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Pfarrkirche St. Stefan in HOHENZELL

Navi-Adresse: 85250 Altomünster, Pfarrer-Marz-Weg 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die zum Bistum Augsburg gehörende Pfarrei Hohenzell, die früher zu den kleinsten und ärmsten Pfarreien in Bayern zählte, hatte bis 1960 einen eigenen Pfarrer. Seitdem wird sie vom Pfarrer von Adelzhausen mitversorgt und gehört inzwischen mit Heretshausen und Tödtenried zur Pfarreiengemeinschaft Adelzhausen.

Die Pfarrkirche St.Stefanus ist im Wesentlichen ein Bau des 20.Jahrhunderts. Nur der gotischen Chor mit den außen liegenden Strebepfeilern und dem schönem Rippengewölbe im Inneren ist älter. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Bis 1926 besaß die Kirche noch ein Langhaus romanischen Ursprungs. Dazu gehörte noch ein kleiner zweigeschossiger, spitzer Turm über dem Kirchenschiff und die 1840 erbaute Sakristei.

1926 war aber das Kirchenschiff baufällig. Da eine Sanierung nicht mehr möglich war, wurde es abgerissen und neu aufgebaut - um zwei Meter breiter und sechs Meter länger als der alte Bau.

Der 28 m hohe Turm mit dem achteckigen Aufbau und der barock wirkenden Zwiebelkuppel wurde 1927 errichtet.


Chor-Glocke

 

Innenausstattung

Der aus der Barockzeit stammende Hochaltar wurde 1926/27 renoviert und leicht verändert. Mittelpunkt ist die Figur des Kirchenpatrons, des hl. Stephanus. Als Assistenzfiguren dienen Papst Sixtus II. sowie den hl. Bischof Maximilian. Der Altaraufsatz, Maria mit dem Kinde und dem Szepter, ist eine Ergänzung von 1927.

Besonders prächtig ist der Triumphbogen gestaltet.

Die Seitenaltäre sind ebenfalls barock. Die Halbplastiken stammen aber aus jüngerer Zeit. Auf dem linken Altar sind Maria Heimsuchung und ein Christus auf der Rast, auf dem rechten Altar Jesus und der Apostel Thomas dargestellt. In den Antependien Silberreliefs.

Die Langhausdecke ist mit Fresken geschmückt. Sie stellen die Weihe zum Diakon und die Steinigung des hl. Stephanus dar.
Thomasaltar - zur vergrößerten Ansicht bitte klickenMarienaltar - zur vergrößerten Ansicht bitte klickenDeckengemälde Steinigung des hl. StephanusGeißelheiland im AufsatzAufsatz des rechten SeitenaltarsChorgestühlChorgestühlDeckengwölbeGlasgemäldeKanzelKirchenstühleKirchenstühleKreuzwegbilderKreuzwegbilderAltaraufsatzSilberreliefsSilberrelief am rechten SeitenaltarPapst Sixtus IIBischof MaximilianST. Stephanus am HochaltarTaufsteinSchnitzereien an der Kanzeltreppe
Vergrößerung von 17 Details (Altäre, Deckengemälde, Fenster, Kanzel, Kreuzweg)
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Die Kanzel auf der linken Seite zeigt Plastiken der vier Kirchenväter (Ambrosius, Augustinus, Papst Gregor I. und Hieronymus). An der Kanzeltreppe Schnitzereien für die vier Evangelisten.
Eine Besonderheit ist ein Totentanzgemälde, das an der Rückwand des Kirchenschiffs hängt.
Seit 1992 besitzt die Pfarrkirche eine neue Orgel mit insgesamt 17 Registern.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Geschichte    Renovierungen  Pfarrei
 Ausstattung:  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar
 Chorgestühl  Deckengemälde  Empore  Figuren im Chor
 Figuren im Schiff  Kanzel  Kirchenbänke  Krippe
 Orgel  Pfarrhaus  Seitenaltäre  Taufstein
 Totentanz  Turm  Gottesdienste    

Die Ortschaft Hohenzell wurde 1260 erstmals unter der Bezeichnung Hochencella erwähnt.
Im Jahr 1555 wurde sie Hochenzell, 1577 Hochentzell und 1663 Hochezell genannt.

