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Wallfahrten gehören
schon seit Jahrhunderten zu den beliebten geistlichen Übungen
der bayerischen Bevölkerung. "Das bairisch Volk … ist
geistlich, schlecht und gerecht, geht, läuft gern kirchferten,
hat auch viel kirchfart." schreibt um 1530 der Geschichts-schreiber
Johannes Thurmair alias Aventinus (aus Abensberg).
07)
Darin spiegeln sich die Verhältnisse
vor der Reformation wieder, denn viele Wallfahrten entstanden im
15. oder zu Beginn des 16. Jh. Zwar hat sich Luther heftig gegen
das Wallfahrts-wesen sowie die Heiligen- und besonders die Marienverehrung
gewandt. Doch im katholisch
gebliebenen wittelsbachischen Baiern führte dies zu keinen
Einbußen. Die Worte Luthers bewirkten eine gegenteilige Reaktion
der bayerischen Herzöge, die im Zuge der Gegenreformation das
Wallfahrtswesen sogar förderten.
In den alten
Unterlagen wird nur selten zwischen Wallfahrten und Bittgängen
bzw. Kreuzgängen unterschieden. Meist werden sie dort "processio"
genannt.
Wallfahrten hatten in der Regel eine Wallfahrtskirche zum
Ziel, die aufgrund einer Wundertat erbaut worden war. Die Menschen
kamen oftmals einzeln mit ihren Gebrechen und Alltagssorgen zu den
Gnadenorten und erhofften sich dort Trost und Hilfe. Oder sie wollten
ein religiöses Gebot, eine Buße oder ein Gelübde
durch eine Wallfahrt zu weit entfernten Orten (Jerusalem, Rom, Santiago)
erfüllen.
Kirchfahrten oder Kreuzgänge werden Prozessionen von
Dorf- und Pfarrgemeinden genannt, die meist zu näher gelegenen
Wallfahrtsorten führten.
Bittgänge sind Prozessionen durch die umliegende Feldflur,
mit denen die Teilnehmer um gutes Wetter und um eine gute Ernte
bitten. Sie finden vorzugsweise in der Bittwoche, um das Fest Christi
Himmelfahrt herum, statt.
Pilgern
Während das Wallfahren eine Art "kollektive Gebärde einer
Kultgemeinde"
ist, bei dem nicht der Weg, sondern das Zeil im Vordergrund steht,
sind es beim Pilgern eher die Begegnungen und Erlebnisse von Einzelreisenden,
die den Reiz der Pilgerfahrt ausmachen. Grund des Pilgerns ist oftmals
auch eine Reise zu sich selbst. 11)
Vor
allem in der Barockzeit waren Wallfahrten beliebt. Da sie für
die Kirche in der Regel finanziell lukrativ waren, richtete man in vielen Pfarreien und vor allem Klöstern Wallfahrten ein. Mittelpunkt
einer solchen Wallfahrt konnte ein Wunder sein oder Reliquien von
Heiligen (Knochen, Gewänder oder Haushaltsgegenstände).
"Die Konkurrenz war hart", erklärte Heimatpfleger
Prof.Dr.Göttler, "wer sich durchsetzen wollte, musste
liefern.
Der Barockmensch neigte dazu, etwas mit der Hand berühren zu
können. Ganz oben in der Hierarchie standen Reliquien, die
direkt mit Christus zu tun haben (z.B. Kreuzesholz). Gleich darunter
kamen Marienwunder, wenn Maria selbst eingegriffen hat" (z.B.
Marienerscheinung). 04)
Wenn Wenn man Pilger aus größerer
Entfernung anziehen wollte, musste man mit einer besonders großen
Menge von Reliquien aufwarten. Am besten von Heiligen, deren Hilfe
besonders begehrt war.
Eine
Wallfahrt war auch immer ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis;
die Pilgerreisen brachten Abwechslung in den Alltag und stärkten
die Gemeinschaft. Sie sollten in Erinnerung bleiben, und man wollte
den Nachbarn und Freunden davon erzählen können. Oftmals
waren sie aber auch mit übermäßigen Zechereien in
den Gasthäusern und Pilgerherbergen verbunden. Zudem klagte
1773 Peter Hehel in seiner Christlichen Glaubenslehr, dass
"das Wallfahrten von Jungfrauen
und Jungmännnern fast nie ohne Gefahr geschehen kan, wegen
vilen Umständen und
Zufällen, die sich
bey längeren Kirchfahrten ereignen und nicht zu vermeyden seynd;
deren sich der höllische Feind
gebraucht, als bester Gelegenheit,
die Unschuld zu verführen". 08)
Und nicht zuletzt fehlten wallfahrende
Ehalten (Gesinde) den Bauern bei der Arbeit. Deshalb waren Wallfahrten
in der Erntezeit nicht gern gesehen. In der von den Jesuiten herausgegebenen
Glaubenslehr von 1737 heißt es dazu:
"Kirchfahrten ist ein
heiliges Werck, wanns geschihet: Erstens mit guter unverfälschter
Meynung. Andertens selten, und
nur zu seiner bequemlichen
Zeit... und ohne Vernachlässigung ihres Dienstes und Verabsaumung
dessen, was besser ist."
08)
Hort
Heres schreibt dazu aus der Sicht des Walfahrtsortes
14):
Wallfahrtsort wurde und war man gerne. Der Ort gewann ganz allgemein
an Bedeutung und Ansehen. Hinzu kamen erhebliche wirtschaftliche
Vorteile. Die herbeiströmenden Wallfahrer — oft tagelang über weite
Strecken unterwegs — waren hungrig und durstig, benötigten Quartiere.
Die Wallfahrtskirche oder das sie betreuende Kloster wurde großzügig
mit Spenden und Stiftungen bedacht. Das wundertätige Gnadenbild
vor Augen, erleichtert, das Ziel der Wallfahrt nach vielen Mühen
erreicht, Bitte oder Dank vorgebracht zu haben, dies alles hatte
nicht selten eine geradezu euphorische Stimmung zur Folge. Eine
Wallfahrt konnte zum unvergesslichen Erlebnis werden.
|
aus
Altomünster

Vorderseite

Rückseite
|
An vielen Orten wurden
für die Pilger Wallfahrtsmedaillen oder Wallfahrtsandenken
geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft
für die jeweilige Wallfahrtskirche, entsprang andererseits
aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen Medaillen
von der Wallfahrt ein Stück Heiligkeit in die eigenen
vier Wände mitzubringen.
Die Wallfahrtsmedaillen wurden häufig am Hals getragen
und sind deshalb eher als Anhänger zu bezeichnen. Wegen
ihrer Münzähnlichkeit hat sich aber auch für
sie der Begriff Medaille eingebürgert. 09)
Nach Wikipedia soll
der Glaube an die heilkräftige Wirkung so weit gegangen
sein, dass man das Pilgerzeichen zur Heilung auf ein erkranktes
Körperteil auflegte. Ebenso habe man den Kranken Wasser
oder Wein zum Trinken gegeben, in die man das Abzeichen getaucht
hatte.
| Die
Medaillen galten auch als Amulette zur Abwehr des Bösen
und wurden zu diesem Zweck im Haus oder Stall aufgehängt
(zum Schutz des Viehs vor Krankheiten), auf dem Feld vergraben
(für eine gute Ernte) oder an den Rosenkranz gehängt
(zum eigenen Schutz). |

Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang |
Brauchtumsreferent
Robert
Gasteiger aus Dachau besitzt in seiner volkskundlichen
Sammlung auch einige Wallfahrtsmedaillen aus dem Dachauer
Gebiet. Darunter aus Altomünster, Pipinsried und
Taxa. |
|
aus
Taxa

Vorderseite

Rückseite
|
Viele
der von oben eingerichteten Wallfahrten (z.B. Kloster Indersdorf
in Pipinsried, Albersbach, Straßbach oder in der Klosterkirche)
haben nicht überlebt oder sind unbedeutend geblieben.
Von Dauer waren letztlich vor allem die Wallfahrten, die aus dem
Volk entstanden sind und die durch Mundpropaganda als besonders
hilfreiche Wallfahrtsstätte bezeichnet wurden (z.B. Ainhofen).
Dr.Gerhard Hanke und
Robert Böck haben die Wallfahrten, die die Dachauer Bürger
unternahmen, erforscht und publiziert (siehe Quellen 01),
03).
Sehr
interessant sind die Mirakelbuecher
des Wallfahrtsortes Inchenhofen von 1659
Wallfahrtsorte
für Gläubige aus dem Dachauer
Land
Altomünster
- Wallfahrt zu St.Alto und St.Birgitta
|
Nach Altomünster
kamen die Menschen vor allem wegen der umfangreichen Reliquiensammlung.
Denn der Reichtum
eines Klosters des Mittelalters bestand nicht nur in seinem
Grundbesitz und seinen Rechten, sondern auch aus vielen Reliquien,
die von den Gläubigen der Region und von Wallfahrern
verehrt wurden. Solche Wallfahrten und Bittgänge haben
zur Verbesserung der Einkommenssituation des Klosters beigetragen.
In Altomünster verehrte man (teilw.zu unterschiedlichen
Zeiten):
- von Klostergründer St.Alto
| |
die
Hirnschale,
sein Rodungsmesser,
zwei Bücher (heute in der Staatsbibliothek)
sonstige Gebeine
den berühmten Altokelch (später bei der Säkularisation
eingeschmolzen) |
- von der hl. Birgitta
| |
ein
"großes Röhrenstück" der Gebeine
einen schwarzen Ärmel ihres Rockes
ein Stück ihres Tisches
ein Agnus Dei, das Birgitta am Hals getragen hat
eine Trinkschale und den Wanderstab. |
- von St.Catharina,
der Tochter von Birgitta, ein "Beinlein wohl ein Spann
lang"
- weitere Reliquien
im Kloster
| |
- ein
Kreuz, das Kaiser Karl IV. 1356 dem Kloster geschenkt
hat
- sieben "Heilige Leiber", die hinter den Altarbildern
angebracht sind
- eine am Original berührte Kopie des Turiner Leichentuchs
- drei Kreuzpartikeln,
- zwei Dornen aus der Dornenkrone Christi
- Haare von der Gottesmutter Maria
- heilkräftiges Wasser aus der von St.Alto wundersam
erweckten Quelle |
|
Hirnschale
von St.Alto
St.Alto
St.Birgitta
|
mehr
über die große Kirche St.Alto und St.Birgitta in Altomünster...
Ainhofen-St.Maria
Eine kleine Wallfahrt gab es im Ainhofen
wahrscheinlich schon Ende des 15.Jh. Damals entstanden im ganzen
Land Marien-wallfahrten, die es bis dahin nur vereinzelt gab. Im
Mittelalter waren Wallfahrten überwiegend auf Heiligenreliquien
ausgerichtet. Nur die körperliche Nähe zu den Reliquien sicherte
den besonderen Schutz der Heiligen. Marienwallfahrten gab es bis
1450 kaum, weil Reliquien der Muttergottes fehlten. Erst im 15.Jh.
kam die Verehrung von Gnadenbildern in Mode.
Eine große Wallfahrt benötigt eine Gnadenfigur bzw.-bild
sowie ein wundersames Ereignis oder eine Gebetserhörung. Die
Gnadenfigur kam um 1500 aus dem Kloster Indersdorf. Es ist die noch
heute vorhandene kleine Skulptur der stillenden Muttergottes, die
älteste Plastik der Erzdiözese München und Freising
aus dem 12.Jh.
