zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibung                 Kirchen in der Gem.Hilg.-Tandern

Pfarrkirche St. Peter und Paul in TANDERN

86567 Tandern, Schloßplatz 2
Lage der Kirche auf der Karte ...


Kurzbeschreibung

Tandern war Hauptort des einst von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets der "Tannaro-Marcha". Der Ort wurde erstmals im Jahr 843, die Kirche erstmals 849 erwähnt. Damals fand in Tandern ein Gerichtstag statt.

Im 13.Jh wurde wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut, von der kleine Reste noch heute erhalten sind. Den Turm hat man in der Spätgotik, um 1500, errichtet.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Tandern schwer heimgesucht. Die Höfe wurden niedergebrannt, viele Menschen verloren ihr Leben. Danach kamen Zuwanderer aus dem Alpengebiet, die die Hofstellen wieder neu besetzten.
Um das Jahr 1730 wurde eine neue Kirche im barocken Stil erbaut. Von dieser Kirche steht noch der alte Chorraum.

1974 hat man das Kirchenschiff abgetragen und im modernen Stil wieder aufgebaut. Grund für den Neubau war der schlechte Bauzustand, der aus Bausünden der Vergangenheit resultierte.

Das neue Kirchenschiff ist praktisch eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte und nur durch einen niedrigen Durchgang zu erreichende alte Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr. Der Altarraum musste aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden.


Die Turmuhr

Das 1974 angefügte moderne Anbau gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach.  Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich das Zeltdach perfekt in die Dachlandschaft Tanderns, wie sie sich von Pipinsried aus präsentiert, einfügt. Die dominierenden Bestandteile dieses bemerkenswerten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas.

Der 25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen Dach- und Deckenkonstruktion überspannt, die keine Stützpfeiler im Kircheninnenraum benötigt. Durch den relativ niedrigen, aber breitflächigen Fensterkranz strömt Tageslicht ins Innere des Raumes.
Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik", umfasst ca. 400 Sitzplätze und außerdem ca. 350 Stehplätze.

Der moderne Zelebrationsaltar im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten Altarinsel. Der mächtige Steinblock ruht auf einem Metallgestell. Um die Altarinsel sind die Bänke für die Kirchenbesucher gruppiert.
Im modernen Kirchenraum sind auch die alten Seitenaltäre aus der Barockzeit angebracht.
Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht (mit der seltene Darstellung des schreitenden Josefs); auf dem rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands an der Geißelsäule
.

Der durch einen niedrigen Durchgang mehr abgegrenzte, als verbundene alte Altarraum entspricht noch voll dem barocken Zustand aus der Zeit um 1730.

Am prachtvollen, von vier Säulen gestützten Hochaltar sind der hl.Johannes Nepomuk im Bild und die Kirchenpatrone Petrus und Paulus sowie St.Christophorus und Johannes d.Täufer als Figuren zu sehen.
Im alten Chor ist auch die frühere Kanzel im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung untergebracht.
Die Wände des alten Altarraums sind mit heraldischen Motiven verzierten Wappen aus Stuck sowie einer Vielzahl von prächtigen Epitaphen geschmückt. Sie zeigen, dass die Hofmarksherren von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise auch als Geldgeber) gespielt haben.

Zwei schöne Taufsteine aus Rotmarmor aus gotischer und barocker Zeit stehen im alten und neuen Kirchenraum.


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche in Tandern auch
als Gesamtschau ansehen. Klicken Sie hier....

 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: 9.Jahrhundert Dreißigjähriger Krieg 18.Jahrhundert Neubau 1974
Ausstattung: Alter Altarraum Apostelzyklus Baubeschreibung Choraltar
Deckengemälde Durchgang Epitaphe Kanzel
Kirchenbänke Kreuzweg Neuer Kirchenraum Orgel
Opferstock Pfarrhof Seitenaltäre Tabernakel
barocker Taufstein gotischer Taufstein Vorhalle Zelebrationsaltar

Tandern war Hauptort des einst von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets der "Tannaro-Marcha". Der Ort wurde erstmals im Jahr 843 als Tannara urkundlich erwähnt. Damals kauften der Bischof Josef Erchenbert von Freising und sein Neffe Reginbert von einem Mann namens Balderich Güter in Hilgertshausen, Tandern, Klenau und Singenbach. Der Vertrag wurde übrigens in Dungeih bei Verdun geschlossen, wo zur gleichen Zeit der Reichsteilungsvertrag zwischen den Enkeln Karls d.Großen unterzeichnet wurde. Tandern ist im Kaufvertrag an erster Stelle genannt, mit Hofhaltung und Herrensitz. Es war im Jahr 843 also ein längst bestehender, als Herrenhof ausgebauter Ort. Im gleichen Jahr übergab/verkaufte ein Herr Paldricus seinem Besitz zu Tandern, Hilgertshausen, Klenau und Singenbach dem Bistum Freising und erhielt dafür 250 Pfund (Silberpfennige). Dies ist der Urkunde vom 10. Aug. 843 zu entnehmen (Nr. 661 der Freisinger Traditionen).
Insgesamt fünfmal wird Tandern vor dem Jahre 1000 in Urkunden genannt; ein Hinweis auf die große Bedeutung der Ortschaft.

