zur
Landkreiskarte ausführliche
Beschreibg. Kirchen
in der Gem.Odelzhausen![]()
Nebenkirche der Unschuldigen Kinder in ESSENBACH
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Kurzbeschreibung Der Ort Essenbach wird urkundlich erstmals im Jahr 1022 als "Ocinpach" erwähnt. Die erste Kirche ist jedenfalls
vor 1315 erbaut worden, weil sie in der Konradinischen
Matrikel
von 1315 als "Ozzenbach sine sepulutra", also Filialkirche Essenbach ohne
Friedhof aufgeführt ist. Damals gehörte sie zur Pfarrei Sulzemoos.
Die Kirche hat das seltene
Patrozinium der Unschuldigen Kinder. Im 18.Jh war sie aber noch eine Johanneskirche.
Die heutige Kirche wurde wahrscheinlich um 1546 erbaut. Sie ist -neben der Dachauer Jakobskirche- einer der wenigen Renaissancebauten im Landkreis Dachau.
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Essenbach gehört
seit 1923 zur Pfarrei Odelzhausen. Vorher
war es Bestanteil der Pfarrei Sulzemoos.
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Inneneinrichtung Altarraum und Kirchenschiff sind baulich nicht abgetrennt. Der von sechs Fenstern erhellte Kirchenraum ist mit einer Holzbalkendecke überzogen, die den Raumeindruck maßgeblich prägt. Der barocke Altar aus der Zeit um 1680 ist dem Evangelisten Johannes gewidmet, der auf dem Altarblatt mit Bibel und Attribut Adler abgebildet ist. Assistenzfiguren sind die Apostel Johannes und Paulus. Aus der Erbauungszeit stammen noch zwei
Freskenreste aus dem Jahr 1546: |
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Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Geschichte
Der Ort Essenbach wird urkundlich erstmals
im Jahr 1022 als "Ocinpach" erwähnt.
Die erste Kirche ist jedenfalls
vor 1315 erbaut worden, weil sie in der Konradinischen
Matrikel
von 1315 als "Ozzenbach sine sepulutra", also ohne Friedhof aufgeführt ist.
Damals war sie eine Filialkirche von Sulzemoos. Seit
1923 gehört sie zur Pfarrei Odelzhausen.
In der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 war die Kirche in Essenbach erstaunlicherweise nicht enthalten.
Die heutige Kirche wurde vor 1546
(nach Franz Keiner im Jahr 1462) erbaut, weil das Wandfresko im Altarraum
in diesem Jahr entstand. Zwei auf 1462 datierte Glasgemälde aus
der Kirche, die sich derzeit im Bayerischen Nationalmuseum befinden, müssten
demnach noch aus dem Vorgängerbau stammen. Diese Glasgemälde zeigen
"Sand.Anpet.Junckfraw" mit einem Schwert in der Linken sowie den hl.Sebastian
mit dem knienden Stifter "kristof awer". Sie sind wohl das Werk eines
Münchner Glasmalers. Interessant sind die seltene Darstellung der hl.Ainbet,
aber auch die Tracht des Stifters mit weiten Prunkärmeln, die charakteristisch
für die erste Hälfte des 15.Jh ist.
Sollte das Erbauungsdatum 1546 stimmen, wäre die Kirche einer der wenigen
Kirchenbauten des Dachauer Landes aus der Renaissancezeit (im Übrigen nur
noch die Jakobskirche in Dachau).
In der Kirchenrechnung von 1630 werden unter der Überschrift "Paufehln und ander Notturfft" die dringendsten Maßnahmen aufgezählt, die für die Kirche durchzuführen sind. Dazu gehören das Umgießen der größeren Glocke und die Anschaffung eines neuen Kelchs aus Silber, weil der alte Kelch aus Kupfer seinen Goldüberzug verloren hatte (Originaltext: "Ain Khelch, so gannz khupfrig, daß goldt vasst hinweckh ganngen, daß nottwendig ain neuen von Silber Zubestellen").
Von der weiteren Geschichte der Kirche in Essenbach
ist nicht viel bekannt; lediglich eine Restaurierung im Jahr 1680 (ausgeführt
von Georg Pruckher aus Freising) wird erwähnt.
