zur Landkreiskarte       ausführliche Beschreibg.      Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen


Pfarrkirche St. Stephan in EGENBURG

LuftbildKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Adresse : 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Hauptstraße 12
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Stephan in Egenburg wurde erstmals im 11.oder 12.Jh erwähnt. Eine Pfarrei hat schon vor 1264 bestanden. Obwohl bis 1973 in Schwaben gelegen, gehörte Egenburg schon immer zum Bistum Freising.
In der Konradinischen Matrikel wird vermerkt, dass Egenburg bereits 1315 einen Friedhof hatte. Das spricht für eine gewisse Bedeutung der Ortschaft.

Die jetzige Kath. Pfarrkirche St. Stephan wurde in gotischer Zeit erbaut und - nachdem sie 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg abgebrannt war- unter Beibehaltung  des Mauerwerks im gotischen Chor bis 1707 neu errichtet. 
1740 folgte der Anbau der nördlichen Seitenkapelle. Um diese Zeit wurde auch ein Großteil der Inneneinrichtung (insbesondere die drei Altäre, die Kanzel, Bilder und Figuren) neu beschafft.
Das Langhaus wurde im 19.Jh. um ein Joch verlängert.

Der Turm hat einen viereckigen Unterbau mit achteckigem Aufsatz und schöner Zwiebel. In ihm hängen vier Glocken, die alle im 20.Jh. gegossen wurden.

Im Jahr 2000 war die Kirche innen wieder ausgebrannt.  Wahrscheinlich hat ein unerbetener "Übernachtungs-gast" im Kirchenraum mit Gotteslob-Büchern ein Feuerchen gemacht", sagte die Mesnerin. Der größte Schaden entstand durch den Rauch.
Die Renovierung dauerte zwei Jahre.


Marienbild im Altarraum


Inneneinrichtung

Der Chor ist mit einem Tonnengewölbe überdeckt. An dieser Decke ist ein großes Fresko zu sehen. Thema des Bildes: "Stephanus verteidigt die christliche Lehre". Auch die Wände zwischen den Fenstern sind mit paneelartigen Bändern und zartblauen Zierstreifen geschmückt.
Im Chorscheitel ein gemaltes (!) Epitaph. Weitere Epitaphe aus Stein befinden sich an den Wänden des Altarraums.
Die in kräftigen Farben gemalten Deckenbilder dominieren optisch den Raum und lassen die Kirche etwas dunkel wirken.

Auf dem von acht glatten Säulen u. Pilastern gestützten Hochaltar (2. Hälfte 18. Jh) ist eine große Schnitzfigur des hl. Stephanus (mit einem Stein in der Hand) von Bildhauer Johann Luidl angebracht. Assistenzfiguren am Altar selbst fehlen; an ihrer Stelle stehen an der Wand Figuren von St.Anna und St.Joachim.
Im Altarauszug ein Marienbildnis, umkränzt mit 12 Sternen.

Hauptfiguren der Seitenaltäre sind die hl. Ottilie mit einem Buch und darauf liegenden Augäpfeln (nördlicher Seitenaltar) und die Muttergottes mit Kind (südlich).  

Auffällige Fresken zur Stephanuslegende im Chor, am Chorbogen und im flachgedeckten Langhaus vom bekannten Hofmaler Joh. Joseph Schöpf

An den bemalten Seitenwänden stehen die Figuren von Aposteln. Dort sind auch die prächtige Barockkanzel sowie das Kanzelkreuz angebracht.

In einer erst um 1740 angebauten Seitenkapelle steht ein gemalter Altar von 1750 mit Figur des hl. Johann Nepomuk.

In der Kapelle ist auch der Taufstein untergebracht.


Vergrößerung von 10 Details (Figuren, Gemälde, Leuchter Altar, Kanzel) per Mouseklick
Kirchenbank-WangenKanzelKanzelkreuzAltarauszug: MarienbildnisKristalllüsterKirchenleuchtenMater dolorosaMuttergottesstatueSt. Stephanus am HochaltarDeckenfreskenDeckenfreskenSt. OttilieMalerei am ChorbogenLesepultSeitenwändeTabernakelMaria  MagdalenaSt.SebastianPosaunenengelKirchenbank-Wangen

Die Brüstung der säulengestützten Empore schmücken Bilder der vier Kirchenväter (Ambrosius als Bischof mit einem Bienenkorb, Augustinus, mit brennendem Herzen, Papst Gregor mit im Papstornat sowie Hieronymus mit Totenkopf).

Die mechanische Orgel mit 11 Registern und 2 Manualen besitzt einen schön gestalteten Prospekt und wurde 1994 von Maximilian Offner aus Kissing erbaut.

Seit 1979 bildet die Pfarrei Egenburg zusammen mit den Pfarreien Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Pfaffenhofen, Sittenbach und Sulzemoos den Pfarrverband Odelzhausen.

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte Anfangsjahre 9.Jh Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560
Kirchenbau 1560 Beschreibg.1575 Neubau 1707 Matrikel 1740
  Umbau 19.Jh Beschreibung 1820 Beschreibg 1874 Beschreibg 1895
Ausstattung: Altarraum Ambo Apostelfiguren Baubeschreibung
  Choraltar Deckenfresken-1 Deckenfresken-2 Empore
  Epitaphe Ewig-Licht-Ampel Fahnen Gemälde im Chor
  Kirchenbänke Kreuzweg Kreuzigungsgruppe Krippe
  Mater dolorosa Orgel Pfarrhaus Pfarrgeschichte
Reliquien Seitenaltäre Seitenkapelle Taufstein
Vorhaus Vortragekreuz Wandmalereien Zelebrationsaltar
      Pfarrerliste

Die Gegend um Egenburg wird wohl schon zur Römerzeit besiedelt gewesen sein. Jedenfalls berichtet Anton Mayer von einer Sammlung des Barons von Lotzbeck, in der die in Egenburg gefundenen Kupfermünzen mit dem Bild der römischen Kaiser Tiberius Claudius, Nero, Domitian und Constantin aufbewahrt werden. Diese Münzen seien von Bauern in Egenburg anstelle von Pfennigen auf den Opferteller des Altars gelegt worden.

Erste schriftliche Erwähnung der Ortschaft
Die Ortschaft Egenburg (Burg des Egino oder Ago) soll entweder um das Jahr 1050 im Traditionscodex (Verzeichnis von Güterübergaben) des Kollegiatstiftes St. Castulus in Moosburg oder - wie Prof.Liebhart aus Altomünster meint- erst später, in einer Stiftungsurkunde aus der Mitte des 12.Jh erwähnt worden sein. In dieser Stiftungsurkunde sei ein Adeliger mit Namen Bernhard von Egenburg (Bernhardus de Ogenburch) als Zeuge aufgeführt. Bernhardus starb 1147 auf dem zweiten Kreuzzug.



Geschichte der Kirche

Matrikel 1315 01)
Die erste schriftliche Erwähnung der Pfarrei findet sich in der Konradinischen Matrikel aus dem Jahre 1315, einem Verzeichnis mit allen Kirchen der Diözese Freising. Dort heißt es beim Dekanat Günzlhofen: "Egenburch soluit habet suam sepulturam" (Egenburg ohne Filialkirche hat einen eigenen Friedhof).
Das Alter der Pfarrei reicht jedoch viel weiter zurück, denn sie lag im engsten Bereich der Priesterbruderschaft "Capitel an der Glonn", die schon im 8.Jh bestand. Ihr Stifter war Graf "Otto v. Hochenzollern", der sie auch mit einem "guett" zu Wagenhofen beschenkt hat. Bemerkenswert ist, dass Osterholzen und ein Teil von Dirlesried bis 1816 zur hiesigen Pfarrei gehörten, obwohl diese Orte viel näher bei Egenhofen liegen. Nachdem Egenhofen 1264 zur Pfarrei erhoben worden war, wäre eine solche Sprengelaufteilung völlig ungewöhnlich gewesen. Demnach muss die Pfarrei Egenburg schon vor 1264 bestanden haben.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
01)
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird erstmals das Patronat der Kirche St.Stephanus und Laurentius genannt. (Dieses Patrozinium spricht dafür, dass es sich bei Egenburg um einen frühen bischöflichen Seelsorgemittelpunkt gehandelt hat). Auch bei der Visitation 1560 waren beide Heilige Patron der Kirche. Später hat sich nur St.Stephanus erhalten. In der Matrikel von 1524 werden vor allem die kirchlichen Einnahmen aufgeführt. Doch ihr ist auch zu entnehmen, dass der damalige Pfarrer Johannes Vennd hieß; er ist uns noch gut bekannt, weil sein Epitaph in die Mauern des Altarraums eingelassen ist. Vent war sogar Dekan. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) lag beim Bistum Freising. Allerdings wird 36 Jahre später, bei der Visitation, die Pfarrei als Monatspfarrei beschrieben. Wenn der Wechsel des Pfarrers in einem sog. Päpstlichen Monat (ungerade Zahl) stattfindet, darf der Bischof von Freising, an den geraden Monaten (Febr.April Juni usw.) der Herzog von Bayern den neuen Pfarrer aussuchen. Ob das Präsentationsrecht in dieser Zeit gewechselt hatte, oder ob einer der beiden Berichte insoweit falsch war, ist nicht bekannt. Auch später blieb Egenburg eine Monatspfarrei. 1803 übernahm der bayer.König das Besetzungsrecht voll, bis es durch das Konkordat 1817 wieder durch die Regelung der Monatspfarrei und ab 1830 der Wechselpfarrei ersetzt wurde
.
Die Pfarrei hatte 200 Communicantes, das waren Gläubige nach der Erstkommunion
23) . Egenburg war damit eine durchschnittlich große Pfarrei.