Vom wundersamen Ereignis gibt es drei Versionen. Die bekannteste,
aufgeschrieben 1745, davon lautet:
| |
Ein
Kaplan wollte im Jahr 1519 die Gnadenfigur zu einem Restaurator
bringen und in dessen Werkstatt renovieren lassen (wahrscheinlich
war ihm die bloße Brust Mariens ein Dorn im Auge).
Doch die Figur ließ sich zwar noch aus der Kirche,
nicht aber über den Friedhof hinaus tragen. Die Träger
seien von einer unsichtbaren Kraft zurückgehalten
worden, schrieb Penzl. Da zog einer ein Messer heraus
und begann in die Brust der Figur zu stechen. In demselben
Augenblick zog sich ein Schleier über die Augen des
Frevlers und er erblindete. Alle Umstehenden waren zutiefst
erschrocken. Sie trugen das Bildnis unverzüglich
wieder in die Kirche auf den Altar zurück. |
Die Nachricht von diesem
Geschehen breitete sich schnell aus und ließ die Wallfahrt
zur aller-seligsten Jungfrau Maria erheblich anschwellen.
In den Jahren 1682-88 wurde wegen des verstärkten Wallfahrerstroms
das Langhaus der Kirche um 5,20 Meter verlängert. Ab 1705
erhielten die Wallfahrer am Fest Mariä Heimsuchung (heute
31.Mai) aufgrund einer Bulle von Papst Clemens IX. einen Ablass
von sieben Jahren.
|
 |
In der Zeit von 1717-1732 wurde
die Kirche barock ausgestattet mit neuen Altären, darunter dem
prächtigen Hochaltar mit der Madonnenfigur, umgeben von 22 Engeln
und Putten.
Die Wallfahrt
nach Ainhofen hielt die gesamte Zeit von 1519 bis heute an; doch
sie verringerte sich stetig. Die Aufklärung am Ende des 18.
Jahrhunderts brachte für Wallfahrten, Kreuz- und Bittgängen
einschneidende Beschränkungen. So untersagten drei kurfürstliche
Generalmandate zwischen 1785 und 1804 Wallfahrten an weiter entfernte
Orte und viele Bittgänge.
Begründet wurde dies auch mit Klagen der Bauern wegen Arbeitsausfällen
infolge mehrtägiger Wallfahrten ihrer "Ehalten", also ihrem
Gesinde.
Im Jahr 2015
sollte mit der Restaurierung der Kirche und auch der Gnadenfigur
die Wallfahrt wieder neuen Schwung bekommen, so Kardinal Marx im
Gottesdienst am 16.5.2015.
mehr
über die Wallfahrtskirche Ainhofen finden Sie hier...
Allach
-
Wallfahrt zum Hl.Kreuz im Moos - über Rothschwaige
| Alljährlich
am Freitag vor oder nach Pfingsten unternahm die Pfarrei Dachau
einen Kreuzgang zum "Heiligen Kreuz im Moos" bei Allach,
"zur Abwendtung allerley Suchten" wie es hieß.
Der erste Kreuzgang fand am 3.Juli 1683 statt, als die Türken
Wien belagerten und die Pest letztmals Bayern heimsuchte. Doch
nicht diese Plagen, sondern die Bitte um Abwendung von Viehseuchen
war offfizieller Anlass des Kreuzgangs. Die Prozession zog zur
Rothschwaige und weiter zur Kapelle mit dem "guttätigen
Kreuzbild auf dem Moos" bei Allach. Dieser Kreuzgang wurde
zum festen alljährlichen Brauch. Nachdem das Kreuzbild
1794 wegen Abriss der Kapelle in die Pfarrkirche von Allach
gebracht worden war, wurde die Wallfahrt geteilt: Am Pfingst-dienstag
nach Allach, am Freitag nach Christi Himmelfahrt in die Rothschwaige.
|
Rothschwaige
|
1803, bei der Säkularisation,
wurde die Rothschwaigkapelle abgetragen. Auch der Kreuzgang nach
Allach wurde eingestellt. Dazwischen gab es in den Hungerjahren
1770-1772 (drei verheerende Missernten) an 19 Dienstagen "zur
Erbittung einer gesegneten Ernte" und "zur Abwandlung
der andauernden Hungersnot" Kreuzgänge zur Rothschwaigkapelle.
mehr über die Kirche
St.Peter und Paul in Allach sowie über die ehem.Kapelle
in der Rothschwaige...
Andechs-Wallfahrt zum Heiltumsschatz 02)
| Die älteste
Wallfahrt der Dachauer führte nach Andechs (zum
großen Reliquienschatz, Heiltum genannt, darunter auch
den "drei Hosten"). Jedenfalls ist sie schon 1618
in einem Schriftstück der Münchner Hofkammer beschrieben.
Damals wurde sie am 23.August durchgeführt. Veranstalter
war nicht die Pfarrgemeinde, sondern der Markt Dachau. In den
Jahren 1632 und 1634, als Dachau zweimal von den Schweden geplündert
wurde, konnten keine Kreuzgänge oder Wallfahrten durchgeführt
werden. Als die Kriegsereignisse um 1635 eine Wallfahrt nach
Andechs aus Sicherheitsgründen nicht mehr zuließen,
pilgerten die Dachauer ersatzweise zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild
Maria Stern. Gleiches geschah 1649, als in Dachau die Pest grassierte;in
den Rechnungsbüchern heißt es dazu: "wegen sterbender
Läuff und uhnvermögenheit halber" wird nicht
auf den heiligen Berg "gewallfahrtet", sondern zu
"Unserer Lieben Frau in das Täxet". Die Wallfahrt
nach Andechs wurde 1636 wieder aufgenommen; von da an fand sie
alljährlich in der Kreuzwoche, um den 3.Mai herum, statt.
|
Wallfahrtsmedaille
von 1700
|
Die Wallfahrt
nach Andechs wurde auch in den Jahren unmittelbar nach dem verheerenden
Andechser
Kirchen- und Klosterbrand vom 3. Mai 1669 durchgeführt.
Die Kosten
für diese Wallfahrt (rd. 8 Gulden) wurde von der Pfarrkirchenstiftung
getragen; nach dem 30jährigen Krieg größtenteils
von der Dachauer Marktkammer. Zu den Kosten gehörte auch die
Entlohnung des begleitenden Pfarrers. Meist waren es Kapläne
(Gsellpriester), die dafür 2 Gulden erhielten. 1636 wurden
dem begleitenden Pfarrer von Mitterndorf 3 Gulden bezahlt, "alleweilen
alle Sachen gar teuer". Manchmal nahmen die Geistlichen zu
Pferde an der Wallfahrt teil. Im 17.Jh. erhielten die Fahnenträger
30 Kreuzer, der Kruzifixträger 12-45 Kreuzer und der Vorsänger
2 bis 3 Gulden. Außerdem war in manchen Orten, durch die man
zog, Ein- und Ausläutgeld (in Esting, Bruck und Steinebach)
und in Andechs selbst ein Anzündgeld (8 kr) für die Wallfahrtskerze
zu zahlen. Denn es war üblich, eine große, prächtig
geschmückte Votivkerze mitzubringen, die in Andechs im Wachsgewölbe
ausgestellt wurde. Die 1718 vom Dachauer Maler Joh.Georg Hörmann
für 7 Gulden im Auftrag des Marktes Dachau angefertigte Votivkerze
ist noch heute in Andechs zu bewundern (mit der falschen Jahreszahl
1715). Das förderte einen Wettstreit der Wallfahrergruppen
aus größeren Städten um die größte und
schönste Kerze. Auch Einsbach hatte schon im 17.Jh. eine große
Kerze gestiftet.
Die Wallfahrt
nach Andechs ist schon sehr alt. Sie dürfte schon im 12./13.Jh.
bestanden haben. Ziel dieser Wallfahrt war der "Heilthumschatz".
Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst.
Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von
Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und
Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren
Kreuzpartikeln, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom
Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke
an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien
(Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth
und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem
Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen
gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne
Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen
Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer).
Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und
Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen
oder eine Herrenreliquie handelte.
Bekannt sind
Wallfahrten/Kreuzgänge der Pfarreien Bergkirchen, Dachau und
Einsbach.
Arnzell - Wallfahrt St.Vitus
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Patron der um 1220
erbauten Filialkirche von Indersdorf in Arnzell ist St.Vitus.
Die Verehrung des hl.Vitus, des Patrons des sächsischen
Königshauses, war vor 1000 Jahren vor allem im Norden
Deutschlands weit verbreitet. Das Vituspatronat in Arnzell
war also schon eine Besonderheit unserer Gegend. Möglicherweise
hatte das Kloster Indersdorf auch Verbindungen zum Kloster
Corvey in Niedersachsen, dem Zentrum der Vitusverehrung. Im
Süden Deutschlands entstanden Vituspatronate erst im
späten Mittelalter (Günding, Fahrenzhausen, Obermarbach),
als der Kult um die 14 Nothelfer entstand. St.Vitus gehört
ja zu dieser erlauchten Heiligenschar.
Ablassverleihungen
von 1458 und 1461 sprechen dafür, dass bereits im Spätmittelalter
eine Wallfahrt zum hl.Vitus bestand.
Nach den 1620
beginnenden Mirakelberichten (Bericht über Wunderheilungen)
wurde Vitus bei Besessenheit, Veitstanz (Chorea Huntington),
Epilepsie, allen Geisteskrankheiten und insbesondere bei der
gefürchteten Krankheit Kindsfrais angerufen.
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Einige Wallfahrer brachten schwarze
Hennen mit, weil sie glaubten, die Krankheit werde durch die Fürbitte
von St.Vitus auf die Hennen übertragen. Beim Gottesdienst am
Patronatsfest (15.Juni) verkündete jeweils der Vikar die "im
vergangenen Jahr auf Anrufung des Heiligen geschehenen Guttaten"
von der Arnzeller Kanzel.
Bis zum 2.Weltkrieg
hingen Votivgaben an einem Brett im Altarraum. 1948 waren noch Figuren
eines Wickelkinds, zwei Rösseln aus rotem Wachs sowie ein von
einem Kind verschlucktes und wieder herausgekommenes Zweipfennigstück
vorhanden. Danach (wohl bei der der Renovierung 1957) wurde dieses
Brett abgebaut und die Votivgaben weggeräumt.
mehr
zur Kirche St.Vitus in Arnzell finden Sie hier....
Einsbach -Wallfahrt
Hl.Blut
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Die
Wallfahrt in Einsbach basiert auf folgender Gründungslegende:
Ein Hirte will die Kommunions-Hostie von der Pfarrkirche Einsbach
mit nach Hause nehmen und verliert sie unterwegs. An dieser
Stelle entsteht eine Quelle; sie wird gefasst und später
mit der Kirche überbaut. Da man dem Wasser eine heilbringende
Wirkung nachsagte, hielt sich hier bis zur Aufklärung
Ende des 18.Jh. eine Wallfahrt. Die Quelle wurde 1688 mit
einem aus Rotmarmor gemauerte Ziehbrunnen mit einem Eisengitter
(siehe rechts) geschmückt.
