zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibung         Kirchen i.d. Gem.Bergkirchen

Filialkirche St.Vitus in GÜNDING

Bogenfries am Turmmehr über St.Vitus

Adresse : 85232 Bergkirchen, St.Vitusstraße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Kirche St.Vitus steht etwas erhöht am Rande des Gündinger Mooses inmitten eines Friedhofs.
Der dem hl.Vitus geweihte Bau gehört als Filiale zur der Pfarrei Mitterndorf, die seit 2011 mit den weiteren Dachauer Pfarreien St.Jakob, Mariä Himmelfahrt und Mitterndorf einen Pfarrverband bildet.

Erstmals erwähnt wurde die Kirche in der Konradinischen Matrikel von 1315 als "Kirche von Gundingen". Es handelt sich um eine Chorturmanlage, d.h. der Altarraum ist im Erdgeschoss des mächtigen Turmes untergebracht. Chorturmanlagen sind in der Regel sehr alt. Die Gündinger Kirche wurde wohl um das Jahr 1300 noch im romanischen Stil erbaut. 

Der Sattelturm ist durch Blend-nischen und Friese geschmückt. In ihm hängen drei Glocken.

Wie so viele Kirchen im Dachauer Land wurde auch St.Vitus in Günding nach der wirtschaftlichen Erholung vom 30jährigen Krieg barockisiert (1696).


Verzierungen an der Tabernakeltür


Das Kirchenschiff wurde im 19.Jh, als die Bevölkerung in Bayern sehr stark zunahm, auf 17,5 Meter verlängert. Dabei entfernte man die barocke Ausstattung und ersetzte sie durch eine neue Einrichtung im damals modernen Stil des Historismus (= neuromanisch, neugotisch).
In den Jahren 1977/81 (außen) und 1983/84 (innen) wurde die Kirche renoviert.

Innenausstattung 

Der stark eingezogene Chor wird von einem flachen Kreuzgewölbe überdeckt.  Das Deckenfresko aus der Zeit um 1700 stellt in einem runden Gemälde mit Stuckumrahmung die Dreifaltigkeit dar.

Die Altäre sind im neuromanischen Stil des 19.Jh. errichtet und bilden ein architektonisch und künstlerisch beeindruckendes Gesamtbild.
Mittelpunkt des Choraltars ist der Tabernakel (Ziborienaltar).

Viele Heiligenfiguren stehen in den Nischen, Tympanons und Aufsätzen der Altäre sowie an den Wänden des Kirchenschiffs: der Patron St.Vitus (mit Kessel), Maria (mit Jesuskind, als Mater dolorosa und als Schutzmantelmadonna), Josef (mit Palmzweig), Leonhard (im Abtsornat), Sebastian, Petrus (mit Himmelsschlüsseln oder als Papst), Paulus (mit Schwert), Antonius (mit Jesuskind), Johannes der Täufer (mit Lamm), Johannes Evangelist (mit Kelch), Nikolaus (mit Goldkugeln), Konrad (mit Brotkorb) und Wolfgang (mit Kirchenmodell). Zu sehen sind aber auch sonst weniger häufig dargestellte Heilige wie Erasmus (mit Gedärmewinde), Rupert (mit Salzfass) und Urban (mit Weintraube).

St.Erasmus Johannes Evangelist Konrad von Parzham St.Leonhard St.Nikolaus St.Petrus Vortragekreuz St.Vitus St.Urban St.Peter-Fries Schutzmantelmadonna St.Rupert Marienfries St.Wolfgang ZelebrationsaltarTabernakel
Vergrößerung von 16 Details (Figuren, Bilder) per Mouseklick

Weitere Heilige enthalten die vielen Glasgemälde in den Kirchenfenstern.

Die Decke des Kirchenschiffs ist mit Ornamentikmalerei und -über der Orgel- mit einem Bild des Kirchenpatrons St.Vitus sowie einer Ansicht Gündings
geschmückt.

