zur Landkarte        ausführl.Beschreibung         Kirchen i.d. Gem.Fahrenzhausen


Filialkirche St. Silvester in APPERCHA


Navi-Adresse : 85777 Fahrenzhausen, Johannesstr. 2
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Appercha liegt im Landkreis Freising, zwischen Fahrenzhausen und Allershausen. Der Ort wird schon um das Jahr 762 in einer Schenkungsurkunde als "Perahah" erwähnt. Man weiß jedoch nicht, ob dieser Ortsname für das heutige Appercha oder das benachbarte Hohenbercha steht. Vielleicht war Percha damals ein gemeinsamer Siedlungskomplex. Deshalb feierten beide Ortschaften im Jahr 2012 das 1250. Jubiläum.

Bis zur Säkularisation 1803 gehörte das Dorf Appercha zur Hofmark Massenhausen mit der Hofmarksherrschaft Hochstift Freising. Dann kam es zur neu gebildeten Gemeinde Jarzt im Landkreis Freising.

Eine Kirche wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt, auch wenn davon auszugehen ist, dass in Appercha wohl schon hunderte von Jahren vorher eine Kapelle oder eine kleine Kirche vorhanden gewesen ist.

1524 wird erstmals der Kirchenpatron genannt. Es war Johannes der Täufer. Spätestens 1679 hat das Patronat zu St.Silvester gewechselt. Die heutige Kirche mit ihren geschweiften Fenstern stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1738, als das alte gotische Kirchenschiff abgetragen und neu aufgebaut wurde.


Patron St.Silvester

Auch der Kirchturm stammt zum Teil aus dieser Zeit. Lediglich der wesentlich kleinere und schmälere Chor ist noch aus dem Mittelalter erhalten. Im Turm hängen zwei sehr alte Glocken, die in den Jahren 1485 und 1481 gegossen wurden.

Inneneinrichtung

Die Kircheneinrichtung ist barock. Die Altäre sind 60 Jahre älter als das Kirchenschiff. Sie stammen aus der Zeit um 1679.

Der Choraltar ist dem Kirchenpatron Papst Silvester, die Seitenaltäre der Muttergottes und St.Anna geweiht.
Auf den Altären stehen Figuren folgender Heiliger:
-Silvester, Joh. d.Täufer, Joh.Evangelist (Choraltar)
-Florian, Leonhard, Franziskus, Antonius (linker Seitenaltar)
-Wolfgang, Anna, Stephanus (rechter Seitenaltar)
dazu Gemälde von
Herz-Jesu und Herz-Mariens, Maria-Hilf.
Die Figuren wurden -zumindest zum Teil- von Christoph Thalhammer aus Freising geschnitzt.

Kreuzwegzur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung der Vortragekreuzezur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des Deckenstuckszur Beschreibung der Ewig-Licht-Ampelzur Beschreibung der Ewig-Licht-Leuchtezur Beschreibung des ZelebrationsaltarsKreuzwegzur Beschreibung der KanzelBeschreibung des Ambos
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Zwei große Gemälde prägen den Eingangs-bereich. In der Vorhalle ein Arme-Seelen-Bild, an der Rückseite des Kirchenschiffs ein Votivbild der Ortschaft Appercha aus dem Jahr 1796 als Dank für die himmlische Hilfe bei Hochwasser und Viehseuche.

Eine Besonderheit der Kirche in Appercha ist die Ölberg-Darstellung mit fünf großen Figuren aus dem Beginn des 17.Jh.

Die Kirche St.Silvester in Appercha ist eine Filiale der Pfarrkirche Jarzt. Die Pfarrei Jarzt/Fahrenzhausen bildet zusammen mit der Pfarrei Giebing und der Kuratie Weng einen Pfarrverband, der noch in diesem Jahr um die Pfarrei Haimhausen erweitert wird.

 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


 Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560
    30jähriger Krieg  Altäre 1679  Neubau 1738  Matrikel 1740
   Beschreibung 1874      
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar
   Chorglocke  Decken  Empore  Ewig-Licht-Ampel
   Kanzel  Kirchenbänke  Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe
 Kreuzpartikel   Mater dolorosa  Monstranz  
   Ölberg  Portal  Reliquien  Sakristei
 Seitenaltäre  Sonnenuhr  Tabernakel  Totengedenktafel
 Turm  Vorhaus  Votivbild  Zelebrationsaltar

Ortsgeschichte

Appercha bedeutet das "am Wasser (der Amper) gelegene Percha". Es wurde früher auch Perhah, Aperchach, Amperperchach oder Achperchach genannt. Bei Appercha finden sich Siedlungsspuren, die in die Jungsteinzeit Bronzezeit (1800-1250 v. Chr.), die Latenezeit (500-100 v.Chr) und die folgende Römerzeit zurückreichen.

Erstmals schriftlich wird Appercha möglicherweise in einer Urkunde aus der Zeit zwischen 762 und 764 genannt. Damals schenkte ein gewisser Erchanpald dem Bistum Freising seinen Besitz zu Perahah und Mintraching. Er begründet dies mit der Sorge um sein Seelenheil und dem Seelenheil seines Vaters Reginpald, seiner Mutter Cotafrita und seines (Bruders ?) Oadalker, eines Klerikers (?). Dies entnehmen wir der Urkunde, die in der Urkundensammlung Freisinger Traditionen aufbewahrt wird und deren Überschrift "Donatio Erchanpaldi de Perahah" lautet.
Das genaue Datum wird nicht genannt. Das ist nicht ungewöhnlich, weil zum einen die Zeitrechnung "nach Christi Geburt" damals noch nicht verwendet wurde und zum anderen die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht worden war. Nach früherem römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts, die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 8.Jh, also zur Ausstellungszeit unserer Urkunde, begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung aller Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man aber auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Prominente Zeugen, von denen ebenfalls Lebensdaten erhalten sind, lassen eine weitere Eingrenzung zu.
Die Urkunde über die Donatio des Erchanpaldi wurde unter Bischof Josef von Verona überliefert, der das Bischofsamt von 748 bis 764 ausübte. Da unter den Zeugen ein gewisser Oadalker genannt ist, der den Historikern bekannt ist, nimmt man an, dass die Urkunde in den letzten Regierungsjahren von Bischof Josef ausgestellt worden ist.
Den genauen Wortlaut (in Druckschrift) können Sie hier lesen...

Auch in den Jahren 765-767 und 843 könnten Appercha/Hohenbercha schriftlich erwähnt sein. Am 10.Juli eines Jahres um 765-767 übergaben Reginolt und Egeno ihren Besitz zu Perchak an die örtliche Kirche St.Michael (Urkunde Nr. 22). Um 765 kaufte Bischof Arbeo einen Besitz zu Perahhah (Urkunde Nr. 24 b). Am 1.Juli 843 schenkte eine Person namens Nordperht Besitz in Perhah dem Dom zu Freising (Urkunde Nr. 658).

In allen genannten Fällen sind sich die Historiker einig, dass der Ort mit den Bezeichnungen Perahah, Perchak, Perahhah oder in unserem Gebiet gelegen ist. Ungewiss ist aber, ob damit Hohenbercha oder Appercha gemeint ist.
Möglicherweise bildete Percha damals einen gemeinsamen Siedlungskomplex, der sich erst in den folgenden Jahrhunderten auseinander entwickelte. Deshalb feierten beide Ortschaften im Jahr 2012 das 1250. Jubiläum. In diesem Rahmen zelebrierte der frühere Weihbischof Dietl am 24.Juni 2012 einen Festgottesdienst und weihte eine Gedenktafel ein.

Mit seinem heutigen Namen erscheint Appercha in den Jahren 1225 als Achperchach, 1330 als Amperperchach. Der Kartograph Philipp Apian (1531-1589), der die erste Landesaufnahme des bayerischen Herzogtums erstellt hat, schreibt: "Appercha pagus, templum ad Ambram varie se inflectentem". Von 1499 bis zur Säkularisation 1803 gehörte das Dorf zur Hofmark Massenhausen und wurde somit vom Hochstift Freising verwaltet. Territorial gehörte es aber zum Wittelsbacher Gebiet (Gericht Kranzberg). In den Jahren nach 1818 kam es zur neu gebildeten Gemeinde Jarzt im Landkreis Freising.

 

Geschichte der Kirche

Erste Kirche

Wahrscheinlich stand in Appercha -wie auch in den anderen Ansiedlungen unserer Gegend- schon vor über 1000 Jahren eine kleine Holzkapelle. Wurde eine solche Kapelle abgetragen und durch einen Steinbau ersetzt, sind kaum noch Spuren des Holzbaus zu erkennen.
Wann die erste Kirche aus Stein gebaut worden ist, ist nicht bekannt. Bei Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren hat man noch Reste einer spätromanischen Anlage entdeckt, mit kleinen (später zugemauerten) Fenstern und einem Schmuckfries an der Außenwand, ähnlich dem an der Kirche in Großeisenbach. Dieses Schmuckfries ist unter dem heutigen Putz noch erhalten. Kirchen im Stil der Romanik wurde in unserer Gegend bis zum Jahre 1300 gebaut.

Konradinische Matrikel 1315 09)
Die Kirche in Appercha (Pfarrei Jarzt) wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Perchach schriftlich erwähnt. Dort heißt es unter dem Dekanat Bergkirchen: "Jortz habet IIII filias: Warnoltzhausen, Westerndorf, Perchach et Lauterbach cum sepulturis". Appercha hatte somit schon damals einen Friedhof; dies war das Zeichen für einen Ort mit einiger Bedeutung. Ein Friedhof war auch deshalb wichtig, weil damals die Verstorbenen in viel größerem Maße in das Leben und die Bräuche der Menschen einbezogen waren als heute.

