zur
Landkreiskarte
Kirchen i.d.Marktgem.
Altomünster
Filialkirche St.Nikolaus in KIEMERTSHOFEN
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Kiemertshofen, zwischen Altomünster und Adelzhausen gelegen, wurde erstmals um 1260 als "Kunegundeshoven" urkundlich erwähnt. Der Name, der sich im Laufe der Zeit bis zur Unkenntlichkeit zu Kiemertshofen abgeschliffen hat, bedeutet "Hof der Kunigund". Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich bei dieser Kunigunde um die später heilig gesprochene Kaiserin Kunigunde (1002-1025) handelt, die Kiemertshofen dem Kloster Kühbach geschenkt haben könnte. Im 16.Jh wurde die Ortschaft Khümenshouen genannt. Früher führte an Kiemertshofen eine alte Römerstraße vorbei. Das 513 m hoch gelegene Kiemertshofen ist eine Filiale der Pfarrei Tödtenried und gehört zum Bistum Augsburg. Seelsorgerisch wird es von Adelzhausen aus betreut. Früher war wohl auch ein kleiner Friedhof vorhanden. Kiemertshofen war aber nie eine eigene Pfarrei.
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Um
den 18 m hohen, durch Lisenen in 4 Abschnitte gegliederten Sattelturm
reparieren zu können, wurde 1888 eine außerordentliche Holzfällung im Gemeindewald
durchgeführt.
Eine der beiden jetzigen Glocken
stammt von 1779. Sie überstand die Glocken-Einschmelzaktion von 1942, obwohl
damals alle Glocken abgeliefert werden mussten, die nach 1750 gegossen wurden.
(eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....).
Die letzte Renovierung fand
2001 ihren Abschluss.
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Innenausstattung Der nur wenig eingezogene Altarraum ist mit einem gotischen Gewölbe und tiefen Stichkappen überdeckt. Die Decke ist weiß getüncht. Mesner Simon Asam kann sich aber noch erinnern, dass sich früher dort ein Fresko mit einer Darstellung von Gottvater und dem Heiligen Geist befand. Der hochbarocke Choraltar aus der Zeit um 1700 ist das Schmuckstück der Kirche.
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![]() Vergrößerung von 9Details Altäre und Figuren) per Mouseklick |
| Hinweise: Silvester
I. war der Papst, unter dem im Jahr 313 das Christentum Staatsreligion
wurde. Der Kopf eines Stiers zu seinen Füßen geht auf die Legende
von einem Streitgespräch mit zwölf jüdischen Rabbinern zurück.
Einer der gelehrten Juden tötete einen Stier, um ihn sofort wieder
zum Leben erwecken und so die Kraft seines Glaubens beweisen könne;
was dem Rabbiner aber misslang, konnte Silvester sofort vollbringen, worauf
die Rabbiner sich sofort taufen ließen. Wolfgang war im 10.Jh Bischof von Regensburg. Zwischendurch lebte er einige Jahre als Einsiedler am nach ihm benannten Wolfgangsee in Österreich. Das Kirchenmodell erinnert an die Schwierigkeiten, die der Teufel dem St.Wolfgang beim Kirchenbau am Wolfgangsee bereitete. |
| Im Altaraufsatz zwischen den gesprengten Volutengiebeln mit darauf sitzenden Engeln ist ein Madonnenbild nach Art des Passauer Maria-Hilf-Bildes angebracht. | Mehr über das Passauer Maria-Hilf-Bild erfahren Sie hier... |
Figuren im
Altarraum
An den Chorwänden stehen zwei kleinere Figuren der Heiligen Leonhard mit großem Kopf und und Sebastian. Die Figur von Leonhard hält eine Viehkette und einen Abtsstab in der Hand; um den etwas zu großen Kopf ist ein vielstrahliger Heiligenschein angebracht. Der noch sehr jugendliche Sebastian ist an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt.
| Hinweis: Leonhard (in
Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und
später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die
Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre
Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die
in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man
bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron
der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten
deutete. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
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Türschloss
| Die Türe, die
von der Sakristei in die Kirche führt, besitzt noch ein schönes
altes Türschloss. Weitere alte Türschlösser an den Kirchen des Landkreises Dachau finden Sie hier... |
| Am Chorbogen hängt eine Rosenkranzmadonna. Maria mit Krone und Szepter hält auf ihrem linken Arm Jesus. Ihr Fuß steht auf der von Wolken umgebenen Sichel des Mondes. | Die Figuren sind umgeben von einem großen Rosenkranz, der aber nicht ganz korrekt wiedergegeben ist, weil er nur vier statt fünf Gesätze (jeweils 10 silbernen Avekugeln und 1 goldenen Paternosterkugel) enthält. |
| Eine Zusammenstellung von Rosenkranzmadonnen-Darstellungen in den Landkreiskirchen finden Sie hier... |
Kirchenschiff
Das Langhaus besitzt eine Flachdecke. Sie ist nicht bemalt.
