zur Landkreiskarte        Ausführl.Beschreibg       Kirchen i.d. Gem.Fahrenzhausen


Filialkirche St.Quirinus und St.Leonhard in Großeisenbach

 
 
Adresse : 85777 Fahrenzhausen, St.-Quirin-Straße 15
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Großeisenbach liegt neben der Autobahn A9 in der Gemeinde Fahrenzhausen.
Der Ort gehörte -schon vor dem Jahr 900- zum Grundbesitz des Klosters Tegernsee. Deshalb hat man auch den bei uns sehr seltenen Patron St.Quirin der Klosterkirche als Kirchenpatron in Großeisenbach übernommen. Seit dem 18.Jh hat die Kirche das Doppelpatrozinium von St.Quirin und St.Leonhard. Heute wird überwiegend St.Leonhard als Hauptpatron der Kirche angesehen. Am Leonharditag (6.Nov.) fanden hier Pferdesegnungen statt.

Die auf einer Anhöhe östlich des Ortes gelegene Kirche ist ein spätromanischer Bau, wahrscheinlich aus der 1.Hälfte des 13.Jh.  Das zeigen ganz deutlich das spätromanische Rundbogenfries mit zweifachem Deutschem Band und ein zugemauertes schmales Fenster mit tiefer Laibung an der Süd-wand.

In der Zeit um 1685 wurde die Kirche barockisiert und mit neuen Altären ausgestattet.

Dabei hat man die großen Fenster ausgebrochen. Den Turm hat man 1882 wegen Baufälligkeit abgetragen.


Stuckengel an der Chordecke


Bis 1953 (andere Quelle: 1951) gehörte Großeisenbach zur Pfarrei Fürholzen. Seither ist es Teil der Pfarrei Jarzt, seelsorgerisch betreut von der Kuratie Weng.

Inneneinrichtung

Der Altarraum ist von einem Kreuzgrat-gewölbe, das Kirchenschiff von einem Muldengewölbe überdeckt. Die Decken sind mit Stuck verziert.
Die Deckengemälde zeigen das Auge Gottes (Chor) und die Glorie des hl.Leonhard (Langhaus).

Das Innere der Kirche ist seit 325 Jahren im Barock/Rokokostil ausgestattet. Dies gilt insbesondere für die drei prächtigen Altäre,
die 1685 eingebaut wurden. Sie sind dem hl.Leonhard sowie Maria und Josef gewidmet.

Figurenausstattung:
St.Petrus und Paulus am Choraltar
St.Joachim und Anna selbdritt (links)
St.Maria, St.Quirin u. Gottvater (rechts)
St.Sebastian
St.Leonhard (Emporenbrüstung)
Bilder:
Gottvater im Aufsatz des Choraltars
Josef und Maria auf den Seitenaltarblättern
St.Antonius v.Padua (links)
St.Leonhard (Langhausdecke u.Altarblatt)

Volutenengel mit BlumengirlandenAufsatz mit MarienmonogrammAltaraufsatz: IHSSt. Franz XaverReliquienpyramideEwig-Licht-AmpelSt.MargaretaSt.BarbaraSt.KatharinaVolutenengel mit BlumengirlandenChristusMuttergottesHochaltaraufsatz: das Auge Gottes im DreieckMadonnaTabernakelReliquienpyramidezur vergrößerten Ansicht der Blasiusfigur  bitte klicken  DeckengemäldeAltarblattTaberrnakelAltarblatt linksSeitenaltar rechts
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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Barockisierung Matrikel 1738
Beschreibung 1895 Renovierungen Leonhardiritte
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Deckengemälde Empore
  Kreuzweg Kruzifix Orgel Sakristei Seitenaltäre
  Tabernakel

Die Gegend um Großeisenbach ist schon seit vorgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt. Kreisheimatpfleger Erwin Neumair berichtet von bronzezeitliche Siedlungen in dieser Gegend. Außerdem wurden bei Grabungen Reste römischer Anlagen bei Großeisenbach, Kleinnöbach und Hetzenhausen gefunden. 11)

Geschichte der Kirche

Der Ort gehörte -schon vor dem Jahr 900- zum Grundbesitz des Klosters Tegernsee. Deshalb hat man auch den Patron der Klosterkirche als Kirchenpatron in Großeisenbach übernommen (erst seit dem 18.Jh hat die Kirche das Doppelpatrozinium von St.Quirin und St.Leonhard)07. Man nennt die Wahl des Kirchenpatroziniums nach dem Patron des beherrschenden Klosters "Pertinenzpatrozinium". Auch aus der Zeit um 1100 sind Verbindungen zu Tegernsee bekannt. So waren ein Richart von Isinpach und später ein Pernhard von Isinpach als Zeugen bei Beurkundungen des Klosters geladen. Richart von Isinpach war Pfarrer; das könnte nach Gottfried Weber bedeuten, dass die Siedlung schon sehr früh ein selbstständiger Pfarrort gewesen sein muss" 12).

