zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibg              Kirchen in der Gem.Hilgertshausen


Pfarrkirche St.Stephanus in HILGERTSHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur KirchentürLandkarte
86567 Hilgertshausen, Kirchgasse 5
Lage der Kirche auf der Karte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Hilgertshausen wurde erstmals im Jahr 843 als Helidkereshusir (bei den Häusern des Helidker) in einem Kaufvertrag erwähnt und hatte damals sicher auch eine Kirche oder Kapelle. Die frühe Bedeutung des Ortes wird durch einen Gerichtstag bestätigt, den Bischof Erchanbert von Freising im Jahr 849 in Hilgertshausen abgehalten hat.

In gotischer Zeit (14.-16.Jh) wurde eine neue Kirche gebaut. Von dieser in alten Stichen überlieferten Kirche sind noch der Chor mit seinen dreifach abgetreppten Stützpfeilern und der untere, viereckige Teil des Turms vorhanden.

Im übrigen ist die derzeitige Kirche St.Stefanus ein Neubau von 1666 nach Plänen des späteren kurfürstlichen Hofmaurermeisters Caspar Zuccalli.
Die Hofmarksherren von Hilgertshausen waren 300 Jahre lang die Freiherrn Lösch; sie bekleideten in München hohe Ämter und hatten dort Kontakt zu so bedeutenden Künstlern wie Zuccalli.

1963, viel später als bei anderen Kirchen, wurde das Langhaus um 8 Meter verlängert.

Die Kirche St.Stephanus ist nun ein
- sechsachsiger Saalbau
- mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem
  Chor,
- sehr hohem Schiff mit relativ kleinen Fenstern
   sowie einem
- kräftigem, kurzen Zwiebelturm an der Südseite.

Außen am Chor der heraldische Grabstein des Martin von Thann (gest.1524)


Detail aus dem Grabmal der Familie Lösch  

Am unteren -gotischen- Turmteil sind Blenden mit doppeltem Kielbogenabschluss (siehe Bild oben links) eingelassen. In einer der Blenden ist eine sehr schöne Sonnenuhr angebracht.
Der Turmoberbau ist achteckig und mit einer Zwiebelhaube gedeckt.


Innenausstattung

Die Decke des Chores/Altarraums besteht aus einem Tonnengewölbe.

Der Altaraufbau wird durch eine an der Rückwand angebrachte Kreuzgruppe aus dem 18. Jh. ersetzt.
An der Nordseite des Altarraums sind zwei Oratorien eingebaut, in denen früher die Adeligen unbeobachtet vom Volk der Messe beiwohnen konnten.


per Mouseklick zu den Beschreibungen Zur Beschreibung der ApotelleuchterZur Beschreibung der ApotelleuchterZur Beschreibung der Figuren bitte klickenZur Beschreibung der Figuren bitte klickenZur Beschreibung der Figuren bitte klickenZur Beschreibung der  Epitaphs  bitte klickenZur Beschreibung der Figuren bitte klickenZur Beschreibung des Altars bitte klickenZur Beschreibung der Wangen der Kirchenbänke Zur Beschreibung der KreuzwegbilderSt.JoachimSt. AnnaZur Beschreibung des Epitaphs  für  den Freiherrn Albrecht Wilhelm Zur Beschreibung der ApotelleuchterSt.Korbinian

Besonderheiten der Kirche sind:
—  ein großes Bild der legendären Heiligen Wilgefortis im Altarraum und
—  die beiden großen kunstvoll ausgeführten Epitaphe aus Metall und Stein für die früheren Hofmarskherren Lösch an der
     Stelle der Seitenaltäre im Kirchenschiff aus den Jahren 1617 und 1660.

Im Chor und im Kirchenschiff sind außerdem noch mehrere Schnitzfiguren von Heiligen (Anna, Joachim, Wilhelm, Rupert, Korbinian, Stephanus und Ursula) angebracht. Die hohe Stellung einiger der Heiligen in ihrem Leben, wie z.B. des Ritters Wilhelm oder der Bischöfe Rupert und Korbinian zeigen, dass die Pfarrkirche in Hilgertshausen keine übliche Dorfkirche war, sondern sehr stark von den Hofmarksherren mitgeprägt worden ist.

Die beiden Halbfiguren von Joachim und Anna (Anfang 16.Jh.) besitzen recht seltene Brustreliquiare.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Der Ort Hilgertshausen wurde erstmals am 10. Aug. 843 als Helidkereshusir (bei den Häusern des Helidker 29)) urkundlich erwähnt (Urkunde Nr. 661 der Freisinger Traditionen) 04). Damals kaufte das Bistum Freising Güter in Hilgertshausen, Tandern, Klenau und Singenbach. Der Vertrag wurde übrigens am 10. August 843 in Dungeih bei Verdun geschlossen, wo zur gleichen Zeit der Reichsteilungsvertrag zwischen den Enkeln Karls d.Großen (Karl der Kahle, Ludwig der Deutsche und Lothars I.) unterzeichnet wurde. Verkäufer war ein gewisser Balderich, ein Edelmann aus der Besatzungsmacht der Franken. Balderich erhielt dafür 250 Pfund (Silberpfennige). Genutzt wurden die Güter aber zunächst nicht vom Bistum, sondern von Bischof Josef Erchanbert von Freising (835/836-854) persönlich und seinem Neffe Reginbert auf Lebenszeit. Dafür entrichteten sie dem Bistum einen Zins von 2 Schill. Silber jährlich. Die Belehnung des Bischofs und des Neffen wurde am 21.August offiziell. 03)
Sechs Jahre später, 849, hielt der neue Besitzer auf Lebenszeit, der Freisinger Bischof Erchanbert, hier in Hilgertshausen einen Gerichtstag ab, bei dem ein Priester Erchanfried Besitzungen zu Munninpach an die Kirche von Freising übergab.
  03)

Im Laufe der Zeit hat sich der Name von Hilgertshausen mehrfach geändert: (Helidkereshuson, Helidgereshusun, Hilcherzhausen, Heltgershusen, Hilgertzhawsen, Hilggershusen, Helgershawsen, Hülgertzhausen).

Fast 1000 Jahre lang wurde Hilgertshausen von Adeligen beherrscht. Sie besaßen hier viel Grundbesitz, wohnten im Schloss, saßen zu Gericht und übten die Patronatsrechte über die Pfarrei Hilgertshausen aus. Nach Anton von Steichele entstammten die ersten dem Geschlecht der Schiltberger, ab 1264 kam Hilgertshausen an die Kammerberger.   Im 14.Jh. wechselten schnell mehrere Besitzer. 03)

Die vor 1200 erbaute Veste, die später zum Schloss umgebaut wurde, stand in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens unten neben der Kirche. Nach der Brandschatzung am Ende des 30jährigen Kriegs 1648 baute Wolfgang Wilhelm Lösch das Schloss "weg auf die Anhöhe über dem Dorfe" wieder auf. Nach dem Abriss (1866) wurde dort eine Schule gebaut (1867) und 1989 der heute noch bestehende Kindergarten 18)
.
Das Schloss besaß natürlich eine Schlosskapelle. Bischof Steichele schreibt 1864:
  "Im Schloße stellte Wolfgang Wilhelm Lösch .... eine Kapelle her, welche der oben genannte Weihbischof am 7.Juli 1696 in hon. Ss. Trinitatis (= Patronat Hl.Dreifaltigkeit) consekrirte". 03)

Schlossherren
—  Vor 1264 herrschten die Schiltberger als Lehensträger der wittelsbachischen Herzöge; sie      besaßen drei Höfe, eine Mühle und das Patronatsrecht über die Kirchen der Pfarrei
     Hilgertshausen 22)
.
—  Von 1264 bis 1420 regierte eine Seitenlinie der Edlen von Kammerberg (die Schwiegersöhne der
     Schiltberger) in der Hilgertshausener Veste, die sich von da an Edle von Hilgertshausen
     nannten. Sie führten wie die Kammerberger eine Streitaxt im Wappen. In Hilgertshausen gehörte
     ihnen neben der Veste der Sedelhof, sieben weitere Hoftstätten, die Taferne, die Schmiede ,
     die Badstube, die Kirchenpatronate, viele weitere Höfe in der Umgebung und 2/3 des
     Großzehents.
22)
—  1420 wird Hilgertshausen als Dorfgericht bezeichnet, die Vorläufereinrichtung der späteren
     Hofmark. Dazu gehörten auch die Orte Michelskirchen, Neßlholz und Hollerschlag.
22)

Schloss Hilgertshausen 1560
Hofmarksherren
     waren ab 1420 die die Marschälle von Stumpfsberg (heute Sielenbach).
—  1432 verkauften sie an Heimeram von Haslang
03)
—  1456 ging die Herrschaft für 100 Goldgulden an das mit den Haslangern verschwägerte Geschlecht der Kammerberger
     Hauptlinie über 22)

—  1517 wurde die Hofmark für 5518 rhein.Gulden dem Kanzler des bayerischen Herzogs Wilhelm IV., Dr.Augustin Lösch (1516-
     1536), verliehen; sie verblieb fast 300 Jahre lang bis 1813 im Besitz dieser Familie.
—   Dann erwarb die aus der Nachbargemeinde Jetzendorf bekannte Familie Freyberg die Hofmark (bis 1851).
—   Das Schloss wechselte danach in den Besitz von Bierbrauern aus Friedberg u. Altomünster, bis man es 1866 abgerissen hat.

      Die Wirtschaftsgebäude um den Schloßhof wurden verschiedene kleine Anwesen.


Geschichte der Kirche

Hilgertshausen hatte im Jahr 843 sicher auch schon eine Kirche oder Kapelle, die wie fast alle Kirchen der damaligen Zeit, aus Holz bestanden haben dürfte.


um 1560

Wann die erste Steinkirche in Hilgertshausen errichtet wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die gotische Vorgängerkirche des heutigen Baus aus dem Jahr 1552 03) stammte, mit Spitzturm, kurzem Langhaus und drei Fenstern im Chor. Die Ilm reichte bis an das Kirchengrundstück heran (siehe kleine Zeichnung links). Von dieser Kirche sind heute noch der Chor sowie der untere Teil des Turms vorhanden.