Matrikel von 1524 09)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 wird erstmals das Patrozinium von "Abberchach" genannt: Es war Johannes der Täufer. Der Wechsel zum Patron Papst Silvester muss zwischen 1560 und 1679 erfolgt sein.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Im Bericht über die Pfarrei Jarzt ist auch Appercha unter den beiden Ortsbezeichnungen "Aperchen" und "Aperchau" kurz erwähnt. Die Filialkirche St.Johannes Baptista (!) habe "alle pfärrliche Recht. Das Einkommen betrage 3 Pfund d (d=Pfennig; 3 Pfund = 720 Pfennige) und 1 Pfund Wachs. Die Einnahmen würden vom Gericht von Massenhausen verwaltet. Als Gottesdienste werden 2 Wochenmessen gehalten. Das "Gotshauß ist nit paufellig und hat alle Kirchentzier, aber an Khelch, Meßgewandt und Puecher (ist) großer Mangel", berichtet der Kirchenpfleger. In der Kirche befanden sich 1 Kelch mit Corporale, 2 Messbücher und 3 schlechte Messgewänder. "Sonst kain mangel" heißt es abschließend.

Karte um 1651

Dreißigjähriger Krieg
Über Schäden an der Kirche oder an den Häusern von Appercha im Dreißigjährigen Krieg ist nichts bekannt. Dies ist auf den Pfarrhofbrand in Jarzt am 17.August 1799 zurückzuführen, bei dem fast alle Archivalien, Stiftungsbücher, Matrikel und sonstige Schriftstücke verbrannt sind. Ein Blick in die Kirchenbücher der Nachbarschaft, den Georg Völk in seiner Pfarrbeschreibung von Jarzt gewagt hat, zeigt aber, dass auch unsere Gegend schwer getroffen wurde. Die Mühle zu Unterbruck wurde "durch Freund- und Feindsoldaten stark zugerichtet, daß fast kein Rad mehr zu gebrauchen war". Nach den Wenger Büchern "starb 1647 Wolfgang Sauerngruber von Weng, seine Gattin Barbara, vor Elend halb wahnsinnig und Christoph ihr Kind". Schon ein Jahr vorher war Johann Sauerngruber verstorben, "verschmackt vor Gestank und Läusen im währenden Krieg".
Einen Hinweis könnte der Erwerb von Altären in Appercha im Jahr 1679 geben. Die Soldaten hatten trotz ihrer Zerstörungswut die Kirchengebäude aus Stein meist verschont, weil ihnen das Pulver zur Sprengung zu wertvoll war. Dafür zerstörten und entweihten sie die Inneneinrichtung, insbesondere die Altäre. Deshalb gab es in unserer Gegend zwischen 1650 und 1700 sehr viele neue Altarbauten und Altarweihen.

Neue Seitenaltäre 1679
Die Anschaffung der Seitenaltäre in Appercha im Jahr 1679 ist belegt. Ein Stilvergleich spricht dafür, dass alle drei Altäre vom selben Künstler bzw. der Hochaltar in Kenntnis der Seitenaltäre oder umgekehrt geschaffen wurden.
Im bischöflichen Ordinariat in Freising hat sich noch Schriftverkehr über die Anschaffung des rechten Seitenaltars erhalten 17)
. Pfarrer Stieler schrieb an Bischof Albert Sigismund am 14.6.1679, er wolle für das ehrwürdige St.Silvester-Gottshaus in Appercha einen würdigen Altar mit einem Bildnis der HL.Familie erwerben. Die Genehmigung wurde erteilt. Die Kosten betrugen 90 Gulden. Für die Assistenzfiguren der Heiligen Stephanus und Wolfgang liegt ein Kostenvoranschlag des Bildhauers Hans Christoph Thalhammer aus Freising bei den Akten. Es ist anzunehmen, dass er die Arbeiten ausgeführt hat.
Vom linken Seitenaltar ist kein Schriftverkehr bekannt. Aber bei der Renovierung 1970 hat man auf der Rückseite einen mit Bleistift geschriebenen Hinweis entdeckt, dass der Kistlergeselle Bartholomäus Ströber aus Massenhausen hier 1679 tätig war.


Kirchenzehent
Der Kirchenzehent ist eine alte Abgabe. Schon in der Antike haben Gläubige nach dem Vorbild des Alten Testaments den zehnten Teil der geernteten Feldfrüchte der Kirche vermacht als eine Art freiwillige Kirchensteuer. Nach Gründung von Pfarreien im 12.Jh. wurde der Zehent kirchen- und staatsrechtlich verpflichtend dem Pfarrer für seinen Lebensunterhalt zugestanden.
Er wird unterschieden in den Großzehent (Getreide, Stroh), den Kleinzehent (Ost, Gemüse, Flachs und Hanf) und den Blutzehent (Haustiere und Tierprodukte wie Milch, Honig usw.). Zehentfrei waren Gärten, Wiesen und Wald. Einem Verzeichnis aus dem Jahr 1672, also eine Generation nach dem 30jährigen Krieg, ist zu entnehmen, dass in Appercha der Kirchenzehent geteilt war: von den alten Höfen bekam der Jarzter Pfarrer einen Schober Korn und ein Fuder Hafer und vom Rest des großen Zehents ein Drittel, der Massenhausener Pfarrer zwei Drittel. Der Kleinzehent ging voll an den Jarzter Pfarrer. Die neuen Höfen ("in den Pointen") zahlten beide Zehente nach Jarzt.

Altarweihen von 1708
In Freisinger Weihebuch "Extractus ex libro Consecrationum et Benedictionum Joa.Fr.Eckher, Eppi Frisigensisab 1696 usque 1727" ist festgehalten, dass der 57. Freisinger Bischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck am 4. September 1708 drei Altäre in Appercha weihte. Es war der Kirchweihtag der im Jahr 1700 errichteten Pfarrkirche in Jarzt. An diesem Tag weihte er in den Filialkirchen auch Altäre (" Jarzt Kirche und 3 Altäre, Appercha 3 Altäre, Fahrenzhausen 3 Altäre, Westerndorf 2 Altäre").
Der kunstsinnige Bischof Eckher von Kapfing regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.

Renovierung/Neubau 1738
Um das Jahr 1738, also rd.40 Jahre nach der Pfarrkirche in Jarzt, wurde das Gotteshaus in großen Teilen neu errichtet. Jedenfalls wird in der Freisinger Matrikel von 1739/40, der sog. Schmidt'sche Matrikel , von einem Kirchenbau berichtet, in dem die Altäre noch nicht aufgestellt sind. Es ist anzunehmen, dass die zu reparierende Kirche noch der Bau aus der Spätromanik war. Aber er wird wohl im verflossenen Zeitraum von über 400 Jahren häufig repariert und ergänzt worden sein. Eine Regel besagt, dass jede Generation eine Renovierung durchzuführen hat, jede zweite sogar eine größere.

Kirche von Norden
mit Sonnenuhr
1722 jedenfalls war die Sakristei, vor allem deren Bedachung, schadhaft. Ein Antrag an das Ordinariat, die Schäden reparieren zu dürfen, blieb unbeantwortet, obwohl in der Pfarrei Geld genug vorhanden gewesen wäre.
15 Jahre später wurde der nächste Antrag gestellt. Darin war schon von schlimmen Schäden die Rede. Und als die Reparaturarbeiten dann tatsächlich durchgeführt wurden, kamen weitere Bauschäden zum Vorschein. Sogar der Turm musste teilweise abgetragen werden. Die beiden Glocken hat man in einem Bretterverschlag neben der Kirche auf dem Friedhof untergebracht. Sie blieben 22 Jahre dort; so lange dauerte es, bis der Turm (für 540 Gulden) wieder aufgebaut war.

Das Kirchengebäude war schneller wieder hergestellt. Das nächste Schreiben vom 5. Juli 1738 befasste sich schon mit der Frage, welches Weihwasser bei der Kircheneinweihung benutzt werden solle.

Kirche von Westen


Schmidt'sche Matrikel 1738/40 09)
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Kanonikus Schmidt aus Freising alle Pfarreien des Bistums besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben.
"Diese einst baufällige Kirche wird jetzt erbaut und die Altäre sind in ihr noch nicht aufgestellt. Der Hochaltar, in dem sonst das Allerheiligste aufbewahrt wird, wird dem hl.Silvester geweiht. Gottesdienst wird hier sonst gewöhnlich am dritten Sonntag (durch den Kooperator; an den anderen beiden Sonntagen in Westerndorf) und an den nichtmarianischen oder nicht apostolischen Festtagen gefeiert. Dazu kommt noch eine Messe in der Woche, für die der Kooperator (Kaplan) jährlich einen Gulden 42 Kreuzer und 6 Heller erhält. Das Kirchweihfest wurde bisher (= bis 1740) am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (= 15.August), das Patrozinium am 31.Dezember gefeiert. Appercha besitzt einen Friedhof mit Beinhaus und Grabstätten. In der Sakristei befinden sich die notwendigen Paramente (= Messgewänder). Im Turm hängen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte dieser Kirche werden vom Pfarrer und vom Hofmarksverwalter von Massenhausen verwaltet." Zum Schluss der einzige deutsche Satz im sonst lateinischen Text: "Das Vermögen dises Gottshauses mechte der Zeit gegen 600 fl. (= Gulden) betragen".

