|
Pfarrkirche
St. Peter und Paul in TANDERN
|
|
Kurzbeschreibung
Datenblatt
Tandern war Hauptort des einst
von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets der "Tannaro-Marcha".
Der Ort wurde erstmals im Jahr 843,
die Kirche erstmals 849 erwähnt. Damals fand
in Tandern ein Gerichtstag statt. Das spricht für die große
Bedeutung des Orts schon in früher Zeit.
Im 13.Jh wurde wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut,
von der kleine Reste noch heute erhalten sind. Der 45 m hohe Turm
wurde in der Spätgotik, um 1500, errichtet.
Im 30jährigen Krieg wurde Tandern
schwer heimgesucht. Die Höfe wurden niedergebrannt, viele Menschen
verloren ihr Leben. Danach kamen Zuwanderer aus dem Alpengebiet,
die die Hofstellen wieder neu besetzten.
Um das Jahr 1730 errichtete man eine neue Kirche im barocken
Stil. Von dieser Kirche steht noch der alte Chorraum.
1974 hat man das Kirchenschiff
abgetragen und im modernen Stil wieder aufgebaut. Grund für
den Neubau war der schlechte Bauzustand, der aus Bausünden
der Vergangenheit resultierte.
|
Das neue Kirchenschiff
ist praktisch eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte
und nur durch einen niedrigen Durchgang zu erreichende alte
Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr.
Der Altarraum musste aus Gründen des Denkmalschutzes
erhalten werden.
|

Die Turmuhr
|
|
Der 1974 angefügte moderne Anbau
gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach.
Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich das
Zeltdach perfekt in die Dachlandschaft Tanderns, wie sie sich von Pipinsried
aus präsentiert, einfügt. Die dominierenden Bestandteile dieses
bemerkenswerten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas. Der
25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen Dach- und Deckenkonstruktion
überspannt, die keine Stützpfeiler im Kircheninnenraum benötigt.
Durch den relativ niedrigen, aber breitflächigen Fensterkranz strömt
genügend Tageslicht ins Innere des Raumes. Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik",
umfasst ca. 400 Sitzplätze und außerdem ca. 350 Stehplätze.
Der moderne Zelebrationsaltar
im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten Altarinsel.
Der mächtige Steinblock ruht auf einem Metallgestell. Um die Altarinsel
sind die Bänke für die Kirchenbesucher gruppiert.
So ist diese Kirche eine der wenigen Circumstanz-Kirchen im Dachauer Land,
als sichtbarer Ausdruck der sich um den Altar versammelnden Gemeinde.
Im Hintergrund des modernen Kirchenraums sind auch die alten Seitenaltäre
aus der Barockzeit angebracht.
- Der linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht (mit der seltene Darstellung
des schreitenden Josefs);
- auf dem rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands an der Geißelsäule.

Der durch einen niedrigen Durchgang
mehr abgegrenzte, als verbundene alte Altarraum
entspricht noch voll dem barocken Zustand aus der Zeit um 1730.
Am prachtvollen, von vier
Säulen gestützten alten Hochaltar
sind der hl.Johannes Nepomuk im Bild und die Kirchenpatrone Petrus und
Paulus sowie St.Christophorus und Johannes d.Täufer als Figuren zu
sehen.
Die Wände des alten Altarraums sind mit heraldischen Motiven verzierten
Wappen aus Stuck sowie einer Vielzahl von prächtigen Epitaphen
geschmückt. Sie zeigen, dass die Hofmarksherren
von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise
auch als Geldgeber) gespielt haben.
Dort im alten Chorraum steht die frühere Kanzel
im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung.
Zwei schöne Taufsteine aus Rotmarmor
aus gotischer und barocker Zeit stehen im alten und neuen Kirchenraum.
In der Kirche sind folgende Heilige als Figuren
oder in den Bildern dargestellt:
Denkmalschutz
Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist in der Denkmalliste für
Hilgertshausen-Tandern beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
aufgeführt. 51)
Darin wird sie
wie folgt beschrieben: "Aktenzeichen: D-1-74-147-13; Schloßplatz
2; Chor um 1730 mit halbrundem Schluss, an der Nordseite hoher, spätgotischer
Turm mit geschwungenen Giebeln und Spitzhelm, Langhaus 1974 durch einen
zeltartigen Anbau ersetzt; mit Ausstattung"
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Tandern
war Hauptort des einst von Altomünster aus besiedelten Waldgebiets
der "Tannaro-Marcha" (tan=Wald, Tannaro-marcha = Waldmark
= Hauptort des Waldgebiets)
09)
.
Der Ort wurde erstmals im Jahr 843 als Tannara urkundlich
erwähnt. Damals kauften der Bischof Josef Erchanbert von Freising
und sein Neffe Reginbert von einem Mann namens Balderich/Paldrich
Güter in Hilgertshausen, Tandern, Klenau und Singenbach für
die gewaltige Summe von 250 Pfund Silber (Silberpfennige). Dies ist
der Urkunde vom 10. August 843 zu entnehmen, die im berühmten
"Codex Cozroh" aufgeführt ist, einer Freisinger Handschrift
aus der Zeit des Bischofs Atto von Freising (738-811), dem 4. Nachfolger
des Hl. Korbinian. 05)
Was im Einzelnen verkauft wurde ist nicht ganz klar. Ausdrücklich
erwähnt wurden nur ein Herrenhof und Leibeigene.
Der Vertrag wurde übrigens in Dungeih bei Verdun geschlossen
("in loco nuncupante Dungeih, quod est juxta civitate Viriduna,
ubi triam fratrum Hludharii, Hludowici et Karoli facta est concordia
et divisio regni ipsorum.") Dort wurde zur gleichen Zeit auch
der Reichsteilungsvertrag zwischen den Enkeln Karls d.Großen
unterzeichnet. Das Reich war zu groß geworden; es reichte vom Atlantik
bis nach Ungarn und von Norddeutschland bis Mittelitalien. Deshalb
die Dreiteilung in das Westreich (= Frankreich), das Mittelreich
(von Friesland bis Italien mit Kaiserwürde) und
das Ostreich (= Deutschland). Dazu reiste der Adel aus allen
Landesteilen an. Auch der Freisinger Bischof Erchanbert und der Edle
Paldrich. So
kam dieses Geschäft zustande.
Tandern ist im Kaufvertrag übrigens an erster Stelle genannt,
mit Hofhaltung und Herrensitz.
09)
Es war im Jahr
843 also ein längst bestehender, als Herrenhof ausgebauter Ort.
Die Bedeutung dieses Geschäfts wird auch durch die große
Zahl der Zeugen bestätigt: 6 Grafen, 71 weitere Adelige, 7 friesische
Vasallen des Königs und 15 Vasallen Baldrichs werden namentlich
genannt. Bei der förmlichen Übergabe an den Bischof und
seinen Vogt Eparhart nahmen weitere 40 Adelige teil. Alle Zeugen wurden
nach bayerischem Brauch an den Ohren gezogenb 13);
sie sollten sich später
besser an das Rechtsgeschäft erinnern können. Wie in den
meisten Fällen glich wohl auch hier ein kleines Geschenk die
Unannehmlichkeit mit den roten Ohren aus.
Einige Zeit glaubte man, eine noch frühere Urkunde gefunden zu
haben, in der Tandern genannt sein könnte. Prof.Dr.Liebhart hat
dazu in seinem Aufsatz "zur Geschichte von Tandern"
13)
geschrieben:
| |
"Auf
der Suche nach einem früheren Datum fand man eine Urkunde von
760, in der von einem 'Tactara' die Rede geht. Ist das unser Tandern?
Ist 'Tannara' das früher genannte 'Tactara' ? Schon 1905 hat der
Herausgeber der Freisinger Bischofsurkunden (Theodor Bitterauf)
die Gleichsetzung mit unserem Tandern zurückgewiesen und von einer
Verschreibung des Personennamens Carthar gesprochen. Trotzdem
glaubte ein guter Kenner dieser Epoche, Dr. Gottfried Mayr (Bad
Aibling), dass es sich um Tandern handeln könnte. Dies wäre sicher
eine Sensation, weil unser Ort damit zu den frühesten Orten nicht
nur unserer Region, sondern auch Bayerns gehören würde. Der verstorbene
Aichacher Archivpfleger Rudolf Wagner und auch ich kamen aber
zur Auffassung auf der sicheren Seite bleiben zu müssen und von
843 auszugehen. |
|
Insgesamt
fünfmal wird Tandern nachweislich vor dem Jahre 1000 in Urkunden
genannt; ein weiterer Hinweis auf die große Bedeutung der Ortschaft.
Darunter ist auch die Nennung der Ortschaft 849 als Gerichtsort des
neuen Herrn, des Bischofs von Freising. Dieser baute in der Folgezeit
Tandern als Besitzschwerpunkt und Zentralort weiter aus. 13)
Um 1100 tritt ein Ortsadel
auf, der sich nach Tandern nannte. Ulrich von Tannarn ist um 1100
als erster aus diesem
Geschlecht erwähnt. Bekannt sind er und Adlalberto von Tannarn,
die sich auch nach Aiglsdorf (Lkr. Freising) und Obermauerbach (Lkr.
Aichach) nannten. Sie zogen 1147 von Regensburg aus mit König Konrad
III. und Bischof Otto von Freising in den zweiten Kreuzzug, von dem
sie nicht zurückkommen sollten. Der Zug endete mit mehreren furchtbaren
Niederlagen. 13)
Um 1150 herrschten in Tandern die Grafen von Scheyern, die
sich bald Wittelsbacher nannten. Sie gaben später den Ort einem
Adelsgeschlecht zu Lehen, das sich wieder nach Tandern nannte, aber
als Ministeriale im Dienst der Wittelsbacher standen. 09)
Ab dem 13. Jh. folgten verwandte Geschlechter, die Adelshofer,
Egenhofer, Steyrer, Eisolzrieder und Kemnater.
09)
Die Eisolzrieder, ein Geschlecht aus dem Dachauer Raum, waren mit
den führenden Familie Oberbayerns verschwägert und besaßen eine
Grablege im Stift Indersdorf; von ihnen stammt auch der
älteste Grabstein im Dachauer Land in Bergkirchen. Ihnen
gelang es, für Tandern den Status einer Hofmark zu erreichen. Das
Geschlecht starb um 1400 aus.
Von den Kemnatern als Patronen der Kirche, die mit dem Bistum
Freising sehr verbunden waren, berichtet auch
die Konradinische Matrikel des Bistums Freising von 1315. 52)
Der letzte Kemnater war der adelige Freisinger Domherr Ulrich Kemnater,
der seinen Anteil dem Hochstift Freising vermachte.
1487 kauften die (späteren ?) Landpfleger von Aichach, die
Herren von Lung das Schloss und die Hofmark vom Bischof.09)
Die Lungs waren eine reiche Adelsfamilie. In ihrem Besitz befanden
sich 14 Hofmarken und Schlösser (darunter auch Planegg).
30)
Durch die Verwüstungen Tanderns beim ersten Schwedeneinfall 1632
verloren die Hofmarksherren von Lung ihren Besitz. Völlig verarmt
und mit 40.000 Gulden verschuldet, starb der letzte Hofmarksherr aus
diesem Geschlecht, Hans Sebastian Lung, im Jahr 1639; seine Familie
lebt bis heute in Frankreich weiter. 09)
Noch
1639 ging der Besitz durch Kauf (20.000 Gulden) auf die Freiherrn
von Mandl aus Deutenhofen über, die Tandern bis 1803 besaßen.
09)
Bei der Neuordnung Bayerns unter
Montgelas Anfang es 19.Jh. erlangten die Bauern in der Hofmark Tandern
volle Besitzfreiheit und kauften nach und nach den Feld- und Waldbesitz
des Schlosses auf.
Hundert Jahre später, 1907, erwarb Pfarrer Anton Mayr
den Schlosskomplex und übereignet ihn dem katholischen Fürsorgeverein,
der von 1910 bis 1970 ein Mädchen-Fürsorgeheim betrieb.
Nachdem die Einrichtung einer Rehabilitationsstätte für Drogenabhängige
nach massiven Protesten der Bevölkerung gescheitert war, wurde das
Schloss von 1973 bis 1977 ein Heim für ledige Mütter und ihre Kinder.
Von 1990 bis 2007 beherbergte es ein Übergangswohnheim für
Aussiedler. 09)
Inzwischen werden im Schlosshof sehr erfolgreich sommerliche Schlosskonzerte
abgehalten.
Statistik:
1752: Pfarrdorf (Hofmark) Tandern mit 57 Anwesen, davon 17
Vollbauern und 40 Gütler 13)
1804: Pfarrdorf (Hofmark) Tandern mit 75 Anwesen 13)
1876: Gemeinde mit 475 Einw.(davon 2 Protestanten) in 195 Gebäuden,88
Pferde, 447 Rinder, 98 Schweine, 9 Ziegen, 44
Schafe Ortschaft
mit 457 Einwohner in 186 Gebäuden,
(dazu Reichel
4 Einw./3 Gebäude; Obertsloh 6/5; Ziegelberg 8/1)
02)
1933: Gemeinde mit 534 Einwohnern
15)
1939: Gemeinde mit 614 Einwohnern
15)
2002: Pfarrei
Tandern mit 1325 Gläubigen
2022: Ortschaft
mit 1150 Einwohnern
59)
Geschichte
der Kirche
Eine Kirche
in Tandern wurde erstmals am 9.Januar 849 (ein zweites Mal am 30.6.
des gleichen Jahres) erwähnt. Damals fand in Tandern ein Gerichtstag
statt, mit vielen Adeligen, darunter "plurimi de Hosis", also
mit vielen Angehörigen der Sippe der Huosi. 08)
Auch vom Grafen Richo von Schrobenhausen ist die Rede. 09)
Gerichtstage wurden nur in bedeutenden Ortschaften abgehalten, zu denen
damals eben auch Tandern gehörte. Schließlich musste eine Vielzahl
edler Herren untergebracht und versorgt werden. Das erforderte eine gut
funktionierende Infrastruktur.
Im Bericht über dieses Ereignis wird auch von einer "basilica
" gesprochen 09).
Vermutlich war die Kirche schon 70 bis 100 Jahre vorher zu Beginn der
Christianisierung des Gebietes östlich von Altomünster gebaut
worden. Es dürfte sich dabei um einen Holzbau gehandelt haben, da
bei späteren Umbauten kein Fundament des ursprünglichen Gotteshauses
gefunden wurde.
Apian
-1568
|
Im 13.Jh
hat man wohl eine romanische Kirche aus Stein gebaut, von der kleine
Reste noch heute erhalten sind. 09)
Der Kirchturm wurde in der Spätgotik errichtet; jedenfalls
stand auf einer der Glocken, die 1942 zum Einschmelzen für Kriegszwecke
abgeliefert werden musste, die Jahreszahl 1494. Damals
waren Ulrich
v. Rosen und Stefan Wiggard die bedeutendsten Glockengießer
unserer Gegend.
Im Jahr
1568 stellte der Geograph Philipp Apian auf den sog. Bairischen
Landtafeln Tandern (Dannern) als winzig kleinen Holzschnitt symbolhaft
dar. Zwischen dem alten Bergfried der Burg (links) und dem durch einen
überdachten Holzsteg verbundenem Schloss (rechts) ragt der Spitzturm
der Kirche heraus. Der mühlsteinähnliche Kreis am Schloss
zeigt übrigens nur die genaue Lage der Ortschaft auf der Landkarte
an. Einen größeren Ausschnitt der Karte sehen Sie nach
einem Klick auf das Bild... |
Wallfahrten
Im Mirakelbuch von Inchenhofen 1659 ist festgehalten, dass in der Zeit
um 1600 die Pfarrei Tandern alljährlich eine organisierte Wallfahrt
nach Inchenhofen unternommen hat. Sie hat dort um Schutz der Feldfrüchte
gebeten und als Votivgabe ein Pflugeisen mitgebracht. Daneben
gab es auch persönliche Wallfahrten zum hl.Leonhard. Im Mirakelbuch
von Inchenhofen 1659 44)
sind
die gemeldeten Gebetserhörungen aufgezeichnet. Auch Pilger aus Tandern
gehörten zu den Glücklichen, denen durch die Fürbitten
St.Leonhards bei Gott Hilfe in der Not zuteil wurden. Mehr dazu finden
Sie hier....
|
Im Dreißigjährigen
Krieg wurde Tandern schwer heimgesucht. Bekannt ist die Geschichte
vom "Schwarzen Knecht", der den Pfarrhof gegen die Schweden
mutig verteidigte und dabei zwei Soldaten erschlug. Die Schweden
rächten sich für den Tod ihrer Leute an der ganzen Ortschaft.
Die Höfe wurden abgebrannt, viele Menschen verloren ihr Leben.
Danach musste man Zuwanderer aus dem Alpengebiet holen, die die
freien Hofstellen wieder neu besetzten.
mehr zur Sage...
Um
1700, als der Kupferstich (Bild rechts) von Michael Wening
erstellt wurde, stand neben der Kirche noch der von tiefen Gräben
umgebene Burgturm des alten Wasserschlosses. Der von einem Wetterhahn
gekrönte Kirchturm hatte große Ähnlichkeit sowohl
mit dem 1568 dargestellten als auch mit dem heutigen Turm. Der gerade
schließende
Chor war höher und breiter als das Kirchenschiff.
| |
Michael
Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München)
erstellte in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten-
und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer
Schlösser, Klöster und Kirche. Finanziell lohnte sich
die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid
ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000
Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos
nit hab genüßen können, sodaß ich die
Zeit seither schier hätt krepieren muessen". |
|

