditionelle rot-blaue Gewand gekleidet, schwebt auf Wolken zum Himmel hinauf, begleitet von mehreren Putten, die Rosen nach unten streuen. Die Rose als Königin der Blumen ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria. Auf der Erde umringen 11 Apostel und eine Frau überrascht den leeren Steinsarkophag, über dessen Rand das Leichentuch hängt. Nach der Legende soll der Apostel Thomas als einziger der Apostel bei der Himmelfahrt Marias nicht zugegen gewesen sein. Im oberen Bildteil lagern, umringt von einigen großen Engeln, Gottvater und Christus auf Wolken; vor ihnen schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Hinter Christus ragt das Kreuz auf; das Haupt von Gottvater ist mit dem nur ihm vorbehaltenen dreieckigen Heiligenschein (Nimbus) umgeben. Die Heilig-Geist-Taube sendet Gnadenstrahlen zu Maria. |
Am Deckenrand über den Gesimsen sind um das gesamte Kirchenschiff herum die vier Filialkirchen und deren Patrone zu sehen. Die Kirchen sind in roter monochromer Malerei ausgestaltet und entsprechen dem Zustand aus dem Jahr 1947. Jeweils links von der Kirche (also gegen den Uhrzeigersinn) ist hinter und neben Steinbrüstungen mit Vasenschmuck der jeweilige Patron der Kirche mit einer Szene aus seinem Leben dargestellt.
| Im Ostteil der Langhausdecke, über dem Chorbogen, ist die Kirche von Lauterbach inmitten einer romantischen Umgebung zu sehen. Links davon, an der Nordseite, wird St.Stephanus, der Patron der Kirche, von Schergen mit riesengroßen Steinbrocken gesteinigt. Stefanus kniet am Boden und breitet die Hände zum Gebet aus. |
| Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in der Apostelgeschichte 7, 2-53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem. |
|
Die Patrone
der Kirche sind Petrus
und Paulus. Sie sind in wallenden Gewändern mit buschigen
Bärten dargestellt. Paulus stützt sich auf sein Schwert und
hält, seinem ausgestreckten Arm nach zu schließen, eine Predigt.
Petrus hält dem Betrachter sein Attribut, den Himmelsschlüssel
entgegen und holt sich noch Rat aus der Bibel. |
||
| Hinweis: Silvester war der erste Papst, der nach der Verfolgung zum Papst gewählt wurde. Seine Verehrung als Heiliger beruht auf einer Reihe von Irrtümern und Legenden. Die Behauptung, er habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft, ist historisch nicht haltbar, ebenso wenig wie die Geschichte von der Konstantinischen Schenkung, die sich als Fälschung herausstellte. Silvester hat während seiner Amtszeit bei wichtigen Glaubensentscheidung nicht mitgewirkt Er nahm weder an der Reichssynode in Arles (gegen Donatisten) teil noch am 1. Konzil von Nicäa, wo es um die Wesensart Christi und die Auseinandersetzung mit den Arianern ging. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Wahrscheinlich wollte er sich nicht den Vorwürfen stellen, er sei während der diokletianischen Verfolgung vorübergehend vom Glauben abgefallen. |
| Hinweis: Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als der Vater ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete, wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer und Patron für 30 Krankheiten. Bekannt ist der Veitstanz, Chorea, eine Nervenkrankheit mit ungewollten, spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem bedingt sind. Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete. | ||
| Über der Empore ein Fresko, das St.Anna, Maria und Jesus zeigt, also eine gemalte "Anna selbdritt" darstellt. St. Anna mit dem Kopftuch der verheirateten Frau hält in der Hand einen Spinnrocken als Zeichen der fleißigen Hausfrau. Maria sitzt zu ihren Füßen und hat ein Buch aufgeschlagen. Dahinter springt der kindliche Jesus herum, haucht (einer Legende entsprechend) den von ihm aus Ton geformten Taubenfiguren Leben ein und lässt sie fliegen. |
| Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. |
Die Seitenaltäre
aus der Zeit um 1730 (Künstler nicht bekannt) sind im Stil einfacher gestaltet
als der Hochaltar (säulenlose Altaraufbauten). Sie besitzen jeweils eine
größere Mittelnische und auf der zum Innenraum weisenden Seite eine
kleinere Nische. Die trapezförmigen Altaraufsätze sind von jeweils
zwei kleinen, verspielten Engeln und einem Putto auf der oben abschließenden
Volute umgeben. Jeder der Engel ist in einer anderen Haltung dargestellt. Auch
sonst sind die Aufbauten der beiden Seitenaltäre zwar im Stil gleich, aber
in den Details sehr unterschiedlich: Vergleichen Sie die Form und die Verzierung
der Nischen, das Gebälk unter dem Altaraufsatz, die Predella und die Größe
der Volutenringe ganz oben. Beide Seitenaltäre wurden 1929 neu gefasst.