Die Wallfahrt
zum Hl.Blut hielt sich bis zum Ende des 18.Jh. Die Pilger
tranken das Brunnenwasser oder wuschen sich damit die Augen.
Zudem pflegten sie zur Beichte zu gehen.
Im mittelalterlichen Verständnis bedeutete das heilige
Blut die Verehrung des "Fronleichnams", des Leibes
Christi in Form der Hostie. Bis in die Barockzeit hinein wurden
überall dort, wo Hostien gefunden wurden, Kapellen und
Kirchen errichtet. Die Missachtung oder die unwürdige
Behandlung der Hostien wurde als große Schuld angesehen.
Einen Weg, um Verfehlungen zu sühnen, sah man nach dem
13. Jh in Heilig-Blut-Wallfahrten.
Wallfahrtsziel
war in Einsbach aber nicht nur das hl.Blut, sondern auch die
hl.Lanze (Reliquie) uns der hl.Sebastian (Mitpatronat).
Das 'Speerfest' war ein feierlicher Höhepunkt
des Kirchenjahres. Dabei waren vor allem die 'Heilige Lanze'
und die Leidenswerkzeuge Christi Ziel der Verehrung. Zu diesem
Fest kamen Bittgänger aus Sulzemoos, Kreuzholzhausen,
Welshofen, Wenigmünchen, Rottbach und Mammendorf.
"Am Schauer- oder Wetterfreitag, der, wie das Speerfest,
mit Hochamt, Predigt und Flurumgängen gefeiert wurde,
fanden sich die Gemeinden Sulzemoos, Maisach, Wenigmünchen,
Ebertshausen, Bergkirchen, Walkertshofen und Kreuzholzhausen
ein.
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Ziehbrunnen
mit Heilwasser in Einsbach
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Dazu kamen die
Feste und religiösen Übungen der Sebastiani-Bruderschaft,
die 1656 errichtet wurde. Die Bruderschaftsfeste wurden damals am
linken Seitenaltar gefeiert. In der zweiten Hälfte des 19.
Jh. fand am Sebastianstag (20. Januar) das Hauptfest der Kirche
statt. Man zelebrierte es mit Amt, Nachmittagspredigt und Sakramentsprozession.
mehr
zur Wallfahrtskirche Einsbach Hl.Blut finden Sie hier....
Grafrath-Wallfahrt
St.Rasso
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Auf dem Weg nach Andechs
liegt Grafrath, wo die Gebeine des hl. Rasso liegen.
Dort machten die Dachauer Wallfahrer regelmäßig
Station, lasen eine Messe und opferten am Grab von St.Rasso.
Die Marktgemeinde Dachau unterhielt dort eine große
Wachskerze im Gewicht von 12 Pfund. In den Unterlagen des
Markts sind immer wieder Kosten für die Kerzenerneuerungen
in Grafrath erwähnt.
Rasso (900-954), nach
der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter,
berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen
Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er
nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien
mit und ließ hierfür im heutigen Grafrath ein Benediktinerkloster
bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder
in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet,
seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt.
Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in Andechs
am Ammersee gezeigt. Festtag: 19.Juni
Das Grab von St.Rasso war das Ziel vieler Wallfahrten, "da
seine heiligen Gebeine große Wunderzeichen vollbringen
Tag und Nacht ohne Unterlass an kranken Menschen, die das
Grab aufsuchen", wie es in einem alten Bericht heißt.
Die Wallfahrt nach Grafrath hatte im Mittelalter und bis in
die Neuzeit großen Zulauf. Aufzeichnungen der Wunder
aus den Jahren 1444 bis 1728 sind erhalten mit 12.131 Einträgen.
Erstaunlich ist, dass 1165 der Eintragungen Harnsteinleiden
betreffen, wovon 70-75 % auf Kinder entfallen. Harnverstopfung
war ein häufiges Symptom der Harnsteinerkrankung. Die Symptome
sind in den Mirakelbüchern oft drastisch geschildert: "...
ein puebel hat das grieß [Harnsteinchen] so heftig das man
vermeint es sturb".
|

St.Rasso
in Grafrath
|
Auf
einer Votivtafel ist folgender anrührender Text zu lesen:
"Lang litt ich an des Steines Schmerzen
- Als Kind schon hart gequält
da wandt ich mich mit Vertrauen im Herzen
- zu Gott mich, der die Tränen zählt
und fand Errettung, Dank dem Herrn - er hilft
in unserem Leiden gern"
Viele der abgegangene Harnsteine wurden, in Glas oder Silber gefasst,
als Votivgaben überreicht. 13)

Wallfahrtsmedaille
St.Rasso |
Nach der Erhebung der
Gebeine 1468 wurden sie in einem Hochgrab über dem Bodengrab
wieder beigesetzt.
Beim Bau der heutigen Barockkirche in Grafrath 1688 bis 1695
wurde das Hochgrab wieder abgetragen, die Grabplatte auf den
Boden gelegt und die Gebeine selbst auf den Hochaltar erhoben,
wo sie in einem Glasschrein ruhen. Bis 1778 wurden 17.500
Gebetserhörungen auf Rassos Fürsprache dokumentiert;
sie werden seit 1444 aufgezeichnet. 1867 wurden die Reliquien
von den Räubern der daraufhin berühmt gewordenen
Rasso-Bande entwendet, nur den Kopf ließen sie in der
Kirche zurück. Die andern Gebeine nahmen sie mit und
vergruben sie, nachdem sie den Schmuck abgenommen hatten,
in einem Wald in der Nähe, wo sie später durch Zufall
entdeckt und dann in Augsburg wieder zusammengefügt wurden.
|
Fest des hl.Rasso:
19.Juni
Inchenhofen - Wallfahrt St.Leonhard
06)
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Die Wallfahrt zum hl.
Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste
Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann,
als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende
Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahm. Es verhalf
ihr binnen weniger Jahrzehnte zu höchster Blüte.
Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256
sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhards-kapelle gestohlen
haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard
war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer
Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls
angeketteten) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine
große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im
16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten
missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab
der Wallfahrt in Inchenhofen einen großen Schub. Bis
1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt
nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen,
meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inhenhofen auch
genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte
Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem
zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten
Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.
Der erste Kreuzgang
der Dachauer Pfarrei St.Jakob nach Inchenhofen wurde erst
spät, 1753, durchgeführt, und zwar aufgrund eines
Gelöbnisses der Dachauer Bürgergemeinde anlässlich
einer grassierenden Viehseuche. Man zog mit einer großen
Wachskerze im Wert von 6 Gulden zu St.Leonhard. Im weiteren
zeitlichen Verlauf Inchenhofen nur bei entsprechenden Anlässen
abgehalten. 1753 war dies eine grassierende Viehseuche, 1766
"eine leidige Seuche unter dem Hornvieh", 1780 die
Tierseuche "gelber Schelm" unter Rössern und
Hornvieh in den Nachbargemeinden. Der Kreuzgang sollte ein
Übergreifen der Seuche auf Dachau verhindern. Damals
wurde auch vereinbart, dass die Wallfahrt künftig in
dreijährigem Turnus stattfinden sollte. In den Jahren
dazwischen wollte man nach Sigmertshausen und Webling gehen.
Das wurde nur noch kurze Zeit verwirklicht. Nach 1804 ist
kein Kreuzgang der Dachauer nach Inchenhofen mehr bekannt.
|

Votivgabe
aus Sulzemoos
|
In
Inchenhofen haben sich drei Mirakelbücher
aus der Zeit von 1350 bis 1650 erhalten.
Ein Mirakelbuch ist eine Sammlung von Wunderberichten bzw. Gebetserhörungen
oder Danksagungen von Inchenhofener Pilgern, die überzeugt
waren, dass ihre Gebete um Fürbitte von St.Leonhard bei Gott
erhört wurden. Das im Jahr 1659 gedruckte Mirakelbuch in Inchenhofen
berichtet im ersten Teil (35 Seiten) von der Geschichte und der
Entwicklung des Wallfahrtsortes. Die nächsten 180 Seiten mit
den Mirakelberichten sind in 25 Abschnitte (hier "das Band"
genannt) gegliedert. Jedes Band befasst sich mit einem besonderen
"Tätigkeitsbereich" des hl.Leonhard bzw. einem bestimmten
Krankheitsbild, das die Bittflehenden nach Inchenhofen gebracht
hat.
Im
Mirakelbuch von 1659 ist ein Bericht über den Dachauer Stephan
Heigel enthalten, dem im Winter des Jahres 1641, mitten im
30jährigen Krieg, ein zweijähriges Fohlen in einen über
15 m tiefen Brunnen gestürzt war. Man zog das Tier an Seilen
wieder herauf, doch es gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Da
versprach Stephan Heigel dem hl.Leonhard eine hl.Messe sowie eine
Gabe in den Opferstock von Inchenhofen. Bald darauf erwachte das
Fohlen und wurde wieder gesund. Stephan Heigel wallfahrtete nach
Inchenhofen und ließ das Wunder ins Mirakelbuch eintragen.
Der Text lautet: 10)
| |
"Den
22.Febr. ist Stephan Heigel, Burger und Gastgeben zu Dachaw
ein 2 jähriger Foll in einen achthalb Klaffter tieffen
Bronnen gefallen, an welchem als man jhn an Sailen herauffgezogen,
kein Leben zuvermercken war. Der doch nach verlobter H.Meß
und Opffer in Stock allhero bald
wider genesen und zu voriger Gesundheit kommen, wie glaubwürdig
bezeugen Stephan Ortholffer, Wagner und Balthasar Sam, Bawmaister,
neben andern unfehlbar 200 jung unnd alten Personen."
|
1846
wurde die Gegend von Ampermoching von einer verheerenden Rinderseuche
heimgesucht, der "bis auf einige wenige Stück der ganze
Viehbestand zum Opfer fiel". Die Menschen nannten sie damals
"Egelpest". Viele nahmen Zuflucht zum hl. Leonhard, dem
Patron der Haustiere, und gelobten einen jährlichen Bittgang
nach Inchenhofen, dem sich in den Folgejahren auch Gläubige aus
der Umgebung, vor allem aus Sigmertshausen, anschlossen. Und die Ampermochinger
hielten ihr Versprechen rd 100 Jahre lang. Jedenfalls ist im Amperboten
von 1931 zu lesen, dass die Wallfahrt "seither treu gehalten"
worden sei.
Weitere Wunderheilungen durch St.Leonhard für Gläubige aus
der Dachauer Gegend finden
Sie hier...
Inhausen- Marienwallfahrt
Die Kirche
in Inhausen besitzt das Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
Man nimmt an, dass schon beim Bau der Kirche, um 1450, eine
Marienwallfahrt bestand. Sicher nachweisbar ist die Wallfahrt
ab der zweiten Hälfte des 17. Jh. Dies bestätigen
auch die Kirchenrechnungen ab 1694 bis 1756, wo mit wenigen
Ausnahmen Wallfahrten verzeichnet sind. So schrieb 1660 der
Haimhauser Pfarrer Johann Krauthofer (1656-1666) an das Fürstbischöfliche
Ordinariat in Freising, dass sich auf dem Choraltar zu Inhausen
eine Liebfrauenstatue befinde, die schon seit etlichen Jahren
von Personen hohen und niederen Stands aus der näheren
und weiteren Umgebung als wundertätiges Bild [miraculos
bilt] verehrt" werde.
