zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibung      Pfarrei Giebing

Filialkirche St.Johannes d.Täufer in Kammerberg


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Kurzbeschreibung

Kammerberg liegt zwischen Fahrenzhausen und Petershausen. Es gehört noch zum Landkreis Freising. Die Pfarrkirche Giebing, 1 km von Kammerberg entfernt, liegt aber schon im Landkreis Dachau.

Kammerberg hatte schon im Jahr 1315 eine Kirche. Sie wird in der Konradinischen Matrikel als Filiale von Vierkirchen erwähnt. Im Jahr 1885 wurde eine um das Jahr 1610 errichtete Kirche abgerissen und bis 1890 an ihrer Stelle der heutige Bau erstellt.
Das Kirchenschiff wurde 1902 nach Westen verlängert.


Barockengel am Tabernakel

Die heutige Kirche wurde im damals modernen Stil des Historismus erbaut. Der lehnt sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen. Hier in Kammerberg dominiert der neuromanische Stil. Seit 1804 ist Kammerberg Filiale von Giebing. Damals wurde das vorher zur Pfarrei Vierkirchen gehörige Giebing eine eigene Pfarrei und erhielt die Kirchen von Kammerberg und Viehbach als Filialen. Seit 1990 bilden Giebing, Jarzt und Weng einen Pfarrverband.

Innenausstattung

Auch das Innere der Kirche wurde beim Neubau 1890 konsequent im Stil des Historismus ausgestattet.

Die Kirche ist ein rechteckiger Saalbau mit fünf Fensterachsen. Der Altarraum ist nicht eingezogen und schließt gerade. Das Gotteshaus hat eine bemalte Flachdecke mit einer Hohlkehle zwischen Wand u. Decke.

Im dreiteiligen Altar werden in der Mittelnische der Kirchenpatron St.Johannes d.Täufer, in den Seitennischen St.Petrus und St.Paulus dargestellt.

Ein Oratorium an der rechten Seite, mehrere Epitaphe an der Wand und eine Gruft unter dem der Empore erinnern an die engen Verbindungen zu den früheren Schlossherren.

Große Kreuzwegbilder und eine Vielzahl von Heiligenfiguren vorwiegend aus dem 19.und 20.Jh prägen das Erscheinungsbild.

KIrchenbänkeApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegKreuzwegKreuzwegMater dolorosaAltarraumTabernakelAntependium des HochaltarsGottvaterbildZelebrationsaltarDeckel im LanghausDeckengemälde im LanghausTabernakel am linken SeitenaltarKruzifix KirchenbänkeSt.PetrusApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderSt.Johannes Bapt.DeckengemäldeKruzifixMater dolorosaSt.PaulusTabernakelKirchenbänkevier HeiligenfigurenFranziskusbildOratoriumVortragekreuzJesus am ÖlbergZelebrationsaltarMuttergottesfigurÖlbergjesus
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Im Chor hängt Ölgemälde aus dem 17.Jh., das noch aus der früheren Kirche stammt. Es zeigt die Stigmatisierung des hl. Franziskus.

Fünf Kirchenfenster und drei Sakristeifenster enthalten Glasgemälde von Bockhorni (1890) Der um 1980 aufgestellte Zelebrationsaltar besteht aus einem hellen Marmorblock, der auf einer kreuzförmigem Konsole ruht


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Matrikel 1740 Beschreibung 1874
  Neue Kirche 1610 Neubau 1885 Schlosskapelle  
Einrichtung: Apostelleuchter

Baubeschreibung

Bild im Chor Choraltar Deckenfresken
  Empore Epitaphe innen Epitaphe außen Ewig-Licht-Ampel Fenstergemälde
  Gruft Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg
  Krippe Mater dolorosa Orgel Oratorium Sakristei
  Schlosskapelle Tabernakel Turm Vortragekreuze Zelebrationsaltar

Der Ort Kammerberg wird urkundlich erstmals um das Jahr 1080 als Chamerperig erwähnt. Ein Herzog zu Ingolstadt soll den Ort seinem Hofjunker Cammerberger" geschenkt haben. Dies blieb so bis 1452, bis Cammerberg an die Familie der Freiyberg und später an die Freiherrn vo Pürching und Günther von Pünau kam. Unter ihm brannte das Schloss ab. 1609 wurde er es an Freiherrn Franz Füll von Windach, 1814 an den Posthalter Karl Paur und später an den Freiherrn von Vequel verkauft.
Nach Bitterauf soll der in der Freisinger Urkunde Nr. 1382 genannt Ort Perga mit Kammerberg identisch sein. Damals vertauschte Bischof Egilbert mit dem Edlen Wolftregil Besitz zu Schönbrunn (Prunna) gegen andere in Hohenkammer (Chamara) und Kammerberg (Perga).

Diese Urkunde wurde in der Zeit zwischen 1006 und 1039 ausgestellt. Das genaue Datum geht aus der Urkunde nicht hervor, weil ab dem 9.Jh. die auf römischen Brauch zurückgehende Form der Urkunde mit Eingangsformel vereinfacht wurde. Nach römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine ausführliche Darstellung des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh. begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer Aufzählung der Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund für die Vereinfachung war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Eine weitere zeitliche Begrenzung ist nur möglich, wenn man zusätzlich Lebensdaten von Zeugen kennt (z.B. Todesjahr eines Zeugen).

Geschichte der Kirche

Matrikel 1315
Wann die erste Kirche errichtet wurde, ist ungewiss: Schriftlich ist das Gotteshaus erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Filiale von Vierkirchen erwähnt ("Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis. Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis"). Kammerberg hatte somit einen Friedhof, Giebing noch nicht. Ein Friedhof ließ auf eine hohe Bedeutung der Kirche schließen.

Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 wird Kammerberg (Camerberg) mit dem Johannespatrozinium genannt.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer undGläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.


