zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibg             Kirchen in der Gem.Hilgertshausen

Pfarrkirche St.Stephanus in HILGERTSHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür
86567 Hilgertshausen, Kirchgasse 5
Lage der Kirche auf der Karte ...

Kurzbeschreibung

Hilgertshausen wurde erstmals im Jahr 843 als Helidkereshusir (bei den Häusern des Helidker) urkundlich erwähnt und hatte damals sicher auch eine Kirche oder Kapelle. In gotischer Zeit wurde eine neue Kirche gebaut. Von dieser Kirche sind noch der Chor und Teile des Turms vorhanden.

Im übrigen ist die derzeitige Kirche St.Stefanus ein Neubau von 1666 nach Plänen des späteren kurfürstlichen Hofmaurermeisters Enrico Zuccalli. Die Hofmarksherren, die Freiherrn Lösch von Hilgertshausen, bekleideten in München hohe Ämter und hatten dort Kontakt zu Zuccalli.

1963 wurde das Langhaus verlängert.
1983-85 erfolgte eine Renovierung

Die Kirche ist ein vier-jochiger Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, sehr hohem Schiff und relativ kleinen Fenstern sowie einem kräftigem, kurzen Zwiebelturm an der Südseite.

An dem unteren gotischen Turmteil sind Blenden mit doppeltem Kielbogenabschluss (siehe Bild links) eingelassen. In einer der Blenden ist eine sehr schöne Sonnenuhr angebracht.Der Turmoberbau ist achteckig und mit einer Zwiebelhaube gedeckt.

Außen am Chor der heraldische Grabstein des Martin von Thann (gest.1524)


Detail aus dem Grabmal der Familie Lösch  



Innenausstattung

Die Chordecke besteht aus einem Tonnengewölbe mit Stichkappen.

Der Altaraufbau wird durch eine an der Rückwand angebrachte Kreuzgruppe aus dem 18. Jh. ersetzt.Auf der Nordseite zwei Oratorien, in denen die Adeligen ungesehen der Messe beiwohnen konnten.

Besonderheiten der Kirche sind ein großes Bild der legendären Heiligen Wilgefortis im Altarraum und die beiden großen kunstvoll ausgeführten Epitaphe aus Metall und Stein für zwei frühere Hofmarkherren Lösch an der Stelle des linken Seitenaltars und an der rechten Seite im Kirchenschiff aus den Jahren 1617 und 1660.

Im Chor und im Kirchenschiff sind außerdem noch mehrere Schnitzfiguren von Heiligen (Anna, Joachim, Wilhelm, Rupert, Korbinian, Stephanus und Ursula) angebracht.Die hohe Stellung einiger der Heiligen, wie z.B. des Ritters Wilhelm, der Bischöfe Rupert und Korbinian zeigen, dass St.Stephanus in Hilgertshausen keine übliche Dorfkirche war, sondern sehr stark von den Hofmarkherren mitgeprägt worden ist.


Vergrößerung von Einzelheiten(Hochaltar, Seitenschmuck per Mouseklickzur Vergrößerung  des Epitaphs  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  des Altars bitte klickenWangen der Kirchenbänke KreuzwegbilderSt.JoachimSt. AnnaEpitaph  für  den Freiherrn Albrecht Wilhelm ApotelleuchterSt. Ursula
Die beiden Halbfiguren von Joachim und Anna (Anfang 16.Jh.) besitzen recht seltene Brustreliquiare.


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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Der Ort Hilgertshausen wurde erstmals am 10.Aug.843 als Helidkereshusir (bei den Häusern des Helidker) urkundlich erwähnt. Damals kauften der Bischof Josef Erchenbert von Freising und sein Neffe Reginbert Güter in Hilgertshausen, Tandern, Klenau und Singenbach. Der Vertrag wurde übrigens 10.August 843 in Dungeih bei Verdun geschlossen, wo zur gleichen Zeit der Reichsteilungsvertrag zwischen den Enkeln Karls d.Großen unterzeichnet wurde. Verkäufer war ein gewisser Balderich.
Im gleichen Jahr übergab/verkaufte ein Herr Paldricus seinem Besitz zu Tandern, Hilgertshausen, Klenau und Singenbach dem Bistum Freising und erhielt dafür 250 Pfund (Silberpfennige). Dies ist der Urkunde vom 10. Aug. 843 zu entnehmen (Nr. 661 der Freisinger Traditionen). Sechs Jahre später, 849,hielt der neue Besitzer Bischof Erchenbert hier in Hilgertshausen einen Gerichtstag ab. Im Laufe der Zeit hat sich der Name mehrfach geändert: (Helidkereshuson, Helidgereshusun, Hilcherzhausen,Heltgershusen, Hilgertzhawsen, Hilggershusen, Helgershawsen, Hülgertzhausen).