Tandern
um 1700
|
Um das Jahr 1730 wurde eine
neue Kirche im barocken Stil erbaut. Das Baumaterial kam zum Teil aus
dem mächtigen Burgturm (im Bild ganz rechts), der zum Kirchenneubau
abgebrochen wurde. Von dieser Kirche aus dem Jahr 1730 steht heute noch
der Chorraum.
Als 1842 der Pfarrer und Dechant
Johann Kastl aus Tandern starb hinterließ er den Kirchen
seines Pfarrsprengels Geldbeträge in nicht unerheblicher Höhe.
In der Zeitschrift "Landbötin"
17)
und
in der Münchner politischen Zeitung
22)
war
zu lesen:
| |
"Schlüßlich
nachstehende Königlich Allerhöchste Zufriedenheits-Bezeigungen:
Der verstorbene Pfarrer, Dechant Johann Evangelist Kastl, zu Tandern,
hat nachstehende Vermächtnisse gemacht:
1). der Pfarrkirch von Tandern zur Stftung zweier Jahrtage 1300
fl.
2). eben derselben ohne Belastung 3555 fl. 52 kr.
3). der Filialkirche Metzenried 100 fl.
4). der Filialkirche Alberzell 100 fl.
5). dem Armenfond zu Tandern 1527 fl. 41 1/14 kr.
6). dem Armenfond zu Alberzell 200 fl.
7). dem Armenfond zu Oberndorf (sic) 100 fl.
8). dem Distrikts-Armenfond zu Aichach 100 fl.
9). dem Krankenhause in Aichach, zum Behufe der Umwandlung in
eine Distrikts-Krankenanstalt 500 fl.
10). dem Schulfonde zu Tandern 1477 fl. 41 1/14 kr.
11). dem Schulfonde zu Alberzell 300 fl.
in Summa 9051 fl. 14 kr.
Seine Majestät der König haben allergnädigst zu befehlen
geruht, daß diese von der frommen und wohlthätigen Gesinnung
des Testators zeugenden Vermächtnisse mit dem Ausdrucke des Allerhöchsten
Wohlgefallens drch das Regierungsblatt zur öffentlichen Kenntniß
gebracht werden." |
Renovierung 1865
Um 1865 wurde das Kircheninnere vom Maler Balthasar Kraft
(1820-1889) aus Pfaffenhofen/Ilm durchgreifend restauriert. Die
Kosten dafür trug der damalige Pfarrer Bernhard Trinkler. 32)
In einer Zeitungsanzeige bedankte sich
die Kirchengemeinde Tan-dern beim Künstler mit den "kunstfertigen"
Händen und dem "großmüthigen" Finanzier, dem
der Himmel Vergeltung spenden möge.
Den Zeitungsartikel können Sie hier lesen...
1878 wurde der Friedhof erweitert.
Für den Kauf von Grund und Boden wurden 1750 Mark ausgegeben.
43)
Beschreibung 1895 04)
Die Kirche von Tandern - insbesondere
die darin enthaltenen Epitaphe- sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale
des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Aichacher Teil 1888 von
Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold
und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben
wurde. Dort heißt es:
| |
Pfarrkirche.
Erbaut 1730. |
|
|
Chor, bestehend
aus 2 Jochen mit Abschluss in drei Achteckseiten. Tonnengewölbe |
|
|
Langhaus mit Flachtonne und Stichkappen. |
|
|
Thurm nördlich vom Chor gothisch. |
|
|
Die
Wände sind in Chor und Langhaus mit Pilastem gegliedert, das
Gewölbe ist zierlich stuckirt. |
| |
An
der Nordwand im Chor: |
|
|
1.
Grabstein des Wolf Christoff Lung zu Danern + 1617 und seiner Gemahlin
Sabina von Flizing (Todesdatum fehlt). Platte von Solnhofner Stein;
oben Christus am Kreuz, darunter die beiden Verewigten knieend mit
ihren Wappen. Gute Arbeit. H. 163, br. 82 cm |
|
|
2.
Ebenda Grabstein des Seb. Lung zu Dandern + 1589 und seiner Gemahlinen
Clara, geb. v. Spaner +1555 und Barbara, geb.v. Gumpenbg 1589 - Renaissance-Aedicula
in der Mitte die Auferstehung an den Pilastern zur Seite je vier Sippschaftswappen,
unten die Verewigten mit Familie. H. 170, br. 103 cm |
|
|
3.
Im Schiff an der Nordwand: Grabstein des Jos. Anton Mandel Freiherr
von Teuttenhoven Herr uf Tandern +1728. Platte von rothem Marmor,
schön eingefasst, unten das Wappen. H. 173, br. 94 cm. |
|
|
4.
Gegenüber Gedenkstein des Joh. Christof Mandel Frhr. von Deutenhoven
+ 1711 und seiner Gemahlin Maria Anna Margaretha geb. Löse hin,
begraben zu Krain. Platte von rothem Marmor mit Wappen der beiden
Familien. H. 155, br. 90 cm. |
|
|
5.
Im Chor Grabstein des Joh. Jos. Wilh. Mandel + 1734 und seiner Gemahlin
Maria Fei. Jul. geb. Sandtin. Denkmal von grau- rothem und schwarzem
Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 30, br. 115 cm. |
|
|
6.
Am Eingang zur Kirche als Schwelle Grabplatte von Sandstein. H. 184,
br. 76 cm aus der Zeit um 1500. Die Worte Wilhalm Emser Decan noch
zu entziffern. |
| |
Im
Pfarrhof |
|
|
Monstranz,
datirt 1710. Kelch, Messkännchen, zwei silberne Leuchter und
eine silberne Ewig-Licht-Lampe mit dem Wappen der Mandel und Vöhlin.
Sämmtlich gute Arbeiten vom Anfang des 18. Jahrhunderts. |
Neubau
des Kirchenschiffs 1970-74