Doch Hohenzell dürfte sehr viel älter sein. Man geht davon aus, dass der hochgelegene Klosterhof einer jener zwölf "Zell"-Orte ist, die vom 8. bis zum 10.Jh von Altomünster aus angelegt worden sind.


Hohenzell auf der Landkarte Electoratus Bavariae Tabula Chorographica von 1663

Pfarrei Hohenzell

Ursprünglich umfasste die Pfarrei nur den Ort Hohenzell und war damit eine der kleinsten und ärmsten Pfarreien in Bayern. Um sie auf wirtschaftlich gesündere Füße zu stellen, wurde am 23. Mai 1807 Irchenbrunn, das bisher zur Filiale Kiemertshofen der Pfarrei Tödtenried gehört hatte, nach Hohenzell umgepfarrt. Am 13. Januar 1918 kam auch das inzwischen auf vier Häuser angewachsene Lichtenberg von der Pfarrei Tödtenried dazu. Bis ins Jahr 1955/1960 hatte Hohenzell einen eigenen Pfarrer. Seitdem wird die Pfarrei vom Pfarrer von Adelzhausen und den Patres vom Palottiheim Friedberg seelsorgerisch betreut.  

Geschichte der Kirche

Die Pfarrkirche St.Stefanus ist im Wesentlichen ein Bau des 20.Jahrhunderts. Nur der gotischen Altarraum mit dem schönem Rippengewölbe ist älter. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bis 1926 besaß die Kirchen ein Langhaus, das romanischen Ursprungs war. Dazu gehörte noch ein kleiner zweigeschossiger, spitzer Turm über dem Kirchenschiff und die 1840 erbaute Sakristei.

Schon zur Jahrhundertwende wollte man eine neue Kirche bauen, weil die alte zu klein und zu feucht war. Jahrelang wurde fleißig Geld für einen Neubau gesammelt. Doch die Inflation 1923 machte zunächst alles zunichte. 
1926 kam ein neuer Pfarrer (der 37jährige Georg Marz), der trotz aller Widrigkeiten den Neubau in Angriff nahm. Das alte Kirchenschiff wurde unter Mithilfe der Bevölkerung abgebrochen, der Boden um 1 Meter tiefer gelegt und die Mauern um 2 Meter breiter und 6 Meter länger als die alten wieder aufgebaut. Ein Chronist schrieb damals: "Unter der Pfarrgemeinde herrschte ein Eifer und Einmütigkeit, wie man sie schöner nicht denken kann."
Der Grundstein enthält eine Urkunde, die Auskunft über den Kirchenbau gibt. Mehr dazu finden Sie hier...
Am 24. Oktober 1926  konnte Weihbischof Dr. Carolosus Reth die feierliche Einweihung vornehmen. Der Turm wurde im folgenden Jahr innerhalb von 2 Monaten errichtet und mit 4 Glocken ausgestattet.

Renovierungen
Größere Kirchenrenovierungen fanden etwa 1870, 1956, 1975/1977 und 2008/09 (außen)statt.
1975/1977 wurden Kirche und Kirchturm außen renoviert, die Dacheindeckung erneuert und eine Innenrenovierung durchgeführt. Anschließend wurde der 50jährige Gedenktag an den Bau des Kirchenschiffs mit einem Festgottesdienst (Weihbischof Rudolf Schmid) und großen Feierlichkeiten begangen.

