zur Landkreiskarte             Kirchen in der Gem. Karlsfeld


Pfarrkirche Sankt Anna in KARLSFELD

Eingangstür mehr über St.Anna...

Adresse: 85757 Karlsfeld, Krenmoosstraße 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung
mit kunsthistorischen
Hinweisen

Die Pfarrkirche Sankt Anna in Karlsfeld wurde in den Jahren 1952/53 gebaut. Sie ist die ältere der beiden katholischen Pfarrkirchen in der Gemeinde. Ursprünglich war der Bau in der von tausenden ehemaligen KZ-Häftlingen und Vertriebenen bewohnten Nachkriegssiedlung Ludwigsfeld (BMW-Siedlung) geplant.
Doch die 50 %-ige Beteiligung der Karlsfelder Gemeinde an den Kosten und das großzügige Entgegenkommen des Landwirts Freis bei der Grundstücksbeschaffung halfen bei der Entschei-dung über den Standort.

Auch der Ludwigsfelder Kaplan Josef Mühlhauser setzte sich mir voller Kraft für einen Bau in Karlsfeld ein. Er erreichte in einer Unterredung mit Kardinal Faulhaber, die Zustimmung des Bistums für den Baubeginn und erhielt auch noch den Bauplan vom Kardinal persönlich.


Altarkreuz
Bauplan
Dieser Plan war ursprünglich für den Bau einer neuen Kirche in Neuhaus am Schliersee erstellt worden; deshalb wirkt der Baustil so "alpenländisch". Die Nazis hatten aber den Bau in Neuhaus verhindert. So lag der Plan nach dem 2.Weltkrieg noch im Bücherschrank des Kardinals. Er fand seine Verwendung in Karlsfeld. Im Bestand der Sammlung des Architekturmuseums in der Pinakothek der Moderne in München befindet sich ein Plan der Kirche in Karlsfeld aus dem Jahr 1952, der von Friedrich Ferdinand Haindl (1910-2002) stammt. Vielleicht handelt es sich auch um eine Überarbeitung oder Anpassung an die Verhältnisse in Karlsfeld. 14) .

Kirchenbau
Wie schon erwähnt, war Kaplan Josef Mühlhauser Hauptinitiator des Kirchenbaus.
Er war 1952 im Alter von 34 Jahren als Spätberufener zum Priester geweiht worden. Seine erste Stelle war die eines Kaplans in der Pfarrei Peter und Paul in Feldmoching. Zu dieser Pfarrei gehörte damals auch die Ortschaft Karlsfeld. Mühlhauser setzte sich zusammen mit Bürgermeister Eichinger vehement dafür ein, dass die Kirche nicht in Ludwigsfeld, sondern in Karlsfeld gebaut wurde.

Am 20.7.1952 legte Weihbischof Dr.Scharnagl den Grundstein.
Der Bau (Kosten von 220.342 DM) dauerte nicht einmal ein Jahr. Treibende Kraft war auch hierbei Kaplan Mühlhauser, der zudem bei den Bauarbeiten tatkräftig mithalf. Dazu kann die Heimatforscherin Oberbauer mehrere Anekdoten erzählen:
  "Mühlhauser fuhr immer auf seinem alten Motorrad, mit einem alten Wehrmachtsmantel bekleidet durch die Gemeinde. Einmal wollte er den Bauarbeitern oben auf dem Gerüst ein Bier zur Erfrischung zukommen lassen. Es endete damit, dass der Kaplan zusammen mit dem Biertragl auf einer Holzpalette über einen Flaschenzug nach oben schwebte".
Als die Glocken geliefert wurden verlor einer der Helfer beim Hochziehen die Kraft und das Seil rutschte ihm durch die Hände. Mühlhauser preschte mit vollem Körpereinsatz nach vorne und hängte sich mit seinem ganzen Gewicht an den Flaschenzug, damit die Glocken nicht herunter fiel."

