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Pfarrvisitation in Kreuzholzhausen 1560

Vorbemerkung:

Die Visitationsberichte enthalten neben den Feststellungen zu den theologischen Kenntnissen, der Amtsführung und dem Einkommen der Priester auch Bemerkungen zur Einhaltung des Zölibats. Dass damals die Pfarrer häufig Lebensgefährtinnen und Kinder hatten, wird heute teils schockiert, teils belustigt zur Kenntnis genommen. Doch man sollte für die damalige Zeit nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Zwar wurde das Zölibat 1139 für die gesamte kath.Kirche erlassen, doch bis zum 30jährigen Krieg war es jedenfalls bei uns üblich, dass die Pfarrer mit einer Frau zusammenlebten und Kinder hatten. Dies wurde vom Volk anerkannt und vom Bischof (der selbst Konkubinen hatte) toleriert. Erst durch die Reformation, die den evang.Priestern das Heiraten erlaubte, änderte sich die Einstellung. Möglicherweise trug auch die radikale Klimaverschlechterung um 1560 dazu bei, die Unmoral der Pfarrer stärker zu verfolgen. Denn man glaubte, dass sie eine Strafe des beleidigten Gottes für das Übermaß an Sündhaftigkeit auf Erden sei. Als Hauptsünden wurden Hexerei, Blasphemie, sexuelle Ausschweifungen und eben auch das Priesterkonkubinat ausgemacht. Katastrophen aller Art wurden als Folge menschlicher Verfehlungen betrachtet. Wolfgang Behringer spricht von Sündenökonomie, weil damals versucht wurde, "die Strafen Gottes für die Sünden der Menschen in rechnerische Kalkulationen zu transformieren".

Visitationsbericht von 1560 im Diözesanarchiv München
Die linke Hälfte der Seiten wurde für Hinweise
(z.B. von Vorgesetzten) frei gelassen

Die katholischen wie evangelischen Theologen gingen von einem kollektiven Menschheits-Sündenkonto aus, d.h., dass Gott eine bestimmte Menge von Sünden tolerierte. Wurde das Konto aber überzogen, folgte die Strafe Gottes und sie traf nicht nur das Individuum, sondern die ganze Gesellschaft. Deshalb ging man in der 2.Hälfte des 16.Jh gegen jegliche Unmoral vor, verbot die Prostitution, das Fensterln und eben auch das Priesterkonkubinat.
Aber nicht die Bischöfe, sondern die bayerischen Herzöge (Albrecht V. u. Wilhelm V.) setzten sich für die Einhaltung des Zölibats ein und sorgten sich um die Erhaltung des rechten Glaubens. Die Visitation 1560 war noch voll der Sorge um den rechten Glauben. Das Zölibat wurde nur nebenbei überprüft. 25 Jahre später, bei der nur von den Herzögen durchgeführten Visitation von 1584, wurden die Priesterfrauen regelrecht gejagt.
Nach dem 1583 vom Papst erlassenen Mandat "Contra Clericos Concubinarios", waren die Landesherren befugt, nach den "Beischläferinnen" der Pfarrer zu fahnden und sie aus den Pfarrhäusern zu vertreiben.

Im Visitationsbericht von 1560 werden die Ergebnisse Pfarrüberprüfungen in drei Teilen dargestellt: nach der Befragung des Pfarrers, nach der des Kirchenpflegers und nach Augenscheinnahme der Visitatoren. Ich habe im Folgenden die Ergebnisse nach Themenbereichen zusammengefasst um Wiederholungen zu vermeiden und Ihnen eine bessere Übersicht zu geben.


Bericht über die V
isitation der Pfarrei Kreuzholzhausen im Jahr 1560
- in heutigem Deutsch -
[in eckigen Klammern Originaltext-Auszüge]
(in runden Klammern mit Kursivschrift: Hinweise und Erklärungen von H.Schertl)

Im Bericht über die Visitation der "Pfarr Holtzhausen, Patrona s.Crux" heißt es:

Pfarrer -Lebenslauf

Pfarrer daselbst ist Johannes Pistor (latinisiert: Müller). Er ist "Von Unser Frauen Perg in Maiser Pfarr purtig". Studierte in "Trivialschulen", wurde in Augsburg zum Priester geweiht ["zu Augspurg ordiniert"], feierte seine Primiz in Haimhausen und war neun Jahre in Rundhausen seelsorgerisch tätig, bevor er 1551 nach Kreuzholzhausen kam ["9 jar auf diser pfarr"]. Kann seine Formata, das schriftliche Weihezeugnis, vorweisen.

Pfarrer -religiöse Einstellung
Er hält an allen Feiertagen eine Predigt, die er aus "catholischen puechern" zusammenstellt. Er befolgt auch sonst die kirchlichen Regeln ["helts mit allen articln circa doctrinam recht"]. Seine Ansichten über die Messe,die kirchlichen Zeremonien, die Anrufung der Heiligen, das Glaubensbekenntnis und die Bewertung der guten Werke sind katholisch ["Helt sich mit predigen, sacrament raichen und sonst unverdechtlich"].
Pfarrer Pistor kann auch bei der Befragung zu den Kirchenvorschriften gute Antworten geben. Er glaubt auch an die sieben Sakramente (die Prostestanten hatten nur zwei) und weiß darüber auch Bescheid. An die letzte Firmung kann er sich nicht mehr erinnern. Die Beichte hört er in der Sakristei. Er selbst beichtet sechsmal im Jahr. Allerdings hat er es nicht geschafft, sein Pfarrvolk dazu zu bringen, die letzte Ölung anzunehmen (man befürchtete, dann nicht mehr gesund werden
zu können).