Brand im Ort 1866 02) 
Am 9.Sept.1866 wurde Appercha von einem "großen Brandunglück" heimgesucht. Welche Schäden es verursachte, ist mir nicht bekannt. Die Kirche dürfte wohl nicht davon betroffen gewesen sein; dies wäre sonst im Zeitungsbericht erwähnt worden. Zu den möglichen Ursachen schrieb die Zeitung "Neuer bayerischer Kurier für Stadt und Land" am 15. 9.1866:
  "Am vergangenen Sonntag Nachts sah man mehrere Feuer in der Umgegend. So brannte es in Appercha, in Eching, in Inkofen und in der Richtung nach Geisenhausen sah man ebenfalls Feuerröthe am nächtlichen Himmel. Sonderbar, daß gerade an diesem Tage, wo verschiedene Kirchweihen zusammenfallen, die Brandfälle vorkommen. Im vorigen Jahre war es ebenso der Fall. Es trägt demnach sicher Brandstiftung die Schuld an den Feuersbrünsten."
Die Brandbekämpfung scheint aber erfolgreich gewesen zu sein. Jedenfalls sah sich die Filialgemeinde Appercha veranlasst, am 16.Sept. in dieser Zeitung folgende Danksagung zu veröffentlichen.
"Die Filialgemeinde Appercha, k.Bez.Amts Freising, welche am Sonntag den 9.d. Mts, Abends von einem großen Brandunglücke heimgesucht wurde, sieht sich veranlaßt, den eben in Appercha und Jarzt einquartierten Soldaten der Abtheilung des 1.Artillerie-Regiments, sowie der Mannschaft des 1. u. 5. Aufnahmespitals für ihre Menschenfreundlichkeit öffentlichen Dank zu sagen. Ihrer raschen Beihilfe und ihrem unermüdeten Eingreifen hat man es zu verdanken, daß nicht das ganze Dorf ein Raub der Flammen wurde. Ebenso fühlt sich Appercha verpflichtet, dem hochverehrten Hrn. Bez.Amts-Assessor Scheibenpflug in Freising für seine eifrige Anordnung von Sicherheitsmaßregeln, und endlich auch der Stadtgemeinde Freising, den Landgemeinden Allershausen, Gremertshausen, Haimhausen, Kammerberg, Kollbach und Kranzberg für ihre thätige Unterstützung herzlichsten Dank zu sprechen.
Jarzt den 16.September 1866
Im Namen der Filialgemeinde Appercha, Jos.Thurner, Cooperator, Mich.Reichl, Vorsteher"


Statistik

1867:   Dorf, kath.Pfarrei Jarzt, 153 Einwohner, 51 Gebäude, 1 Kirche (Handbuch des Königreichs Bayern von 1867) 03
1876:   Kirchdorf, zur Kirche und Schule Jarzt 1 km, zur Post Haimhausen 8 1/4 km, 134 Einw., 55 Gebäude, 60 Pferde, 222 Rinder,


Beschreibung 1874 04

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Appercha (damalige Schreibweise: Apercha) als Filialkirche von Jarzt enthalten. Zu dieser Zeit gehörten 137 Seelen zu diesem Filialbezirk. Sie wohnten in 20 Häusern (1832 waren es 120 Einwohner in ebenfalls 20 Häusern 01).
Die Kirche, so schreibt Mayer, liegt an der Distriktsstraße von Jarzt nach Moosburg. Um das Jahr 1740 wurde sie neu gebaut. Stil wie in Fahrenzhausen (=modern). Geräumigkeit: genügend. Baupflicht: An der Kirche die Kirchenstiftung, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre. Gottesdienste: An jedem 3.Sonntage, abwechselnd mit Westerndorf, und am Feste St.Johann d.T., sowie am Patrocinium, durch den Cooperator. Stiftungen: 7 Jahrtage und 3 Jahrmessen. Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen 4.300 Gulden.

im Jahr 1908
Mayer schreibt weiter in einer Anmerkung: 10)
"In Apercha sind d.Z. 11 Protestanten, eingepfarrt nach Ober-Allershausen, die Kinder aber gehen nach Fahrenzhausen zur Schule".
Diese Protestanten waren in der Zeit zwischen 1810 bis 1820 im Rahmen einer Einwanderung "vom Rhein her" nach Appercha gekommen. Sie erwarben in Zinklmiltach, Grandlmiltach, Thurnsberg und Appercha relativ günstig Höfe, die durch die kriegerischen Ereignisse zu Beginn des 19.Jh vergantet waren. 1797 zogen die Franzosen durch, 1798 war das österreichische Regiment einquartiert, 1800 kamen wieder die Franzosen. Die vom König Max I. aus seiner früheren Heimat, der Pfalz, geholten Einwanderer konnten ihren Boden daheim verhältnismäßig günstig verkaufen. Für ein Tagwerk pfälzischen Grund erhielten sie in Appercha drei Tagwerk. Dank ihrer verfeinerten landwirtschaftlichen Anbaumethoden hatten sie guten wirtschaftlichen Erfolg. Dass sich überhaupt Protestanten hier ansiedeln konnten, lag am bayerischen Toleranzedikt von 1800, das allen christlichen Bekenntnissen Religionsfreiheit gewährte. Vorher gab es -jedenfalls auf dem Land- keine Protestanten.

Renovierung 1973-1975
In den Jahren 1973 bis 1975 wurde die Kirche von Grund auf renoviert. Die Außenmauern wurden oberhalb der Grundmauern waagerecht durchschnitten, gegen Feuchtigkeit isoliert und auf einen neuen Betonsockel gestellt.

Ergänzung der Kircheneinrichtung um 2000
In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts hat der langjährige Kirchenpfleger und begnadete Handwerker Johann Rottenfußer die Inneneinrichtung der Kirche um mehrere Kunstschlosser-Arbeiten ergänzt:
- Verzierung des Portalgitters (2007)
- Apostelleuchter (2008)
- Leuchterarm für die Ewig-Licht-Ampel (2009)
- Chorglocke (2016)
- Totengedenkbrett mit Ständer für Opferkerzen (2016)
Rottenfußer hat diese Arbeiten in den Formen des Barock/Rokoko-Stils erstellt, der der Kirche ihr Gepräge gibt. Kennzeichnend sind bei allen Arbeiten die Farben Anthrazit für die Grundfunktionen und Gold für die Verzierungen. Rottenfußer hat diese Einrichtungsgegenstände auf seine Kosten erstellt und der Kirche gestiftet.


Baubeschreibung der Kirche

Die 1738 von Grund auf renovierte Kirche liegt inmitten des Dorfes an der Hauptstraße. Sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der gegenüber dem Langhaus deutlich eingezogene (= niedrigere und schmälere) Chor schließt mit einer halbrunden Apsis.
Das Langhaus besitzt zwei Joche
. Die Fenster haben geschweifte Formen. Langhaus und Chor sind von einem hohem Satteldach mit rotem Kirchenbiber überdeckt, das über der Sakristei heruntergezogen ist.

Sakristei
Die doppelstöckige Sakristei ist an der Nordseite an den halbrunden Chor angebaut (siehe Bild rechts). Der obere Stock ist nur von außen zugänglich. Die Fenster bestehen aus rundverbleiten Antikgläsern. Eine Wandnische ist mit einem Türchen aus dem 18.Jh. verschlossen.
  
Sakristei

Aufnahme 1908
Bis 1970 war in den Zwickel zwischen Kirchenschiff-Ostseite und Chor-Südseite ein schmaler Anbau mit steilem Dach gesetzt, in dem die Ölbergfiguren aufbewahrt wurden (siehe Bild links, mittlerer Bauteil). Der Anbau war von einer Lattenrost-Türe verschlossen, die nur mangelnden Schutz vor der Witterung bot. Seit 1970 sind die Figuren im Leichenhaus aufgestellt.
Turm

Der Turm steht im Westen. Er stammt in seinen drei quadratischen Untergeschossen noch aus dem Mittelalter. Der obere Teil wurde 1760 durch den Freisinger Stadtmaurermeister Ignaz Reiser aufgesetzt; er besteht aus einem Achteck mit vier schmalen und vier breiten Seiten. Die schmalen Diagonalseiten sind durch Pilaster verziert. Zimmerermeister Math. Neureuther aus Massenhausen versah den neuen Turm mit einer kunstvollen Zwiebelhaube (Turmkosten 796 Gulden). Auf einer Zeichnung des Feldvermessers Thobias Volkhmair aus dem Jahr 1643 hat der Turm ein Satteldach.
Auf die Nordseite des Turms ist eine Sonnenuhr gemalt. Dies klingt zunächst nach einem Schildbürgerstreich, ist aber aus der Geschichte erklärbar: Früher waren aus gestalterischen Gründen auf allen vier Seiten des Turms Sonnenuhren angebracht. Bei einer Renovierung hatten die Maurer begonnen, den Putz und damit auch die Sonnenuhr-Gemälde abzuschlagen; sie konnten erst auf der Nordseite gestoppt werden. So hat sich nur die Sonnenuhr im Norden erhalten und gibt nicht informierten Betrachtern zu denken.


Sonnenuhr


Turmkreuz
Übrigens:
Eines hat die Kirche in Appercha mit der Kirche St.Peter in München gemeinsam: Das Kreuz auf der Turmspitze hat -wie das auf dem Alten Peter- die falsche Richtung. Üblicherweise sind die Kreuzbalken quer zum Kirchenschiff, also in Nord-Süd-Richtung, angeordnet. Das Kreuz ist also von Osten und vor allem von Westen in seiner vollen Breite zu sehen. Das hat zwei Gründe:
a) Kirchenbesucher, die auf die Kirche von Westen her zugehen, sollen es von vorne erblicken.
b) Außerdem war in früheren Zeiten die Westseite als Gegenstück zur Ostseite (Sonnenaufgang als Symbol
   für Christus) die Richtung, aus der schädliche Einflüsse kamen. Da konnte eine volle Kreuzes-Breitseite
   zur Abwehr dieser schädlicher Einflüsse nicht schaden.
26)
Beim Alten Peter soll einer Sage nach der Teufel das Kreuz gedreht haben. Wer in Appercha schuld war, ist (noch) nicht geklärt. Alle übrigen Kirchen der Pfarrei Jarzt haben übrigens die Kreuze auf ihrer Kirchturmspitze ganz korrekt in traditioneller N/S-Richtung montiert.
Glocken
Hinter den vier rundbogigen Schallfenstern hängen zwei Glocken. Sie sind historische Raritäten: Beide wurden von
Ulrich von Rosen aus München in den Jahren 1481 bzw. 1485 gegossen. Die Aufschrift auf den Glocken lautet: "Ave Maria, gratia plena, dominus tecum" (= Gegrüßt seist Du Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir); "1481 jar gos mich maister ulrich von rosen" und "1485 jar gos mich ulrich von rosen". Die Inschrift ist von gotischer Ornamentik eingerahmt.
Die Brüder Ulrich und Hans von Rosen haben auch eine Glocke für die Münchener Frauenkirche gegossen.