Geschichte der Kirche

Eine Kirche in Tandern wurde erstmals am 9.Januar 849 erwähnt. Damals fand in Tandern ein Gerichtstag statt, mit vielen Adeligen, darunter auch dem Grafen Richo von Schrobenhausen. Gerichtstage wurden nur in bedeutenden Pfarreien abgehalten, zu denen damals eben auch Tandern gehörte. Im Bericht über dieses Ereignis wird auch von einer "basilica " gesprochen. Vermutlich war die Kirche schon 70 bis 100 Jahre vorher zu Beginn der Christianisierung des Gebietes östlich von Altomünster gebaut worden. Es dürfte sich dabei um einen Holzbau gehandelt haben, da bei späteren Umbauten kein Fundament des ursprünglichen Gotteshauses gefunden worden ist.

Im 13.Jh wurde wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut, von der kleine Reste noch heute erhalten sind.

Der Turm wurde in der Spätgotik errichtet; jedenfalls stand auf einer der Glocken, die 1942 zum Einschmelzen abgeliefert werden musst, die Jahreszahl 1494.
Im Jahr 1568 hat der Geograph Philipp Apian auf den sog. Bairischen Landtafeln Tandern (Dannern) als winzig kleinen Holzschnitt symbolhaft dargestellt. Zwischen dem alten Bergfried der Burg (links) und dem durch einen überdachten Holzsteg verbundenem Schloss (rechts) ragt der Spitzturm der Kirche heraus. Der Mühlstein-ähnliche Kreis am Schloss zeigt übrigens nur die genaue Lage der Ortschaft auf der Landkarte an.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Tandern schwer heimgesucht. Bekannt ist die Geschichte vom "Schwarzen Knecht", der den Pfarrhof gegen die Schweden mutig verteidigte und dabei zwei Soldaten erschlug. Die Schweden rächten sich für den Tod ihrer Leute an der ganzen Ortschaft. Die Höfe wurden abgebrannt, viele Menschen verloren ihr Leben. Danach musste man Zuwanderer aus dem Alpengebiet holen, die die freien Hofstellen wieder neu besetzten.

Um 1700, als der Kupferstich rechts von Michael Wening erstellt wurde, stand neben der Kirche noch der von tiefen Gräben umgebene Burgturm des alten Wasserschlosses. Der von einem Wetterhahn gekrönte Kirchturm hatte große Ähnlichkeit sowohl mit dem 1568 dargestellten als auch mit dem heutigen Turm. Der gerade schließende Chor war höher und breiter als das Kirchenschiff.

Um das Jahr 1730 wurde eine neue Kirche im barocken Stil erbaut. Das Baumaterial kam zum Teil aus dem mächtigen Burgturm (im Bild ganz rechts), der zum Kirchenneubau abgebrochen wurde. Von dieser Kirche aus dem Jahr 1730 steht heute noch der Chorraum.

Neubau 1974


Der Grundriss der Kirche

1974 wurde das Kirchenschiff abgetragen und im modernen Stil neu errichtet. Grund für den Neubau des war der schlechte Bauzustand, der aus Bausünden der Vergangenheit resultieren soll:  Beim Bau der Kirche um 1730 seien Steine aus dem abgetragenen Wehrturm des Schlosses verwendet worden; ein schlechtes Baumaterial, das seinen Teil zur Baufälligkeit im Jahr 1967 beigetragen hat. Zudem sei der Bau damals so schlecht ausgeführt worden, heißt es, dass der Architekt und der Maurermeister ohne Entgelt fluchtartig das Weite suchen mussten.

Das neue Kirchenschiff ist praktisch eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte und nur durch einen niedrigen Durchgang zu erreichende alte Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr; er musste aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden.

 


Baubeschreibung

In dem 45 Meter hohen, schlanken Turm sind im unteren Teil romanische, im mittleren Teil gotische und im Aufsatz barocke Bauteile enthalten. Der Turm hat vier kunstvoll geschweifte Giebel mit integrierter Turmuhr und ein schmal zulaufendes, achteckiges Spitzdach. Die Zahl der heutigen Glocken ist mir nicht bekannt. 1922 waren -wohl als Ersatz für die im 1.Weltkrieg eingeschmolzene Glocken- fünf neue Glocken beschafft worden. Von der Weihe dieser Glocken hat sich ein Zeitungsbericht vom 4.12.1935 erhalten. Danach war
- die erste Glocke den Aposteln Petrus und Paulus geweiht (39,6 Zentner, in C gestimmt, mit der Inschrift: "Zum Gedächtnis
  der im Weltkrieg gefallenen Helden der Pfarrei Tandern");
- die zweite Glocke dem zweiten Kirchenpatron St.Ulrich (22,8 Zentner, in S gestimmt; Inschrift: "Das Geläute wurde beschafft
   unter der Kirchenverwaltung Dr.Lechner, Pfarrer, Lutz Josef, Höß Johann, Kreitmair Josef, Birkl Nikolaus und unter
   Bürgermeister Huber")
- die dritte Glocke hat St.Josef als Patron (15,4 Zentner)
- die vierte Glocke ist St.Johannes Nepomuk geweiht (9,2 Zentner, As)
- die fünfte Glocke ist eine Marienglocke und trug die Inschrift: "Gestiftet von Familie Ostermair,Winterried" (4,6 Zentner,Ton C).
Ob die Glocken den 2.Weltkrieg überstanden haben, ist mir nicht bekannt.
Der Kirchenraum in Tandern besteht seit dem Umbau in den Jahren 1972-1974 aus zwei optisch sehr unterschiedlichen Teilen: Dem barocken Chor der alten Kirche und einem modernen Anbau.  
Der Chorraum stammt noch aus der im Jahr 1730 errichteten barocken Kirche. Er musste (wie der Turm) beim Neubau des Gotteshauses 1974 aus Günden des Denkmalschutzes erhalten werden. Der Altarraum besitzt zwei Joche, schließt halbrund und ist durch rosa bemalte Pilaster gegliedert.