In den Altartischen (Mensen) ruhen Reliquien (Gebeine) der Heiligen Maximus,
Viktor und Klemens. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um sog. Katakombenheilige.
|
Ihre
Figur steht in der mit Blattmotiven umrahmten Mittelnische. Maria ist
in das traditionelle blau-rot-goldene Gewand gekleidet, ihr Haupt von
einem Heiligenschein (Nimbus)
in Form eines Strahlenkranzes umgeben. Ihre Hände sind vor einem
Schwert gefaltet, das in ihrer Brust steckt.
|
Dieses Schwert erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Im Barock kam noch das Gold dazu. |
| Leopold (1073-1136) war Markgraf von Österreich. Von seinen 17 Kindern wurden zwei Bischöfe. Leopold hielt sich weitgehend aus den großen politischen Auseinandersetzungen heraus, befriedete und erweiterte sein Territorium nicht zuletzt durch eine wohl durchdachte Heiratspolitik (Tu felix austria nube). Im Investiturstreit stellte er sich gegen den Kaiser auf die Seite des Papstes und unterstellte diesem das Stift in Melk. Er gründete viele Klöster und gilt vielfach als der Begründer der Größe Österreichs. Leopold starb nach einem Jagdunfall; er wurde in seiner Stiftung Klosterneuburg beigesetzt. |
| Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Sie setzte als Äbtissin gegen viele Anfeindungen eine Reformation des Ordens durch und gründete die "unbeschuhten Karmelitinnen" mit strenger Klosterzucht. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. "Das große Buch von der Erbarmungen Gottes", "Der Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelenburg", ihre Autobiografie und mehr als 400 erhaltene Briefe begründen das ihr zugemessene Prädikat der Kirchenlehrerin. |
| In der Predella des linken Seitenaltars ist ein Gemälde auf Holzuntergrund angebracht. | ![]() |
Es zeigt einen Priester, der vor einem Kruzifix kniet und die Worte: "Amor
meus cruzifixus est" (meine Liebe gehört dem Gekreuzigten) zu
Christus am Kreuz spricht.Von dort kommen die Worte "Pro te et pro
toto mundo" (für dich und die ganze Welt) zurück. Um deutlich
zu machen, dass die Worte vom Gekreuzigten kommen, wurden sie in Spiegelschrift
von rechts nach links geschrieben. Am Fuße des Kreuzes ist ein Totenschädel mit gekreuzten Oberschenkelknochen zu erkennen. Der Schädel stellt die Gebeine von Adam, dem ersten Menschen dar. |
| Hinweis: Nach den apokryphen Schriften sollen durch das Erdbeben, das beim Tode Christi einsetzte, die Gebeine des "alten Adam" am Fuße des Kreuzes Christi zutage getreten sein. Der Schädel Adams findet sich deshalb in der christlichen Kunst häufig am Fuße von Kruzifixen. Die Apokryphen berichten weiter, dass schon Noah durch seinen Sohn Sem und seinen Enkel Melchisedek die Gebeine Adams aus der Bestattungshöhle hatte holen und zum Mittelpunkt der Welt, nach Golgatha, bringen lassen, um sie dort erneut zu begraben. Dabei soll sich die Erde von selbst in Form eines Kreuzes geöffnet haben. Nach der Typologie, der Lehre der Gegenüberstellung des NT (Antitypus) und des AT (Typus), bedeutet die Darstellung der Gebeine Adams unterhalb des Kreuzes auch die Überwindung des Alten Bundes durch den Neuen Bund. |
| Auf dem durch die Mittelnische durchbrochenen Gebälk sitzen zwei Englein. Sie umgeben zusammen mit dem Puttenkopf auf dem Segmentgiebel mit Voluten den Altaraufsatz in dem das Herz Mariens (oder Herz-Jesu ?) im vergoldeten Strahlenkranz plastisch dargestellt ist. |
Rechter Seitenaltar
| In der Mittelnische des rechten Seitenaltars steht die Figur von Jesus an der Geißelsäule. Der mit einem Lendentuch (Perizoma) bekleidete Jesus ist mit Armfesseln an eine barock geformte Marmorsäule gekettet und blutet aus den Geißelwunden. Die Figur aus der Mitte des 18.Jh. hat Glasaugen und trug früher eine Perücke. |
| Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In unsere Gegend gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Eine große Verbreitung haben diese Darstellungen noch 100 Jahre später nach dem Wunder in der Wies (1738) erfahren. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen in unserer Gegend wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Jarzt. |
| Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar sind die Heiligen Rasso (in Ritterrüstung) und Maria Magdalena. Die Figur des hl. Rasso dürfte von Pfarrer Schwarzmann (1722-23) beschafft worden sein. Rasso hatte Reliquien aus dem hl.Land mitgebracht hatte, im jetzt im Kloster Andechs liegen. Pfarrer Schwarzmann hatte als Andechser Kanoniker einen besonderen Bezug zu diesem Heiligen. Die Figur von Maria Magdalena hatte -der Haltung ihrer Finger nach zu schließen- früher Attribute in den Händen, die heute fehlen. |
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Hinweise:
Rasso
(900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter, berühmter
Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus
Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle
Reliquien mit und ließ hierfür in Wörth (dem heutigen Grafrath) ein Benediktinerkloster
bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses
Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden
heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten
Reliquien werden heute im Kloster Andechs am Ammersee gezeigt. Die Wallfahrt
in den nach Rasso umbenannten Ort Grafrath - Graf von Rathenburg - hatte
im Mittelalter großen Zulauf.
Die immergrünen Blätter des Palmzweigs in seiner Hand symbolisieren
das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die
über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden
Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. |
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In
die Predella ist seit 1970 ein Tabernakel eingebaut; er stammt
aus Privatbesitz. Die hölzerne Tabernakeltür
ist mit Säulchen und dazwischen einem von der Dornenkrone umwundenen
Herzen Jesu bemalt. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe
Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere
nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758-1769)
im Jahr 1765.
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Auch
am rechten Seitenaltar sitzen auf dem Gebälk zwei Englein. Sie umgeben
zusammen mit dem Puttenkopf auf dem Segmentgiebel mit Voluten den Altaraufsatz
in dem das Herz Mariens im vergoldeten Strahlenkranz plastisch
dargestellt ist.
Um das Herz ist ein Kranz aus Rosen gewunden (Rosen=Marienblume).
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![]() |
Kreuzwegbilder und Apostelleuchter
Die ovalen Kreuzwegstationsbilder
in barockem Stil sind von einem weißen Rahmen umgeben. Vielleicht
sind es noch die Kreuzwegbilder, die der Münchner Maler Schnitzenbaumer
im Jahr 1872 für den Betrag von 420 (460) Gulden geschaffen hat.
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| Die
Apostelleuchter stammen
aus dem Jahr 1929, als die Innenausstattung der Kirche erneuert wurde. Sie
bestehen aus einer Schmiedeeisenspirale und einem rot gefassten Metallkreuz
an der Wand. Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. |
| Aus dem gleichen Jahr (1929)
stammen auch die Kirchenbänke mit ihren glatten, geschwungenen
Wangen. Im vorderen Teil des Kirchenschiffs (vor den Kirchentüren)
sind sie geteilt und durch den Mittelgang zu erreichen; im hinteren Drittel
(vorwiegend Männerbereich) sind sie durchgehend und werden von zwei
Seitengängen eingefasst. An Fronleichnam sind an den Bänken die neu renovierten Prozessionslaternen befestigt, die bei der Prozession mitgetragen werden. |
|
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Die fast schmucklose Kanzel stammt ebenfalls aus der Zeit um 1725. Sie besteht aus dunkel gemasertem Holz. Die Kanzeltreppe und der Kanzelkorb besitzen Felderungen und balusterartige (=kleinen Säulchen ähnliche) Pilaster. Im Schalldeckel ist auf der Unterseite ein Stern als Intarsienarbeit (=Einlegearbeit) zu sehen. Oben abgeschlossen wird die Kanzel durch vier geschwungene Bögen.
