zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibung       Pfarrei Jarzt     Gemeinde Fahrenzhausen


Filialkirche St.Stephanus in LAUTERBACH

SonnenuhrStützpfeiler

Adresse : 85777 Fahrenzhausen, Stephansweg 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Das Dorf Lauterbach an der Bundesstraße 13 zwischen Fahrenzhausen und Hohenkammer liegt im Landkreis Freising.

Die Kirche ist schon seit 1315 eine Filiale der Pfarrei Jarzt. Der Ort ist aber pfarrlich
dreigeteilt: Ein Hof gehört zur Pfarrei Giebing, zwei Höfe zur Pfarrei Hohenkammer und die restlichen Höfe zur Pfarrei Jarzt.

Das kleine Gotteshaus liegt idyllisch an der Westseite des Orts unmittelbar an einem Bauernhof. Die erste schriftliche Erwähnung stammt schon aus der Zeit um 792 bis 794.
Der heutige Kirchenbau stammt im Wesentlichen aus der Zeit der Gotik. Aber im Kirchenschiff sind auch noch größere romanische Teile erhalten.

Eine Besonderheit ist die Bemalung der gesamten Außenwände des Gotteshauses mit hellroten Quadersteinen und der Fensterlaibungen mit dem originalen Tüpfelmuster.

Auf dem Dach sitzt am Übergang zwischen Altarraum und Kirchenschiff ein Türmchen mit zwei Glocken.

Bemerkenswert sind noch Reste alter Bemalungen im Inneren an den Chorwänden, den Fensterlaibungen und am Altartisch. Die Jahreszahlen 1470 oder 1476 an der Wand hinter dem Altar könnten für das Baujahr des Altarraums stehen.


Wandzeichnung 15.Jh.

Der nicht eingezogene Altarraum ist von einem Netzgewölbe überzogen, Die Rippen wurden vor langer Zeit abgeschlagen; bei der letzten Renovierung hat man sie farblich hervorgehoben.


Der Rokokoaltar stammt aus der Mitte des 18.Jh. Er besitzt eine Mittelnische mit seitlichen Säulen und Pilastern. Mittelpunkt ist eine Figur des hl.Stephanus, Assistenzfiguren sind die Apostel Simon und Judas Thaddäus.
Im Altarauszug ist ein Bild der Muttergottes mit ihrem Jesuskind auf dem Arm (Maria-Hilf-Bild) zu sehen.

Der einzige Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Das Motiv der Herzogspitalmutter mit Tränentuch und Schwert in der Brust ist nicht nur im Altarblatt des Seitenaltars, sondern auch im einzelnen Bild an der rechten Seite enthalten.

Interessant sind auch die Kreuzwegbilder mit bäuerlichen Malereien aus dem 18.Jh, auf denen noch die Ablässe verzeichnet sind, die die Gläubigen beim Kreuzweggebet erwarten konnten.

An der Südwand ist eine barocke Kreuzigungsgruppe mit der trauernden Mutter (mater dolorosa) unter dem Kreuz aus dem 18.Jh angebracht.

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Der Historiker August Alckens (1897-1983) beschreibt die Kirche mit folgenden Worten: "Das Ganze ein treffliches Bild bäuerlicher Kunst von großer Ursprünglichkeit." 03)


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


G
eschichte der Kirche

Die Kirche St.Stephanus ist eine Filiale der Pfarrei Jarzt. Eine Besonderheit Lauterbachs ist aber, dass die Höfe des Orts in der Pfarreizugehörigkeit dreigeteilt sind: Ein Hof (Langmayr) gehört bis heute zur Pfarrei Giebing, zwei Höfe zur Pfarrei Hohenkammer und die restlichen Höfe (11 bis 13) zur Pfarrei Jarzt. Wann und aus welchen Gründen diese Aufteilung erfolgte, ist nicht bekannt. Doch die Tatsache, dass schon im Jahr 1450 die Kirche in Giebing einen Zehent aus Lauterbach bezog, lässt auf eine sehr alte Regelung schließen. 12)

Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche (und eines Friedhofs) in Lauterbach stammt schon aus der Zeit um 792/94. In einer zur Zeit von Bischof Atto (783-811) ausgestellten Schenkungsurkunde ist festgehalten, dass die Priester Cotescalh und Cozpald ihren Besitz in Lauterbach vertauschten und ihn für ihr Seelenheil der Freisinger Kirche übergeben. Die Urkunde trägt kein Datum; die wahrscheinliche Ausstellungszeit ergibt sich aus den Lebensdaten zweier Zeugen, des Klerikers Hitto und des Notars Heilrih.
Interessant ist auch der Schluss der Urkunde, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Zeugen nach gutem bayerischen Brauch an den Ohren gezogen worden waren ("et haec testes per aures tracti"); sie sollten sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern können. Meist glich ein kleines Geschenk die Unannehmlichkeit mit den roten Ohren aus. 02)

Dass es sich bei der in der Urkunde mit "Hluttrinpah" benannten Ortschaft tatsächlich um das Lauterbach bei Fahrenzhausen handelt und nicht um den gleichnamigen Ort bei Bergkirchen, ist nicht sicher, aber nach Aussage von Historikern wahrscheinlich.
Den originalen /lateinischen Text der Urkunde können Sie hier lesen...

Auch die Konradinischen Matrikel aus dem Jahr 1315 spricht von einem Gottesacker bei der Filialkirche Lauterbach (Lauterbach cum sepulturis). Wie lange dieser Friedhof bestanden hat, ist nicht bekannt; nach der Sunderndorfer'sche Matrikel war er jedenfalls 1524 nicht mehr vorhanden (s.Stephani in Lautterbach sine sepultura).01)
Nach anderer Quelle soll in Lauterbach ein Leprosenhaus (Haus mit Leprastation) gestanden haben und deshalb eine alte Grablege besessen haben.

Das heutige Gotteshaus dürfte wohl in gotischer Zeit (15./16.Jh) erbaut worden sein. Dabei blieben einige Teile aus der romanischen Vorgängerkirche erhalten. Die Jahreszahlen 1470 oder 1476 an der Wand hinter dem Altar könnten für das Baujahr des Altarraums stehen.

Ob die Kirche im Dreißigjährigen Krieg beschädigt wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass nach den Schwedeneinfällen wohl mindestens die Hälfte der Anwesen niedergebrannt und viele Bewohner geflohen oder tot waren.

In barocker Zeit wurde die Kirche mit Altären neu ausgestattet.

Landkarte von 1721
Lauterbach und seine Kirche sind auch auf einer Landkarte aus dem Jahr 1721 zeichnerisch dargestellt.

Diese Augenschein-Karte wurde als Beilage zu einem Bericht des Kranzberger Pflegs-kommissärs Joh.Anton Däxner (1716-1723) angefertigt, der an die kurfürstliche Hof-kammer in München ging. Dort wollte man die jahrhundertelangen Streitigkeiten zwischen Pfaffenhofen und Kranzberg um die Hofmark Kollbach klären, die als Pfaf-fenhofener Exklave innerhalb der Grenzen Kranzbergs lag (sie kam übrigens erst 1758 nach Kranzberg).


Lauterbach auf einer
Zeichnung von 1721
Die besondere Bedeutung dieser Karte für uns liegt darin, dass hier über die Hofmarksansichten von Michael Wening (um 1700) hinaus, auch kleinere Orte in ihrem damaligen Aussehen dar-gestellt sind. Dies gilt vor allem für die Kirchtürme. Hier in Lauterbach ist ganz deutlich ein eigenständiger Zwiebelturm zu sehen. Es ist das Bild der Kirche im 18.Jh. Der heutige Dachreiter wurde erst im 19.Jh. errichtet.

