zur Landkreiskarte               Beschreibung der Kapelle             Kirchen in der Gem.Odelzhausen

Das frühere Kloster Maria Stern in TAXA
1618-1802


Das Kloster Taxa um 1700

Inhalt Gründungsgeschichte -alt Gründungsgeschichte -neu Erste Kapelle Sterneier
  Kirchenbau 1629 Kircheninneres 1629 Klosterbau 1654 Gnadenkapelle 1693
  Kirchenbau 1693 Kircheninneres 1693 Wallfahrt Wallfahrtsseelsorge
  Mirakelbücher (Heilungen) Opfergaben/Stiftungen Wallfahrtsmedaillen Wallfahrtsbilder
  Krypta Abraham a Santa Clara Altäre Klosteraufhebung 1802
  Erhaltene Ausstattung

Die Geschichte des Klosters Taxa begann der Legende nach im Jahr 1606 mit einem Gelübde des in Seenot geratenen Hofmarksherrn von Odelzhausen Joh.Wilhelm von Hundt, er werde im Falle seiner Rettung eine Marienkapelle bauen. Nach der Rettung vergaß er sein Gelöbnis und wurde erst ein Jahrzehnt später wieder daran erinnert, als am Ostermontag 1616 oder Karfreitag 1618 an dem zum Schloss Odelzhausen gehörenden Sedlhof in Taxa (einem Einödhof im Wäldchen Taxet 04)) ein Hühnerei mit Relief eines Strahlenkranzes gefunden wurde. Später glaubte man, darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen.

  "Ein deutliches Hirnbatzl hinsichtlich des vergessenen Bauversprechens", so Eugen Otker. 17) Um die Besonderheit gleich sichtbar werden zu lassen, habe die Hundt'sche Henne -so später Abraham a Sancta Clara- dieses Ei auch nicht in ein gewöhnliches Nest gelegt, sondern  "auff einen nagelneuen Zigel-Stain". Noch dazu soll die Henne schwarz gewesen sein; dabei gab es in Taxa keine schwarze Hennen. Joh.Wilhelm von Hundt war beeindruckt. Er löste nun sein Versprechen ein und baute 1618 eine Kapelle im nahen Taxa, die als "Maria Stern in den Daxen" am 8.Sept. (Mariä Geburt) 1619 vom Freisinger Auxiliarbischof Bartholomäus Scholl geweiht wurde. Die Kapelle lag am östlichen Ortsende von Taxa, zwischen einem nach Essenbach führenden Sträßchen und der zum Glonntal hin abfallenden Terrassenkante. 21) Das Patrozinium der Kapelle soll aber nicht auf das Sternei zurückzuführen sein, sondern auf die Verehrung Marias als Meerstern. Auch Abraham a Santa Clara ging davon aus, wenn er schrieb: "Maria ist ein trostvoller Meerstern allen denjenigen, so auf dem gefährlichen Meer diser Welt schiffen und Zuflucht bei ihr suchen".

Ob die vor allem von Abraham a Sancta Clara verbreitete Gründungsgeschichte den historischen Ereignissen entsprach, ist zweifelhaft. Der Geschichtsprofessor Dr.Wilhelm Liebhart hat hierzu andere Erkenntnisse. Mehr darüber können Sie hier erfahren ...
 

Erste Kapelle 1618

Erste Kapelle von 1618
Bei der ersten Kapelle handelte es sich um einen Zentralbau (wohl aus Holz) über sternförmigem Grundriss. Dies ist in Schrift und Bild glaubhaft überliefert. (Bild links). Der Bau war kein gewöhnliches Achteck, sondern ein sternförmiger Bau mit vor- und rückspringenden Mauern, die Kuppel ein leicht gerundetes Faltdach mit krönendem Stern.
44)

Der Baumeister der ersten Kapelle ist nicht überliefert. Manches deutet auf Hans Krumpper (um 1570-1634) hin, der 10 Jahre später auch die Gottesacker-Kapelle in Dachau gestaltete. Sie ähnelt im Baustil durchaus der frühen Taxakapelle, die zur Zeit ihrer Erbauung aber wohl ein einzigartiges Bauwerk gewesen war, das auf keinerlei direkte Vorbilder zurückgreifen konnte. 44)

mehr zur Ausstattung der Kapelle siehe hier...
 

 


Noch frühere Kapelle ?

Etwas Rätsel um die erste Kapelle gibt ein Votivbild aus dem 17.Jh. zur Gründungsgeschichte des Klosters Taxa auf. Es ist das dritte Bild eines Zyklus' aus vier Gemälden, die heute in der Pfarrkirche St. Benedikt in Odelzhausen hängen. Darauf ist im linken Bildteil der begonnene kreuzförmige Langhausbau von 1629 erkennbar. Im Hauptteil des Bildes wird die Marien-kapelle aber nicht -wie erwartet- als sternförmiger Zentralbau, sondern als sattelgedeckte offene Kapelle mit Giebelfront dargestellt. Sie gleicht einer
bäuerlichen Hofkapelle. Diese erheblich stabiler wirkende Kapelle könnte auch später errichtet worden sein.
"Da sich der Maler der Odelzhauser Tafeln",
so Dr.Mittelstraß, "bei der Darstellung dieser Kirche als durchaus zuverlässig erwiesen hat, nehme ich an, daß er, unter Weglassung des nachträglich angefügten Schiffs mit Westturm, auch die Gnadenkapelle in ihrer realen Erscheinungsform in der zweiten Hälfte des 17.Jh. abbildete, d.h. als Chor ohne die an sich schon bestehende Kirche."
21)

Votivbild 3:
Kapelle beim Erweiterungsbau 1629

Wenn dies zuträfe, dann wäre der erste Bau nicht die sternförmige Kapelle, sondern eine einfache Kapelle auf rechteckigem Grundriss gewesen, wie auf dem Votivbild (siehe rechts) dargestellt. Der sternförmige Zentralbau müsste dann spätestens 1634 fertiggestellt worden sein, da er in diesem Jahr in Georg Stengels Emblembuch abgebildet ist. 44)
Unabhängig von der Gestaltung der ersten, 1618 erbauten Kapelle, kamen jedenfalls zahlreiche Pilger auch aus entfernten Gegenden nach Taxa. Sie wurden vom alten Pfarrer Matthias Strohmayr aus Sulzemoos betreut, dem Priester der Umgebung zu Hilfe kamen. Bald unterstützte auch der Jungpriester Georg Schädl, der Sohn des Verwalters, der das Sternei gefunden hatte, die Seelsorge.

 

 

Kirchenbau 1629

Weil die Kapelle schon nach 10 Jahren dem Besucherstrom nicht mehr gewachsen war, baute man 1629, noch unter dem Besitzer Joh.Wilhelm Hundt, der den Bau mit 1000 Gulden unterstützte, eine eintürmige Kreuzkirche an die Kapelle an; die später noch erweitert wurde.

Kirche von 1629 im Jahr 1654

Die Kapelle von 1618 wurde zum winzigen Altarraum, der Neubau zum Langhaus bzw. Kirchenschiff der neuen Wallfahrtskirche. An die Kirche wurden auf der Süd- und der Nordseite zwei Nebenkapellen angebaut, durch die sie einen Grundriss in Form eines Kreuzes mit kurzen Seitenarmen erhielt. Die Wallfahrtskirche wurde inklusive der Innenausstattung während der Besetzung Bayerns durch die Schweden im Jahre 1632 beschädigt. Auf den Bildern ist darauf nichts mehr zu sehen.
Die Bilder links und rechts zeigen diese Kirche von 1629, wie sie im Jahr 1654, also im Zeitpunkt der Klostergründung ausgesehen hat.
Die Unterschiede sind -insbesondere beim Kirchendach- beträchtlich.
Der rechten Ansicht ist der Vorzug zu geben.


Kirche von 1629 im Jahr 1656

Die westliche Einturmfassade war durch Fenster und eine Skulpturennische gegliedert. Dem viereckigen Unterbau des Turmes war eine achteckige Laterne mit Zwiebel aufgesetzt. Zwei mit Giebeln bekrönte gerahmte Seitenportale links und rechts des Turms führten in die Kirche.
An der Ostseite war die runde Gnadenkapelle als eigenständiges Gebäude zu erkennen. Sie war auch damals schon das Presbyterium der Kirche.

Die Eingangsfront, die man auch aus dem Kupferstich von Wening von 1672 kennt, war mit einem mittleren Uhrturm versehen, der der Fassade zum Teil vorgesetzt war und der den Dreiecksgiebel durchdrang. Die Spitze wurde von einem vergoldeten Stern geschmückt. Ein Chronist schrieb: " wenn ihn die Sonne berührt, ... leuchtet er so klar, als ob es eine Brandfackel sei oder ein echter Stern funkelte." 45)
Der Turm wurde von zwei Haupteingängen flankiert. Vier Fensterachsen gliederten die Südfassade, wobei man die gleiche Formensprache auch für die Nordfassade annehmen kann. Die Fenster wurden voneinander durch Pilaster abgetrennt, die mit dem im Stich erkennbaren Basen versehen waren und im Bereich des Dachstuhls zu Dachgauben hochstiegen. Alle aufgelisteten Fenster wurden in Sternform ausgeführt, wodurch sie auf den Marienkult verwiesen.
45)


Kirche von 1629 im Jahr 1656 vom
Prager Graveur Pater Heinrich
(mit provisorischen Gebäuden für die Ordensangehörigen) 
In den Jahren ab 1660 wurden die Konventgebäude des Klosters im Süden und Osten der Kirche neu errichtet
Mehr dazu siehe hier....
Nach dem Bau erstellte der Kartograph Michael Wening in einen Stich der Kirche und des Klosters (siehe rechts).
Das Kirchengebäude wurde gegenüber 1656 nur gering verändert, aber, wie noch erläutert wird, in seiner Stand-festigkeit durch die Baumaßnahmen ringsum erheblich beeinträchtigt.