Im übrigen ist die derzeitige Kirche ein Neubau von 1666. Grund dafür werden wohl Beschädigungen oder Brandschatzungen im Dreißigjährigen Krieg gewesen sein. Steichele schreibt:   "Am Ausgange des dreißigjährigen Krieges, beim feindlichen Einfalle von 1648, wurden Schloß und Dorf Hilkershausen in Asche gelegt." 03) "Die Untertanen verlaufen, verstorben, das Schloß im Grund verderbt, die Bauernhöfe verbrannt, Felder verwildert. Im Schloss bei 75 Fenstern keine Scheibe ganz".  Da das alte Schloss neben der Kirche stand, wird diese den Brand nicht unbeschadet überstanden haben.


um 1700
Bekannt ist, dass beim Neubau 1666 rd. 100.000 Ziegelsteine verbaut wurden 22) Der Bau wurde nach Plänen des späteren kurfürstlichen Hofmaurermeisters Caspar Zuccalli (1629-1678) errichtet 12). Die Verpflichtung eines so bedeutenden Baumeisters war nur möglich, weil die Hofmarksherren, die Freiherren von Hilgertshausen, insbesondere der damalige Hofmarksherr Albrecht Wilhelm Lösch, in München hohe Staatsämter bekleideten und dort Kontakt zu Zuccalli hatten.
Finanzier des Neubaus war Freiherr Albrecht Wilhelm Lösch, der von 1662 bis 1671 die Hofmark besaß. Er war wegen seiner Ämter am Hof zwar nur selten in Hilgertshausen, kümmerte sich jedoch aus der Ferne sehr um seine Hofmark. Baumeister Zuccalli erhielt für seine Tätigkeit die beachtliche Summe von 800 Gulden, obwohl er sich nach Aussage des Hofmarksverwalters nur selten sehen ließ und, wie es hieß, "khein Streich Arbeith" tat. 22)
Caspar Zuccalli (* um 1629 in Roveredo, Graubünden; + 15. April 1678 in München) war ein Schweizer Architekt und Baumeister des Barock. Er kam als 19-Jähriger nach München und arbeitete mit seinem Vetter Domenico Christophorus Zuccalli seit den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts im Innviertel. 1668, zwei Jahre nach dem Bau in Hilgertshausen, wurde er zum kurfürstlichen Hofmaurermeister in München ernannt. Kaspar Zuccalli bildete auch seinen noch berühmteren Schwager Enrico Zuccalli aus und ermöglichte ihm, im Jahr 1669 nach München zu kommen. In den Folgejahren arbeitete er mit ihm an einigen Projekten (z.B. in Altötting). Caspar Zuccalli war auch im Chorherrenstift Gars am Inn und im Kloster Andechs und in Altötting tätig. 23), 11)

Der Neubau wurde am 8.Juli 1696 vom Augsburger Weihbischof Ernst Egolf Freiherr von Westernach, Bischof von Dioclea, in tit. S.Stephani konsekriert. Zusammen mit der Kirche weihte der Bischof auch die Kapelle zu Ehren der Hl.Dreifaltigkeit im neuen, auf der Anhöhe errichteten Schloss 03)
Im Altar ruhen die Gebeine der Katakombenheiligen Theodora. Steichele schrieb 1864 dazu: "Nachdem Max Felix Lösch im J. 1692 aus Rom den Leib der hl.Theodora nach Hilkershausen gebracht, ließ er zu deren Aufbewahrung eine Kapelle in de Südwand der Kirche einbauen und die Gebeine am Tage der Kirchweihung feierlich in dieselbe übertragen. Um 1834 wurde aber diese Kapelle abgebrochen, und die hl.Theodora unter der Mensa des Choraltares beigesetzt." 03)


Fleckfieber-Epidemie 1674
Ein Ereignis, das zwar nicht das Kirchengebäude, aber doch die Kirchenmitglieder betraf, war die Fleckfieber-Epidemie 1674, über die Prof.Dr.Liebhart im Amperland 1994 berichtete 27). Aus Akten im ehem. Hofmarksarchiv Hilgertshausen auf Schloss Jetzendorf, die vom damaligen Vormundschaftsrichter Joh.Mich.Peikhart angelegt wurde, geht hervor, dass mind. 34 Personen zwischen 7 und 73 Jahren "an einer hizigen Khrankheit" litten. Es handelte sich um Fleckfieber, das damals als eines von den allerbösestens Fiebern" galt. Wie viele Menschen daran starben, ist nicht bekant; doch werden mehr als 10 Todesfälle im Einzelnen erwähnt. Das Fleckfieber dürfte durch einem durchreisenden Soldaten Mitte Februar nach Hilgertshausen gekommen sein. Er habe sich nur "beileifig ain halbe Stundt im Würthshaus" aufgehalten. Die Krankheit breitete sich in den nächsten Monaten in den umliegenden Ortschaften bis hin nach Aichach aus und dauerte das Frühjahr und den ganzen Sommer 1674 an.


1813 verkaufte die Fam.Lösch die Hofmark Hilgertshausen an die Freiherren von Freyberg. Das Dorf Hilgertshausen umfasste damals 28 Anwesen (5 Halbhöfe, 4 Viertelhofbesitzer, 19 Gütler, die Landwirtschaft als Nebenberuf betrieben haben).
1848 wurde die adelige Gerichtsherrschaft per Gesetz beendet. Drei Jahre später folgte die Veräußerung des Schlossgutes. Das Schloss selbst wurde 1866 abgebrochen.
Die Freibergs wurden beim Verkauf des Schlosses 1851 von der Diözese Augsburg geehrt:  "Angesichts der großen Verdienste, die sich Staatsrath Maximilian v.Freiberg um die Kirche erworben",  erhielt die Familie die Genehmigung,  "daß sie die am Gute Hilkershausen dinglich haftenden Präsentationsrechte auf die Pfarrei Hilkershausen und auf das Beneficium zu Beinberg auf das nahe Freiberg'sche Gut Jezzendorf übertragen werden durften" (Schreiben des Bischofs vom 10.3.1851 und Ministerialentschließung vom 16.9.1851). 
03)

Pfarrbeschreibung 1864  03)
Im Jahr 1864 verfasste der Kirchengeschichtler Anton von Steichele ein kirchen- und lokalgeschichtliches Monumentalwerk "Das Bisthum Augsburg", das die Grundlage für die geschichtlichen Daten der Kirche Hilgertshausen bildet.
Anton von Steichele (1816-1889) war nach seiner Priesterweihe 1838 und einer Tätigkeit als Hauslehrer in Landshut Domvikar u. Dompropst und bischöflicher Archivar in Augsburg. Er veröffentlichte mehrere kirchengeschichtliche Werke, darunter die berühmte, auf zehn Bände angelegte Augsburger Bistumsbeschreibung, von der er nur ein Drittel fertigstellen konnte; darunter die Beschreibung des Landkapitels Aichach, zu dem Hilgertshausen damals gehörte (Text über die Pfarrei Hilgertshausen...).
Von 1878 bis 1889 war von Steichele Erzbischof von München und Freising. Er ist in der Frauenkirche München begraben.

In der Pfarrbeschreibung äußert sich Steichele auch zur Gottesdienstordnung. Danach wurde in der Regel jeden dritten Sonntag den Pfarrgottesdienst in Gumpersdorf abgehalten. Insgesamt fanden damals in Hilgertshausen 188 Gottesdienste (einschließlich der 19 Stiftsmessen) im Jahr statt.
Das Vermögen der Kirche gibt Steichele mit 7146 Gulden an.
Das Einkommen des Pfarrers belief sich auf 1391 Gulden jährlich. Die Einnahmen- Ausgaberechnung können Sie hier nachlesen...


Bruderschaften 03)
Die Informationen über die Bruderschaften in der Pfarrkirche erhalten wir von Anton v.Steichele. Er schreibt:
In der Pfarrkirche besteht die Allerseelen- und die Scapulier-Bruderschaft.

- Die Allerseelenbruderschaft begründete der Kirchenerbauer Albrecht Wilhelm Lösch (1619-1670) mit päpstlicher Gutheißung
  vom 11.Juli 1664 und oberhirtlicher Genehmigung vom 10.Okt. 1665, nachdem sie am 24.Juni desselben Jahres der
  Erzbruderschaft zu Altenhof in München einverleibt worden war. Die rasch wachsende Zahl ihrer Mitglieder bestimmte den
  Gründer zum Neubaue der Pfarrkirche. Ihr Vermögen ist längst mit dem der letztern vereinigt. Am 26.Aug. 1700 stiftete
  M.Johanna Gräfin von Thurn und Taxis, geb. Gräfin Fugger-Kirchberg, in erster Ehe vermählt mit Albrecht Wilhelm Lösch, mit
  600 fl. eine Wochenmesse nach Hilkershausen für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft.

- Die Scapulierbruderschaft wurde mit oberhirtl. Genehmigung vom 30.Jan. 1697 errichtet. Die Miglieder halten Conventstage
  mit feierlichem Gottedienste und großem Concurse am Philippi-Jakobi-Sonntage, Scapulierfeste, Seelensonntage und
  St.Stephanstage, und überdies an 8 andern Sonn- und Festtagen besondere Nachmittagsandachten.

Mit Ordinariats-Dekret vom 1.Mai 1835 wurden die vereinigten Bruderschaften neu confimirt.



Beschreibung 1895  24)

Die Kirche von Hilgertshausen ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt , dessen Aichacher Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es auf Seite 202:
Pfarrkirche.
-  
Im Schiff der Kirche an der Nordwand Altaraufsatz in Bronceguss, laut Inschrift das Grabdenkmal des Georg Sigismund Lösch von Hilgertshausen + 1615, nach mündlichen Nachrichten aus der abgebrochenen Barfüsserkirche in München stammend. Vergl. Ob. Arch. XXXIIL S. 214. Den Haupttheil des Aufsatzes bildet ein Relief der Beweinung Christi, an der seitlichen Einfassung sind die Wappen der Lösch und Freyberg angebracht, unter der Beweinung Christi die Inschrifttafel, links davon der knieende Verewigte, rechts ein Trauerengel ebenfalls in Flachrelief. Interessante Arbeit des 17. Jahrhunderts. H. 225, br. 140 cm.
-  
Gegenüber an der Südwand befindet sich ebenfalls als Altaraufsatz ein Grabmal, das der Erbauer der Kirche des Albrecht Wilhelm Lösch, Freiherr von und zu Hilgertshausen, und seiner Gemahlinen Maria Catharina geb. von Taufkirchen und Maria Anna geb. Fugger. Der Aufbau des Denkmals ist von rothem Marmor, die Figuren von weisslichem, leicht rosa gefärbtem. Der untere Theil des Aufsatzes trägt die Schrift, dann folgte ursprünglich eine Marmorplatte, welche ein Relief hätte aufnehmen sollen, die aber jetzt entfernt ist; im oberen Aufsatz befindet sich die Mutter Gottes von Altötting, daneben zwei Engel in Hochrelief, zu Seiten die freistehenden Figuren rechts des Antonius von Padua, links die des hl. Franz, im durchbrochenen Giebel der Erzengel Michael mit der Waage; das Denkmal ist eine bemerkenswerthe Arbeit des 17. Jahrhunderts. H, 350, br. 240 cm.
-  
Beide Altäre erwähnt von Steichele Bd. II. S. 184 Anm.
 
An der Westwand der Vorhalle befinden sich noch folgende Grabsteine:
-  
1. eines Wilhelm Lösch + im 17. Jahrhundert Platte von Solenh. Stein, mit dem Wappen der Familie und vier     Sippschaftswappen. H. 158, br. 75 cm. Sehr verwittert.
-  
2. des Martin von Thann +1527 mit dem Wappen der Familie, zwei übereinandergelegte Hirschstangen. Vgl. Ob. Arch.
    Bd. XXXIII. S. 129. Platte von rothem Marmor. H. 153, br. 82 cm.
-  
Unter der Orgelempore noch vier weitere Grabsteine der Familie Lösch von 1759 bis ins 19. Jahrhundert.
 -  
In der Vorhalle ein gothisches Weihwasserbecken, früherer Taufstein. Durchmesser 80 cm.
Litteratur: Geschichte der Hofmark Hilkershausen zugleich Löschi'sche Familiengeschichte, aus dem Hilkertshauser Archiv bearbeitet von Max Frh. von Freyberg. Ob. Arch. XXXIII. S. 118. Sch.