Im 13. und 14.Jh herrschten im Hilgertshausener Schloss, das an der Stelle der späteren Schule und des jetzigen Kindergartens stand, die Edlen von Hilgertshausen. Anfang des 15.Jh. ging die Herrschaft an das Geschlecht der Kamerberger über. 1420 wird Hilgertshausen als Dorfgericht bezeichnet, die Vorläufereinrichtung der späteren Hofmark. Dazu gehörten auch die Orte Michelskirchen, Neßlholz und Hollerschlag. 1517 wurde die Hofmark dem Kanzler des bayerischen Herzogs, Dr.Augustin Lösch, verliehen; sie verblieb fast 300 Jahre lang bis 1813 im Besitz dieser Familie. Dann herrschte die aus der Nachbargemeinde Jetzendorf bekannte Familie Freyberg (bis 1851). Das Schloss wechselte danach in den Besitz von Bierbrauern aus Friedberg und Altomünster, bis man es 1860 abgerissen hat.

Geschichte der Kirche

Hilgertshausen hatte im Jahr 843 sicher auch schon eine Kirche oder Kapelle, die wie fast alle Kirchen der damaligen Zeit, aus Holz bestand.


um 1560

Wann die erste Steinkirche errichtet wurde ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die Vorgängerkirche des heutigen Baus aus gotischer Zeit stammt, mit Spitzturm, kurzem Langhaus und drei Fenstern im Chor. Die Glonn reichte bis an das Kirchengrundstück heran (siehe kleine Zeichnung links). Von dieser Kirche sind noch der Chor und Teile des Turms vorhanden.

Im übrigen ist die derzeitige Kirche ein Neubau von 1666 nach Plänen des späteren kurfürstlichen Hofmaurermeisters Enrico Zuccalli (1642-1724), des Baumeisters der Theatinerkirche in München. Die Hofmarksherren, die Freiherrn Lösch von Hilgertshausen, bekleideten in München hohe Ämter und hatten dort Kontakt zu Zuccalli. Finanzier des Neubaus war Freiherr Albrecht Wilhelm Lösch, der von 1662 bis 1671 die Hofmark leitete und sich sehr um die Hofmark Hilgertshausen kümmerte. Baumeister Zuccalli erhielt für seine Tätigkeit die beachtliche Summe von 800 Gulden, obwohl er sich nach Aussage des Hofmarksverwalters nur selten sehen ließ und, wie es hieß, "khein Streich Arbeith" tat.
100.000 Ziegelstein wurden verbaut.


um 1700

1963 wurde das Langhaus um zwei Joche nach Westen verlängert.
Die letzte Renovierungen fanden in den Jahren 1983-85 und 2001 statt.

Baubeschreibung

Die Kirche St.Stephanus in Hilgertshausen hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für den christlichen Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet als eine runde kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.

Die Kirche ist ein vierjochiger Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, sehr hohem Schiff und relativ kleinen Fenstern sowie mit einem kräftigen, kurzen Zwiebelturm an der Südseite. Der Chor wird durch dreifach abgetreppte Stützpfeiler stabilisiert.

An dem unteren gotischen Turmteil mit quadratischem Grundriss sind Blenden mit doppeltem Kielbogenabschluss (siehe Bild links) eingelassen. In einer Blende ist eine sehr schöne Sonnenuhr angebracht. Der Turmoberbau ist achteckig und mit einer schindelgedeckten Zwiebelhaube gekrönt. Die Schindeln wurden um 1983 und 2008 erneuert.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".
Außen am Chor ist der Grabstein des Martin von Thann (gest.1524) eingemauert, der zum großen Teil mit heraldischen Motiven geschmückt ist.

Innenausstattung

Altarraum

Der Altarraum ist eingezogenem und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Die Chordecke besteht aus einem Tonnengewölbe mit Stichkappen, die durch flache Gurtbogen verstärkt sind.

Der Altaraufbau wird durch eine an der Rückwand angebrachte Kreuzigungsgruppe ersetzt. Das spätgotische Kruzifix dürfte früher in der Kapelle in Gumpersdorf gehangen haben. Die unter dem Kruzifix stehenden Figuren von Maria und dem Apostel Johannes stammen aus dem 18. Jh. Am unteren Ende des langen senkrechten Kreuzbalkens sitzt ein großer Pelikan.

Was hat der Pelikan mit dem Geschehen auf dem Altar zu tun? Im Mittelalter war das Aussehen des exotischen Vogels in unseren Breiten nicht bekannt. In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh.
  nachgewiesen. Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde.


