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Landkreiskarte ausführl.Beschreibung
Kirchen
i.d. Gem.Petershausen
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Pfarrkirche St. Vitus in OBERMARBACH
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KKurzbeschreibung Die Ortschaft Obermarbach wurde schon im
Jahr 900 als "Madrinpah" erstmals schriftlich erwähnt.
Obermarbach ist seit 1837 selbständige Pfarrei im Pfarrverband
Petershausen; vorher gehörte es zu Lampertshausen. Die Kirche hat ungewöhnliche Maße: Das Kirchenschiff ist sehr kurz, kaum länger als der Altarraum.
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Renovierungen fanden in letzter Zeit 1903-1905, 1934, 1951/52 und 1979-1984 statt.
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Innenausstattung Der Altarraum ist mit einem spätgotischen Netzgewölbe mit gut erhaltenen Rippen überdeckt. Der spätbarocke Hochaltar
stammt aus dem Jahr 1730. Das Altarblatt zeigt den Kirchenpatron,
den hl. Vitus beim Martyrium im Kessel mit siedendem Öl. Die noch im Altarraum stehende Kanzel mit schönem Schalldeckel und Bildern der vier Evangelisten am Korb, der hölzerne Taufstein und die Seitenaltäre mit Reliefs der 14 Nothelfer sowie mit Figuren von St.Josef, St.Aloisius und St.Franz Xaver stammen aus der Zeit um 1890 und sind alle im neugotischen Stil gehalten. Die Eingangstüre aus Eichenholz auf der Westseite besitzt noch alte, schwere Beschläge aus Schmiedeeisen. |
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Eine Besonderheit, die im Landkreis Dachau sogar einmalig ist, ist der in die Türe eingebaute Opferstock aus dem Ende des 17.Jh. in den eine Spende auch bei geschlossener Kirchentüre eingeworfen werden kann.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Die Ortschaft Obermarbach wurde schon um das Jahr 900 als "Madrinpah" erstmals schriftlich in einer Urkunde des Bischofs Waldo (883-906) erwähnt.
Geschichte der Pfarrei und der Kirche
Obermarbach ist
seit 1837 selbständige Pfarrei; vorher gehörte es über viele Jahrhunderte
zu Lampertshausen. Damals lebte in Obermarbach ein Vikar. Bis vor wenigen Jahren
wurde die Pfarrei von Jetzendorf aus mitbetreut, seit 1.Mai 1995 gehört es zum
Pfarrverband Petershausen...
Erste
Kirche
Die Pfarrkirche St. Vitus in Obermarbach
steht auf einem kleinen Hügel, 64 Stufen oberhalb des Ortes im ummauerten Friedhof.
Sie geht vielleicht noch auf romanische Zeit zurück, ist aber in der Konradinischen
Matrikel von 1315 noch nicht erwähnt.
Sicher ist, dass sie in der Gotik (15.Jh) entscheidend umgebaut worden
ist.
Aus dem Jahr 1471 gab es 1884 noch einen Jahrtag, gestiftet von der Witwe
des Hansen Petzen, mit Namen Katharina. Dieser Jahrtag sollte vom Pfarrer von
Lampertshausen oder seinem Vika zu Obermarbach mit 4 Priestern gehalten werden.
Dazu hat die Witwe der Kirche zwei Teile des Zehent aus dem Riedenmair-Hof zu
Lausham vermacht,
Matrikel von 1524
Dem hl.Vitus war die Kirche schon bei der ersten Nennung des Patronats 1524
in der Sunderndorfers'schen
Matrikel geweiht. Dort ist zu lesen: "Dominus Leonardus
Frey, Cooperator seu Coadjutor filialis ecclesiae s.Viti in Obermarbach, jure
filiali subjectae parochiali in Lampfrizhausen".
Visitationsbericht
von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des
bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung
aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche
und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die
durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die
jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens
geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten
Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere
sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen
Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer
die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen
Kenntnisse. Im Bericht über Obermarbach ("Pfärl Obermorpach")
heißt es, dass die Pfarrei von einem Provisor geleitet wurde, der dem
Pfarrer von Lamprechtshausen ein Absentgelt zu entrichten hatte. Der bauliche
Zustand der Kirche und die Ausstattung waren zufriedenstellend. Der Provisor
wurde aber vom Kirchenpfleger nicht gut beurteilt; der Pfarrer trinkht gern
und ist sonst unfleißig, erzählte er dem Visitator.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken
sie hier...