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche 1300  Matrikel 1315  Matrikel 1560  Barockisierung 1696  Matrikel 1738
   Anbau im 19.Jh  Beschreibung 1874 Gottesdienstzeiten
     Bittgänge   Pferderennen  Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar  Deckengemälde-1
   Deckengemälde-2  Empore  Fenster im Chor  Fenster im Schiff  Figurenausstattung
   Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe  Orgel  Seitenaltäre  Zelebrationsaltar

Günding steht auf uraltem Siedlungsland. Darauf weisen zwei Steinäxte aus der Jungsteinzeit (4000 v.Chr.) hin, die man im Gündinger Moos gefunden hat. Die erste schriftliche Erwähnung dürfte eine Urkunde aus dem Jahr 1140 sein, in der ein "Heinrich von Gundingen" genannt ist.

Geschichte der Kirche

Erste Kirche
Die Filialkirche St.Vitus (der Pfarrei Mitterndorf) ist eine Chorturmanlage. Der Altarraum ist im Erdgeschoss des mächtigen Turmes untergebracht, der an der Ostseite mit Bogenfriesen verziert ist. Chorturmanlagen sind in der Regel sehr alt und stammen aus der Romanik. Sie waren oft auch als Wehrkirchen geplant. Die Gündinger Kirche wurde wohl um das Jahr 1300 erbaut. 


Freisinger Matrikel von 1315 u. 1524

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde die Kirche unter der Bezeichnung "Gundingen" als Filiale von Mitterndorf erwähnt.
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt zum ersten Mal das Patronat des hl.Vitus.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Mitterndorf ist auch die Filialkirche "St.Vitus in Gunding" kurz erwähnt. Das jährliche Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrage 9 oder 10 Gulden, die in etwa mit den Ausgaben übereinstimmen ("welche inen uber die jerlich ausgab aufgeen"). Der Pfarrer erhält für eine Wochenmesse 1 Taler jährlich. Die Kirchenrechnung erstellt das Gericht zu Dachau kostenlos. In Giebing gibt es kein Mesnerhaus; das Mesneramt wird wohl von einem Bauern ausgeübt. Im Inneren der Kirche steht ein Sakramentshaus mit Ewigem Licht ("bleuchtung allein bei der nacht"). Das Allerheiligste und die heiligen Öle werden liturgisch unrein aufbewahrt. Ein Taufstein ist nicht vorhanden (die Taufen finden in der Pfarrkirche statt). Der Friedhof befindet in gutem Zustand ("hat ain begrebnuß, wirt

vleissig und wol erhalten"). Die Friedhofsmauer und die Kirche brauchen aber eine neue Bedachung. An liturgischen Gerätschaften sind vorhanden: 2 "nit saubere" Kelche mit Corporale, der dritte Kelch wurde vor einem Jahr anderen Zwecken zugeführt ("der dritt sey im vor aim jar empfrembt worden"). Daneben gab es noch: 1 Monstranz aus Messing, 2 Messbücher, 1 Liturgiebuch, 1 zerrissenes Psalmenbuch und 3 oder 4 alte Messgewänder ("hat 4 alter meßgwandt, ein guet ornät und ain zerrissnen"). Der Pfarrer wird gelobt ("Pfarrer verricht den gottsdienst vleissig"). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Sonst ist kain mangel, allein wenig gemeld (=Gemälde) in der kirchen". Der Pfarrer hatte eine Lebensgefährtin, wurde abereines


Auszug aus einer Landkarte
von Finkh aus dem Jahr 1655
Günding = Gind
ehrbaren Lebenswandel gerühmt [" Pfarrer sey aines erbern gueten wandels").
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Mitterndorf -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Aus dem Jahr 1640 ist bekannt, dass die Kanzel in schlechtem Zustand war. Denn in der Kirchenrechnung ist zu lesen, dass "Den Khirchenbröbsten (Kirchenpflegern) auferladen ist, daß sie mit Zueziechung Hernn Pfarrers den Predigtstuehl alßbalden und in continenti machen lassen sollen".
1654 ist ein neuer Seitenaltar angeschafft worden. Der Kistler Veithen Klumayr erhielt dafür 25 Gulden, der (nicht genannte) Bildhauer 12 Gulden und der Maler Crafft den hohen Betrag von 85 Gulden.
Ob die Kirche im 30jährigen Krieg Schaden genommen hat, ist mir nicht bekannt. Die Zahl der Häuser in Günding ist jedenfalls von 24 im Jahr 1631 auf 17 im Jahr 1649 zurückgegangen.