Bereits am ersten Adventssonntag, dem 28. November 1952, feierte der damals noch für Karlsfeld zuständige Pfarrer von Feldmoching, Geistlicher Rat Jakob Sturm, den ersten Gottesdienst in der Sankt Anna Kirche.
Am 25. April 1953 konsekrierte Kardinal Wendel die Kirche.

Ausstattung 15)
Die Innenausstattung war zunächst sehr karg: bei der Einweihung waren nur Altar, Tabernakel, Beichtstühle und Bierbänke als Kirchenstühle vorhanden. Für die weitere Innenausstattung fehlte zunächst das Geld. Sie wurde im Laufe der nächsten Jahren komplettiert:

1953 - elektronische Orgel

1955 - Marienstatue
1956 - Kirchengestühl
1957 - Altarwandmosaik aus rund 330.000 Steinchen
1962 - Anschaffung der fünften Glocke
1979 - Pfeifen-Orgel

Zunächst war St.Anna eine Filialkirche der Pfarrei Feldmoching, aber mit eigenem Pfarrkuraten. Dieses Amt wurde sinnvollerweise Kaplan Josef Mühlhauser übertragen. 1957 wurde St.Anna in Karlsfeld zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Mühlhauser blieb Seelsorger und erster Pfarrer der Kirche bis 1985. Er war ungemein beliebt; man nannt ihn auch Don Camillo.
Neben dem Eingang der Kirche erinnert eine Bronzetafel von Bildhauer Hermann Schilcher aus Oberammergau an ihn:
Text: 
"Geistlicher Rat Josef Mühlhauser *1918 +1991, erster Pfarrer von St.Anna". Zwei Reliefs umrahmen auf der Tafel den Text. Oben die Stalingrad-Madonna, die an die schrecklichen Erlebnisse während seiner Soldatenzeit erinnern. Nach Aussage von Mühlhauser ließen sie in ihm "den Gedanken reifen, Priester zu werden."
Hinweise zur Tafel:
Die Stalingradmadonna wurde von Kurt Reuber (Arzt und evangel.Theologe) an Weihnachten 1942 auf die Rückseite einer russischen Landkarte gemalt. Es zeigt eine Mutter, die im weiten Mantel ihr Kind birgt. Umrahmt wird das Gemälde von dem Text: "Weihnachten 1942 im Kessel, Licht, Leben, Liebe". Das Original hängt in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.
Der Bildhauer Hermann Schilcher wurde 1909 in Oberammergau geboren. Er besuchte von 1924 bis 1928 die staatliche Fachschule für Bildhauer in Oberammergau und von 1931 bis 1934 die Kunstgewerbeschule München bei Prof. Killer. In der Zeit von 1935-40 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Killer und Prof. Knecht. Er lebte und arbeitete in Oberammergau, ab 1962 zusammen mit seinem 1935 geborenen Sohn Hermann jun.

Pfarrverband
Die Pfarrei Sankt Anna bildet seit einigen Jahren mit Sankt Josef den Pfarrverband Karlsfeld. Er gehört zum Dekanat Feldmoching. Die Verbindung mit Feldmoching ist uralt: bis zur Pfarreigründung 1957 gehörte das Karlsfelder Gebiet östlich der Bahn zur Pfarrgemeinde St.Peter und Paul in Feldmoching (westlich zu Allach). Der Pfarrverband Karlsfeld hat 9.100 Katholiken (Sankt Anna 6.300, St.Josef 2.800) 15).

Pfarrerliste 15)
1. Josef Mühlhauser (19571985)
2. Robert Krieger (1985-2012)
3. Bernhard Rümmler (seit 2012)

Baubeschreibung

Die Sankt Anna-Kirche hat eine bebaute Fläche von 30 x 14,5 Metern; der Innenraum ist 7,5 m hoch. Sie hat 300 Sitz- und 400 Stehplätze.
Im wuchtig wirkenden 34 m (andere Quelle: 'gut 32 m') hohen Turm hängen fünf Glocken, die im Laufe der Jahre von Karlsfelder Bürgern gestiftet wurden. Im Jahr 2006 wurde der Turm in Gemeinschaftsarbeit saniert und dabei die Zeiger der Kirchturmuhr neu vergoldet.

