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Pfarrkirche St. Vitus in OBERMARBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Adresse: 85238 Petershausen, Am Kirchberg 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 KKurzbeschreibung

Die Ortschaft Obermarbach wurde schon im Jahr 900 als "Madrinpah" erstmals schriftlich erwähnt. Obermarbach ist seit 1837 selbständige Pfarrei im Pfarrverband Petershausen; vorher gehörte es zu Lampertshausen.

Die Pfarrkirche St. Vitus in Obermarbach steht auf einem Hügel oberhalb des Ortes im ummauerten Friedhof. Sie geht auf romanische Zeit zurück, wurde in der Gotik (15.Jh) entscheidend umgebaut und im Barock (um 1730 und 1785) weiter verändert, nachdem das Gotteshaus 1783 als ruinös eingestuft worden war.
Ein Teil der Ausstattung wurde um 1890 im neuromanischen Stil ergänzt.

Die Kirche hat ungewöhnliche Maße: Das Kirchenschiff ist sehr kurz, kaum länger als der Altarraum.

Der fünfgeschossige Sattelturm dürfte im Zuge der Gotisierung nach 1450 neu errichtet worden sein. In ihm hängen zwei Glocken. Östlich des Chors in der Ecke zum Turm ist die Sakristei angebaut. 
Der Eingang befindet sich an der Südwestseite unter einem Portalvorbau an der Westseite der Kirche.

An der südlichen Außenwand des Kirchenschiffs sind ein Wandkreuz unter einem dreieckigen Schutzdach und einige Epitaphe für ehem. Pfarrer angebracht.

   Ziervase am Hochaltar

 Renovierungen fanden in letzter Zeit 1903-1905, 1934, 1951/52 und 1979-1984 statt.

Innenausstattung

Der Altarraum ist mit einem spätgotischen Netzgewölbe mit gut erhaltenen Rippen überdeckt.

Der spätbarocke Hochaltar stammt aus dem Jahr 1730. Das Altarblatt zeigt den Kirchenpatron, den hl. Vitus beim Martyrium im Kessel mit siedendem Öl.
Assistenzfiguren sind die Pestheiligen St.Rochus und St.Sebastian.
Im Altarauszug eine Muttergottesdarstellung mit figürlichen Silberkronen. Hinter dem Altar steht ein Beichtstuhl.
An den Wänden des Altarraums eine alte Vitusfigur und eine Kreuzigungsgruppe.

Die noch im Altarraum stehende Kanzel mit schönem Schalldeckel und Bildern der vier EvangelisApostelleuchter ten am Korb, der hölzerne Taufstein und die Seitenaltäre mit Reliefs der 14 Nothelfer sowie mit Figuren von St.Josef, St.Aloisius und St.Franz Xaver stammen aus der Zeit um 1890 und sind alle im neugotischen Stil gehalten.

Die Eingangstüre aus Eichenholz auf der Westseite besitzt noch alte, schwere Beschläge aus Schmiedeeisen.

ApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchter ApostelleuchterGewölbekonsolenHochaltarblatt Zelebrationsaltar Hochaltarblatt St.Rochus St. Sebastian St. Vitus Prozessionslaterne Altaraufsatz Netzgewölbe im Chor AltaraufsatzKanzelKanzelkreuz GewölbekonsolenEwig-Licht-AmpelMater dolorosa TabernakelTaufbeckenSt. Vitus
 Vergrößerung von Details (Altäre, Figuren, Kanzel, Laterne) per Mouseklick

Eine Besonderheit, die im Landkreis Dachau sogar einmalig ist, ist der in die Türe eingebaute Opferstock aus dem Ende des 17.Jh. in den eine Spende auch bei geschlossener Kirchentüre eingeworfen werden kann.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1524  Visitation 1560  Visitation 1584  30jähriger Krieg
 Matrikel 1738  Beschreibung 1884      
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
 Chorgestühl  Chorglocke  Empore  Epitaphe  Ewig-Licht-Ampel
 Figuren  Kanzel  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzigungsgruppe
 Opferstock  Prozessionslaternen  Portal  Seitenaltäre  Taufbecken
 Turm  Zelebrationsaltar      

Die Ortschaft Obermarbach wurde schon um das Jahr 900 als "Madrinpah" erstmals schriftlich in einer Urkunde des Bischofs Waldo (883-906) erwähnt.

