zur Landkreiskarte               ausführl.Beschreibg               Kirchen in der Marktgem.Indersdorf


Filialkirche St.Martin in WEYHERN

Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Weyhern 13
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Filialkirche St. Martin in Weyhern liegt zwar auf dem Gebiet der Marktgemeinde Indersdorf, gehört aber schon seit vielen Jahrhunderten zur Pfarrei Arnbach.
Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Gotteshaus in der Konradinischen Matrikel von 1315 mit einem Friedhof. Die Kirche war früher eine Eigenkirche des in Weyhern (bei den Weihern) ansässigen Ministerialengeschlechts und kam 1424 zum Kloster Indersdorf. In der Barockzeit war sie auch eine Wallfahrtskirche.
Das heutige Kirchengebäude ist gotischen Ursprungs (wohl 15.Jh). Aus dieser Zeit haben sich noch der Altarraum und der Turm erhalten. Das Kirchenschiff wurde in der Barockzeit um 1722 verändert.
1836
wurde das Gewölbe herausgeschlagen und die Seitenwände um "vier Schuh" (1,17 Meter) erhöht.


Die Kirche ist Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 und auch noch im Jahr 1874 als Marienkirche bezeichnet worden.
Das Patrozinium des hl.Martin wurde erst danach gebräuchlich.

Der gotische Chor wird außen durch zweistufige Stützpfeiler gestützt.


Ziervase am Altar


Im Sattelturm hängen zwei Glocken. Eine stammt aus dem Jahr 1641; sie wurde von Bernhard Ernst aus München gegossen.

Die letzte Restauration wurde im Jahr 1974 durchgeführt.

Der raumhohe Choraltar wurde Ende des 19.Jh erstellt. In der von vier kannelierten Säulen gesäumten Mittelnische steht die Statue des hl. Sebastian, der einen Pfeil in der rechteEngleinn Hand trägt. Assistenzfiguren sind die hl.Katharina (rechts) mit Schwert und Siegespalme sowie (links) die hl.Barbara mit Kelch in der Hand und einem Turm zu ihren Füßen. Alle Figuren stammen aus dem 17.Jh.
Der große Altaraufsatz enthält ein Gemälde mit der Mantelteilung des hl. Martin (19.Jh) begleitet von Figuren der Heiligen Florian und Nepomuk (18.Jh).
Anstelle von Seitenaltären stehen interessante Heiligenfiguren von Andreas (mit dem Balkenkreuz) und Bartholomäus mit einem Messer in der Hand (16.Jh) sowie von Notburga (mit Sichel) und Leonhard mit Ketten (17.Jh).
An den Kirchenwänden hängt eine große Kreuzigungsgruppe; unter dem Kreuz stehen Maria und der Apostel Johannes (17.und Anfang 19.Jh).
Das frühere Altarblatt zeigt eine Darstellung Jesu im Tempel"
An der Flachdecke des Kirchenschiffs ist ein Fresko mit dem Titel: "Rosenkranzspende Marias an Dominikus und Katharina von Siena" zu sehen. Es wurde im 20.Jh gemalt.

zur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung des ehem. linken Seitenaltarszur Beschreibung der rechten Seite  per Mouseklick zu den Beschreibungen  zur Vergrößerung des Altarbildes bitte klicken

Die Orgel mit dreiteiligem Neurenaissance-Prospekt stammt aus der Zeit um 1900.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen

 Geschichte:  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg  Altarweihe 1707
 Neubau 1722  Matrikel 1738  Beschreibung 1817  Beschreibung 1874  Beschreibung 1895 
        Wallfahrt   Bittgänge
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Choraltar  Deckengemälde
 Gemälde  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg  Kreuzigungsgruppe
 Orgel  Portal  Sakristei  Seitenaltäre  Turm
 Vorhaus             

Die kleine Ortschaft Weyhern wurde urkundlich erstmals im Jahr 1135 (sowie um 1160) als "Wiaren" , im Jahr 1183 als "Wiäre" und im Jahr 1435 als "purckstal zu Wyren" erwähnt.

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315
Die zur Pfarrei Arnbach gehörende Filialkirche St. Martin wird erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 (als "Weyern") genannt. Damals hatte sie schon einen Friedhof, der zumindest bis 1874 bestand. Die Kirche war früher eine Eigenkirche des in Weyhern (bei den Weihern) ansässigen Ministerialengeschlechts der Wiaren und kam 1424 durch Schenkung zum Kloster Indersdorf. Sie war in der Barockzeit bis um das Jahr 1800 auch eine Wallfahrtskirche.
Mehr zur Wallfahrt siehe unten....


