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Pfarrkirche Heilig Kreuz in Dachau

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

85221 Dachau, Sudetenlandstr. 62
Lage der Kirche auf der Karte ...
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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau auf der Landkarte


Beschreibung

Die Geschichte der Pfarrei Heilig-Kreuz hängt eng mit dem doppelten Kreuz von Konzentrationslager Dachau und Vertreibung zusammen. Der Stadtteil Dachau-Ost und damit die Pfarrei Heilig Kreuz ist aus dem ehemaligen Konzentrationslager hervorgegangen, das nach dem Krieg zunächst Internierungs-lager für SS-Angehörige und NS-Parteigenossen und später lange Zeit Auffanglager für Heimatvertriebene war.

Frühere Hl.Kreuz-Kirchen
Die erste Heilig-Kreuz-Kirche in Dachau wurde 1945 im früheren Konzentrationslager auf dem ehem. Appellplatz gebaut und diente der Seelsorge für die internierten Nazis. Erster Seelsorger war Pater Leonhard Roth, ein ehemaliger KZ-Häftling. Er kümmerte sich um seine früheren Peiniger. Schon diese 1946 geweihte Kirche trug den Namen "Heilig Kreuz".
Als das Lager 1948 in ein Flüchtlings-camp umgewandelt wurde, hat man eine zweite Barackenkirche für die Flüchtlinge und Vertriebenen errichtet. Pfarrer Roth blieb am Ort und übernahm das Amt eines Kuraten für die neu entstehende Pfarr-gemeinde Heilig Kreuz.

1956 wurde das Lager in eine Gedenkstätte umgewandelt; die Lagerbewohner zogen nach und nach in die neu gebauten Wohnungen in Dachau-Ost. Deshalb hat der Nachfolger von Leonhard Roth, Pfarrer Lechner, im Jahr 1960 schließlich eine dritte Notkirche in einem früheren Kinosaal (Capitol) an der Sudetenlandstraße eingerichtet. Gottesdienste wurden aber auch noch im Lager/in der Gedenkstätte abgehalten. So lautete damals die Gottesdienstordnung:
7.30 Uhr Frühmesse in der Barackenkirche
8.30 Uhr Hochamt und 10.00 Uhr Kindermesse in der Kino-Notkirche.
Wochentags um 6.45 Uhr hl.Messe im täglichen Wechsel zwischen Kino-Notkirche und Baracken-Notkirche. Die Lagerkirche auf dem Appellplatz wurde nicht mehr benützt.

Mehr über die verschiedenen Lagerkirchen erfahren Sie hier...

Schon 1949 war eine Kuratie Heilig Kreuz unter der Verwaltung der Pfarrei St.Jakob eingerichtet worden. Sie umfasste nur das Flüchtlingslager. Ein weiterer Schritt folgte 1962, als sie zur Pfarrkuratie erhoben und nun für einen selbstständigen Seelsorgebezirk in Dachau-Ost zuständig wurde. Der Bezirk liegt westlich der Bayernstraße und Rosswachtstraße und nördlich der Schleißheimer Straße.

Heutige Kirche


an dieser Stelle wurde
die Kirche Hl.Kreuz gebaut

Die heutige Kirche Hl. Kreuz wurde 1963/64 von der Baufirma Otto Reischl nach Plänen Friedrich Haindls erbaut. Der Architekt plante auch den Bau der Kirche Mariä Himmelfahrt in Dachau und von Sankt Anna in Karlsfeld.

Am 14.September 1962, dem Patroziniumstag, legte Weihbischof Joh.Neuhäusler unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den Grundstein. Darin eingemauert ist eine Urkunde. Wenn Sie den Text der Urkunde lesen möchten: klicken Sie hier...

Der Platz für die Kirche auf dem Fluren des Liebhofs war bereits 1958 von der Pfarrei St.Jakob im Tauschverfahren von der Stadt Dachau erworben worden. Kurze Zeit später hat man den Platz mit einem Gottesdienst im Freien für seine zukünftige Bestimmung öffentlich eingeweiht und ein Kreuz aufgestellt (siehe Bild links). Zu diesem Kreuz hat Frau E.Philipp interessante und beeindruckende Häftlingsberichte gefunden und zur Verfügung gestellt; wenn Sie interessiert sind, klicken sie hier...