Die benachbarte Ortschaft Kleineisenbach (die damals aber -anders als Großeisenbach- nicht zur Pfarrei Fürholzen, sondern zur Pfarrei Gremertshausen gehörte) wurde in einer Tauschurkunde aus der Zeit zwischen 926 und 937 erwähnt. Bischof Wolfram von Freising tauschte von dem Erzpriester Engilscalh Liegenschaften zu Kleineisenbach und Straßbach gegen ein Lehen zu Niederroth. 04) Die Ortsbezeichnung Kleineisenbach legt nahe, dass es damals auch schon (Groß)Eisenbach als Hauptort gab.

In der Zeit zwischen 1221 und 1240 schenkten die Gebrüder Fuß mehrere ihrer Güter dem Kloster Indersdorf. In der Schenkungsurkunde ist unter den Zeugen auch der Pfarrer Leo zu Ysenbach genannt. Dies bedeutet nicht, dass Eisenbach damals einen eigenen Pfarrer gehabt hätte, sondern, dass der Pfarrer von Fürholzen in Eisenbach gewohnt hat oder aus Eisenbach stammte.

Konradinische Matrikel 1315 01)
Die Filialkirche St.Quirinus in Großeisenbach wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Eysenpach schriftlich erwähnt. Dort heißt es unter dem Dekanat Freising-Inter-Aquas: "Fürholzen habet III filias: Güntzenhausen, Hetzenhausen, Eysenpach cum sepulturis". Großeisenbach hatte somit schon damals einen Friedhof. Dies spricht für eine gewisse Bedeutung schon in früher Zeit.

Die vielen romanischen Bauelemente deuten darauf hin, dass die Kirche schon rd. 100 Jahre früher, in der ersten Hälfte des 13.Jh. 12) erbaut worden ist. Der Grundriss aus romanischer Zeit ist bis heute unverändert 12) .

Matrikel von 1524 01)
Die Sunderndorfer'schen Matrikelvon 1524 erwähnt Großeisenbach im Zusammenhang mit der Pfarrei ebenfalls. Es heißt dort, dass die Pfarrei Fürholzen neben der Pfarrkirche drei Filialkirchen und zwei Kapellen besitze: Gunzenhausen, Hetzenhausen, Eisenbach, capellas in Ottenburg et in Obernnebach (=Kleinnöbach). Fürholzen war damals eine Tafelpfarrei des Bistums, d.h., das Bistum vergab die Pfarrei nicht an einen Pfarrer, sondern setzten selbst einen Vikar ein, der für das Bistum die Seelsorge der Pfarrei wahrnahm. Ein solcher Pfarrvikar war Simon Ruedolff.
Die Patronate der Filialkirchen sind in der Sunderndorferschen Matrikel nicht genannt.


Visitationsbericht von 1560 13)

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Großeisenbach = Eisnpach

In den Berichten über die Pfarrei Fürholzen ist auch Großeisenbach kurz erwähnt. Als Patron der Kirche werden hier einmal St.Leonhard, ein anderes Mal St.Quirinus allein genannt. Der Kirchenpfleger war mit den Gottesdiensten zufrieden ["wirt durch den pfarrer der gottsdinst zimblich verricht"]. Das Einkommen der Kirche betrug 1 Pfund Silberpfennig, das für die Reparaturen am Kirchenbau ausgegeben wurde ["davon sy jerlich das gottshauß pessern"]. Die Inaugenscheinnahme ["Ocularis inspectio"] durch die Visitatoren ergab, dass in der Kirche zwei Kelche, zwei Liturgiebücher, drei Messbücher und vier Messgewänder vorhanden waren. Das Sakrament der Eucharistie (=geweihte Hostien) und das Taufwasser würden sauber gehalten, schrieben sie. An Altartüchern, Fahnen und Glocken bestehe kein Mangel. Das Kirchengebäude und der Pfarrhof befänden sich in ordentlichem Zustand ["zimblich versehen"]; lediglich das Kirchengestühl müsse ausgebessert werden. Der Mesner berichtete den Visitatoren von einem "großen Einkommen", konnte aber keinen Grund dafür nennen ["Mesner sagt von grossem einkommen dises gotshauß, waist aber kain grundt"]


Barockisierung

In der Zeit um 1685 hat man in einer ersten Barockisierungsmaßnahme neue Altäre eingebaut. Erbauer des Hochaltars war der Kistler (=Schreiner) Matthias Ströber aus Massenhausen (der auch in Appercha tätig war) 11)
.
Am 4.November 1707 wurde die Kirche durch den Freisinger Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1695-1727) neu konsekriert (=geweiht). Dies muss nicht heißen, dass die Umbaumaßnahmen so lange gedauert hätten. Denn zum einen ließen sich die Bischöfe mit der Altarweihe oftmals viel Zeit und warteten, bis sie ohnehin in die Nähe der Kirche kamen (das Reisen war beschwerlich). Zum anderen war eine solche Kircheneinweihung teuer. Der Bischof erhielt für jeden Altar als althergebrachtes Honorar ("gebreuchige Honoraria") einen Betragvon 7 Gulden. Dazu kamen die hohen Kosten für die Bewirtung ("praetentirte Cosst") des Bischofs und seines Gefolges. Da musste für eine Weihe schon angespart werden.