Visitationsbericht von 1560 25)

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über Egenburg heißt es, der Pfarrer Narcissus Vendt wurde 1508 hier in Egenburg als Sohn des früheren Pfarrers Johannes Vendt geboren und 1540 in Dillingen zum Priester geweiht. Die Visitatoren berichteten, der Pfarrer predige aus katholischen Büchern und vertrete in allen Vorschriften die katholische Lehre. Privat war er ein ordentlicher Pfarrer; er befleißigte sich eines ehrbaren Lebenswandels.

Das Kirchengebäude und der Pfarrhof wiesen keine Mängel auf. Über seine Schäfchen beschwerte sich der Pfarrer stark: Er habe ein ungezogenes Pfarrvolk, das sich während des Gottesdienstes draußen vor dem Friedhof aufhalte, Brandtwein trinke und sogar Unzucht treibe. Wenn Sie an weiteren Details der Visitation interessiert sind, klicken Sie hier...


Gotischer Neubau
Das Erbauungsjahr der ersten Kirche ist unbekannt. In gotischer Zeit (15./16.Jh) muss aber eine neue Kirche errichtet worden sein, weil der Chor/Altarraum noch diesem Baustil angehört.



Pfarrbeschreibung 1575

In der Staatsbibliothek München befindet sich eine Handschrift mit dem Titel: "Beschreibung der Pfarren Einkommen Rentambts München und anders betreffend de Ao.1575". Die Schrift wurde von staatlichen (herzoglichen) Stellen erstellt. Sie erfasste Pfarreien aus den umliegenden Gerichtsbezirken, u.a. auch Dachau, Friedberg und Kranzberg. Die Handschrift ist nur noch teilweise erhalten und umfasst deshalb nur noch 73 Pfarreien; dazu gehört aber glücklicherweise auch die Pfarrei Egenburg, damals im Gerichtsbezirk Friedberg gelegen. Die von weltlichen Behörden erstellte Handschrift befasst sich, wie Deutinger schreibt, "nur mit den äußeren Rechtsverhältnissen und Temporalien, den Präsentations- und Installationsrechten, Renten und Lasten der Pfarrpfründe".
Pfarrer war damals immer noch Narciss Vendt, dessen Epitaph links hinter dem Hochaltar in die Chorwand eingelassen ist. Er war der Sohn seines Vorgängers Johann Vendt. In der Beschreibung sind auch die Stolgebühren (= Vergütungen für die kirchlichen Handlungen) aufgeführt (ich gebe es hier zum besseren Vergleich in der damals kleinsten Währung Pfennig an):
Beichtgeld 2 Pfennig, Krankenbesuch 12 Pfennig, Hochzeit=Einladung zum Essen, Kindstaufe=1 Laib Brot. Von einer Frau im Kindbett eine Kerze mit 2 oder 3 Pfennig. Für Beerdigungen gab es eine gestaffelte Regelung: von Armen= je nach Vermögen, für ein Kind: Messe mit Gesang = 40 bis 48 Pfennig, Messe ohne Gesang=nichts, Erwachsener=1 Gulden bzw. 240 Pfennig. Insgesamt ergab das Einnahmen aus Stolgebühren von durchschnittlich 6 Gulden im Jahr. Der Bericht endet mit den Worten: "Ist ain claine, aber guete Pfarr, darzue ruewig." Wenn Sie den ganzen Text der Pfarrbeschreibung lesen möchten, klicken Sie hier...

Barocker Ausbau 1707
Die jetzige Kath. Pfarrkirche St. Stephan wurde - nachdem sie 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg- mit den Häusern des Dorfes abgebrannt war- unter Beibehaltung und Wölbung des gotischen Chors bis 1707 neu gebaut. 1740 folgte der Anbau der nördlichen Seitenkapelle. Um diese Zeit wurde auch ein Großteil der Inneneinrichtung (insbesondere die drei Altäre, die Kanzel, Bilder und Figuren) neu beschafft.

Schmidt'sche Matrikel 01)
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die Pfarrei "s.Stephani in Egenburg" berichtete er: Das Präsentationsrecht liege monatlich abwechselnd beim Bistum Freising und beim Fürstenhof in München (Monatspfarrei).
Der aktuelle Pfarrer heiße Johann Karl Felix Machaus. Er sei 1730 installiert worden. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude waren wohl in gutem baulichen Zustand; sie zeigten keine gravierenden Schäden, schrieb Schmidt. Die Zahl der Gläubigen war in den zurückliegenden 200 Jahren seit 1524 weniger stark gestiegen, als dies in anderen Pfarreien im Dachauer Land der Fall war; sie hatte sich von 200 auf 292 erhöht. Zudem war ein Teil der Vergrößerung wohl auf die neue Filialkirche St.Anna in Osterholzen zurückzuführen, die 1738 erstmals als zur Pfarrei gehörig aufgeführt wird.

Die Egenburger Pfarrkirche St.Stephanus selbst wird als schmucker Bau mit drei Altären beschrieben. Der Hochaltar war dem Kirchenpatron geweiht; in ihm waren eine Kreuzreliquie und Reliquien von St.Stephanus "bestattet", d.h., in der Stipes eingemauert. Die Seitenaltäre hatten die Jungfrau Maria und die hl.Ottilie als Patrone. Gottesdienste fanden jeden Sonn- und Feiertag statt, außer an den Tagen, an denen Messen in der Filialkirche Osterholzen gehalten wurden. Kirchweih fiel auf den Sonntag vor Mariä Geburt (8.Sept). Besonders erwähnt wird, dass in der Kirche Taufstein, Heilige Öle und Messgewänder vorhanden waren. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Friedberg. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung auf 8143 fl. (=Gulden), 8 kr.(=Kreuzer) und 6 hl.(=Heller) betragen". Das war im Verhältnis zu anderen Kirchen ein ungemein hoher Betrag.

Verlängerung 19.Jh
Im 19.Jh. wurde das Langhaus wurde um eine Fensterachse (4,20 m 10)) nach Westen verlängert; wahrscheinlich schon vor 1874, weil A.Mayer in seiner o.a.Beschreibung die "Geräumigkeit" der Kirche als "genügend" bewertet.



Beschreibung 1820  06), 07)
Der bischöfliche Registrator Martin von Deutinger erstellte im Jahr 1820 eine "Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate". Sie enthält auch einen Kurzbeschreibung der einzelnen Pfarreien.
Grundlage dafür waren die 1817 von jedem Pfarrer nach einem vorgegebenen Muster eingereichten Pfarrbeschreibungen.
Die Tabellarische Beschreibung blieb bis zum Werk von Anton Mayer und Georg Westermayer 05) die ausführlichste Darstellung.
Die Beschreibung wurde von der bischöflichen General-Vicariats-Kanzley (ohne Namensnennung des Verfassers) herausgegeben.

