zur Landkreiskarte     ausführliche Beschreibg.    Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen

Filialkirche St. Martin in UNTERUMBACH

mehr über St.Martin...

Adresse: 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Dorfstraße 28
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Obwohl die Ortschaft Unterumbach zusammen mit der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn bis 1972 in Schwaben lag, gehörte die Kirche nicht zum Bistum Augsburg, sondern schon immer zum Bistum Freising.
Deshalb wird eine Kirche in Unterumbach erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel, dem ersten Verzeichnis der Kirchen in der Freisinger Diözese unter dem Namen "Nidernumpach" erwähnt.

1524 wird erstmals das Patrozinium des hl.Martin genannt.

Die heutige Kirche wurde nach dem Abbrennen des Vorgängerbaues im Spanischen Erbfolgekrieg in den Jahren vor 1716 errichtet.


Der Posaunenengel auf der Kanzel

Im Jahr 1927 wurde sie um eine Achse nach Westen verlängert.
Auf dem Westgiebel sitzt als Turm ein Dachreiter mit Zwiebelkuppel; im unteren Teil quadratisch, oben ins Achteck übergehend.

Innenausstattung

Der halbrund schließende Altarraum wird von einem Tonnengewölbe überspannt. Es ist mit einem Fresko "Hl.Martin über Unterumbach" bemalt.

Auf dem prächtigen, um 1712 entstandenen Säulen-Hochaltar steht eine Reiterfigur des hl.Martin mit Bettler, daneben Skulpturen des hl. Hieronymus (links) und des hl. Korbinian mit einem Bären. Über der Mittelnische eine vertikale Darstellung der Dreifaltigkeit.

Auch das Gemälde an der Flachdecke des Kirchenschiffs befasst sich mit dem Kirchenpatron (Tod des hl.Martin). In den Kartuschen sind vier Tugenden des hl.Martin als Persifikationen mit ihren Attributen dargestellt.

Die Seitenaltäre sind Themen um Christi Geburt gewidmet. Links der Muttergottesaltar (Altarblatt mit Bild von Maria und dem Kind in Windeln) und recht ein Altar mit dem Altarblatt "Kindermord von Bethlehem".

MuttergottesHochaltarzur Vergrößerung des Deckengemäldes klickenChordeckenfreskoAllegorie: JustitiaAllegorie: InnocentiaSt. KorbinianVertikale DreifaltigkeitsdarstellungSt.HieronymusKanzelKindermord zu BethlehemJesu Geburt - KrippendarstellungBilder am Kanzelkorb  3 Details (linker Seitenaltar,Deckengemälde und Hochaltar) per Mouseklick

Besonders prächtig ist die Kanzel an der Südseite gestaltet.

Im Kirchenschiff stehen auf Konsolen eine Josefsfigur mit Beil und Hobel und
eine Muttergottesstatue - Maria mit Krone auf dem Haupt und Szepter in der rechten Hand

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Frühzeit Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560
Matrikel 1740 Beschreibg 1874  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl
  Choraltar Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore
Figuren Geschichte Gottesdienstzeiten Kanzel
  Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Kreuzigungsgruppen
  Krippe Missionskreuz Orgel Opferstock
Seitenaltäre Tabernakel

Die Ortschaft Unterumbach kam zusammen mit der Gemeinde Pfaffenhofen/Glonn 1972 zum Landkreis Dachau (vorher Lkr.Friedberg / Schwaben).
Der Überlieferung nach soll Unterumbach bis zum 12. Jh. Sitz eines herzoglichen Pfleggerichts und zudem einer Pfarrei gewesen sein (es gibt noch ein altes Pfarrhaus); dann habe der Pfarrsitz nach Pfaffenhofen gewechselt, wo er sich heute noch befindet. Über diese Zeit hat Anton Mayer in seiner Beschreibung des Erzbistums Mch-Freising einen Bericht verfasst. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie bitte hier...