Auszug aus dem Visitationsbericht S.289
"Kamerberg. Patronus Johannes"

Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Joannes Baptista in Chamerberg" erwähnt. Die Kirche hatte ein Sakramentshaus, das "herrlich beschlossen und gar wol beleucht" war. Unter Beleuchtung ist das Ewige Licht zu verstehen. Ein Sakramentshaus war der Hinweis auf die katholische Ausrichtung der Kirchengemeinde. Das Allerheiligste und die heiligen Öle waren liturgisch unrein aufbewahrt ("impure tranctantur"). Taufwasser war nicht vorhanden. An Gerätschaften gab es: 2 Kelche mit Corporale ("hat zwen Kelch, zway Corporal"), eine Monstranz aus Messing ("ain messige Montrantz"), 2 gute Messbücher,ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Psalmenbuch und 4 Messgewänder. Der Bericht endet mit den Worten: "Sonst an allen Dingen nit Mangel".


Auszug aus einer Karte von Philipp Finkh -1655
Kammerberg=Camerperg

Neue Kirche 1610
Nach den Unterlagen wurde in Kammerberg um das Jahr 1610 durch Franz Freiherr von Füll eine neue Kirche errichtet. Diese Kirche dürfte in etwa wohl so ausgesehen haben, wie sie der Hofkupferstecher Michael Wening im Jahr 1700 abgebildet hat (siehe Bild unten).

 

Matrikel 1740
In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikelauch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Joannis Bapt.in Cammerberg" bemerkte er, die Kirche bedürfe der Renovierung. Nach dem Bericht hatte sie damals drei Altäre: Der Hochaltar hatte den hl. Johannes d.Täufer zum Patron. Von den Seitenaltären war einer dem Sterben Christi (Agonizanti Christi), der andere drei Heiligen mit dem Namen Franziskus (Franziskus Seraph v.Assisi, Franz Xaver und Francesco de Paula) geweiht. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag nach Johanni (24.Juni). In der Kirche befand sich auch ein Taufstein. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Vierkirchener Vikar sowie der Hofmarkbesitzer, das war im Jahr 1740 Baron de Füll. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wüßlich".

Kirche um 1700

Teilung der Pfarrei Vierkirchen 1804

Kirche und Schloss Kammerberg 1721
1804 wurde der südliche Teil der Pfarrei Vierkirchen abgetrennt und zur selbstständigen Pfarrei Giebing erhoben. Kammerberg war jetzt neben Viehbach eine Filiale dieser neuen Pfarrei. Schon vorher war es als Filiale ein Teil der Kuratie Giebing.
Bis 1804 hielt der Cooperator von Vierkirchen in Kammerberg abwechselnd mit Giebing jeden 2.Sonntag eine Messe. Als Giebing eigene Pfarrei wurde, hat man die neue Filiale Viehbach in den Turnus einbezogen; deshalb wurde hier nur noch jede 3.Woche ein Sonntagsgottesdienst gehalten. Dies verursachte bei den Kammerbergern große Unzufriedenheit. Deshalb wurden zu deren Beruhigung die Nachmittagspredigten in der Fastenzeit von Giebing nach Kammerberg verlegt.

Beschreibung 1874
Die Kirche in Kammerberg ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es:
"Kammerberg, an der Vicinalstraße (=Landstraße) von Kollbach nach Freising gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Genügende Geräumigkeit. Früher hatte die Kirche einen hübschen Sattelthurm, jetzt aber verunziert sie ein ganz moderner Thurm, vierseitig mit niedrigem Dache; unansehnlich. In selbem sind 3 kleine Glocken. Cons.dub. Patron Hl.Johannes d.Täufer. 3 Altäre; kleine Orgel. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste: Abwechselnd mit Giebing und Viehbach jeden dritten Sonntag, am Patrocinium, Pfingstsonntag, Nachmittag Predigt, Peter und Paulfest. Stiftungen: 5 Jahrtage, 50 Wochenmessen, 1 Predigt, wofür dem Pfarrer an der Gradlwiese bei Kammerberg ein Stück Wiesengrund, der sog.Scheerbuckel überlassen wurde. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer. Kirchen-Vermögen: 11.485 Gulden.
Kammerberg hatte 1874 genau 250 Seelen, die in 45 Häusern wohnten. Es war wie heute die größte Ortschaft der Pfarrei.

Neubau 1885
Die 1610 gebaute Kirche wurde 1885 abgerissen und bis 1890 an ihrer Stelle der heutige Bau erstellt. Die alte Kirche musste wohl schon sehr baufällig gewesen sein, da vom Kirchturm "nur noch ein unansehnlicher Stumpf übrig geblieben" sei. Nach Pfarrer Steinberger hat dieser "mit niederem Dach versehene, äußerst unkirchliche Thurm die ganze Ortschaft verunziert".
In der neuen Kirche hat man 1891 eine Herz-Jesu-Bruderschaft errichtet (bischöfliche Genehmigung v. 12.3.1891, Aggregierung in Rom am 2.3.1891). Wenn Sie mehr über die Statuten dieser Bruderschaft erfahren möchten, klicken Sie hier...

Verlängerung 1902
Das Schiff der neuen Kirche wurde 1902, als man im nahen Giebing die Kirche errichtete, um eine Achse nach Westen verlängert.

Pfarrzugehörigkeit
Seit 1804 ist Kammerberg Filiale der neu gegründeten Pfarrei Giebing. Vorher gehörte es seit mindestens 500 Jahren zur Pfarrei Vierkirchen. In den letzten Jahrzehnten vor Pfarreigründung war Giebing schon eine Kuratie (zumindest der Funktion nach) und Kammerberg gehörte als Filiale dazu. Seit 1990 bilden Giebing, Jarzt und Weng einen Pfarrverband.