Die Pfarrei Egenburg wird darin (S.115) wie folgt beschrieben:
 
"Ebertshausen "Säcular (Monats-) Pfarrei; Patron hl. Stephanus;
Kw (=Kirchweihfest): Sonntag vor Mariä Geburt(Sonntag vor 8.9.).
Seelenzahl:
Pfarrei Egenburg
303 Gläubige in
60
 Häusern
Dorf Egenburg:
126 Gläubige in
25
 Häusern
Weiler Beurazell  
  22 Gläubige in
5
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Dorf Ebersried
  92 Gläubige in
17
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Einöde Kaltenbach
  18 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Einöde Rettenbach
  11 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 3/4 Std
Weiler Stocka*
  2 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Weiler Weitenried*
  32 Gläubige in
5
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
* von den übrigen 4 Häusern zu Stocka sind 3 nach Sulzemoos , 1 nach Pfaffenhofen/Glonn eingepfarrt
** von Weitenried ist ein Hof nach nach Pfaffenhofen/Glonn eingepfarrt


Pfarrbeschreibung 1870 02)
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch. Über die Pfarrei Egenburg schreibt er:
  Geographie: Die Pfarrei hat 350 Gläubige in 59 Häusern. Davon wohnen aber nur 130 Gläubige (in 25 Häusern) im Ort Egenburg selbst, die Übrigen in Beurazell 36 (6), Ebersried 102 (19), Kaltenbach 13 (1), Miesberg 21 (2), Rettenbach 10 (1) und in Weitenried 38 (5) ohne Strixnerbauer u. Capelle. Miesberg war erst 1852 eingepfarrt worden (früher Mering). Die Pfarrei hat eine gute Stunde im Umfange, eine halbe Quadratmeile. In Egenburg gibt es eine Schule mit 1 Lehrer, 42 Werktags- und 12 Feiertagsschülern. Pfarrer Karl Seel v. Egenburg dotirte einen Schuldfond mit 2000 Gulden."
Pfarrei
: "Wechselpfarrei". Noch einmal hatte sich also das Präsentationsrecht verändert. Wie auch andere Pfarreien in Bayern war auch Egenburg am 26. Juli 1830 von einer Monatspfarrei in eine Wechselpfarrei umgewandelt worden. Nun wechselte das Recht, einen guten Posten an die eigene Klientel vergeben zu können, nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München.
Die Kirchenrechnung ergibt bei 1713 Gulden Einnahmen und 98 Gulden Lasten einen Reinertrag von 1615 Gulden. Das Widum, der Pfarrbauernhof, hatte eine Grundfläche von 74 Tagwerk (25 ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus, 1782 erbaut, ist gesund, geräumig, zweckmäßig. Die Ökonomiegebäude entsprechend. Ein Hilfspriester ist unnöthig".
Kirche: Auf einer Anhöhe am linken Ufer der Glonn gelegen, an der Vicinalstraße (=Landstraße) von Weihern nach Pfaffenhofen. Erbauungsjahr unbekannt. Geschmackvoll restaurirt 1855. Ursprünglich gothischer Stil, wie man noch im Presbyterium sieht. Später, 1707, wurde in selbes ein Tonnengewölbe eingebaut. Das Schiff, 48 Fuß lang, hat Plafond (=Flachdecke), der ebenso wie das Chorgewölbe, mit schönen Frescobildern von J.J.Schöpf geschmückt ist. Die Fresken stellen die Vertheidigungsrede u. den Tod des hl.Stephanus dar. Die nördliche Seiten-Capelle St.Johann Nepomuk ist erst um 1740 angebaut worden. Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 7 (!) Glocken im eisernen Glockenstuhl, wovon 6 harmonisch gestimmt (in den Tönen a', f'', e'', d'', c'', f') sind. 5 wurden von Götzger in Memmingen 1868 gegossen, u. 1 ältere v.Langenegger u.
Ernst in München 1724. Die 7.Glocke ist unharmonisch und wird nicht mehr geläutet; gegossen 1705 v.J.M. Langenegger in München. Die letzte wurde am 17.4.1869 in München geweiht. Thurmuhr von Manhart von Jahre 1870. Sie schlagt im Quintsextaccord, Doppelschlag auf d''u. c'') die Viertel, auf a'Ganze, und repetirt die Stunden mit f. Vier Altäre, drei in der eigentlichen Kirche, einer in der Capelle. Orgel mit 14 Registern, aufgestellt 1863 von Rubenbauer und Altmann in München. Stiftungen: 9 Jahrtage, 43 Jahrmessen und 4 Quatembermessen (=1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag, 3.Adventssonntag). Meßner und Cantor ist der Lehrer. Kirchenvermögen: 24.100 Gulden."



Beschreibung 1895
Die Pfarrkirche von Egenburg ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Friedbeger Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.
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Pfarrkirche
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In einer Seitenkapelle links:
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Altargemälde. Joh. Nepomuk in Andacht, nach wahrscheinlicher Angabe des Stiftungspflegers von J. J. v. Schöpf;
18. Jahrhundert. H. 242, br. 175 cm.
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Gegenüber an der Südwand Pieta, soll ebenfalls von Schöpf sein. 18. Jahrhundert. H. 78, br. 43 cm.
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Die Deckenbilder (nach Mayer Bd. I 272), ebenfalls von J. J. Schöpf, sind jetzt ganz entstellt.
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Im Chor links Grabstein der Pfarrer Joh. Wendt +1652 und Narcissus Wendt +1561. Platte von rothem Marmor.
In der Mitte der Gekreuzigte mit den beiden knieenden Verewigten in Relief. H. 180, br. 88 cm.
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Am Triumphbogen Grabstein des Pfarrers Caspar Knöferl +1659, Platte von Solenh. Stein. H. 90, br. 50 cm.
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Auf dem Kirchhof: Grabstein des Hofmalers Joh. Adam Schöpf auf Bulach gest. 177(9?); des Vaters des oben erwähnten.

Letzte Renovierungen der Kirche wurden in den Jahren 1855,
-  1971- 76 08),
-  2000 bis 2002 nach einem Brand und
-  2010 (außen, 80.000 Euro) durchgeführt .


Baubeschreibung

Die Kirche liegt leicht erhöht inmitten eines Friedhofs.

Der eingezogene Chor ist noch gotisch, besitzt aber barocke Rundbogenfenster. Sie wurden wohl eingebaut, als das Kirchenschiff nach der Zerstörung im Spanischen Erbfolgekrieg um 1707 neu aufgebaut werden musste. Vor 1870 hat man das Kirchenschiff um eine Achse (von vier auf fünf) verlängert.

1740 wurde die nördliche Seitenkapelle angebaut.
  Hinweis: Die Kirche St.Stephanus in Egenburg hat -wie die meisten Kirchen in unserer Gegend- einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für die christliche Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet, als eine runde, kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte.
Für die Kirchenform der üblichen Kirche bis zur Zeit des 2.Vatikanischen Konzils hat sich unter Theologen auch der Ausdruck "Buskirche" eingebürgert: Der Pfarrer ist der Busfahrer, die Gläubigen die Passagiere. Durch das Konzil hat sich der Busfahrer zu den Passagieren umgedreht. 16)

An der Westseite schützt ein kleiner Vorbau das Portal vor den Unbilden der Witterung.

Turm
Der nördlich angebaute Turm hat einen quadratischen Unterbau mit oktogonalem (achteckigem) Aufsatz und eine mit Blechschindeln gedeckte Zwiebelhaube. Sein Mauerwerk ist durch Ecklisenen und Wandvorlagen gegliedert. Das Untergeschoss des Turms wird noch von einem gotischen Kreuzgratgewölbe überdeckt.

Glocken
Hinter den rundbogigen Schalllöchern in den zwei obersten Geschossen hängen fünf Glocken. Es sind -nach Aussage des Glockenexperten Ralf Müller 21) - vier Glocken aus dem 20.Jh (mit der Tonfolge e'-gis'-h'-cis'') sowie die aus dem Jahr 1868 stammende Sterbeglocke (St.Michael) mit dem Grundton f''.

Frühere Glockenausstattung:
Im Jahr 1874 erwähnte Anton Mayer in seiner Bistumsbeschreibung 02) auch die damals sieben Glocken von Egenburg:
"1868 hat Pfarrer H.Michael Schiller das melodisch harmonische Geläute hergestellt, das 1869 beim Kreuzgange nach Pfaffenhofen erstmals erklang"... "Der Pfarrer schaffte die 174 Pfund schwere, in f''klingende Michaelsglocke (Sterbeglocke) aus eigenen Mitteln an
und brachte es zu Stande, daß die Egenburger durch Beiträge die Johann Nepomuk-Glocke, 294 Pfund schwer (in d'' klingend),
die Filialisten auf gleiche Weise eine weitere (Jesus-, Maria- und Josephs-) Glocke, 196 Pfund schwer (mit dem Tone e'') stifteten".
Die 469 Pfund schwere Hl.Geist-Glocke (Ton c'') erwarb die Pfarrkirche aus eigenem Vermögen

und die Dreifaltigkeitsglocke mit 1327 Pfund (Ton f'), wurde von mehreren Einzelpersonen gestiftet (Müller Joh.Bernhard, G.Landmann aus Kaltenbach, Th.Hofner aus Ebersried, Th.Schmid aus Tegernheim u. Math.Böswirth aus Miesberg).