1963
wurde das Langhaus der Kirche in Hilgertshausen um 8 Meter (zwei Joche) nach Westen verlängert. Die Holzpfähle des alten Mauerwerks wurden beseitigt und durch Betonpfeiler ersetzt. Während der Umbaumaßnahmen hatte man den verbliebenen Kirchenraum durch eine Staubwand abgeschirmt und weiter benutzt. Die Kirche hatte vor dem Umbau keine guten Proportionen: Sie war zu kurz, zu hoch mit einem zu niedrigen Kirchturm. Durch den Anbau wurden immerhin Länge und Höhe angepasst.

Renovierungen
- 1963 (Erweiterung der Pfarrkirche um acht Meter, Ersatz der Holzpfähle des Fundaments durch Betonpfeiler). 32)
- 1983-85 12)
- 2001
- 2008 (Turmbedeckung) statt.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.

1813
: Dorf mit 28 Anwesen (5 Halbhöfe, vier Viertelhöfe, 19 Gütler) 22)
1847: Pfarrei mit 635 Seelen (Einnahmen 1432 Gulden, Ausgaben 62 Gulden)
33)
1852: Gemeinde mit 136 Familien und 600 Einwohnern 02)

1864: Ortschaft Hilgertshausen, 41 Häuser (nur 2 größere Besitze, die übrg. Gütler und Häusler), 237 Seelen  03)
1876: Gemeinde Hilgertshausen (mit 665 Einwohnern, darunter 2 Protestanten) in 15 Gemeindeteilen: Abdecker (4), Ed (35),
          Eichenried (28), Gumpersdorf (87), Hilgertshausen (254), Hollerschlag (10), Mannsried (16), Michelskirchen (32),
          Nesslholz (9), Pirket (19), Pranst (7), Stadelham (65), Thalhof (10), Thalmannsdorf (78), Thonhof (7)
          Insgesamt 300 Gebäude, davon 138 Wohngebäude, 140 Pferde, 720 Rinder, 298 Schafe, 150 Schweine, 9 Ziegen.
26)
1933: Gemeinde mit   733 Einwohnern 21)

1939: Gemeinde mit   701 Einwohnern 21)

1987: Gemeinde mit 2348 Einwohnern

2011: Gemeinde mit 3154 Einwohnern

 

Baubeschreibung

Das heutige Gotteshaus St.Stephan wurde im Jahr 1666 nach den Plänen des Münchner Baumeisters Caspar Zuccalli errichtet. Finanzier war zum großen Teil Freiherr Albrecht Wilhelm Lösch, Hofrathspräsident zu München, ein glaubenseifriger und thatkräftiger Mann", so Bischof Steichele. 03)
Herrmann Bauer schreibt in seinem Buch über Kunstwanderungen in Bayern: 07)
"Die Stephanskirche in Hilgertshausen ist ein Beispiel für barocke Landkirchen, die mit Bauzier - vor allem Stuck- keinen großen Aufwand treiben konnten".

Grundriss
Die Kirche St.Stephanus in Hilgertshausen hat, wie die meisten Kirchen in unserer Gegend, einen rechteckigen Grundriss. Für die Kirchenform der üblichen Kirche bis zur Zeit des 2.Vatikanischen Konzils hat sich unter Theologen auch der Ausdruck "Buskirche" eingebürgert: Der Pfarrer ist der Busfahrer, die Gläubigen die Passagiere. Durch das Konzil hat sich der Busfahrer zu den Passagieren umgedreht. 20)
  Die rechteckige Kirche gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für die christliche Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Dr.Eckard Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet, als eine runde, kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab. 19)

Die heutige Kirche ist ein vierjochiger Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, sehr hohem Schiff und relativ kleinen Fenstern sowie einem kräftigen, kurzen Zwiebelturm an der Südseite. Der Chor wird durch dreifach abgetreppte Stützpfeiler stabilisiert. Die Kirche wurde 1963 um acht Meter (2 Joche) verlängert. Dabei wurden auch die Holzpfähle des Fundaments durch Betonpfeiler ersetzt. 32)

Am unteren, gotischen Turmteil mit quadratischem Grundriss sind Blenden mit doppeltem Kielbogen-abschluss (siehe Bild rechts) eingelassen. In einer der Blenden ist eine sehr schöne Sonnenuhr angebracht.

Der Turmoberbau ist achteckig und mit einer schindelgedeckten Zwiebelhaube gekrönt. Die Schindeln wurden um 1983 und schon wieder 2008 erneuert. Die Kosten trugen die Gemeinde und das Bistum (1983 70:30, 2008 50:50) 31)
Über die Glocken ist mir nur wenig bekannt. Anton von Steichele schrieb 1864, dass 3 Glocken neueren Gusses vorhanden seien. 03)


Sonnenuhr


oberer Teil
des Turmes
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise
nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". 16)


Außen am Chor ist der Grabstein des Martin von Thann (gest.1524) eingemauert, der zum großen Teil mit heraldischen Motiven geschmückt ist. Das Adelsgeschlecht ist fränkischer Uradel und soll ursprünglich aus Thann bei Zolling kommen. Im Mittelalter war es in der Pfalz begütert, wo die Thanns drei Felsenburgen (Altdahn, Grafendahn und Tanstein) auf einem Felsrücken im Dahner Felsenland- Landkreis Südwestpfalz besaßen.   25)
         

     
Epitaph 1524

Die Familiengruft der Freiherrn von Lösch liegt im Chore der Kirche, schrieb Bischof Steichele. 03)


I
nnenausstattung

Altarraum

Der Altarraum ist eingezogen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Die Decke besteht aus einem Tonnengewölbe aus Stein mit flachen Gurtbögen.
Der monumentale Altaraufbau von 1880 im Stil der Neuromanik, der noch um das Jahr 1960 das Aussehen des Chors maßgebend bestimmte (siehe Bild links) ist seit einigen Jahrzehnten entfernt 07) .
In der Mittelnische des Aufbaus befand sich eine Kreuzigungsgruppe aus der gleichen Stilepoche (mit Maria und Johannes), die nunmehr in der Bründlkapelle von Gumpersdorf aufgestellt ist.
Auf der Spitze war die große Pelikanfigur angebracht, die sich nun unter dem neuen Kruzifix befindet (siehe unten).


<<<- Altar um 1963

Die heutige Kreuzigungsgruppe soll dagegen früher in der Kapelle in Gumpersdorf gehangen haben. Das Kruzifix wurde in spätgotischer Zeit (16.Jh.) geschnitzt. Die unter dem Kruzifix stehenden Figuren von Maria und dem Apostel Johannes stammen aus dem 18. Jh.
Zum Kreuz schrieb 1864 Erzbischof Anton Steichele:
" Nahe Gumpertsdorf jenseits der Ilm liegt die s.g. Brünnl-Kapelle, als Wallfahrtsstätte besucht, mit einem hochgeehrten Crucifixbilde aus dem 15. Jahrh." 03), 24)
noch als Kapellenfigur bezeichnet: " Auf dem Hochaltar Crucifixus vom Anfang des 16. Jh, das Haupt nach rechts gesenkt. Gute Arbeit. Höhe: 132 cm."



Kreuzigungsgruppe

Nach der Bibel (Joh.19,26) vertraute Jesus am Kreuz seine Mutter mit folgenden Worten der Fürsorge seines Jüngers Johannes an: "Sieh deinen Sohn, sieh deine Mutter". Traditionell wird die Figur Marias auf der - vom Betrachter aus gesehen- linken Seite dargestellt, Johannes rechts.

Am unteren Ende des langen senkrechten Kreuz-balkens sitzt ein großer Pelikan, der früher an der Spitze der Altaraufbaus angebracht war.
Was hat der Pelikan mit dem Geschehen auf dem Altar zu tun? Im Mittelalter war das Aussehen des

 

exotischen Vogels in unseren Breiten nicht bekannt. In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Ein Fronleichnamsgebet von Thomas v.Aquin (1225-1275) lautet: Laß Jesu Herr und Heiland, teurer Pelikan, von deinem Blut mich Sünder Reinigung empfahn". Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen. Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde. 17)

Im Altar dürften noch immer die Gebeine der Katakombenheiligen Theodora ruhen. Jedenfalls schrieb Anton Steichele 1864 dazu:     "Nachdem Max Felix Lösch im J. 1692 aus Rom den Leib der hl.Theodora nach Hilkershausen gebracht, ließ er zu deren      Aufbewahrung eine Kapelle in die Südwand der Kirche einbauen und die Gebeine am Tage der Kirchweihung, 8.Juli 1696,      feierlich in dieselbe übertragen. Um 1834 wurde aber diese Kapelle abgebrochen, und die hl.Theodora unter der Mensa des
     Choraltares beigesetzt."
03)


Figuren und Bilder an den Wänden des Altarraums


St.Anna
An der Südwand sind zwei Halbfiguren der Großeltern Jesu, der Heiligen Joachim und Anna (Anfang 16.Jh. 12) ) mit recht seltenen Brustreliquiaren angebracht (die Reliquien der Heiligen sind in Glaskästchen in der Brust der Figuren enthalten).
Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus' aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die

St.Joachim
  Verehrung von Joachim und Anna. Die Vorgeschichte beginnt demnach mit dem Elternpaar Joachim und Anna,
die kinderlos blieben. Joachims Altaropfer wies der Hohepriester zurück. Joachim verbarg sich bei seinen Herden, ein Engel verkündete ihm, dass er zu seiner Frau zurückkehren und ihr an der Goldenen Pforte begegnen solle. Auch Anna, die trauernd ein Vogelnest mit den die Jungen fütternden Alten betrachtete, erschien ein Engel, der ihr trotz ihres hohen Alters Nachkommen verhieß. Festtag für beide Heilige: 26.Juli

Im Chor außerdem eine kleine Schnitzfigur der hl. Ursula aus der Filialkirche Gumpersdorf, 1. Hälfte des 15 Jh. 12)
Die Heilige ist als Königstochter dargestellt, die einen Pfeil in ihren Händen hält.


St.Ursula
Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia, Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu wer-den. Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15. Jh., gefördert besonders durch die Zisterzienser.
Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die
  Ursula-Legende "Jungfraueninseln", benannt. Auf den meisten Darstellungen ist sie mit einem Pfeil zu sehen. Häufig ist im Hintergrund ein Schiff sowie die Silhouette der Stadt Köln dargestellt. Festtag: 21. Oktober

Seit Beginn des Jahres 2007 steht im Altarraum eine weitere Skulptur des hl.Stephanus, die Prälat Alois Haas der Pfarrgemeinde geschenkt hat. Der in Hilgertshausen wohnende Priester im Ruhestand hatte die Figur aus der Mitte des 16.Jh. bei einer Kunstauktion in Kempten erworben und in Innsbruck restaurieren lassen. 30)
St.Stephanus ist in dieser Darstellung mit einem faltenreichen Diakonsgewand bekleidet. Er hält ein offenes Buch und vier Steine in den Händen. Sein Blick geht zum Betrachter.
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2-53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem. Festtag: 26.Dez.

