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Das
frühere Kloster Maria Stern in TAXA
1618-1802
Das Kloster
Taxa um 1700
Die
Geschichte des Klosters Taxa begann der Legende nach im Jahr 1606
mit einem Gelübde des in Seenot geratenen Hofmarksherrn
von Odelzhausen Joh.Wilhelm von Hundt, er werde im Falle seiner Rettung
eine Marienkapelle bauen. Nach der Rettung vergaß er sein Gelöbnis
und wurde erst ein Jahrzehnt später wieder daran erinnert, als am
Ostermontag 1616 oder Karfreitag 1618 an dem zum Schloss Odelzhausen gehörenden
Sedlhof in Taxa (einem Einödhof im Wäldchen Taxet 04))
ein
Hühnerei mit Relief eines Strahlenkranzes gefunden wurde.
Später glaubte man, darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen.
"Ein deutliches Hirnbatzl hinsichtlich des vergessenen
Bauversprechens", so Eugen Otker. 17)
Um die Besonderheit gleich sichtbar werden zu lassen, habe die Hundt'sche
Henne -so später Abraham a Sancta Clara- dieses
Ei auch nicht in ein gewöhnliches Nest gelegt, sondern "auff
einen nagelneuen Zigel-Stain". Noch dazu soll die Henne schwarz gewesen
sein; dabei gab es in Taxa keine schwarze Hennen. Joh.Wilhelm von Hundt
war beeindruckt. Er löste nun sein Versprechen ein und baute 1618
eine Kapelle im nahen Taxa, die als "Maria Stern in den Daxen"
am 8.Sept. (Mariä Geburt) 1619 vom Freisinger Auxiliarbischof Bartholomäus
Scholl geweiht wurde. Die Kapelle lag am östlichen Ortsende von Taxa,
zwischen einem nach Essenbach führenden Sträßchen und
der zum Glonntal hin abfallenden Terrassenkante.
21)
Das Patrozinium der Kapelle soll aber nicht auf das Sternei zurückzuführen
sein, sondern auf die Verehrung Marias als Meerstern. Auch Abraham a Santa
Clara ging davon aus, wenn er schrieb: "Maria ist ein trostvoller
Meerstern allen denjenigen, so auf dem gefährlichen Meer diser Welt
schiffen und Zuflucht bei ihr suchen".
Ob
die vor allem von Abraham a Sancta Clara verbreitete Gründungsgeschichte
den historischen Ereignissen entsprach, ist zweifelhaft. Der Geschichtsprofessor
Dr.Wilhelm Liebhart hat hierzu andere Erkenntnisse. Mehr darüber
können Sie hier erfahren ...
Erste
Kapelle 1618
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Erste
Kapelle von 1618
Bei der ersten Kapelle handelte es sich um einen Zentralbau (wohl
aus Holz) über sternförmigem Grundriss. Dies ist in Schrift
und Bild glaubhaft überliefert. (Bild links). Der Bau war kein
gewöhnliches Achteck, sondern ein sternförmiger Bau mit
vor- und rückspringenden Mauern, die Kuppel ein leicht gerundetes
Faltdach mit krönendem Stern. 44)
Der
Baumeister der ersten Kapelle ist nicht überliefert. Manches
deutet auf Hans Krumpper (um 1570-1634) hin, der 10 Jahre später
auch die Gottesacker-Kapelle
in Dachau gestaltete. Sie ähnelt im Baustil durchaus der frühen
Taxakapelle, die zur Zeit ihrer Erbauung aber wohl ein einzigartiges
Bauwerk gewesen war, das auf keinerlei direkte Vorbilder zurückgreifen
konnte.
44)
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mehr
zur Ausstattung der Kapelle siehe hier...
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Noch frühere Kapelle ?
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Etwas
Rätsel um die erste Kapelle gibt ein Votivbild aus dem
17.Jh. zur Gründungsgeschichte des Klosters Taxa auf.
Es ist das dritte Bild eines Zyklus' aus vier Gemälden,
die heute in der Pfarrkirche St. Benedikt in Odelzhausen hängen.
Darauf ist im linken Bildteil der begonnene kreuzförmige
Langhausbau von 1629 erkennbar. Im Hauptteil des Bildes wird
die Marien-kapelle aber nicht -wie erwartet- als sternförmiger
Zentralbau, sondern als sattelgedeckte offene Kapelle mit
Giebelfront dargestellt. Sie gleicht einer
bäuerlichen Hofkapelle. Diese erheblich stabiler wirkende
Kapelle könnte auch später errichtet worden sein.
"Da
sich der Maler der Odelzhauser Tafeln",
so Dr.Mittelstraß, "bei der Darstellung dieser
Kirche als durchaus zuverlässig erwiesen hat, nehme ich
an, daß er, unter Weglassung des nachträglich angefügten
Schiffs mit Westturm, auch die Gnadenkapelle in ihrer realen
Erscheinungsform in der zweiten Hälfte des 17.Jh. abbildete,
d.h. als Chor ohne die an sich schon bestehende Kirche."
21)
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Votivbild
3:
Kapelle beim Erweiterungsbau 1629
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Wenn
dies zuträfe, dann wäre der erste Bau nicht die sternförmige
Kapelle, sondern eine einfache Kapelle auf rechteckigem Grundriss
gewesen, wie auf dem Votivbild (siehe rechts) dargestellt. Der sternförmige
Zentralbau müsste dann spätestens 1634 fertiggestellt
worden sein, da er in diesem Jahr in Georg Stengels Emblembuch abgebildet
ist. 44)
Unabhängig
von der Gestaltung der ersten, 1618 erbauten Kapelle, kamen jedenfalls
zahlreiche Pilger auch aus entfernten Gegenden nach Taxa. Sie wurden
vom alten Pfarrer Matthias Strohmayr aus Sulzemoos betreut, dem
Priester der Umgebung zu Hilfe kamen. Bald unterstützte auch
der Jungpriester Georg Schädl, der Sohn des Verwalters, der
das Sternei gefunden hatte, die Seelsorge.
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Kirchenbau
1629
Weil die Kapelle schon nach 10 Jahren
dem Besucherstrom nicht mehr gewachsen war, baute man 1629, noch
unter dem Besitzer Joh.Wilhelm Hundt, der den Bau mit 1000 Gulden unterstützte,
eine eintürmige Kreuzkirche an die Kapelle an; die später noch
erweitert wurde.
Kirche
von 1629 im Jahr 1654
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Die Kapelle von 1618 wurde
zum winzigen Altarraum, der Neubau zum Langhaus bzw. Kirchenschiff
der neuen Wallfahrtskirche. An die Kirche wurden auf der Süd-
und der Nordseite zwei Nebenkapellen angebaut, durch die sie einen
Grundriss in Form eines Kreuzes mit kurzen Seitenarmen erhielt.
Die Wallfahrtskirche wurde inklusive der Innenausstattung während
der Besetzung Bayerns durch die Schweden im Jahre 1632 beschädigt.
Auf den Bildern ist darauf nichts mehr zu sehen.
Die Bilder links und rechts zeigen diese Kirche von 1629, wie sie
im Jahr 1654, also im Zeitpunkt der Klostergründung ausgesehen
hat.
Die Unterschiede sind -insbesondere beim Kirchendach- beträchtlich.
Der rechten Ansicht ist der Vorzug zu geben.
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Kirche von 1629 im Jahr 1656
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Die westliche
Einturmfassade war durch Fenster und eine Skulpturennische gegliedert.
Dem viereckigen Unterbau des Turmes war eine achteckige Laterne mit Zwiebel
aufgesetzt. Zwei mit Giebeln bekrönte gerahmte Seitenportale links
und rechts des Turms führten in die Kirche.
An
der Ostseite war die runde
Gnadenkapelle als eigenständiges Gebäude zu erkennen. Sie war
auch damals schon das Presbyterium der Kirche.
Die Eingangsfront,
die man auch aus dem Kupferstich von Wening von 1672 kennt, war mit einem
mittleren Uhrturm versehen, der der Fassade zum Teil vorgesetzt war und
der den Dreiecksgiebel durchdrang. Die Spitze wurde von einem vergoldeten
Stern geschmückt. Ein Chronist schrieb: " wenn ihn die Sonne
berührt, ... leuchtet er so klar, als ob es eine Brandfackel sei
oder ein echter Stern funkelte." 45)
Der Turm wurde von zwei Haupteingängen flankiert. Vier Fensterachsen
gliederten die Südfassade, wobei man die gleiche Formensprache auch
für die Nordfassade annehmen kann. Die Fenster wurden voneinander
durch Pilaster abgetrennt, die mit dem im Stich erkennbaren Basen versehen
waren und im Bereich des Dachstuhls zu Dachgauben hochstiegen. Alle aufgelisteten
Fenster wurden in Sternform ausgeführt, wodurch sie auf den Marienkult
verwiesen. 45)

Kirche von 1629 im Jahr 1656 vom Prager
Graveur Pater Heinrich
(mit provisorischen Gebäuden für die Ordensangehörigen)
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In den Jahren
ab 1660 wurden die Konventgebäude des Klosters im Süden
und Osten der Kirche neu errichtet
Mehr dazu siehe hier....
Nach dem Bau erstellte der Kartograph Michael Wening in einen Stich
der Kirche und des Klosters (siehe rechts).
Das Kirchengebäude wurde gegenüber 1656 nur gering verändert,
aber, wie noch erläutert wird, in seiner Stand-festigkeit durch
die Baumaßnahmen ringsum erheblich beeinträchtigt.
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Kirche
im Jahr 1672 (Wening-Stich)
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zur Beschreibung
der Gnadenkapelle bitte hier klicken...
Wie in der
Radierung von 1656 (s.o). deutlich zu erkennen ist, standen schon vor
dem Klosterbau östlich der Kapelle Gebäude unterschiedlicher Größe.
Einige von denen hatten zunächst dem Wallfahrtsbetrieb gedient. Später,
während des Klosterbaus, stellten sie die provisorische Unterkunft
der Klosterangehörigen dar. Darin befanden sich ein Refektorium,
eine Küche und in der nordöstlichen Ecke ein Bad. Den Schluss bildeten
sechs Mönchszellen mit 8 Bewohnern. 3 weitere Brüder wohnten
unter dem Dach.
mehr dazu siehe hier...
Innenansicht
der Kirche von 1629
Als
der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von
Gepeckh (1618-1651), der zunächst nicht an einen längeren
Bestand der Taxaer Wallfahrt glauben mochte, im April 1644 (noch während
des 30jährigen Kriegs) die Gnadenstätte besuchte, fand er hier
eine richtige Kirche mit sieben Altären vor. Einen Altar hatte übrigens
Kaiser Ferdinand von Österreich gestiftet, einen anderen der Erzbischof
Ferdinand von Köln (reg.1612-1650), der Bruder des bayer. Kurfürsten
Maximilian I.
Interessanterweise erhielt das neu angebaute Kirchenschiff ein eigenes
Kreuz-Patrozinium. Das war eine Besonderheit, weil normalerweise
Kirchen nur ein einheitliches Patrozinium aufweisen. Allerdings war die
Wallfahrtskirche hier in Taxa aus zwei eigenständigen (aber miteinander
verbundenen) Bauten zusammengesetzt. Die Verknüpfung von Kreuzestheologie
und Marienverehrung ist schlüssig, weil Maria als Vermittlerin der
Erlösungsgnade gilt.
Nach Plänen, die
in Prag gefunden wurden, war schon diese Kirche von 1629 einschiffig.
In der Nord- und Südecke des westlichen Teiles befanden sich zwei Treppenhäuser,
durch die man auf die Laienchorempore chorus saecularium gelangte. Die
Adeligen hatten ihre Zugänge auf der Ostgalerie (chorus nobilibus).
Die vier Treppenhäuser in den Langhausecken formten den Innenraum
zu einem Kreuz um. Im Osten und Westen des Kirchenschiffs, also zwischen
den Treppenhäusern, stützte jeweils ein Pfeiler die Flachdecke.
Der Prager
Plan präzisiert sogar die Aufstellung der Altäre.
Neben dem marianischen Hauptaltar im Presbyterium befanden sich noch weitere
vier Nebenaltäre im Langhaus. 45)
In einem Brief an den Kurfürsten
vom 30.Mai 1635 findet sich die Beschreibung zweier dieser Altäre,
die im Jahr 1630 von Maler Anton Reismüller sowie den Bildhauern
Hans Schütz und Rupprecht Pichler aus Fürstenfeldbruck
für den Preis von insg. 700 Gulden erstellt wurden. Diese Altäre
sollen -nach Dr.Kaiser- am Durchgang vom Langhaus zur Gnadenkapelle gestanden
sein, der wohl als Chorbogen mit dem Wappen des Bauherrn gestaltet war.
- Den einen Altar hatte Kurfürst Clemens aus Köln gestiftet.
Das Altarblatt zeigte die Anbetung der Hl.Dreikönige, das Aufsatzbild
die Personifikation der göttlichen Tugend Caritas (Liebe).
Assistenzfiguren waren Glaube und Hoffnung. In der Predella war die
Flucht nach Ägypten dargestellt.
- Der zweite Altar war von Kaiser Ferdinand gestiftet worden. Er war der
Geburt Christi gewidmet. Im Aufsatz ein Bild von Mutter
Anna. Assistenzfiguren waren St.Joachim und St.Josef. In der Predella
Mariä Verkündigung.
Auf dem Gesims beider Altäre waren "geschnitzelte Engel mit
etlichen Waffen Christi", d.s. Kreuzigungswerkzeuge, angebracht.
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Anton Reismüller
hat 1716 auch die Deckengemälde in der Indersdorfer Marktkirche
erstellt.
Rupprecht Pichler war Freisinger Hofmaler und bischöflicher
Baumeister. Er gestaltete 1619 in der Fürstenfelder Klosterkirche
den Konventaltar. Im Dachauer Land war er nur in Taxa tätig und
schuf hier um 1630 die drei Hauptaltäre, den rechten Seitenaltar
mit Geburt Christi, Englischem Gruß, Fides und Spes sowie den
linken Seitenaltar mit den Hl.Dreikönigen, der Flucht nach Ägypten,
Joseph, Joachim und Anna.
Hans Schütz (ab 1615 in FFB genannt) schnitzte für
Taxa insbesondere die Engel an den drei Altären, die von Rupprecht
Pichler gestaltet wurden. 12) |
Um-
und Ausbau der Kirche 1692/93
44),
21)
Im letzten Drittel des 17.Jh. wurden Kirche und Kloster umgebaut/neugebaut
und erweitert.
Die Kirche von 1629 hatte schon seit 1660 größere Bauschäden
aufgewiesen. Clemens Böhne nennt als Grund dafür den feuchten
Untergrund, der zu statischen Problemen geführt habe. Möglich
wäre nach Meinung von Birgitta Unger-Richter 44)
aber auch ein
Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Klostergebäude, die
ab 1654 an der Südseite der Kirche entstanden. Die Reparaturar-beiten
an den Fundamenten zogen sich über mehrere Jahre hin. Die Schäden
waren so groß, dass der Wallfahrtsbetrieb beeinträchtigt war:
Altäre und Bilder waren verdeckt; in den Mauern hatten sich tiefe
Risse gebildet, so daß aus Sicherheitsgründen der Ost-Teil
der Kirche, wo sich die Gnadenkapelle befand, gesperrt werden musste.
So eine Kirche lädt nicht zur Wallfahrt ein.
1692 nahm man die Reparatur in Angriff. Die baufällige Kirche wurde
weitgehend abgetragen und praktisch neu errichtet.
Der Stich
von Michael Wening aus dem Jahr 1701 (Bild unten) zeigt die großen
Veränderungen des Umbaus von 1692/93, auch wenn die Bild-Perspektive
-vor allem die der Kirchenfassade- etwas verunglückt erscheint.
Die
Kirche erhielt beim Neubau eine neue Westfassade mit hervorgehobenem Hauptportal
und einem barocken Giebel
mit Doppelkreuz, das vergoldet gewesen sein dürfte. Zudem wurde die
Kirche um eine Fensterachse in Richtung Westen verlängert.
Hier im Weningbild
sind die Türme Bestandteil der Fassade. Bei einem Gemälde des
Landschaftsmalers Franz Beich aus der Zeit um 1720 (siehe
hier..) sind die Türme aber selbstständige Baukörper,
die die Fassade flankieren und etwas aus ihr hervortreten. Die
beiden Türme waren bis zum Giebelansatz quadratisch und hatten einen
achteckigen Aufsatz mit zwiebelförmiger Kuppel. Auf den Turmspitzen
waren statt der üblichen Kreuze sechsstrahlige Sterne angebracht.
In den Türmen sollen vier Glocken gehangen sein, die Schmidt'sche
Matrikel (1738) spricht sogar von 5 Glocken. 01)
Weitere zwei
Glocken waren im Dachreiter auf der Ostseite des Langhauses untergebracht:
sie riefen die Mönche zum Gebet.
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Im
Vergleich zur alten Kirche wirkt das Kirchendach steiler proportio-niert,
die neue Kirche als Ganzes größer und repräsentativer. Die Barockzeit
hatte begonnen.
Auch
die Gnadenkapelle hinter dem Kirchenbau erhielt einen Zwiebelturm,
der an die Proportionen des gesamten Erscheinungsbildes der neugebauten
Kirche angeglichen worden war.