Am 12. April 1964 wurde die Kirche durch Kardinal Julius Döpfner geweiht. "Der Kirchbau sticht wie ein riesiger Ozeandampfer in Richtung Osten vor. Ex oriente lux, aus dem Osten kommt das Licht. Christus ist das wahre Licht", so Pfarrer Lechner in der ersten Pfarrbeschreibung von 1964.
Wie verläuft die Einweihung einer Kirche ? mehr darüber erfahren sie hier...

In den 1960er Jahren folgte der Kirchenbau in Deutschland den Leitthemen "Schiff" und "Zelt". Die Kirche Heilig Kreuz besitzt den Charakter eines Schiffs. Er manifestiert sich in dem von hinten nach vorne ansteigenden Linien: der Außenmauern, der Decke und der Fenster sowie der bugartigen Apsis (siehe Bild rechts). Auch der Prediger der Einweihungs-feier war auf diesen Vergleich eingegangen und wies darauf hin, dass sich das Schiff der Kirche auf großer Fahrt befindet.
Das Kirchenschiff ist quadratisch (Seitenlänge etwas über 25 1/2 m).


Der mit einem Kreuz gekrönte, frei stehende Turm ist über 30 Meter hoch. Früher war er mit einer roten Farbe bemalt.

Im Turm hängen fünf Glocken, die 1963 bei der Fa. Perner in Passau gegossen und vom Domkapitular Prälat Joachim Delagera geweiht worden sind:


Kirche von Osten mit der "bugartigen" Apsis

Patronat
Aufschrift auf der Glocke
Ton
Gewicht
Kreuzglocke
"Im Kreuz ist Heil" und "Gestiftet von der Baufirma Otto Reischl und Zimmerei Franz und Theobald Lachner, Anno domini 1963" darunter ein Kreuzbild
c'
2200 kg
Marienglocke
"Maria, Erlöserin der Gefangenen, bitte für uns!" und "Stiftung der bayerischen Landsleute und Dachauer Großbetriebe - Anno domini 1963" sowie ein Marienbild
e'
1163 kg
Josefsglocke
Unter dem Bild des hl.Josef: "St.Joseph, patronus ecclesiae, ora pro nobis: Ut omnes unum sint" und "St.Josef, Patron der Kirche, bitte für uns, auf daß alle eins seien!" und "Stiftung der Stacheldrahtseminaristen von Chartres 1945-1947 im Jahre des II.Vat.Konzils 1963" und "In memoriam etc. zu deutsch: Zum Gedächtnis Papst Johannes XXIII., des Bischofs von Chartres Harscouet, der Priester Le Meur und Franz Stock".
g'
680 kg
Hedwigsglocke
Unter dem Bild der hl.Hedwig: "St.Hedwig, du große Herzogin, vereine unser Volk und Land in Frieden!" und "Stiftung der sudetendeutschen und schlesischen Landsleute - Anno domini 1963"
a'
475 kg
Stephansglocke
"St.Stephan, du edler König, schenk uns einen guten Heimgang!" und "Stiftung der südostdeutschen Landsleute aus Jugoslawien, Ungarn und Rumänien - Anno domini 1963". Darüber ein Bild des Heiligen.
h'
331 kg


K
reuz im Innenhof

Der Zugang zur Kirche führt unter dem Turm hindurch in einen Innenhof vor der Kirche. In der Mitte dieses Hofes steht ein Betonkreuz, das aus vielen einzelnen, nicht zueinander passenden Teilen zu bestehen scheint und das Verletzung und Misshandlung von Menschen ausdrückt.
Dieses Kreuz ist nach Meinung von Kunstexperten eines der besten religiösen Kunstwerke, die wir aus den 1960er Jahren im Erzbistum München-Freising besitzen.