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Gegenüber der Kanzel hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz. Jesus blutet aus den Nagelwunden, der Seite und den Knien. Sein Haupt umgibt ein dreistrahliger Heiligenschein, der Abbildungen von Gottvater oder Christus vorbehalten ist. Zwei Englein neben dem Kruzifix weisen auf den Gekreuzigten hin.
| Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus". Das Kruzifix in Jarzt ist als eindeutig barockes Kunstwerk (ca 1730) eine Ausnahme. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. |
Unter dem Kruzifix steht eine Schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa). Maria ist, wie die Figur am Seitenaltar, in ein rotes Kleid und einen außen goldenen, innen blauen Mantel gekleidet. In ihrer Brust steckt das Schwert der Schmerzen, das auf in Liebe getrages Leid deutet. Sie hat ihre Arme über der Brust gekreuzt. |
Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs
An den Langhauswänden stehen noch sieben weitere Figuren auf Postamenten:
An der Südseite (rechts),
zwischen dem rechten Seitenaltar und der Kanzel, steht die Figur der Großmutter
Jesu, St. Anna. Sie ist in das für
Anna traditionelle grüne Gewand gekleidet, mit dem Kopftuch der älteren,
verheirateten Frau. Das Alter der Figur ist nicht bekannt, doch spricht
die barocke Gestaltung für das 18.Jh.
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Gegenüber der Annafigur steht an der Nordseite eine große Figur des hl. Joachim. Er ist in ein grünes Untergewand und einen weiten gold-roten Mantel gekleidet. Attribute, wie die Schäferschaufel oder zwei Täubchen, fehlen. Die Figur dürfte vom selben Künstler stammen, der auch die Annafigur geschnitzt hat.
Vor der Kanzel,
an der Mitte der Südwand, steht die Figur des Guten
Hirten aus dem 18.Jh. Er hat sich ein Lamm um die Schulter gelegt.
Sein Gewand und sein Hut mit breiter Krempe sind vergoldet. Die Figur ist
nicht aus Holz geschnitzt, sondern besteht aus Terracotta (=bei niedriger
Temperatur gebrannter Ton).
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| In der Nähe des Südeingangs steht die Schnitzfigur des hl. Franz Xaver aus der 1.Hälfte des 18.Jh. mit einem Stab in der Hand und einem an den Gürtel gebundenen Rosenkranz. Den Kopf umgibt ein strahlenförmiger Heiligenschein (Nimbus) Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Er war im 16.Jh als Asienmissionar tätig. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten (u.a.Japan und China). | Am Pilgerstab ist ein Nodus, eine Verdickung in Form einer Kugel, zu sehen. Dieser Nodus stammt aus vorchristlicher Zeit und hatte ursprünglich eine unheilabwendende (apotropäische) Bedeutung. Sie ist auch am Bischofsstab und am Schaft von Kelchen und Monstranzen zu finden. |
| Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist normalerweise eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus allein. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe (gold, grün, rot ) oder Form (radförmig, strahlenförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen. In späterer Zeit wurde der Nimbus auch als übernatürliches Leuchten im Hintergrund der herauszuhebenden Person dargestellt. In der Barockzeit verbreitete sich die Form eines Strahlenkranzes. Christus war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten. Seit dem 16.Jh. kann der Heiligenschein auch fehlen (zunehmender Naturalismus). In Jarzt fehlt bei erstaunlich vielen Heiligenfiguren ein Nimbus. |
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Auf
der Nordseite steht hinten eine Figur von St.
Antonius als Gegenstück zur Figur von Franz Xaver auf der
gegenüber liegenden Wandseite. Beide Figuren sind ähnlich gestaltet
und dürften vom selben Künstler stammen. Antonius hält
auf seinem Arm das Jesuskind. Auch diese Figur ist großenteils vergoldet,
lediglich das Gesicht und das Jesuskind sind als Inkarnat(=fleischfarbig)
gefasst.
|
| Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. |
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In der Nähe des Kanzelkreuzes ist
die Figur einer Maria Immaculata,
der "unbefleckten Jungfrau Maria" (1730) angebracht. Maria,
mit offenem Haar, hält in ihrer Hand eine Lilie als Zeichen der Keuschheit.
Sie steht auf einer großen blauen Weltkugel, um die sich eine Viper,
eine Giftschlange mit einem Apfel im Maul windet. Maria zertritt mit ihrem
rechten Fuß den Kopf der Schlange, der linke Fuß steht auf
einer silbernen Mondsichel. |
Über
dem Eingang auf der Südseite steht eine neubarocke Christus-Figur
von Bildhauer Huber aus München (1929) auf einem Wolkensockel.
Sie wurde vom damaligen Bürgermeister Schmid gestiftet.