Eine Generation später, im Jahr 1732, hat man unter Pfarrer Prämer im zweiten Barockisierungsschritt den Stuck und die Gemälde an die Decke aufgebracht und große, geschweifte Fenster (damals französische Fenster genannt) ausgebrochen, um mehr Licht ins Gotteshaus zu lassen. Der Hochaltar erhielt ein neues Altarblatt, das die beiden Kirchenpatrone St.Quirin und St.Leonhard zeigte. Es wurde vom Maler Schilling geschaffen, der dafür einen Geldbetrag von 10 Gulden und zwei Wochen freie Kost (und Wohnung ?) im Pfarrhaus erhielt.
Ob damals auch die Seitenaltarbilder entstanden sind oder ob diese schon 1685 gemalt worden waren, ist mir nicht bekannt. Pfarrer Prechtl schrieb, sie hätten am linken Seitenaltar im Altarblatt den Mord an den Unschuldigen Kindern gezeigt, im Aufsatz den hl.Nikolaus von Tolentin. 6 Jahre später wird in der Schmidtschen Matrikel allerdings statt der Unschuldigen Kinder der hl.Innozenz erwähnt. Der rechte Seitenaltar sei mit einer Muttergottesstatue aus Holz geschmückt; im Auszug sei Gottvater zu sehen. Dieser Altar scheint 1732 noch nicht bemalt gewesen zu sein, denn es heißt, dass Pfarrer Prämer "mit eigener Hand" den rechten Seitenaltar gefasst habe. Der Kirchenmaler Johann Georg Sang schuf das Deckengemälde "Die Verherrlichung des hl.Leonhard".


Matrikel von 1738/40 01)
Eine frühe Beschreibung der Kirche (Schmidt'sche Matrikel) stammt aus dem Jahr 1738/40, also kurz nach der Renovierung 1732.
Der Freisinger Kanonikus Schmidt führt in der nach ihm benannten Schmidtschen Matrikel aus: Im Ort Eisenbach werden Zehent-Zahlungen auch an das Kloster Tegernsee, an die Pfarrei Gremertshausen und an die Kirche in Eisenbach geleistet. Zur Kirche "der Heiligen Leonhard und Qurinus in Eisenbach" schreibt er, die Kirche sei von edler Baukunst. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei den Kirchenpatronen Quirinus und Leonhard, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem hl.Innocenz geweiht. Messfeiern fänden an jedem dritten Sonntag statt (das war übrigens seit mindestens 1609 bis 1813 so: In Fürholzen, Hetzenhausen und Großeisenbach zelebrierte der Hilfspriester abwechselnd die Sonntagsmesse
08)
). Außerdem wurde an folgenden Tagen eine Messe in Großeisenbach gefeiert: an Oster- und Pfingstmontag, an den Festtagen von St.Quirinus (25.3. oder 16.6), Leonhard (6.11.) und Innozenz (22.9.) sowie am Sonntag vor dem Laurentiustag (10.8.). In der Kirche werde auch ein Kreuzpartikel aufbewahrt, so Schmidt weiter. In der Sakristei befänden sich Messgewänder in ausreichendem Umfang. Rund um die Kirche sei ein Friedhof mit einem Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.


Beschreibung 1895  
 05)
Die Kirche St.Leonhard in Großeisenbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es auf Seite 402:
-
Kirche.Spätromanisch, im Anfang des 18. Jahrhunderts umgestaltet.
-
Einschiffig mit eingezogenem, rechteckigem Chor, welcher früher mit einem Thurm überbaut war.
-
Am Aeusseren auf der Südseite eine vertiefte Bogenfriesblende, welche jetzt durch die vergrösserten Fenster durchschnitten wird.
-
Südlicher Seitenaltar: Bemalte Holzfiguren der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
-
Maria, auf dem Arm das Kind haltend, steht auf dem Mond. H. 82 cm,
-
und S. Quirinus in fürstlichem Gewand mit dem Reichsapfel in der Linken. H. 81 cm.
-
An der Empore: S. Leonhard mit dem Stab in der Rechten, dem Buch in der Linken. Bemalte Holzfigur der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. H. 34 cm.
-
.Das sehr unbedeutende Deckengemälde mit der Glorification des hl. Leonhard fertigte nach der Diöcesan-Statistik Maler Sang, der 1740 zu München gestorben.



Größe des Filialbezirks

Mitte des 18.Jh
hatte Großeisenbach 6 Häuser, die im Obereigentum u.a. des Benefiziums in Weng, der Kirche in Eisenbach und des Klosters Tegernsee standen.
1810 und 1827 waren in der Pfarrstatistik jeweils 7 Häuser mit 35 Personen für Großeisenbach vermerkt.
1839 hatte Großeisenbach immer noch 7 Häuser. Dies erfahren wir aus einer im Bezirksamt Freising gelagerten statistischen
        Beschreibung über die Pfarreigröße von Fürholzen (Pfarrei 597 Seelen) 03)
.
1867 stand im Handbuch des Königreichs Bayern: "Großeisenbach, Dorf, Pfarrei Fürholzen, 57 Einw., 18 Gebäude, 1 Kirche " 02)

1887 war die Zahl der Wohnhäuser auf 10 angewachsen, so Dr.Joh.Bapt. Prechtl in seiner Pfarrbeschreibung 03)
.