Matrikel 1524
Die Kirche ist in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 (mit Friedhof) und auch noch in einem Bericht aus dem Jahr 1758 als Marienkirche bezeichnet worden. Das Patrozinium des hl.Martin wurde wohl erst danach gebräuchlich.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen.

Ausschnitt aus der Karte von
Georg Philipp Finckh von 1655
Weyhern = Weier

Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Arnbach ist auch Weyhern unter dem Namen "Weiern" kurz erwähnt. Die Kirche sei in passablem baulichen Zustand ("Gotshauß ist nit paufellig"). Sie sei mit aller notwendigen Ausstattung versehen ("mit aller kirchenzier nach notturfft") und werde sauber gehalten. Das Einkommen der Kirche betrage nur 1 Gulden und 4 Pfund Wachs. Ein eigenes Mesnerhaus sei nicht vorhanden; der Mesner, der wohl einer der Bauern war, arbeitete zur Zufriedenheit aller ("Meßner helt sich wol"). Er erhielt für seine Dienste den einen Gulden, den die Kirche an Geldeinnahmen hatte. Gottesdienst wird jeden Samstag gehalten ("alle sambstag meß alda").

Der Pfarrer sollte eigentlich jeden dritten Sonntag zelebrieren, doch das geschah zum Ärger der Weyherner Gläubigen nicht mehr ("geschicht nimmer, deß sich die nachberschafft beclagt"). In der Kirche gab es 2 Kelche mit Corporale, 1 Messbuch, 3 Messgewänder, ein Liturgiebuch und ein Gesangsbuch. Das Sakramentshaus war "wohl beschlossen und allzeit beleucht". Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden sauber und rein aufbewahrt. Vom Pfarrer wurde berichtet, er habe zwar eine Köchin aber kein Kind. Der Bericht endet mit den Sätzen: "Sonst bei der kirchen kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Arnbach -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...

Dreißigjähriger Krieg
Ob die Kirche im 30jährigen Krieg beschädigt wurde, ist mir nicht bekannt. Aus den wenigen verbliebenen Kirchenrechnungen ist aber ersichtlich, dass das Opfergefälle, die Spenden aus dem Opferstock, in den Jahren 1630 und 1640 rd. 34 Gulden betragen haben. Nach dem Krieg, 1650 waren es nur noch 11 Gulden.
1671, eine Generation nach dem Ende des 30jährigen Kriegs, hat Maurermeister Hans Underberger aus Glonn einen Überschlag (=Kostenvoranschlag) für eine Reparatur des Kirchendachs und der Friedhofsmauer erstellt. Möglicherweise handelte es sich bei den Baumängeln noch um Kriegsschäden.

Altarweihe 1707
Am 22. Juli 1707 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Weyhern und weihte einen Altar in der Kirche. Vorher hatte er am selben Tag 3 Altäre in Niederroth benediziert und dort die Firmung gespendet. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - der Altar von Soldaten entweiht und in den Jahren danach wieder hergestellt worden ist. Ab 1652 saßen nacheinander die zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. Die Weihe der Altäre am 22.7. in Niederroth und Weyhern war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Dabei weihte er die Kirche in Weyhern sowie in den anderen Kirchen 24 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge).

Neubau 1722
Das heutige Kirchengebäude ist gotischen Ursprungs (wohl 15.Jh). Aus dieser Zeit haben sich noch der Altarraum und der Turm erhalten. Das Kirchenschiff wurde in der Barockzeit um 1722 verändert oder neu erbaut.
 

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
Dennoch hat Kanonikus Schmidt in der nach ihm benannten Matrikel von 1738/40 die Kirche als ziemlich ruinös bezeichnet. Auch damals hatte sie schon drei Altäre. Der Hochaltar war der Jungfrau Maria geweiht. Dort stand deren Wallfahrtsbild, das Ziel zahlreicher Prozessionen von Gläubigen aus der Umgebung. Die beiden Seitenaltäre hatten den hl.Vitus und den hl.Martin zu Patronen. Im immer noch vorhandenen Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Das Vermögen des Gotteshauses betrug 452 Gulden, 5 Kreuzer und 3 Heller. Dieses -allerdings nicht sonderlich hohe- Vermögen verwalteten der Arnbacher Pfarrer und der kurfürstliche Pfleger von Dachau gemeinsam.