Der Grundriss der Kirche
|
Im November 1970 wurde das
1730 errichtete Kirchenschiff abgetragen und im modernen Stil neu
errichtet. Grund für den Neubau des war der schlechte Bauzustand,
der aus Bausünden der Vergangenheit resultieren soll:
Beim Bau der Kirche um 1730 seien Steine aus dem abgetragenen Wehrturm
des Schlosses verwendet worden; ein schlechtes Baumaterial, das
seinen Teil zur Baufälligkeit im Jahr 1967 beigetragen hat.
Zudem sei der Bau 1730 so schlecht ausgeführt worden, heißt
es, dass schon damals der Architekt und der Maurermeister ohne das
vereinbarte Entgelt fluchtartig das Weite suchen mussten.
1968 am Tage nach Hl. Dreikönig war die Kirche baupolizeilich
gesperrt worden.
Man beauftragte das Architekturbüro Kreutzer-Knopp, Augsburg-München,
zum alten Turm mit Presbyterium einen neuen Baukörper hinzuzukomponieren,
der sich in die Dach-Landschaft und in die ländlichen Gegebenheiten
einfügt, aber dennoch den modernen liturgischen und pfarrlichen
Erfordernissen (Kirchenraum u. Pfarrzentrum) entspricht. Diese Planung
scheint geglückt: es entstand ein bemerkenswerter Kirchenbau, in
dem Beton, Holz, Eisen und Glas dominieren.
|
Das neue Kirchenschiff ist praktisch
eine eigene Kirche. Der optisch abgetrennte und nur durch einen niedrigen
Durchgang zu erreichende alte Altarraum hat keine liturgische Funktion mehr;
er musste aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden.
Die Grundsteinlegung des Neubaus
erfolgte am 11.6.1972 durch Prälat Martin Achter, Hebauf wurde am 13.
10 1972 gefeiert; die feierliche Kirchweihe durch den Diözesanbischof
Dr. Josef Stimpfle fand am 16.6.1974 statt.
Die Baukosten betrugen ca 2.6 Millionen DM. Eigenleistungen (Arbeitsstunden
und -finanzieller Leistungen) für den Alt- und den Neubau sowie für
die Kircheneinrichtung haben die Tanderner im Wert von ca 515.000 DM aufgebracht.
Renovierung
2025
Zu Beginn der 2020iger Jahre musste man einen größeren
Renovierungsbedarf an der
Kirche feststellen.
Es handelte sich um den Kirchturm (Standsicherheit), um die Sanierung
des historischen Teils des des Altarraums 54)
,
aber auch um des neuen Kirchenschiffs und des Pfarrzentrums (Brandschutzmaßnahmen).
Dazu kam die Orgel (Einbau eines gebrauchten und renovierten Instruments)
sowie das Pfarrhaus (verschimmelt).
Die Orgel wurde 2025 an der Nordwand der Kirche auf Säulen gestellt;
für den Kirchenchor wurde ein Podest errichtet.
Die Gesamtkosten betrugen rd. 900.000 Euro. Davon trug die Gemeinde
5 % (45.000 Euro). 54)
Zur Finanzierung des Eigenanteils verkaufte die Pfarrei Ökopunkte,
die sie durch die Anlage einer Ökofläche erringen konnte,
an die Gemeinde. 53)
Am 2.Juni
meldete die Zeitung, dass der Kirchturm komplett eingerüstet
sei und mit den Sanierungs-und Dachdeckerarbeiten "nun bald begonnen
werden" könne. Sieben Monate später hieß es,
dass die Sanierung wegen ungünstiger Witterung länger dauere;
das Tragwerk für Kirchturmuhr, Kugel und Wetterhahn sei so stark
verrostet, dass es völlig neu errichtet werden müsse. Die
Spenglerarbeiten am Blechdach stünden aber vor ihrer Vollendung.
63)
|
|
Baubeschreibung
In dem 45 Meter hohen,
schlanken Turm sind im unteren Teil romanische, im mittleren Teil
gotische und im Aufsatz barocke Bauteile enthalten. Er besitzt vier kunstvoll
geschweifte Giebel mit integrierter Turmuhr und ein schmal zulaufendes,
achteckiges Spitzdach.
Im Turm hängen
heute vier Glocken 49)
Die (in der Reihenfolge der Größe)
Glocke 1 ertönt im Grundton c', sie wurde 1949 von Benjamin Grüninger
in Villingen (wohl Weißbronze) gegossen
Glocke 2 ertönt im Grundton es', auch sie wurde 1949 von Benjamin
Grüninger in Villingen (wohl Weißbronze) gegossen
Glocke 3 ertönt im Grundton f'; sie dürfte von 1935 stammen
und den 2.Weltkrieg überstanden haben
Glocke 4 ertönt im Grundton as'; sie wurde ebenfalls 1949 von Benjamin
Grüninger in Villingen (wohl Weißbronze) gegossen.
Das Glockengeläute von Tandern können Sie in Youtube sogar in
zwei Versionen hören: 49)
als Sonntagseinläuten
und
als Vollgeläute.
Frühere Glocken
Am 30.Nov.1935 waren -wohl als Ersatz für die im 1.Weltkrieg
eingeschmolzenen Glocken- fünf neue Glocken beschafft worden. Von
der Weihe dieser Glocken hat sich ein Zeitungsbericht vom 4.12.1935 erhalten.
48)
Danach
war die erste Glocke den Aposteln Petrus und Paulus geweiht (39,6
Zentner, in c' gestimmt, mit der Inschrift: "Zum
Gedächtnis der im Weltkrieg gefallenen Helden
der Pfarrei Tandern");
die zweite Glocke dem zweiten Kirchenpatron St.Ulrich (22,8 Zentner,
in es' gestimmt; Inschrift: "Das Geläute wurde beschafft
unter der Kirchenverwaltung Dr.Lechner, Pfarrer,
Lutz Josef, Höß Johann, Kreitmair Josef, Birkl Nikolaus und
unter
Bürgermeister Huber")
hatte die dritte Glocke St.Josef als Patron (15,4 Zentner)
war die vierte Glocke ist St.Johannes Nepomuk geweiht (9,2 Zentner,
as')
war die fünfte Glocke eine Marienglocke und trug die Inschrift:
"Gestiftet von Familie Ostermair,Winterried" (4,6 Zentner,Ton
c'')
Zeitkapseln in der
Kirchturmspitze
Bei den Sanierungsarbeiten am Kirchturm 2024 wurde in der Kugel an der
Kirchturmspitze eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1952 entdeckt, die interessante
Dokumente für die Nachwelt enthält. Diese Zeitkapsel wurde bei
den großen Baumaßnahmen 1974 ergänzt. 2025 hat die Pfarrei
eine weitere Zeitkapsel mit aktuellen Daten und Berichten hinzugefügt;
sie wurde von Berthold Birkl zusammengestellt.
Inhalt
der Zeitkapsel von 1952
Die Dokumente enthalten Hinweise auf die Sanierungsarbeiten: Der Aichacher
Spengler- und Installateurmeister Paulus Glaswinkel fertigte Kirchturmkreuz,
Kugel und Wetterhahn aus Kupfer neu brachte sie am 25.11.1952 in einem
gewagten Unternehmen ohne Gerüst in 45 Metern Höhe am Turm an.
Die Maurerarbeiten führte die Tanderner Baufirma Hans Zanker sen.
aus.
Pfarrer war damals Johann Bapt.Reiter, Kirchenpfleger Johann Furtmair
und Bürgermeister Josef Schaller.
Inhalt der Ergänzung von 1973
Auch die mit 29.9.1973 datierten Dokumente befassen sich vor allem
mit den Baumaßnahmen. Der Kirchenraum wurde abgetragen und neu errichtet,
der alte Altarraum wurde belassen und renoviert, ebenso der Kirchturm.
Dort heißt es: "Die Maurerarbeiten leitete Jakob Zanker gemeinsam
mit seinen Mithelfern sowie freiwilligen Helfern aus dem Frauenbund"
(!) Die Baufirmenarbeiten übernahm die ortsansässige Baufirma
Johann Zanker junior. Die Firma Holdenried aus Pfaffenhofen restaurierte
Turmkugel Turmkreuz mit Turmhahn sowie die kleinen Wetterfähnchen
an den Uhrengiebeln." Namentlich erwähnt wurde der damalige
Augsburger Bischof Josef Stimpfle (1963-1992).
Inhalt der Zeitkapsel von 2025
Darin befinden sich fünf Umschläge für die Nachwelt.
Sie enthalten Euromünzen, einen Brief des neuen Pfarrers Amos Mbachie,
einen Brief der ehemaligen Kirchenpflegerin Maria Riedlberger sowie einen
Bericht zur Sanierung von Chor und Kirchturm und die Beschaffung der neuen
Orgel. Den historischen Rückblick ergänzen Sterbebilder und
Zeitungsberichte der Aichacher Zeitung zu den früheren Pfarrern Johann
Reiter (um 1952) und Leopold Höllriegl (um 1973). Außerdem
wird an den kürzlich verstorbenen Tanderner Berichterstatter Franz
Hofner aus Gartelsried erinnert, der mehr als 60 Jahre aus der Pfarrei
und der Gemeinde berichtete.
Kirchenraum
Der Kirchenraum in Tandern
besteht seit dem Umbau in den Jahren 1972-1974 aus zwei optisch sehr unterschiedlichen
Teilen:
- Dem barocken Chor der alten Kirche und
- einem modernen quadratischen Anbau mit 25 m Seitenlänge. 12)
Der alte Chorraum ist ein Originalteil der im Jahr 1730 errichteten
barocken Kirche. Er musste (wie der Turm) beim Neubau des Gotteshauses
1974 aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten werden. Der alte Altarraum
besitzt zwei Joche, schließt
halbrund und ist durch rosa bemalte Pilaster
gegliedert.
An
der äußeren Ostseite ist vor einer Mauernische ein großes
Kruzifix (wohl 19./20.Jh)
befestigt. Es besitzt eine geschwungene Kupferüberdachung, die
den Korpus vor Witterungseinflüssen schützen soll. Die Kreuzbalken
haben dreipassförmige Enden. Der Corpus ist weiß-grau gehalten.
Nur die blauen Adern im Brustbereich und das rote Blut der Wunden
sind koloriert.
| |
Bei diesem
Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine
liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist
von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der
Arme also vier; daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese
Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums die
Regel, später waren sie in der Zeit des Historismus, im
18.Jh, wieder üblich. |
|
|
|
|
|
Der 1974 angefügte
moderne Anbau gleicht einem Zelt mit weit herabgezogenem Dach.
Diese Form wurde nach Aussage des Architekten gewählt, weil sich
das Zeltdach perfekt in die Dachlandschaft Tanderns, wie sie sich
von Pipinsried aus präsentiert, einfügt.
Die dominierenden Bestandteile
dieses bemerkens-werten Baues sind Beton, Holz, Eisen und Glas.
Der 25 x 25 Meter umfassende Kirchenraum wird von einer genialen
Dach- bzw. Deckenkonstruktion überspannt, die jegliche Stützpfeiler
im Kirchen-innenraum erübrigt.
Durch den relativ niedrigen,
aber breitflächigen und die ganze Süd- und Westseite der
Kirche umfassenden Fensterkranz strömt genügend Tageslicht
ins Innere des Raumes. Die innere Höhe des Kirchenschiffs beträgt
13, die äußere Höhe 16 Meter. Sichtbeton und Holz
im Inneren der Kirche bilden eine harmonische Einheit, was durch
die gelungene Farbkombination noch verstärkt wird.
|
Das "Zelt Gottes in Stahlbetongotik",
wie die Kirche auch von Fachleuten genannt wird, umfasst ca. 400 Sitzplätze
und außerdem ca. 350 Stehplätze. Der Raum bietet damit ausreichend
Platz für die Gottesdienstbesucher aus Tandern und Umgebung, schrieb
der Architekt im Grußwort zur Einweihung. Tandern besitzt eine der
wenigen Circumstanz-Kirchen im Dachauer Land, in der die Bänke um den
Altar herum gruppiert sind, als sichtbarer Ausdruck der sich um den Altar
versammelnden Gemeinde.
Innenausstattung
im früheren Altarraum
Der frühere
Altarraum wurde erst beim Neubau um 1730 errichtet. Vorher stand hier
ein Presbyterium, das höher war als das damalige Kirchenschiff und
das mit einer geraden Mauer geschlossen war.
Deckenfresko
Die mit einem
Gemälde verzierte Decke des Chorraums besitzt
ein Tonnengewölbe
mit Stichkappen
und zierlichem Bandelwerkstuck.
Die Wände sind durch Pilaster gegliedert. |
|
Die Decke ist mit einem Gemälde
geschmückt, das von einem geschwungenen Stuckrahmen umsäumt
wird.
Das Bild ist erst um
1950 entstanden. Es stellt einen Bittgang in Tandern dar.
|
Hochaltar
Der prachtvolle Hochaltar
im alten Chorraum aus der Zeit um 1730 besitzt einen hohen Aufbau, der
durch viele Säulen mit korinthischen Kapitellen gestaltet ist. Auf
dem mächtigen Gebälk sitzen zwei Volutenengel; das Auszugbild
wird durch zwei weitere Engel gestützt.
|
Gekrönt
wird der Altar von einem goldenen Dreieck, in dem das Auge Gottes
dargestellt ist. Umkränzt wird das Dreieck von einem drei-bündeligen
Strahlenkranz.
| |
Hinweis:
Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu
früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In
der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die
Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst
seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich.
In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet.
Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird
oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. |
St.Agatha
|
Das
hochovale, leider schon sehr abgedunkelte Auszugsgemälde zeigt die hl.Agatha bei ihrem Marty-rium. Sie steht mit abgeschnittenen
Brüsten vor einem lodernden Feuer. Um sie herum machen
sich die Häscher daran, die Heilige auf die glühenden
Kohlen zu legen. |
| |
Hinweis:
Agatha ist eine legendäre Person. Sie soll
im 3.Jh einen Heiratsantrag des Statthalters Quintianus
zurückgewiesen haben, weil sie Christin war und bleiben
wollte. Der Abgewiesene ließ sie verhaften und martern:
Er ließ ihr die Brüste mit Fackeln brennen,
mit Zangen Stücke abreißen und schließlich
abschneiden; danach wurde Agatha auf spitze Scherben und
glühende Kohlen gelegt. Als am ersten Jahrestag ihres
Todes ihre Geburtsstadt Catania auf Sizilien bei einem
Ausbruch des Ätna von Lava bedroht wurde, zogen die
Christen mit dem Schleier der Heiligen dem Lavastrom entgegen,
der daraufhin zum Stillstand kam. Das machte die Heilige
zur Patronin gegen Feuersbrünste. Sie gilt auch als
Helferin bei Brusterkrankungen, Viehseuchen und Erdbeben.
Der Schleier der heiligen Agatha wird, wie einige andere
Reliquien, im Dom von Catania aufbewahrt. Früher
gab es "Agathenkerzen", die vor Feuer schützen sollten.
In der Kunst wird St.Agatha (jedoch erst seit dem 14.Jh)
meist mit einem Teller, auf dem abgeschnittene Brüste
liegen, dargestellt. Festtag: 5.Februar |
|
|
per Mouseklick zur Beschreibung
|
|
|
Mittelpunkt
des Altars ist das Altargemälde
in vergoldetem Rahmen mit der Darstellung des hl. Nepomuk,
des zweiten Patrons der Kirche. Vor einer säulengestützten
Architektur, bei der es sich um eine Kirche handeln könnte, sitzt
Maria mit dem Jesuskind auf Wolken. Sie ist in Gewänder mit den
typischen Marienfarben Blau und Rot gekleidet. Ihre Füße
ruhen auf einer Mondsichel. Maria sendet in einem Gnadenstrahl fünf
Sterne zu dem auf Erden wartenden St.Joh.Nepomuk hinab. Der Heilige
reicht der Muttergottes vergoldete Lippen, die durch ein Bügelschloss
verbunden sind, hinauf; sie gelten als Sinnbild der Verschwiegenheit,
als Sinnbild des Beichtgeheimnisses. Die fünf Sterne markierten
den Ort, an den Nepomuks Leichnam am Flussufer gefunden wurde. |
Flankiert wird das Altarbild von in
Porzellan eingefassten Figuren der Kirchenpatrone
Petrus mit Himmelsschlüsseln (links) und
Paulus mit dem Schwert in der Hand (rechts).