1481


1485
Im Landkreis Dachau hängen in der Kirche von Mühldorf bei Petershausen ebenfalls zwei Glocken von Ulrich von Rosen (gegossen 1486 und 1487).

Die Glocken von Appercha sind -wie die meisten Glocken in unseren Kirchen- Bronzeglocken. Sie bestehen leider aus dem gleichen Material wie die Munition und Kanonen des Militärs (etwa 78 Teile Kupfer und 22 Teile Zinn). Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurden deshalb in Deutschland tausende von Glocken beschlagnahmt und zu Kriegsgerät eingeschmolzen. Im Ersten Weltkrieg fielen nur Glocken unter die Beschlagnahme, die nach 1770 gegossen worden. Doch im 2.Weltkrieg wurde auch eine der historischen Glocken vom Turm der Kirche von Appercha geholt, nach Hamburg gebracht und in der Elbe als Rohstoffvorrat versenkt. Dort überlebte sie den Krieg und konnte wieder nach Appercha zurückkehren. Allerdings war sie stark beschädigt und musste -zunächst notdürftig- repariert werden. 1995 hat man beide Glocken in Nördlingen nochmals überholen lassen. Die Geldmittel dafür stammten aus dem Verkauf eines Kochbuchs mit Rezepten von Frauen aus Appercha. 17)
Die Glocken haben in den 1990er Jahren eine elektrisch betriebene Läutanlage bekommen.

Das Glockengeläute wurde von Herrn Thomas Wendt aufgenommen und in Youtube eingestellt.
Wenn Sie es hören möchten, klicken sie hier....

Das Portal liegt an der Westseite des Turmes. Bis zur Renovierung 1738 befand sich der Eingang übrigens an der Südseite; er wurde zugemauert und ist unter dem Putz noch zu erkennen.
Das Portal führt den Besucher zunächst in die Vorhalle, die im Erdgeschoss des Turmes eingerichtet ist. Dort befand sich in den früheren Jahrhunderten das Beinhaus. In diesen auch Karner genannten Gebäuden wurden die Gebeine der schon vor längerer Zeit Verstorbenen aufbewahrt, die man aus ihren Gräbern geholt hatte. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Es war üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Als man die Beinhäuser im 19.Jh. schloss, wurden an deren Stellen oftmals Lourdeskapellen oder/und kleine Erinnerungsstätten an die Beinhäuser (Gedenknischen) angelegt, wie dies auch in Appercha der Fall war. Einige Totenköpfe in der Nische erinnerten an die frühere Trauerkultur. Sie sollten die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen. Besonders für Kinder waren sie aber auch Stätten des Gruselns. Deshalb sind die Totenschädel bei der großen Renovierung um 1970/75 entfernt worden.

Verblieben sind das große Gemälde und das schwarz gestrichene Holzgitter. Beide wurden möglicherweise beim Umbau des Beinhauses in eine Gedenknische im 19.Jh. angebracht.
Das mit Ölfarbe auf Holzuntergrund gemalte Bild zeigt die Linderung der Qualen der Seelen im Fegefeuer durch das Blut Christi. Aus den fünf Wunden Jesu strömt das Blut in ein großes, Kelch-artiges Gefäß (dem Sinnbild für die Kirche), aus dem es in fünf Blutstrahlen an die im Fegefeuer schmachtenden Seelen weitergegeben wird (durch die Kirche zum Heil).
Das rundbogige Gemälde steht unter der Überschrift: "Seelig ist wer verstandt hat, und sich annimmt um den dirfftigen (=Bedüftigen) Psalm 40".


Arme-Seelen-Gemälde
Das Bild wird von einem Band aus Bildern und Texten umgeben. Darauf werden dem Betrachter Ratschläge gegeben, mit welchen Mitteln er den Armen Seelen im Fegefeuer helfen könnte.

Genannt werden Messopfer, Almosen, Gebet, Fasten, Seelenablass, und Geduld.

Dazu der Text: "Mit welchem Maass ihr aufmessen werdet, mit derselben wird euch gemessen.

 
Almosen - Fasten


Totengedenktafel und Lichtspalier


    Totengedenken
Gegenüber vom Allerseelengemälde ist eine mit Schmiedeeisen umrahmte Totengedenktafel angebracht, in die die Sterbebilder der zuletzt verstorbenen Gläubigen aus Appercha gesteckt werden. Auf einem Lichtspalier darunter können gegen eine kleine Gebühr Opferkerzen angezündet werden. Der Erlös daraus wird zur Pflege der Kirche und des Friedhofs verwendet; darauf weist eine daneben angebrachte Tafel hin, auf der ein Gebet der im September 2016 heiliggesprochenen Mutter Theresa zu lesen ist:
    "Herr lass uns in deiner Liebe einander treu sein. Lass nicht zu, dass irgendetwas,
irgendjemand uns von deiner Liebe und der Liebe trennt, die wir zueinander haben sollen. Amen".
Die schmiedeeisernen Rahmen von Totengedenktafel und Gebetstafel sowie das Lichtspalier wurden von Johann Rottenfußer aus Appercha gefertigt.

Gebet von
Mutter Theresa

Epitaph an der Außenmauer

Epitaph für Maurermeister Andreas Lärl.
Text: Familien -Grabstätte
Hier ruhet der ehrengeachte Herr Andreas Lärl, Maurermeister von hier.
geboren den 2.Nov. 1818 in Günzenhausen
gestorben den 30.Jäner 1874 nach Empfang aller hl.Sterbesakramente
in einem Alter von 55 Jahren.
Gott verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung
1874
 



Innenausstattung

Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 15,10 m (davon Kirchenschiff: 8,64 m; Chorbogen: 0,60 m; Altarraum: 5,90 m)
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 5,60 m; Altarraum: 4,45 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 5,00 m; Altarraum: 5,03 m
+ 1 Altarstufe: 0,20 m; Empore beginnt in 2,65 m Höhe

Der Kirchenraum ist mit einem Spiegelgewölbe (gedrückte Tonne) bedeckt, das über den Fenstern flache Stichkappen bildet.

Deckengewölbe
Die Decke ist mit einfachen geometrischen Formen (z.B. einer Kombination aus Rechteck und Vierpass) geschmückt, gebildet aus profilierten Stuckleisten.
Der Boden ist mit Solnhofener Platten im Rosenspitzmuster belegt.
  Hinweis: Beim Rosenspitzmuster handelt es sich um ein Verlegemuster, das besonders häufig im süddeutschen Raum zu finden ist. Es besteht aus zwei Elementen: Das Zentrum bildet eine quadratische Platte, die auf allen Seiten von sechseckigen Platten, den sogenannten Schiffchen, eingefasst ist.
Dieses Muster war in den 1920er Jahren auch als Egerer Muster bekannt.


Altarraum

Der tiefe, zweiachsige Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff eingezogen und um eine Stufe erhöht.


Choraltar / Hochaltar


Choraltar

Die Stipes, der Altartisch, ist gemauert und weiß verputzt.
Der Altaraufbau über dem Altartisch ist ein dreiteiliger Figurenaltar aus der Zeit um 1679 - noch mit Anklängen an einen gotischen Schreinaltar. Er wurde in der Rokokozeit, wahrscheinlich bei der großen Renovierung 1738, verändert. Der Altar aus gefasstem Holz besteht sowohl vertikal als auch horizontal aus drei Teilen.
Der untere Teil des Altaraufbaus (Predella) enthält in der Mitte den schwarz gefassten (bemalten) Tabernakel, der von zwei rot-schwarz marmorierten Seitenfeldern eingerahmt wird.
Auf der mittleren Ebene befinden sich drei große Figuren in rot hinterlegten und durch vergoldete Säulen getrennte Nischen. Der Altaraufsatz im obersten Stockwerk wird von zwei Voluten-Sprenggiebeln eingefasst.
Um den Altar herum sind vergoldete Rokokoverzierungen angebracht.

Altaraufsatz
Der Altaraufsatz wird von zwei Säulchen gestützt. Dazwischen eine Rundnische mit einer Halbfigur von Gottvater, der einladend seine Hände ausbreitet. Darüber ein Rocailleabschluss mit Kreuz.

Gottvater im Aufsatz


Eingerahmt wird der Altarauszug von zwei steil aufragenden Voluten-Sprenggiebeln mit darauf sitzenden Putten.