F
iguren und Bilder an den Wänden des Altarraums

An der Südwand sind zwei Halbfiguren der Großeltern Jesu, der Heiligen Joachim und Anna (Anfang 16.Jh.) mit recht seltenen Brustreliquiaren angebracht (Reliquien der Heiligen sind in Glaskästchen in der Brust der Figuren enthalten).
Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die
  Verehrung von Joachim und Anna. Die Vorgeschichtebeginnt demnach mit dem Elternpaar Joachim und Anna, die kinderlos blieben. Joachims Altaropfer wies der Hohepriester zurück. Joachim verbarg sich bei seinen Herden, ein Engel verkündete ihm, dass er zu seiner Frau zurückkehren und ihr an der Goldenen Pforte begegnen solle. Auch Anna, die trauernd ein Vogelnest mit den die Jungen fütternden Alten betrachtete, erschien ein Engel, der ihr trotz ihres hohen Alters Nachkommen verhieß.

Im Chor außerdem eine kleine Schnitzfigur der hl. Ursula aus der Filialkirche Gumpersdorf, 1. Hälfte des 15 Jh. Die Heilige ist als Königstochter dargestellt, die einen Pfeil in ihren Händen hält.

Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu
  werden. Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15. Jahrhundert, gefördert besonders durch die Zisterzienser.Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende "Jungfraueninseln", benannt.Auf den meisten Darstellungen ist sie mit einem Pfeil zu sehen. Häufig ist im Hintergrund ein Schiff sowie die Siluette der Stadt Köln dargestellt.

Seit Beginn des Jahres 2007 steht im Altarraum eine weitere Sculptur des hl.Stephanus, die Prälat Alois Haas der Pfarrgemeinde geschenkt hat. Der in Hilgertshausen wohnende Priester im Ruhestand hatte die Figur aus der Mitte des 16.Jh. bei einer Kunstauktion in Kempten erworben und restaurieren lassen. St.Stephanus ist in dieser Darstellung mit einem faltenreichen Diakongewand bekleidet. Er hält ein offenes Buch und vier Steine in den Händen. Sein Blick geht zum Betrachter.
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.

Auf der Nordseite zwei Oratorien, in denen die Adeligen ungesehen und unbelästigt von den einfachen Gläubigen der Messe beiwohnen konnten.

Eine Besonderheit in Hilgertshausen ist das Ölgemälde auf Holzuntergrund an der rechten Wand des Altarraums. Es zeigt die hl. Wilgefortis oder auch hl.Kümmerniß genannt, die wie Christus an einem Kreuz über einem Altar hängt. Sie ist in ein langes rotes Gewand gekleidet und trägt eine Krone auf dem Kopf, der durch einen Heiligenschein herausgehoben ist. Die Heilige trägt trotz ihres weiblichen Geschlechts einen Backenbart. Auf dem Altartisch liegt ein (goldener) Schuh, der von den Füßen der Heiligen heruntergefallen ist. Vor dem Altar kniet ein Musiker, mit einer Geige unter dem Arm, der St.Wilgefortis um Errettung vor dem Henkerstod anfleht. Sein Stopselhut liegt vor ihm auf der Altarstufe.    
Im unteren Teil des Bildes ist das Verlöbnis zu lesen, das die Hilgertshauser eingegangen sind, damit sie auf die Fürbitte der Jungfrau Maria und der heiligen Kümmerniß von allen Gefahren verschont bleiben:

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Text unter dem Gemälde

    "Die heilige Jungfrau und Martyrin Wilgefortis, oder insgemein St.Kümmerniß, allen betrübten
                            und beängstigten eine große Fürsprecherin und Helferin bey Gott
.
Anno 1689 haben wir in ganzer Pfarrgemeinde allhier zu Hilgertshausen Gott dem Allerhöchsten, wie auch der unbefleckten Empängnis Mariä und der heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefortis zum höchsten Lob, Ehr und Pries, diese Tafel in unsrer St.Stephanus Pfarrkirche machen laßen. Damit der liebe Gott, durch die allvermögende Vorbitte der Himmels Königen Mariä und der heiligen Kümmerniß von uns nicht allein diese, sondern auch alle andere Jahre, alles Übel, absonderlich Krieg, Hunger und Pest, gnädig und barmherziglich wolle abwenden. Wir haben auch zu diesem Ende und für Abwendung des Schauers, Hagels Reifes und aller anderen Unglücksfälle miteinander einhellig verlobt und versprochen: an den heiligen unser lieben frauen Lichtmeßtag zu beichten und das Hochwürdigste Sakrament des Altars zu empfangen. Auch 3 Samstag nacheinander auf den drey Altären ein Amt halten zu laßen, unter demselben zu opfern und allezeit einen Rosenkranz mit den Geheimnißen von den Leben und Wandel, wie auch von den Leiden und Tode Jesu Christi, mit lauter Stimme zu bethen, welches auch geschehen. Der barmherzige Gott wolle unser armes Gebeth erhören und uns in Gnaden erhalten, Amen."