Petrus
|
Hinweis: Der Fischer
Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine
Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt.
Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus
die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen
neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach
katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort
als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod.
Er wurde auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz
geschlagen. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht
von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre
von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von
Rom direkte Nachfolger des Petrus sind. Die Ostkirchen bestritten
seit jeher die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische
Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen.
Petrus schließt in mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten
Gerichts das Himmelstor auf. Diese himmlische Rolle macht ihn zum
"Wetterheiligen". Festtag: 29.Juni
Die zwei Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung
in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum auch zum
Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert
der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden.
Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte
Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches
geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel,
und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel".
Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger
und den Klerus übertragen. |
|
|
Hinweis: Paulus
hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und
jüdischer Theologe im Laienstand. Saulus verfolgte mit großem
Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei.
Vor Damaskus wurde Paulus von einer Erscheinung Christi getroffen,
fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den
Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten
ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus
ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Gott schenkt seine
Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach,
weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach traditioneller
Auffassung verblasste Paulus' Denken schon bald neben anderen theologischen
Lehren und wurde erst im 5. Jahrhundert von Augustinus und im 16.
Jahrhundert von Martin Luther wiederentdeckt. Die Legende erzählt,
Paulus sei unter Kaiser Nero zum Tode verurteilt worden. Weil er das
römische Bürgerrecht besaß, habe man ihn nicht gekreuzigt,
sondern enthauptet. Wahrscheinlich ist er aber eines natürlichen
Todes gestorben. 2006 hat man in der Kirche St.Paul vor den Mauern
sein Grab gefunden. Festtag: 29.Juni |
|
|
Auf den äußeren
Sockeln stehen Figuren
des hl.Johannes des Täufers
mit der Kreuzfahne in der Hand und einem Lamm zu seinen Füßen
(links) sowie
des hl.Christophorus
mit dem Jesuskind auf der Schulter und einem Baumstamm als Stock in
der linken Hand. (rechts). |
|
|
|
Hinweis: Johannes
der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am
Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch
der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet.
Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen
Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes
1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und
mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet. Festtag:
24.Juni |
|
|
Hinweise: Christophorus
ist eine Legendengestalt, die seit 1969 im aktuellen Heiligenkalender
nicht mehr enthalten ist. Christophorus wird in der Kunst meist mit
einem Kind auf dem Arm und einem Baumstamm in der Hand abgebildet.
Der Legende nach suchte er unter seinem früheren Namen Reprobus
(spätere Legenden: Offerus) den mächtigsten Herrscher der
Welt um ihm zu dienen. Doch bald bemerkte er, dass der König
den Teufel fürchtete und der Teufel Christus. Deshalb diente
er auf Anraten eines Einsiedlers Christus, indem er seine Riesenkräfte
sozial einsetzte und Leute über einen gefährlichen Fluss
trug. Eines Tages transportierte der Heilige einen kleinen Knaben,
der mit jedem Schritt an Gewicht zunahm, sodass Reprobus zu ertrinken
fürchtete. Da erkannte er, dass er Christus trug. Reprobus wurde
von Jesus auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft,
und der als Stütze verwendete Baumstamm begann zu grünen.
Christophorus gilt als Patron der Reisenden, Pilger, Fuhrleute und
Schiffer sowie seit etwa 1900 auch der Kraftfahrer. In der Vorstellung
früherer Jahrhunderte war Christophorus vor allem für die
Bewahrung vor einem jähen Tod zuständig. Die Volksfrömmigkeit
besagte, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt,
werde an diesem Tag nicht unversehen sterben. "Unversehen"
ist nicht ein Synonym für "plötzlich", sondern
bedeutet: ohne Empfang der Sterbesakramente. Gedenktag:
25. Juli |
Tabernakel
Der zweistöckige,
wohl aus dem 19.Jh stammende Tabernakel
ist fein gearbeitet. Die beiden vergoldeten Türen zeigen Reliefbilder:
oben ist das Letzte Abendmahl dargestellt,
unten erinnern Weinreben und Getreideähren an
den Leib und das Blut Christi im Inneren des
Gehäuses. |
Tabernakel
|
Die Engelsfiguren,
die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht
nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade
der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als
Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird.
Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt
(Ex, 37,7-9). 14)
|
| |
Auf dem Tabernakel
in Tandern sitzt ein Pelikan, der sich mit dem roten Schnabel
die Brust aufreißt, um seine Jungen mit seinem Blut zu ernähren.
Es ist ein Sinnbild für Christus, der uns mit seinem Blut erlöste.
Thomas v.Aquin (1225-1275) schreibt in seinem Hymnus "Adoro te
devote": "Frommer Pelikan, Herre Jesus, reinige mich Unreinen
durch dein Blut, davon ein Tropfen erlösen kann die ganze Welt
von jeder Sünde". 16)
Das Beispiel des Pelikans beruht auf der falschen zoologischen Annahme
in früheren Jahrhunderten. Tatsächlich ist die Rötung
des Brustgefieders nicht auf das eigene Blut, sondern auf das Blut
der Beute zurückzuführen. |
Im alten Altarraum
ist auch die frühere Kanzel
im prächtigen Barockstil mit Stuckverzierung untergebracht. Der
Kanzelkorb ist mit Einbuchtungen versehen, in denen Reliefs mit Szenen
aus dem neuen Testament (u.a. Übergabe der Himmelsschlüssel
an Petrus) eingearbeitet sind.
Besonders auffällig ist der Schalldeckel. An seine Unterseite
ist die Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz als Stuck aufgetragen.
Drei geschwungene Bögen, auf denen Putten sitzen, erweitern den
Schalldeckel nach oben. Darauf steht eine Figur des segnenden Christus
mit einer Weltkugel in den Händen. |

Kanzel
|
Taufstein
im Altarraum

gotisches
Taufbecken
|
Unter der Kanzel steht ein
schönes Taufbecken
aus Rotmarmor auf einer sehr schmalen gedrehten Metallstütze.
Das Becken ist in Form einer achteckigen Schale gestaltet. Das große
Wappen auf der Vorderseite deutet auf eine Verbindung zu den Hofmarksherren
hin. Leider ist über die Herkunft des Taufbeckens nichts bekannt.
Es dürfte noch aus gotischer Zeit stammen.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich
im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes
Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum
schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der
Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung
erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich
für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken besteht
in der Regel aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem
oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit
wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt;
dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563)
zurück. Das Taufbecken hat üblicherweise -so wie hier
in Tandern- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck
als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen
werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im
4.Jh ließ der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über
einer Taufkapelle folgende Inschrift anbringen: 14)
|
|
"Mit
acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das
heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt" |
|
Kirchenstühle
im Altarraum
| Die
Kirchenbänke im
alten Altarraum haben schöne Wangen, in die Muster von Akanthusblättern
geschnitzt sind. Diese Muster entsprechen dem vieler Kirchenstühle
im Dachauer Land. |
Kirchenstühle
|
Das Muster trat erstmals 1695
in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach,
Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf
(Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen,
Weichs, Westerholzhausen, Westerndorf und hier in Tandern verwendet.
|
| |
Hinweis: Kirchenstühle
gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre
standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich
für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen
Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr
Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes
schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl
wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder
seinen festgefügten Platz hat. Im 16.Jh. wurden zuerst die
evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die
Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren
Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger
und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach.
Die Bestuhlung war einer der Gründe, weshalb die Kirchen zu Beginn
der Barockzeit vergrößert werden mussten. |
Prozessionslaternen
An den
Kirchenbänken sind Prozessionslaternen
in neubarockem Stil befestigt, die heute bei Prozessionen z.B. Fronleichnamsprozession
nur noch dekorative Zwecke erfüllen.
Die Laternen können innerhalb des auf der Stange befestigten
Bügels frei schwingen. So bleibt die Kerze im Innern immer in
senkrechter Lage.
|
Prozessions-laternen
|
Türbeschläge
| Kunstvoll sind
auch die Türbeschläge
an der Türe zum Turmuntergeschoss gearbeitet. |

Türbeschlag
|
Wenn Sie sich für
solche Beschläge interessieren und eine Zusammenstellung aus
Kirchen im Dachauer Land sehen möchten, klicken
Sie hier... |
|
An den Wänden des alten
Altarraums ist ein Wappen
aus Stuck angebracht. Es ist durch Formen aus Akanthusblättern
und heraldischen Motiven verziert.
Dort sind auch eine Vielzahl
von prächtigen Epitaphen zu sehen. Sie zeigen, dass
die Hofmarksherren
von Tandern auch in der Kirche eine wichtige Rolle (möglicherweise
auch als Geldgeber) gespielt haben.
|

