zur Landkreiskarte                    Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen

Filialkirche "Unsere Liebe Frau im Moos" in ESCHENRIED

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür
Die Kirche Maria Himmelfahrt
ist eine
Filiale der Pfarrei Mitterndorf

Beschreibung

Der wegen seines Golfplatzes weithin bekannte Ort Eschenried wurde erst 1870 als Mooskolonie angelegt.
Der Bau der ersten Kirche
geht auf das Jahr 1932 zurück, als ein "bescheidenes Kirchlein" auf einem von Gottlieb Dürr gestifteten Grundstück errichtet wurde. Siehe Zeitungsberichte aus dem Jahr 1932 (hier klicken...)

Die Kirche war eine Barackenkirche aus dem aufgelassenen Kriegsgefangenenlager in Puchheim, die über Gröbenzell (1920) und Hartmannshofen (1926) nach Eschenried kam.

Im Jahre 1941 wurde ein stabileres Kirchenschiff -wieder in Holzkonstruktion- als Notkirche für die Gläubigen aufgestellt, die vorher seit 1932 in Moosach/ Eggarten stand. Die Kirche hatte einen kleinen Dachreiter mit zwei kleinen Bronze-Glöckchen.
Erst 1957 kam der heutige Glockenturm mit Turmuhr dazu (Plan: Max Gruber Bergkirchen). Im Turm hängen drei Glocken, die 1957 bei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen wurden.
Die größte Glocke ist 750 kg schwer, hat einen Durchmesser von 123 cm und erklingt im Ton fis'. Zweite Glocke: 650 kg, 121 cm, Ton gis'. Dritte Glocke: 550 kg, 100 cm, Ton h'.


Der Opferstock

Wegen Baufälligkeit musste im Dezember 1977 das alte Kirchenschiff abgebrochen werden. Innerhalb nur eines Tages wurde es durch den derzeitigen Kirchenbau aus Fertigbauteilen ersetzt (Architekt Eggendorfer, Firma Babinsky).

Die 100 Sitzplätze und weitere 100 Stehplätze umfassende Kirche mit den Maßen 14,5 mal 11 Metern ist teilweise auf sechs bis neun Meter hohen Pfählen im Moorboden gegründet. Das Gerüst besteht aus 17 Aluminium-Trägern, das mit nichttragenden Bauteilen aus Holz und Glas ausgefacht ist. Die Außenwände sind durch Holzverkleidungen und die oberlichtigen Fenster gegliedert. Das Ziegeldach wurde dem Landschaftsbild angepasst.

Inneneinrichtung:

Der Innenraum ist rechteckig und mit einer großen Holzdecke überzogen.

An der Wand hinter dem einfachen Altar hängt als Blickpunkt ein großes Kruzifix von 1978. Die Christusfigur am Kreuz trägt einen dreistrahligen Heiligenschein. Auf dem Corpus ist nicht -wie sonst üblich- die Seitenwunde dargestellt, d.h., hier wird der noch lebende Jesus abgebildet.
In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Links daneben ist der vergoldete Tabernakel im Stil der Zeit um 1980 angebracht.
Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Rechts vom Altar steht auf einer hohen Blumenbank eine Marienfigur. Sie wurde 1990 erworben.
In der Nordostecke steht das Taufbecken aus Edelstahl.
An der nördlichen Seitenwand hängt ein großes Gemälde das der Dachauer Maler Richard Huber im Jahr 1937 (sign.) noch für die alte Kirche von 1932 geschaffen hat.
Es stellt die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß dar, dem zwei Dachauer Kinder Blumen und Obst als Geschenk bringen. Der Künstler hat dem Gemälde den Titel "Maria im Moos" gegeben. Bericht von der Einweihung: hier klicken
TabernakelMarienfigurKreuzigungsgemäldeKruzifix
Vergrößerung von 4 Details(Tabernakel,Kruzifix,Madonna) per Mouseklick

Bis zum Jahr 2006 hing an der Südseite ein weiteres Gemälde ungefähr gleicher Größe und Form, das die Kreuzigung Jesu zum Inhalt hat. Der Maler ist mir leider nicht bekannt.
2006 wurde das Gemälde in die Pfarrkirche Mitterndorf verbracht; es ziert dort als Altarblatt den Hochaltar.

Die Kirchenbänke vor und neben dem Altar bieten 100 Kirchenbesuchern Platz.

An der Rückwand hängen 14 aus Holz geschnitzte Kreuzwegbilder (50 x 40 cm). Die Darstellungen des Leidenswegs sind als Relief gearbeitet. Die Bilder wurden von einem Gläubigen aus Olching 1990 gestiftet.
  In manchen Kirchen (z.B. in der Kapelle Himmelreich) gibt es 15 Kreuzwegstationen. Wenn Sie mehr darüber erfahren und andere Darstellungen von Kreuzwegstationen in Kirchen des Landkreises wollen, klicken Sie hier...

Auf eine Empore muss wegen der geringen Höhe verzichtet werden. Die 1963 aus Spendenmitteln erworbene kleine einmanualige Orgel mit Freipfeifenprospekt steht im rückwärtigen Bereich an der rechten Seite. Sie besitzt sechs Register und wurde von der Fa. Sandtner aus Steinheim bei Dillingen gefertigt. Die Gebrüder Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Günding, Unterbachern und Oberroth neu gebaut oder restauriert.

 

Disposition der Orgel (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-g'''): Gedeckt 8', Principal 4', Rohrflöte 4', Octav 2', Mixtur 3fach 1 1/3'

Pedal: (C-d'):    Subbass 16'
Koppeln:           I-P

Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 80 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben der Filialkirche Eschenried berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte über neue Pfarrer,
Jubiläen, Restaurationen, Erstkommunion und hier in Eschenried von der Notkirche. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

 

Wenn Sie eine Kirchenführung vereinbaren möchten, klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Amperbote vom 03.03.1932, vom 25.10.1932, vom 28.10.1932, vom 25.05.1933, vom 17.05.1934, vom 30.05.1935
         und vom 08.10.1934

Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3

Dachauer Neueste, Dezember 1977
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Georg Brenninger, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
Georg Mooseder, Zwei Münchner Notkirchen für Eschenried, Amperland 1989/2
Christian Huber, Der Maler Richard Huber, Amperland 2002/2
Dachauer Nachrichten vom 27.2.2003
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Hubert Eberl, Bergkirchen, Alte Zeitungsartikel, 2009

11 Bilder: Hans Schertl (2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

26.12.2009