Turmabriss
Im Jahr 1882 hat man den Turm auf der Ostseite wegen Baufälligkeit abgetragen. Wann das Ersatztürmchen gebaut wurde ist mir nicht bekannt. Doch in einer Kirchenverwaltungssitzung von 1912 wird beklagt, dass die dringend notwendige Reparatur des Kirchendachs nicht durchgeführt werden könne, weil "infolge des Turmbaues jährlich 75 Mark Annuitäten zu bezahlen" seien. (Lösung: Mathias Modlmayr streckte die Kosten vor). Der neue, bis 1970 bestehende Turm hatte eine innere Weite von 2,30 Metern.
Zum Bild rechts:
Auf dem Altarblatt des Choraltars ist die Kirche in Großeisenbach noch mit dem alten Turm zu sehen. Das Gemälde soll 1932 entstanden sein. Es dürfte den von 1900 bis 1970 aufsitzenden Dachreiter zeigen.


Gemälde v. 1932


Renovierungen
:
1912   (238 Mark, Dach, Wände),
1932   (1100 Mark, Decke, Wände, Stukkaturen, neue Fenster, Emporenstiege, Gemälde, Seitenaltäre)
1935   (Hochaltar) und
1972-74 (durch J. Moser aus Pretzen bei Erding, Freilegung des Südportals und Senkung des Fußbodens) 12).

Leonhardiritte
In Großeisenbach wurden früher am Leonharditag (6.11) auch Pferdeumritte abgehalten. Dies berichtet der Brauchtumsforscher Georg Schierghofer in seinem 1921 erschienenen Buch "Umrittsbrauch und Roßsegen"06) . Danach ist ein solcher Umritt in Großeisenbach erstmals im Jahr 1740 nachweisbar. Auch im 20.Jh gab es hier am Leonharditag noch Pferdesegnungen. Josef Bogner schreibt in seinem Aufsatz über 1200 Jahre Fürholzen: "Am Leonharditage ritten die Burschen aus der Pfarrei (Fürholzen) und Umgebung um die Kirche in Großeisenbach und opferten 10 Pfennig für den Leonhardisegen".
08)


Baubeschreibung

Das Kirchlein liegt auf einer Anhöhe am Ostrand des Dorfes inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Gottfried Weber beschrieb es in seinem Buch "Romanik in Oberbayern" 12)
wie folgt:
  "Am östlichen Ortsrand dieser kleinen, vom Fleiß seiner bäuerlichen Bewohner geprägten Siedlung stoßen wir auf eine romanische Kirche, die durch die originelle Gestaltung ihrer erst jüngst teilweise vom Putz freigelegten Südfassade das Interesse des Kunstbetrachters beanspruchen darf."

Die vielen romanischen Bauelemente deuten darauf hin, dass die Kirche schon rd. 100 Jahre früher, in der ersten Hälfte des 13.Jh. 12) erbaut worden ist. Die Mauerstärken betragen im Altarraum 90 cm, im Langhaus 75 cm. Der Grundriss aus romanischer Zeit ist bis heute unverändert 12).

Der etwas eingezogene Altarraum hat die Maße 3,30 x 3,70 m, das Kirchenschiff 7,30 m x 5,50 m (Länge x Breite) 12).

Fries u.
Deutsches Band

An der mit Backsteinen gemauert Südwand wurde 1972 12) der Putz entfernt; dort sind nun in 2,5 Metern Höhe ein kunstvoll verfugtes Rundbogenfenster, darüber das spätromanische Rundbogenfries mit zweifachem Deutschem Band (Zahnfries) und einem zugemauerten schmalen Fenster mit tiefer Laibung sichtbar geworden 16). Alle der Bauzier dienenden Elemente sind bemalt, die Farbtönung ist original. Aufgrund der sorgfältigen, damals fortschrittlichen Mauertechnik ist die Anlage in das 13.Jh. zu datieren 12).
Überdeckt ist die Kirche von einem Satteldach mit roten Kirchenbiberplatten, das über dem Chor etwas tiefer heruntergezogen ist.

Bis 1882 hatte die Kirche einen richtigen Turm auf der Ostseite. Dies bedeutet, dass es sich hier um eine Chorturmkirche gehandelt hat, bei der der Altarraum im Erdgeschoss des Turmes eingerichtet war. Dieses Konstruktionsschema war vor allem in der Romanik beliebt, weil der (notwendigerweise große) Kirchturm als Zufluchtsort bei feindlichen Angriffen dienen konnte. In die oberen Stockwerke führte damals nur eine einziehbare Leiter vom Altarraum aus. Als der Turm abgebrochen war, setzte man einen quadratischen Dachreiter
(Türmchen) mit einer Seitenlänge von 2,30 m auf den Übergang von Altarraum zum Kirchenschiff. Der hielt bis 1970, bis zur großen Renovierung. Sein Gewicht belastete das Kirchendach übermäßig stark und führte zu Rissen im Mauerwerk. Deshalb errichtete man einen neuen Dachreiter aus offenem Eisengerüst auf der Westseite, dessen Gewicht durch Eisenschienen auf die gesamte Kirche verteilt wurde. In ihm hängen zwei Glocken. Im 1.Weltkrieg musste die Kirche eine Glocke (103 kg) zum Einschmelzen für Kriegszwecke abliefern. Die Ersatzglocke mit einem Gewicht von 238 kg wurde am 5.11.1925 aufgezogen, nachdem ein neuer Glockenstuhl aus Eiche eingebaut worden war.

