zur
Landkreiskarte
ausführl.Beschreibg Kirchen
i.d.Marktgem. Altomünster
![]()
Filialkirche Mariä Himmelfahrt in OBERZEITLBACH
|
|
Kurzbeschreibung Zeitlbach wurde als "Zidalpah" ( "Bach
als Tränke wilder Waldbienen") schon 772 urkundlich erwähnt.
Am 26. September 812 schenkte eine Frau namens Hiltimeri de Zidalpach
ihren Besitz in Zeitlbach dem Freisinger Bischof. Von zwei getrennten
Ortschaften Ober- und Unterzeitlbach ist aber erst 500 Jahre später,
um 1260 die Rede.
1947/1948 wurde das Kirchenschiff um vier Meter nach Westen erweitert. |
|
Inneneinrichtung
Assistenzfiguren am Altar sind der hl. Josef mit der Lilie und einem Zimmermannswinkel in der Hand (links) sowie der hl. Joachim, der Vater Marias, mit Buch und Schäferschaufel. Die
beiden Seitenaltäre sind dem hl. Gallus Das Deckengemälde stellt Christus dar, der mit dem Kreuz in seinen Händen über dem Dorf Oberzeitlbach auf Wolken schwebt und es segnet. Weitere Heiligenfiguren und Bilder in der Kirche stellen St.Rochus, Magdalena, SS.Alto und Birgitta, St.Sebastian und St.Leonhard dar.
Gottesdienstzeiten finden Sie hier... |
![]() Vergrößerung von 15 Details (Altäre, Figuren, Decke) per Mouseklick |
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
Zeitlbach wurde als "Zidalpah" ( "Bach als Tränke wilder Waldbienen") schon 772 urkundlich erwähnt. Am 8.September übergaben ein gewisser Helzuni und sein Sohn Silvester ihr Eigentum in Oberzeitlbach dem Freisinger Dom. Am 26. September 812 schenkte eine Frau namens Hiltimeri de Zidalpach ihren Besitz in Zeitlbach dem Freisinger Bischof. Von zwei getrennten Ortschaften Ober- und Unterzeitlbach ist aber erst 500 Jahre später, um 1260 die Rede.
Die der Muttergottes geweihte Filialkirche Oberzeitlbach (zu der die Siedlungen Oberndorf, Plixenried, Radenzhofen, Röckersberg und Ubelmanna gehören), liegt am Ortsrand inmitten eines ummauerten Friedhofs. Sie ist seit jeher eine Filiale der Pfarrei Altomünster. Patroziniumstag wird an Mariä Himmelfahrt, am 15.August gefeiert.
Wie bei so vielen Kirchen im Dachauer Land stammt der außen mit hohen Strebepfeilern verstärkte Chor noch aus dem 15. Jahrhundert. Das Langhaus wurde 1613 errichtet, wie die Jahreszahl in der Inschriftenkartusche über dem Chorbogen zeigt, und um das Jahr 1730 umgestaltet.
Altarweihe
1707
Der 20. Juli 1707 war ein
großer Feiertag für die Filialkirchengemeinde Oberzeitlbach. An diesem
Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte zwei
Altäre in der Kirche. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass
die Altäre erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären.
Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg -
die Altäre von Soldaten entweiht und in den Jahren danach wieder hergestellt
worden sind. Doch ab 1652 saßen nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher
Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem
Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs
nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die
Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof
an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchenweihen und ohne
Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum
von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste
Dörfer seines Bistums. Die Weihe der Altäre am 20.7. in Oberzeitlbach
war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom
19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach,Kleinberghofen,
Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenzholzhausen
und Welshofen führte. Dabei weihte er die Kirche in Westerholzhausen sowie
in den anderen Kirchen 24 Altäre und spendete fünfmal die Firmung
(an 416 Firmlinge).
Um 1755 wurden die zweigeschossige Sakristei mit abgeschlepptem Pultdach (mit dem Dach der Kirche verbunden) angebaut, das Kirchendach mit Ziegeln gedeckt und der Eingang von der Nord- auf die Westseite verlegt.
1864 erfolgte eine Renovierung. Dem Turm wurde an Stelle seiner Barockzwiebel ein der Gotik nachempfundener Spitzhelm aufgesetzt und unter der Traufe ein Fries angebracht.
Beschreibung 1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über
die Pfarrei Altomünster auch die Kirche von Oberzeitlbach enthalten. Zu
ihr gehörten 129 Dorfbewohner (Seelen), die in 21 Häusern wohnten.
Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt
1864. Presbyterium gothisch, Schiff mit Flachdecke. Geräumigkeit für
die Filialisten zureichend. Baupflicht das Staatsärar. Spitzthurm mit 3
Glocken, gegossen von Ignaz Böck 1844 und Joseph Schmidt 1874 in Augsburg.
Consecrirt (=geweiht) am 16.Okt.1613. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern.
Gottesdienste: an allen Sonn- und Festtagen. Stiftungen 5 Jahrtage, 1 Jahrmesse.
Den Meßner- und Cantorendienst versieht ein eigens aufgestellter Meßner.
Kirchenvermögen: 3300 Mark.
1947/1948 wurde das Kirchenschiff
um vier Meter nach Westen erweitert.
Baubeschreibung
Das Kirchenschiff besitzt nun drei Achsen (Joche). Der Chor ist etwas eingezogen; er wird durch bis zur Traufe hochgezogene, geknickte Strebepfeiler ohne Abtreppung gestützt.
Epitaphe| An der nordwestlichen Außenwand ist ein Epitaph für den ehem. Oberlehrer Wilhelm Thoma (Lehrer von 1906-1935) und seine Frau Käthi eingelassen | Ein
weiteres Epitaph ist dem "ehrengeachtete Herrn Mathias Ernst, Bedienter des k.k. Staats gewidmet, der am 22.Jänner 1867 im 37.Lebensjahr gestorben ist. |
An der Nordseite ist ein schlanker Turm angebaut. Er besitzt im unteren Teil einen quadratischen Grundriss, der etwa in Traufhöhe in einen achtseitigen Aufsatz übergeht. Bedeckt ist er seit 1864 mit einem achteckigen Spitzhelm; vorher bildete eine Zwiebel den oberen Abschluss. In der Glockenstube mit den vier spitzbogigen Schalllöchern hängen drei Glocken aus dem 20.Jh.
Inneneinrichtung
Der eingezogene Altarraum schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit einem Gewölbe überzogen, mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern.
| An den Chorwänden wurden bei der Renovierung alte Fresken entdeckt. Sie sind jedenfalls älter als die Fenster, weil mit den Fenstern ein Teil der Fresken herausgebrochen wurden. Die etwas unbeholfen und grob ausgeführten Wandmalereien dürften in der Zeit um 1780/1800 entstanden sein. | Sie zeigen Szenen aus dem Marienleben: An der Nordwand die Beschneidung Jesu im Tempel sowie Mariä Heimsuchung, den Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth. An der Südwand sind Mariä Himmelfahrt und ein weiteres Gemälde (Mariä Tempelgang) zu sehen. | |||
| Hinweis: Das Fest "Mariä Tempelgang" (auch als "Mariä Opferung" oder "Unserer Lieben Frauen in Jerusalem" bekannt) erinnert an die Legende, nach der Maria im Alter von drei Jahren von ihren Eltern in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde, damit sie unter den Tempeljungfrauen erzogen werde (Fest am 21.November). |
Die Decke im Altarraum ist reich stuckiert. Der um das Jahr 1900 tätige Künstler ist nicht bekannt. Der Stuck wurde im Stil und in der Form der Zeit um 1720 (Akanthusformen, Kartuschenrahmungen, Bandlwerk) angebracht. Im Chorscheitel sind drei Cheruben im Strahlenkranz zu sehen.
Der prächtige Rokokoaltar besitzt einen 2,70 m breiten und raumhohen Säulenaufbau. Er ist rot-grau marmoriert. Zwei Säulen und zwei Pilaster umgeben eine große Nische, die von einem Baldachin im Aufsatz überdeckt wird. Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt. Neben dem Baldachin sitzen Engel auf den Voluten (1730/40).| Der Choraltar ist der Muttergottes, der Kirchenpatronin, geweiht. Mittelpunkt ist eine Skulpturengruppe, die die "Krönung Mariens" darstellt. Gott Vater (rechts) und Jesus (links) halten über Maria die himmlische Krone, während der Heilige Geist in Form einer Taube im Strahlenkranz darüber schwebt. | Zwei Leuchterengel mit füllhornartigen Kerzenleuchtern (17.Jh) schweben neben der Gruppe. Die Marienfigur wurde um 1910, die Figuren der Dreifaltigkeit sind fast 200 Jahre älter (um 1730 ). |
|
Assistenzfiguren am Altar sind der hl.