Matrikel 1738 91).
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Kanonikus Schmidt aus Freising alle Pfarreien des Bistums besucht und in der nach ihm benannten Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Danach war die "Ecclesia Filialis s.Stephani in Lautterbach" ein ansehnlicher Bau. Sie hatte einen Altar, der dem hl.Stephanus geweiht war. Gottesdienste fanden am Kirchweihfest, das auf das Fest der Heiligen Simon und Judas - 28.Okt.- fiel), am Stephanustag sowie am Oster- und Pfingstmontag statt. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichender Zahl aufbewahrt. Dass ein Friedhof noch immer nicht vorhanden war, wurde eigens erwähnt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Jarzter Pfarrer und der Landpfleger von Crandtsperg (Kranzberg). Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses solle sich diser Zeit gegen 700 fl. (=Gulden) erstreckhen". Das war für eine Kirche dieser Größe angemessen.

Rätsel gibt ein Gemeinschaftssarg oder Klappsarg auf, der auf dem Kirchenspeicher gefunden wurde, obwohl doch schon seit 1524 kein Friedhof mehr vorhanden ist. Bei ihm lässt sich die Seitenwand öffnen, der Leichnam bleibt im Grab und der Sarg kann wieder herausgenommen und so mehrfach verwendet werden. In der Zeit der Aufklärung unter Kaiser Josef II. (1765-1790) wurden solche Särge als Sparmaßnahme bei der Beerdigung von Armen propagiert und sogar zwangsweise eingeführt. Der Klappsarg in Lauterbach soll -nach Rudolf Goerge- aus dem 19.Jh stammen, andere Quellen schätzen ihn älter ein. Zu besichtigen ist er im Diözesanmuseum Freising. Unter der Überschrift "Von Totenbrettern und Klappsärgen" wurde der Sarg im Jahr 2001 in der Zeitung beschrieben. Wenn Sie den Text lesen möchten, klicken Sie hier...

Klappsarg


Statistik

1852: Gemeinde mit 343 Einw., 61 Familien 15)

1876: 113 Einwohner, 41 Gebäude, 57 Pferde, 194 Rindviecher
13)


Baubeschreibung

Die kleine Kirche St.Stephanus liegt idyllisch an der Westseite des Orts, unmittelbar an einem Bauernhof.


Stützpfeiler

Die Kirche ist ein mittelalterlicher Bau. Sie stammt im Wesentlichen aus der Zeit der Gotik.
Vor allem aber im Kirchenschiff/Langhaus sind noch größere romanische Teile erhalten. Dies wird wohl auch der Grund dafür sein, dass die Mauern des Kirchenschiffs dicker sind als die des später angefügten Chors/Altarraums. So ist das Schiff innen um die unterschiedliche Mauerdicke schmäler als der Chor. Überdeckt wird es von einer Flachdecke aus Holz.
Der Chor/Altarraum schließt mit drei Seiten eines Achtecks und wird außen von schmalen, abgetreppten Stützpfeilern (Spornpfeilern) stabilisiert. Der Chor wird nach oben von einem spätgotischen Gewölbe geschlossen. Die Rippen sind zwar schon abgeschlagen, ihre Grundfläche ist aber farblich betont.

Eine Besonderheit des Baus ist die Bemalung der gesamten Außenwände des Gotteshauses mit hellroten Quadersteinen.

Die Sakristei ist an die Südseite in Höhe des Chorbogens angebaut. Sie besitzt im Inneren ein Kreuzgratgewölbe.

Sonnenuhr
An ihrer Giebelseite ist eine große Sonnenuhr aufgemalt, die aber wegen der hohen Bäume einen Großteil Ihrer Funktion verloren hat.



Kriegergedenktafel

Der Eingang mit dem Vorhaus liegt im Westen. In ihm ist das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs untergebracht.

Turm

Der kleine Turm (Dachreiter), ist an der Nahtstelle zwischen Altarraum und Kirchenschiff, auf den Chorbogen aufgesetzt. Er ist im unteren Bereich quadratisch, weiter oben achteckig, mit vier Schallfenstern. Oben wird er durch einen spitzen, mit Schiefer-schindeln gedeckten Helm gekrönt. Der Dachreiter wurde erst im 19.Jh errichtet. Auf einem Plan der Hofmark Hohenkammer von 1721 ist die Kirche noch mit einem barocken Zwiebelturm an der Ostseite abgebildet.

