zur Landkreiskarte                Kirchen i.d. Gem.Petershausen


Filialkirche St. Stephan in OBERHAUSEN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Adresse: 85238 Petershausen, Oberhausen 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 
Geschichte

Die Ortschaft Oberhausen wird 1037 als "Rutpreht de Operanhusen" erstmals urkundlich erwähnt. Man nimmt aber an, dass Ort und auch Kirche noch wesentlich älter sind. In den Urkunden der Grafen von Ebersberg taucht Oberhausen erstmals um die Jahrtausendwende als bedeutender Ort auf 08).

Die Kirche St.Stefan in Oberhausen gehört heute zur Pfarrei Steinkirchen (Lkr. Pfaffenhofen). In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird sie als Filiale der Pfarrei Haunstetten ("Hausstetn cum Obernhausen") beschrieben. 01)In der Barockzeit wurde noch der hl. Georg als Kirchenpatron verehrt.

Aus dem 18.Jh. sind mehrere Handwerker bekannt, die Reparaturen durchgeführt haben:
- 1740 lieferte Zimmerer Falbermayer 07) aus dem Ort drei Ante-
   pendienrahmen für die Altäre und drei doppelte Stollen geliefert.
- 1766 führte Maurermeister Johann
   Rößle 05)aus Hohenkammer eine
   Kirchenreparatur durch, unterstützt
   vom Zimmermeister Michael Däbl aus
   Obermarbach 07)
- 1771 erstellte der Bildhauer u. Kistler    Anton Herzenfroh 06)eine Kanzel
   (um 67 fl. ) sowie -ein Jahr später-
   zwei Heiligenfiguren von St.Georg und
   St.Leonhard auf Postamenten. Zudem    besserte er die Altäre und möglicher-
   weise die Kirchenstühle aus.

-  1775 deckte Zimmermeister Michael Öckhl aus Obermarbach den
    Turm neu (Kosten: 59 Gulden 59 Kreuzer). Öckhl ist auch von
    Arbeiten an den Kirchen von Mühldorf, Johanneck, Herrschenhofen
    u. Pelka bekannt. 07)

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Steinkirchen als Nebenkirche auch St.Stephanus in Oberhausen enthalten: Im Dorf wohnten damals 52 Seelen (in 8 Häusern). Die Wege zur 1 km entfernten Pfarrkirche seien meist gut, links und rechts der Ilm aber hügelig, schreibt Westermayer. Und weiter über die Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt. Das Presbyterium mit schönem gothischen Gewölbe, das Langhaus styllos. Baupflicht hat die Kirchenstiftung. Kupppelthurm mit 2 kleinen Glocken. 3 Altäre ohne Altarsteine. Gottesdienste am Feste des hl.Georgius und des hl.Leonhard, wenn sie nicht auf einen Sonntag fallen. Stiftungen: 1 Jahrtag, 2 Jahrmessen, Meßner ist ein Bauer. Kirchenvermögen: 2.200 Mark". 02)


Baubeschreibung


6-geschossiger Turm

Der schindelgedeckte Zwiebelturm ist südlich am Chor angebaut. Er dürfte erst nach 1450 errichtet worden sein. Dabei wurde wahrscheinlich der frühere Turm auf der Ostseite über dem Altarraum abgebrochen und der Chor umgebaut.
Der Turm ist in den unteren drei Geschossen viereckig: Die Geschosse sind durch ein ziegelgedecktes und zwei schindelgedeckte Gurtgesimse getrennt.
Die oberen drei Geschosse sind achteckig. Sie sind durch runde und ovale Öffnungen sowie rundbogige Schallfenster und Blendfenster sowie durch akanthusverzierte Ziffernblätter der Turmuhr geschmückt.

Im Turm hängen zwei kleine Glocken, die zu den ältesten des Landkreises Dachau zählen.
— Die größere davon trägt die Inschrift "paulus anno d. MCCCCXII" (1412). Sie ist auf den Ton h''
   (andere Quelle: b") gestimmt und besitzt einen Durchmesser von 41 cm. Diese Glocke dürfte aus
    der Werkstatt des Münchner Gockengießers Paulus stammen.
— Die kleinere Glocke berichtet uns in gotischen Minuskeln IHS nacarenus rex ludeorum anno domini
    MCCCCLXIII" (1463). Sie klingt mit dem Grundton e''' und hat einen Durchmesser von 39,5 Zentimetern.
Vom Glockengeläute gibt es im Internet eine Tonaufnahme 09): klicken Sie hier...