Betonkreuz

Michael Buchmann und Michael Raz beschreiben in ihrem "Geistlichen Kirchenführer" (siehe Quellen) das Kreuz mit den Worten: "Ein Kreuz aus Beton, das wie aus verschiedenen Felsbrocken zusammengesetzt scheint, massiv, kantig, wenig gefällig. Es wirkt fast so, als ob es jeden Moment aus dem Gleichgewicht geraten könnte und einzelne Teile herunterkippen würden. Irgendwie wollen sie nicht zusammenpassen. Aber so ist eben: Kreuz, Leid "passt" nie und hinterlässt immer Narben und Einschnitte. Und es begegnet uns immer, wir kommen daran nicht vorbei. Aber es ist auch so:
  Mit dem Kreuz können wir manchmal -vielleicht gegen den äußeren Anschein- stehen bleiben, standhaft bleiben und vieles, was uns begegnet, überstehen. Vielleicht kann dieses "zusammengewürfelte" Kreuz auch ein Bild für unsere Gemeinde abgeben, die sich aus vielen verschiedenen Menschen zusammengesetzt, und die in ihrer Vielheit und Buntheit den Namen "Heilig Kreuz" trägt: Unter seinem Kreuz, durch sein Kreuz kommen all diese Menschen zusammen - überall auf der Welt".


 
Gedenktafel

Eingangsvorraum                                            

Im Eingangsvorraum der Kirche ist eine Gedenktafel für den ersten Pfarrer der Pfarrei in die Wand eingelassen.
Text: "Zum Gedenken an den ersten Pfarrer von Heilig Kreuz Msgr. Josef Lechner (1960-1982), unter dem diese Kirche 1964 erbaut wurde."
Weitere Pfarrer: Pfarrer Wögerbauer und Pfarrer Cabraja.
Seit 2010 Pater Cornelius Heinrich Denk (seit 2017 Dekan).



Innenmaße

Länge der Kirche 32,85 m (Kirchenschiff 25,55 m, davon 2,50 unter der Empore Marienkapelle, Altarraum 7,30 m)
Breite der Kirche: Kirchenschiff: 25,78 m, Altarraum: 10,33 m
Höhe  der Kirche: Kirchenschiff: 9,85 bis 15,20 m, Altarraum: 16,25 m (+ Höhe von 4 Altarstufen)


Inneneinrichtung

Der Altarraum ist stark eingezogen und schließt in einem Halbkreis. Der einzige richtige Schmuck ist ein riesiges Kreuz, das von Prof. Franz Nagel in düsteren Farben an die Wand der Apsis gemalt ist. Der Corpus Christi ist nicht figürlich dargestellt. Das Kreuz ist aber nicht leer, es lässt den am Kreuz hängenden Christus erahnen.

Über dem Kreuz erinnert die große Dornenkrone in ihrer Gestaltung an das Mahnmal, das in ähnlicher Form in der KZ-Gedenkstätte steht: eine metallene Dornenkrone aus geschundenen und gequälten menschlichen Leibern. Ob es sich tatsächlich um eine Dornenkrone handelt oder -wie andere sagen- um ein Bombergeschwader oder einen Stacheldraht, hat der Künstler offen gelassen. Die Bedeutung liege im Auge des Betrachters.

Über dem Kreuz hat der Künstler ein farbiges Feld gesetzt, ein "reduziert kraftvolles Gemälde", wie es heißt. Es stellt den "kosmischen Horizont" als Hintergrund des Kreuzes dar.

Die Wände sind mit Dispersionsfarbe gestrichen, die sie licht und transparent erscheinen lässt und die sie "optisch zum Atmen bringt".

Tabernakel- bitte klickenAltar - bitte klicken

Zelebrationsaltar 
zur Vergrößerung bitte klickenDer von Johannes Leismüller aus Partenkirchen entworfene und von der Steinmetzfirma Scheck aus München erstellte Altar ist ein Steinquader mit schrägen Einschnitten, die auf die Funktion als Tisch hinweisen. Leismüller war Stipendiat der Villa Massimo in Rom. 1977 erhielt er den Schwabinger Kunstpreis im Fach Plastik/Bildhauerei.
Ebenfalls von Leismüller entworfen sind der Ambo und die Sedilien, die Sitze für Priester und Ministranten. "Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang
zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Ambos sind der Ersatz für die nicht mehr benutzten Kanzeln.

