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Herrenchor
in der Klosterkirche ALTOMÜNSTER

Altarblatt: Katharina von SchwedenLinker SeitenaltarDer Hauptaltar im HerrenchorZur Beschreibung des Altarraums für Laien


B
eschreibung

Der fast 60 m lange Kirchenraum in Altomünster beeindruckt wegen der interessante Raumperspektiven, die sich durch die Anordnung der vier kunstvoll hintereinander gelagerten Innenräume ergeben:

Dem Vorhaus und dem großen achteckigen Hauptraum folgen der sog. Beichtraum mit darüber liegendem Frauenchor und dem Altarraum. Hinter dem Altar liegt - ein Stockwerk höher- der Herrenchor.

Der früher für die Mönche bestimmte Herrenchor befindet sich hinter dem Halbrund der drei Altäre und bildet den östlichsten Raum der Kirche. Er liegt aber ein Stockwerk höher und kann vom normalen Kirchenraum aus weder eingesehen noch betreten werden.

Diese Platzierung hinter dem Hochaltar war im Barock meist bei strengen Orden üblich, wo auf solche Weise der Konventchor aus dem offenen Gesamtblick zurückgezogen wurde, doch dem Sanctissimum nahe blieb. 113)

HerrenchorAltarraumBeichtraum Hauptraum

"Außerhalb des Herrenchors steigt der Naturboden weiter an, die Kirche furcht sich ins Erdreich ein, die Gewölbescheitel aber senken sich dem Gelände entgegen", schreibt Norbert Lieb, und weiter: "Der (Herren)Chor liegt dem Erdboden nach, aber Aussicht ins Freise ist ihm verwehrt; so wird die Weltbezogenheit des Herrenkonvents wieder ausgeglichen. 113)


Geschichtliches

Einen Herrenchor, einen Raum, der den Mönchen vorbehalten ist, gab es schon in der Vorgängerkirche des heutigen Gotteshauses. Notwendig war er geworden, als 1497 der Birgittenorden das Kloster von den Benediktinerinnen übernahm. Der Herrenchor und sein Pendant, der Frauenchor, sind Ergebnis der Besonderheit des Birgittenordens, bei dem Mönche und Nonnen zwar in einem Kloster wohnen und in einer Kirche ihre Gebete verrichten, sich aber möglichst nicht begegnen dürfen. Deshalb haben sie bei ihren täglichen Chorgebeten getrennte Chorräume genutzt.
Die Nonnen in Altomünster hatten sich schon von Anfang an, also ab 1488/97, ihren Frauenchor in ein zusätzlich eingebautes Zwischengeschoss einbauen lassen.
Die Mönche beteten und sangen im Herrenchor. Wo der in den ersten 120 Jahren des Birgittenordens in Altomünster lag, lässt sich nicht zuverlässig feststellen. Zur Auswahl stehen der bisherige Chor der romanischen Basilika, den vorher die Benediktinerinnen genutzt hatten oder der östliche Anbau an die Kirche, der auf Bildern aus dem 17.Jh. mit querovalen Fenstern (sog.Ochsenaugen) zu erkennen ist.
Manche Historiker glauben, der Anbau stamme aus der Zeit um 1488/97, als der Birgittenorden Altomünster übernahm, andere sind der Überzeugung, dass er erst im Rahmen des großen Umbaus 1613/19 errichtet wurde. Archäologen geben dem späteren Zeitpunkt den Vorzug. Jedenfalls wurde beim Neubau der Kirche 1763 die nach Tiefe und Höhe gegliederte Doppelteiligkeit des Ostchors erhalten.

Innenausstattung


A
ltäre im Herrenchor

Im Herrenchor stehen vier Altäre frei im Raum.

Drei davon
sind nach Westen gewandt. Sie sind vom Kirchenschiff und dem Laienchor aus über dem Tabernakelaltar zu sehen und wirken wie die Hauptaltäre der Kirche. Hier kommt der Barockgedanke sakraler Bühnenwirkung des Hochaltars und seiner an eine Konzelebration erinnernden Nebenaltäre zu höchster Wirkung.

