zur Landkreiskarte           ausführliche Beschreibg.            Kirchen in der Gem.Odelzhausen

Nebenkirche der Unschuldigen Kinder in ESSENBACH


Adresse : 85235 Odelzhausen, Essenbach 21
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Der Ort Essenbach wird urkundlich erstmals im Jahr 1022 als "Ocinpach" erwähnt.

Die erste Kirche ist jedenfalls vor 1315 erbaut worden, weil sie in der Konradinischen Matrikel von 1315 als "Ozzenbach sine sepulutra", also Filialkirche Essenbach ohne Friedhof aufgeführt ist. Damals gehörte sie zur Pfarrei Sulzemoos.

Die Kirche hat das seltene Patrozinium der Unschuldigen Kinder. Im 18.Jh war sie aber noch eine Johanneskirche.

Die heutige Kirche wurde wahrscheinlich um 1546 erbaut. Sie ist -neben der Dachauer Jakobskirche- einer der wenigen Renaissancebauten im Landkreis Dachau.

Um 1680 wurde die Kirche barockisiert.

Zwei auf 1462 datierte Glasgemälde aus dem Vorgängerbau befinden sich derzeit im Bayerischen Nationalmuseum München.

Auf der Westmauer der Kirche sitzt ein kleiner, etwas vorkragender Giebeldachreiter , der mit einem blechgedeckten Spitzhelm überdacht ist.


Lampe 

Essenbach gehört seit 1923 zur Pfarrei Odelzhausen. Vorher war es Bestanteil der Pfarrei Sulzemoos.

Inneneinrichtung

Altarraum und Kirchenschiff sind baulich nicht abgetrennt.

Der von sechs Fenstern erhellte Kirchenraum ist mit einer Holzbalkendecke überzogen, die den Raumeindruck maßgeblich prägt.

Der barocke Altar aus der Zeit um 1680 ist dem Evangelisten Johannes gewidmet, der auf dem Altarblatt mit Bibel und Attribut Adler abgebildet ist. Assistenzfiguren sind die Apostel Johannes und Paulus.

Aus der Erbauungszeit stammen noch zwei Freskenreste aus dem Jahr 1546:
Das Bild neben dem Altar zeigt die Anbetung der Hirten an der Krippe. Leider ist es durch den späteren Einbau der Fenster beeinträchtigt.
Das Fresko im hinteren Bereich der Nordseite stellt den Bethlehemitischen Kindermord dar. Es dürfte aus der gleichen Zeit stammen.


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An der Nordseite steht eine überlebensgroße Figur des hl. Benno aus der Zeit um 1910.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte

Der Ort Essenbach wird urkundlich erstmals im Jahr 1022 als "Ocinpach" erwähnt.
Die erste Kirche ist jedenfalls vor 1315 erbaut worden, weil sie in der Konradinischen Matrikel von 1315 als "Ozzenbach sine sepulutra", also ohne Friedhof aufgeführt ist. Damals war sie eine Filialkirche von Sulzemoos. Seit 1923 gehört sie zur Pfarrei Odelzhausen.

In der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 war die Kirche in Essenbach erstaunlicherweise nicht enthalten.

Die heutige Kirche wurde vor 1546 (nach Franz Keiner im Jahr 1462) erbaut, weil das Wandfresko im Altarraum in diesem Jahr entstand. Zwei auf 1462 datierte Glasgemälde aus der Kirche, die sich derzeit im Bayerischen Nationalmuseum befinden, müssten demnach noch aus dem Vorgängerbau stammen. Diese Glasgemälde zeigen "Sand.Anpet.Junckfraw" mit einem Schwert in der Linken sowie den hl.Sebastian mit dem knienden Stifter "kristof awer". Sie sind wohl das Werk eines Münchner Glasmalers. Interessant sind die seltene Darstellung der hl.Ainbet, aber auch die Tracht des Stifters mit weiten Prunkärmeln, die charakteristisch für die erste Hälfte des 15.Jh ist.
Sollte das Erbauungsdatum 1546 stimmen, wäre die Kirche einer der wenigen Kirchenbauten des Dachauer Landes aus der Renaissancezeit (im Übrigen nur noch die Jakobskirche in Dachau).

In der Kirchenrechnung von 1630 werden unter der Überschrift "Paufehln und ander Notturfft" die dringendsten Maßnahmen aufgezählt, die für die Kirche durchzuführen sind. Dazu gehören das Umgießen der größeren Glocke und die Anschaffung eines neuen Kelchs aus Silber, weil der alte Kelch aus Kupfer seinen Goldüberzug verloren hatte (Originaltext: "Ain Khelch, so gannz khupfrig, daß goldt vasst hinweckh ganngen, daß nottwendig ain neuen von Silber Zubestellen").

Von der weiteren Geschichte der Kirche in Essenbach ist nicht viel bekannt; lediglich eine Restaurierung im Jahr 1680 (ausgeführt von Georg Pruckher aus Freising) wird erwähnt.