Wappen
|
| |
Hinweis: Epitaphe
oder Epitaphien gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als
Gedächtnismal für einen oder mehrere Verstorbenen in Form
einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht
aufgestellt wird. Epitaphe wurden für diesen Zweck eigens angefertigt
und können künstlerisch aufwändig gestaltet sein; sie
sind normalerweise keine früheren Grabplatten.
Epitaph kommt aus dem Griechischen (Epi bedeutet bei, auf und taphos
bedeutet Grab). Das Epitaph ist trotz seiner Wortbedeutung "beim
Grab" kein Grabmal, weil sich i.d. Regel weder dahinter noch
darunter ein Grab befindet.
|
Die einzelnen Epitaphe im Altarraum:
1589
|
Epitaph
für Sebastian Lung und seine
beiden Gattinnen Clara und Barbara
Dieses Epitaph (170 x 103 cm) im Renaissancestil ist das größte
und schönste in der Kirche. Ein Steinrelief im Mittelteil zeigt
die Auferstehung Christi. Umrahmt wird das Bild von Wappen verschiedener
Familien wie z.B. der Lung, der Spaur, der Liechtenstein, der Egnhauser
und der Adlßhauser.
Unter dem Bild kniet mit gefalteten Händen die Familie des Stifters:
Links Sebastian Lung mit seinen drei Söhnen, rechts die beiden
Frauen Sebastians, Clara und Barbara (mit Rosenkränzen in den
Händen) und die sieben Töchter (darunter zwei Nonnen). Alle
sind in höfischer Tracht gekleidet; das war damals die spanische
Mode.
Im oberen Teil ist in eine
ovale Kartusche folgender Text eingraviert:
| |
"Anno Domii. 1589 den 19. Juny starb der Edel und ... Sebastiian
Lung zu Danderen ein Zeit lang Pfleger zu Aichach gewesen. Anno
Domii. 1555 den 11.März starb die Edel und Dugenthaft Frau
Clara Lungin ein geborne von Spaur sein Erste hausfrau. Anno
Domii.1569 den .... starb die Edel und Dugenthaf Frau Barbara
Lungin. Ein geborne von Bumpbenperg sein andere Hausfrau dere
und alle Christgläubigen sellen Gott genedig sein Welle.
Amen." |
Hinweis: Die edle Familie Lung
erwarb die Hofmark Tandern 1486. Ein Viertel hatten sie erheiratet,
drei Viertel kauften sie dem Hochstift Freising ab. Die Lungs dienten
den Herzögen von Bayern als Landrichter, Pfleger und Stadtrichter
in München, Ingolstadt und Aichach. Sie herrschten in Tandern
bis 1639, als wegen der Zerstörungen im 30jährigen Krieg
die Hofmark auf die Gant kam und von den Mändls (siehe Deutenhofen)
erworben wurde. |

1617
|
Epitaph für Wolf
Christof Lung
Das Epitaph (163 x 82 cm) besteht im oberen Teil aus einem großen
Steinrelief. Mittelpunkt ist ein Kruzifix. Aus den Armwunden Christi
fließt Blut, das von zwei Engeln in Kelchen aufgefangen
wird. Darunter knien mit gefalteten Händen die Stifter in
der Tracht ihrer Zeit. Die Frau hält einen Rosenkranz in
ihrer Hand. Zwischen dem Ehepaar sind ihre Wappen mit heraldischen
Verzierungen zu sehen.
Darunter ist folgender Text eingraviert:
| |
"Hie
Ligt Begraben der Edel und Gestreng Herr Wolff Christoff Lung
zu danern Fre?? in Bairn Rath und Pfleger zu Aicha(ch) Gewessen.
Starb den 18.Sept. ?? A(nno) 1617 auch der Edlen F... Sawina
Lungin, Geborne von ... . Frau denen Gott Genedig und Barmherzig
sein . Amen" |
|

1728
|
Epitaph für Joseph
Anton Mändl
Freiherr von Teuttenhoven Herr uf Tandern +1728
Platte von rothem Marmor, schön eingefasst, unten das Wappen.
Höhe 173, Breite 94 cm.
Zwischen einem Totschädel und dem Wappen des Toten ist folgender
Text zu lesen:
| |
" Siste Viator ; Precare.
Hier ligt begraben der Hoch und Wollgebohrne Herr Herr Ioseph
Antoni Mändl, Freyherr uon Teuttenhouen, Herr uf Tanderen,
Mezenried und Alberzell, dan Pföttrach. Ser (=Seiner)
Hochfrtl.(=hochfürstlichen) Drrl.(=Durchlaucht)
Bischouen (=Bischof) zu Freysing und Regensburg, Herzog
in Bayrn ;c(=etc.) Hoff.unnd Cammerrath, Seines Alters 42.Iahr.
Gestorben zu Freysing den 11.Merzen, Ao 1728. DeroseLL WoLLe
rVehen(=ruhen) In Den eWIgen FrIDen. " |
Hinweis: Die Familie der Mändl,
Besitzer der Hofmark in Deutenhofen bei Hebertshausen, erwarb 1640
auch die Hofmark Tandern um 20.000 Gulden, nachdem die Familie Lung,
auch wegen der Kriegseinwirkungen, auf die Gant kam.
|

1734
|
Epitaph für Johann
Joseph Wilhelm Mändl
und seiner Gemahlin Maria Fel. Jul. geb. Sandtin. Grauroter und
schwarzer Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 30, br. 115
cm.
Unter den Wappen der beiden Toten ist folgender Text eingraviert:
| |
" Siste
Viator ; Precare. Hier ligt Begraben Der Hoch und Wolgebohrne
Herr Herr Johann Joseph Wilhelm Mändl, Freyherr von Teuttenhofen,
Herr auf Tandern, Mezenried und Alberzell, seines Alters 56
zu München Gottseelig verschiden den 10ten Jenner Ao 1734.
Auch dessen Frau Gemahlin die Hoch. und Wolgebohrne Frau ??
Maria Felicitas Juliana Freyin von Mändl, ein gebohrne
Sandtin welche in Gott Christlich entschlaffen den ___ Ao 17__
Ihres Alters __ Jahr. Dennen Gott ein glickseelige Auferstehung
genedigst verleihen wolle.
Jezt ist an alle unser bitt, barmherzig zu gedencken, von dannen
doch zu weichen nit, sondern ein Ave schencken" |
|

1748
|
Epitaph
für Pfarrer Johannes Baptist
Harter
Im Durchgang zum neuen Teil wurde eine Steinplatte zum Andenken an
den Pfarrer Johannes Baptist Harter angebracht. Der als "restaurator"
bezeichnete Pfarrer gab wohl den Anlass zum Bau der Kirche im 18.
Jahrhundert, worauf auch die Figur seines Namenspatrons auf dem Hochaltar
hinzudeuten scheint.
Text auf dem Epitaph:
| |
"Hic
situs est homo Missus a Deo cui nomen erat IOANNES BAPTISTA
HARTER. Huius Ecclesiae per 24. Annos Parochus Et Restaurator
munificus. Oculus fuit caeco Pes claudo Pater Pauperum. Anno
Aetatis 56.die 16.May 1748. In festo S.Ioannis Nepomuceni obiit
velverius ad suum Patronum abiit. Illius festum completurus
in coelis quod solennissime celebrare In choav (?) erat in terris.
R.I.P." |
|

1809
|
Epitaph
für Pfarrer Karl Senng
Text:
| |
"Hier
ruhet Karl Senng, Gebohren zu Wittelsbach den 20ten Okt.1727.
Gestorben zu Tandern den 2ten Juni 1809. 82 Jahre alt, 58 Priester,
46 Pfarrer, 21 Kapitel Kammerer, auch Senior und Jubilaeus.
Mitglied des Civil-Verdienst Ordens der baierischen Krone IVten
Klaße.
Er hat den Armen wohlgethan, der Schule gab Er ihren Flor. Ihm
zeuget Gutes jederman und gerne hört des Pilgers Ohr die
guten Thaten frommer Weisen der Nachwelt noch als Muster preisen."
Über seine erfolgreiche Arbeit bei der Schulgründung
berichteten verschiedene Zeitungen der Umgebung:
"München, den 14.März 1803 - Seit einiger Zeit
besteht in der Hofmark Tandern, Landgerichts Aichach, eine nützliche
Werk- und Feyertagssschule, und zwar durch die Betriebsamkeit
der beyden Kapläne Biechler und Anwander, und durch die
Mitwirkung des Ortspfarrers Karl Seng. Erstere 2 sind dafür
von der kurfürstlichen Generalschul- und Studiendirektion
unter die Zahl der zu befördernden Geistlichen gesetzt,
der Pfarrer Seng aber, ein ehrwürdiger Greis von 79 Jahren,
und 50jähriger Priester ist von dem Kurfürsten mit
einer goldenen Ehrenmedaille beschenkt worden". 20)
|
|
1763
|
Epitaph für einen
unbekannten Toten
Text:
"P.T.
M.D.
O.M. Aug. A(nno) MDCCLXIII (1763)
R.I.P."
|

1826
|
Johann
Theodor Edlen von Lippert
Text:
| |
" In
dem Gottesacker dieser Kirche ruhen die Gebeine Seiner Hochwohlgeborn
des Titel Herrn Johann Theodor Edlen von Lippert, gewesenen
Hofkammerrath und Landrichters zu Dachau, dann Rentbeamtens
zu Rain, ordentlichen Mitgliedes der kameralistisch-ökonomischen
Societät in Erlangen, Besitzer der Hofmarkt Tandern, Metzenried
und Appertshausen; geboren zu München den 8ten Augst.1768,
gestorben zu Tandern den 2ten Jänner 1826. Dieses Denkmal
ließen als Liebe und Dankbarkeit dem Verstorbenen dessen
Gattinn und beiden Söhne setzen. R.I.P." |
|
1826
|
Epitaph
für Johann Theodor und Anna
von Lippert
Text:
| |
"Familien
Begräbniß der Edlen von Lippert.
Ihren schon längst in die Ewigkeit vorangegangenen theuren
Kindern folgten deren Eltern J.Hochwohlgeborn Herr Theodor Edler
von Lippert auf Tandern, geboren zu München am 8ten August
1768, gestorben am 2ten Jänner 1826 und deßen Gattin
Maria Anna, geborne Auer, geboren zu N??sensteig am ?? May 1771,
gestorben am 23ten März 1837.
Maria Anna Edle von Lippert, geborne Auer, Gutsbesitzergattin,
geboren zu Traunstein am 2.May 1811 gestorben zu Tandern am
23.September 1863" |
|

1864
|
Epitaph für
Max Edlen von Lippert
Text:
| |
"Gedenkstein
für Max Edlen von Lippert
gestorben in Tandern am 8.November 1864 im 71.Lebensjahr R.I.P."
|
|

