Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau            Kirchen i.d.Marktgem. Altomünster


Dreifaltigkeitskapelle in IRCHENBRUNN


Adresse: 85250 Altomünster, Hohenzeller Straße 16
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Die Ortschaft Irchenbrunn liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Steinbachs im Dreieck zwischen Hohenzell, Oberzeitlbach und Unterzeitlbach. Sie wurde 1270 erstmals als "Unchenprunne" (Unkenquelle) erwähnt. Der Namensteil "Unke" ist ein Hinweis auf die Heilkraft der Quelle südöstlich der Ortschaft.
Seit 1807 gehört Irchenbrunn zur Pfarrei Hohenzell (vorher Tödtenried). Seelsorgerisch betreut wird es derzeit (zusammen mit Freistetten, Hohen-zell, Kiemertshofen, Lichtenberg u.Rametsried) vom Pfarramt Adelzhausen.

Nach den neuesten frühgeschichtlichen Funden im Zuge der Flurbereinigung dürften sich bei Irchen-brunn die beiden Römerstraßen von Augsburg über Altomünster, Indersdorf nach Moos a.d.Donau und von Augsburg über Petersberg, Dachau, Mch-Oberföhring nach Wels in Österreich gekreuzt haben.

1752 gab es sechs Anwesen, 1820 sieben und 1980 siebzehn.

Vor rd. 100 Jahren wurde Irchenbrunn durch die Bluttat des Räubers Matthias Kneißl bekannt.

Dreifaltigkeits- Kapelle

Über das genaue Alter der Kapelle ist nichts bekannt. Dies hängt nach Prof.Liebhart auch damit zusammen, dass sich der Bau früher in Privatbesitz befand.
Am 2. November 1975 wurde die der Hl. Dreifaltigkeit geweihte Kapelle samt einem schmalen Streifen Grundstück um das Gebäude herum vom "Thades"-Hof durch Schenkung der Pfarrkirchenstiftung Hohenzell übereignet.

Der achteckige Turm, der von einer Zwiebelkuppel gekrönt wird, wurde wohl im Jahr 1931 neu gebaut (von Theobald Brunetti, Mich.Tischner u. Georg Blum). Er hat große Ähnlichkeit mit dem im Jahr 1927 neu erbauten Kirchturm der Pfarrkirche von Hohenzell. Im Turm hängt eine Glocke, die 1715 gegossen wurde. Sie kam im Jahre 1927 aus der Pfarrkirche in Hohenzell.
(Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden sie hier....)

Ende Mai 2010 wurde eine neue Glocke auf den Turm hinaufgezogen. Sie wiegt 85 kg und wurde in Maria Laach gegossen.
Die Glocken werden für ihre Aufgabe geweiht; dies ist zwar nach den liturgischen Bestimmungen einem Bischof vorbehalten; doch in der Regel wird damit der zuständige Pfarrer beauftragt. Dies war 2010 auch in Irchenbrunn so. Deshalb nahm von Pfarrer Eberhard Weigel die Glockenweihe vor: Er sprach Segensgebete, besprengte sie mit Weihwasser und salbte sie an vier Stellen mit Chrisam. Mehr über Glocken....

1976, 1995 und 2008/2011 (außen, 30.000 €) wurde die Kapelle instand gesetzt.

Innenraum

Der Innenraum der Kapelle misst etwa 4 mal 5 Meter.
Ihm schließt sich die Altarapsis an, die die Form eines angeschnittenen Achtecks von etwa 1,5 Metern Tiefe besitzt.

Der Altar mit seinem gesprengtem Dreiecksgiebel wurde im Jahr 1739 gefertigt. Barocke Figuren aus der gleichen Zeit bilden die Heilige Dreifaltigkeit (in der Vertikalen) sowie die Heilige Familie (in der Horizontalen) mit Jesus im Schnittpunkt.

 
St.Nikolaus mit Goldkugeln u. St.Wolfgang mit Kirchenmodell

An den Seitenwänden stehen auf Podesten zwei spätgoti-sche Figuren der Heiligen Bischöfe
• Nikolaus
(mit Buch und den drei Goldkugeln) und
• Wolfgang
(wie üblich mit einem Kirchenmodell)
aus der Zeit um 1500.

Um sie herum sind die 14 Bilder der Kreuzwegstationen (siehe Bild oben) gruppiert.

Hochaltar - zur Vergrößerung klicken
Vergrößerung des Hochaltars per Mouseklick

Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Nach der Legende konnte er In einer verarmten Familie durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. Dies begründete den Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt. Grundlage hierfür war das "Bischofsspiel" in Klosterschulen, wo ein Schüler am Nikolaustag als "Bischof" fungieren durfte und seine Mitschüler beschenkte. Seit 1555 ist bei uns Nikolaus als Gabenbringer für alle Kinder belegt. Der Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand, der in den Kaufhäusern herumspaziert, geht auf den niederländischen "Sinterklaas" zurück, den CocaCola in der ganzen Welt bekannt machte. Festtag: 6.Dez.

St. Wolfgang lebte im 10.Jh erst als Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 als Bischof von Regensburg. Die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben an dem nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, sodass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück. Die vielseitige und umsichtige Tätigkeit als Bischof begründete Wolfgangs Beliebtheit und seine Verehrung schon zu Lebzeiten. Festtag: 31.Okt.

Die Pfarreiengemeinschaft Adelzhausen, zu der die Pfarrei Hohenzell und damit auch Irchenbrunn gehört, hat eine eigene Homepage (www.kirche-adelzhausen.de). Dort können Sie sich über Gottesdienstzeiten und sonstige Aktivitäten der Pfarreien informieren. Klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Dip.Ing Klaus-R.Witschel, Eine frühgeschichtliche Straße in Irchenbrunn, Amperland 2001/3
Augsburger Allgemeine vom 28.05.2010 (Brunetti)
Dachauer Nachrichten vom 2./3.Juni 2010 (Glockenweihe), 14.6.2011 (Renovierung)

6 Bilder: Horst Lachmann (5), Hans Schertl (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.10.2014