Geschichte der Kirche

Erste Nennung 814
Sicher ist, dass am 18.September 814 der Priester Freido, die Kirche, sein Haus daneben und seinen übrigen Besitz in Ominpach dem Freisinger Bischof übereignete. Dies ist in der Urkunde Nr. 324 der Sammlung Freisinger Traditionen belegt. Ob es sich dabei aber um Unterumbach oder um Oberumbach handelte, ist ungewiss. Für Unterumbach spricht das Patrozinium. Der hl.Martin war Patron der Franken, die ja kurz zuvor die Macht in Bayern übernommen hatten und die die Benennung von Kirchen nach ihrem Heiligen förderten. Der hl.Ulrich, der Patron von Oberumbach, hatte damals noch nicht gelebt. Er wurde erst 76 Jahre später geboren.
Dr. Walter Kick hat die Urkunde vom 18.9.814 aus dem Lateinischen übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Freido übereignete übrigens 14 Tage später auch die
die (von ihm erbaute ?) Kirche einschließlich seines Bauernhofs in Odelzhausen dem Mariendom des Bistums Freising.

Konradinische Matrikel 1315
Die Filialkirche St. Martin gehörte mit der Pfarrkirche Pfaffenhofen trotz der politischen Orientierung nach Schwaben schon immer zum Bistum Freising. Deshalb wird eine Kirche in Unterumbach erstmals im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel, dem ersten Verzeichnis der Kirchen in der Freisinger Diözese unter dem Namen "Nidernumpach cum sepultura" mit Friedhof als Filialkirche von Pfaffenhofen erwähnt. Ein Friedhof war zur damaligen Zeit Ausdruck einer gewissen regionalen Bedeutung. Dies ist die erste sichere schriftliche Nennung der Unterumbacher Kirche.

Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass die Kirche in Unterumbach schon erheblich früher urkundlich genannt wurde. In einer Urkunde vom 18.September 814 wird berichtet, dass der Priester Freido, ein Mitglied der Othold-Sippe, eine Kirche Ominpah (Umbach) dem Freisinger Bischofsstuhl übereignet hatte. Allerdings ist der Urkunde nicht eindeutig zu entnehmen, ob mit Umbach die Ortschaft Oberumbach oder Unterumbach gemeint war. Für Unterumbach spricht, dass Martinskirchen in der Regel sehr alt sind, dagegen spricht, dass auch die Konradinischen Matrikel von 1315 unter "Umbach" die Kirche in Oberumbach versteht.

Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals das Patron der Kirche, der hl.Martin erwähnt (Pfaffenhoven habet unam filialem ecclesiam cum sepultura, videlicet s.Martini in Nidernumbpach").

Die heutige Kirche wurde unter Pfarrer Dionysius von Lampfritzham nach dem Abbrennen des Vorgängerbaues im Spanischen Erbfolgekrieg (Bayern gegen Österreich) in den Jahren vor 1716 unter Verwendung alter Mauerreste errichtet.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Martini in Unterumbach" bemerkte er, die Kirche sei nach dem feindlichen Brandangriff wieder renoviert. Sie habe drei Altäre: der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Martin geweiht, ein Seitenaltar dem hl.Innocenz und der andere (noch nicht geweihte) Seitenaltar der Jungfrau Maria. (Offenbar war bei dem Brand nur ein Altar vollständig vernichtet worden). Gottesdienste würden an jedem vierten Sonntag, an Oster- und Pfingstmontag, an St.Innozenz (22.Sept), am Patrozinium (11.Nov) und am Kirchweihfest gefeiert, das auf den Sonntag vor Matthäi (21.Sept) falle. In der Sakristei seien die notwendigen Kelche und Messgewänder vorhanden. Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Pfarrer in Pfaffenhofen und Landpfleger von Friedberg. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet sich in diser Zeit gegen 2200 fl (=Gulden) bezeigen ". Das war für so eine kleine Kirche sehr viel Geld.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von
Unterumbach als Filiale von Pfaffenhofen enthalten. Zu ihr gehörten 177 Dorfbewohner (Seelen), die in 31 Häusern wohnten.Unterumbach war damals größer als der Pfarrort. Mayer beschreibt die Kirche St.Martin wie folgt: "Sehr alt. Erbauungsjahr unbekannt. Unansehnlich und durch bauliche Veränderungen stillos geworden. Geräumigkeit genügend. Etwas feucht. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre, eine Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste jeden vierten Sonntag. Stiftungen: 8 (3) Jahrtage, 15 Jahrmessen. Meßner ist ein Gütler, Cantor der Lehrer. Kirchenvermögen: 5700 Gulden".