Kirche im Jahr 1672 (Wening-Stich)

zur Beschreibung der Gnadenkapelle bitte hier klicken...

Wie in der Radierung von 1656 (s.o). deutlich zu erkennen ist, standen schon vor dem Klosterbau östlich der Kapelle Gebäude unterschiedlicher Größe. Einige von denen hatten zunächst dem Wallfahrtsbetrieb gedient. Später, während des Klosterbaus, stellten sie die provisorische Unterkunft der Klosterangehörigen dar. Darin befanden sich ein Refektorium, eine Küche und in der nordöstlichen Ecke ein Bad. Den Schluss bildeten sechs Mönchszellen mit 8 Bewohnern. 3 weitere Brüder wohnten unter dem Dach.
mehr dazu siehe hier...

 

Innenansicht der Kirche von 1629

Als der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651), der zunächst nicht an einen längeren Bestand der Taxaer Wallfahrt glauben mochte, im April 1644 (noch während des 30jährigen Kriegs) die Gnadenstätte besuchte, fand er hier eine richtige Kirche mit sieben Altären vor. Einen Altar hatte übrigens Kaiser Ferdinand von Österreich gestiftet, einen anderen der Erzbischof Ferdinand von Köln (reg.1612-1650), der Bruder des bayer. Kurfürsten Maximilian I.

Interessanterweise erhielt das neu angebaute Kirchenschiff ein eigenes Kreuz-Patrozinium. Das war eine Besonderheit, weil normalerweise Kirchen nur ein einheitliches Patrozinium aufweisen. Allerdings war die Wallfahrtskirche hier in Taxa aus zwei eigenständigen (aber miteinander verbundenen) Bauten zusammengesetzt. Die Verknüpfung von Kreuzestheologie und Marienverehrung ist schlüssig, weil Maria als Vermittlerin der Erlösungsgnade gilt.

Nach Plänen, die in Prag gefunden wurden, war schon diese Kirche von 1629 einschiffig. In der Nord- und Südecke des westlichen Teiles befanden sich zwei Treppenhäuser, durch die man auf die Laienchorempore chorus saecularium gelangte. Die Adeligen hatten ihre Zugänge auf der Ostgalerie (chorus nobilibus). Die vier Treppenhäuser in den Langhausecken formten den Innenraum zu einem Kreuz um. Im Osten und Westen des Kirchenschiffs, also zwischen den Treppenhäusern, stützte jeweils ein Pfeiler die Flachdecke.

Der Prager Plan präzisiert sogar die Aufstellung der Altäre. Neben dem marianischen Hauptaltar im Presbyterium befanden sich noch weitere vier Nebenaltäre im Langhaus. 45)
In einem Brief an den Kurfürsten vom 30.Mai 1635 findet sich die Beschreibung zweier dieser Altäre, die im Jahr 1630 von Maler Anton Reismüller sowie den Bildhauern Hans Schütz und Rupprecht Pichler aus Fürstenfeldbruck für den Preis von insg. 700 Gulden erstellt wurden. Diese Altäre sollen -nach Dr.Kaiser- am Durchgang vom Langhaus zur Gnadenkapelle gestanden sein, der wohl als Chorbogen mit dem Wappen des Bauherrn gestaltet war.
- Den einen Altar hatte Kurfürst Clemens aus Köln gestiftet. Das Altarblatt zeigte die Anbetung der Hl.Dreikönige, das Aufsatzbild
  die Personifikation der göttlichen Tugend Caritas (Liebe). Assistenzfiguren waren Glaube und Hoffnung. In der Predella war die
  Flucht nach Ägypten dargestellt.
- Der zweite Altar war von Kaiser Ferdinand gestiftet worden. Er war der Geburt Christi gewidmet. Im Aufsatz ein Bild von Mutter
  Anna. Assistenzfiguren waren St.Joachim und St.Josef. In der Predella Mariä Verkündigung.
Auf dem Gesims beider Altäre waren "geschnitzelte Engel mit etlichen Waffen Christi", d.s. Kreuzigungswerkzeuge, angebracht.
  Anton Reismüller hat 1716 auch die Deckengemälde in der Indersdorfer Marktkirche erstellt.
Rupprecht Pichler war Freisinger Hofmaler und bischöflicher Baumeister. Er gestaltete 1619 in der Fürstenfelder Klosterkirche den Konventaltar. Im Dachauer Land war er nur in Taxa tätig und schuf hier um 1630 die drei Hauptaltäre, den rechten Seitenaltar mit Geburt Christi, Englischem Gruß, Fides und Spes sowie den linken Seitenaltar mit den Hl.Dreikönigen, der Flucht nach Ägypten, Joseph, Joachim und Anna.
Hans Schütz (ab 1615 in FFB genannt) schnitzte für Taxa insbesondere die Engel an den drei Altären, die von Rupprecht Pichler gestaltet wurden. 12)

 

Um- und Ausbau der Kirche 1692/93 44), 21)

Im letzten Drittel des 17.Jh. wurden Kirche und Kloster umgebaut/neugebaut und erweitert.
Die Kirche von 1629 hatte schon seit 1660 größere Bauschäden aufgewiesen. Clemens Böhne nennt als Grund dafür den feuchten Untergrund, der zu statischen Problemen geführt habe. Möglich wäre nach Meinung von Birgitta Unger-Richter 44) aber auch ein Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Klostergebäude, die ab 1654 an der Südseite der Kirche entstanden. Die Reparaturar-beiten an den Fundamenten zogen sich über mehrere Jahre hin. Die Schäden waren so groß, dass der Wallfahrtsbetrieb beeinträchtigt war: Altäre und Bilder waren verdeckt; in den Mauern hatten sich tiefe Risse gebildet, so daß aus Sicherheitsgründen der Ost-Teil der Kirche, wo sich die Gnadenkapelle befand, gesperrt werden musste. So eine Kirche lädt nicht zur Wallfahrt ein.
1692 nahm man die Reparatur in Angriff. Die baufällige Kirche wurde weitgehend abgetragen und praktisch neu errichtet.

Der Stich von Michael Wening aus dem Jahr 1701 (Bild unten) zeigt die großen Veränderungen des Umbaus von 1692/93, auch wenn die Bild-Perspektive -vor allem die der Kirchenfassade- etwas verunglückt erscheint.

Die Kirche erhielt beim Neubau eine neue Westfassade mit hervorgehobenem Hauptportal und einem barocken Giebel mit Doppelkreuz, das vergoldet gewesen sein dürfte. Zudem wurde die Kirche um eine Fensterachse in Richtung Westen verlängert.

Hier im Weningbild sind die Türme Bestandteil der Fassade. Bei einem Gemälde des Landschaftsmalers Franz Beich aus der Zeit um 1720 (siehe hier..) sind die Türme aber selbstständige Baukörper, die die Fassade flankieren und etwas aus ihr hervortreten. Die beiden Türme waren bis zum Giebelansatz quadratisch und hatten einen achteckigen Aufsatz mit zwiebelförmiger Kuppel. Auf den Turmspitzen waren statt der üblichen Kreuze sechsstrahlige Sterne angebracht. In den Türmen sollen vier Glocken gehangen sein, die Schmidt'sche Matrikel (1738) spricht sogar von 5 Glocken. 01) Weitere zwei Glocken waren im Dachreiter auf der Ostseite des Langhauses untergebracht: sie riefen die Mönche zum Gebet.

Im Vergleich zur alten Kirche wirkt das Kirchendach steiler proportio-niert, die neue Kirche als Ganzes größer und repräsentativer. Die Barockzeit hatte begonnen.

Auch die Gnadenkapelle hinter dem Kirchenbau erhielt einen Zwiebelturm, der an die Proportionen des gesamten Erscheinungsbildes der neugebauten Kirche angeglichen worden war.


Neue Klosterkirche mit erweiterten Konventsgebäuden 1701 (Michael Wening)

Beim Kloster wurden die nordöstlichen Gebäude erweitert. Der vorher große, geometrische Barockgarten wurde durch einen kleineren, mit Bäumen bestandenen Klostergarten ersetzt.

Baufond
Der Kirchenumbau in Taxa hat sich auch in den Kirchenrechnungen anderer Pfarreien niedergeschlagen. Das Landgericht Dachau hatte nach dem 30jährigen Krieg eine Art Baufond eingerichtet, der zinslose Kredite für Kirchenbauten ausreichte.
Der Fond wurde von einer Vielzahl von Pfarreien/Kirchen gespeist, die dazu verpflichtet worden waren.