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Obermarbach ist seit 1837 selbständige Pfarrei; vorher gehörte es über viele Jahrhunderte zu Lampertshausen. Damals lebte in Obermarbach ein Vikar. Bis vor wenigen Jahren wurde die Pfarrei von Jetzendorf aus mitbetreut, seit 1.Mai 1995 gehört es zum Pfarrverband Petershausen...

Erste Kirche
Die Pfarrkirche St. Vitus in Obermarbach steht auf einem kleinen Hügel, 64 Stufen oberhalb des Ortes im ummauerten Friedhof. Sie geht vielleicht noch auf romanische Zeit zurück, ist aber in der Konradinischen Matrikel von 1315 noch nicht erwähnt.

Sicher ist, dass sie in der Gotik (15.Jh) entscheidend umgebaut worden ist.
Aus dem Jahr 1471 gab es 1884 noch einen Jahrtag, gestiftet von der Witwe des Hansen Petzen, mit Namen Katharina. Dieser Jahrtag sollte vom Pfarrer von Lampertshausen oder seinem Vika zu Obermarbach mit 4 Priestern gehalten werden. Dazu hat die Witwe der Kirche zwei Teile des Zehent aus dem Riedenmair-Hof zu Lausham vermacht,

Matrikel von 1524
Dem hl.Vitus war die Kirche schon bei der ersten Nennung des Patronats 1524 in der Sunderndorfers'schen Matrikel geweiht. Dort ist zu lesen: "Dominus Leonardus Frey, Cooperator seu Coadjutor filialis ecclesiae s.Viti in Obermarbach, jure filiali subjectae parochiali in Lampfrizhausen".


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über Obermarbach ("Pfärl Obermorpach") heißt es, dass die Pfarrei von einem Provisor geleitet wurde, der dem Pfarrer von Lamprechtshausen ein Absentgelt zu entrichten hatte. Der bauliche Zustand der Kirche und die Ausstattung waren zufriedenstellend. Der Provisor wurde aber vom Kirchenpfleger nicht gut beurteilt; der Pfarrer trinkht gern und ist sonst unfleißig, erzählte er dem Visitator.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...

Visitationsbericht 1584
Dem Bericht eines Beamten des herzoglichen Rentmeisters über die Visitation der Pfarrei Obermarbach im Jahr 1584 ist zu entnehmen, dass damals im Vikariat Obermarbach 60 Kommunikanten, ein gehorsames Pfarrvolk, lebten. Vikar ist Johann Schüttgabler, seit 12 Jahren in Obermarbach, seit 30 Jahren Priester, zu Passau ordiniert. Der Priester gab auf entsprechende Fragen an, keine Konkubine mehr zu haben. Er habe ihr 50 Gulden als Abfindung gegeben; nun lebe sie mit 6 Kindern in Edelzhausen. Sowohl die Konkubine als auch das jüngste Kind seien blind. Der Visitator schreibt, er habe den Priester ermahnt, sich priesterlich zu verhalten. Hoffentlich hat der Priester dies richtig verstanden und Frau und Kinder nach der Visitation wieder zurückgeholt, wie dies in vielen vergleichbaren Fällen geschehen ist.
  Hinweis: Berichte über das mangelnde Einhalten des Zölibats in früheren Jahrhunderten werden heute teils schockiert, teils belustigt zur Kenntnis genommen. Doch man sollte für die damalige Zeit nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Zwar wurde das Zölibat 1139 für die gesamte kath.Kirche erlassen, doch bis zum 30jährigen Krieg war es jedenfalls bei uns üblich, dass die Pfarrer mit einer Frau zusammenlebten und Kinder hatten. Dies wurde vom Volk anerkannt und vom Bischof (der selbst Konkubinen hatte) toleriert. Erst durch die Reformation, die den evang.Priestern das Heiraten erlaubte, änderte sich die Einstellung. Aber nicht die Bischöfe, sondern die bayerischen Herzöge setzten sich für die Einhaltung des Zölibats ein und sorgten sich um die Erhaltung des rechten Glaubens. Nach dem 1583 vom Papst erlassenen Mandat "Contra Clericos Concubinarios", waren die Landesherren befugt, nach den "Beischläferinnen" der Pfarrer zu fahnden und sie aus den Pfarrhäusern zu vertreiben. Die Visitation 1584 war u.a. eine solche Fahndung. Oftmals zogen die Frauen mit den Kindern für die Zeit der Visitation zu Verwandten.
Den vollständigen Bericht über die Visitation können Sie hier lesen...