Auf der Nordseite zwei Oratorien, in denen früher die Adeligen ungesehen und unbelästigt von den einfachen Gläubigen der Messe beiwohnen konnten.

Kümmernisbild

Eine Besonderheit in Hilgertshausen ist das Ölgemälde auf Holzuntergrund an der rechten Wand des Altar-raums. Es zeigt die hl. Wilgefortis oder auch hl.Kümmernis genannt, die wie Christus an einem Kreuz über einem Altar hängt. Sie ist in ein langes rotes Gewand gekleidet und trägt eine Krone auf dem Kopf, der durch einen Heiligenschein herausgehoben ist. Die Heilige trägt trotz ihres weiblichen Geschlechts einen Backenbart.
Auf dem Altartisch liegt ein (goldener) Schuh, der von den Füßen der Gekreuzigten herabgefallen ist. Vor dem Altar kniet ein Musiker, mit einer Geige unter dem Arm, der St.Wilgefortis um Errettung vor dem Henkerstod anfleht. Sein Stopselhut liegt vor ihm auf der Altarstufe. Im unteren Teil des Bildes ist das Verlöbnis zu lesen, das die Hilgertshauser eingegangen sind, damit sie auf die Fürbitte der Jungfrau Maria und der heiligen Kümmerniß von allen Gefahren verschont bleiben:

Kümmernisbild-1689
 


Text unter dem Gemälde

    "Die heilige Jungfrau und Martyrin Wilgefortis, oder insgemein St.Kümmerniß, allen betrübten
                            und beängstigten eine große Fürsprecherin und Helferin bey Gott
.
Anno 1689 haben wir in ganzer Pfarrgemeinde allhier zu Hilgertshausen Gott dem Allerhöchsten, wie auch der un-befleckten Empfängnis Mariä und der heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefortis zum höchsten Lob, Ehr und Pries, diese Tafel in unsrer St.Stephanus Pfarrkirche machen laßen. Damit der liebe Gott, durch die allvermögende Vorbit-te der Himmels Königen Mariä und der heiligen Kümmerniß von uns nicht allein diese, sondern auch alle andere Jah-re, alles Übel, absonderlich Krieg, Hunger und Pest, gnädig und barmherziglich wolle abwenden. Wir haben auch zu diesem Ende und für Abwendung des Schauers, Hagels Reifes und aller anderen Unglücksfälle miteinander einhellig verlobt und versprochen: an den heiligen unser lieben frauen Lichtmeßtag zu beichten und das Hochwürdigste Sa-krament des Altars zu empfangen. Auch 3 Samstag nacheinander auf den drey Altären ein Amt halten zu laßen, unter demselben zu opfern und allezeit einen Rosenkranz mit den Geheimnißen von den Leben und Wandel, wie auch von den Leiden und Tode Jesu Christi, mit lauter Stimme zu bethen, welches auch geschehen. Der barmherzige Gott wolle unser armes Gebeth erhören und uns in Gnaden erhalten, Amen."

 

Hinweis: Die hl. Wilgefortis (Virgo fortis = tapfere Jungfrau) wird auch hl. Kümmernis genannt. Sie genoss seit Mitte 14. Jh. volkstümliche Verehrung. Der Legende nach war die früher sehr populäre Heilige (ohne kirchlichen Kult) eine sizilianische oder portugiesische Prinzessin. Sie soll ca. 130 n. Chr. zum christlichen Glauben übergetreten sein und sich Jesus so verbunden ge-fühlt haben, dass sie es ablehnte, zu heiraten. Sie bat Gott, er möge sie so hässlich werden lassen, dass der ihr zugedachte Mann sie zurückweise. Das Gebet fand Erhörung, und es wuchs ihr ein mächtiger Bart. Ihr Vater, der davon Kenntnis erhielt, soll seine Tochter martern und mit Lumpen bekleidet gekreuzigt haben, damit sie ihrem himmlischen Bräutigam gleiche. Die Sterbende predigte drei Tage lang und bekehrte viele Menschen, darunter auch ihren Vater. Er ließ sie nach ihrem Tod in kostbare Stoffe hüllen und errichtete eine Sühnekirche.
Attribute der Heiligen sind Kreuz, Bart, Krone und ein Schuh. Kümmernis bot Anlass für viele Erzählungen. Am bekanntesten ist wohl die Legende von einem bettelarmen Geiger, dem eine Figur der Heiligen einen ihrer silbernen Schuhe zuwarf. Der daraufhin wegen Diebstahls zum Tode verurteilte Musikant durfte vor der Hinrichtung noch einmal vor der Heiligenfigur spielen. Zum Beweis seiner Unschuld löste sich nun auch der zweite silberne Schuh vom Fuß der Heiligenfigur und kollerte bis zu den Füßen des Geigers.
Nach der heute vorherrschenden Auffassung beruht die Kümmernisgestalt auf einer Missdeutung alter Christusbilder, die den ge-kreuzigten Heiland als Himmelsfürsten in königlichem (byzantinischem) Gewande der romanischen Kunstepoche und beschuht zei-gen, so besonders das Erlöserbild Volto Santo aus dem Dom zu Lucca. Nachbildungen des Volto Santo, die über die Alpen nach Norden verbreitet worden seien, habe man wegen ihrer altertümlichen Form nicht mehr verstanden und daher umgedeutet. Ältere Legenden über bebartete Jungfrauen, z.B. Paula und Galla, hätten dann zu der Ausbildung der Kümmernislegende beigetragen. Festtag: 20. Juli


K
irchenschiff bzw. Langhaus

Das Langhaus ist mit einem durch flache Gurtbogen verstärkten Stichkappentonnengewölbe über Wandpfeilergliederung überdeckt. 12)

Kunsthistorische Besonderheiten in der Kirche von Hilgertshausen sind die beiden prächtigen Epitaphe (Grabdenkmäler) der Freiherrnfamilie Lösch. Nach Anton v.Steichele befindet sich unter dem Altarraum die Familiengruft der Löschs. 03)
  Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griechisch: Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Epitaph an der Nordseite (links)
Grabdenkmal für den ehem. Münchner Hofstallmeister
Georg Sigismund Lösch von Hilgertshausen - 1617

Auf der Nordseite des Langhauses ist an Stelle eines Seitenaltars ein etwa 3 m hohes Grabdenkmal für den ehem. Münchner Hofstallmeister Georg Sigismund Lösch von Hilgertshausen mit fein gearbeitetem Bronzerelief der Beweinung Christi angebracht (siehe Bild links).

Es wurde um 1615-1617, unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg von dem Münchner Hofkünstler Hans Krumpper (1570-1634) modelliert. 28) Gegossen wurde es vom berühmten Glockengießer Bartholomäus Wenglein/Wengle (Glocken für die Frauenkirche, St.Peter, bei uns: Wiedenzhausen, Viehbach, Weng). Früher hatte das Grabmal seinen Platz in der inzwischen abgebrochenen Münchner Franziskaner-kirche/ St.Theodora-Kapelle. Bei deren Abbruch forderte die Familie des Grafen Lösch das Epitaph zurück und brachte es 1829 zur Hilgertshausener Kirche, "in welcher die Asche ihrer Eltern und Ahnen ruht", schrieb v.Steichele. 03)

Auf dem Hauptbild hält die trauernde Maria ihren toten Sohn Jesus auf dem Schoß. Um sie herum sind mehrere mittrauernde Engel gruppiert, die den Leichnam stützen oder liebkosen und die Marterinstrumente wie das Kreuz, die Lanze, die die Seite Jesu am Kreuz geöffnet hatte oder die Ysopstange halten. Dornenkrone, Hammer und Nägel liegt am Boden unter Jesus; daneben steht das Salbgefäß. Im obersten Teil des Epitaphs blickt ein Totenkopf herunter. Zwei Englein lehnen außerhalb des Bildes an den jonischen Segmentbögen; sie halten eine Stundenuhr sowie Pfeil und (gespannten) Bogen in ihren Händen.

An den angedeuteten Pilastern sind ebenfalls Reliefs von Totenköpfen und gekreuzten Oberschenkelknochen sowie Wappen angebracht.

Im unteren Teil des Epitaphs ist links der verstorbene Georg Sigism.Lösch in Ritterrüstung auf Knien abgebildet, in der Mitte eine Schrift-Kartusche und rechts hält ein Engel das Tuch mit dem Abdruck des leidenden Heilands (Schweißtuch der Veronika).

Die Inschrift bezeichnet in schwulstigem Latein das Werk als Grabdenk-mal für den edeln Georg Sigismund Lösch von Hilkershausen zu Singen-bach, Herzog Maximilians Kammerherr und Rath, Vice-Stallmeister, und Pfleger zu Deggendorf, gest. im Alter von 44 Jahren am 17.4.1615. 03)

 

Hinweis: Die Familie Lösch ist eine sehr alte Familie aus Franken und hatte ihren Familiensitz in Khimeding, nach welchem Ort sie sich auch nannte. Die Familie der Lösch stammte aus der freien Reichsstadt Rothenburg o.d.Tauber. 18)
Der Jurist Dr. Augustin Lösch (1471-1535) trat 1507 in den bayerischen Staatsdienst und arbeitete sich, wie Prof.Dr.Liebhart schrieb, bis zum Kanzler des Herzogtums unter Wilhelm IV. (im Amt von 1505-1550) hoch. Er bekleidete dieses hohe Amt 20 Jahre lang, von 1516 bis 1536.
Da die Familie in Bayern beheimatet sein wollte, erwarb sie 1517 die vakante Hofmark Hilgertshausen für 5518 Gulden. Die Lösch' wurden 1653 Freiherrn und 1790 sogar Reichsgrafen. Sie behielt die Hofmark bis zum Verkauf an die Freiherren von Freyberg im Jahr 1813.
Die Familie brachte im Laufe der Jahrhunderte mehrere bedeutende Persönlichkeiten hervor. Darunter war neben dem schon erwähnten Kanzler Dr. Augustin Lösch auch der Freisinger Bischof Leo Lösch (im Amt von 1552 bis 1559) sowie der Hofratspräsident und Kirchenstifter Albrecht Wilhelm von Lösch (Lebenszeit 1619-1670), an den im Epitaph an der Südseite der Kirche erinnert wird.
01)
Das Verhältnis der Hilgertshausener Untertanen zu ihren Hofmarksherren war nicht immer spannungsfrei.
Einer der Herren, Augustin der Jüngere Lösch, der die Hofmark von 1608-1632 leitete, war als Leuteschinder bekannt. Der außergewöhnlich fettleibige Herrscher erhöhte die Abgaben, verminderte die Holzrechte der Bauern und unterschlug Kirchen- und Vormundschaftsgelder. Augustin wurde verklagt und vom Hofratspräsidum verurteilt, verlor alle Würden, musste ins Gefängnis und wurde des Landes verwiesen. Als die Schweden 1632 das Schloss geplündert hatten, kamen die Hilgertshauser Einwohner zur Nachplünderung, so groß war der Hass auf den hohen Herrn.