  Hinweis: Die hl. Wilgefortis (Virgo fortis = tapfere Jungfrau) wird auch hl. Kümmernis genannt. Sie genoß seit Mitte 14. Jh. volkstümliche Verehrung. Der Legende nach war die früher sehr populäre Heilige (ohne kirchlichen Kult) eine sizilianische oder portugiesische Prinzessin. Sie soll ca. 130 n. Chr. zum christlichen Glauben übergetreten sein und sich Jesus so verbunden gefühlt haben, dass sie es ablehnte zu heiraten. Sie bat Gott, sie möge so hässlich zu werden, dass der ihr zugedachte Mann sie zurückweise. Das Gebet fand Erhörung, und es wuchs ihr ein mächtiger Bart. Ihr Vater, der davon Kenntnis erhielt, soll seine Tochter martern und mit Lumpen bekleidet gekreuzigt haben, damit sie ihrem himmlischen Bräutigam gleiche. Die Sterbende predigte drei Tage lang und bekehrte viele Menschen, darunter auch ihren Vater. Er ließ sie nun in kostbare Stoffe hüllen und errichtete nach ihrem Tod eine Sühnekirche. Attribute der Heiligen sind Kreuz, Bart, Krone und ein Schuh. Kümmernis bot Anlass für viele Erzählungen. Am bekanntesten ist wohl die Legende von einem bettelarmen Geiger, dem eine Figur der Heiligen einen ihrer silbernen Schuhe zuwarf. Der daraufhin wegen Diebstahls zum Tode verurteilte Musikant durfte vor der Hinrichtung noch einmal vor der Heiligenfigur spielen. Zum Beweis seiner Unschuld löste sich nun auch der zweite silberne Schuh vom Fuß der Heiligenfigur und kollerte bis zu den Füßen des Geigers.
Nach der heute am meisten verbreiteten Auffassung beruht die Kümmernisgestalt auf einer Missdeutung alter Christusbilder, die den gekreuzigten Heiland als Himmelsfürsten in königlichem (byzantinischem) Gewande der romanischen Kunstepoche und beschuht zeigen, so besonders das Erlöserbild Volto Santo aus dem Dom zu Lucca. Nachbildungen des Volto Santo, die über die Alpen nach Norden verbreitet worden seien, habe man wegen ihrer altertümlichen Form nicht mehr verstanden und daher umgedeutet. Ältere Legenden über bebartete Jungfrauen, z.B. Paula und Galla, hätten dann zu der Ausbildung der Kümmernislegende beigetragen.


K
irchenschiff / Langhaus

Kunsthistorische Besonderheiten in der Kirche von Hilgertshausen sind die beiden prächtigen Epitaphe (Grabdenkmäler) der Freiherrnfamilie Lösch. Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Auf der Nordseite des Langhauses ist an Stelle eines Seitenaltars ein Grabdenkmal für den ehem. Münchner Hofstallmeister Georg Sigismund Lösch von Hilgertshausen mit fein gearbeitetem Bronzerelief der Beweinung Christi angebracht. (siehe Bild links).
Es wurde um 1615-1617, unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg von dem Münchner Hofkünstler Hans Krumpper modelliert und durch Bartholomäus Wenglein gegossen. Früher hatte es seinen Platz in der inzwischen abgebrochenen Münchner Franziskanerkirche. Bei deren Abbruch forderte die Familie des Grafen Lösch das Epitaph zurück und brachte es 1829 an der Hilgertshausener Kirche an

Auf dem Hauptbild hält die trauernde Maria ihren toten Sohn Jesus auf dem Schoß. Um sie herum sind mehrere mittrauernde Engel gruppiert, die den Leichnam stüzen oder liebkosen und die Marterinstrumente wie das Kreuz, die Lanze, die die Seite Jesu am Kreuz geöffnet hatte oder die Ysopstange halten. Die Dornenkrone, Hammer und Nägel liegt am Boden unter Jesus; daneben steht das Salbgefäß. Im obersten Teil des Epitaphs blickt ein Totenkopf herunter. Zwei Englein lehnen an den jonischen Segmentbögen. Sie halten eine Stundenuhr sowie Pfeil und (gespannten) Bogen.