Pfarrer - private Verhältnisse

Die Befragung nach den privaten Verhältnissen des Pfarrers ergibt, dass ihm ein altes Weib den Haushalt führt ["Hab ain alts weib bei 70 jarn, die hauß im"]. Die frühere Köchin, mit der er ein Kind hatte, war gestorben. Vom Kirchenpfleger wird dem Pfarrer dennoch ein ehrbarer Lebenswandel bescheinigt ["Pfarrer ist aines erbern wandels"].
In der Pfarrei gibt es keinen Kaplan; es war auch früher nie mehr als ein Priester vorhanden [Hat nie kain gesellbriester bei der pfarr gehabt].

Pfarrei

Der offizielle Pfarrherr ist Matheiß Hinderer, Chorherr zu St.Veit in Freising. Er erhält 40 Gulden Absenzgeld jährlich. Außerdem muss der tatsächliche Seelsorger, Pfarrer Pistor, 2 Schäffel Korn nach München, 1 Schäffel Hafer und 3 Gulden nach Ettal und 1 Gulden nach Freising weitergeben.
In der Pfarrei leben im Jahr 1560 rund 250 Communicanten, das ist wohl mit der Zahl der Erwachsenen gleichzusetzen. Alle sind katholisch (geblieben). Probleme gibt es nur mit "Ältl Mockh von Puchschlagen und seinem Weib. Diese seien einige Zeit nicht zur Kommunion gegangen. Als Grund dafür gibt der Pfarrer an, "das(s) i(h)nen ainer i(h)r dochter anspricht umb die ehe" (Der Zusammenhang ist nicht deutlich zu erkennen). Nur ein Teil der Pfarrangehörigen gibt Spenden ["Pfarrleuth opfern zum thail, die andern nit"]. Dabei hat er von den Leuten bei der Beerdigung eines Angehörigen kein Selgerät gefordert, also keine Spenden oder Stiftungen für die Rettung der verstorbenen Seele. Sie gehen zweimal im Jahr zur Beichte.

Einnahmen der Pfarrei

Der Kirchenverwalter ("Khirchpröbst") gab bei der Befragung an, dass die rein kirchlichen Einnahmen 5 Gulden betragen, dazu 4 Pfund Wachs. Die Kirchenrechnung wird vom Dachauer Landgericht im Beisein der Zechpröbste (Kassenverwalter) und des Pfarrers überprüft.

Kirchengebäude und Ausstattung in Kreuzholzhausen

Ein Mesnerhaus besteht nicht. Der als "vleissig" bezeichnete Mesner ist wohl einer der Bauern. Die Kirche und die Friedhofsnmauer haben noch einige Bauanforderungen ["Die kirch und freithofmaur dörffen pauens"].

   Ausstattung der Kirche
Die Kirche besitzt drei Altäre. Im Kirchenraum werden der Taufstein ["baptisterium lapideum"], der Tabernakel und "alle kirchenzier" besonders genannt. Das Sacramentum ist "wol beschlossen und beleicht", d.h. mit einem Ewigen Licht versehen. Zwar gebe es nicht viele Bilder ["Nit vil gmäl in der kirchen], doch sei "sonst aller ding kain mangel".

   Liturgische Geräte
Zur Kircheneinrichtung gehören zwei vergoldete Kelche aus Silber ["hab 2 silberin vergulte kelch"] von denen aber einer zerbrochen war ["der ain prochen"], zwei Corporale (Kelchtücher), drei Messgewänder ["3 guete Ornät"] und eine Monstranz aus Messing. An Kirchenbüchern sind vorhanden: 2 Liturgiebücher, 3 schlechte Messbücher, ein Obsequial (Buch für Beerdigungen), ein zerrissenes Cantorenbuch. Die hl.Öle werden unrein behandelt; das Taufwasser ist in eine Flasche abgefüllt ["Baptismus ist in aim fleschl"].

   Gottesdienste
Messen werden einmal in der Woche und jeden zweiten Sonntag gehalten.Der Pfarrer hält die bestellten Messen (was damals nicht immer üblich war) und sei "vleissig und leidenlich".

Kirchengebäude und Ausstattung in Puchschlagen
Die Filialkirche St.Kastulus hat "alle pfarrliche recht. Der Turm muss erneuert werden. Das Einkommen der Kirche beträgt über 18 Gulden sowie 5 Pfund an Wachs. Die Einnahmen werden vom Gericht zu Dachau verwaltet. Hier (in Puchschlagen) werden alle Sakramente gespendet. An liturgischen Geräten sind in der Kirche vorhanden: 2 vergoldete Silberkelche mit Corporale, 3 Messbücher, ein Liturgiebuch, 6 Messgewänder von schlechter Qualität und zwei neue, die aber noch nicht geweiht sind.

Kapelle in Sickertshofen
"Siggertshoven Pat(ronatus) s.Spiritus.
Hat ain kelch, ain Corporal (
Kelch- und Hostientuch), ain missal (Messbuch), ain obsequial (f.Beerdigungsriten), ain zerissen cantional (Cantorenbuch), 2 ornät (Messgewänder). Sakramentum (Tabernakel) et liquores (hl.Öle) impure tractantur (werden unrein behandelt), seind aber wol beschlossen und beleucht (d.h. ein ewiges Licht ist vorhanden). Baptismus (Taufwasser) ist bei der Pfarr (d.h. in Kreuzholzhausen). Sonst kain mangel."


Quellen:
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

1.11.2012