Die Westseite ist seit 2012 mit dem Spruch "Du wirst ein Kind gebären; von ihm wird die ganze Welt sprechen" verziert. Der Text ist nicht, wie sonst in und an Kirchen, der Bibel, sondern dem Protoevangelium des Jakobus entnommen (Kap.4,1). Das ist -nach Wikipedia- eine frühchristliche Schrift aus dem 2.Jh. nach Christus, die nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen ist. Sie befasst sich in Legendenform vor allem mit dem Marienleben. Den an der Westseite aufgeführten Text soll ein Engel zu St.Anna, der Mutter von Maria, gesprochen haben.

Schrift an der Außenwand

In der künstlerischen Gestaltung der Innenausstattung spielen Ikonenmalereien und Bildmotive der Ostkirche eine bedeutende Rolle.

Zu finden ist die Kirche in der Nähe des Bürgerhauses. 
Weitere Einzelheiten über die Erbauung der Kirche, des Pfarrheims und des Kindergartens siehe Website der Gemeinde Karlsfeld


Innenausstattung:

Die Einrichtung der Kirche ist entsprechend dem Stil der Nachkriegszeit einfach gehalten.

2009 wurde das Innere der Kirche umgestaltet. Der Zelebrationsaltar ist in das Kirchenschiff gerückt. Die vorderen Kirchenbänke wurden entfernt und durch Stühle ersetzt, die zu beiden Seiten des Altars stehen. In der Mitte des Kirchenschiffs steht westlich des Altars das neue, achteckige Taufbecken, das durch eine Jesuskind-Figur geschmückt ist. Auf der Homepage des Pfarrverbands wird diese Maßnahme wie folgt begründet:
  "Der vordere Teil der Bänke wurde aus der Kirche entfernt, um Platz für einen Altar und ein Taufbecken in der Mitte der Kirche zu schaffen. Damit wird versinnbildlicht, dass der Altar das zentrale Symbol für Christus ist, der in der Mitte seiner Gemeinde gegenwärtig ist. "Den hier deutlich werdenden Unterschied zum nichtchristlichen Kult formulierte Joseph Kard. Ratzinger/Benedikt XVI. so: 'Den Kult vollzieht Christus selbst in seinem Stehen vor dem Vater, er wird der Kult der Seinigen, indem sie sich mit ihm und um ihn versammeln.' Räumlicher Ausdruck dieser Versammlung mit und um Christus wurde die Versammlung der Kirche um den Altartisch. Von daher empfängt der Altartisch seine Würde. Deshalb küsst ihn der Priester zu Beginn der Messe, deshalb verneigen sich katholische Christen vor dem Altar.' (Liturgisches Institut Schweiz)." 15)

Altarraum

In der Advent- und Fastenzeit, sowie zu den Hochfesten Ostern, Pfingsten und Weihnachten, werden vor die Altarwand in Sankt Anna circa 60 qm große liturgische Ikonen gespannt. Pfr. Robert Krieger begründet dies in seiner Chronik "50 Jahre Sankt Anna Karlsfeld":
  "Diese Rollbilder, die sich in ihrer Farbigkeit und Bildaussage am Festkreis des Kirchenjahres orientieren, wurden mit Stoff-Farben auf Nessel aufgetragen und geben dem Gottesdienstraum jeweils den entsprechenden intensiven farblichen Grundakkord. Die Stoff-Ikonen sind ein Werk der in Rom lebenden bosnischen Künstlerin Ruza Gagulic. Die kirchliche Tradition, sowohl des Ostens wie des Westens, kennt von alters her die „Festikone“. Die christliche Ikone lässt das Heilsgeheimnis gegenwärtig sein und unterstützt in der Liturgie - ähnlich wie Musik und Gesang - die Verkündigung des Wortes Gottes aus der Heiligen Schrift. Bild und Wort erhellen einander." 16)


Anna-Maria-Jesus
Pfingstversammlg

Anna u.Maria
Himmelfahrt

Blickpunkt ist das Mosaik hinter dem Hochaltar an der Chor-rückwand. Es stellt die Mutter Anna (rechts), ihre Tochter Maria und den Enkel Jesus als Kind dar, die von Engeln getragen werden.

