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Pfarrkirche St. Margareta in HAAG


Adresse: 85250 Altomünster, Haag 6
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Beschreibung

Der kleine Ort Haag liegt in der Marktgemeinde Altomünster.

Die Pfarrei Haag hat schon lange keinen Pfarrer mehr. Sie wird zusammen mit Randelsried, Lauterbach, Asbach, Arnberg und Schmelchen vom Pfarramt Schiltberg aus seelsorgerisch betreut. Haag gehört seit jeher zum Bistum Augsburg.

Geschichte

Das hochgelegene Dorf Haag wird erstmals im Jahr 1280 im zweiten bayerischen Herzogsurbar als "Hage" erwähnt. Das Wort Hage bedeutet Dornengebüsch, (niedriges) Buschwerk, Hecke.


Glasgemälde


Im 12. und 13. Jahrh. erwarb das Kloster Scheyern hier Güter; deshalb wird Haag in Urkunden des Klosters Scheiern aus dem 11.bis 14. Jahrh. häufig genannt. Im 15.Jahrh. wird die Fam. Nordhofer als Inhaber eines Edelsitzes zu Hag genannt. Später kam der Ort zur Hofmark Eisenhofen.

Die Pfarrei Haag, zu der auch Arnberg und Schmelchen gehörten, ist seit 1418 bezeugt. Damals waren Mitglieder des kleinen Adelsgeschlechts der Herren von Haag die Patrone der Kirche. Sie hatten zum einen das Recht, den Pfarrer auszuwählen zum anderen wurde auch erwartet, dass sie einen wesentlichen finanziellen Beitrag zum Bauunterhalt leisteten.
Weil die Einkünfte aus dem Pfarrwiddum und den Stolgebühren zu gering waren, konnte der Pfarrer davon nicht leben. Die Herren von Haag haben deshalb die Selbständigkeit der Pfarrei aufgehoben und sie der
Pfarrei Thalhausen zugeordnet.
Am
13. Juni 1445 verkaufte Johannes Nordhofer zu "Hag" seinen Großzehnt in Haag und Schielach an die Pfarrei Pfarrei Thalhausen und ihrem Pfarrer Beringer Weißenburger. Seine Patronatsrechte an der Kirche in Haag überließ er dem Domkapitel in Augsburg. Das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Die Mitglieder des Domkapitels vereinigten 15 Jahre später, am 5.Juli 1460, die Pfarrei in Haag mit der Pfarrei Thalhausen, weil in Haag schon lange kein eigener Pfarrer mehr gewesen war. Haag wurde zur Filialkirche abgestuft.  01) Dies blieb 140 Jahre so. Während dieser Zeit dürfte eine neue (gotische) Kirche mit Turm gebaut worden sein, die zu großen Teilen noch heute steht.

Dann löste sich diese Vereinigung wieder; denn vom Jahr 1597 an erlangte Hag durch Präsentation der Brüder Furtenbach als Hofmarksherrn von Eisenhofen wieder eigene Pfarrer und behielt dieselben bis zum Schwedenkriege. Nach den Verwüstungen dieses Krieges aber ließ sich die Selbstständigkeit der Pfarrei nicht wieder herstellen; Wahrscheinlich haben der Dreißigjährigen Krieg und in seinem Gefolge die Pest auch in Haag schrecklich gewütet. Nach dem Krieg blieb in Haag die Pfarrerstelle jedenfalls unbesetzt. Einige Jahrzehnte danach kam die Pfarrei Haag zu Randelsried und wurde vom Pfarrer von Randelsried mitbetreut (als eine Art Pfarrverband).

Eine kanonische Vereinigung mit der Pfarrei Randelsried wurde nie vorgenommen, sodass die Kirche Haag weiter alle pfarrlichen Rechte besitzt. Eine Zeit lang durfte hier aber nicht getauft werden, da galt die Regelung, dass die Taufe nur in der Pfarrkirche gespendet werden darf. Insoweit war Haag also zur Filiale herabgesunken. Auch im Schematismus des Erzbistums Augsburg wird Haag nur als Filialkirche geführt 05).

