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i.d.Gem.Altomünster
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Herrenchor
in der Klosterkirche ALTOMÜNSTER
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Beschreibung Der fast 60 m lange Kirchenraum in Altomünster beeindruckt wegen der interessante Raumperspektiven, die sich durch die Anordnung der vier kunstvoll hintereinander gelagerten Innenräume ergeben: Dem Vorhaus und dem großen achteckigen Hauptraum folgen der sog. Beichtraum mit darüber liegendem Frauenchor und dem Altarraum. Hinter dem Altar liegt - ein Stockwerk höher- der Herrenchor.
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Altäre im Herrenchor
Im Herrenchor stehen vier Altäre frei
im Raum. Drei davon sind nach Westen gewandt. Sie sind vom Kirchenschiff und
dem Laienchor aus über dem Tabernakelaltar zu sehen und wirken wie die Hauptaltäre
der Kirche.
Eine gute Sicht auf diese Altäre haben auch die Klosterschwestern vom Nonnenchor
aus über den Pfarrchor hinweg. Dies entspricht
der Birgittenregel, die freie Sicht der Frauen auf die gottesdienstlichen Verrichtungen
der Priester vorschreibt, bei gleichzeitiger räumlicher Trennung. Der
vierte Altar ist an der Rückseite des Hauptaltars angebracht. Er blickt nach
Osten, wo sich die Chorstühle der Mönche befanden. Die Altarbilder der drei
nach Westen gewandten Altäre lassen sich nach unten drehen und geben den Blick
frei auf Schreine mit Skeletten von Katakombenheiligen.
Diese Skelette stehen in den Schreinen. An Allerheiligen sind die Skelettschreine
für Kirchenbesucher sichtbar.
Die Holzarbeiten an den Altären wurden von Johann Mentele nach Entwürfen
von Johann Baptist Straub ausgeführt. Das Holz ist rosa, ocker und grün
marmoriert, das Dekor vergoldet.
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Das Altarblatt des Hauptaltars wurde von Ignaz Baldauf mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt; es ist sein einziges Bild in dieser Kirche. Das Gemälde zeigt Christus als Welterlöser. Der Auferstandene steht auf einer blauen Erdkugel, die samt den dargestellten Menschen von einer Schlange umwunden sind. Aber ein Blitz vom Kreuz Christi, dem Zeichen des Erlösers, das ebenfalls auf der Erdkugel steht, ist schon unterwegs, um die Schlange und damit das Böse zu vernichten. Links von Christus ist Maria Magdalena zu sehen, der der Auferstandene im Garten beim Grab begegnete. Hinter ihr zwei Weinstöcke für den männlichen und den weiblichen Zweig des Birgittenordens. Das Bild wurde 1931 von J.Damberger restauriert. Im unteren Teil des Bildes Putten, die eine Fürstenkrone wegwerfen und eine Birgittinnenkrone küssen. Das Altarbild erinnert daran, dass der Birgittenorden eigentlich "Orden des Allerheiligsten Erlösers" heißt. |
| Dort steht (!)
eine Skelettreliquie
der Katakombenheiligen Mercuria mit Siegespalme in der Hand. "Sie
steht, weil sie von der Kraft der Auferstehung ergriffen wurde" (Rundfunksendung
BR 2). Bei Mercuria soll es sich um die Mutter der in den Seitenaltären
stehenden kindlichen Skelettreliquien handeln. Die Reliquie wurde 1694 von Prior Hörmann aus den Katakomben in Rom erworben. Ihren Standort im Hauptaltar hat sie seit 1763. Die Gebeine sind in Klosterarbeit der Birgittinnen gefasst. Bekleidet sind sie mit einem engen Oberteil und einem weiten, fußlangen Rock. Das Oberteil ist mit Blüten-, Zweigen- und Schleifenmotiven in Goldstickerei verziert und mit Perlen und Pailletten (Plättchen aus Metall) besetzt. In den Augenhöhlen befinden sich Edelsteine, gebettet auf Erde aus der Katakombe. |
Der Altarauszug auf dem nach oben geschwungenen Gebälk des Hochaltars zeigt auf Reliefwolken Gottvater mit Szepter, der auf der Weltkugel lehnt. Davor der Hl.Geist in Gestalt einer Taube. In der Strahlengloriole sechs Putten und zwei Cheruben. |
| Hinweise:
Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten
Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte
nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell,
die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert,
als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem
Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht
mehr gerecht. Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach). |
Der hohe, schmale Tabernakel besitzt eine konvexe Form mit seitlich ausschwingenden Voluten und ist durch Pilaster gegliedert. Auf dem Aufsatz ein strahlenbesetztes Kreuz.