An den angedeuteten Pilastern, auf denen die Englein stehen, sind ebenfalls Totenköpfe und gekreuzt Oberschenkelknochen sowie Wappen zu sehen. Darunter, im unteren Teil des Epitaphs, ist links der Tote in Ritterrüstung abgebildet, in der Mitte eine Schrift-Kartusche und rechts hält ein Engel das Tuch mit dem Abdruck des leidenden Heilands (Schweißtuch der Veronika).

  Hinweis: Die Familie der Löschs stammte aus Rothenburg o.d.Tauber. Der Jurist Dr.Augustin Lösch, Kanzler des Herzogs Wilhelm von Bayern kaufte am 4.11.1517 die Hofmark Hilgertshausen (für 5518 Gulden), die bis 1813 im Besitz der Familie blieb. Die Lösch' wurden 1653 Freiherrn und 1790 Reichsgrafen. Sie stellten auch einen Freisinger Bischof. Das Verhältnis der Untertanen zu den Hofmarksherren war oft angespannt. Einer von ihnen, Augustin der Jüngere Lösch, der die Hofmark von 1608-1632 leitete, war als Leuteschinder bekannt, wurde verklagt und vom Hofratspräsidum verurteilt, verlor alle Würden, musste ins Gefängnis und wurde des Landes verwiesen. Als die Schweden 1632 das Schloss geplündert hatten, kamen die Hilgertshauser zur Nachplünderung, so groß war der Hass auf den Herrn.
Mehr über die Familie Lösch aus der Sicht des Indersdorfer Chorherrn Penzl (Chronik von 1745) erfahren Sie hier ...

An der Südwand ist ein ähnlich gestaltetes Grabdenkmal für den Kirchenstifter, den Freiherrn Albrecht Wilhelm Lösch von Hilgertshausen und seine beiden Ehefrauen Katharina, Freiin von Taufkirchen zu Guttenburg und Johanna Gräfin Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn angebracht.

Das um 1660 errichtete Grabdenkmal besteht aus Rotmarmor. Es ist mit vielen Kalksteinfiguren geschmückt:

In der Mitte die Altöttinger Madonna (siehe Bild rechts) flankiert von zwei Engeln mit Füllhörnern. Die Muttergottes von Altötting ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat die Originalfigur in Altötting ein Zepter. Das fehlt in Hilgertshausen. Allerdings lässt die Haltung der Finger vermuten, dass diese früher ein solches Zepter umschlossen. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.

Links und rechts des Altars stehen die beiden fast lebensgroßen Figuren des hl. Franziskus und des hl. Antonius von Padua. Unter der Freiherrn-Krone sind die Wappen der drei Toten dargestellt. Ganz oben, zwischen dem durchbrochenen Giebel könnte Freiherr Albrecht Wilhelm Lösch stehen, mit einer Justitiawaage in der Hand.
 

Hinweise zu den Darstellungen auf dem Epitaph:
Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.


Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An der Stelle des rechten Seitenaltars befindet sich eine sehr bewegt dargestellte Marienfigur. Dargestellt wird die Krönung Marias im Himmel. Der Blick und die Haltung der Muttergottes ist ganz nach oben gerichtet, wo ein Engel die barocke Krone über sie hält. Zwei Putten halten den Mantel von Maria. Der Fuß Marias steht auf einer Mondsichel, die an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) erinnet "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen". Die ganze Gruppe ist von einem Strahlenkranz umgeben.

Der hl. Wilhelm in Ritterrüstung mit einem vergoldeten Mantel darüber ließ sich nach ungebundenem Jugendleben in eine nicht abnehmbare Rüstung einschmieden und pilgerte mit darüber gelegtem Bußgewand 1145 nach Rom und ins Heilige Land. Er gründete den Wilhelmiten-Orden, der sich der Krankenpflege widmete. Papst Innozenz III. sprach Wilhelm 1202 heilig. Wegen der Rüstung wurde er Patron der Schlosser und Klempner.

Eine Halbfigur des Kirchenpatrons St. Stephanus, auf Wolkensockel mit Buch, Steinen und Märtyrerpalme in den Händen. Die Figur korrespondiert künstlerisch mit der Ursulafigur im Altarraum.
Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Nach der Apostelgeschichte, war er einer der ersten christlichen Märtyrer (Steinigung vor den Toren Jerusalems unter Beteiligung von Saulus/Paulus).
Eine der Bischofsfiguren stellt den hl. Rupert dar. Er hält in seiner Hand ein Salzfass.
St. Rupert lebte um das Jahr 700. Er stammte wohl aus einer fränkischen Adelsfamilie, missionierte an der Donau und war Bischof von Juvavum, dem späteren Salzburg. Herzog Theodo von Bayern schenkte Rupert die Salzquelle in (Bad) Reichenhall. Aus ihren Erträgen förderte er den Wiederaufbau der Stadt, die in den Wirren der Völkerwanderung schwer zerstört worden war.
Auch St. Korbinian wird im Bischofsornat dargestellt. Der sonst übliche Bär als Attribut fehlt hier.Korbinian war um 700 Bischof von Freising. Als ihm auf einer Reise ein Bär ein Lasttier riss, zwang er ihn, die Last selbst zu tragen.