Josef mit der Lilie (oder dem blühenden Aaronstab) und einem
Zimmermannswinkel in der Hand (links) sowie St.Joachim
mit Buch und Schäferschaufel. Beide Figuren wurden um das Jahr
1730 geschnitzt. |
| Der hohe, neubarocke Tabernakel ist aus Holz gearbeitet und marmoriert. Die geschwungene Türe besitzt eine vergoldete Füllung mit dem Jesuszeichen "IHS" im Strahlenkranz, umgeben von vergoldeten Voluten mit Blattranken. |
Der Aufsatz des Tabernakels hat die Form einer halbrunden Nische mit Baldachindach. Dort steht das Altarkreuz steht, umringt von mehreren Engelsfiguren im barocken Stil (20.Jh). |
| Hinweis: IHS das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden. |
|
Hinweis: Rochus (1295-1327), ein Franziskanermönch begab sich
auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken.
Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel), zog sich in eine
Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm
Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen
Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. |
| Ende des 20.Jh. erhielt die
Kirche einen neuen Zelebrationsaltar
(Volksaltar), der in Form und Farbe den übrigen barocken Altären
angepasst ist. Er ist/war blau-rot marmoriert mit einer Kartusche im goldenen
Rahmen auf der Vorderseite. Auf dem Gesamtbild des Inneren oben ist ein anderer/neuer (?) Volksaltar zu sehen. Leider ist mir dazu nichts bekannt. |
| Der halbrunde Chorbogen ist an der Innenseite und an der Langhausseite mit reichem Akanthusstuck verziert. |
|
Eine Kartusche enthält den Text: Anno Domini MDCXIII (1613). Das Jahr dürfte den Zeitpunkt des Langhausbaues benennen. |
| Am Chorbogen stehen auf Podesten die Statuen der Madonna (nördlich) sowie von Maria Magdalena mit Totenkopf in den Händen und zu sehen. Maria tritt als neue Eva mit dem Fuß auf den Kopf der die Weltkugel umschlingenden, das Böse verkörpernden Schlange. Magdalena, die legendäre Büßerin, wird in der Kunst durch die Attribute Kreuz und Totenschädel dargestellt. Der Totenkopf ist Symbol für die Vergänglichkeit des Irdischen, vom dem sich der Büßende abwenden soll. Das Kreuz, weil Magdalena bei der Kreuzigung anwesend war. |
Die
Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass
die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das
die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals
rettet.
| Die flache Langhausdecke über umlaufenden Gesims ist mit mehreren Gemälden geschmückt, die von reichen Stuckverzierungen umrahmt werden. | Das Hauptgemälde stellt Christus dar, der mit dem Kreuz in seinen Händen über dem Dorf Oberzeitlbach auf Wolken schwebt. Die Gemälde wurden um 1910 geschaffen. |
Die beiden Seitenaltäre haben einfachere Säulenaufbauten. Sie sind -wie der Hochaltar- rot weiß marmoriert. Im Zentrum jeweils eine große, im oberen Teil mit einer vergoldeten Muschelverzierung verkleidete Nische. Die Kartuschen über den Nischen sind leer.
Linker Seitenaltar
|
Gallus
(550-640) zog über Frankreich nach Alemannien. Er zerstörte
in der Schweiz heidnische Stätten und lehrte das Christentum. Er
gründete in Steinach ein Bethaus, aus dem später (710) das Kloster
Gallen entstand.