Die dem hl.Stephan gewidmete sechste Glocke (732 Pfund) war schon seit 1724 vorhanden; sie erklang im Ton a'.
Die siebte und älteste Glocke wurde angekauft; die Glocke war im Jahr 1705 von J.M. Langenegger in München gegosssen worden. In ihrem Inneren war vermerkt: "Diese Glocke hat das Gotteshaus Schwambach dem Gotteshaus Egenburg überlassen, weil es (sie) nit anständig gewesen" (nicht zu den anderen Glocken passte).


Auch eine Turmuhr wurde in der Zeit um 1870 eingebaut. Gestiftet hatte sie Max Metzger aus Egenburg, gebaut die bekannte Uhrenfabrik Mannhart und aufgestellt Simon Ressig. "Ein treffliches Werk" nannte sie Anton Mayer. Inzwischen ziert wohl eine neue Uhr den Turm.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".


Epitaphe an der Außenwand

An der südlichen Außenwand sind eine Reihe von Epitaphen eingelassen. Drei davon erinnern an ehemalige Pfarrer von Egenburg.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

  1812

1812 - Denkmal für Maria Steber
Text: Denkmal errichtet dem Fleiße, der Diensttreue und Arbeitsamkeit der ehr- und tugendreichen Jungfrau Maria Steber, Wirthstochter von Hochdorf. Sie starb den 10.Mai 1812, 36 Jahre alt. Ruhe, Licht u. Friede ihrem Geiste
1816- für Pfarrer Karl Seel
Pfarrer Seel war ein frommer Priester und zugleich ein großer Förderer der Kirche und der Schule. Er hatte ein großes Herz für die Armen und bezahlte ihren Kindern das Schulgeld. Man erzähl-te sich, er habe regelmäßig nachts in der Kirche gebetet und habe immer ge-wusst, wer als nächster aus seiner Pfar-rei sterben werde. Er hinterließ eine Be-schreibung aller Orte seiner Pfarrei.
Vor seiner Zeit als Pfarrer war er bis zur Auflösung des Klosters Indersdorf dort Augustiner-Chorherr. Danach kam er als Kooperator zu Pfarrer Nepomuk Schöpf und wurde 1792 dessen Nachfolger.


   1888

1888 - für Pf.Augustin Bilz oder Hilz
Text: Hier ruhet der Hochwürdige, Hochgelehrte Herr Augustin Bilz, Dr. der Theologie, königl.Hofkaplan und Pfarrer dahier. Geboren den 7.9.1824 zu Schillings-fürst, gestorben den 3.2.1899 in Egenburg. Wer gethan, was er gelehrt hat, der wird groß sein im Himmelreich (Matth. 5,19)
(Stein aus weißem Marmor, 121 x 70 cm).
1893- für Pfarrer Dionys Wagner
Text: Dem Andenken des Hochwürdigen Herrn Dionys Wagner, Pfarrer von Egenburg, geb. in Freising, 11.11.1837, gest. dahier, den 29.8.1893
(Stein aus weißem Marmor; 63 x 53 cm)

1893   

   1910
1910 - für Pfr. Karl Rues
Text: Gedenkstein für den hochw. Herrn Karl Rues, vom Jahr 1893-1905 Pfarrer dahier, gestorben als Commorantpriester am 10.11.1910 in Erding.
1918 - für Th.Schmid
Text: Hier ruht in Gott die ehrengeachtete Frau Theresia Schmid, Eisengiesserswitwe von Bergen, gest. den 18.6.1918, im Alter von 90 Jahren und 7 Monat.

1918   

   1918
1918 - für Familie Bernhard (Gallenbauer) Im Jahr 1933 war noch ein Epitaph für Pfarrer Joseph Ignaz von Schöpf (1765-1792) an der Südseite vorhanden, auf dem er als Wohltäter gerühmt wurde. 10)


Innenausstattung
  Innenmaße
Länge: Altarraum: 7,25; Chorbogen: 0,65 m; Kirchenschiff: 15 m
Breite: Altarraum: 4,60; Chorbogen: 3,45 m; Kirchenschiff:   6 m
Höhe: Altarraum: 6,00; Kirchenschiff 5,90

   Altarraum

Der in drei Seiten eines Acht-ecks schließende Altarraum ist mit einem Tonnengewölbe über-deckt, das 1707 08) eingebaut worden ist. Das gotische Mauer-werk des Chors wurde erhalten, was an dem kleinen vermauerten Fenster im Chorschluss erkenn-bar ist. 10)
Der Altarraum ist etwas eingezogen, d.h. schmäler und niedriger als das Kirchenschiff.


Altarraum

 
Stefanus verteidigt die christli.
Lehre vor den Hohepriestern
An der Decke des Altarraum ist ein großes Fresko gemalt mit dem Thema: "Stephanus verteidigt die christliche Lehre vor den Hohepriestern im Tempel".
Es wurde von den Künstlerfamilie Schöpf gemalt. In der Kirche tätig waren Vater Johann Adam (Wandgemälde) und der Sohn Nepomuk (Deckengemälde). Die Stilrichtung wendet sich schon von Rokoko ab hin zum Frühklas-
  sizismus. Typisch ist die Gestaltung der Scheinarchitek-tur an den Wänden mit kannelierten Doppelpilastern, Hohlkehlen, Nischen und Sarkophagen im Stil des Frühklassizismus.        ... mehr zu den Fresken ...

 

Fresken an den Wänden des Altarraums

Die Wände des Altarraums sind in (einer Höhe von 2,10 m bis 3 Metern 10)) zwischen den Fenstern mit paneelartigen Bändern und zartblauen Zierstreifen geschmückt.
Künstler war Johann Adam Schöpf in der Zeit zwischen 1765 und 1770 .
An der Wand sind auch Allegorien der göttlichen Tugenden festgehalten:
Die drei Tugenden erhalten das Attribut "göttlich", weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.
- Dem Glauben wird die Farbe Blau und das Attribut Kreuz,
- der Hoffnung die Farbe Grün und das Attribut Anker,
- und der Liebe die Farbe Rot und das Attribut Herz zugeordnet.

 
 
 
Fides (Glaube): Allegorische Gestalt mit Kreuz, Kelch sowie Buch mit Inschrift: "Evangelium Jesu Christi". Auf einem Obelisken eine Schriftkartusche mit dem Text: "Vestige meinen Glauben" -
"Wir werden Gott schauen, wie er ist!"
 
Spes (Hoffnung):
Vase mit Engel und Flamme sowie ein Anker,
Inschrift: " Stärke meine Hoffnung", darunter:
"Meine Hoffnung ist Christus".
  Caritas (Liebe):
Vase mit Engeln und drei flammenden Herzen sowie der Inschrift:
"Endzinde meine Liebe" -
Die Lieb Gottes erbarmt sich!".


Epitaphe im Altarraum

Als Besonderheit der Kirche sind im Chorscheitel (hinter dem Altar) gemalte (!) Epitaphe in klassizistischen Stil (mit römischen Ziffern nummeriert) zu sehen, die leider nur noch teilweise leserlich sind:


1707
Text: "XIV
Anno 1707 starb der Wohl Ehrwürdige Herr Ferdinand Eder
72 Jahre seines Alters
42 Jahr alhier gewester Pfarrer"
  "XI? Narcissus Vendt.


1730
Text: "XV
Der Hochwürdige Herr Vittus Ritter
Pfarrer 23 Jahr in Egenburg
Seines Alters 59 Jahr
gestorben den 31.Merz anno 1730"
 
Text: "XII
Der Hochwürdige Herr Michael Fischer"
Pfarrer Egenburg
und sonderbarer Gutthaeter
hiesiger Pfarr und Gotteshaus"
  "XIII Kasparus Knoeferl, + 2.5.1659"      



Daneben sind weitere Epitaphe in Form von Steintafeln in die Wände eingelassen:

 

1701
aus Solnhofener Stein für Pfarrer Ferdinand Eder gest. 1701 (Größe: 59 x 61 cm)
Text (in heutigem Deutsch, Originaltext: auf Bild links klicken):
Hier unter dem harten Stein ruhet der wohlehrwürdig in Gott geistlich und hochgelehrte Herr Ferdinand Eder,42 Jahre Pfarrherr und Seelsorger allhier, im Alter von 72 Jahren. Ein außergewöhnlicher Förderer dieses Gotteshauses und weichherziger Vater der Armen Anno 1707
Requiescat in Pace.

 

1659

für Pfarrer Casparus Khnöferl (?) + 2.5.1659 (Solnhofener Stein, 89 x 48 cm)
Text (in heutigem Deutsch):
Anno 1659 den 2.Mai starb der ehrwürdig in Gott geistlich und wohlgelehrte Herr Kaspar Knöferl, ehemaliger Pfarrer zu Egenburg. Dieser und allen anderen christgläubigen Seelen wolle Gott gnädig und barmherzig sein. Amen.