Die OrgelKreuzwegbilderKirchenbank-WangenSt.StefanusSt. KorbinianGrabdenkmal für  den Freiherrn Albrecht Wilhelm St.Stefan auf der OrgelApostelleuchter
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Besonders eindrucksvoll sind die als Steinreliefs gestalteten Kreuzwegbilder in kleinen Nischen an den Wänden.
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Zwischen den Kreuzwegbilder sind die schmiedeeisernen, blaut und golden gestrichenen Apostelleuchter angebracht.
Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 


K
irchenstühle
Die Kirchenbänke haben schön geschnitzte Wangen mit Akanthusmotiven. Das Muster entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, hier in Hilgertshausen,Markt Indersdorf, Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Sigmertshausen, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Taufstein
In einer Nische an der Südseite des Kirchenschiffs ist hinter einem Vorhang eine kleine Taufkapelle eingerichtet. Dort steht der achteckige Taufstein aus Rotmarmor mit gewölbtem Kupferdeckel aus neuester Zeit in den die Worte ".... ein Glaube, eine Taufe" eingraviert sind.

Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die
  Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.

Orgel

Die 22-Register-Orgel mit 2 Manualen im barocken Prospekt kam aus der Werkstatt des Kissinger Orgelbauers Maximilian Offner und kostete rund 285 000 Mark. Sie wurde die am 23. Mai 1993 im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes von Prälat Dr. Dr. Professor Anton Ziegenaus aus Augsburg geweiht. Der Orgelbauer Offner hat auch die Orgel in den Kirchen von Egenburg, Gumpersdorf, Hohenzell und Unterumbach gebaut, sowie die Orgel in Arnzell restauriert.Der Prospekt stammt noch von der Vorgängerorgel, die der Orgelbauer Roman Beer aus Erling bei Andechs im Jahr 1892 erstellt hatte.
Auf dem Orgelprospekt steht eine Figur des Kirchenpatrons St. Stephanus im roten Diakongewand, mit Märtyrerpalme und einem Bücherbündel in den Händen; der Kopf ist umkränzt von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes.
  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Die Weihwasserbecken aus Granit am Eingang der Kirche sind in die Wand eingelassen.
  Hinweis: Katholische Kirchen sind schon am Eingang an den Weihwasserbecken oder Weihwasserkesseln zu erkennen, die neben der Türe, meist im Inneren, angebracht sind. Durch das Bezeichnen in Form eines Kreuzes mit dem Weihwasser sollen sich die Eintretenden an ihre Taufe erinnern.


Osterbrunnen


In der Osterzeit wird seit 1997 der Brunnen vor der Kirche vom Katholischen Frauenbund Hilgertshausen schön mit Girlanden, Eiern und einer Krone geschmückt. Die Idee hierzu war bei einer Osterbrunnenfahrt in die Fränkische Schweiz entstanden. Die Osterbrunnen haben ihren Ursprung in der Fränkischen Schweiz, einem Gebiet, in dem das Wasser knapper ist als im Dachauer Land.

Mesnerhaus


Unmittelbar neben der Kirche steht das alte Mesnerhaus mit einem sog. Mansardenhalbwalmdachaus der Zeit um 1800, das seit einigen Jahren als Pfarrheim genutzt wird. Das historisch wertvolle Gebäude selbst wurde um 1750 im bayerischen Barockstil erbaut. Es war nicht nur vom Mesner bewohnt, sondern diente bis 1893 auch als Schul- und Lehrerwohnhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es auch eine Zeit lang Gemeindekanzlei. Seit seiner Renovierung im Jahr 1986 wird es als Pfarrzentrum genutzt.

Pfarrhaus

Vom Pfarrhaus in Hilgertshausen ist mir bekannt, dass es im Dreißigjährigen Krieg zerstört und kurz danach wieder aufgebaut wurde. Für diesen Neubau stiftete Albrecht Lösch, der Neffe des berüchtigten Leuteschinders Augustin Lösch, 200 Gulden, Ziegel und Bauholz.