Im Jahr 1927 wurde das Kirchenschiff um eine Achse nach Westen verlängert.

Renovierungen:
1982: Malereien, neue Kirchenbänke und eine neue Orgel beschafft (450.000 DM)
2011: Dachsanierung, Außenanstrich,Turmuhr.
2012: Innensanierung

Baubeschreibung

Die Kirche liegt am Ortsrand inmitten eines ummauerten Friedhofs. Die Außenmauern sind gelb verputzt.
Der nicht
eingezogene Chor schließt halbrund und wird von zwei Rundbogenfenstern erhellt.
Die beiden Vorbauten mit Schleppdach auf der Südseite der Kirche sind:
links: das Vorhaus (Eingang) rechts: die doppelgeschossige Sakristei.
Auf dem Westgiebel sitzt als Turm ein Dachreiter; im unteren Teil quadratisch, oben ins Achteck übergehend. Das Zwiebeldach ist mit Kupfer gedeckt. An drei Seiten sind über dem ovalen Schallloch Ziffernblätter der Uhr angebracht, die im Jahr 2004 neu vergoldet wurden.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

An der Langhaus-Südwand ein gusseisernes Missionskreuz, das im Zuge der Volksmission um 1880/90 angebracht wurde. An diese Volksmission erinnern auch Kreuze an der Pfarrkirche in Pfaffenhofen und an der anderen Filialkirche in Oberumbach.
  Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.


Innenausstattung

Altarraum

Der halbrund schließende, fünf Meter hohe Altarraum besitzt zwei Rundbogenfenster und ist etwas breiter (und zwei Stufen höher gelegen) als das Langhaus. Er wird von einem Tonnengewölbe mit angedeuteten Stichkappen und gemalten Pilastern überspannt.

Choraltar /Hochaltar                                 

Der 2,60 m breite, um das Jahr 1712 entstandene hochbarocke Säulen-Hochaltar ist beige und rot marmoriert (mit Marmor-Maserung bemaltes Holz); das Schnitzdekor ist vergoldet. Der prächtige Aufsatz über den vier Säulen wird von zwei Volutenengeln gesäumt.

In der Mitte des Altars steht in einer durch die Säulen und das Gebälk gebildeten Nische mit blauem Hintergrund eine Figur des hl Martin Der Heilige sitzt mit gezogenem Schwert auf dem Pferd; am Boden kniet ein Bettler und streckt seine Hand hilfesuchend zu Martin empor. Darüber ist in einem Halbkreis Gewölk mit einem Putto angebracht.
    
Auf den seitlichen Postamenten stehen außerhalb der Säulen Skulpturen des hl. Hieronymus (links) und des hl. Korbinian mit einem Bären zu seinen Füßen. Sie dürften Ende des 19.Jh geschnitzt worden sein.
  Hinweise: St. Hieronymus (347-420) war Einsiedler. Er übersetzte das Alte Testament aus dem Hebräischen und Griechischen und das Neue Testament aus dem Griechischen ins Lateinische. Nach der Legende hat Hieronymus einem Löwen einen Dorn aus seiner Tatze gezogen, worauf das Tier aus Dankbarkeit bei ihm blieb.
St.Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Von hier aus missionierte er Südbayern. Als bei einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um. Deshalb wird er - so wie in Unterumbach- meist mit einem Bären abgebildet.



Über der Mittelnische eine vertikale Darstellung der Dreifaltigkeit: Im Auszug die Heilig-Geist-Taube. Darunter -in einem vergoldeten Rahmen- eine Skulptur von Gottvater, die fast vom roten Gewand des auferstandenen Christus verdeckt wird. Die Füße Jesu ragen in die Nische mit St.Martin hinein.

Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament.Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
 

Tabernakel

Der Barocktabernakel (1720) wird von zwei vergoldeten Säulchen eingerahmt. Sein Holz ist rot marmoriert, mit Akanthusdekoration versehen und mit einem Segmentbogengiebel überdeckt. Auf seiner Türe aus Stahlblech sind Ornamente und das Jesuszeichen "IHS" aufgesetzt.