Das Mosaik wurde vom Kirchen-maler Michael Peter Weingartner aus Pfaffenhofen (1917-1996) geschaffen.

In der Advent- und Fastenzeit, an Ostern, zum Fest Christi Himmelfahrt und an Pfingsten werden vor die Altarwand circa 60 qm große liturgische Stoff-Ikonen gehängt.
So z.B. an Pfingsten mit einem Bild der Apostel, die sich im Saal versammelt haben.

Mehr über die Stoff-Ikonen können Sie auf der Internetseite der Pfarrei lesen...

JesuskindVortragekreuz Marienaltarlinker Seitenaltar KruzifixTabernakel
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Seitenaltäre

Die Seitenaltäre werden optisch beherrscht von zwei großen Bildkompositionen, die vom Kirchenmaler Weingartner in Pfaffenhofen a.d.Ilm teilweise als Mosaik und teilweise in Sgrafitto-Technik erstellt wurden.

Linker Seitenaltar

Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist der aus dem Grab auferstehende Christus, der seine Wundmale zeigt. Im Mosaik ist der Text "Im Namen des Herrn Jesus Christus: Ihr seid abgewaschen,geheiligt,gerechtfertigt" zu lesen.
Auferstandener

Der Altartisch auf der linken Seite wurde 2012 entfernt. An seine Stelle hat man den alten Taufstein gestellt.



Rechter Seitenaltar


Im oberen Teil des rechten Seitenaltars sehen wir im Mosaik die Symbole für die Hl.Dreifaltigkeit:
- Das Auge im Dreieck für Gottvater,
- das Kreuz für Christus und
- die Taube für den Hl.Geist.
Von ihnen führen Gnadenstrahlen nach unten. Dort steht vor dem Mosaikhintergrund eine große Madonnenfigur. Sie wurde im Jahre 1955 von der Pfarrei Tacherting erworben.

Madonna
Maria ist mit einem roten Kleid und einem blauen Mantel gekleidet. Sie tritt mit ihrem rechten Fuß auf dem Kopf der Schlange, die die Welt umschlungen hält. Das Haupt Mariens ist von Sternen umkränzt.
Diese Figur entspricht den Textstellen aus der Geheimen Offenbarung (Offb 12,1) und dem Alten Testament (Gen 3,15). Maria, von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen, ist die neue Eva, die der Schlange den Kopf zertritt.
  Hinweis: Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung. Im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Immaculata-Madonnen sollen auch an die unbefleckte Empfängnis Mariens erinnern. Papst Pius IX. verkündete 1854 das Dogma, dass Maria wie Jesus von der Erbsünde befreit gewesen sei. Die evangelischen Christen lehnen das Dogma ab.
Auf dem rechten Seitenaltar steht der silberne Tabernakel, den 1953 der Bildhauer Roland Friedrichsen aus München gefertigt hat. Auf ihm sind außen Reliefs von Maria und dem Erzengel Gabriel sowie die Worte "VERBUM CARO FACTUM EST" (das Wort ist Fleisch geworden) aus dem Beginn des Johannesevangeliums eingraviert. Auf der Innenseite der Türflügel ist der Text " "SANCTUS SANCTUS SANCTUS DOMINUS DEUS SABAOTH (Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen)" zu lesen.
Tabernakel
Roland Friederichsen wurde 1910 in Greifswald geboren. Er studierte in München u.a. bei Olaf Gulbransson und bei Adolf Schinnerer. Friederichsen war Gestalter von Kirchenräumen und Schöpfer zahlreicher sakraler Kunstwerke. Er starb 1992 in München. Im Landkreis Dachau stammen neben dem Tabernakel in Sankt Anna auch noch die Kreuzwegstationen in Heilig Kreuz von ihm.