Epitaph an der Südseite (rechts)

An der Südwand ist in der Mitte des Kirchenschiffs ein ähnlich gestaltetes Grabdenkmal für
 den Kirchenstifter Freiherrn Albrecht
      Wilhelm Lösch
(1619-1670) von Hil-
     gertshausen und seine beiden Ehe-
     frauen
 Katharina, Freiin von Taufkirchen zu
     Guttenburg und
 Johanna Gräfin Fugger zu Kirchberg
     und Weißenhorn angebracht.

Das um 1660 errichtete Grabdenkmal be-steht aus Rotmarmor. Das Hauptfeld ist leer, der Aufsatz aber mit vielen Kalksteinfiguren geschmückt:
In der Mitte die Altöttinger Madonna (siehe Bild rechts) flankiert von zwei Engeln mit Füllhörnern.
Die Muttergottes von Altötting ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat die Originalfigur in Altötting ein Zepter; das fehlt in Hilgertshausen. Allerdings lässt die Haltung der Finger vermuten, dass diese früher ein solches Zepter umschlossen haben. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.



Grabdenkmal für den Kirchenerbauer Freiherrn Albrecht   Wilhelm Lösch von Hilgertshausen
und seine beiden Ehefrauen
Katharina
, Freiin von Taufkirchen zu Guttenburg und
 Johanna Gräfin Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn.
Zu beiden Seiten des Epitaphs stehen die fast lebensgroßen Kalkstein-Figuren des hl. Franziskus und des hl. Antonius von Padua. Beide Heilige haben zur gleichen Zeit gelebt und gehörten dem gleichen Orden an. Früher dürfte Franziskus wohl ein Kruzifix in den Händen gehalten haben, das heute fehlt.
Unter der Freiherrn-Krone sind die Wappen der drei Toten dargestellt. Ganz oben, zwischen dem durchbrochenen Giebel könnte die Figur des verstorbenen Freiherrn Albrecht Wilhelm Lösch stehen, mit einer Justitia-Waage in der Hand.

Die Inschrift unter dem leeren Hauptfeld besagt, dass Herr Albrecht Wilhelm Lösch, Freiherr von Hilkershausen, und seine beiden Gemahlinnen M.Katharina Freiin v. Taufkirchen zu Guttenburg, und M.Johanna Gräfin Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn, diese Kirche erbauen ließen und allda begraben liegen.
 

Hinweise zu den Darstellungen auf dem Epitaph:
Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.

Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten (Franziskaner), der sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmete. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und Franziskus hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Festtag: 4.Oktober

Antonius lebte auch im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Festtag: 13.Juni


Frühere Seitenaltäre

Eine Photographie aus der Zeit um 1960 zeigt, dass die Kirche jedenfalls bis dahin neben dem Hochaltar auch zwei schmale Seitenaltäre mit hohem Aufbau im Stil des Historismus besaß. Jeweils zwei Säulen trugen ein Gebälk, auf dem ein hoher Aufsatz mit krönendem Kreuz saß. In die Predellen waren große Nischen eingebaut; darin befanden sich Figurengruppen..

Der linke Altar war ein Anna-Altar.
Ihre Figur stand in der Mittelnische zusammen mit ihrer Tochter Maria. Assistenzfiguren stellten die Heiligen Wilhelm und Korbinian dar; sie stehen jetzt an den Wänden des Kirchenschiffs.

Der rechte Altar war ein Marien-Altar.
Mittelpunkt war die Marienfigur, die sich auch heute noch an dieser Stelle befindet. Eine der Assistenzfiguren, die den hl.Bischof Rupert darstellt, steht jetzt an der rechten Wand des Kirchenschiffs.




Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An der Stelle des rechten Seitenaltars befindet sich eine sehr bewegt dargestellte Marienfigur.
Die Figur stand früher auf dem rechten Seitenaltar. Auf einem Foto aus der Zeit von 1963 ist sie dort zu sehen.

Sie zeigt die Krönung Marias im Himmel. Der Blick und die Haltung der Muttergottes ist ganz nach oben gerichtet, wo ein Engel die barocke Krone über sie hält. Zwei Putten halten ihren Mantel. Der Fuß Mariens steht auf einer Mondsichel, die an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1) erinnert: "von der Sonne um-kleidet, den Mond zu ihren Füßen". Die ganze Gruppe ist von einem Strahlenkranz umgeben.


Krönung Mariens


Der hl. Wilhelm (von Malavalle), in Ritterrüstung mit einem vergoldeten Mantel darüber. Die Skulptur stand noch nach 1963 als Assistenzfigur am linken Seitenaltar (Anna-Altar) in der schmalen Nische zwischen Altar und Wand.

Wilhelm ließ sich nach ungebundenem Jugendleben in eine nicht abnehmbare Rüstung einschmieden und pilgerte mit darüber gelegtem Bußgewand im Jahr 1145 nach Rom und sogar ins Heilige Land, wo damals die christlichen Kreuzfahrer herrschten. Er gründete den Wilhelmiten-Orden, der sich der Krankenpflege widmete und bis 1785 bestand. Papst Innozenz III. (1198-1216), sprach Wilhelm im Jahr 1202 heilig.
Wegen der präzise auf den Leib geschmiedeten Rüstung wurde er Patron der Schlosser und Klempner.
Festtag: 10. Febr.

  
St.Wilhelm  



St.Stephanus

Eine Halbfigur des Kirchenpatrons St. Stephanus, auf Wolkensockel mit Buch, Steinen und Märtyrerpalme in den Händen. Die Figur korrespondiert künstlerisch mit der Ursulafigur im Altarraum.
Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Nach der Apostelgeschichte, war er einer der ersten christlichen Märtyrer (Steinigung vor den Toren Jerusalems unter Beteiligung von Saulus/Paulus).
Festtag: 26. Dez.

Eine der Bischofsfiguren stellt den hl. Rupert dar. Er hält in seiner Hand ein Salzfass. Die Skulptur stand noch nach 1963 als Assistenzfigur am rechten Seitenaltar.


St.Rupert

St. Rupert lebte um das Jahr 700. Er stammte wohl aus einer fränkischen Adelsfamilie, missionierte an der Donau von Regensburg bis Ungarn und war Bischof von Juvavum, dem späteren Salzburg. Herzog Theodo von Bayern schenkte Rupert die Salzquelle in (Bad) Reichenhall. Aus ihren Erträgen förderte er den Wiederaufbau von Salzburg, das durch die Völkerwanderung eine weithin verwüstete und verwaiste Ruinenstadt war. Rupert gründete auch das Frauenkloster St. Erentrud auf dem Nonnberg.
Der Heilige starb wohl in Salzburg und wurde im neuerbauten Dom der Stadt beigesetzt. Heute ruhen seine Reliquien im Dom und in der Abteikirche St. Peter. Festtag: 27. März

Auch St. Korbinian wird im Bischofsornat dargestellt. Der sonst übliche Bär als Attribut fehlt hier.
Korbinian wurde um 670 bei Melun (Frankreich) geboren. Er lehrte zunächst in Frankreich und wurde dann vom Papst zur Mission nach Bayern geschickt. Er war von 724 bis 730 der erste Bischof von Freising. Als ihm auf einer Reise nach Rom ein Bär ein Lasttier riss, band er die Last dem Bären auf und zwang ihn, ihn nach Freising zu begleiten. Korbinian starb um 725 und wurde zunächst in Meran und schließlich in Freising begraben. Korbinian ist auch der Patron der Erzdiözese München und Freising.
Festtag: 20. November


St.Korbinian   


Zur Beschreibung der ApostelleuchterZur Beschreibung der  OrgelZur Beschreibung der KreuzwegbilderKirchenbank-WangenZur Beschreibung der Figur St.StefanusZur Beschreibung der Figur von St.RupertZur Beschreibung des Grabdenkmals  für  den Freiherrn Albrecht Wilhelm Zur Beschreibung der ApostelleuchterZur Beschreibung der Figur von St.Korbinian
per Mouseklick zu den Beschreibungen
Kreuzwegbilder
Besonders eindrucksvoll sind die als Steinreliefs gestalteten Kreuzweg-Stationsbilder in kleinen Nischen an den Wänden.
Als Kreuzweg werden die aufeinander-folgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidens-geschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im


Kreuzweg

Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach
Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolo-rosa" nachzugehen. Als das wegen der islamischen Herrschaft in Jerusalem nicht mehr möglich war, hat man den Kreuzweg auf Anhöhen und in Wallfahrtsorten nachgebaut. Erst mit zu Beginn des 18. Jh. hielten die Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkir-chen. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte sie mit großzügigen Ablässen.
Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, dann klicken Sie hier...

Apostelleuchter
Zwischen den Kreuzwegbildern sind die schmiedeeisernen, blau und golden gestrichenen Apostelleuchter in barocken Formen angebracht.


Apostelleuchter
  

Die Apostelleuchter erinnern an das in der
Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusa-lem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. 



Kirchenstühle
Die ungeteilten Kirchenbänke haben schön geschnitzte Wangen mit Akanthusmotiven.

Das Muster entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, hier in Hilgertshausen, Markt Inders-dorf, Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Sigmertshausen, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet


Kirchenbank

  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die
Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Taufstein
In einer Nische an der Südseite des Kirchenschiffs ist hinter einem Vorhang eine kleine Taufkapelle einge-richtet. Dort steht der alte achteckige Taufstein aus Rotmarmor mit gewölbtem Kupferdeckel aus neuester Zeit in den die Worte ".... ein Glaube, eine Taufe" eingraviert sind.
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale im Königreich Bayern von 1895 wird das Becken wie folgt dargestellt: "In der Vorhalle ein gothisches Weihwasserbecken, früherer Taufstein. Durchmesser 80 cm."
Um das Jahr 1960 standen Taufsteinfiguren von Jesus und Johannes Bapt. auf dem damaligen Deckel.


Taufstein

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprüng-lich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem
  Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.


Orgel
Die 22-Register-Orgel mit 2 Manualen im neu-barocken Prospekt kam aus der Werkstatt des Kissinger Orgelbauers Maximilian Offner und kostete rund 285.000 Mark. 14)
Zusammen mit den Schnitzereien und Vergoldungen sowie dem erforderlichen Umbau der Empore entstanden Kosten von 350.000 DM.
Das Instrument wurde am 23. Mai 1993 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes von Prälat Dr. Dr. Professor Anton Ziegenaus aus Augsburg geweiht.