Beschreibung der Kirche

Die Kirche hat noch einen gotischen Chor (15.Jh) mit mit außenliegenden Strebepfeilern und einem schönem Rippengewölbe im Inneren.  
Das Langhaus ist -wie erwähnt- ein Bau aus dem Jahr 1926.
Turm
Der 1927 errichtete Turm hat in der unteren Hälfte einen quadratischen Grundriss, der obere Teil ist achteckig und mit einer barocken Zwiebel bedeckt. Zusammen mit dem goldenen Turmknauf und dem Kreuz misst er 28 Meter. Wohl nicht mehr vorhanden ist die Glocke, die der Bauer Matthias Asum von Lichtenberg im Jahr 1864 gestiftet hat. Asum stattete die ganze Umgebung mit Glocken aus: er stiftete noch zwei Glocken für Tödtenried und weitere für Altomünster, Maria Birnbaum und Klingen. Die heutigen Glocken stammen aus dem Jahr 1948. Nach anderer Quelle waren im Jahr 1927 vier neue Glocken gekauft worden, von denen drei im 2.Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden mussten. Demnach stammt eine Glocke aus dem Jahr 1927.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Innenausstattung

Die Innenausstattung wurde großenteils von der barocken Vorgängerkirche übernommen.

Fenster

Die Fenster im Altarraum sind mit Ornament-Glasmalereien und Bildern in Medaillons geschmückt. Im rechten Fenster sind St. Anna mit ihrer Tochter Maria auf dem Arm dargestellt. Anna war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna  (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihr Kind Maria geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt.

Hochaltar / Choraltar

Der noch aus der Barockzeit stammende Hochaltar wurde 1926/27 renoviert und leicht verändert. Es ist ein Säulenretabel. Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb sind Säulenretabel eine beliebte Bauform.

Mittelpunkt ist die Figur des Kirchenpatrons, des hl. Stephanus, in ein goldenes Diakongewand (kurze Ärmel, seitlich geschlitzt) gekleidet, mit Märtyrerpalme und Bibel in den Händen.
Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren.

Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch seine Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte wiedergegebene Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt u gesteinigt.

Als Assistenzfiguren stehen Papst Sixtus II. sowie der hl. Bischof Maximilian auf Konsolen neben den Säulen.

Hinweise: Sixtus II. wurde 257 Bischof von Rom. Er fiel den Verfolgungen unter Kaiser Valerian zum Opfer und wurde zusammen mit vier Diakonen, darunter Laurentius, beim Gottesdienst in den Calixtus-Catacomben verhaftet, sofort enthauptet, dann in der Papstgruft bestattet. Die Legende lässt Sixtus nach seiner Gefangennahme die Kirchenschätze seinem liebsten Schüler und Diakon Laurentius anvertrauen, damit der sie unter die Armen verteile, ehe sie der Beschlagnahme durch den Kaiser verfallen.
Der in den Kirchen des Dachauer Landes selten dargestellte hl.Maximilian war nach der Überlieferung der Sohn reicher Eltern, verteilte nach deren Tod seinen Besitz an die Sklaven seines Anwesens, denen er auch die Freiheit schenkte, und an Arme und pilgerte nach Rom, von wo er durch Papst Sixtus II. 257 als Glaubensbote in seine Heimat Norikum zurückgeschickt wurde. Dort war er 20 Jahre lang als Wanderbischof und Bischof von Lorch an der Enns tätig. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Numerianus wurde er als Märtyrer enthauptet.

 

Die Halbfigur im Altaraufsatz des Hochaltars wurde um 1927 hinzugefügt. Maria trägt das Kind auf dem Arm und hält in der Hand ein Szepter.
Das Jesuskind hält in der linken Hand eine blau gefärbten Reichsapfel als Zeichen für sein Königtum. Die rechte Hand erhebt es segnend

 

Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

Auf dem weiß und gold gefassten Tabernakel mit Leuchterengeln neben der großen Mittelnische ist ein großes Auge im Dreieck befestigt, umgeben von einem Strahlenkranz.
Hinweis: Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.

Beichtstuhl

Hinter dem Altar versteckt steht ein reich verzierter Beichtstuhl.

 

Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Chorgestühl
Am dunklen Chorgestühl sind prächtige Metallverzierungen mit Akanthusmustern angebracht. An diesen Bänken stehen auch die Stangen mit den Prozessionsengeln.