Ein Stockwerk darunter thront in der Mittelnische die Figur des Kirchenpatrons St.Silvester auf einem Sockel. Zu seinen Füßen liegt sein typisches Attribut, ein Stier. Die Figur wurde um 1500 geschnitzt. Silvester ist in ein vergoldetes Gewand gekleidet, das an den Borten mit gotischen Ornamenten verziert ist. Auf dem Haupt trägt er die Tiara (in einer etwas freien künstlerischen Form). Die dreifache Papstkrone weist auf die drei Reiche der Kirche hin: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer und die triumphierende Kirche im Himmel.
St.Silvester
Eine weitere Deutung ist den Worten zu entnehmen, mit denen früher die Tiara dem neugewählten Papst überreicht wurde: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist".
Der Hirtenstab in der Hand von Silvester entspricht nicht der Form, die wir von dem Papstkreuz erwarten. Er hat nur zwei statt der sonst üblichen drei Querbalken.
Vor St. Silvester sitzen auf dem Gesims zwei silberfarben gefasste Leuchterenglein aus der Zeit um 1760.
Hinweis: Silvester war der erste Papst, der nach der Christenverfolgung zum Papst gewählt wurde. Seine Verehrung als Heiliger beruht auf einer Reihe von Irrtümern und Legenden. Die Behauptung, er habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft, ist historisch nicht haltbar, ebenso wenig wie die Geschichte von der Konstantinischen Schenkung, die sich als Fälschung herausstellte. Silvester hat während seiner Amtszeit bei wichtigen Glaubensentscheidungen nicht mitgewirkt. Er nahm weder an der Reichssynode in Arles (gegen Donatisten) teil noch am 1. Konzil von Nicäa, wo es um die Wesensart Christi und die Auseinandersetzung mit den Arianern ging. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Wahrscheinlich wollte er sich nicht den Vorwürfen stellen, er sei während der diokletianischen Verfolgung vorübergehend vom Glauben abgefallen.
Sein Attribut der Stier hat eine Legende als Hintergrund. Darin wird von einem Streitgespräch berichtet, das Silvester mit zwölf jüdischen Rabbinern geführt hat, weil die römische Kaiserin Helena ihren inzwischen getauften Sohn Konstantin zum Judentum bekehren wollte. Silvester obsiegte im religiösen Disput gegen elf der gelehrten Juden; der zwölfte tötete einen Stier, um ihn wieder zum Leben zu erwecken und so die Kraft seines jüdischen Glaubens zu beweisen. Dem Rabbiner misslang die Totenerweckung. Silvester dagegen gab dem Tier das Leben zurück, worauf die zwölf Rabbiner und die Kaiserin Helena sich sofort taufen ließen.
Assistenzfiguren
Die Assistenzfiguren am Choraltar stehen in den beiden Seitennischen unter Muschelkalotten. Es handelt sich um Darstellungen zweier Johannes: Johannes des Täufers und des Evangelisten. Die Figuren sollen aus der Zeit um 1480 stammen; die Fassung (=Bemalung) soll jünger sein.

Joh.der Täufer


Johannes der Täufer (links) hält ein Buch im Arm, auf dem ein Lamm ruht. Mit der linken Hand weist er auf das Lamm hin. Johannes der Täufer hatte mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm abgebildet.

Die Figur des Johannes auf der rechten Seite stellt den Evangelisten Johannes dar. Der Kelch in seiner Hand erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange.


Joh.Evangelist
Tabernakel
Der schwarz gefasste Tabernakel wird von zwei vergoldeten kannelierten Säulchen gestützt. Es handelt sich um einen Drehtabernakel mit insgesamt drei Nischen.
In der üblicherweise nach vorn gerichteten Nische steht ein Altarkreuz aus Holz mit einer Messingverblendung, die versilbert und mit Verzierungen in Treibarbeit versehen ist. Der Sockel ist mit Rocaillen, Blattfestons und Schleifen geschmückt, die Kreuzbalken-Enden mit roten Streifen.


Tabernakel

Die zweite Nische ist für den Hostienkelch reserviert; sie ist derzeit nicht belegt, weil zu selten Gottesdienste stattfinden.
In der dritten Nische steht die Monstranz, das mit Schmuck und Steinen verzierte liturgisches Schaugerät, in dem bei Segensandachten die konsekrierte Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird.

Die aus vergoldetem und versilbertem Messing oder Kupfer bestehende Monstranz in Appercha ist zwar kein außergewöhnliches Kunstwerk, gehört aber zu Ausstattungsstücken in der Kirche, die mit dem filigransten Schmuck versehen sind. Mittelpunkt ist das ovale Schaubehältnis mit einem Glastürchen vorne, in das das Lunula eingesetzt ist, der halbmondförmige Träger der geweihten Hostie.

Monstranz
Umgeben ist das Schaubehältnis von einem vergoldeten Strahlenkranz, der die Sonne symbolisiert und auf Christus den Herrscher hinweist. Vor den Strahlenkranz ist ein Silbergitter gesetzt, das mit seinen Verzierungen in Treibarbeit und mit den eingesetzten Halbedelsteinen bzw. Glassteinen den sichtbaren Schmuck der Monstranz ausmacht. Die Bilder rechts zeigen Details (Vergrößerung durch Mouseklick).

Baldachin


Blumenkorb

oberer Abschluss
Am Monstranz-Schaft (Stiel) sind ein birnenförmiger und ein eiförmiger Nodus (lat.=Knoten) zu sehen. Ein Nodus sorgt dafür, dass die Monstranz am Schaft besser zu greifen ist. Der Name kommt aus früheren Zeiten. Da hatte der Nodus, der Knoten, noch die weitere Aufgabe, Unheil abzuwehren (apotropäische Bedeutung). Diese ihm schon aus vorchristlicher Zeit zugeschriebene Eigenschaft rührte von der Vorstellung her, dass ein Knoten für Dämonen ein unüberwindbares Hindernis darstellt.
Leuchterengel
Auf dem Altartisch des Choraltars knien zwei Leuchterengel mit recht menschlichen Gesichtszügen. Vor 1970 befanden sie sich auf dem Tabernakel, vor der großen Altarfigur des Silvester, dort wo sich heute ihre sitzenden Nachfolger aus der Zeit um 1760 befinden.

Leuchterengel
 


E
wig-Licht-Ampel


Ewig-Licht-Ampel
Die Kirche besitzt zwei Ewig-Licht-Ampeln.
An der rechten Chorwand ist eine akanthusgerahmte Kartusche aus Holz in roter und goldener Fassung befestigt (um 1700). Eine Messingstütze hält das Ewig-Licht im rotem Glaskelch (um 1700).
Links hängt seit einigen Jahren wieder die prächtige Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit des Historismus mit neugotischen Verzierungen und drei Kerzen um den Glaskelch. Der kunstvoll geschmiedete Leuchterarm stammt von Johann Rottenfußer aus Appercha (2009).

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. In der Anfangszeit des Christentums gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Der Johanniter-Ritterorden hatte das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs heißt es: "Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird. Hier in Appercha brennt das Ewige Licht nicht mehr, weil der Tabernakel leer ist.


Vortragekreuz

Nicht -wie sonst- an den Kirchenbänken befestigt, sondern im Chor, rechts neben Altar, steht ein Vortragekreuz aus dem 18.Jh. Auf der Stange sitzt ein mit Blattwerk bemalter, eiförmiger Nodus. Darüber ein dreipassförmiges Kruzifix mit einem stark gekrümmten Corpus aus neuerer Zeit.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und -auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.

Vortragekreuz

 

Chorglocke/Sakristeiglocke


Chorglocke

In der Sakristei werden die Paramente (Messgewänder) und die für die Kirche benötigten Gerätschaften aufbewahrt. In der Sakristei ziehen sich Priester und Ministranten vor dem Gottesdienst die liturgischen Gewänder über. Im Begriff Sakristei steckt übrigens das lateinische Wort "sacer", mit der Bedeutung "heilig bzw.
geweiht".

Die Kirche besitzt seit 2016 eine neue Chorglocke, die in einer kunstvoll gestalteten Aufhängevorrichtung neben dem Sakristeieingang angebracht ist. Sie wurde von Johann Rottenfußer aus Appercha entworfen und erstellt.
Hinweis: Chorglocken sind in den Kirchen Bayerns seit dem 15.Jh. gebräuchlich. Sie hängen am Zugang zur Sakristei und geben die akustischen Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes. Die Glocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Kirchenraum betreten.

 

Zelebrationsaltar

Unter dem Chorbogen stehen seit Juni 2018 ein neuer Ambo und ein neuer Zelebrationsaltar. Beide passen sich im Stil an die übrige Barockeinrichtung der Kirche an.
Ambo und Altar wurden von
Johann Rottenfußer geschaffen, einem kunstverständigen Handwerker aus Appercha, von dem auch viele weitere Einrichtungsgegenstände in der Kirche stammen. Sowohl der Ambo als auch der Altar, die von Rottenfußer gestiftet wurden, sind mit vielen symbolischen Verzierungen versehen. 27)

Am Ambo, dem Altar des Wortes, sind neben den vier Evangelisten die Dreifaltigkeit (durch drei Kreuze), die Unendlichkeit (Ringe), die Welt und ihr Schöpfer (Kugel) dargestellt.

In der offenen Kugel ist Platz für die Darstellung liturgischer Zeiten und Ereignisse (z.B.Figuren oder Tafeln).


Ambo und Zelebrationsaltar

Der Altar besteht aus filigranem, teilvergol-detem Schmiedeeisengeflecht und heimi-schem Eichenholz. Er ist ebenfalls mit einer Vielzahl von Emblemen und symbolhaften Aufschriften versehen. In einer ver-schließbaren Nische werden Reliquien aufbewahrt. Das Kreuz an der Vorderseite erinnert natürlich an Christus, der die Eucharistie eingesetzt hat und dessen Tod auch am Altar gedacht wird.


Altarsegnung
Am 29.6.2018 segnete Pfarrer Stefan Menzel (mit Diakon Georg Kwossek ) den neuen Altar und den neuen Ambo im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes.
Der Altar wurden dabei mit Chrisamöl gesalbt, mit Weihwasser besprengt und anschließend mit Weihrauch beräuchert. Zum Schluss wurde die Reliquie eingelegt, die sich schon im Vorgängeraltar befunden hat. Die fünf Kerzen auf dem Altartisch (Mensa) erinnerten an die 5 Wunden Christi am Kreuz.

früherer Zelebrationsaltar

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.
Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 24)

Der frühere Zelebrationsaltar (Volksaltar) im modernen Stil bestand aus dunklem Holz. Er wurde um 1975, nach der letzten Renovierung, aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils. In der Konstitution des II.Vaticanischen Konzils "Sacrosanctum concilium" (SC 124) heißt es: "Die Eucharistie kann gemäß einem Desiderat der Liturgischen Bewegung wiederum versus populum gefeiert werden. Dafür ist ein freistehender, umschreitbarer Altar notwendig".
Wegen seines Stils, seiner Größe und wegen des dunklen Holzes
passte er nach Auffassung der Gläubigen nicht zur barocken, farbenfrohen Einrichtung. Deshalb wurde er 2018 durch einen neuen Altar ersetzt.