Unter dem Kreuz ist der Tabernakel in die Wand eingelassen, mit einem Edelstein als Mittelpunkt.

  

Tabernakel   
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Kreuzwegstationen

An den Seitenwänden sind die Bronzedarstellungen der Kreuzwegstationen angebracht.

 
1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus
das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
 
 
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
 

Die Kreuzwegstationen wurden von dem in München lebenden Bildhauer Roland Friederichsen im Jahre 1968 gegossen. Die Bilder sind durchbrochen gearbeitet, d.h., Öffnungen im Bild um die maßgeblichen Personen herum geben den Blick zum Hintergrund frei und schaffen damit eine höhere Plastizität. In allen Szenen, in denen das Kreuz zu sehen ist, ragt dieses über den Bildrand hinaus. Am deutlichsten geschieht dies im zwölften Bild. "Das Kreuz sprengt den Rahmen".
Gleiches gilt für den auferstandenen Christus im letzten Bild, denn die 14 quadratischen (28x28 cm) Hochreliefs der Passion werden durch die 15. Station in Form einer etwas größer gestalteten Figur des Auferstandenen ergänzt.
 
13. Station
Jesus wird vom Kreuz abgenommen
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt
15. Station
Jesus ersteht vom Grabe
 
Roland Friederichsen wurde 1910 in Greifswald geboren. Er studierte in München u.a. bei Olaf Gulbransson und bei Adolf Schinnerer. Friederichsen war Gestalter von Kirchenräumen und Schöpfer zahlreicher sakraler Kunstwerke. Er starb 1992 in München. Im Landkreis Dachau stammt neben den Kreuzwegstationen in Hl.Kreuz noch der Tabernakel in Karlsfeld Sankt Anna von ihm.
An der 14.Kreuzwegstation ist die Signatur des Künstlers (68 - RoFried.) angebracht.
 

Über den Kreuzwegbildern hängen 12 große Apostelleuchter als Sinnbild für die 12 Apostel. Die Kerzen werden nur an hohen Festtagen und am Weihetag der Kirche angezündet.

Apostelleuchter

Die mit Holz verkleidete Decke der Kirche steigt nach vorne an.
Die Fenster, Lampen und Lautsprecher stellen die Funktionalität in den Vordergrund und sind in dieser Deutlichkeit auch raumgestaltend. Nach Aussage von Buchmann/Raz erinnern sie stilistisch an Elemente einer Industriehalle.

Der Kirchenraum wird seit 1999 nach hinten durch einen Zwischen-Querriegel abgeschlossen, hinter dem unten die Kapellen und Beichtstühle, oben die Orgel und der Platz für den Kirchenchor eingerichtet sind. Dieser Querriegel besteht aus Eisenträgern, die mit Holzbrettern verbunden sind. Kritiker sprechen von der Optik eines Hobbyraums.
Vorher stand hier eine gläserne Membran. Sie hatte zur Folge, dass die Werktagskapelle optisch nicht abgeschlossen war und der Blick in den Kirchenraum reichte. Direkt hinter der Glaswand stand der Kapellenaltar. Jede Bewegung im Kirchenraum spielte sich somit hinter dem Kapellenaltar ab und störte die Andacht, Nach 25 Jahren befand man diese Situation als nicht mehr sachgerecht und baute um.
MarienkapelleTaufkapelle

Die 11 Meter breite, 2,30 m tiefe und 4,80 m hohe Orgel stammt aus dem Jahr 1999 und wurde von Anton Staller (1923-2008) aus Grafing erbaut. Sie verfügt über 2 Manuale, Pedal und 27 Register. Die Orgel besitzt 1740 Pfeifen: 1568 aus Metall, 172 aus Holz.
Die längste Pfeife ist fast 5 Meter, die kürzeste nur 12 mm lang.

"Der mehrteilige Prospekt ist relief- artig in verschiedene vertikale Schichten gegliedert, wodurch eine interessante Optik entsteht", schreibt die Orgelbaufirma Staller.