1693 ist ein Darlehen von 1 Gulden verbucht, das die Kirchenverwaltung Sulzrain dem Kloster Taxa gewähren musste.
Ein Gulden war auch damals kein bedeutender Betrag, aber zum einen musste Sulzrain auch an andere Kirchen Darlehen vergeben, zum anderen dürfte Taxa mehrere solcher Darlehen erhalten haben. 34) So geht auch aus der Rechnung der Filialkirche in Etzenhausen hervor, dass sie in den Jahren 1693 bis 1695 (zinslose) Beiträge (zur Tilgung der Schulden) leistete.

 
 

Innenausstattung der Kirche von 1693  14) 44)

Architektur
Die Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter berichtet in ihrem Aufsatz
44) auch über das wahrscheinliche Aussehen des Innenraums der zweiten Klosterkirche. Leider gebe es dazu keine gesicherten Quellen. Doch kunsthistorische Überlegungen ließen vermuten, dass eine basilikale Form (= 3 Kirchenschiffe) weitgehend auszuschließen sei. Diese Form wäre für einen barocken Neubau um 1700 ungewöhnlich und unmodern gewesen. Castulus Riedls Grundriss von 1754 in der Mappa Specialis deute auch auf einen längsrechteckigen Grundriss ohne Querarme hin, bei dem an der Ostseite der Zentralbau als Chorpartie erkennbar ist. Wenn dem so sei, wäre die zweite Klosterkirche Ende des 17. Jahrhunderts vermutlich eher eine Wandpfeilerkirche. Diese Kirchen hätten sich seit dem Bau von St. Michael in München (Weihe 1597) in den Regionen Oberbayern und Schwaben als neue architektonische Form auch in ländlichen Gebieten etabliert. Sie hätten unter anderem den Vorteil, dass die Wandpfeiler Nischen ausbildeten, die Platz für Altäre bieten.

Die Kirche besaß die Innenmaßen von 178 Fuß (= 52 Meter) Länge und 90 Fuß (=26 Meter) Breite (incl.Kreuzgang) und wohl 10 m Höhe. 21) Sie war somit um 19 Meter länger und 4 Meter breiter als die Kirche von 1629.
Die Kirche von Taxa war flächenmäßig sogar größer als die Kirche im Kloster Indersdorf. Drei Eingänge führten ins Innere, das vom Schmuck ungezählter Votivtafeln, die von der Hilfe Marias in allen Nöten kündeten, prangte. "Wie ein prächtig verzierter Tempel" wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Mitten in der Kirche lag die Mönchsgruft 21) (ein Kreuz nördlich der heutigen Kapelle wies noch 1970 auf die Grabstelle hin).

Altäre
Die Angaben über die Zahl der Altäre in der Kirche sind in den alten Beschreibungen unterschiedlich. Zum einen wurden die Altäre wohl erst nach und nach im Lauf der Zeit eingebaut, zum anderen wird oft nicht von der ganzen Kirche, sondern nur von der Kreuzkirche mit oder ohne Kapellen gesprochen. Wahrscheinlich ist der Aussage von Dr.Kaiser zu folgen, nach der in der Kirche insgesamt 13 Altäre (!) standen. Davon einer in der Chorkapelle, zwei am Chorbogen, acht im Kirchenschiff und zwei in den Seitenkapellen.
Die Kirche hatte im Kirchenschiff neben dem Hauptaltar (Altare majus) mit dem Gnadenbild
also acht Seitenaltäre, von denen heute noch zwei in der Pfarrkirche von Odelzhausen als Seitenaltäre zu sehen sind.
Sie bestanden aus marmoriertem Holz "mit vergoldeten Zierraten".

Diese Altäre hatten (im Jahr 1738) folgende Patrozinien:
44)
auf der Evangelienseite (von hinten aus gesehen links):
— der Dreieinigkeitsaltar (Altare s. Trinitatis),
— der Altar des Apostels Petrus (Altare s. Petri Apostoli),
— der Altar des heiligen Augustinus und seiner Mutter Monika (Altares. Augustini Episc. et s. Monicae vid.),
— der Altar des Apostels Paulus (Altare s. Pauli Apostoli)
auf der Epistelseite (rechts):
— der Altar des heiligen Nicolaus von Tolentino (Altare s. Nicolai Tolentini),
— der Altar der Heiligen Familie (Altare Jesu, Mariae, Joseph),
— der Altar der heiligen Jungfrau Maria vom Berg Karmel oder Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel (Altare B.Mae Virginis de
                monte Carmelo),
— der Altar der heiligen Jungfrau Maria vom Englischen Gruß (Altare 13.mae Virginis ab Angelo salutatae)

Die Anordnung lässt kein ikonologisches Konzept erkennen. Deshalb ist anzunehmen, dass die Altäre nicht gleichzeitig, sondern im Laufe mehrerer Jahre oder Jahrzehnte beschafft worden sind. Der sonst nur selten verehrte Nikolaus von Tolentino verdankt die Ehre des Altars der Tatsache, dass er, wie St.Augustinus, dem Orden der Augustiner-Eremiten angehörte. Zudem wird er häufig mit einem Stern als Attribut dargestellt.
Die Weihe eines Altars zu Ehren der seligsten Jungfrau vom Berge Karmel hängt mit der Einführung der Skapulierbruderschaft im Jahre 1645 zusammen. Die Mitglieder der Skapulierbruderschaften trugen unter der Kleidung Skapuliere, d.s. zwei kleine Vierecke aus Stoff, die mit Schnüren so verbunden sind, dass ein Viereck vorne an der Brust, das andere am Rücken getragen wird. Seine Verbreitung verdankt das Skapulier einer Verheißung der Jungfrau Maria. Sie soll am 16.7.1251 dem Ordensgeneral der Karmeliten Simon Stock verkündet haben, dass derjenige, der mit einem Skapulier bekleidet sterbe, nicht das Feuer der Hölle erleiden müsse.

Gnadenbild-1719
 
In der Klosterkirche befand sich wohl auch ein Bild des gegeißelten Heilands. Denn im Jahr 1619 hatte der bayerische
(Ex-)Herzog Wilhelm V. (gest.1626) ein "mit eigener Hand gemaltes" Bild der Geißelung Christi in die neu erbaute Gnadenkapelle Maria Stern in Taxa gestiftet.27)


Nebenkapellen

Auch in den beiden Nebenkapellen standen Altäre, die von Graf Hundt gestiftet worden waren (Hundt war auch der Finanzier der beiden Kapellenanbauten).
— In der linken Kapelle stand der Altar zu Ehren der sieben Schmerzen Mariens. Der Altarauszug zeigte St.Sebastian, das     Altarblatt die schmerzhafte Muttergottes. Assistenzfiguren waren St.Benno und St.Rochus.
— Der Altar in der rechten Kapelle war Mariä Himmelfahrt geweiht. Im Altarauszug war ein Bild von Johannes Evangelist sehen, im
    Altargemälde die Aufnahme Mariens in den Himmel. Assistenzfiguren waren St.Karl Borromäus und St.Franziskus.

Auch auf diesen Altären standen wieder "geschnitzelte Engel mit etlichen Waffen Christi". Diese Waffen Christi oder arma Christi werden als Majestätssymbole verstanden, die an den Sieg Christi über den Satan erinnern. Im 17.Jh. wurden die Arma Christi auch als Zeichen der Überwindung der Reformation gesehen.


Orgel

Auf der Westseite der Kirche, über dem Eingang und dem Vorraum befand sich eine Orgelempore (Musikchor). Erbauer der letzten Orgel, die später nach Altomünster kam, war Johann Franz Michael König (1723-1791) aus Ingolstadt. Der mit vergoldeten Schnitzereien verzierte Orgelprospekt ist fünfteilig aufgebaut und besitzt hohe seitliche Rundtürme mit zur Mitte abfallenden Zwischenfeldern. Sockel und Spieltisch waren aus marmoriertem Holz gefertigt.

 

Franz Michael König wurde als Sohn des Orgelbauers Caspar König am 28. September 1717 in Ingolstadt in eine Orgelbauer-Dynastie hineingeboren. Der Großvater Johann stammte aus Solothurn in der Schweiz und war nach dem 30jährigen Krieg nach Ingolstadt gekommen, wo er 1678 das Bürgerrecht erhielt. Als Johann König am 15.10.1691 in Ingolstadt im Alter von nur 52 Jahren starb, war sein Sohn Caspar, der Vater unsres Franz König, noch nicht einmal 16 Jahre alt. Doch die Großmutter führte den Betrieb weiter; so blieb die Werkstatt erhalten. Caspar wurde einer der führenden Meister in Altbayern. Er starb laut Sterbematrikel am 9. Juli 1765 kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres.
Da hatte der Sohn Franz Michael König schon lange die Werkstatt übernommen (1750). Ab 1755/56 tragen die Orgelverträge seinen Namen und seine Unterschrift. Franz König starb am 3. November 1791 im Alter von 74 Jahren. Die Liste der Werke der Familie König ist lang. Franz hatte schon 1758 in Straubing vermerkt, dass sein Vater über 170 Orgeln gefertigt habe. Darunter sind aber nur 50 neue Orgeln, der Rest waren Reparaturen und Umbauten.
Der Name König ist im Zusammenhang mit dem Orgelbau auch im Westen Deutschlands gut bekannt. Der Onkel von Franz, Balthasar König, ebenfalls Orgelbauer, zog 1711 nach Münstereifel und gründete dort einen neuen Betrieb. Hermann Fischer und Hans-Wolfgang Theobald schreiben dazu:
"Keine andere Orgelbauwerkstatt hat das nördliche Rheinland im 18. Jahrhundert so geprägt, wie die Familie König in Münstereifel und Köln. Trotz regionaler Überschneidungen mit konkurrierenden Werkstätten in benachbarten Regionen, etwa die der Familie Stumm in Sulzbach im Hunsrück oder die Familie Kleine-Roetzel in Alpen im Bergischen Land, konnte die König-Werkstatt zunächst von Münstereifel aus, später von Köln aus wichtige Impulse für die Orgel geben und über die Kurfürstentümer Trier und Köln hinaus wirken, über Schüler sogar bis weit in die folgende Zeit."


