zur
Landkreiskarte
Ausführl.Beschreibg
Kirchen
in der Marktgem.Indersdorf
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Filialkirche St. Mauritius in OTTMARSHART
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Eine Kirche oder Kapelle wurde
in Ottmarshart schon vor über 1150 Jahren, um 850, erstmals
schriftlich erwähnt. Sie soll auf dem Hügel östlich der
heutigen Kirche gestanden haben. In der Konradinischen
Matrikel von 1315 wird Ottmarshart als Filiale von Indersdorf
genannt; das ist sie heute noch. Um 1450 dürfte eine neue,
gotische Kirche gebaut worden sein. Unter
dem Indersdorfer Propst Caspar Schlaich (1604-1618) wurde diese Kirche
mit neuen Altären und Gemälden ausgestattet.
Die Wahl dieses selten vorkommenden Kirchenpatrons hängt vielleicht damit
zusammen, dass im Kloster Indersdorf eine Reliquie dieses Heiligen vorhanden
war, die bei der Konsekration der gotischen Kirche nach Ottmarshart kam.
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In den früheren Jahren war die Kirche eine Wallfahrtsstätte für Schwerhörige, die um den Altar herumgingen, während ihnen die hinterdrein gehenden Personen mit einer inzwischen 1200 Jahre alten Handglocke von etwa 20 cm Durchmesser in die Ohren läuteten. Heute erinnern an die Wallfahrt nur noch Wachsfiguren, die im Kloster Indersdorf aufbewahrt sind.
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Innenausstattung Der einzige Altar der Kirche ist ein prächtiges,
säulengestütztes Rokokoretabel
(1739). In der Mittelnische steht eine große Holzplastik des hl.
Mauritius mit der sog. Heiligen Lanze in der Hand. In die Brust der
Heiligenfigur ist ein herzförmiges, von einem goldenen Strahlenkranz umgebenes
Brustreliquiar eingearbeitet. Der Altaraufsatz enthält ein
Bild des hl. Augustinus mit Buch und Schreibfeder in der Hand (
Augustinerorden im Indersdorfer Kloster). - St.Nepomuk mit einem Kreuz in
der Hand |
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Die Kanzel, die Kirchenbankwangen mit Akanthusmuster, das Portal mit Beschlägen stammen noch aus der Erbauungszeit von 1739.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen
und kunsthistorischen Hinweisen
Der Name Ottmarshart wird gewöhnlich erklärt als "Wald des Otmar", doch lassen die früheren Bezeichnungen "Otmershart" und "Ottmerschaft" sowie die mundartliche Aussprache von heute "Oatmschoft" diese Erklärung als nicht recht stichhaltig erscheinen. Um 1150 wird hier eine Burg der Herren von Ottmarshart beschrieben, von der heute aber nichts mehr erhalten ist.
Eine
Kirche oder Kapelle wurde in Ottmarshart schon vor über 1150 Jahren, in
einer Urkunde des Freisinger Bischofs Erchanbert erwähnt (Nr. 702 der Freisinger
Traditionen). Der Bischof regierte zwischen 835 und 854. Das genaue
Datum geht aus der Urkunde nicht hervor, weil damals die auf römischen Brauch
zurückgehende ausführliche Eingangsformel von Urkunden vereinfacht wurde. Nach
römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung
des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift
des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh. begnügte man sich mit einer kurzen
Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung der Zeugen des
Vertragsabschlusses. Grund für die Vereinfachung war, dass im Fall der Anfechtung
der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der
Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War
eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit
der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit
ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Ein solcher Fall liegt
auch bei der ältesten Urkunde der Ottmarsharter Kirche vor.
Die
Kirche soll auf dem Hügel östlich der heutigen Kirche gestanden haben.
Freisinger Matrikel 1315 und 1524
In der Konradinischen
Matrikel von 1315 wird Ottmarshart als Filiale von Indersdorf genannt;
das ist sie auch heute noch.
Die Sunderndorferischen
Matrikel von 1524 beschreibt Ottmarshart schon als Mauritiuskirche.
Gotische Kirche um 1458
Mitte des 15.Jh dürfte eine neue, gotische Kirche gebaut worden sein, weil
die Kirche 1458 und 1461 einen Ablass von "40 Tagen auf ewige Zeiten"
erhielt. Solche Ablässe gehörten damals zur "Grundausstattung"
einer neuen Kirche. Er wurde denen zuteil, die die Kirche "in wahrhafter
Buße" besuchten und dort 5 Vaterunser und 5 Ave Maria beteten.