Der Eingang lag früher an der Westseite. Seit den 1970er Jahren ist die Kirche durch ein Südportal zu betreten; das Westportal war durch den baufälligen Dachreiter beschädigt worden.

Die Friedhofsmauer hält wie ein Ring aus Beton die Kirchenanlage mit dem Friedhof zusammen und verhindert ein Abrutschen des Hangs.

 

Innenausstattung

Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge: Kirchenschiff: 7,30 m; Altarraum: 3,70
—  Breite: Kirchenschiff:
5,50 m; Altarraum: 3,30

Der Innenraum wirkt hell und freundlich. Der Boden des zweiachsigen Raumes ist mit neuen Solnhofener Platten diagonal ausgelegt. Unter dem heutigen Pflasterboden hat man bei Restaurierungsarbeiten 1972 einen weiteren Pflasterboden, darunter ein Ziegelpflaster und ganz unten einen gestampften Lehmboden gefunden. In diese unterste Schicht waren alte Topfscherben mit Brandspuren eingedrückt. Vielleicht war vor rd. 1000 Jahren eine Vorgängerkirche aus Holz abgebrannt. 12).
Die Wandgliederung in der Kirche besteht aus einfachen Pilastern, auf denen die Gewölbe (Kreuzgratgewölbe im Chor und Mulden-gewölbe mit Stichkappen im Schiff) aufliegen. Die Wände waren auch früher nicht bemalt. Dies hat man bei der Renovierung 1912 festgestellt ("Wandmalereien wurden beim Abschaben nicht wahrgenommen").



Altarraum

Der quadratische Altarraum ist etwas eingezogen und schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöht. Überdeckt wird er von einem flachen Kreuzgratgewölbe. Der Chorraum wird nur durch ein kleines Nordfenster mit rundverbleitem Antikglas erhellt. Hinter dem Altar befinden sich noch ein kleiner querovaler Okulus und ein weiteres schmales Fenster.
In die Südseite des Altarraums ist eine Wandnische (31 x 36 cm) eingearbeitet.
Das große Deckengemälde im Altarraum stellt einen Blick zum Hinmel dar. In der Mitte eines dichten Gewölks zeigt sich der blaue Himmel. Darin ist in einem Strahlenkranz das Auge Gottes im Dreieck, auch Dreifaltigkeitsauge genannt, zu sehen.

Deckengemälde
Auge Gottes
Umgeben wird das Bild von einem Stuckrahmen mit vier Engelsköpfchen.
Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater als Person darzustellen.



Choraltar / Hochaltar

Der Choraltar stammt aus dem Jahr 1685. Er wurde vom Massenhausener Kistler Mathias Ströber geschaffen  10). Es handelt sich um einen raumhohen Retabelaltar. Zwei gedrehte Säulen tragen ein Gebälk mit hochovalem Aufsatz. Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.

Choraltar

Zwischen den Säulen hängt das Altarblatt, außerhalb stehen zwei Assistenzfiguren. Der Altar ist schwarz gefasst und rot marmoriert (Maler Johann Nisser aus Freising). Der Stipes, der Altarblock, ist gemauert und verputzt. Die Figuren hat wohl Johann Christoph Thalhammer aus Freising geschnitzt, der auch in Appercha, Petershausen/Kp, Mühldorf und Weng tätig war.
1935 wurde der Altar vom Freisinger Maler Mathias Altmannshofer renoviert.


Altaraufsatz
Mittelpunkt des prächtigen Altaraufsatzes ist ein hochovales Bild von Gottvater mit einem vergoldeten Blattrahmen. Das Bild ist umgeben von zwei Engeln und drei Putten, die auf den gesprengten Volutengiebeln sitzen.


Choraltaraufsatz
Gottvater wird als alter Mann mit weißem langen Bart dargestellt, der aus seiner rechten Hand den Segen auf die Erde fließen lässt. Durch die hochgewirbelten Gewän-der wirkt das Bild sehr lebhaft.


Gottvater

Altarblatt
Das rundbogige Altarblatt zeigt wiederum St.Leonhard, den zweiten Patron der Kirche, auf einer Wolke knien. Zwei Englein halten die Ketten, die Attribute des Heiligen, hoch. Unter St.Leonhard, auf der Erde sehen wir Pferde und Rinder vor einem Dorf grasen. Im Hintergrund eine zweitürmige Kirche. Über dem Gemälde eine Inschriftenkartusche mit dem Text: "St.Leonhardus bitte für uns".

St.Leonhard
Bei dem Dorf soll es sich um Großeisenbach handeln, dessen Kirche mit einem Dachreiter über dem Altarraum abgebildet ist; die doppeltürmige Kirche dürfte der Mariendom in Freising sein.
Das Bild wurde erst 1935 gemalt und ersetzt ein früheres Gemälde des hl.Leonhard und des hl.Quirin, das der Maler Schilling 1732 geschaffen hatte.
 