    
Kirchenbankwange

Die Besucherbänke in der Klosterkirche hatten -der Zeit entsprechend- kunstvolle Wangen im Stil des Rokoko.
Erhalten sind zwei unterschiedliche Wangenformen. Leider wissen wir nicht, wo die entsprechen-den Stühle gestanden sind. Aber es wäre eine Unterteilung in die Gnadenkapelle und in das Kirchenschiff denkbar.
27)

Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...


Kirchenbankwange


In der Nähe des Musikchores befand sich ein Oratorium. Es war mit einem geschnitzten Kruzifix, einem Marienbild und einem Aufriss der neuesten Kloster- und Kirchengebäude ausgestattet.


Krypta 45)
Unter der Kirche war eine Krypta für die Mönche und die Hofmarksherren angelegt.

Begräbnisse in Taxa waren aber selten. Eigentlich sollten nur die Ordensangehörigen hier bestattet werden. Diese wurden in der Krypta unter der Mitte der Kirche beigesetzt. Man nahm an, dass sich Auswärtige in der Kirche zu Taxa nicht gern begraben lassen. Denn: "Wer würde sich letzten Endes wünschen, in unserer Kirche begraben zu werden, denn sie steht inmitten einer Einöde und ist von Waldbäumen umgeben" Dennoch gab es einige Interessenten: Hofmarksherren von Odelzhausen wählten Taxa-"trotz aller anderweitiger Empfehlungen"- als ihre letzte Ruhestätte. Das Beisetzen von weltlichen Personen erforderte eine ausdrückliche Erlaubnis; zudem musste die Zeremonie durch den Pfarrer von Sulzemoos vollzogen werden.



Beschreibung der Gnadenkapelle 45),
12)

Östlich des Langhauses lag die alte Gnadenkapelle, die nun auch Chorkapelle genannt wurde, weil sie den Altarraum der neuen Wallfahrtskirche bildete. Sie war Ziel und Zentrum der Wallfahrt. Hier wurde das Gnadenbild verehrt; hier stand der Tabernakel. Die kostbare Ausstattung unterstrich den Stellenwert dieser Kapelle, die mit dem Tempel Jerusalems verglichen wurde.

Der Grundriss des Altarraums/Gnadenkapelle wird teils als rund, teils als sternförmig geschildert. Auf alle Fälle handelte es sich um einen Zentralbau.
Dieser Bautyp wurde damals häufig gewählt, weil
weil man die idealste aller geometrischen Figuren, den Kreis, gerne mit den idealen Eigenschaften der Muttergottes gleichgesetzt. 44)


Grundriss der Gnadenkapelle

Der Grundriss der Kapelle (siehe Bild links) ist aber auch für Zentralbauten außergewöhnlich. Denn an den Seiten befanden sich halbrunde Doppelnischen, an die sich ein enger, länglicher Raum zum Gnadenaltar hin anschloss: von dort führte links eine Türe in die Sakristei. Der Altar nahm die ohnehin sehr schmale Ostwand in voller Breite ein.
Die Verwendung einer Kapelle als Chorraum einer Kirche ist selten; aber es gibt sie auch im Wallfahrtsort Altötting, der für Taxa als Inspirationsquelle gedient haben dürfte.
45)


Dem Patrozinium entsprechend waren die Platten des Marmorfußbodens und fast alle Verzierungen sternförmig ausgebildet.
Das Erdgeschoss der Kapelle, sowie der Raum des Hochchores, wurden durch ebenfalls sternförmige Fenster beleuchtet.
Das Mauerwerk der Kapelle ging oben höchstwahrscheinlich in eine Kuppel über, die von außen einer Welschen Haube glich und von einem Patriarchenkreuz auf der Spitze gekrönt war.

Zur Innenausstattung äußerte sich Abraham a Sancta Clara überschwänglich:
    "Das einwendige Gemäur wurde also mit feiner Gips-Arbeit überzogen, daß es nicht weniger die Augen als das Gemüth ergetze."

Die Wände waren also mit Stuck verziert; Fresken fehlten hier aber ebenso wie im Kirchenschiff.
Für die neue Kapelle hatte der Bildhauer Hans Schütz schon im Jahr 1619 drei Altäre erstellt. Für den Hauptaltar schnitzte er eine Marienfigur auf dem Ei; eine sitzende Muttergottes, die ein auf ihrem Schoß stehendes Jesuskind am Arm hält. Das Kind hat seine Hand erhoben und streckt zwei Finger in die Höhe. 1630 schuf er -dann schon für die neue Kirche- Gesimsengel für die Seitenaltäre. 12)

Eine kleine Chororgel begleitete in späteren Jahren den Gesang der Mönche, wenn sie im Chorgestühl ihr Morgen- und Abendlob sangen. Ein Kruzifix mit den gemalten Bildern von Maria und Johannes, ein weiteres Marienbild, ein Gemälde von Augustinus und seiner Mutter Monika und sieben Portraits von verstorbenen Augustiner-Eremiten vervollständigten im Laufe der Jahre die Ausstattung der Kapelle.
Den Mittelpunkt bildete der kostbare, aus Gold und Silber gearbeitete Gnadenaltar.
In einer alten Beschreibung heißt es:
  "Den Altar in der anfangs erbauten ... Haubt und Chorkapellen, in welchem ein geschnitztes unserer lieben Frauen Bild, das stehende Christkindlein mit dem gerechten Arm haltend, auf jeder Seiten ein stehender Engel und so alles mehrer thails mit Gold geziehrt ist, hat machen und dazu in Anno 1619 gnädigst hergeben lassen 100 Reichsthaller der durchläuchtigste Fürst Wilhelm...".


Auf der Altarmensa, dem Altartisch, stand der Tabernakel für die Aufbewahrung des Allerheiligsten, darauf ein Aufsatz aus vergoldetem Messing, der mit vielen silbernen Ornamenten geschmückt war. Über dem Tabernakel war das von Herzog Wilhelm V. im Jahr 1619/1620 gestiftete
Gnadenbild 42) unserer lieben Frau vom Stern mit einem stehenden Jesusbild zu sehen. Es war umgeben von einem Baldachin, dessen Vorhänge von je einem Engel rechts und links gehalten wurde.



Altar in der Gnadenkapelle

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Bedrückend sind die Daten, die wir aus dem Versteigerungsprotokoll von 1802 erfahren: Dort wurde der Altar nach seinem Materialwert ausgeschrieben und verkauft.
"Der Hochaltar von Goldschmiedearbeit von Kupfer, vergoldet und mit vielen silbernen Ziehraten nach geschehener Abschätzung
-an Kupfer 294 Pfund à 1 Gulden,
-an Messing 14 Pfund à 34 Kreuzer,
-an Silber 46 Pfund à Loth 1 Gulden 11,5 Kreuzer,
zusammen 1758 Gulden und 54 Kreuzer".



Wallfahrtsseelsorge 42)

Die Wallfahrtsseelsorge hatten in den ersten Jahren der zuständige Pfarrer von Sulzemoos mit seinen Kaplänen und der Schlosskaplan von Odelzhausen übernommen. Erst 1640 kam ein eigener Benefiziat in Taxa selbst dazu. Der immer größer werdende Zustrom der Wallfahrer aus 60 bis 80 Ortschaften des westlichen Oberbayerns erforderte jedoch eine dauerhafte Betreuung mit Predigern, Beichtvätern und Celebranten für die Votiv- oder Stiftungsmessen. 1645 sollen 5000 Kommunikanten gezählt worden sein. Es war Beccaria, der Nachfolger des Klosterstifters Hundt, und ebenfalls ein großer Förderer der Wallfahrt, der die Idee hatte, ein Bettelordenskloster mit der Wallfahrt zu betrauen. Er begründete dies damit, dass dieser Orden nicht von festen Jahreseinkommen, sondern von Opferstock- und Wachsspenden lebe. 1644 seien alles in allem über 1500 Gulden Spenden zusammengekommen.

1646 interessierte sich das Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf unter Propst Martin Riegg (1640-1662) für die Wallfahrts-betreuung. Der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) sprach sich aber dagegen aus: zum einen weil Kriegszeit war, zum anderen, weil in Taxa 900 Gulden Bauschulden vorhanden waren und er der Wallfahrt keine lange Lebenszeit zutraute. Ihm zufolge war der Ort allzu abgelegen und ungesund, darüber hinaus habe der sumpfige Boden keine stabile Basis für einen Bau. 45)
Auch eine Bewerbung des kontemplativen Klosters Altomünster wurde vom Bischof abgelehnt, weil die Wallfahrtsbetreuung mit den Regeln der hl.Birgitta nur schwer vereinbar sei. Immerhin erfahren wird aus den Verhandlungen den Grundbesitz der Wallfahrtskirche Taxa: Der Hofmarksherr Beccaria bot dem Erwerber der Seelsorge den Platz und Umgriff für den Bau eines Klosters, dazu den großen Baumgarten im Süden, einen Fischkalter im Norden, 80 Jauchert Ackerboden vom Schlosshofbau und 20 Tagwerk zwei- und einmahdige Wiesen für insgesamt 10.000 Gulden an. Die Flächen waren durch Grenzsäulchen und einen hohen Zaun abgesteckt.