Beschreibung 1817
In einer von Pfarrvikar Joseph Pöttinger verfassten Beschreibung vom 2. November 1817 heißt es:
  "Die Kirche - in früheren Zeiten eine ziemlich stark besuchte Wallfahrtskirche - ist verhältnismäßig zu groß, übrigens gut und schön gebaut. Doch der, wie immer, ziemlich herabgekommene (Bau)Fond derselben gestattet nicht wohl, die Kirche fortan im besten baulichen Zustande zu erhalten, daher später, wenn derselbe keinen bedeutenden Zuwachs erhalten sollte, die Nothwendigkeit eintreten dürfte, die Kirche vielleicht um die Hälfte zu verkleinern. In derselben befinden sich drei Altäre: der Choraltar mit einem Muttergottesbilde, sowie Seitenaltäre der hl. Dreieinigkeit und der Geburt Christi. Das Patrozinium wird am Sonntag nach Martin (=nach dem 11.11.) und die Kirchweihe am Sonntag vor Laurentius (10.August) gefeiert. Der Gottesdienst wird nebst den obigen Tagen an allen Frauentagen ( =Marienfesten), an den Festen der Unschuldigen Kinder (=28.12.), von Vitus (=15.6.), Bartholomäus (=24.8.) und Andreastage (=30.11.) daselbst gehalten".



1836 wurde das Gewölbe herausgeschlagen und die Seitenwände um "vier Schuh" (=1,17 Meter) erhöht.
Zwanzig Jahre später, 1856, hat man das Gebäude renoviert. Im Königlich-Bayerischen Kreisamtsblatt von Oberbayern des Jahres 1858 sind staatliche Zuschüsse "für Baureparaturen bei der Filialkirche Weihern, k.Landgerichts Dachau, von 1855/56: 470 Gulden" vermerkt.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Weyhern unter dem Namen Unsere Liebe Frau in Weihern als Nebenkirche von Arnbach enthalten. Zu ihr gehörten 72 Dorfbewohner (Seelen), die in 9 Häusern wohnten (1868 waren es nach dem Statistischen Jahrbuch nur 58 Einwohner). Mayer schreibt über die Kirche: "Früher vielbesuchte Wallfahrt. Erbauungsjahr unbekannt. Renoviert 1856. Byzantinischer Stil. Baupflicht an der Kirche die Kirche, am Cemeterium (= Friedhof) die Gemeinde. Gottesdienste wie 1817; herkömmlich ist alle Wochen 1 Messe hier. Stiftungen: 6 Jahrtage, 7 Jahrmessen, 4 Quatembermessen. Der Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer von Arnbach. Kirchenvermögen rd. 3000 Gulden.

Beschreibung 1895 
Zwei Holzfiguren in der Kirche von Weyhern sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
"Kirche Am Eingang in den Chor stehen zwei bemalte Holzfiguren vom Ende des 15. Jahrhunderts,
- nördlich Bartholomäus mit Buch in der Rechten, Messer in der Linken, "
- südlich St. Andreas mit dem Kreuzschragen.
  Die Köpfe individuell durchgebildet; besonders gut im Faltenwurf ist der  hl. Bartholomäus.

Die letzte Restauration fand im Jahr 1974 statt.

Wallfahrt
Die Kirche in Weyhern war vor vielen Jahrhunderten eine Wallfahrtskirche. Im Jahr 1758 berichtete Pfarrer Johann Franz Freiherr v. Paumgarten aus Arnbach, in Weyhern habe ein Gnadenbild gestanden, das vor allem vor dem Bau des Klosters Taxa (erste Kirche um 1630) Zulauf von Pilgern fand. Im Pfarrhof Arnbach befinde sich ein Mirakelbuch, in dem viele Heilungen verzeichnet seien, speziell die Erweckung eines Ertrunkenen zum Leben. Er schlägt vor, vom Gnadenbild einen Kupferstich machen zu lassen; das würde die Wallfahrt wieder befördern.
  Originaltext: "Filial Weyern ist U.L:Frauen dediciert (gewidmet). wan ? wo ? weis man nit - doch stehet in einem alten, im Pfarrhof Arnbach sich befündtendem Guetthaten Pichl aufnotiert, das dises Muettergottes bilt vill guetthaten, bevor das closter Taxa aufkhomen,gethan hat, in specie Versoffne wiederumb undt auch dothe zum leben gebracht worden. Es hat einen freithof in welchem die Weyerer aldorten begraben werdten. Man wünschet, es khente dises gnaden bilt gestochen werden um einen Pillichen Preis wurde gewis widerumb wallfahrt das gottshaus bekhomen ita.