An der äußeren Ostseite ist vor einer Mauernische ein großes Kruzifix (wohl 19./20.Jh) befestigt. Es besitzt eine geschwungene Kupferüberdachung, die den Korpus vor Witterungseinflüssen schützen soll. Die Kreuzbalken haben dreipassförmige Enden. Der Corpus ist weiß-grau gehalten. Nur die blauen Adern im Brustbereich und das rote Blut der Wunden sind koloriert. Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums die Regel, später waren sie in der Zeit des Historismus, im 18.Jh, wieder üblich.  

 

Das 1974 angefügte moderne Anbau gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach.  Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich das Zeltdach perfekt in die Dachlandschaft Tanderns, wie sie sich von Pipinsried aus präsentiert, einfügt.

Die dominierenden Bestandteile dieses bemerkenswerten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas. Der 25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen Dach- bzw. Deckenkonstruktion überspannt, die jegliche Stützpfeiler im Kircheninnenraum erübrigt.

Durch den relativ niedrigen, aber breitflächigen und die ganze Süd- und Westseite der Kirche umfassenden Fensterkranz strömt Tageslicht ins Innere des Raumes. Dessen innere Höhe beträgt 13, die äußere Höhe 16 Meter. Sichtbeton und Holz im Inneren der Kirche bilden eine harmonische Einheit, was noch durch die gelungene Farbkombination verstärkt wird.

Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik", wie es auch von Fachleuten genannt wird, umfasst ca. 400 Sitzplätze und außerdem ca. 350 Stehplätze. Der Raum bietet damit ausreichend Platz für die Gottesdienstbesucher aus Tandern und Umgebung, schreibt der Architekt im Grußwort zur Einweihung.

Innenausstattung

Früherer Altarraum

Deckenfresko im Altarraum
Die mit einem Gemälde verzierte Decke des Chorraums hat ein Tonnengewölbe mit Stichkappen und zierlichem Bandelwerkstuck.
Das Bild ist erst um 1950 entstanden. Es stellt einen Bittgang in Tandern dar.

Hochaltar / Choraltar

Der prachtvolle Hochaltar im alten Chor aus der Zeit um 1730 hat einen hohen Aufbau, der durch viele Säulen mit korinthischen Kapitellen gestaltet ist. Auf dem mächtigen Gebälk sitzen zwei Volutenengel; das Aufsatzbild wird durch zwei weitere Engel gestützt.
Gekrönt wird der Altar von einem goldenen Dreieck, in dem das Auge Gottes dargestellt ist. Umkränzt wird es von einem dreibündeligen Strahlenkranz.
Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt.

Mittelpunkt des Altars ist das Altargemälde in vergoldetem Rahmen mit der Darstellung des hl. Nepomuk, des zweiten Patrons der Kirche.

Flankiert wird das Altarbild von in Porzellan eingefassten Figuren der Kirchenpatrone Petrus mit Himmelsschlüsseln (links) und Paulus mit dem Schwert in der Hand (rechts).

zur Vergrößerung  der Figur des hl. Nikolaus  bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Michael  bitte klickenzur Vergrößerung  der Figur des hl. Stephanus  bitte klicken
Johannes d.TäuferSt.PetrusSt.NepomukSt.PaulusSt.ChristophorusAufsatzbild St.AgathaTabernakel
Vergrößerung von 7 Details (Figuren,Bilder,Tabernakel) per Mouseklick


Petrus



Hinweis: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod indem er auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen. Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichts das Himmelstor auf. Diese himmlische Rolle macht ihn zum "Wetterheiligen".
Die zwei Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.

 

Hinweis: Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16. Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.
Auf den äußeren Sockeln stehen Figuren
des hl.Johannes des Täufers mit der Kreuzfahne in der Hand und einem Lamm zu seinen Füßen (links) und
des hl.Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter und einem Baumstamm als Stock in der linken Hand. (rechts).
Hinweis: Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Hinweis: Christophorus ist eine Legendengestalt, die seit 1969 im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Der Heilige wird in der Kunst meist mit einem Kind auf dem Arm und einem Baumstamm in der Hand abgebildet. Der Legende nach suchte er unter seinem früheren Namen Reprobus (spätere Legenden: Offerus) den mächtigsten Herrscher der Welt um ihm zu dienen. Doch bald bemerkte er, dass der König den Teufel fürchtete und der Teufel Christus. Deshalb diente er auf Anraten eines Einsiedlers Christus, indem er seine Riesenkräfte sozial einsetzte und Leute über einen gefährlichen Fluß trug. Eines Tages trug der Heilige einen kleinen Knaben auf seinen Schultern, der mit jedem Schritt an Gewicht zunahm, sodass Reprobus zu ertrinken fürchtete. Da erkannte er, dass er den Christus trug. Er wurde von Jesus auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft, und der als Stütze verwendete Baumstamm begann zu grünen. Christophorus gilt als Patron der Reisenden, Pilger, Fuhrleute und Schiffer sowie seit etwa 1900 auch der Kraftfahrer.