1901
|
Epitaph
für Theodor Oskar Jakob von
Lippert
Text:
| |
"Auf
der Heimreise von China am 4.September 1901 fand in der Straße
von Korea sein Seemannsgrab der Seeoffizier Theodor Oskar Lysander
Jakob Edler von Lippert.
geb.zu Tandern am 14.Juni 1876, beweint u.geliebt von allen,
die ihn kannten.
Gott sei seiner Seele gnädig und barmherzig. R.I.P." |
|
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale
des Königreichs Bayern von 1895 sind noch zwei weitere Epitaphe
erwähnt:
"Gegenüber Gedenkstein des Joh. Christof Mandel Frhr. von Deutenhoven
+ 1711 und seiner Gemahlin Maria Anna Margaretha
geb. Löse hin, begraben zu Krain. Platte von rothem
Marmor mit Wappen der beiden Familien. H. 155, br. 90 cm.
Am
Eingang zur Kirche als Schwelle Grabplatte von Sandstein. H. 184, br.
76 cm aus der Zeit um 1500. Die Worte Wilhalm
Emser Decan sind noch zu entziffern."
Von einem Epitaph für Hanns
den Kemnater aus dem Jahr 1463 berichtet ein Aufsatz von Ernest Geiß
01) über
den Bruder von Hanns, über Ulrich den Kemnater. Dort heißt
es:
| |
"Sein
Bruder Hanns der Kemnater starb in dem Jahre 1463, wie aus seinem,
auf der Evangelien-Seite nächst dem Hochaltar in der Pfarrkirche
zu Tandern befindlichen, aber sehr abgenützten Grabstein erhellt:
"Anno Domini 1463 iest gestorben der edl und vest Hanns Kemnater
zu Tanern." |
Die Familie der Kemnaters hatte 1449
einen Teil der Herrschaft Tandern erworben. Sie wohnten wohl auch auf dem
Schloss/Gutshof, weil der Sohn Ulrich, der Bruder von Hanns und spätere
Domdechant zu Freising, "wahrscheinlich bald nach Verheirathung seiner
Eltern zu Tandern geboren wurde." Nach dem Tod von Hanns Kemnater verkaufte
seine Witwe Dorothea ihren Anteil an der Herrschaft Tandern um die "nicht
geringe Summe von 1300 Gulden" dem Schwager und Domdechant Ulrich,
der damit die alleinige Herrschaft innehatte. Über das Bistum fiel
sie letztendlich dem Christoph Lung zu, dessen Epitaph sich ebenfalls in
der Kirche befindet.
Durchgang
zum neuen Kirchenraum
Vortragekreuz
|
Im niedrigen Durchgang vom
alten in den neuen Teil der Kirche ist ein barockes Kruzifix angebracht,
das als Vortragekreuz
benutzt wird oder wurde, worauf der lange senkrechte Kreuzbalken
hinweist. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig)
gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Jesus
hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt;
es ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben, der in der
Kunst den göttlichen Personen vorbehalten ist. Aus den Wunden
der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an
der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften
geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist
vergoldet. Die Beine Jesu sind seitlich nach links gebeugt; dadurch
ergibt sich eine S-förmige Körperlinie. Die Füße
sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel
an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).
|
Im
Durchgang zwischen neuer und alter Kirche wurde im Jahr 2022 eine
Gedenktafel für den früheren Pfarrer Leopold Höllriegl
(1974-1992) angebracht. Der Pfarrer war 20 Jahre vorher, nach langer
Krankheit verstorben.
Pfarrer Heinrich segnete zusammen mit den beiden Diakonen Wolfgang
Gallo und Ludwig Drexel unter dem Beisein von MdL Bernhard Seidenath
und den Bürgermeistern Markus Hertlein (Hilgertshausen-Tandern),
Seitz (Geroldsbach) und Riedlberger (Altomünster) die Steintafel.
mehr zu Pfarrer Höllriegl finden Sie hier...
|
Gedenktafel
|
Neuer
Kirchenraum
Der neue Kirchenraum wirkt innen
ebenso modern wie sein Äußeres. Er wird durch das das hohe
Dach und das weit nach unten gesetzte Fensterband im Süden und Westen
des Raumes geprägt
An der Ostseite liegt der niedrige
Durchgang zum Altarraum der alten Kirche. Er wird von den beiden
früheren Seitenaltären im barocken Stil flankiert.
Seitenaltäre
Linker
Seitenaltar
|
Die alten, barocken
Seitenaltäre stehen im modernen Kirchenbau, links und
rechts vom Übergang zum alten Teil (also an ihrem früheren
Standort). Es handelt sich um schmale Säulenretabel mit hohem
Aufbau.
Früher hatten beide Altäre große Altarbilder als Mittelpunkt;
sie verschwanden schon vor vielen Jahrzehnten bei einer Renovierung.
Auch ihre Nachfolgebilder, Nazarenermalereien, wurden beim großen
Umbau 1974 entfernt und durch neu erworbene Figuren ersetzt.
Am rechten Altar ist aber das Größenverhältnis zwischen
Altarnische und Figur nicht stimmig. |
Rechter
Seitenaltar
|
Linker Seitenaltar
St.Josef
|
Der
linke Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. In der
Mittelnische steht eine Figur des Heiligen
mit dem Jesuskind auf dem Arm. Eine Besonderheit ist die sonst
seltene Darstellung des schreitenden
Josefs; üblicherweise werden Heiligenfiguren im Stehen
oder Sitzen abgebildet.
Im Auszugsbild
wird die Taufe Jesu durch Johannes Baptist gezeigt. Vor dem Hintergrund
einer Stadt steht Jesus aufrecht im Jordan. Johannes gießt ihm
aus einer Muschel Wasser über das Haupt. Hinter den beiden hält
ein Engel ein Badetuch zum Trocknen bereit. Aus dem Himmel schwebt
die Heilig-Geist-Taube auf Gnadenstrahlen auf Jesus herab. |
Johannes
Bapt.
|
Rechter Seitenaltar
Heiland
a.d.
Geißelsäule
|
Auf dem
rechten Seitenaltar steht eine Figur des Heilands
an der Geißelsäule. Sie ist für die Mittelnische
etwas zu klein. Jesus ist mit beiden Armen an die Säule aus
grau-blauem Marmor gekettet. Die Figur ist von einer Aureole, einer
besonderen Form des Heiligenscheins umgeben, die als Strahlenkranz
die ganze Gestalt kreisförmig umschließt
und damit deren Heiligkeit unterstreichet.
Das Auszugsbild soll den
hl.Nepomuk zeigen,
den zweiten Patron der Kirche. Er ist von vier Putten umgeben.
|
St.Nepomuk
|
Zelebrationsaltar
|
Der moderne Zelebrationsaltar
im neuen Kirchenraum steht frei auf einer um zwei Stufen erhöhten
Altarinsel, d.h., auf einem großzügig bemessenen Podium.
Der mächtige Altarblock/Mensa aus Holz 61)
ruht auf einem
Metallgestell.

Madonna
|
Neben dem Altar finden
auf der Altarinsel auch eine Madonnenfigur
(Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem
Arm), der Ambo, die Sitze für Priester und Ministranten
sowie eine Herz-Jesu-Figur
Platz.
Darüber hängt
-als vertikale Komponente- ein großes Kruzifix, dessen
Corpus aus der alten Kirche stammt.
|
Herz
Jesu-Figur
|
Um die Altarinsel sind die Bänke für die Kirchen-besucher
gruppiert. Diese Gestaltung war in den Jahren nach dem 2.Weltkrieg
in ganz Deutschland sehr beliebt; sie trägt dem Gedanken des
Miteinander-Feierns des Messopfers in besonderer Weise Rechnung. Letztendlich
ist diese Gestaltungsform aber an der Praktikabilität gescheitert.
Niemand möchte gerne hinter dem Altar und im Rücken des
Priesters sitzen. |
neues
Kirchenschiff
|
|
|
An der hohen Nordwand
hängen viele Bilder. Es handelt sich
- im unteren Bereich um die 14 Kreuzwegstationen,
- im oberen Bereich um alte -inzwischen wieder renovierte- Tafelbilder
mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Petrus. Sie waren -mit der
Bildseite nach oben- als Teile der Kassettendecke im alten Kirchenschiff
verwendet worden. Auf den Bildern sind die Namen der Stifter bzw.
das dargestellte Thema verzeichnet. |
|
|
klicken Sie
auf die
kleinen
Bilder
|
|
|
|
|
|
|
|
Orgel
Auf der Nordseite ist auch die 2024
erworbene und 2025 umgebaute Orgel neben der Sängerempore eingebaut.
Es handelt sich um ein gebrauchtes
Instrument aus Stuttgart, das vom Orgelbauer Vleugels aus Hardheim bei Tauberbischofsheim
1974 gebaut worden ist. Eine (größere) Vleugels-Orgel erklingt
übrigens seit 1997 auch in der Dachauer St.Jakobs-Kirche.
Die neue Orgel in Tandern war notwendig geworden, weil sich die alte Sandtner-Orgel
aus 1974 in einem schlechten Zustand befand, kaum Ersatzteile zu beschaffen
waren und die Gelegenheit für den Kauf der Ersatz-Orgel aus Stuttgart
günstig war.
Die neue Tanderner Orgel wurde vor dem Einbau von Siegrfried Schmid komplett
umgebaut und erneuert. Sie passt architektonisch perfekt in die Kirche.
Neue
Orgel seit 2025
|
Zur Finanzierung steuerten
viele Gläubige und mehrere Betriebe bei. Die Kosten für
die neue Orgel belief sich auf insgesamt 185.750 Euro, davon 17.500
Euro für den Kauf der alten Orgel aus Stuttgart und 168.000
für den Umbau und die Renovierung.
60)
Der Augsburger Bischof Bertram Johannes Meier segnete das Instrument
am 20.12.2025 im Rahmen einer feierlichen Messe in der Kirche von
Tandern. 58)
Die
Besonderheit der Orgel ist aber der Orgelprospekt; es sind hier
drei Freipfeifenprospekte, die an Metallgestängen über-
und nebeneinander angebracht sind. Die Zahl der Pfeifen beträgt
insgesamt 1.245. 60)
Die neue Orgel besitzt zwei Manuale, ein Pedal und 19 Register sowie
mechanische Tontrakturen und eine elektrische Registertraktur.
|
| Disposition:
|
I. Manual (HW): Gedackt
Pommer 16', Principal 8', Holzflöte 8', Gedackt 8', Oktave
4', Salicet 4', Mixtur 4fach,
Trompete 8', Tremulant,
II. Manual (SW): Holzgedackt 8', Rohrflöte 4', Superoctave
2', Sesquialter 1-3fach, Larigot 1 1/3, Oboe 8',
Tremulant,
Pedal: Subbass
16', Spitzoktav 8', Waldflöte 4', Rauschbass 3fach, Posaune
16
Koppeln: II-I,
I-P, II-P
|
Vorgängerorgeln:
1974. Das frühere Instrument wurde beim Neubau der
Kirche 1974 von der Fa. Sandtner aus Dillingen aufgestellt und setzte
sich aus zwei gebrauchten Orgeln aus Mickhausen und Landsberg zusammen.
Das Werk mit Freipfeifenprospekt war von zwei Spieltischen (einer Richtung
alte Kirche, einer Richtung neue Kirche) aus zu betätigen.
Es besaß (nach Brenninger Stand 1976 18)
) die
| Disposition:
|
I. Manual (C-g'''): Principal
8', Holzflöte 8', Octav 4', Quintade 4', Nachthorn 2', Mixtur
5fach 1 1/3,
II. Manual (C-g'''): Principal 8', Gedackt 8', Kleingedackt
4', Nasat 2 2/3, Octav 2', Mixtur 4fach 1 1/3,
Pedal: (C-f'): Subbass
16', Oktavbass 8', Choralbass 4', Pommerbass 2'
Koppeln: II-I,
I-P, II-P
|
Daten: 16 Register, Traktur elektropneumatisch;
2 Manuale C-g ''', Pedal C-f '
Nach Aussage von Pfarrer Riesinger war damals geplant, die Orgel an die
Nordwand zu verlegen und damit den Blick vom neuen Kirchenteil zum alten
Teil wieder freizugeben.
1848 hatte
J.Bohl aus Augsburg die damals schon alte Orgel für 18 Gulden repariert.
Bei dieser Gelegenheit reichte er einen
Kostenvoranschlag für eine neue Orgel in
Höhe von 600 Gulden ein.
1921 errichtete Willibald Siemann, Mch, eine neue
pneumatische Orgel als zweimanualiges Werk mit 12 klingenden Registern.
Über die Einweihung am 3.Oktober 1921 existiert.
ein Zeitungsbericht.... 06)
| |
Allgemeines
zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse
zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen
Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich
Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes
(weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell
verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden
Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung
fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt
sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt,
die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler
gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten
Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit
reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der Freipfeifenprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der
Pfeifen wirkt. |
Wenn Sie
sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten,
sollten Sie hier klicken...
In der Nähe
des Eingangs steht der schöne alte Holz-Opferstock
mit Eisenbeschlägen. Ins Auge fallen die leuchtenden neuen Sicherheitsschlösser
aus dem Baumarkt.
Hinweis: Der Opferstock dient der Aufnahme von Geldspenden in Kirchen.
Der Name bezieht sich auf das erbetene (Geld-) "Opfer" und den "Stock",
der ursprünglich aus einem großen, ausgehöhlten Holzstock
bestand. |
|
In den Kirchen
des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich
interessante Opferstöcke.
Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..
|
Taufstein im Kirchenschiff
|
Im neuen Kirchenschiff ist
steht ein großer, barocker Taufstein
aus Rotmarmor mit Metalleinsatz. Die achteckige Taufschale ruht
auf einem kurzen, ebenfalls achteckigen Sockel. Das Becken ist mit
eingravierten Palmetten (= ein symmetrisch geordnetes, palmblattähnliches
Ornament) geschmückt.
Das Achteck wird als Symbol
für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen und wird
bei Taufsteinen oder Taufkapellen häufig verwendet.
|

Taufstein
|
Vorraum
der Kirche
Im großzügigen Vorraum
der Kirche sind
eine Figur des hl.Florian,
das Epitaph für Joh.Christoph Mändl sowie
die Bilder eines Apostelzyklus' untergebracht.
Die barocke Figur
des hl.Florian ist in
ein römisches Soldatengewand gekleidet. Der Heilige hält
die Siegesfahne in der linken Hand, während er mit dem Schöpfgefäß
in der rechten Hand Wasser über ein brennendes Haus zu seinen
Füßen gießt.
| |
Hinweis:
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen
Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten
in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden
war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde
er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein
um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische
Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes
Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh
setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine
Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. |
|