Nun sollte eigentlich der Weg frei sein für die von Beccaria favorisierten Reform-Augustiner. Doch da dieser neue Augustiner-Zweig in Kurbayern mit keinem Kloster vertreten war, verweigerte der Fürstbischof auch für diese Lösung seine Zustimmung. Beccaria musste warten, bis Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh im Jahr 1651 starb. Erst der neue Fürstbischof, der Wittelsbacher Albrecht Sigmund von Bayern (1651-1685), stimmte zu.
Eine große Fürsprecherin des Ordens war die Kurfürstin Anna Maria (1610-1665). Sie war eine Tochter von Kaiser Ferdinand II. und Schwester von Kaiser Ferdinand III. Sie kannte die Augustiner-Barfüßer aus Wien, wo sich der Sitz der österreichischen Ordensprovinz befand. Sie begab sich zusammen mit ihren Söhnen Ferdinand Maria und Maximilian am 16. Mai 1653 nach Taxa, wo sie mit den Augustinerbrüdern und ersten Wallfahrtsseelsorgern, Cherubin a S. Catharina und Christophorus a S. Michael, zusammentraf. Zwischen dem neu inthronisierten Bischof von Freising, Albrecht Sigismund von Bayern, und der Kurfürstin herrschte Übereinstimmung hinsichtlich der Errichtung eines eigenen Augustinerklosters in Taxa. 45)

Die Mönche wurden von der Umgebung gut angenommen. Das lag wohl auch daran, weil die meisten aus der nahen oder sogar nächsten Umgebung von Taxa kamen. Pater Pater Serenus a S. Guilelmo, wohl der erste Prior zu Taxa, schrieb:
  "Ich erinnere mich keines Klosters, das in seinen Anfängen so vielen Beistand und Vorteil gefunden hätte, wie wir hier (...). Denn wir haben ein Haus, wo wir wohnen, was, wenn nötig ist, vorerst völlig ausreicht, wir haben die nötigen Möbel und sind ausreichend mit allem erforderlichen versorgt: mit Wein, Fleisch, Fisch, die uns alle direkt bis in die Küche gebracht werden, Brot, Butter und Eier kaufen wir nie ... 45)

Die Kleidung der Mönche bestand aus einem schwarzen Habit mit Ledergürtel und einem großen Schulterkragen mit Kapuze.
Der Orden wirkte in Taxa erfolgreich von 1654 bis 1802.

Dieser strenge Orden war nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) als eine Reformkongregation der Augustinereremiten entstanden. Taxa war die einzige Niederlassung des Ordens in Bayern; er wurde in den 148 Jahren seines Bestehens aus Wien betreut, gehörte aber wohl nicht mehr der österreichischen Ordensprovinz an.
Denn, so Tomas Repa in seinem Aufsatz 45), mit der Gründung des Augustiner-Barfüßer-Konvents in Taxa zwischen Augsburg und München verdichtete sich zusammen mit dem Kloster St. Johann bei Herberstein in der Steiermark (gegründet 1654) und dem Konvent in Graz (gegründet 1655) das bestehende mitteleuropäische Netz der Augustinerklöster, was dazu führte, dass man diese Konvente der neu entstandenen deutsch-böhmischen Provinz unterstellte. Diese neue Provinz wurde durch die Bulle von Papst Alexander III. am 27. März 1656 eingerichtet. Der Provinzial hatte aber seinen Sitz in Wien, wodurch der Status des Hauses Habsburg als des wichtigsten Gönners dieses Ordens bekräftigt wurde.
Nicht nur die künstlerischen Beziehungen zwischen Prag und Taxa veranschaulichen, dass die Konvente von der Gründung an eng verbunden waren. Die Zusammenarbeit bestand aber auch 150 Jahre später, als die Ordensbrüder im Rahmen der Säkularisation gezwungen wurden, Taxa zu verlassen. Denn sie fanden in den Klöstern in Wien, Graz und im mährischen Fratting (Vratenin) Zuflucht. 45)


Klosterbau ab 1654

Am 5.Mai 1654 übergab nun Bischof Albert Sigmund (1652-1685) die Wallfahrt an die Augustiner-Barfüßer.
Zunächst gab es aber noch keine Klostergebäude. Deshalb
wurden die Gebäude, die östlich der Kapelle standen und bisher dem Wallfahrtsbetrieb gedient hatten, in eine provisorische Unterkunft für die Klosterangehörigen umfunktioniert. Das Wallfahrtshaus wurde zum Ordenshaus. In anderen Gebäudeteilen richtete man ein Refektorium, eine Küche und in der nordöstlichen Ecke ein Bad ein. Den Schluss bildeten sechs Mönchszellen mit 8 Bewohnern; 3 weitere Brüder wohnten unter dem Dach.
Schon in den ersten Jahren gab es auch Differenzen unter den Mönchen. So klagte der erste Prior Serenus, sein Vertreter Pater Benedikt, dem er die Wirtschaftsführung während seiner Abwesenheit übertragen hatte, habe schlecht gewirtschaftet. Nun fehle das Geld für die Errichtung einer Bierbrauerei. Die Ordensbrüder hätten das Getränk sehr billig selbst herstellen können und nicht ankaufen müssen. Das Getreide hätten sie sicher von den Bauern der Umgebung umsonst bekommen.

Sechs Jahre später, im Jahr 1660, legte Johannes Franziscus Graf von Preysing zu Weikertshofen in Vertretung des Kurfürsten den Grundstein zum Klosterbau. Der bestand nach seiner Fertigstellung aus vier Trakten und einem Kreuzhof. Auf allen Ansichten überragen die Türme und der Dachfirst der Kirche die übrigen Klostergebäude. Die Kirche blieb damit das dominante Gebäude im Gesamtkomplex.
Die Klostergebäude der 1660er Jahre beschreibt Tomas Repa
45) so:
 

"Das Kloster wurde südlich der Kirche um einen Innenhof (claustri hortulus) errichtet... Die Mönchszellen findet man zu sechs im ersten Stock des Westflügels und zu sieben im ersten Stock des Südtraktes. Die entferntere Ostseite nahm im Norden eine Vorhalle ein, von wo aus man das Refektorium mit den Ausmaßen 6 x 10 Meter (22 x 32 Wiener Fuß)" und die benachbarte Speisekammer betrat.
In der südöstlichen Ecke des Obergeschosses befand sich eine Bibliothek, wohin ein nicht genanntes Mitglied der alten Augsburger Familie Fugger im Jahre 1667 seine bibliothecam vermachte. Neben diesem Raum wurde eine Zelle erbaut, die aus dem Gang (communitas) erschlossen wurde. Auf der anderen Seite des Ganges hatten sechs Ordensbrüder ihre Zellen mit Fenstern in den Innenhof. Aus der Südecke des Ostflügels trat der Baukörper des Rekreationsraumes (locus recre) heraus. Über dieser Einrichtung wurde im ersten Stock das Krankenzimmer situiert. Die Speisekammer und die Küche befanden sich nördlich im entsprechenden Vorbau, über ihnen ist ein weiterer Gang (communitates) zu finden. Die regelmäßige Einteilung des Kreuzgangs in jeweils fünf Fensterachsen zu jeder Seite wurde im Süden und Norden durch zwei Portale gestört, die in den Innenhof führten.
"

Anlässlich der Vollendung der Klosteranlage (Bauzeit 1660-1672) gab der Prior einen Stich in Auftrag, den er -wie in der unteren Kartusche des Bildes vermerkt- dem Kurfürsten Ferdinand Maria (reg.1651-1679) und seiner Mutter Maria Anna (1610-1665) widmete. Über der Klosteranlage schwebt die Muttergottes von Taxa, flankiert von Engeln, die verschiedene Wappen der Wittelsbacher in ihren Händen halten. Südlich der Kirche erstrecken sich die zweistöckigen Konventsgebäude und der geometrisch angelegte barocke Klostergarten. Im Hintergrund sind Ort und Kirche wohl von Roßbach zu sehen. Im Vordergrund kommen eine Postkutsche und ein Leiterwagen vor einer Wallfahrergruppe beim Kloster an.


Erste Klosterkirche mit Konventsgebäuden nach dem Stand von 1672
(Vergrößerung per Mouseklick)

Die Kirche von 1629 war etwa 22 Meter breit und etwa 35 Meter lang, einschließlich der Sakristei.

Die im Geviert errichteten 2-stöckigen Konventsgebäude waren etwa 32 Meter breit und 41 Meter lang. Rechnet man die beiden östlichen Anbauten dazu, waren sie um mehr als 10 Meter länger. Die Gesamtlänge des Klosterareals einschließlich des Gartens betrug etwa
130 Meter.

Neben der Bibliothek und einem Konzertsaal standen 30 Mönchszellen und 10 Gästezimmer (eines davon das Bischofszimmer) zur Verfügung. Der Ostgarten war 1 1/2 Tagwerk groß.