1590
aus Rotmarmor für die beiden Pfarrer Johann Vendt + 2.5.1552 und Narcissus Vedt(!) + 1590
mit Relief der Verstorbenen, die vor dem Gekreuzigten knien (180 x 87 cm). Johann und Narcissus dürften Vater und Sohn gewesen sein.

Vater und Sohn
  Die deutsche Übersetzung der lateinischen Inschriften lautet:
"Hier ist beerdigt der hochwürdige Vater (!) und Herr Johannes Vendt Dekan und Hirte in Egenburg, der am 2.Mai Anno Domini 1552 der Natur das Geschuldete zurückerstattete und der vorgenannten Kirche 60 Jahre lang vorstand, seine Seele möge in Christus leben"."Hier ist begraben der verehrenswürdige Mann und Herr Narcissus Vendt, ebenfalls Dekan und Hirte der Egenburger Kirche, der starb am 2. Mai im Jahr des Heiles 1590. Er leitete die vorgenannte Kirche 47 Jahre. Seine Seele möge sich im göttlichen Lichte des HERRN Jesus Christus erfreuen Er hat Vorsorge getroffen, dass seinem Herrn Vater und sich - noch zu seinen Lebzeiten, aus eigenen Mitteln - zum Gedächtnis dieses Grabmonument errichtet werde".

 

Choraltar / Hochaltar

Der barocke Choraltar ist ca. 3 Meter breit und raumhoch. Er wurde um die Zeit von 1750/60 aufgestellt. Seine Holzretabel (=Altaraufbau) ist grün/ rot und grau marmoriert (= mit Marmormuster bemalt) und mit viel Ornamentik vergoldet. Die Stipes, der Altartisch, besitzt Tubaform und ist mit Holz verkleidet.

Choraltar
Vier glatte Säulen und zwei übers Eck gestellte Pilaster tragen ein verkröpftes Gebälk, auf dem unterhalb von zwei Voluten Engel sitzen. Sie weisen mit ihren Ärmchen auf das Aufsatzbild hin.
Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde.
Altaraufsatz
Im großen Altaraufsatz mit reich verziertem Giebel über dem geschwungenen Gebälk sitzen zwei Engel. Dazwischen ein Marienbildnis nach Art der "Muttergottes von der schönen Liebe". Maria trägt auf dem Kopf einen Kranz aus Rosen und ist zusätzlich umkränzt mit 12 Sternen. Das Ölbild auf Leinwand dürfte gegen 1760 entstanden sein.
Das originale Gnadenbild Mutter der Schönen Liebe ist ein Werk des Benediktinerbruders Innozenz Metz (um 1640–1724) und befindet sich in der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Wessobrunn.

Maria mit 12 Sternen
Hinweis: Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlichen Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
Mittelteil
Unter einem Rokokobaldachin mit hängenden Quasten sitzt in der Mittelnische eine lebensgroße Schnitzfigur des hl. Stephanus mit zwei Engelsköpfen am Sessel. Er hält in der linken Hand einen Stein als Hinweis auf die Art seines Martyriums (Steinigung).
Die Figur dürfte wohl von Johann Luidl (1685-1758) aus Landsberg, um das Jahr 1750 geschnitzt worden sein.
St.Stephanus 1750
Figuren der bedeutenden Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u.Mering befinden sich auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Feldgeding, Lauterbach, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.

Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt.
Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt.

Assistenzfiguren
am Altar selbst sind nicht vorhanden; ihre Funktion nehmen seit 2014 zwei Figuren von St.Anna und St. Joachim, die Eltern Marias, an der Chorwand in Höhe des Altars wahr. Diese Figuren waren seit der Renovierung der Kirche in den 1970er Jahren bei einem Restaurationsbetrieb ausgelagert und wären fast in Vergessenheit geraten. Um 2013 hat man sie zurückgeholt, von Restaurator Erwin Wiegerling renovieren lassen und im Juni 2014 neben dem Altar aufgestellt. Die Kosten der Renovierung von 14.000 Euro trugen das Ordinariat (6.000 Euro) und die Pfarrgemeinde. Auf den Bildern dieser Seite sind die Figuren noch nicht zu sehen.
Die beiden Skulpturen, die aus dem 19.Jh stammen dürften, zeigen St.Joachim mit einer Taube in der rechten Hand und einer Schäferschaufel in der Linken. In der Bibel selbst sind zwar weder Anna noch Joachim erwähnt; doch nach dem nicht als biblische Schrift anerkannten Protevangelium des Jakobus soll Joachim, der Großvater Jesu, ein Schäfer gewesen sein. Eine Legende berichtet, er sei wegen seiner Kinderlosigkeit mit seinen Opfergaben (Tauben) im Tempel zurückgewiesen worden. Kinderlosigkeit wurde damals als Zeichen göttlicher Missgunst gedeutet. Später hat aber seine Frau Anna in "fortgeschrittenem Alter" noch Maria geboren.
Bei der Figur der hl. Anna handelt es sich um eine Anna-selbdritt-Darstellung. Rechts unter Anna steht die jugendliche Tochter Maria, während das Enkelkind Jesus auf dem linken Arm Annas zum Zeichen seines Herrschaftsanspruchs einen Reichsapfel in der Hand hält.

Tabernakel

Der Dreh-Tabernakel ist aus vergoldetem Holz gefer-tigt und mit reichem Rocaillenschmuck an den seitli-chen Voluten und in der muschelbekrönten Nische versehen. Zwischen der Ornamentik halten zwei Engel Leuchter empor. In der mit weißem Hintergrund verse-henen Nische sind die Buchstaben IHS gemalt, umge-ben von einem Kranz aus Rosen. Der Tabernakel stammt wohl noch aus der Erbauungszeit des Altars (1750/60).


Tabernakel
Hinweis: Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar; sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) einge-rahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex, 37,7-9).

 

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Diese Regel galt bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1962-65).



Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar wurde im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils um 1970 aufgestellt. Er ist stilistisch der übrigen barocken Ausstattung angeglichen.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar.

Zelebrationsaltar
Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. wich die Tischform immer mehr der Blockform.
  Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 16)

 

Ambo


Ambo

Das vergoldete Lesepult aus neuerer Zeit im Rokokostil ist eine stilistische Besonderheit in den Kirchen
des Dachauer Landes.
Hinweis: Der Ambo (griech.ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen. Von hier aus werden Lesungen, Evangelium, Predigten und Kantorengesänge vorgetragen. "Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacro-sanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Ambos sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.




Gemälde im Altarraum

An der Wand des Altarraumes hängt ein 97 x 76 cm großes Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund) mit einem Muttergottesbild des Typus' "Maria vom guten Rath". Der geschnitzte Rahmen ist vergoldet. Das Bild wurde um 1750 gemalt.
Das Originalbild "Maria vom guten Rat" (eine Ikone) wird seit mindestens 1467 in der Wallfahrtskirche von Genazzano verehrt.
Viele Legenden und Wundererzählungen ranken sich dort um dieses Bild. Wegen der Nähe zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo haben auch immer wieder die Päpste den Wallfahrtsort besucht.


Maria vom guten Rat
Aus der gleichen Zeit und wohl auch vom gleichen (unbekannten) Künstler stammt auch das Bild mit
St.Joseph und dem Jesuskind auf der anderen Seite des Altarraums.

Die Bilder waren bis 2014 am Übergang von der Chorwand zum Chorschluss angebracht. Dort stehen nun
die Figuren von Anna und Joachim. Wo die Bilder derzeit hängen, ist mir noch nicht bekannt.



Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen hängt die 34 cm große Ewig-Licht-Ampel, die 1910 im neubarocken Stil gearbeitet wurde.
Sie ist aus Messing getrieben und versilbert. Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.


Ewig-Licht-Ampel

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharis-tie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das
  Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus ist ein flach gedeckter, fünfachsiger Saalbau mit 20 (!) Fenstern (davon 2 im Chor, 3 in der Kapelle und 15 im Langhaus)

Deckenfresken im Langhaus

Die Fresken im Chor und im Langhaus haben die bekannten Münchner Hofmaler Johann Adam Schöpf (Wände) und insbesondere sein Sohn Nepomuk Schöpf (Decken) gemalt.
Der Bruder von Nepomuk, nämlich Joh. Ignaz Schöpf, war von 1765 bis 1792 Pfarrer in Egenburg.
Die Deckenfresken sind 1790 (Bauer 10)) oder 1780 (Dehio:1780 08)) entstanden.