Bittgänge
Aus alten Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Weyerner nach dem 30jährigen Krieg alljährlich Kreuzgänge nach Inchenhofen zum hl.Leonhard und und nach München zum hl. Benno (der in der Frauenkirche verehrt worden ist) unternommen haben. Die "Fahnentrager, Creiztrager und Vorsinger" erhielten dafür ein kleines Zehrgeld ["Zöhrung"], das in der Kirchenrechnung verbucht worden ist.
  Hinweis: Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann, als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahm. Sie verhalfen ihr binnen weniger Jahrzehnte zu höchster Blüte. Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256 sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhardskapelle gestohlen haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls angeketteten) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im 16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserwei-terung gab der Wallfahrt in Inchenhofen noch einen großen Schub. Bis 1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen, meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inchenhofen auch genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.

Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schärfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, öffnete man das Grabmal Bennos und warf seine Gebeine in die Elbe. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht zu haben. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1868: 58 Einwohner in 26 Gebäuden

 


Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht im Ort, in einer von einer alten Mauer umgebenen Wiese.
Der nicht eingezogene , gotische Chor hat eine Tiefe von zwei Jochen/Achsen und schließt mit 3 Seiten eines Achtecks. Er wird außen durch zweistufige Stützpfeiler gestützt.
Das Langhaus/Kirchenschiff besitzt drei Joche. Langhaus und Altarraum sind außen von einem durchgehenden Dach aus Kirchenbiber überdeckt. Sechs Fenster (zwei im Kirchenschiff, vier im Altarraum) erhellen die Kirche.

An der Nordwand hängt ein schön gestaltetes Missionskreuz aus dem Jahr 1934. Auf dem Blechschild ist der Anlass für das Aufstellen des Kreuzes geschrieben:
"Missionskreuz zum Andenken an die hl.Missionen in Arnbach u. Weyhern - 1851, 1912 und 1.-8.Juli 1934
abgehalten von den Redemtoristen P.Schleinkofer u. P.Bruckmayr. Vollkommener Ablaß kann gewonnen werden:
1.) am Jahrestag der Kreuzweihe (4.Juli)
2.) am Feste der Kreuzauffindung (3.Mai)
3.) am Feste der Kreuzerhöhung (14.Sept.)
Ein Ablaß von 5 Jahren und 5 Quadragenen gewinnt, wer 1 Vaterunser, Gegr.s.d.M. und Ehre sei dem Vater, zu Ehren des bitteren Leiden und Sterben Jesu reumütig bettet. Rette deine Seele !"


Missionskreuz
1934 

  Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenrefor-mation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Heutzu-tage wird die Volksmission durch neue Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt. Eine Quadragene entspricht 40 Tagen.

Turmgiebel mit Kreuz
Der Sattelturm mit den fünf Schallfenstern auf drei Seiten ist an der nördlich am Chor angebaut. Er hat einen quadratischen Grundriss. Das unterste Geschoss ist mit einem Kreuzgratgewölbe überdeckt. An der Türe sind noch die alten Beschläge aus dem 19.Jh mit einem Löwenkopf als Griff vorhanden. Außen ist der Turm mit einem Satteldach (mit Mönchen und Nonnen) mit eingetiefter Stufung bedeckt. Gekrönt wird jeder Giebel durch ein Steinkreuz.
In der Glockenstube hängen zwei Glocken. Darunter ist auch die im Jahr 1641 von
Bernhard Ernst aus München gegossene Glocke. Das Alter der zweiten Glocke ist mit nicht bekannt. Doch die Tatsache, dass sie in den beiden Weltkriegen nicht zum Einschmelzen abgeliefert werden musste, spricht dafür, dass die Glocke entweder sehr klein oder aber vor 1770 gegossen worden ist.
Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...
Das Vorhaus ist an die schmucklose Westseite angefügt. Eingänge führen von Norden und Süden in die Kirche. Im Vorhaus steht seit einigen Jahren ein modern gestalteter Weihwasserbehälter. Dort können Gläubige das Wasser für die Gräber und für die Wohnung entnehmen. Weihwasser hat nur eine symbolische Bedeutung und soll an die Taufe erinnern.