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Neue Klosterkirche mit erweiterten
Konventsgebäuden 1701 (Michael Wening)
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Beim
Kloster wurden die nordöstlichen Gebäude erweitert. Der vorher große,
geometrische Barockgarten wurde durch einen kleineren, mit Bäumen bestandenen
Klostergarten ersetzt.
Baufond
Der Kirchenumbau in
Taxa hat sich auch in den Kirchenrechnungen anderer Pfarreien niedergeschlagen.
Das Landgericht Dachau hatte
nach dem 30jährigen Krieg eine Art Baufond eingerichtet, der zinslose
Kredite für Kirchenbauten ausreichte.
Der Fond wurde von einer Vielzahl von Pfarreien/Kirchen gespeist, die
dazu verpflichtet worden waren.
1693 ist ein Darlehen von 1 Gulden verbucht, das die Kirchenverwaltung
Sulzrain dem Kloster Taxa gewähren musste. Ein Gulden war
auch damals kein bedeutender Betrag, aber zum einen musste Sulzrain auch
an andere Kirchen Darlehen vergeben, zum anderen dürfte Taxa mehrere
solcher Darlehen erhalten haben. 34)
So
geht auch aus der Rechnung der Filialkirche in Etzenhausen
hervor, dass sie in den Jahren 1693 bis 1695 (zinslose) Beiträge
(zur Tilgung der Schulden) leistete.
Innenausstattung
der
Kirche von 1693 14)
44)
Architektur
Die Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter berichtet in ihrem Aufsatz
44)
auch
über das wahrscheinliche Aussehen des Innenraums der zweiten Klosterkirche.
Leider gebe es dazu keine gesicherten Quellen. Doch kunsthistorische Überlegungen
ließen vermuten, dass eine basilikale Form (= 3 Kirchenschiffe)
weitgehend auszuschließen sei. Diese Form wäre für einen
barocken Neubau um 1700 ungewöhnlich und unmodern gewesen. Castulus
Riedls Grundriss von 1754 in der Mappa Specialis deute auch auf einen
längsrechteckigen Grundriss ohne Querarme hin, bei dem an der Ostseite
der Zentralbau als Chorpartie erkennbar ist. Wenn dem so sei, wäre
die zweite Klosterkirche Ende des 17. Jahrhunderts vermutlich eher eine
Wandpfeilerkirche. Diese Kirchen hätten sich seit dem Bau
von St. Michael in München (Weihe 1597) in den Regionen Oberbayern
und Schwaben als neue architektonische Form auch in ländlichen Gebieten
etabliert. Sie hätten unter anderem den Vorteil, dass die Wandpfeiler
Nischen ausbildeten, die Platz für Altäre bieten.
Die Kirche besaß die Innenmaßen
von 178 Fuß (= 52 Meter) Länge und 90 Fuß (=26
Meter) Breite (incl.Kreuzgang) und wohl 10 m Höhe.
21)
Sie war somit um 19 Meter länger und 4 Meter breiter als die Kirche
von 1629.
Die Kirche von Taxa war flächenmäßig sogar größer
als die Kirche im Kloster Indersdorf. Drei Eingänge führten
ins Innere, das vom Schmuck ungezählter Votivtafeln, die von der
Hilfe Marias in allen Nöten kündeten, prangte. "Wie ein
prächtig verzierter Tempel" wird sie von Zeitgenossen beschrieben.
Mitten in der Kirche lag die Mönchsgruft 21)
(ein Kreuz nördlich der heutigen Kapelle wies noch 1970 auf die Grabstelle
hin).
Altäre
Die Angaben über die Zahl der Altäre in der Kirche sind in den
alten Beschreibungen unterschiedlich. Zum einen wurden die Altäre
wohl erst nach und nach im Lauf der Zeit eingebaut, zum anderen wird oft
nicht von der ganzen Kirche, sondern nur von der Kreuzkirche mit oder
ohne Kapellen gesprochen. Wahrscheinlich ist der Aussage von Dr.Kaiser
zu folgen, nach der in der Kirche insgesamt 13 Altäre (!) standen.
Davon einer in der Chorkapelle, zwei am Chorbogen, acht im Kirchenschiff
und zwei in den Seitenkapellen.
Die Kirche hatte im Kirchenschiff
neben dem Hauptaltar (Altare
majus) mit dem Gnadenbild
also acht Seitenaltäre, von
denen heute noch zwei in der Pfarrkirche von Odelzhausen als Seitenaltäre
zu sehen sind.
Sie bestanden aus marmoriertem Holz "mit vergoldeten Zierraten".
Diese Altäre hatten (im Jahr 1738) folgende Patrozinien: 44)
auf der Evangelienseite (von
hinten aus gesehen links):
der Dreieinigkeitsaltar (Altare s. Trinitatis),
der Altar des Apostels Petrus (Altare s. Petri Apostoli),
der Altar des heiligen Augustinus und seiner Mutter Monika (Altares.
Augustini Episc. et s. Monicae vid.),
der Altar des Apostels Paulus (Altare s. Pauli Apostoli)
auf der Epistelseite (rechts):
der Altar des heiligen Nicolaus von Tolentino (Altare s. Nicolai
Tolentini),
der Altar der Heiligen Familie (Altare Jesu, Mariae, Joseph),
der Altar der heiligen Jungfrau Maria vom Berg Karmel oder Unserer
Lieben Frau auf dem Berge Karmel (Altare B.Mae Virginis de
monte
Carmelo),
der Altar der heiligen Jungfrau Maria vom Englischen Gruß
(Altare 13.mae Virginis ab Angelo salutatae)
Die Anordnung lässt
kein ikonologisches Konzept erkennen. Deshalb ist anzunehmen, dass
die Altäre nicht gleichzeitig, sondern im Laufe mehrerer Jahre
oder Jahrzehnte beschafft worden sind. Der sonst nur selten verehrte
Nikolaus von Tolentino verdankt die Ehre des Altars der Tatsache,
dass er, wie St.Augustinus, dem Orden der Augustiner-Eremiten angehörte.
Zudem wird er häufig mit einem Stern als Attribut dargestellt.
Die Weihe eines Altars zu Ehren der seligsten Jungfrau vom Berge Karmel
hängt mit der Einführung der Skapulierbruderschaft im Jahre
1645 zusammen. Die Mitglieder der Skapulierbruderschaften trugen unter
der Kleidung Skapuliere, d.s. zwei kleine Vierecke aus Stoff, die
mit Schnüren so verbunden sind, dass ein Viereck vorne an der
Brust, das andere am Rücken getragen wird. Seine Verbreitung
verdankt das Skapulier einer Verheißung der Jungfrau Maria.
Sie soll am 16.7.1251 dem Ordensgeneral der Karmeliten Simon Stock
verkündet haben, dass derjenige, der mit einem Skapulier bekleidet
sterbe, nicht das Feuer der Hölle erleiden müsse. |
Gnadenbild-1719
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In
der Klosterkirche befand sich wohl auch ein Bild des gegeißelten
Heilands. Denn im Jahr 1619 hatte der bayerische
(Ex-)Herzog Wilhelm V. (gest.1626) ein "mit eigener Hand gemaltes"
Bild der Geißelung Christi in die neu erbaute Gnadenkapelle Maria
Stern in Taxa gestiftet.27)
Nebenkapellen
Auch in den beiden Nebenkapellen standen Altäre, die von Graf Hundt
gestiftet worden waren (Hundt war auch der Finanzier der beiden Kapellenanbauten).
In der linken Kapelle stand der Altar zu Ehren der sieben Schmerzen
Mariens. Der Altarauszug zeigte St.Sebastian, das Altarblatt
die schmerzhafte Muttergottes. Assistenzfiguren waren St.Benno und St.Rochus.
Der Altar in der rechten Kapelle war Mariä Himmelfahrt geweiht.
Im Altarauszug war ein Bild von Johannes Evangelist sehen, im
Altargemälde die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Assistenzfiguren waren St.Karl Borromäus und St.Franziskus.
Auch auf diesen Altären standen wieder "geschnitzelte Engel
mit etlichen Waffen Christi". Diese Waffen Christi oder arma Christi
werden als Majestätssymbole verstanden, die an den Sieg Christi über
den Satan erinnern. Im 17.Jh. wurden die Arma Christi auch als Zeichen
der Überwindung der Reformation gesehen.
Orgel
Auf der Westseite der Kirche, über dem Eingang und dem Vorraum
befand sich eine Orgelempore (Musikchor). Erbauer der letzten Orgel,
die später nach Altomünster kam, war Johann Franz Michael König
(1723-1791) aus Ingolstadt. Der mit vergoldeten Schnitzereien verzierte
Orgelprospekt ist fünfteilig aufgebaut und besitzt hohe seitliche
Rundtürme mit zur Mitte abfallenden Zwischenfeldern. Sockel und Spieltisch
waren aus marmoriertem Holz gefertigt.
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Franz Michael König
wurde als Sohn des Orgelbauers Caspar König am 28. September
1717 in Ingolstadt in eine Orgelbauer-Dynastie hineingeboren. Der
Großvater Johann stammte aus Solothurn in der Schweiz und
war nach dem 30jährigen Krieg nach Ingolstadt gekommen, wo
er 1678 das Bürgerrecht
erhielt. Als Johann König am 15.10.1691 in Ingolstadt im Alter
von nur 52 Jahren starb, war sein Sohn Caspar, der Vater unsres
Franz König, noch nicht einmal 16 Jahre alt. Doch die Großmutter
führte den Betrieb weiter; so blieb die Werkstatt erhalten.
Caspar wurde einer der führenden Meister in Altbayern. Er starb
laut Sterbematrikel am 9. Juli 1765 kurz vor Vollendung seines 90.
Lebensjahres.
Da hatte der Sohn Franz Michael König schon lange die Werkstatt
übernommen (1750). Ab 1755/56 tragen die Orgelverträge
seinen Namen und seine Unterschrift. Franz König starb am 3.
November 1791 im Alter von 74 Jahren. Die Liste der Werke der Familie
König ist lang. Franz hatte schon 1758 in Straubing vermerkt,
dass sein Vater über 170 Orgeln gefertigt habe. Darunter sind
aber nur 50 neue Orgeln, der Rest waren Reparaturen und Umbauten.
Der Name König ist im Zusammenhang mit dem Orgelbau auch im
Westen Deutschlands gut bekannt. Der Onkel von Franz, Balthasar
König, ebenfalls Orgelbauer, zog 1711 nach Münstereifel
und gründete dort einen neuen Betrieb. Hermann Fischer und
Hans-Wolfgang Theobald schreiben dazu:
"Keine andere Orgelbauwerkstatt hat das nördliche Rheinland
im 18. Jahrhundert so geprägt, wie die Familie König in
Münstereifel und Köln. Trotz regionaler Überschneidungen
mit konkurrierenden Werkstätten in benachbarten Regionen, etwa
die der Familie Stumm in Sulzbach im Hunsrück oder die Familie
Kleine-Roetzel in Alpen im Bergischen Land, konnte die König-Werkstatt
zunächst von Münstereifel aus, später von Köln
aus wichtige Impulse für die Orgel geben und über die
Kurfürstentümer Trier und Köln hinaus wirken, über
Schüler sogar bis weit in die folgende Zeit."
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Kirchenbankwange
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Die Besucherbänke in
der Klosterkirche hatten -der Zeit entsprechend- kunstvolle Wangen
im Stil des Rokoko.
Erhalten sind zwei unterschiedliche Wangenformen. Leider wissen
wir nicht, wo die entsprechen-den Stühle gestanden sind. Aber
es wäre eine Unterteilung in die Gnadenkapelle und in das Kirchenschiff
denkbar. 27)
Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen
im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...
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Kirchenbankwange
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In der Nähe des Musikchores befand sich ein Oratorium. Es
war mit einem geschnitzten Kruzifix, einem Marienbild und einem Aufriss
der neuesten Kloster- und Kirchengebäude ausgestattet.
Krypta
45)
Unter der Kirche war eine Krypta für die Mönche und die
Hofmarksherren angelegt.
Begräbnisse in Taxa waren aber selten. Eigentlich sollten nur die
Ordensangehörigen hier bestattet werden. Diese wurden in der Krypta
unter der Mitte der Kirche beigesetzt. Man nahm an, dass sich Auswärtige
in der Kirche zu Taxa nicht gern begraben lassen. Denn: "Wer würde
sich letzten Endes wünschen, in unserer Kirche begraben zu werden,
denn sie steht inmitten einer Einöde und ist von Waldbäumen
umgeben" Dennoch gab es einige Interessenten: Hofmarksherren von
Odelzhausen wählten Taxa-"trotz aller anderweitiger Empfehlungen"-
als ihre letzte Ruhestätte. Das Beisetzen von weltlichen Personen
erforderte eine ausdrückliche Erlaubnis; zudem musste die Zeremonie
durch den Pfarrer von Sulzemoos vollzogen werden.
Beschreibung
der Gnadenkapelle
45), 12)
Östlich des Langhauses lag
die alte Gnadenkapelle, die nun auch Chorkapelle genannt wurde, weil sie
den Altarraum der neuen Wallfahrtskirche bildete. Sie war Ziel und Zentrum
der Wallfahrt. Hier wurde das Gnadenbild verehrt; hier stand der Tabernakel.
Die kostbare Ausstattung unterstrich den Stellenwert dieser Kapelle, die
mit dem Tempel Jerusalems verglichen wurde.
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Der
Grundriss des Altarraums/Gnadenkapelle wird teils als rund, teils
als sternförmig geschildert. Auf
alle Fälle handelte es sich um einen Zentralbau.
Dieser Bautyp wurde damals häufig gewählt, weil
weil man die idealste aller geometrischen Figuren, den Kreis, gerne
mit den idealen Eigenschaften der Muttergottes gleichgesetzt.
44)
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Grundriss
der Gnadenkapelle
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Der
Grundriss der Kapelle (siehe Bild links) ist aber auch für
Zentralbauten außergewöhnlich. Denn an den Seiten befanden
sich halbrunde Doppelnischen, an die sich ein enger, länglicher
Raum zum Gnadenaltar hin anschloss: von dort führte links eine
Türe in die Sakristei. Der
Altar nahm die ohnehin sehr schmale Ostwand in voller Breite
ein.
Die Verwendung einer Kapelle als Chorraum einer Kirche ist selten;
aber es gibt sie auch im Wallfahrtsort Altötting, der für
Taxa als Inspirationsquelle gedient haben dürfte. 45)
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Dem Patrozinium entsprechend waren die Platten des Marmorfußbodens
und fast alle Verzierungen sternförmig ausgebildet. Das
Erdgeschoss der Kapelle, sowie der Raum des Hochchores, wurden durch ebenfalls
sternförmige Fenster beleuchtet.
Das Mauerwerk der Kapelle ging oben höchstwahrscheinlich in eine Kuppel
über, die von außen einer Welschen Haube glich und von einem Patriarchenkreuz
auf der Spitze gekrönt war.
Zur Innenausstattung
äußerte sich Abraham a Sancta Clara überschwänglich:
"Das einwendige Gemäur wurde also mit
feiner Gips-Arbeit überzogen, daß es nicht weniger die Augen
als das Gemüth ergetze."
Die Wände waren also mit Stuck verziert; Fresken fehlten hier aber
ebenso wie im Kirchenschiff.
Für die neue Kapelle hatte der Bildhauer Hans Schütz
schon im Jahr 1619 drei Altäre erstellt. Für den Hauptaltar
schnitzte er eine Marienfigur auf dem Ei; eine sitzende Muttergottes,
die ein auf ihrem Schoß stehendes Jesuskind am Arm hält. Das
Kind hat seine Hand erhoben und streckt zwei Finger in die Höhe.
1630 schuf er -dann schon für die neue Kirche- Gesimsengel für
die Seitenaltäre.
12)
Eine kleine Chororgel begleitete
in späteren Jahren den Gesang der Mönche, wenn sie im Chorgestühl
ihr Morgen- und Abendlob sangen. Ein Kruzifix mit den gemalten Bildern
von Maria und Johannes, ein weiteres Marienbild, ein Gemälde von
Augustinus und seiner Mutter Monika und sieben Portraits von verstorbenen
Augustiner-Eremiten vervollständigten im Laufe der Jahre die Ausstattung
der Kapelle.
Den
Mittelpunkt bildete der kostbare, aus Gold und Silber gearbeitete
Gnadenaltar.
In einer alten Beschreibung heißt es:
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"Den
Altar in der anfangs erbauten ... Haubt und Chorkapellen, in
welchem ein geschnitztes unserer lieben Frauen Bild, das stehende
Christkindlein mit dem gerechten Arm haltend, auf jeder Seiten
ein stehender Engel und so alles mehrer thails mit Gold geziehrt
ist, hat machen und dazu in Anno 1619 gnädigst hergeben
lassen 100 Reichsthaller der durchläuchtigste Fürst
Wilhelm...". |
Auf der Altarmensa, dem Altartisch, stand der Tabernakel
für die Aufbewahrung des Allerheiligsten, darauf ein Aufsatz
aus vergoldetem Messing, der mit vielen silbernen Ornamenten geschmückt
war. Über dem Tabernakel war das von Herzog Wilhelm V. im Jahr
1619/1620 gestiftete Gnadenbild
42)
unserer lieben Frau vom Stern mit einem stehenden Jesusbild zu sehen.