Zu diesem Personenkreis habe auch der verstorbene (Haimhauser)
Graf Johann Albrecht gehört, zu dessen Andenken der Sohn
Franz Albrecht zu den neuen Altären 600 Gulden gestiftet
habe.
Bei einem florierenden Wallfahrtsbetrieb wäre die Wortwahl
bei der Schilderung erheblich euphorischer ausgefallen. Immerhin
hat die Wallfahrt 1637/38, mitten im Dreißigjährigen
Krieg, 66 Gulden im Jahr an Spenden (Opferstockgefälle)
eingebracht. Dies war ein recht ansehnlicher Betrag.
Im Jahr 1712 verlieh Papst Clemens XI. der Kirche in Inhausen
zum Fest Mariä Himmelfahrt einen vollkommenen Ablass für
die Dauer von 7 Jahren, der die Wallfahrt zumindest am 15.August
stärkte.
Mitte des 19.Jh. dürfte die Wallfahrt nicht mehr existent
gewesen sein, weil man das Gnadenbild durch eine neue Figur
im Stil des Historismus ersetzt und das alte Gnadenbild nicht
aufgehoben hat. Es gilt als verschollen. |
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zur Kirche St.Maria in Inhausen finden Sie hier...
Kreuzholzhausen
-
Wallfahrt
zum Heiligen
Kreuz
Die
Kirche ist dem Heiligen Kreuz geweiht. Die besondere Beziehung zum
Kreuz ist auch dem Ortsnamen zu entnehmen.
Bis in die ersten Jahre des 30jährigen Krieges hinein verehrte
man in Kreuzholzhausen eine wertvolle Partikel des Kreuzes
von Golgota, das St. Helena im 4. Jh. aufgefunden haben soll. Leider
ging diese Reliquie beim ersten Schwedeneinfall 1632 verloren.
Nach dem Verlust der Partikel war Ziel
der Wallfahrt eine Nachbildung des wundertätigen Forstenrieder
Kreuzes, die 1642 nach Kreuzholzhausen kam und selbst
als wundertätig verehrt wurde.
Kreuzholzhausen war über zwei Jahrhunderte Ziel einer bedeutenden
Wallfahrt und dadurch weit über das
Dachauer Land hinaus im ganzen Süddeutschen Raum bekannt.
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Die
ersten Kreuzgänge sind aus den Jahren 1627 und 1635 durch
Ratsprotokolle und Kammerrechnungen aus Dachau belegt. Dachauer
Gläubige zogen damals betend nach Kreuzholzhausen. Zur
großen Wallfahrtsstätte wurde Kreuzholzhausen aber
erst, nachdem 1642 der kurfürstliche Brauvorsteher und
Rechnungskommissär Philipp Holzhauser aus München
der Kirche zu Holzhausen eine freie Nachbildung des Forstenrieder
Kreuzes stiftete. Die von Philipp Holzhauser gestiftete Kopie
wurde 1642 in feierlicher Prozession von München nach (Kreuz)Holzhausen
gebracht und soll schon bald nach ihrer Ankunft durch das Vergießen
von Schweißtropfen seine Wunderkraft zu erkennen gegeben
haben. Das verlieh der Wallfahrt einen entscheidenden Aufschwung. |
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Für
die Wallfahrer wurden sogar zwei hohe Wallfahrerhäuser mit
Übernachtungsmöglichkeiten erbaut. Der St.Josef-Hort und
das Marienheim waren durch einen Zwischenbau in Höhe des 1.Stockwerks
verbunden.
Der Ort Kreuzholzhausen war
nach dem Ende des 30jährigen Kriegs ein großer Wallfahrtsort.
Deshalb versuchte der damalige Pfarrer Georg Christoph eine Kreuzbruderschaft
zu gründen. Dies gelang 1644. 12 Jahre später, 1656,
zählte die Kreuzbruderschaft schon 2108
(!) Mitglieder, darunter 1399 aus 130 Ortschaften des heutigen Landkreises
Dachau.
Auch der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von
Gepeckh war von Anfang an Mitglied. Viele folgten seinem Beispiel.
Nahezu der gesamte Weltklerus des Dachauer Landes, die Mönche
aus den Klöstern Indersdorf und Altomünster, Adelige,
Bürger und Bauern aus ganz Süddeutschland, ja bis aus
Böhmen, Elsass und Burgund ließen sich in die Bruderschaften
aufnehmen.
Die Pfarrei Kreuzholzhausen und die Bruderschaften erhielten zahlreiche
Spenden und Stiftungen und so konnte Anfang des 18.Jh die Kirche
umgebaut (vor allem erhöht) und neu im Stil des Spätbarock
ausgestattet werden.
Großer
Wallfahrtsbetrieb fand am Kreuzauffindungstag 3.Mai und am Kreuzerhöhungstag
14.Sept. statt.
Regelmäßige
Wallfahrten kamen aus Dachau
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zur Wallfahrtskirche H.Kreuz in Kreuzholzhausen finden Sie hier...
Langengern-Kapelle
u.
Filialkirche Unterweikertshofen
- Wallfahrt
St.Maria
in der Buche
Die Kapelle beim Gernhof ist über 300 Jahre alt. Sie wurde
im Jahr 1700 über einer nur 15 cm großen, aus Ton
gebrannten Muttergottesfigur errichtet. Die Figur stammte wohl
aus dem Devotionalienhandel der gotischen Zeit. Da sie in einer
hohlen Buche gefunden worden war, erhielt sie den Namen "Muttergottes
in der Buche". Entscheidend für die Wallfahrt zu dieser
Figur war eine wunderbare Heilung. Der Kapellenerbauer Balthasar
Schrott hatte ein langwieriges Bruchleiden, von dem er durch
die Anrufung der Muttergottes in der Buche erlöst wurde.
Die Kunde von dieser Heilung löste spontan einen gewaltigen
Zulauf von Hilfesuchenden, Kranken und Bresthaften aus. Schon
nach kurzer Zeit wurde von weiteren Gebetserhörungen berichtet.
Begehrt war bei den Wallfahrern auch das Öl, das in den Lampen
vor dem wundertätigen Bild brannte sowie Splitter vom Holz
der Buche, in der das Gnadenbild gefunden worden war.
Die Wallfahrer brachten so reichliche Opfergaben, dass man in
Langengern den Bau einer Wallfahrtskirche plante.Dies beunruhigte
die Mönche im nahen Kloster Taxa, die durch die neu aufkommende
Kultstätte finanzielle Einbußen für Ihre eigene
Wallfahrt Maria Stern befürchteten. Sie baten den Fürstbischof
in Freising "dises genzlich abzuthuen, damit ihr armes Clesterl
andurch nit geschwecht wurde". Der Bischof verbot zwar die Wallfahrt
zur "Muttergottes in der Buche" nicht; doch er entschied, dass
die Gnadenfigur in die Pfarrkirche von Sittenbach gebracht werden
müsse. Dagegen erhob die Gräfin Maria Francisca Khuen
von Belasi Einspruch, weil sie das wundertätige Bildnis
in ihrer Hofmark, die Unterweikertshofen und Langengern umfasste,
behalten wollte. So kam die Muttergottesfigur nach Unterweikertshofen
und dort entstand für ein halbes Jahrhundert eine Wallfahrt.
Die Säkularisation 1803 beendete die Wallfahrt vollständig.
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Langengern
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zur Marienkapelle Langengern
und zur Kirche St.Gabinus
Unterweikertshofen
Mariabrunn-
Marienwallfahrt
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Im Juli des Jahres 1662
arbeitete der Mochinger Bauer Stephan Schlairboeck im Wald
beim heutigen Mariabrunn. Als er Durst bekam und nach Wasser
suchte, habe er dort "ein kleines Läckl vorgefunden".
Nachdem er einen Monat lang davon getrunken hatte, ist sein
schmerzhafter Bruch, den er seit 18 Jahren hatte, "von der
Größe eines Huts auf die Größe einer
Faust zusammengeschrumpft und hinweg gefallen". Aus Dankbarkeit
brachte er bei der Quelle ein Marienbild an.
Auch andere Personen haben Wasser nach Hause getragen und
man sagt, ihnen sei geholfen worden. Dies wird als Beginn
der Wallfahrt angesehen. Schon ein Jahr später wird von
1000 Personen berichtet, die den Brunnen aufsuchten und von
100 Gulden, die sich im inzwischen aufgestellten Opferstock
befanden. Das Wasser habe vor allem Personen geheilt, die
"Augenverletzungen, Leibschäden und verkrümmten
Füße" hatten. Schon bald wurde ein großer
Badebetrieb eingerichtet, der unter der Doktorbäurin
Amalie Hohenester sogar Weltruf erreichte.
Daneben florierte der Wallfahrtsbetrieb. Die Dachauer zogen
jedenfalls erstmals 1670 und in den Jahren 1693-1698 sechsmal
nacheinander hierher, zur Abwendung der "Hochgewitter"
hieß es. Dazu kamen natürlich die Ampermochinger
und viele Privatwallfahrer.
...mehr zur
Wallfahrt nach Mariabrunn siehe hier...
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Mitterndorf-Marienwallfahrt
Die Wallfahrt nach Mitterndorf war eine Marienwallfahrt.
Gnadenfigur war eine Muttergottesfigur, die heute an der Stelle
des linken Seienaltars steht. Über die Dauer und die
Größe des Wallfahrtsbetriebs ist mir nichts bekannt.
Die
Holzplastik aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt
Maria thronend, mit einer Krone auf dem Haupt, als "zweite
Eva''. Mit dem rechten Arm trägt sie das Jesuskind, das in
seiner rechten Hand eine Traube hält, während es mit der linken
Hand nach dem auf den Sündenfall im Paradies bezogenen Apfel
greift, den ihm seine Mutter zeigt. Die Geste symbolisiert
seine Bereitschaft zum Erlösungswerk. Die Muttergottes von
Mitterndorf war in den Jahren 1626, 1636 und 1648, also während
des Dreißigjährigen Krieges, das Ziel von Kreuzgängen der
Marktgemeinde Dachau und von Ampermoching.
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...mehr
zur Kirche St.Maria und Nikolaus in Mitterndorf siehe hier...
Mühldorf-Wallfahrt
zu St.Ulrich
Der Bau
der heutigen Kirche muss mit der Wallfahrt zum heiligen Ulrich in
Zusammenhang stehen, sonst hätte man niemals dieses großartige Gotteshaus
für die drei Bauernhöfe errichtet.
Über den Beginn der Wallfahrt fehlen leider Zeugnisse. Zur Zeit
des Freisinger Fürstbischofs Veit Adam von Gepeckh (1618-1651
im Amt) wurde festgestellt dass nach Mühldorf mehrere Wallfahrten
führten; doch kirchlich gefördert wurden sie nicht.
Mitte des 18.Jh. kamen u.a. alljährlich Wallfahrtsgruppen aus
den Pfarreien Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell, Hohenkammer
und Glonn. Die Blütezeit erreichte die Wallfahrte erst im 17.
und 18. Jahrhundert. 1659 musste man wegen der Menge der Besucher
am St.Ulrichstag ("wegen des trengen [= Gedränges] und
der hitzigkeit halber") hinter dem Choraltar, dort wo sich heute
die Sakristei befindet, einen Ausgang schaffen. Der war nötig,
um die wegen der Hitze in Ohnmacht gefallenen Pilger hinausbringen
zu können. Im Jahr 1680 kamen so viele Wallfahrer, dass an den
Seitenaltären die Gatter zerbrachen.