Weihwasser-behälter
An der Südseite des Chors, gegenüber dem Turm ist die doppelstöckige Sakristei angebaut. Von ihrem Obergeschoss
aus hat man durch ein Oratoriumsfenster Sicht in den Altarraum. Eine Türe aus dem 19.Jh ist noch mit alten Eisenbeschlägen versehen.


Innenausstattung

Altarraum

Der Altarraum besitzt noch ein gotisches Gewölbe mit sieben Stichkappen. Die Rippen sind seit 1836 abgeschlagen. Die Decke ist hellblau bemalt, die Stichkappen weiß abgesetzt.

Choraltar

Der raumhohe Choraltar besteht aus beige marmoriertem (=bemalten) und vergoldetem Holz. Er wurde Ende des 19.Jh bzw. zu Beginn des 20.Jh. erstellt.

Choraltar 19.Jh. 
 
Altaraufsatz
Der große Altaraufsatz stützt sich auf die vier Säulen. Das Gesims ist mit Eierstab-mustern verziert. In der Mitte ein Gemälde, das die Mantelteilung des hl. Martin, des Kirchenpatrons, darstellt (2.Hälfte des 19.Jh).
     
           St.Florian  -  St. Martin  -  St.Nepomuk
Flankiert wird das Bild durch Figuren des hl.Florian (links) mit den üblichen Attributen Fahne, brennendes Haus und Wasserschaff sowie des hl. Johannes Nepomuk mit einem Kruzifix in der rechten Hand. Diese Figuren stammen aus dem Ende des 18.Jh.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. Gedenktag: 4.Mai
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Mittelteil
In der von vier kannelierten Säulen gesäumten Mittelnische steht seit Entfernung der Wallfahrtsfigur von Maria nun die Statue des hl. Sebastian , der einen Pfeil in der rechten Hand trägt. Ein gleichförmiger Strahlenkranz umgibt den Heiligen.
Die Figur stammt aus der Mitte des 17.Jh; sie wurde also kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges geschnitzt.

  St.Sebastian
17.Jh. 
Hinweis: Nach der Legende war Sebastian im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der hl.Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Assistenzfiguren


St.Barbara
17.Jh. 

Als Assistenzfiguren stehen auf Konsolen die hl. Katharina (rechts) mit Schwert, Siegespalme und einem zerbrochenen Rad zu ihren Füßen sowie die hl. Barbara (links) mit Kelch und Siegespalme in den Händen und einem Turm. Beide Figuren stammen -wie Sebastian- aus der Mitte des 17.Jh.

Hinweis: Katharina soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem gehört sie zu den 14 Nothelfern (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne).  
Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst . Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm).

St.Katharina
17.Jh. 
Tabernakel
Auf dem Altar steht ein hoher Tabernakel mit vergoldeter Mittelnische. Das neubarocke Rankenrelief mit seitlich blau marmorierten Säulchen weisen auf die Erstellungszeit im ausgehenden 19.Jh hin.Auf den Seitenteilen sitzen zwei Englein.
Auf dem Tabernakel steht eine Ziervase mit Blumen (Bild siehe ganz oben)

Tabernakel
19.Jh
Die Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).



Sakristei

Chorglocke

Die an der Südseite angebaute Sakristei ist zweigeschossig. Von ihrem Obergeschoss aus hat man durch ein Oratoriumsfenster Sicht in den Altarraum.
Die Sakristei ist einfach eingerichtet. Einige Schränke umgeben einen Tisch, auf den die für die jeweiligen Gottesdienst notwendigen Utensilien gelegt sind.
Die Türe zur Kirche stammt noch aus dem 19.Jh und ist mit alten Eisenbeschlägen versehen.
Am Zugang von Sakristei zum Altarraum ist die Chorglocke, auch Sakristeiglocke genannt, befestigt. Sie geben das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Sakristei


Der Zelebrationsaltar ist ein einfacher, großer Holztisch.

Am Chorbogen ist die Jahreszahl "1974" aufgemalt, das Datum der letzten Restaurierung.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Deckengemälde

Das Kirchenschiff ist mit einer Flachdecke überzogen. Darauf ein Gemälde mit dem Titel: "Rosenkranzspende Marias an Dominikus und Katharina von Siena". Vor einer Renaissance-Kulisse sitzt Maria im traditionellen blau-roten Gewand mit ihrem Kind auf einer Wolke.

Jesus reicht dem unter ihm knienden Dominikus den Rosenkranz. Katharina von Siena steht ergriffen hinter der Szene. Vom Himmel regnen Rosen herab.
Das Bild dürfte im 20.Jh gemalt worden sein.