Es war umgeben von einem Baldachin, dessen Vorhänge von je
einem Engel rechts und links gehalten wurde.
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Altar
in der Gnadenkapelle
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Bedrückend sind die Daten,
die wir aus dem Versteigerungsprotokoll von 1802 erfahren:
Dort wurde der Altar nach seinem Materialwert ausgeschrieben und
verkauft.
"Der Hochaltar von Goldschmiedearbeit von Kupfer, vergoldet
und mit vielen silbernen Ziehraten nach geschehener Abschätzung
-an Kupfer 294 Pfund à 1 Gulden,
-an Messing 14 Pfund à 34 Kreuzer,
-an Silber 46 Pfund à Loth 1 Gulden 11,5 Kreuzer,
zusammen 1758 Gulden und 54 Kreuzer".
|
Wallfahrtsseelsorge
42)
Die Wallfahrtsseelsorge
hatten in den ersten Jahren der zuständige Pfarrer von Sulzemoos
mit seinen Kaplänen und der Schlosskaplan von Odelzhausen übernommen.
Erst 1640 kam ein eigener Benefiziat in Taxa selbst dazu. Der immer größer
werdende Zustrom der Wallfahrer aus 60 bis 80 Ortschaften des westlichen
Oberbayerns erforderte jedoch eine dauerhafte Betreuung mit Predigern,
Beichtvätern und Celebranten für die Votiv- oder Stiftungsmessen.
1645 sollen 5000 Kommunikanten gezählt worden sein. Es war Beccaria,
der Nachfolger des Klosterstifters Hundt, und ebenfalls ein großer
Förderer der Wallfahrt, der die Idee hatte, ein Bettelordenskloster
mit der Wallfahrt zu betrauen. Er begründete dies damit, dass dieser
Orden nicht von festen Jahreseinkommen, sondern von Opferstock- und Wachsspenden
lebe. 1644 seien alles in allem über 1500 Gulden Spenden zusammengekommen.
1646 interessierte sich das Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf
unter Propst Martin Riegg (1640-1662) für die Wallfahrts-betreuung.
Der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) sprach
sich aber dagegen aus: zum einen weil Kriegszeit war, zum anderen, weil
in Taxa 900 Gulden Bauschulden vorhanden waren und er der Wallfahrt keine
lange Lebenszeit zutraute. Ihm zufolge war der Ort allzu abgelegen und
ungesund, darüber hinaus habe der sumpfige Boden keine stabile Basis
für einen Bau. 45)
Auch eine Bewerbung des kontemplativen Klosters Altomünster
wurde vom Bischof abgelehnt, weil die Wallfahrtsbetreuung mit den Regeln
der hl.Birgitta nur schwer vereinbar sei. Immerhin erfahren wird aus den
Verhandlungen den Grundbesitz der Wallfahrtskirche Taxa: Der Hofmarksherr
Beccaria bot dem Erwerber der Seelsorge den Platz und Umgriff für
den Bau eines Klosters, dazu den großen Baumgarten im Süden,
einen Fischkalter im Norden, 80 Jauchert Ackerboden vom Schlosshofbau
und 20 Tagwerk zwei- und einmahdige Wiesen für insgesamt 10.000 Gulden
an. Die Flächen waren durch Grenzsäulchen und einen hohen Zaun
abgesteckt.
Nun sollte
eigentlich der Weg frei sein für die von Beccaria favorisierten
Reform-Augustiner. Doch da dieser neue Augustiner-Zweig in Kurbayern
mit keinem Kloster vertreten war, verweigerte der Fürstbischof auch
für diese Lösung seine Zustimmung. Beccaria musste warten, bis
Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh im Jahr 1651 starb. Erst der neue
Fürstbischof, der Wittelsbacher Albrecht Sigmund von Bayern (1651-1685),
stimmte zu.
Eine große Fürsprecherin des Ordens war die Kurfürstin
Anna Maria (1610-1665). Sie war eine Tochter von Kaiser Ferdinand II.
und Schwester von Kaiser Ferdinand III. Sie kannte die Augustiner-Barfüßer
aus Wien, wo sich der Sitz der österreichischen Ordensprovinz befand.
Sie begab sich zusammen mit ihren Söhnen Ferdinand Maria und Maximilian
am 16. Mai 1653 nach Taxa, wo sie mit den Augustinerbrüdern und ersten
Wallfahrtsseelsorgern, Cherubin a S. Catharina und Christophorus a S.
Michael, zusammentraf. Zwischen dem neu inthronisierten Bischof von Freising,
Albrecht Sigismund von Bayern, und der Kurfürstin herrschte Übereinstimmung
hinsichtlich der Errichtung eines eigenen Augustinerklosters in Taxa.
45)
Die Mönche
wurden von der Umgebung gut angenommen. Das
lag wohl auch daran, weil die meisten aus der nahen oder sogar nächsten
Umgebung von Taxa kamen. Pater Pater Serenus a S. Guilelmo, wohl der erste
Prior zu Taxa, schrieb:
| |
"Ich
erinnere mich keines Klosters, das in seinen Anfängen so vielen Beistand
und Vorteil gefunden hätte, wie wir hier (...). Denn wir haben ein
Haus, wo wir wohnen, was, wenn nötig ist, vorerst völlig ausreicht,
wir haben die nötigen Möbel und sind ausreichend mit allem erforderlichen
versorgt: mit Wein, Fleisch, Fisch, die uns alle direkt bis in die
Küche gebracht werden, Brot, Butter und Eier kaufen wir nie ... 45) |
Die Kleidung der Mönche bestand
aus einem schwarzen Habit mit Ledergürtel und einem großen
Schulterkragen mit Kapuze.
Der Orden wirkte in Taxa erfolgreich von 1654 bis 1802.
Dieser strenge Orden war
nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) als eine Reformkongregation
der Augustinereremiten entstanden. Taxa war die einzige Niederlassung
des Ordens in Bayern; er wurde in den 148 Jahren seines Bestehens aus
Wien betreut, gehörte aber wohl nicht mehr der österreichischen
Ordensprovinz an.
Denn, so Tomas
Repa in seinem Aufsatz 45),
mit der Gründung des Augustiner-Barfüßer-Konvents in Taxa
zwischen Augsburg und München verdichtete sich zusammen mit dem Kloster
St. Johann bei Herberstein in der Steiermark (gegründet 1654) und
dem Konvent in Graz (gegründet 1655) das bestehende mitteleuropäische
Netz der Augustinerklöster, was dazu führte, dass man diese
Konvente der neu entstandenen deutsch-böhmischen Provinz unterstellte.
Diese neue Provinz wurde durch
die Bulle von Papst Alexander III. am 27. März 1656 eingerichtet.
Der Provinzial hatte aber seinen Sitz in Wien, wodurch der Status des
Hauses Habsburg als des wichtigsten Gönners dieses Ordens bekräftigt
wurde.
Nicht nur die künstlerischen Beziehungen zwischen Prag und Taxa veranschaulichen,
dass die Konvente von der Gründung an eng verbunden waren. Die Zusammenarbeit
bestand aber auch 150 Jahre später, als die Ordensbrüder im Rahmen der
Säkularisation gezwungen wurden, Taxa zu verlassen. Denn sie fanden in
den Klöstern in Wien, Graz und im mährischen Fratting (Vratenin) Zuflucht.
45)
Klosterbau
ab 1654
Am 5.Mai 1654
übergab nun Bischof Albert Sigmund (1652-1685) die Wallfahrt an die
Augustiner-Barfüßer.
Zunächst gab es aber noch keine Klostergebäude. Deshalb wurden
die Gebäude, die östlich
der Kapelle standen und bisher
dem Wallfahrtsbetrieb gedient
hatten, in
eine provisorische Unterkunft für die Klosterangehörigen
umfunktioniert. Das Wallfahrtshaus wurde zum Ordenshaus. In anderen Gebäudeteilen
richtete man ein
Refektorium, eine Küche und in der nordöstlichen Ecke ein Bad
ein. Den Schluss bildeten sechs Mönchszellen mit 8 Bewohnern; 3 weitere
Brüder wohnten unter dem Dach.
Schon in den ersten Jahren gab es auch Differenzen unter den Mönchen.
So klagte der erste Prior Serenus, sein Vertreter Pater Benedikt, dem
er die Wirtschaftsführung während seiner Abwesenheit übertragen
hatte, habe schlecht gewirtschaftet. Nun fehle das Geld für die Errichtung
einer Bierbrauerei. Die Ordensbrüder hätten das Getränk
sehr billig selbst herstellen können und nicht ankaufen müssen.
Das Getreide hätten sie sicher von den Bauern der Umgebung umsonst
bekommen.
Sechs Jahre später,
im Jahr 1660, legte Johannes Franziscus Graf von Preysing zu Weikertshofen
in Vertretung des Kurfürsten den Grundstein zum Klosterbau.
Der bestand nach seiner Fertigstellung aus vier Trakten und einem Kreuzhof.
Auf allen Ansichten überragen die Türme und der Dachfirst der
Kirche die übrigen Klostergebäude. Die Kirche blieb damit das
dominante Gebäude im Gesamtkomplex.
Die Klostergebäude der 1660er Jahre beschreibt Tomas Repa 45)
so:
| |
"Das Kloster
wurde südlich der Kirche um einen Innenhof (claustri hortulus) errichtet...
Die Mönchszellen findet man zu sechs im ersten Stock des Westflügels
und zu sieben im ersten Stock des Südtraktes. Die entferntere Ostseite
nahm im Norden eine Vorhalle ein, von wo aus man das Refektorium
mit den Ausmaßen 6 x 10 Meter (22 x 32 Wiener Fuß)" und die benachbarte
Speisekammer betrat.
In der südöstlichen Ecke des Obergeschosses befand sich eine Bibliothek,
wohin ein nicht genanntes Mitglied der alten Augsburger Familie
Fugger im Jahre 1667 seine bibliothecam vermachte. Neben diesem
Raum wurde eine Zelle erbaut, die aus dem Gang (communitas) erschlossen
wurde. Auf der anderen Seite des Ganges hatten sechs Ordensbrüder
ihre Zellen mit Fenstern in den Innenhof. Aus der Südecke des Ostflügels
trat der Baukörper des Rekreationsraumes (locus recre) heraus. Über
dieser Einrichtung wurde im ersten Stock das Krankenzimmer situiert.
Die Speisekammer und die Küche befanden sich nördlich im entsprechenden
Vorbau, über ihnen ist ein weiterer Gang (communitates) zu finden.
Die regelmäßige Einteilung des Kreuzgangs in jeweils fünf Fensterachsen
zu jeder Seite wurde im Süden und Norden durch zwei Portale gestört,
die in den Innenhof führten."
|
Anlässlich der Vollendung der Klosteranlage (Bauzeit 1660-1672)
gab der Prior einen Stich in Auftrag, den er -wie in der unteren
Kartusche des Bildes vermerkt- dem Kurfürsten Ferdinand Maria (reg.1651-1679)
und seiner Mutter Maria Anna (1610-1665) widmete. Über der Klosteranlage
schwebt die Muttergottes von Taxa, flankiert von Engeln, die verschiedene
Wappen der Wittelsbacher in ihren Händen halten. Südlich der
Kirche erstrecken sich die zweistöckigen Konventsgebäude und
der geometrisch angelegte barocke Klostergarten. Im Hintergrund sind Ort
und Kirche wohl von Roßbach zu sehen. Im Vordergrund kommen eine
Postkutsche und ein Leiterwagen vor einer Wallfahrergruppe beim Kloster
an.

Erste Klosterkirche mit Konventsgebäuden nach dem Stand von
1672
(Vergrößerung per Mouseklick)
|
Die
Kirche von 1629 war etwa 22 Meter breit und etwa 35 Meter lang,
einschließlich der Sakristei.
Die
im Geviert errichteten 2-stöckigen Konventsgebäude
waren etwa 32 Meter breit und 41 Meter lang. Rechnet man die beiden
östlichen Anbauten dazu, waren sie um mehr als 10 Meter länger.
Die Gesamtlänge des Klosterareals einschließlich des
Gartens betrug etwa
130 Meter.
Neben der Bibliothek
und einem Konzertsaal standen 30 Mönchszellen und 10 Gästezimmer
(eines davon das Bischofszimmer) zur Verfügung. Der Ostgarten
war 1 1/2 Tagwerk groß.
|
Zum Immobilienbesitz gehörten 183 Tagwerk (61 ha) Wald, 2 Fischweiher
und ein Bauernhof in Miegersbach. Für diesen Bauernhof mussten alljährlich
5 hl.Messen für den Stifter Ambrosius Wagner, Hofkammerrat aus München
gelesen werden. Dazu kamen Zehentrechte, Gilten und Kapitalien in Höhe
von fast 20.000 Gulden.
Gartenanlage
Auch über die Grünanlagen des Klosters weiß Tomas Repa
45)
aus den Plänen
zu berichten.
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"Östlich
hinter dem Kreuzgang wurde ein Obstgarten (pomarium) angelegt, dem
ein umzäunter Küchengarten mit den Ausmaßen von etwa
38 x 38 Meter folgte. Die Funktion dieses Gartens ist direkt im Plan
als hortulis pro culina definiert. Der quadratische Grundriss wurde
in der Mitte durch einen Stern aus Blumen ergänzt. Die nordöstliche
Ecke des Areals nahm ein nicht bebautes Feld ein. Im Plan fehlen die
vier Eckpavillons, die den Garten auf dem grafischen Blatt von Wening
aus dem Jahre 1672 (s.o.) umgrenzten. Der Garten war mit einem Zaun
umgeben, der ihn von den Klostergebäuden abgrenzte." Dieser Zustand
wurde auch nach dem Jahre 1759 nicht geändert, als der Prior
erfolglos die Erweiterung des Gartens forderte." |
Prediger
Abraham a Santa Clara
Von 1670 bis 1672 war hier
Abraham a Santa Clara als volkstümlicher und wortgewaltiger Kanzelprediger
tätig. Er war vom Stammkloster der Augustiner-Barfüßer
in Wien gesandt worden, weil aus Taxa "Ungereimtheiten und Schlampereien"
gemeldet worden waren. Seine originelle und bilderreiche Sprache machte
ihn weithin berühmt. Er schrieb, allerdings lange Zeit nach seiner
Zeit in Taxa, in den Jahren 1683/1685 in Graz die Wallfahrtsgeschichte
nieder und veröffentlichte sie in seinem Buch mit dem ausführlichen
Titel:
"Gack, Gack, Gack, Gack a Ga. Einer wunderseltzamen
Henne in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist eine ausführliche und
umbständliche Beschreibung der berühmbten
Wallfahrt Maria Stern in Taxa".
Die Einzelheiten dazu will er von dem Verwalter Schädl von Odelzhausen
erfahren haben, der das Wunder-Ei gefunden hatte.
Mehr über Abraham a Santa Clara erfahren Sie hier...
Taxa im 18.Jahrhundert
Im Spanischen Erbfolgekrieg
(1701-1714) wurde Taxa schwer heimgesucht. Die Mönche waren unter
Mitnahme des wertvollsten Kirchengeräts vor den heranrückenden
Österreichern und Engländern in die Landeshauptstadt München
geflohen. Ein Pater und mehrere Brüder, die zurückgeblieben
waren, mussten entsetzt mit ansehen, wie die siegestrunkenen Soldaten
Schränke und Truhen durchwühlten und alles, was ihnen brauchbar
erschien, raubten; das Übrige zerstörten sie mutwillig. Selbst
alle Glocken wurden von den Türmen heruntergeholt und als Beute fortgeschleppt.
Die Bitte des Priors an den Kaiser um finanzielle Beihilfe zu einem neuen
Geläute blieb unerfüllt, da der lange andauernde Krieg auch
die Staatskassen geleert hatte.
13)
Altarweihe
1715 09)
Kurz nach dem
Spanischen Erbfolgekrieg ist die Weihe eines Altars überliefert. Am
13. Oktober 1715 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach
Taxa und weihte den neuen Altar in der Kirche.
Zugleich spendete er 405 (!) Kindern das Sakrament der Firmung, die sicher
auch aus weit entfernten Dörfern hierher kamen.
Der kunstsinnige Bischof (mit Sommersitz in Hof bei Eisenhofen) regierte
sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen
selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit
von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Taxa, Palsweis, Ebertshausen,
Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre
und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.
Im Österreichischen Erbfolgekrieg
1741-45 (Pandurenkrieg) "ist weder dem Kloster noch der Kirche einiges
Leid den ganzen Krieg hindurch zugefügt worden" schrieb der
Chronist in Taxa. Aber dem Land brachte der Krieg erneut unsägliches
Leid und Elend. Unter anderem verlobte sich die ehrsame Gemein von Hattenhofen
(Lkr. Fürstenfeldbruck) mit einem Kreuzgang nach Taxa, "so ihnen
das Vieh, wie anderer Orthen geschehen, nit solte geraubt werden, welcher
Gnad sie auch gewürdiget worden".
13)
Wallfahrt
13)
Taxa war am Anfang eine kleine Wallfahrt.