Pfarrbeschreibung 1864  01)
Im Jahr 1864 verfasste der Kirchengeschichtler Anton von Steichele ein kirchen- und lokalgeschichtliches Monumentalwerk "Das Bisthum Augsburg", das die Grundlage für die geschichtlichen Daten der Kirchen Randelsried und Haag bildet.
Anton von Steichele (1816-1889) war nach seiner Priesterweihe 1838 und einer Tätigkeit als Hauslehrer in Landshut Domvikar u. Dompropst und bischöflicher Archivar in Augsburg. Er veröffentlichte mehrere kirchengeschichtliche Werke, darunter die berühmte, auf zehn Bände angelegte Augsburger Bistumsbeschreibung, von der er nur ein Drittel fertigstellen konnte; darunter die Beschreibung des Landkapitels Aichach, zu dem Haag damals gehörte.
Von 1878 bis 1889 war von Steichele Erzbischof von München und Freising. Er ist in der Frauenkirche München begraben.
Der Pfarrer hatte damals aus beiden Pfarreien Randelsried und Haag ein jährliches Einkommen von 1176 Euro. Gottesdienst wurden in Haag jeden zweiten Sonn- und Festtag des Herrn gehalten, dazu die Abendandacht jeden zweiten Tag in der Fronleichnamsoctave und eine hl. Messe unter der Woche.
Gestiftete Jahrtage: 21
Rentierliches Vermögen der Kirche: 1448 fl. Kap.
Wenn Sie die Pfarrbeschreibung lesen möchten klicken Sie hier ...

1874 wurden die Kirche erweitert sowie eine Sakristei angebaut. Die im neugotischen Stil gehaltene Innenausstattung stammt aus dieser Zeit.

Beschreibung 1895 07)
Die Kirche in Haag ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
  Kirche. Drei bemalte Holzfiguren vom Anfang des 16. Jahrhunderts.
1. Auf dem Hochaltar links S. Petrus, in der R. Schlüssel, in der L. das Buch tragend. Höhe 111 cm.
2. Rechts S. Paulus, die L. hält das Schwert, die R. trägt das geöffnete Buch, in welchem der Apostel liest. H.111 cm.
3. In der Sakristei S. Margaretha auf dem Drachen stehend, in der L. das Buch, die R. hält wohl eine Palme. H. 82 cm.
Alle drei ziemlich gute Figuren."

Renovierungen
Bei der Außenrestaurierung im Jahr 1910 erneuerte man die Friedhofsmauer.
Die letzte Renovierung fand 1998 statt.


Was noch interessiert...

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Pfarreiengemeinschaft Adelzhausen. Klicken Sie hier...

Glockengeläute
Von den Glocken der Kirche St.Margareta gibt es Audioaufnahmen im Internet 06). Wenn Sie es hören möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung der Kirche

Die relativ große Kirche steht -umgeben von einem Friedhof mit frisch renovierter Mauer- auf einer Anhöhe über dem kleinen Ort.

Der Kirchturm mit dem achtfach getreppten Satteldach stammt aus gotischer Zeit. Ähnlich urtümlich gestaltete Kirchtürme sind im Landkreis Dachau in Randelsried, Westerndorf, Kollbach, Eisenhofen, Pipinsried und Ampermoching zu sehen.
Im Turm hingen 1864 zwei Glocken.
Eine trug die Inschrift: "In manus tuas Domine commendo spiritum meum 1799" (in Deine Hände lege ich meinen Geist).  01) Von den heutigen Glocken ist mir nichts bekannt. Doch im Internet kann man das Geläute hören; klicken Sie hier...06).

Am übrigen Bau scheinen - so Prof.Liebhart- "alle Jahrhunderte vom 15. bis zur Gegenwart beteiligt gewesen zu sein. Was davon noch aus dem ausgehenden Mittelalter stammt, ist aufgrund mehrerer Umbauten kaum erkennbar".


Das Kirchenschiff wirkt mit den schmalen Spitzfestern innerhalb der größeren Blindfenster auf der Westseite und den Kreuzen mit Sockel auf den Giebeln von Sakristei und Kirchenschiff typisch neugotisch.



Kruzifix an der Außenwand
An der südlichen Außenseite des zweijochigen Langhauses ist ein großes Kruzifix angebracht. Das Kreuz hat dreipassförmige Kreuzbalken-Enden. Der Korpus ist relativ klein und wurde sicher nicht für dieses Kreuz geschaffen. Es handelt sich um ein sog. Viernagel-Kruzifix. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus". Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinander-geschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungs-weise "Dreinageltypus". Viernagelkreuze waren wieder in der Zeit des Historismus (ab 1850) beliebt.