Dreißigjähriger Krieg
Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte Obermarbach gelitten. Jedenfalls vermerkte Pfarrer Johannes Baumgartner aus der zuständigen Pfarrei Lampertshausen um das Jahr 1648 "Es sein noch etlich ganz bis in grundt durch den Fendt verbrente brandstätt darunter auch das Vicariathauß und stadl also verwüstet." Die Kirche dürfte aber keinen Schaden erlitten haben; sonst wäre sie sicher in die "Schadensmeldung" mit aufgenommen worden.

1735 war in die Kirche eingebrochen worden, wobei "sowohl das Gemeuer als die Fenster ruiniert worden", wie der Pfarrer Georg Hecherer schrieb. Zwei Tage hätten die Maurer mit der Reparatur zu tun gehabt.

Schmidtsche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel kurz beschrieben. Obermarbach war ein Vikariat (eine gehobene Filiale) der Pfarrei Lampfritzhausen und wurde von dort aus mit einem Vikar besetzt. Der damalige Vikar war seit 1716 Georg Hecher. Er betreute 50 Communicantes (Gläubige) seelsorgerisch. Das Pfarrhaus und die Ökonomiegebäude waren Holzbauten, die einer Renovierung bedürften. Die Kirche selbst habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Vitus geweiht. Auf ihm werde das Allterheiligste im Tabernakel aufbewahrt. Die beiden Seitenaltäre hätten die Muttergottes und die 14-Nothelfer als Patrone. Gottesdienste würden jeden zweiten Sonntag gefeiert. Das Kirchweihfest werde am Sonntag nach dem Fronleichnamsfest gefeiert. In der Sakristei würden hinreichende Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Vikar und der Landpfleger in Kranzberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit gegen 150 Gulden ausmachen".

Nachdem das Gotteshaus 1783 als ruinös eingestuft worden war, hat man es zwei Jahre später,
um das Jahr 1785 in barockem Stil weiter verändert.

1864 brannten fünf Anwesen und das Kirchendach bei einem Großfeuer ab.


Beschreibung 1884

Kirche und Pfarrei Obermarbach sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1884 enthalten, die Anton Mayer u.Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:

Geographie: " Pfarrsitz auf einer Anhöhe gelegen. Die Pfarrei hat 101 Seelen in 15 Häusern". Obermarbach war damals (nach Rumeltshausen) die zweitkleinste Pfarrei im Dachauer Land.
Pfarrei
: "Das Präsentationsrecht hatte früher der Pfarrer von Lamprechtshausen; nachdem Lamprechtshausen nach Steinkirchen eingepfarrt worden war, wechselte das Recht zum Pfarrer von Steinkirchen. Die Kirchenrechnung weist bei 1600 Mark Einnahmen und 112 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1488 Mark aus. Schuldenstand: 2500 Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 60 Tagwerk (= 20 ha) Fläche der Bonität 9. Um 1808 war das hölzerne Pfarrhaus abgebrannt und wieder aufgebaut worden. 1869 wurde es gegen das neuerbaute Wirthshaus vertauscht. Es ist geräumig, passend und und bis auf Küche und Keller auch trocken. Gleiches gilt für die Ökonomiegebäude. Die Matrikelbücher beginnen 1750".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt; Styl gothisch. Die Geräumigkeit ist nicht zureichend. Baupflicht hat die Kirche. Sattelthurm mit 2 kleinen Glocken, welche als Inschrift einen Theil des Ae maria,aber keine Jahrzahl tragen.3 Altäre,davon 2 portatile (=ohne Altarstein). Orgel nicht vorhanden. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche. Stiftungen: 8 Jahrtage und 15 Jahrmessen. Den Meßnerdienst versieht ein Weber des Ortes. Wegen Mangels einer Orgel auch kein Cantor aufgestellt. Kirchenvermögen: 5.700 Mark".

 Renovierungen fanden in letzter Zeit 1903-1905 durch Pfarrer Glas, 1934 durch Pfarrer Kottmayr, 1951/52 durch Pfarrer Klupack und 1979-1984 durch Pfarrer Spreng aus Jetzendorf statt.