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| Unter der Emporentreppe steht eine jüngere Holzfigur des hl.Konrad aus Parzham. Sie zeigt, wie der Heilige einem bettelndem Kind ein Brot reicht. | Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. |
| Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet. |
Neben dem Zugang
zur Sakristei ist das Epitaph für Pfarrer Kaspar
Rössle aus dem Jahr 1911 (43x42 cm) angebracht, mit dem Text
"Andenken an den Hochw.Herrn Kaspar Rössle, zum
Priester geweiht 1852, v. 1867-1906 Pfarrer in Jarzt, Dekan des Kapitels
Dachau, Jubilar,gest.als Commorant in Freising am 15.März
1911 im 83.Lebensjahre. R.I.P. "
Darüber befindet sich das Flachrelief eines Kelchs mit Hostie. Es besteht
jedoch aus anderem Steinmaterial und scheint
schon älter zu sein als das Epitaph für Kaspar Rössle. Der Kelch
war aber ein beliebtes Symbol für Priestergräber.
In die linken Fuß des Chorbogens eingemauert sind drei Epitaphe:
- oben für
Ignatius Stadler
aus dem Jahr 1721 (42x45 cm) mit dem Text:
"Adnodum Ratus D.Ignatius Stadler, Parochus hic loci pie obiit
die 14. Janu Anno MDCCXXI, Resquiescat in Pace"
- in der Mitte für Stephan
Schwarzmann, 1723 (42x41 cm) mit dem Text:
"A.DM R.D. Jo. Stephan, Schwarzmann SS. Thlae et SS.
Can. Can. Ultra Biennium Hic Paroch. obiit. 4.May 1723,
Requiescat in Pace."
- unten für Thomas Schuechpaur,
1740 (42x43 cm), mit dem Text:
"A.R.D. Thomas Schuechpaur Postquam 15 Cooperatorem,
et 16 annis Parochum vigilantissime hic loci egt, obiit
16. mart. ao 1740, Aetat 67 ann. Requiescat in Pace."
Darunter ist das Flachrelief eines Totenkopfes mit gekreuzten
Oberschenkelknochen in den Stein gehauen.
Auf der gegenüber
liegenden Seite, an der rechten Innenseite des Chorbogens, befinden sich zwei
Epitaphe:
- oben der sich nach oben verjüngende Stein für Johann
Caspar Paur, 1792 ((44x44 cm), mit dem Text:
"Pl. Rev.Peaenobac Doct. D.Joan Casp.Paur, SS. Thlg.Licent
Cons.Ecc. act.Fri?ing. Dec.lib.resign. ac
Par.loci jubilaei, mort. 11.Nov.1792, R.I.P."
- unten das erst im Jahr 2003 von Weihbischof Siebler angebrachte neue
Epitaph für Johann Nepomuk Bauer
mit dem Text:
"Zum Andenken an Geistlichen Rat Johann Nepomuk Bauer
1925-1963 Pfarrer von Jarzt, Kämmerer des Dekanates
Weihenstephan, Erneuerer dieser Pfarrkirche, Hüter
des Glaubens, in schwerer Zeit. In Dankbarkeit. R.I.P."
Am linken Seitenaltar
ist das Epitaph von Balthasar Froschmair
(58x48 cm) , der
im Alter von 70 Jahren nach 30 jähriger Tätigkeit als Pfarrer im Jahr
1720 starb. Der Text lautet:
"ADMODUM R. AC Doc. TISS D. Balthasar Froschmair
XXX Annis hic Parochus ??? obiit ??
ANNO MDCCXX AETAT SUI LXX. Requiescat in
Pace."
Darunter als Relief ein Kelch mit Hostie.
Am rechten Seitenaltar
erinnert eine nur noch teilweise lesbare Platte (42x42 cm)an einen im Jahr 1639
gestorbenen Pfarrer Simon Berckhammer,
der im Alter von 80 Jahren gestorben ist. Es war 23 Jahre lang, seit 1616, Pfarrer
in Jarzt. Unter dem Text ein Kelchrelief.
Im hinteren Bereich
des Kirchenschiffs sind noch vier Epitaphe in die Wand eingelassen.
Die beiden Platten neben den Eingangstüren sind sehr verwittert.
Der linke Stein (89x55 cm) gehört dem Pfarrer und Geistlichem Rat Wolfgang
Kröll - wie den wenigen lesbaren Textfragmenten entnommen werden kann.
Er stammt aus dem Jahr 1657. Kröll war seit 1639 Pfarrer.
Der rechte Stein (79x59 cm) ist nicht lesbar.