Kurz bevor 1632 der 30jährige Krieg in Gestalt des schwedischen Heeres nach Bayern kam, wurde die gotische Kirche vom Indersdorfer Propst Caspar Schlaich (1604-1618) noch mit neuen Altären und Gemälden ausgestattet.
Dreißigjähriger Krieg 1634
Nach der Chronik des Wicklmair Hofes wütete 1634 bis 1640 im Glonngebiet
die Pest und reduzierte die Bevölkerung in Ottmarshart so stark, dass Einwanderer
in namhafter Zahl aus weniger verwüsteten Gegenden, z.B. aus dem Gebirge,
aus Tirol, Steiermark und Kärnten, sowie aus Baden und vom Rhein gewonnen
werden mussten.
Neubau 1739
Die heutige Kirche St. Mauritius von Ottmarshart (Pfarrei Indersdorf) wurde
1739 von Grund auf neu gebaut und mit neuen Altären versehen. Bauherr
war der Indersdorfer Probst Innozenz Weiß (1728-1748). Am 1.Oktober 1739
wurde das Gotteshaus vom Freisinger Weihbischof Johann Ferdinand Freiherr von
Bödigheim eingeweiht; dabei erneuerte er auch die Ablässe. Wohl am gleichen
Tag oder am nächsten Tag weihte er auch die Kirche von Albersbach auf der
anderen Glonnseite. Beide Kirchen hatten übrigens den gleichen Bauplan.
In der Schmidtischen Matrikel von 1740 wird die Kirche als Filiale von Indersdorf
mit den Patronen Mauritius und Gefährten ohne Sakristei und ohne Friedhof
erwähnt.
| Vom hundertjährigen Jubiläum der Kirchenerbauung im Jahr 1839 ist noch eine große Schrifttafel erhalten: |
Text:
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In der Kirche befinden sich Reliquien der heiligen Wenceslaus, Modestus, Lanpertus und Mauritius. Letzterem ist die Kirche geweiht. Die Wahl dieses selten vorkommenden Kirchenpatrons hängt vielleicht damit zusammen, dass im Kloster Indersdorf eine Reliquie dieses Heiligen vorhanden war, die bei der Konsekration der gotischen Kirche im 15.Jh. nach Ottmarshart kam.
Beschreibung
1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über
die Pfarrei Indersdorf auch die Kirche von Ottmarshart enthalten. Im Dorf selbst
wohnten 73 Seelen (in 12 Häusern).
Über die Kirche schreibt er: "Liegt etwas abseits der Straß
von Indersdorf nach Arnbach. Die frühere Kirche war um die Mitte des XV.
Jh. erbaut, die jetzige unter Probst Innocenz Weiß (1728-1748). Restaurirt
1875-1878. Renaissancestyl. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht die Filialgemeinde.
Spitzthurm, 1870 neu erbaut, mit 2 Glocken. Consecrirt am 1.October 1738 von
Weihbischof Johann Ferdinand. 1 Altar. Stiftungen 3 Jahrtage, 1 Jahrmesse, 1
Schauer- und 1 Erntedankamt. Meßner und Cantor ist ein Ortsangehöriger.
Kirchenvermögen: 5.200 Mark".
| In den früheren Jahren war die Kirche eine -wenn auch bescheidene- Wallfahrtsstätte; es kamen hauptsächlich Schwerhörige, die um den Altar herumgingen während ihnen die hinterdrein gehenden Personen mit einer halbkugelförmige Handglocke von etwa 20 cm Durchmesser in die Ohren läuteten. Diese nach neuesten Erkenntnissen 1200 Jahre (!) alte Glocke soll nach einer mündlichen Überlieferung von einem wilden Stier auf dem sog. Kreuzacker des Veitbauern aus dem Boden gegraben und auf seinen Hörnern in die Kirche gebracht worden sein. |
| Heute erinnern an die Wallfahrt
nur noch Wachsfiguren, wie Ohren, Arme, Beine, Herzen, Pferde, Kühe usw.,
die im Kloster Indersdorf aufbewahrt sind.Lediglich ein Votivbild
(von 1848) hängt noch in der Kirche. Auf ihm sind ein Junge und -im
Himmel- der hl. Mauritius zu sehen. Zum Helfer bei Schwerhörigkeit wurde Mauritius aufgrund folgender Legende: Einer Mutter, die über den Tod ihres Sohnes untröstlich war, erschien der h.Mauritius und sprach: "Weine nicht um ihn, als wäre er tot, sondern wisse, er wohnet unter uns. Wenn du zur Frühmesse gehst, wirst du seine Stimme unter den singenden Mönchen hören. Das tat sie und hörte fortan die Stimme ihres Sohnes aus dem Mönchsgesang heraus. |
Die Kirche in Ottmarshart hatte ursprünglich keinen Turm, sondern einen Dachreiter wie die Albersbacher Kirche (gleicher Bauplan). Der heutige Turm mit einer Höhe von ca. 32 m wurde erst vor 134 Jahren, 1870 errichtet. Er hat bis zur Kirchendachhöhe einen viereckigen Grundriss. Darüber erhebt sich ein achteckiger Aufbau mit 4 Schalllöchern und einem Spitzhelm. Im Turm hängt eine 5 Ztr. schwere Glocke, die noch mit dem Glockenseil geläutet wird. Ob es sich um die von Ulrich von der Rosen (Mch) im Jahre 1495 gegossene Glocke handelt, ist ungewiss.