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Neue Glocken 1730 In der Kirchenrechnung von 1730 ist der
Kauf eines Glöckchens mit einem Gewicht von 60 1/2 Pfund vermerkt,
das beim Glockengießer Anton Benedikt in München gegossen wurde.
Der Preis bemaß sich nach dem Gewicht (40 kr pro Pfund). Dazu kamen
noch die Kosten für den Klöppel ("Schwenckhl"), die
Riemen, das Anbringen der Reliefs, den Glockenstuhl, die Glockenkrone
und eine Schlauder zur Verstärkung des Turms. Zu den Gesamtkosten
von 48 fl. (= Gulden) und 18 kr trug die kleine Kirchengemeinde
über 25 fl. bei. |
Im Jahr 1776 sollte das Kirchlein auf Anweisung des kurf.Geistlichen Rats abgebrochen werden. Doch die Essenbacher Bürger intervenierten und es gelang ihnen, diese Anweisung rückgängig zu machen.
Beschreibung
1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
von Essenbach als Nebenkirche der Expositur Odelzhausen enthalten. Zu ihr gehörten
54 Dorfbewohner (Seelen), die in den 11 Häusern Essenbachs wohnten.
Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Jedenfalls
sehr alt. Klein. Stillos. Baupflicht hat die Kirche. Kleiner Kuppel-Thurm mit
2 Glöckchen. 1 Altar. Gottesdienste: jahrlich 12 Messen, am Ostersonntag
nachmittags eine Predigt. Kirchenvermögen: 180 Gulden.
Patronat: Am 28.Dezember steht das Gedenken an die in Bethlehem neu geborenen und auf Geheiß von König Herodes ermordeten Kinder (Matthäusevangelium 2, 16) im Mittelpunkt. Das Fest wurde 505 erstmals in einem Kalender aus Nordafrika erwähnt; im Mittelalter wurde es in Schulen und Klöstern zum Kinderfest. Nebenpatrone sind der Evangelist Johannes und Apostel Paulus. 1738 wurde die Kirche auch als Johanneskirche bezeichnet.
Baubeschreibung
![]() Kirche mit Blechdach 2002 |
Die Kirche liegt
auf einem kleinen Hügel inmitten des Dorfes. Ein Friedhof ist nicht
vorhanden. Bei der letzten Renovierung im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts
hat man die Kirche trocken gelegt und das Blechdach durch eine Ziegeldeckung
ersetzt. Der Chor ist nicht eingezogen und schließt in drei Achteckseiten. Auf der Westmauer sitzt ein kleiner, etwas vorkragender Giebeldachreiter. Im unteren Teil hat er einen quadratischen, im oberen Teil einen achteckigen Grundriss. Er ist mit einem Spitzhelm überdacht. Früher soll er mit einer Zwiebelhaube bedeckt gewesen sein. Ob die von Josef Ignaz Daller aus München im Jahr 1787 und die (kleineren) von Anton Benedikt Ernst im Jahr 1729 und 1730 gegossenen Glocken noch vorhanden sind, konnte ich nicht ermitteln. |
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Inneneinrichtung
Der nicht eingezogene,
in drei Achteckseiten schließende
Chor bildet mit dem Kirchenschiff auch in der Höhe eine bauliche Einheit; ein
Chorbogen fehlt. Der von sechs Fenstern erhellte Kirchenraum ist mit
einer Holzbalkendecke überzogen, die den Raumeindruck maßgeblich prägt.
In die Westwand sind zwei große Rundbogennischen eingelassen, deren Bedeutung
nicht mehr bekannt ist.
Altar
Der 2,20 m breite und 3,40 m hohe Altar aus dem Ende 17.Jh ist ein barockes Säulenretabel. Sein Holzkern ist blau und weiß marmoriert (=mit Marmormuster bemalt) und mit vergoldeter Ornamentik versehen.| Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet. Am Antependium ein aufgesetztes Kreuz. Die beiden Säulen mit aufgesetzter Ornamentik tragen ein verkröpftes Gebälk mit breitgelagertem Segmentbogengiebel und großem Engel. | Das 147 x 111 cm große Altarblatt zeigt den Evangelisten Johannes auf der Insel Patmos. Der Heilige sitzt auf einer Mauer und schreibt in sein Evangelienbuch. Hinter ihm der Adler als sein für ihn typisches Attribut. Das Bild stammt aus der Zeit um 1620. Der Evangelist Johannes lebte wohl erst um das Jahr 95. Er wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der "Offenbarung" schrieb. Wegen seiner "hohen Theologie", wird er mit einem Adler dargestellt. |
| Als
Assistenzfiguren stehen die Nebenpatrone der Kirche, St.