Das große Epitaph an der Rückwand
im Stuckrahmen (148 x 80 cm) enthält im unteren Teil ein prächtiges
Wappen mit heraldischen Verzierungen. Der Text ist erhaben gemeißelt,
d.h., der Steinmetz hat die Teile der Steinoberfläche, die keinen Text
darstellen, weggeschlagen (=Reliefgravur). Vom umfangreichen Text ist leider
nur die Jahreszahl 1618 lesbar.
An der Westseite
ist unter dem großen Epitaph die kleinere Platte (34x34 cm) für den
Jarzter Freiherrn Joseph Marquard von
Speidl aus dem Jahr 1781 angebracht, dessen Text lautet:
"Leser, bedaure hier mit 4 sammentlich kaum 12jährig
hilflosen Kindern und einer betrübten 38jährigen Mutter und Gattin
den frühen Hintritt eines 42jährigen kummervollen
Vatters, des hochwohlgebohren Freyherrn Joseph Marquard v.Speidl,
Herr zu Jersing und Wageth, dann auf Jarzt. Gott führe
uns alle zu Ihm in das Ewige. R.I.P. gestorben im Dec. Anno 1781".
| In
der Nähe der Empore, über dem Nordzugang, sind Gedenktafeln
für die Gefallenen im 2.Weltkrieg aus der Pfarrei Jarzt angebracht.
Darüber, von zwei Leuchterengeln flankiert, ein Vesperbild
(Pietà), die Darstellung der trauernden Maria nach der Kreuzabnahme
Jesu (18.Jh). Die in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidete Muttergottes
hält den Leichnam ihres Sohnes auf ihrem Schoß. Ihre rechte Hand
stützt den Kopf Jesu, mit der Linken hält sie seine Hand In der
Brust von Maria steckt ein großes Schwert; dies ist ungewöhnlich
für Pietà-Darstellungen. Wenn Sie sich für weitere Vesperbilder interessieren, klicken Sie hier.... |
| Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietàs in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pietà" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten. |
| Der
an der Wand befestigte, kleine Opferstock
aus Schmiedeeisen (1929) ist unten halbrund und oben geschwungen trapezförmig
gestaltet. Er trägt auf seiner Vorderseite ein Kreuz auf rotem Grund
und ein Blattrelief als Rahmen. Der Name Opferstock ist hier eigentlich
nicht richtig verwendet, denn der weist auf einen ausgehöhlten Holzstock
hin, der die Spenden aufnimmt und meist mit Eisenbeschlägen gesichert
ist. Wenn Sie weitere Opferstöcke aus anderen Kirchen sehen möchten, klicken Sie hier.... |
| Hinweis:Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück. |
Die tiefe Empore wurde 1929
im Zuge der Kirchenerweiterung eingebaut. Sie ersetzte eine frühere Anlage
von zwei übereinander liegenden Emporen. Die marmorierte Emporenbrüstung
ist nur durch vier Felder und dazwischen stehende Pilaster gegliedert. Vier
Kirchenbänke mit geschwungenen Wangen (evtl. 19.Jh) bieten Gläubigen,
die eine gute Übersicht über das Geschehen in der Kirche schätzen, Platz.
| Die Orgel
aus dem Jahr 1922 (Leopold Nenninger, 2 Manuale, 11 Register) stand schon
in der kleineren Kirche vor 1929 auf der Empore. Der Prospekt stammt noch
aus dem Ende des 18.Jh. Stilistisch gehört er dem Ende der Barockzeit
und dem Beginn des Klassizismus an. Eine Bleistift-Notiz auf der Innenseite
weist auf die schwierige Zeit von 1922 hin: "Diese Orgel ist ein
Produkt der höchsten Inflationszeit 1922. Preis 500 Mark in Roggen
und Weizen". Am Weihnachtstag 1975 gab die Orgel während der Messfeier ihren Dienst auf. Nach einer Erneuerung durch den Orgelbauer Anton Staller aus Grafing und gleichzeitiger Erweiterung auf 17 Register ist sie seit 1979 wieder zu hören. Der Prospekt wird gekrönt von der Figur eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln, der in seinen Krallen ein Notenblatt hält. Darstellungen eines Adlers an der Orgel sind nicht häufig (auch Wieskirche). Seine Bedeutung ist nicht eindeutig zu erklären. Nach dem früheren Freisinger Domorganisten Georg Brenninger könnte er die Auferstehung versinnbildlichen. |
| Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln in unserer Gegend angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
| Neben der südlichen Eingangstüre ist der Grundstein aus Nagelfluh der Kirche in die Wand eingelassen. Das Datum MDCC=1700 ist im unteren Teil zu lesen. Der Stein wurde erst 1974 bei den Grundmauern entdeckt und an seine heutige Position versetzt. |
| In der Weihnachtszeit ist am rechten Seitenaltar die Krippe aufgebaut. Ein Pfarrangehöriger aus Unterbruck hat sie vor vielen Jahren geschnitzt und der Kirche gestiftet. Wenn Sie mehr Krippen aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier... |
Sehenswert
ist das zweigeschossige Pfarrhaus, das über der Kirche an den Berghang
gebaut ist. Bei Föhn hat man von dort einen überwältigenden Blick
auf die Alpenkette. Das Pfarrhaus ist 1799 völlig abgebrannt und mit ihm
auch die Pfarrmatrikel.