Baubeschreibung
Die Kirche hat einen gering eingezogenen, zweijochigen Chor, der in drei Achtelseiten schließt. Er wird außen durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler (siehe rechts) gestützt. An der Ostseite ein zugemauertes Fenster.
Das Langhaus ist mit einem Joch kaum länger als der Altarraum. Südlich des Chors in der Ecke zum Turm ist die Sakristei angebaut. 
Der Eingang befindet sich an der Südwestseite unter einem Portalvorbau an der Westseite der Kirche.
Der fünfgeschossige Sattelturm mit quadratischem Grundriss steht an der Chorsüdseite. Er dürfte im Zuge der Gotisierung nach 1450 neu errichtet worden sein. Der Turm ist durch Ecklisenen und Blenden sowie durch horizontale Wandvorlagen gegliedert. Er besitzt gedoppelte, rundbogige Schalllöcher.

Im Turm hängen zwei Glocken. Eine davon wurde 1949 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen. Sie trägt die Aufschrift "Beatae Virginis Mariae" und hat einen Durchmesser von 75 cm. Sie ist auf den Ton h' gestimmt und wiegt 210 kg. Das Herstellungsdatum der anderen, älteren Glocke, ebenfalls mit einem Durchmesser von 75 cm, ist nicht bekannt; es könnte sich aber um die vor dem 1.Weltkrieg noch beschriebene Glocke aus dem Jahr 1550 handeln. Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....

An der südl.Außenwand ist ein Wandkreuz unter einem dreieckigen Schutzdach mit Seitenstreifen angebracht. Es stammt aus der Zeit um 1900. Der Korpus zeigt keine Blutspuren (mehr ?). Auch eine Dornenkrone fehlt.
  Hinweis: Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters, hat in ihren Offenbarungen geschrieben, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden.


Grabdenkmäler (Epitaphe) an den Außenwänden erinnern an ehemalige Geistliche:
Epitaph für Andreas Sedlmair, heller Marmor, oben Kelch mit Hostie auf Bibel. Text auf dem Epitaph:
Unvergessen ruht hier HH Andreas Sedlmair von hier, Expositus in Oberdarching, gest. am 6.Juni 1936 im 19.Priesterjahr und im 44.Lebensjahr
R.I.P. (=Requiescat in Pace) Ich weiss, dass ein Erlöser lebt"
Epitaph für Johann Glas, weißer Marmor, oben Kelch mit Hostie. Text auf dem Epitaph:
"Hier ruht der hochwürdige Herr Johann Ev. Glas, Pfarrer und Dekan dahier, 1880 - 1914, geb.zu Neufahrn 24.10.1840, gest.zu Obermarbach 17.2.1914, im 42.Priesterjahr.
Allhier lieg ich und wart auf Dich, drum bete, bet für mich
R.I.P."
Ein weiteres Epitaph aus Solnhofener Stein, von dem ich kein Bild habe, erinnert an Pfarrer Aloys Klee, der vom 6.März 1819 bis 10.Juni 1848 gelebt hat.
Text: "Ruhestätte des Hochwürdigen Hochgeehrten Herrn Aloys Klee gew.Pfarrers dahier, geb. in Gundelfingen,
den 6ten Merz 1809, welcher nach kaum zweijähriger Pastorisierung dieser Pfarrey als 13 jähriger Priester,
voller Ergebung in den heil.Willen Gottes am 10.Junj 1848, nachmittags 3 Uhr, am heil.Pfingstabend in seliger Hoffnung dahier starb.
Dank und Liebe folgte Ihm nach. Mit Friede und Seligkeit löhne Ihm der Herr, Amen.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

 

Innenausstattung

Altarraum /Chorraum

Im gering eingezogenen, zweijochigen Chor ist mit einem spätgotischen Netzgewölbe überdeckt. Die Gewölberippen haben einen birnenförmigen Querschnitt und münden in einen runden Schlussstein ; an den Wänden stützen sie sich auf Konsolen. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.

  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).
Der Altarraum schließt mit drei Seiten eines Achtecks und wird durch zwei Fenster auf der Nordseite erhellt.