 

 

 



Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


C
horbogen



Auferstandener
Links neben dem Altaraufsatz sind am Chorbogen die Figur des auferstandenen Christus und ein Kreuz mit der Jahreszahl 1952, dem Erbauungsjahr der Kirche angebracht.
Christus hält einen Kreuzstab in der Hand. Seine rechte Hand hat er zum Segensgruß erhoben; zugleich zeigt er seine Handwunde.

Hinter der Jahreszahl sind der Grundstein der Kirche und eine Kassette mit der Urkunde zur Grundsteinlegung eingemauert. Neben der Urkunde befinden sich in der Kassette: ein Katechismus, eine Bibel, eine Münchner Kirchenzeitung, ein Münchner Merkur und eine Süddeutsche Zeitung, ein Satz gültiger Briefmarken der Bundesrepublik sowie ein Satz gültiger Münzen und die Baupläne von der Kirche.

Erbauungsjahr 1952
Der Urkundentext hat folgenden Wortlaut:
 

„Urkunde zur Grundsteinlegung der Kirche zur hl. Mutter Anna in Karlsfeld. 
150 Jahre, nachdem in Karlsfeld der erste Ansiedler sich niedergelassen und seelsorgerlich der Pfarrei
    
Feldmoching unterstellt wurde;
50 Jahre, nachdem in Karlsfeld von dem Realitätenbesitzer Ignaz Ludl und seiner Ehefrau Anna die Kapelle
    gebaut wurde;
als seine Heiligkeit, Papst Pius XII., im 14. Jahre Seines Pontifikates die Kirche Gottes glorreich regierte;
als nach seinem Ableben Seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinals Michael von Faulhaber, der
    35 Jahre in sturmvoller Zeit auf dem Stuhle des heiligen Korbinian saß, der Kapitularvikar Ferdinand
    Buchwieser die Erzdiözese leitete;
als der Hochwürdige Herr Jakob Sturm, Geistlicher Rat, die Stadtpfarrei St. Peter und Paul in München-
    Feldmoching seit 1933 innehatte;
als nach dem zweiten Weltkrieg Deutschland in zwei Hälften geteilt – Bundesrepublik mit englischer,
    französischer und amerikanischer Besatzung und Deutsche Demokratische Republik mit russischer Besatzung;
als Bundespräsident der Bundesrepublik Professor Theodor Heuß war;
als Bayern unter der Herrschaft der amerikanischen Besatzungsmacht stand;
als das Amt des Ministerpräsidenten von Bayern in den Händen von Dr. Hans Ehard lag;
als die Gemeinde Karlsfeld geleitet wurde von dem Bürgermeister Georg Eichinger,
wurde am 20. Juli 1952 der Grundstein zu dieser Kirche gelegt.
Die Weihe des Grundsteines vollzog der Hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Anton Scharnagl.
Der Bau der Kirche war zu einer seelsorgerlichen Notwendigkeit geworden, nachdem durch die Niederlassung der
    Bayerischen Motorenwerke jenseits der Würm, Karlsfeld eine rasche Aufwärtsentwicklung genommen hatte.
Die Pläne für den Kirchenbau fertigte der Münchner Architekt und Regierungsbaumeister F. Haindl.
Bauherr ist die Kirchenverwaltung St. Peter und Paul in München-Feldmoching.
Finanziert wird das Bauprojekt vom Diözesansteuerverband der Erzdiözese von München und Freising, der     gegenwärtig unter der Leitung des Hochwürdigsten Herrn Domkapitular Franz Stadler steht.
Als Leiter des Baubüros ist Baurat Otto Frank bestellt. Mit der Ausführung der Maurerarbeiten wurde der
     Bauunternehmer Otto Reischl von Dachau betraut. Die Zimmermannsarbeiten wurden dem Zimmermeister
     Franz Past in München-Feldmoching übertragen.
Zur Feier dieser Grundsteinlegung sendet der Völkerapostel Paulus der Gemeinde Karlsfeld eine Botschaft des
     Heiles: „Fest steht der Grundbau Gottes und er hat die Siegel: Gott kennt die Seinigen und es stehe ab
     von Ungerechtigkeit jeder, welcher den Namen des Herrn anruft“ (2. Tim. 2, 19).“