Im Turm hängen zwei Glocken, die beide 1950 bei
Karl Czudnochowsky in Erding gegossen wurden:
 die Stephansglocke hat ein Gewicht von 70 kg,
 die Marienglocke ein solches von 43 kg.
Die Glocken werden vom Altarraum aus mittels Seilen geläutet.

Glockenseile
Die Vorgängerglocken, die vom Münchner Glocken-gießer Laurentius (Lorenz) Kraus im Jahr 1782 gegossen (für 16 Gulden und 47 Kreuzer) 04) und später repariert worden waren, mussten noch in den letzten Jahren des 2.Weltkriegs zum Einschmelzen abgeliefert werden.
Lorenz Kraus war Spezialist für große Glocken: Für das Landshuter Martinsmünster hat er die drei
  schwersten Glocken (7.672 kg) gegossen 06) . Auch in der Wallfahrts-kirche Maria Brünnlein in Wemding und in der Wallfahrtskirche St.Leonhard von Dietramszell (1769) hängen große Glocken von ihm 05) . Im Dachauer Land hat er noch eine Glocke für Großberghofen geliefert (1769); es ist natürlich die größere Glocke.

Die letzte Restaurierung fand in den Jahren 1976-1979 statt.

 

Innenausstattung

  Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 11,90 m (davon Kirchenschiff: 6,10 m; Altarraum: 5,20 m; Chorbogen 0,60 m)
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 4,65 m; Altarraum: 4,85 m; Chorbogen: 2,75 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 4,15 m; Altarraum: 3,60-3,90 m (+ 1 Altarraumstufe); Chorbogen: 3,40 m

Der Boden der Kirche ist mit Solnhofener Platten in Diagonalrichtung belegt.

Altarraum
Der zweijochige Altarraum ist nicht eingezogen und schließt mit drei Seiten eines Achtecks. Er wird von einem gotischen Tonnengewölbe
mit Stichkappen überdeckt, das -ohne Konsolen- direkt aus der Mauer herauswächst. Die Decke ist ockerfarben, mit weiß ausgesparten Netzrippen bemalt. Die üblicherweise hervorstehenden Rippensteine wurden vor langer Zeit -möglicherweise bei der Barockisierung der Inneneinrichtung - abgeschlagen.

Drei spitzbogige Fenster (1 nördlich, 2 südlich) erhellen den Chor. Die Laibungen der südlichen Fenster sind innen und außen mit roten und ockerfarbigen Punkten und Dreiecken dekoriert. Reste dieser Bemalung wurden bei der Renovierung gefunden und ergänzt. Das Muster hatte sich erhalten, weil ein Fenster über lange Zeit zugemauert war.

An der nördlichen Schrägwand des Chores und am Gewölbe sind drei Kreuz-, Blüten-oder Sonnenmotive sowie die Buchstaben
"W 1 S" (Signatur des Baumeisters ?) zu sehen.
Hinter dem Altar steht an der Wand die Jahreszahl 1470 oder 1476. Dies könnte das Erbauungsjahr des Altarraums sein.
Die Ziffer 4 wurde früher als halbe 8 geschrieben, die 7 war nach vorne geneigt.

Hochaltar / Choraltar

Der Rokokoaltar stammt aus der Mitte des 18.Jh. und wurde wohl für eine andere Kirche geschaffen. Er besitzt eine Mittelnische mit seitlichen Säulen und Pilastern und ist in den Farben Rot und Grau marmoriert. Der Altartisch ist gemauert. An der Frontseite wurde bei der Renovierung eine ähnliche Bemalung wie an den Fensterlaibungen gefunden. Man hat sie nicht ergänzt, sondern als Fragment erhalten.