Choraltar

Der spätbarocke Hochaltar von 1730 ist mit vier glatten Säulen und reichem Schnitzwerk geschmückt. Sein Holz ist rot und grau marmoriert, d.h. mit dem Muster einer Marmormaserung bemalt. Er ist raumhoch und 2 1/2 Meter breit. Auf dem von den Säulen getragenen Gebälk stehen Ziervasen.
In der Mittelnische des Altars hängt das Altarblatt (ebenfalls von 1730). Das Ölbild (auf Leinwand) zeigt den Kirchenpatron, den hl. Vitus beim Martyrium. Er sitzt im Kessel mit heißem Pech. Die Henker entfachen ein Feuer. Auf Gewölk hatten zwei Engel den Siegeskranz und die Märtyrerpalme bereit.
Über dem Altarblatt eine Inschriftenkartusche mit dem Text "St.Vitus".
Auf den halbrunden Postamenten zwischen den Säulen stehen als Assistenzfiguren die beiden Pestheiligen Rochus und Sebastian, beide aus dem 17.Jh.
Der hl.Rochus in Pilgerkleidung weist mit seiner Hand auf die Pestbeule am Oberschenkel. Der hl.Sebastian steht, von fünf Pfeilen durchbohrt, am Marterbaum, an einem astlosen Baumstumpf.
  Hinweis: Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel), zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet.
Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Den oberen Abschluss des Altars stellt der Auszug mit seitlichen Voluten und rocailleartigen Ornamenten, die zusammen die Form eines Dreiecks bilden. Auf den Voluten sitzen Engel. Im Auszuggemälde (Öl auf Leinwand) wird die Muttergottes in einer Maria-Hilf-Darstellung mit einer halbplastisch hervortretenden Krone aus Silber dargestellt. Die Darstellung ist dem Passauer Mariahilfbild nachgebildet, dessen Original von Lucas Cranach d.Älteren stammt. Mehr zum Passauer Mariahilfbild hier...
Der neubarocke Tabernakel wurde nachträglich um 1900/10 eingebaut. Er besteht aus Holz, ist hellrot marmoriert und besitzt eine vergoldete Ornamentik. Seitlich sind zwei Voluten angefügt. Gekrönt wird er durch eine vergoldeten Rocailleaufsatz.

 

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Hinter dem Hochaltar steht ein alter dreiteiliger Beichtstuhl mit offenen, sehr abgeschrägten Seitenteilen, die auch bei engen Verhältnissen einen problemlosen Zutritt erlauben.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls.
  Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt.Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


Figuren und Gegenstände an der Wand des Altarraums

Die älteste Skulptur ist eine halbfigurige St.-Vitus-Darstellung, die sich an der Südostwand im Chor befindet und aus der Zeit um 1530 stammt. St.Vitus mit flacher Haube und in ein grün-rotes Gewand gekleidet, sitzt auf einer Bank und hält in der Rechten einen Märtyrerpalmzweig. Es ist eine der wenigen Darstellungen des Heiligen ohne Ölkessel.


Hinweis: Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen.
  Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer. Vitus ist Patron für 30 Krankheiten. Bekannt ist der Veitstanz, Chorea, eine Nervenkrankheit mit ungewollten, spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem bedingt sind. Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete.


Kreuzigungsgruppe

An der Nordseite hängt ein großes Kruzifix mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden (um 1890). Es handelt sich um einen sog. Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen und mit nur einem Nagel befestigt, wiedergegeben.

Unter dem Kruzifix steht die Figur einer trauernden Muttergottes (Mater dolorosa) aus der gleichen Zeit. Das sonst bei ähnlichen Darstellungen vorhandene Schwert der Schmerzen fehlt hier.

  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber (hier in Obermarbach schräg gegenüber) an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Das Chorgestühl an der südlichen Seite des Altarraums besteht aus einer Bank mit Kassettenfüllungen neueren Datums. Alt sind noch die Wangen der Stühle mit Frührokokoschnitzereien.
Neben dem Chorgestühl ist der Eingang zur Sakristei. Dort hängt die Chorglocke oder Sakristeiglocke, die mit einem roten Zugband zum Klingen gebracht wird. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten bei Beginn der Messfeier die Sakristei verlassen und den Chor betreten.

Prozessionslaternen
Am Chorgestühl sind die Prozessionslaternen befestigt. Auch sie stammen aus der Zeit um 1890. Eine Laterne ist im barocken, die andere im neugotischen Stil gearbeitet. Beide bestehen aus Messing und sind mit Ofenrohrlack überstrichen.

Taufbecken

Das neugotische Taufbecken aus der Zeit um 1890 besteht aus blau und braun gefassten Holz. Es steht auf einem schmalen, achteckigen Fuß. Das ebenfalls achteckige Becken erweitert sich nach oben und ist mit geschnitztem, farbig gestalteten Maßwerk verziert. Auf dem sich verjüngenden Deckel sitzt ein Kreuz.
  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte,
  begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.