Deckengemälde
Rosenkranzspende
an den hl.Dominikus
Nach der Legende soll Maria im Jahr 1208 dem hl.Domi-nikus in einer Vision den Rosenkranz überreicht und den Gebrauch gelehrt haben. Er sollte als Waffe im Kampf gegen die Albigenser/Katharer dienen. Das waren An-hänger einer christlichen Glaubensbewegung vom 12. bis zum 14.Jh., die von der Kirche als Häretiker verfolgt wurden. Die Darstellung Marias bei der Übergabe des Rosenkranzes an den hl. Dominikus erfreute sich vom 15. Jh. bis zum Barock großer Beliebtheit und wurde bevorzugt von Rosenkranzbruderschaften in Auftrag gegeben.


Ehemalige Seitenaltäre

Die Aufbauten (Retabel) der beiden barocken Seitenaltäre aus marmoriertem Holz wurden bei der Renovierung der Kirche im Jahr 1974 entfernt.
Sie werden derzeit im Pfarrstadel in Arnbach aufbewahrt.

Englein
Noch vorhanden sind die gemauerten Altäre, über denen Heiligenfiguren auf Sockeln am Chorbogen angebracht sind. Ganz oben schweben Englein.


Apostel Andreas
und Bartholomäus

Auf der linken Seite zwei bärtige Apostel. Andreas mit dem für ihn typischen langen Bart, hält ein nach ihm benanntes Schrägkreuz, das Andreaskreuz, unter dem Arm. Daneben steht Bartholomäus mit gestutzten Bart. Er hält ein Buch, das ihn als Verkünder des Evangeliums ausweist und Messer in den Händen. Beide Figuren aus der Zeit um 1500 waren früher am Chorbogen aufgestellt. Sie stammen aus dem Umkreis des "Meisters der Blutenburger Apostel" und wurden um 1500 geschnitzt. Die Fassung (= Bemalung) ist neu.
Hinweis: Die Apostel in der Münchner Blutenburg wurden um 1485 von einem unbekannten, künstlerisch hoch einzuschätzenden Meister geschnitzt, der auch viele andere Kunstwerke geschaffen hat. Sein Name ist nicht überliefert; in der Kunstszene ist er unter dem Namen "Meister der Blutenburger Apostel" bekannt.

Die beiden Figuren sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 enthalten. Dort heißt es: "Die Köpfe individuell durchgebildet; besonders gut im Faltenwurf ist der  hl. Bartholomäus."
 
Hinweis: Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida (Johannesevangelium 1, 14) oder Kapernaom (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes', des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 - 40). Nach Jesu Himmelfahrt lehrte er in Griechenland und wirkte zahlreiche Wunder. Als er die Frau des röm.Statthalters Ägeas zum Christentum bekehrte und ihr eheliche Enthaltsamkeit anriet, ließ ihn Ägeas an ein X-förmiges Kreuz binden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb.
Auch Bartholomäus war einer der 12 Apostel und zog nach dem Tod Jesu als Missionar durch Armenien, Indien und Mesopotamien. Er wirkte zahlreiche Wunder und heilte Kranke. Unter den Geheilten war auch die Tochter des armenischen Königs. So konnte die königliche Familie für das Christentum gewonnen werden. Der Bruder des Königs jedoch hetzte die Priester des alten Glaubens gegen Bartholomäus auf, ließ ihn gefangen nehmen und foltern und schließlich zu einem besonders grausamen Tod verurteilen: bevor Bartholomäus gekreuzigt wurde, hat man ihm mit einem Messer die Haut abgezogen. Deshalb wird er oft mit einem Messer dargestellt. Das Häuten bei lebendigem Leib war damals im Persischen Reich eine der üblichen Todesstrafen.

Auf der rechten Seite stehen Figuren der Bauernheiligen Notburga (mit Sichel) und Leonhard (mit Bischofsstab und Viehketten) aus der Mitte des 17.Jh.




Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Ungewöhnlich an der Darstellung in Weyhern ist die Krone auf Notburgas Haupt.