 

Pferderennen am Sebastianstag
In Günding wurden in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg alljährlich am Fest des hl.Sebastian kirchliche Pferderennen abgehalten. Groß sind die Spuren, die sie hinterlassen haben, nicht. Doch die kurzen Hinweise in den noch erhaltenen Resten der Kirchenrechnungen reichen im Zusammenspiel mit entsprechenden Berichten aus anderen Pfarreien aus, um uns ein Bild von den Rennen machen zu können. Die Texte in den Rechnungen lauten:
1650:
An St.Fabian unnd Sebastian tag zum Rennet in Vortl geben heur -.-.-
1654:
An St.Fabian und Sebastian Tag zum Rennet heur umb 3 1/4 Parchet .1f:6kr: Lebzelten unnd annderes in Vortl geben also zusammen 1.42.-"
Es geht hier um ein Pferderennen, das jeweils am Festtag des hl.Sebastian (20.Januar) abgehalten wurde. Diese Rennen werden wohl keine originär kirchliche Veranstaltungen gewesen, sondern nur anlässlich des früher groß gefeierten Tags des hl.Sebastian veranstaltet worden sein. Aber die Tatsache, dass die Einnahmen und Ausgaben in den Kirchenrechnungen auftauchen, legt doch eine enge Verbindung mit dem kirchlichen Bereich nahe. Solche Rennen wurden nur bei wenigen Kirchen abgehalten; belegt sind im Dachauer Land Kleinberghofen, Amperpettenbach, Pasenbach, Steinkirchen, Schwabhausen, Lauterbach, Oberhandenzhofen, Glonnbercha, Dachau und Indersdorf. Sie wurden -meist in der Winterzeit- an verschiedenen Festtagen, aber nach einem einheitlichen Muster durchgeführt:
Die Reiter hatten als eine Art Teilnahmegebühr Getreide zu spenden, das sie vor den Altar schütteten; dafür wurden Ross und Reiter gesegnet. Das Getreide verkaufte die Kirche und nahm dadurch Geld ein. Die Teilnehmer jagten auf ihren Rössern über eine Wiese und umrundeten einen in die Erde gesteckten Stab. Als Rennmeister fungierte der Ortsgeistliche. Der Sieger des Rennens erhielt ein großes rotes Tuch (s.o. 1654: "rott Tuech") als Siegerpreis, das damals neben dem ideellen auch einen hohen wirtschaftlichen Wert hatte; der rote Farbstoff war teuer. Die Nächstplatzieren dürften weitere Tücher, Lebzelten und sogar kleine Schweine (sog.Rennsäue) oder Gänse als weitere Preise erhalten haben.


Barockisierung
1696
Wie so viele Kirchen im Dachauer Land wurde auch St.Vitus in Günding nach der wirtschaftlichen Erholung vom 30jährigen Krieg barockisiert (1696). Die Kosten dafür betrugen 661 Gulden. Diesen Betrag erfahren wir aus den Kirchenrechnungen der Pfarrei Bergkirchen. Denn Günding erhielt zu den Baukosten ein zinsloses Darlehen des Landgerichts Dachau. Dazu mussten alle übrigen Pfarreien beitragen.


Schmid'sche Matrikel 1738/40
Der Kanonikus Schmidt aus Freising erstellte 1738/40 eine Auflistung aller Kirchen der Diözese Freising (Schmidt'sche Matrikel ). Über die Kirche St.Vitus in "Gündting" schrieb er, sie habe drei Altäre: der Choraltar sei St.Vitus geweiht; in ihm werde das Allerheiligste aufbewahrt. Die Seitenaltäre hätten den hl.Sebastian und den Evangelisten Johannes zum Patron. Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Beschreibung endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen des Gottshauses solle der Zeit gegen 1000 Gulden betreffen". Damit besaß Günding mehr Geld als die Pfarrkirche (700 Gulden).


Anbau im 19.Jh
Das Kirchenschiff wurde im 19.Jh, als die Bevölkerung in Bayern sehr stark zunahm, auf 17,5 Meter verlängert. Dabei entfernte man die barocke Ausstattung und ersetzte sie durch eine neue Einrichtung im damals modernen Stil des Historismus (= neuro-manisch, neugotisch).