 

Innenausstattung

Der Altarraum besitzt ein gotisches Gewölbe. Auch der spitze Chorbogen gehört noch in die Zeit der Gotik.
In die Außenwand sind unter die Fenster Nischen gesetzt.

Die sehr einheitliche, neugotische Innenausstattung (alle Altäre, Fenstergläser, Kanzel, Vortragekreuz) stammt aus der Zeit der Kirchenerweiterung um 1874. Dass damals so viele Kirchen neugotisch umgestaltet wurden, ist auf die allgemein vertrete-ne Auffassung zurückzuführen, dass die Gotik der würdigste kirchliche Stil sei; Renaissance und Barock dagegen seien profan (weltlich). Allerdings haben die Baumeister des 19.Jh. die Gotik in etwas übertriebener, idealisierter Form nachgeahmt. Dies ermöglicht eine schnelle und sichere stilistische Zuordnung.


Hochaltar - zur Vergrößerung klicken
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C
horaltar / Hochaltar

Der Choraltar ist oben mit reichem Maßwerk geschmückt. Zahlreiche Fialen, die schlanken, spitz auslaufenden Türmchen, geben dem Altar ein graziles Aussehen.


Im Mittelteil sind drei Nischen eingearbeitet.

In der oberen Etage des Altaraufbaus, stehen zwei kleinere Figuren, von denen eine den hl.Sebastian am Marterbaum zeigt.

In der mittleren, etwas erhöhten Nische steht die wohl Anfang des 16.Jh. geschnitzte Figur der Kirchen-patronin St.Margaretha. Sie hält ein Kreuz in ihrer Hand; zu ihren Füßen windet sich ein Drache.


Choraltar
St.Margaretha

Die Figur der hl. Margarete wird begleitet von etwas kleineren Figuren der sog. Apostelfürsten Petrus und Paulus (16.Jh.) in den Seitennischen. Sie sind an ihren Attributen Himmelsschlüssel und Schwert zu erkennen.
Die beiden Figuren sind sogar im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 genannt:
"Auf dem Hochaltar links S. Petrus, in der Rechten Schlüssel, in der Linken das Buch tragend. Höhe 111 cm. Rechts S. Paulus, die L. hält das Schwert, die R. trägt das geöffnete Buch, in welchem der Apostel liest. H.111 cm. Ziemlich gute Figuren." 07)


Reliefs von Anbetungsengeln säumen den hohen Tabernakel. der ebenfalls von Fialen gekrönt ist. Auf der Türe befinden sich vergoldete Reliefs von Weinranken, die ein Kruzifix umgeben ("Ich bin der Weinstock" sagte Jesus nach Joh 15,5).

Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern ist noch eine weitere gotische Figur aufgeführt, die damals in der Sakristei stand: S. Margaretha auf dem Drachen stehend, in der Linken das Buch, die Rechte hält wohl eine Palme. H. 82 cm. 07)

Seitenaltäre

Der linke Altar ist der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt ist die Figur einer Immaculata, mit übergroßen Lilien in der Hand. Mit dem Fuß zertritt sie der die Welt umschlingenden Schlange den Kopf.

Marienaltar links
Hinweis: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar.
Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt.

Der rechte Altar ist dem hl.Josef geweiht. Seine Figur steht in der vom Altaraufbau gebildeten Nische. In seiner Hand hält er eine blühende Lilie. Diese Blume ist ein Zeichen für Reinheit und Keuschheit. In der Hand von Josef weist sie darauf hin, dass er eine "keusche Ehe", eine "Josefsehe" geführt hat und deshalb nicht der leibliche Vater Jesu sein kann.


K
anzel

Prächtig ist auch die neugotische Kanzel. Sie ist korbförmig gestaltet, mit einer Treppe und einem Schalldeckel versehen und reich verziert.

Die Aufgabe des Schalldeckels ist es, die Worte des Priesters bei der Predigt gezielt in Richtung der Gläubigen zu reflektieren und ihr Verhallen im hohen Kirchenschiff zu verhindern. An der Unterseite des Schalldeckels ist das Relief einer Heilig-Geist-Taube angebracht. Es ist Zeichen der Hoffnung, dass der Geist Gottes dem Prediger die rechten Worte eingeben möge.