Das hochovale, leider schon sehr abgedunkelte Aufsatzgemälde zeigt die hl.Agatha bei ihrem Martyrium. Sie steht mit abgeschnittenen Brüsten vor einem lodernden Feuer. Um sie herum machen sich die Häscher daran, die Heilige auf die glühenden Kohlen zu legen.
  Hinweis: Agatha ist eine legendäre Person. Sie soll im 3.Jh einen Heiratsantrag des Statthalters Quintianus zurückgewiesen haben, weil sie Christin sei und bleiben wolle. Der Abgewiesene ließ sie verhaften und martern. Er ließ ihr die Brüste mit Fackeln brennen, mit Zangen Stücke abreißen und schließlich abschneiden; danach wurde sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen gelegt.

  Am ersten Jahrestag ihres Todes wurde ihre Geburtsstadt Catania bei einem Ausbruch des Ätna von Lava bedroht und durch ihre Fürbitte verschont. Deshalb wurde sie Patronin gegen Feuersbrünste. Früher gab es "Agathenkerzen", die vor vor Feuer schützen sollten. Agatha wird (jedoch erst seit dem 14.Jh) meist mit einem Teller, auf dem abgeschnittene Brüste liegen, dargestellt.
Tabernakel
Der zweistöckige, wohl aus dem 19.Jh stammende zweistöckige Tabernakel ist fein gearbeitet. Die beiden vergoldeten Türen zeigen Reliefbilder: Oben ist das Letzte Abendmahl dargestellt, unten erinnern Weinreben und Getreideähren an den Leib und das Blut Christi.
Die Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).

Auf dem Tabernakel sitzt ein Pelikan, der mit dem roten Schnabel seine Brust aufreißt, um seine Jungen mit seinem Blut zu ernähren.  Ein Sinnbild für Christus, der uns mit seinem Blut erlöste. (Das Beispiel des Pelikans beruht auf einer falschen zoologischen Annahme in früheren Jahrhunderten)


Kanzel im Altarraum

Im alten Altarraum ist auch die frühere Kanzel im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung untergebracht. Der Kanzelkorb ist mit Einbuchtungen versehen, in denen Reliefs mit Szenen aus dem neuen Testament (u.a. Übergabe der Himmelsschlüssel an Petrus) zu sehen sind.
Besonders auffällig ist der Schalldeckel. An seiner Unterseite ist die Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz zu sehen. Drei geschwungene Bögen, auf denen Putten sitzen, erweitern den Schalldeckel nach oben. Darauf steht eine Figur des segnenden Christus mit einer Weltkugel in den Händen.


Taufstein im Altarraum











Unter der Kanzel steht ein schönes Taufbecken aus Rotmarmor auf einer Metallstütze. Es ist in Form einer achteckigen Schale gestaltet. Das große Wappen auf der Vorderseite deutet auf eine Verbindung zu den Hofmarksherren hin. Leider ist über die Herkunft des Taufbeckens nichts bekannt. Es dürfte noch aus gotischer Zeit stammen.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Haimhausen- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, ,würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"

 

Kirchenstühle im Altarraum


Die Kirchenbänke im alten Altarraum haben schöne Wangen, die mit geschnitzten Akanthusblättern verziert sind. Das Muster dieser Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen, Westerndorf und hier in Tandern verwendet.
Hinweis: Kirchenst
ühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


P
rozessionslaternen
An den Kirchenbänken sind Prozessionslaternen in neubarockem Stil befestigt, die heute bei Prozessionen z.B. Fronleichnamsprozession nur noch dekorative Zwecke erfüllen.

Kunstvoll sind auch die Türbeschläge an der Türe zum Turmuntergeschoss gearbeitet.
Wenn Sie sich für solche Beschläge interessieren und eine Zusammenstellung aus Kirchen im Dachauer Land sehen möchten, klicken Sie hier...


Epitaphe
im Altarraum

Die Wände des alten Altarraums sind mit einem mit Akantusblättern und heraldischen Motiven verzierten Wappen aus Stuck sowie einer Vielzahl von prächtigen Epitaphen geschmückt. Sie zeigen, dass die Hofmarksherren von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise auch als Geldgeber) gespielt haben.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
Die einzelnen Epitaphe im Altarraum:


1589

 

 