Der heutige Bau wurde erst um 1805 errichtet, weil "die damals herrschenden
Kriegsunruhen und die dadurch angehäufte Amtsarbeit die Arbeiten verzögerten".
Zuletzt hat man ihn im Jahr 1970 mit großem Aufwand restauriert.
Der Historiker Völkl beschrieb den Pfarrhof 1929: "
| "Der Pfarrhof, etwa 100 Schritte von der Pfarrkirche entfernt, ist auf seiner Anhöhe von allen Jarzter Häusern am schönsten gelegen. Beim ersten Anblick dünkt der massive Bau dem Betrachter als eine ehemalige Burg. Einstens war aber der hiesige Pfarrhof ein viel bescheideneres Gebäude. Es war so klein, daß der Kooperator nicht einmal in ihm wohnen konnte. Er hauste bis ungefähr 1730 in der anliegenden Kornkammer. Um 1524 wurden Pfarrhof und Oekonomiegebäude neu hergerichtet. 1619 schreibt der damalige Pfarrer Simon Perkhamer nach seinem Amtsantritt: Ich bin in einen baufälligen und zerschleiften Pfarrhof gekommen. In der Schmidtischen Matrikel vom Jahre 1738 steht über den Pfarrhof geschrieben: 'Der neu errichtete Pfarrhof hat mit dem Zugehör keinen Defekt. Der Kooperator wohnte vorher in der anliegenden Kornkammer, jetzt aber im Pfarrhof. |
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
E.Wallner, Altbairische Siedelungsgeschichte, 1924 (mhd G statt J)
Anton Baur, vom RESTAURIEREN DER GEMÄLDE, Monatszeitschrift "Die Christliche
Kunst", Juni 1924
Georg Völkl, Die Pfarrei Jarzt, 1929
(Coop.24 fl )
August Alckens, Landkreis Freising, 1962 (30jähr.Krieg)
Kirschbaum, Lexikon der christlichen Ikonographie, 1968
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das
Dekanat Weihenstephan, 1989
Beschreibung des Pfarrverbandes Jarzt-Fahrenzhausen
vom 10.12.1991
Leben aus dem Glauben, Das Bistum Freising, Teil 3 -Reformation und Zeitalter
des Barock 1992 (Eckher)
Freisinger Tagblatt v. 25.9.2000
Die Kirche im Dorf, 300 Jahre Pfarrkirche in Jarzt, 2003
Katalog der Ausstellung Madonna, Bild der Gottesmutter, Dombergmuseum, Freising
2003
Benno Bichler, 2006 (Tabernakelengel)
Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen
Symbole, 2011
(Osterfahne, Bauform)
82 Bilder: Hans Schertl (2003,2004)
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3.6.2010
Großer
Bahnhof für den neuen Pfarrer
Ganz Jarzt, Unterbruck, Fahrenzhausen, Oberndorf, Westerndorf, Lauterbach und
Appercha war da
Dachauer Nachrichten vom 07.04.1964
Jarzt - Die Gemeindebürger
von Jarzt, Unterbruck. Fahrenzhausen, Oberndorf, Westerndorf, Lauterbach und
Appercha haben wieder einen Pfarrherrn: Am vergangenen Wochenende zog Pfarrer
Anton Mayer feierlich in seine neue Pfarrkirche in Jarzt ein. Den Pfarrangehörigen
ist Anton Mayer kein Fremder mehr, denn er war schon einmal Kooperator in Jarzt.