Paulus
und der Apostel
Johannes
(links mit Kelch und Buch) aus dem Ende des 15. Jh. -aus Sicherheits- gründen
leider nur noch bei den wenigen Gottesdiensten - auf Postamenten. Die Figur links soll den Apostel Johannes darstellen. Früher glaubte man, der Evangelist und der Apostel seien eine Person gewesen. Deshalb hat der Künstler der Johannesfigur auch einen Kelch in die Hand gegeben. Die Schlange im Kelch erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange. Aber diese Legende gehört zur Lebensgeschichte des Evangelisten Johannes. |
In die Predella
ist ein langgestrecktes Ölbild auf Holzuntergrund eingelassen. Es zeigt fünf
tote Kinder (um 1620).
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Wandmalereien Erhalten sind noch zwei Freskenreste aus dem Jahr 1546 (Renaissancezeit). Der Zustand der Gemälde ist schlecht. Wahrscheinlich sind sie schon vor Jahrhunderten (spätestens beim Fenstereinbau) übermalt und erst in neuerer Zeit wieder freigelegt worden.
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Zwei gut erhaltene Glasbilder aus der Kirche,
die um 1462 gemalt wurden, kamen in das Bayerische Nationalmuseum nach München.
1870 befanden sie sich noch in der Kirche.
Plastiken an den Wänden
| An der Chorsüdseite ist ein rot gelüstertes Herz im vergoldeten Rocaillerahmen aus der Zeit um 1690 angebracht. Gelüstert bedeutet einen Anstrich mit "Lasurfarbe", der auf versilberten oder vergoldeten Objekten metallischirisierende Effekte hervorruft. |
| An der Südseite hängt eine Kreuzigungsgruppe aus dem 20.Jh. Über dem Kreuz schwebt ein Putto, darunter knien zwei Leuchterengel aus der Zeit um 1700. |
| An
der Nordseite -dem Eingang gegenüber- steht eine überlebensgroße Figur des
hl. Benno aus der Zeit um 1910.
Hinweis: Der heilige Benno war Bischof von Meißen und wurde vom Kaiser zum Verlassen des Bistums gezwungen. Beim Weggang soll er die Schlüssel der Domkirche zu Meißen in die Elbe geworfen haben, damit der Kaiser die Kirche nicht betreten konnte. Als er drei Jahre später, im Jahre 1088 wieder in sein Haus zurückkehrte, brachte ihm ein Fischer einen Fisch, an dessen Flossen die Schlüssel hingen. |
Kreuzwegbilder und Apostelkreuze
| An den Wänden hängen die Kreuzwegbilder.
Es handelt sich um Farbdrucke aus der Zeit um 1870 (58 x 30 cm). Hinweis: In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... |
| Hinweis: Die Apostelkreuze und -leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. |
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Sehr schön ist auch die durch Kassetten
(mit Kreuzreliefs) gestaltete
Eingangstüre (20.Jh). |
Opferstock
| Im Eingangsbereich
noch ein schöner Weihwasserkessel
und ein interessanter Opferstock
aus lackiertem Holz mit einem Metallbügel über dem Einwurfschlitz.
Der Name rührt daher, dass der Opferstock ursprünglich aus einem
großen ausgehöhlten Holzstock bestand. Hinweis: In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. Auch eine Sammlung von Weihwasserkesseln und -becken können Sie sehen. Klicken Sie hier.. |
Die Westseite ist durch zwei große Mauernischen gegliedert.
Hans Schertl
Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des
Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern,
1893
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Für Dachau tätige
Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising,
1992
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht
Dachau, 1996 (Glocken)
20 Bilder: Hans Schertl
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12.1.2010