Weitere Figuren im Altarraum

An der Chorwand stehen zwei Figuren auf hohen, mit Engelsköpfen verzierten Podesten: 
Links die spätgotische Figur des hl. Stephanus. Sie könnte vor der Barockisierung der Kirche Mittelpunkt des (damals gotischen) Hochaltars gewesen sein.
Rechts eine Figur des hl. Sebastian. Bekleidet ist er mit einem langen vergoldeten Mantel, der den Blick auf den Körper mit den darin steckenden Pfeilen freigibt.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Taufstein
Zwischen dem Altar und der linken Außenwand steht der schön gestaltete Taufstein. Die Figuren von Jesus und dem hl. Johannes waren wohl Bestandteil eines früheren Taufsteindeckels. Sie stehen über dem Taufstein auf einem Wandsockel. Johannes mit dem Kreuzstab in der linken Hand gießt mit der rechten Hand Taufwasser über den neben ihm stehenden Jesus. Interessant ist, dass vor den Figuren nicht der Fluß Jordan, sondern ein kleiner Taufkessel abgebildet ist.

Der Triumphbogen/Chorbogen wurde 1926 neu gewölbt, weil der alte Bogen zu eng und zu niedrig war. Er ist nunmehr mit vielen Stuckverzierungen versehen. In der Mitte ein Kelch mit Hostie im Strahlenkranz.  

Kirchenschiff / Langhaus

Das Kirchenschiff aus dem Jahr 1926 ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern überdeckt.

 

Deckengemälde

An die Decke des Kirchenschiffs sind zwei große Fresken gemalt, die Szenen aus dem Leben des hl. Stephanus schildern:

Das Gemälde über dem Kirchenschiff zeigt die Steinigung des Kirchenpatrons. Vor dem Hintergrund der Stadtmauern Jerusalems kniet Stephanus im roten kurzärmeligen Diakongewand unter einem Baum und schaut mit erhobenen Händen in den Himmel (siehe Apostelgeschichte 7, 2 - 53). Auf dem Fresko in Hohenzell sitzt dort Christus, von vielen Engeln umgeben, mit dem Kreuz im Arm auf Gewölk. Ein Engel hält die Märtyrerpalme und den Siegeskranz für Stephanus bereit. Ein breiter Lichtstrahl vom Himmel beleuchtet Stephanus und die hinter ihm stehenden Steiniger, die große Gesteinsbrocken auf den Heiligen schleudern. Links von ihm stehen im Schatten die Pharisäer, die Stephanus wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt hatten.
Über der Empore ist die Weihe von Stefan zum Diakon dargestellt. In einem Kirchenraum mit großartigen architektonischen Elementen kniet Stephanus auf den hohen Stufen eines Altars vor Papst Sixtus II. der zusammen mit weiteren Bischöfen die Hände über Stephanus hält. Die Kirchenbänke sind gefüllt mit Klerikern. Ein weiterer Diakon kniet auf den untern Stufen des Altars.

Seitenaltäre

Auch diebarocken Seitenaltäre sind aus der alten Kirche übernommen. Sie haben keine Assistenzfiguren. Die Halbplastiken in den Mittelnischen stammen aus jüngerer Zeit.

Linker Altar

Der linke Altar ist Maria geweiht. In der großen Mittelnische ist vor blauem Ornamenthintergrund Maria Heimsuchung dargestellt, der Besuch von Maria (links) bei ihrer Base Elisabeth (rechts). Die Plastik zeigt die beiden Cousinen bei der Begrüßung.
Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)

Am Antependium des Altars ist ein Silberrelief angebracht, das das Opfer Abrahams zeigt. Und zwar den Moment, in dem ein Engel dem Vollzug des Opfers Einhalt gebietet.
Hinweis: Abraham wurde von Gott auf die Probe gestellt und sollte seinen einzigen (legitimen) Sohn Isaak opfern. Als Abraham tatsächlich den Isaak als Opfer darbringen wollte, griff Gott ein und wies Abraham an, anstelle des Knaben einen Widder zu opfern, der sich im Gestrüpp verfangen hatte. Neben der Aussage, dass Gott keine (damals übliche ?) Menschenopfer wünscht, wird die Begebenheit als Vorbild für den Opfertod Christi (Gott opfert seinen einzigen Sohn) gesehen.