Von 1642 bis 1654 gab es durchschnittlich 3145 Kommunikanten und 840 gestiftete
Mes-sen im Jahr. Wie oben schon erwähnt, war zunächst geplant,
die Wallfahrtsbetreuung dem Stift Indersdorf oder dem Kloster Altomünster
zu übergeben. Doch der Bischof lehnte beide Male ab. Der Fürstbischof
Veit Adam von Gepeckh
(1618-1651) glaubte nicht an einen längeren Bestand der Taxaer Wallfahrt
und war deshalb ein erklärter Gegner des Klosterbaus. Erst nach seinem
Tod 1651 war es möglich, die Wallfahrtsseelsorge den Augustinerbarfüßern
aus Wien zu übertragen. Unterstützer dieses Ordens waren Kaiser
Ferdinand in Wien sowie der Bayerische Kurfürst und dessen aus Wien
stammende Gattin.
Als
die Barfüßer 1654 die Wallfahrtsbetreuung übernahmen,
entwickelte sich Taxa rasant. Schon im Jahr 1654 erbrachten die Opferstockeinlagen
800 Gulden. In den ersten 5 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Kommunikanten
auf 7962. Die Zahl der jährlichen Messstiftungen stieg auf 1845.
30),
45)
Der erste
.Prior der Klostergemeinschaft Pater Serenus a.S.Guilelmo beschrieb um
1655 die damalige Frömmigkeit der Bevölkerung wie folgt:
"Riesiger Zusammenlauf von Leuten, so viele
Prozessionen wie zur Jungfrau Maria in Altötting, wenn nicht mehr. An
jedem
marianischen Fest kommen bis zu vier
tausend Pilger, es fielen jeweils über siebzig Gulden in die Kirchenkasse."
Die Päpste Gregor XV. (1621
bis 1623), Urban VIII. (1623 bis 1644) und Clemens IX. (1667 bis 1669)
statteten die Kirche mit speziellen Ablässen aus, was den Zulauf
noch weiter steigerte. Die Mirakelbücher, die Aufzeichnungen der
Wunderheilungen, füllten sich. Pro Jahr wurden über 40 Wunder
aufgezeichnet. Hilfe erhielten die Wallfahrer vor allem bei Frauenleiden,
Fieber und Geburtsnöten. Mehr zu den Mirakelbüchern finden
Sie hier...

Wening-Stich-1672
|
1665 kamen sogar der
Kurfürst Ferdinand Maria mit Gattin nach Taxa, um die
Gottesmutter um Hilfe anzuflehen. Die Kurfürstin Adelheid stiftete
ein Kleid für das Gnadenbild, "ainen khöstlichen
schönen Rockh und anderes" heißt es. Auch andere
Gläubige spendeten Kleidungsstücke für die Muttergottes-Statue.
1802, bei der Kloster-auflösung, waren 12 Gewänder vorhanden.
Aber nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Ortschaften pilgerten
zur Abwendung von Notständen, Misswuchs, Hungersnot und Seuchen
von Mensch und Tier nach Taxa, das im 18.Jh neben Altötting
und Tuntenhausen zu den drei bedeutendsten Marienwallfahrten in
Oberbayern gehörte.
Im 18.Jh wallfahrteten bis
zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa; dies war nicht zuletzt
auf die oben erwähnte Schrift Abraham a Santa Claras zurückzuführen.
Im Sommer erreichten drei bis vier Prozessionen pro Tag diesen Ort.
45)
Aus dem Pilgerstrom erwuchs auch ein Geldstrom. Bis zu 24 Mönche
lebten und wirkten hier in Taxa. Die Pilger versprachen sich von
der Wallfahrt Heilung von Krankheit oder Schutz für Haus und
Hof.
|
Der Prediger Pater Abraham a Santa Clara (s.o), der
von 1670 bis 1672 am Kloster Taxa als Prediger tätig war, schilderte
die Kreuzgänge der umliegenden "Städt, Märckt und Dorffschaften"
in seiner direkten Art so:
| |
"Die
volckreichen Chreuzgäng besuchen den Ort so flaissig, daß
schier kein Wunder wäre, daß die Glocken zu Taxa müßten
vom vielem Einläuten (= beim Einzug der Kreuzgänger)
haisser und stimmlos werden. Den Prozessionen werden eine und öffters
mehrer(e) fliegende Fahnen voran getragen, an einer sehr hohen Stangen,
daß sich selbige obenher wie ein Bogen pflegt zu biegen. Denn
in dieser Gegend ist (es) bereits ein veste (feste) Gewohnheit,
daß gleichsam ein Pfarrer dem andern in der Höhe der Fahnenstangen
es will bevorthun." (= jeder möchte die höchste
Fahne haben). |
|
Taxa soll, so meinen Historiker,
noch vor Altötting die größte Marienwallfahrt Bayerns
gewesen sein, andere sprechen von der drittgrößten Wallfahrt
nach Altötting und Tuntenhausen 33).
Vielleicht sprechen beide Gruppen von verschiedenen Zeiten
Hans Graßl schrieb 1977 in seinem Buch "Unbekanntes Bayern":
"Die Wallfahrt
in Taxa war über den Petersberg und Altomünster hinaus
das
eigentliche
geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich der Ort, an
dem
sich das bäuerliche und monastische Leben am innigsten berührten".
Die frühere Bedeutung von Taxa zeigt sich auch daran, dass
Taxa im Bilderzyklus der bayerischen Marienwallfahrtsstätten
in der Bürgersaalkirche
in München (als Daxa) vertreten ist (siehe Bild rechts). Das
3,30 m breite und 0,72 cm hohe Bild mit dem Schloss Odelzhausen
und dem Kloster Taxa wurde vom Landschaftsmaler Franz Joachim
Beich (1665-1748) um 1720/30 gemalt. Stifter des Gemäldes
war der seit 1720 im nahen Schloss Weyhern residierende Johann Baptist
von Ruffin(i). 39)
mehr zum Maler Franz Joachim Beich...
|
Taxakirche-
Gemälde in der Bürgersaalkirche Mch
von Franz Beich um 1720
|
Mirakelbücher
Das erste Taxaer Mirakelbuch (Aufzeichnungen
der Gebetserhörungen/Wunder) wurde von Pfarrer Strohmayr aus Sulzemoos
angelegt, nachdem er im Jahr 1640 vom Bischof dazu aufgefordert worden
war ("die alldort sich begebende Miracul in ein absonderliches Büchl
zu beschreiben"). Die Aufzeichnungen beginnen mit dem 1.1.1642 und
erstrecken sich bis zum 7. Mai 1654, dem Tag, an dem die Augustiner-Eremiten
aus Wien die Wallfahrtsseelsorge übernahmen. Diese legten ein zweites
Mirakelbuch an, das den Hundert-Jahre-Zeitraum von 1654 bis 1754 abdeckte.
Es enthält 4.318 Eintragungen aus 682 Orten. Auch eine Liste der
Opfergaben ist darin zu finden. 45)
Beide Mirakelbücher werden heute in der Bayerischen Staatsbibliothek
aufbewahrt. Ein drittes, zeitlich sich anschließendes Mirakelbuch
dürfte in den Wirren der Säkularisation 1802 verloren gegangen
sein. Der Historiker und Brauchtumsforscher Robert Böck hat in seinem
Aufsatz "Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern
in Taxa" (siehe Quellen) die Stiftungs-eintragungen in die Mirakelbücher,
die ich hier nur auszugsweise und zusammenfassend wiedergebe, ausführlich
dargestellt:
Gebetserhörungen
Im Hauptteil des Mirakelbuchs sind die Gebetserhörungen aufgeführt.
So sind die Schicksale einiger Wallfahrern der Nachwelt überliefert.
Die meisten kamen wegen akuter oder überstandener Krankheiten, Gefahren
und Schäden aller Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal
ist von einer Hühnerkrankheit die Rede. Auch wegen vermeintlichen
Stallzaubers, wodurch die Kühe keine Milch oder Blut statt Milch
gaben oder die Bäuerin nicht ausrühren (= Butter herstellen)
konnte, suchte man Hilfe in Taxa und fand sie in dort geweihten Rosenkränzen,
Druidenschriftgürteln, Hexenrauch oder dem geweihten Skapulier, das
die Mitglieder der Erzbruderschaft um den Hals trugen.
So zählen Franz Keiner in der Chronik von Odelzhausen und Robert
Böck 13)
im o.a. Aufsatz folgende Einzelfälle
auf:
| 1632
|
Als
die Schweden ihre Pferde in der Wallfahrtskirche unterstellen wollten,
verspürten sie einen unsichtbaren Widerstand,
so daß sie trotz vielen Schlägen und starkem Ziehen die
Rösser nicht über die Schwelle bringen konnten. |
|
|
Ein
schwedischer Soldat raubte dem Gnadenbild einen geopferten Ring, steckte
ihn an den Finger und ritt davon. Bald
aber schwollen seine Hand und sein Arm so stark an und schmerzten
ihn so sehr, daß er den gestohlenen Ring schleunigst
wieder vom Finger zog und einem auf dem Feld arbeitenden Bauern übergab,
mit dem Befehl, ihn der Muttergottes von
Taxa zurückzubringen. |
| 1643 |
Maria
Martini aus Pfaffenhofen/Ilm opferte einen viereckigen Taler
mit blauseidenem Band ["viereggeten Taler an einem blawseidenen
pant."] |
| |
1643
ist Jacob Strobl von Niederroth 4 Wochen seines verstandts
beraubt gewest, daß er der Zeit stets an Khetten gelegen; ist
ihm in dieser betriebnuß (= Betrübnis) Vnser L.
Fraw alda fürkommen (= erschienen)".
Derartige Erscheinungen des Gnadenbildes, das die Kranken im Traum
zur Wallfahrt nach Taxa anhielt, werden mehrfach erwähnt.
|
| 1644 |
Als
Apollonia Widtmann von Prittriching in Gefahr war, durch die
Schweden ihre Unschuld zu verlieren, rief sie Maria zu
Hilfe und gelobt eine Messe in Taxa. Da wurden die Reitersoldaten
so verblendet, dass sie die Apollonia nicht mehr sahen, sie nicht
gefunden haben und sie nicht verletzen konnten. [".. schreyt
sie Unser lieben Frawen alda zu, verlobt ein hl. Mesß her. Da
seindt die reitter also verblendt worden, daß sie sie weder
gsehen noch funden noch verletzt haben".] |
| 1646 |
1646 fand Brigitta Binderin von Rain am Lech, die an einem
offenen Fuß litt, Heilung, nachdem sie sich beym bronnen (Brunnen
im Kloster) alda" gewaschen hatte. |
| 1645 |
Als feindliche Soldaten in
Unterumbach brennende Fackeln in die Strohdächer der
Häuser stießen, einige Häuser nieder-brannten und
der strohgedeckte Stadel der Apollonia Riepl zu brennen begann,
rief sie Maria Stern an, worauf das Feuer erlosch.
["...durch die feindts soldaten feur zu Underumbach eingestossen
worden, etlich first vnd heußer niederbrunnen", und der strohgedeckte
Stadel...." ]
|
| 1646 |
Vor
acht Jahren grassierte in Salzburg ein halbes Jahr die Pest und raffte
hunderte Menschen dahin. Damals war die Tochter der Indersdorfer
Färberin Maria Hueber wegen des 30jährigen Kriegs mit ihren
Kindern nach Salzburg geflohen. Die Mutter sorgte sich um Tochter
und Enkel und riet ihnen, sich der Muttergottes in Taxa zu verloben
und eine Messe und eine Geldspende mitzubringen. Die Tochten und Enkel
haben überlebt, obwohl alle Leute in den Nachbarhäusern
an der Pest verstorben sind.
[Originaltext: "Unterm 10. Juli 1646 wird vermerkt: "Alß
vngefehr vor 8 Jahren zu Salzburg die Pest zimlich starckh graßirt,
vnd vill 100 menschen dran gstorben, ein halb Jahr lang dise laidige
sucht continuirt, war eben zu selbiger Zeit Maria Hueberin, (der)
Färberin zu Inderstorff Tochter, mit ihren khündern in benannter
Statt bey einen schwarzfärber namens Paul Hagenbuecher, noch
wegen wehrender khriegsläuff in Bayrn, in der flucht, wie nun
die sorgfältige Muetter Maria Hueberin die gfahr des Sterblauffs
erfahren, lasst sie ihrer ersagten Tochter durch Potschafft tröstlich
zusprechen, sie solle andechtig die hl. Muetter Gottes alda beym Stern
vmb hilff vnd erhaltung ihrer vnd der khinder Gesundheit anrueffen,
auf welches vernemmen die Tochter ein hl. Mesß neben einem opfer
in stockh alhero versprochen, dahero sie samt ihren khindern vnversehrt
vnd gsundt, wiewol an beeden seithen die heuser außgestorben,
davon khommen."] |
| 1647 |
standen Apollonia Hueberin und Maria Heiglin von Einsbach in
Gfahr der Soldaten - ein Verlöbnis rettete sie |
| |
Melchior
Berckhmayr aus Giggenhausen verlobte eine Messe nach Taxa,
weil er "vor einem Jahr in einfallung des feindts zu Freysing
in Gfahr seines Lebens gestanden, (und) die khugl vor vnd hinder
ihm fürgeschossen" sind. |
| |
Elisabeth
Trescherin von Rain am Lech versprach 1 Pfund Wachs, als
bei einer Belagerung die feindlichen Truppen Feuer in die Stadt
schleuderten und ganz in der Nähe ihres Hauses eine Feuersbrunst
entstand.
["... versprach 1 Pfund Wachs, alß in belegerung des
feindtß mit feur einwerffung vill brunsten außkhommen,
auch zu negst an ihrem hauß..."]
Aus
gleichem Anlaß wie Elisabeth Trescherin verlobte der dortige
Weißgerber Hans Lang, ein metallenes Creuzl auf die Spanisch
Art (= Caravaca-Kreuz). Er versprach 3 Kreuzer in den (=Opfer-)Stock
sambt einem facilet (= Tüchlein)".
|
| |
Andreas
Wagner von Asbach, der von den Soldaten so sehr erschreckt
wurde, daß er gantz corrupt vnd von seinem verstandt kommen
war", verlobte sein rotes Wollhemd mit der Bedingung, daß aus
dem Verkaufserlös eine Messe in Taxa gelesen würde. |
| |
Anna
Trittenpreißin von Kühnhausen bei Kranzberg versprach
einen Taler in den Opferstock, als ihr Mann Martin mit Pferd und Wagen
von den Soldaten gefangen genommen wurde und sie ihm drohten und Anzeichen
machten, ihn zu erschießen.
[" .... mit pfert vnd wagen von reüttern erdappet worden
mit troung vnd zuckhung der pixen ihme zuverschießen", worauf
er ohne Schaden davonkam."] |
| 1650 |
Die
Bräuin Maria Hörmann (heute Kapplerbräu) stiftete am 18. Februar 1650
einen Rosenkranz aus Korallen mit anhängendem Silberkruzifix im Rahmen
des Bittgangs von Altomünster nach Taxa wegen des (vor
dem 30jährigen Krieg) in Altomünster aufgefundenen und nach
Taxa überführten Stern-Eis
42)
|
| |
am 19. August 1650 schenkte Birgittenpater Alto Grindler aus Altomünster
dem Kloster ein wächsernes Agnus (=Lammfigur). 42)
|
| 1666 |
Am
14 Juni 1666 kam die Gemein von Dachau wegen ihren krancken
Vieh, welches sehr umgestanden ist, mit einer Kirchfahrt vnd (einem)
Creutzgang nach Taxa. Dachau hatte in diesem Jahr so sehr an der Ybergail
(= Rinderpest) gelitten, daß man solches (Rinder) gantz
eingraben muessen.
Eine Häufung derartiger Verlöbnisse fällt im Landgericht
Dachau in den Jahren 1690 1707/08, 1736 und 1746 besonders auf. Aber
auch bei Erkrankung einzelner Pferde und Rinder nahmen die Bauern
ihre Zuflucht zu Maria Stern. |
| 1680 |
Wegen
der Pestgefahr nachmen Gläubige aus dem Landgericht Aichach sowie
der in Wien als Maurer arbeitende Matthias Portenhauser aus München.
|
| 1683 |
Johannes Chrysostomus
Rieger aus Altomünster war im Türkenkrieg gefangen
genommen worden. Er verlobte sich an
Unsere Liebe Frau von Taxa und war sieben Wochen später wieder
frei. |
| 1686 |
Matthias Hütt
von Odelzhausen wurde von seinem Pferd so sehr getreten, dass
eine keine Hoffnung auf Genesung mehr
hatte. Er verlobte sich an die Muttergottes von Taxa mit einer hl.Messe,
Beichte und Kommunion und erlangte seine
völlige Gesundheit wieder. |
| 1692 |
Sebastian Piettinger
aus Essenbach besaß ein krankes Ross, das er schon für
verlohrn hielt. Er verlobte sich hierher,
spendete zwei Kreuzer in den Opferstock und betete einen Rosenkranz.
Da hat "das Ross angfangen zu essen und ist
wiederum gesund geworden". |
| 1695 |
Wegen
der Pestgefahr nahm eine Person aus Biberbach im Landgericht
Dachau, ihre Zuflucht nach Taxa zu Maria Stern.