Die Renovierungen der Kirche fanden in den Jahren 1972-1975 und im Jahr 2006 statt. Bei der letzten Renovierung wurden unter ehrenamtlicher Mitarbeit der Ottmarsharter das Dach repariert und die Außenwand gestrichen (30.000 Euro).
1922 feierte Leonhardt Wackerl aus Ottmarshart in der Pfarrkirche Indersdorf seine Primiz. Darüber hat der Amperbote in seiner Ausgabe vom 18.7.1922 berichtet. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...
Innenaustattung
Die Kirche ist ein
kleiner halbrund
geschlossener Saalbau.
Er ist vom Kirchenschiff nicht durch einen Chorbogen geschieden und deshalb
auch nicht eingezogen.
Der Kirchenraum ist mit einer Flachdecke überzogen. Einziger Deckenschmuck
sind farblich abgesetzte Felder mit Stuckrahmen.
Die Kirche wird von 6 halbrunden und -in Höhe der Empore- von 2 kleineren
runden Fenstern, in der Architektur auch Ochsenauge oder "oeil de
boeuf" genannt, erhellt.
Die Kirchen von Ottmarshart und Albersbach hatten nicht nur den gleichen Bauplan. Auch in der Innenausstattung gibt es eine Reihe von Parallelen (Kirchenbänke, Türbeschlag, Weihwasserkessel, Kanzelkreuz, Mater-dolorosa-Figur). Möglicherweise sind die identischen oder doch sehr ähnlichen Formen und Gestaltungen Hinweis darauf, dass die Gegenstände oder Figuren schon bei der Erbauung der Kirche 1739 hergestellt worden sind.
Aus der Zeit der Erbauung stammt der einzige Altar mit einem prächtigen Aufbau (Retabel). Das mächtige Gesims wird von sechs Säulen (4 gewendelte und 2 glatte) mit korinthischen Kapitellen getragen.
Im Zentrum des Altars befindet sich eine Nische mit Blumenmalerei auf grünem Hintergrund. Dort steht unter einer Muschelkalotte die Holzplastik des hl. Mauritius| Eine herzförmige, von einem
goldenen Strahlenkranz umgebene Brustkustodie (Brustreliquiar)
der Hochaltarstatue in Ottmarshart birgt die Reliquien. Dies bewirkt gleichsam
eine direkte Begegnung des Gläubigen mit dem Heiligen. Im Brustreliquiar
erscheint der Heilige dem Gläubigen von Angesicht zu Angesicht, der
ihm seine Bitte sozusagen persönlich vortragen kann. zu beiden Seiten des Heiligen halten zwei Figuren Märtyerpalmzweige bzw. ein Kreuz mit drei Nägeln in ihren Händen. Es handelt sich dabei entweder um die Gefährtinnen des Mauritius oder (nach anderer Quelle) um Engel . |
| Hinweis: Die immergrünen Blätter des Palmzweigs in ihrer Hand symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit. |
| Der Altaraufsatz enthält ein Bild des hl. Augustinus, eines der vier Kirchenlehrer. Der Heilige hat eine Feder in der Hand; auf seinen Knien liegt ein aufgeschlagenes Buch. Er hält mit dem Schreiben inne. Sein Blick geht nach oben; von dort weist ein Pfeil auf ihn. Das Bischofsgewand wird von einem brennenden Herzen zusammengehalten. Neben dem Bild stehen Engel mit offenen Büchern und der Bischofsmütze (Mitra). Dieses Augustinusbild verdeutlicht die Verbindung zum Kloster Indersdorf (Augustinerchorherrenstift). |
| Hinweis: Augustinus war Bischof von Hippo in Nordafrika. Er hat mehrere Bücher geschrieben. Eines der bekantesten sind die "Confessiones" (Bekenntnisse). Auf dieses Buch weist der Text in dem Buch, den einer der Engel hält (Bild siehe oben). Der Pfeil versinnbildlicht die göttliche Eingebung. Das ein brennendes Herz ist Zeichen seiner feurigen Gottesliebe. |
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Ein Schmuckstück ist auch der vergoldete und reich verzierte Tabernakel. In seine Frontseite ist ein Kreuz geschnitten, das den Blick in das Innere freigibt. Dort steht -stellvertretend für die in Indersdorf aufbewahrte Monstranz- ein Kruzifix. |
| Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
| Neben dem Tabernakel sind zwei
ovale Reliquienbehälter
mit vergoldetem Schmuckrahmen zu sehen. Die Reliquien sind mit Gold- und
Silberdraht, schimmernden Perlen, Halbedelsteinen, Wachs und Stoff eingearbeitet
(Klosterarbeiten).