Altaraufsatz
Im Altarauszug/Altaraufsatz ist zwischen gesprengten Segmentgiebeln ein hochovales Maria-Hilf-Bild zu sehen, begleitet von zwei vergoldeten Vasen.

Maria-Hilf-Bild
Dieses Bildnis ist in vielen Kirchen unserer Gegend zu finden. Wenn Sie Interesse an der Geschichte dieses Typus' haben, das erstmals von Lukas Cranach dem Älteren (1472-1553) gemalt wurde, klicken Sie hier...
Mittelteil
Die Mittelnische ist von einem Rocaille-Rahmen umgeben. In ihr kniet auf Wolken eine große Figur des hl.Stephanus, in das kurzärmelige Gewand des Diakons gekleidet. Er hält einen Märtyrerpalmzweig und drei Steine als Hinweis auf sein Martyrium in den Händen. Die Bibel unter den Steinen weist ihn als Verkünder des Evangeliums aus.

St.Stephanus
Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostel-geschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete.
  Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrers über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".
Assistenzfiguren

Apostel Simon
Auf den Außenkonsolen stehen Holzfiguren der Apostel
—  Simon der Zelot (links), mit einer Säge und
—  Judas Thaddäus (rechts) mit einer Keule.
Die Apostel waren Brüder und enge Verwandte Jesu. Sie gehören zu denen, die in der Bibel als Brüder Jesu bezeichnet werden und nach katholischer Lehre Cousins Jesu gewesen sein könn-ten. Die Attribute weisen auf die Art des Martyriums (beide in Persien) hin: Simon wurde mit einer Säge zerschnitten, Thaddäus mit der Keule erschlagen. Am 28.Oktober feiert die Kirche die beiden Apostel-Brüder zusammen im Fest Simon und Judas.

Leider haben Kirchenräuber im Jahr 1976, als in der Kirche noch keine Alarmanlage installiert war, die wertvollen Originalfiguren und weitere sakrale Gegenstände gestohlen. Die Statuen wurden deshalb erst vor wenigen Jahren nach alten Fotos nachgeschnitzt. 10)
.

Apostel
Judas Thaddäus
Reliquien
Anstelle eines üblichen Tabernakels steht in der Predella ein mit Rocaille-Ornamentik verzierter Reliquienschrein.
Eine geschweifte Glastüre gibt bei Gottes-diensten den Blick frei auf eine schöne Reliquien-Monstranz in Kreuzesform.
    
Kreuzreliquie
In sie sind fünf Reliquien eingearbeitet:
In der Mitte die Kreuzreliquie;
um sie herum die Reliquien von St.Martin, St.Petrus, St.Nicolaus, St.Agatha.
Die Namen der Heiligen stehen auf kleinen Zettelchen (Cedulae) aus Pergament.

 

Zelebrationsaltar
Unter dem Chorbogen steht der Zelebrationsaltar (umgangssprachlich:Volksaltar) aus marmoriertem Holz. In gleicher Farbe und gleichem Stil ist auch der Ambo gefertigt. Beide haben Ähnlichkeiten mit Ambo und Altar in Jarzt.
Der Zelebrationsaltar wurde im Zuge der Liturgie-
reform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils aufgestellt und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.


Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = ver-brennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt
  und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. wich die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 14)

 

Kirchenschiff /Langhaus


Das Kirchenschiff wird von einer holzverkleideten Flachdecke überdeckt.

Seitenaltar

Die Kirche besitzt nur einen Seitenaltar, der auf der Nordseite steht. Zu seiner Herkunft gibt es zwei Annahmen:
a) Er stammt noch aus dem 17.Jh und ist somit älter als der Hochaltar. Aber er konnte nicht immer in
    Lauterbach gestanden sein, weil es in der Schmidt'schen Matrikel von 1739 heißt, die Kirche habe nur 1 Altar.
    Das war der Choraltar.
b) Aus Rechnungsnotizen ist zu schließen, dass der Seitenaltar von einem Kranzberger Kistler im Jahr 1731
    gezimmert und vom Maler Taddäus Kärpf gefasst worden ist. Kärpf habe auch das Leonhardsbild im Auszug
    gemalt.