Damals soll sich hinter dem Choraltar in der Kirche eine Grube
befunden haben, die man nicht zumauern konnte. Aus dieser Grube
entnahmen die Pilger etwas Erde und verwendeten sie daheim sowohl
für Heilzwecke ("gegen "allerlej gebräch der schenkhl")
Eine
weitere Grube befand sich außerhalb der Kirche, im Freidthoff"
wie es hieß, obwohl es doch in Mühldorf keinen Friedhof gab.
Im 18.Jh. wird der Brauch erwähnt, dass Pilger auch zur Abwendung
von Mäuseplagen nach Mühldorf kamen. Sie ließen ihre Stecken
aus Haselnusszweigen als Opfergabe zurück. Dies ist auch einem
Wallfahrtsbericht mit dem Titel "Steckenkreuzgang" aus dem Jahr
1896 zu entnehmen: Pilger aus Fürholzen mussten ihre Haselnussstecken
in einen hölzernen Behälter "im Gottesacker zu Mühldorf" auf
dem Friedhof werfen. Die Stecken sollten auch Schutz vor Fiebererkrankung
bringen. Möglicherweise stehen die Stecken mit einer Ulrichslegende
in Zusammenhang (auch der Diebstahl eines Steckens im Wald wird
von Gott bestraft). |
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Die
Einnahmen aus dem Wallfahrtsbetrieb waren erheblich. Sie kamen der
Kirche, der eigenen Pfarrei, aber auch der Nachbarpfarrei zugute.
So erhielt z.B. die Pfarrei Kollbach, zu der damals auch noch einer
der drei Bauernhöfe in Mühldorf (Fischer) gehörte, im Jahr 1681
Geld für den Pfarrhofbau.
Seit Ende des 19.Jh. ist die Wallfahrt erloschen. Früher kamen
Pilger aus Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell, Hohenkammer und
Glonn und Fürholzen Heute unternimmt nur noch die Pfarrgemeinde
Hohenkammer alljährlich am ersten Sonntag im Juli einen Bittgang
zu ihrer Filialkirche Mühldorf.
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über die Kirche St.Ulrich in Mühldorf finden Sie hier...
Münchner Frauenkirche - Wallfahrt
zu St.Benno
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Die
Dachauer nahmen am 18.Juni 1780 am "St.Benno Translations
Jubelfest" teil. 200 Jahre vorher waren die Gebeine Bennos
feierlich die Frauenkirche überführt worden.
Die Frauenkirche war damals noch nicht Dom/Bischofskirche,
sondern Stifts- und Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau. Dort
war nicht Maria das Ziel der Wallfahrt, sondern die Gebeine
des hl.Benno, des Stadtpatrons Münchens.
Benno
war von 1066 bis 1106 Bischof von Meißen, also zur Zeit
des Investiturstreits. In diese Zeit fällt der berühmte
Gang von König Heinrich IV. nach Cannossa. Benno wurde
in den Streit zwischen Kaiser und Papst hineingezogen, wurde
mehrfach abgesetzt, exkommunziert und wieder eingesetzt. Als
er 94jährig starb, hat man ihn im Dom zu Meißen
bestattet. 400 Jahre später wurde er am 31. Mai 1523
durch Papst Hadrian VI. als "Apostel der Wenden"
heiliggesprochen.
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Bild Wikipedia
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Luther sah darin den Versuch, der Ausbreitung der Reformation in
Sachsen entgegenzuwirken, und schrieb die Streit-schrift "Wider
den Abgott und Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden".
1539 wurde die Reformation in Sachsen eingeführt. Bennos Grab
wurde aufgebrochen. Seine Gebeine sollten in die Elbe geworfen werden;
doch man hatte sie angeblich bereits vorher aus dem Sarg entfernt.
Mit einem Echtheitszertifikat versehen wurden sie 1576 nach Bayern
überführt und 1580 in der Frauenkirche in München
beigesetzt.
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Titel:
"Warhaffte
Beschreibung etlich, sonderbarer Wunderzeichen vnd Genaden,
so Gott der Allmächtig durch Fürbitt deß H. Bischoffe Bennonis
Anno 1606.
vnd 7. Jar, im Fürstl. Stifft bey vnser lieben Frawen,
der Hauptstatt München gewürcket"; herausgegeben 1608
|
Der Kreuzgang der Dachauer
an dieser 200-Jahres-Feier in München wurde etwas getrübt
vom Verhalten des Chefs der Mission. Der Dachauer Marktschreiber
Ignaz Steyrer berichtet dazu in der Marktkammerrechnung, Pfarrer
Franz Felix Sigler habe sich nicht nur alle religiösen
Verrichtungen während der Wallfahrt, sondern auch die
weit überhöhten Lebenshaltungs- und Bekleidungskosten
in München bezahlen lassen. Er schreibt: ... er "habe
sich, um sich allenthalben im Glanz und als ein äusserlicher
Seelen-Eyferer zu zeigen, so kostbar angerichtet, daß
man wahrhaftig nicht zur Ehre unseres großen heil. Benno,
sondern lediglich, damit der Sigler, mit einem ganz Ornat-Goldstück
angethan, seinen Hoffahrtsgeist erlustigen nkonnte; wie er
dann von eitler Aufgeblasenheit strotzend, den Sitz nach schon
geschehener Absingung des Hymnus gloria noch nicht verlassen
wollte, sondern zum endlichen Aufstehen gemahnt werden musste".
Daraufhin hat man in
Dachau die vom Markt zu tragenden Kosten begrenzt: bei künftigen
Kreuzgängen nach München sollte der Herr Pfarrer
nur 3 Gulden bekommen und auch das nur unter der Bedingung,
dass er oder sein Vertreter sich nicht von der Wallfahrt entfernt
und in der Münchner Frauenkirche das Messopfer für
die Kreuzgänger feiert. Die Mesnerfamilie sollte für
das Aus- und Einläuten der Wallfahrer bei Weggang und
Rückkehr 36 kr, für das Begleiten des Kreuzgangs
1 Gulden erhalten. Auch für Schullehrer und Kruzifixträger
waren je 1 Gulden vorgesehen, für den Fahnenträger
1 Gulden 30 Kreuzer, den Vorgeher 36 Kreuzer und schließlich
als Spende für den Opferstock in München ebenfalls
36 Kreuzer.
Wie bei anderen Wallfahrtsorten
auch, wurden in München die Gebetserhörungen und
Wunder in Mirakelbüchern aufgeschrieben (s.Bild links).
Dem
in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aufbewahrten Mirakelverzeichnis
(= Aufzeichnung der Wunder) der Bennowallfahrt
ist zu entnehmen, dass Haimhauser Pilger schon Anfang des
17.Jh. die Hilfe des Heiligen gesucht und gefunden haben.
1606 wurde die 15jährige Tochter des Haimhauser Schneiders
Hans Zollner von der "fallenden Krankheit" (Epilepsie)
befreit. Als sie in der Kirche von Hohemberg einen Anfall
hatte und beinahe starb, verlobte sich der Vater dem Hl.Benno;
sofort kehrte das Mädchen wieder ins Leben zurück
und war für mindestens die nächsten 2 Jahre geheilt
(Eintrag ins Mirakelbuch nach 2 Jahren).
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Noch
interessant:
Hans Hipp schreibt in seinem Buch Wachs
zwischen Himmel und Erde 12) ,
dass "in
der Bennokapelle der Frauenkirche zwei lebensgroße, sicherlich
portraitgerecht gearbeitete Wachsfiguren erhalten sind. Die beiden
jugendlichen Prinzen, in spanischer Tracht auf Kissen kniend, stellen
einen besonderen Schatz religiöser, barocker Frömmigkeitgeschichte
dar. Anlass für ihr Entstehen war der Umstand, dass der bis dahin
kinderlose Kurfürst Maximilian im Alter von 63 Jahren und noch
einmal im Alter von 65 Jahren in zweiter Ehe doch noch Vater geworden
war. Aus Dankbarkeit ließ er seine beiden Söhne Ferdinand
Maria (geb. 31. Oktober 1636) und Maximilian Hieronymus Phillip (geb.
30. September 1638) vermutlich von dem Wachsbildner und Hofbildhauer
Alessandro Abbondio in Lebensgröße portraitgerecht anfertigen.
Der bayerische Herrscher führte den späten Kindersegen auf
die Führbitten des Heiligen Benno zurück, weshalb die Wachsprinzen
1644 unter dem Bennobogen in der Vierung der Frauenkirche aufgestellt
wurden."
Kreuzgänge
zu St.Benno in der Frauenkirche wurden von den Pfarreien Dachau
und Einsbach, sowie aus Etzenhausen
durchgeführt.
Herzogspitalkirche
in München
- Marienwallfahrt
Für die um 1570 gebaute Kirche beim "Herzogspital" in
München schuf der Münchner Bildhauer Tobias Bader 1651
ein großes Kruzifix mit einer darunter stehenden Statue der
Schmerzhaften Muttergottes. Rd. 40 Jahre später beobachtete
die zehnjährige Maria Franziska Juliana Schott während
des Litaneigebets, dass die Schmerzhafte Muttergottes ihre Augen
bald nach oben zum gekreuzigten Christus, bald nach unten auf die
Erden, bald auf beide Seiten und "zum Kripplein gar anmüthig
und kläglich gewendet" hat. Das Wunder soll sich, wie auch
andere Kirchenbesucher bestätigten, am folgenden Tag wiederholt
haben. Dieses Ereignis und die daraufhin geschehenen Gebetserhörungen
und Krankenheilungen veranlassten das Ordinariat in Freising zu
einer Untersuchung. Mit Urkunde vom 6. April 1692 bestätigte
Fürstbischof Joseph Clemens den Vorgang als,Wunder" und empfahl
den Gläubigen die Verehrung der Muttergottes in diesem Gnadenbild.
Die Wallfahrt war nun offziell eingerichtet und blühte auf.
Zeitgenössische Quellen berichten, daß von 1690 bis 1695
in der Herzogspitalkirche 56.000 heilige Messen gelesen wurden und
die Zahl der Spenden so groß war, dass von den gestifteten
Votivtafeln das ganze Innere der Kirche überdeckt wurde. "
1696 erschien das erste Mirakelbuch im Druck. Ein weiteres Buch
von 1750 enthielt 400 Heilungsberichte aus den Jahren 1696 bis 1729.
Neufahrn
- Wallfahrt zu St.Kümmernis
05)
Eine weitere Wallfahrt führte -ebenfalls schon vor dem
30jährigen Krieg- nach Neufahrn bei Freising zur hl.Wilgefortis
(St.Kümmernis), jeweils am Pfingstdienstag über Ottershausen
und Inhausen.
St.Kümmernis war eine fiktive Heilige, die ihre Existenz
einer Verwechslung verdankte. Man glaubte in einem Bildnis des
gekreuzigten Christus mit Tunika eine andere Heilige zu erkennen.
Die Besonderheit von Wilgefortis war der Bart, der ihr der Legende
nach gewachsen sein soll, damit sie für Männer nicht
mehr attraktiv war. Als Wilgefortis wurde sie 1583/86 ins Martyrologium
Romanum aufgenommen, inzwischen aber wieder gelöscht. St.