Epitaph für Sebastian Lung und seine beiden Gattinnen Clara und Barbara
Dieses Epitaph im Renaissancestil ist das größte und schönste in der Kirche. Ein Steinrelief im Mittelteil zeigt die Auferstehung Christi. Umrahmt wird das Bild von Wappen verschiedener Familien wie z.B. der Lung, der Spaur, der Liechtenstein, der Egnhauser und der Adlßhauser. Unter dem Bild kniet mit gefalteten Händen die Familie des Stifters: Links Sebastian Lung mit seinen drei Söhnen, rechts die beiden Frauen Sebastians, Clara und Barbara (mit Rosenkränzen in den Händen) und die sieben Töchter (darunter zwei Nonnen). Alle sind in höfischer Tracht (damals nach spanischer Mode) gekleidet.
Im oberen Teil ist in eine ovale Kartusche folgender Text eingraviert:
" Anno Domii. 1589 den 19. Juny starb der Edel und ... Sebastiian Lung zu Danderen ein Zeit lang Pfleger zu Aichach gewesen. Anno Domii. 1555 den 11.März starb die Edel und Dugenthaft Frau Clara Lungin ein geborne von Spaur sein Erste hausfrau. Anno Domii.1569 den .... starb die Edel und Dugenthaf Frau Barbara Lungin. Ein geborne von Bumpbenperg sein andere Hausfrau dere und alle Christgläubigen sellen Gott genedig sein Welle. Amen."

Hinweis: Die edle Familie Lung erwarb die Hofmark Tandern 1486. Ein Viertel hatten sie erheiratet, drei Viertel kauften sie dem Hochstift Freising ab. Die Lungs dienten den Herzögen von Bayern als Landrichter, Pfleger und Stadtrichter in München, Ingolstadt und Aichach. Sie herrschten in Tandern bis 1639, als die Hofmark auf die Gant kam und von den Mändls erworben wurde.

1617
Epitaph für Wolf Christof Lung
Das Epitaph besteht im oberen Teil aus einem großen Steinrelief. Mittelpunkt ist ein Kruzifix. Aus den Armwunden Christi fließt Blut, das von zwei Engeln in Kelchen aufgefangen wird. Darunter knien mit gefalteten Händen die Stifter in der Tracht ihrer Zeit. Die Frau hält einen Rosenkranz in ihrer Hand. Zwischen dem Ehepaar sind ihre Wappen mit heraldischen Verzierungen zu sehen.
Darunter ist folgender Text eingraviert:
"Hie Ligt Begraben der Edel und Gestreng Herr Wolff Christoff Lung zu danern Fre?? in Bairn Rath und Pfleger zu Aicha(ch) Gewessen. Starb den 18.Sept. ?? A(nno) 1617 auch der Edlen F... Sawina Lungin, Geborne von ... . Frau denen Gott Genedig und Barmherzig sein . Amen"

1728
Epitaph für Joseph Anton Mändl
Zwischen eine Totschädel und das Wappen des Toten ist folgender Text zu lesen:
" Siste Viator & Precare.
Hier ligt begraben der Hoch und Wollgebohrne Herr Herr Ioseph Antoni Mändl, Freyherr uon Teuttenhouen, Herr uf Tanderen, Mezenried und Alberzell, dan Pföttrach. Ser (=Seiner) Hochfrtl.(=hochfürstlichen) Drrl.(=Durchlaucht) Bischouen (=Bischof) zu Freysing und Regensburg, Herzog in Bayrn &c(=etc.) Hoff.unnd Cammerrath, Seines Alters 42.Iahr. Gestorben zu Freysing den 11.Merzen, Ao 1728. DeroseLL WoLLe rVehen(=ruhen) In Den eWIgen FrIDen. "
Hinweis: Die Familie der Mändl, Besitzer der Hofmark in Deutenhofen bei Hebertshausen, erwarb 1640 auch die Hofmark Tandern um 20.000 Gulden, nachdem die Familie Lung, auch wegen der Kriegseinwirkungen auf die Gant kam.

1734
Epitaph für Johann Joseph Wilhelm Mändl
Unter den Wappen der beiden Toten ist folgender Text eingraviert:
" Siste Viator & Precare. Hier ligt Begraben Der Hoch und Wolgebohrne Herr Herr Johann Joseph Wilhelm Mändl, Freyherr von Teuttenhofen, Herr auf Tandern, Mezenried und Alberzell, seines Alters 56 zu München Gottseelig verschiden den 10ten Jenner Ao 1734.
Auch dessen Frau Gemahlin die Hoch. und Wolgebohrne Frau ?? Maria Felicitas Juliana Freyin von Mändl, ein gebohrne Sandtin welche in Gott Christlich entschlaffen den ___ Ao 17__ Ihres Alters __ Jahr. Dennen Gott ein glickseelige Auferstehung genedigst verleihen wolle.
Jezt ist an alle unser bitt, barmherzig zu gedencken, von dannen doch zu weichen nit, sondern ein Ave schencken"

1748
Epitaph für Pfarrer Johannes Baptist Harter
Im Durchgang zum neuen Teil wurde eine Steinplatte zum Andenken an den Pfarrer Johannes Baptist Harter angebracht. Der als "restaurator" bezeichnete Pfarrer hat wohl den Anlass zum Bau der Kirche im 18. Jahrhundert gegeben, worauf auch die Figur seines Namenspatrons auf dem Hochaltar hinzudeuten scheint. 
Text auf dem Epitaph:
"Hic situs est homo Missus a Deo cui nomen erat IOANNES BAPTISTA HARTER. Huius Ecclesiae per 24. Annos Parochus Et Restaurator munificus. Oculus fuit caeco Pes claudo Pater Pauperum. Anno Aetatis 56.die 16.May 1748. In festo S.Ioannis Nepomuceni obiit velverius ad suum Patronum abiit. Illius festum completurus in coelis quod solennissime celebrare In choav (?) erat in terris. R.I.P."

