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Wallfahrten und Kreuzgänge
der Gläubigen aus dem Dachauer Land
 

Wallfahrten gehören schon seit Jahrhunderten zu den beliebten geistlichen Übungen der bayerischen Bevölkerung. "Das bairisch Volk … ist geistlich, schlecht und gerecht, geht, läuft gern kirchferten, hat auch viel kirchfart." schreibt um 1530 der Geschichts-schreiber Johannes Thurmair alias Aventinus (aus Abensberg). 07) Darin spiegeln sich die Verhältnisse vor der Reformation wieder, denn viele Wallfahrten entstanden im 15. oder zu Beginn des 16. Jh. Zwar hat sich Luther heftig gegen das Wallfahrts-wesen sowie die Heiligen- und besonders die Marienverehrung gewandt. Doch im katholisch gebliebenen wittelsbachischen Baiern führte dies zu keinen Einbußen. Die Worte Luthers bewirkten eine gegenteilige Reaktion der bayerischen Herzöge, die im Zuge der Gegenreformation das Wallfahrtswesen sogar förderten.

In den alten Unterlagen wird nur selten zwischen Wallfahrten und Bittgängen bzw. Kreuzgängen unterschieden. Meist werden sie dort "processio" genannt.
Wallfahrten hatten in der Regel eine Wallfahrtskirche zum Ziel, die aufgrund einer Wundertat erbaut worden war. Die Menschen kamen oftmals einzeln mit ihren Gebrechen und Alltagssorgen zu den Gnadenorten und erhofften sich dort Trost und Hilfe. Oder sie wollten ein religiöses Gebot, eine Buße oder ein Gelübde durch eine Wallfahrt zu weit entfernten Orten (Jerusalem, Rom, Santiago) erfüllen.
Kirchfahrten oder Kreuzgänge werden Prozessionen von Dorf- und Pfarrgemeinden genannt, die meist zu näher gelegenen Wallfahrtsorten führten.
Bittgänge sind Prozessionen durch die umliegende Feldflur, mit denen die Teilnehmer um gutes Wetter und um eine gute Ernte bitten. Sie finden vorzugsweise in der Bittwoche, um das Fest Christi Himmelfahrt herum, statt.
Pilgern
Während das Wallfahren eine Art "kollektive Gebärde einer Kultgemeinde
" ist, bei dem nicht der Weg, sondern das Zeil im Vordergrund steht, sind es beim Pilgern eher die Begegnungen und Erlebnisse von Einzelreisenden, die den Reiz der Pilgerfahrt ausmachen. Grund des Pilgerns ist oftmals auch eine Reise zu sich selbst. 11)

Vor allem in der Barockzeit waren Wallfahrten beliebt. Da sie für die Kirche in der Regel finanziell lukrativ waren, richtete man in vielen Pfarreien und vor allem Klöstern Wallfahrten ein. Mittelpunkt einer solchen Wallfahrt konnte ein Wunder sein oder Reliquien von Heiligen (Knochen, Gewänder oder Haushaltsgegenstände). "Die Konkurrenz war hart", erklärte Heimatpfleger Prof.Dr.Göttler, "wer sich durchsetzen wollte, musste liefern.

Der Barockmensch neigte dazu, etwas mit der Hand berühren zu können. Ganz oben in der Hierarchie standen Reliquien, die direkt mit Christus zu tun haben (z.B. Kreuzesholz). Gleich darunter kamen Marienwunder, wenn Maria selbst eingegriffen hat" (z.B. Marienerscheinung). 04) Wenn Wenn man Pilger aus größerer Entfernung anziehen wollte, musste man mit einer besonders großen Menge von Reliquien aufwarten. Am besten von Heiligen, deren Hilfe besonders begehrt war.

Eine Wallfahrt war auch immer ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis; die Pilgerreisen brachten Abwechslung in den Alltag und stärkten die Gemeinschaft. Sie sollten in Erinnerung bleiben, und man wollte den Nachbarn und Freunden davon erzählen können. Oftmals waren sie aber auch mit übermäßigen Zechereien in den Gasthäusern und Pilgerherbergen verbunden. Zudem klagte 1773 Peter Hehel in seiner Christlichen Glaubenslehr, dass
      "das Wallfahrten von Jungfrauen und Jungmännnern fast nie ohne Gefahr geschehen kan, wegen vilen Umständen und
       Zufällen, die sich bey längeren Kirchfahrten ereignen und nicht zu vermeyden seynd; deren sich der höllische Feind
       gebraucht, als bester Gelegenheit, die Unschuld zu verführen". 08)
Und nicht zuletzt fehlten wallfahrende Ehalten (Gesinde) den Bauern bei der Arbeit. Deshalb waren Wallfahrten in der Erntezeit nicht gern gesehen. In der von den Jesuiten herausgegebenen Glaubenslehr von 1737 heißt es dazu:
       "Kirchfahrten ist ein heiliges Werck, wanns geschihet: Erstens mit guter unverfälschter Meynung. Andertens selten, und
        nur zu seiner bequemlichen Zeit... und ohne Vernachlässigung ihres Dienstes und Verabsaumung dessen, was besser ist." 08)

Hort Heres schreibt dazu aus der Sicht des Walfahrtsortes  14):
Wallfahrtsort wurde und war man gerne. Der Ort gewann ganz allgemein an Bedeutung und Ansehen. Hinzu kamen erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Die herbeiströmenden Wallfahrer — oft tagelang über weite Strecken unterwegs — waren hungrig und durstig, benötigten Quartiere. Die Wallfahrtskirche oder das sie betreuende Kloster wurde großzügig mit Spenden und Stiftungen bedacht. Das wundertätige Gnadenbild vor Augen, erleichtert, das Ziel der Wallfahrt nach vielen Mühen erreicht, Bitte oder Dank vorgebracht zu haben, dies alles hatte nicht selten eine geradezu euphorische Stimmung zur Folge. Eine Wallfahrt konnte zum unvergesslichen Erlebnis werden.

aus Altomünster


Vorderseite


Rückseite

An vielen Orten wurden für die Pilger Wallfahrtsmedaillen oder Wallfahrtsandenken geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft für die jeweilige Wallfahrtskirche, entsprang andererseits aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen Medaillen von der Wallfahrt ein Stück Heiligkeit in die eigenen vier Wände mitzubringen.
Die Wallfahrtsmedaillen wurden häufig am Hals getragen und sind deshalb eher als Anhänger zu bezeichnen. Wegen ihrer Münzähnlichkeit hat sich aber auch für sie der Begriff Medaille eingebürgert.
09)

Nach Wikipedia soll der Glaube an die heilkräftige Wirkung so weit gegangen sein, dass man das Pilgerzeichen zur Heilung auf ein erkranktes Körperteil auflegte. Ebenso habe man den Kranken Wasser oder Wein zum Trinken gegeben, in die man das Abzeichen getaucht hatte.
Die Medaillen galten auch als Amulette zur Abwehr des Bösen und wurden zu diesem Zweck im Haus oder Stall aufgehängt (zum Schutz des Viehs vor Krankheiten), auf dem Feld vergraben (für eine gute Ernte) oder an den Rosenkranz gehängt (zum eigenen Schutz).
Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang
Brauchtumsreferent Robert Gasteiger aus Dachau besitzt in seiner volkskundlichen Sammlung auch einige Wallfahrtsmedaillen aus dem Dachauer Gebiet. Darunter aus Altomünster, Pipinsried und Taxa.

aus Taxa


Vorderseite


Rückseite

Viele der von oben eingerichteten Wallfahrten (z.B. Kloster Indersdorf in Pipinsried, Albersbach, Straßbach oder in der Klosterkirche) haben nicht überlebt oder sind unbedeutend geblieben. Von Dauer waren letztlich vor allem die Wallfahrten, die aus dem Volk entstanden sind und die durch Mundpropaganda als besonders hilfreiche Wallfahrtsstätte bezeichnet wurden (z.B. Ainhofen).

Dr.Gerhard Hanke und Robert Böck haben die Wallfahrten, die die Dachauer Bürger unternahmen, erforscht und publiziert (siehe Quellen 01), 03).
Sehr interessant sind die Mirakelbuecher des Wallfahrtsortes Inchenhofen von 1659


 

Wallfahrtsorte für Gläubige aus dem Dachauer Land

 


Altomünster - Wallfahrt zu St.Alto und St.Birgitta

Nach Altomünster kamen die Menschen vor allem wegen der umfangreichen Reliquiensammlung. Denn der Reichtum eines Klosters des Mittelalters bestand nicht nur in seinem Grundbesitz und seinen Rechten, sondern auch aus vielen Reliquien, die von den Gläubigen der Region und von Wallfahrern verehrt wurden. Solche Wallfahrten und Bittgänge haben zur Verbesserung der Einkommenssituation des Klosters beigetragen. In Altomünster verehrte man (teilw.zu unterschiedlichen Zeiten):
- von Klostergründer St.Alto
  die Hirnschale,
sein Rodungsmesser,
zwei Bücher (heute in der Staatsbibliothek)
sonstige Gebeine
den berühmten Altokelch (später bei der Säkularisation eingeschmolzen)
- von der hl. Birgitta
  ein "großes Röhrenstück" der Gebeine
einen schwarzen Ärmel ihres Rockes
ein Stück ihres Tisches
ein Agnus Dei, das Birgitta am Hals getragen hat
eine Trinkschale und den Wanderstab.
-  von St.Catharina, der Tochter von Birgitta, ein "Beinlein wohl ein Spann lang"
- weitere Reliquien im Kloster
  - ein Kreuz, das Kaiser Karl IV. 1356 dem Kloster geschenkt hat
- sieben "Heilige Leiber", die hinter den Altarbildern angebracht sind
- eine am Original berührte Kopie des Turiner Leichentuchs
- drei Kreuzpartikeln,
- zwei Dornen aus der Dornenkrone Christi
- Haare von der Gottesmutter Maria
- heilkräftiges Wasser aus der von St.Alto wundersam erweckten Quelle

Hirnschale von St.Alto


St.Alto

St.Birgitta

mehr über die große Kirche St.Alto und St.Birgitta in Altomünster...