Auch im Schloss Kammerberg befand sich früher eine Kapelle.
Sie dürfte von Franz Freiherrn von Füll im Zuge des Schlossneubaus im Jahr 1609 errichtet worden sein. Dort war ab 1693 während der letzten Kartage ein Heiliges Grab aufgestellt. Am Gründonnerstag wurde nach der Messfeier das Allerheiligste in einer Prozession von der Kirche hinüber in die Schlosskapelle getragen, wo es bis Karsamstag blieb.

frühere Schlosskapelle um 1700
Für diese Kapelle waren zwei Wochenmessen gestiftet, die der Kooperator von Giebing hielt. In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 wird erwähnt, dass die Kapelle dem hl.Georg geweiht war. Im Altar war eine Kreuzreliquie "bestattet". Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Baulast trug der Hofmarksherr. Als Giebing 1804 eine eigene Pfarrei wurde, schloss man die Kapelle und brach sie 1808 ab.

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Glockenweihen, Priesterjubiläen, Orgelweihen oder Primizen beschrieben, wie hier auf der Seite für Kammerberg.
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Baubeschreibung

Die 1890 erbaute Kirche liegt am südöstlichen Ortsrand von Kammerberg, inmitten eines ummauerten Friedhofs. Die Kirche wurde im Jahr 1885 im damals modernen Stil des Historismus erbaut. Der lehnt sich in idealisierender Weise an die mittelalterlichen Stile an, an Byzanz, die Romanik, die Gotik und teilweise auch an die Renaissance und den Barock. Aus allen diesen Stilepochen wurden Formenelemente herausgezogen und daraus ein historisierendes Bauwerk geschaffen.
Bei der Kirche in Kammerberg handelt sich um einen rechteckigen Saalbau (einschiffige, im Wesentlichen nur aus einem großen saalähnlichen Raum bestehende Kirche), der von 11 Rundbogenfenstern und 3 Rundfenstern erhellt wird. Die Sakristei mit dem


bis 2008

Oratorium im ersten Stockwerk ist an der Südostseite angebaut. Der Bau ist an den Kanten durch Lisenen farblich gegliedert. Bis 2008 waren sie rot, seither sind sie gelb. Auch der Beginn des Erweiterungsbaus von 1902 ist farblich markiert. Die sonst bei Kirchen schmucklose Westseite wird in Kammerberg durch ein großes Kreuz in der gelben Farbe der Lisenen verziert.

Der schlanke Kirchturm ist an der Ostseite angebaut. Er hat einen quadratischen Grundriss und über den rundbogigen Schallfenstern einen schiefergedeckten Spitzhelm über vier Giebeln. Die alte Turmuhr aus der Erbauungszeit von der Maschinenfabrik Eduard Strobl in Regensburg ist ausgelagert. Wahrscheinlich sind die drei Glocken, die Pfarrer Steinberger in seiner Chronik von 1879 beschreibt, nicht mehr vorhanden. Sie stammten alle aus dem Jahr 1699 und trugen die Aufschrift "Im Jahre 1699 goß mich Johann Baptist Divatz in München". Auf der größeren Glocke war das Füll'sche Wappen, auf der mittleren ein Kreuzigungsbild und auf der kleineren Glocke das der Mater dolorosa zu sehen. Die heutigen Glocken dürften im 20.Jh gegossen worden sein; jedenfalls existieren Fotos von der Weihe von drei Glocken.


ab 2008

Epitaphe an der Außenmauer

 
 
 
Pfarrer Georgius Morz
Pfarrer Max Eberl
Gastwirt Josef Hiller
Anna M.Krause
Josepha Pfab
 
 
gestorben 13.8.1723
Rotmarmor 45 x 34 cm
gestorben 5.4.1790
Kalkstein, 46 x 46 cm
gest. 3.3.1815 Rotmarmor u. Kalkstein 115 x 62 cm
gest. 22.11.1827
Rotmarmor u. Muschelkalk
116 x 78 cm
gest. 3.2.1887
Kalkstein
 


Innenrausstattung

Die Kirche besteht aus einem fünfachsigen, ungegliederten Saalraum.
Der Altarraum ist nicht
eingezogen und nur durch eine Treppenstufe vom Kirchenschiff abgesetzt. Er schließt gerade.
Die Kirche besitzt eine hölzerne Flachdecke, die durch eine Hohlkehle (= rinnenartige Ausformung) mit den Wänden verbunden ist.

Deckenmalerei                        

Die Decke und die Hohlkehle sind mit vierfarbiger Schablonenmalerei (Blattranken) geschmückt und gegliedert. In die vier Felder sind Symbolgemälde eingefügt:

Über dem Altarraum ist ein vierpass-förmiges Medaillon zu sehen, mit dem Lamm Gottes auf dem in der Mitte und den Symbolen der vier Evangelisten in den äußeren Feldern.
Die Darstellung des Lammes auf dem Buch mit den 7 Siegeln greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet
  worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda oder Lamm Gottes genannt wird.
  Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".
Das erste (östlichste) Feld der Langhausdecke enthält ein Rundgemälde. Mehrere Rahmen -einer davon mit Blumenblüten- umgeben das Bildnis des Auge Gottes im Dreieck vor dem Hintergrund von Feuerzungen.

Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz als Bildtypus der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren, also als Person darzustellen. In der Frühzeit des Christentums hat man Gottvater in Form einer Lebensquelle später als Hand aus der Wolke abgebildet. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt.
Im zweiten Feld der Langhausdecke ist ein gleichschenkliges Kreuz vor hellblauem Hintergrund zu sehen, dessen Mitte von einem Strahlenkranz umgeben ist. Die vier Kreuzarme mit Blumenmustern enden in Vierpasskreuzen. Das Bild ist von einem Rahmen umgeben.
In die Mitte des Kreuzes sind die Buchstaben IHS gemalt. Das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Das dritte Feld enthält das Heilig-Geist-Loch. Es ist durch einen Deckel verschlossen, der mit der Heilig-Geist-Taube bemalt ist. Um das Loch herum sind mehrere bemalte Stuckrahmen gelegt.

Das Heilig-Geist-Loch in der Decke dient in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten und an Christi Himmelfahrt wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur herabgelassen. An Christi Himmelfahrt wurde eine Christusfigur hinaufgezogen (derzeit noch in der Nachbarkirche Viehbach üblich).

Das fünfte Feld der Decke über der Empore, das erst 1902 durch den Anbau entstand, ist nicht bemalt.