Neue Glocken 1730

In der Kirchenrechnung von 1730 ist der Kauf eines Glöckchens mit einem Gewicht von 60 1/2 Pfund vermerkt, das beim Glockengießer Anton Benedikt in München gegossen wurde. Der Preis bemaß sich nach dem Gewicht (40 kr pro Pfund). Dazu kamen noch die Kosten für den Klöppel ("Schwenckhl"), die Riemen, das Anbringen der Reliefs, den Glockenstuhl, die Glockenkrone und eine Schlauder zur Verstärkung des Turms. Zu den Gesamtkosten von 48 fl. (= Gulden) und 18 kr trug die kleine Kirchengemeinde über 25 fl. bei.

Ganz beiläufig ist aus dem Eintrag in der Kirchenrechnung zu erkennen, dass auch im Jahr zuvor, 1729, eine Glocke von demselben Glockengießer beschafft, d.h. "eingetauscht" worden war (Originaltext: "Zu dem anfertten eingetauschten hat man anheur auch von Antoni Benedict... noch ein neues glöckhl.. erhandlet").


Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Joannis Evang. in Essenbach" bemerkte er, die Kirche sei ein bescheidener, aber renovierter Bau. Sie habe einen Altar, der dem Evangelisten Johannes gewidmet sei. Gottesdienste würden hier an den Festen des Heiligen Innozenz und am Kirchweihfest (Sonntag nach dem Fest der Heiligen Johannes und Paulus -26.6.) gehalten. Friedhof und Sakristei seien nicht vorhanden. Es gebe aber einige Messgewänder. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses hat sich letzthin auf 187 fl. (=Gulden) 31 kr (=Kreuzer) gezeigt. Das war auch für eine kleine Kirche kein großer Betrag.

Im Jahr 1776 sollte das Kirchlein auf Anweisung des kurf.Geistlichen Rats abgebrochen werden. Doch die Essenbacher Bürger intervenierten und es gelang ihnen, diese Anweisung rückgängig zu machen.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Essenbach als Nebenkirche der Expositur Odelzhausen enthalten. Zu ihr gehörten 54 Dorfbewohner (Seelen), die in den 11 Häusern Essenbachs wohnten.
Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Jedenfalls sehr alt. Klein. Stillos. Baupflicht hat die Kirche. Kleiner Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 1 Altar. Gottesdienste: jahrlich 12 Messen, am Ostersonntag nachmittags eine Predigt. Kirchenvermögen: 180 Gulden.

Patronat: Am 28.Dezember steht das Gedenken an die in Bethlehem neu geborenen und auf Geheiß von König Herodes ermordeten Kinder (Matthäusevangelium 2, 16) im Mittelpunkt. Das Fest wurde 505 erstmals in einem Kalender aus Nordafrika erwähnt; im Mittelalter wurde es in Schulen und Klöstern zum Kinderfest. Nebenpatrone sind der Evangelist Johannes und Apostel Paulus. 1738 wurde die Kirche auch als Johanneskirche bezeichnet.

Baubeschreibung


Kirche mit Blechdach 2002
Die Kirche liegt auf einem kleinen Hügel inmitten des Dorfes. Ein Friedhof ist nicht vorhanden. Bei der letzten Renovierung im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hat man die Kirche trocken gelegt und das Blechdach durch eine Ziegeldeckung ersetzt.
Der Chor ist nicht eingezogen und schließt in drei Achteckseiten.
Auf der Westmauer sitzt ein kleiner, etwas vorkragender Giebeldachreiter. Im unteren Teil hat er einen quadratischen, im oberen Teil einen achteckigen Grundriss. Er ist mit einem Spitzhelm überdacht. Früher soll er mit einer Zwiebelhaube bedeckt gewesen sein. Ob die von Josef Ignaz Daller aus München im Jahr 1787 und die (kleineren) von Anton Benedikt Ernst im Jahr 1729 und 1730 gegossenen Glocken noch vorhanden sind, konnte ich nicht ermitteln.


Kirche mit Ziegeldach 2010


Inneneinrichtung

Der nicht
eingezogene, in drei Achteckseiten schließende Chor bildet mit dem Kirchenschiff auch in der Höhe eine bauliche Einheit; ein Chorbogen fehlt. Der von sechs Fenstern erhellte Kirchenraum ist mit einer Holzbalkendecke überzogen, die den Raumeindruck maßgeblich prägt. In die Westwand sind zwei große Rundbogennischen eingelassen, deren Bedeutung nicht mehr bekannt ist.