D
eckenfresko im Altarraum

An der Chordecke ein Fresko in gemalter Rahmung: Hl. Martin über Unterumbach.
Das Bild wurde von Johann Leibrecht 1777 (sign.) erstellt. Lebensdaten über den Maler sind mir nicht bekannt. Das runde Gemälde mit einem Durchmesser von zwei Metern wird umrahmt von einem gemalten Blattkranz. Im Bild kniet der hl.Martin in Bischofsornat auf einem wuchtigen Wolkenkranz. Neben ihm liegt sein Bischofsstab ; hinter ihm lugt sein Attribut, eine Gans hervor. Im unteren Teil des Bildes sind die Kirche von Unterumbach und einige Häuser rundum von Südwesten her gesehen abgebildet.


Langhaus / Kirchenschiff

Das von fünf Fenstern auf der Südseite und drei Fenstern auf der Nordseite erhellte Langhaus besitzt eine Flachdecke.

Deckenfresken im Kirchenschiff

Die Deckenfresken zeigen im Hauptgemälde den Tod des hl. Martin, in den vier umgebenden Roccaille-Kartuschen die Personifikationen von Tugenden, die dem hl.Martin zugeschrieben wurden. Wie das Chorgemälde wurden auch die Langhausfresken von Johan Leibrecht 1777 gemalt. Sie sind eingerahmt von gemalten Stuckprofilen, die von einer dünnen Girlande umwunden sind.
  Im Hauptgemälde "Tod des hl. Martin" liegt der Heilige auf seinem Totenbett, in einem Raum, umgeben von hochaufragender Palastarchitektur. Sein Haupt ist von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgeben. In der Hand hält er die Sterbekerze. Um Sein Bett stehen fünf Personen, unter anderen ein Priester (links neben der Vase über der Signatur) mit dem Gesicht des damaligen Pfarrers Johann Bapt.Sieß. Auf einem Hocker am Fußende des Bettes sitzt ein Mönch; daneben steht ein Herr in vornehmer Kleidung. Auf einer Treppe im unteren Teil des Bildes kniet ein Ministrant. Unter einem Bogen an der Treppe lugt ein Drache hervor. Dieser Drache erinnert an die Legende, dass Martin drei Tage vor seinem Tod, am 8.11.397, eine Teufelserscheinung zurückgewiesen habe. Über der Szene sieht man auf Wolken zwei Engel, die die Attribute des hl. Martin, den Bischofsstab und die Gans halten.
In den Kartuschen sind als Personifikationen in grauer Farbe auf goldenem Hintergrund vier Tugenden des hl.Martin mit ihren Attributen dargestellt:
Hinten links: Devotio (Frömmigkeit) mit Schriftrolle und Fackel
hinten rechts: Fortitudo (Tapferkeit) mit Löwe, Keule und Säulenstumpf
vorne links: Justitia (Gerechtigkeit) mit verbundenen Augen, Waage und Schwert.
vorne rechts: Innocentia (Reinheit) mit Palmzweig und Lamm.
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.



Seitenaltäre

Die 158 cm breiten, rot marmorierten Seitenaltäre sind im Jahr 1712 nach einem Brand angefertigt worden, wie eine Konsekrationstafel in der oberen Sakristei aus dem gleichen Jahr für den rechten Seitenaltar belegt. Die Altartische sind mit Holz verkleidet. Die glatten Säulen mit korinthischen Kapitellen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Sprenggiebeln, auf dem zwei Engel sitzen.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Auf dem 122 x 72 cm großen Altarblatt (Öl auf Leinwand, 1720) ist die Muttergottes mit dem Jesuskind dargestellt. Die noch relativ junge Maria ist in ein modernes Gewand gekleidet; auf dem Kopf trägt sie einen Haarreif. Sie blickt hinab auf das nackte Jesuskind, das mit einem Kreuz unter dem Arm auf ihrem Schoß liegt. Im Altaraufsatz ist ein ovales Gemälde mit dem Thema Mariä Heimsuchung (Maria trifft ihre Base Elisabeth und deren Mann Zacharias, die Eltern von Johannes dem Täufer) zu sehen.