Die dargestellten Themen auf den Altarblättern weisen auf den Birgittenorden und zwar auf die Visionen:

- Weihnachtsvision der Hl.Birgitta
- Ekstase ihrer Tochter Katharina von Schweden in der Verehrung der "unbefleckt Empfangenen".
- Christus Salvator ist der Weihetitel des ganzen Birgittenordens. 113
)

Eine gute Sicht auf diese drei Altäre haben auch die Klosterschwestern vom Nonnenchor aus über den Pfarrchor hinweg. Dies entspricht der Birgittenregel, die freie Sicht der Frauen auf die gottesdienstlichen Verrichtungen der Priester vorschreibt, bei gleichzeitiger räumlicher Trennung.

Der vierte Altar ist an der Rückseite des Hauptaltars angebracht. Er blickt nach Osten, wo sich die Chorstühle der Mönche befanden. Der Altar schließt den Raum fast vollständig gegen die übrigen Räume ab.

Nur seitlich sind zwei schmale, fast nur spaltenartige Öffnungen zum Kirchenraum hin freigelassen: soviel, dass Predigt, Liturgie und Gebet aus dem für die Allgemeinheit bestimmten Räumen auch im Mönchschor gehört werden konnten und dass andererseits auch das Stundengebet der Patres im Kirchenraum vernehmbar war. 113)
Die Altarbilder der drei nach Westen gewandten Altäre lassen sich nach unten kurbeln und geben den Blick frei auf Schreine mit Skeletten von Katakombenheiligen. Diese Skelette stehen in den Schreinen. An Allerheiligen sind die Skelettschreine für Kirchenbesucher sichtbar.
Die Holzarbeiten an den Altären wurden von Johann Mentele nach Entwürfen von Johann Bapt. Straub ausgeführt. Das Holz ist rosa, ocker und grün marmoriert, das Dekor vergoldet.

Hauptaltar

Das Altarblatt des Hauptaltars wurde von Ignaz Baldauf mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt; es ist sein einziges Bild in dieser Kirche.
Das Gemälde zeigt Christus als Welterlöser.
Der Auferstandene steht, in ein blaues Untergewand und einen üppigen roten Mantel gekleidet, auf Gewölk. Er lehnt sich an die blaue Erdkugel, auf die Adam und Eva im Paradies gemalt sind. Um die Erdkugel schlängelt sich die Schlange, die nach einem fallenden Apfel schnappt und dabei einen kleinen Engel zum Schlingern bring. Ein weiterer Engel hält das Kreuz, aus dem ein Blitz zuckt, um die Schlange und damit das Böse zu vernichten. 

Links von Christus ist Maria Magdalena zu sehen, der der Auferstandene im Garten beim Grab begegnete. Hinter ihr zwei Weinstöcke für den männlichen und den weiblichen Zweig des Birgittenordens. Im unteren Teil des Bildes Putten, die eine Fürstenkrone wegwerfen und eine Birgittinnenkrone küssen.

Das Altarbild erinnert daran, dass der Birgittenorden eigentlich "Orden des Allerheiligsten Erlösers" heißt.

Das Bild wurde 1931 von J.Damberger restauriert.


Skelettreliquie
Das Altarblatt kann mittels einer Zahnradwelle versenkt werden. Dann erscheint eine rosa marmorierte Schreinnische mit holzgeschnitzter Drapierung auf die Lilienmuster gemalt sind.

Hauptaltar an Allerheiligen
In der Nische steht (!) eine Skelettreliquie der Katakombenheiligen Mercuria mit Siegespalme in der Hand. "Sie steht, weil sie von der Kraft der Auferstehung ergriffen wurde" (Rundfunksendung BR 2 87)). Bei Mercuria soll es sich um die Mutter der in den Seitenaltären stehenden kindlichen Skelettreliquien handeln.
Die Reliquie wurde 1694 von Prior Hörmann aus den Katakomben in Rom erworben. Ihren Standort im Hauptaltar hat sie seit 1763. Die Gebeine sind in Klosterarbeit der Birgittinnen gefasst. Bekleidet sind sie mit einem engen Oberteil und einem weiten, fußlangen Rock. Das Oberteil ist mit Blüten-, Zweigen- und Schleifenmotiven in Goldstickerei verziert und mit Perlen und Pailletten (Plättchen aus Metall) besetzt.
In den Augenhöhlen befinden sich Edelsteine, gebettet auf Erde aus der Katakombe.
Weitere Skelettreliquien hinter den Seitenaltären...siehe hier...