Sie wurde durch die Fürbitte Mariens von der Seuche bewahrt
und ließ dies in das Mirakelbuch von Taxa eintragen.
|
| 1701-14 |
Auch
unter dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) hatte die Bevölkerung
des Dachauer Landes schwer zu leiden. Aus Sicherheitsgründen
hatte man das Gnadenbild Maria Stern nach München verbracht,
wo es,in der Flucht" verehrt und von Wallfahrern besucht wurde.
Während dieses Kriegs wurden Bittflehende in folgenden Notsituationen
erhört:
|
| 1705 |
Mathias
Mall von Weitenried war von den Husaren gefangengenommen und
verschleppt worden. |
|
Auch
den Georg Sedlmayr von Roßbach hatten die Husaren entführt,
mitsamt Pferd und Wagen. |
|
Soldaten
raubten Catherina Kiermayrin von Sittenbach ihre einzige Kuh.
|
|
Catharina
Bernhartin aus Egenburg wurde von Soldaten mit einem Strick
gedrosselt, "dass ihr die Augen zum Kopf
herausfallen möchten" |
|
eine Frau aus Egenhofen
dankte, weil ihr Haus von einer Feuersbrunst verschont blieb, obwohl
ringsum alles brannte. |
|
ein
Mann/Soldat geriet in einen Kanonenbeschuss, bückte sich zufällig
und die Kugel tötete den Reiter hinter ihm. |
| 1709 |
Als
1709 im Hause der Catharina Weinmayrin zu Lochhausen, ein Feuer
entstand, hat sie "von ihrem Kind das geweyhte Scapulir - das
Kind ware kurtz vorhin allhier in diese Bruderschafft einverleibt
worden- genohmen, und in das Feuer geworffen; ist alsobald das Feuer
erloschen, und das Hl. Scapulir unverletzt wiederum gefunden worden". |
| 1723 |
Gregor Strixner von Kalterbach versprach für sein blindes
Pferd ein hl. Messe und ein Geldopfer, "auch solches Pferd zu
der Bruderschaft-Procession zum Herumreiten zu schicken, worauf das
Pferd an beyden Augen sehend worden", |
| 1727 |
1727 gelobt Anton Seitz von Gagers, daß er sein krankes
Pferd, so selbes solte darvon kommen, in künfftigem grossen Umbgang
(der Skapulier- oder Erzbruderschaft Maria vom Trost) wolte
mitreiten lassen". |
| 1731 |
Florian
Hicker von Kleinberghofen verlobte sich 1731 wegen 'Ohrenfluß
mit einem Wax-Licht um den Kopf '.
Ähnliche Verlöbnisse finden sich auch bei Stumm- und Taubheit.
Nach dem Gebet in der Wallfahrtskirche nahm man das Kränzchen
oder Bindl ab und legte es auf den Gnadenaltar oder zu den übrigen
Opfergaben. |
| 1736 |
Es
verlobte sich (=gelobte) Georg Fridl aus Hohenzell im Landgericht
Aichach zu 'Prespurg in Ungarn' in der Arbeit, nachdem ihm das
Rad eines schwer beladenen Weinwagens über den Hals gefahren
war. Er versprach, dass er von Pressburg bis zur Muttergottes nach
Taxa zu Fuß eine Wallfahrt verrichten werde. Daraufhin stand
er frisch und gesund, ohne das mindeste Zeichen einer Beschädigung
wieder auf. |
In den Nummern 11 bis 15
des Pastoralblatts für die Erzdiözese München-Freising
aus dem Jahr 1867 wurde ein Fortsetzungsbericht über das Kloster
Taxa veröffentlicht. Wenn Sie den im Stil seiner Zeit verfassten
Aufsatz lesen möchten, klicken Sie hier...
Stiftungen
und Opfergaben 13)
.
Der erste Band der Mirakelbücher enthält neben 314 Eintragungen
von Gebetserhörungen und Wundern im Abschnitt "Alle Vürnemere
Opferung vnd Schanckhungen zu disem würdigen Gottshauß"
auch die Namen von Stiftern von wertvollen Opfergaben.
Schon 1654 zählte der Kirchenschatz insgesamt 40 Goldringe mit Perlen
und Edelsteinen, etwa 200 Silberringe, drei Kronen, von denen eine mit
Perlen und Rubinen besetzt war, die zweite war aus Perlen und granum anisei,
die dritte aus Silber und Korallen."
Eine weitere ausführliche
Aufzählung der Opfergaben findet man außerdem in einem Brief
des ersten Priors Pater Serenus:
"Ich habe den ganzen marianischen
Schatz gesehen, er ist auf sieben tausend Gulden angewachsen, es gibt
so viele silberne
Tafeln, wie ich sie weder in Wien
noch in Prag gesehen habe. Ein Ornat ganz aus Silber. Kaseln in ehrbarer
Anzahl. Leute
so gut und fromm, dass sie die Ordensbrüder
wie Engel ansehen und ehren." 45)
Im Mirakelbuch finden wir vor allem adelige Namen,
an der Spitze die Kurfürstin Maria Anna von Bayern,
die nach dem Tod ihres Gemahls Kurfürst Maximilian I. am 27.9.1651
die
Regierungsgeschäfte für ihren noch minderjährigen
Sohn Ferdinand Maria führte. Sie stiftete am 29.5.1653 "ain
dreypfündige
weisse khörzen", die während der hl.
Messe vor dem wundertätigen Bild Mariens brennen sollte.
Pfalzgräfin Anna Catherina hatte schon 1643 ein neues,
mit Silber und Gold eingelegtes Messgewand gestiftet.
Von Ihrer Durchlaucht Maria von Elnßheim in Straßburg
stammte ein goldenes Sternlein mit 13 Rubinen (1654),
von Gräfin Juliana Fugger sechs weiße Wachskerzen.
Am 8.8.1644 stiftete das Ehepaar von Perling zu Gerolzheim und
Trugenhofen dem Gnadenbild von Taxa eine Krone ("ein schön
perline Cron mit guldenen röslin"), ein Altartuch
und einen Fingerring mit Smaragd ("guldenes handtringl mit einem
schönen
grossen smaragd") mit der Bitte um Hilfe bei einer
Augenkrankheit (nach dem Volksglauben galt der Smaragd als Amulettstein
für die Erhaltung des Augenlichts).
Mehrfach sind auch Hofmarksherren aus dem Dachauer Land als Stifter genannt:
Die Familie Beccaria aus Odelzhausen (Jesuskind aus Alabaster,
Zinnleuchter),
Fam. Hundt zu Lauterbach und Eisolzried (Mayen als Altarschmuck,
Rock für das Jesuskindlein),
Fam. Barth aus Pasenbach (Kleid für die Gnadenfigur).
Auch die Namen einer großen Zahl von Geistlichen finden sich
im Schenkungsbuch, die nicht nur Schmuck für das Gnadenbild oder
Reliquien, sondern auch ganz praktische Gegenstände wie z.B. Geschirr,
Haushaltsgeräte und Tischwäsche für das Kloster stifteten.
Der größte Teil der Spender stammte aus München, von der
Bürgerschaft der Haupt- und Residenzstadt.
Der Prager Augustinermönch Aurelius
a S. Valerianus schenkte an diesen Ort ein hölzernes Reliquiar in Form
des Agnus Dei. 45)
Auch ganze Pfarrgemeinden sind in der Liste aufgeführt. So z.B. die
Pfarrei Jarzt, die am 2.Mai 1642 aus nicht bekanntem Anlass eine
3 1/2 pfündige Kerze stiftete und sie im folgenden Jahr auf 5 Pfund
sowie ein weiteres Jahr später auf 9 Pfund verstärken ließ.
Kerzen stifteten auch Schrobenhausen, Rain am Lech, Dasing, Motzenhofen,
Tünzhausen und Sigmertshausen.
Ein weiteres Kapitel im 1. Mirakelbuch
"Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in
Taxa" beschreibt die 28 dort geopferten Rosenkränze. Sie bieten,
wie Robert Böck in seinem Aufsatz "Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften."
16)
schreibt, einen interessanten Querschnitt
durch die von barocker Frömmigkeit geprägten Formen der Rosenkränze.
Sie umfassen solche mit 3, 5, 6, 7, 10 oder 15 Gesätzen, mit 63 Aveperlen
(Birgittenrosenkranz) oder sogar mit 216 Perlen + 16 Untermarken.
Ungewöhnlich ist auch das Material, aus dem die Kugeln bestanden:
Koralle, Kristall, Alabaster, Agtstein, Elfenbein, Holz mit Perlmutteinlagen
oder Silber.
Wallfahrtsmedaille

Vorderseite

Rückseite
|
Wie bei vielen anderen Wallfahrtsorten
in Deutschland wurden auch im Kloster Taxa für die Pilger Wallfahrts-medaillen
geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft für
das Kloster, entsprang andererseits aber auch dem Bedürfnis
der Pilger, mit diesen Medaillen von der Wallfahrt nach Taxa ein
Stück Heiligkeit in die eigenen vier Wände mitzubringen.
Nach Wikipedia soll der Glaube an die heilkräftige Wirkung
so weit gegangen sein, dass man das Pilgerzeichen zur Heilung auf
ein erkranktes Körperteil auflegte. Ebenso habe man den Kranken
Wasser oder Wein zum Trinken gegeben, in die man das Abzeichen getaucht
hatte. 35)
Die Medaillen galten auch als Amulette zur Abwehr des Bösen
und wurden zu diesem Zweck im Haus oder Stall aufgehängt (zum
Schutz des Viehs vor Krankheiten), auf dem Feld vergraben (für
eine gute Ernte) oder an den Rosenkranz gehängt (zum eigenen
Schutz).
Brauchtumsreferent Robert
Gasteiger aus Dachau besitzt in seiner umfangreichen volkskundlichen
Sammlung auch einige Wallfahrtsmedaillen aus dem Dachauer Gebiet.
Darunter aus Altomünster, Pipinsried und Taxa. Die Medaille
aus Taxa, die die Pilger in der Zeit von 1654 bis Mitte des 18.Jh.
erwerben konnten, ist doppelseitig geprägt:
- Die Vorderseite
(Avers) ist mit dem Gnadenbild von Taxa versehen. Die Muttergottes
sitzt mit dem Kind
vor dem achtstrahligen Taxastern. Zu ihren Füßen
ist auf einem Buch das berühmte Taxa-Ei zu sehen.
Das Bild wird von dem Text: "S.Maria in Taxa - 1618"
umrahmt.
- Die Rückseite
(Revers) ist dem Ordensgründer der Augustiner-Barfüßer
gewidmet, die die Wallfahrt in Taxa
betreuten. Bischof Augustinus (354-430) ist hier als Halbfigur
im Profil zu sehen. Er ist in das Bischofs-
gewand gekleidet, mit Mitra und Bischofsstab, und hält
ein Herz mit lodernder Flamme (= Liebe zu Gott) in
der Hand. Der umlaufende Text lautet: "Sanct Augustino
ora p(ro) n(obis)".
|
In Taxa wurden auch weitere Wallfahrtsmedaillen geprägt. Der Medailleur
und Goldschmied Philipp Heinrich Müller gestaltete um 1700 eine
Medaille, die sich zwar nicht thematisch, aber doch im Detail von der früheren
Medaille unterschied. 36)
Müller (1654-1719) lebte in Augsburg und war einer der bedeutendsten
Medailleure und Stempelschneider seiner Zeit.
37)
Die Medaille
ist aus versilbertem Bronze gegossen und hat folgende Maße: Höhe:
38,9 mm Breite: 33,4 mm Gewicht: 13,38 g Stempelstellung: 12 h.
36)

Vorderseite
Rückseite
|
Die
Vorderseite
enthält die Umschrift "S.MARIA AD STELLAM IN TAXA"
(Maria auf dem Stern);
die Bilder auf der Medaille zeigen oben in einem strahlenden Stern
das Marienbild von Taxa mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm. In
der Mitte ist die Ansicht des Klosters mit der Kirche zu sehen,
zu der Wallfahrer heranziehen Unten liegt ein Ziegelstein mit dem
Taxa-Ei und dem Datum 1618. Die Gründung des Klosters geht
nach der Legende zurück auf die Auffindung eines Hühnereis
mit
dem Relief eines Strahlenkranzes,
das nicht ins Nest, sondern "auff einen nagelneuen Zigel-Stain"
gelegt worden war.
Auch die Rückseite
enthält eine Umschrift: S.NICOLAVS - TOLENTINAS". Der
hl.Nikolaus im Mönchshabit kniet vor der auf Wolken schwebenden
Jungfrau Maria, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt
und dem Heiligen sechs Kugeln, die wahrscheinlich Brote darstellen
sollen, mit ihrer rechten Hand reicht. Unten links ein aufgeschlagenes
Buch; darüber die Signatur: "P.H.M." (Philipp Heinrich
Müller). 36)
St.Nikolaus
von Tolentino 1245-1305 (nicht zu verwechseln mit dem hl.Nikolaus
von Myra, der 900 Jahre vorher gelebt hat) war ein höchst beliebter
Prediger und Krankenseelsorger und führte ein Leben in strenger
Askese und tätiger Nächstenliebe. Er war Mitglied des
Ordens der Augustiner-Eremiten, dem auch die Mönche in Taxa
angehörten. An seinem Gedenktag wird altem Brauch gemäß
Brote gesegnet, die gegen Gicht helfen sollen oder bei Bränden
in die Flammen geworfen werden, um sie einzudämmen.
|
Wallfahrtsbilder
41)
|
Neben den Wallfahrtsmedaillen
gab es natürlich auch Andachtsbilder bzw. Wallfahrtsbilder
aus Taxa. In der Zeitschrift 'Amperland' (Jahrgang 2018/1)
berichtet Horst Heres über die Andachtsbilder von Taxa und
zeigt dort viele der über 70 (!) verschiedenen Darstellungen
auf den Bildern. Das ist auch ein Hinweis auf die Bedeutung des
Wallfahrtsorts Taxa.
Wallfahrtsbilder waren billige und damit beliebte Mitbringsel. Sie
gab es am Wallfahrtsort in verschiedenen Größen und in verlockender
Vielfalt zu kaufen. Angeboten wurde die Fülle der Namensheiligen
für den Wallfahrer und für die Daheimgebliebenen. Sie gehörten zum
Sortiment jedes Devotionalienstandes.
Wallfahrtsbilder mit Ansichten von Taxa waren ein Nachweis für
den Besuch der Wallfahrt.
Im Format 12 auf 8 cm waren sie ideale Gebetbuch-Einlegebildchen.
Auf manchen Andachtsbildern wird auf die legendäre Entstehungslegende
mit Sternei oder die vom Gnadenbild ausgehende wundertätige
Kraft hingewiesen. Mehr darüber in der Zeitschrift Amperland...
| |
Die Unterschrift
des nebenstehenden Andachtsbildes lautet:
"Maria Stern ich dich Erwehl.
Zum Trost u.Schutz für Leib und Sel." |
|

Kupferstich
von
Philipp Joseph Fill,
Augsburg. 2 Hälfte 18.Jh.
|
Ort
Taxa
Die Ortschaft Taxa, die vor dem
Klosterbau lediglich aus einem Gehöft bestanden haben dürfte,
entwickelte sich im Schatten des Klosters zu einer blühenden Gemeinde.
Die Märkte an den Marienfeiertagen waren gut besucht. Viele speziell
auf Wallfahrer eingestellte Handwerker und Händler (Weber, Hutmacher,
Bader, Herrgottsschnitzer und Wachszieher) siedelten sich hier an. Im
Kloster entstand eine eigene Brauerei.
Aufhebung
des Klosters
Zu Beginn der
Säkularisation 1802 wurde das Kloster (zusammen mit 48 anderen
Männerklöstern und 10 Frauenklöstern in Bayern
38)
aufgelöst und gegen den Widerstand der Bevölkerung völlig
abgebrochen. Denn Taxa galt für die Aufklärer als eine "Brutstätte
des Aberglaubens". Zudem waren die Augustinerbarfüßer ein
Orden, der sich von Spenden und durch Betteln finanzierte. Die Beamten um
Montgelas sahen in diesem Orden nur volkswirtschaftliche Schädlinge.
|
Deshalb wurde an Taxa auch
ein Exempel statuiert.
Die 17 Patres und 6 Fratres wurden bei Nacht und Nebel abgeholt.
Sie durften nicht von ihren Verwandten Abschied nehmen; schließlich
stammten die meisten Mönche aus der Umgebung von Taxa. Dennoch
kamen hunderte von Menschen nach Taxa und verabschiedeten sich in
einer stillen hl.Messe von ihnen.
Die Mönche mussten Bayern
verlassen und nach Österreich zum Mutterhaus ihres Ordens gehen;
sie erhielten (als bayerische Staatsbürger) in Österreich
Asyl. Bei der Übertragung des Gnadenbildes nach Odelzhausen
kam es beinahe zum Volksaufstand. Nur mit großer Mühe
gelang es, Männer zu finden, die sich zum Tragen des Marienbildes
bereitfanden.
|
Ausschnitt
aus der Karte-Bavaria Superior Et Inferior
Cum Quatuor Praefecturis von 1730
|
Der Zorn des Volkes richtete sich insbesondere
gegen den Regierungsbeauftragten
Adam Heydolph aus Dachau, den die Leute "den Heydeifi" nannten.