Im Aufsatz des Altars ist eine Figur von Christus auf der Rast zu sehen.

 

Hinweis: Christus auf der Rast Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen, Schönbrunn, Tandern und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage und Trauer. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Rechter Altar
Auf dem rechten Altar sind in der Mittelnische (blau gestrichen und mit Akanthusblumen verziehrt) Jesus und der Apostel Thomas dargestellt. Jesus zeigt dem ungläubigen Thomas seine Wunden, um ihn von seiner Auferstehung zu überzeugen. Die Geschichte vom ungläubigen Thomas (Joh. 20,24) ist allen bekannt. Dennoch wird sie -zumindest in unserer Gegend- nur selten künstlerisch dargestellt.
Der Apostel Thomas wird von den Christen in Indien besonders verehrt. Die sog. Thomaschristen (eine christliche Konfession) berufen sich darauf, dass der Apostel als Missionar nach Indien ging und dort viele Leute bekehrte. Als er Götzenbilder einschmelzen ließ, wurde er von einem heidnischer Priester mit einer Lanze erstochen.

Das Silberrelief am Antependium dieses stellt das Opfer des Melchisedek dar.
 

Hinweis: Melchisedek war zu Zeiten Abrahams Priesterkönig von Salem (=Jerusalem). Er segnete den Abraham, als der von seinem Sieg über Kedor-Laomer zurückkehrte und brachte im anschließenden Dankopfer für den Sieg Brot und Wein als Opfergaben dar (Gen. 14,18-20). Wegen der Übereinstimmung der Opfergaben wurde er im Christentum als Vorläufer von Christus angesehen. In der christlichen Kunst soll die Darstellung des Opfers des Melchisedek auf die lange Tradition des Messopfers mit Brot und Wein hinweisen
Der rechteckige, von zwei Pilastern begrenzte Altaraufsatz zeigt in seiner Mittelnische eine kleine Figur des Kirchenpatrons St.Stephan mit Steinen in den Händen, die auf sein Martyrium hindeuten. Flankiert wird der Altaraufsatz durch geschnitzte und bunte bemalte Blumenvasen.

Kanzel

Die Kanzel mit sechseckigem Kanzelkorb, einem Dorsale (bemalte Rückwand) und Kanzelkorb ist an der Nordwand des Kirchenschiffs befestigt
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
An der Brüstung der Kanzeltreppe sind Schnitzereien für die vier Evangelisten (Name und Attribut - Markus mit Löwen, Matthäus mit Engel, Johannes mit Adler und Lukas mit dem Stier) zu sehen. Der Kanzelkorb ist mit Plastiken der vier Kirchenväter (Ambrosius, Augustinus, Papst Gregor I. und Hieronymus) verziert. Unter dem Schalldeckel ist eine hl. Geist-Taube angebracht.
  Hinweise: Die Kombination von Evangelisten-Symbolen und den vier lateinischen Kirchenvätern an den Kanzeln sollte im Sinne der "Gegenreformation" die Kontinuität der Tradition, auf die sich die katholische Kirche berief, unterstreichen.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach). Oben auf dem Schalldeckel bläst ein Engel zum letzten Gericht.
Deckengemälde Steinigung des hl. StephanusWeihe des St.StephanusKanzelKanzelkreuzKirchenstühleKreuzwegbilderKreuzwegbilderKreuzwegbilderOrgelVortragekreuzWeihwasserbecken
Vergrößerung von 8 Details (Orgel, Deckengemälde, Stühle, Kanzel, Kreuzweg,
Gemälde Figuren, Kreuze) per Mouseklick

Kanzelkreuz und Mater Dolorosa
Gegenüber der Kanzel hängt das sog. Kanzelkreuz mit einem großen Korpus und der darunter stehenden Mater dolorosa, der schmerzhaften Muttergottes.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist
  . Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

K
reuzwegbilder
An den Wänden des Kirchenschiffs sind noch die 14 Kreuzwegbilder angebracht.
Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen.
  Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Apostelleuchter
Zwischen den Kreuzwegbildern sind die 12 Apostelleuchter zu sehen. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

 

Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

Die hl. Barbara hält einen Turm in ihrer Hand. Die Heilige ist in ein faltenreiches Gewand gekleidet, mit einem weißen Schal um Hals und Schulter. Der angedeutete gotische Schwung verleiht der Figur Anmut.
Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen

St. Leonhard ist im Mönchsgewand dargestellt, mit gefalteten Händen, im Arm den Abtsstab und die Viehketten. Zu seinen Füßen liegt die Mitra. Hinter seinem Chorrock lugt ein Rinderkopf hervor.
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott. Am Leonhardstag, dem 6.November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

Rechts vom Totentanzgemälde steht eine Figur des hl. Antonius von Padua auf einem Sockel. Der etwas traurig dreinblickende Heilige im Franziskanerornat trägt auf dem Arm das Jesuskind.

 

Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Der auferstandene Christus mit der Fahne in der Hand. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die Fahne zur Ostersymbolik.
Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Links und rechts des Eingangs hängen in den Ecken Reliefs von Engeln mit den Leidenswerkzeugen (Arma Christi). Die Engel schweben auf Wolken. Zu ihren Füßen und in ihren Händen sind das Kreuz, der Leidenskelch, die Dornenkrone, die Geißel, die Nägel, der Hammer, der Ysopstab, die Lanze und die Würfel zu sehen. Üblicherweise werden solche Engelsgestalten zu beiden Seiten eines Kruzifixes angebracht. Dies dürfte wohl auch bei den beiden Engel in Hohenzell so gewesen sein.

 

Hinweis zum Ysop-Schwamm mit Essigwasser:
Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blütengehört und gehört zu den Mysterien-pflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7). In der frühen christlichen Tradition war Ysop Symbol für die Taufe. Der essiggetränkte Schwamm, mit dem Jesus am Kreuz gelabt wurde, war auch auf einen Ysopstengel gesteckt. Ysop findet an vielen Stellen der Bibel Erwähnung. Bis heute weiß man aber nicht, ob es sich dabei um das selbe Kraut handelt, das wir zur Zeit unter diesem Namen kennen. Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, ist für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten.

 

 


Kirchenbänke

 

 

Die Kirchenstühle sind mit barock wirkenden Wangen versehen.

Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch hier in Hohenzell.


Vortragekreuze
An einer der vorderen Kirchenbänke ist ein schönes, reich verziertes Vortragekreuz befestigt.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.

An einem der hinteren Kirchenstühle ist ein mit einem Engelskopf geschmücktes Weihwasserbecken aus Holz befestigt. Durch dieses Weihwasserbecken an den Türen jeder katholischen Kirche sollen die Eintretenden an ihre Taufe erinnert werden.

Orgel und Empore

An der Emporenbrüstung sind Stuckverzierungen im barocken Stil zu sehen. Im mittleren Feld halten zwei Putten ein Schriftband mit dem Text: "Ehre sei Gott in der Höhe".

Eine Orgel gibt es in der Kirche schon seit 1815. 
Die jetzige, rein mechanische Orgel mit 17 Registern und 2 Manualen wurde um das Jahr 1992 von Maximilian Offner aus Kissing eingebaut. Das Instrument ist schon fünfte Orgel; ihre wesentlich kleineren Vorgängerinnen (meist Orgelpositiv) stammten aus den Jahren 1815, 1872, 1903 und 1926. Der Orgelbauer Offner hat auch die Orgel in den Kirchen von Egenburg, Gumpersdorf, Hilgertshausen und Unterumbach gebaut, sowie die Orgel in Arnzell restauriert.

Totentanzgemälde

Besonders bemerkenswert ist ein Totentanzgemälde aus dem 18. Jh, das an der rückwärtigen Wand zwischen Heiligenfiguren hängt. Es ist auf Holzuntergrund gemalt.

Es zeigt in sechs Szenen, dass der Tod jeden trifft.