Mercuria

Assistenzfiguren am Hochaltar sind die Heiligen Petrus (mit Buch und Schlüsseln) und Paulus (mit Buch und Schwert). Die von Johann Bapt. Straub geschnitzten Figuren sind seit 1930 weiß gefasst mit vergoldeten Schuhen, Gewandsäumen und Attributen.
Mit den seitlichen Figuren des Pfarraltars und der Seitenaltäre im Beichtraum und Hauptraum bilden sie einen Apostelzyklus (=Darstellung aller Apostel).
Mehr über den Apostelzyklus in Altomünster finden Sie hier...

Der Altarauszug auf dem nach oben geschwungenen Gebälk des Hochaltars zeigt auf Reliefwolken Gottvater mit Zepter, der auf der Weltkugel lehnt.
Davor der Hl.Geist in Gestalt einer Taube. In der Strahlengloriole sechs Putten und zwei Cheruben.
  Hinweise: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).
Das Bild hinter dem Strahlenkranz erinnert an die Würde des Priestertums und weist auf die enge Verbindung zwischen Frauenkonvent und Gottesdienst des Herrenkonvents sowie auf die innige Teilnahme der Frauen am Gottesdienst hin.

Der hohe, schmale Tabernakel besitzt eine konvexe Form mit seitlich ausschwingenden Voluten und ist durch Pilaster gegliedert. Auf dem Aufsatz steht ein strahlenbesetztes Kreuz.

Zu beiden Seiten des Tabernakels sind am Hauptaltar barocke Reliquiare (aus vergoldetem Holz) mit wunder-schönen Klosterarbeiten aufgestellt. Die Rocaille-Rahmen sind geschnitzt. Die Reliquiare enthalten neben den Reliquien auch (Halb)Edelsteine sowie ornamentalen Schmuck aus Silberblech und Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden.

Reliquiar
Auf kleinen Pergamentstreifen (Cedulae) sind die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen verzeichnet: links: S.Simplici M.; S. Innocenti M.; St.Benedicti M.; Sancte Altonis Abt.(2x); S.Salvati M.; S.Clarae M."
rechts: S.Bonosi M.; S.Caelestini M.; S.Gaudenti M.; S.Modestini M.; S.Felicis M.; Sancte Altonis Abt.(2x), S.Severani M."
weitere Reliquiare an den Seitenaltären siehe hier...


Seitenaltäre

Die schmalen Seitenaltäre haben einen hohen, gekehlten Rahmenaufbau ohne Säulen. Seitlich sind sie mit rot gelüsterten Vorhangdraperien geschmückt, die von Engeln auf dem Auszug gehalten werden. Über den Altarblättern sitzen Cheruben auf versilberten Wolken.

Linker Seitenaltar
Der linke Seitenaltar ist der hl.Birgitta geweiht.
Das Altarblatt von Joseph Mages (1767) zeigt die Weihnachtsvision der hl. Birgitta, die sie auf der Pilgerreise ins Heilige Land in der Geburts-grotte von Bethlehem hatte. Nach ihrem Bericht habe sich Maria niedergekniet, bevor das Jesus-kind auf einem Lichtstrahl den Leib Mariens verließ.
Doch das Altarbild stellt nicht diesen Moment dar. Hier liegt das Jesuskind schon auf einer Windel im Schoß Mariens. Birgitta kniet anbetend davor. Neben Maria der Ochs und der Esel. Ganz hinten der hl. Josef. Im oberen Bildteil Putten mit dem Spruchband "Gloria in excelsis deo".

Weihnachtsvision
der hl.Birgitta
Ochs und Esel versinnbildlichen das Judentum (Ochs, reines Tier) und das Heidentum (Esel, unreines Tier). Sie erinnern aber auch an den zweiten Satz des Buches Jesaja "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht."
Der Kirchenlehrer und östl.Kirchenvater Bischof Gregor von Nazianz (330-390) greift einen weiteren Gedanken auf:  "Zwischen dem jungen Ochsen/Stier, der an das jüdische Gesetz ge-spannt ist, und dem Esel, der mit der Sünde des heidnischen Götzendienstes beladen ist, liegt der Gottessohn, der sie von beiden Lasten befreite".