Der übereifrige, im Glauben wohl nicht fest verwurzelte Beamte soll
beim Abtransport der Muttergottesstatue in Anspielung auf das Eiwunder
der Gründungslegende geäußert haben: "Mit
eierm Hehnermadl wern ma glei ferti sei".
Der damals wohl 47jährige Heydolf, aus Eggenfelden gebürtig, hatte
in Ingolstadt Jura studiert und kam 1791 zum Landgericht Dachau. Er hatte
wohl einen schwierigen Charakter. Ein Mitstudent, Joseph von Sasso, schrieb
damals an Theodor von Lippert, den damaligen Landrichter in Dachau und Vorgänger
Heydolphs:
| |
"Zu
der Anstellung Heydolphs wünsche ich Ihnen aber nicht Glück,
ich hätte vielmehr gewunschen, daß Sie einen biedern mann
zur Seite bekommen hätten; er machte auf der Universität
den Kalfakter ("zudringlicher geschäftiger Mensch")
und Fuchsschwanz bey H.Prof.Krenner und wurde allgemein gehaßt.
Doch villeicht bin ich auch wider Gebühr voll Abneigung gegen
alle Schwätzer.. vielleicht besserte er sich in der großen
Welt, ich wünsche es." |
Eine besonders unwürdige Rolle
spielte auch der frühere Theologe und spätere Kramer und Nachbar
des Klosters Ignaz Schmidmair. Er hatte sich in die Gunst der Patres eingeschlichen,
arbeitete aber heimlich mit Heydolph zusammen. So schrieb er seinem Auftrag-geber:
"ich werde mir Ausspähungen und Aufdeckungen jederzeit zur besonderen
Pflicht machen".
Schmidmair kaufte im Oktober 1802 zusammen mit einem Compagnon die Kirchengebäude,
riss sie ab und verkaufte das Abbruchmaterial.
Versuche
der umliegenden Ortschaften (darunter Sittenbach und 13 weitere Gemeinden)
und Privatleuten (darunter Joseph Widmann aus Oberroth), die Kirche durch
die beträchtliche Geldspende von 10.000 Gulden vor dem Abriss zu retten,
schlugen fehl. Odelzhausen als der eigentliche Gewinner der Klosterauflösung
dürfte nicht darunter gewesen sein. Denn das Inventar wurde zum Teil
in die Odelzhausener Kirche gebracht; das Übrige wurde verkauft und
die Gebäude restlos abgerissen. Auch der 61 ha große Wald
wurde verkauft: 40 ha an Graf Minucci von Odelzhausen, 5 ha an Graf von
Hundt zu Unterweikertshofen, 7 ha an den Wirt von Oberroth, der Rest an
verschiedene weitere Käufer. Die sollen die Kunstgegenstände mit
dem Heuwagen fortgebracht haben 30)
|
"Wie
andernorts auch, verlor der hier ansässige Orden der Unbeschuhten
Augustinerbarfüßer seine Heimat und seinen Besitz mit Kunst- und
Kulturgütern, die der Staat gewinn-bringend veräußerte. Die Schleifung
der Klostergebäude, bei der kein Stein auf dem anderen verblieb,
kennt in ihrer Radikalität jedoch wenig Vergleichbares" schrieb
die Kreisheimatpflegerin Unger-Richter im Jahr 201844)
Nur die Keller erhielten sich
noch 150 Jahre lang, auf denen Privathäuser errichtet wurden.
Sie dienten im 2.Weltkrieg der Bevölkerung als Luftschutzbunker.
Bei Neubauten nach dem Krieg wurden auch diese Keller beseitigt.
Spätere Versuche, die Wallfahrtsstätte wieder zu errichten
sind 1817 und 1825 gescheitert. 1826 kam mit dem Bescheid des Münchner
Ordinariats das endgültige Aus: Es habe "bey dem seit
mehr als 20 Jahren stattgefundenen Verhältnis sein Verbleiben".
|
Wiederangelegter
Friedhof
|
Inzwischen ist der Friedhof
wieder eingerichtet, wie dem nebenstehenden Schild zu
entnehmen ist. Bei Bauarbeiten im Jahr 1986 wurde ein Teil der Gruft freigelegte,
in der man Gebeine, hölzerne Gürtelschnallen und Reste von Textilien
fand. Man geht davon aus, dass hier die Mönche aus Taxa beigesetzt
worden waren. Allerdings waren die Gräber schon einmal (vielleicht
im Zuge des Kirchenabrisses 1803) aufgebrochen und durchwühlt worden.
Geblieben ist das Symbol des Taxasterns. Er hat sich im Wappen der Gemeinde
Odelzhausen erhalten.
Und auch im Wappen der Schlossbrauerei Odelzhausen; vielleicht kommt daher
der in der Region verbreitete Spruch: "Der hot an "Taxastern"
(Vollrausch).
33)
Erhaltene
Ausstattungsgegenstände
Die große Kirchenorgel
wanderte über einen Zwischenhändler, den Münchner Tändler
Lambeck, der sie um 411 Gulden gekauft hatte, nach Altomünster,
die kleine Orgel nach Niederroth.
Dort stehen beide Prospekte noch heute.
Die mittlere Glocke mit einem Gewicht von 9 Zentnern, die Marienstatue,
die Kanzel, Votivbilder,
das Kanzelkreuz und
die mater dolorosa überführte man nach Odelzhausen. Ein Altar
kam nach Schöngeising, der Tabernakel
nach Unterweikertshofen.
Der interessante Hinterglas-Kreuzweg
und ein weiterer Altar (der allerdings schon früher nach Roßbach
abgegeben worden sein soll) befinden sich derzeit in Sixtnitgern-St.Johann.
Nach einer anderen Quelle sollen zwei Altäre nach Odelzhausen
abgegeben worden sein, wo sie jetzt -im 19.Jh. verändert- als Seitenaltäre
dienen. Die übrigen Altäre wurden zusammen mit dem Kirchengebäude
abgegeben und wohl verbrannt. Noch heute erhalten sind das Inventar des
Bischofzimmers und des Refektoriums, eine Reihe von Gemälden (u.a.
von Domenico Zampieri (1581-1641), bedeutende Skulpturen, Kreuze, Bücher,
das Uhrwerk der Turmuhr, ein Gipsrelief und viele persönliche Utensilien
der Mönche. Die Waldungen erwarb Graf Minucci.
Ein großer Rest der Ausstattung
wurde meistbietend verkauft und landete im Privatbesitz auf Bauernhöfen
in den Lkr. Dachau und Fürstenfeldbruck. Vor allem der frühere
Theologiestudent und Bauer Anton Knoller aus Hochdorf /FFB hatte den Wert
der regelrecht verschleuderten Kunstwerke erkannt. Er erwarb bei der Versteigerung
Möbel, Skulpturen, Bilder, Bücher, Gebrauchsgegenstände
der Mönche und sogar eine große Turmuhr der Klosterkirche und
transportierte die Erwerbungen mit sieben (!) Heuwägen ab. Rund 200
Jahre verblieben die Gegenstände im Besitz dieser Familie. Als der
letzte Hofbesitzer 2009 starb, ließen die Erben die Gegenstände
versteigern.
Versteigerungen
2009/10 43)
Die Gemeinde Odelzhausen hatte
schon Jahre vorher versucht, in den Besitz dieser Ausstattungsgegenstände
zu gelangen. Nun mussten schnell Sponsoren für die Ersteigerung gefunden
werden. Dies gelang unter großem Einsatz des Gemeinderats Dr.Roderich
Zauscher. Auch die politische Gemeinde und die Pfarrgemeinde beteiligten
sich mit größeren Summen. Zuletzt standen 45.000 Euro für
den Ankauf von Kunstwerken zur Verfügung. Bei zwei Versteigerungen
2009 und 2010 erhielt Zauscher den Zuschlag für eine Reihe von Bildern
und Plastiken, darunter die wertvollen ehemaligen Kanzelfiguren
der Kirche. Auch zwei überlebensgroße Holzbilder
der Heiligen Nepomuk und Franz Xaver, sowie eine Reliefgruppe
Moses und der brennende Dornbusch konnten erworben werden, ebenso wie
die Ikone einer schwarzen Madonna
aus dem 17.Jh.
Durch Vermittlung von Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums
Freising, gelang es außerdem, ein zuvor schon verkauftes Bozzetto
(Modell) für ein Deckengemälde in Kirche oder Kloster zu erwerben.
Im Jahr 2014 konnte Odelzhausen Kirchenbank-wangen aus Taxa vom
Lippbauern in Wenigmünchen zurückkaufen. Alle Erwerbungen wurden
renoviert und im Juni 2015 in einer Ausstellung unter großem Publikumsandrang
im Odelzhausener Rathaus gezeigt und in Vorträgen von Bgm. Markus
Trinkl, Prof.Dr.Liebhart, Dr.Roderich Zauscher und Robert Gasteiger vorgestellt.
Renate und Roderich Zauscher haben eine detaillierte Beschreibung der
Versteigerungen von 2009 und 2010 in der Zeitschrift Amperbote veröffentlicht.
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Bozetto des Deckengemäldes
Der größte
und dekorativste Ausstattungsgegenstand ist das Bozetto
eines Deckengemäldes. Es handelt sich um ein rd. zwei Quadratmeter
großes ovales Gemälde (Ölfarbe auf Leinwand), das als
Entwurf für das Deckenfresko diente. In der Malerei wird so ein Entwurf
auch als Macchia oder Schizzo bezeichnet. Das Bozetto fertigte Johannes
Chrysostomos Winck (1725-1795). Er war einer der bekanntesten Altarblatt-
und Kreuzwegmaler der späten Rokokozeit und wirkte hauptsächlich
im Fürstbistum Eichstätt. Im Dachauer Land stammt möglicherweise
das Altarblatt in der Kapelle zu Lindach von ihm.
Die Skizzierung ist notwendig, weil Fresken auf den nassen Putz gemalt
wurden. Die Farbe zog sofort ein und war kaum noch zu korrigieren.
Deshalb mussten Fresken gut vorbereitet werden. Es genügte nicht,
das Werk nur grob zu skizzieren; das Gemälde musste auf dem Bozetto/Maccia/Schizzo
möglichst in jedem Detail ausgearbeitet werden um es dann maßstabsgetreu
übertragen zu können. |
Bozetto
für Deckenbild Krönung Mariens
|
Das hat z.B. auch Michelangelo
in der Sixtinischen Kapelle so gehalten; das Bozetto für das
Jüngste Gericht ist noch erhalten.
Man kann durchaus sagen, dass
die eigentliche künstlerische Arbeit am Bozzetto stattfindet.
Die Übertragung der künstlerischen Idee auf die Decke
ist dann lediglich Handwerkskunst auf höchstem Niveau.
|
Ein vollends ausgearbeitetes Bozetto
lag auch im Sinne des Auftraggebers, weil der nun wusste, was er erwarten
durfte und bei Bedarf noch Korrekturen anregen konnte. Der Unterschied
zwischen Bozetto und Originalwerk gibt hierzu interessante Aufschlüsse.
Leider wissen wir nicht, an welcher Stelle das Deckenfresko in Taxa angebracht
war. Ja, es nicht einmal sicher, ob das Wandgemälde jemals ausgeführt
wurde. Da das Gemälde viele stilistische Elemente des Rokoko zeigt,
stammt es aus der Zeit von 1730 bis 1780. Da war bis zur überraschenden
Aufhebung des Klosters 1802 noch genügend Zeit zur Ausführung.
Thema des Gemäldes von Taxa
ist die Krönung Mariens durch die Hl.Dreifaltigkeit. Maria wird von
Engeln in den Himmel empor-gehoben. Jesus mit Kreuz, im wallenden roten
Mantel, und ein Engel halten die kostbare Krone über die Gottesmutter,
die sich demütig verneigt. Abweichend vom sonst üblichen Typus
entsprechender Darstellungen legt Gottvater nicht selbst Hand an die Krone,
sondern lässt sich von einem Engel vertreten. Die Heilig-Geist-Taube
schwebt zwischen den beiden göttlichen Personen. Ein Putto über
der Taube hält einen zusätzlichen Kranz aus 6 roten Rosen und
6 weißen Sternen.
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Joachim
und Petrus
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Blumenkorb
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König
David
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Krönung
Mariens
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Stefanus
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Katharina
und Barbara
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Eine Schar von Heiligen umgibt
die Krönungsszene. Aber nicht alle konzentrieren sich auf die heilige
Handlung. Auf der rechten Seite sind die beiden Prinzessinnen (und Nothelferinnen)
St.Barbara (mit Kelch und Turm) und Katharina (mit zerbrochenem Marterrad)
in ein intensives Gespräch vertieft. St. Joachim, der Vater von Maria,
ist mehr mit seinen Täubchen beschäftigt, die er in einem Behältnis
mitgebracht hat (Mitte rechts).
Dagegen blicken St.Petrus (mit Schlüsseln), St.Stephanus ( im kurzärmeligen
Gewand des Diakons mit einigen Steinen) und St.Zacharias, der Onkel Jesu
(im jüd.Priestergewand mit Rauchfass), ganz fasziniert auf den Krönungsvorgang.
Über Zacharias wird von Putten ein Gerät (vielleicht die Bundeslade
der Israeliten) getragen.
Hinter Stephanus steht ein Heiliger mit Pfeilen in der einen und einer
Art Fahne in der anderen Hand. Es könnte sich um Sebastian handeln,
der mit Pfeilen gemartert wurde oder um einem Wetterheiligen, denn über
der Person kann man eine schwarze Wolke erkennen. Die Pfeile wären
dann die Blitze, die aus der Wolke fahren. Der bekannteste Wetterheilige
(als Einzelheiliger) in unserer Gegend ist St.Donatus.
Im unteren Bildbereich kniet König David im Hermelinmantel auf einem
roten Kissen und spielt die Harfe. Zwei Putten halten das wohl etwas lappige
Notenblatt. Ganz links schwingt eine groß dargestellte Person drohend
ein Schwert. Um wen es sich handelt, ist mir nicht bekannt. Zwischen den
Personen schweben Engel und verrichten verschiedene weitere Tätigkeiten:
sie tragen Maria, präsentieren einen Blumenkorb oder halten den Bühnenvorhang,
der die Szene umgibt, zurück.
Kanzelfiguren
|
|
Ersteigert
werden konnten 2010 auch die wertvollen Figuren der vier Evangelisten
und von Christus aus
der Zeit um 1720. Die fünf ausdrucksstarken Figuren in faltenreichen
und wehenden Gewändern zierten die Kanzel in der Klosterkirche
(die sich heute in der Odelzhausener Kirche befindet). Hinter den
Füßen der Evangelistenfiguren lugen deren Attribute hervor:
Matthäus mit Mensch, Lukas mit Stier, Markus mit Löwen und
Johannes mit dem Adler. Die Symbole gehen zurück auf die Offenbarung
des Johannes (Kap.4 Vers 7). Dort werden sie als die vier Lebewesen,
die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt.
|
Als Evangelistensymbole
dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter. Seit Hieronymus (347-420)
werden sie wie folgt gedeutet:
- Der geflügelte Mensch
(nicht Engel !) bei Matthäus
weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht
das Matthäusevangelium beginnt) hin.
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus,
weil das Markusevangelium mit der Predigt des Johannes in der
Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil
sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas
galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums,
das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf
den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes
versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das
Wort war bei Gott und Gott war das Wort".
Kopie
der Schwarze Madonna von Brünn 03)
Die Ikone der Schwarzen
Madonna in Taxa ist eine Kopie des entsprechenden Originalbildes
in der Basilika Mariä Himmelfahrt der Augustinerabtei in Alt-Brünn.
Das 134 x 89 cm große Bild dürfte 1765 geschrieben (=gemalt)
worden sein.
Das Originalbild in Brünn ist sehr alt. Seine Existenz ist seit dem
14.Jh verbürgt; nach der Legende soll es sogar vor 2000 Jahren vom
hl.Lukas gemalt worden sein. Überliefert ist jedenfalls, dass Kaiser
Karl IV. (reg.1349-1378) die Ikone im Jahr 1356 dem neugegründeten
Kloster der Augustinereremiten vermachte. Gründer des Klosters war
übrigens der Bruder des Kaisers, Markgraf Johann Heinrich von Böhmen.
02)
Der Orden, zu dem auch der Konvent in Taxa gehörte,
hat wohl das Bild als Kopie nach Taxa weitergegeben.
|
Die Kopie der Ikone in Taxa
ist -im Gegensatz zum Originalbild- mit einer vergoldeten Schablone
verse-hen, die den Hintergrund des oberen Bildteils bildet und insbesondere
die reliefierten Kronen von Maria und dem Jesuskind enthält.
Die Fassung in Taxa erinnert an die offizielle Krönung der
Brünner Madonna am 10.Mai 1736 mit gegen-ständlichen Goldkronen
und einer Goldkette. Die Kronen mit über 100 Edelsteinen waren
von Gold-schmieden in Rom erstellt worden. Deshalb ist in die Kronen
von 1736 auch das Wort "Roma" eingraviert.
|
Madonna
von Brünn
|
Diesen Namen der Stadt Rom finden wir auch auf der Kopie aus Taxa
(auf der Krone Mariens). Die Krone des Jesuskindes ist mit der Jahreszahl
1765 versehen; es dürfte das Jahr der Entstehung der Ikone
aus Taxa sein.