Der Kanzelkorb ist -zum Thema Verkündigung des Wortes Gottes passend - mit Bildern der vier Evangelisten und ihren Attributen (Matthäus-geflügelter Mensch, Lukas-geflügelter Stier, Markus-geflügelter Löwe und Johannes-Adler) geschmückt. Die Evangelisten schreiben mit Gänsekielen das Evangelium in ein Buch. Dies ist ein Zeichen des unbedingten Vorrangs der Schrift vor dem Klang. Die Evangelistendarstellung soll auch besagen, dass der Prediger auf dem Boden der Evangelien steht.

Der Kanzelkorb endet unten in einem Pinienzapfen. Die Frucht der Pinie gilt als Zeichen der Auferstehung und der Unsterblichkeit. Das Symbol stammt aus dem Isiskult und war auch in den Kulten des Dionysius und der Kybele in Gebrauch. Die Christen übernahmen es und deuteten die Pinie als den Baum des Lebens.


Kanzel von 1874

Hinweis: In altchristlicher Zeit wurde die Predigt -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.

Patrozinium

Das St. Margaretha-Patrozinium besteht in Haag mindestens schon seit 1514.
Die Märtyrerin St. Margaretha wurde angeblich im Jahr 305 unter Kaiser Diokletian für ihren Glauben hingerichtet. Die Henker versuchten, sie mit Fackeln anzusengen und in siedendem Öl zu kochen. Doch sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten. Trotz der großen Zahl wurden sie aber geköpft, wie schließlich auch Margareta. (Festtag: 20.Juli).

Übrigens: Eine der "Stimmen", von denen Jahrhunderte später die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc nach eigenen Aussagen geführt wurde, war die von Margarete. Margareta gehört zu den 14 Nothelfern, die früher in bäuerlichen Gebieten einen besonderen "Kultstatus" besaßen. Angerufen wurde sie insbesondere als Beistand für unfruchtbaren Ehefrauen, bei schweren Geburten, Gesichtskrankheiten und Wunden. In der Kunst wird sie mit den Attributen Kreuz, Drache, Fackel dargestellt.
  Hinweis: Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als Glück bringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperung des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.
Die hl. Margareta wird im Landkreis Dachau auch in Einsbach und in Kleininzemoos als Kirchenpatronin verehrt.

 

Schrazllöcher

Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Haag Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl

Quellen:
01) Anton v.Steichele, Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben, Zweiter Band, Augsburg 1864 S.155 ff
02) Fritz Mayer/Rudolf Wagner, Der Altlandkreis Aichach, 1979
03) Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
04) http://www.altomuenster.de/Kirche,Kultur-Verein/Kirche/KatholischesPfarramt.aspx (Pfarramt)
05) http://wiki-de.genealogy.net/Altomünster#Katholische_Kirchen, Zugriff 2016
06) http://www.schwabenmedia.de/Kirchen/Schiltberg/Haag-st-margaretha.php?style=styleG (Glockengeläute)
07) Bezold/Riel, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 1895
08) Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002

8 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018

 


Aus dem kirchen- und lokalgeschichtliche Monumentalwerk "Das Bisthum Augsburg"
von Dr.Anton von Steichele
 
23)

Pfarrei Randoltsried und Hag ( 265 Seelen)

Patron Seine Majestät der König (vormals der Fürstbischof von Freising)
Bezirksamt Aichach; Landgericht Aichach

I.Pfarrsitz
Randoltsried, Dorf, 15 Häuser (darunter 4 Höfe), 98 Seelen, 3 Stunden südöstlich von Aichach in einem Thale; Hügellandschaft.

II. Pfarrgeschichte
Randoltsried wird im 13.Jahrh. gelegenheitlich der Schenkung eines Hofes daselbst an Kloster Scheiern das erste Mal genannt.
  Imbrico de Patershusen (bei Hirschausen) contulit nobis mansum in villa Randoltsried cum hominibus per manum sororii sui Chounr. de Estingen, M.B. 10, 410
Randoltsried = Rodung des Randolt. In der verderbten neuern Schreibung heißt der Ort Randelsried, beim dortigen Volke aber gewöhnlich Rieden.