Choraltar / Hochaltar

Die Kirche hat -neben dem modernen Zelebrationsaltar- nur einen Altar; Seitenaltäre, die wegen der Form der Kirche längs stehen müssten, sind nicht vorhanden. Auch der Choraltar ist ein Werk des Historismus. Sein Aufbau ist mehr im neuromanischen Stil (Rundbögen) gehalten. Der hölzerne Altaraufbau besteht aus drei von Säulen flankierten Nischen, von denen die mittlere etwas höher und breiter ist. Die Nischen sind von einem geschnitzten und vergoldeten Palmettenfries umgeben.

In der Mittelnische ist vor dem Hintergrund einer südländischen Landschaft ein Verwandtschaftstreffen zu beobachten.
In der Mitte steht der Patron der Kirche, Johannes der Täufer im Fellgewand, mit einem Kreuzstab in der Hand.
Links neben ihm steht seine Großtante, die hl.Anna, mit ihrem Enkel, dem kleinen Jesuskind (Cousin von Johannes) an der Hand. Auf der rechten Seite der hl. Josef, der Vater Jesu und ein weiterer Verwandter, bei dem es sich um Joachim, den Mann Annas und Großonkel von Johannes oder um Zacharias, dem Vater des Johannes handeln kann. Darüber schwebt die Mutter Jesu, Maria (die Tante von Johannes), begleitet von sechs Putten im Gewölk.
In den beiden Außennischen stehen Holzfiguren von St.Petrus und St.Paulus (um 1890).
Petrus hält ein Buch und zwei Himmelsschlüssel (einen versilberten und einen vergoldeten), Paulus ein Buch und ein Schwert in den Händen. Hinweise: Das Buch ist das Zeichen für die Verkünder des Glaubens. Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Das Schwert des hl. Paulus erinnert an seine Enthauptung, die der Legende nach im Jahr 67 stattfand.
Das Antependium und die Predella des Choraltars sind mit Ranken- und Maßwerkornamentik in farbiger Schablonenmalerei verziert.

Der Tabernakel hat einen zweigeschossigen Aufbau.
Er wird von einem Spitzgiebel bekrönt.
Zwei Barockengel mit Leuchtern in Form eines Füllhorns umgeben ihn. Die Engel sind älter als der Tabernakel; sie stammen aus der 1.Hälfte des 18.Jh. Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar; sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) eingerahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex,37,7-9).

 

Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes.

Hinter dem Altar führt eine alte, aus Bohlen gezimmerte Türe in das Untergeschoss des Turmes.
An der Türe sind noch die alten Beschläge und das Schloss aus dem 17.Jh montiert, die schon in der 1610 erbauten Vorgängerkirche verwendet wurden.
Bei diesem Schloss ist der Schlossmechanismus in einem unterhalb der Türklinke befindlichen Metallkästchen untergebracht (Kastenschloss).


Vortragekreuze


Seitlich des Choraltars 17.Jh steht ein größeres Vortragekreuz noch aus barocker Zeit (um 1700).
Der Corpus ist blutüberströmt dargestellt.
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschengedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an

  Fronleichnam und beim Ein- und Auszug in und aus der Kirche zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.
An den Kirchenbänken ist ein weiteres Vortragekreuz von 1890 befestigt. Es handelt sich dabei um einen sog. Viernageltypus, d.h., beide Hände und beide Füße sind einzeln angenagelt. Der Corpus hat eine Inkarnatfassung (fleischfarbig).

Sakristei


Die Sakristei ist an der Südseite angebaut. Sie wurde schon im Jahr 1890 mit der Kirche errichtet.

Neben der Türe zwischen Altarraum und Sakristei hängen die Chorglocken, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes anzeigen. Es handelt sich um vier kleine Glocken in kunstvoll geschmiedeten Gitter. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.
Auch in der Sakristei sind Fenster mit Glasgemälden verziert. Sie stammen noch aus der Erbauungszeit. Abgebildet ist im Erdgeschoss eine gotische Monstranz mit Türmchen; sie gleicht der Monstranz, die St.Klara im Glasgemälde im Kirchenschiff in der Hand hält.
Des weiteren dargestellt sind in einem Vierpassrahmen eine betende Muttergottes, im Obergeschoss eine Herz-Jesu-Figur.
Die Fenster sind vom Glasmaler Bockhorni 1890 geschaffen worden.

Im ersten Stock der Sakristei ist das Oratorium untergebracht, dessen Seite zum Kirchenraum hin aus einer Holz-Glas-Konstruktion besteht. Von hier aus hatten die Barone des nahe gelegenen Schlosses einen freien Blick auf den Altar, ohne dass sie von den Gläubigen im Kirchenschiff gesehen werden konnten.


Epitaphe in der Kirche

Die Nordwand des Altarraums enthält eine 170x90 cm große Grabplatte (Epitaph) aus Rotmarmor mit völlig verwitterter oder -falls die Platte früher in den Fußboden eingelassen war- abgeschliffener Inschrift. Hinweise auf das Alter können nur die großen Wappen im unteren Teil geben, von denen eines der Familie Barth gehörte. Der Stein wird auf ein Alter von 400 Jahren geschätzt.