St.Petrus  
Auf Sockeln unter Baldachinbögen außerhalb der Säulen stehen die Schnitzfiguren von Petrus und Paulus. Sie sind mit einer Metall- und Inkarnatfassung (=Bemalung) versehen. Petrus hält die Bibel und zwei Himmelsschlüssel (einen vergoldeten und einen versilberten) in den Händen; er blickt überrascht nach unten. Paulus scheint aus der Bibel zu lesen, während er sich auf sein Schwert stützt. Die Bibeln weisen die Heiligen als Verkünder des Evangeliums aus. Das Schwert des Paulus erinnert an das Martyrium: er wurde der Legende nach enthauptet, weil er als römischer Bürger nicht ans Kreuz geschlagen werden durfte.
  
  
St.Paulus
Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler Thalhammer der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Tabernakel
In der Predella steht der Tabernakel aus Holz mit Teilvergoldungen. Er ist von zwei rot-schwarz marmorierten Säulchen mit Kompositkapitellen eingefasst, an die sich Ohrmuschelvoluten mit Ziervasen schmiegen. Der Tabernakel dürfte mit dem Altar im Jahr 1685 entstanden sein.

Tabernakel
Auf dem Giebel des Tabernakels stehen zwei Engelsfiguren, die schon Anfang des 17.Jh, also vor dem 30jährigen Krieg geschnitzt worden sind.


    Sakristei


Türklopfer

Die mit einem Kreuzgratgewölbe überdeckte Sakristei ist südlich des Altarraums angebaut. Darin werden die Paramente (Messgewänder) und die für die Kirche benötigten Gerätschaften aufbewahrt. In der Sakristei ziehen sich Priester und Ministranten vor dem Gottesdienst die liturgischen Gewänder über. Im Begriff Sakristei steckt übrigens das lateinische Wort "sacer", mit der Bedeutung "heilig bzw. geweiht".

Die Türe zwischen diesen beiden Räumen besitzt noch ein sehr altes Schloss und alte Beschläge.


Sakristeischloss

In der Sakristei hängt eine Kreuzigungsgruppe, wie wir sie -etwas größer- üblicherweise als Kanzelkreuz im Kirchenschiff erwarten. Jesus am Kreuz und darunter die Mater dolorosa, die trauernde Mutter mit überkreuzten Armen als Zeichen der Trauer.

Kreuzigungsgruppe i.d.Sakristei
Der leidende Christus wird noch als lebend mit geöffneten Augen und ohne Seitenwunde gezeigt. Seine Füße sind nicht überkreuzt, sondern nebeneinander mit zwei Nägeln am Stamm befestigt. Diese Art der Kreuzigungsdarstellung war in der Kunstepoche des Historismus beliebt, die von 1850 bis 1900 reichte.

Kirchenschiff / Langhaus

Das Kirchenschiff wird von einem Muldengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Die Decke ist durch mehrere Gemälde und barocken Stuck verziert:

Deckenstuck

Ein Stuckrahmen mit vier Engelsköpfchen umgibt das Deckengemälde in ovaler Vierpassform.
Die Stichkappen und Zwickel sind mit Weinblättern und leuchtend blauen Weinreben geschmückt.


Vier relativ große Fenster in barocker Form erhellen das Kirchenschiff. Dazu kommt noch ein runder Okulus nach Westen, der der Empore Licht gibt.

Deckengemälde im Kirchenschiff

Das Hauptgemälde (St.Leonhard als Wohltäter der Menschheit) zeigt Szenen aus dem Leben des Heiligen, des zweiten Patrons der Kirche. Das Bild wurde vom bekannten Freskanten Georg Sang aus München im Jahr 1732 geschaffen.
Der Historiker Bezold bewertet das Gemälde 1895 in seinem Buch Deutsche Kunstdenkmale wie folgt:
  "Das sehr unbedeutende Deckengemälde mit der
   Glorification des hl.Leonhard fertigte nach der
   Diöcesanstatistik Maler Sang, der 1740 zu München
   gestorben ist" 05)


St.Leonhard
St.Leonhard, auf einer Wolke sitzend, wird von Engeln in den Himmel emporgetragen. Unten weisen Pferde, Rinder und Ziegen vor einem Bauernhof auf das Hauptpatronat des hl.Leonhard als Helfer bei Krankheiten der Haustiere hin.Ein Gefangenenbesuch Leonhards auf der linken Seite des Bildes erinnert an sein weiteres Patronat, der Hilfe für Gefangene.
Am unteren Rand ein Schriftband mit dem Text: "Imples omne animal benedictione Psalm 144" (Erfülle alles, was lebt mit Segen).
Das Gemälde wurde 1932 vom Kunstmaler Kuwyller renoviert.

Kreuz

Hahn
Die vier Stichkappen um das Hauptgemälde enthalten dreipassförmige Felder mit Leidenswerkzeugen. Sie sind in Grisaille (= einheitlicher Farbton) ausgeführt. Dargestellt sind Kreuz, Hahn, Dornenkrone und Geißelsäule. Zwischen den Stichkappen befinden sich Brokatmusterfelder. Unter den Bildern leere Inschriftenbänder aus Stuck.