Kanzel

Die auf einem verzierten Holzständer errichtete Kanzel ist ebenfalls neugotisch. Sie ist in den Farben braun, rot und blaugrau gefasst. Das Schnitzdekor ist vergoldet. Auch die Kanzel ist mit dem für den neugotischen Stil so typischen Maßwerk und Schablonenmalerei verziert. An der Rückwand ist eine Türe eingelassen; seit der Verkleinerung des Sakristeigebäudes bei einer der letzten Renovierungen ist die Kanzel aber nur noch über eine Zugtreppe in der  Sakristei erreichbar. Der Schalldeckel ist einen zehnstrahligen Sterngewölbe nachgebildet. Er wird gekrönt durch einen Aufsatz mit Kreuzblume.
Die heutige Kanzel ersetzte ein früheres Werk von Anton Herzensfroh aus dem Jahr 1785.

  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Am polygonalen Kanzelkorb sind in Reliefs die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt: Matthäus mit einem Menschen oder Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.
  Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Zelebrationsaltar
Der Zelbrationsaltar besteht aus einem Steinblock, in den an der Vorderseite die Reliquien eingebettet sind. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das
  hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ewig-Licht-Ampel

Über dem Zelebrationsaltar hängt am Chorbogen die Ewig-Licht-Ampel. Sie besteht aus versilbertem Messing mit Verzierungen in Treibarbeit (von der Rückseite aus gehämmert) und wurde um das Jahr 1900 erstellt.

  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das Kirchenschiff wird von einer barocken Flachdecke über einer Hohlkehle überspannt. Einziger Schmuck ist eine mit rosa Farbe abgesetzte, umlaufende Profilleiste. Die unteren Teile der Wände haben eine verstärkte Mauerdicke, die auf verbliebene Reste eines Vorgängerbaues (vor dem 15.Jh) hindeuten.

Seitenaltäre

Die beiden die 160 cm breiten Seitenaltäre wurden von der Mayerschen Kunstanstalt, München, im Jahr 1868 im damals modernen neugotischen Stil gefertigt. Sie ersetzten die 1785 von Simon Mayr (andere Quelle: von Anton Herzensfroh) erstellten und von Maler Joseph Neher aus Biberbach gefassten Altäre. Wegen der geringen Breite der Kirche stehen Seitenaltäre fast parallel zur Außenwand; damit beeinträchtigen sie nicht die Sicht zum Hochaltar. Die Altartische sind mit Holz und vergoldeten Rahmenleisten verkleidet. An den Predellen sind vergoldete Stab- und Maßwerkblenden und Schablonenmalerei zu sehen. Die Altaraufbauten sind typisch neugotisch, mit krabbenbesetzten Fialen und spitzbogigen Giebeln (Wimperg). An den Seiten haben sie Blattranken-Schnitzereien; gekrönt werden sie durch ein aufgesetztes Kreuz.