Zum Immobilienbesitz gehörten 183 Tagwerk (61 ha) Wald, 2 Fischweiher und ein Bauernhof in Miegersbach. Für diesen Bauernhof mussten alljährlich 5 hl.Messen für den Stifter Ambrosius Wagner, Hofkammerrat aus München gelesen werden. Dazu kamen Zehentrechte, Gilten und Kapitalien in Höhe von fast 20.000 Gulden.

Gartenanlage
Auch über die Grünanlagen des Klosters weiß Tomas Repa 45)
aus den Plänen zu berichten.
  "Östlich hinter dem Kreuzgang wurde ein Obstgarten (pomarium) angelegt, dem ein umzäunter Küchengarten mit den Ausmaßen von etwa 38 x 38 Meter folgte. Die Funktion dieses Gartens ist direkt im Plan als hortulis pro culina definiert. Der quadratische Grundriss wurde in der Mitte durch einen Stern aus Blumen ergänzt. Die nordöstliche Ecke des Areals nahm ein nicht bebautes Feld ein. Im Plan fehlen die vier Eckpavillons, die den Garten auf dem grafischen Blatt von Wening aus dem Jahre 1672 (s.o.) umgrenzten. Der Garten war mit einem Zaun umgeben, der ihn von den Klostergebäuden abgrenzte." Dieser Zustand wurde auch nach dem Jahre 1759 nicht geändert, als der Prior erfolglos die Erweiterung des Gartens forderte."

 
Prediger Abraham a Santa Clara
Von 1670 bis 1672 war hier Abraham a Santa Clara als volkstümlicher und wortgewaltiger Kanzelprediger tätig. Er war vom Stammkloster der Augustiner-Barfüßer in Wien gesandt worden, weil aus Taxa "Ungereimtheiten und Schlampereien" gemeldet worden waren. Seine originelle und bilderreiche Sprache machte ihn weithin berühmt. Er schrieb, allerdings lange Zeit nach seiner Zeit in Taxa, in den Jahren 1683/1685 in Graz die Wallfahrtsgeschichte nieder und veröffentlichte sie in seinem Buch mit dem ausführlichen Titel:
    "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga. Einer wunderseltzamen Henne in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist eine ausführliche und
     umbständliche Beschreibung der berühmbten Wallfahrt Maria Stern in Taxa".

Die Einzelheiten dazu will er von dem Verwalter Schädl von Odelzhausen erfahren haben, der das Wunder-Ei gefunden hatte.
Mehr über Abraham a Santa Clara erfahren Sie hier...



Taxa im 18.Jahrhundert

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) wurde Taxa schwer heimgesucht. Die Mönche waren unter Mitnahme des wertvollsten Kirchengeräts vor den heranrückenden Österreichern und Engländern in die Landeshauptstadt München geflohen. Ein Pater und mehrere Brüder, die zurückgeblieben waren, mussten entsetzt mit ansehen, wie die siegestrunkenen Soldaten Schränke und Truhen durchwühlten und alles, was ihnen brauchbar erschien, raubten; das Übrige zerstörten sie mutwillig. Selbst alle Glocken wurden von den Türmen heruntergeholt und als Beute fortgeschleppt. Die Bitte des Priors an den Kaiser um finanzielle Beihilfe zu einem neuen Geläute blieb unerfüllt, da der lange andauernde Krieg auch die Staatskassen geleert hatte. 13)

Altarweihe 1715 09)
Kurz nach dem Spanischen Erbfolgekrieg ist die Weihe eines Altars überliefert. Am 13. Oktober 1715 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Taxa und weihte den neuen Altar in der Kirche.
Zugleich spendete er 405 (!) Kindern das Sakrament der Firmung, die sicher auch aus weit entfernten Dörfern hierher kamen.
Der kunstsinnige Bischof (mit Sommersitz in Hof bei Eisenhofen) regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Taxa, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.


Im Österreichischen Erbfolgekrieg 1741-45 (Pandurenkrieg) "ist weder dem Kloster noch der Kirche einiges Leid den ganzen Krieg hindurch zugefügt worden" schrieb der Chronist in Taxa. Aber dem Land brachte der Krieg erneut unsägliches Leid und Elend. Unter anderem verlobte sich die ehrsame Gemein von Hattenhofen (Lkr. Fürstenfeldbruck) mit einem Kreuzgang nach Taxa, "so ihnen das Vieh, wie anderer Orthen geschehen, nit solte geraubt werden, welcher Gnad sie auch gewürdiget worden". 13)

   Wallfahrt 13)

Taxa war am Anfang eine kleine Wallfahrt. Von 1642 bis 1654 gab es durchschnittlich 3145 Kommunikanten und 840 gestiftete Mes-sen im Jahr. Wie oben schon erwähnt, war zunächst geplant, die Wallfahrtsbetreuung dem Stift Indersdorf oder dem Kloster Altomünster zu übergeben. Doch der Bischof lehnte beide Male ab. Der Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) glaubte nicht an einen längeren Bestand der Taxaer Wallfahrt und war deshalb ein erklärter Gegner des Klosterbaus. Erst nach seinem Tod 1651 war es möglich, die Wallfahrtsseelsorge den Augustinerbarfüßern aus Wien zu übertragen. Unterstützer dieses Ordens waren Kaiser Ferdinand in Wien sowie der Bayerische Kurfürst und dessen aus Wien stammende Gattin. Als die Barfüßer 1654 die Wallfahrtsbetreuung übernahmen, entwickelte sich Taxa rasant. Schon im Jahr 1654 erbrachten die Opferstockeinlagen 800 Gulden. In den ersten 5 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Kommunikanten auf 7962. Die Zahl der jährlichen Messstiftungen stieg auf 1845. 30), 45)

Der erste .Prior der Klostergemeinschaft Pater Serenus a.S.Guilelmo beschrieb um 1655 die damalige Frömmigkeit der Bevölkerung wie folgt:
     "Riesiger Zusammenlauf von Leuten, so viele Prozessionen wie zur Jungfrau Maria in Altötting, wenn nicht mehr. An jedem
      marianischen Fest kommen bis zu vier tausend Pilger, es fielen jeweils über siebzig Gulden in die Kirchenkasse."

Die Päpste Gregor XV. (1621 bis 1623), Urban VIII. (1623 bis 1644) und Clemens IX. (1667 bis 1669) statteten die Kirche mit speziellen Ablässen aus, was den Zulauf noch weiter steigerte. Die Mirakelbücher, die Aufzeichnungen der Wunderheilungen, füllten sich. Pro Jahr wurden über 40 Wunder aufgezeichnet. Hilfe erhielten die Wallfahrer vor allem bei Frauenleiden, Fieber und Geburtsnöten. Mehr zu den Mirakelbüchern finden Sie hier...

Wening-Stich-1672

1665 kamen sogar der Kurfürst Ferdinand Maria mit Gattin nach Taxa, um die Gottesmutter um Hilfe anzuflehen. Die Kurfürstin Adelheid stiftete ein Kleid für das Gnadenbild, "ainen khöstlichen schönen Rockh und anderes" heißt es. Auch andere Gläubige spendeten Kleidungsstücke für die Muttergottes-Statue. 1802, bei der Kloster-auflösung, waren 12 Gewänder vorhanden. Aber nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Ortschaften pilgerten zur Abwendung von Notständen, Misswuchs, Hungersnot und Seuchen von Mensch und Tier nach Taxa, das im 18.Jh neben Altötting und Tuntenhausen zu den drei bedeutendsten Marienwallfahrten in Oberbayern gehörte.

Im 18.Jh wallfahrteten bis zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa; dies war nicht zuletzt auf die oben erwähnte Schrift Abraham a Santa Claras zurückzuführen. Im Sommer erreichten drei bis vier Prozessionen pro Tag diesen Ort. 45) Aus dem Pilgerstrom erwuchs auch ein Geldstrom. Bis zu 24 Mönche lebten und wirkten hier in Taxa. Die Pilger versprachen sich von der Wallfahrt Heilung von Krankheit oder Schutz für Haus und Hof.


Der Prediger Pater Abraham a Santa Clara (s.o), der von 1670 bis 1672 am Kloster Taxa als Prediger tätig war, schilderte die Kreuzgänge der umliegenden "Städt, Märckt und Dorffschaften" in seiner direkten Art so:
  "Die volckreichen Chreuzgäng besuchen den Ort so flaissig, daß schier kein Wunder wäre, daß die Glocken zu Taxa müßten vom vielem Einläuten (= beim Einzug der Kreuzgänger) haisser und stimmlos werden. Den Prozessionen werden eine und öffters mehrer(e) fliegende Fahnen voran getragen, an einer sehr hohen Stangen, daß sich selbige obenher wie ein Bogen pflegt zu biegen. Denn in dieser Gegend ist (es) bereits ein veste (feste) Gewohnheit, daß gleichsam ein Pfarrer dem andern in der Höhe der Fahnenstangen es will bevorthun." (= jeder möchte die höchste Fahne haben).

Taxa soll, so meinen Historiker, noch vor Altötting die größte Marienwallfahrt Bayerns gewesen sein, andere sprechen von der drittgrößten Wallfahrt nach Altötting und Tuntenhausen 33). Vielleicht sprechen beide Gruppen von verschiedenen Zeiten
Hans Graßl schrieb 1977 in seinem Buch "Unbekanntes Bayern":
         "Die Wallfahrt in Taxa war über den Petersberg und Altomünster hinaus das
          eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich der Ort, an
          dem sich das bäuerliche und monastische Leben am innigsten berührten".
 