Kümmernis wurde von Frauen und Männern angerufen:
in Liebesangelegenheiten, bei Beziehungs-problemen, Familienzwist,
Sorgen um Fruchtbarkeit in Haus und Hof oder bei Krankheiten
(spezifisch Frauenkrankheiten).
Von Männern wurde sie zusätzlich bei Kriegsgefahr
und Gefangenschaft um Fürbitte gebeten. Die ersten Nachweise
stammen aus den Jahren 1626-29. In den Kriegs- und Pestjahren
1632, 1634 und 1649 fiel die Wallfahrt aus. In allen übrigen
fast 150 Jahren bis 1786 aber gingen die Dachauer nach Neufahrn,
das aber von der Besucherzahl nur ein kleiner Wallfahrtsort
war. Im 18.Jh. kamen immerhin 60 Bittprozessionen im Jahr dorthin. |
St.Wilgefortis
bzw. St.Kümmernis am Kreuz
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Ottmarshart-Wallfahrt
zu St.Mauritius

1200-Jahre
alte Handglocke
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In den früheren
Jahren war die Kirche eine -wenn auch bescheidene- Wallfahrtsstätte.
Es kamen hauptsächlich Schwerhörige, die dreimal um
den Altar herumgingen während ihnen die hinterdrein gehenden
Personen mit einer halbkugelförmigen Handglocke von etwa
20 cm Durchmesser in die Ohren läuteten. Diese Glocke
ist nach neuesten Erkenntnissen 1200 Jahre (!) alt.
Nach einer mündlichen Überlieferung soll sie ein wilder
Stier auf dem sog. Kreuzacker des Veitbauern aus dem Boden gegraben
auf seinen Hörnern in die Kirche gebracht haben.
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Votivbild
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Heute erinnern an die bis
in die 1930er Jahre bestehende Wallfahrt nur noch Wachsfiguren,
wie Ohren, Arme, Beine, Herzen, Pferde, Kühe usw., die im Kloster
Indersdorf aufbewahrt werden. Lediglich ein Votivbild
(von 1848) hängt noch in der Kirche. Auf ihm sind ein Junge
und -im Himmel- der hl. Mauritius zu sehen.
Nach dieser Legende war Mauritius
römischer Offizier, Anführer der 22., der "thebäischen"
Legion, die in der Gegend um Theben in Ägypten ausgehoben worden
war und nur aus Christen bestand. Sie hatten sich geweigert, den
alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen
zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von
Kaiser Diokletian, zur Abschreckung jeden zehnten Mann umbringen,
was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die
ganze Legion ermordet war. Dies soll um das Jahr 300 bei Agaunum
im Schweizer Wallis geschehen sein.
Zum Helfer bei Schwerhörigkeit
wurde Mauritius aufgrund folgender Legende: Einer Mutter, die über
den Tod ihres Sohnes untröstlich war, erschien der hl.Mauritius
und sprach: "Weine nicht um ihn, als wäre er tot, sondern
wisse, er wohnet unter uns. Wenn du zur Frühmesse gehst, wirst
du seine Stimme unter den singenden Mönchen hören. Das
tat sie und hörte fortan die Stimme ihres Sohnes aus dem Mönchsgesang
heraus.
Seit
fast 100 Jahren ist die Wallfahrt erloschen.
mehr
über die Kirche St.Mauritius in Ottmarshart finden Sie hier...
Pfaffenhofen/Glonn
- Wallfahrt zu St.Maria
(Fraule)
Um 1756 entstand in
Pfaffenhofen a.d.Glonn die kleine Wallfahrt zum Fraule aus dem Holz.
Die Wagenfurt-Müllerin Maria Schrott hatte eine knapp 20 cm
große Muttergottesfigur aus Ettal mitgebracht und in einem
hohlen Fichtenbaum ihres Waldes aufgestellt. Der zuständige
Hofmarksherr von Weyhern, Franz Xaver von Ruffini, und der Pfaffenhofener
Pfarrer Johann Baptist Siess genehmigten wohl 1767 den Bau einer
Wallfahrtskapelle. An den Opferstockgefällen läßt
sich der Aufschwung deutlich ablesen: Sie stiegen von 14 Gulden
im Jahr 1767 auf 223 Gulden im Jahr 1769. 1773 wurde das Gnadenbild
auf den neu errichteten Kreuz-Altar der Pfarrkirche gebracht und
wurde von vielen Gläubigen sehr verehrt. Der Kreuzaltar stand ungefähr
an der Stelle des heutigen Zelebrationsaltars.
1817 wurde der Altar wie folgt beschrieben:
| |
"Inmitten
der Kirche ist ein Altärle, worauf die Muttergottes in
einem kleinen Kapsel; bekannt unter dem Namen Fraule. Sie wurde
vor ungefähr 40 Jahren aus dem Walde jenseits der Glon,
genannt Wagenfurth, wohin viele Leute Andacht haben, hierher
versetzt". |
Diesen Kreuzaltar hat man 1831
an die Südwand gerückt, da er die Sicht auf den Hochaltar einschränkte.
Die Fraule-Figur wurde auf den linken Seitenaltar übertragen. Zu diesem
Zeitpunkt hatte sich der Zulauf der Gläubigen schon stark verringert.
sie wurde von der Wallfahrt nach Geiselwies bei Sittenbach verdrängt.
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über die Kirche St.Michael in Pfaffenhofen a.d.Glonn finden
Sie hier...
Pipinsried-
Wallfahrt zu St.Wolfgang
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Am
5.Mai 1613 begaben sich mehrere Pipinsrieder zur Feier der
Translation des hl.Wolfgang nach Regensburg, von wo sie papierene
Bildnisse des hl.Wolfgang nach Hause mitnahmen. Einer dieser
Wallfahrer habe, wird erzählt, "ein solches Bildniß
in die Höhlung eines Baumes eingesetzt". Als der
Baum nach Jahren gefällt wurde, fiel das Papierbild heraus
und wurde auf den Altar der Pfarrkirche gelegt.
Aber des anderen Tages hat man das Bild nicht mehr auf dem
Altar, sondern wieder auf dem Stock des umgehauenen Baumes
gefunden. Dieser wundersame Vorgang wiederholte sich noch
zwei bis drei Mal.
Das erregte großes Aufsehen im Volk, zumal der Finder
des Bildes verkündete, er habe nach Anrufung des hl.
Wolfgang Hilfe bei seinem langjährigen körperlichen
Leiden gefunden. Man fügte das Bild
in die Vertiefung einer hölzernen Säule ein, die
an der Stelle der heutigen Kirche aufgestellt worden war.
So erhielt das Bild den
Namen bei "St.Wolfgang in der hl.Saul" (s.Bild rechts).
Die nun entstehende kleine Wallfahrt brachte soviel Geld ein,
dass 1637 eine hölzernen Kapelle und im Jahr 1693 sogar
ein stattliches steinernes Kirchlein gebaut werden konnte.
Die Wallfahrt wurde intensiv von den Indersdorfer Mönchen
gefördert, die sich davon nicht nur geistlichen, sondern
auch materiellen Gewinn versprachen. Trotz
dieser Unterstützung von oben entwickelte sich die Wallfahrt
nicht so gut wie z.B. in Ainhofen, Taxa oder gar Inchenhofen.
Sie erreichte nur regionale Bedeutung. Überliefert sind
Wallfahrten und Bittgänge aus 16 Pfarreien, darunter
aus Indersdorf, Langenpettenbach, Westerholzhausen, Altomünster,
Tandern, Hilgertshausen und Randelsried.
Eine Fördermethode von Indersdorf war die Einladung an
hochgestellte Persönlichkeiten zu einer Wallfahrt nach
Pipinsried. Es
kamen z.B. am 12.8.1656 die in Schloss Schleißheim wohnende
Kurfürstin Maria Anna, die Witwe von Kurfürst Maximilian
I. und Tochter von Kaiser Ferdinand II. in Wien und bat den
Heiligen um Hilfe. Nach Pipinsried wallfahrtete am 10.Mai
1660 auch die aus Savoyen stammende 24jährige Kurfürstin
Adelheid Henriette (1636-1676), die Frau des seit 1651 regierenden
Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern (1636-1679). Mirakelbücher
haben sich leider nicht mehr erhalten. Doch Prof.Liebhart
weiß, dass es zwischen 1734 bis 1773 im Durchschnitt
pro Jahr zu 29 Gebetserhörungen oder "Wunder" kam.
Der in Pipinsried verehrte St.Wolfgang wurde meist mit einem
Beil dargestellt. Denn auf der Suche nach einem Ort, an dem
er seine Einsiedlerkapelle bauen konnte, warf er am Wolfgangsee
von einem Berg aus sein Beil nach unten. Dort wo es steckenblieb,
errichtete er den Bau.
Hierher nach Pipinsried kamen die Gläubigen vor allem
wegen Fuß- und Handleiden. Dies legen jedenfalls die
Votivgaben nahe, die noch heute in der Kapelle aufbewahrt
werden (Holzfüße, Holzhände und Krücken).
Die Wallfahrer konnten -wie auch an anderen Wallfahrtsorten-
Medaillen als Andenken an die Wallfahrt erwerben. In Pipinsried
hatte die Medaille die Form eines Beiles (s. Bild rechts).
Das war außergewöhnlich.
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St.Wolfgang
in der hl. Saul

Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang
|
mehr
über die Kirche St.Wolfgang in Pipinsried finden Sie hier...
Sigmertshausen-
Marienwallfahrt
Besondere Berühmtheit
erlangte die Filialkirche, 1722 als bekannt wurde, dass eine kleine
"spannenlange" Statue der Mutter-gottes mit dem Jesuskind
auf dem Arm, Wunder vollbracht haben soll. Über die Auffindung
dieser Figur gibt es -wie so häufig- mehrere Versionen. Eine
handelt von dem Ziegenhirten Thomas Hoffwürth, der im Jahr
1719 sah, wie ein Schafbock eine kleine tönernes Marienfigur
aus dem Boden scharrte. Es dürfte sich um eine Kopie der Hammerthaler
Muttergottes aus der früheren Klosterkirche der Augustiner-Eremiten
in München gehandelt haben, die am Original "anberührt''
war. Allen Geschichten gemeinsam ist, dass der Hirte die Statuette
zunächst bei sich behielt.
Als erste Gerüchte über wunderbare Gebetserhörungen
in Umlauf kamen, wollte der Röhrmooser Pfarrer Kreitmayr das
Marienfigürchen in die Pfarrkirche von Röhrmoos bringen.
Doch auf wunderbare Weise verschwand die Statue mehrmals über
Nacht und tauchte in Sigmertshausen wieder auf.
|
Nun hat
man die Figur in Sigmertshausen belassen, wo es sich bald
auch hier gegen Bresthaftigkeit und Krankheit in unterschiedlichen
Zuständen hilfreich zeigte und spontan eine vielbesuchte
Wallfahrt auslöste. Davon zeugen viele Votivbilder. Zwei
davon sind besonders interessant; es sind Votivbilder des
Bayerischen Herrscherhauses von 1731. Das dort genannte, Hilfe
suchende Kind dürfte der bayer. Kronprinz Max Josef gewesen
sein, der 1727 geboren wurde und 1731, als das Votivbild entstand,
vier Jahre alt war.