Visitationsbericht
1584
Dem Bericht
eines Beamten des herzoglichen Rentmeisters über die Visitation der Pfarrei
Obermarbach im Jahr 1584 ist zu entnehmen, dass damals im
Vikariat Obermarbach 60 Kommunikanten, ein gehorsames Pfarrvolk, lebten. Vikar
ist Johann Schüttgabler, seit 12 Jahren in Obermarbach, seit 30 Jahren
Priester, zu Passau ordiniert. Der Priester gab auf entsprechende Fragen an,
keine Konkubine mehr zu haben. Er habe ihr 50 Gulden als Abfindung gegeben;
nun lebe sie mit 6 Kindern in Edelzhausen. Sowohl die Konkubine als auch das
jüngste Kind seien blind. Der Visitator schreibt, er habe den Priester
ermahnt, sich priesterlich zu verhalten. Hoffentlich hat der Priester dies richtig
verstanden und Frau und Kinder nach der Visitation wieder zurückgeholt,
wie dies in vielen vergleichbaren Fällen geschehen ist.
| Hinweis: Berichte über das mangelnde Einhalten des Zölibats in früheren Jahrhunderten werden heute teils schockiert, teils belustigt zur Kenntnis genommen. Doch man sollte für die damalige Zeit nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Zwar wurde das Zölibat 1139 für die gesamte kath.Kirche erlassen, doch bis zum 30jährigen Krieg war es jedenfalls bei uns üblich, dass die Pfarrer mit einer Frau zusammenlebten und Kinder hatten. Dies wurde vom Volk anerkannt und vom Bischof (der selbst Konkubinen hatte) toleriert. Erst durch die Reformation, die den evang.Priestern das Heiraten erlaubte, änderte sich die Einstellung. Aber nicht die Bischöfe, sondern die bayerischen Herzöge setzten sich für die Einhaltung des Zölibats ein und sorgten sich um die Erhaltung des rechten Glaubens. Nach dem 1583 vom Papst erlassenen Mandat "Contra Clericos Concubinarios", waren die Landesherren befugt, nach den "Beischläferinnen" der Pfarrer zu fahnden und sie aus den Pfarrhäusern zu vertreiben. Die Visitation 1584 war u.a. eine solche Fahndung. Oftmals zogen die Frauen mit den Kindern für die Zeit der Visitation zu Verwandten. |
Dreißigjähriger
Krieg
Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte Obermarbach gelitten. Jedenfalls
vermerkte Pfarrer Johannes Baumgartner aus der zuständigen Pfarrei Lampertshausen
um das Jahr 1648 "Es sein noch etlich ganz bis in grundt durch den Fendt
verbrente brandstätt darunter auch das Vicariathauß und stadl also
verwüstet." Die Kirche dürfte aber keinen Schaden erlitten haben;
sonst wäre sie sicher in die "Schadensmeldung" mit aufgenommen
worden.
1735 war in die Kirche eingebrochen worden, wobei "sowohl das Gemeuer als die Fenster ruiniert worden", wie der Pfarrer Georg Hecherer schrieb. Zwei Tage hätten die Maurer mit der Reparatur zu tun gehabt.
Schmidtsche Matrikel
von 1738/40
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien
der Diözese besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen
Matrikel kurz beschrieben. Obermarbach war ein Vikariat (eine
gehobene Filiale) der Pfarrei Lampfritzhausen und wurde von dort aus mit einem
Vikar besetzt. Der damalige Vikar war seit 1716 Georg Hecher. Er betreute 50
Communicantes (Gläubige) seelsorgerisch. Das Pfarrhaus und die Ökonomiegebäude
waren Holzbauten, die einer Renovierung bedürften. Die
Kirche selbst habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Vitus
geweiht. Auf ihm werde das Allterheiligste im Tabernakel aufbewahrt. Die beiden
Seitenaltäre hätten die Muttergottes und die 14-Nothelfer als Patrone.
Gottesdienste würden jeden zweiten Sonntag gefeiert. Das Kirchweihfest
werde am Sonntag nach dem Fronleichnamsfest gefeiert. In der Sakristei würden
hinreichende Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.
Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Vikar
und der Landpfleger in Kranzberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in
deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit
gegen 150 Gulden ausmachen".
Nachdem das Gotteshaus 1783 als ruinös eingestuft
worden war, hat man es zwei Jahre später,
um das Jahr 1785 in barockem Stil weiter verändert.