Die frühere Bedeutung von Taxa zeigt sich auch daran, dass Taxa im Bilderzyklus der bayerischen Marienwallfahrtsstätten in der Bürgersaalkirche in München (als Daxa) vertreten ist (siehe Bild rechts). Das 3,30 m breite und 0,72 cm hohe Bild mit dem Schloss Odelzhausen und dem Kloster Taxa wurde vom Landschaftsmaler Franz Joachim Beich (1665-1748) um 1720/30 gemalt. Stifter des Gemäldes war der seit 1720 im nahen Schloss Weyhern residierende Johann Baptist von Ruffin(i). 39)
mehr zum Maler Franz Joachim Beich...


Taxakirche- Gemälde in der Bürgersaalkirche Mch
von Franz Beich um 1720


Mirakelbücher

Das erste Taxaer Mirakelbuch (Aufzeichnungen der Gebetserhörungen/Wunder) wurde von Pfarrer Strohmayr aus Sulzemoos angelegt, nachdem er im Jahr 1640 vom Bischof dazu aufgefordert worden war ("die alldort sich begebende Miracul in ein absonderliches Büchl zu beschreiben"). Die Aufzeichnungen beginnen mit dem 1.1.1642 und erstrecken sich bis zum 7. Mai 1654, dem Tag, an dem die Augustiner-Eremiten aus Wien die Wallfahrtsseelsorge übernahmen. Diese legten ein zweites Mirakelbuch an, das den Hundert-Jahre-Zeitraum von 1654 bis 1754 abdeckte. Es enthält 4.318 Eintragungen aus 682 Orten. Auch eine Liste der Opfergaben ist darin zu finden. 45)
Beide Mirakelbücher werden heute in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt. Ein drittes, zeitlich sich anschließendes Mirakelbuch dürfte in den Wirren der Säkularisation 1802 verloren gegangen sein. Der Historiker und Brauchtumsforscher Robert Böck hat in seinem Aufsatz "Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa" (siehe Quellen) die Stiftungs-eintragungen in die Mirakelbücher, die ich hier nur auszugsweise und zusammenfassend wiedergebe, ausführlich dargestellt:

Gebetserhörungen
Im Hauptteil des Mirakelbuchs sind die Gebetserhörungen aufgeführt. So sind die Schicksale einiger Wallfahrern der Nachwelt überliefert. Die meisten kamen wegen akuter oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer Hühnerkrankheit die Rede. Auch wegen vermeintlichen Stallzaubers, wodurch die Kühe keine Milch oder Blut statt Milch gaben oder die Bäuerin nicht ausrühren (= Butter herstellen) konnte, suchte man Hilfe in Taxa und fand sie in dort geweihten Rosenkränzen, Druidenschriftgürteln, Hexenrauch oder dem geweihten Skapulier, das die Mitglieder der Erzbruderschaft um den Hals trugen.
So zählen Franz Keiner in der Chronik von Odelzhausen und Robert Böck
13) im o.a. Aufsatz folgende Einzelfälle auf:

1632   Als die Schweden ihre Pferde in der Wallfahrtskirche unterstellen wollten, verspürten sie einen unsichtbaren Widerstand,
so daß sie trotz vielen Schlägen und starkem Ziehen die Rösser nicht über die Schwelle bringen konnten.
Ein schwedischer Soldat raubte dem Gnadenbild einen geopferten Ring, steckte ihn an den Finger und ritt davon. Bald
aber schwollen seine Hand und sein Arm so stark an und schmerzten ihn so sehr, daß er den gestohlenen Ring schleunigst
wieder vom Finger zog und einem auf dem Feld arbeitenden Bauern übergab, mit dem Befehl, ihn der Muttergottes von
Taxa zurückzubringen.
1643 Maria Martini aus Pfaffenhofen/Ilm opferte einen viereckigen Taler mit blauseidenem Band ["viereggeten Taler an einem blawseidenen pant."]
  1643 ist Jacob Strobl von Niederroth 4 Wochen seines verstandts beraubt gewest, daß er der Zeit stets an Khetten gelegen; ist ihm in dieser betriebnuß (= Betrübnis) Vnser L. Fraw alda fürkommen (= erschienen)".
Derartige Erscheinungen des Gnadenbildes, das die Kranken im Traum zur Wallfahrt nach Taxa anhielt, werden mehrfach erwähnt.
1644 Als Apollonia Widtmann von Prittriching in Gefahr war, durch die Schweden ihre Unschuld zu verlieren, rief sie Maria zu
Hilfe und gelobt eine Messe in Taxa. Da wurden die Reitersoldaten so verblendet, dass sie die Apollonia nicht mehr sahen, sie nicht gefunden haben und sie nicht verletzen konnten. [".. schreyt sie Unser lieben Frawen alda zu, verlobt ein hl. Mesß her. Da seindt die reitter also verblendt worden, daß sie sie weder gsehen noch funden noch verletzt haben".]
1646 1646 fand Brigitta Binderin von Rain am Lech, die an einem offenen Fuß litt, Heilung, nachdem sie sich beym bronnen (Brunnen im Kloster) alda" gewaschen hatte.
1645

Als feindliche Soldaten in Unterumbach brennende Fackeln in die Strohdächer der Häuser stießen, einige Häuser nieder-brannten und der strohgedeckte Stadel der Apollonia Riepl zu brennen begann, rief sie Maria Stern an, worauf das Feuer erlosch.
["...durch die feindts soldaten feur zu Underumbach eingestossen worden, etlich first vnd heußer niederbrunnen", und der strohgedeckte Stadel...." ]

1646 Vor acht Jahren grassierte in Salzburg ein halbes Jahr die Pest und raffte hunderte Menschen dahin. Damals war die Tochter der Indersdorfer Färberin Maria Hueber wegen des 30jährigen Kriegs mit ihren Kindern nach Salzburg geflohen. Die Mutter sorgte sich um Tochter und Enkel und riet ihnen, sich der Muttergottes in Taxa zu verloben und eine Messe und eine Geldspende mitzubringen. Die Tochten und Enkel haben überlebt, obwohl alle Leute in den Nachbarhäusern an der Pest verstorben sind.
[Originaltext: "Unterm 10. Juli 1646 wird vermerkt: "Alß vngefehr vor 8 Jahren zu Salzburg die Pest zimlich starckh graßirt, vnd vill 100 menschen dran gstorben, ein halb Jahr lang dise laidige sucht continuirt, war eben zu selbiger Zeit Maria Hueberin, (der) Färberin zu Inderstorff Tochter, mit ihren khündern in benannter Statt bey einen schwarzfärber namens Paul Hagenbuecher, noch wegen wehrender khriegsläuff in Bayrn, in der flucht, wie nun die sorgfältige Muetter Maria Hueberin die gfahr des Sterblauffs erfahren, lasst sie ihrer ersagten Tochter durch Potschafft tröstlich zusprechen, sie solle andechtig die hl. Muetter Gottes alda beym Stern vmb hilff vnd erhaltung ihrer vnd der khinder Gesundheit anrueffen, auf welches vernemmen die Tochter ein hl. Mesß neben einem opfer in stockh alhero versprochen, dahero sie samt ihren khindern vnversehrt vnd gsundt, wiewol an beeden seithen die heuser außgestorben, davon khommen."]
1647 standen Apollonia Hueberin und Maria Heiglin von Einsbach in Gfahr der Soldaten - ein Verlöbnis rettete sie
  Melchior Berckhmayr aus Giggenhausen verlobte eine Messe nach Taxa, weil er "vor einem Jahr in einfallung des feindts zu Freysing in Gfahr seines Lebens gestanden, (und) die khugl vor vnd hinder ihm fürgeschossen" sind.
 

Elisabeth Trescherin von Rain am Lech versprach 1 Pfund Wachs, als bei einer Belagerung die feindlichen Truppen Feuer in die Stadt schleuderten und ganz in der Nähe ihres Hauses eine Feuersbrunst entstand.
["... versprach 1 Pfund Wachs, alß in belegerung des feindtß mit feur einwerffung vill brunsten außkhommen, auch zu negst an ihrem hauß..."]
Aus gleichem Anlaß wie Elisabeth Trescherin verlobte der dortige Weißgerber Hans Lang, ein metallenes Creuzl auf die Spanisch Art (= Caravaca-Kreuz). Er versprach 3 Kreuzer in den (=Opfer-)Stock sambt einem facilet (= Tüchlein)".