Ainhofen-St.Maria
Eine kleine Wallfahrt gab es im Ainhofen wahrscheinlich schon Ende des 15.Jh. Damals entstanden im ganzen Land Marien-wallfahrten, die es bis dahin nur vereinzelt gab. Im Mittelalter waren Wallfahrten überwiegend auf Heiligenreliquien ausgerichtet. Nur die körperliche Nähe zu den Reliquien sicherte den besonderen Schutz der Heiligen. Marienwallfahrten gab es bis 1450 kaum, weil Reliquien der Muttergottes fehlten. Erst im 15.Jh. kam die Verehrung von Gnadenbildern in Mode.
Eine große Wallfahrt benötigt eine Gnadenfigur bzw.-bild sowie ein wundersames Ereignis oder eine Gebetserhörung. Die Gnadenfigur kam um 1500 aus dem Kloster Indersdorf. Es ist die noch heute vorhandene kleine Skulptur der stillenden Muttergottes, die älteste Plastik der Erzdiözese München und Freising aus dem 12.Jh.
Vom wundersamen Ereignis gibt es drei Versionen. Die bekannteste, aufgeschrieben 1745, davon lautet:
  Ein Kaplan wollte im Jahr 1519 die Gnadenfigur zu einem Restaurator bringen und in dessen Werkstatt renovieren lassen (wahrscheinlich war ihm die bloße Brust Mariens ein Dorn im Auge). Doch die Figur ließ sich zwar noch aus der Kirche, nicht aber über den Friedhof hinaus tragen. Die Träger seien von einer unsichtbaren Kraft zurückgehalten worden, schrieb Penzl. Da zog einer ein Messer heraus und begann in die Brust der Figur zu stechen. In demselben Augenblick zog sich ein Schleier über die Augen des Frevlers und er erblindete. Alle Umstehenden waren zutiefst erschrocken. Sie trugen das Bildnis unverzüglich wieder in die Kirche auf den Altar zurück.
Die Nachricht von diesem Geschehen breitete sich schnell aus und ließ die Wallfahrt zur aller-seligsten Jungfrau Maria erheblich anschwellen.
In den Jahren 1682-88 wurde wegen des verstärkten Wallfahrerstroms das Langhaus der Kirche um 5,20 Meter verlängert. Ab 1705 erhielten die Wallfahrer am Fest Mariä Heimsuchung (heute 31.Mai) aufgrund einer Bulle von Papst Clemens IX. einen Ablass von sieben Jahren.
In der Zeit von 1717-1732 wurde die Kirche barock ausgestattet mit neuen Altären, darunter dem
prächtigen Hochaltar mit der Madonnenfigur, umgeben von 22 Engeln und Putten.

Die Wallfahrt nach Ainhofen hielt die gesamte Zeit von 1519 bis heute an; doch sie verringerte sich stetig. Die Aufklärung am Ende des 18. Jahrhunderts brachte für Wallfahrten, Kreuz- und Bittgängen einschneidende Beschränkungen. So untersagten drei kurfürstliche Generalmandate zwischen 1785 und 1804 Wallfahrten an weiter entfernte Orte und viele Bittgänge.
Begründet wurde dies auch mit Klagen der Bauern wegen Arbeitsausfällen infolge mehrtägiger Wallfahrten ihrer "Ehalten", also ihrem Gesinde.
Im Jahr 2015 sollte mit der Restaurierung der Kirche und auch der Gnadenfigur die Wallfahrt wieder neuen Schwung bekommen, so Kardinal Marx im Gottesdienst am 16.5.2015.

mehr über die Wallfahrtskirche Ainhofen finden Sie hier...

 

Allach - Wallfahrt zum Hl.Kreuz im Moos  -  über Rothschwaige
Alljährlich am Freitag vor oder nach Pfingsten unternahm die Pfarrei Dachau einen Kreuzgang zum "Heiligen Kreuz im Moos" bei Allach, "zur Abwendtung allerley Suchten" wie es hieß. Der erste Kreuzgang fand am 3.Juli 1683 statt, als die Türken Wien belagerten und die Pest letztmals Bayern heimsuchte. Doch nicht diese Plagen, sondern die Bitte um Abwendung von Viehseuchen war offfizieller Anlass des Kreuzgangs. Die Prozession zog zur Rothschwaige und weiter zur Kapelle mit dem "guttätigen Kreuzbild auf dem Moos" bei Allach. Dieser Kreuzgang wurde zum festen alljährlichen Brauch. Nachdem das Kreuzbild 1794 wegen Abriss der Kapelle in die Pfarrkirche von Allach gebracht worden war, wurde die Wallfahrt geteilt: Am Pfingst-dienstag nach Allach, am Freitag nach Christi Himmelfahrt in die Rothschwaige.

Rothschwaige

1803, bei der Säkularisation, wurde die Rothschwaigkapelle abgetragen. Auch der Kreuzgang nach Allach wurde eingestellt. Dazwischen gab es in den Hungerjahren 1770-1772 (drei verheerende Missernten) an 19 Dienstagen "zur Erbittung einer gesegneten Ernte" und "zur Abwandlung der andauernden Hungersnot" Kreuzgänge zur Rothschwaigkapelle.

mehr über die Kirche St.Peter und Paul in Allach sowie über die ehem.Kapelle in der Rothschwaige...


Andechs-Wallfahrt zum Heiltumsschatz  02)
Die älteste Wallfahrt der Dachauer führte nach Andechs (zum großen Reliquienschatz, Heiltum genannt, darunter auch den "drei Hosten"). Jedenfalls ist sie schon 1618 in einem Schriftstück der Münchner Hofkammer beschrieben. Damals wurde sie am 23.August durchgeführt. Veranstalter war nicht die Pfarrgemeinde, sondern der Markt Dachau. In den Jahren 1632 und 1634, als Dachau zweimal von den Schweden geplündert wurde, konnten keine Kreuzgänge oder Wallfahrten durchgeführt werden. Als die Kriegsereignisse um 1635 eine Wallfahrt nach Andechs aus Sicherheitsgründen nicht mehr zuließen, pilgerten die Dachauer ersatzweise zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild Maria Stern. Gleiches geschah 1649, als in Dachau die Pest grassierte;in den Rechnungsbüchern heißt es dazu: "wegen sterbender Läuff und uhnvermögenheit halber" wird nicht auf den heiligen Berg "gewallfahrtet", sondern zu "Unserer Lieben Frau in das Täxet". Die Wallfahrt nach Andechs wurde 1636 wieder aufgenommen; von da an fand sie alljährlich in der Kreuzwoche, um den 3.Mai herum, statt.

Wallfahrtsmedaille von 1700
Die Wallfahrt nach Andechs wurde auch in den Jahren unmittelbar nach dem verheerenden Andechser
Kirchen- und Klosterbrand vom 3. Mai 1669 durchgeführt.

Die Kosten für diese Wallfahrt (rd. 8 Gulden) wurde von der Pfarrkirchenstiftung getragen; nach dem 30jährigen Krieg größtenteils von der Dachauer Marktkammer. Zu den Kosten gehörte auch die Entlohnung des begleitenden Pfarrers. Meist waren es Kapläne (Gsellpriester), die dafür 2 Gulden erhielten. 1636 wurden dem begleitenden Pfarrer von Mitterndorf 3 Gulden bezahlt, "alleweilen alle Sachen gar teuer". Manchmal nahmen die Geistlichen zu Pferde an der Wallfahrt teil. Im 17.Jh. erhielten die Fahnenträger 30 Kreuzer, der Kruzifixträger 12-45 Kreuzer und der Vorsänger 2 bis 3 Gulden. Außerdem war in manchen Orten, durch die man zog, Ein- und Ausläutgeld (in Esting, Bruck und Steinebach) und in Andechs selbst ein Anzündgeld (8 kr) für die Wallfahrtskerze zu zahlen. Denn es war üblich, eine große, prächtig geschmückte Votivkerze mitzubringen, die in Andechs im Wachsgewölbe ausgestellt wurde. Die 1718 vom Dachauer Maler Joh.Georg Hörmann für 7 Gulden im Auftrag des Marktes Dachau angefertigte Votivkerze ist noch heute in Andechs zu bewundern (mit der falschen Jahreszahl 1715). Das förderte einen Wettstreit der Wallfahrergruppen aus größeren Städten um die größte und schönste Kerze. Auch Einsbach hatte schon im 17.Jh. eine große Kerze gestiftet.

Die Wallfahrt nach Andechs ist schon sehr alt. Sie dürfte schon im 12./13.Jh. bestanden haben. Ziel dieser Wallfahrt war der "Heilthumschatz". Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst. Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren Kreuzpartikeln, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien (Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer). Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen oder eine Herrenreliquie handelte.

Bekannt sind Wallfahrten/Kreuzgänge der Pfarreien Bergkirchen, Dachau und Einsbach.


Arnzell - Wallfahrt St.Vitus

Patron der um 1220 erbauten Filialkirche von Indersdorf in Arnzell ist St.Vitus. Die Verehrung des hl.Vitus, des Patrons des sächsischen Königshauses, war vor 1000 Jahren vor allem im Norden Deutschlands weit verbreitet. Das Vituspatronat in Arnzell war also schon eine Besonderheit unserer Gegend. Möglicherweise hatte das Kloster Indersdorf auch Verbindungen zum Kloster Corvey in Niedersachsen, dem Zentrum der Vitusverehrung. Im Süden Deutschlands entstanden Vituspatronate erst im späten Mittelalter (Günding, Fahrenzhausen, Obermarbach), als der Kult um die 14 Nothelfer entstand. St.Vitus gehört ja zu dieser erlauchten Heiligenschar.
Ablassverleihungen von 1458 und 1461 sprechen dafür, dass bereits im Spätmittelalter eine Wallfahrt zum hl.Vitus bestand.

Nach den 1620 beginnenden Mirakelberichten (Bericht über Wunderheilungen) wurde Vitus bei Besessenheit, Veitstanz (Chorea Huntington), Epilepsie, allen Geisteskrankheiten und insbesondere bei der gefürchteten Krankheit Kindsfrais angerufen.

Einige Wallfahrer brachten schwarze Hennen mit, weil sie glaubten, die Krankheit werde durch die Fürbitte von St.Vitus auf die Hennen übertragen. Beim Gottesdienst am Patronatsfest (15.Juni) verkündete jeweils der Vikar die "im vergangenen Jahr auf Anrufung des Heiligen geschehenen Guttaten" von der Arnzeller Kanzel.

Bis zum 2.Weltkrieg hingen Votivgaben an einem Brett im Altarraum. 1948 waren noch Figuren eines Wickelkinds, zwei Rösseln aus rotem Wachs sowie ein von einem Kind verschlucktes und wieder herausgekommenes Zweipfennigstück vorhanden. Danach (wohl bei der der Renovierung 1957) wurde dieses Brett abgebaut und die Votivgaben weggeräumt.
 

mehr zur Kirche St.Vitus in Arnzell finden Sie hier....
 
  


Einsbach -Wallfahrt Hl.Blut

Die Wallfahrt in Einsbach basiert auf folgender Gründungslegende:
Ein Hirte will die Kommunions-Hostie von der Pfarrkirche Einsbach mit nach Hause nehmen und verliert sie unterwegs. An dieser Stelle entsteht eine Quelle; sie wird gefasst und später mit der Kirche überbaut. Da man dem Wasser eine heilbringende Wirkung nachsagte, hielt sich hier bis zur Aufklärung Ende des 18.Jh. eine Wallfahrt. Die Quelle wurde 1688 mit einem aus Rotmarmor gemauerte Ziehbrunnen mit einem Eisengitter (siehe rechts) geschmückt.
Die Wallfahrt zum Hl.Blut hielt sich bis zum Ende des 18.Jh. Die Pilger tranken das Brunnenwasser oder wuschen sich damit die Augen. Zudem pflegten sie zur Beichte zu gehen.
Im mittelalterlichen Verständnis bedeutete das heilige Blut die Verehrung des "Fronleichnams", des Leibes Christi in Form der Hostie. Bis in die Barockzeit hinein wurden überall dort, wo Hostien gefunden wurden, Kapellen und Kirchen errichtet. Die Missachtung oder die unwürdige Behandlung der Hostien wurde als große Schuld angesehen. Einen Weg, um Verfehlungen zu sühnen, sah man nach dem 13. Jh in Heilig-Blut-Wallfahrten.