Skelettreliquie

Hinter dem versenkbaren Altarbild befindet sich -wie im Hauptaltar- eine Nische. Darin steht die Skelettreliquie der hl.Victoria mit einer Siegespalme in der Hand. Auch diese Reliquie wurde 1694 von Prior Hörmann in Rom erworben (Katakombenheilige) und hier in Altomünster in Klosterarbeit in gleicher Weise wie die Skelettreliquie im Hauptaltar bekleidet und gefasst.
Im oberen Abschluss Segmentbögen mit aufsitzenden Engeln.

Reliquienaufsätze
Auch an diesem Altar befanden sich früher zwei aus Holz geschnitzte und versilberte Reliquienbehältnisse (80 cm) aus dem 18.Jh. Sie standen auf dreiseitigen Füßen mit Akanthusvoluten. Im hochovalen Schaugefäß in Form eines flammenden Herzens waren Agnus-Dei-Medaillen aus Wachs zu sehen; die Reliquien waren mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht), Kantillen (=gewundener Draht), farbigen Steinen, Perlen und Krüll gefasst.
Die Namen der Heiligen auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen sind nicht mehr alle zu lesen. Darunter sind aber:
"S. Genesii M.; S.iovini M.; S.Demetrice M.; S.Aurelie M.; S.Iaciniti M." Auch bei diesen Heiligen handelt es sich um sog.Katakombenheilige.
Agnus-Dei-Medaillons in Reliquiaren sind schon seit dem Mittelalter bekannt. Damals ließen die Päpste zunächst im ersten sowie in jedem siebenten Jahr ihres Pontifikats, später dann jährlich aus den Resten der geweihten Osterkerze zuerst runde, in der Folge meist ovale "Agnus-Dei-Medaillons" gießen. Diese Wachsreliefs zeigen auf der Schauseite das Gotteslamm, oft mit einer Umschrift "ECCE AGNUS DEI QUI TOLLIT PECCATA MUNDI" (dies ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt) versehen, sowie den Papstnamen. Die in der Regel nicht sichtbare Rückseite ist häufig mit dem Bild eines Heiligen versehen. Wegen ihrer großen Wertschätzung stellte man Agnus-Dei-Medaillons in späterer Zeit auch außerhalb Roms her.

 

Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar im Herrenchor ist der hl. Katharina von Schweden gewidmet, der Tochter Birgittas, die bei ihr in Rom lebte.

Auf dem von Joseph Mages gemalten Altarbild sieht die Heilige in einer Vision die Jungfrau Maria. Katharina war die erste Äbtissin des Ordens und wurde 1484 heiliggesprochen.


Marienvision
der hl.Katharina v.Schweden
Die Reliquien der Tochter Birgittas ruhen heute in einem Sarkophag zusammen mit denen ihrer Mutter in der Klosterkirche von Vadstena in Schweden.
Das Kloster war früher ein Königsschloss; Birgitta arbeitete dort als Haushofmeisterin. Später erhielt sie das Schloss von König Magnus geschenkt.
Hinter dem drehbaren/absenkbaren Altarbild befindet sich wie in den anderen Altären eine stehende Skelettreliquie der Katakombenheilige Fortunata mit Siegespalme in der Hand. Sie ist wie die anderen Skelettreliquien bekleidet und gefasst.

In den jedenfalls früher vorhandenen Reliquienaufsätzen, die wie die Aufsätze am linken Altar gestaltet waren, befanden sich Reliquien der Heiligen "De cinere S.Theresiae; S.Clementi M.; Ex ossibus B. Fidelis M. Capuc.". sowie "S.Rochi; S.Py V.P.P.; S.Clementiae M."