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die St.Vituskirche in Günding als Filialkirche von Mitterndorf beschrieben. Damals wohnten in Günding 299 Gläubige in 43 Häusern. Zur Kirche bemerkt Anton Mayer: "Erbauungsjahr unbekannt. Stil des vorigen Jahrhunderts. Einschiffig mit Plafond (=Flachdecke). Geräumigkeit genügend. Baupflicht: an der Kirche der Kirchenfond, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre. Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste: Jeden 3.Sonntag, abwechselnd mit der Pfarrkirche, dann am Patrocinium, Oster- und Pfingst-Montag u. am Feste Joh.d.Täufer. Stiftungen: 1 Jahrtag und 8 Jahrmessen und 4 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Meßner: der Meßnergütler. Der Cantordienst wird derzeit von Mitterndorf aus versehen. Kirchenvermögen 1870 rd. 5300 Gulden.

Renovierungen
In den Jahren 1977/81 (außen + Kirchturm) und 1983/84 (innen) wurde die Kirche renoviert.

Bittgänge/Wallfahrten
Aus den wenigen noch vorhandenen Kirchenrechnungs-Unterlagen geht hervor, dass die Gündinger alljährlich eine Wallfahrt nach Andechs unternommen haben. Der Vorsänger und der Fahnenträger erhielten dafür ein kleines Zehrgeld, der Herr Pfarrer eine Zöhrung, eine Brotzeit. Ziel der Wallfahrt nach Andechs war der "Heilthumschatz". Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst. Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren Kreuzpartikel, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien (Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer). Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen oder um eine Herrenreliquie handelte.

Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Glockenweihen, Kirchenverwaltungswahlen, Renovierungen usw.
Wenn Sie sie lesen möchten, klicken sie hier...

Baubeschreibung

Die Kirche steht -baumumstanden- etwas erhöht am Rande des Gündinger Mooses mit weitem Blick bis zum Alpenrand. Sie ist von einem Friedhof umgeben.
Es handelt sich -wie erwähnt- um eine Chorturmanlage, d.h., der Altarraum ist im Erdgeschoss des Turmes untergebracht. Seine Fläche von 3,5 x 4,5 Metern entspricht den Ausmaßen des Turmes.
Das vierachsige Langhaus (Maße:17 x 9 Meter) ist durch schwach vorgelegte Pilaster gegliedert und besitzt rundbogige Fenster.
Der massige Sattelturm gliedert sich in vier Geschosse. Er ist durch Blendnischen, Rundbogen- und Spitzbogenfriese geschmückt. Im Turm hing früher eine sehr alte Glocke (1485). Sie wurde im Jahr 1897 um 170 Mark an das Bayer. Nationalmuseum verkauft. Derzeit befinden sich in der Glockestube drei 1924 in Bochum von Verein BVG gegossene Stahlglocken mit einem Gewicht von 12, 16 und 18 Zentnern und der Intonation fis, cis und a. Über die Glockenweihe gibt es einen Zeitungsbericht. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...
Die 3,5 x 4,5 Meter große Sakristei ist östlich an den Chorturm angebaut.
Das Portal der Kirche liegt unter einem Vorhaus an der Westseite.

 

Innenausstattung 

Altarraum

Der rechteckige, fast 6 m hohe und stark eingezogene Altarraum im Ausmaß von 3,80 x 4,50 Metern schließt gerade; er wird von einem flachen Kreuzgewölbe mit abgeschlagenen Gewölberippen überdeckt. Der Stuck im Altarraum stammt aus der Zeit des Umbaus und der Renovierung der baufälliger mittelalterlichen Kirche 1696-98.

Deckenfresko

 

Das Deckenfresko aus der Zeit  um 1700 stellt in einem runden Gemälde mit Stuckumrahmung die Dreifaltigkeit dar. Links Christus mit dem Kreuz, rechts Gottvater mit dem Szepter und in der Mitte der Heilige Geist in Gestalt einer Taube im Strahlenkranz auf der Weltkugel.  
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).