Seitenaltäre
Auch die schmalen Seitenaltäre stammen
aus der Zeit um 1700. Sie sind von einfacherer Konstruktion als der Hochaltar.
Linker
Seitenaltar
| Der linke Seitenaltar
ist der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt ist eine sitzende Muttergottesfigur
aus spätgotischer Zeit umgeben von einem Strahlenkranz vor blauem Hintergrund
dargestellt. Die gekrönte Maria hält in ihrer linken Hand ein
Szepter. Auf ihrem Schoß sitzt Jesus, der segnend seine Rechte hebt.
Unter der Marienfigur steht eine Halbfigur des hl. Stefanus im kurzärmeligen Gewand der Diakone mit Buch und Steinen.Dabei dürfte es sich um ein Werk des Friedberger Bildhauers Johann Christian Eberle von um 1735 handeln. Der Diakon Stefanus wurde um die Jahre 36-40 vor dem Damaskustor in Jerusalem wegen Gotteslästerung gesteinigt. |
Rechter Seitenaltar
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Am rechten Seitenaltar ist Christus als der Weltenrichter dargestellt. Jesus wird von zwei Engeln begeleitet, die eine Seelenwaage und ein Flammenschwert halten. In der Predella steht die Halbfigur des hl.Laurentius mit Buch, Schlüssel, Märtyrerpalmzweig und Rost in den Händen. Auch diese Figur stammt von Christian Eberle. |
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Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius den Schlüssel zu diesem Schatz nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Stephanus und Laurentius gelten als die Stadtpatrone von Rom, seitdem wurden die beiden Heiligen häufig -so wie in Kiemertshofen- zusammen dargestellt. Die immergrünen Blätter des Palmzweigs symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit. |
![]() Vergrößerung von Details (Kreuzwegbilder und Bilder auf der Rückseite der Empore) per Mouseklick |
Kruzifix
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| Unter dem Missionskreuz steht die Figur einer schmerzhaften Muttergottes. Bei dieser Figur fehlt das sonst übliche Schwert in der Brust (als Sinnbild für die Schmerzen). |
| An der rechten Seitenwand steht eine Figur des hl.Petrus mit mit langem schwarzen Bart und einem großen Schlüssel in der erhobenen Hand.Dieser sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, hat den Heiligen im Brauchtum zum Himmels-pförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden.Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. |
Unter dem Chorbogen sind zwei Vortragekreuze befestigt.
| Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh. |
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Die aus Holz geschnitzten
Kreuzwegbilder wurden
erst vor wenigen Jahren angebracht. Sie ersetzten ältere gemalte
Bilder.
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Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... |
| An einer der 16 Kirchenbänke
im Langhaus hängt der kleine, massive Opferstock
mit zwei Vorhängeschlössern. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. |
| Die Empore wird durch zwei Pfeiler gestützt. Eine Orgel ist nicht vorhanden. Die Emporenbrüstung ist nach vorne lediglich durch 3 rosa Felder verziert. Eine Besonderheit sind aber die Holzbretter auf der Rückseite, die zur Verstärkung der Brüstung angebracht wurden. Auf ihnen sind die 12 Apostel dargestellt. Leider werden die Gemälde an dieser Stelle zwangsläufig abgeschabt. Einige der Brettergemälde sind nur noch teilweise erhalten; andere wurden sogar kopfüber angebracht. |
Die Pfarreiengemeinschaft Adelzhausen, zu der
die Pfarrei Tödtenried und damit auch Kiemertshofen gehört, hat eine
eigene Homepage (www.kirche-adelzhausen.de). Dort können Sie sich über
Gottesdienstzeiten und sonstige Aktivitäten der Pfarreien informieren.
Klicken Sie hier....
Hans Schertl
Quellen:
Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Dr.Wolf-Arnim Frhr.v.Reitzenstein, Miszelle zur Namenskunde, Amperland 2003/1
Simon und Kreszenz Asam, Mesner, 2003
Dachauer Nachrichten vom 9.5.2005
25 Bilder: Hans Schertl (2002, 2003)
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17.3.2010