Kirchenschiff / Langhaus

Seitenaltäre

Allgemeines zu beiden Altären

Die Seitenaltäre in Appercha wurden im Jahr 1679 angeschafft. Bei der Renovierung 1970/75 hat man auf der Rückseite des linken Altars einen mit Bleistift geschriebenen Hinweis entdeckt, dass der Kistlergeselle Bartholomäus Ströber aus Massenhausen hier 1679 tätig war. Über die Anschaffung des rechten Altars berichtet uns der Schriftverkehr zwischen Pfarrer Kaspar Stieler u. dem Ordinariat in Freising.

Linker Seitenaltar

Die Seitenaltäre haben dunkel gehaltene Retabel (Altaraufbauten), die von zwei hellen, kannelierten Säulen gestützt werden. Zwischen den Säulen befindet sich eine Nische mit einem Altarblatt oder einer Figur; außerhalb der Säulen stehen zwei Assistenzfiguren auf Volutenkonsolen unter Baldachinbögen. Die Assistenzfiguren könnten von Christoph Thalhammer aus Freising (um 1680) geschnitzt worden sein. Von Thalhammer stammen vermutlich auch Arbeiten in Mühldorf bei Petershausen, Petershausen-Kp, Weng und Großeisenbach.
Die Stipes, die Altarblöcke, sind gemauert und weiß verputzt. Bei der Renovierung 1970 wurden sie zurückgebaut, weil sie nicht mehr für Zelebrationen benötigt werden. Früher hatten bei großen Beerdigungen oftmals drei Priester gleichzeitig die hl.Messe gefeiert.


Rechter Seitenaltar

Die Altaraufsätze auf dem von den Säulen getragenen Gesims bestehen aus Hochoval-bildern, die von sitzenden Putten eingerahmt werden.
Interessant ist die Bekleidung der kleinen Engel.
Sie haben Lendentücher, die mit Hosenträgern versehen sind, damit bei den lebhaften Bewegungen nichts ins Rutschen kommt.
 
Engel: heute u. im Jahr 1908


Vor mehr als 100 Jahren war ein Pfarrer aber der Auffassung, dass die Altarengel zu knapp bekleidet sind. Die Nacktheit von Putten erinnere die frommen Beter nicht an deren ursprüngliche Bedeutung, Unschuld und Reinheit 10), sondern störe sie in ihrer Konzentration. Er zog ihnen kaschierte Leinenhemdchen über. Die nebenstehenden Fotos zeigen den linken Engel des rechten  

  Altars in den Jahren 2012 und 1908. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Hemdchen aber -wie Pfarrer Mayer schrieb- staubig und schäbig. 1970/75 hat man bei der großen Renovierung den Originalzustand wieder hergestellt.

Die breit gelagerten Tabernakel an den Seitenaltären haben geschwungene Glastüren, die von zwei Säulchen flankiert werden. Seit einigen Jahrzehnten werden die Tabernakel als Reliquienkästchen genutzt.

Frühere Altarbilder

Die heutige Ausstattung der Seitenaltäre ist erst seit 1975, seit der letzten großen Renovierung, vorhanden. Vorher hingen in den Mittelnischen zwei Gemälde. Diese im Nazarenerstil gemalten Bilder waren aber nicht so alt wie der Altar; sie dürften im 19.Jh. entstanden sein.
  
Seitenaltarblätter vor 1975

Das Gemälde am linken Seitenaltar war eine Darstellung der Pieta, der Mutter Maria, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn Jesus vor der Grablegung noch einmal auf ihrem Schoß betrauert.

Der rechte Seitenaltar war schon bei seiner Erstellung 1679 der Heiligen Familie gewidmet. Bis 1970 hing dort ein Gemälde, das Josef, Maria und Jesus zeigte.
Bei der letzten großen Renovierung, hat man das Altarblatt gegen die heutige Annafigur ausgetauscht. Was aus dem Gemälde geworden ist, ist mir nicht bekannt.


L
inker Seitenaltar


Altaraufsatz
Der Aufsatz auf dem linken Seitenaltar ist mit einem vergoldeten Kreuz im Strahlenkranz gekrönt. Im ovalen Bild zwischen den Säulchen ist ein Gemälde mit dem Thema Herz Mariens enthalten.

Maria Immaculata
Die Muttergottes hält eine Lilie (Zeichen für Reinheit) in der linken Hand; mit der Rechten verweist sie auf das brennende Herz, das von einem Kranz weißer Rosen umgeben ist.
Der Stil des Bildes und die Form des Kreuzes legen nahe, dass der Aufsatz aus dem 19.Jh. stammt.

Mittelteil

Das Altarblatt des linken Seitenaltars aus der Zeit um 1730 zeigt in einem weiß-goldenen Frührokoko-Rahmen ein Maria-Hilf-Gemälde. Das Besondere an diesem Bild sind die Kronen von Maria und Jesus. Sie sind nicht gemalt, sondern bestehen aus Metall und bunten Steinen. Das 71 x 41 cm große Bild wurde mit Ölfarben auf Leinwand gemalt. Die Pupillen der Augen sind so gemalt, dass der Blick von Maria jede Bewegung seines Betrachters zu verfolgen scheint.

Maria-Hilf-Bild
mit Metallkronen

Hinweis: Maria-Hilf-Bilder hängen in vielen Kirchen des süddeutschen Raums. Das Original malte um 1530 der Lutherfreund Lucas Cranach d.Ä. für den evangelischen sächsischen Kurfürsten. Der verschenkte es nach Passau, wo man es mit übernatürlichen Erscheinungen in Verbindung brachte. Später kam das Original nach Innsbruck, wo es -ebenso wie die Kopie in der Passauer Maria-Hilf-Kirche- als Wallfahrtsbild verehrt wird. Das Mariahilfbild ist das am weitesten verbreitete Marienbild in Süddeutschland und dem Alpenraum.
Wenn Sie Interesse an der Geschichte dieses Madonnenbildnisses haben, klicken Sie hier...

Assistenzfiguren am linken Seitenaltar sind die Heiligen Florian (als römischer Soldat mit Siegesfahne und mit brennendem Haus zu seinen Füßen) und Leonhard (im Mönchsgewand). Die Leonhardsfigur stand früher am rechten Seitenaltar.


St.Florian

Hinweise: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.
Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Die Leonhardsfigur in Appercha hat keine besondere Attribute. Das Buch ist das Zeichen für die Verkünder des Evangeliums; das sind fast alle Heiligen. Auf Leonhard weist das Mönchsgewand hin. Außerdem lässt die Haltung der linken Hand vermuten, dass sie früher entweder den Abtsstab oder Ketten hielt.


St.Leonhard

Auf dem Reliquienkästchen, dem früheren Tabernakel, stehen zwei Figuren der Franziskaner-Heiligen Franziskus von Assisi und Antonius von Padua. Sie wurden zu Beginn des 18.Jh geschnitzt. Früher standen sie auf dem rechten Seitenaltar.

Beide Heiligen lebten um das Jahr 1200 (Franziskus 1181-1226, Antonius 1195-1231); sie kannten sich persönlich. Antonius trat 1220 in den von Franziskus gegründeten Orden der Minoriten (Franziskaner) ein. Dieser Orden zeichnet sich durch persönliche Armut aus. Dies zeigt sich auch am Gewand: die Kutte der Franziskaner ist braun. Diese Farbe steht traditionell für Demut und Bescheidenheit. Der Gürtel der Mönche ist bei den Franziskanern ein Strick.
 
Franz v.Assisi - St.Antonius
Franziskus wird in Appercha mit Kruzifix sowie Hand- und Seitenwunde abgebildet. Der Heilige förderte in besonderer Weise die Verehrung der Passion Christi. Kurz vor seinem Tod erhielt er die Hand- und Fußwundmale (Stigmata).
Das Jesuskind auf der Bibel des Antonius erinnert an die Legende, nach der dem Heiligen beim Bibellesen das Jesuskind erschienen ist. Die Figur des Antonius darf in keiner Dorfkirche fehlen, weil der Heilige Patron für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände ist.
Reliquienmonstranz

Reliquienmonstranz

Im früheren Tabernakel auf dem linken Seitenaltar steht eine Reliquienmonstranz im Stil des Frührokoko aus der Zeit um 1730/40. Hinter dem ovalen Sichtfenster sind Reliquien zu sehen. Nach der Aufschrift auf der Cedula, dem kleinen Zettelchen aus Pergament, handelt es sich um Gebeine von "S.Nicolai P.". Dabei dürfte es sich um einen der vielen Katakomben-Heiligen handeln.
Hinweis: Am 31.3.1578 wurde in Rom ein unterirdischer, frühchristlicher Friedhof (Coemeterium Jordani) entdeckt. Als man an den Gräbern Symbole von Kreuzen, Palmen und Tauben fand, nahm man an, dass dort Märtyrer begraben liegen.


Reliquie St.Nicolai

  Die Gebeine wurden ausgegraben und "getauft", d.h. mit Namen versehen, die an Tugenden, heroische Eigenschaften oder an andere Heilige erinnerten. Die Kirche war anfangs dagegen, doch als der Druck der Gläubigen zu groß wurde, genehmigte sie die Ausgrabung, Taufe und Verehrung der Katakombenheiligen. Vor allem nördlich der Alpen kamen sie in Mode. Und ein schwunghafter Handel begann. Für Reliquien von Katakombenheiligen gilt ganz besonders der Satz: "Reliquien sind echte oder gefälschte Dokumente einer wahren Sehnsucht nach einem greifbaren Stück Heiligkeit".