1864 brannten fünf Anwesen und das Kirchendach bei einem Großfeuer
ab.
Beschreibung 1884
Kirche und Pfarrei Obermarbach sind auch in der "Statistischen Beschreibung
des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1884 enthalten,
die Anton Mayer u.Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: "
Pfarrsitz auf einer Anhöhe gelegen. Die Pfarrei hat 101
Seelen in 15
Häusern". Obermarbach war damals (nach Rumeltshausen)
die zweitkleinste Pfarrei im Dachauer Land.
Pfarrei: "Das Präsentationsrecht
hatte früher der Pfarrer von Lamprechtshausen; nachdem Lamprechtshausen
nach Steinkirchen eingepfarrt worden war, wechselte das Recht zum Pfarrer von
Steinkirchen. Die Kirchenrechnung weist bei 1600 Mark Einnahmen und 112 Mark
Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1488 Mark aus. Schuldenstand: 2500
Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 60
Tagwerk (= 20 ha) Fläche der Bonität 9. Um 1808 war das hölzerne
Pfarrhaus abgebrannt und wieder aufgebaut worden. 1869 wurde es gegen das neuerbaute
Wirthshaus vertauscht. Es ist geräumig, passend und und bis auf Küche
und Keller auch trocken. Gleiches gilt für die Ökonomiegebäude.
Die Matrikelbücher beginnen 1750".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt; Styl gothisch. Die Geräumigkeit
ist nicht zureichend. Baupflicht hat die Kirche. Sattelthurm mit 2 kleinen Glocken,
welche als Inschrift einen Theil des Ae maria,aber keine Jahrzahl tragen.3 Altäre,davon
2 portatile (=ohne Altarstein). Orgel
nicht vorhanden.
Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche. Stiftungen: 8 Jahrtage und 15 Jahrmessen.
Den Meßnerdienst versieht ein Weber des Ortes. Wegen Mangels einer Orgel
auch kein Cantor aufgestellt. Kirchenvermögen: 5.700 Mark".
Renovierungen fanden in letzter Zeit 1903-1905 durch Pfarrer Glas, 1934 durch Pfarrer Kottmayr, 1951/52 durch Pfarrer Klupack und 1979-1984 durch Pfarrer Spreng aus Jetzendorf statt.
Baubeschreibung| Die Kirche hat einen gering eingezogenen, zweijochigen Chor, der in drei Achtelseiten schließt. Er wird außen durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler (siehe rechts) gestützt. An der Ostseite ein zugemauertes Fenster. |
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| Das Langhaus ist mit einem Joch
kaum länger als der Altarraum.
Südlich des Chors in der Ecke zum Turm ist die Sakristei angebaut. Der Eingang befindet sich an der Südwestseite unter einem Portalvorbau an der Westseite der Kirche. |
Der fünfgeschossige Sattelturm mit quadratischem Grundriss steht an der Chorsüdseite. Er dürfte im Zuge der Gotisierung nach 1450 neu errichtet worden sein. Der Turm ist durch Ecklisenen und Blenden sowie durch horizontale Wandvorlagen gegliedert. Er besitzt gedoppelte, rundbogige Schalllöcher. |
Im Turm hängen zwei Glocken. Eine davon wurde 1949 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen. Sie trägt die Aufschrift "Beatae Virginis Mariae" und hat einen Durchmesser von 75 cm. Sie ist auf den Ton h' gestimmt und wiegt 210 kg. Das Herstellungsdatum der anderen, älteren Glocke, ebenfalls mit einem Durchmesser von 75 cm, ist nicht bekannt; es könnte sich aber um die vor dem 1.Weltkrieg noch beschriebene Glocke aus dem Jahr 1550 handeln. Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....
An der südl.Außenwand
ist ein Wandkreuz unter
einem dreieckigen Schutzdach mit Seitenstreifen angebracht. Es stammt aus
der Zeit um 1900. Der Korpus zeigt keine Blutspuren (mehr ?). Auch eine
Dornenkrone fehlt.