Altes Taufbecken


Taufbecken
Vor dem linken Seitenaltar steht das 1961 errichtete achteckige Taufbecken. Er wird seit der Installation des neuen Taufbeckens in der Mitte der Kirche (auf dem roten Teppich) nicht mehr genutzt. In seine Seitenwände sind christliche Symbole (Fisch und Brot, Kreuz und Ringe, Kelch und Hostie, Ölzweig, Schwert, Waage, Geistzungen) eingraviert. Den Deckel ziert die Figur einer Taube.

Neben dem Taufbecken ist am Chorbogen eine weitere Heilig-Geist-Taube angebracht. Davor steht die Osterkerze, die bei der Taufe in das Taufwasser getaucht wird. Auch sie ist mit Ikonen-Wachsmalerei verziert.

Osterkerze
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden.


Vortragekreuz
Das Vortragekreuz unter dem Chorbogen steht hinter dem Ambo und vor dem um vier Stufen erhöhten Priestersitz.

Ambo
Die Frontseite des Ambos wird von einem Tuch bedeckt, auf das die Verkündigung Mariens in Form einer Ikonenmalerei gestickt ist.

Jesuskind
Jesuskind auf dem achteckigen neuen Taufbecken.
JesuskindAmboNeues TaufbeckenVortragekreuz per Mouseklick zu den Beschreibungen


Kruzifix an der Seitenwand

An der südlichen Seitenwand hängt ein großes Kruzifix. Es ist das frühere Altarkreuz und erinnert zudem an die Volksmission, die 1960 in der Pfarrei abgehalten wurde. In der Fastenzeit wird es wieder im Altarraum angebracht. Es hängt dann vor dem violetten Vorhang, der das Bild an der Chorrückwand überdeckt.
Am Korpus ist die Seitenwunde übrigens -anatomisch richtig, aber ungewöhnlich- auf der linken Seite dargestellt. Soweit mir bekannt, ist bei allen größeren Kruzifixen in den Kirchen des Landkreises Dachau die Seitenwunde rechts platziert.
  Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.


Missionskreuz

Kreuzweg-Stationsbilder

Die Kreuzwegdarstellungen aus dem Jahr 1961 wurden von dem aus Habsthal stammende Maler Benedikt Gröner/München in Sgrafitto-Technik (Kratztechnik) auf Putz erstellt. Die einzige Farbe ist das Gold des Heiligenscheins von Jesus, seiner Mutter Maria und des Apostels Johannes (von Gröner dürften auch Kreuzwegstationen in der Christkönigkapelle des Altenheims Marienstift stammen). Schon 1929 malte er die Deckengemälde in Rulfingen.

Hinweis: Die Kreuzwegbilder sind die einzelnen Stationen von Kreuzwegandachten. Diese Andachten entstanden, als das Heilige Land von den Arabern besetzt wurde und deshalb Pilgerfahrten dorthin nicht mehr möglich waren. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


A
postelkreuze und -leuchter
Neben den Kreuzwegbildern sind die Apostelkreuze in die Wand eingelassen; darüber sind die Apostelleuchter aus Schmiedeeisen angebracht.
Hinweis: Die Apostelkreuze und -leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. Die Apostelleuchter werden bei der Einweihung der Kirche und an hohen Festtagen angezündet.


Apostelkreuz


Vortragekreuz OrgelKreuzwegSt.AntoniusJesuskind
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Kirchenbänke

Die Kirchenbänke haben ihre besondere Geschichte: in den ersten drei Jahren nach dem Neubau standen nur vier Sitzbänke in der Kirche. Als 1955 im Forst des Bruders von Pfarrer Mühlhauser ein gewaltiger Sturm wütete, war dies ein Fingerzeig des Himmels: aus einem Teil der umgerissenen Baumstämme kam das Holz für die Kirchenbänke -als Geschenk.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang des Christentums an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Figuren im Kirchenschiff

Gegenüber dem Kruzifix ist an der nördlichen, linken Seitenwand, eine Figur des hl. Thaddäus mit einer Keule unter dem Arm angebracht. Dieser Heilige war einer der Jünger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Der Legende nach wirkte Judas später in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.