Der im Kern noch romanische Bau besitzt einen quadratischen Chor, der möglicherweise zu einer früheren Chorturmkirche gehörte. Das Bodenniveau des Chores ist erhöht.
An der dem Altar zugewandten Ostseite des Chorbogens sind in einem freigelegten Wandgemälde ein Kruzifix, links und rechts davon ein Mann und eine Frau, vermutlich Stifterfiguren, undeutlich erkennbar. Ein weiteres Fresko (Christus?) wird an der Wand östlich des Choraltars unter der Tünche vermutet werden.

Der Kirchenraum wird durch barocke Ovalfenster erhellt. Sie haben runde und ovale Formen, wie man sie kaum mehr im Landkreis findet.
Der Chor schließt gerade. An der Ostseite befinden sich kleine Lichtschlitze, von denen einer eine (umgekehrte) Schießschartenform besitzt.


runde und ovale Fenster

Die Sakristei wurde 1713 errichtet.
Der Eingang zur Kirche befindet sich an der Langhaus-Nordwestseite.


Innenausstattung


Choraltar
Der Choraltar ist eine Gemeinschaftsarbeit von Andreas
Ströber aus Kranzberg 03), Bildhauer Anton Mallet aus Freising und dem Fassmaler Thaddäus Karpf aus Kranzberg (Karpf war auch in der Kirche von Mittermarbach künstlerisch tätig) 04). Auf dem von August Priller (1876-1972) aus Pfaffenhofen um 1925 gemalten Altarbild wird Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Zu beiden Seiten des Bildes stehen die Figuren der Heiligen Stephanus und Georg, die ebenfalls von Anton Mallet aus Freising gefertigt worden sind. In dem runden Auszugsgemälde darüber findet sich eine halbfigurige Darstellung der hl. Barbara aus der Zeit um 1925.

Seitenaltäre
Das Gemälde im linken Seitenaltar zeigt einen sogenannten Hl. Wandel, das ist eine Darstellung der hl. Familie in der Horizontale, die wiederum zusammen mit der Hl. Dreifaltigkeit in der Vertikale eine Einheit bildet. Im Auszug darüber ist der hl. Georg zu sehen.

Das Gemälde im rechten Seitenaltar stellt den hl. Leonhard dar und ist signiert von "A Priller 1922", dem bereits genannten Pfaffenhofener Maler, der auch das Hochaltarbild gemalt hat. Im Auszug ist wiederum der beliebte Bauernheilige Leonhard abgebildet.


Im Jahr 2015 wurde am Karfreitag erstmals ein Heiliges Grab aufgestellt. Wenn Sie ein Bild davon sehen möchten, klicken Sie hier...


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
03) Max Gruber, Kistler, Schreiner u. Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Ströber)
04) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Maler, Amperland 1982 (Karpf)
05) Max Gruber, Für Dachau und die Umgebung bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Rößle)
06)
Max Gruber, Kistler, Schreiner u.Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Herzenfroh)
    
Der Bildhauer u. Kistle  Anton Herzenfroh aus Kollbach lieferte 1771 eine Kanzel für Oberhausen (um 67 fl. ) sowie 1772
    zwei Heiligenfiguren von St.Georg und St.Leonhard auf Postamenten. Zudem besserte er in Oberhausen die Altäre und
    möglicherweise die Kirchenstühle aus.
Bekannt ist zudem, dass er um 1784 in Obermarbach tätig war und hier hier
    Seitenaltäre und ebenfalls eine Kanzel erstellte.

07)
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (
Däbl, Öckhl, Falbermayr )
08)
Dr. Günther Flohrschütz, Hochmittelalterliches Herrenleben im alten Amperland, Amperland 1991/2
09) http://www.glockenklaenge.de/orte/bay/index.html, 2014-10-30 (Glockenläuten)

4 Bilder: Horst Lachmann (2), Hans Schertl (2)

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17.3.2018