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| Epitaph
für Andreas Sedlmair,
heller Marmor, oben Kelch mit Hostie auf Bibel. Text auf dem Epitaph: Unvergessen ruht hier HH Andreas Sedlmair von hier, Expositus in Oberdarching, gest. am 6.Juni 1936 im 19.Priesterjahr und im 44.Lebensjahr R.I.P. (=Requiescat in Pace) Ich weiss, dass ein Erlöser lebt" |
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| Epitaph
für Johann Glas, weißer
Marmor, oben Kelch mit Hostie. Text auf dem Epitaph: "Hier ruht der hochwürdige Herr Johann Ev. Glas, Pfarrer und Dekan dahier, 1880 - 1914, geb.zu Neufahrn 24.10.1840, gest.zu Obermarbach 17.2.1914, im 42.Priesterjahr. Allhier lieg ich und wart auf Dich, drum bete, bet für mich R.I.P." |
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| Ein
weiteres Epitaph aus Solnhofener Stein, von dem ich kein Bild habe, erinnert
an Pfarrer Aloys Klee, der
vom 6.März 1819 bis 10.Juni 1848 gelebt hat. Text: "Ruhestätte des Hochwürdigen Hochgeehrten Herrn Aloys Klee gew.Pfarrers dahier, geb. in Gundelfingen, den 6ten Merz 1809, welcher nach kaum zweijähriger Pastorisierung dieser Pfarrey als 13 jähriger Priester, voller Ergebung in den heil.Willen Gottes am 10.Junj 1848, nachmittags 3 Uhr, am heil.Pfingstabend in seliger Hoffnung dahier starb. Dank und Liebe folgte Ihm nach. Mit Friede und Seligkeit löhne Ihm der Herr, Amen. |
| Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet. |
Innenausstattung
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Im gering eingezogenen, zweijochigen Chor ist mit einem spätgotischen Netzgewölbe überdeckt. Die Gewölberippen haben einen birnenförmigen Querschnitt und münden in einen runden Schlussstein ; an den Wänden stützen sie sich auf Konsolen. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde. |
| Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22). |
| Der spätbarocke Hochaltar von 1730 ist mit vier glatten Säulen und reichem Schnitzwerk geschmückt. Sein Holz ist rot und grau marmoriert, d.h. mit dem Muster einer Marmormaserung bemalt. Er ist raumhoch und 2 1/2 Meter breit. Auf dem von den Säulen getragenen Gebälk stehen Ziervasen. | In der Mittelnische des Altars
hängt das Altarblatt
(ebenfalls von 1730). Das Ölbild (auf Leinwand) zeigt den Kirchenpatron,
den hl. Vitus beim Martyrium. Er sitzt im Kessel mit heißem
Pech. Die Henker entfachen ein Feuer. Auf Gewölk hatten zwei Engel
den Siegeskranz und die Märtyrerpalme bereit. Über dem Altarblatt eine Inschriftenkartusche mit dem Text "St.Vitus". |
| Auf den halbrunden Postamenten
zwischen den Säulen stehen als Assistenzfiguren die beiden Pestheiligen
Rochus und Sebastian, beide aus dem 17.Jh. Der hl.Rochus in Pilgerkleidung weist mit seiner Hand auf die Pestbeule am Oberschenkel. Der hl.Sebastian steht, von fünf Pfeilen durchbohrt, am Marterbaum, an einem astlosen Baumstumpf. |
| Hinweis:
Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein
und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege
von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel),
zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein
Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim
wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Rochus
wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden)
gerechnet. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
| Den oberen Abschluss des Altars stellt der Auszug mit seitlichen Voluten und rocailleartigen Ornamenten, die zusammen die Form eines Dreiecks bilden. Auf den Voluten sitzen Engel. Im Auszuggemälde (Öl auf Leinwand) wird die Muttergottes in einer Maria-Hilf-Darstellung mit einer halbplastisch hervortretenden Krone aus Silber dargestellt. Die Darstellung ist dem Passauer Mariahilfbild nachgebildet, dessen Original von Lucas Cranach d.Älteren stammt. Mehr zum Passauer Mariahilfbild hier... |
| Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
| Hinter dem Hochaltar steht ein alter dreiteiliger Beichtstuhl mit offenen, sehr abgeschrägten Seitenteilen, die auch bei engen Verhältnissen einen problemlosen Zutritt erlauben.
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| Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt.Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück. |
Figuren
und Gegenstände an der Wand
des Altarraums
| Die älteste
Skulptur ist eine halbfigurige St.-Vitus-Darstellung,
die sich an der Südostwand im Chor befindet und aus der Zeit um 1530
stammt. St.Vitus mit flacher Haube und in ein grün-rotes Gewand gekleidet,
sitzt auf einer Bank und hält in der Rechten einen Märtyrerpalmzweig.