"Die Orgel ist in mechanischer Schleifladentechnik mit elektrischer Registertraktur und Setzeranlage gebaut. Eine Besonderheit stellen die Schwellerklappen dar: Sie sind hier nicht verborgen im Gehäuse unter-gebracht, wie normalerweise üblich. Sie bilden vielmehr die sichtbare Hintergrundgestaltung des gesamten Orgelprospekts. Der Spieltisch ist hier seitlich zur Orgel angeordnet und bietet dem Organisten den direkten Blickkontakt zu Chor und Orchester."

Die Orgel mit mechanischen Schleifladen hat folgende Disposition:

Hauptwerk:

Prinzipal 8', Oktav 4', Superoktav 2', Mixtur 4-fach 1 1/3', Bourdon 16', Rohrflöte 8', Spitzflöte 4',
Cornet 3-fach 2 2/3', T
rompete 8', Koppel II/I

Schwellwerk: Gedeckt 8'Salicional 8'Vox coelestis (ab c) 8'Koppelflöte 4'Fugara 4' Nasard 2 2/3'Flageolet 2'Terz 1 3/5'Quinte 1 1/3'Cymbel 3-fach 1'Oboe 8'Tremulant
Pedal: Prinzipalbaß 16'Subbaß 16'Oktavbaß 8'Flötbaß 8'Choralbaß 4'+2'Bombarde 16' Baßtrompete 8'Koppeln I/P, II/P

Die langjährige Organistin und Chorleiterin Irmgard Reichl bezeichnete die Orgel in Heilig Kreuz als " modernes Instrument, das sich mit seiner singulären Gestaltung harmonisch in den schlichten Kirchenraum einfügt". Es sei aus besten Materialien gebaut, gut intoniert und wenig störanfällig. So müsse es nicht so häufig nachgestimmt werden.

In der Kirche finden immer wieder Konzerte mit religiöser Musik statt, die weit über die Pfarrei hinaus Beachtung finden.
Der Platz des Kirchenchors befindet sich neben der Orgel (im Bild links oben).

Die kleine Vorgängerorgel aus der alten Kirche mit einem Manual und 5 Registern war 1957 von E.F. Walcker aus Ludwigsburg geliefert worden. Eine spätere Orgel stammte von der Firma Carl Schuster & Söhne aus München und besaß 12 Register (um 1982).


H
eiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist an der rechten Seite ein Hl.Grab aufgebaut. Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Wenn Sie sich die übrigen "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....


Heiliges Grab


Kapellen in der Kirche

Unterhalb der Empore sind zwei Kapellen eingerichtet: eine größere Taufkapelle, in der werktags auch Gottesdienste gefeiert werden, und eine kleinere Marienkapelle neben dem Eingang.

Marienkapelle

Mittelpunkt der Marienkapelle ist eine barocke Muttergottesfigur aus dem 18.Jh. vom Figurentyp "Maria vom Siege", so wie sie Ignaz Günther für Weyarn geschnitzt hat.  
Die Figur in Heilig Kreuz stammt aus der Gegend von Mühldorf. Maria steht auf der Erdkugel, die von einer züngelnden Schlange als dem Symbol des Bösen umfangen ist. Die 1,5 Meter große Figur wurde um 1980 neu gefasst (=bemalt).

Muttergottes
Die Darstellung der Schlange weist auf die Bibelstelle im Buch Genesis Kap.3, Vers 15 hin, nach der eine Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Die Kirche sieht in dieser Frau Maria. Die Hände des lebhaften Jesuskindes haben früher sicher einen Gegenstand (Kreuz ?) gehalten.