Orgel

Der Orgelbauer Offner hat auch die Orgeln in den Kirchen von Egenburg, Gumpersdorf, Hohenzell und Unterumbach gebaut, sowie die Orgel in Arnzell restauriert.
Der Prospekt stammt noch von der Vorgängerorgel, die der Orgelbauer Roman Heinrich Beer aus Erling bei Andechs (1866-1929) im Jahr 1892 erstellt hatte. (Von Beer stammt auch die Orgel in Weichs). 08)
, 14)
Auf dem Orgelprospekt steht eine weitere Figur des Kirchenpatrons St. Stephanus im roten Diakonsgewand, mit Märtyrerpalme und einem Bücherbündel in den Händen; der Kopf ist umkränzt von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes.
  Hinweis zur Orgel: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden


St.Stephanus

  Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.



Weihwasserbecken
Die Weihwasserbecken aus Granit am Eingang der Kirche sind in die Wand eingelassen.
  Hinweis: Katholische Kirchen sind schon am Eingang an den Weihwasserbecken oder Weihwasserkesseln zu erkennen, die neben der Türe, meist im Inneren, angebracht sind. Durch das Bezeichnen in Form eines Kreuzes mit dem Weihwasser sollen sich die Eintretenden an ihre Taufe erinnern.


Weihwasser-becken   



Osterbrunnen


In der Osterzeit wird seit 1997 18) der Brunnen vor der Kirche vom Katholischen Frauenbund Hilgertshausen schön mit Girlanden, Eiern und einer Krone geschmückt.

Osterbrunnen
 Die Idee hierzu war bei einer Osterbrunnenfahrt in die Fränkische Schweiz entstanden. 13) Die Osterbrunnen haben dort ihren Ursprung, in einem Gebiet, in dem das Wasser knapper ist als im Dachauer Land.



Mesnerhaus

Unmittelbar neben der Kirche steht das alte Mesnerhaus mit einem sog. Mansarden-Halbwalm-dach-Haus und mit Putzgliederung aus der Zeit um 1800, das seit einigen Jahren als Pfarrheim genutzt wird. Das historisch wertvolle Gebäude selbst wurde um 1750 im bayerischen Barockstil erbaut.
Es war nicht nur vom Mesner bewohnt, sondern diente bis 1893 auch als Schul- und Lehrer-wohnhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es auch eine Zeit lang Gemeindekanzlei. Seit seiner Renovierung im Jahr 1986 wird es als Pfarrzentrum genutzt.



Pfarrhaus

Zum Pfarrhof schrieb Anton Steichele in seiner Bistumsbeschreibung:
" Der alte Pfarrhof war bei den feindlichen Einfällen von 1648 und 1704 jedes Mal vollständig eingeäschert worden. Der jetzige, nicht fern von der Kirche, geräumig genug, stammt aus der Zeit nach dem letztgenannten Brande; die Oekonomiegebäude stehen gesondert. Auf der Pfründe lastet eine Reluition von Baufallkosten zu 314 fl. 16 kr., zu tilgen mit jährlich 25 fl. und Verzinsung von 1858 bis 1870. Die Zehentbaupflicht des Gutsherrn ist abgelöst." 03)

Für diesen Neubau stiftete Albrecht Wilhelm Lösch, an den das Epitaph an der rechten Kirchenschiff-Wand erinnert, 200 Gulden, Ziegelsteine und Bauholz. 22)

Homepage des Pfarrverbands

Die Pfarrei Hilgertshausen hat auch eine interessante Homepage (www.pfarrei-hilgertshausen.de). Wenn Sie mehr über die Gottesdienstzeiten, den letzten Pfarrbrief und die sonstigen Aktivitäten der Pfarrgemeinde erfahren wollen: klicken Sie hier...

Hans Schertl



Quellen:
01) Chorherr Georgius Penzl, Chronik des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, ca.1745
02) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
03) Anton v.Steichele, Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, Zweiter Band Augsburg 1864, S.181 ff
04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.661)
05) Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, 1932
06) Max Spindler, Historischer Atlas von Bayern, 1958 (Hofmark)
07) Bauer/Rupprecht, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973, Seite 163
08) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
09) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
10) Josef Kreitmeir, Max Anneser und Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
11) Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Zuccalli)
12) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
13) Dachauer Nachrichten vom 28./29.3.2002 und vom 13.4.2006 (Osterbrunnen)
14) Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
15) Wilhelm Liebhart in Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen, 2003
16) Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
17) Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007 (Pelikan)
18) Dachauer Nachrichten vom 23.1.2012 (Schlossherr Freyberg)
19) Dr.Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Bauform)
20) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Buskirche)
21) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgesch.1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
22) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Adel, Hofmark und Schloss Hilgertshausen, Kulturspiegel Altoland, 2015/Nr.45
23) https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar_Zuccalli_(Architekt), Zugriff 2016 (Zuccalli)
24) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
25) Chronik der Familie Thann, http://members.kabsi.at/seeau/Encyclopaedia/LinienMuetter/Familie-Thann.htm#Chronik
26) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern von 1876
27) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Fleckfieberepidemie von 1674 i.d. Hofmark Hilgertshausen u.im Landger.Aichach, Amperld 1994
28) Walter Scheidler, Ein Grabmal von Hans Krumpper
29) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
30) Dachauer Nachrichten, 27.12.2006 (Stephanusfigur)
31) Dachauer Nachrichten vom 11./12.10.2008 (Renovierung 2009)
32) Dachauer Nachrichten vom 29.8.2013 (Umbau 1963)
33) Georg Friedrich Kramer -Pfarreien-Statistik des Regierungsbezirks von Oberbayern, 1847

32 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

8.3.2018


Aus dem kirchen- und lokalgeschichtliche Monumentalwerk "Das Bisthum Augsburg"
von Dr.Anton von Steichele  
03)

Pfarrei Hilkershausen ( 697 Seelen)

Patr.der Besitzer des Schloßgutes Jezzendorf (derm. Frhr. v.Freiberg-Eisenberg)
Ldg. Aichach (nur die Einöde Geiersberg und 2 Häuser von Thalmannsdorf gehören zum Ldg. Dachau)

I. Pfarrsitz
Hilkershausen, Dorf, 41 Häuser (nur 2 größere Besitze, die übrg. Gütler und Häusler), 237 Seelen, an der Ilm und an der Kreuzung der Nebenstrassen Schrobenhausen-Dachau und Aichach-Freising. Das Schloß, Jahrhunderte lang Sitz der Kammerberger und der Lösche, ist jetzt in bürgerlichen Händen, welche das Schloßgut zertrümmern, in Folge dessen die Häuserzahl schnell von 35 auf 41 stieg.

II. Pfarrgeschichte
Im Gebiete der obern Ilm um Hilkershausen waren, wie es scheint zur Zeit, als die Karlinger über Bayern herrschten, Güter als kaiserliche Lehen in den Genuß vornehmer Franken gekommen. Im 9.Jahrh. befand sich Balderich, wahrscheinlich ein edler Westfranke, im Besitze solcher Güter. Als nun im August 843 die Söhne Ludwigs des Frommen das väterliche Reich theilten, und Bayern dem deutschen Antheile des Sohnes Ludwig zufiel, traf Balderich am 10.Aug. 843 im Orte Dungeih bei Verdun mit dem Bischofe Erchanbert von Freising das Uebereinkommen, daß Ersterer seine Besitzungen in Bayern an die Kirche von Freising für 250 Pfund Silber überlasse, Bischof Erchanbert mit seinem Neffen Reginbert aber gegen einen Zins von 2 Schill.Silber sie auf Lebenszeit genieße. Balderich übergab also, was er im Heerbanne der Bajuwarier besaß, nämlich die Orte Tannara (Tannern), Helidkereshusir (Hilkershausen), Chleniavva (Klenau) und Munninpah (Singenbach) an den genannten Bischof und seine Neffen, welche dann am 21.Aug. die Belehnung mit diesen Gütern empfingen.

Unser Ort wird nicht lange darnach, nämlich am 11.Jan. 849, da ein Priester Erchanfried Besitzungen zu Munninpach an die Kirche von Freising übergibt, wieder genannt (actum ad Helidkereshuson, Meichelb. nr. 661). Um das J. 1000 erscheint Helidgereshusun im Gerichtssprengel, vielleicht gar im Besitze des Gaugrafen Udalstalk von Scheiern (ib.nr.1139), und später als Lehen der Witttelsbach'schen Herzoge. Die Ersten, welche wir im Lehensgenusse von Hilkershausen finden, gehören zum Geschlecht der Schiltberger. Als aber Leutold von Schiltberg und seine Töchter Guta und Kunigunde ihre Lehen dem Herzoge Ludwig dem Strengen aufsandten, gab dieser zu Dachau am 21.Jan. 1264 den Ehemännern dieser Töchter, Ulrich und Berchtold, Ulrichs von Kammerberg Söhnen, lehensweise "zu Heltgershusen drei Höf, ein mül und das recht an der chirchen zu leiehen und zu vogten", nebst andern Gütern in der Nachbarschaft (Orig.Urk. im frhrl.v.Freiberg'schen Arch.zu Jezzendorf, mitgetheilt von Pf.J.Liedl in Hilkershausen).
Wie lange nun die Kammerberger, die sich von Hilkershausen schreiben (1284, 1295, 1316 Ulrich v.H., Quell.u.Erört. 5, 371, R.B.IV. 600, V, 329; 1305, 1332, 1347 Johann v.H. M.B. 10, 593, 594), im Besitze des Ortes blieben, kann mit Sicherheit nicht angegeben werden; aber nachdem, wie es scheint, im 14.Jahrh. schnell mehrere Besitzer gewechselt, kaufte Heimeram von Haslang die Hofmarke Hilkershausen von Hilpolt Marschalk von Stumpfberg, und nun erhielten zuerst 1432, die Haslange die herzogliche Belehnung mit der Veste Hilkershausen, mit Dorf, Gericht, Kirchensatz, Weiher, Forst u.a. daselbst (Urkdn zu Jezzendorf). Doch kam Hilkershausen nochmal an die Kammerberger, indem Heinrich von Kammerberg im J. 1456 die Hofmarke für 100 Goldgulden von seinen Schwägern, Heinrich und Sigmund den Haslangern einlöste (W.Hund bayer.Stammenb. 2, 123), aber nicht auf lange Zeit; denn Christoph von Kammerberg, Pfleger zu Aichach, verkaufte für 5518 rhein.Gulden Veste und Burgstall Hilkershausen mit Zugehör an Dr.Augustin Lösch, Kanzler der Herzoge von Bayern, welchem am 4.Nov. 1517 Herzog Wilhelm die Belehnung darauf ertheilte (Urk. in Jezzendorf). Am Ausgange des dreißigjährigen Krieges, beim feindlichen Einfalle von 1648, wurde Schloß und Dorf Hilkershausen in Asche gelegt; Wolfg.Wilhelm Lösch stellte das Schloß wieder her, sein Sohn Albr.Wilhelm führte den Neubau der Kirche. Die Lösche, ein angesehenes Geschlecht (Leo Lösch, des Kanzlers Sohn, war von 1552 bis 1559 Bischof von Freising), im J. 1653 in den Freiherrn-, 1790 in den Grafenstand erhoben, besaßen Hilkershausen fast 300 Jahre lang, bis die Hofmarke im J. 1813 im Namen des im Kriege abwesenden Grafen Karl von Lösch an die Brüder Karl, Maximilian und Wilhelm, Freiherrn v.Freiberg-Eisenberg-Almendingen, verkauft wurde. Von dieser Familie nach Durchführung der Ablösung im J. 1851 wieder veräußert, befindet sich das Schloßgut Hilkershausen seitdem schon in der dritten Hand, und unterliegt eben einer völligen Zertrümmerung, wie das Schloß seinem Verfalle entgegengeht.