St.Florian
|
Der mit heraldischen Motiven
geschmückte Grabstein
des Johann Christoph Mändl (gest. 1711 im 59. Lebensjahr)
und seiner ersten Ehefrau Maria Anna Margarete, geb. Lösch (gest.
1701 im 45. Lebensjahr) enthält folgenden Text: |
Epitaph
Mändl
|
"Anno
1711, den 17.Aug. ist in Gott Seelig entschlaffen der Hoch:und wollgeborne
Herr, Herr Iohann Christoph Mändl Freyherr von Deytenhoven auf
Tandern, der Churfrst.Drt.zu Cölln Cammerer S(ein)er Hochfürstl:
gd:Bischovens zu Freysing Hoff: und Cammer Rhat, Statt: und Landtpfleger,
auch Haubtman der Freysingischen Herrschafft, und StattLaagKh (?)
in Crain. Seines alters 59.Jahr. Dann ligt begraben in Crain sein
erste Ehegemahlin, die Hoch:und wollgeborne Frau, |
| |
Frau Maria Anna
Margareta Mändlin, Freyfrau v.Deytenhoven, auf Tandern, geborne
Löschin, freyin von und zu Hilgerzhausen, so gestorben den 14.Sept.1701
Ihres alters 45.Jahr. denen gott gnedig sein wolle Amen." |
Weitere Epitaphe sind an den Wänden im Altarraum des alten Teils zu
sehen. Klicken Sie hier...
Apostelzyklus
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Thomas
|
Petrus
|
Matthias
|
Paulus
|
Philippus
|
Andreas
|
Johannes
|
Thaddäus
|
Simon
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
 |
 |
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Jakobus
d.Jüng
|
Bartholomäus
|
Matthäus
|
|
|
|
|
| |
Hinweis:
Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel
zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus
d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus,
Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas
ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde im Jahr 258 die Apostelwürde
ehrenhalber verliehen. |
|
Nördlich der Kirche steht
auf einer kleinen Anhöhe der stattliche ehem. Pfarrhof,
in dem derzeit die Pfarrverwaltung untergebracht ist. Das Gebäude
wurde 1938 an der Stelle eines abgebrochenen Vorgängerbaus
errichtet
|
|
Wenn Sie auch
andere Pfarrhöfe im Landkreis
sehen möchten, klicken
Sie hier...
|
Der Vorgängerbau
des heutigen Pfarrhauses (ein Pfarrhof) stammte aus dem Jahr 1611;
er wurde 1938 abgebrochen.
Im Wening-Kupferstich von 1701 ist das Pfarrhaus neben zwei Handwerkerhäusern
sehr gut hinter der Kirche zu erkennen. Das Dach ist an der Vorderfront
mit gotischen Schwalben-schwanzzinnen geschmückt. |
Pfarrhaus
1701
|
Einbruch
1870
In der Nacht vom 13. auf den 14.Juli 1870 wurde in den Pfarrhof eingebrochen.
Die beiden Räuber stahlen "Kleider und Effekten im Werthe von
84 Gulden", berichtete die Zeitung 42).
Als
ein Gendarm die Täter später verhaften wollte, widersetzten
sie sich und misshandelten den Beamten. Vor Gericht kam nur einer der
beiden, der ledige Caspar Buchberger aus Tandern. Sein Kumpan Weichselbaum
war noch vor dem Prozess in der Haft verstorben. Der schon mehrfach vorbestrafte
Buchberger, der, so die Zeitung, "wie ein ächter Zuchthäusler
aussieht", wurde zu einer Zuchthausstrafe von 6 Jahren verurteilt.
Auch der Hehler Geistbeck aus Geisenfeld wurde verurteilt; er erhielt
eine Gefängnisstrafe von 1 Monat.
Wenn Sie den ganzen Zeitungsbericht lesen möchten,
klicken Sie hier...
Versteigerung 1877
Im Okt.1877 fand im Pfarrhof
eine Versteigerung von Vieh und landwirtschaftlichem Gerät statt.
03)
Die hohe Zahl der angebotenen Objekte könnte bedeuten, dass der landwirtschaftliche
Betrieb des Pfarrbauernhofs aufgegeben worden ist. Falls dies zutrifft,
kann vom Angebot auch auf die damalige Größe und Ausstattung
des Hofs geschlossen werden.
Versteigerungsanzeige
1877
|
Versteigert wurden:
3 Pferde, 8 Rinder, 2 Schweine, 30 Hennen, 54 Schober Getreide, über
400 Schober Heu, 3 Wägen, 3 Eggen und Pflüge, ein Odlfass
sowie Haus- und Kücheneinrichtung.
Im Amperboten v. 8.10.1877 hat der Gerichtsschätzer eine entsprechende
Zeitungsannonce mit Zeichnungen veröffentlicht. Wenn Sie sie
lesen möchten, klicken
Sie hier... |
Die Pfarrei Tandern und der gesamte Pfarrverband (Tandern, Hilgertshausen,
Pipinsried) haben auch eine interessante Homepage (http://www.pfarrei-hilgertshausen.de/pipin/indexp.htm).
Wenn Sie mehr über die Gottesdienstzeiten und die sonstigen
Aktivitäten der Pfarrei Tandern erfahren wollen: klicken
Sie hier...
Hans Schertl
Quellen:
01) Ernest Geiß, Ulrich der
Kemnater, Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte,
2.Band, 1840
02) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis
des Königreichs Bayern 17, 1876
03) Amperbote v. 8.10.1877 (Versteigerung
am Pfarrhof)
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des
Königreichs Bayern, 1895, Seite 230
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen
des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.661, 834, 1126)
06) Amperbote vom 03.11.1921 (Orgel)
07)
Schrobenhausener Zeitung vom 2.7.2011
(Pfr.Riesinger)
08) Historischen Atlas von Altbayern
Reihe I Heft 11-12-Die Landgerichte Dachau und Kranzberg-S.2, 1958
09) Kreitmeir /Anneser/Wagner, Der
Altlandkreis Aichach, 1979
10) Neue
Orgel für Tandern, Amperbote vom 03.11.1921
11) Die Herkunft der Ligsalz im
Dachauer Land, Amperland 1974 S. 439
12) Kirchenbeschreibung 19??
13) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Geschichte
von Tandern, Kulturspiegel-2022/01 S.6 (vermeintl.Nennung 760)
14) Eckard Bieger, Das Bilderlexikon
der christlichen Symbole, 2011 (Ambrosius-Vers, Tabernakel)
15) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche
Verwaltungsgesch. 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik
33,39)
16) Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters,
1919, S. 348, ISBN 978-3-15-020366-8
17) Die Bayerische Landbötin,
München, vom 3.1.1843 (Vermächtnis Pfr.Kastl)
18) Georg Brenninger, Die Glocken
der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
19) Gerhard Gerstenhöfer, Ignaz
Schedel und der Reise-Mayr, Kulturspiegel Altomünster, 2010 Nr.35
20) Augsburger Ordinari-Postzeitung
v. 14.3.1803; Muenchener Tagblatt vom 21.03.1803
21) Dachauer Nachrichten vom 14.3.2022
(Pfr.Höllriegl)
22) Münchener politische Zeitung
: mit allerhöchstem Privilegium vom 16.02.1843 (Vermächtnis
Pfr.Kastl)
23) Augsburger Tagblatt vom 17.10.1870
(Kaplanwechsel)
24) Neue Augsburger Zeitung, Rubrik
Augsburger Diöcesan-Nachrichten vom 08.10.1860 (Kaplanwechsel)
25) Bayerischer Kurier vom 08.02.1878
(Pfr.Trinkler)
26) Augsburger Tagblatt vom 27.04.1869
(Kaplanwechsel)
27) Augsburger Tagblatt vom 21.09.1869.png(Kaplanwechsel)
28) Augsburger Anzeigeblatt 30.12.1861(Kaplanwechsel)
29) Neue Augsburger Zeitung 11.02.1861(Kaplanwechsel)
30) Der Bayerische Landbote vom
06.03.1860 (Besitz der Lungs)
31) Regierungsblatt für die
Kurpfalzbaierische Provinz in Schwaben vom 04.02.1804 (Kaplanwechsel)
32) Bayerischer Kurier vom 01.07.1865
(Kirchenrenovierung)
33) Intelligenzblatt der Königlichen
Regierung von Oberbayern vom 27.08.1841 (Pfr.Trinkler)
34) Münchener Tagblatt vom
03.09.1840 (Kapl.Sallin)
35) Bayerischer Kurier vom 21.09.1875
(Kaplanwechsel)
36) Allgäuer Zeitung vom 01.11.1864
(Kaplanwechsel)
37) Ingolstädter Zeitung vom
12.01.1875 (Pfr.Trinkl 25 Priester)
38) Augsburger Postzeitung vom 04.02.1878
und Bayerischer Kurier 06.02.1878 (Pfr.Berchtold)
39) Der Bayerische Landbote vom
28.05.1841 (Pfr.Kastl gest.)
40) Augsburger Postzeitung vom 06.10.1877
(Rendle, Gastl)
41) Augsburger Tagblatt vom 07.10.1873
(Kpl Müller)
42) Lindauer Tagblatt für
Stadt und Land vom 13.12.1871 (Pfarrhofeinbruch)
43) Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt
von Oberbayern vom 11.07.1878 (Friedhofserweiterung)
44) Augsburger Postzeitung vom 28.10.1861
(Kapl.Carl Ziegelmayer)
45) Augsburger Postzeitung 11.11.1861
(Kpl.Gärtner)
46) Intelligenzblatt der Königlichen
Regierung von Oberbayern 29.11.1850 (Trinkler Dekan)
47) Allgemeine Zeitung 3.8.1900
(Orden für Pfr.Mayr)
48) Amperbote vom 4.12.1935 (Glockenweihe)
49) unteroktav
und arnoldusglocke
in Youtube (Glockengeläute)
50) Dallmayr, Martin, "Synopsis
Miraculorvm Et Beneficiorum Seu Vincula Charitatis, Lieb-Bänder vnd
Ketten-Glider, Welche
berührt, und ubernatürlich an
sich gezogen der wunderthätige Magnet, Abbt und Beichtiger S.Leonardus,
durch dessen
himmlische Kraft bey dem ferr. und weltberümbten
Gottshaus zu Inchenhofen in ObermBayrn, von vier hundert Jahren her,
über 3000 Wunderzaichen und Gutthaten
geschehen", Mirakelbuch gedruckt 1659, veröffentlicht im MDZ.
51) Denkmalliste
für Hilgertshausen-Tandern beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
52) Dr. Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
53) Tanderner Kirchturm wird saniert,
Dachauer Nachrichten vom 12./13.10.2024 (Renovierung 2025)
54) "958.000 Euro für die
Kirchen", Dachauer Nachrichten vom 5.12.2024 (Finanzierung der Renovierung
2025)
55) "Gerüst um Kirchturm:
Start der Sanierung", Dachauer Nachrichten vom 2.6.2025 (Beginn der
Renovierung 2025)
56) Franz Hofner, Pfarrer Michael
Heinrich geht, Dachauer Nachrichten vom 11.8.2025
57) Pfarrbrief
Aug/Sept. 2025 (Pfarrer
Amos Emberga Mbachie und Michael Heinrich)
58)
Feierliche Orgelweihe
in Tandern, Dachauer Nachrichten
59)
https://www.citypopulation.de/de/germany/settlements/bayern/dachau/09174147x04O9__tandern/
60)
Festliche
Orgelweihe in der Pfarrkirche St.Peter und Paul am 20.12.2025, Broschüre
der Pfarrei
61)
Andreas Öchsler,
2026
62)
63)
Anton Ostermair,
Kirchturmsanierung dauert länger, Dachauer Nachrichten vom 24./25./26.12.2025
78
Bilder: Hans Schertl (72), Andreas
Öchsler (5), Hubert Eberl (1)