Eine ovale Plakette im Edelsteinrahmen erinnert an eine Jungfrau und Märtyrin Martina (Patronin der stillenden Mütter); darunter ist der Name des damals aktuellen Papstes Innozenz XIII. (1721-1724) eingraviert. Diese Plakette entstand somit in der Zeit zwischen 1721 und 1724. Eine kleinere Plakette im oberen Teil des Reliquienbehälters zeigt das Lamm Gottes und die Inschrift "Ecce Agnus Dei" und darunter den Papstnamen Benedikt XIV (1740-1758). Der Reliquienbehälter muss deshalb nach 1740 entstanden sein. |
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Hinweise:
Martina (um 230) war die Tochter eines römischen Konsuls.
Sie sollte - wohl unter Kaiser Alexander Siverus - im Apollo-Tempel opfern,
aber vor der Statue schlug die sich als Christin bekennende Martina ein
Kreuz: Das Götterbild zerbarst, der Tempel stürzte ein. Martina wurde
nun einer Reihe von Foltern überantwortet; himmlischer Beistand half ihr,
sie zu überstehen. Gegeißelt und mit Haken gerissen, wurde sie im Amphitheater
den Tieren vorgeworfen, aber der Löwe, der sie verschlingen sollte, legte
sich ihr zu Füßen. Als Martina auf einen Holzstoß gestellt wurde, erlosch
das Feuer durch einen Gewitterregen; schließlich wurde Martina enthauptet.
In Rom ist die Kirche SS. Luca e Martina auch dieser Heiligen geweiht.
Auf einem Muttergottesbild von El Greco (1599) ist Martina neben der Gottesmutter
abgebildet ( National Gallery of Art in Washington). Gedenktag: 30.Januar |
An den Außenwänden stehen in Höhe des Altars zwei Heiligenfiguren auf Postamenten:
| Links der hl. Nepomuk mit einem Kreuz. Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. | rechts: St.Josef mit Zimmermannswinkel. Josef war nach Aussage der Bibel Zimmermann in Nazareth. |
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Weitere Figuren im vorderen Kirchenbereich stellen den Erzengel St.Raphael mit Wanderstab (Kreuzstab) Wanderflasche und Wanderschuhen (links) und St.Florian in römischer Soldatenkleidung mit Wasserschaff in der rechten Hand und einem brennendem Haus zu seinen Füßen (rechts) dar. |
| Hinweise: St.Florian
war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen
Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern
mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll
er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. Die Figur des Erzengels Raphael (Name bedeutet im Hebräischen:Heiler mit Gottes Hilfe ) ist eng mit der Geschichte des Tobias verbunden, dem er Schutz und Medizin bei einer Reise gibt (deshalb die Reiseutensilien). Er hilft ihm auch den Fisch zu finden mit dessen Galle der Vater des Tobias von den weißen Flecken auf seinen Augen geheilt wird. Raphael wurde im Mittelalter zum Inbegriff des Schutzengels. |
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Auf der Südseite eine Kanzel, deren Treppe und Kanzelkorb mit reichem Ornamentmustern (Gold auf Blau) verziert ist. Auf der Unterseite des Schalldeckels eine gemalte Heilig-Geist-Taube auf blauem Grund. Oben auf dem Schalldeckel steht eine kleinere Figur des hl. Mauritius, wieder mit der hl.Lanze in der Hand. Auf dem Kopf eine vornehme Kopfbedeckung. |
| Hinweis: Die Gestalt der
Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes
gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach
fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine
Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte
sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube
als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes
gewählt. Das Konzil von Nicäa
im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen.
Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen
Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Die Kanzel in Ottmarshart soll übrigens älter als die Kirche sein, d.h., sie wurde entweder von der Vorgängerkirche übernommen oder von einer anderen Kirche zugekauft. Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. |
![]() 4 Details (Türbeschläge, Figuren, Bänke) per Mouseklick |
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Im hinteren Bereich der Kirche stehen auf barock geschwungenen Postamenten Figuren des hl. Leonhard im Mönchsgewand mit dem Abstab und Ketten in den Händen sowie des hl. Sebastian, an den Marterpfahl gebunden und von drei Pfeilen durchbohrt. |
| Hinweise: Leonhard (in
Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und
später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und
erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb
galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also
der Gefangenen; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere,
weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
| Das Akanthusmuster der kunstvoll mit geschnitzten Wangen der Kirchenstühle entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Markt Indersdorf, Bergkirchen, Hilgertshausen, Pasenbach, Pipinsried, Sigmertshausen, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier.... |
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Im Altarraum sind aber
beidseits des Altars zwei Rokoko-Wandleuchter angebracht.
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| Auf der Empore sind in einem Schrank die alten Paramente (liturgische Kleidung der Priester) aufbewahrt.Die Kirche besitzt keine Pfeifenorgel. |
Das alte Harmonium wurde
durch eine neue elektronische Orgel (mit erstaunlich vollem Klang) ersetzt.
Die Emporenbrüstung ist nicht bemalt. |
| Die Eingangstüre ist auf der Innenseite und auf der Außenseite mit schönen Beschlägen ausgestattet. Das Muster entspricht dem an den Albersbacher Türen. |
| Dass die Kirchen in Albersbach und Ottmarshart nicht nur den gleichen Bauplan hatten, ist auch an den Weihwasserkesseln am Eingang zu sehen. Sie stammen sicher aus der gleichen Werkstatt. Sehen sie selbst..... |
Nicht mehr in der Kirche ist ein großer Kupferstich, auf dem der Augsburger Künstler Gottfried Bernhard Göz (1708-1744) das Martyrium des hl. Mauritius (Enthauptung) dargestellt hat. Das Kunstwerk hängt nunmehr im Pfarrhof in Indersdorf.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1880
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 315, 390,
702)
Amperbote vom 18.7.1922
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Auszug aus der Hofchronik des Wicklmair Hofes (heute Wackerl)
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen
und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Dr.Peter Dorner, Indersdorfer Gnadenstätten, Amperland 1982/4
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer
Landes, 1991 (Weihe 1739)
Erläuterungen von Frau Wackerl jr. bei der Kirchenführung am 15.6.2003
Dachauer Nachrichten vom 29.12.2006
Dr.Peter Dorner, Burgen und Schlösser in Deutschland und deutschsprachigen
Ländern und Regionen (www.burgeninventar.de)
31 Bilder:Hans Schertl (2003)
Die Verehrung des hl. Mauritius (Moritz) und die Wallfahrt zu seinem Grab zählen zu den ältesten christlichen Kulten im westlichen Europa. Um das Jahr 426 verfaßte Bischof Eucherius von Lyon eine Passio über das Martyrium der 6.666 Mann starken "Thebäischen Legion" und ihres Anführers Mauritius.
Nach der Legende war Mauritius römischer Offizier, Anführer der 22., der "thebäischen" Legion, die in der Gegend um Theben in Ägypten ausgehoben worden war und nur aus Christen bestand. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, jeden zehnten Mann zur Abschreckung umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die ganze Legion ermordet war.
Fest steht, dass in der spätestens im Jahre 380 über den Gräbern der Thebäischen Märtyrer errichteten Kirche Wunderheilungen geschahen und Weihegeschenke niedergelegt wurden. Zwischen 510 und 520 ließ der junge, später heiliggesprochene Burgunderfürst Sigismund dort ein Kloster bauen, von welchem die Verehrung des hl. Mauritius und anderer Märtyrer aus seiner Legion ihren Ausgang nahm.
Größere Kultstätten auf deutschem Boden entstanden an Mosel und Rhein: Ende des 7. Jahrhunderts in Echternach, 920, mit der Übertragung von Mauritiusreliquien, im Kloster Tholey, später in Trier, Mainz, Köln und Aachen. Ein weiteres Kerngebiet des Kultes entwickelte sich im süddeutschen Raum um Main und Donau und auf der Insel Reichenau im Bodensee. Ältestes bayerisches Mauritiusheiligtum ist das 741 gegründete Kloster Niederaltaich. Über seine Kirchen und Propsteien in Aurolzmünster bei Linz (um 800), Spitz an der Donau und Ingolstadt (841) und durch weitere Verteilung von Reliquien des hl. Mauritius verbreitete sich sein Kult in Osterreich und Bayern.