  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn..)
In der Weihnachtszeit steht auf dem Altartisch des linken Seitenaltars eine Krippe.
Wenn Sie sich für Krippen in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier..
Noch vorhanden ist auch ein Fatschnkindl in geklebtem Glaskasten (1.Hälfte 20.Jh). Die ca. 40 cm lange Figur besitzt einen Wachskopf und ist in ein Gewand mit Spitzen und Goldborten gekleidet. Der Glaskasten ist als Hintergrund grottenartig gestaltet, mit Steinen, Quarz- und Glassplittern sowie getrockneten Blüten.

 

Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar befasst sich mit der frühesten Jugend Jesu. Im Altaraufsatz ein Bild mit einer Darstellung der Geburt Jesu (Heilige Familie im Stall mit Hirten).

Darunter als Altarblatt ein 132 x 78 cm großes Ölgemälde, das den Kindermord von Bethlehem durch Herodes darstellt (beide 1720).


Kanzel

An der Südwand ist die grau und rot marmorierte Kanzel angebracht. Der Zugang liegt neben dem eigentlichen Kanzelkorb, dessen Brüstung dadurch an Länge gewinnt. Die Brüstung ist mit fünf gedrehten Säulchen versehen, die vier Bilder umrahmen.

Am Kanzelkorb sind in Kartuschen die Bilder der vier lateinischen Kirchenlehrer gemalt: Hieronymus (mit Löwe), Augustinus (mit brennendem Herzen), Papst Gregor der Große und Ambrosius (mit Bienenstock).
An der Rückwand ein Bild von Jesus Christus mit einem offenen Buch, in dem er den Betrachtern die Buchstaben Alpha und Omega zeigt. Die Kanzel ist mit einem Schalldeckel versehen, an dessen Unterseite ein Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz befestigt ist.
Zwischen Ziervasen sitzt ein Posaune spielender Engel. Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Der Posaunenengel ist auch Zeichen für das jüngste Gericht.Der Engel bläst nicht zu den Kirchenbesuchern, sondern in Richtung Altarraum, also nach Osten. Aus dieser Richtung wird Christus am Weltenende erwartet.

Hinweise: Die beiden Buchstaben Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagen wird und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.
Die Darstellung der vier lateinischen Kirchenväter an den Kanzeln sollte im Sinne der "Gegenreformation" die Kontinuität der Tradition, auf die sich die katholische Kirche zusätzlich zur Bibel beruft, unterstreichen.
   
KreuzwegbilderDevotioFortitudoDeckengemälde Tod des hl.MartinKreuzwegbilderBeichstuhlOpferstockOrgel
Vergrößerung von 7 Details (Deckengemälde, Kreuzwegbilder,
Beichtstuhl, Opferstock, Orgel) per Mouseklick

Kreuzigungsgruppen

Gegenüber der Kanzel an der Nordwand hängt das sog. Kanzelkreuz mit dem Corpus des toten Christus, der sein Haupt neigt. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist.

Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt:"Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
An der Südseite ist eine kleine barocke Kreuzigungsgruppe mit Kruzifix, Maria und Johannes und einer Inschriftentafel "Es ist vollbracht" befestigt.

Kreuzwegbilder
Im hinteren Bereich hängen die Kreuzwegbilder.Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Apostelleuchter
An den Wänden des Kirchenschiffs sind die kunstvollen Apostelleuchter vor den gemalten Apostelkreuzen befestigt. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind.


Figuren

Im Kirchenschiff stehen auf Konsolen eine Josefsfigur mit Beil und Hobel (südlich, um 1920)
und
eine Muttergottesstatue - Maria mit Krone auf dem Haupt und Szepter in der rechten Hand. Auf dem Handteller der linken Hand sitzt das segnende Jesuskind (nördlich, um 1680).


Die Kirchenbänke (13 Reihen links und 12 Reihen rechts) wurden in neuerer Zeit gefertigt.

Beichtstuhl
 

Auf der Nordseite steht unter der Treppe zur Empore ein geschlossener dreiteiliger Beichtstuhl.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


Opferstock

In unmittelbarer Nähe wird an einem hölzernen Opferstock um Gaben für die Kirchenrenovierung gebeten.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Empore und Orgel

Die Empore ist im Zuge der Kirchenerweiterung von 1927 entstanden: zwei Holzsäulen, rückwärtiger Treppenaufgang, Brüstung mit Holzkassetten, an der Emporenunterseite expressionistischer Rippendekor. An der Westseite hängt in einer Wandnische ein Kruzifix aus neuerer Zeit.