Wallfahrtsziel war in Einsbach aber nicht nur das hl.Blut, sondern auch die hl.Lanze (Reliquie) uns der hl.Sebastian (Mitpatronat).
Das 'Speerfest' war ein feierlicher Höhepunkt des Kirchenjahres. Dabei waren vor allem die 'Heilige Lanze' und die Leidenswerkzeuge Christi Ziel der Verehrung. Zu diesem Fest kamen Bittgänger aus Sulzemoos, Kreuzholzhausen, Welshofen, Wenigmünchen, Rottbach und Mammendorf.
"Am Schauer- oder Wetterfreitag, der, wie das Speerfest, mit Hochamt, Predigt und Flurumgängen gefeiert wurde, fanden sich die Gemeinden Sulzemoos, Maisach, Wenigmünchen, Ebertshausen, Bergkirchen, Walkertshofen und Kreuzholzhausen ein.


Ziehbrunnen mit Heilwasser in Einsbach

Dazu kamen die Feste und religiösen Übungen der Sebastiani-Bruderschaft, die 1656 errichtet wurde. Die Bruderschaftsfeste wurden damals am linken Seitenaltar gefeiert. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. fand am Sebastianstag (20. Januar) das Hauptfest der Kirche statt. Man zelebrierte es mit Amt, Nachmittagspredigt und Sakramentsprozession.

mehr zur Wallfahrtskirche Einsbach Hl.Blut finden Sie hier....

 

Grafrath-Wallfahrt St.Rasso

Auf dem Weg nach Andechs liegt Grafrath, wo die Gebeine des hl. Rasso liegen. Dort machten die Dachauer Wallfahrer regelmäßig Station, lasen eine Messe und opferten am Grab von St.Rasso. Die Marktgemeinde Dachau unterhielt dort eine große Wachskerze im Gewicht von 12 Pfund. In den Unterlagen des Markts sind immer wieder Kosten für die Kerzenerneuerungen in Grafrath erwähnt.

Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter, berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür im heutigen Grafrath ein Benediktinerkloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in Andechs am Ammersee gezeigt. Festtag: 19.Juni
Das Grab von St.Rasso war das Ziel vieler Wallfahrten, "da seine heiligen Gebeine große Wunderzeichen vollbringen Tag und Nacht ohne Unterlass an kranken Menschen, die das Grab aufsuchen", wie es in einem alten Bericht heißt. Die Wallfahrt nach Grafrath hatte im Mittelalter und bis in die Neuzeit großen Zulauf. Aufzeichnungen der Wunder aus den Jahren 1444 bis 1728 sind erhalten mit 12.131 Einträgen.

Erstaunlich ist, dass 1165 der Eintragungen Harnsteinleiden betreffen, wovon 70-75 % auf Kinder entfallen. Harnverstopfung war ein häufiges Symptom der Harnsteinerkrankung. Die Symptome sind in den Mirakelbüchern oft drastisch geschildert: "... ein puebel hat das grieß [Harnsteinchen] so heftig das man vermeint es sturb".


St.Rasso in Grafrath

Auf einer Votivtafel ist folgender anrührender Text zu lesen:
     "Lang litt ich an des Steines Schmerzen - Als Kind schon hart gequält
     da wandt ich mich mit Vertrauen im Herzen - zu Gott mich, der die Tränen zählt
     und fand Errettung, Dank dem Herrn - er hilft in unserem Leiden gern"
Viele der abgegangene Harnsteine wurden, in Glas oder Silber gefasst, als Votivgaben überreicht. 13)

Wallfahrtsmedaille St.Rasso

Nach der Erhebung der Gebeine 1468 wurden sie in einem Hochgrab über dem Bodengrab wieder beigesetzt.
Beim Bau der heutigen Barockkirche in Grafrath 1688 bis 1695 wurde das Hochgrab wieder abgetragen, die Grabplatte auf den Boden gelegt und die Gebeine selbst auf den Hochaltar erhoben, wo sie in einem Glasschrein ruhen. Bis 1778 wurden 17.500 Gebetserhörungen auf Rassos Fürsprache dokumentiert; sie werden seit 1444 aufgezeichnet. 1867 wurden die Reliquien von den Räubern der daraufhin berühmt gewordenen Rasso-Bande entwendet, nur den Kopf ließen sie in der Kirche zurück. Die andern Gebeine nahmen sie mit und vergruben sie, nachdem sie den Schmuck abgenommen hatten, in einem Wald in der Nähe, wo sie später durch Zufall entdeckt und dann in Augsburg wieder zusammengefügt wurden.

Fest des hl.Rasso: 19.Juni

Inchenhofen - Wallfahrt St.Leonhard 06)

Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann, als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahm. Es verhalf ihr binnen weniger Jahrzehnte zu höchster Blüte. Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256 sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhards-kapelle gestohlen haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls angeketteten) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im 16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab der Wallfahrt in Inchenhofen einen großen Schub.  Bis 1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen, meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inhenhofen auch genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.

Der erste Kreuzgang der Dachauer Pfarrei St.Jakob nach Inchenhofen wurde erst spät, 1753, durchgeführt, und zwar aufgrund eines Gelöbnisses der Dachauer Bürgergemeinde anlässlich einer grassierenden Viehseuche. Man zog mit einer großen Wachskerze im Wert von 6 Gulden zu St.Leonhard. Im weiteren zeitlichen Verlauf Inchenhofen nur bei entsprechenden Anlässen abgehalten. 1753 war dies eine grassierende Viehseuche, 1766 "eine leidige Seuche unter dem Hornvieh", 1780 die Tierseuche "gelber Schelm" unter Rössern und Hornvieh in den Nachbargemeinden. Der Kreuzgang sollte ein Übergreifen der Seuche auf Dachau verhindern. Damals wurde auch vereinbart, dass die Wallfahrt künftig in dreijährigem Turnus stattfinden sollte. In den Jahren dazwischen wollte man nach Sigmertshausen und Webling gehen. Das wurde nur noch kurze Zeit verwirklicht. Nach 1804 ist kein Kreuzgang der Dachauer nach Inchenhofen mehr bekannt.


Votivgabe aus Sulzemoos

In Inchenhofen haben sich drei Mirakelbücher aus der Zeit von 1350 bis 1650 erhalten. Ein Mirakelbuch ist eine Sammlung von Wunderberichten bzw. Gebetserhörungen oder Danksagungen von Inchenhofener Pilgern, die überzeugt waren, dass ihre Gebete um Fürbitte von St.Leonhard bei Gott erhört wurden. Das im Jahr 1659 gedruckte Mirakelbuch in Inchenhofen berichtet im ersten Teil (35 Seiten) von der Geschichte und der Entwicklung des Wallfahrtsortes. Die nächsten 180 Seiten mit den Mirakelberichten sind in 25 Abschnitte (hier "das Band" genannt) gegliedert. Jedes Band befasst sich mit einem besonderen "Tätigkeitsbereich" des hl.Leonhard bzw. einem bestimmten Krankheitsbild, das die Bittflehenden nach Inchenhofen gebracht hat.

Im Mirakelbuch von 1659 ist ein Bericht über den Dachauer Stephan Heigel enthalten, dem im Winter des Jahres 1641, mitten im 30jährigen Krieg, ein zweijähriges Fohlen in einen über 15 m tiefen Brunnen gestürzt war. Man zog das Tier an Seilen wieder herauf, doch es gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Da versprach Stephan Heigel dem hl.Leonhard eine hl.Messe sowie eine Gabe in den Opferstock von Inchenhofen. Bald darauf erwachte das Fohlen und wurde wieder gesund. Stephan Heigel wallfahrtete nach Inchenhofen und ließ das Wunder ins Mirakelbuch eintragen. Der Text lautet: 10)

  "Den 22.Febr. ist Stephan Heigel, Burger und Gastgeben zu Dachaw ein 2 jähriger Foll in einen achthalb Klaffter tieffen Bronnen gefallen, an welchem als man jhn an Sailen herauffgezogen, kein Leben zuvermercken war. Der doch nach verlobter H.Meß und Opffer in Stock allhero bald wider genesen und zu voriger Gesundheit kommen, wie glaubwürdig bezeugen Stephan Ortholffer, Wagner und Balthasar Sam, Bawmaister, neben andern unfehlbar 200 jung unnd alten Personen."
1846 wurde die Gegend von Ampermoching von einer verheerenden Rinderseuche heimgesucht, der "bis auf einige wenige Stück der ganze Viehbestand zum Opfer fiel". Die Menschen nannten sie damals "Egelpest". Viele nahmen Zuflucht zum hl. Leonhard, dem Patron der Haustiere, und gelobten einen jährlichen Bittgang nach Inchenhofen, dem sich in den Folgejahren auch Gläubige aus der Umgebung, vor allem aus Sigmertshausen, anschlossen. Und die Ampermochinger hielten ihr Versprechen rd 100 Jahre lang. Jedenfalls ist im Amperboten von 1931 zu lesen, dass die Wallfahrt "seither treu gehalten" worden sei.
Weitere Wunderheilungen durch St.Leonhard für Gläubige aus der Dachauer Gegend finden Sie hier...
 


Inhausen
- Marienwallfahrt
Die Kirche in Inhausen besitzt das Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Man nimmt an, dass schon beim Bau der Kirche, um 1450, eine Marienwallfahrt bestand. Sicher nachweisbar ist die Wallfahrt ab der zweiten Hälfte des 17. Jh. Dies bestätigen auch die Kirchenrechnungen ab 1694 bis 1756, wo mit wenigen Ausnahmen Wallfahrten verzeichnet sind. So schrieb 1660 der Haimhauser Pfarrer Johann Krauthofer (1656-1666) an das Fürstbischöfliche Ordinariat in Freising, dass sich auf dem Choraltar zu Inhausen eine Liebfrauenstatue befinde, die schon seit etlichen Jahren von Personen hohen und niederen Stands aus der näheren und weiteren Umgebung als wundertätiges Bild [miraculos bilt] verehrt" werde.
Zu diesem Personenkreis habe auch der verstorbene (Haimhauser) Graf Johann Albrecht gehört, zu dessen Andenken der Sohn Franz Albrecht zu den neuen Altären 600 Gulden gestiftet habe.
Bei einem florierenden Wallfahrtsbetrieb wäre die Wortwahl bei der Schilderung erheblich euphorischer ausgefallen. Immerhin hat die Wallfahrt 1637/38, mitten im Dreißigjährigen Krieg, 66 Gulden im Jahr an Spenden (Opferstockgefälle) eingebracht. Dies war ein recht ansehnlicher Betrag.
Im Jahr 1712 verlieh Papst Clemens XI. der Kirche in Inhausen zum Fest Mariä Himmelfahrt einen vollkommenen Ablass für die Dauer von 7 Jahren, der die Wallfahrt zumindest am 15.August stärkte.
Mitte des 19.Jh. dürfte die Wallfahrt nicht mehr existent gewesen sein, weil man das Gnadenbild durch eine neue Figur im Stil des Historismus ersetzt und das alte Gnadenbild nicht aufgehoben hat. Es gilt als verschollen.

mehr zur Kirche St.Maria in Inhausen finden Sie hier...
 