Daneben ist ein 160 x 90 cm große Epitaph aus Rotmarmor für Barbara von Freyberg, geborene von Schaudorf eingelassen. Nach dem teilweise nicht mehr lesbaren Text im Rahmen ist Frau von Freyberg am Freitag nach einem Marienfest (Mariä Himmelfahrt ?) 1520 (?) gestorben. An den vier Ecken des Epitaphs sind Wappenschilde, in der Mitte die Gestalt einer Frau (der Toten?) und einem Kind in Reliefgravur abgebildet. Bei der Reliefgravur wird das die Buchstaben umgebende Material in gleicher Höhe weggestochen. Die Buchstaben sind dadurch erhöht und wirken gleichsam appliziert (aufgesetzt).
An der Westwand ist das über einen Meter hohe und 75 cm breite Epitaph aus hellem Plattenkalk für den Freiherrn Ferdinand von Füll zu sehen, der am 22.August 1772 gestorben ist. Der obere Teil besteht aus der Inschrift "Dominus Providebit" (= der Herr wird vorsorgen) und einem Wappen, das von heraldischen Motiven umgeben ist.
Im unteren Teil ist folgender Text in schwungvoller Zierschrift angebracht:
Allhier Ligt Begraben der Hochwohlgebohrne Herr Donn Ferdinand von Füll, von und zu Windach, Freyherr auf Cammerberg, Grünertshofen, Ereßing und Piflitz, Sr. Churfürstl. durchl.in Bayrn etc. etc. Cammerer und Infanterie Hauptmann. So gestorben den 22.aug Ao 1772".
Am Übergang vom durch eine Stufe erhöhten Altarraum zum Kirchenschiff kniet an der Nordseite die Figur von Jesus am Ölberg, der seinen Vater händeringend bittet, der Kelch möge an ihm vorübergehen (aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe). Jesus ist in ein blaues Gewand gekleidet. Die Figur ist auf einen Sockel mit Ornamenten des Historismus gestellt.
Nach dem Letzten Abendmahl zog sich Jesus mit den Jüngern Johannes, Jakobus d. Ä. und Petrus in den Garten Gethsemani am Abhang des Jerusalem gegenüberliegenden Ölbergs zurück, um zu beten.
Das Thema von Jesus am Ölberg zählt zu den frühen Motiven der christlicher Kunst.

Zelebrationsaltar

Der um 1980 aufgestellte Zelebrationsaltar besteht aus einem hellen Marmorblock,
der auf einer kreuzförmigem Konsole ruht.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ewig-Licht-Ampel

Über dem Zelebrationsaltar hängt die prachtvolle Ewig-Licht-Ampel aus getriebenem Silberblech. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet: Johanniter-Ritterorden hatten das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.

                                                                                        Weihnachtskrippe

In der Weihnachtszeit steht an der Stelle der früheren Kommunionbank vor der Marienfigur auf der rechten Seite eine interessante Krippe. Sie wurde vor rd. 30 Jahren von Kammerberger Schülern unter Anleitung von Frau v.Vequel-Westernach erstellt.

Die Figuren tragen Stoffkleider; die sichtbaren Teile des Körpers, insbesondere die Köpfe und Hände sind aus Wachs modelliert.


Kirchenschiff /Langhaus

Kirchenfenster

Fünf Kirchenfenster enthalten Glasgemälde. Sie wurden von der Münchner Glasmalerfirma Bockhorni im Jahr 1890 angefertigt.

Auf der Nordseite (links) ist im vordersten Fenster ein Bild von Christus, der die Kinder segnet. Es erinnert an die Bibelstellen Mtt, 18,3 oder Lk 18,6: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das Reich Gottes."
Die Inschrift am Fuß des Bildes lautet: Gestiftet von Nikolaus Kollmeier.
 

Auf der Südseite ist im vordersten Fenster ist ein (unbekannter) heiliger Bischof zu sehen, der einen vor ihm knienden Mann die Hand auflegt und ein Kruzifix über ihn hält. Im Hintergrund die Silhouette einer südlichen Stadt.

Das zweite Fenster zeigt die hl.Klara mit Buch und Monstranz.
Die hl.Klara hielt 1241 den anstürmenden Sarazenen die Monstranz in ekstatischem Gebet entgegen, und schlug die davon Erschreckten in die Flucht.
  Im zweiten Fenster erkennt man einen hl. König vor dem Hintergrund einer befestigten Stadt. Er hält einem Wanderstab in der Hand und hat die Augen andächtig zum Himmel erhoben. Wen dieses Bild darstellen soll, ist mir ebenfalls nicht bekannt.

Das dritte Fenster stellt die hl. Elisabeth von Thüringen dar, die einen Bettler segnet. Im Hintergrund die Wartburg. Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg.

  Weitere vier Fenster sind mit einem umlaufenden Band neuromanischer Flechtwerkornamentik verziert.  


Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Nordseite des Langhauses hängt ein großes Kruzifix. Der Corpus ist lebensgroß. Um die Stirn Jesu windet sich die weit herabgezogene Dornenkrone.
  Hinweis: Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30). Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters hat in ihren Offen-barungen geschrieben, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden.

Das Kruzifix ist von zwei etwas ungeholfen wirkenden Anbetungsengeln umgeben.

Unter dem Kreuz steht die Mater dolorosa, die schmerzhafte Muttergottes. Sie hat ihre Arme zum Zeichen der Trauer die Arme über der Brust gekreuzt. In ihrem Herzen steckt ein langes Schwert. Ihr Haupt ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben.
Hinweis: Das Schwert in Marias Brust entspricht dem Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


Heiligenfiguren an den Wänden des Kirchenschiffs

Am Übergang vom Chor zum Kirchenschiff stehen an der rechten Wand vier Figuren auf Konsolen. Sie stammen von den früheren Seitenaltären, die in Längsrichtung an der Nord- und Südwand des Altarraums aufgebaut waren. Da diese Seitenaltäre schlecht einsehbar waren nach dem 2.Weltkrieg dort auch keine Messen mehr gelesen wurden, hat man sie in den 1950er Jahren entfernt.
Die Heiligenfiguren standen auf diesen Seitenaltären. Sie wurden um 1890 geschnitzt und sind polychrom (mehrfarbig) gefasst. Dargestellt sind links der hl.Aloisius mit mit dem Kruzifix in der Hand, zwei weibliche Heilige mit Büchern und den hl.Franz Xaver mit einem flammenden Herzen und einer Lilie.

  Hinweise: Aloisius, Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.
Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag:3.Dezember).