Auch Bischof Ulrich von Augsburg + 973) erhielt Gebeine dieses Heiligen und anderer Thebäer, die in einer eigenen Kirche der Stadt zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt wurden. Bamberg, Würzburg und Konstanz besitzen ebenfalls solche Heiligtümer Besondere Pflege fand der Kult des hl. Mauritius als "Ritterheiliger" im Mittelalter in den Adelsklöstern. Die Grafen von Scheyern, dann das Kloster Scheyern, waren die Patronatsherren der St. Mauritius-Kirche in Edelstetten, welche später die Grafen von Sandizell übernahmen, von denen viele den Vornamen Moritz trugen.
Nach Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert besaßen auch Kirchen im Dachauer Land, u. a. die Wallfahrtskirche Maria Stern in Taxa sowie die St. Leonhard geweihte, 1889 profanierte Kapelle im Schloß Eisolzried, Reliquien des hl. Mauritius und anderer Thebäer, etwa des hl. Gereon.
Als himmlischer Helfer und Wallfahrtspatron wird St. Mauritius, wie schon gesagt, seit dem 4, Jahrhundert verehrt. Später galt er u. a. als Schutzheiliger der Ritter und Soldaten, verschiedener Handwerke und Gewerbe, u. a. der Färber, Glasmaler, Hutmacher, Krämer, Tuchmacher, Messer- und Waffenschmiede. Er war auch Beschützer der Kinder, half gegen Besessenheit und verschiedene Krankheiten, z. B. Gicht, Podagra und - als enthaupteter Heiliger - gegen alle Leiden und Beschwerden der Organe des Kopfes, insbesondere der Ohren.
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8.6.2010
Primiz
von Leonhardt Wackerl aus Ottmarshart
in Indersdorf
Amperbote vom 18.7.1922
Trotz des ungemein schlechten Wetters,
das dem Primiztag des Neupriesters, Hochwürden Herrn Leonhardt Wackerl
von Ottmarshart beschieden war, hatten sich wohl an die 2500 Personen aus nah
und fern in Indersdorf eingefunden. Gar viele ließen es sich nicht nehmen,
obwohl es in Strömen regnete, vor dem Pfarrhof auf die Ankunft des Hochwürden
Herrn Primizianten zu warten. Kurz vor 9:00 Uhr traf er dort in Begleitung seiner
Eltern und der nächsten Verwandten ein, ehrfurchtsvoll von der harrenden
Menge begrüßt. In feierlichem Zug wurde er zur Pfarrkirche geleitet,
die zum Erdrücken voll war. Vor den Stufen zum Presbytherium angelangt,
hielt der Zug und sprach ein weiß gekleidetes Mädchen einen sinnigen
Willkommensgruss. Sodann wurde der Hochwürden Herr Primiziant zum
Altar geleitet, wo selbst er das "Beni sankte Spiritus" anstimmte.
Nachdem der verstärkte Kirchenchor dasselbe gesungen hatte, begann ein
Onkel des Neugeweihten, Hochwürden Herr Stadtpfarrer Wackerl von München-Giesing
seine Festpredigt. Ausgehend von der hohen Bedeutung des Primiztages
für den Neugeweihten und das gläubige Volk, wies der Festprediger
daraufhin, dass es auf dem bisherigen Lebensweg des Neupriesters nicht gefehlt
habe an Schwierigkeiten, drohenden Wetterwolken und Kämpfen, bis er das
Ziel erreichte. Er erinnerte hier vor allem an den Krieg, an dem der Primiziant
durch Jahre hindurch teilnahm, der ihm aber den Glauben nicht raubte, sondern
ihn erst recht auf den Weg brachte, dessen Ziel heute erreicht sei. Freudig
habe er vor zwei Wochen bei der Priesterweihe sein Jawort gegeben und ist damit
für alle Zeit mit der Bürde des Priestertums belastet worden, aber
auch eingegangen in das heilige Land des Priestertums. Glücklich könnten
Vater und Mutter auf den Sohn und die Geschwister auf den Bruder schauen. Mit
der Priesterkrone sei ihm heute das gläubige Volk entgegengezogen in der
Kirche in der er als Knabe gebetet, als Jüngling am Altar gedient und heute
als Neugeweihter sein erstes heiliges Messeopfers halten werde. Damit diesem
feierlichen Augenblick himmlische Dinge und geheimnisvolle Gewalten in seine
Hand gegeben seien, wolle er nunmehr die Frage behandeln: "Woher und wozu das
Priestertum?" bevor er in die Behandlung dieses Themas eintrete, bitte er den
Hochwürden Herrn Primizianten um seinen Segen.