Kreuzholzhausen - Wallfahrt zum Heiligen Kreuz
Die Kirche ist dem Heiligen Kreuz geweiht. Die besondere Beziehung zum Kreuz ist auch dem Ortsnamen zu entnehmen.
Bis in die ersten Jahre des 30jährigen Krieges hinein verehrte man in Kreuzholzhausen eine wertvolle Partikel des Kreuzes von Golgota, das St. Helena im 4. Jh. aufgefunden haben soll. Leider ging diese Reliquie beim ersten Schwedeneinfall 1632 verloren. Nach dem Verlust der Partikel war Ziel der Wallfahrt eine Nachbildung des wundertätigen Forstenrieder Kreuzes, die 1642 nach Kreuzholzhausen kam und selbst als wundertätig verehrt wurde.
Kreuzholzhausen war über zwei Jahrhunderte Ziel einer bedeutenden Wallfahrt und dadurch weit über das Dachauer Land hinaus im ganzen Süddeutschen Raum bekannt.

Die ersten Kreuzgänge sind aus den Jahren 1627 und 1635 durch Ratsprotokolle und Kammerrechnungen aus Dachau belegt. Dachauer Gläubige zogen damals betend nach Kreuzholzhausen. Zur großen Wallfahrtsstätte wurde Kreuzholzhausen aber erst, nachdem 1642 der kurfürstliche Brauvorsteher und Rechnungskommissär Philipp Holzhauser aus München der Kirche zu Holzhausen eine freie Nachbildung des Forstenrieder Kreuzes stiftete. Die von Philipp Holzhauser gestiftete Kopie wurde 1642 in feierlicher Prozession von München nach (Kreuz)Holzhausen gebracht und soll schon bald nach ihrer Ankunft durch das Vergießen von Schweißtropfen seine Wunderkraft zu erkennen gegeben haben. Das verlieh der Wallfahrt einen entscheidenden Aufschwung.

Für die Wallfahrer wurden sogar zwei hohe Wallfahrerhäuser mit Übernachtungsmöglichkeiten erbaut. Der St.Josef-Hort und das Marienheim waren durch einen Zwischenbau in Höhe des 1.Stockwerks verbunden.

Der Ort Kreuzholzhausen war nach dem Ende des 30jährigen Kriegs ein großer Wallfahrtsort. Deshalb versuchte der damalige Pfarrer Georg Christoph eine Kreuzbruderschaft zu gründen. Dies gelang 1644. 12 Jahre später, 1656, zählte die Kreuzbruderschaft schon 2108 (!) Mitglieder, darunter 1399 aus 130 Ortschaften des heutigen Landkreises Dachau.
Auch der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh war von Anfang an Mitglied. Viele folgten seinem Beispiel. Nahezu der gesamte Weltklerus des Dachauer Landes, die Mönche aus den Klöstern Indersdorf und Altomünster, Adelige, Bürger und Bauern aus ganz Süddeutschland, ja bis aus Böhmen, Elsass und Burgund ließen sich in die Bruderschaften aufnehmen.
Die Pfarrei Kreuzholzhausen und die Bruderschaften erhielten zahlreiche Spenden und Stiftungen und so konnte Anfang des 18.Jh die Kirche umgebaut (vor allem erhöht) und neu im Stil des Spätbarock ausgestattet werden.

Großer Wallfahrtsbetrieb fand am Kreuzauffindungstag 3.Mai und am Kreuzerhöhungstag 14.Sept. statt.
Regelmäßige Wallfahrten kamen aus Dachau

mehr zur Wallfahrtskirche H.Kreuz in Kreuzholzhausen finden Sie hier...
 


Langengern-Kapelle u. Filialkirche Unterweikertshofen
- Wallfahrt St.Maria in der Buche

Die Kapelle beim Gernhof ist über 300 Jahre alt. Sie wurde im Jahr 1700 über einer nur 15 cm großen, aus Ton gebrannten Muttergottesfigur errichtet. Die Figur stammte wohl aus dem Devotionalienhandel der gotischen Zeit. Da sie in einer hohlen Buche gefunden worden war, erhielt sie den Namen "Muttergottes in der Buche". Entscheidend für die Wallfahrt zu dieser Figur war eine wunderbare Heilung. Der Kapellenerbauer Balthasar Schrott hatte ein langwieriges Bruchleiden, von dem er durch die Anrufung der Muttergottes in der Buche erlöst wurde.
Die Kunde von dieser Heilung löste spontan einen gewaltigen Zulauf von Hilfesuchenden, Kranken und Bresthaften aus. Schon nach kurzer Zeit wurde von weiteren Gebetserhörungen berichtet. Begehrt war bei den Wallfahrern auch das Öl, das in den Lampen vor dem wundertätigen Bild brannte sowie Splitter vom Holz der Buche, in der das Gnadenbild gefunden worden war.
Die Wallfahrer brachten so reichliche Opfergaben, dass man in Langengern den Bau einer Wallfahrtskirche plante.Dies beunruhigte die Mönche im nahen Kloster Taxa, die durch die neu aufkommende Kultstätte finanzielle Einbußen für Ihre eigene Wallfahrt Maria Stern befürchteten. Sie baten den Fürstbischof in Freising "dises genzlich abzuthuen, damit ihr armes Clesterl andurch nit geschwecht wurde". Der Bischof verbot zwar die Wallfahrt zur "Muttergottes in der Buche" nicht; doch er entschied, dass die Gnadenfigur in die Pfarrkirche von Sittenbach gebracht werden müsse. Dagegen erhob die Gräfin Maria Francisca Khuen von Belasi Einspruch, weil sie das wundertätige Bildnis in ihrer Hofmark, die Unterweikertshofen und Langengern umfasste, behalten wollte. So kam die Muttergottesfigur nach Unterweikertshofen und dort entstand für ein halbes Jahrhundert eine Wallfahrt. Die Säkularisation 1803 beendete die Wallfahrt vollständig.

Langengern

mehr zur Marienkapelle Langengern   und zur Kirche St.Gabinus Unterweikertshofen

 

Mariabrunn- Marienwallfahrt

Im Juli des Jahres 1662 arbeitete der Mochinger Bauer Stephan Schlairboeck im Wald beim heutigen Mariabrunn. Als er Durst bekam und nach Wasser suchte, habe er dort "ein kleines Läckl vorgefunden". Nachdem er einen Monat lang davon getrunken hatte, ist sein schmerzhafter Bruch, den er seit 18 Jahren hatte, "von der Größe eines Huts auf die Größe einer Faust zusammengeschrumpft und hinweg gefallen". Aus Dankbarkeit brachte er bei der Quelle ein Marienbild an.
Auch andere Personen haben Wasser nach Hause getragen und man sagt, ihnen sei geholfen worden. Dies wird als Beginn der Wallfahrt angesehen. Schon ein Jahr später wird von 1000 Personen berichtet, die den Brunnen aufsuchten und von 100 Gulden, die sich im inzwischen aufgestellten Opferstock befanden. Das Wasser habe vor allem Personen geheilt, die "Augenverletzungen, Leibschäden und verkrümmten Füße" hatten. Schon bald wurde ein großer Badebetrieb eingerichtet, der unter der Doktorbäurin Amalie Hohenester sogar Weltruf erreichte.
Daneben florierte der Wallfahrtsbetrieb. Die Dachauer zogen jedenfalls erstmals 1670 und in den Jahren 1693-1698 sechsmal nacheinander hierher, zur Abwendung der "Hochgewitter" hieß es. Dazu kamen natürlich die Ampermochinger und viele Privatwallfahrer.

...mehr zur Wallfahrt nach Mariabrunn siehe hier...

 
 

Mitterndorf-Marienwallfahrt
Die Wallfahrt nach Mitterndorf war eine Marienwallfahrt.
Gnadenfigur war eine Muttergottesfigur, die heute an der Stelle des linken Seienaltars steht. Über die Dauer und die Größe des Wallfahrtsbetriebs ist mir nichts bekannt.

Die Holzplastik aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt Maria thronend, mit einer Krone auf dem Haupt, als "zweite Eva''. Mit dem rechten Arm trägt sie das Jesuskind, das in seiner rechten Hand eine Traube hält, während es mit der linken Hand nach dem auf den Sündenfall im Paradies bezogenen Apfel greift, den ihm seine Mutter zeigt. Die Geste symbolisiert seine Bereitschaft zum Erlösungswerk. Die Muttergottes von Mitterndorf war in den Jahren 1626, 1636 und 1648, also während des Dreißigjährigen Krieges, das Ziel von Kreuzgängen der Marktgemeinde Dachau und von Ampermoching.


...mehr zur Kirche St.Maria und Nikolaus in Mitterndorf siehe hier...

 

Mühldorf-Wallfahrt zu St.Ulrich

Der Bau der heutigen Kirche muss mit der Wallfahrt zum heiligen Ulrich in Zusammenhang stehen, sonst hätte man niemals dieses großartige Gotteshaus für die drei Bauernhöfe errichtet.

Über den Beginn der Wallfahrt fehlen leider Zeugnisse. Zur Zeit des Freisinger Fürstbischofs Veit Adam von Gepeckh (1618-1651 im Amt) wurde festgestellt dass nach Mühldorf mehrere Wallfahrten führten; doch kirchlich gefördert wurden sie nicht.
Mitte des 18.Jh. kamen u.a. alljährlich Wallfahrtsgruppen aus den Pfarreien Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell, Hohenkammer und Glonn. Die Blütezeit erreichte die Wallfahrte erst im 17. und 18. Jahrhundert. 1659 musste man wegen der Menge der Besucher am St.Ulrichstag ("wegen des trengen [= Gedränges] und der hitzigkeit halber") hinter dem Choraltar, dort wo sich heute die Sakristei befindet, einen Ausgang schaffen. Der war nötig, um die wegen der Hitze in Ohnmacht gefallenen Pilger hinausbringen zu können. Im Jahr 1680 kamen so viele Wallfahrer, dass an den Seitenaltären die Gatter zerbrachen.
Damals soll sich hinter dem Choraltar in der Kirche eine Grube befunden haben, die man nicht zumauern konnte. Aus dieser Grube entnahmen die Pilger etwas Erde und verwendeten sie daheim sowohl für Heilzwecke ("gegen "allerlej gebräch der schenkhl")
Eine weitere Grube befand sich außerhalb der Kirche, im Freidthoff" wie es hieß, obwohl es doch in Mühldorf keinen Friedhof gab.