R
echter Seitenaltar

Altaraufsatz
Der Aufsatz auf dem rechten Seitenaltar ist in gleicher Weise gestaltet wie sein Pendant gegenüber; er stammt auch aus der gleichen Zeit. In seiner Mitte ein Herz-Jesu-Bild im Stil der Nazarenerschule.

Herz-Jesu-Bild
Jesus, mit dem dreistrahligen Heiligenschein (der den drei göttlichen Personen vorbehalten ist) weist mit der Hand auf sein flammendes Herz hin, das von einer Dornenkrone umgeben ist.

Mittelteil

In der Mittelnische des Altars steht eine Statue der hl.Anna, die im 18.Jh. geschnitzt wurde. Die mit Metallfarbe gefasste Figur stand bis 1970 in der Pfarrkirche von Jarzt und wurde im Zuge der großen Renovierung 1975 nach Appercha gebracht.


St.Anna
Ins Auge fällt das wallende Gewand, unter dem der Körper fast verschwindet. Der Name "Anna" wird in der Bibel nicht erwähnt. Nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jh war Anna die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt.
Assistenzfiguren
Assistenzfiguren sind die Heiligen Wolfgang und Stephanus. Sie stammen aus dem Ende des 17.Jh., denn für diese Figuren liegt ein Kostenvoranschlag von Christoph Thalhammer aus dem Jahr 1679 vor 17)
.
Stephanus wird als junger Mann dargestellt, der in seinem linken Arm Steine trägt; ein Hinweis auf sein Martyrium durch Steinigung. Die Figur stand vor 1970 -mit einem Heiligenschein in Form eines Strahlenkranzes- auf dem linken Seitenaltar.

St.Wolfgang - St.Stephanus
Wolfgang ist als Bischof dargestellt, mit Mitra und Bischofsstab. Das für diesen Heiligen typische Attribut, das Kirchenmodell, fehlt heute. Aber die Stellung des Daumens der linken Hand lässt erkennen, dass auf dem Buch früher ein solches Modell gestanden hat. Dies wird durch ein altes Foto bestätigt.

 

 


Hinweise: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.
Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. Die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück.
Kreuzpartikelmonstranz

Kreuzpartikel-
monstranz

Im früheren Tabernakel auf dem rechten Seitenaltar steht eine Kreuzpartikelmonstranz aus der Frührokokozeit um 1730/40. Sie besteht aus Kupfer und ist vergoldet und versilbert. Im Sichtfenster ist ein blau scheinendes Bergkristallkreuz zu sehen. Darin ein kleineres weißes Kreuz, das die winzige schwarze Kreuzreliquie enthält. Bergkristall in Kreuzform als Einfassung einer Kreuzpartikel ist seit Jahrhunderten verbreitet. Während der Edelstein in der Antike als wertvoller Heil- und Zauberstein galt, ist er im Christentum ein Zeichen für die Auferstehung Christi. 23)
Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll nach der Legende im Jahr 320 das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland; die meisten wurden aber im 17. und 18.Jh erworben. Sie werden häufig in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren früher in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.


Kreuzpartikel


Kanzel

An der rechten Seite ist die Kanzel aus dem Ende des 17.Jh. angebracht. Sie besteht aus Holz und ist braun und golden gefasst (bemalt). Der Kanzelkorb ist fünfeckig. Vier der Seiten haben einfache Felderungen, zwischen denen sich kannelierte Säulchen befinden. Die fünfte Seite ist offen; die steile Treppe, die hier endete, ist entfernt.
Das Wandgemälde an der Rückwand zeigt eine Draperie.
Am Schalldeckel ist an der Unterseite das Jesusmonogramm IHS im Strahlenkranz angebracht. Die Abkürzung IHS hat mehrere Bedeutungen:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu   (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der Menschen"

Hinweis: In altchristlicher Zeit wurde die Predigt -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versam-


Kanzel
  melt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere
Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
St.Wolfgangzur Beschreibung von St.Wolfgangzur Beschreibung der Apostelkreuze und-leuchterzur Beschreibung der Kanzelzur Beschreibung der Apostelkreuze und-leuchterEingangstürezur Beschreibung des Deckenstuckszur Beschreibung des Votivbilds von 1696Linker Seitenaltarzur Beschreibung der KreuzwegstationsbilderApostelkreuz und-leuchter
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Kreuzigungsgruppe

An der Nordwand hängt eine Kreuzigungs-gruppe, ein Kruzifx mit einer darunter stehenden Schmerzhaften Mutter (Mater dolorosa). Sie dürften aus dem Beginn des 18.Jh stammen.
Der Corpus Christi ist aus Holz und besitzt eine Inkarnatfassung. Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).


Kanzelkreuz

Das dornenbekrönte Haupt ist
im Tode nach rechts geneigt. Aus den Wunden fließt viel Blut. Das Kreuz wird auch Kanzelkreuz genannt, weil es -wie hier in Appercha- der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Der Grund für diesen Standort ist im 1.Korintherbrief (1,3) von Paulus zu finden. In ihm ermahnt der Apostel den Prediger in der Kirche: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Unter dem Kreuz steht -auf einer marmorierten Säule mit Akanthusblattwerk- eine Mater dolorosa. Sie hält ihre Arme über dem Körper gekreuzt. In ihrer Brust steckt ein Schwert. Der Bildtypus der Mater Dolorosa entwickelte sich schon im Mittelalter und bezieht sich direkt auf das aus dem 13. Jh stammende Gedicht "Stabat mater", das die Gottesmutter in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt: Christi Mutter stand mit Schmerzen, bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Das Lied wurde vielfach vertont; es ist auch im Gotteslob unter Lied Nr. 532 zu finden.
Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  

Mater dolorosa

Kreuzweg-Stationsbilder

Die Bilder der vierzehn Kreuzwegstationen stammen aus dem Ende des 18.Jh. Sie sind mit Ölfarbe auf 51 x 37 cm große Holzplatten gemalt. Der Künstler ist nicht bekannt.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

 

Hinweis: Der Kreuzweg in unseren Kirchen hat seinen Ursprung im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Als die Wallfahrten wegen der Vormachtstellung der Türken im östlichen Mittelmeer schwierig wurden, hat man Kreuzwege bei uns in Deutschland angelegt (1503 in Nürnberg); aber nicht im Inneren den Kirchen, sondern außerhalb der Kirchenmauer, bevorzugt auf Anhöhen. Erst zu Beginn des 18.Jh. hielt der Kreuzweg Einzug in die Kirchen, gefördert durch großzügige Ablässe von Papst Clemens XII. (1731). Zunächst waren es sieben Stationen. Nach und nach wurde die Zahl der Stationen auf vierzehn erweitert und thematisch auf die Ereignisse zwischen Verurteilung und Grablegung eingeengt. Von diesen vierzehn Stationen haben acht eine direkte Grundlage in den Evangelien.


Apostelkreuze u. Apostelleuchter

Die Apostelkreuze bestehen aus reliefierten Mauerkreuzen. Sie sind -wie dies von alters her üblich ist- von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuze). An den Apostelkreuzen wurde die Kirche bei ihrer Weihe mit Chrisam gesalbt.

Apostelleuchter
In der Mitte der Kreuze waren noch bis vor wenigen Jahren einfache Eisenhaken angebracht. 2008 hat Johann Rottenfußer neue Leuchter geschmiedet und die Apostelleuchter wieder komplettiert. Am Kirchweihfest oder bei anderen hohen Festen werden die Apostelkerzen angezündet.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

 

Kirchenbänke

Die sieben Bankreihen im Kirchenschiff stammen aus dem 20.Jh. Ebenso die zwei Bänke auf der Empore. Bis 1975 gab es geteilte Bankreihen mit einem Mittelgang. Seither bilden die Bänke einen Block in der Mitte mit Zugängen von den Außenseiten.

1908      2012

 

 

Empore

Die Empore wird von einem seitlichen Holzpfeiler gestützt. In Richtung Nordseite führt eine Holztreppe hinauf. An der Treppe ist ein Verhaltenshinweis für Kirchenbesucher angebracht, der noch aus früherer Zeit stammt:
            "Stehen auf der Stiege und auch schwäzen in der Kirche ist verbotn"

Die Emporenbrüstung besteht aus rohem, älteren Nadelholz und ist durch Felderungen gegliedert. Darin hat man Spuren von Gips gefunden; sie war früher wohl mit Stuck versehen.

Verbotsschild an der Emporentreppe
Auf der Empore steht heute ein Keyboard mit dem der Gesang der Gläubigen begleitet wird. Früher
befand sich dort ein Harmonium, das von der Fa. Mannborg, M.J.Schramm in München (wohl im19.Jh.) hergestellt worden war.


Votivbild

Unter der Empore hängt ein Votivbild der Gemeinde Appercha zu den Heiligen Silvester und Leonhard, die beide als Patrone der Haustiere verehrt wurden. Das 95 x 67 cm große Ölbild (auf Holz) wurde 1796 von der Ortschaft gestiftet, die 1795 wegen einer "Wassergefahr" und ein Jahr später nochmals wegen einer Viehseuche ein Gelöbnis gemacht hatte.


Votivbild
Im oberen Teil des Bildes schweben beide Heilige unter dem Kreuz Christi auf Gewölk. Leonhard hält den Abtsstab in der Linken und Viehketten in der Rechten. Silvester kniet im Papstornat mit Tiara und Papstkreuz und einem Buch in der Hand auf der Wolke.

Im mittleren Teil ist eine große Rinderherde zu sehen. Darunter steht folgender Text:
   "Hier hat sich verlobt eine hiesige Gemeinde zum schmerzhaften Jesu, wegen einer grossen Wasser-gefahr, welche sie ao: 1795 mit ihrer samentl.-Vieh
  Heerde auszustehen gehabt, und durch die 2 Fürbitter, des heil: Silvester, dann des heil.Leonhards, ohne Verletzung bey Gott Hilf erlangt haben. Anno 1796 hat obige Gemeinde dieses Verlobniß erneuert, wegen der damaligen Viehseuch und sind auch in diesem Fahl von dergleichen Unglück befreyet gewesen.
Der Maler der Votivtafel ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass die Votivtafeln in Appercha und in Weißling vom gleichen Künstler geschaffen wurden.

