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Pfarrkirche St. Margarete in HAAG

Adresse: 85250 Altomünster, Haag 6
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Der kleine Ort Haag liegt in der Marktgemeinde Altomünster.

Geschichte
Das hochgelegene Dorf Haag wird erstmals im Jahr 1280 im zweiten bayerischen Herzogsurbar als "Hage" erwähnt. Das Wort Hage bedeutet Dornengebüsch, (niedriges) Buschwerk, Hecke.

Die Pfarrei Haag, zu der auch Arnberg und Schmelchen zählen, ist seit 1418 bezeugt. Damals wurde die Pfarrstelle vom kleinen Adelsgeschlecht der Herren von Haag besetzt. Haag gehört seit jeher zum Bistum Augsburg.


Der Schalldeckel der neugotischen Kanzel

Im Jahr 1445 verkaufte Johannes Nordhofer zu "Hag" seinen Großzehnt in Haag und Schielach
an die Pfarrei Haag und gab seine Rechte an der Kirche in Haag dem Domkapitel in Augsburg. Das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Die Mitglieder des Domkapitels vereinigten 15 Jahre später, 1460, die Pfarrei in Haag mit der Pfarrei Thalhausen, weil in Haag schon lange kein eigener Pfarrer mehr gewesen sei. Haag wurde Filialkirche. Dies blieb 140 Jahre so.

Während dieser Zeit dürfte eine neue (gotische) Kirche mit Turm gebaut worden sein, die zu großen Teilen noch heute steht.

1597 besetzte der Hofmarksherr von Eisenhofen, der wohl noch Rechte in Haag hatte, die kleine Pfarrei wieder mit einem eigenen Pfarrer.
Wahrscheinlich haben der Dreißigjährigen Krieg und in seinem Gefolge die Pest auch in Haag schrecklich gewütet.
Nach dem Krieg blieb in Haag die Pfarrerstelle jedenfalls unbesetzt. Einige Jahrzehnte danach kam die Pfarrei Haag zu Randelsried und wurde vom Pfarrer von Randelsried mitbetreut (als eine Art Pfarrverband).

Eine kanonische Vereinigung mit der Pfarrei Randelsried wurde nie vorgenommen, sodass die Kirche Haag weiter alle pfarrlichen Rechte bis auf die Taufe besitzt.

1874 wurde die Kirche erweitert sowie eine Sakristei angebaut. Die im neugotischen Stil gehaltene Innenausstattung stammt aus dieser Zeit.

Renovierungen
Bei der Außenrestaurierung im Jahr 1910 erneuerte man die Friedhofsmauer.
Die letzte Renovierung fand 1998 statt.

Baubeschreibung der Kirche

Die relativ große Kirche in steht erhöht über dem kleinen Ort. Der Kirchturm mit dem achtfach getreppten Satteldach stammt aus gotischer Zeit. Am übrigen Bau scheinen - so Prof.Liebhart- "alle Jahrhunderte vom 15. bis zur Gegenwart beteiligt gewesen zu sein. Was davon noch aus dem ausgehenden Mittelalter stammt, ist aufgrund mehrerer Umbauten kaum erkennbar"

An der südlichen Aussenseite des zweijochigen Langhauses ist ein großes Kruzifix angebracht. Das Kreuz hat dreipassförmige Kreuzbalken-Enden. Der Korpus ist relativ klein und scheint nicht für das Kreuz geschaffen zu sein. Es handelt sich um ein sog. Viernagel-Kruzifix. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus".

Aus der Zeit der Kirchenerweiterung dürfte auch die sehr einheitlich, neugotische Innenausstattung stammen

Die Heiligenfigur der hl. Margaretha mit dem Drachen in der Mittelnische des Altars, könnte Anfang des 16. Jh., also zur Zeit der originären Gotik, entstanden sein. In den beiden Seitennischen stehen die Apostelfürsten Petrus und Paulus, mit ihren Attributen, den Himmelsschlüsseln und dem Schwert in der Hand. In der oberen Etage des Altaraufbaus, stehen noch zwei kleinere Figuren, von denen eine den hl.Sebastian am Marterbaum zeigt. Zahlreiche Fialen, die schlanken, spitz auslaufenden Türmchen, geben dem Altar sein graziles Aussehen.

Reliefs von Anbetungsengeln säumen den hohen Tabernakel.

Innenansicht
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Seitenaltäre

Der linke Altar ist der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt ist deshalb die Figur einer Immaculata, mit übergroßen Lilien in der Hand. Mit dem Fuß zertritt sie der die Welt umfassenden Schlange den Kopf.
Hinweis: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt.

Der rechte Altar ist dem hl.Josef geweiht. Seine Figur steht in der vom Altaraufbau gebildeten Nische.

Kanzel

Prächtig ist auch die neugotische Kanzel mit ihrem reich verzierten Schalldeckel gestaltet. Die Aufgabe des Schalldeckels ist
es, die Worte des Priesters bei der Predigt gezielt in Richtung der Gläubigen zu reflektieren und ihr Verhallen im hohen Kirchenschiff zu verhindern. Der Kanzelkorb ist mit Bildern der vier Evangelisten und ihren Attributen (Matthäus-geflügelter Mensch, Lukas-geflügelter Stier, Markus-geflügelter Löwe und Johannes-Adler) gechmückt.
Hinweis: In altchristlicher Zeit wurde die Predigt -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

Das St. Margaretha-Patrozinium besteht in Haag mindestens schon seit 1514.
Die hl. Margaretha wird im Landkreis Dachau auch in Einsbach und in Kleininzemoos als Kirchenpatronin verehrt. Margaretha wurde angeblich im Jahr 305 unter Kaiser Diokletian für ihren Glauben hingerichtet. Die Henker versuchten sie mit Fackeln anzusengen und in siedendem Öl zu kochen. Doch sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber sofort geköpft wurden, wie schließlich auch Margareta. Übrigens: Eine der "Stimmen", von denen Jahrhunderte später Jeanne d'Arc nach eigenen Aussagen geführt wurde, war die von Margarete.
Margareta gehört zu den 14 Nothelfern, die früher in bäuerlichen Gebieten einen besonderen "Kultstatus" besaßen. Angerufen wurde sie insbesondere als Helferin für unfruchtbaren Ehefrauen, bei schweren Geburten, Gesichtskrankheiten und Wunden. In der Kunst wird sie mit den Attributen Kreuz, Drache, Fackel dargestellt.
  Hinweis: Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.

Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Haag Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl

Quellen:
Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
7 Bilder: Hans Schertl

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8.4.2008