Im 18.Jh. wird der Brauch erwähnt, dass Pilger auch zur Abwendung von Mäuseplagen nach Mühldorf kamen. Sie ließen ihre Stecken aus Haselnusszweigen als Opfergabe zurück. Dies ist auch einem Wallfahrtsbericht mit dem Titel "Steckenkreuzgang" aus dem Jahr 1896 zu entnehmen: Pilger aus Fürholzen mussten ihre Haselnussstecken in einen hölzernen Behälter "im Gottesacker zu Mühldorf" auf dem Friedhof werfen. Die Stecken sollten auch Schutz vor Fiebererkrankung bringen. Möglicherweise stehen die Stecken mit einer Ulrichslegende in Zusammenhang (auch der Diebstahl eines Steckens im Wald wird von Gott bestraft).

Die Einnahmen aus dem Wallfahrtsbetrieb waren erheblich. Sie kamen der Kirche, der eigenen Pfarrei, aber auch der Nachbarpfarrei zugute. So erhielt z.B. die Pfarrei Kollbach, zu der damals auch noch einer der drei Bauernhöfe in Mühldorf (Fischer) gehörte, im Jahr 1681 Geld für den Pfarrhofbau.

Seit Ende des 19.Jh. ist die Wallfahrt erloschen. Früher kamen Pilger aus Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell, Hohenkammer und Glonn und Fürholzen Heute unternimmt nur noch die Pfarrgemeinde Hohenkammer alljährlich am ersten Sonntag im Juli einen Bittgang zu ihrer Filialkirche Mühldorf.

mehr über die Kirche St.Ulrich in Mühldorf finden Sie hier...
 

 

Münchner Frauenkirche - Wallfahrt zu St.Benno

Die Dachauer nahmen am 18.Juni 1780 am "St.Benno Translations Jubelfest" teil. 200 Jahre vorher waren die Gebeine Bennos feierlich die Frauenkirche überführt worden. Die Frauenkirche war damals noch nicht Dom/Bischofskirche, sondern Stifts- und Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau. Dort war nicht Maria das Ziel der Wallfahrt, sondern die Gebeine des hl.Benno, des Stadtpatrons Münchens.

Benno war von 1066 bis 1106 Bischof von Meißen, also zur Zeit des Investiturstreits. In diese Zeit fällt der berühmte Gang von König Heinrich IV. nach Cannossa. Benno wurde in den Streit zwischen Kaiser und Papst hineingezogen, wurde mehrfach abgesetzt, exkommunziert und wieder eingesetzt. Als er 94jährig starb, hat man ihn im Dom zu Meißen bestattet. 400 Jahre später wurde er am 31. Mai 1523 durch Papst Hadrian VI. als "Apostel der Wenden" heiliggesprochen.


Bild Wikipedia

Luther sah darin den Versuch, der Ausbreitung der Reformation in Sachsen entgegenzuwirken, und schrieb die Streit-schrift "Wider den Abgott und Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden". 1539 wurde die Reformation in Sachsen eingeführt. Bennos Grab wurde aufgebrochen. Seine Gebeine sollten in die Elbe geworfen werden; doch man hatte sie angeblich bereits vorher aus dem Sarg entfernt. Mit einem Echtheitszertifikat versehen wurden sie 1576 nach Bayern überführt und 1580 in der Frauenkirche in München beigesetzt.


Titel:
"Warhaffte Beschreibung etlich, sonderbarer Wunderzeichen vnd Genaden, so Gott der Allmächtig durch Fürbitt deß H. Bischoffe Bennonis Anno 1606.
vnd 7. Jar, im Fürstl. Stifft bey vnser lieben Frawen,
der Hauptstatt München gewürcket"; herausgegeben 1608

Der Kreuzgang der Dachauer an dieser 200-Jahres-Feier in München wurde etwas getrübt vom Verhalten des Chefs der Mission. Der Dachauer Marktschreiber Ignaz Steyrer berichtet dazu in der Marktkammerrechnung, Pfarrer Franz Felix Sigler habe sich nicht nur alle religiösen Verrichtungen während der Wallfahrt, sondern auch die weit überhöhten Lebenshaltungs- und Bekleidungskosten in München bezahlen lassen. Er schreibt: ... er "habe sich, um sich allenthalben im Glanz und als ein äusserlicher Seelen-Eyferer zu zeigen, so kostbar angerichtet, daß man wahrhaftig nicht zur Ehre unseres großen heil. Benno, sondern lediglich, damit der Sigler, mit einem ganz Ornat-Goldstück angethan, seinen Hoffahrtsgeist erlustigen nkonnte; wie er dann von eitler Aufgeblasenheit strotzend, den Sitz nach schon geschehener Absingung des Hymnus gloria noch nicht verlassen wollte, sondern zum endlichen Aufstehen gemahnt werden musste".

Daraufhin hat man in Dachau die vom Markt zu tragenden Kosten begrenzt: bei künftigen Kreuzgängen nach München sollte der Herr Pfarrer nur 3 Gulden bekommen und auch das nur unter der Bedingung, dass er oder sein Vertreter sich nicht von der Wallfahrt entfernt und in der Münchner Frauenkirche das Messopfer für die Kreuzgänger feiert. Die Mesnerfamilie sollte für das Aus- und Einläuten der Wallfahrer bei Weggang und Rückkehr 36 kr, für das Begleiten des Kreuzgangs 1 Gulden erhalten. Auch für Schullehrer und Kruzifixträger waren je 1 Gulden vorgesehen, für den Fahnenträger 1 Gulden 30 Kreuzer, den Vorgeher 36 Kreuzer und schließlich als Spende für den Opferstock in München ebenfalls 36 Kreuzer.

Wie bei anderen Wallfahrtsorten auch, wurden in München die Gebetserhörungen und Wunder in Mirakelbüchern aufgeschrieben (s.Bild links). Dem in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aufbewahrten Mirakelverzeichnis (= Aufzeichnung der Wunder) der Bennowallfahrt ist zu entnehmen, dass Haimhauser Pilger schon Anfang des 17.Jh. die Hilfe des Heiligen gesucht und gefunden haben. 1606 wurde die 15jährige Tochter des Haimhauser Schneiders Hans Zollner von der "fallenden Krankheit" (Epilepsie) befreit. Als sie in der Kirche von Hohemberg einen Anfall hatte und beinahe starb, verlobte sich der Vater dem Hl.Benno; sofort kehrte das Mädchen wieder ins Leben zurück und war für mindestens die nächsten 2 Jahre geheilt (Eintrag ins Mirakelbuch nach 2 Jahren).

 Noch interessant:
Hans Hipp schreibt in seinem Buch Wachs zwischen Himmel und Erde 12) , dass "in der Bennokapelle der Frauenkirche zwei lebensgroße, sicherlich portraitgerecht gearbeitete Wachsfiguren erhalten sind. Die beiden jugendlichen Prinzen, in spanischer Tracht auf Kissen kniend, stellen einen besonderen Schatz religiöser, barocker Frömmigkeitgeschichte dar. Anlass für ihr Entstehen war der Umstand, dass der bis dahin kinderlose Kurfürst Maximilian im Alter von 63 Jahren und noch einmal im Alter von 65 Jahren in zweiter Ehe doch noch Vater geworden war. Aus Dankbarkeit ließ er seine beiden Söhne Ferdinand Maria (geb. 31. Oktober 1636) und Maximilian Hieronymus Phillip (geb. 30. September 1638) vermutlich von dem Wachsbildner und Hofbildhauer Alessandro Abbondio in Lebensgröße portraitgerecht anfertigen. Der bayerische Herrscher führte den späten Kindersegen auf die Führbitten des Heiligen Benno zurück, weshalb die Wachsprinzen 1644 unter dem Bennobogen in der Vierung der Frauenkirche aufgestellt wurden."

Kreuzgänge zu St.Benno in der Frauenkirche wurden von den Pfarreien Dachau und Einsbach, sowie aus Etzenhausen durchgeführt.

 

Herzogspitalkirche in München - Marienwallfahrt
Für die um 1570 gebaute Kirche beim "Herzogspital" in München schuf der Münchner Bildhauer Tobias Bader 1651 ein großes Kruzifix mit einer darunter stehenden Statue der Schmerzhaften Muttergottes. Rd. 40 Jahre später beobachtete die zehnjährige Maria Franziska Juliana Schott während des Litaneigebets, dass die Schmerzhafte Muttergottes ihre Augen bald nach oben zum gekreuzigten Christus, bald nach unten auf die Erden, bald auf beide Seiten und "zum Kripplein gar anmüthig und kläglich gewendet" hat. Das Wunder soll sich, wie auch andere Kirchenbesucher bestätigten, am folgenden Tag wiederholt haben. Dieses Ereignis und die daraufhin geschehenen Gebetserhörungen und Krankenheilungen veranlassten das Ordinariat in Freising zu einer Untersuchung. Mit Urkunde vom 6. April 1692 bestätigte Fürstbischof Joseph Clemens den Vorgang als,Wunder" und empfahl den Gläubigen die Verehrung der Muttergottes in diesem Gnadenbild. Die Wallfahrt war nun offziell eingerichtet und blühte auf. Zeitgenössische Quellen berichten, daß von 1690 bis 1695 in der Herzogspitalkirche 56.000 heilige Messen gelesen wurden und die Zahl der Spenden so groß war, dass von den gestifteten Votivtafeln das ganze Innere der Kirche überdeckt wurde. " 1696 erschien das erste Mirakelbuch im Druck. Ein weiteres Buch von 1750 enthielt 400 Heilungsberichte aus den Jahren 1696 bis 1729.

 

Neufahrn - Wallfahrt zu St.Kümmernis 05)
Eine weitere Wallfahrt führte -ebenfalls schon vor dem 30jährigen Krieg- nach Neufahrn bei Freising zur hl.Wilgefortis (St.Kümmernis), jeweils am Pfingstdienstag über Ottershausen und Inhausen.
St.Kümmernis war eine fiktive Heilige, die ihre Existenz einer Verwechslung verdankte. Man glaubte in einem Bildnis des gekreuzigten Christus mit Tunika eine andere Heilige zu erkennen.
Die Besonderheit von Wilgefortis war der Bart, der ihr der Legende nach gewachsen sein soll, damit sie für Männer nicht mehr attraktiv war. Als Wilgefortis wurde sie 1583/86 ins Martyrologium Romanum aufgenommen, inzwischen aber wieder gelöscht. St. Kümmernis wurde von Frauen und Männern angerufen: in Liebesangelegenheiten, bei Beziehungs-problemen, Familienzwist, Sorgen um Fruchtbarkeit in Haus und Hof oder bei Krankheiten (spezifisch Frauenkrankheiten).
Von Männern wurde sie zusätzlich bei Kriegsgefahr und Gefangenschaft um Fürbitte gebeten. Die ersten Nachweise stammen aus den Jahren 1626-29. In den Kriegs- und Pestjahren 1632, 1634 und 1649 fiel die Wallfahrt aus. In allen übrigen fast 150 Jahren bis 1786 aber gingen die Dachauer nach Neufahrn, das aber von der Besucherzahl nur ein kleiner Wallfahrtsort war. Im 18.Jh. kamen immerhin 60 Bittprozessionen im Jahr dorthin.