Ein Prädium in Randolzried verkauft dieses Kloster am 23.Mai 1283 an Ludwig von Schmarnzell (Smergincelle). Ein Orthsantheil gehörte als Wittelsbach'sches Lehen zur Herrschaft Ausenhofen (Eisenhofen an der Glan); denn jenes Rattolsried, welches im Ausenhofen'schen Theilbriefe von 1298 vorkommt, ist sicher unser Ort. Im Jahr 1327 November 17. erscheint Herr Heinrich, Pfarrer zu Randolzried. Anton Michl, Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes an den Universitäten Ingolstadt und Landshut, war, bevor er im Jahr 1799 zu dieser Lehrkanzel berufen wurde, acht Jahre lang Pfarrer hier gewesen. Auch das Präsentationsrecht zur Pfarrei stand den Besitzern der Hofmarke Eisenhofen zu, ging aber im Jahr 1622 mit Ankauf dieser Hofmarke an das Hochstift Freising über, wonach bis zur Säcularisation die Bischöfe von Freising auf Randoltsried präsentirten. In Folge Uebereinkommens zwischen Seiner Majestät dem Könige und dem Erbischofe von München und Freising über das Besetzungsrecht bei den sämmtlichen ehemals Eisenhofen'schen Pfarreien wurde Randoltsried dem königlichen Patronate zugewiesen.
  Diesem Uebereinkommen gemäß wurde durch königl. Entschließung vom 11.März 1854 das freie Collationsrecht auf die in der Diöcese München-Freising gelegenen Pfarreien der vormaligen Hofmarke Eisenhofen, nämlich: Hirtelbach, Kleinberghofen und Walkertshofen anerkannt, dagegen aber das landesherrliche Präsentationsrecht auf die in der Diöcese Augsburg gelegenen Pfarreien der genannten ehemaligen Hofmarke, nämlich: Hohenzell, Randolzried und Ruppertszell vorbehalten (bisch.Archiv).

III. Pfarrkirche
Sie trägt den Titel SS.Petri et Pauli app. und liegt, vom Gottesacker umgeben, auf einem Hügel an der Südseite des Dorfes. Ihr Langhaus stammt zum größten Theile aus dem Jahr 1843; der alte Sattelthurm trägt 2 Glocken.
- Der Vormittags-Gottesdienst an den Sonntagen und an den hohen Festen des Herrn und die Abendandacht in der Fronleichnamsoktave wechselt mit Hag; die übrigen Feste und die Nachmittagsgottesdienste werden in Randoltsried gefeiert.
- Gestiftete Jahrtage 59
- Rentierliches Vermögen 2962 fl. Kap.

Nach Randoltsried ist eingepfarrt:

Aspach
Weiler, 13 Häuser (4 Höfe), 83 Seelen, 1/4 Stunde südlich in einem Thale; Kapelle S.Crucis.
In Aspach (= entweder Espen-Ahe; Wasser mit Espenbäumen, oder Platz mit Espe) besaß im 13. Jahrh. (das) Kloster Altomünster eine Hube (oberbayr.Archiv 21, 209). Im 14. und 15. Jahrh. hatten die Eisenreiche einen Edelsitz zu Aspach. Die Kirche von Randoltsried bewahrt den Grabstein des im Jahr 1440 gestorbenen Ulrich Eisenreich von Aspach. Später ist der Ort Eisenhofisch. Die Kapelle ließ nach dem letzten Willen Joh. Kaspar Grimming's von Niederrain, Pflegers zu Eisenhofen, im Jahr 1654 dessen Wittwe an der Stelle einer ältern in größerer Form neu bauen (bisch.Archiv).

IV. Pfarrei Hag
Hag, Weiler mit 4 Häusern (zwei ganze, 2 halbe Höfe), 40 Seelen, 1/2 Stunde westlich in hoher Lage.
Jener Ort Haga und Hage (= Hag, Gehege, Einfriedung. Später sagte man zum Hag), welcher öfter in den ältesten Urkunden des Klosters Scheiern erscheint, wird zwar zum Theile auf Hag im Gebirge zu beziehen sein; doch ist vielleicht jenes Haga, in welchem Kloster Scheiern im 12. und 13. Jahrh. Güter erwarb, unser Ort, von wo sich auch ein Edelgeschlecht Scheiern-Wittelsbach'scher Dienstmänner schrieb, welches vom 11.bis 14. Jahrh. in Urkunden des Klosters Scheiern häufig genannt wird. Nach den Hagern erscheinen im 15.Jahrh. die Nordhofer als Inhaber eines Edelsitzes zu Hag (bisch.Archiv), später aber wurde der Ort Eisenhofisch.