Apostel Thaddäus

Unter der Empore steht eine Figur des hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm. Daneben ist ein kleines vergoldetes Kästchen in die Wand eingelassen, in dem sich Reliquien des Heiligen befinden. Sie kamen (um 2012) durch die Initiative von Tadeusz Bortnik nach Karlsfeld.

St.Antonius

Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.


Seit 2005 steht an der Nordwand eine Figur des hl. Gerardo auf einem Sockel. Die Figur wurde vom Verein "Muro Lucano-Basilicata e Sostenitori", zu dem sich 27 aus der italienischen Region Basilicata stammende Familien zusammengeschlossen haben, gestiftet. Der hl. Gerardo ist Schutzpatron dieser Region.

St.Gerardo

Zu Füßen der Heiligenfigur steht eine Reliquienmonstranz, die nach der Inschrift auf dem Cedula, dem kleinen Pergamentstreifen, einen Knochensplitter von "St.Gerardo Maiella" enthält.

Der Heilige wurde als Gerardo Maiella am 23. April 1725 in Muro Lucano als Sohn eines Schneiders geboren. Er trat später in den Redemptoristenorden ein und war dort als Mesner, Gärtner und Schneider tätig. Gerardo starb am 16. Oktober 1755, mit 30 Jahren, an der Tuberkulose. 1904 wurde er heilig gesprochen. Weil er fälschlicherweise der Vaterschaft eines Kindes beschuldigt worden war, wird er als Helfer in allen Schwierigkeiten, die mit der Geburt zusammenhängen, angerufen.


Reliquienmonstranz


Orgel

Die Orgel wurde 1980 angeschafft. Vorher wurde der Gesang der Gemeinde auf einer Elektronischen Orgel begleitet, die als Vorführmodell kostenlos überlassen worden war.
 
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


St.Anna-Ikone
Eine St.Anna-Ikone wird seit 1993 an der Außenwand über der südlichen Eingangstüre nachgebildet. Sie zeigt St.Anna mit ihrem Enkelkind Jesus im Arm. Daneben steht Maria, die ein Modell des jüdischen Tempels in ihrer Hand hält. Im Hintergrund Bibelzitate in hebräischer Schrift, die an die Verheißung Nathans für ein "Haus des Messias" erinnern (2 Sam7,13)

Hans Schertl


Quellen:
01) Caroline Schrank, Karlsfeld-ehemalige Mooskolonie seit 1802-, 1984
02) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
03) www.karlsfeld.de/docs/kirchen
04) St.Anna Karlsfed, Chronik unserer Pfarrei, 1978
05) Unser Dachauer Land, Beilage der Dachauer Nachrichten vom April 1998
06) Unser Dachauer Land, Beilage der Dachauer Nachrichten vom Oktober 1998 (Weingartner)
07) Dachauer Nachrichten vom 26./27.4.2003, vom 29.4.2003
08) Dachauer SZ vom 21.9.2005, 16.8.2006
09) Internetseite der Kirche Sankt Anna, 2012 (www.sankt-anna. de)
10) Dachauer SZ v.20./21.4.2013 (gut 32m)
11) Ilsa Oberbauer in Dachauer SZ vom 26.4.2013 (Mühlhauser)
12) Dachauer Nachrichten vom 26.4.2013 (Bauplan vom Kardinal)
13) Paul Brandt, Dachauer Nachrichten vom 27.1.2016 (Mühlhauser,DonCamillo)
14) Sammlung des Architekturmuseums in der Pinakothek der Moderne in München, 2016 (Haindl)
15) Internetseite des Pfarrverbands Karlsfeld, Zugriff 2016 (Geschichte)
16) Pfr. Robert Krieger, Chronik "50 Jahre Sankt Anna Karlsfeld", 2007


44 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

4.4.2015