St.Wilgefortis bzw. St.Kümmernis am Kreuz

Ottmarshart-Wallfahrt zu St.Mauritius

1200-Jahre alte Handglocke
In den früheren Jahren war die Kirche eine -wenn auch bescheidene- Wallfahrtsstätte. Es kamen hauptsächlich Schwerhörige, die dreimal um den Altar herumgingen während ihnen die hinterdrein gehenden Personen mit einer halbkugelförmigen Handglocke von etwa 20 cm Durchmesser in die Ohren läuteten. Diese Glocke ist nach neuesten Erkenntnissen 1200 Jahre (!) alt. Nach einer mündlichen Überlieferung soll sie ein wilder Stier auf dem sog. Kreuzacker des Veitbauern aus dem Boden gegraben auf seinen Hörnern in die Kirche gebracht haben.

Votivbild

Heute erinnern an die bis in die 1930er Jahre bestehende Wallfahrt nur noch Wachsfiguren, wie Ohren, Arme, Beine, Herzen, Pferde, Kühe usw., die im Kloster Indersdorf aufbewahrt werden. Lediglich ein Votivbild (von 1848) hängt noch in der Kirche. Auf ihm sind ein Junge und -im Himmel- der hl. Mauritius zu sehen.

Nach dieser Legende war Mauritius römischer Offizier, Anführer der 22., der "thebäischen" Legion, die in der Gegend um Theben in Ägypten ausgehoben worden war und nur aus Christen bestand. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, zur Abschreckung jeden zehnten Mann umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die ganze Legion ermordet war. Dies soll um das Jahr 300 bei Agaunum im Schweizer Wallis geschehen sein.

Zum Helfer bei Schwerhörigkeit wurde Mauritius aufgrund folgender Legende: Einer Mutter, die über den Tod ihres Sohnes untröstlich war, erschien der hl.Mauritius und sprach: "Weine nicht um ihn, als wäre er tot, sondern wisse, er wohnet unter uns. Wenn du zur Frühmesse gehst, wirst du seine Stimme unter den singenden Mönchen hören. Das tat sie und hörte fortan die Stimme ihres Sohnes aus dem Mönchsgesang heraus.
Seit fast 100 Jahren ist die Wallfahrt erloschen.

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Pfaffenhofen/Glonn - Wallfahrt zu St.Maria (Fraule)
Um 1756 entstand in Pfaffenhofen a.d.Glonn die kleine Wallfahrt zum Fraule aus dem Holz. Die Wagenfurt-Müllerin Maria Schrott hatte eine knapp 20 cm große Muttergottesfigur aus Ettal mitgebracht und in einem hohlen Fichtenbaum ihres Waldes aufgestellt. Der zuständige Hofmarksherr von Weyhern, Franz Xaver von Ruffini, und der Pfaffenhofener Pfarrer Johann Baptist Siess genehmigten wohl 1767 den Bau einer Wallfahrtskapelle. An den Opferstockgefällen läßt sich der Aufschwung deutlich ablesen: Sie stiegen von 14 Gulden im Jahr 1767 auf 223 Gulden im Jahr 1769. 1773 wurde das Gnadenbild auf den neu errichteten Kreuz-Altar der Pfarrkirche gebracht und wurde von vielen Gläubigen sehr verehrt. Der Kreuzaltar stand ungefähr an der Stelle des heutigen Zelebrationsaltars.
1817 wurde der Altar wie folgt beschrieben:
  "Inmitten der Kirche ist ein Altärle, worauf die Muttergottes in einem kleinen Kapsel; bekannt unter dem Namen Fraule. Sie wurde vor ungefähr 40 Jahren aus dem Walde jenseits der Glon, genannt Wagenfurth, wohin viele Leute Andacht haben, hierher versetzt".
Diesen Kreuzaltar hat man 1831 an die Südwand gerückt, da er die Sicht auf den Hochaltar einschränkte. Die Fraule-Figur wurde auf den linken Seitenaltar übertragen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Zulauf der Gläubigen schon stark verringert. sie wurde von der Wallfahrt nach Geiselwies bei Sittenbach verdrängt.

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Pipinsried- Wallfahrt zu St.Wolfgang

Am 5.Mai 1613 begaben sich mehrere Pipinsrieder zur Feier der Translation des hl.Wolfgang nach Regensburg, von wo sie papierene Bildnisse des hl.Wolfgang nach Hause mitnahmen. Einer dieser Wallfahrer habe, wird erzählt, "ein solches Bildniß in die Höhlung eines Baumes eingesetzt". Als der Baum nach Jahren gefällt wurde, fiel das Papierbild heraus und wurde auf den Altar der Pfarrkirche gelegt. Aber des anderen Tages hat man das Bild nicht mehr auf dem Altar, sondern wieder auf dem Stock des umgehauenen Baumes gefunden. Dieser wundersame Vorgang wiederholte sich noch zwei bis drei Mal.
Das erregte großes Aufsehen im Volk, zumal der Finder des Bildes verkündete, er habe nach Anrufung des hl. Wolfgang Hilfe bei seinem langjährigen körperlichen Leiden gefunden. Man fügte das Bild in die Vertiefung einer hölzernen Säule ein, die an der Stelle der heutigen Kirche aufgestellt worden war. So erhielt das Bild den Namen bei "St.Wolfgang in der hl.Saul" (s.Bild rechts). Die nun entstehende kleine Wallfahrt brachte soviel Geld ein, dass 1637 eine hölzernen Kapelle und im Jahr 1693 sogar ein stattliches steinernes Kirchlein gebaut werden konnte.
Die Wallfahrt wurde intensiv von den Indersdorfer Mönchen gefördert, die sich davon nicht nur geistlichen, sondern auch materiellen Gewinn versprachen. Trotz dieser Unterstützung von oben entwickelte sich die Wallfahrt nicht so gut wie z.B. in Ainhofen, Taxa oder gar Inchenhofen. Sie erreichte nur regionale Bedeutung. Überliefert sind Wallfahrten und Bittgänge aus 16 Pfarreien, darunter aus Indersdorf, Langenpettenbach, Westerholzhausen, Altomünster, Tandern, Hilgertshausen und Randelsried.
Eine Fördermethode von Indersdorf war die Einladung an hochgestellte Persönlichkeiten zu einer Wallfahrt nach Pipinsried. Es kamen z.B. am 12.8.1656 die in Schloss Schleißheim wohnende Kurfürstin Maria Anna, die Witwe von Kurfürst Maximilian I. und Tochter von Kaiser Ferdinand II. in Wien und bat den Heiligen um Hilfe. Nach Pipinsried wallfahrtete am 10.Mai 1660 auch die aus Savoyen stammende 24jährige Kurfürstin Adelheid Henriette (1636-1676), die Frau des seit 1651 regierenden Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern (1636-1679). Mirakelbücher haben sich leider nicht mehr erhalten. Doch Prof.Liebhart weiß, dass es zwischen 1734 bis 1773 im Durchschnitt pro Jahr zu 29 Gebetserhörungen oder "Wunder" kam.
Der in Pipinsried verehrte St.Wolfgang wurde meist mit einem Beil dargestellt. Denn auf der Suche nach einem Ort, an dem er seine Einsiedlerkapelle bauen konnte, warf er am Wolfgangsee von einem Berg aus sein Beil nach unten. Dort wo es steckenblieb, errichtete er den Bau.
Hierher nach Pipinsried kamen die Gläubigen vor allem wegen Fuß- und Handleiden. Dies legen jedenfalls die Votivgaben nahe, die noch heute in der Kapelle aufbewahrt werden (Holzfüße, Holzhände und Krücken). Die Wallfahrer konnten -wie auch an anderen Wallfahrtsorten- Medaillen als Andenken an die Wallfahrt erwerben. In Pipinsried hatte die Medaille die Form eines Beiles (s. Bild rechts). Das war außergewöhnlich.



St.Wolfgang in der hl. Saul

 


Aufschrift:
Pipinsried St.Wolfgang

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Sigmertshausen-
Marienwallfahrt

Besondere Berühmtheit erlangte die Filialkirche, 1722 als bekannt wurde, dass eine kleine "spannenlange" Statue der Mutter-gottes mit dem Jesuskind auf dem Arm, Wunder vollbracht haben soll. Über die Auffindung dieser Figur gibt es -wie so häufig- mehrere Versionen. Eine handelt von dem Ziegenhirten Thomas Hoffwürth, der im Jahr 1719 sah, wie ein Schafbock eine kleine tönernes Marienfigur aus dem Boden scharrte. Es dürfte sich um eine Kopie der Hammerthaler Muttergottes aus der früheren Klosterkirche der Augustiner-Eremiten in München gehandelt haben, die am Original "anberührt'' war. Allen Geschichten gemeinsam ist, dass der Hirte die Statuette zunächst bei sich behielt.
Als erste Gerüchte über wunderbare Gebetserhörungen in Umlauf kamen, wollte der Röhrmooser Pfarrer Kreitmayr das Marienfigürchen in die Pfarrkirche von Röhrmoos bringen. Doch auf wunderbare Weise verschwand die Statue mehrmals über Nacht und tauchte in Sigmertshausen wieder auf.

Nun hat man die Figur in Sigmertshausen belassen, wo es sich bald auch hier gegen Bresthaftigkeit und Krankheit in unterschiedlichen Zuständen hilfreich zeigte und spontan eine vielbesuchte Wallfahrt auslöste. Davon zeugen viele Votivbilder. Zwei davon sind besonders interessant; es sind Votivbilder des Bayerischen Herrscherhauses von 1731. Das dort genannte, Hilfe suchende Kind dürfte der bayer. Kronprinz Max Josef gewesen sein, der 1727 geboren wurde und 1731, als das Votivbild entstand, vier Jahre alt war.

Der anschwellende Strom der Wallfahrer war -neben Schäden durch zweimaligen Blitzschlag- wohl auch der eigentliche Grund für den Kirchenneubau im Jahr 1755/56. Sechs Messen mussten täglich gelesen werden. Der Neubau 1755 war ein Werk des damaligen Pfarrers von Röhrmoos, Franz Xaver Ponschab. Als die Hofmark 1754 von den Unertls an die Ruffinis überging, sah er die Gelegenheit gekommen. Er riss das Gotteshaus ohne Genehmigung ab und begann sofort mit dem Neubau. So schuf er vollendete Tatsachen. Erst als die neuen Kirchenmauern schon drei Meter hoch waren, schickte er die Pläne zum Freisinger Bischof. Da war es für Korrekturen schon zu spät.

    Gnadenbild

Die Wallfahrt hatte ihre Blütezeit von 1722 bis zur Säkularisation 1803. Aufzeichnungen im Ordinariat belegen, dass damals täglich 4 bis 6 hl. Messen gelesen wurden; meist von Priestern, die mit ihren Pfarrkindern im Wallfahrtszug nach Sigmertshausen kamen. Dass die Wallfahrt auch nach der Säkularisation nicht ganz verschwand, ist an den Votivbildern aus dem 19.Jh. zu ersehen. Bis 1812 stand noch ein Wallfahrtsgeistlicher zur Verfügung, dem die seelsorgerische Betreuung der Bittgänger oblag. 1834 wollte man die Wallfahrt sogar wieder beleben, doch das Ordinariat lehnte ab. So endete der Wallfahrtsbetrieb um 1850. Später führten nur noch Bittgänge aus den Pfarreien der Umgebung oder einzelne Wallfahrer nach Sigmertshausen.