  
Vor den Kirchenbänken auf der rechten Seite ist eine bunt gefasste Muttergottesfigur platziert. Es ist die thronende Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm und mit den königlichen Reichsinsignien geschmückt. Maria trägt eine Krone auf dem Haupt, hält in der rechten Hand ein Szepter und das auf ihrem Schoß sitzende Jesuskind umgreift mit seiner linken Hand den Reichsapfel. Maria trägt ein rotes Kleid und darüber einen zweiteiligen blauen Mantel mit Goldborte.
  Hinweis: Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Gold symbolisiert das Ewige, die himmlische Herkunft, den himmlischen Glanz und höchste Herrlichkeit.
In Nischen an der Wänden des Kirchenschiffs stehen zwei Figuren aus dem 20.Jh.
Links eine unbekannte Nonne mit einem Kruzifix und Rosen im Arm. Wen die rechte schwarz glasierte Tonfigur darstellt, ist bekannt: es ist der Bruder Konrad von Parzham. Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen.

  

Am Nordeingang sind unter der Empore zwei bunt gefasste Schnitzfiguren angebracht, die um 1900 entstanden sind: Links eine Marienfigur mit einer Herzdarstellung an der Brust. Um das Herz ist ein Kranz von Rosen gelegt. Rechts die entsprechende Herzjesu-Figur mit einem Dornenkranz um das Herz.
Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.

An Ostern steht die lebhaft wirkende Figur des Auferstandenen in der Kirche. Er ist in ein rotes Gewand gekleidet und hält die Siegesfahne über den Tod in der rechten Hand. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.
Hinweis: Man nennt diesen Figurentypus auch "Urständ Christi". Er entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

An der Nordwand hängt in Höhe des Übergangs vom Altarraum zum Kirchenschiff ein großes Ölgemälde auf Leinwand. Es hing schon in der früheren Kirche und wurde in der 2.Hälfte des 17.Jh. gemalt. Das Thema des Gemäldes, die Stigmatisierung des hl. Franziskus, findet man in unseren Kirchen eher selten.
Im oberen Bildteil ist Franziskus auf Wolken dargestellt, auf den vom Himmel aus Gnadenstrahlen gerichtet sind. Darunter stehen vor einer südländischen Landschaft die Heiligen Antonius und Ignatius von Loyola und blicken hinauf zu Franziskus.
  Zwei Gnadenstrahlen, ausgehend vom IHS-Zeichen und von einem Herzen, gehen durch Franziskus hindurch zu den beiden unten stehenden Heiligen. Das IHS-Zeichen (für den Namen Jesus) ist Attribut von Ignatius, der eine starke Zuneigung zum Namen Jesu zeigte und die von ihm gegründete Gemeinschaft "Gesellschaft Jesu", Jesuiten nannte. Das flammende Herz, das Attribut des Antonius, weist nicht nur auf seine Liebe zu Gott hin, sondern auch auf die Legende, nach der Antonius einem Geizhals bei der Suche nach seinem Herzen half und es in einer Geldtruhe fand. Antonius war Franziskanermönch. Als solcher ist er auf dem Bild in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.

KreuzwegbilderGlasfensterKirchenbankwangenKreuzwegbilderApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterApostelleuchterKreuzwegbilderKirchenbankwangenHeilig-Geist-LochAbgang zur GruftVortragekreuzSt.KonradNonne mit RosenZelebrationsaltarEmporenbrüstungOrgel
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Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (je 10 Reihen auf beiden Seiten) haben alte Wangen aus Eichenholz. Sie stammen aus der Zeit um 1750/1760 und sind mit geschnitztem Rocaille-Dekor versehen.
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Kreuzwegstationen


Über den gesamten Kirchenraum verteilt hängen die großen Bilder der Kreuzwegstationen an den Wänden. Es handelt sich um Ölbilder auf Leinwand in einem teilweise farbig gefassten Rahmen aus Eichenholz (um 1890). Der erste

Kreuzweg wurde in Kammerberg übrigens durch Pfarrer Gröbmaier um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.

Apostelleuchter


Zwischen den Kreuzwegbildern sind die kunstvoll gestalteten Apostelleuchter aus Messingguss vor den gemalten Apostelkreuzen angebracht. Die Leuchter sind mit Akanthusblättern und Weinreben verziert.
Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

 

Familiengruft

Unter der Emporentreppe liegt der Zugang zur Familiengruft der Barone von Vequel-Westernach zu finden. Hinter einer Gittertüre, die einseitig mit Blech beschlagen ist (in sog. Durchstecktechnik), führen Treppen hinab zur Gruft.

 

Dort sind drei große Muschelkalk-Tumben (Überbau eines Grabes mit Grabplatte) zu sehen. Sie erinnern an Theodor Frhr. von Vequel-Westernach (1888-1916), Richard Frhr. von Vequel-Westernach (1850-1925), und an Adele Frfr.von Vequel-Westernach (1865-1952). Die Barone wohnten im nahe gelegenen, von einer Mauer umgebenen Schloss, das im 16.und 17.Jh ein Wasserschloss gewesen ist. Von der Vierflügelanlage sind noch der Süd- und Westflügel bewahrt. An der Ostseite der Gruft zeigt ein Sandsteinrelief eine Pietà , die Figur von Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß und dazu ein Spruchband: "Ao: 1922 - Gott will es - Selig die Toten die im Herrn sterben; Sie ruhen - aus von ihren Mühsalen".


Hinter den Kirchenbänken trennt ein großes Gitter den Eingangsbereich vom vorderen Kirchenschiff.


Empore und Orgel

Die 1902 nach Westen im Zuge des Anbaus verlängerte Empore ruht auf zwei Gusseisensäulen.

Die Emporenbrüstung ist in 28 Rundbogenfelder aufgeteilt, die mit Schablonenmalerei (hier Blumen) verziert sind.
  
Die Orgel mit ihrem dreiteiligen Prospekt wurde wohl kurz nach dem Neubau um 1900 installiert. Allerdings steht nur noch der Prospekt mit der ersten Reihe Pfeifen; dahinter ist die Orgel leer geräumt.
Der Gesang der Kirchenbesucher wird durch ein Harmonium seitlich an der nördlichen Wand begleitet.

 

Portal

Die Eingangsportal besteht aus einer Doppeltüre, die mit sehr dekorativen Beschlägen versehen sind. Sie dürften aus der Zeit der Verlängerung des Kirchenschiffs (1902) stammen.
 