St.Notburga und St.Leonhard
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später
als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.


zur Beschreibung der Kirchenbankwangen zur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des Deckengemaeldeszur Beschreibung der Kreuzigungsgruppezur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der Orgelzur Beschreibung der Kirchenbankwangen
Vergrößerung von Details per Mouseklick


Kreuzigungsgruppe

An der nördlichen Seitenwand des Langhauses hängt eine barocke Kreuzigungsgruppe mit Figuren der schmerzhaften Muttergottes (Mater Dolorosa) und des Apostels Johannes.
Der überlebensgroße Corpus Jesu stammt wohl noch aus der Barockzeit. Die Figuren unter dem Kreuz wurden um das Jahr 1800 geschnitzt und neu gefasst. In der Brust Mariens steckt ein Schwert. Dieses Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".


Kreuzigungsgruppe
1800
 

Aus der Kirchenrechnung des Jahres 1654 geht hervor, dass der Kirchenpfleger Georg Seitz ein Kruzifix und eine Marien-figur gestiftet hat. Die Kosten von 40 Gulden sprechen für größere Figuren. Ob es sich dabei um das vorhandene Kruzifix handelt, ist nicht sicher, aber doch wahrscheinlich.

In die Kirchenrechnung fand diese Spende Eingang, weil die Kirchengemeinde zur Marienfigur einen Sockel machen ließ.
Originaltext:"Nach deme Georg Seiz Kürchenprobst 2 bildr, alß 1 Crucifix unnd Maria Bildtnuß auf seinen Aignen Cossten in die 40 f. (= Gulden) werth machen lassen unnd zu disem Gottshauß verehrt, hat die notturfft hierzu ein postament zumachen erfordert darfür dem Kistler Lauth Zetelß (=Zettels bzw. Rechnung) zalt 4.15".



Gemälde an der Südwand


An der Südseite des Kirchenschiffs hängt ein 182 x 110 cm großes Bild mit der "Darstellung Jesu im Tempel". Das Ölgemälde (auf Leinwand) wurde im Jahr 1858 vom Künstler Balthasar Kraft aus Pfaffenhofen/Ilm (der auch in Arnbach und Mühldorf bei Petershausen tätig war) gemalt (sign). Es ist das frühere Altarblatt des Choraltars.
Vor dem Hintergrund einer großen Säulenhalle schreitet im Mittelpunkt des Bildes der weißgekleidete Simeon die Treppen herab und hält ganz vorsichtig das Jesuskind auf seinen Armen. Sein Blick ist voll auf den kommenden Erlöser gerichtet. Begleitet wird Simeon von Anna (rechts im roten Gewand mit Stock), der Muttergottes (links in rotblaues Gewand gekleidet, mit überkreuzten Händen) und St.Josef. Im Hintergrund blicken der Hohepriester, zu erkennen an der wohl auf Moses zurückzuführenden Hornkappe, und priesterliche Kollegen misstrauisch auf die Szene.


Darstellung Jesu
im Tempel

(1858)

Kreuzwegbilder

Nicht mehr in der Kirche hängen die Kreuzwegbilder aus der 2.Hälfte des 19.Jh.
Die 61 x 43 cm großen Ölbilder (auf Leinwanduntergrund) dürften -ebenso wie das große Gemälde der Darstellung Jesu im Tempel- von Balthasar Kraft aus Pfaffenhofen/Ilm im Jahr 1858 gemalt worden sein.

Kreuzwegstationsbilder
Mehr als 30 Jahre lang lagerten die Bilder auf dem Speicher der Sakristei. Kirchenpfleger Breitenberger hat die stark beschädigten Tafeln im Jahr 2009 dort entdeckt und die Renovierung durch den Restaurator und Fassmaler Alfons Wagner aus Prack veranlasst. Am 20.3.2010 wurden sie im Rahmen einer Feierstunde von Pfarradministrator Daniel Reichel eingeweiht.

Interessant ist, dass die Kreuzwegbilder nach der gleichen Vorlage wie die in den Kirchen Sickertshofen, Großinzemoos und Oberumbach gemalt wurden. Dies betrifft die Zahl und Stellung der Personen oder den Hintergrund. Allerdings haben sich die Künstler auch die Freiheit genommen, in Details ihren eigenen Vorstellungen zu folgen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs allgemein und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


Apostelleuchter


Apostelleuchter  

Die Apostelleuchter aus Schmiedeeisen sind vergoldet. Sie sind über einem auf die Wand gemalten gleichschenkligen Kreuz befestigt.
Hinweis: Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. 