12.1.2026
Die
Pfarrer von Tandern
|
von
bis
|
Name
des Pfarrers / Kaplans
|
|
| |
|
1687-1705
|
Niklas
Ligsalz *um
1650 11)
vorher Pfarrer in Hilgertshausen |


|
|
|
|
|
<-1748
|
Johannes Bapt.Harter, Pfarrer
*1692, gest.16.5.1748 |
| |
|
|
1763-1809
|
Karl Senng, Pfarrer und Dechant
*20.10.1727 gest.2.6.1809, Weihe 1751 |
|
<1803-1804
|
Joseph
Anwander, Kaplan, danach Pfr.in Kemnath
31)
|
|
<1840>
|
Saller,
Kaplan 34) |
| |
|
|
<1839-1841
|
Johann
Kastl, Pfarrer und Dechant, geb.
1779, verst.am 23.5.1841
vermachte 9061 fl. für milde Stiftungen
39) |
|
1841-1878
|
Franz
Bernhard Trinkler, GeistlRat und Dekan (seit
1850)
1 Jahr Kaplan, dann Pfarrer in Tandern 25),
33) 46)
|
|
<-1860
|
Franz
Westner, Kaplan, danach Kissing 24)
|
|
1861
|
Karl
Ziegelmair, Kaplan, vorher in Landsberg,
44)
danach
in Eching/Ammersee
28)
|
|
1860-1861
|
Jakob
Fischer, Kaplan, früher Augsburg, danach ab
2/1861 in
Ketterschwang 24),
29) |
|
1861-1869
|
J.Gärtner,Kaplan,
vorher Neomyst in Tandern, nach der
Kaplanstätigkeit
in Tandern: Benefiziat in Emmersacker 26),28),45) |
|
1861->
|
Joseph
Frühholz, Kaplan, vorher Pfarrvikar in Gundelsdorf 29)
|
| |
|
|
<-1864
|
J.C.
Drittenpreis, Neomyst, danach Kaplansverweser in
Karlshuld 36) |
|
1869
|
J.N.Schaller,
Kaplan
von April bis Sep., vorhher nachher Aichach 26),
27)
|
|
1869-1870
|
P.Micheler,
Kaplan als Neupriester (Neomyst) 27), 23),
37)
|
|
1870-1873
|
Franz
Xaver Müller,
Kaplan (vorher Neomyst in Hafenhofen)
23)
danach
Stadtkaplan in Höchstädt 41)
|
|
1873-1875
|
Franz
Xaver Kramer, Kaplan, danach in Vöhringen 35)
41)
|
|
1875-1877
|
Rendle
Rainer Max, Kaplan, vorher in Hochwang
35),
danach
in Ettenbeuren 40)
|
|
1878-1897
|
Anton
Berchtold 38)
vorher Pipinsried; ließ die Wieskp neu erbauen |
|
1877->
|
Joseph
Gastl,
Kaplan, vorher Neomyst in Töding
40)
|
|
1897-1929
|
Anton
Mayr, er
erhielt im Aug.1900 das vom Patriarchen
von Jerusalem verliehene Ritterkreuz ds Ordens vom heiligen Grabe.
47)
bekannt auch
als Reisemayr" wegen seiner Reisen und Reisebeschreibungen
des Orientes bes. Palästina um die Jahrhundertwende.
|
|
1904-1905
|
Dr.Dr.
Joseph Bernhart, Kaplan
Bernhard promovierte 1910, legte 1913 das Priestertum nieder und
heiratete |
|
1935-1944
|
Dr.Lechner früher
Hochschulprofessor in Dillingen |
|
<-1954
|
Johann
Reiter |
|
1954-1969
|
Johann
Pürner, Geistl.Rat, früher Herz Jesu
Missionar |
|
1974-1992
|
Leopold
Höllriegl geb.1932-gest.2002
vorher
Aushilfspriester in Tandern; Erbauer der neuen Kirche |
|
<-1999
|
Alfred
Suyter, Pfarrer |
|
1999-2020
|
Paul
Riesinger
Weihe am 29. Juni 1986
|
|
2020
|
Roger
Nikou,
Aushilfspfarrer 5 Monate v.April-Aug.
danach Pfarrer in Dillingen
|
|
2020 -2025
|
Michael
Heinrich Pfarrer, ab 1.9.2020
vorher Pfarreiengem.Stein, danach Pfarrer in Karlshuld 56)
|
|
seit
2025
|
Amos
Emberga Mbachie |
Priestergrab
|
Das
Priestergrab aus
Rotmarmor besteht aus vier Steinen.
Die drei kleineren Steine sind mit Texten versehen. Auf dem mittleren
Stein steht: "Ihren Priestern, die Pfarrei Tandern".
Auf den beiden äußeren Steinen sind Namen von Tanderner
Pfarrern geschrieben
In
den großen Stein sind fünf österliche Bildszenen
eingraviert.
|
zur
Vergrößerung klicken...
|
- Das große Bild zeigt das Brotbrechen in
Emmaus. Die Szene wird im Lukasevangelium
geschildert. Deshalb ist am Fuß des Tisches das
Symbol von Lukas, der geflügelte Stier,
zu sehen.
- links oben der Engel am Grab Jesu
- rechts oben die Frauen am Grab
- links und rechts unten die schlafenden
Wächter am Grab.
|
Das Priestergrab wurde 2011 restauriert, d. h. man reinigte die Steine
und malte die Schriften nach.
Aus
dem Mirakelbuch Inchenhofen
Bericht über Hilfe aus Feuersgefahr für Pilger aus Tandern
50)
Die
Berichte sind im 15.Band des Mirakelbuchs enthalten, dessen Titel lautet:
"Der
miltreiche Nothelffer Leonhardus erledigt auß Fewrsgefahr."
Im
Jahr 1600, brannte es in der Werkstatt von Schmid Hans Hirschvogel
aus Tandern. Er befürchtete, auch sein daneben
stehendes Wohnhaus und die Scheune könnten von
den Flammen erfasst werden. Da versprach er, ein Holzhäuschen als
Votivgabe nach Inchenhofen zu bringen. Sein Gebet
hatte Erfolg; er erlitt keinen weiteren Schaden.
|
Originaltext:
|
"Hanß
Hirschvogel von Dandern erzehlt warhafftig, daß er, als
jhm sein Schmidten verbrunnen, sein nächst darbey stehendes
Hauß und Stadel vor solcher Gefahr zubeschützen, hab
ein höltzenes Hauß und Stadel nach Inchenhofen versprochen
und also ohne mehrern Schaden darvon kommen."
|
In Tandern brannte es 1637, mitten im 30jährigen
Krieg, wieder. Die beiden Frauen Eva Begl und Anna Strigl konnten ihre
Häuser retten, indem sie S.Leonhard um Fürbitte
bei Gott anriefen. Zum Dank brachten sie nach Inchenhofen zwei wächserne
Häuschen als Votivgaben sowie 20 + 2 Kreuzer
in den Opferstock.
|
Originaltext:
|
"Ob
sich schon in disem Jahr dergleichen Gutthaten vil befinden und
wie laider wol bekandt die Schweden unnd Franzosen sehr vil Ort
in Brand gesteckt, hab ich doch geliebter Kürtze halber nur
folgende verzaichnen wollen. ...Vor anderer Brunst Gefährligkeit
so sich zu Dandern eraignet, haben auch ihre Häuser glücklich
errettet: Eva Beglin und Anna Striglin. Deswegen dise jhrem Beschützer
S.Leonhardo ein wächsenes Häußlein und 2 Kr.,
jene auch ein wächsenes Häußlein und 20 Kr. zu
Danck verehrt. "
|
Die Situation änderte sich in den nächsten Kriegsjahren kaum.
Auch 1641 bedankte sich eine Frau aus Tandern für
die Hilfe bei
der Verschonung ihres Hauses vor dem Feuer.
|
Originaltext:
|
"Damit
Höf und Häuser under der Kriegs-Unruh jhnen vor Brand
bewahret wurden haben
Anna Schreiberin von Cranspurg mit anderthalb Pfund Wachs,
Elisabeth Reiserin von Betterstorff mit einem jährlichen
halben Batzen, so lang sie lebt,
Maria Stainlin von Dandern mit 24 Kr.,
Hanß Härtel von Hetzenhausen mit einem wächsenen
Häußlein unnd
Andreas Jäger von Underwittelspach mit einer H.Meß
und 2 Kr. in Stock
S.Leonhard zuversichtlich anvertraut und seynd jhres verlangen
gnädig habhafft worden."
|
In
Inchenhofen brannte übrigens bis zum 30jährigen Krieg immer
eine große Kerze, die von der Pfarrei Tandern gestiftet und erneuert
wurde. Deshalb ist Tandern als eine von nur drei Pfarreien aus dem Dachauer
Land (weitere: Petershausen und Hirtlbach) im Verzeichnis der großen
Wachskerzen, die bis 1632, dem Jahr des Schwedeneinfalls, gebrannt
haben.
| |
Originaltitel:
Verzaichnuß der großssen Wachskerzen, so von underschidlichen
Stätten , Herrschaften, Pfarren, Nachbarschafften und Gemainen
zu S.Leonhardi wunderthätigen Gottshauß in Inchenhofen
seynd geopffert und biß in das 1632. Jahr stät erhalten
werden, deren noch vil brinnen, etlichaber erloschen" |
Kirchenrenovierung 1865 32)
Bayerischer Kurier
vom 01.07.1865

Einbruch
in den Pfarrhof 1871
Lindauer Tagblatt für Stadt und Land vom 13.12.1871
42)

Neue
Orgel für Tandern
Amperbote vom 03.11.1921 10)
In der Pfarrkirche
von Tandern wurde durch die Firma Siemens aus München ein neues Orgelwerk
aufgestellt. Am 18. Oktober wurde durch den staatlichen Orgelrevidenten,
Herrn J. Kopfmüller, die technische Prüfung des Werkes vorgenommen.
Wegen Raummangels auf der Empore musste das Pfeifenwerk und das elektrisch
betriebene Gebläse in einer Tonhalle über dem Kirchengewölbe
untergebracht werden. Dieser Umstand beeinträchtigt die Klangwirkung
und -stärke nicht unerheblich.
Die Orgel enthält 12 klingende Stimmen, die auf zwei Manuale und
Pedale verteilt sind. Die Mechanik ist pneumatisch mit Kegelladesystem.
Selbstverständlich sind alle modernen Koppelungen und Schweller vorhanden.
Die Prüfung ergab, das insbesondere der Spieltisch praktisch angelegt
und solide gearbeitet ist. Auch das übrige Material ist gediegen
und die Ausführung sauber und gut. Die Intonation ist gut gelungen
und trägt feierlichen kirchlichen Charakter. Die Ansprache ist sicher
und präzise. Durch Mischung der verschiedenen Stimmen können
sehr schöne Klangwirkungen hervorgebracht werden. Das volle Werk
erscheint genügend an Kraft für die Raumverhältnisse der
Kirche.
Auf den 30. Oktober
hatte Herr Chorregent, Lehrer Reitmayr, die Musikfreunde von Tandern und
Umgebung zu einem Kirchenkonzert zwecks Vorführung der neuen Orgel
eingeladen. Mit seinem musikalischen Verständnis hatte er ein schönes,
abwechslungsreiches Programm zusammengestellt und durch Beiziehung bewährter
Kräfte den Hörern einen edlen musikalischen Genuss bereitet.
Solisten waren Fräulein Dassler und Fräulein Hengler, sowie
die Herren Link, Schmid und Schlagmann. Die Chöre dirigierte Herr
Lehrer Wagner. Zunächst führte Herr Lehrer Reitmayr die einzelnen
Register und Kombinationen vor und erwies sich dabei als gewandter, feinfühliger
Organist. Die von Erb ließ die Orgel als gutes Begleitinstrument
für kräftigen gemischten Chor erscheinen. Der Vortrag des Finale
aus der Sonate von Rheinberger zeigte sie auch als gediegenes Soloinstrument.
Sehr ansprechend war die Begleitung der hervorragend gespielten Cello-
und Violinvorträge. Tiefen Eindruck hinterließ "Der Engel Lied"
für Sopran, Violine, Cello und Orgel. In dem von ihm vertonten 150.
Psalm konnte man Herrn Lehrer Reitmayr auch als Komponisten kennen lernen,
der für 6stimmigen Chor gediegen zu schreiben versteht und die vorhandenen
Mittel wirkungsvoll zur Geltung zu bringen weiß. - Die zum Teil
aus weiter Ferne herbeigekommenen Musikfreunde erlebten Stunden edlen
Genusses und verließen voll Dank gegen Herrn Lehrer Reitmayr sowie
alle Mitwirkenden die heilige Stätte. Möge diese Aufführung,
die ein so schönes Zeugnis uneigennütziger Hingebung für
die heilige Kunst abgelegt hat, auch da und dort Ansporn geben zu unverdrossenem
Schaffen zu Gottes Ehre und der Menschen Freude!
(Recherchiert von Hubert
Eberl, Bergkirchen)

Neue
Glocken für Tandern
Amperbote vom 4.12.1935 48)

|