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Straßbach- Wallfahrt zu St.Ottilia

Straßbach ist eine Filialkirche des Klosters Indersdorf, wo besonders die heilige Ottilia verehrt wird, die vor allem wegen Augen-, Ohren- und Kopfleiden um Hilfe angerufen wurde. Die um 660 geborene Odilia war eine Tochter des Herzogs Athich aus dem Elsass. Sie gründete 690 das später nach ihr benannte Kloster Odilienberg als Augustiner-Chorfrauenstift und stand ihm als Äbtissin vor. Die Legende berich-tet, dass der Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte. Odilia wurde das Augenlicht wieder geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie taufte. St.Ottilie widmete sich in ihrem Leben der Fürsorge der Armen und Kranken. Sicher nachweisbar ist in Straßbach das Siechenhaus seit dem Jahre 1435, wo die Leprakranken fernab der Ortschaft untergebracht waren. Ottilia ist Patronin der Blinden und der Winzer (wegen ihrer Heimat Elsass).

Der Sorge um die Kranken und Armen widmete sich seit 1435 auch das Siechenhaus in Straßbach, das vom Kloster Indersdorf in sicherer Entfernung eine Leprastation eingerichtet worden war

Straßbach besaß nur eine regionale Wallfahrt. Aber es war das Ziel von Bittgängen aus verschiedenen Pfarreien.
Straßbach war die einzige Ottilienkirche im weiten Umkreis. Wegen des Lebenslaufs von Ottilia erhofften sich die Menschen vor allem Hilfe bei Augenleiden.
So wallfahrteten Ende des 18.Jh die Pfarrgemeinden Ampermoching, Weichs, Vierkirchen, Röhrmoos, Hebertshausen, Pellheim, Niederroth, Rumeltshausen, Kreuzholzhausen, Schwabhausen, Oberroth, Arnbach, Hirtlbach, Westernholzhausen und Indersdorf alljährlich nach Straßbach.


St.Ottilia in Straßbach

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Kloster Taxa - Marienwallfahrt
Als die Kriegsereignisse um 1635 eine Wallfahrt nach Andechs aus Sicher-heitsgründen nicht mehr zuließen, pilgerten die Dachauer ersatzweise zum Kloster Taxa, zum Gnadenbild Maria Stern. Gleiches geschah 1649, als in Dachau die Pest grassierte;in den Rechnungsbüchern heißt es dazu: "wegen sterbender Läuff und uhnvermögenheit halber" wird nicht auf den heiligen Berg "gewallfahrtet", sondern zu "Unserer Lieben Frau in das Täxet". 04) 1683, im Jahr der Türkenbelagerung von Wien, unternahmen sie "wegen Abwendung der Vichsucht" erneut einen Kreuzgang nach Taxa.

Ab 1695 wurde daraus eine jährliche Wallfahrt, jeweils um den 10.Juli herum. Grund war die Bitte zur Erhaltung der Feldfrüchte, Roß und Vieh. Nur 1698 (aus mir unbekannten Gründen) und 1704 (wegen des Spanischen Erbfolgekriegs) fiel sie aus. Die Wallfahrt bestand bis zum Abriss des Klosters Taxa im Jahr 1803.

Kloster Taxa

Wallfahrtsmedaillen
Die Wallfahrt zum Kloster Taxa war in erster Linie eine Marienwallfahrt. Doch in der Klosterkirche befand sich auch eine Kreuzreliquie, die viele Pilger anzog. Die Kirche hatte sogar beide Patrozinien: der Altarraum war St.Maria, das Kirchenschiff dem hl.Kreuz geweiht. Hauptanziehungspunkt war aber die Muttergottesfigur mit Kind, die von einer sternförmigen Aureole umgeben war. Die Wallfahrt war ja entstanden, weil 1618 ein Hühnerei mit dem Relief eines Strahlenkranzes gefunden worden war. Zudem glaubte man, darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen. Im 18.Jh wallfahrteten bis zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa. Es war damals -noch vor Altötting- die größte Marienwallfahrt Bayerns.
Die meisten kamen wegen akuter oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer Hühnerkrankheit die Rede. "Die Wallfahrt in Taxa, so schrieb Hans Grassl, war über den Petersberg und Altomünster hinaus das eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich der Ort, an dem sich das bäuerliche und monastische Leben (Mönchsleben) am innigsten berührten". Die wohl dreischiffige Kirche mit ihren 13 Altären war größer als die Kirche im Kloster Indersdorf.
Aus dem Mirakelbuch aus Taxa ist das Versprechen der Dachauer Gemeinde bekannt:
  Am 14 Juni 1666 kam die Gemein von Dachau wegen ihren krancken Vieh, welches sehr umgestanden ist, mit einer Kirchfahrt vnd (einem) Creutzgang nach Taxa. Dachau hatte in diesem Jahr so sehr an der Ybergail (= Rinderpest) gelitten, daß man solches (Rinder) gantz eingraben muessen. Eine Häufung derartiger Verlöbnisse fällt im Landgericht Dachau in den Jahren 1690 1707/08, 1736 und 1746 besonders auf. Aber auch bei Erkrankung einzelner Pferde und Rinder nahmen die Bauern ihre Zuflucht zu Maria Stern.

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Walkertshofen-Maria-Hilf-Kapelle
Schon in der Vorgängerkapelle war das Gnadenbild eine holzgeschnitzte Vespergruppe (Pieta), durch die das heilkräftige Wasser hindurch geleitet wurde. Das Wasser sprudelte aus der Seitenwunde des Leichnams Jesu, der auf dem Schoß Mariens lag. Dadurch erhielt das Wasser nach Auffassung der Gläubigen eine besondere Weihe.

Wegen der vielen Wallfahrer wurde um 1640/50 eine neue Kapelle gebaut, die heute noch vorhanden ist. Hier trat an die Seite der Pietà als weiteres Gnadenbild eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes von Lucas Cranach. Die Vorgängerkapelle mit der Pietà wurde als Vorhalle in den Neubau mit einbezogen.
Aus dem Jahr 1643 ist die wunderbare Heilung eines blinden und krummen Kindes an der Quelle und der "darüber erbauten Neuen Capellen" überliefert. Dies gab der Wallfahrt einen weiteren Anschub. Die hohen Opferstockbeträge sprechen dafür, dass die Kapelle schon damals eine respektable Wallfahrtsstätte war. Auch eine große Anzahl von Votivtafeln gaben Zeugnis von der florierenden Wallfahrt. Viele Wallfahrer kamen, um sich am Brünnlein neben der Kapelle, dem ehem. Heilbrünnlein, die Augen zu benetzen.

Der Höhepunkt des Wallfahrtsbetriebs war die erste Hälfte des 18.Jahrhunderts. Damals pflegte ein Eremit aus dem Dritten Orden des St.Franziskus (Frater Georg Schlein) die Kapelle, betreute die Wallfahrer und unterrichtete die Schüler in Walkertshofen. Er wohnte in einer aus eigenen Mitteln errichteten Klause. In der 2.Hälfte des 18.Jh. wechselten die Klausner in rascher Folge.

Im Jahr 1804 erreichte die Säkularisation Walkertshofen. Die Kapelle wurde zwar nicht abgerissen, weil die Gemeinde das Gotteshaus erwarb und es so rettete. Aber der Übergang zwischen Klause und Kapelle mitsamt dem Kapellenvorbau und Oratorium wurde entfernt und die Klause in ein landwirtschaftliches Anwesen umgewandelt.
Die Wallfahrt war aber nicht zu Ende. Als im 19.Jh. die Religiosität in Deutschland wieder zunahm, kamen auch wieder Pilger.

In der Kapelle wurde nun ein Jahrhundert lang vor allem St.Anna verehrt. Ohne Wechsel des Patronats hat man sie selbst in offiziellen Dokumenten bis zum 2.Weltkrieg als St-Anna-Kapelle beschrieben. Um 1953, 1970 und 2018 wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt.
Heute steht die Kapelle inmitten von Privatgrund und ist nur mit Erlaubnis der Grundeigentümer zu besichtigen.

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Weissling - Wallfahrt zu St.Notburga
Weißling ist die einzige der hl. Notburga geweihte Wallfahrtskirche in Bayern. Es zählte im 18.Jh zu den meistbesuchten Wallfahrtsstätten des Dachauer Landes, wie aus dem vom rührigen Pfarrer Kästl aus Kollbach verfassten Mirakelbuch "Von dem Ursprung, Fortgang, Wohlthaten, Opfern und Vermögen der H.Notburga zu Weißling / Filialgottshaus der Pfarr Kollbach" hervorgeht. Dort sind in einem Zeitraum von 42 Jahren (1749-1791) insgesamt 652 Verlöbnisse, meist wegen Krankheit von Mensch und Vieh, aufgeschrieben. Spätere Aufzeichnungen fehlen leider.

Das heutige Kirchlein in Weißling wurde im Jahr 1750-1752 an Stelle einer schon länger bestehenden hölzernen Kapelle gebaut, in der die Dorfgemeinschaft jeden Sonntag den Rosenkranz gebetet hatte. Schon in der Holzkapelle stand eine kleine Figur der beim Bauernvolk ungemein beliebten hl. Notburga, die vor allem in Viehnöten angerufen wurde. Es dürfte dort auch schon eine kleine Wallfahrt gegeben haben, weil die Kapelle Mitte des 18.Jh. für den Besucherandrang als zu klein geschildert wurde.

Der Neubau der Kirche um 1750 war eine Herzensangelegenheit des damaligen Pfarrers Joh. Franz Kästl.
Er kaufte eine Notburga-Figur im Kloster Scheyern sowie Reliquien der Heiligen aus Eben in Tirol, wo die hl.Notburga begraben ist. An der Überführung der Figur von Kollbach nach Weißling nahmen 4.000, an der Überführung der Reliquien sogar 10.000 Gläubige teil. Im Hinblick auf die relativ dünne Besiedelung der Gegend in der damaligen Zeit war das eine riese Menschenmenge.

Wallfahrtsmedaille

Schon ein Jahr nach Fertigstellung der Kirche hat ein schweres Hagelunwetter den Ruf von Weißling erheblich verstärkt. Denn in der gesamten Umgebung fielen dem Unwetter angeblich 1000 Rinder und Pferde zum Opfer, nur die Ortschaften Kollbach und Weißling blieben verschont. Das schrieb man allgemein der Fürsprache der hl. Notburga zu. Die Wallfahrt war damit etabliert und sie bestand bis zum Ende des 19.Jh.

Wie bei vielen anderen Wallfahrtsorten in Deutschland wurden auch in Weißling für die Pilger Wallfahrtsmedaillen geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft für die Kirche bzw. Pfarrei, entsprang andererseits aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen Medaillen von der Wallfahrt nach Weißling ein Stück Heiligkeit in die eigenen vier Wände mitzubringen. Die Medaille soll aus der Zeit um 1900 stammen.