Taufkapelle /Werktagskapelle

Taufkapelle-Blick zum Altar
Die Taufkapelle wird neben den Tauffeiern vor allem für Gottesdienste an den Werktagen genutzt, wenn die Zahl der Besucher für den großen Kirchenraum klein ist. Die Kirchenbänke mit rd. 40 Plätzen stehen sich in einem doppelten Halbkreis gegenüber und bilden eine Ellipse, an deren beiden Brennpunkten sich der Altar und der Ambo befinden. Der Zwischenraum bleibt leer, als Platz für den unsichtbaren Gott in der Mitte der Gläubigen. Ambo und Altar sind nicht auf einer Achse, sondern leicht versetzt. Auf diese Weise bleibe eine Spannung im Raum, sagt Pastoral-referent Michael Raz. Es stehe eine Tür offen, durch die Gott eintreten könne. Früher standen in dem Raum noch zusätzlich vier dunkle Beicht-stühle und verdüsterten ihn zu einem "schäbigen Kapellenraum", in dem
sich die Gläubigen nicht wohl fühlten.
Taufkapelle-Blick zum Ambo
Blickfang der Kapelle ist das drei mal sechs Meter große Altarbild des Professors an der Akademie der bildenden Künste Jerry Zeniuk (* 1945). Es besteht aus vielen bunten Punkten, die wie Konfetti hingestreut wirken. Nach Auffassung von Diakon Raz ist der ungewöhnlich farbige Raum "nicht erbauend oder kontemplativ, eher fröhlich und lebhaft. In ihm ist kein Heiliger dargestellt, keine Figur, nicht einmal ein religiöses Symbol".
Die Farbtupfer tanzen Rhythmik, setzen heitere Akzente, auch als Gegensatz zum Hauptraum.
Altarbild

In den vielen Punkten könne man die Mitglieder der Gemeinde entdecken, die alle zum Bild der Kirche gehören und in denen allen Gott sichtbar werde, so Raz. Manche der Punkte stünden ganz nahe beieinander, andere eher allein. Aber alle gehörten dazu. Auch Gott setze immer wieder Punkte in unserem Leben. Er werde immer wieder spürbar, nicht andauernd, doch punktuell, in guten und schlechten Zeiten.
Das Gemälde dient auch als Paravent zum Sichtschutz vor den Türen des Zwischenriegels

 
Altar der Taufkapelle
Den Altar und den Ambo hat Prof.Nikolaus Gerhart (geb.1944), der Professor und zeitweilige Rektor der Münchner Kunstakademie, aus weißem Kalkstein geschaffen. Er wollte durch die besondere Methode des Aushöhlens den Stein selbst zum Sprechen bringen und seine Tiefendimensionen unterstreichen. Auf dem luftigen Unterbau liegt die schwere Altarplatte, die Mensa, aus Marmor. Diese bildhauerische Form symbolisiere: Das Schwere werde leicht getragen, sagt Prof.Gerhard, den Kreisheimatpfleger Göttler als "personifizierten Meister des Steins" bezeichnete.
Der gegenüberstehende filigrane Ambo ist als Lesepult der "Tisch des Wortes". Auch er greift die Form des Kreuzes als horizontale Grundform auf. Die Altarplatte wurde vom Vorgängeraltar übernommen.
Ambo der
Taufkapelle
 


Der Gesang der Gottesdienst-besucher wird seit 2006 von einer kleinen Truhenorgel begleitet.
Die Orgel wird auch bei Kirchen-konzerten als zusätzliches Instrument eingesetzt.


Truhenorgel

Taufstein
Über dem Taufstein ist ein Glasfenster mit einer Phönixdarstellung zu sehen. Es stammt vom Münchner Kunstmaler Hans Dumler (*1922).
Die beherrschende Farbe des Glasgemäldes hier in der Taufkapelle ist Blau, die Farbe des Wassers und des Himmels. Pfarrer Lechner schrieb dazu 1964: "Das leuchtende Himmelsblau des Farbfensters, in das der aus der Asche neugeborene Vogel Phönix hineinschwingt, gibt dem Raum die besondere Note. Die Phönixdarstellung ist aber für die Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Hl.Geiste ein gutes Gleichnis".

Phönix

Hans Dumler studierte von 1948 bis 1953 an der Akademie München und war danach Meisterschüler bei Franz Nagel. Dumler erhielt ein Stipendium des Französischen Staates, studierte bei Goetz und Singier in Paris und errang 1965 den Förderpreis für Malerei der Stadt München. 1976 übersiedelte Dumler nach Landsberg am Lech, 1992 nach Utting/Ammersee.