Choraltar / Hochaltar

Die Altäre sind im neuromanischen Stil errichtet und bilden ein architektonisch und künstlerisch beeindruckendes Gesamtbild.
Im Choraltar von 1885 (Entwurf von Josef Müller, Mch) der die ganze Breite des Altarraums einnimmt, sind Holzreliefs von Heiligen eingebaut, die noch aus dem 16.Jh stammen. Die Retabel, die Altarrückwand, ist mit neuromanischen Ornamenten in Goldfarbe bemalt und füllt den Raum auch in der Höhe voll aus.
Mittelpunkt ist aber der zweigeschossige Tabernakel, der in der Mittelnische anstelle einer Figur oder eines Altarblatts aufgestellt ist. Man nennt deshalb den Altar auch Ziborienaltar. Ziborium heißt das Aufbewahrungsgefäß für die Hostien.

Auf den Tabernakeltüren sind reliefartige Darstellungen zu sehen:
- an der unteren Türe das Lamm Gottes über einer aus dem Felsen springenden Quelle, aus der zwei Hirsche trinken (siehe Bild ganz oben rechts). Das Relief versinnbildlicht den Psalm 42 "wie der Hirsch lechzt nach frischen Wasser.."
- die obere Türe ist mit Ährenmotiven verziert. Davor steht ein Kruzifix

Das Antependium des Choraltars besteht aus Holz und ist mehrfarbig (polychrom) gefasst. Es wird durch kleine Säulchen in zwei quadratische Felder mit Christusemblemen gegliedert.

Die Assistenzfiguren aus dem 16.Jh, die neben dem Tabernakel in der großen Mittelnische stehen, stellen die Bischöfe St.Erasmus mit um eine Seilwinde gewickeltes Gedärm und St Nikolaus mit den drei Goldkugeln dar.

 

 

 

Hinweise: Erasmus war um 300 Bischof von Antiochia. 7 Jahre lang verbarg er sich im Libanongebirge, wo ein Rabe ihm Nahrung brachte. Dann stellte er sich seinen Verfolgern. Mit einer Seilwinde habe man ihm die Gedärme herausgezogen - diese Winde hat ihn zum Patron der Schiffer bestimmt. Er überstand die Marter. Danach wurde er in einen Kessel mit siedendem Öl gesteckt, dem er unbeschadet entstieg. Er lebte er noch 7 Jahre (ohne Gedärme ?) in Kampanien. Erasmus ist einer der 14 Nothelfer (Patron der Seefahrer und Seiler) und als solcher für Magenkrämpfe und Unterleibsbeschwerden zuständig. Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra geweiht. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil.Verbreitete Legenden über Nikolaus erzählen: In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste (deshalb die Goldkugeln).

 

 


An den seitlichen Türen des bis an die Außenwand reichenden Aufbaues, die in die Sakristei hinter dem Altar führen, sind als Reliefs die Heiligen Rupert mit dem Salzfass in der Hand und Urban im Papstornat mit Tiara und Papstkreuz und einer blauen Weintraube auf dem Buch abgebildet. Die Reliefs stammen noch aus spätgotischer Zeit. Die drei Querbalken des Papstkreuzes symbolisieren die drei päpstlichen Gewalten: die Priester-, Hirten- und Lehrgewalt.
Hinweise: Rupert lebte um das Jahr 700. Er stammte wohl aus einer fränkischen Adelsfamilie, wird aber auch als iroschottischer Glaubensbote bezeichnet. Er missionierte an der Donau. Herzog Theodo schenkte Rupert die Salzquelle in (Bad) Reichenhall und die Stadt Juvavum, wo er auch Bischof wurde (deshalb das Salzfass). Urban wird als Schüler des Gallus genannt. Er soll im 7. Jahrhundert bei Heilbronn am Neckar gepredigt und den Weinbau gelehrt haben. Nach der Legende errichtete er ein Kreuz, um das sich eine Weinrebe schlang (deshalb die Weinrebe).

Im Altarauszug ist der Patron der Kirche, der hl. Vitus als sitzende Figur unter einem säulengestützten Baldachin dargestellt mit dem obligatorischen Kessel neben ihm. Zu beiden Seiten stehen kleine Figuren der Eltern Jesu, Josef und Maria.
Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisen-
  platten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. St.Vitus ist Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den den Ölkessel als großen Nachttopf deutete. 