Es war ein feierlicher Augenblick, als alles auf die Knie sank und überallhin
vernehmbar die Segensworte klangen. Eingehend behandelte nun der Festprediger
in seinen weiteren Ausführungen die oben wiedergegebene Frage, um mit zwingender
Logik zu dem Ergebnis zu kommen: Das Priestertum ist von Gott gestiftet zum
Heil der unsterblichen Menschenseele. Zum Schluss forderte Hochwürden Herr
Stadtpfarrer Wackerl den Primizianten auf, mit Mut und Tatkraft seinen neuen
Lebensabschnitt zu beginnen und bei seinem ersten Heiligen ist Opfer seiner
lieben Eltern und Angehörigen, seines auf der Loretthöhe gefallenen
Bruders und des ganzen versammelten Volkes zu gedenken.
Nun begann das feierliche Hochamt, bei dem dem Hochwürden Herrn
Primizianten Wackerl als Diakon und als Subdiakon assistierten die Hochwürden
Herrn Primizianten Johann Wirthmüller aus Odelzhausen und Johann Siemseder
aus Taufkirchen. Als Patrinus waltete Hochwürden Herr Pfarrer Eckl seines
Amtes. Unter der Direktion des Herrn Lehrers Roll brachte der Kirchenchor in
wirklich mustergültiger Weise die Stein'sche Festmesse in C zur Aufführung,
so dass das erste heilige Messopfer des Hochwürden Herrn Primizianten zu
einer selten schönen Feierstunde wurde.
Nach Beendigung des heiligen Messeopfers sang der Chor das: "Gegrüßet
seist du Königin" von Thielen. Während dessen knüpfte der Hochwürden
Herr Primiziant an die Fahnen des Veteranenvereines Indersdorf, des katholischen
Burschenvereins Indersdorf, des Marienvereins Indersdorf, des katholischen Arbeitervereins
Dachau, des Arbeiter-Krankenunterstützungsvereins Indersdorf, und des Rauchklubs
Indersdorf schöne Erinnerungsbänder. Hierauf folgte die feierliche
Erteilung des päpstlichen Segens durch Hochwürden Herrn Primizianten
Wackerl, nachdem zuvor Hochwürden der Pfarrer Eckl das diesbezügliche
Breve des Heiligen Vaters Pius XI. verlesen hatte, nach welchem im heurigen
Jahr alle neugeweihten Priester an ihrem Primiztag im Anschluss an das erste
heilige Messeopfer den päpstlichen Segen erteilen dürfen. Nach dem
folgenden, mächtig durch die herrlichen Räume der Klosterkirche brausenden:
"Großer Gott loben dich!" erteilten die Hochwürden Herren Primizianten
Wackerl, Wirthmüller und Siemseder nochmals den Primizsegen.
Und nun wurde der Neugeweihte wieder im Triumphzug zum Pfarrhof zurückgeleitet.
Unter den äußerst zahlreichen Festgästen, bei denen sich
viele geistliche Herren mit dem Herrn Dekan Höckmayer an der Spitze befanden,
sahen wir außer den bereits genannten hochwürdigen Herren, Hochwürden
Herrn Pater Michael Huber, O.S.B., aus Metten (ein Vetter des Hochwürden
Herrn Wackerl), frühere Landtagskollegen des Vaters des Primizianten, so
aus Bruck und Altötting, die Herren Oberzollrat Abgeordneter Gierl, Oberlandesgerichtsrat
Walter, viele Freunde aus München und Dachau und so weiter. Der kirchlichen
Feier folgte im Fuchsbüchlersaal ein den heutigen Zeitverhältnissen
angepasstes Mahl, das von Herrn Gastwirt Waldinger sehr gut bereitet worden
war. Die Kapelle des katholischen Burschenvereins Indersdorf sorgte unter der
Direktion des Hochwürden Herrn Expositus Bachmeier für eine sehr gute
Tafelmusik, während die Herren Hochwürden Pfarrer Eckl, Stadtpfarrer
Wackerl und Pater Michael Huber in ernsten und launigen Worten die Bedeutung
des Tages würdigten.