| Zu beiden Seiten
des Tabernakels sind am Hauptaltar barocke Reliquiare
(aus vergoldetem Holz) mit wunderschönen Klosterarbeiten
aufgestellt. Die Rocaille-Rahmen sind
geschnitzt. Die Reliquiare enthalten neben den Reliquien, (Halb)Edelsteine sowie ornamentalem Schmuck aus Silberblech sowie Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden. |
Auf kleinen Pergamentstreifen
(Cedulae) sind die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen verzeichnet:
links: S.Simplici M.; S. Innocenti M.; St.Benedicti M.;
Sancte Altonis Abt.(2x); S.Salvati M.; S.Clarae M." rechts: S.Bonosi M.; S.Caelestini M.; S.Gaudenti M.; S.Modestini M.; S.Felicis M.; Sancte Altonis Abt.(2x), S.Severani M." |
Seitenaltäre
Die schmalen Seitenaltäre haben einen hohen, gekehlten Rahmenaufbau ohne Säulen. Seitlich sind sie mit rot gelüsterten Vorhangdraperien geschmückt, die von Engeln auf dem Auszug gehalten werden. Über den Altarblättern sitzen Cheruben auf versilberten Wolken.
Der linke Seitenaltar ist der hl.Birgitta geweiht.|
Das Altarblatt von Joseph
Mages (1767) zeigt die Weihnachtsvision
der hl. Birgitta, die sie auf der Pilgerreise ins Heilige Land
in der Geburtsgrotte von Bethlehem hatte. Nach ihrem Bericht habe sich
Maria niedergekniet und das Jesuskind habe auf einem Lichtstrahl den Leib
Mariens verlassen. Doch das Altarbild stellt nicht diesen Moment dar.
Das Jesuskind liegt schon auf einer Windel im Schoß Mariens.
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Birgitta kniet anbetend davor. Neben Maria der Ochs und der Esel. Ganz hinten der hl. Josef. Im oberen Bildteil Putten mit dem Spruchband "Gloria in excelsis deo". Ochs und Esel versinnbildlichen das Judentum (Ochs, reines Tier) und das Heidentum (Esel, unreines Tier). Sie erinnern aber auch an den zweiten Satz des Buches Jesaja „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht." |
Skelettreliquie
| Hinter dem versenkbaren Altarbild
befindet sich -wie im Hauptaltar- eine Nische. Darin steht die Skelettreliquie
der hl.Victoria mit
einer Siegespalme in der Hand. Auch diese Reliquie wurde 1694 von Prior
Hörmann in Rom erworben (Katakombenheilige)
und hier in Altomünster in Klosterarbeit in gleicher Weise wie die
Skelettreliquie im Hauptaltar bekleidet und gefasst. Im oberen Abschluss Segmentbögen mit aufsitzenden Engeln. |
Reliquienaufsätze
Auch an diesem Altar befanden sich früher zwei aus Holz geschnitzte und
versilberte Reliquienbehältnisse (80 cm) aus dem 18.Jh. Sie standen
auf dreiseitigen Füßen mit Akanthusvoluten. Im hochovalen Schaugefäß
in Form eines flammenden Herzens waren Agnus-Dei-Medaillen aus Wachs zu sehen;
die Reliquien waren mit Goldlahn, Kantillen (=gewundener Draht), farbigen Steinen,
Perlen und Krüll gefasst.
Die Namen der Heiligen auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen sind nicht mehr
alle zu lesen. Darunter sind aber:
"S. Genesii M.; S.iovini M.; S.Demetrice M.; S.Aurelie M.; S.Iaciniti M."
Auch bei diesen Heiligen handelt es sich um sog. Katakombenheilige.
Der rechte Seitenaltar im Herrenchor ist der hl. Katharina von Schweden gewidmet, der Tochter Birgittas, die bei ihr in Rom lebte.
| Auf dem von Joseph Mages gemalten Altarbild sieht die Heilige in einer Vision die Jungfrau Maria. Katharina war die erste Äbtissin des Ordens und wurde 1484 heilig gesprochen. |
Ihre Reliquien ruhen heute
in einem Sarkophag zusammen mit der hl.Birgitta in der Klosterkirche von
Vadstena in Schweden. Das Kloster war früher ein Königsschloss;
Birgitta arbeitete dort als Haushofmeisterin. Später erhielt sie
das Schloss von König Magnus geschenkt.
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| Hinter
dem drehbaren/absenkbaren Altarbild
befindet sich wie in den anderen Altären eine stehende Skelettreliquie
der Katakombenheilige
Fortunata
mit Siegespalme in der Hand.
Sie ist wie die anderen Skelettreliquien bekleidet und gefasst.