 

Ewig-Licht-Ampel

Vom dem zwischen Altarraum und Herrenchor eingebauten Chorbogen hängen links und rechts zwei Ewig-Licht-Ampeln. Sie bestehen aus Messing und sind vergoldet. Gestaltet sind sie in Form eines schüsselförmigen Beckens, das mit Blumenreliefs und einem floralen Gitter verziert ist und das auf einer trichterförmigen Konsole sitzt. Aus dem Becken erhebt sich kelchförmig die Halterung für das rote Glas mit der Öllampe. Die Ampel hängt an drei langen Ketten, deren Glieder ebenso mit Akanthusmotiven geschmückt sind, wie die ausladenden Halterungen.
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh. der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.
  Die Ampel besteht aus vergoldetem Messing. Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch es sollte, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Dies zielte in erster Linie auf das Material Silber, doch auch vergoldetes Messing dürfte diese Voraussetzung noch erfüllt haben. 118)


Mönchsaltar

Der den Mönchen zugewandte Altar ist die Rückseite des Hauptaltars. Der Altarentwurf stammt von Johann Bapt. Straub und wurde von Johann Mentele 1766/67 ausgeführt. Das Holz ist rosa, beige und grün marmoriert, das Schnitzdekor vergoldet. Die Stipes, der Altartisch ist mit Holz in Sarkophagform verkleidet. Das Retabel, der Altaraufbau ist konvex angelegt und wird durch zwei Pilaster und zwei Säulen gestützt.
 
Mönchsaltar
Das Altarblatt, ein Ölbild auf Leinwand (1771) des Münchner Malers Josef Zitter (1712-1777), zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel.  Maria wird von Engeln in den Himmel gehoben. Ein Engel hält die Rosenkrone für die Königin des Himmels bereit. Im unteren Teil des Bildes umstehen die 11 Apostel und zwei Frauen verwundert den leeren Sarkophag. Im Hintergrund Palmen und eine Pyramide. Das Thema des Gemäldes kann damit zusammenhängen, dass Maria die zweite Ordenspatronin ist. Für die Komposition hat Zitter Motive aus dem Dießener Hochaltarbild von Balthasar Augustin Albrecht übernommen. Die Apostel reagieren auf das Wunder nicht wie sonst, mit ausgebreiteten Händen oder expressiven Gebärden, sondern sehr bedächtig und mit großer Ruhe. Dies zeigt nach Ansicht von Cordula Böhm deutlich, dass die Aufklärung ihre Wirkung auch in der Kunst entfaltet hat. 102)                              mehr zum Maler Josef Zitter ...

Aufnahme Mariens

Das Gemälde der Aufnahme Mariens in den Himmel knüpft im Thema an die frühe birgittinische Vorschrift an, im Ostteil der Kirche einen Marienaltar für den Frauenkonvent zu errichten. Doch in Altomünster ist dieser Marienaltar - dem Chorbau von 1617 gemäß- auf den Chor der Patres übertragen. "Dazu kommt eine zeitbedingte Besonderheit: Die Aufnahme Mariens in den Himmel war allgemein Hauptthema der Hochaltäre des süddeutschen Barocks". 113)

Das Altarblatt am Mönchsaltar ist leider ausgebleicht, weil es nun seit über 200 Jahre der Morgensonne ausgesetzt ist. Einige Köpfe auf dem Bild, darunter der des rechten knienden Apostels, wurden in letzter Zeit übermalt. 102)


Tabernakel
Der fast ganz vergoldete Tabernakel ist zweigeschossig. Die blauen, gedrehten Säulen des erinnern an die Confessio des Petersdoms in Rom. Der kürzere untere Teil besitzt eine konkave Tür mit einem blauen Feld, in dem die Buchstaben des Jesuszeichens IHS gemalt sind. Die obere Tabernakeltüre ist mit Reliefs verziert. Inmitten einer Scheinarchitektur wird ein Strahlenkranz dargestellt. Davor steht das versilberte Tabernakel-Kruzifix auf hohem Sockel.

Tabernakel mit Antonius u. Franziskus
Daneben stehen in kräftiger blauer Farbe stehen kleine Figuren der prominentesten Heiligen des Franziskusordens Franziskus von Assisi und Antonius von Padua. Die Figuren aus dem 18.Jh. wurden von Ludwig Hack 1873 gefasst.
Franziskus ist am Kruzifix in seinen Armen zu erkennen. Bei Antonius fehlt das Jesuskind, das -nach seiner Armstellung zu schließen- früher sicher vorhanden war.