Die sog. Heiligen Öle werden in einer Glasvitrine aufbewahrt, die in einen Mauervorsprung eingebettet ist. Bei den Ölen handelt sich um Chrisam und Kathechumenenöl, die bei der Taufe verwendet werden.

Hl.Öle in der Glasvitrine
Chrisam besteht aus Olivenöl, dem wohlriechende Balsame beigemischt sind. Es wird bei der Spendung verschiedener Sakramente und Sakramentalien verwendet. Das Katechumenenöl wird nur zur Salbung eines Taufbewerbers ("Katechumene") während seines Katechumenats bzw. eines Täuflings vor der Taufe verwendet.

Im Juni 2010 wurde die Werktagskapelle von der Bayerischen Architektenkammer als herausragendes Beispiel gelungenen Bauens geehrt.

Die Kirche Heilig-Kreuz ist trotz ihres geringen Alters unter Denkmalschutz gestellt.

Seit einigen Jahren bilden die Dachauer Pfarreien St.Peter und Heilig Kreuz einen Pfarrverband.
Die Gottesdienstordnung für diesen Pfarrverband finden sie hier...
Die Gottesdienstordnungen aller Pfarreien im Landkreis Dachau können Sie hier erfahren...

Hans Schertl


Quellen:
Kirchenführer Heilig Kreuz Dachau, Pfarrkuratie, 1964
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
Prof.Dr. Thiemann-Stoedtner, Der Bildhauer Roland Friederichsen und Dachau, Amperland 1984/2
Dachauer Nachrichten v. 8./9.4.1989 (Kuratie)
Festschrift zur Orgelweihe und Umgestaltung der Pfarrkirche, 1999 (Orgeldaten)
Katholische Pfarrgemeinde Heilig Kreuz in Dachau, Info 2001
Michael Buchmann/Michael Raz, Die Kirche Heilig Kreuz in Dachau - Ein geistlicher Kirchenführer, Link...
Michael Raz, Kirchenführer für Kinder
Eleonore Philipp, Die Blechbüchsenorgel in der Dachauer Lagerkirche Heilig Kreuz, Amperland 2003/1
Dachauer Nachrichten v. 8.9.2003
Dachauer Nachrichten v. 17.9.2003
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Franz Pawelka, Dachau, 2006
Dachauer Nachrichten v. 19.9.2006,
Dachauer Nachrichten v. 8.11.2006,
Kreisheimatpfleger Prof.Dr.Norbert Göttler in der Dachauer SZ vom 14.9.2009 (Altar in der Werktagskirche)
Dachauer Nachrichten v. 25.2.2010 (Nik.Gerhart)
Dr.Bärbel Schäfer in den Dachauer Nachrichten vom 7.1.2010 (Gebetsraum)
Dachauer SZ vom 10.6.2010 (Ehrung durch Architektenkammer)
Eleonore Philipp, Die ehemaligen Dachauer Gutshöfe Liebhof u. Pollnhof, Amperland 2010/4,
Eleonore Philipp, Feldkreuz auf dem Gelände des ehem. Liebhofes, Dachau, 2012
http://www.staller-orgelbau.com/, Zugriff 2015 (Orgeldaten)
Innenmaße: Messung durch den Verfasser 2016/04
Dorothea Friedrich, Die himmlische Konzertmaschine, Dachauer SZ vom 27. Dezember 2017 (Orgel)
Matthias Schneider, Willm ich meines Amts würdig erweisen, Dachauer Nachrichten v. 21.12.2017 (Heinrich Denk)


38 Bilder: Hans Schertl (37), Rudolf Fischer (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

13.3.2018


Text der Urkunde im Grundstein

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes. Am Feste Kreuzerhöhung, dem 14.Sept., im Jahre des Herrn, 1962, wurde der Grundstein für die neue Pfarrkirche in Dachau-Ost gesegnet und gelegt.