Die Gemeinden Unterbruck und Jarzt bereiteten dem neuen Pfarrer einen großen
Empfang. Der Regen konnte die vielen Bürger der Gemeinden Unterbruck und
Jarzt - viele kamen auch aus den umliegenden Ortschaften - nicht abhalten, dem
neuen Pfarrer einen ersten Willkommensgruß zu entbieten. Schon eine Stunde
vor seiner Ankunft standen die Menschen mit Regenschirmen auf den Straßen
und warteten auf seine Ankunft. Selbst die Landpolizei Freising hatte zwei Wagen
abgeordnet, damit der Pfarrer, der in Unterbruck ankommen und von dort aus nach
Jarzt weiterfahren sollte, ohne Hindernisse seinen Einzug in Jarzt halten könne.
Als Pfarrer Mayer in Unterbruck ankam, wurde er von Expositus Friedrich Reitz
aus Weng, Bürgermeister Simon Schwarz und Oberlehrer Giller aus Jarzt begrüßt.
Auch die Bürgermeister Knorr (Fahrenzhausen) und Zacherl (Oberndorf) richteten
Grußworte an den Pfarrer. Kinder sagten Gedichte auf und überreichten
ihm Blumen. Dann fuhr die Wagenkolonne durch zwei Girlandenbögen in das
blumengeschmückte Jarzt ein, wo er von der Bürgerschaft erwartet und
von der Kapelle Ganter aus Haimhausen musikalisch willkommen geheißen
wurde. Im feierlichen Zug mit den Feuerwehren aus Jarzt-Appercha, Lauterbach
und Fahrenzhausen, der Mädchengruppe, dem Burschenverein, den Schützenvereinen
von Lauterbach, Fahrenzhausen und Jarzt und dem Krieger- und Veteranenverein
Unterbruck ging es dann hinauf zur Pfarrkirche, die auf einer Anhöhe über
Jarzt liegt. Mit Blumen und Gedichten empfingen die Schulkinder Anton Mayer
vor dem Gotteshaus. Am Kircheneingang begrüßte Aushilfspfarrer Dr.
Hogger aus München den neuen Seelsorger, der anschließend eine Segensandacht
hielt.
Ein
eigenartiges Jubiläum
Dachauer Nachrichten vom 25.11.1924
Ein eigenartiges Jubiläum wurde am Sonntag, den 16. November hier begangen; die bekannteste Persönlichkeit von Jarzt und Umgebung ist der blinde Sepp, Josef Weinsteiger, der sich seit 50 Jahren als Orgelzieher verdient macht und lange Zeit auch daneben noch takt- und treffsicher mit seiner guten Tenorstimme mitgesungen hat. Lehrer Vitztum hat ihn seiner Zeit zu diesem Dienst abgerichtet und deshalb ist auch sein Sohn mit vier Kunstzitherspielern erschienen, um dem blinden Sepp das Jubiläum zu verschönern, der im Blindeninstitut München musikalisch ausgebildet wurde. Nicht nur den blinden Sepp hat das Quintett durch seine flotten Weisen entzückt, auch die erschienenen Gäste, besonders die Buschenwelt, fand großes Gefallen an dem Gebotenen; die Zither ist und bleibt eben ein Volksinstrument. Der Festredner würdigte in launigen Worten die unschätzbaren Verdienste des Blinden und erinnerte an all die Organisten, die des Sepp Kunst schon in Anspruch genommen; und am Schluss der Ansprache ließ man den Sepp leben und in einem donnernden Mu, das den Sepp zu Tränen rührte; denn in diesem Wort liegt für ihn ein ganzes Paradies eingeschlossen, und wer den Sepp eine Freude machen will, begrüßt ihn mit diesem seinem Lieblingswort Mu. Der Blinde lebt eben ein anderes Leben als wir; er denkt, fühlt und rechnet anders. Das gab sich auch in den Worten zu erkennen, mit denen er seinen Dank ausdrücken wollte. Nachdem er zuvor der Musik seine Anerkennung ausgesprochen hatte, versicherte der 72jährige Greis in allem Ernst, er sei ganz gerne bereit, noch mal 50 Jahre die Orgel zu treten; dann sei er gerade 122 Jahre alt. - Der Glückliche kennt keine Zeit und hat keine Vorstellung vom Raum; so sagt er mit Vorliebe von sich, er sei 150 Meter groß und der Kirchturm 300 Meter hoch. - Sepp, Mu! -
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| Visitationsbericht von 1560 und von 1584 | Restaurationsbericht 1924 |