Es ist eine der wenigen Darstellungen des Heiligen ohne Ölkessel. |
Hinweis: Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. |
| Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer. Vitus ist Patron für 30 Krankheiten. Bekannt ist der Veitstanz, Chorea, eine Nervenkrankheit mit ungewollten, spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem bedingt sind. Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete. |
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An der Nordseite hängt ein großes Kruzifix mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden (um 1890). Es handelt sich um einen sog. Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen und mit nur einem Nagel befestigt, wiedergegeben. Unter dem Kruzifix steht die Figur einer trauernden Muttergottes (Mater dolorosa) aus der gleichen Zeit. Das sonst bei ähnlichen Darstellungen vorhandene Schwert der Schmerzen fehlt hier. |
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| Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber (hier in Obermarbach schräg gegenüber) an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. |
| Das Chorgestühl an der südlichen Seite des Altarraums besteht aus einer Bank mit Kassettenfüllungen neueren Datums. Alt sind noch die Wangen der Stühle mit Frührokokoschnitzereien. | Neben dem Chorgestühl ist der Eingang zur Sakristei. Dort hängt die Chorglocke oder Sakristeiglocke, die mit einem roten Zugband zum Klingen gebracht wird. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten bei Beginn der Messfeier die Sakristei verlassen und den Chor betreten. |
| Am Chorgestühl sind die Prozessionslaternen befestigt. Auch sie stammen aus der Zeit um 1890. Eine Laterne ist im barocken, die andere im neugotischen Stil gearbeitet. Beide bestehen aus Messing und sind mit Ofenrohrlack überstrichen. |
Das neugotische Taufbecken
aus der Zeit um 1890 besteht aus blau und braun gefassten Holz. Es steht
auf einem schmalen, achteckigen Fuß. Das ebenfalls achteckige Becken
erweitert sich nach oben und ist mit geschnitztem, farbig gestalteten Maßwerk
verziert. Auf dem sich verjüngenden Deckel sitzt ein Kreuz.
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| begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. |
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Die auf einem verzierten Holzständer errichtete
Kanzel ist ebenfalls neugotisch.
Sie ist in den Farben braun, rot und blaugrau gefasst. Das Schnitzdekor
ist vergoldet. Auch die Kanzel ist mit dem für den neugotischen Stil
so typischen Maßwerk und Schablonenmalerei verziert. An der Rückwand
ist eine Türe eingelassen; seit der Verkleinerung des Sakristeigebäudes
bei einer der letzten Renovierungen ist die Kanzel aber nur noch über
eine Zugtreppe in der Sakristei erreichbar. Der Schalldeckel ist
einen zehnstrahligen Sterngewölbe nachgebildet. Er wird gekrönt
durch einen Aufsatz mit Kreuzblume. |
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| Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. |
| Am polygonalen Kanzelkorb sind in Reliefs die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. |
| Hinweis: Die vier Symbole geflügelter
Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen
zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier
Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier),
Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache
hielten. Im Alten Testament werden sie
in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung
des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes
Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem
thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst
seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus
und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: - Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. - Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. - Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet. - Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort". |
| Der Zelbrationsaltar besteht aus einem Steinblock, in den an der Vorderseite die Reliquien eingebettet sind. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. | Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das |
| hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
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Über dem Zelebrationsaltar hängt am Chorbogen die Ewig-Licht-Ampel. Sie besteht aus versilbertem Messing mit Verzierungen in Treibarbeit (von der Rückseite aus gehämmert) und wurde um das Jahr 1900 erstellt. |
| Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen. |
Das Kirchenschiff wird von einer barocken Flachdecke über einer Hohlkehle überspannt. Einziger Schmuck ist eine mit rosa Farbe abgesetzte, umlaufende Profilleiste. Die unteren Teile der Wände haben eine verstärkte Mauerdicke, die auf verbliebene Reste eines Vorgängerbaues (vor dem 15.Jh) hindeuten.
Die beiden die 160 cm breiten Seitenaltäre wurden von der Mayerschen Kunstanstalt, München, im Jahr 1868 im damals modernen neugotischen Stil gefertigt. Sie ersetzten die 1785 von Simon Mayr (andere Quelle: von Anton Herzensfroh) erstellten und von Maler Joseph Neher aus Biberbach gefassten Altäre. Wegen der geringen Breite der Kirche stehen Seitenaltäre fast parallel zur Außenwand; damit beeinträchtigen sie nicht die Sicht zum Hochaltar. Die Altartische sind mit Holz und vergoldeten Rahmenleisten verkleidet. An den Predellen sind vergoldete Stab- und Maßwerkblenden und Schablonenmalerei zu sehen. Die Altaraufbauten sind typisch neugotisch, mit krabbenbesetzten Fialen und spitzbogigen Giebeln (Wimperg). An den Seiten haben sie Blattranken-Schnitzereien; gekrönt werden sie durch ein aufgesetztes Kreuz.