Altarauszug
Im Altarauszug ist zwischen Sprenggiebeln ein hochovales Mittelbild des hl.Leonhard aus dem 18.Jh angebracht. Der Heilige ist in das Abtsgewand gekleidet. Er hält den Abtsstab und Viehketten in den Händen. Hinter ihm lugen ein Pferd und ein Rind hervor.

St.Leonhard
Hinweis: Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man
  ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.

Zwischen gedrehten, rötlich marmorierten Säulen hängt in einem Rechteckrahmen ein Ölgemälde auf Holzuntergrund, das die Herzogspitalmadonna darstellt.


Herzogspital-Madonna

Maria ist in ein rosa-blaues Gewand mit rotem, über den Kopf gezogenen Überwurf gekleidet. Sie hält in der Hand ein Tränentuch mit Spitzenborte. Ein großes Schwert durchdringt ihre Brust.

 


Schweißtuch
der Veronika

In der Predella ist ein Holzbild mit dem Antlitz Jesu auf dem Schweißtuch der Veronika (sog. vera icon = wahres Bild) zwischen zwei Engelsköpfen zu sehen.


Weitere Gemälde


Lauterbach-Bild

 

Neben dem Seitenaltar hängt an der Wand ein Gemälde, das die Lauterbacher Einwohnerschaft zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 1992 erstellen ließ. Der Künstler war der Freisinger Maler Baum.
Auf dem Bild ist die Lauterbacher Kirche, davor St.Stephanus und darüber auf Gewölk die Hl.Dreifaltigkeit in Form des sog. Gnadenstuhls zu sehen.
Hinweis: Der Gnadenstuhl ist ein Darstellungstypus der göttlichen Dreifaltigkeit in der christlichen Kunst. Gott Vater präsentiert Christus den Betrachtern als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden. Die Aussage des Gnadenstuhls kann mit den Worten "Zugang zu Gott nur über Jesus Christus" beschrieben werden. Das Wort Gnadenstuhl ist erst von Martin Luther geprägt worden. Gnadenstuhl entspricht dabei der Übersetzung der Formel von thronum gratiae, die sich im Hebräerbrief (9,5) findet. Dort beschreibt Paulus die Bundeslade: "Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenthron". Die Anfänge des künstlerische Gnadenstuhl-Motivs sind auf Illustrationen des um 1120 entstandenen Messkanons zu finden. Der Gnadenstuhl gilt als die bedeutendste mittelalterliche Bildschöpfung für die Darstellung der Dreifaltigkeit.
Herzogspitalmadonna
Auf der rechten Seite ist an der Stelle eines Seitenaltars ein weiteres -leider schon etwas nachgedunkeltes- Bild der Herzogspitalmutter angebracht. In diesem Bild ist Maria aber mit einem roten Kleid und einem dunkelblauen Überwurf gekleidet. Das Tränentuch hat keine Spitzen. Das Schwert in der Brust ist kürzer. Maria ist nicht so filigran dargestellt, wie auf dem Bild am Seitenaltar.
Die originale Herzogspitalmutter ist eine Holzstatue der Schmerzhaften Muttergottes, die am 21. Januar 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens von Bayern (1685-1694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der

Herzogspital-
Madonna
Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph
ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.