Linker Seitenaltar
Am linken Seitenaltar sind vor einem Hintergrund mit Schablonenmalerei die Muttergottes und die 14 Nothelfer in einem bunt gefassten Relief dargestellt. Im Auszug sitzt ein Engel.
Im Relief sitzt Maria mit dem Jesuskind auf einer Wolke im hinteren Bereich. Um sie herum gruppieren sich die 14 Nothelfer, von denen viele ihr Attribut mit sich führen und daran zu erkennen sind. Die Nothelfer waren beim einfachen Volk sehr belieb und entsprachen häuslichem Zweckdenken. Jeder Heilige war Schutzpatron für genau umgrenzte körperliche und seelische Nöte.
Links oben in Ritterrüstung mit Speer in der Hand, der hl.Georg, angerufen gegen Seuchen der Haustiere.
Darunter St. Panthaleon, dem die Hände auf den Kopf genagelt sind (Patron der Ärzte und Helfer gegen Kopfweh).
Davor der hl. Vitus mit einem Märtyrerpalmzweig in der Hand. Er wird bei Veitstanz angerufen und ist zugleich Schutzpatron gegen das Bettnässen.
Daneben steht der Hl.Dionysius, sein eigenes abgeschlagenes Haupt auf einem Buch tragend, - angerufen gegen Kopfschmerzen
Links unten hält Bischof Erasmus eine Ankerwinde in Händen. Er war ursprünglich Patron der Matrosen. Doch sein Attribut wurde bei uns als Marterinstrument missverstanden. Da er angeblich durch Herausspulen der Gedärme den Tod fand, wurde er folgerichtig zum Nothelfer bei Bauchschmerzen.
Neben ihm St. Blasius, ebenfalls in Bischofsornat, mit zwei Kerzen in der Hand (heilte ein Kind, das eine Gräte verschluckte), angerufen gegen Halsleiden.
Unten in der Mitte sitzen bzw. knien die drei heiligen Madl:
Links die Königstochter St.Katharina mit den Marterinstrumenten Schwert und Marterrad (angerufen gegen Zungenleiden und Sprachschwierigkeiten
neben ihr St.Barbara mit Turm und Kelch (sie war in einen Turm gesperrt; der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion). Sie half als Patronin der Sterbenden.
vor ihr kniet St.Margarete mit Kreuz und Drachen (ihr erschien der Teufel = das Böse in Gestalt eines Drachen). Sie ist Helferin bei Geburt und gegen Unfruchtbarkeit.
rechts außen der hl.Cyriakus mit Buch als Exorzismus-Text (er heilte die besessene Tochter Kaiser Diokletians). Er ist
ist Patron der Zwangsarbeiter und wurde angerufen bei schwerer körperlicher Arbeit; gegen Versuchung und böse Geister,
darüber der St.Achatius mit Buch und einem verdorrten Zweig in den Händen, der in Todesängsten und ausweglosen Lagen angerufen wird. Darüber steht der junge St.Ägidius mit einer Hirschkuh. Als Einsiedler nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Wegen eines angeb. Wunders im Zusammenhang mit der Beichte von Karl d.Großen gilt er als Beistand einer guten Beichte und Vergebung. Dahinter und darüber sieht man St.Eustachius mit dem Kopf eines Hirschen, der ein Kreuz zwischen dem Geweih trägt. Er wird in allen schwierigen Lebenslagen angerufen. Ganz oben rechts der hl. Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter (angerufen gegen unvorbereiteten Tod).

Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. Seine Figur (mit dem Jesuskind auf dem Arm) wird assistiert von einer Statue des hl. Aloisius mit einer Lilie in der Hand und der des hl. Franz Xaver in dunkler Mönchskutte.
Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.
  Hinweise: Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.
Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten.Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag:3.Dezember).

ZelebrationsaltarZelebrationsaltarZelebrationsaltarZelebrationsaltarZelebrationsaltarApostelleuchterKreuzwegstationenEwig-Licht-AmpelKirchenbank-WangenKirchenbank-WangenKreuzwegstationenApostelleuchterOpferstocknördlicher SeitenaltarRechter  (südlicher) SeitenaltarZelebrationsaltar
Kreuzwegbilder
Die 14 Bilder der Kreuzwegstationen, die konzentriert an der Emporen-brüstung und an der Rückwand angebracht sind, sind noch im Rokokostil gehalten. Sie sind mit Ölfarben auf Holzuntergrund gemalt. Die Profilrahmen sind marmoriert.

Auf die Bilder sind Volutentafeln mit den Stationsnummern aufgesetzt. Es könnte sich um die Bilder handeln, die die Pfarrersköchin 1773 gestiftet hat.

Apostelleuchter

Sehr chön sind auch die schmiede-eisernen Apostelleuchter im neuromanischen Stil mit den als Fresko an die Wand gemalten Apostelkreuzen.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern
an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Empore

Die Empore mit ihrem geschwungenen Treppenaufgang besitzt eine gerade, weiß verputzte Brüstung. Eine Orgel ist nicht vorhanden. Der Gesang der Kirchenbesucher wird mit einem Harmonium begleitet. 


Portal und Opferstock
Die Eingangstüre aus Eichenholz auf der Westseite ist zweiflügelig. Sie besitzt noch alte, schwere Beschläge aus Schmiedeeisen.
Eine Besonderheit, die im Landkreis Dachau sogar einmalig ist, ist der in die Türe eingebaute Opferstock aus dem Ende des 17.Jh, in den eine Spende auch bei geschlossener Kirchentüre eingeworfen werden kann.

Hans Schertl


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Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichts Kranzberg, Amperland 1987/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Elisabeth Mecking und Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
38 Bilder: Horst Lachmann (1), Hans Schertl (37)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

19.1.2009