Der
anschwellende Strom der Wallfahrer war -neben Schäden
durch zweimaligen Blitzschlag- wohl auch der eigentliche Grund
für den Kirchenneubau im Jahr 1755/56. Sechs Messen mussten
täglich gelesen werden. Der Neubau 1755 war ein Werk
des damaligen Pfarrers von Röhrmoos, Franz Xaver Ponschab.
Als die Hofmark
1754 von den Unertls an die Ruffinis überging, sah er
die Gelegenheit gekommen. Er riss das Gotteshaus ohne Genehmigung
ab und begann sofort mit dem Neubau. So schuf er vollendete
Tatsachen. Erst als die neuen Kirchenmauern schon drei Meter
hoch waren, schickte er die Pläne zum Freisinger Bischof.
Da war es für Korrekturen schon zu spät.
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Gnadenbild
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Die
Wallfahrt hatte ihre Blütezeit von 1722 bis zur Säkularisation
1803. Aufzeichnungen im Ordinariat belegen, dass damals täglich
4 bis 6 hl. Messen gelesen wurden; meist von Priestern, die mit
ihren Pfarrkindern im Wallfahrtszug nach Sigmertshausen kamen. Dass
die Wallfahrt auch nach der Säkularisation nicht ganz verschwand,
ist an den Votivbildern aus dem 19.Jh. zu ersehen. Bis 1812 stand
noch ein Wallfahrtsgeistlicher zur Verfügung, dem die seelsorgerische
Betreuung der Bittgänger oblag. 1834 wollte man die Wallfahrt
sogar wieder beleben, doch das Ordinariat lehnte ab. So
endete der Wallfahrtsbetrieb um 1850. Später führten nur
noch Bittgänge aus den Pfarreien der Umgebung oder einzelne
Wallfahrer nach Sigmertshausen.
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über die Kirche St.Maria in Sigmertshausen finden Sie hier...
Straßbach-
Wallfahrt
zu St.Ottilia
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Straßbach ist
eine Filialkirche des Klosters Indersdorf, wo besonders die
heilige Ottilia verehrt wird, die vor allem wegen Augen-,
Ohren- und Kopfleiden um Hilfe angerufen wurde. Die um 660
geborene Odilia war eine Tochter des Herzogs Athich aus dem
Elsass. Sie gründete 690 das später nach ihr benannte
Kloster Odilienberg als Augustiner-Chorfrauenstift und stand
ihm als Äbtissin vor. Die Legende berich-tet, dass der
Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen
wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte. Odilia
wurde das Augenlicht wieder geschenkt, als der durch einen
Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg
sie taufte. St.Ottilie widmete sich in ihrem Leben der Fürsorge
der Armen und Kranken. Sicher nachweisbar ist in Straßbach
das Siechenhaus seit dem Jahre 1435, wo die Leprakranken fernab
der Ortschaft untergebracht waren. Ottilia ist Patronin der
Blinden und der Winzer (wegen ihrer Heimat Elsass).
Der Sorge um die Kranken
und Armen widmete sich seit 1435 auch das Siechenhaus in Straßbach,
das vom Kloster Indersdorf in sicherer Entfernung eine Leprastation
eingerichtet worden war
Straßbach besaß nur eine regionale Wallfahrt.
Aber es war das Ziel von Bittgängen aus verschiedenen
Pfarreien. Straßbach
war die einzige Ottilienkirche im weiten Umkreis. Wegen des
Lebenslaufs von Ottilia erhofften sich die Menschen vor allem
Hilfe bei Augenleiden.
So wallfahrteten Ende des 18.Jh die Pfarrgemeinden Ampermoching,
Weichs, Vierkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen, Pellheim,
Niederroth, Rumeltshausen, Kreuzholzhausen, Schwabhausen,
Oberroth, Arnbach, Hirtlbach, Westernholzhausen und Indersdorf
alljährlich nach Straßbach.
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St.Ottilia
in Straßbach
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über die Kirche St.Ottilia in Straßbach finden Sie hier...
Kloster
Taxa - Marienwallfahrt
Als die Kriegsereignisse
um 1635 eine Wallfahrt nach Andechs aus Sicher-heitsgründen
nicht mehr zuließen, pilgerten die Dachauer ersatzweise
zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild Maria Stern. Gleiches geschah
1649, als in Dachau die Pest grassierte;in den Rechnungsbüchern
heißt es dazu: "wegen sterbender Läuff und uhnvermögenheit
halber" wird nicht auf den heiligen Berg "gewallfahrtet",
sondern zu "Unserer Lieben Frau in das Täxet".
04) 1683, im Jahr der
Türkenbelagerung von Wien, unternahmen sie "wegen
Abwendung der Vichsucht" erneut einen Kreuzgang nach Taxa.
Ab 1695 wurde daraus eine jährliche Wallfahrt, jeweils
um den 10.Juli herum. Grund war die Bitte zur Erhaltung der
Feldfrüchte, Roß und Vieh. Nur 1698 (aus mir unbekannten
Gründen) und 1704 (wegen des Spanischen Erbfolgekriegs)
fiel sie aus. Die Wallfahrt bestand bis zum Abriss des Klosters
Taxa im Jahr 1803. |
Kloster Taxa
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Wallfahrtsmedaillen
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Die Wallfahrt
zum Kloster Taxa war in erster Linie eine Marienwallfahrt. Doch
in der Klosterkirche befand sich auch eine Kreuzreliquie, die
viele Pilger anzog. Die Kirche hatte sogar beide Patrozinien:
der Altarraum war St.Maria, das Kirchenschiff dem hl.Kreuz geweiht.
Hauptanziehungspunkt war aber die Muttergottesfigur mit Kind,
die von einer sternförmigen Aureole umgeben war. Die Wallfahrt
war ja entstanden, weil 1618 ein Hühnerei mit dem Relief
eines Strahlenkranzes gefunden worden war. Zudem glaubte man,
darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen. Im 18.Jh wallfahrteten
bis zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa. Es war damals
-noch vor Altötting- die größte Marienwallfahrt
Bayerns. |
Die meisten kamen wegen akuter
oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller
Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer
Hühnerkrankheit die Rede. "Die Wallfahrt in Taxa, so schrieb
Hans Grassl, war über den Petersberg und Altomünster hinaus
das eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich
der Ort, an dem sich das bäuerliche und monastische Leben (Mönchsleben)
am innigsten berührten". Die wohl dreischiffige Kirche mit ihren
13 Altären war größer als die Kirche im Kloster Indersdorf.
Aus dem
Mirakelbuch aus Taxa ist das Versprechen der Dachauer Gemeinde bekannt:
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Am
14 Juni 1666 kam die Gemein von Dachau wegen ihren krancken
Vieh, welches sehr umgestanden ist, mit einer Kirchfahrt vnd
(einem) Creutzgang nach Taxa. Dachau hatte in diesem
Jahr so sehr an der Ybergail (= Rinderpest) gelitten, daß
man solches (Rinder) gantz eingraben muessen. Eine Häufung
derartiger Verlöbnisse fällt im Landgericht Dachau
in den Jahren 1690 1707/08, 1736 und 1746 besonders auf. Aber
auch bei Erkrankung einzelner Pferde und Rinder nahmen die Bauern
ihre Zuflucht zu Maria Stern. |
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über das früh.Kloster Taxa finden Sie hier...
Walkertshofen-Maria-Hilf-Kapelle
Schon
in der Vorgängerkapelle war das Gnadenbild eine holzgeschnitzte
Vespergruppe (Pieta), durch die das heilkräftige Wasser hindurch
geleitet wurde. Das Wasser sprudelte aus der Seitenwunde des Leichnams
Jesu, der auf dem Schoß Mariens lag. Dadurch erhielt das Wasser
nach Auffassung der Gläubigen eine besondere Weihe.
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Wegen
der vielen Wallfahrer wurde um 1640/50 eine neue Kapelle
gebaut, die heute noch vorhanden ist. Hier trat an die Seite
der Pietà als weiteres Gnadenbild eine Kopie des Passauer
Maria-Hilf-Bildes von Lucas Cranach. Die Vorgängerkapelle
mit der Pietà wurde als Vorhalle in den Neubau mit
einbezogen.
Aus dem Jahr 1643 ist die wunderbare Heilung eines blinden
und krummen Kindes an der Quelle und der "darüber
erbauten Neuen Capellen" überliefert. Dies gab der
Wallfahrt einen weiteren Anschub. Die hohen Opferstockbeträge
sprechen dafür, dass die Kapelle schon damals eine respektable
Wallfahrtsstätte war. Auch eine große Anzahl von
Votivtafeln gaben Zeugnis von der florierenden Wallfahrt.
Viele Wallfahrer kamen, um sich am Brünnlein neben der
Kapelle, dem ehem. Heilbrünnlein, die Augen zu benetzen.
Der
Höhepunkt des Wallfahrtsbetriebs war die erste Hälfte
des 18.Jahrhunderts. Damals pflegte ein Eremit aus dem Dritten
Orden des St.Franziskus (Frater Georg Schlein) die Kapelle,
betreute die Wallfahrer und unterrichtete die Schüler
in Walkertshofen. Er wohnte in einer aus eigenen Mitteln errichteten
Klause. In der 2.Hälfte des 18.Jh. wechselten die Klausner
in rascher Folge.
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Im Jahr 1804 erreichte die
Säkularisation Walkertshofen. Die Kapelle wurde zwar nicht
abgerissen, weil die Gemeinde das Gotteshaus erwarb und es so rettete.
Aber der Übergang zwischen Klause und Kapelle mitsamt dem Kapellenvorbau
und Oratorium wurde entfernt und die Klause in ein landwirtschaftliches
Anwesen umgewandelt.
Die Wallfahrt war aber nicht zu Ende. Als im 19.Jh. die Religiosität
in Deutschland wieder zunahm, kamen auch wieder Pilger.
In der Kapelle wurde nun ein Jahrhundert lang vor allem St.Anna
verehrt. Ohne Wechsel des Patronats hat man sie selbst in offiziellen
Dokumenten bis zum 2.Weltkrieg als St-Anna-Kapelle beschrieben.
Um 1953, 1970 und 2018 wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt.
Heute steht die Kapelle inmitten von Privatgrund und ist nur mit
Erlaubnis der Grundeigentümer zu besichtigen.
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über die Kapelle in Walkertshofen finden Sie hier...
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Weissling
- Wallfahrt zu St.Notburga
Weißling ist die einzige der hl. Notburga geweihte Wallfahrtskirche
in Bayern. Es zählte im 18.Jh zu den meistbesuchten Wallfahrtsstätten
des Dachauer Landes, wie aus dem vom rührigen Pfarrer
Kästl aus Kollbach verfassten Mirakelbuch "Von dem
Ursprung, Fortgang, Wohlthaten, Opfern und Vermögen der
H.Notburga zu Weißling / Filialgottshaus der Pfarr Kollbach"
hervorgeht. Dort sind in einem Zeitraum von 42 Jahren (1749-1791)
insgesamt 652 Verlöbnisse, meist wegen Krankheit von
Mensch und Vieh, aufgeschrieben. Spätere Aufzeichnungen
fehlen leider.