Die Kirche soll den Namen der im Jahre 1946 im Gebiet des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau erbauten Notkirche hl.Kreuz und der dazu errichteten Kuratie fortführen. Es war ja ein schweres Kreuz, was rund 200 000 KZ-Häftlinge in der Zeit von 1933-1945 tragen mussten. An die 30.000 von ihnen mussten dort ihr Leben lassen.
Schwer und bitter war auch das Elend der Tausende von Flüchtlingen aus dem Sudetenland, aus Schlesien und aus dem südostdeutschen Raum, die in den KZ-Baracken seit 1948 notdürftige Unterkunft fanden. Der Kirchplatz liegt inmitten der Neuansiedlung jener Flüchtlinge, die im KZ-Lager untergebracht waren.

Der Beginn der Bauarbeiten erfolgte am Feste Mariä Heimsuchung, den 2.7.1962. Dieses bedeutungsvolle Ereignis des Kirchenneubaus Heilig Kreuz Dachau trat ein:
Im vierten Jahr des Pontifikates unseres Hl.Vaters Papst Johannes XXIII., im zweiten Jahr, da Erzbischof und Kardinal Julius Döpfner als 71.Nachfolger den Hirtenstab des hl.Korbinian im Erzbistum München-Freising führt.
An der Spitze der Stadt Dachau stehen als 1.Bürgermeister Franz Böck, als 2.Bürgermeister Adolf Hällmayer. Landrat des Landkreises Dachau ist Staatsminister a.D. Dr.Josef Schwalber.
Als Pfarrkurat wirkt Hochw.Herr Kurat Josef Lechner, der Nachfolger des 1.Seelsorgers der Kuratie Hl.Kreuz, Hochw.Herrn Paters Leonhard Roth.

Den Grundstein und die Grundmauern weihte Se.Excellenz der Hochw.Herr Weihbischof Dr.Johannes Neuhäusler. Bauherr ist die Erzbisch.Finanzkammer unter Leitung von H.H.Prälat Franz Stadler. Die Pläne wurden entworfen von Architekt Friedr.F.Haindl. Das Gotteshaus wird erstellt durch die Baufirma Otto Reischl Dachau. Die Bauleitung liegt in Händen des Herrn Architekten Dipl.-Ing. Berchtold. Polier ist Herr Anton Karl.

Der Segen des Allmächt.Gottes des Vaters und des Sohnes und des Hl.Geistes komme herab auf dieses Gotteshaus und ströme von ihm aus über die Pfarrgemeinde !

Joh.Neuhäuser                                                     i.V. Josef Veit                                   Heps
 Weihbischof                                                    Erzb.Finanzkammer                          Erzb.Bauamt

                                                                       Walter Mularcyk
                                                                      Kirchenverwaltung


Verlauf der Kirchenweihe
am 12.April 1964

(nach dem ersten Kirchenführer von Heilig Kreuz 1964)

Der Tag vor der Weihe ist für die Gemeinde ein Fasttag. Am Abend um 18 Uhr werden die Reliquien feierlich eingebracht und in der Notkirche aufbewahrt. Davor wird Nachtwache gehalten bis 24 Uhr.

I.Teil
Segnung der Kirche


Äußere Besprengung, Einzug in die Kirche, Innere Besprengung, Reinigung des Altares, Besitzergreifung und Weihe.
Die Kirche, die gleichsam getauft wurde, wird für Gott in Besitz genommen. Nach altem Brauch wird dabei das Alphabet in griechischer und lateinischer Sprache in ein Aschenkreuz am Fußboden vor der Kommunionbank eingetragen. Christus ist Alpha und Omega, der Anfang und das Ende.

II.Teil
Beisetzung der Reliquien

Übertragung aus der Notkirche in feierlicher Prozession durch den Bischof, Klerus und Vertreter des Volkes. Beisetzung der Reliquien im Altar.

III.Teil
Konsekration

Konsekration der Kirche:    Salbung der Wände und des Portales mit Christus.
Konsekration des Altares:
 der Bischof macht 5 Kreuze mit Chrisam auf den Altar, beräuchert dann denselben in der Mitte und an den vier Ecken, formt aus Weihrauchkörnern fünf Kreuze und entzündet darüber fünf Drahtwachskerzen.
Nach Anrufung des Heiligen Geistes erfolgen das Weihegebet und die Weihepräfation.


Weiter zu: Häftlingsberichte zum Feldkreuz am Liebhof