In den jedenfalls früher vorhandenen Reliquienaufsätzen, die wie die Aufsätze am linken Altar gestaltet sind, befinden sich Reliquien der Heiligen "De cinere S.Theresiae; S.Clementi M.; Ex ossibus B. Fidelis M. Capuc.". sowie "S.Rochi; S.Py V.P.P.; S.Clementiae M." |
| Vom Chorbogen zwischen Altarraum und Herrenchor hängen links und rechts zwei Ewig-Licht-Ampeln. Sie bestehen aus Messing und sind vergoldet. Gestaltet sind sie in Form eines schüsselförmigen Beckens, das mit Blumen und einem floralen Gitter verziert ist und das auf einer trichterförmiger Konsole sitzt. Aus dem Becken erhebt sich kelchförmig die Halterung für das rote Glas mit der Öllampe. Die Lampe hängt an drei langen Ketten, deren Glieder ebenso mit Akanthusmotiven geschmückt sind, wie die ausladenden Halterungen. | Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. |
Der den Mönchen zugewandte Altar ist die Rückseite des Hauptaltars. Der Altarentwurf stammt von Johann Baptist Straub und wurde von Johann Mentele 1766/67 ausgeführt. Das Holz ist rosa, beige und grün marmoriert, das Schnitzdekor vergoldet. Die Stipes, der Altartisch ist mit Holz in Sarkophagform verkleidet. Die Retabel, der Altaraufbau ist konvex angelegt und wird durch zwei Pilaster und zwei Säulen gestützt.
| Das Altarblatt, ein Ölbild auf Leinwand (1771) des Münchner Malers Josef Zitter (1712-ca.1760), zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria wird von Engeln in den Himmel gehoben. Ein Engel hält die Rosenkrone für die Königin des Himmels bereit. Im unteren Teil des Bildes umstehen die 11 Apostel und zwei Frauen verwundert den leeren Sarkophag. Im Hintergrund Palmen und eine Pyramide. Das Thema des Gemäldes kann damit zusammenhängen, dass Maria die zweite Ordenspatronin ist. Die gedrehten Säulen des Tabernakels erinnern an die Confessio des Petersdoms in Rom. |
| Hinweise:
Der hl. Franz von Assisi entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete
den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge
widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte
die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus
wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision
Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte
und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit
ein Hauptanliegen. Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. |
| Die Rückwände sind mit Ziervasen, Intarsien Wangenschnitzereien und Figurenpodesten verziert. Die Wangen sind mit Rocailledekor und Rosettenstempeln punziert. Die Sitzbänke haben geschweifte Armlehnen, die Vorderbänke hochklappbare Pulte. Das Gestühl besteht aus Eiche und Nadelholz und ist dunkel gebeizt. Es wurde 1906 repariert. |
Am Chorschluss hängt ein Kruzifix aus der 1. Hälfte des 17.Jh, aus der Zeit, in der der Chor gebaut worden war. Daneben stehen Maria und der Apostel Johannes. Der Corpus hat eine Inkarnatfassung. |
Der Herrenchor wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt.
| An der Decke ist ein Fresko mit der Vision der hl. Birgitta zu sehen. In dem 5,30 x 3,60 m großen Bild steht rechts ein neu geweihter Priester (mit Blumenkranz um den Arm) am Altar und hebt bei der hl.Wandlung die Hostie nach oben. Doch statt der Hostie erscheint das von Strahlen umgebene Lamm Gottes. Die hl. Birgitta hinter dem Priester erblickt mit Gesten der Verzückung das Wunder in einer Vision, während die sie umgebenden Schwestern davon nichts ahnen. Über der Szene sitzen auf einer Wolke über Säulen Engel und musizieren auf einer Laute. Ganz oben erscheint die Taube des hl.Geistes vor dem Dreieck als Dreifaltigkeitssymbol. Die hier dargestellte Vision wird in den Revelationes, der Ordensregel, beschrieben. |
Die drei Deckenmälde im Altarraum und im Herrenchor, die von unten gesehen eine Einheit bilden, befassen sich alle mit Visionen. Visionen haben kirchenrechtlich zunächst nur persönliche Bedeutung. Ihre kirchliche Anerkennung ist nicht leicht zu erreichen. Durch die Gleichstellung der Visionen des hl.Johannes und des hl.Alto sollte eine Aufwertung der nicht unumstrittenen Visionen der hl.Birgitta erreicht werden.
| Von Karfreitag
Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist auf dem Herrenchor ein kleines
Hl.Grab aufgebaut. Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens. |
Hans Schertl
| zum Hauptraum/Kirchenschiff... zum Beichtraum.und Nonnenchor zum Altarraum... |
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12.11.2011