Auf der Empore steht ein dreiteiliger Orgelprospekt in neubarockem Stil mit seitlich erhöhten Teilen. Das Holz ist rot und grau marmoriert. Der Spieltisch steht nicht vor der Orgel, sondern an der Nordwand.
Die Orgel mit 11 Registern wurde um 1980 von der Fa. Offner aus Kissing erbaut (Kosten 48.000 DM) und ersetzte eine 1929 von Leopold  Nenninger erbaute Orgel mit einem Manual und fünf Registern. Der Orgelbauer Offner hat auch die Orgel in den Kirchen von Egenburg, Gumpersdorf, Hilgertshausen und Hohenzell gebaut, sowie die Orgel in Arnzell restauriert.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
H. Carl Roth, Örtlichkeiten des Bissthums Freising aus Kozrohs Handschrift in ganzen Sätzen ausgehoben, München 1856/57
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.324, 605, 692, 1239)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Infomaterial von Herrn Metzger aus Egenburg (1975)
Dachauer Nachrichten vom 13./14.11.1982
Dr.Wilhelm Liebhart, Klosterbesitz von St.Ulrich und Afra in Pfaffenhofen a.d.Glonn, Amperland 1983/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992 (Urkunde 814)
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
Dachauer Nachrichten vom 16.11.2004, v. 2.11.2011 (Renovierung 2011)
Katharina Axtner 2008 (Urkunde 814)
33 Bilder: Hans Schertl (2002,2003)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

31.3.2011

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Wechsel des Pfarrsitzes
von Unterumbach nach Pfaffenhofen
  Erste Nennungvon Umbach im Jahr 814
Urkunde Nr. 324

 


Die Schenkung des Priesters Freido zu Ominpach
Übersetzt von Dr. Walter Kick, Dachau

Dum et omnibus non habetur incognitum, qualiter ego Freido presbiter tradidi propriam hereditatem meam in loco Ominpach ad domum sanctae Mariae in loco Frigisinga, hoc est ecclesiam cum domo vel omnia quicquid ad ipsam ecclesiam legibus pertinebat, ego enim Freido presbiter eo modo hanc traditionem feci. Contigit autem mihi, ut ego valida infìrmitate depressus vocavi ad me proximos et vicinos meos quorum nomina Hadolt, Adalleoz, Kysalrih, Cunzo, Ekkyhart, Kerhart, Ermanrih,

et in manus illorum totam dictam rem meam per uuadium posui, si ego Freido in ipsa infìrmitate defunctus fuissem, ut ipsi perfecissent traditionem, quam ego ante dispositum vel cogitatum habui; hoc autem cum eis firmiter condixi et in illorum potestate indubitanter constitui. Hoc peractum praevalente infìrmitate et die exitus animae illius adpropinquante defunctus est Freido presbiter ipsique supradicti aliquantum tempus detardaverunt hoc agere quod Freidóni presbitero promiserunt.

Veniens enim Hadolt advocatus Freidóni presbiteri et narravit Hittoni episcopo omnia sicut actum erat. Ipseque episcopus veniens in concilium Engilharti comitis et interpellabat eos de ipsa ecclesia quam Freido domui sanctae Mariae traditit per manus illorum.

Ipsique confitentes verum esse venerunt ad Frigisinga et perfecerunt, sicut eis iniunxit Freido presbiter et confirmaverunt traditionem eius in altare sanctae Mariae in praesentia virorum quorum nomina Ratolf clericus. Uuenilo. Hadurih. Adalperth. Perakis. Actum est haec die consule quod facit XIIII kal. octubris anno primo Hludouuici imperatoris indictione VII. Ego Tagabertus diaconus scripsi iussione Hittonis episcopi TRADITIO.