Die Pfarrei Hilgertshausen hat auch eine interessante Homepage (www.pfarrei-hilgertshausen.de). Wenn Sie mehr über die Gottesdienstzeiten, den letzten Pfarrbrief und die sonstigen Aktivitäten der Pfarrgemeinde erfahren wollen: klicken Sie hier...

Hans Schertl


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Pfarrkirche in Hilgertshausen auch
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Quellen:
Chorherr Georgius Penzl, Chronik des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, ca.1745
>Anton Streichele, "Das Bistum Augsburg", 1864, S. 180 ff
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.661)
E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, 1932
Max Spindler, Historischer Atlas von Bayern, 1958 (Hofmark)
Bauer/Rupprecht, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Dachauer Nachrichten vom 28./29.3.2002
Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
Wilhelm Liebhart in Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen, 2003
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Dachauer Nachrichten vom 13.4.2006, 27.12.2006, 11./12.10.2008 und vom 23.1.2012 (Schlossherr Freyberg)
Dr.Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Bauform)

30 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.1.2012



Die Familie Lösch in Hilgertshausen
aus
Chronik der Chorherrenstifts Indersdorf von Chorherr Georgius Penzl (1697-1748)
übersetzt von Dieter Tomahogh, Jetzendorf

August Lösch
Abschnitt 858: Oben in Abschnitt 153 habe ich die Barone Lösch kurz erwähnt, hier aber muß ich das Thema nochmals aufgreifen. Die Familie Lösch ist eine sehr alte Familie aus Franken und hatte ihren Familiensitz in Khimeding, nach welchem Ort sie sich auch nannte. Als erster von ihnen kam etwa 1440 Wilhelm Lösch nach Bayern, so sagt Bucelin, aber ich weiß nicht, ob und welches Amt er innehatte. Er war der Vater von August Lösch, dem Kanzler des Bayerischen Herzogs und Geheimen Rat, der, nachdem er Hilgertshausen gekauft hatte, sich als Erster Lösch und Herr von Hilgertshausen nannte, wie an der zitierten Stelle gesagt wird. Von seiner Frau Anna, geborene Thann, hatte er zwei Söhne, und weil ich den Namen des Erstgeborenen und Stammhalters nicht weiß, sei es mir erlaubt ihn Anonymus zu nennen. Der zweite Sohn hieß Leo und war Doktor beider Rechte. In den folgenden Jahren wurde er Domherr in Freising, in Passau, Gelehrter, Propst in Moosburg und Isen und nach Meinung einiger Leute auch Propst der Freisinger Domkirche. 1552 wurde er zum Bischof von Freising gewählt, er regierte dann erfolgreiche 7 Jahre, 1 Monat und 22 Tage. Er starb am 8. April 1559. Sein Grab wurde am 1. April beim Altar des Hl. Justinus wiederaufgefunden.

Wolfgang Wilhelm Lösch
(Erbauer der Kirchen in Hilgertshausen und Gumpersdorf)
Abschnitt 859: Der Anonymus und Erstgeborene des Augustinus hinterließ als Erben von Hilgertshausen den schon genannten Wolfgang Wilhelm Lösch, einen Mann, der nach jedem Maßstab groß war und der ein besonderer Freund unseres Stifts (= Indersdorf) war, zum Beispiel unterstützte er Propst Martin kräftig mit Rat und Tat bei verschiedenen auftauchenden Problemen im Zusammenhang mit den Gläubigern. Mit seiner Zustimmung wurde der Propst in den Landtag berufen.

Albert Wilhelm Lösch (Grabmal in Hilgertshausen )
Frhr. von und zu Hilgertshausen, bayerischer Geheimer Rat, Hofpräsident, Kämmerer und Pfleger zu Kraiburg
Ungefähr 1659 feierte Albert Wilhelm, der Sohn Wolfgangs, Hochzeit in Hilgertshausen, zu der der eingeladene Propst Martin in der Burgkapelle den Segen gab. In unserem Archiv existieren sehr schöne Briefe, aus denen die Aufrichtigkeit der Geister und die echte Freundschaft hervorgeht. Albert Wilhelm zeigte die gleiche Gunst gegenüber dem Stift und dem Propst Jakob Kipferle. Schon im ersten Jahr ihrer Ehe wurde er seiner geliebten Gattin beraubt. In zweiter Ehe bekam er den Sohn Maximilian Felix, der die Gräfin von Seefeld, eine Jungfrau von seltenem Verstand, heiratete.