Der Kirchensatz von Hilkershausen (Präsentations- und Vogteirecht), Wittelsbach'sches und herzogliches Lehen, wurde von den Inhabern der Hofmarke fortwährend geübt. Als nun im J. 1851 das frhrl. Freiberg'sche Schloßgut Hilkershausen veräußert ward, genehmigte Bischof Peter in Ansehung der großen Verdienste, welche sich Staatsrath Maximilian v.Freiberg um die Kirche erworben (Schreiben an dessen Wittwe vom 10.März 1851), daß die am Gute Hilkershausen dinglich haftenden Präsentationsrechte auf die Pfarrei Hilkershausen und das Beneficium zu Beinberg auf das nahe Freiberg'sche Gut Jezzendorf übertragen werden durften, wie auch eine k.Min.-Entschl. v. 16.Sept. 1851 diese Uebertragung anerkannt hat.

III. Pfarrkirche
Die Pfarrkirche, am westl. Ende des Dorfes, wurde von 1666 an aus Veranlassung und zum großen Theile aus Mitteln des Frhrn. Albr. Wilh. v. Lösche, Hofrathspräsidenten zu München, eines glaubenseifrigen und thatkräfigen Mannes, neu gebaut, und am 8.Juli 1696 vom Augsburger Weihbischofe Ernst. Egolf Frhrn. v.Westernach, Bischof von Dioclea, in tit. S.Stephani consekrirt. Von der alten kleinen Kirche war nur der Unterbau des aus dem J. 1552 stammenden Chores und des Thurmes beibehalten worden; letzterer trägt jetzt ein Achteck mit Kuppelaufsatz und hat 3 Glocken neueren Gusses.

Ein Platz an der Kirche, welcher noch Spuren von Weihern und Gräben zeigt, und darum Bau und Einrichtung derselben feucht erhält, wird die Stelle sein, auf welcher in alter Zeit das Schloß stand. Im Chore der Kirche liegt die Familiengruft der Lösche, um dieselbe der Hauptbegräbnisplatz der Pfarrei. Ein zweiter Gottesacker befindet sich an der Kirche St.Ursula bei Gumpertsdorf, welche in der Regel jeden dritten Sonntag den Pfarrgottesdienst hat, so daß er in der Pfarrkirche nur für 2 aufeinander folgende Sonntage trifft. Gestiftete Jahrtage und Messen 188 (mit Einschluß von 19 auf der Pfarrdotation haftenden Stiftsmessen). - Rent.Verm. 6987 fl. Hyp.-Kap., 132 fl. Bodenz-Kap. und 27 fl. Gefälle aus Rechten.

Nachdem Max Felix Lösch im J. 1692 aus Rom den Leib der hl.Theodora nach Hilkershausen gebracht, ließ er zu deren Aufbewahrung eine Kapelle in de Südwand der Kirche einbauen und die Gebeine am Tage der Kirchweihung, 8.Juli 1696, feierlich in dieselbe übertragen. Um 1834 wurde aber diese Kapelle abgebrochen, und die hl.Theodora unter der Mensa des Choraltares beigesetzt.

Im Schlosse stellte Wolfgang Wilhelm Lösch, als er daselbe nach dem Brande von 1648 von der Ebene im Dorfe weg auf die Anhöhe über demelben erbaute, eine Kapelle her, welche der oben genannte Weihbischof am 7.Juli 1696 in hon.Ss.Trinitatis consekrirte. Sie ist jetzt profaniert.

Aus dem Innern der Pfarrkirche sind zwei Denkmale der Erwähnung werth, nämlich:
1. Der Nebenaltar der Epistelseite, ganz aus rothem Marmor zu bedeutender Höhe aufgeführt, der Inschrift nach ein Monument auf den Erbauer der Kirche. Leider ist das Hauptfeld des Altares leer, und wahrscheinlich schon von Anfang her in Folge frühen Todes des Stifters, der darum auch den Kirchanbau nicht nach einem großartigen Plane, wie er beabsichtet, ausführen konnte, leer geblieben. Offenbar sollte es durch eine erhabne Meißelarbeit, wie es im Giebelfelde durch das Altöttinger Wallfahrtsbild geschah, ausgefüllt werden. Die beiden Statuen an den Seiten des Altars, St.Antonius v. Padua und St.Franciskus, fast lebensgroß und gleichfalls aus Marmor, zeugen von großer Kunst. Die Inschrift unter der leeren Stelle besagt, daß Herr Albrecht Wilhelm Lösch, Freiherr von Hilkershausen, und seine beiden Gemahlinnen M.Katharina Freiin v. Taufkirchen zu Guttenburg, und M.Johanna Gräfin Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn, diese Kirche erbauen ließen und allda begraben liegen.

2. Der metallene Altaraufsatz an der Südseite des Kirchenschiffes, der sich früher in der St.Theodora-Kapelle befand. Er ist ein prachtvoller Erzguß, über 10' hoch. Das Hauptmittelbild stellt den Leichnam Christi im Schooße Mariens dar, darunter in einem besondern Felde eine knieende Rittergestalt. Die Inschrift in schwulstigem Latein bezeichnet das Werk als Grabdenkmal für den edeln Georg Sigismund Lösch von Hilkershausen zu Singenbach, Herzog Maximilians Kammerherr und Rath, Vice-Stallmeister, und Pfleger zu Deggendorf, gest. im Alter von 44 Jahren am 17.April 1615. Dieses Monument befand sich, mündlichen Nachrichten zufolge, früher in der ehemaligen Franziskanerkirche in München bei der Grabstätte des bezeichneten Lösch, wurde nach der Klosteraufhebung beim Abbruche dieser Kirche vom Grafen Max Joseph v. Lösch für die Familie zurückgefordert, und von seinen Söhnen Max und Karl im J. 1829 an die Pfarrkirche zu Hilkershausen, in welcher die Asche ihrer Eltern und Ahnen ruht, geschenkt.

In der Pfarrkirche besteht die Allerseelen- und die Scapulier-Bruderschaft. Die erstere begründete Albr.Wilh.Lösch mit päpstlicher Gutheißung vom 11.Juli 1664 und oberhirtlicher Genehmigung vom 10.Okt. 1665, nachdem sie am 24.Jun. desselben Jahres der Erzbruderschaft zu Altenhof in München einverleibt worden war. Die rasch wachsende Zahl ihrer Mitglieder bestimmte den Gründer zum Neubaue der Pfarrkirche. Ihr Vermögen ist längst mit dem der letztern vereinigt. Am 26.Aug. 1700 stiftete M.Johanna Gräfin von Thurn und Taxis, geb. Gräfin Fugger-Kirchberg, in erster Ehe vermählt mit Albr. Wilh. Lösch, mit 600 fl. eine Wochenmesse nach Hilkershausen für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft. Die Scapulierbruderschaft wurde errichtet mit oberhirtl. Genehmigung vom 30.Jan. 1697, und feiert das Scapulierfest mit der Allerseelen-Bruderschaft, sowie ein Ord.-Dek. vom 1.Mai 1835 die vereinigten Bruderschaften neu confimirte. Die Miglieder halten Conventstage mit feierlichem Gottedienste und großem Concurse am Philippi-Jakobi-Sonntage, Scapulierfeste, Seelensonntage und St.Stephanstage, und überdies an 8 andern Sonn- und Festtagen besondere Nachmittagsandacht.

IV. Eingepfarrte Orte:

1. Gumpertsdorf, Dorf, 19 Häuser (1/2 Bauernhof, 6 größere, 11 kleinere Gütler), 100 Seelen, östlich im Ilmthale, von Hilkershausen nur durch einen jetzt trocken gelegten Weiher getrennt.

Zur Zeit Bischof Wolfram's von Freising, 926-938, gab eine edle Frau Engilrat mit ihrem Sohne und Vogte Aripo ihr Eigen zu Cundperhtesdorf, nämlich einen Edelsitz, den dritten Theil des Kirchengutes, 4 Huben mit Wiesen und Wäldern und 11 Eigenleute tauschweise, indem sie dafür Güter und Eigenleute zu Alberzell (Alprihchescella) erhielt, an die Domkirche von Freising.
Ein zweiter Tausch, der unsern Ort betrifft, fand unter Bischof Godeskalk (= Gottschalk von Hagenau) von Freising, 994-1006 statt, indem dieser Bischof an einen adeligen Vasallen Altmann Güter zu Michaelskirchen und an andern Orten überließ, und dafür von diesem den vierten Theil der Kirche zu Guntperhtesdorf mit 166 Jauchert an Liegenschaften für sein Stift empfing. Später gehört der Ort zur Hofmarke Hilkershausen, wie er im Lehenbriefe von 1432 wirklich mit 3 Höfen, 9 Hofstätten und dem Gerichte als Zugehörde von Hilkershausen aufgeführt wird.

Außerhalb des Dorfes östlich auf der Anhöhe im freien Felde steht, von einer gewaltigen Linde beschattet, die Kirche St.Ursula "im Wald", ein uralter romanischer, jetzt ziemlich gebrechlicher Bau. Eine Kirche zu Gumpertsdorf erscheint schon in den eben angeführten Tauschhandlungen mit Freising von 926-1006; und die Ortssage, St.Ursula sei eine Pfarrkirche gewesen, mag nicht ganz grundlos sein. Das durch den Schweden gänzlich ruinirte Kirchlein stellte Wolfgang Wilhelm Lösch wieder her, gab ihm einen neuen Chor und den niedlichen Hochaltar, der noch seine Namenspatrone trägt. Um die Kirche liegt der Begräbnisplatz für Gumpertsdorf, Talmansdorf, Mannried und Birket, sowie für Fremde und Herberglose. Sie hat jeden dritten Sonntag den pfarrlichen Gottesdienst nebst den Copulationen und Leichengottesdiensten für die Filialisten und gewöhnlich 1 hl.Messe während der Woche. - Gestiftete Jahrtage und Messen 8. - Rentierliches Vermögen 1728 fl. 36 kr. Hypotheken-Kapital 87 fl. 36 kr. Bodenz-Kapitel.

Nahe Gumpertsdorf jenseits der Ilm liegt die s.g. Brünnl-Kapelle, als Wallfahrtsstätte besucht, mit einem hochgeehrten Crucifixbilde aus dem 15. Jahrh. Früher über dem noch mit Mauerwerk einfaßten und gedeckten Brunnen im Moose gebaut, wurde sie 1754 vom Frhrn. Sigmund Maria Lösch einige Schritte von der Quelle neu hergestellt. In ihr darf die hl.Messe gelesen werden. (Ord-Lic. ad septenn. v. 11.Mai 1861), und wird am 6.Sonntage nach Ostern Gottesdienst gehalten.