1809
Epitaph für Pfarrer Karl Senng
Text:
"Hier ruhet Karl Senng, Gebohren zu Wittelsbach den 20ten Okt.1727. Gestorben zu Tandern den 2ten Juni 1809. 82 Jahre alt, 58 Priester, 46 Pfarrer, 21 Kapitel Kammerer, auch Senior und Jubilaeus. Mitglied des Civil-Verdienst Ordens der baierischen Krone IVten Klaße.
Er hat den Armen wohlgethan, der Schule gab Er ihren Flor. Ihm zeuget Gutes jederman und gerne hört des Pilgers Ohr die guten Thaten frommer Weisen der Nachwelt noch als Muster preisen."

1763

Epitaph für einen unbekannten Toten
Text:
"P.T.
M.D.
O.M. Aug. A(nno) MDCCLXIII (1763)
R.I.P."


1826
Johann Theodor Edlen von Lippert
Text:
" In dem Gottesacker dieser Kirche ruhen die Gebeine Seiner Hochwohlgeborn des Titel Herrn Johann Theodor Edlen von Lippert, gewesenen Hofkammerrath und Landrichters zu Dachau, dann Rentbeamtens zu Rain, ordentlichen Mitgliedes der kameralistisch-ökonomischen Societät in Erlangen, Besitzer der Hofmarkt Tandern, Metzenried und Appertshausen; geboren zu München den 8ten Augst.1768, gestorben zu Tandern den 2ten Jänner 1826. Dieses Denkmal ließen als Liebe und Dankbarkeit dem Verstorbenen dessen Gattinn und beiden Söhne setzen. R.I.P."

1826
Epitaph für Johann Theodor und Anna von Lippert
Text:
"Familien Begräbniß der Edlen von Lippert.
Ihren schon längst in die Ewigkeit vorangegangenen theuren Kindern folgten deren Eltern J.Hochwohlgeborn Herr Theodor Edler von Lippert auf Tandern, geboren zu München am 8ten August 1768, gestorben am 2ten Jänner 1826 und deßen Gattin Maria Anna, geborne Auer, geboren zu N??sensteig am ?? May 1771, gestorben am 23ten März 1837.
Maria Anna Edle von Lippert, geborne Auer, Gutsbesitzer-gattin, geboren zu Traunstein am 2.May 1811 gestorben zu Tandern am 23.September 1863"

1864

Epitaph für Max Edlen von Lippert
Text:
"Gedenkstein für Max Edlen von Lippert
gestorben in Tandern am 8.November 1864 im 71.Lebensjahr R.I.P."


1901
Epitaph für Theodor Oskar Jakob von Lippert
Text:
"Auf der Heimreise von China am 4.September 1901 fand in der Straße von Korea sein Seemannsgrab der Seeoffizier Theodor Oskar Lysander Jakob Edler von Lippert.
geb.zu Tandern am 14.Juni 1876, beweint u.geliebt von allen, die ihn kannten.
Gott sei seiner Seele gnädig und barmherzig. R.I.P."


Durchgang zum neuen Kirchenraum

Im niedrigen Durchgang vom alten in den neuen Teil der Kirche ist ein barockes Kruzifix angebracht, das als Vortragekreuz benutzt wird oder wurde, worauf der lange senkrechte Kreuzbalken hinweist. Der Corpus wird durch die stark blutenden Wunden geprägt.

 


Neuer Kirchenraum

Der neue Kirchenraum wirkt innen ebenso modern wie das Äußere. Es wird durch das das hohe Dach und das weit nach unten gesetzte Fensterband im Süden und Westen des Raumes geprägt

An der Ostseite liegt der niedrige Durchgang zum Altarraum der alten Kirche. Er wird von den beiden früheren Seitenaltären im barocken Stil flankiert.

Seitenaltäre

Die alten, barocken Seitenaltäre stehen im modernen Kirchenbau, links und rechts vom Übergang zum alten Teil (also an ihrer früherem Standort). Es handelt sich um schmale Säulenretabel mit hohem Aufbau. Früher hatten beide Altäre große Altarbilder als Mittelpunkt; sie verschwanden schon vor vielen Jahrzehnten bei einer Renovierung. Auch ihre Nachfolgebilder - Nazarenermalereien- wurden beim großen Umbau 1974 entfernt und durch Figuren, die damals erworben wurden, ersetzt.

Linker Seitenaltar
Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. In der Mittelnische steht eine Figur des Heiligen mit dem Jesuskind auf dem Arm. Eine Besonderheit ist die sonst seltene Darstellung des schreitenden Josefs; üblicherweise werden Heiligenfiguren im Stehen oder Sitzen abgebildet.
Im Auszugsbild wird die Taufe Jesu durch Johannes Baptist gezeigt.

Rechter Seitenaltar

Auf dem rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands an der Geißelsäule. Jesus ist mit beiden Armen an die Säule aus grauem Marmor gekettet.