Heute kommen nur noch am Notburga-Festtag -am 4.Sonntag nach Ostern - Wallfahrer aus Kollbach, Allershausen und Fahrenzhausen nach Weißling zur hl.Notburga.

mehr über die Filialkirche St.Notburga in Weißling finden Sie hier...

Weyhern - Marienwallfahrt
Die Kirche in Weyhern war vor vielen Jahrhunderten eine Marien-Wallfahrtskirche. Über die Entstehung und Entwicklung dieser inzwischen erloschenen Wallfahrt ist mir nichts bekannt. Da diese Wallfahrt in Weyhern aber ab 1630 viele Pilger an die neu eingerichtete Wallfahrt in Taxa verlor, muss sie schon viele Jahre vorher entstanden sein. Jedenfalls soll der auf Schloss Arnbach geborene spätere Fürstbischof von Freising, Veit Adam von Gepöckh (im Amt von 1618-51) ein besonderer Verehrer der Mutter Gottes von Weyhern gewesen sein. Auf ihrem Altar sollte zu seinem und seiner Verwandten Gedächtnis alljährlich am Fest Mariä Himmelfahrt der Pfarrer von Arnbach eine Messe mit Predigt, an einem Tag danach eine Totenmesse halten, wofür ihm 1 Gulden 30 Kreuzer zustanden.

Und die Wallfahrt hat -wenn auch in geringerem Umfang- noch Mitte des 18.Jh. bestanden. Denn die Schmidt'sche Matrikel spricht noch 1738/40 von einer "gnadenreichen Marienstatue, die mit Guttaten glänzt und von vielen Prozessionen aus der Umgebung besucht wird''.

Im Jahr 1758 berichtete Pfarrer Johann Franz Freiherr v. Paumgarten aus Arnbach, in Weyhern sei ein Gnadenbild gestanden, das vor allem vor dem Bau des Klosters Taxa (erste Kirche um 1630) Zulauf von Pilgern fand. Im Pfarrhof Arnbach befinde sich ein Mirakelbuch, in dem viele Heilungen verzeichnet seien, speziell die Erweckung eines Ertrunkenen zum Leben. Er schlägt vor, vom Gnadenbild einen Kupferstich machen zu lassen; das würde die Wallfahrt wieder befördern. Die Wallfahrt in Weyhern ist aber wohl bald darauf, in der Zeit der Aufklärung, also Ende des 18.Jh. -wie auch viele andere Wallfahrten- erloschen. Zwei Votivtafeln von 1786 und 1789 hängen im Bezirksmuseum Dachau.

Das Gnadenbild war eine ca. 1 m große, Muttergottesstatue aus der Zeit um 1500. Maria wird als Königin dargestellt. Sie trägt eine Krone auf ihrem Haupt. Ihr langes Haar ist offen. Gekleidet ist sie in ein rotes Kleid und einen goldenen Mantel. In der rechten Hand hält Maria das Zepter. Auf dem linken Arm trägt sie das Jesuskind, das die dritte königliche Insignie, den Reichsapfel in der Hand hält. Vorübergehend stand sie in der Feldkapelle westlich des Dorfes.
Aus Sicherheitsgründen wurde die wertvolle Holzplastik allerdings deponiert. Nach Aussage des Kirchenpflegers Josef Mertl "hat sie "hat sie ein eigenes Zimmer in einem Bauernhaus".

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Weitere Wallfahrten bzw. Kreuzgänge
Weitere Wallfahrten bzw. Kreuzgänge der Dachauer wurden nur sporadisch organisiert oder bestanden nur für kurze Zeit. Zum Beispiel nach Etzenhausen (am Markustag 25.April) und Günding, Bergkirchen, Sickertshofen, Schönbrunn (St.Katharinen-Kirche), Weyhern, Puch (am Bennofest 16.Juni), Niederroth, Kreuzholzhausen (am Kreuzauffindungstag 3.Mai und am Kreuzerhöhungstag 14.Sept.), Prittlbach, Mitterndorf, Altomünster und Aufkirchen. Im Kriegsjahr 1704 unternahm die Bürgerschaft Dachau eine Extrawallfahrt nach München in die Theatinerkirche zum hl.Kajetan, damit "die schon allgemach herbeynahente feindtliche Einfähl, Sengen und Prennen von unserm Markht und Gegent mechte gnediglich abgewendt" werden. Im Hungerjahr 1772 zog man aus Dachau nach Webling und legte dort einen Gulden in den Opferstock ein.
Die Rosenkranzbruderschaft ging nach Ampermoching (1644) und nach Indersdorf (1671). Lange Zeit war die Franziskus-Klause in Schleißheim das Ziel am 2.August, dem Portiunkulafest. Besonders prunkvoll war die Wallfahrt nach Maria-Hilf in der Au nach dem 30jährigen Krieg.
01)

 


Einzelwallfahrten

Auch über Einzelwallfahrten zu entfernten Zielen gibt es ein paar Aufzeichnungen, weil die Wallfahrer dazu einen Pass benötigten. So wallfahrtete der Bäckermeister Paul Reißer 1775 nach Rom und der Hufschmiedsohn Joh.Wimmer nach Maria Einsiedeln in der Schweiz. Und nicht zuletzt geben die noch erhaltenen Mirakelbücher der Wallfahrtsorte Auskunft über Heilungen, die Gläubige nach Anrufungen der jeweiligen Heiligen in Notsituation erfahren haben. Die Gläubigen wallfahrteten danach noch einmal oder erstmals an den Wallfahrtsort und gaben die mirakulösen Heilungen zu Protokoll. Erst die Eintragung ins Mirakelbuch garantierte nach Meinung der Leute den dauerhaften Bestand der Wunderheilung. 12)

Mirakelbücher aus Inchenhofen, Taxa und München/St.Benno


 
Ende der Kreuzgänge bei der Säkularisation
In der Zeit der Aufklärung, gegen Ende des 18.Jh., nahm die Zahl der Wallfahrer ab. Im Jahr 1800 beklagte sich der Dachauer Pfarrer Joseph Stöger, dass sich fast nur Kinder und junge Leute beteiligten, nicht aber Hausväter. Das Kloster Andechs habe sich geweigert, die Marktfuhre, die die Prozession begleitete, über Nacht zu behalten. Der Magistrat beschloss deshalb am 25.April 1800, den Kreuzgang nach Andechs einzustellen. Die Wallfahrt war nun Privatsache. Lediglich das Aus- und Heimläuten wurde den Wallfahrern zugestanden.

Mit kurfürstlicher Verordnung vom 4.12.1801 wurden diese Bittgänge/Wallfahrten wegen "Müßiggang« verboten. Aufgrund dieser Anordnung entstanden im darauffolgenden Jahre 1802 Unruhen, die das Gepräge eines Aufruhrs hatten. Die Pfarrer hielten sich an das Verbot und setzten die Kreuzgänge ab. Das erzürnte so manche begeisterte Wallfahrer so, dass sie die Pfarrer fast mißhandelten und mit Grobheiten überhäuften. Pfarrer Hueter (1786-1814) von Niederroth beschrieb in seiner Pfarrei-Chronik auf den Seiten 180-183 mehrere Vorfälle:

—  Manche Gemeinden bemächtigten sich der Kirchenschlüssel, nahmen die Fahnen mit Gewalt aus den Kirchen, und unter dem      Geläute der Glocken verrichteten sie ohne Priester ihre Kreuzgänge. Dies tat die Pfarrgemeinde von Pellheim am sogenannten      Schauerfreitage. Man hörte sie schon von weitem plärren. Während ich (Pfr. Hueter) die Messe las, zogen sie hier durch nach      Weyhern, wo sie die Kirche gesperrt fanden, und also mit der langen Nase abziehen mußten.

—  Am nämlichen Tage gingen auch die Sigmertshauser abends mit dem Kreuz um die Felder und hatten bei ihrem vermeinten      Gebete ein solches Geschrei, daß ich es in meinem Zimmer hörte...

—  Die widerspenstigen Gemeinden bekamen, sobald ihr Vergehen am rechten Orte kundbar wurde, auf der Stelle eine Exekution      von einigen Soldaten, welches aber noch keinen Eindruck machte, bis endlich ganze Kompanien auf Exeklution ausgeschickt      wurden, wie dieses in unserer Nachbarschaft Niederroth nur gar zu empfindlich erfahren hatte.

—  Die Oberrother verrichteten den 20. Mai 1802 ungeachtet aller Vorstellungen ihres Pfarrers, den Kreuzgang um die Felder, wie      sie ihn vormals gewöhnlich verrichtet hatten. Bald nachher rückten bei der Nacht um 12 Uhr 300 Soldaten auf Exekution im      Dorfe ein. Nebst der Kost und dem Trunk mußten sie jeden Mann 1 Gulden geben, welches ihnen Kosten von mehr als 400      Gulden verursachte. Da dieses (finanzielle) Unglück mehrere Ortschaften getroffen hatte, so nahmen dergleichen Unfüge auf
     einmal ein Ende....

Quellen:
01) Dr.Gerhard Hanke, Die Wallfahrten und Kreuzgänge der Marktgemeinde Dachau, Amperland 1989
02) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
03) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991
04) Prof.Dr.Göttler, Das Ei-Wunder von Taxa, Dachauer Nachrichten vom 10.2.2018
05) Josef Bogner, Wallfahrtskirchen im Landkreis Freising, Amperland 1987
06)
Angelika Petitini, Leonhardsverehrung u.Wallfahrt in Inchenhofen, Augsbg.Volkskundliche Nachrichten, 1995, Heft Nr.2
07)
Blätter zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz Heft 12 Januar 1971
08)
Christliche Glaubenslehr, Von den Gebotten Gottes und der Kirchen, von R.P. Petro Hehel, Gesellschaft Jesu, 1737
09) Prof.Dr.Herbert Hagn, Wallfahrtsmedaillen und christliche Amulette aus dem Pfisterbach in München, Amperland 1991/1

10)
Dallmayr, Martin, "Synopsis Miraculorvm Et Beneficiorum Seu Vincula Charitatis, Lieb-Bänder vnd Ketten-Glider, Welche
      berührt, und ubernatürlich an sich gezogen der wunderthätige Magnet, Abbt und Beichtiger S.Leonardus, durch dessen
      himmlische Kraft bey dem ferr. und weltberümbten Gottshaus zu Inchenhofen in ObermBayrn, von vier hundert Jahren her,
      über 3000 Wunderzaichen und Gutthaten geschehen", Mirakelbuch gedruckt 1659, veröffentlicht im MDZ.

11) Internetseite Erzbistum München u.Freising, SPIRITUALITÄT & GEISTLICHES LEBEN, Hintergründe und Wissenswertes, 2023
12) Hans Hipp, "Wachs zwischen Himmel und Erde" ISBN 978-3777436722
13) Christoph Döhlemann, Harnsteine als Votivgaben in Grafrath, Amperland 2012/1
14) Horst Heres, Andachtsbilder von Taxa, Amperland 2018/1