Dornenkrone


Geißelsäule

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre wurden 1685 erstellt. Ihre Retabel sind wie der Hochaltar schwarz gefasst und rot marmoriert. Die Stipes sind gemauert und verputzt. Die früheren Holz-Antependien wurden wegen des schlechten Zustands bei der letzten Renovierung entfernt.


linker Seitenaltar

Über der Predella mit Felderungen sind die Altarblätter angebracht, die jünger als der Altar sind. Neben den Säulen stehen jeweils zwei Figuren.

Die Altäre sind in allen Details verschieden gestaltet. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Interessant ist, dass das Retabel (Altaraufbau) des rechten Seitenaltars von großen rot/schwarz marmorierten Wendeläulen gestützt wird. Am Aufsatz des linken Seitenaltars finden wir ähnliche Wendelsäulen im Kleinformat. Man hätte den linken Aufsatz auf dem rechten Seitenaltar erwartet, zu dem er besser zu passen scheint. Vielleicht sollte das Zierelement "rote Wendelsäule" die Gemeinsamkeit beider Altäre betonen; vielleicht hat man die Aufsätze bei einer früheren Renovierung getauscht.


rechter Seitenaltar

Die Figuren auf den Seitenaltären könnten aus der Werkstatt von Hans Christoph Thalhammer (um 1720) stammen 10); einige Historiker halten sie für noch älter 5). Die Altarblätter hat jedenfalls der Künstler Krömer gemalt.
1932 wurden die Altäre durch den Maler Mathias Altmannshofer aus Freising renoviert.


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Mittelpunkt des Altaraufsatzes ist ein von gedrehten Säulchen eingerahmtes hochovales Gemälde. Es zeigt den hl.Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm. Auf begleitenden Sprenggiebeln sitzen zwei fröhliche Engel. Gekrönt wird der Aufsatz durch ein Kreuz. Das Bild wurde wahrscheinlich auch von Adalbert Kromer im Jahr 1875 gemalt. Vorher befand sich hier ein Gemälde des hl.Nikolaus von Tolentino, einem beliebten Prediger und Krankenseelsorger aus dem 13.Jh.

St.Antonius v.Padua
Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden
  verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte, als ihm das Jesuskind auf der Bibel erschien.
Altarblatt
Der linke Seitenaltar ist heute ein Marienaltar. Auf dem Altarblatt ist eine Immaculata im Nazarenerstil zu sehen. Das 142 x 79 cm große Bild wurde mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt und dann auf Holz aufgezogen.
Die Signatur nennt uns den Maler Adalbert Kromer aus Freising und das Jahr 1875 10). Vorher befand sich hier ein Gemälde mit dem Thema Bethlehemer Kindermord.
Altarblatt: Immaculata
Auf dem Altarblatt ist Maria ist in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidet; Maria breitet auf dem Bild ihre Hände aus, von denen Gnadenstrahlen zu den Betrachtern hinführen. Ihr Fuß zertritt den Kopf einer Schlange, die die Weltkugel umschlungen hat.
Das Haupt Mariens wird von einem Kranz von 12 Sternen umgeben.
 
Hinweis: Rot-Blau-Gold sind die traditionellen Marienfarben: Rot und Gold für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung. Im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe den teuren Edelstein Lapislazuli.
Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folgedas Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese bildliche Darstellung in den katholischen Kirchen durchgesetzt.
Assistenzfiguren

St.Joachim
Auf den seitlichen Sockeln stehen vor flachen Pilastern die Figuren von St.Joachim und St.Anna. Joachim hält die Schäferschaufel in der Hand. St.Anna ist in Form einer Selbdritt dargestellt.
Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird als reife Frau dargestellt; um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Anna trägt das Jesuskind auf dem Arm; Maria steht zu ihren Füßen; sie ist als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition umfasst den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter.
Anna selbdritt


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Der Altaraufsatz des rechten Altars bildet mit den Sprenggiebeln und dem oberen Abschluss einen durchbrochenen Halbkreis. Den Mittelpunkt bildet eine Plastik von Gottvater mit der Weltkugel in der Hand. Seine Rechte hat er segnend erhoben.

Gottvater
Zwei fröhliche Engel grüßen von den Voluten. Gekrönt wird der Aufsatz durch ein Kreuz.
Die Figur dürfte mit dem Altar um 1685 geschaffen worden sein.
Der rechte Seitenaltar ist dem hl.Josef geweiht. Das Altarblatt zeigt den Heiligen mit dem Jesuskind auf dem Arm; das Kind hält eine Lilie in der Hand. Das 127 x 75 cm große Bild wurde ebenfalls 1875 von Adalbert Kromer im Nazarenerstil gemalt. Vorher befand sich an dieser Stelle ein Marienbild.