Das Auszugsbild zeigt den hl.Nepomuk, den zweiten Patron der Kirche.


Zelebrationsaltar

Der moderne Zelebrationsaltar im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten Altarinsel, d.h., auf einem großzügig bemessenen Podium.
Der mächtige Steinblock ruht auf einem Metallgestell.

Neben dem Altar finden auf der Altarinsel auch eine Madonnenfigur (Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem Arm), das Ambo, die Sitze für Priester und Ministranten sowie eine Herz-Jesu-Figur Platz.

Darüber hängt -als vertikale Komponente- ein großes Kruzifix, dessen Corpus aus der alten Kirche stammt.


Um die Altarinsel sind die Bänke für die Kirchen-besucher gruppiert; diese Gestaltung trägt dem Gedanken des Miteinander-Feierns des Messopfers in besonderer Weise Rechnung.
Linker SeitenaltarRechter SeitenaltarZum alten KirchenbauMuttergottes


Kreuzwegstationen

An der hohen Nordwand hängen viele Bilder. Es handelt sich im unteren Bereich um die 14 Kreuzwegstationen, im oberen Bereich um alte -inzwischen wieder renovierte- Tafelbilder mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Petrus. Sie waren -mit der Bildseite nach oben- als Teile der Kassettendecke im alten Kirchenschiff verwendet worden. Auf den Bildern sind die Namen der Stifter bzw. das dargestellte Thema verzeichnet.
Petrusbild 5Petrusbild 4Petrusbild 3Petrusbild 2Petrusbild 1




klicken Sie
auf die
kleinen
Bilder


Orgel

Über dem Durchgang ist die Orgel mit der Sängerempore eingebaut. Sie wurde beim Neubau der Kirche 1974 von der Fa. Sandtner aus Dillingen aufgestellt und setzt sich aus zwei gebrauchten Orgeln aus Mickhausen und Landsberg zusammen. Das Werk mit Freipfeifenprospekt ist von zwei Spieltischen (einer Richtung alte Kirche, einer Richtung neue Kirche) aus zu betätigen. Es besitzt (nach Brenninger Stand 1976)die Disposition:
 

I. Manual (C-g'''):Principal 8', Holzflöte 8', Octav 4', Quintade 4', Nachthorn 2', Mixtur 5fach 1 1/3,
II. Manual (C-g'''): Principal 8', Gedeckt 8', Kleingedeckt 4', Nasard 2 2/3, Octav 2', Mixtur 4fach 1 1/3,
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16', Oktavbass 8', Choralbass 4', Pommerbass 2'
Koppeln:
             II-I, I-P, II-P

Nach Aussage von Pfarrer Riesinger ist geplant, die Orgel an die Nordwand zu verlegen und damit den Blick vom neuen Kirchenteil zum alten Teil wieder freizugeben.
Vorgängerorgeln: 1848 hat J.Bohl aus Augsburg die damals schon alte Orgel für 18 Gulden repariert. Bei dieser Gelegenheit reichte er einen Kostenvoranschlag für eine neue Orgel in Höhe von 600 Gulden ein. 1921 errichtete Willibald Siemann, Mch, eine neue pneumatische Orgel als zweimanualiges Werk mit 12 klingenden Registern. Über die Einweihung am 3.Oktober 1921 existiert ein Zeitungsbericht....
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.
Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...

Opferstock
In der Nähe des Eingangs steht der schöne alte Holz-Opferstock mit Eisenbeschlägen. Ins Auge fallen die leuchtenden neuen Sicherheitsschlösser aus dem Baumarkt.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

 

Taufstein im Kirchenschiff
Im neuen Kirchenschiff ist steht ein großer, barocker Taufstein aus Rotmarmor mit Metalleinsatz. Die achteckige Taufschale steht auf einem schmalen, ebenfalls achteckigen Sockel. Das Achteck wird als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen und wird bei Taufsteinen oder Taufkapellen häufig verwendet.

Vorraum   der Kirche

Im großzügigen Vorraum   der Kirche sind eine Figur des hl.Florian, Epitaph für Joh.Christoph Mändl sowie die Bilder eines Apostelzyklus' untergebracht.

Die barocke Figur des hl.Florian ist in ein römisches Soldatengewand gekleidet. Der Heilige hält die Siegesfahne in der linken Hand, während er mit der rechten Hand aus einem Schöpfgefäß Wasser über ein brennendes Haus zu seinen Füßen gießt.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem
  Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.

Der mit heraldischen Motiven geschmückte Grabstein des Johann Christoph Mändl (gest. 1711 im 59. Lebensjahr) und seiner ersten Ehefrau Maria Anna Margarete, geb. Lösch (gest. 1701 im 45. Lebensjahr) enthält folgenden Text:


"Anno 1711, den 17.Aug. ist in Gott Seelig entschlaffen der Hoch:und wollgeborne Herr, Herr Iohann Christoph Mändl Freyherr von Deytenhoven auf Tandern, der Churfrst.Drt.zu Cölln Cammerer S(ein)er Hochfürstl:gd:Bischovens zu Freysing Hoff: und Cammer Rhat, Statt: und Landtpfleger, auch Haubtman der Freysingischen Herrschafft, und StattLaagKh (?) in Crain. Seines alters 59.Jahr. Dann ligt begraben in Crain sein erste Ehegemahlin, die Hoch:und wollgeborne Frau, Frau Maria Anna Margareta Mändlin, Freyfrau v.Deytenhoven, auf Tandern, geborne Löschin, freyin von und zu Hilgerzhausen, so gestorben den 14.Sept.1701 Ihres alters 45.Jahr. denen gott gnedig sein wolle Amen."
Weitere Epitaphe sind an den Wänden im Altarraum des alten Teils zu sehen. Klicken Sie hier...