Hans Schertl


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1382)
Amperbote vom 27.07.1922 (Primiz)
Josef Widemann: Die Traditionen der bayerischen Klöster, 1928, ZBLG 1, S. 225–380 (Einleitungsformeln)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
E. H. GOMBRICH, Ornament u. Kunst, Stuttgart 1982
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Leben in Fahrenzhausen, Bürgerinformationen der Nachbarschaftshilfe, 1999
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann, 2003
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
(Tabernakelengel, Osterfahne)
69 Bilder: Hans Schertl (67), Pfarrei Giebing (1)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

7.6.2010

 

Herz-Jesu-Bruderschaft
in der St.Johann Bapt.Filialkirche Kammerberg, Pfarrei Giebing, Dek.Dachau

Das Hochwürdigste Ordinariat des Erzbistums München-Freising hat unterm 13.Februar 1891 die Herz-Jesu-Bruderschaft in der St.Johann Baptist Filialkirche zu Kammerberg oberhirtlich bestätigt.
Am 2.März 1891 wurde diese Bruderschaft der Erzbruderschaft vom hl.Herzen Jesu in der Kirche vom Frieden im Rom aggregiert.


Urkunde

A.
Oberhirlicher Erlaß

vom 13.Februar 1891

Das Ordinariat des Erzbistums München-Freising gibt hiemit zu vernehmen, was folgt:
Beseelt vom Verlangen, Seelen für Jesus zu gewinnen, hat der Pfarrer von Giebing, Pr.Carl Borromä Hirner die Bitte gestellt, in der Filialkirche zu Kammerberg eine Bruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu zu errichten, die hiefür entworfenen Statuten zu approbieren, dieselben auch der gleichnamigen Erzbruderschaft in der Kirche U.L. Frau vom Frieden in Rom aggregieren zu lassen.
Da die genannte Bruderschaft den vorgelegten Statuten gemäß nichts Anderes bezweckt, als die Gläubigen anzuleiten zur eifrigen und treuen Verehrung des heiligsten Herzens Jesu, und somit ganz geeignet ist, eine Pflanzschule der Anbetung, Liebe und Nachfolge des göttlichen Heilandes zu werden, die Ehre Gottes, die Erhöhung und Ausbreitung der heil.Kirche, sowie das Heil der unsterblichen Seelen zu befördern: so willfahrt das Oberhirtenamt gerne dem gestellten Ansuchen und errichtet anmit kraft spezieller Ermächtigung Seitens des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofes Antonius in der Filialkirche zum hl.Johannes dem Täufer in Kammerberg die Bruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu, approbiert als geistlichen Vorstand derselben den jeweiligen Pfarrer von Giebing zugleich mit dem Rechte, in der Aufnahme von Mitgliedern sich nötigenfalls durch einen anderen Priester nach eigener Wahl vertreten zu lassen, und erteilt endlich die Erlaubnis, die neuerrichtete Bruderschaft behufs Erlangung von Ablässen und Teilnahme an den Gebeten und guten Werken der Hauptbruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu in der Kirche U.L. Frau vom Frieden in Rom aggregieren zu lassen.
Dabei ergeht an den jeweiligen Vorstand der Bruderschaft die Mahnung im Herrn, um den seiner Obsorge und Leitung anvertrauten frommen Verein allezeit mit Liebe und Eifer sich anzunehmen, für eine würdige und erbauliche Feier seiner Feste und Gottesdienste Sorge zu tragen, die Gläubigen zur Teilnahme einzuladen, dieselben aber auch über die Geheimnisse und Tugenden des göttlichen Herzens, sowie über den Sinn und Geist der Andacht zu demselben zu belehren und zu deren eifrigen Uebung anzuleiten, damit so das hohe Ziel der Bruderschaft von allen Einverleibten auch wirklich angestrebt und mehr und mehr erreicht werde.

B.
Statuten der Bruderschaft

1. Zweck

Diese Bruderschaft hat sich zur Aufgabe gesetzt, ihre Mitglieder anzuleiten, dem göttlichen Herzen Jesu Anbetung und Verehrung zu widmen, die Liebe, von der es zu uns Menschen entflammt ist, mit Liebe zu erwidern und die Tugenden, in denen es glänzt, mit Eifer nachzuahmen, insbesondere aber ihm für die Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes zu danken und für die Gleichgiltigkeit, den Undank und die Beleidigungen, mit denen seine unendliche Liebe im heil.Sakramente so oft vergolten wird, Abbitte und Ersatz zu leisten.


2. Regeln und Uebungen für die Mitglieder

1.  Mitglied dieser Bruderschaft kann jeder Katholik werden, der den Willen und das Verlangen hat, das göttliche Herz Jesu, des Erlösers, auf die angegebene Weise zu verehren und die Uebungen der Bruderschaft anzunehmen. Der Eintretende hat seinen Tauf- und Familiennamen in das Bruderschaftsbuch eintragen zu lassen und erhält von dem geistlichen Vorstande, d.i. dem Pfarrer von Giebing oder dessen bevollmächtigtem Stellvertreter eine Aufnahmsbescheinigung.

2.  Täglich sollen die Mitglieder zur Verehrung des göttlichen Herzens ein Vater unser, Gegrüßt seist du, Maria und den Glauben beten samt der Anrufung: "Süßes Herz meines Jesu, gib, daß ich dich immer mehr liebe !"

3.  Wöchentlich wenigstens einmal und zwar am Freitage soll jedes Mitglied seine Gebete, seine Arbeiten, seine Leiden, seine Abtötungen aufopfern dem göttlichen Herzen Jesu zur Abbitte und Genugthuung.

4.  Monatlich soll jedes Mitglied, soviel es ihm möglich ist, der nachmittägigen Bruderschaftsandacht beiwohnen oder zu Hause einige Gebete zum göttlichen Herzen verrichten.