Dargestellt werden
- ein Bauer mit der Sense in der Hand (links unten)
- ein Mönch, der vor einem Tisch mit darauf liegender Bibel sitzt
       (links oben)
- ein Priester ( oben mitte)
- ein Reicher (mitte rechts)
- ein Wanderer, der dem Tod beim Pflügen zuschaut (rechts unten)
und
- ein Säufer am Wirtshaustisch (Bild in der Mitte)


Bildunterschriften:

Gestern wars an mir
heute ist an dir.

Was du bist, das war ich;
was ich bin, das wirst du sein.

Hinweis: Der Tod wird als Schnitter mit Sense oder Sichel dargestellt, weil in der Bibel (Buch Hiob, 5,26) der sterbende Mensch mit einer Getreidegarbe verglichen wird.

Der Tod und der BauerDer Tod und der MönchDer Tod und der PriesterDer Tod und der ReicheDer Tod und der WandererTod und der Zecher
zur Vergrößerung der dargestellten Szenen
klicken Sie bitte auf das Gemälde

Krippe

In der Weihnachtszeit (beginnend ab dem Patrozinium 26.Dezember) wird in der Kirche eine schöne Krippe aufgestellt.

Die Figuren sind mindestens so alt wie die Kirche; denn sie werden schon seit 1926 jedes Jahr aufgebaut.

Wenn Sie sich auch für andere Krippen in den Kirchen des Dachauer Landes interessieren, klicken Sie hier..

 

Pfarrhof

Schräg gegenüber der Kirche steht der Pfarrhof. Die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude sind inzwischen abgetragen.

Wenn sie sich auch andere Pfarrhöfe im Landkreis Dachau anschauen möchten, klicken Sie hier....

 

Die Pfarreiengemeinschaft Adelzhausen, zu der die Pfarrei Hohenzell gehört, hat eine eigene Homepage (www.kirche-adelzhausen.de). Dort können Sie sich über Gottesdienstzeiten und sonstige Aktivitäten der Pfarreien informieren. Klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Dachauer Neueste vom 19.10. 1977 und vom 25.10.1977
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Kirchenbesuch und Aufnahmen 2002
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
Orgelbauer Maximilian Offner, 2003
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und v. 2.10.2005
Dachauer Nachrichten v. 8.2.2006, v. 24.10.2006 (K.Stöckner), v. 5.1.2009 (Krippe), v. 7.9.2009 (Franz Hofner-Glocken)
Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
Seemanns Lexikon der Ikonografie, 2007 (Schnitter Tod)
50 Bilder: Horst Lachmann (1), Hans Schertl (47)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

3.6.2007

Text der Urkunde im Grundstein von 1926

"Im Jahre 1926, den 20.Juli, fand die feierliche Grundsteinlegung des neuen Kirchenschiffes statt. Das alte Schiff samt einem westlichen Dachreiter wurde abgetragen. Am Putz der Chorbogenwand konnte das Presbyterium als 1.Kirche (gotische Kapelle) festgestellt werden. Seit Jahren schon trug man sich mit dem Gedanken, die Kirche zu vergrößern. Der Weltkrieg 1914 bis 1918 mit seinem schlimmen Ausgang verhinderte bis dato die Ausführung. In furchtbar geldknapper Zeit und größter wirtschaftlicher Not wurde am 1.Juli 1926 dennoch durch den Opfersinn und die tatkräftige Mithilfe der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde der Bau in Angriff genommen. Der damalige Ortspfarrer war Georg Matz, die Kirchenverwaltung setzte sich zusammen aus Andreas Harner, Gregor Heitmeir, Andras Schmaus, Johann Ottilinger, Josef Rabl und Jakob Schleipfer, dazu kam zur Ergänzung als Bauausschuss Bürgermeister Johann Schuri, Johann Holzmüller, Matthias Kott und Peter Reindl. Planfertigung und Bauleitung lag in den Händen des Architekten Josef Elser aus München, die Maurerarbeiten erfolgten durch Theobald Brunetti, aus Odelzhausen, die Zimmermannsarbeiten durch Kaspar Maier aus Hohenzell.
Möge dem Bau nach monatelangem katastrophalen Regen im ganzen Deutschen Reich mit Hilfe Gottes eine günstige Witterung und eine glückliche Vollendung beschieden sein."