Steinigung des Stephanus
Der Vater Johann Adam war früher übrigens auch Cölner Hofmaler; von ihm stammen in unserem Gebiet neben den Deckenfresken in Egenburg und Pfaffenhofen noch das Choraltarblatt und drei weitere Altarbilder in der Klosterkirche Fürstenfeld.
... mehr zu den Fresken und den Schöpfs .....

Bauer/Rupprecht schreiben zu den Unterschieden der Deckengemälde im Altarraum und im Kirchenschiff:
"Bei einem Zeitabstand von 25 Jahren sind die stilistischen Unterschiede natürlich groß: auf der einen Seite (Altarraum) ein noch an Carlone orientierter, üppiger Formenapparat, auf der andern (Kirchenschiff) ein etwas spannungsloses, klassizistisch-antikisierendes Vokabular.
10)



Seitenaltäre


Linker
Seitenaltar

Die 2 Meter breiten Seitenaltäre wurden um das Jahr 1760 errichtet. Sie bestehen aus rot-grau marmorierten Säulen, haben ein verkröpftes Gebälk mit Putten und am Altarauszug einen geschwungenen Giebel über dem ovalen Aufsatzbild.
Die beiden Retabel (=Altaraufbauten) der Seitenaltäre wurden in den Jahren 2000 bis 2010 renoviert. Sie waren durch den Brand im Jahr 2000 verunstaltet worden. Während der Zeit der Renovierung standen nur die beiden Altarfiguren, links Ottilia, rechts die Muttergottes, an der Stelle der Seitenaltäre. Beide Figuren stammten vom Bildhauer Johann Luidl aus Landsberg. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u. Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Feldgeding, Lauterbach, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.

Auf den Altartischen standen Büsten von Petrus und Paulus, versilbert und vergoldet aus der Zeit um 1700 sowie von St.Anna und St.Joachim (polychrom gefasst um 1730).


Rechter
Seitenaltar


Linker Seitenaltar


Altaraufsatz
Im Altaraufsatz ist ein Halbfigurbild des hl.Sebastian aus dem 18.Jh. (Öl auf Leinwanduntergrund) zu sehen.
Der von zwei Pfeilen durchbohrte Heilige ist mit der linken Hand an einen Baum gebunden. Ein kleiner Engel hält einen Lorbeerkranz als Zeichen seines Martyriums über sein Haupt.


St.Sebastian

Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und

  -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Gedenktag: 20.Januar
Altarfigur

St. Ottilia

Mittelpunkt des nördlichen Seitenaltars ist die Figur der hl. Ottilie. Sie ist in das Gewand einer Nonne gekleidet und hält in ihren Händen die für sie typischen Attribute: ein Buch mit darauf liegenden Augen.
Hinweis: Odilia (660-720) aus dem Elsass war Äbtissin des nach ihr benannten Klosters Odilienberg. Die Legende berichtet, dass ihr Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen wollte, die Mutter sie aber retten konnte und in ein Kloster bringen ließ. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie taufte (deshalb die Augen auf dem Buch). Ein Kelch, aus dem Ottilia die letzte Kommunion empfangen hatte, wurde noch 1546 auf dem Odilienberg gezeigt; lange Zeit gab man den Pilgern aus ihm zu trinken. Das Buch weist auf Verkünder des Evangeliums hin.


Auf dem Altartisch stehen versilberte und vergoldete Büsten der Apostel Petrus und Paulus aus der Zeit um 1700.

St.Petrus hält die beiden Himmelsschlüssel in der Hand,
St.Paulus, als Verkünder des Evangeliums liest aus der Bibel vor.

         
St.Petrus und St.Paulus um 1700

Hinweis: Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19

  sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.

 

Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Altaraufsatz wird in einem Rundbild die hl. Maria Magdalena aus dem 18.Jh. (Öl auf Leinwandunter-grund) dargestellt.
Die stattliche Heilige lehnt, in ein wallendes rotes Gewand gekleidet, über einer Mauer, auf der sie ihre Attribute gelagert hat: eine Salbbüchse, einen Totenkopf und eine Geißelrute. Sie blickt zum Himmel empor, von dem ein Lichtstrahl (Gnadenstrahl) auf ihr Haupt herabströmt.


Maria Magdalena 18.Jh
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk.8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh.20,15-17). Ob es sich bei Magda-lena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. Die Kunst geht aber davon aus und des-halb sind mit ihr die Attribute Kreuz u. Totenschädel
  verbunden. Der Totenkopf ist Symbol für die Vergänglichkeit des Irdischen, die Geißel für die Büßende und die Salbbüchse für die Fußsalbung. Gedenktag 22. Juli

Altarfigur

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist eine Muttergottesfigur mit dem Jesuskind auf dem Schoß, die um das Jahr 1750/60 geschnitzt wurde. Das Haupt Mariens ist von einem Strahlenkranz umgeben. Das Kind blickt auf den Betrachter und segnet ihn.


Muttergottes 1750

Auf dem Altartisch stehen Büsten von St.Anna und St.Joachim aus der Zeit um 1730. Sie sind -anders als die Büsten von St.Petrus und Paulus auf dem linken Seitenaltar- polychrom, also mehrfarbig gefasst.

                
St.Anna   und   St.Joachim

Anna und Johachim sollen nach apokryphen Schriften die Eltern Marias, also die Großeltern Jesu gewesen sein. Joachim war Schäfer, deshalb die rote Schäferschaufel in seiner Hand.

 


Kanzel


Kanzel

An der Nordseite befindet sich eine prächtige barocke Kanzel. Sie ist durch eine Tür in der Rückwand begehbar. Am Kanzelkorb sind silbergetriebene Reliefs mit Darstellungen der vier Evangelisten und ihren Attributen angebracht. Auf dem Schalldeckel bläst ein Engel mit vollem Einsatz in die Posaune.

Hinweis
:  Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden Kanzeln nicht mehr benutzt.


Relief am
Kanzelkorb

Hinweis
: Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück. Der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Der Posaunenengel stellt den apokalypti-schen Engel dar, der zum Jüngsten Gericht ruft und über den die Bibel als einzigen berichtet, dass er fliegen kann.  05

Posaunenengel
Der Engel bläst in der Regel nicht zu den Kirchen-besuchern, sondern zum Altarraum, also nach Osten. Aus dieser Richtung wird Christus am Weltenende erwartet.
Der Posaunenenge wird sogar im Koran genannt; auch dort wird von ihm berichtet, dass er das endzeitliche Gericht ankündigen wird.



Kreuzigungsgruppe und Mater Dolorosa


Kanzelkreuz
Gegenüber der Kanzel hängt an der südlichen Seitenwand ein großes Kruzifix (sog.Kanzelkreuz) mit einem fast lebensgroßen Corpus. Am Sockel des Kreuzes sind die Worte "Es ist vollbracht" zu lesen. Das Kruzifix stammt wie ein Großteil der Einrichtung aus der Zeit um 1750/60.
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.  

Mater dolorosa
Unter dem Kanzelkreuz steht eine Mater dolorosa (schmerzhafte Mutter) im neugotischen Stil aus der Zeit um 1880/90. Sie trägt als Zeichen für die verheiratete Frau ein Schleiertuch um den Kopf. Ihre Kleidung ist in den traditionellen Marienfarben rot und blau gehalten. Rot steht für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe den Edelstein Lapislazuli).




Malerei an den Seitenwänden

Die Seitenwände und der Chorbogen wurden von Joh.Adam Schöpf in der Zeit zwischen 1756-1770 10) mit Scheinarchitektur (kannelierten Pilastern , Hohlkehlen, Nischen und Sarkophagen) im Stil des Frühklassizismus bemalt und mit schilfgrünen Streifen eingefasst.

       
Chorbogen Westseite      -      Ostseite   

Der Chorbogen ist auf allen drei Seiten bemalt
(siehe Bilder oben). Die Gemälde zeigen Muschelwerk, Schneckenformen und oben in einem Medaillon das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Auf der anderen Seite raffen Engel einen Vorhang und geben den Blick auf eine Inschriftenkartusche frei mit folgendem Text:
"Stephanus verthaediget die christliche Lehr verweist den Juden den Irrglauben. Acuts Apostolorum Cap.7 Apostelgesch."

... mehr zu den Fresken und den Schöpfs .....

KirchenbankHieronymusOrgel aus 1994zu der FreskenseiteKreuzwegbilderKanzelApostelfigurenLesepultKirchenbankEwig-Licht-Ampel
Vergrößerung von 10 Details (Figuren, Fresken, Orgel, Lesepult, Kreuzwegbilder Kanzel, Emporenbilder) per MouseklickKanzelKanzelkreuzAltarauszug: MarienbildnisKristalllüsterKirchenleuchtenMater dolorosaApostelfigurenApostelfigurenMuttergottesstatueZugang zur SeitenkapelleSt. Stephanus am HochaltarDeckenfreskenDeckenfreskenSt. OttilieMalerei am Chorbogen

    Beleuchtung

Ungewöhnlich für eine barocke Landkirche sind die Lampen im Langhaus in Form von Kristalllüstern.