2.Michaelskirchen,
Weiler, 3 Häuser (2 Höfe, 1 Ausbruchgütlein), 24 Seelen, 3/8 Stunden südwestlich; Kirche S.Michaelis.

Hier stand schon in ältester Zeit eine Kirche, Eigenthum des Hochstiftes Freising. Denn als zwischen 994 und 1006, wie oben angeführt wurde, der edle Vasall Altmann Güter in Gumpertsdorf an die Freisinger Kirche gab, erhielt er dagegen von Bischof Godeskalk (= Gottschalk von Hagenau) Kirche und Zehenten zu Michaheliscella mit einem seiner Uebergabe entsprechenden Maße an Liegenschaften in diesem und in nahe gelegenen Orten (.. in loco Michaheliscella dicto ecclesiam unam decimatam, et in eodem loco atque in proximo jacentibus aequalem mensuram - Meichelbeck l.c.nr.1138).

Unter Godeskalk's Nachfolger Egilbert, 1006-1039, erscheint Michaelskirchen im Besitze des Grafen Udalskalk von Scheiern; denn dieser gibt im Tausche gegen Güter zu Mosach an das Hochstift Freising die Kirche zu Michaelskirchen (ad sancti Miheleschirichun) mit 6 Huben und 19 Jauchert (Jauchert/Joch/Tagwerk = 3407 qm) Landes nebst andern nähern und fernern Besitzungen. Später gehörten die 2 Höfe zur Hofmarke Hilkershausen. Das Kirchlein ließ Wolfgang Wilhelm Lösch im J. 1659 auf seine Kosten vergrößern und ihm einen neuen Thurm anbauen.
Monatlich 1 hl. Messe - Rentierliches Vermögen 5662 fl. 30 kr. Hypothekenkapital 220 fl. Fristenkapital.

3. Talmansdorf
Weiler, 14 Häuser (3 Bauernhöfe, 10 Gütler), 94 Seelen, 1/2 Stunde östlich an der Strasse nach Jezzendorf.
Unter den Ministerialen des Grafen Konrad von Dachau, welche 1158 eine Schenkung desselben an Kloster Polling bezeugen, erscheint Otaker de Talmudesdorf (M.B. 10,12, Huschb. l.c.251). Talmudesdorf = Dorf des Talamot. Ein Talamot erscheint bei einer Verhandlung zu Tannern im Jahr 849 (Meichelbeck, 1 c. nr. 661).
Nach Lehenbriefen von 1447 und 1600 gehörte nur das Gericht zu Talmansdorf nach Hilkershausen; der Ort selbst war ganz oder theilweise Freisingisch (1326 Mai 25. leiht das Kapitel in Freising das Gut das Talmansdorf an Johann den Starzhauser, R.B. 6, 197), und kam erst im vorigen Jahrhundert vermutlich durch Tausch an Hilkershausen.

4. Stadelheim
Weiler, 9 Häuser (davon 4 Höfe), 59 Seelen, 1/2 Stunde nordwestlich (von Hilkershausen)
Stadelheim (wahrscheinlich = Heim, Wohnung bei oder mit einem Stadel), war zur Hofmarke Hilkershausen nur gerichtsbar, der Grundbesitz getheilt; 1 Hof gehörte nach Hilkershausen (schon 1447 das Gut zu Stadlheim), 1 zur Leprosenstiftung in Aichach, die übrigen wahrscheinlich zu Kloster Kühbach.

5. Oed
Weiler, 5 Häuser (davon 2 Höfe), 34 Seelen, 1/4 Stunde westlich (von Hilkershausen)
Der Ort gehörte zur Hofmarke Hilkershausen, und scheint früher Petershausen geheißen zu haben. Denn nach dem Ritterlehenbuche Herzog Albert's von 1506-1549 erhielt 1506 Christoph der Kammerberger bei der Belehnung mit Hilkershausen auch "ein Gut zu Petershausen auf der Oed" (v.Raiser in der Schrift des historischen Vereins).

6. Eichenried
Weiler, 4 Häuser (davon 1 Hof), 27 Seelen, 3/4 Stunde nördlich (von Hilkershausen)
Früher gerichtsbar nach Hilkershausen, grundbar nach Kühbach

7. Mannried
(schon im Lehenbriefe von 1432 genannt)
früher 1 Hof und 1 Haus, jetzt 5 zerstreute Häuser, 27 Seelen, 1/4 Stunde nördlich (von Hilkershausen)

8. Birket
3 Häuser (Häusler), 21 Seelen, 1/8 Stunde nördlich, neuere Kultur

9. Folgende Einöden

  a. Hollerschlag, früher 1, jetzt 2 Gütlein, 8 Seelen, 1/4 Stunde südlich (von Hilkershausen), eine spätere Kultur

  b. Neßlholz, früher 1 Hof, jetzt 2 Gütlein, 12 Seelen, 1/2 Stunde südlich

  c. Ober-Dingelhof, 6 Seelen, 3/4 Stunden nordwestlich; früher grundbar nach Satelberg, gerichtsbar nach Hilkershausen

  d. Unter-Dingelhof, 7 Seelen, 5/8 Stunden nordwestlich (von Hilkershausen); beide ehemals nur Ein Gut

  e. Pranst (auf dem Pranst), früher 1 Hof, jetzt 2 Gütlein, 14 Seelen, 1/2 Stunde nördl.; zur Hofmarke Hilkershausen gehörig

  f. Thalhof, 10 Seelen, 1/2 Stunde südwestlich; früher zur Hofmarke Tandern gehörig

  g. Thanhof, 6 Seelen, 1/2 Stunde nördlich ; schon im Lehenbriefe von 1264 aufgeführt

  h) Unter-Geiersberg (Geisberg) 1 Hof mit 11 katholischen, 1 Gütel mit 8 protestantischen Einwohnern, 1/2 Std. südöstlich


* Abgegangene Orte:

  1.
  In ältester Zeit bestand ein Ort Satanasinga = Ort des Satanas, wahrscheinlich zwischen Hilkershausen und Gartelsried der Pfarrei Tannnern gelegen, Eigenthum der Kirche von Freising, aber unter Bischof Godeskalk (994-1006) mit andern anliegenden Besitzungen gegen Güter in Gartelsried an den Grafen Udalskalk von Scheiern ausgetauscht ("... de rebus aecclesie in loco Satanisinga dicto, atque in proximo jacentibus locis ad Helidgereshusun pertingentibus sub ejusdem comitis (Uodalschalchi) potestate tunc temporis in beneficium detentis.. Meichelbeck l.c.nr.1139).
Als aber Bischof Godeskalk's Nachfolger Egilbert (1006-1039) die Freising'schen Besitzungen in Mosach an den genannten Grafen überließ, gab dieser die Güter ad Satanatingun mit Liegenschaften zu Gartelsried und in andern Orten an das Hochstift zurück.
Eine Feldmarke zwischen Gartelsried und Oed nördlich von der Strasse gegen Stadelheim, die Lehenäcker genannt, wird als die Stelle eines abgegangenen Hofes bezeichnet; ob aber dieselbe eine Beziehung auf obigen Ort habe, läßt sich nicht angeben.
2.
Eine Feldmarke zwischen Talmansdorf und Hirschenhausen auf der Pfarrgränze heißt der Haidhof. An die Flur Haidhof angränzend liegt eine zum Schlosse Jezzendorf gehörige Waldung, Laretshausen genannt. Dieser Name und hie und da bemerkbare Kulturspuren lassen auf eine abgegangene Ortschaft schließen.

V. Gemeinde- und Schulverband

Der gesammte Pfarrsprengel bildet zugleich die eine politische Gemeinde Hilkershausen, mit Ausnahme von Untergeiersberg und zweien jenseits der Ilm liegenden Häusern von Talmansdorf, welche zur Gemeine Jezzendorf im Landgericht Dachau, dann der beiden Dingelhöfe, welche zur Gemeinde Niederdorf, Pfarrei Tannern und Landgericht Aichach, gehören. Für die ganze Pfarrei besteht eine Schule im Pfarrorte, welcher auch die Kinder von Hirschenhausen und Badertshausen (Pfarrei Hirschenhausen), Ober-Geiersberg, Krainhof und Lanzenried (Pfarrei Langen-Pettenbach), Neuried und Hartwigshausen (Pfarrei Weichs), sämmtlich aus dem Erzbisthume München-Freising, eingewiesen sind.

VI. Pfarrdotation

Sie bestand von jeher in Widdum und Zehent. Noch im Jahr 1469 waren zwei Widdume vorhanden, der eine in Hilkershausen, den der Pfarrer selbst baute, der andere in Gumpertsdorf, auf welchem ein Widmann hauste. Wie der letztere von der Pfarrei weggekommen, ist unbekannt; wahrscheinlich geschah es mittels eines Tausches. Ungefähr aus der einen Hälfte der Pfarrei bezog der Pfarrer bis zu Ablösung den Drittelzehent, aus der andern aber den ganzen; den letztern nämlich von Michaelskirchen, Hollerschlag und Stadelheim vermöge der Quatembermessenstiftung Christoph's von Kammerberg von 1518, und von Talmansdorf und dem größeren Theile von Gumpertsdorf wahrscheinlich in Folge jenes Tausches, wodurch die Gutsherrschaft ihren Schloßbau vom Zehenten befreit zu haben scheint. Wo der Pfarrer den Drittelzehent hatte, bezog zwei Drittheile der Hofmarkherr. Ein Theil des Zehents von Untergeiersberg war, es ist nicht bekannt wie, an die Pfarrkirche Jezzendorf gekommen.
Das jetzige Pfarr-Einkommen ist:

Einnahmen
fl. .
kr.        
1. Aus Grundstücken: Gärten 0,76, Aecker 45,73, Wiesen 11,73, Wald 5,16
234
   9
2. an Bodenzinsen von der Gemeinde für den abgelösten Zehenten (25,780 fl. 9 4/8 kr. Kap.)
1031
  12 5/8 
3. von gestifteten Gottesdiensten
118
  44
4. an Stolgebühren
73
  33 4/8
5. für Kirchtrachtbrode
12
  19
(zus.)
1469
  58 1/8
Lasten
1. Auf Staatszwecke
61
  56 7/8
2. wegen des Diöcesan-Verbands
6
  31 1/8
3. wegen besonderer Verhältnisse
9
  32 5/8
(zus.)
78
  5/8
Rein-Ertrag
1391
  57 4/8

Superrevision Fassion v. 29.Okt. 1859

Der alte Pfarrhof war bei den feindlichen Einfällen von 1648 und 1704 jedes Mal vollständig eingeäschert worden. Der jetzige, nicht fern von der Kirche, geräumig genug, stammt aus der Zeit nach dem letztgenannten Brande; die Oekonomiegebäude stehen gesondert. Auf der Pfründe lastet eine Reluition von Baufallkosten zu 314 fl. 16 kr., zu tilgen mit jährlich 25 fl. und Verzinsung von 1858 bis 1870. Die Zehentbaupflicht des Gutsherrn ist abgelöst.