|
Nach der Legende kam auf einer Wanderung in der Nacht ein Bär und machte sich über die Reste des Abendessens her. Gallus befahl ihm, zur Strafe Holz für Feuer und den Bau einer Zelle herbeizuschaffen. Er werde dann alle Tage Brot erhalten, müsse aber auch alle anderen wilden Tiere abwehren. |
|
Im Altarauszug des linken Seitenaltars
ist in einem hochovalen Bild (Öl auf Leinwandbild) St.Alto
mit Kelch, über dem Christus schwebt, dargestellt. Das Gemälde
stammt aus der 1.Hälfte des 18.Jh. Auf dem Bild sind im Hintergrund
Vögel zu sehen. Sie verweisen auf die Legende, nach der Vögel
dem Heiligen in Altomünster bei der Rodung des Waldes für einen
Kapellenbau geholfen haben, indem sie Äste und Zweige mit den Schnäbeln
weggetragen haben. |
| Auf dem Altartisch stehen Reliquienschreine in Pyramidenform aus versilbertem Messing. Sie enthalten u.a. mit Perlen und Goldlahn gefasste Reliquien und gemalte Miniaturen. | In einem Schrein ist die hl.Birgitta mit Schreibfeder zu sehen. Auf den Cedulae, den Pergamentstreifen mit den Namen der Reliquien, sind vermerkt: "St.Perpetuae, St.Bonifici M., St.Theordorae M., St.Incognito M., Tisch S.Birgittae". |
Rechter Seitenaltar
| Hinweis: Die Darstellung der
7 Schmerzen Mariens geht ebenfalls auf das Simeonwort bei der Darstellung
im Tempel zurück, auch wenn dort von keiner Zahl gesprochen wird. Es
sind dies 1.die Darstellung im Tempel 2. die Flucht nach Ägypten 3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel 4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg 5. die Kreuzigung 6. die Kreuzabnahme und 7. die Grablegung Jesu. Wenn Sie mehr über die historischen Wurzeln der 7 Schmerzen Mariens erfahren wollen, klicken Sie hier.... |
|
Im Altarauszug des rechten Seitenaltars ist in einem hochovalen Bild (Öl auf Leinwandbild) St.Birgitta, die Gründerin des Birgittenordens dargestellt. Das Bild stammt aus der 1.Hälfte des 18.Jh. und wurde -wie auch sein Pendant auf dem linken Altar- im Jahr 2011 restauriert. Den früheren Zustand sehen Sie rechts. |
|
Im linken Reliquiar: Im rechten Reliquiar: |
![]() |
oben: "wo das Ecce homo, von perg syon,
von Oelperg, wo Christus gebettet.",
Mitte: "S.Deusdetit M.,S.Benedicta M.,S.Coronata M.,S.Clarus M., S.Bonosa
M., S.Diodora M.,S.Christiana M.,S.Caelestina M."
unten: "wo S.Petrus geweiht, wo die himmelfahrt Christi, von haus DAVID"
Interessant ist, dass die
Reliquienkästchen durch das bischöfliche Ordinariat
offiziell versiegelt werden mussten, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.
|
|
|
|
An der Nordwand des Langhauses, zwischen Kanzel und Empore, steht auf einem Postament noch eine große Herz-Jesu-Figur aus dem Jahr 1910. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765. |
| Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. |
|
|
Hinweis:Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. |
| Wie in den meisten Kirchen
hängt der Kanzel gegenüber das sog. Kanzelkreuz
mit darunter stehender Figur der Schmerzhaften Muttergottes (Mater
dolorosa) mit einem Schwert in der Brust. Beide Figuren wurden
um 1700 geschnitzt. Hinweis:Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, |
| sondern
den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". |
| Vor allem im hinteren Bereich
des Kirchenschiffs hängen die 14 Stationsbilder des Kreuzwegs.
Es sind 35 x 45 cm große geschnitzte Holzreliefs mit polychromer (mehrfarbiger)
Fassung. Eingerahmt werden sie durch Akanthuskartuschen mit Stationsbezeichnungen
als Aufsatz. Die Reliefbilder stammen aus der Zeit um 1700. Auf der Rückseite der 14.Station ist zu lesen, dass der Kreuzweg 1914 angekauft und vom Maler Michael Gottschalk aus Altomünster renoviert wurde. |
| Zwischen den Kreuzwegbildern sind die Apostelkreuze als Fresko an die Wand gemalt. Die acht Kreuzbalken sind wie Zungen geformt. Die daran befestigten Apostelleuchter sind aus Schmiedeeisen. | Hinweis: Die Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. |
| Die tiefe Empore steht auf vier
Holzstützen. Die heutige Größe ist wohl durch die Verlängerung
im Jahre 1864 entstanden. Die konvex ausschwingende Emporenbrüstung ist
verputzt. Dort sind Wandmalereien zu sehen: |
Im großen
Mittelbild wird die Kirche von Oberzeitlbach noch mit Zwiebelturm
dargestellt. Darüber schweben die Dreifaltigkeit und -etwas unterhalb-
die Muttergottes. |
|
Disposition
der Siemann-Orgel von 1917(nach Brenninger): |
| Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
Hans Schertl
![]()
Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.48, 1202)
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Klaus Kiermeier, Dachauer Land, Die Landschaft in den Jahreszeiten, 1982
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe
1707)
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising,
1990
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Dr.Wolf-Arnim Frhr.v.Reitzenstein, Miszelle zur Namenskunde, Amperland 2003/1
Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
39 Bilder: Hans Schertl
|
|
26.9.2011