Kristalllüster

Krippe           

In der Weihnachtszeit steht in der Kirche eine vom früheren Pfarrer Genau gestiftete Krippe. Die Figuren stammen von Holzschnitzer Leonhard Holdried aus Oberammergau.
Wenn Sie sich für eine Zusammenstellung von Krippen und Fatschnkindln in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier...

     Vortragekreuz

An den Kirchenbänken ist ein schönes barockes Vortragekreuz befestigt. Der Corpus besitzt eine Inkarnatfassung (=hautfarbene Bemalung). Das Kreuz wird bei Bittgängen und Prozessionen mitgeführt.


Vortragekreuz


        Kirchenbänke

Die 17 Doppelreihen der Kirchenstühle haben Eichenwangen, die in der 2.Hälfte des 18.Jh. geschnitzt wurden. Die einzige Zierde ist eine Spindel im oberen Teil der Wange.


Kirchenbank
In den Kirchen des Landkreises gibt es sehr
schön geschnitzte Wangen mit unterschiedlichen Mustern und Verzierungen. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier....
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottes-dienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.




Apostelfiguren

An den Wänden der Kirchenmauern stehen die Figuren von zwölf Aposteln auf Sockeln. Sie halten die für sie typischen Attribute in den Händen. Auf die Sockel sind die Namen der Apostel geschrieben. Leider haben die Restauratoren nach der Renovierung von 2002 nicht alle Figuren auf die richtigen Sockel gestellt. Deshalb stimmen bei vier Aposteln die Figuren und die Sockelnamen nicht überein. In der folgenden Aufstellung habe ich die die Namen der falsch aufgestellten Apostel mit violetter Farbe gekennzeichnet.
Andreas
Bartholmäus
Jakobus Ä
Johannes
Matthäus
Matthias
Paulus
Petrus
Philippus
Simon
Thaddäus
Thomas


Die Apostel tragen bis auf Johannes alle einen Bart. Der Bart war früher Symbol für Alter, Weisheit und Würde sowie für Männlichkeit und Stärke. Erfolgreiche Männer wurden früher immer mit starkem Bartwuchs dargestellt, auch wenn dies in Wirklichkeit nicht zutraf. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, wird in der Kunst zur Betonung seiner Jugend bartlos dargestellt.

Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258, noch in der Zeit der Verfolgung, die Apostelwürde verliehen. In der Kirche von Egenburg wird Paulus anstelle von Jakobus dem Jüngeren dargestellt.


Kreuzwegbilder

Im rückwärtigen Teil des Kirchenschiffs sind Kreuzwegbilder angebracht. Es handelt sich um 85 x 50 cm große Ölgemälde auf Leinwandgrund, die im19.Jh. entstanden sind.

Die Egenburger Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat. Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Petershausen, Franz Mayr für Kreuzholz-hausen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.

Die Kreuzwegbilder in Egenburg können somit nicht -wie bisher angenommen aus der Zeit um 1820/30 stammen, sondern müssen erst nach 1844 gemalt worden sein. Zwischenzeitlich hingen in der Kirche -wohl bis vor kurzem- die kleineren Kreuzwegstationen, die der Dachauer Maler Richard Huber um 1960 geschaffen hatte (Tempera auf Spanplatte, 54 x 37 cm). Sie befinden sich noch im Besitz der Pfarrei.

  Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...



Fahnen

An den Kirchenbänken sind vier schöne Fahnen befestigt. Sie werden bei Prozessionen mitgeführt oder bei großen Festen um den Altar herum aufgestellt.
Auf zwei älteren Fahnen sind Marienmotive aufgestickt. Auf den modernen Fahnen sehen wir jeweils vor dem Hintergrund eines Kreuzes
- einen Pelikan, das Sinnbild für den sich aufopfernden Jesus sowie
- einen Brunnen, aus dem zwei Vögel trinken. Der Brunnen symbolisiert wegen
  des bei der Taufe verwendeten Wasser die Aufnahme in die Kirche. Er ist
  aber auch Symbol für die Erkenntnis, weil im Hebräischen das Wort "Brunnen"
  und das Wort "Auge" mit derselben Lautfolge bezeichnet werden.

 

Empore

Die Brüstung der säulengestützten Empore ist mit Bildern der vier Kirchenväter geschmückt.
- Ambrosius als Bischof mit einem Bienenkorb,
- Augustinus, mit brennendem Herzen,
- Papst Gregor
mit im Papstornat sowie
- Hieronymus
mit Totenkopf).
Allen hat der Künstler ein Buch in die Hand gegeben, das ihre besondere Bedeutung bei der Verkündigung des Evangeliums betonen soll. Die Reliefs sind auf einem Brokatgrund in kartuschenartigen Rocaillerahmungen befestigt.

 
     Ambrosius    Augustinus    Papst Gregor    Hieronymus
  Hinweise: Ambrosius war im 4.Jh. Bischof von Mailand geweiht. Seine zahlreichen Schriften aus den Gebieten des Glaubens, der Katechese, Moral und Askese sowie die von ihm gedichteten Hymnen ließen Ambrosius zu einem der Wegbereiter der mittelalterlichen christlichen Kultur werden. Das ihm beigeordnete Attribut, der Bienenkorb ist nicht ganz geklärt. Nach der Legende war ihm als Bub ein Schwarm Bienen um den Mund geflogen, ohne ihm zu schaden. Möglicherweise ist der Bienenkorb ein Hinweis auf einen Fleiß und seine Beredsamkeit in Glaubensfragen; vielleicht aber auch nur eine Deutung seines Namens (ambrosium: Wabe des himmlischen Honigs).
Augustinus ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er wurde von Ambrosius getauft und war später Bischof von Hippo bei Karthago. Durch seine zahlreichen Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Eine Stelle in seinem berühmtesten Buch "Confessiones/Bekenntnisse", in der seine feurige Gottesliebe zum Ausdruck kommt, verhalf ihm später zum Attribut eines flammenden Herzens.
Papst Gregor I., der Große, mit Tiara, Papstkreuz und Taube.
Um das Jahr 540 in Rom als Sohn einer römischen Senatorenfamilie geboren, entsagt er 575 einer glänzenden weltlichen Laufbahn und wandelt den väterlichen Palast in ein Kloster um. 590 zum Papst geweiht , lenkte er 14 Jahre lang kraftvoll und zielbewusst die Kirche. Er leitete die Christianisierung Englands in die Wege, stellte mit den Westgoten und Langobarden ein gutes Einvernehmen her, baute die kirchliche Armenpflege auf, erneuerte die Liturgie und bemühte sich um die römische Sängerschule. Durch seine zahlreichen Schriften beeinflusste er die Theologie bis in die Aufklärungszeit. Nach der Legende hat ihn bei einer seiner Schriften der Heilige Geist in Gestalt einer Taube inspiriert.
Hieronymus, geboren um 347 in Dalmatien, führte drei Jahre lang in der Wüste Chalkis (Ostsyrien) ein Einsiedlerleben, bevor er 379 zum Priester geweiht wurde. 382-385 war er Sekretär von Papst Damasus I. (366 -384) . Nach dessen Tod gründete er 386 bei Bethlehem vier Klöster. Hieronymus hat das Alte Testament aus dem Hebräischen und Griechischen und das Neue Testament aus dem Griechischen ins Lateinische neu übersetzt. Er starb am 30.9.420 in Bethlehem. Nach der Legende hat Hieronymus einem Löwen einen Dorn aus seiner Tatze gezogen, worauf das Tier aus Dankbarkeit bei ihm blieb. Der Schädel und die Geißel sind Attribute von Einsiedlern.