F
enster im Altarraum

Die beiden Fenster im Altarraum mit Antikglas in Rundverbleiung enthalten als Mittelteile farbige Glasgemälde.
Im südlichen Fenster ist der hl.Josef dargestellt. Das Gemälde wurde nach einem Entwurf von Hermann Stockmann von Syrius Eberle aus Dachau gefertigt und von den Mesmerbauerseheleuten Josef und Katharina Wechselberger im Jahr 1940 gestiftet.
Das nördliche Fenster enthält ein Bild der Muttergottes. Dieses Bild wurde von der Bäuerin Anna Nottensteiner im Jahr 1934 gestiftet, aber erst 1940 eingebaut.


Zelebrationsaltar

Unter dem Chorbogen steht seit den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein Zelebrationsaltar (sog. Volksaltar) aus Holz, der stilistisch den Altären angepasst ist. Er wurde aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen

  und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Langhaus /Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.


D
eckenmalereien

Das Langhaus ist flach gedeckt. Die Decke des Kirchenschiffs ist mit einem Rahmenfeld zwischen schmalem Gesims stuckiert und mit einer Ornamentmalerei aus dem 20.Jh. (andere Quelle: 1880) geschmückt. In der Mitte wird ein großes Kreuz mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden dargestellt, von stilisierten Akanthustrieben umrankt. In der Mitte des Kreuzes verdeckt eine mit der Heilig-Geist-Taube bemalte Blechscheibe das Entlüftungsloch für die Kirche. Dort befindet sich auch ein Schriftband mit dem Text "Spiritus Domini replevit orbem terrarum" (der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis).
Um das Kreuz herum sind in runden Gemälden die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes jeweils mit Buch (Bibel) und Schreibfeder zu sehen. Ihre Häupter sind von Heiligenscheinen in kräftigen Farben umgeben. Die Namen der Evangelisten stehen am Rand der Bilder.    
        Johannes                       Lukas
Die Schreibfeder (lat.Calamus=Rohr) wurde seit dem 3. Jh. v. Chr zum Schreiben verwendet. Sie bestand früher aus einem abgeschrägten Schilfrohr, dessen Spitze an der Abschrägung eingeschnitten wurde. In der gleichen Weise präparierte man mit einem Federmesser auch die später zum Schreiben verwendeten starken Kiele der Vogelfedern (lateinisch penna), meist Gänsefedern.

Über der Orgel ist ein Gemälde angebracht, das den Patron der Kirche, den hl.Vitus mit einem Holzkessel vor der Gündinger Kirche zeigt. Das Gemälde dürfte im 1950 entstanden sein.


Seitenaltäre

Die neugotischen Seitenaltäre ersetzen frühere Altäre, die 1699 vom Dachauer Maler Johann Georg Hörmann (1672-1749) gefasst worden waren. Die vier Assistenzfiguren der Heiligen Leonhard, Wolfgang, Petrus und Johannes sind Nachbildungen. Die Originale waren Arbeiten der Blutenburger Schule aus dem 14.Jh. Sie wurden Anfang 1973 "nach einer Andacht" gestohlen und sind nicht mehr aufgetaucht. Die Nachbildungen wurden 1979 vom Südtiroler Bildhauer Demetz für je 2.200 DM geschnitzt.

Linker Seitenaltar

Auf dem linken Seitenaltar sind Figuren der Heiligen Wolfgang (mit Kirchenmodell) und Leonhard (im Abtsornat mit Bibel unter dem Arm) dargestellt, die neben dem den Altar prägenden Kreuz in den unteren Nischen stehen.



Hinweise: Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen (deshalb das Kirchenmodell). Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er als Bischof nach Regensburg zurück.
Leonhard
(in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.





Im Halbkreis unterhalb des von Säulen getragenen Bogens ist in einem Relief die Muttergottes mit Kind dargestellt. Anbetungsengel zu beiden Seiten halten eine Lilie und eine Krone als Sinnbild für die Jungfräulichkeit und die Stellung Mariens als Königin des Himmels.
Maria ist im traditionellen blau-roten Gewand dargestellt. Das Jesuskind steht auf ihrem linken Knie und breitet segnend die Hände aus.
Über der Gruppe ein Schriftband mit dem Text: "Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter Luc 1.48"

Im Altaraufsatz eine kleine Figur von Johannes dem Täufer.