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Kreuzwegstationen

An den Wänden des Kirchen-raums hängen die Bilder der 14 Kreuzwegstationen. Sie wur-den schon in der ersten Hälfte des 18.Jh (andere Quelle: um 1800) mit Ölfarbe auf Holz ge-malt. Es handelt sich um far-


Kreuzwegbild
benfrohe Malerei im bäuerlichen Stil.
Der Künstler ist nicht bekanntAuf den Tafeln werden im oberen Teil auch die Ablässe ge-nannt, derer man beim Kreuzweg an den ein-zelnen Stationen teilhaft wurde. Interessan-terweise wird -so wie in Westerndorf- beim er-sten und den letzten vier Bildern ein vollkom-mener Ablass, bei den anderen Bildern (die den tatsächlichen Kreuz"weg" abbilden) nur ein sol-cher von 7 Jahren und 7 Quadragenen (Qua-dragene = 40 Tage) gewährt. Papst Clemens XII. erkannte am 16. 1. 1731 den Kreuzweg in den Kirchen als kanonisch an. Er verfügte: "es können Ablässe bei jedem Kreuzwege gewon-nen werden, der mit Gutheißung und Zustim-mung des Diözesan-Bischofes oder eines ei-gens hiezu bevollmächtigten Priesters errichtet wird". Diese Ablässe kamen aber nicht leben-den Menschen, sondern nur den Armen Seelen im Fegfeuer zugute 36)
.

               Apostelkreuze

Apostelkreuze und -leuchter waren früher in der Kirche an den Wänden angebracht. Zwei dieser insgesamt 12 alten Apostelkreuze wurden im Altarraum und im Kirchenschiff freigelegt. Die sicherlich früher an den Kreuzen befestigten Apostelleuchter sind nicht mehr vorhanden.
Hinweis: Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


Apostelkreuz

Das Eichengestühl mit insgesamt 11 Reihen (links 6, rechts 5) besitzt geschwungene Wangen. Es stammt aus der Zeit der letzten Renovierung (1979)

Kreuzigungsgruppe

An der Südwand ist eine barocke Kreuzigungsgruppe mit der trauernden Mutter (mater dolorosa) unter dem Kreuz aus dem 18.Jh angebracht. Die Muttergottes trägt eine vergoldete hochbarocke Krone auf dem Haupt; sie hat ihre Arme in Trauerhaltung über der Brust gekreuzt. Das sonst übliche Schwert in der Brust fehlt.
  Hinweis: Das Kreuz wird Kanzelkreuz genannt, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Obwohl Paulus diese Worte in anderem Kontext aussprach (Wir glauben trotz des Spotts der Nichtchristen an einen Gott, der das üble Stigma des Gekreuzigten trägt) wurde es später so gedeutet, dass die Ansprache nicht weltlichen Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben sollen.

Kreuzigungs-gruppe


Eine Kanzel fehlt heute zwar; sie war aber jedenfalls 1736 vorhanden, weil damals ein neuer Schalldeckel und eine
Stiege für die Kanzel geliefert wurden. Ein Jahr später wurde die Kanzel neu gefasst (bemalt), wie Kirchenrechnungen
aus dieser Zeit ausweisen.

Vortragekreuz

An der ersten Bankreihe ist ein Vortragekreuz befestigt. Das Metallkreuz sitzt auf einer langen, rotweiß gefärbten Holzstange. Die Kreuzbalkenenden sind dreipassförmig gestaltet. Der Corpus Christi ist versilbert.

Vortragekreuz
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdi-gungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesus-wort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor
  Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.


Empore und Opferstock

 

Opferstock

Die Empore aus unbehandeltem Nadelholz wird von einem Pfeiler gestützt.
In diesen Pfeiler ist der Opferstock eingebaut und von Schmiedeeisen-Beschlägen umgeben.


Die Emporenbrüstung ist in sechs Felder eingeteilt. Auf ihnen sind noch einige Gipsspuren zu sehen, die auf eine frühere Verzierung hinweisen.
Auf der Empore hängt an der Westwand ein Kriegergedächtnisbild für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, das Franz Radlmair im Jahr 1948 gemalt hat. Dargestellt ist ein sterbender Soldat, den ein Engel in das Jenseits begleitet.


Kriegergedächtnisbild


Portal


altes Türschloss

Die Eingangstüre besitzt ein altes Schloss, das möglicherweise auf die Zeit der Barockisierung im 18.Jh zurückgeht. Jedenfalls besagen Kirchenrechnungen, dass der Schlossermeister Franz Büechl aus Kranzberg für die Eingangstüre ein neues Schloss mit Schlüssel angefertigt hat. Eine wichtige Funktion hat das Schloss aber nicht mehr; inzwischen hat die Alarmanlage die Sicherung der Kirche übernommen.