Orgel


Orgelpfeifen

Die mechanische Orgel mit 11 Registern und 2 Manualen besitzt einen schön gestalteten Prospekt. Sie wurde 1994 von Maximilian Offner aus Kissing erbaut. Maximilian Offner hat auch die Orgeln in Arnzell, Gumpersdorf, Hilgertshausen, Hohenzell, Pfaffenhofen/Glonn und Unterumbach renoviert oder neu errichtet.
Die Orgel in Egenburg hat folgende Disposition:
12)
Subbass 16', Gedecktbass 8', Flötenprinzipal 8', Gemshorn 8', Oktav 4', Supraoktav 2', Mixtur 3 1 2/5, Rohrflöte 8', Gedecktflöte 4', Sesquialter 2fach, Krummhorn 8'
1 Manualkoppel (II zu I), Zwei Pedalkoppel (II zu Pedal und I zu Pedal)


Orgel-Spieltisch

Die erste Orgel in Egenburg hatte 1779 Anton Bayr aus München (1716-1792) gefertigt. Sie war mit 6 Registern ausgestattet. Diese Orgel hat man 1863 an die Pfarrkirche Großinzemoos verkauft und eine neue Orgel von Rubenbauer & Altmann aus München mit 14 Registern aufgestellt. 04) Der geborene Heidingsfelder Anton Bayr hat über 150 Orgeln gebaut, darunter auch die großen Orgeln in Kloster Schäftlarn, Kloster Tegernsee, Kloster Neustift in Freising, Kloster Mallersdorf, Kloster Attel oder Kloster Raitenhaslach ..mehr über Anton Bayr...

Seitenkapelle

In der erst um 1740 angebauten Seitenkapelle (jetzige Taufkapelle) ist an die Wand eine Altar-architektur gemalt, mit zahlreichen Engeln und der Jahreszahl "1750", die wohl auf das Entstehungsjahr der Gemälde hinweist. Auf den Gemälden sind zu sehen:
An der Flachdecke Wolken, an der Westwand der Kapelle ein ovales Medaillon mit dem Thema Beichtstuhl.

Seitenkapelle 1740
Vor dem gemalten Altar steht eine über zwei Meter hohe Holzfigur des hl. Johannes Nepomuk (s.Bild unten rechts).
Die Inschrift auf der Rückseite weist auf das Herstellungsjahr hin: "ZV Friedberg / 1731". Das Aussehen dieser Figur deutet darauf hin, dass sie sehr lange im Freien gestanden hat.

Beichtstuhlszene

Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Nepomuk der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Joh. Nepomuk wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden. Festtag: 20.März


Nepomuk



Taufstein

Schon über 300 Jahre alt ist der 85 cm hohe Taufstein aus grau-rotem Marmor in der Seitenkapelle (um 1690). Das gebauchte Becken ruht auf einem starken, akanthusverzierten Fuß.

Den Deckel krönt eine schöne Figur des hl. Johannes des Täufers mit Kreuzstab und Spruchband.
Diese Deckelgruppe wurde wohl erst in neuerer Zeit, aber nach barockem Vorbild geschnitzt.


Taufsteinfigur

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ur-sprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließen-des oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Tauf-gefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken
  ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich darge-stellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.



Vorhaus

Im Vorhaus der Kirche, das den westlich gelegenen Eingang vor Witterungseinflüssen schützt, ist neben dem Schriftenstand und dem Weihwasserbecken das Kriegerdenkmal untergebracht, das an die gefallenen und vermissten Soldaten des 1. und 2.Weltkriegs erinnert.


Vorhaus mit Kriegerdenkmal



Ausgelagerte Gegenstände

Kreuzreliquie
Nach der Schmidt'schen Matrikel von 1739/40
01) besaß die Kirche in Egenburg eine Kreuzpartikel. Sie war in einer kleinen Kreuzpartikelmonstranz aus getriebenem Messing (versilbert und vergoldet) ausgestellt. Der ovale Fuß war mit blattartigen Ornamenten verziert, das Schaugefäß von einem geflammten Strahlenkranz mit eingesetzten farbigen Steinen umgeben. Die Kreuzpartikel selbst ist hinter Kristallglas, mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht) gefasst, zu sehen. Darunter ein Cedulae, ein Pergamentstreifen, auf den die Worte "DE S.CRUCE DNJ" (= vom Kreuz des Herrn Jesus) geschrieben waren.
Ob diese Kreuzpartikel noch vorhanden ist, ist mir leider nicht bekannt.
  Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 326 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.

Kelch
Nicht mehr in der Kirche aufbewahrt, aber weiterhin im Besitz der Pfarrei, ist ein weiteres Kleinod, ein kostbarer Kelch mit Engelsköpfen und Reliefmedaillon, der einmal in unsicheren Kriegszeiten im "Böllergraben" vergraben worden sein soll.

Hl.Grab-Christus
Auch der Hl.-Grab-Christus aus dem Ende des 16.Jh wird nicht mehr verwendet. Wahrscheinlich wurde früher auch in Egenburg an Karfreitag und Karsamstag ein Heiliges Grab aufgestellt.

Ölbergszene
Auf dem Kirchenspeicher liegen noch die Figuren und Kulissen für eine Ölberg-Darstellung. Da die Figur des Ölberg-Christus im Jahr 1947 neu gefasst wurde, ist davon auszugehen, dass der Ölberg auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch Verwendung fand.


Pfarrhof

Das ehem. Pfarrhaus wurde 1784 erbaut und zählt zu den ältesten Wohngebäuden des Dorfes. Mit dem Pfarrhaus wurden wohl auch die landwirtschaftlichen Gebäude errichtet, denn 1795 wird in den Quellen ein Pferdestall erwähnt, 1804 ein gemauerter Stadel mit Ziegeldach und 1812 ein Backhaus.

Pfarrhaus 1784
Stadel und Backhaus wurden 1889 abgerissen. Die Materialien wurden verkauft; der Erlös floss in einen Baupfründefond, der bis zur Inflation 1923 bestand.
Wenn Sie andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Interessant sind Berichte über den heiligmäßig lebenden Pfarrer Karl Seel, der den Pfarrhof von 1792 bis 1816 bewohnte. Er wird als großer Wohltäter der Pfarrei und als eifriger Förderer der Schule gerühmt. Der Pfarrer betete oft zu nächtlicher Stunde in der Kirche und soll immer gewusst haben, wer als nächster aus der Pfarrei sterben würde.

Hans Schertl

Quellen:
01)  
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (1575:§708)
02)  Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03)  Infomaterial von Herrn Metzger aus Egenburg (1975)
04)  Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
05)  Bibel, Offenbarung 6,13): Und ich sah und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel und sagen mit großer
      Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, vor den andern Stimmen der Posaune der drei Engel, die noch
      posaunen sollen!Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1

06)  Martin von Deutinger, Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate, 1820
07)  Peter Pfister, Von Arbeo zum Internet, Katalog zur Ausstellung "75 Jahre Diözesanarchiv Mch/Freising", 1999
08)  
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
09)  
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
10)  
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
11)  
Dr. Lothar Altmann, Die Hofmalerfamilie Schöpf im Amperland, Amperland 1999/4
12)  Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
13)  Dachauer Nachrichten vom 21.6.2004 und vom 27.8.2009 (Pfarrer Seel), 23.6.2010 (Renovierung)
14)  Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
15)  Monika Mittermayer, 2007 (Pfarrhof)
16)  Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Buskirche)
17)  Dr.Walter Kick, Dachau und Christa Liebert, Miesberg, Das Epitaphium in Egenburg, 2008
18)  A.Hense/F.Sepp, Patronatsrecht (19./20. Jahrhundert), in: Historisches Lexikon Bayerns, Zugriff 2008 (1817)
19)  Dachauer Nachrichten vom 13.1.2011 (Krippe)
20)  Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel, Bauform)
21)  Ralf Müller, Oberhaching 2014 (heutige Glockenausstattung)
22)  Bezold/Riel, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 1895
23)  Dr.Peter Pfister, Ausstellungskatalog Oberammergauer Passionsspiele 1999, S.27
  'Communicantes' waren Gläubige, die die Erstkommunion gefeiert hatten und zur Kommunion gehen durften. Wenn wir daraus die tatsächliche Zahl der Gläubigen herleiten wollen, müssen wir -so Peter Pfister- "noch etwa 15 bis 20 % für Kinder und Unzurechnungsfähige hinzuzählen".
24)  Dachauer Nachrichten vom 17.6.2014 (AnnaJoachim-Figuren)
25) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

96 Bilder: Monika Mittermayer (1), Dr.Walter Kick (1), Hans Schertl (94)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018

Pfarrbeschreibung 1575
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Die Pfarrer von Egenburg

Name
von-bis
<=früher    >= später
Name
von-bis
         
     Karl Seel
1792 -1816
Johannes Vendt 1492-1543  H.Michael Schiller
<1869>
Narcissus Vendt 1543-1590
     Dionys Wagner
<1893
Kaspar Knöferl <-1659  Augustin Bilz oder Hilz 1893-1899
Ferdinand Eder 1665-1701  Karl Rues 1899-1905
 Pfarrer Kirmayr
<1960er>
Vitus Ritter 1707-1730
Joh. Karl Felix Machaus 1730-1738>  Geistlicher Rat Karl Genau
<1985>