Kirchenbänke



Kirchenbank-wangen
Die Kirchenbänke im Kirchenschiff (jeweils acht Reihen rechts und links mit ins. 80 Sitz-plätzen) haben noch geschnitzte alte Wangen mit Rocaillenschmuck. Sie sollen Ende des 17.Jh. geschnitzt worden sein. Sollte dies zutreffen würden sie zu den ältesten Wangen in den Kirchen des Dachauer Landes gehören. Die Art der Verzierung gibt m.E. aber Anlass zu Zweifeln an diesem frühen Erstellungszeitpunkt.
Wesentlich rustikaler sind die Kirchenbänke auf der Empore. Sie bestehen aus einfach gezimmerten Holzbalken.

Bank auf der Empore


Orgel


Auf der weiß verputzten, in der Mitte etwas hervorkragenden Empore steht eine Orgel aus der Zeit um 1900 mit dreiteiligem Neurenaissance-Prospekt.

Orgelgehäuse 1900

Sie besitzt ein Manual und neun Register.
Der Spieltisch steht frei.

Mit Bleistift ist auf der Rückseite vermerkt: "Bachmeier / Hptl.König / S.Kopp / L.Seider OL".


Portal



Portal

Die Holztüre am Westportal mit drei Eisenbeschlägen und vergittertem Fenster stammt noch aus dem 19.Jh. Neben der Türe sind in die Innenseite der Westwand Nischen eingelassen.



Vorhaus

Im Vorhaus sind in einer Nische der Westwand zwei schwarze, sargförmige Totenbretter mit aufgemalten Totenköpfen zu sehen. Sie dürften aus dem 19.Jh stammen.


Wallfahrt


Gnadenfigur
>Das Gnadenbild war eine ca. 1 m große, Muttergottesstatue aus der Zeit um 1500. Maria wird als Königin dargestellt. Sie trägt eine Krone auf ihrem Haupt. Ihr langes Haar ist offen. Gekleidet ist sie in ein rotes Kleid und einen goldenen Mantel. In der rechten Hand hält Maria das Zepter. Auf dem linken Arm trägt sie das Jesuskind, das das dritte königliche Insignium. Vorübergehend stand sie in der Feldkapelle westlich des Dorfes. Aus Sicherheitsgründen wurde die wertvolle Holzplastik allerdings deponiert.
Die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 spricht von einer "gnadenreichen Marienstatue, die mit Guttaten glänzt und von vielen Prozessionen aus der Umgebung besucht wird''. So soll der auf Schloss Arnbach geborene spätere Fürstbischof von Freising, Veit Adam von Gepöckh (1618-51) ein besonderer Verehrer der Mutter Gottes von Weyhern gewesen sein.

Muttergottes 1500

Der Arnbacher Pfarrer Johann Franz Freiherr v. Paumgarten berichtete 1758 Folgendes über die Wallfahrt:
  Filial Wyern ist U.L. Frauen dedicirt (=gewidmet), wan ? wo ? weis man nit. Das stehet in einem alten im Pfarrhof Arnbach sich befündtenden Guetthaten Pichl (=Mirakelbuch) aufnotiert, das dises Muettergottesbilt vill guettaten, bevor das closter Taxa aufkhomen, gethan hat, in specie Versoffne (= Ertrunkene) wiederumb undt auch ... zum leben gebracht worden - es hat einen freithof, in welchen die Weyrer aldorten begraben werdten.
Man wünschet, es khente dises gnadenbilt gestochen werden um einen Pillichen Preis wurde gewis widerumb walthumb (=Wallfahrt) das gottshaus bekhomen ita."

Die Wallfahrt ist Ende des 18.Jh. erloschen. Zwei Votivtafeln von 1786 und 1789 hängen im Bezirksmuseum Dachau.

...noch mehr zur Wallfahrt im Buch "Wallfahrt im Dachauer Land" (siehe Quellen)

Hans Schertl

Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Königlich-Bayerisches Kreisamtsblatt von Oberbayern S.85, 1858 (Zuschüsse 1858)
Heyberger/Schmitt/Wachter, Topographisch-statistisches-Handbuch des Konigreichs Bayern von 1868 (Statistik)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895

Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (Wallfahrt)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Underberger)
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (
Bernhard Ernst)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Angelika Petitini, Leonhardsverehrung u. Wallfahrt in Inchenhofen, Augsburger Volkskundliche Nachrichten, 1995, Heft Nr.2
Niederroth - Ein Dorf im Dachauer Land, 1995
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Kanzelkreuz, Bittgänge)
Dachauer SZ vom 21.8.2003
Dachauer Nachrichten vom 19.3.2010 (Kreuzweg)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel)

49 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.3.2018