Auf dem Bild tragen Maria und Jesus gegenständliche Perlenketten,
Maria dazu noch eine rautenförmige Goldbrosche.
Der prächtige Rokokorahmen korrespondiert zwar mit dem Goldhintergrund
des Bildes, drängt aber die ursprüngliche Form als Ikone
in den Hintergrund.
|
Die Kopie in Taxa war-einer Inschrift auf der Rückseite zufolge- am
wundertätigen Original in Brünn anberührt worden. Man ging
davon aus, dass durch die Berührung die religiöse Kraft des Originalbildes
auf die Kopie übergeht.
Die Augustiner
von Brünn schreiben auf ihrer Internetseite:
"Die individuellen Gesichtszüge der Madonna verschwinden im Dunkel
und ermöglichen eine mystische Einheit mit dem/der Beter/in".
Heiligenbilder
Zur geretteten Ausstattung gehören auch lebensgroße (185 x 42
cm) Holzbilder der Heiligen Johannes Nepomuk
(mit Kreuz und Birett) und Franz Xaver
(mit Täufling). Die mit Ölfarbe bemalten Holzbilder könnten
bei geistlichen Theatervorführungen als Bühnenrequisiten gedient
haben. Die Bilder entstanden im 18.Jh.
|

Joh.Nepomuk
|
Johannes aus Pomuk,
"ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs
in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen
Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ
ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte
ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen
schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die
Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes,
der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine
Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das
1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen
hohen Stellenwert. Der
Fundort der Leiche
in der Moldau wurde
durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk
ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt
ist. Die Verehrung von
Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht
sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal
auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte
ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach
seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der
Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, gewann die Verehrung an Dynamik. Im Jahre 1721 wurde der Kult
von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch
Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst
Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt.
Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach
kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in
vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag:
16.Mai
Franz
Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola
und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte
er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und
taufte dort viele Menschen. Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige
auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Das hochgehaltene
Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten
verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich
eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000
getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein
Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag: 3.Dezember).
|

Franz
Xaver
|
Relief
"Moses und der brennende Dornbusch"
Wieder beschafft
werden konnte auch das zweiteilige Relief "Moses
und der brennende Dornbusch". Auch diese Schnitzgruppe
könnte "für die augenfällige Illustrierung biblischer
Themen gedient haben", wie Renate Zauscher 43)
schreibt.
Im brennenden Dornbusch gibt sich Gott zu erkennen und reicht dem
vor ihm knienden Moses seine Hand. Die Gestik erinnert an das Schöpfungs-bild
von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.
|
Moses
und der brennende Dornbusch
|
Der
brennende Dornbusch ist in der christlichen Ikonologie Symbol der
Auferstehung. Auch Jesus interpretiert diese Stelle in diesem Sinne,
denn: "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen."
(Lk.20,38)
Die Bibel (Buch Exodus, Kap.3) schildert die Szene: |
| |
"Mose
weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters
von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus
und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn
in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin:
Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. .....
Und der Herr sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams,
der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht;
denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen..... " |
Weitere
ersteigerte Gegenstände:
-
Der Altarstein aus der Klosterkirche, ein Gegenstand von hoher Symbolkraft,
- ein 86 x 66 cm großes Ölgemälde von Maria Magdalena aus dem
18.Jh.
Quellen:
01)
Dr. Martin v.Deutinger,
Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02)
Hans Belting, Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter
der Kunst, S. 374, 1990 (1356)
03)
http://www.opatbrno.cz/opat_hist_de.htm, 2015 (Altbrünner Madonna)
04)
Renate Zauscher, Vom Marien-Ei und anderen Wundern, DAH-SZ vom 20./21.6.2015
(Taxet)
05)
Thomas Führer: Die Aufhebung
des Klosters Maria Stern bei Taxa (1. Teil), Amperland 1966
06)
Thomas Führer: Die Aufhebung
des Klosters Maria Stern bei Taxa (2. Teil), Amperland 1967
07)
Dachauer Neueste vom 23.8.1977
08)
Regionalanzeiger Landkreis Dachau
v. 7.12.1978
09)
Jakob Mois,Konsekrationsbuch
des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1715)
10)
Max Gruber, Zu den vom Landgerichtsschreiber
Heydolph durchgeführten Klosteraufhebungen im Lkr.Dachau,
Amperl.1983(Heydolph)
11)
Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland
tätige Maler, Amperland 1987 (Pichler)
12)
Max Gruber,
Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1 (Hans
Schütz)
Der Bildhauer Hans
Schütz wurde erstmals 1615 in Fürstenfeldbruck genannt.
Er war verheiratet mit Veronika Wöhrlein.
In Taxa erstellte
Schütz Altäre für die erste Kapelle (1619) und für
die Klosterkirche (1630). Er schnitzte den Hochaltar mit
einer Marienfigur und
stehendem Kind, zwei Engel, und für die Seitenaltäre Gesimsengel,
Wappen und Waffen Christi.
13) Robert Böck, Alle Vürnemere
Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa, Amperland 1990 (Schenkungen)
und
Robert Böck, Wallfahrten im Dachauer
Land, 1991
14) Dr.Alfred Kaiser, Maria Stern
von Taxa. Zur Ikonographie einer verschwundenen Wallfahrtskirche, Amperl.89
(Ausstattg)
15) Robert Böck, Wallfahrt
im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
16) Robert Böck, Rosenkranzandacht
u. Rosenkr-Bruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperl.1991/2
(Rosenkr.)
17) Eugen Otker, Gack Gack Gack
Gack a Ga, 1993
18) Gerd Holzheimer, Kloster Taxa
und sein Prediger, Unser Bayern, Heimatbeilage der bay.Staatszeitung,
1994
19) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht
Dachau, 1996 (Baumaßnahmen 1693)
20) Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten
vom August 1998 (ASantaClara)
21) Dr.Tilman Mittelstraß,
Taxa: Archaeologie im Nest der Sterneneier, Amperland 2000
22) Dachauer Nachrichten von 2001 und vom 17.2.2003
23) Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters
Taxa 1802, Amperland 2003/3
24) Laura Scherr, Klöster in Bayern, Haus der Bayerischen
Geschichte, 2008
25) Prof. Dr.Liebhart, Zur Geschichte
der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa bei Odelzhausen, 2009
26) Faltblatt "Das Kloster Maria Stern in Taxa,
2013
27) Dachauer SZ vom 14./15.8.2014
(Kirchenbankwangen aus dem Kloster)
28) Hermann Fischer/Hans-Wolfgang Theobald, Die rheinischen
Orgelbauer Balthasar u.Christian Ludwig König, (Orgelb.König)
29) Dachauer SZ vom 31.7.2001, 26.3.2002 u. vom 4.9.2002
30) Claudia Schuri, Das Ei-Wunder
von Taxa, Dachauer Nachrichten vom 10.1.2018
31)
Das Kloster Taxa - Beschreibung
1867, Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising
1867
32)
Gustav von Bezold und Berthold Riehl,
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das
Kloster Taxa 1895
33)
Eierlei, ein Magazin und ums Ei, Bayerischer Rundfunk 2,
Sendung Zeit für Bayern, 31.3.2018, 12-13 Uhr
34)
Georg Werner, Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching, 2018
35)
https://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerzeichen
36)
Bavarikon, Bayerische Wallfahrtsmedaillen
aus sechs Jahrhunderten, 2023
37)
Der
Goldschmied Philipp Heinrich Müller
(1654-1719) lebte in Augsburg und war einer der bedeutendsten Medailleure
und Münzstempelschneider
seiner Zeit.
Er schuf seit 1677 eine Vielzahl künstlerisch hochwertiger Medaillen
auf Herrscher,
Persönlichkeiten und Ereignisse
seiner Zeit. Bekannt sind etwa 260 Münzen und über 400 Medaillen,
Müller gab zusammen mit
Lauffer und Kleinert eine Medaillenreihe
der Ahnengalerie römischer Päpste heraus, obwohl er selbst Protestant
war.
38)
Dr.Dr.Anton
Schneider, Die Säkularisation in Bayern, Amperland 2003
39)
Lothar Altmann, Die Ansicht Taxas im Gemäldezyklus von Marienwallfahrtsstätten
im Münchner Bürgersaal, Amperland 2014
40)
Katharina Friedl, Die Ursprungslegende der Walfahrt Maria Stern - Dichtung
oder Wahrheit ?; Amperland 2018/1
41)
Horst Heres, Andachtsbilder von Taxa, Amperland 2018/1
42)
Wilhelm Liebhart, Abraham a Sancta Clara, Taxa und das Birgittenkloster
Altomünster, Amperland 2018/1
43)
Renate
und Roderich Zauscher, Nach der Säkularisation: Kulturgut kehrt zurück,
Amperland 2018/1
44)
Birgitta Unger-Richter, Zur Kunst- und Baugeschichte der Wallfahrtskirche
Maria Stern und ihres Klosters Amperland 2018/1
45)
Tomas Repa, 'Ein unbekannter Kupferstich von Maria Stern zu Taxa in Prag-
Zur ältesten Bau- und Kunstgeschichte des
Klosters der Augustiner-Barfüßer
in Taxa', Amperland 2019/2
40 Bilder: Schertl (37),
Bavarikon
(2) Wikimedia
(1)

11.7.2026
Das Kloster Taxa - Beschreibung
1867
- Beschreibung des früheren Klosters im Pastoralblatt
für die Erzdiözese München-Freising 1867- 31)
Wo jetzt seit 1848 erst, durch freiwillige
Beiträge der Bewohner dortiger Gegend erbaut, nahe bei Odelzhausen,
ein kleines Capellchen steht, während rings um selbes der Pflug die
Felder durchfurcht, da befand sich einst ein herrlich Klostergebäude
mit geschmackvoller Kirche. Gewaltige Linden schirmten beide gegen die
anprallenden Weststürme. Drinnen aber wohnte Gnade und Friede.
Es war dieß das weithin gekannte
und weither besuchte Augustinerkloster Maria Stern zu Taxa. Das wundervolle
Ei mit dem Bildnisse der Gottesmutter in einem Sterne, welches im Hühnerhofe,
unweit des Schlosses Odelzhausen, auf einem neuen Ziegelsteine von der
sorgsamen Henne hingelegt worden war, hatte den Gutsherrn, Johann Baptist
von Hundt bewogen, dort eine Capelle im Jahr 1616 zu erbauen, und so ein
Gelübde freudig zu erfüllen, das er einst auf einer Reise als
Gesandter des großen Churfürsten Maximilian I. v.Bayern gethan.
Die Capelle war in Form eines Sternes
gebaut und Herzog Wilhelm V., der Fromme, schenkte dahin ein schönes
Marienbildniß. Sie ward am 8.September 1619 consecrirt. Es entstand
aber alsbald dort eine frequente Wallfahrt, so daß es nothwendig
wurde, eine große Kirche zu bauen. Dieß begann auch noch Willhelm
Hundt, der spätere Gutsherr Joh.Bapt.Beccaria vergrößerte
selbe, und im Jahr 1654 wurde sie vom Bischofe Albert Sigmund v.Freising
eingeweiht.
Um dem Andrange der Pilger zu den
hl.Sacramenten der Buße und des Altars genügen zu können,
ward auch ein Kloster daselbst erbaut und gleichzeitig den Augustinern
der strengen Observanz Barfüßer alles übergeben. In Wenings
Topographie finden wir eine gute Abbildung des spurlos verschwundenen
Taxa. Der berühmte P.Abraham a Santa Clara schrieb über selbes
ein Büchlein, das in München 1742 unter dem Namen "Gack, Gack,
Gack, Gack a Ga einer wunderseltsamen Hennen in dem Herzogthum Bayrn,
oder Beschreibung der Wallfahrt Maria Stern zu Taxa" erschien. Es enthält
Abbildungen des wundersamen Eies vom Jahr 1616, sowie des Klosters. Die
Kirche hatte 2 große Kuppel-Thürme mit 5 Glocken; 9 Altäre,
auf deren einem die Scapulier-Bruderschaft war. In Mitte der Kirche war
eine Crypta, als Begräbnißstätte der dortigen Religiosen;
aber auch die Hofmarksherrn von Odelzhausen beanspruch-ten das Sepultur-Recht
in dieser Kirche, zu der sie Grund und Boden herschenkt, "auf ewige Zeiten!"
Was ist aber auf Erden ewig ? Im
Jahre 1802 erhob sich wie eine Windsbraut der Sturm gegen die Klöster
und Kirchen in Bayern. Wohl hatten die mächtigen Linden das friedlich
schöne Taxa gegen die natürlichen Stürme treu geschützt,
hier aber war ihre Kraft unzureichend. Kloster und Kirche wurden ausgeplündert,
demolirt, das Gnadenbild Mariä auf Befehl des unvergeßlichen
Commissärs Heydolf (!!) verhüllt, durch Laien nach Odelzhausen
gebracht, während der genannte königl.Commissär den trauernden
Ortsbewohnern verbot, zu beten, und das seit 186 Jahren hochverehrte Bildniß
der Mutter Jesu als "Stück Holz" und als "Hühnermädel"
schmähte.

Das
Kloster Taxa
im Buch
"Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern",
Bd.1 32)
1895
von Gustav von Bezold und Berthold Riehl
Taxa
war als Wallfahrt und Kloster der Augustiner strenger Observanz (Barfusser)
berühmt. Hier war 1616 von Johann Baptist von Hundt eine Kapelle
erbaut worden, in der ein Hühnerei mit dem Bildniss der Gottesmutter
in einem Stern, das eine Henne an dieser Stelle gelegt hatte, aufbewahrt
wurde.
Es entstand bald eine besuchte Wallfahrt, so dass es nöthig wurde,
eine grosse Kirche zu bauen, welche 1654 geweiht wurde. Gleichzeitig mit
der Kirche wurde ein Kloster errichtet, welches den Augustiner-Barfüßern
übergeben wurde. Von 1666 - 1668 war Abraham a Sancta Clara Pater
und Prediger in Taxa. Das
Kloster wurde 1802 säcularisirt und die Gebäude nebst der Kirche
zerstört. Eine Abbildung bei Wening, Rentamt München Taf. 98.
Beschreibung im Kalender für katholische Christen 1871. S. 43 ff.
Zahlreich
waren in dem Bezirke die Schlösser und Hofmarken, allein es haben
sich nur wenige und diese zumeist nur in verstümmelten Resten erhalten.
Vergl. Wening, Rentamt München, Gericht Dachau. Unter den erhaltenen
Schlössern sind Haimhausen und Odelzhausen die bedeutendsten. Die
Gegend war stets etwas abseits vom grossen Verkehr gelegen, sie entbehrte
städtischer Mittelpunkte und grosser Klöster, welche die Kunstübung
der Gegend wesentlich beeinflusst hätten, denn auch Indersdorf hat
zu keiner Zeit eine bedeutende Kunstthätigkeit entwickelt. Nur im
Beginn des 18. Jahrhunderts scheinen Anregungen für den Bau und die
Dekoration einiger umliegender Kirchen von Indersdorf ausgegangen zu sein.
Der Bezirk ist verhältnissmässig reich an romanischen Bauresten,
es lassen sich deren dreizehn nachweisen, welche zwar nicht unverändert
auf uns gekommen sind, doch aber zum Theil in solcher Erhaltung, dass
wir aus ihnen ein klares Bild der Bauweise gewinnen.
Quelle:
Gustav von Bezold und Berthold Riehl,
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das
Kloster Taxa 1895
Gründungsgeschichte aus historischer
Sicht
von Prof.Dr.Liebhart
25)
|
Der Prediger Abraham a Sancta
Clara berichtete, am Karfreitag 1618 habe man ein Hühnerei mit
dem Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden, das von einer
schwarzen Henne auf einen Ziegelstein gelegt worden sei. Dieses Ei
habe Johann v.Hundt zum Anlass genommen, die in Seenot versprochene
Kapelle in Taxa zu errichten.
Abraham a Sancta Clara hat die Geschichte in seinem 1683 verfassten
Buch "Gack, Gack,
Gack, Gack a Ga" veröffentlicht (siehe rechts). Damals lebte
er in Graz.
Der Prediger sorgte mit seinen wortgewaltigen und sprachliche pointierten
Belehrungen für Furore. In einer Zeit, in der man sich nach "Veranschaulichung
der Glaubensinhalte und des Heilsmysteriums" sehnte, entsprach
Abraham diesen Erwartungen nur zu gut.
40)
Mehr über Abraham a Sancta Clara... |
Buch
von Abraham a S.Clara
über Taxa
|
50 Jahre vor Abraham
a Sancta Clara hatte schon der Jesuitenpater Georg Stengel (1585-1651)
die Wallfahrtsgeschichte aufgeschrieben. 1634 verfasste er in lateinischer
Sprache das Werk "Ova Paschalis", das 100 Deutungen des Eies
als Symbol für Geburt und Leben enthält. Darin berichtet er
auch, er sei als Gutachter für die in Taxa gelegten Sterneier herangezogen
worden.