Linker Seitenaltar| Am
linken Seitenaltar sind vor einem Hintergrund mit Schablonenmalerei
die Muttergottes und die 14 Nothelfer in einem bunt gefassten Relief
dargestellt. Im Auszug sitzt ein Engel. Im Relief sitzt Maria mit dem Jesuskind auf einer Wolke im hinteren Bereich. Um sie herum gruppieren sich die 14 Nothelfer, von denen viele ihr Attribut mit sich führen und daran zu erkennen sind. Die Nothelfer waren beim einfachen Volk sehr belieb und entsprachen häuslichem Zweckdenken. Jeder Heilige war Schutzpatron für genau umgrenzte körperliche und seelische Nöte. |
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| Links oben in Ritterrüstung
mit Speer in der Hand, der hl.Georg, angerufen gegen Seuchen der
Haustiere. Darunter St. Panthaleon, dem die Hände auf den Kopf genagelt sind (Patron der Ärzte und Helfer gegen Kopfweh). Davor der hl. Vitus mit einem Märtyrerpalmzweig in der Hand. Er wird bei Veitstanz angerufen und ist zugleich Schutzpatron gegen das Bettnässen. Daneben steht der Hl.Dionysius, sein eigenes abgeschlagenes Haupt auf einem Buch tragend, - angerufen gegen Kopfschmerzen Links unten hält Bischof Erasmus eine Ankerwinde in Händen. Er war ursprünglich Patron der Matrosen. Doch sein Attribut wurde bei uns als Marterinstrument missverstanden. Da er angeblich durch Herausspulen der Gedärme den Tod fand, wurde er folgerichtig zum Nothelfer bei Bauchschmerzen. Neben ihm St. Blasius, ebenfalls in Bischofsornat, mit zwei Kerzen in der Hand (heilte ein Kind, das eine Gräte verschluckte), angerufen gegen Halsleiden. Unten in der Mitte sitzen bzw. knien die drei heiligen Madl: Links die Königstochter St.Katharina mit den Marterinstrumenten Schwert und Marterrad (angerufen gegen Zungenleiden und Sprachschwierigkeiten neben ihr St.Barbara mit Turm und Kelch (sie war in einen Turm gesperrt; der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion). Sie half als Patronin der Sterbenden. vor ihr kniet St.Margarete mit Kreuz und Drachen (ihr erschien der Teufel = das Böse in Gestalt eines Drachen). Sie ist Helferin bei Geburt und gegen Unfruchtbarkeit. |
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| Der
rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. Seine Figur
(mit dem Jesuskind auf dem Arm) wird assistiert von einer Statue des
hl. Aloisius mit einer
Lilie in der Hand und der des hl. Franz
Xaver in dunkler Mönchskutte. Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann. |
| Hinweise: Keuschheit,
trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete
er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. In zahlreichen Briefen
betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer
Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche
Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses
Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut
habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen
begegnet sei. Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten.Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag:3.Dezember). |
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Kreuzwegbilder
Auf die Bilder sind Volutentafeln mit den Stationsnummern aufgesetzt. Es könnte sich um die Bilder handeln, die die Pfarrersköchin 1773 gestiftet hat.
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Die Empore mit ihrem geschwungenen Treppenaufgang besitzt eine gerade, weiß verputzte Brüstung. Eine Orgel ist nicht vorhanden. Der Gesang der Kirchenbesucher wird mit einem Harmonium begleitet.
| Die Eingangstüre
aus Eichenholz auf der Westseite ist zweiflügelig. Sie besitzt noch
alte, schwere Beschläge aus Schmiedeeisen. Eine Besonderheit, die im Landkreis Dachau sogar einmalig ist, ist der in die Türe eingebaute Opferstock aus dem Ende des 17.Jh, in den eine Spende auch bei geschlossener Kirchentüre eingeworfen werden kann. |
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising.
München 1874-1880
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt
Dachau, 1971
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichts Kranzberg,
Amperland 1987/4
Max
Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler,
Amperland 1986/3
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Elisabeth Mecking und Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen,
Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
38 Bilder: Horst Lachmann (1), Hans Schertl (37)
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19.1.2009