Apostelzyklus

   
     
 
 
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.

Pfarrhof

Nördlich der Kirche steht auf einer kleinen Anhöhe der stattliche ehem. Pfarrhof, in dem derzeit die Pfarrverwaltung untergebracht ist. Sein Vorgängerbau stammte aus dem Jahr 1611; er wurde 1938 abgebrochen.

Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....


Die Pfarrei Tandern hat auch eine interessante Homepage (www.people.freenet.de/pfarrei-hilg/tandern/indext.htm). Wenn Sie mehr über die Gottesdienstzeiten und die sonstigen Aktivitäten der Pfarrei Tandern erfahren wollen: klicken Sie hier...


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche in Tandern auch
als Gesamtschau ansehen. Klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.661, 834, 1126)
Amperbote vom 03.11.1921 (Orgel) und 4.12.1935
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Festschrift zum 75. Bestehen des Schützenvereins Schützenlust Tandern, 1984
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Kirchenbeschreibung 199?
Wilhelm Liebhart in "Hilgertshausen-Tandern, Bilder aus vergangenen Tagen", 2003
Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Ambrosius-Vers, Tabernakel)
57 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - eine Internetserie des Katholischen Landvolks Dachau


11.6.2011


Neue Orgel für Tandern
Amperbote vom 03.11.1921

In der Pfarrkirche von Tandern wurde durch die Firma Siemens aus München ein neues Orgelwerk aufgestellt. Am 18. Oktober wurde durch den staatlichen Orgelrevidenten, Herrn J. Kopfmüller, die technische Prüfung des Werkes vorgenommen. Wegen Raummangels auf der Empore musste das Pfeifenwerk und das elektrisch betriebene Gebläse in einer Tonhalle über dem Kirchengewölbe untergebracht werden. Dieser Umstand beeinträchtigt die Klangwirkung und -stärke nicht unerheblich.
Die Orgel enthält 12 klingende Stimmen, die auf zwei Manuale und Pedale verteilt sind. Die Mechanik ist pneumatisch mit Kegelladesystem. Selbverständlich sind alle modernen Koppelungen und Schweller vorhanden. Die Prüfung ergab, das insbesondere der Spieltisch praktisch angelegt und solide gearbeitet ist. Auch das übrige Material ist gediegen und die Ausführung sauber und gut. Die Intonation ist gut gelungen und trägt feierlichen kirchlichen Charakter. Die Ansprache ist sicher und präzise. Durch Mischung der verschiedenen Stimmen können sehr schöne Klangwirkungen hervorgebracht werden. Das volle Werk erscheint genügend an Kraft für die Raumverhältnisse der Kirche.

Auf den 30. Oktober hatte Herr Chorregent, Lehrer Reitmayr, die Musikfreunde von Tandern und Umgebung zu einem Kirchenkonzert zwecks Vorführung der neuen Orgel eingeladen. Mit seinem musikalischen Verständnis hatte er ein schönes, abwechslungsreiches Programm zusammengestellt und durch Beiziehung bewährter Kräfte den Hörern einen edlen musikalischen Genuss bereitet. Solisten waren Fräulein Dassler und Fräulein Hengler, sowie die Herren Link, Schmid und Schlagmann. Die Chöre dirigierte Herr Lehrer Wagner. Zunächst führte Herr Lehrer Reitmayr die einzelnen Register und Kombinationen vor und erwies sich dabei als gewandter, feinfühliger Organist. Ein Aganus Die von Erb ließ die Orgel als gutes Begleitinstrument für kräftigen gemischten Chor erscheinen. Der Vortrag des Finale aus der Sonate von Rheinberger zeigte sie auch als gediegenes Soloinstrument. Sehr ansprechend war die Begleitung der hervorragend gespielten Cello- und Violinvorträge. Tiefen Eindruck hinterließ "Der Engel Lied" für Sopran, Violine, Cello und Orgel. In dem von ihm vertonten 150. Psalm konnte man Herrn Lehrer Reitmayr auch als Komponisten kennen lernen, der für 6stimmigen Chor gediegen zu schreiben versteht und die vorhandenen Mittel wirkungsvoll zur Geltung zu bringen weiß. - Die zum Teil aus weiter Ferne herbeigekommenen Musikfreunde erlebten Stunden edlen Genusses und verließen voll Dank gegen Herrn Lehrer Reitmayr sowie alle Mitwirkenden die heilige Stätte. Möge diese Aufführung, die ein so schönes Zeugnis uneigennütziger Hingebung für die heilige Kunst abgelegt hat, auch da und dort Ansporn geben zu unverdrossenem Schaffen zu Gottes Ehre und der Menschen Freude!

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)