  Hinweise: Der hl. Franz von Assisi entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.


Chorgestühl

Das Gestühl des Herrenchors mit 13 Bänken für den Prior und die Patres und vier -etwas abgerückte- Bänken für die Diakone stammt von Matthias Veigele (1767/68), der dafür und für die Fertigung von Türen 155 Gulden erhielt 96) .


Gestühl im Herrenchor

Die Rückwände sind mit Ziervasen, Intarsien Wangenschnitzereien und Figurenpodesten verziert. Die Wangen sind mit Rocailledekor und Rosetten-stempeln punziert. Die Sitzbänke haben geschweifte Armlehnen, die Vorderbänke hochklappbare Pulte. Das Gestühl besteht aus Eiche und Nadel-holz und ist dunkel gebeizt. Es wurde 1906 repariert.  
Am Chorschluss hängt ein Kruzifix aus der 1. Hälfte des 17.Jh, also aus der Zeit, in der der Chor gebaut worden war. Daneben stehen Maria und der Apostel Johannes. Der Corpus hat eine Inkarnatfassung.


Gestühl im Herrenchor

 

Deckengemälde im Herrenchor

Der Herrenchor wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt.

An die Decke ist ein Fresko mit der Vision der hl. Birgitta gemalt. In dem 5,30 x 3,60 m großen Bild steht rechts ein neu geweihter Priester (mit Blumenkranz um den Arm) am Altar und hebt bei der hl.Wandlung die Hostie nach oben. Doch statt der Hostie erscheint das von Strahlen umgebene Lamm Gottes.
Beste Sicht auf das Gemälde hat man vom Platz des Priors ganz am Chorschluss aus. 113
)

Vision der hl.Birgitta

Die hl. Birgitta hinter dem Priester erblickt mit Gesten der Verzückung das Wunder in einer Vision, während die sie umgebenden Schwestern davon nichts ahnen. Über der Szene sitzen auf einer Wolke Engel und musizieren auf einer Laute. Ganz oben erscheint die Taube des Hl.Geistes vor dem Dreieck als Dreifaltigkeitssymbol. Die hier dargestellte Vision wird in den Revelationes, der Ordensregel, beschrieben.

Die drei Deckengemälde im Altarraum und im Herrenchor, die von unten gesehen eine Einheit bilden, befassen sich alle mit Visionen. Visionen haben kirchenrechtlich zunächst nur persönliche Bedeutung. Ihre kirchliche Anerkennung ist nicht leicht zu erreichen. Durch die Gleichstellung der Visionen des hl.Johannes und des hl.Alto sollte eine Aufwertung der nicht unumstrittenen Visionen der hl.Birgitta erreicht werden.


Heiliges Grab


Heiliges Grab

Von Karfreitag-Nachmittag bis Karsamstag-Mittag ist auf dem Herrenchor ein kleines Hl.Grab aufgebaut.
Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Früher wurde an Karfreitag in der Kirche schöne Passionsmusik geboten. In der Zeitschrift "Bayerische Landbötin" aus dem Jahr 1843 ist zu lesen: "Auf meiner Reise nach R. war ich am hl.Charfreitage im Markte Altomünster, Landgerichts Aichach, bei der Grabmesse Abends um 17 Uhr anwesend. Mit Staunen vernahm ich dort die etwa von 25 bis 30 Musikern über alle Erwartung gesungene Produktion der sieben Worte des Erlösers 119)von Haydn. Die angenehmen Gefühle, welche die Produktion von Landmusikern in mir rege machte, fordern mich auf, meine Aeusserung öffentlich ohne alle Assentation an den Tag zu legen. R.R., Musikmeister." 120) .

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und daheim Nachbildungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung.
Die Kulissen der Heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.

In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung.

Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2005 waren dies Altomünster, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Peter, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Hirtlbach, Kloster Indersdorf, Langenpettenbach, Weichs und Riedenzhofen.
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Hans Schertl

zum Hauptraum/Kirchenschiff...
zum Beichtraum.und Nonnenchor
zum Altarraum...
 
Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor



Quellen
:
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Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.4.2018


Barockmaler Franz Joseph Zitter 102)

Zitter wurde 1712 als Sohn es Stadtschreibers in Bruchsal am Rhein geboren. Sein erster Lehrer war ab 1726 der Bruchsaler Hofmaler Johann Heinrich Krefeld (1699-1755), dem Cosmas Damian Asam 1728 als Hofmaler und wohl auch als Lehrer von Zitter nachfolgte. 1729 zog Zitter mit Asam nach Mannheim. Dort studierte er auch beim Bühnenmaler Alessandro Galli-Bibiena. Im Jahr 1730, also im Alter von 18 Jahren, kam Zitter nach München und nach Augsburg, den beiden großen Kunstszenen der damaligen Zeit. In München wird er als Schüler von Asam, Nikolaus Stuber und Adam Müller erwähnt. In Augsburg war Zitter bei Georg Bergmüller (1688-1762) beschäftigt, der in Augsburg der Freskomalerei zu neuer Blüte verhalf und das große Deckenfresko in der Haimhauser Schlosskapelle schuf.

Auch Zitter war vor allem als Freskant in Kirchen tätig. Seine bekannten Werke schuf er in den Jahren 1736-1750. Bezeugt ist die Mitwirkung bei der Ausmalung der Klosterkirche St.Jakob am Anger
. Das erste eigene Werk war die Ausmalung der Wallfahrtskirche Maria Schnee in Aufhausen südlich von Regensburg. In einer Wallfahrtskirche im Rentamt Straubing und insbesondere in St.Georgen bei Dießen (seiner besten Arbeit) arbeitete er als alleiniger Maler mit Joh.Michael Fischer zusammen, unserem Baumeister von Altomünster.
Das Gemälde am Mönchsaltar (1771) ist sein einziges Altargemälde und eines seiner letzten Werke. Er erhielt dafür 1771 den Betrag von 115 Gulden ausbezahlt. (Originaltext in der Kirchenrechnung: "November 25. Für das hintere Altarblatt in dem Chor der Patres dem Zitterer, Maler in München, bezahlt 115 fl."). 113)
"Zitters Kunst zeugt von gutem Können ohne als besonders gefällig bezeichnet werden zu können. Dem breiten Geschmack hat sie nicht entsprochen. Ein besonderes Kennzeichen ist die gezahnte Wolkenspirale. Die Kompositionen sind von einer unzeitgemäßen Sprödigkeit, nicht der rauschenden Heiterkeit des Rokoko und nicht dem nüchternen Geist der Aufklärung verpflichtet, am ehesten dem Barock des Cosmas Damian Asam" schreibt Dr. Cordula Böhm.

Eine interessante Personenbeschreibung erstellte sein Zeitgenosse Andreas Felix Oefele für das Künstlerlexikon: Durch das viele Malen an der Decke habe sich Zitter angewöhnt, mit in den Nacken zurückgeworfenem Kopf auf der Straße daherzukommen. Das Leben Zitters sei eher glücklos, nicht gesegnet mit Reichtümern, dafür mit einer ältlichen kinderlosen Frau.
Tatsächlich hatte Zitter am 19.6.1739 im Alter von 27 Jahren in der Liebfrauenkirche München die 34jährige Tochter des verstorbenen kurfürstlichen Hofschneidereiverwalters Maria Anna Heilig geheiratet. Sie gebar ihm 3 Kinder, die aber bald wieder starben. Im Zusammenhang mit den Geburten 1743 und 1745 wurde Franz Joseph Zitter als "kaiserlicher Hofbruderschaftsmaler" und als "Hofmaler" bezeichnet. Die ungewöhnliche Bezeichnung Hofbruderschaftsmaler könnte mit der Gestaltung der Pfarr- und Begräbniskirche der Grafschaft Haag zusammenhängen. Dort hatte er ein Fresko gemalt, das sich auf die seit 1622 bestehende Skapulierbruderschaft bezog.

In den letzten 20 Lebensjahren ließen die Aufträge nach. Die wenigen Fresken in der Zeit der Aufklärung erhielten jüngere Konkurrenten wie z.B. Fr.Joseph Degle (1724-1789), Johann Nepom.Schöpf (1733-1798) und Christian Wink (1738-1797).
Franz Joseph Zitter starb 1777 in München, wo er auf dem Salvatorfriedhof begraben wurde.