Hag ist eine alte Pfarrei unter dem Patronate der Ortsherrn von Hag, konnte aber, weil ihre Einkünfte gering waren, einen eigenen Pfarrer nicht beibehalten, und erscheint daher schon im 15. Jahrh. der Pfarrei Thalhausen beigegeben. Ja, nach urkundlichen , wenn schon vielleicht nicht ganz genau gefaßten Notizen, hätte Johannes Nordhofer zu Hag nicht nur seinen Großzehent zu Hag und Schiellach am 13. Juni 1445 an den Pfarrer Beringer Weißenburger zu Thalhausen und die dortige Pfarrei verkauft, sondern auch seiner Rechte an die Pfarrei Hag sich begeben und diese Pfarrei dem Domkapitel zu Augsburg, damit sie durch den domkapitel'schen Pfarrer von Thalhausen versehen würde, überlassen, wonach Bischof Peter am 5.Juli 1460 beide Kirchen, Thalhausen und Hag, mit einander vereinigt habe. Diese Vereinigung löste sich aber wieder; denn vom Jahr 1597 an erlangte Hag durch Präsentation der Herrn v.Furtenbach als Hofmarksherrn von Eisenhofen wieder eigene Pfarrer und behielt dieselben bis zum Schwedenkriege. Nach den Verwüstungen dieses Krieges aber ließ sich die Selbstständigkeit der Pfarrei nicht wieder herstellen; daher sie, jedoch ohne kanonische Unirung, gegen Ende des 17.Jahrh. der Pfarrei Randoltsried beigegeben wurde, von welcher sie heute noch mit Seelsorge und Wechselgottesdienst versehen wird.

Die Kirche S.Margarethae nördlich über dem Orte, im 17. oder18. Jahrh. gebaut, mit einem Sattelthurme und 2 Glocken (die eine trägt die Inschrift: "In manus tuas Domine commendo spiritum meum 1799"), hat Sepultur, den vormittägigen Pfarrgottesdienst jeden zweiten Sonn- und Festtag des Herrn, die Abendandacht jeden zweiten Tag in der Fronleichnamsoctave und eine hl. Messe unter der Woche.
Gestiftete Jahrtage: 21
Rentierliches Vermögen: 1448 fl. Kap.

Zur Kirche von Hag gehören:

1. Arnberg
Weiler, 5 Häuser (3 Höfe), 31 Seelen, 3/4 Stunden südöstlich.
Am 2.Jan. 1450 gab Johannes Nordhofer zu Hag seinen Großzehent zu Arenberg an die Kirche Thalhausen zur Stiftung eines Jahrtages. Später ist der Ort Eisenhofisch.

2. Schmelchen
großer Bauernhof, 13 Seelen, 3/4 Stunden südlich
Im 13.Jahrh. gibt Friedrich von Thalhausen sein Gut Schmelchen (patrimonium quod habebat in Simelha) an Kloster Scheiern. In demselben Jahrh. besitzt Kloster Altomünster in Smelha ein Lehen. Der Hof ist später Eisenhofisch.

V. Gemeinde- und Schulverband
Randoltsried bildet mit Aspach (Lauterbach und Buchsberg der Pfarrei Aufhausen, Reichertshausen der Pfarrei Pipinsried, Bockhöfe, Schmarnzell und Winterried der Pfarrei Tannern) eine politische Gemeinde. Hag, Arnberg und Schmelchen gehören zu Thalhausen. Für alle genannten Orte besteht eine Schule in Randoltsried.

VI. Pfarrdodation
Der Pfarrer genießt die Widdumgüter beider Pfarreien, sowie den größten Theil des Großzehents, während ein kleinerer Theil des letztern benachbarten Pfarreien zugeht. Gegenwärtig ist das Pfarr-Einkommen folgendes:

Einnahmen
fl. .
kr.        
1. Aus Grundstücken: Gärten 0,54, Aecker 77,58, Wiesen 15,98, Wald 4,55
327
  15
2. von der Ablösungs-Kasse aus Zehentrechten (21,285 fl. 10 kr. Kap.)
851
  24 
3. für gestiftete Gottesdienste
40
  34
4. an Stolgefällen
28
  48 6/8
5. herkömmliche Gaben
12
  40
(zus.)
1260
  41 6/8
Lasten
1. Auf Staatszwecke
78
   1 1/8
2. wegen des Diöcesan-Verbands
6
  13
(zus.)
84
  14 1/8
Rein-Ertrag
1176
  27 2/8

Superrevision Fassion v. 17.Juni 1859

Der Pfarrhof, nahe der Kirche, ist alt und nicht besonders geräumig; eigene Oekonomie-Gebäude.