Maximilian Felix Lösch (gest.1728)
Abschnitt 860:  Ich denke, daß es ist sinnvoll ist, hier anzugeben, welche Güter er besaß und welche Ämter er ausübte. Also: Maximilian Felix Lösch, Baron von und zu Hilgertshausen besaß neben der Burg und der Hofmark noch Hirschenhausen, Wolfersdorf, Neubau, Stein, Parch, Türkenfeld und Schwabmemmingen. Er war Ritter des Ordens vom Erzengel Michael, Kammerherr des Kölner und des Bayerischen Kurfürsten, Wirklicher Geheimer Rat, Oberster Hofmeister der Kurfürstin, ferner Abgeordneter der Ritter bei den Landständen, Steurarius für Oberbayern. Genauso wie sein Vater und Großvater pflegte er Freundschaft mit den (Indersdorfer) Pröpsten Dominikus, Georg II., und Aquilinus, obwohl er kaum jemals in das Stift kam; wie oft er auch sich in Hilgerthausen aufhielt um zu jagen, immer lud er sehr freundlich den Prälaten ein.

Abschnitt 861:  Dieser herausragende Herr war einzig in seiner Bescheidenheit und Demut, wie es noch nicht einmal jeder Tausendste unter den vornehmen Leuten ist. Ein Beispiel dafür gab er, als ihm gemeldet wurde, daß seine geliebte Frau ein Söhnchen geboren hätte. Er behielt für sich, was er vorhatte und vor Freude des Herzens stand er eilends auf und befahl einem Diener ihm zu folgen, der sich über die ungewöhnliche Art wunderte. Als sie auf die Straße kamen, bemerkte der Diener, daß sein Herr aufmerksam herumschaute und schließlich einen sehr armen Mann mit folgenden Worten ansprach: "Guter Mann, du kannst mir einen Gefallen tun und ich denke, daß du es nicht ablehnen wirst. Mir ist heute ein Sohn geboren und der muß bald getauft werden, deshalb bitte ich dich, daß du sein Pate sein und ihn aus dem Wasser der Taufe heben wollest. Dann folge mir." Beide, der Diener und der arme Tagelöhner waren ob dieser ungewöhnlichen Geschichte sehr erstaunt und folgten dem Herrn, der schnell nach Hause eilte. Dieser arme Mann hob dann alle Söhne Löschs aus dem heiligen Wasser. Vom Baron wurde er sofort der Dienerschaft zugeordnet und ehrenvoll unterstützt, solange er lebte und er wurde von seinem freigebigen Herrn nie anders genannt als Geliebter Pate. Der Baron selbst starb als recht alter Greis am 26. Juni 1728 in München. Sein Leichnam wurde aus München gebracht und durch unser Stift geführt, an dessen oberem Tor das Kapitel, mit Rochett bekleidet, den Leichnam in Empfang nahm und mit den üblichen Gebeten zum unteren Tor begleitete, von wo aus er nach Hilgertshausen gebracht wurde. Obwohl das Stift damals keinen Propst hatte, waren bei den üblichen drei Exequien auf Anweisung des Dekans immer drei Priester dabei.

Georg Sigismund Lösch ( Grabmal in Hilgertshausen )
Abschnitt 862: Als dieser Maximilian Felix starb, hinterließ er eine Tochter und zwei Söhne, Joseph Adam und Sigismund, die beide am 4. November 1731 zu Kammerherrn des Kurfürsten berufen wurden. Als Erbe erhielt Joseph Adam Stein mit allem was dazu gehört, Sigismund aber Hilgertshausen, Hirschenhausen, Türkenfeld usw. Vom ersten gibt es hier nichts mehr zu erzählen, vom zweiten nur das, was die Diskretion nicht verletzt. Als Sigismund in Besitz von Hilgertshausen gekommen war, heiratete er die Hofdame Maria Clara, geborene Baroneß von Prandt, wobei er nach wenigen zusammen verbrachten Jahren, in denen er einen Nachkommen von ihr erhalten hat, zum Witwer wurde. In demselben Jahr war das traurige Begräbnis der Mutter, der Gräfin von Seefeld, deren Vornamen ich nicht weiß. In der Zwischenzeit kümmerte sich unser Propst Innozenz persönlich um beide Begräbnisse in Hilgertshausen und reparierte die etwas gestörte gute und freundliche Nachbarschaft. Es hatte nämlich einen Zusammenstoß zwischen den beiden gegeben wegen der Jagd, die Baron Lösch in unserem Wald Senkenschlag abhielt, und die der Vorsteher nicht tolerieren wollte, weil ihn irgendwelche Ohrenbläser dazu aufgestachelt hatten. Dieser Streit dauerte eine Zeitlang an, nicht ohne Erbitterung, und wurde bei der Jagdbehörde abgehandelt. Wie die Einigung aussah, weiß ich nicht. Das ist es, was ich über die Freiherrn von Lösch zu sagen habe und es wird sicher nicht ihren Unwillen erregen.