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 156 )
03) August Alckens, Zwischen Isar und Amper, Landkreis Freising, 1969, S.38 (treffliches Bild)
04) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 ( Kraus)
05) Irene Crusius, GERMANIA SACRA historisch-statistische Beschreibung der Kirche des alten Reiches - Folge 24
        Die Bistümer der Kirchenprovinz Salzburg, Bistum Freising, Augustinerchorherrenstift Dietramszell (Kraus)
06) Die größten Glocken der Bundesrepublik Deutschland, http://www.glocken.impactev.de/glocken-in-deutschland.pdf (Kraus)
07) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
08) Beschreibung des Pfarrverbandes Jarzt-Fahrenzhausen vom 10.12.1991
09) Leben in Fahrenzhausen, Bürgerinformationen der Nachbarschaftshilfe, 1999
10) Benno Bichler und Michael Wildgruber, 2006
11) Geistl.Rat Anton Mayer, Wege-Zeichen-Glauben, Chronik der Pfarrei Jarzt, 2007
12) Johann Weckl, Lauterbach 2010 (Pfarrzugehörigkeit)
13) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern S.105, 1876 (Statistik)
14) Dr.Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
15) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852

34 Bilder: Hans Schertl (33), Benno Bichler (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.3.2018


Von Totenbrettern und Klappsärgen
- Alte Bräuche rund um das Sterben -

..... Ein anderer Gegenstand der damaligen Begräbnismöglichkeit hat sich bis heute erhalten - ein langer Klappsarg. Er wurde 1973 im westlichen Landkreis auf dem Dachboden der kleinen Ortskirche in Lauterbach entdeckt. Wie er dort hinkam, weiß heute niemand mehr. Der damalige Bauer Wildgruber, der neben der Kirche seinen Hof hatte und auch den Kirchenschlüssel aufbewahrte, meinte, er sei schon seit dem 30-jährigen Krieg dort oben. Da Lauterbach an der alten Heerstraße von München nach Ingolstadt liegt, ist es gut möglich, dass in früheren Zeiten hier allerlei Handwerksburschen und Heimatlose, Bettler und Landstreicher, vor allem aber viel Kriegsvolk durchzog. Und manchem wird wohl auf der nahen Landstraße oder im Ort selbst sein letztes Stündlein geschlagen haben.
Universelle Passform
Zu diesem Zweck war dann der hier abgebildete Sarg gut, den man immer wieder verwenden konnte. Er fällt nicht nur wegen seiner enormen Länge auf, misst er doch nahezu zwei Meter. Auch die Handgriffe sind nicht - wie sonst üblich - auf der Seite, sondern paarweise vorne und hinten angebracht. Sie deuten an, dass der Sarg eine besondere Verwendung fand. Der Deckel sitzt fest auf den Stirnwänden, doch die eine Stirnwand lässt sich sonderbarerweise mittels zweier Scharniere ganz herunterklappen. Nun ist nicht schwer zu erraten, wozu man den Sarg des Öfteren benutzt hat. Er passte somit für alle Verstorbenen. Wahrscheinlich waren es Durchziehende, die (in) der Pfarrgemeinde (Krankheiten) zum Opfer fielen oder aber Verarmte in der Gemeinde, deren es früher viel mehr gab als heute. Vielleicht hat der Sarg auch gerade während der großen Pestzeiten, die öfter noch nach Ende des 30-jährigen Krieges hier wüteten, gute Dienste geleistet....

Der Sarg mit geöffnetem Seitenbrett (vorne)

Peter H.Howe im Freisinger Tagblatt vom 30.10.2001

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Urkunde von 792/94
mit der ersten schriftlichen Erwähnung von Lauterbach (Hluttrinpah)