Die Eier, so schreibt Stengel, hätten ausgesehen, "als wäre
ein Siegel in den weichen Kalk gedrückt" bzw. als sei die gerillte
Struktur "mit Linien und Strahlen mit einem Pinsel" gemacht
worden. Dennoch glaubte auch er an ein Wunder. Das erste Ei "mit
aufgedrücktem Stern oder Sonnenkranz" sei "unmittelbar
nach (!) Baubeginn der Kapelle an einem Freitag gefunden worden,
das zweite "14 Tage darauf". Der Bauherr habe daraus den Schluss
gezogen, es sei richtig gewesen, der Kapelle einen sternförmigen
Grundriss gegeben zu haben. Von einem Gelübde des Joh.Wilhelm von
Hundt ist hier nicht die Rede.
Auch das 1642 angelegte Mirakelbuch, in dem alle Heilungen in Taxa verzeichnet
sind, enthält eine Gründungsgeschichte. Sie wurde vom Sulzemooser
Pfarrer Matthias Strohmayr verfasst und ist wohl vom Bericht Stengels
beeinflusst: "Alß man aber die H.Capellen hatt angefangen zuebauen,
hatt sich .. begeben, dass durch ain oder zway Hennen.. zwey tag nacheinander,
..jeden tags ein Ay mit einem inprimirten (=eingedrückten)
Stern und ausführlichen Stern seindt gelegt" worden. Das erste
Ei sei damals (1642) schon zerbrochen gewesen. Auch hier kein Wort über
das Gelübde.
Nach Auffassung von Prof. Dr.Liebhart gab es wahrscheinlich keine
Seenot und kein Gelübde, auch kein Marienbild auf den Eiern, keinen
Ziegelstein und keine schwarze Henne. Der Kapellenbau diente der Abrundung
des neu angelegten Hofes mit Geflügel- und Fischzucht. Die Sternform
des Kapellen-Grundrisses könnte auf die Charakterisierung von Maria
als "Stern des Meeres" (Lauretanischen
Litanei) zurückzuführen sein. Aber auch eine Änderung
des Bauplans angesichts der unglaublichen Wirkung des Sternwunders auf
die Menschen sei nicht auszuschließen. Abraham a Sancta Clara hat
die tatsächlichen Ereignisse umgestellt und reich ausgeschmückt,
um daraus eine für die Menschen dieser Zeit schlüssigere Gründungsgeschichte
zu erstellen.
Gestützt wird
diese Skepsis durch Abraham a Santa Clara selbst. Er schrieb in seinem
Buch "Abrahamisches Bescheid-Essen", das 1717, also 34 Jahre
nach dem "Gack, Gack a Ga":
| |
"Unter wehrenden
Bau aber hat sich diß Wunder zugetragen / weil gleich sein Mayerhof
darbey / allwo viel Gefliglwerck wurd auferzogen / so hat ein Henn
ein Ey gelegt / darauf gantz natürlich gestalt war ein Stern / und
mittn in dem Stern unser lieben Frauen Bild mit dem Jesus Kindl auf
den Armen" |
'Wehrender Bau'
bedeutet, dass der Bau schon imgange war, als sich das Eiwunder zugetragen
hat. Das Wunder kann deshalb nicht der Grund für den Bau der Kapelle
gewesen sein. 40)
Abraham hat eine schöne Legende erfunden, die seit 1684 den Werdegang der
Wallfahrt nachhaltig bis heute beeinflusste. Abraham war ein geschickter
Schreiber und Redner, der sehr genau um seine Wirkung wusste. Man muss sich
in aller Deutlichkeit bewusst werden, dass er in vollem Wissen und voller
Absicht eine Geschichte zusammengedichtet hatte, welche so kaum passiert
war. Nichtsdestotrotz sind es Wunder, an welche die Menschen glauben wollen.
Diese waren besonders in den harten Zeiten des 17. Jh. vonnöten. Dies zu
erkennen und zu erfüllen war die eigentliche Leistung von Abraham ä Sancta
Clara. 40)
--------------------------
Quellen:
25) Prof.Dr.Liebhart,
"Gack, Gack, Gack, Gack a Ga", Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt
Maria Stern in Taxa, 2009
40) Katharina Friedl, Die Ursprungslegende
der Wallfahrt Maria Stern - Dichtung oder Wahrheit ?; Amperland 2018/1
Stern-Eier
Sternei im Huttermuseum
|
Sterneier sind - nach Robert
Böck - durchwegs sehr dünnschalige Eier, die auf einer
Seite etwas plattgedrückt sind und dort eine elliptische blasenartige
Ausbuchtung aufweisen, von der strahlenförmige Einschnürungen
nach außen verlaufen. Bis heute sind solche Sterneier (fast
nur) in der Region um Taxa nachgewiesen. Sie gelten nicht nur als
Raritäten der Natur, sondern nach wie vor als Glücks-
oder Wunderzeichen. Eier von schwarzen Hennen galten früher
als Schutz vor Hexen, Teufeln und Unglücksfällen.
30)
Rudolf Kriß führt diese Missbildung der Eierschale auf
eine Deformation des Eierstocks zurück. Möglicherweise
liegt aber auch ein Kalkmangel vor, durch den sich die Eier beim
Erkalten im Nest zusammenziehen. Das sonstige Futter oder die Hühnerrasse
sind jedenfalls nicht ursächlich.
|
Für Abraham a Sancta Clara gab es aber nur übernatürliche
Ursachen. Er schrieb, die Sterneier seien ein Zeugnis dafür, wie die
"übergebenedeyte Himmelskönigin solches wertheste Herzogthumb
und auch die Diözese Freising im Schutz und Schirm" habe. Man
sehe daran, dass die Muttergottes nicht nur von den Menschen, sondern auch
von den "gagazigeten Hennen" verehrt werde. Deshalb solle man
das Bayerland in Mariäland umbenennen.
Sage
der Entstehung des Namens der Grafen v.Hundt 18)
Die
Grafenfamilie Hundt hieß vor langer Zeit Altdorff. Eines Tages hat
eine Frau Gräfin dieser Familie in Abwesenheit ihres Mannes Zwölflinge
geboren. Sie wollte ihrem Mann bei der Rückkehr aber keine zwölf
Kinder, sondern nur eines präsentieren. Deshalb befahl sie einer
Bediensteten, elf dieser Kinder in einen Sack zu stecken und zu ertränken.
Auf dem Weg zum Tatort begegnete sie dem heimkehrenden Grafen, der sie
fragte, was sie in dem Sack transportiere. Sie entgegnete: Junge Hunde.
Da wollte der Herr Graf einen dieser Hunde sehen. So kam die geplante
Mordtat auf. Der Graf ließ seine Gemahlin aber nicht, wie sonst
in Sagen üblich, auf dem Scheiterhaufen verbrennen, sondern schwieg
über sein Wissen. Er ließ die elf Kinder an einem geheimen
Ort aufziehen und präsentierte sie im Alter von sechs Jahren ihrer
Mutter. Die zeigte sich reumütig; er war großmütig und
verzieh ihr. Doch seiner Nachkommenschaft verordnete er den Namen Hundt.
Auf vielen Gemälden, die die Fam. Hundt in Auftrag gegeben hat, ist
ein kleiner, meist weißer Hund zu sehen.
Quelle: Gerd Holzheimer, Kloster
Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994
Abraham
a Santa Clara 18)
Abraham
a Sancta Clara
|
Abraham a Santa
Clara (bürgerlicher Name: Hans Ulrich Megerle) wurde am 2.7.1644
als
achtes von zehn Kindern zu
Kreenheinstetten im Schwäbischen Jura (Lkr. Sigmaringen) geboren,
erhielt seine Ausbildung auf den hohen Schulen des damaligen Bayern
in Ingolstadt und Salzburg, trat 1662 in Wien in den Orden der Barfüßer
ein. Nach weiteren Studienjahren in Ferrara und Prag wurde er 1666
zum Priester geweiht, wirkte zunächst in Wien und von 1670 bis
1672, also nur zwei Jahre lang, als Sonntagsprediger in Taxa. Dann
kehrte er nach Wien zurück und machte dort Karriere: 1677 wurde
er kaiserlicher Prediger, ab 1680 Prior des Wiener Augustinerklosters
und 1690 Provinzial der deutschsprachigen Provinz des gesamten Ordens.
Dazwischen lebte er um 1683 ein paar Jahre in Graz. Die Belagerung
Wiens durch die Türken von Juli bis September 1683 erlebte er
so von außen.
Er starb im Alter von 65 Jahren am 1.12.1709 in Wien. |
Abraham a Sancta Clara gilt als sprachgewaltigster christlicher Prediger
im deutschen Sprachraum des 17. Jahrhunderts. Einige Literaturwissenschaftler
sehen in dem Ordensmann sogar den eigentlichen Begründer der deutschen
Schriftsprache.
Berühmt ist Abraham a Santa Clara vor allem wegen seiner originellen
und bilderreichen Sprache, die durchaus einen Hang ins Derbe aufwies. Er
selber nannte seine Predigtmethode "dem Volke aufs Maul schauen". Für
seine literarische Bekanntheit spricht, dass sich auch Schiller (1759-1805)
und Goethe (1749-1832) mit ihm befassten; Abraham a Santa Clara gab die
Vorlage zur Kapuzinerpredigt in 'Wallensteins Lager". Jean Paul (1763-1825)
wollte "auf das Grab des guten Abraham a Santa Clara eine Blume legen",
weil er seinen Humor so schätzte. Auch Eichendorff (1788-1857) und
Heidegger (1889-1976) hielten große Stücke auf ihn.
Aussagen über die Sprache
Abrahams a Santa Clara:
Gerd Holzheimer:
"Die
Sprache des wortgewaltigen Mönches ist,"
so schreibt der Münchner
Schriftsteller Gerd Holzheimer,
"je
nach Bedarf humoristisch, satirisch, parodistisch getönt, mit
ausgreifenden Wortwiederholungen, gewagten Metaphern, Kalauern, Wortwitzen,
Alliterationen und Wortspielen."
18)
Prof.Dr.Liebhart:
Nach Historiker Prof.Dr.Liebhart war er "einer der bedeutendsten
Poeten, ein wortgewandter Prediger, der die Menschen in seinen Bann
zog. Er hat mit allen Mittel gearbeitet, er hat manipuliert und auf
Marketing gesetzt".30)
Dr.Norbert Göttler:
Der Bezirksheimatpfleger von Oberbayern erklärte in einem Interview
2018: "Er
war ein geistlicher Marktschreier und hat durch eine höchst plastische,
derbe Sprache und auch mit Witzen unterfütterte Sprache versucht,
die Leute zu erreichen. Heute würde man sagen, so ein Tonfall
kommt einem Geistlichen nicht zu. Auch mit Drohungen, Verleumdungen
und auch Beschimpfungen hat er nicht gespart."
30)
Friedrich
Schiller
"Es
ist eine interessante und keineswegs leichte Aufgabe, es ihm zugleich
in der Tollheit und in der Geschmeidigkeit nach oder gar zuvorzutun."
40)
Joseph
von Eichendorff
"Er ist der Antipode der ihm nicht sympathischen Pietistendichter"
40)
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Abraham a Santa Clara besaß
auch eine ordentliche Portion Chuzpe: In Wien predigte er einmal, dass
es am kaiserlichen Hof Damen gebe, "die nicht wert seien, dass sie
ein Hund anbrunzt". Als der Kaiser einen Widerruf dieser Grobheit
verlangte, verkündete Abraham von der Kanzel: "Es gibt am Hof
auch Damen, die es wert sind, dass sie ein Hund anbrunzt".
Aber die Predigten von Abraham hatten
auch außerordentliche reaktionäre Züge. Seine Feindbilder
sind eindeutig zu erkennen: Religiös die Moslems, Juden und Protestanten,
politisch die Türken, die zum Sturm auf Wien ansetzten und allgemein
die Frauen.
Frauen
Den Ausschnitt an den Frauenkleidern nannte er "Satansfenster".
Von den Jungfrauen verlangte er, sie sollten sein "wie die Chlocken
am Charfreytag (nämlich still) oder wie eine Orgel: "sobald
dise angetastet wird, so schreyt sie".
Das Heiraten gleiche für Frauen einem Glückstopf, predigte er:
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"Manche zieht,
und erhält einen Kamm, welcher sie tüchtig zauset.
Diese zieht einen Schwamm, einen Säufer, welcher niemals trocken
wird.
Jene erhält einen Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt
und die Kinder an den Bettelstab versetzt. |
Und die Männer warnte er:
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Manche hat jetzt
goldne Haare, und bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne.
Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend,
und rot, wie die gewisser Tauben.
Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen,
wie ein leerer Dudelsack.
Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein
alter Kalender, der immer nasses Wetter anzeigt.
Der Mund glänzt wie Corallen, aber bald wird er einer gerupften
Blaumeise gleichen.
Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die
alabasternen Büchsen der Magdalena.
Tugend besteht, aber Schönheit vergeht. |
Die Türken nannte er
heimtückisch und wortbrüchig und setzte sie mit dem Teufel gleich,
den die Christen mit ihren Sünden selbst herbeigeschworen haben.
Auch eine Reihe von Sprichwörtern stammt von ihm (oder wird
ihm zugeschrieben):
- Ein Vorsatz ist wie ein Aal: leichter
zu fassen als zu halten.
- Die Pforte im Himmel ist klein, es kann kein Prahlhans hinein.
- Freund und Anker erkennet man, wenn sie Hilf' in Not getan.
- Brummt das Weib den ganzen Tag, so geht der Mann zum Schwarzen Bären.
- Ein Jahrmarkt ohne Hiebe, ein Jüngling ohne Liebe, ein Ehestand,
der wohlbestellt, sind selt'ne Dinge in der Welt.
- Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es den Metzger am meisten zu
fürchten.
- Sitzt die Maus am Speck, so piepst sie nicht.
- Ein schwerer Beutel macht leicht eitel.
- Er liebt das trübe Wasser wie ein Aal.
- Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach.
- Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man viel Fröhlichkeit,
und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich
Galle, ungeheuer viel Galle.
Quelle:
Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994

Der
Maler Franz Joachim Beich
Franz
Joachim Beich wurde wohl kurz vor dem 15. Oktober 1665 in der Freien
Reichsstadt Ravensburg geboren. Das genaue Geburtsdatum ist nicht
bekannt, doch die Taufe am 15.10.1665 ist dokumentiert. Der 9-jährige
Beich zog mit seiner Familie 1674 nach München. Sein Vater Daniel,
ein Maler und Kartograf, hatte eine Anstellung am Münchner Hof
erhalten. In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt lebte damals
auch der Maler Wilhelm Beich, ein Verwandter, der hier 1611 geboren
war und 1642 das Meisterrecht erhalten hatte.
Franz Joachim lernte bei diesem und/oder seinem eigenen Vater Landschaftsmalerei.
1702, im Alter von 37 Jahren, bekam Franz Joachim Beich den ehrenvollen
Auftrag, die militärischen Siege von Kurfürst Max Emanuels
während der Türkenkriege in zwei monumen-talen Bildern mit
einer Größe von jeweils 5,10 m x 9,69 m für den Großen
Saal von Schloss Schleißheim zu glorifizieren. Sie stellten
den Entsatz von Wien 1683 und die Schlacht bei Mohacs 1687 dar. Das
Ergebnis gefiel dem Auftraggeber, der ihm 1704 den Titel eines "kurfürstlichen
Kammerdieners und Hofmalers" verlieh.
Bald darauf begann jedoch der Spanische Erbfolgekrieg (1704-1714),
die Österreicher besetzten das Land, der Kurfürst floh in
die Niederlanden und so gab es für den Hofmaler kaum noch Aufträge.
Beich ging für 10 Jahre nach Italien, nach Rom, Livorno und Neapel
und er war dort recht erfolgreich. In Neapel scheint er unter den
niederländischen und deutschen Landschaftsmalern seiner Zeit
ohne Konkurrenz gewesen zu sein, |
Franz
Joachim Beich im Alter v.79 Jahren
|
Nach
Ende des Krieg kehrte Beich nach München zurück, wo er am 26.
Februar 1715 im Alter
von fast 50 Jahren heiratete. 1718 bis 1723 malte er neun oder zehn Schlachtenbilder
für den Viktoriensaal in Schloss Schleißheim. Sie hatten längst
errungene Siege Max Emanuels über die Osmanen zum Thema und waren
wegen ihres Detailreichtums eine wertvolle Quelle für die Heereskunde.
In der gleichen Zeit schuf er über Jahre hinweg die Gemälde
der Marienwallfahrtsstätten für den Bürgersaal
der Marianischen Kongregation. Sie waren in den Augen der Zeitgenossen
die Triumphstätten der Landespatronin Maria und das sakrale Gegenstück
zu den Schlachtenbildern. Bleich konnte aber auch bei den Wallfahrtsbildern
seine langjährige Tätigkeit als Schlachtenmaler nicht verbergen.
Die Wallfahrtskirchen werden von einem erhöhten Standpunkt ("Feldherrnhügel")
aus dargestellt und erfahren eine Dramatisierung durch Licht und Wolken.
1726 endeten mit dem Tod seines Gönners Max Emanuel die Großaufträge
des Hofs. Dafür sprangen jetzt private Auftraggeber ein. Am 16. 10.
1748 starb Franz Joachim Beich, angeblich halb taub und blind, in München.
Einen Tag nach seinem 83. Geburtstag.
Quellen:
1. Lothar Altmann, Die Ansicht Taxas im Gemäldezyklus von Marienwallfahrtsstätten
im Münchner Bürgersaal, Amperland 2014
2. Bild: Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47533)
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