Portal

Der Eingang zur Kirche liegt auf der Westseite unter dem Turm.

Eisengitter
Hinter den durch Alarmanlagen gesicherten Türen befindet sich ein Eisengitter, das bei geöffneter Türe einen Blick in Kirche erlaubt. Es enthält im Mittelteil Kreuze und die Buchstaben Alpha und Omega. Das Gitter wurde 2007 von Johann Rottenfußer aus Appercha geschmiedet.

Kirchentüre
Zwischen Vorraum und Kirchenschiff befindet sich die alte, gut renovierte Kirchentüre, deren Muster durch viele Ziernägel gebildet wird. Sie besitzt noch uralte Beschläge (18.Jh.)

Beschläge



Ölberg

Im Leichenhaus ist einen große Ölberggruppe aufgebaut. Die Figuren stammen aus dem Beginn des 17.Jh, also noch aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg. Da sie lange Zeit in einem südlichen Anbau standen, dessen Tür nur ein Lattengitter war und deshalb Staub und Feuchtigkeit hineinließ, haben sie Verwitterungsspuren und mussten inzwischen auch schon teilweise renoviert, ergänzt werden. 1975 wurden sie von Restaurator Zunhammer, Altötting neu gefasst. 17) Inzwischen sind sie -durch eine Alarmanlage geschützt- wieder aufgebaut und können durch ein Fenster betrachtet werden.
Es handelt sich um folgende Figuren
(in Klammer die Ergänzungen):

Christus ( Hände)
Johannes (Fußplatte)
Petrus (Hände, Füße, Nase)
Jakobus (Hände, Arm, Zehen)
Engel
JohannesEngelJesusJakobusPetrus
 

Die Ölbergfiguren tauchen in den Jarzter Kirchenbüchern erstmals zu Beginn des 19.Jh. auf. Sie dürften nach Auffassung von Kunstexperten nicht für Appercha gefertigt worden sein, sondern aus einer anderen Kirche stammen.

Ölbergandacht

Da bei der Säkularisation 1803 Klöster aufgehoben und Kirchen abgetragen und deren Kunstschätze verkauft worden sind, könnten die Figuren aus einem solchen Bau stammen. Pfarrer Anton Mayer hat in seiner Chronik der Pfarrei Jarzt auf die Verbindungen des damaligen Jarzter Pfarrers und Angehörigen des Benediktinerordens Anton Rupert Weber zum aufgelösten Benediktinerkloster Weihenstephan hingewiesen; er vermutet, dass die Figuren aus diesem Kloster stammen. 17)

In der Karwoche wird bei der Ölberggruppe eine Ölbergandacht abgehalten.

Hans Schertl


Quellen:
01) Eisenmann/Hohn, Topo-Geographisch-Statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern S.201, 1832 (Einw)
02) Neuer bayerischer Kurier für Stadt und Land, v. 15.9. und 16.9.1866 (Brand)
03) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Appercha 1867)
04) Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
05)
Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern v. 1876, S.103
06)
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.18, 22, 24b, 658)
07)
Konrad Beyerle, Übersetzung der Handschrift Lex Baiuvariorum, 1926 (nach Christi Geburt)
08)
Georg Völkl, Die Pfarrei Jarzt, 1929 (1524 )
09) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
10)
Heinrich Rothenberger, Mundartliche Sonderheiten im Raume der Glonn und Amper, Amperland 1979? (Protest.1810)
11)
Eduard Wallner, Altbairische Siedelungsgeschichte 1924-Freisinger Traditionen S. 1930
12)
Erwin Neumair, Freising, Portrait eines Landkreises -Vom Steinbeil bis zum 1.Dombau, 1983 (Bronzezeit,Römerzeit)
13)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
14)
Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das Dekanat Weihenstephan, 1989
15)
Rudolf Goerge, 1250 Jahre Glaube und Leben im Freisinger Land, 1989
16)
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990 (Alter Tür)
17)
Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
18)
Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte, Bände 43-44, S.36, 1998 (einh.Siedlkompl)
19)
Zur Startseite Informationen über die Gemeinde Fahrenzhausen, 2010 (Bronzezeit)
20)
Friedrich Keydel , Kirchen und Kapellen entlang von Amper und Glonn, 2008 (Leonhard)
21)
Hochstift Freising, Ausgabe 33 von Historischer Atlas von Bayern: Teil Altbayern, S.24, 2010, (Oadalker)
22)
Dr.Carmen Roll,Leiterin des Diözesanmuseums Freising, Vortrag 2010 (nackte Putten)
23)
Susanne Wittekind, Caput et corpus: die Bedeutung der Sockel von Kopfreliquiaren, in: Reliquiare im Mittelalter von Bruno
    Reudenbach, S. 114, 2005
(Bergkristall)
24) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)

25)
Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
26)
Eva Maria Bast, Was der Teufel mit dem Turmkreuz trieb, Münchner Merkur v. 25.11.2015
27)
Kirchenpfleger Johann Rottenfußer, 29.6.2018

94 Bilder
: Johann Rottenfußer (2), Hans Schertl (92)

Kirchen im Pfarrverband Fahrenzhausen-Haimhausen - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

29.7.2018


Kirchenraum vor 1908 - 2012

Ein altes, etwas vergilbtes Foto aus dem Jahr 1908 zeigt das Innere der Kirche in Appercha in ihrer Gestaltung vor gut 100 Jahren. Im Großen und Ganzen dürfte sie bis 1970, bis zur großen Renovierung, so ausgesehen haben.

Unterschiede zu 2012:

- die Kirchenbänke waren geteilt
- im Altarraum Chorgestühl
- Maria Hilf-Bild hing vom Chorbogen
- Altarblätter in den Seitenaltären: links Pieta, rechts Hl.Famile
- Assistenzfiguren Stephanus und Leonhard waren getauscht
- Figur von St.Wolfgang hält Kirchenmodell in der Hand
- Figuren von Franziskus u.Antonius standen auf dem rechten Seitenaltar
- die Engel auf den Seitenaltar-Aufsätzen waren mit Hemdchen bekleidet

  
Kirche 1908

Kirche 2012




Schenkungsurkunde von 762
(Die Originalurkunde ist auf zwei Blätter verteilt)

 


(links lateinischer Originaltext,    rechts deutsche Übersetzung)

Donatio Erchanpaldi de Perahah
 
Schenkung Erchenpalds zu Perahah
     
In nomine domini nostri Jesu Christi salvatoris dei.  

Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, unseres Erlösers und Gottes.

Ego Erchanpald cogitans enim aeternam beatitudinem possidere   Ich, Erchenpald mach mir Gedanken, die ewige Glückseligkeit zu erlangen
vel poenalem iudicium evadere et considerans,   sowie dem Strafgericht zu entgehen und ich denke daran,
qualiter contemnentes deum poenam incidunt aeternam   wie die Gottes-Frevler der immerwährende Strafe anheimfallen
et Christo adherentes vitam adipiscunt sempiternam,   und die Anhänger Christi das ewige Leben erlangen.
propterea igitur statui, ut de iura proprietatis meae   Deshalb habe ich bestimmt, dass ich meinen rechtmäßgen Besitz,
quod pater meus mihi in hereditatem reliquid   den mir mein Vater vererbt hat,
ad oppidum Frigisinga tradidi ad ecclesiam beate dei genetricis Mariae semper virginis   in der Stadt Freising der Kirche der glückseligen Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria" übergebe,
in locis nominatis Perahah et MUNIRIHHINGA.   nämlich in den genannten Ortschaften Perahah (Hohenbercha/Appercha) und Munirihhinga (Mintraching),
Enimvero tradidi de Perahah domum cum omnibus aedificiis curtiferis sepe circumcinctis   Fürwahr übereigne ich den Wohnsitz Peraha, mit allen Gebäuden und umzäunten Höfen
et tres familias cum coloniis et cum omnibus quaecunque habent quorum nomina Nardperht   und drei Familien mit ihren Niederlassungen und allem, was jene besitzen, ihre Namen lauten Nardperht,
et alii quinque nomine Lantfrid et uxor sua   sowie fünf weitere mit Namen Lantfrid und seine Gattin,
Otrih et mater eius et Alarih frater eius   Otrih und dessen Mutter sowie seinen Bruder Alarih
et in vico MUNIRIHHINGA duas familias cum omnibus illorum utensilils quorum nominae Pirhtilo   und im Dorf Munirihhinga (Mintraching) zwei Familien mit allen mit allen ihren Gerätschaften, deren Namen sind Pirhtilo
et uxor sua Hroadheri com sua uxore   und seine Gattin sowie Hroadheri mit seinem Eheweib
et omnem territorum sub nostro iure et alode pratis pascuis silvis quod ad me pertinere legibus videbatur,   und all unser Besitztum, das rechtmäßig (erworben) und ererbt, bestehend aus Wiesen, Weideland und Wäldern, was laut Gesetz, offensichtlich mir gehört.
post obitum vero meum donatum ad ecclesiam sancte Mariae domum episcopalem sicut supradictum est donatum in perpetuum esse   Erst nach meinem Tod wird die Gabe wahrhaftig der Kirche zur Hl. Jungfrau Maria sowie dem Bistum zugesprochen und so soll es in Ewigkeit sein,
volo tam pro me quam pro patrem meum Reginpaldum et matrem meam Cotafrita et Oadalkerum, ut hereditas mea hereditas sit sanctorum.   dies will ich, sowohl für mich als auch für meinen Vater Reginpald und meine Mutter Cotafrita und Oadalker, auf dass meine Erbschaft eine Erbschaft der Heiligen sein möge.
Übersetzung Dr.Walter Kick, Dachau