Altar

Der 2,20 m breite und 3,40 m hohe Altar aus dem Ende 17.Jh ist ein barockes Säulenretabel. Sein Holzkern ist blau und weiß marmoriert (=mit Marmormuster bemalt) und mit vergoldeter Ornamentik versehen.
Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet. Am Antependium ein aufgesetztes Kreuz. Die beiden Säulen mit aufgesetzter Ornamentik tragen ein verkröpftes Gebälk mit breitgelagertem Segmentbogengiebel und großem Engel.
Das 147 x 111 cm große Altarblatt zeigt den Evangelisten Johannes auf der Insel Patmos. Der Heilige sitzt auf einer Mauer und schreibt in sein Evangelienbuch. Hinter ihm der Adler als sein für ihn typisches Attribut. Das Bild stammt aus der Zeit um 1620. Der Evangelist Johannes lebte wohl erst um das Jahr 95. Er wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der "Offenbarung" schrieb. Wegen seiner "hohen Theologie", wird er mit einem Adler dargestellt.
Als Assistenzfiguren stehen die Nebenpatrone der Kirche, St. Paulus und der Apostel Johannes (links mit Kelch und Buch) aus dem Ende des 15. Jh. -aus Sicherheits- gründen leider nur noch bei den wenigen Gottesdiensten - auf Postamenten.
Die Figur links soll den Apostel Johannes darstellen. Früher glaubte man, der Evangelist und der Apostel seien eine Person gewesen. Deshalb hat der Künstler der Johannesfigur auch einen Kelch in die Hand gegeben. Die Schlange im Kelch erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange. Aber diese Legende gehört zur Lebensgeschichte des Evangelisten Johannes.

In die Predella ist ein langgestrecktes Ölbild auf Holzuntergrund eingelassen. Es zeigt fünf tote Kinder (um 1620).


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Wandmalereien

Erhalten sind noch zwei Freskenreste aus dem Jahr 1546 (Renaissancezeit). Der Zustand der Gemälde ist schlecht. Wahrscheinlich sind sie schon vor Jahrhunderten (spätestens beim Fenstereinbau) übermalt und erst in neuerer Zeit wieder freigelegt worden.

Das Fresko neben dem Altar zeigt die Anbetung der Hirten an der Krippe . Leider ist es durch den späteren Einbau der Fenster beeinträchtigt.
Dieses Gemälde enthält die Jahreszahl "1546".

Das Fresko im hinteren Bereich der Nordseite stellt den Bethlehemitischen Kindermord dar. Es dürfte aus der gleichen Zeit stammen.


Zwei gut erhaltene Glasbilder aus der Kirche, die um 1462 gemalt wurden, kamen in das Bayerische Nationalmuseum nach München. 1870 befanden sie sich noch in der Kirche.


P
lastiken an den Wänden

An der Chorsüdseite ist ein rot gelüstertes Herz im vergoldeten Rocaillerahmen aus der Zeit um 1690 angebracht. Gelüstert bedeutet einen Anstrich mit "Lasurfarbe", der auf versilberten oder vergoldeten Objekten metallischirisierende Effekte hervorruft.
An der Südseite hängt eine Kreuzigungsgruppe aus dem 20.Jh. Über dem Kreuz schwebt ein Putto, darunter knien zwei Leuchterengel aus der Zeit um 1700.
An der Nordseite -dem Eingang gegenüber- steht eine überlebensgroße Figur des hl. Benno aus der Zeit um 1910.
Hinweis: Der heilige Benno war Bischof von Meißen und wurde vom Kaiser zum Verlassen des Bistums gezwungen. Beim Weggang soll er die Schlüssel der Domkirche zu Meißen in die Elbe geworfen haben, damit der Kaiser die Kirche nicht betreten konnte. Als er drei Jahre später, im Jahre 1088 wieder in sein Haus zurückkehrte, brachte ihm ein Fischer einen Fisch, an dessen Flossen die Schlüssel hingen.


K
reuzwegbilder und Apostelkreuze

An den Wänden hängen die Kreuzwegbilder. Es handelt sich um Farbdrucke aus der Zeit um 1870 (58 x 30 cm).
Hinweis: In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Unter den Kreuzwegbildern sind die Wandbemalungen für früher wohl vorhandene Apostelleuchter angebracht. Es handelt sich um kreisrunde Plaketten mit einem Kreuz in Rocaillenmuster (Apostelkreuze).  
  Hinweis: Die Apostelkreuze und -leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


P
ortal

Sehr schön ist auch die durch Kassetten (mit Kreuzreliefs) gestaltete Eingangstüre (20.Jh).
Hinweis: Wenn Sie sich für alte Türschlösser interessieren, können Sie sich eine Zusammenstellung aus den Kirchen im Dachauer Land ansehen, wenn Sie hier klicken...

Opferstock

Im Eingangsbereich noch ein schöner Weihwasserkessel und ein interessanter Opferstock aus lackiertem Holz mit einem Metallbügel über dem Einwurfschlitz. Der Name rührt daher, dass der Opferstock ursprünglich aus einem großen ausgehöhlten Holzstock bestand.
Hinweis: In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..
Auch eine Sammlung von Weihwasserkesseln und -becken können Sie sehen. Klicken Sie hier..

Die Westseite ist durch zwei große Mauernischen gegliedert.

Hans Schertl


Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Glocken)
20 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.1.2010