Auf dem Altartisch steht eine Schutzmantelmadonna. Sie ist im gotischen Stil geschnitzt. Unter ihrem Mantel lugen zehn Frauen und Männer mit mittelalterlichen Kopfbedeckungen hervor.
Hinweis: Der Bildtypus der Schutzmantelmadonna ist bei uns seit dem 14.Jh verbreitet. Er wurde vor allem von den Zisterziensern und Dominikanern gefördert. Die Darstellung geht auf den Mantelschutz im alten Rom (lateinisch velamentum) zurück, den man Verfolgten gewähren konnte. Auch aus dem Mittelalter ist bekannt, dass insbesondere vornehme Frauen das Recht hatten, Flüchtlingen unter dem Mantel oder Schleier Schutz zu gewähren. Abgeleitet davon, entstand die Darstellung der Schutzmantelmadonna. In alten Schriften wird das Motiv der Schutzmantelmadonna mit dem lateinischen Terminus auch als Mater omnium, "Mutter aller", bezeichnet.


Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar zeigt Figuren des Apostels Johannes (links mit Kelch -und übergroßer Schuhnummer) und sowie des hl.Petrus (mit einem vergoldeten und einem versilberten Himmelsschlüssel).Bezold/Riel (Kunstdenkmale des Königreichs Bayern) vertreten die Auffassung, dass diese Figuren noch aus gotischer Zeit stammen und "zum Allerbesten gehören, was in Oberbayern aus dieser Zeit auf uns gekommen ist". Sie erinnerten "in ihrem großzügigen Faltenwurf unmittelbar an die Art der Blutenburger Skulpturen.

  Hinweis: Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des  Jakobus' des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger Johannes' des Täufers und wurde dann Jesu "Lieblings-jünger" (Joh 19, 26). Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelt.

Darüber im Tympanon als  Relief wiederum der hl.Petrus. Er sitzt in weiser Abgeklärtheit auf einem gut gepolsterten Thron mit goldener Lehne, hält ein geöffnetes Buch (Bibel) auf seinem Knien und hebt segnend seine rechte Hand. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf und grauem, krausen Haarkranz sowie Bart dargestellt.

Zwei kniende Engel zu seinen Seiten halten ein Modell des Petersdoms und die Himmelsschlüssel in den Händen. Der Petersdom gilt als Hinweis auf das Papsttum, das sich als Nachfolger von Petrus sieht.
Über den Figuren ein Schriftband mit dem Text: "Kommet zu mir und ich will euch alle Güter verschaffen, Gen.45,18"
  Hinweis: Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.

Im Altaraufsatz eine kleine Figur des hl.Sebastian.


Auf dem Altartisch steht eine Figur des Bruder Konrad von Parzham mit einem Brotkorb in der Hand.  
Hinweis:   Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus.
1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen.

Kreuzigungsgruppe

An der Nordwand ist ein großes Kruzifix im Stil des Historismus befestigt.
 
Darunter steht auf einem ädikula-ähnlichen Sockel die Mater dolorosa, die schmerzhafte Mutter mit gefalteten Händen. Die Figur ist mit vielen Rosenkränzen behängt. Der Heiligenschein ist -wohl wegen der zu knappen Nischenhöhe- etwas nach unten verrutscht.

 

St.Antonius Kreuzwegbild Kreuzwegbild Kreuzwegbild Orgel ST.PaulusVortragekreuzApostelleuchterApostelleuchterSt.Vitus mit Gündinger Kirche
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Kreuzwegbilder und Apostelkreuze
Die prächtigen Kreuzwegbilder aus der Mitte des 19.Jh (Öl auf Leinwand) hängen über das ganze Kirchenschiff verteilt an den Außenwänden. Sie sind von einem rundbogigen Holzrahmen mit Kreuz umgeben. Maße: 86 x 65 cm ohne Aufsatz.
Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter aus Messing (19.Jh) angebracht.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Üblicherweise werden die Apostelleuchter an Kirchweih angezündet. >


Die Kirchenbänke (25 Reihen) stammen aus dem 19. Jh. Sie besitzen Rokokowangen.