Einer stimmungsvollen Nachmittagsandacht in der Klosterkirche folgte eine allgemeine
Familienunterhaltung, an der Festgäste und Pfarrangehörige in derart
großer Zahl teilnahmen, dass der große geräumige Saal
überfüllt war. Ein Zeichen übrigens für die Beliebtheit,
deren sich die Familie Wackerl erfreut. Für Unterhaltung war bestens gesorgt
durch das Konzert der Burschenkapelle, durch Liedervorträge des Musik-
und Gesangsvereins Indersdorf und durch köstliche deklamatorische und gesangliche
Vorträge von Mitgliedern des Marienvereins und von Zöglingen der Marienanstalt,
deren Schwestern im Verein mit dem Herrn Pfarrmesner Winkler auch für den
prächtigen Altar- und Kirchenschmuck sorgten. Leider waren die Vorbereitungen
für den Schmuck des Feldaltars vor der Mariensäule usw. umsonst getroffen.
Kloster Indersdorf und Ottmarshart rankten übrigens im schönsten Festschmuck
und waren zahlreiche Triumphbögen errichtet worden. Alles in allem, die
Primizfeier war trotz der Ungunst der Witterung eine sehr erhebende und eindrucksvolle
und wird sie darum auch allen Teilnehmern unvergessen bleiben.
Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen
Wackerl
Leonhard - Anmerkungen zur Person
von Eleonore Philipp, Niederroth
Leonhard Wackerl
(*03.11.1897 in Ottmarshart, †17.02.1947 in Oberhaching) war der Sohn des Landwirts
und Landtagsabgeordneten Michael Wackerl aus Ottmarshart bei Indersdorf. Auf
Anregung des Pfarrherrn von Indersdorf, Karl Ramlo, wurde Leonhard auf die Lateinschule
der Benediktiner in Scheyern geschickt und besuchte später das Gymnasium
in Freising.
Noch vor dem Abitur musste er am 4. April 1916 zum Militär; zunächst
kam er zum 16. Inf. Regt. nach Passau, das in dem kurz vor dem Krieg fertiggestellten
Priesterseminar untergebracht war. Dann kam er am 9. September 1916 zum 15.
Bayer. Inf. Regt. nach Neuburg/Donau und dann als Gefreiter, Unteroffizier und
Feldwebel zuletzt nach Grafenwöhr/Opf. zur Erlangung des Offizierpatentes. Nach
dem Fronteinsatz in Frankreich wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Kl. und dem
Bayer. Militärverdienstskreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet.
Die Heimkehr im Dezember 1918 legte er zu Fuß zurück und trat am 19. Januar 1919 in das Priesterseminar Georgianum in München ein. Die Priesterweihe erfolgte am 29. Juni 1922 im Dom zu Freising. Wegen strömenden Regens konnte die Primiz – nicht wie vorgesehen - im Freien gefeiert werden, sondern wurde in der Klosterkirche Indersdorf ausgerichtet unter Anwesenheit seines Onkels, Stadtpfarrer Jakob Wackerl von München-Giesing, der Eltern und Verwandten und 2500 Personen aus Nah und Fern. Die weltliche Feier folgte im Indersdorfer Fuchsbüchlersaal.2
Am 2. August 1922 trat er seinen ersten Posten als Koadjutor in Riedering bei Rosenheim an und ab 2.03.1923 seine zweite Seelsorgestelle in Übersee. 1925-1934 wurde er beurlaubt zur Übernahme einer Stelle als Sekretär im „Leohaus“ in München, 1934-1942 wirkte er als Kaplan und Beichtvater in der Anstalt Schönbrunn, 1942 war er Kurat im Landhilfskrankenhaus in Schönbrunn bei Röhrmoos. 1942 übernahm er die Pfarrstelle in Oberhaching.
Leonhard Wackerl war befreundet mit Josef Roth, der mit ihm zusammen zum Priester geweiht wurde und der seine erste Kaplanstelle in Indersdorf fand (1922-1924). Nach dem tragischen Unfalltod von Josef Roth zelebrierte Kaplan Wackerl den Trauergottesdienst Ende Juli 1941 in der Basilika zu Ottobeuren. Die Nichte von Leonhard Wackerl, Frau Götschel aus Indersdorf (Tochter des Jakob Wackerl aus Ottmarshart, verheiratet mit Ernst Götschl, Kelterei Indersdorf), berichtete der Verfasserin im Dezember 2004, dass die Freundschaft zwischen den beiden Geistlichen über all die Jahre sehr herzlich war, dass aber Wackerl sich nie von der NS-Ideologie Roths überzeugen ließ. <
Quelle:
Hofbuch für Ottmarshart Hs. Nr. 10 zum Wicklmair“, Familienchronik, verfasst
von Leonhard Wackerl, masch.geschr., unveröffentlicht, 92 Seiten (Privatbesitz)