Das
heutige Kirchlein in Weißling wurde im Jahr 1750-1752 an Stelle
einer schon länger bestehenden hölzernen Kapelle gebaut, in
der die Dorfgemeinschaft jeden Sonntag den Rosenkranz gebetet
hatte. Schon in der Holzkapelle stand eine kleine Figur der
beim Bauernvolk ungemein beliebten hl. Notburga, die vor allem
in Viehnöten angerufen wurde. Es dürfte dort auch schon eine
kleine Wallfahrt gegeben haben, weil die Kapelle Mitte des
18.Jh. für den Besucherandrang als zu klein geschildert wurde.
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Der Neubau der Kirche um 1750
war eine Herzensangelegenheit des damaligen Pfarrers Joh. Franz Kästl.
Er kaufte eine Notburga-Figur im Kloster Scheyern sowie Reliquien
der Heiligen aus Eben in Tirol, wo die hl.Notburga begraben ist. An
der Überführung der Figur von Kollbach nach Weißling
nahmen 4.000, an der Überführung der Reliquien sogar 10.000
Gläubige teil. Im Hinblick auf die relativ dünne Besiedelung
der Gegend in der damaligen Zeit war das eine riese Menschenmenge.

Wallfahrtsmedaille
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Schon ein Jahr nach
Fertigstellung der Kirche hat ein schweres Hagelunwetter den
Ruf von Weißling erheblich verstärkt. Denn in der
gesamten Umgebung fielen dem Unwetter angeblich 1000 Rinder
und Pferde zum Opfer, nur die Ortschaften Kollbach und Weißling
blieben verschont. Das schrieb man allgemein der Fürsprache
der hl. Notburga zu. Die Wallfahrt war damit etabliert und
sie bestand bis zum Ende des 19.Jh.
Wie bei vielen anderen
Wallfahrtsorten in Deutschland wurden auch in Weißling für
die Pilger Wallfahrtsmedaillen geprägt. Dies war einerseits
ein gutes Geschäft für die Kirche bzw. Pfarrei, entsprang
andererseits aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen
Medaillen von der Wallfahrt nach Weißling ein Stück Heiligkeit
in die eigenen vier Wände mitzubringen. Die Medaille soll
aus der Zeit um 1900 stammen.
Heute kommen nur noch am Notburga-Festtag -am 4.Sonntag nach
Ostern - Wallfahrer aus Kollbach, Allershausen und Fahrenzhausen
nach Weißling zur hl.Notburga.
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über die Filialkirche St.Notburga in Weißling finden
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Weyhern
- Marienwallfahrt
Die Kirche in Weyhern war vor vielen Jahrhunderten eine Marien-Wallfahrtskirche.
Über die Entstehung und Entwicklung dieser inzwischen erloschenen
Wallfahrt ist mir nichts bekannt. Da diese Wallfahrt in Weyhern aber
ab 1630 viele Pilger an die neu eingerichtete Wallfahrt in Taxa verlor,
muss sie schon viele Jahre vorher entstanden sein.
Jedenfalls soll der auf Schloss Arnbach geborene spätere Fürstbischof
von Freising, Veit Adam von Gepöckh (im Amt von 1618-51) ein
besonderer Verehrer der Mutter Gottes von Weyhern gewesen sein. Auf
ihrem Altar sollte zu seinem und seiner Verwandten Gedächtnis
alljährlich am Fest Mariä Himmelfahrt der Pfarrer von Arnbach
eine Messe mit Predigt, an einem Tag danach eine Totenmesse halten,
wofür ihm 1 Gulden 30 Kreuzer zustanden.
Und die Wallfahrt hat -wenn auch
in geringerem Umfang- noch Mitte des 18.Jh. bestanden. Denn die
Schmidt'sche Matrikel spricht noch 1738/40 von einer
"gnadenreichen Marienstatue, die mit Guttaten glänzt und
von vielen Prozessionen aus der Umgebung besucht wird''.
Im Jahr 1758 berichtete Pfarrer
Johann Franz Freiherr v. Paumgarten aus Arnbach, in Weyhern sei
ein Gnadenbild gestanden, das vor allem vor dem Bau des Klosters
Taxa (erste Kirche um 1630) Zulauf von Pilgern fand. Im Pfarrhof
Arnbach befinde sich ein Mirakelbuch, in dem viele Heilungen verzeichnet
seien, speziell die Erweckung eines Ertrunkenen zum Leben. Er schlägt
vor, vom Gnadenbild einen Kupferstich machen zu lassen; das würde
die Wallfahrt wieder befördern. Die
Wallfahrt in Weyhern ist aber wohl bald darauf, in der Zeit der
Aufklärung, also Ende des 18.Jh. -wie auch viele andere Wallfahrten-
erloschen. Zwei Votivtafeln von 1786 und 1789 hängen im Bezirksmuseum
Dachau.
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Das Gnadenbild war eine ca. 1 m große, Muttergottesstatue
aus der Zeit um 1500. Maria wird als Königin dargestellt.
Sie trägt eine Krone auf ihrem Haupt. Ihr langes Haar ist
offen. Gekleidet ist sie in ein rotes Kleid und einen goldenen
Mantel. In der rechten Hand hält Maria das Zepter. Auf
dem linken Arm trägt sie das Jesuskind, das die dritte
königliche Insignie, den Reichsapfel in der Hand hält.
Vorübergehend stand sie in der Feldkapelle westlich des
Dorfes.
Aus Sicherheitsgründen wurde die wertvolle Holzplastik
allerdings deponiert. Nach Aussage des Kirchenpflegers Josef
Mertl "hat sie "hat sie ein eigenes Zimmer in einem
Bauernhaus".
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die Filialkirche St.Michael in Weyhern finden Sie hier...
Weitere Wallfahrten bzw. Kreuzgänge
Weitere Wallfahrten bzw. Kreuzgänge der Dachauer
wurden nur sporadisch organisiert oder bestanden nur für kurze
Zeit. Zum Beispiel nach Etzenhausen (am Markustag 25.April)
und Günding, Bergkirchen, Sickertshofen,
Schönbrunn (St.Katharinen-Kirche), Weyhern, Puch
(am Bennofest 16.Juni), Niederroth, Kreuzholzhausen
(am Kreuzauffindungstag 3.Mai und am Kreuzerhöhungstag 14.Sept.),
Prittlbach, Mitterndorf, Altomünster und
Aufkirchen. Im Kriegsjahr 1704 unternahm die Bürgerschaft
Dachau eine Extrawallfahrt nach München in die Theatinerkirche
zum hl.Kajetan, damit "die schon allgemach herbeynahente feindtliche
Einfähl, Sengen und Prennen von unserm Markht und Gegent mechte
gnediglich abgewendt" werden. Im Hungerjahr 1772 zog man aus
Dachau nach Webling und legte dort einen Gulden in den Opferstock
ein.
Die Rosenkranzbruderschaft ging nach Ampermoching (1644)
und nach Indersdorf (1671). Lange Zeit war die Franziskus-Klause
in Schleißheim das Ziel am 2.August, dem Portiunkulafest.
Besonders prunkvoll war die Wallfahrt nach Maria-Hilf in der Au
nach dem 30jährigen Krieg.
01)
Einzelwallfahrten
Auch über Einzelwallfahrten zu entfernten Zielen gibt es ein
paar Aufzeichnungen, weil die Wallfahrer dazu einen Pass benötigten.
So wallfahrtete der Bäckermeister Paul Reißer 1775 nach
Rom und der Hufschmiedsohn Joh.Wimmer nach Maria Einsiedeln in der
Schweiz. Und nicht zuletzt geben die noch erhaltenen Mirakelbücher
der Wallfahrtsorte Auskunft über Heilungen, die Gläubige
nach Anrufungen der jeweiligen Heiligen in Notsituation erfahren
haben. Die Gläubigen wallfahrteten danach noch einmal oder
erstmals an den Wallfahrtsort und gaben die mirakulösen Heilungen
zu Protokoll. Erst die Eintragung ins Mirakelbuch garantierte nach
Meinung der Leute den dauerhaften Bestand der Wunderheilung. 12)
Mirakelbücher aus Inchenhofen,
Taxa und München/St.Benno
Ende der Kreuzgänge bei der Säkularisation
In der Zeit der Aufklärung, gegen
Ende des 18.Jh., nahm die Zahl der Wallfahrer ab. Im Jahr 1800 beklagte
sich der Dachauer Pfarrer Joseph Stöger, dass sich fast nur
Kinder und junge Leute beteiligten, nicht aber Hausväter. Das
Kloster Andechs habe sich geweigert, die Marktfuhre, die die Prozession
begleitete, über Nacht zu behalten. Der Magistrat beschloss
deshalb am 25.April 1800, den Kreuzgang nach Andechs einzustellen.
Die Wallfahrt war nun Privatsache. Lediglich das Aus- und Heimläuten
wurde den Wallfahrern zugestanden.
Mit kurfürstlicher Verordnung vom 4.12.1801 wurden diese
Bittgänge/Wallfahrten wegen "Müßiggang« verboten.
Aufgrund dieser Anordnung entstanden im darauffolgenden Jahre 1802
Unruhen, die das Gepräge eines Aufruhrs hatten. Die Pfarrer
hielten sich an das Verbot und setzten die Kreuzgänge ab. Das
erzürnte so manche begeisterte Wallfahrer so, dass sie die
Pfarrer fast mißhandelten und mit Grobheiten überhäuften.
Pfarrer Hueter (1786-1814) von Niederroth beschrieb in seiner Pfarrei-Chronik
auf den Seiten 180-183 mehrere Vorfälle:
Manche
Gemeinden bemächtigten sich der Kirchenschlüssel, nahmen
die Fahnen mit Gewalt aus den Kirchen, und unter dem Geläute
der Glocken verrichteten sie ohne Priester ihre Kreuzgänge.
Dies tat die Pfarrgemeinde von Pellheim am sogenannten Schauerfreitage.
Man hörte sie schon von weitem plärren. Während ich
(Pfr. Hueter) die Messe las, zogen sie hier durch nach Weyhern,
wo sie die Kirche gesperrt fanden, und also mit der langen Nase
abziehen mußten.
Am
nämlichen Tage gingen auch die Sigmertshauser abends mit dem
Kreuz um die Felder und hatten bei ihrem vermeinten Gebete
ein solches Geschrei, daß ich es in meinem Zimmer hörte...
Die
widerspenstigen Gemeinden bekamen, sobald ihr Vergehen am rechten
Orte kundbar wurde, auf der Stelle eine Exekution von
einigen Soldaten, welches aber noch keinen Eindruck machte, bis
endlich ganze Kompanien auf Exeklution ausgeschickt wurden,
wie dieses in unserer Nachbarschaft Niederroth nur gar zu empfindlich
erfahren hatte.
Die
Oberrother verrichteten den 20. Mai 1802 ungeachtet aller Vorstellungen
ihres Pfarrers, den Kreuzgang um die Felder, wie sie
ihn vormals gewöhnlich verrichtet hatten. Bald nachher rückten
bei der Nacht um 12 Uhr 300 Soldaten auf Exekution im Dorfe
ein. Nebst der Kost und dem Trunk mußten sie jeden Mann 1
Gulden geben, welches ihnen Kosten von mehr als 400 Gulden
verursachte. Da dieses (finanzielle) Unglück mehrere
Ortschaften getroffen hatte, so nahmen dergleichen Unfüge auf
einmal ein Ende....
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