Alle mögen es auch wahrgenommen haben, wie ich, der Priester Freido, meinen eigenen Erbbesitz in der Ortschaft Ominpach an das Haus der Heiligen Maria im Orte Freising übergeben habe, nämlich die Kirche mit Haus und auch alles, was gesetzmäßig zur Kirche selbst gehört; ich also, der Priester Freido, habe dergestalt diese Schenkung gemacht. Es hat mich nämlich betroffen gemacht, daß ich von einer heftigen Krankheit danieder gedrückt zu mir meine Nächsten und Nachbarn gerufen habe. Ihre Namen waren Hadolt, Adalleoz, Kysalrih, Cunzo, Ekkyhart, Kerhart, Ermanrih.


Alles, was ich in dieser meiner Angelegenheit schon gesagt habe, habe ich in ihre Hände gelegt zur gerichtlichen Ausführung, wenn ich Freido in nämlicher Krankheit verstürbe, daß sie selber die Schenkung durchführten, die ich vorher schon geplant und vorbereitet habe. Dies habe ich mit ihnen als dauerhaft verabredet und zweifelsfrei in ihre Vollmacht gegeben. So ist es dann auch geschehen: als sich der Gesundheitszustand verschlechterte und der Tag seines Lebensendes nahte, verstarb der Priester Freido. Die Obengenannten aber ließen allzuviel Zeit verstreichen, um so zu handeln, wie sie dem Priester Freido versprochen hatten.

Da wandte sich der Sachverwalter des Priesters Freido an den Bischof Hitto und erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. Der Bischof selber wandte sich an seinen Vogt Engilhart, um sich mit ihm zu beraten und um ihre Einwände zu prüfen hinsichtlich dieser Kirche, die Freido dem Haus der Heiligen Maria übergeben hatte durch ihre Hand (d.h. der obengenannten).
Da kamen sie selber nach Freising und bestätigten, es sei wahr, und vollendeten, wie es ihnen der Priester Freido auferlegt hatte und sie bekräftigten seine Schenkung an den Altar der Heiligen Maria in Gegenwart der Männer, die heißen: der Geistliche Ratolf, Uuenilo. Hadurih. Adalperth. Perakis. Vollzogen wurde dies unter dem Datum vom 14. Tag vor den Kalenden des Oktober, im ersten Regierungsjahr des Kaisers Ludwig, im siebten Römerzinszahljahr. Ich, der Diakon Tagabertus, schrieb im Auftrag des Bischofs Hitto die Schenkung (surkunde)..

Unter- oder Oberumbach?
Zum Zeitpunkt der Schenkung wurde noch nicht unterschieden zwischen Ober- und Unterumbach. Wie soll man sich nun erklären, welcher von den beiden Orten gemeint war? Nach einer Hypothese von Anton Haschner waren um 700 – 800 Siedlungen und Kirchen getrennt: es gab also den Ort Ominpach (Umbach), dessen damals noch hölzerne Kirche etwa 1 km flußabwärts erbaut war. Als der Platz bei der Kirche später auch besiedelt wurde, gab es Probleme der Unterscheidung und richtigen Zuweisung. Da die erste Siedlung flußaufwärts liegt, erhielt sie den Beinamen Ober- (umbach) und die ehemalige Kirchenstelle den Zusatz Unter- (umbach). Gewiß war die Kirche Freidos in Unterumbach und daß sein Wohnhaus neben der Kirche lag, ist wahrscheinlich, da die wörtliche Übersetzung lautet „Kirche mit Haus“. Unterumbach wird auch von C. Roth und E. Wallner favorisiert. Wir müssen davon ausgehen, daß Freido ein Bauernhaus neben der Kirche besaß im Sinne dessen, was später als Widum bezeichnet wird, oder noch moderner ausgedrückt: ein Ökonomiepfarrsitz. Wo aber hatte Freido dann seine „Nachbarn“? Hatten auch sie bereits ein Haus im Bereich der Kirche oder waren es Ortsnachbarn in Oberumbach oder gar in Odelzhausen, weil in einer weiteren Urkunde (Bitterauf Nr. 327) hingewiesen wird auf seine zusätzlichen dortigen Besitzungen. Im Endeffekt läßt sich sein Wohnort nicht hundertprozentig festlegen, die Kirche ist aber mit großer Sicherheit in Unterumbach anzunehmen.

Dr.Walter Kick, Dachau