5.  Vierteljährlich d.i. von 3 zu 3 Monaten längstens soll jedes Mitglied entweder am ersten Sonntage im Monat oder auch an einem andern die hl.Sakramente der Buße und des Altares empfangen und nachmittags Jesum im hl.Sakramente besuchen und anbeten oder den hl.Kreuzweg beten.

6.  Jährlich sollen die Mitglieder das Fest des heiligsten Herzens Jesu, welches am 6.Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird, mit besonderer Andacht begehen und an diesem Tage die heiligen Sakramente der Buße und des Altares empfangen.

7.  Jedes Mitglied soll auch ein Bild des göttlichen Herzens Jesu in seiner Wohnung haben und in Ehren halten, noch mehr aber das göttliche Herz im allerheiligsten Altarsakramente als Glühofen der Liebe, als Spiegel aller Tugenden und als lebendige Quelle aller Gnaden über Alles lieben, demütig anbeten und durch öfteren, andächtigen Empfang und treue Nachfolge erfreuen und ehren.

3 .Feste und Gottesdienste

1.  Jeden Monat wird am 1.Sonntage nachmittags vor ausgesetztem Allerheiligsten der Herz-Jesu-Rosenkranz mit der Litanei vom heiligsten Namen Jesu nebst Abbitte und Aufopferungsgebet gebetet; wann möglich wird auch ein Lied vom heiligsten Herzen Jesu gesungen.

2.  Das Hauptfest der Bruderschaft wird am 3.Sonntage nach Pfingsten gefeiert mit Predigt, Hochamt vor ausgesetztem Allerheiligsten und Prozession.

3.  Wenn die Opfergaben der Mitglieder es möglich machen, wird am ersten Feiertage im Monat ein Amt zu Ehren des göttlichen Herzens gehalten und in der Allerseelenoktav ein Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder.


 

Primiz von HH. Josef Ziller in Kammerberg
Amperbote vom 27.07.1922

Düstere Regenwolken zogen am Sonntagmorgen über Kammerberg und ab und zu setzte ein Regenschauer ein, aber trotzdem fanden sich zahlreiche Festteilnehmer aus der näheren Umgebung ein, um der Primizfeier des HH. Josef Ziller, des Sohnes der Schuhmacherseheleute Martin und Kreszenz Ziller beizuwohnen.
Bald nach halb 9 Uhr fanden sich die Vereine vor dem Haus des HH. Primizianten ein, um ihn in feierlichem Zug zum festlich geschmückten Gotteshaus zu geleiten, voran die Schuljugend, die Freiwillige Feuerwehr von Kammerberg und Giebing, die Veteranen- und Kriegervereine der beiden Ortschaften, die Jungfrauen, endlich der Klerus mit dem HH. Primizianten.

In der Filialkirche Kammerberg, die lange schon vor Beginn der Feier bis auf den letzten Platz gefüllt war, angekommen, bestieg nach dem "Beni sancte Spiritus" der HH. Stadtpfarrer Hugo Benl von Freimann, vormaliger Pfarrer von Giebing, die Kanzel und entwarf zunächst ein kurzes Bild vom Studiengang des HH. Primizianten, kam sodann auf dessen Studienkollegen Tobias Singer zu sprechen, der auch heuer am Primizaltar stehen würde, der jedoch im Frühjahr 1918 bei Soisson sein Blutopfer dem Vaterland darbrachte und zeigte endlich in formvollendeter Rede den andächtigen Zuschauern die 3 Sterne im christlichen Leben, die wunderbar strahlen bei der hl. Taufe, die heller leuchten am ersten Kommuniontag und die sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen im hl. Priestertum: Glaube, Hoffnung, Liebe. Und über diesen drei Sternen steht gleichsam wie zu ihrem Schutz der Meerstern, Maria, die Priestermutter. Mit herrlichen Beispielen reicher Lebenserfahrung wusste der Prediger die aufmerksamen Zuhörer von Anfang bis zum Schluss zu fesseln.
Hierauf feierte der HH. Primiziant, levitiert von den beiden H. Primizianten Kreutmair, Asbach und Lang, Hohenkammer als Diakon bzw. Subdiakon und assistiert von HH. Pfarrer Eberl, Giebing, als Patrinus sein Erstlingsopfer, wobei der verstärkte Kirchenchor Kammerberg unter Leitung des Herrn Lehrer Wagatha die Loretto-Messe von Goller für gemischten Chor und Blechmusik zur Aufführung brachte. Nach der hl. Kommunion spendete der HH. Primiziant zum ersten mal seinen Eltern und Geschwistern den Leib des Herrn, ein feierlicher Augenblick für alle Festteilnehmer. Nach dem Anbinden der Erinnerungsbänder und nach Erteilung des Primizsegens durch den HH. Primizianten erscholl ein mächtiges "Großer Gott wir loben Dich" durch die Kirche, worauf weißgekleidete Mädchen in sinnigen Versen das Erstlingsopfer des Neugeweihten verherrlichten, während Frl. Fanny Hellmair in gebundener Rede, die Bedeutung des Tages würdigte.
Nachdem Herr Zahnarzt Schwarzfischer, Petershausen, namens der Regimentsvereinigung des Rerservere-Infanterie-Regiments 19 dem treuen Kriegskameraden die Glückwünsche übermittelt hatte, setzte sich der Festzug wieder in Bewegung zum Elternhaus. Ein gutbesuchtes Primizmahl vereinigte am Nachmittag die Festgäste im Gasthof zur Post, wobei die Kapelle Kreitmair, Hohenkammer, vortreffliche Musikstücke zur Aufführung brachte, während der Kirchenchor unter der Direktion des Herrn Lehrers Wagatha hübsche Gesangsstücke zum Vortrag brachte und so den Primiztag verschönern halfen, auf dass er unvergesslich bleibe allen Primizgästen, vor allem aber dem HH. Primizianten, der in den nächsten Tagen seinen ersten Posten als Coadjutor in Moosen an der Vils antreten wird, während die beiden anderen Primizianten Kreutmair, Asbach, nach Zolling an der Amper und Lang, Hohenkammer, nach Kolbermoor Anweisung erhielten.