  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Vortragekreuze




An den Kirchenbänken stehen zwei Vortragekreuze, von denen eines mit schwarzer Kreuzstange (um 1900) und gegossenem Corpus für Beerdigungen, das andere mit roter Kreuzstange (18.Jh)für Prozessionenverwendet wird.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.

Fenster im Kirchenschiff

Auch in den Rundbogenfenstern des Kirchenschiffs sind mehrere kleinere Glasbilder enthalten.
Eines davon zeigt den hl. Vitus, der vor dem Kessel kniet, daneben der Gündinger Kirchturm, über ihm die Muttergottes und im Hintergrund eine Burg. Es ist mit "5.6.56" datiert und wurde von den Mesnerseheleuten Vitus und Maria Wexlberger 1954 gestiftet. Rechts unten das Monogramm des Glasmalers Syrius Eberle aus Dachau.
Die anderen Fenster zeigen Bilder
- der hl. Katharina (gestiftet von Jakob Sedlmayer 1954),
- des hl. Augustinus (gestiftet von August Feldl, Kunstmühlenleiter 1954),
- der hl. Barbara (gestiftet von Josef und Barbara Mayr, Schmiedemeisterseheleute, 1954),
- der hl. Cäcilia (gestiftet von Syrius und Wilhelm Eberle, Dachau, 1954),
- der hl. Maria Magdalena (gestiftet von Johann und Magdalena Schaltermayer,1954),
- des hl. Johannes d.Täufers, (gestiftet von Johann und Magdalena Gasteiger,1954) und
- der hl. Theresia (gestiftet von Anton und Theresia Gasteiger,1954).


F
iguren im Kirchenschiff

An der Südseite des Kirchenschiffs ist auf einem neuromanisch gestalteten Sockel eine Figur des hl. Petrus mit Tiara (Papstkrone) auf dem Kopf angebracht.

 

Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom). Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen. Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel. Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen. Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt.

Zwischen dem Wandkruzifix und der Empore steht auf einem Sockel die Schnitzfigur des hl. Paulus mit Schwert in der Hand (Anf. 16.Jh).
  Hinweis: Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Er verfolgte mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er von einer Erscheinung Christi getroffen, fiel zu Boden und erblindete kurzzeitig. Missionsreisen durch den Nahen Osten und seine Briefe (7 der 13 Briefe stammen von ihm) machten ihn bekannt. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes:

  Gott schenkt seine Gnade den Menschen nicht aufgrund ihrer guten Taten, sondern einfach, weil er ein guter, menschenfreundlicher Gott ist. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.

Ihm gegenüber auf der Südseite eine Figur des hl.Antonius mit dem Jesuskind, das auf dem Buch sitzt.
Antonius war Franziskanermönch. Deshalb ist er hier in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht traditionell für Demut und Bescheidenheit.

 

Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte


Empore

An der Brüstung der von Säulen getragenen Empore mit einfacher Flachfelderverzierung ist eine Muttergottesfigur aus der 1. Hälfte des 17.Jh. angebracht. Maria ist als Königin des Himmels mit den königlichen Insignien dargestellt: Sie trägt eine Krone auf dem Haupt und ein Zepter in der linken Hand. Mit der Rechten hält sie das Jesuskind, das in seiner Hand den Reichsapfel präsentiert. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

  
O
rgel

Die zweimanualige Orgel mit neun Registern stammt aus dem Jahr 1954 und wurde von den Gebrüdern Sandtner aus Steinheim bei Dillingen gebaut. Sie besitzt eine pneumatische Kegellage und einen Freipfeifenprospekt. Die Gebrüder Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Unterbachern, Oberroth, Eschenried neu gebaut oder restauriert.

 

Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Hans Schertl


Quellen
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (Zahl d.Höfe 1649)
Amperbote vom 20.12.1905,vom 12.08.1924 und 07.11.1934
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Ortsgeschichte)
Dachauer Nachrichten vom 24.8.1979 (Nachbildungen der Seitenaltarfiguren)
Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Kosten Barockisierung)
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)

35 Bilder: Hans Schertl

3.12.2010