Altarblatt: St.Josef
Hinweis: Joseph war der Vater Jesu -oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Gedenktag: 19. März


Muttergottes
Die beiden Assistenzfiguren am rechten Altar zeigen die Muttergottes mit dem Jesuskind sowie den Kirchenpatron St.Quirinus. Die Köpfe der Figuren wurden erneuert bzw. überarbeitet. Die Insignien (Kronen, Zepter, Reichsapfel) sind neueren Datums.
Hinweis: Quirinus war einer der Christen, die unter Kaiser Claudius II. um 269 wegen ihres Glaubens in Rom enthauptet wurden. Er war zunächst in der Pontianus-Katakombe beigesetzt. 500 Jahre später baten die adeligen Brüder Adalbert und Otkar den Papst um Reliquien für das von ihnen gegründete Kloster Tegernsee und ließen den Leib des Heiligen über die Alpen bringen. Als seine Reliquien nach Tegernsee kamen, entsprang unter dem Wagen eine heilkräftige Quelle. An dieser Stelle befindet sich heute der Quirinus-Brunnen der Kirche St. Quirin am Tegernsee.
Am 16.Juni 804 wurde er in der Tegernseer Klosterkirche feierlich beigesetzt. Quirinus wurde Patron des Tegernseer Tals und vieler zum Kloster gehörender Kirchen, so wie in Großeisenbach.
Sein Fest wurde nach dem neuen Diözesankalender vom 16.auf den 17.Juni verlegt, um eine Terminkollision mit dem Bennofest zu vermeiden.  
19)

St.Quirinus

Sebastiansfigur
An der Nordwand steht die barocke Skulptur des hl.Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt. Sie dürfte im frühen 18.Jh geschnitzt worden sein.
Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Gedenktag: 20.Januar

St.Sebastian


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Kreuzweg-Stationsbilder

Die Kreuzwegstationsbilder aus der Zeit um 1750 sind durch Pfarrer Pämer in die Kirche gekommen (andere Quelle: stammen aus der Zeit um 1800  18)).
Sie sind jedenfalls eine bäuerliche Malerei, die auf die Betrachter wie Hinterglasmalerei wirkt. Die 30x24 cm großen Bilder wurden mit Ölfarbe auf Holz gemalt. Auf dem geschwungenen Aufsatz über den eigentlichen Bildern sind die Stationen beschrieben.

KreuzwegStation
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Kirchenstühle
In der Kirchenschiff stehen sechs Kirchenbänke neueren Datums mit seitlichen Zugängen. Sie besitzen glatte Wangen. Kirchenstühle in Großeisenbach gab es schon 1560. Damals waren sie als reparaturbedürftig eingestuft worden.

Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr.Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind oft rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch in Großeisenbach (links St.Maria, rechts St.Josef).


Kruzifix


In der Nähe des Eingangs auf der Südseite hängt ein Kruzifix aus ungefasstem Holz. Es befand sich früher an der Außenwand. Sein stark verwittertes Aussehen macht eine Altersbestimmung schwierig:
Kunsthistoriker sind der Meinung, dass das Kreuz im 20.Jh geschnitzt wurde.
Unabhängig vom Alter beeindruckt dieses Kruzifix den Betrachter durch seine einfachen und klaren Konturen und durch seine Ausdruckskraft.


Kruzifix


Orgel
       
 

Unter der Empore steht eine kleine einmanualige Tischorgel, die um das Jahr 1900 von W.Rudolph aus Gießen gebaut worden ist.

 


                E
mpore

Die Empore besteht aus Nadelholz. Die Brüstung und auch die Untersicht ist in zwei verputzte Felderungen eingeteilt. Dazwischen steht in einer blau bemalten Nische eine Figur des hl.Leonhard aus neuerer Zeit. Sie ist in Metallfarben gefasst.

Pfarrer Anton Mayer hat in seiner Chronik angemerkt, dass der Schreinermeister Xaver Straßer aus Lohhof, ein gebürtiger Großeisenbacher, der Kirche eine einfache Orgel übergeben habe, die er als Hobby-Orgelbauer nach übergebenen Plänen baute.


St.Leonhard

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Großnöbach)
03) Dr.Joh.Bapt. Prechtl, Beiträge zur Chronik der Pfarrei Fürholzen bei Freising, 1887
04) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1057)
05) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
06) Georg Schierghofer, "Umrittsbrauch und Roßsegen", 1921
07) Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 11-12 Seite 201, 1958 (Patrone Quir/Leonh um 1800)
08) Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Leonhardiritte, Sonntagsgottesdienste)
09) Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
10) Georg Brenninger, Zur Barockausstattung der Pfarrkirche St.Andreas in Eching, S.199 FN 12, Amperland 1985
11) Erwin Neumair, Freising, Portrait eines Landkreises -Vom Steinbeil bis zum 1.Dombau, 1983 (Bronzezeit,Römerzeit)
12) Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, S. 319, 1985
13) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
14) Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3 (Ströber)
15) Beschreibung des Pfarrverbandes Jarzt-Fahrenzhausen vom 10.12.1991
16) Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007 (Turmrenovierung 70)
17) Ernst Keller, Fürholzen, 2010 (Quellenforschung)
18) Friedrich Keydel, Kirchen und Kapellen entlang von Amper und Glonn, S.24
(Kreuzweg)
19) Heimatliche Heilige und Selige, MKZ vom 13.August 2017

40 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

7.11.2017