  Andreas Wagner von Asbach, der von den Soldaten so sehr erschreckt wurde, daß er gantz corrupt vnd von seinem verstandt kommen war", verlobte sein rotes Wollhemd mit der Bedingung, daß aus dem Verkaufserlös eine Messe in Taxa gelesen würde.
  Anna Trittenpreißin von Kühnhausen bei Kranzberg versprach einen Taler in den Opferstock, als ihr Mann Martin mit Pferd und Wagen von den Soldaten gefangen genommen wurde und sie ihm drohten und Anzeichen machten, ihn zu erschießen.
[" .... mit pfert vnd wagen von reüttern erdappet worden mit troung vnd zuckhung der pixen ihme zuverschießen", worauf er ohne Schaden davonkam."]
1650 Die Bräuin Maria Hörmann (heute Kapplerbräu) stiftete am 18. Februar 1650 einen Rosenkranz aus Korallen mit anhängendem Silberkruzifix im Rahmen des Bittgangs von Altomünster nach Taxa wegen des (vor dem 30jährigen Krieg) in Altomünster aufgefundenen und nach Taxa überführten Stern-Eis 42)
  am 19. August 1650 schenkte Birgittenpater Alto Grindler aus Altomünster dem Kloster ein wächsernes Agnus (=Lammfigur). 42)
1666 Am 14 Juni 1666 kam die Gemein von Dachau wegen ihren krancken Vieh, welches sehr umgestanden ist, mit einer Kirchfahrt vnd (einem) Creutzgang nach Taxa. Dachau hatte in diesem Jahr so sehr an der Ybergail (= Rinderpest) gelitten, daß man solches (Rinder) gantz eingraben muessen.
Eine Häufung derartiger Verlöbnisse fällt im Landgericht Dachau in den Jahren 1690 1707/08, 1736 und 1746 besonders auf. Aber auch bei Erkrankung einzelner Pferde und Rinder nahmen die Bauern ihre Zuflucht zu Maria Stern.
1680 Wegen der Pestgefahr nachmen Gläubige aus dem Landgericht Aichach sowie der in Wien als Maurer arbeitende Matthias Portenhauser aus München.
1683 Johannes Chrysostomus Rieger aus Altomünster war im Türkenkrieg gefangen genommen worden. Er verlobte sich an
Unsere Liebe Frau von Taxa und war sieben Wochen später wieder frei.
1686 Matthias Hütt von Odelzhausen wurde von seinem Pferd so sehr getreten, dass eine keine Hoffnung auf Genesung mehr
hatte. Er verlobte sich an die Muttergottes von Taxa mit einer hl.Messe, Beichte und Kommunion und erlangte seine
völlige Gesundheit wieder.
1692 Sebastian Piettinger aus Essenbach besaß ein krankes Ross, das er schon für verlohrn hielt. Er verlobte sich hierher,
spendete zwei Kreuzer in den Opferstock und betete einen Rosenkranz. Da hat "das Ross angfangen zu essen und ist
wiederum gesund geworden".
1695

Wegen der Pestgefahr nahm eine Person aus Biberbach im Landgericht Dachau, ihre Zuflucht nach Taxa zu Maria Stern.
Sie wurde durch die Fürbitte Mariens von der Seuche bewahrt und ließ dies in das Mirakelbuch von Taxa eintragen.

1701-14

Auch unter dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) hatte die Bevölkerung des Dachauer Landes schwer zu leiden. Aus Sicherheitsgründen hatte man das Gnadenbild Maria Stern nach München verbracht, wo es,in der Flucht" verehrt und von Wallfahrern besucht wurde. Während dieses Kriegs wurden Bittflehende in folgenden Notsituationen erhört:

1705 Mathias Mall von Weitenried war von den Husaren gefangengenommen und verschleppt worden.
Auch den Georg Sedlmayr von Roßbach hatten die Husaren entführt, mitsamt Pferd und Wagen.
Soldaten raubten Catherina Kiermayrin von Sittenbach ihre einzige Kuh.
Catharina Bernhartin aus Egenburg wurde von Soldaten mit einem Strick gedrosselt, "dass ihr die Augen zum Kopf
herausfallen  möchten"
eine Frau aus Egenhofen dankte, weil ihr Haus von einer Feuersbrunst verschont blieb, obwohl ringsum alles brannte.
ein Mann/Soldat geriet in einen Kanonenbeschuss, bückte sich zufällig und die Kugel tötete den Reiter hinter ihm.
1709 Als 1709 im Hause der Catharina Weinmayrin zu Lochhausen, ein Feuer entstand, hat sie "von ihrem Kind das geweyhte Scapulir - das Kind ware kurtz vorhin allhier in diese Bruderschafft einverleibt worden- genohmen, und in das Feuer geworffen; ist alsobald das Feuer erloschen, und das Hl. Scapulir unverletzt wiederum gefunden worden".
1723 Gregor Strixner von Kalterbach versprach für sein blindes Pferd ein hl. Messe und ein Geldopfer, "auch solches Pferd zu der Bruderschaft-Procession zum Herumreiten zu schicken, worauf das Pferd an beyden Augen sehend worden",
1727 1727 gelobt Anton Seitz von Gagers, daß er sein krankes Pferd, so selbes solte darvon kommen, in künfftigem grossen Umbgang (der Skapulier- oder Erzbruderschaft Maria vom Trost) wolte mitreiten lassen".
1731 Florian Hicker von Kleinberghofen verlobte sich 1731 wegen 'Ohrenfluß mit einem Wax-Licht um den Kopf '.
Ähnliche Verlöbnisse finden sich auch bei Stumm- und Taubheit. Nach dem Gebet in der Wallfahrtskirche nahm man das Kränzchen oder Bindl ab und legte es auf den Gnadenaltar oder zu den übrigen Opfergaben.
1736 Es verlobte sich (=gelobte) Georg Fridl aus Hohenzell im Landgericht Aichach zu 'Prespurg in Ungarn' in der Arbeit, nachdem ihm das Rad eines schwer beladenen Weinwagens über den Hals gefahren war. Er versprach, dass er von Pressburg bis zur Muttergottes nach Taxa zu Fuß eine Wallfahrt verrichten werde. Daraufhin stand er frisch und gesund, ohne das mindeste Zeichen einer Beschädigung wieder auf.

  In den Nummern 11 bis 15 des Pastoralblatts für die Erzdiözese München-Freising aus dem Jahr 1867 wurde ein Fortsetzungsbericht über das Kloster Taxa veröffentlicht. Wenn Sie den im Stil seiner Zeit verfassten Aufsatz lesen möchten, klicken Sie hier...

Stiftungen und Opfergaben 13) .
Der erste Band der Mirakelbücher enthält neben 314 Eintragungen von Gebetserhörungen und Wundern im Abschnitt "Alle Vürnemere Opferung vnd Schanckhungen zu disem würdigen Gottshauß" auch die Namen von Stiftern von wertvollen Opfergaben.
Schon 1654 zählte der Kirchenschatz insgesamt 40 Goldringe mit Perlen und Edelsteinen, etwa 200 Silberringe, drei Kronen, von denen eine mit Perlen und Rubinen besetzt war, die zweite war aus Perlen und granum anisei, die dritte aus Silber und Korallen."
Eine weitere ausführliche Aufzählung der Opfergaben findet man außerdem in einem Brief des ersten Priors Pater Serenus:
      "Ich habe den ganzen marianischen Schatz gesehen, er ist auf sieben tausend Gulden angewachsen, es gibt so viele silberne
       Tafeln, wie ich sie weder in Wien noch in Prag gesehen habe. Ein Ornat ganz aus Silber. Kaseln in ehrbarer Anzahl. Leute
       so gut und fromm, dass sie die Ordensbrüder wie Engel ansehen und ehren." 45)

Im Mirakelbuch finden wir vor allem adelige Namen,
— an der Spitze die Kurfürstin Maria Anna von Bayern, die nach dem Tod ihres Gemahls Kurfürst Maximilian I. am 27.9.1651 die
    Regierungsgeschäfte für ihren noch minderjährigen Sohn Ferdinand Maria führte. Sie stiftete am 29.5.1653 "ain dreypfündige
    weisse khörzen", die während der hl. Messe vor dem wundertätigen Bild Mariens brennen sollte.
Pfalzgräfin Anna Catherina hatte schon 1643 ein neues, mit Silber und Gold eingelegtes Messgewand gestiftet.
— Von Ihrer Durchlaucht Maria von Elnßheim in Straßburg stammte ein goldenes Sternlein mit 13 Rubinen (1654),
— von Gräfin Juliana Fugger sechs weiße Wachskerzen.
— Am 8.8.1644 stiftete das Ehepaar von Perling zu Gerolzheim und Trugenhofen dem Gnadenbild von Taxa eine Krone ("ein schön
    perline Cron mit guldenen röslin"), ein Altartuch und einen Fingerring mit Smaragd ("guldenes handtringl mit einem schönen
    grossen smaragd") mit der Bitte um Hilfe bei einer Augenkrankheit (nach dem Volksglauben galt der Smaragd als Amulettstein
    für die Erhaltung des Augenlichts).

Mehrfach sind auch Hofmarksherren aus dem Dachauer Land als Stifter genannt:
— Die Familie Beccaria aus Odelzhausen (Jesuskind aus Alabaster, Zinnleuchter),
— Fam. Hundt zu Lauterbach und Eisolzried (Mayen als Altarschmuck, Rock für das Jesuskindlein),
— Fam. Barth aus Pasenbach (Kleid für die Gnadenfigur).

Auch die Namen einer großen Zahl von Geistlichen finden sich im Schenkungsbuch, die nicht nur Schmuck für das Gnadenbild oder Reliquien, sondern auch ganz praktische Gegenstände wie z.B. Geschirr, Haushaltsgeräte und Tischwäsche für das Kloster stifteten. Der größte Teil der Spender stammte aus München, von der Bürgerschaft der Haupt- und Residenzstadt.

Der Prager Augustinermönch Aurelius a S. Valerianus schenkte an diesen Ort ein hölzernes Reliquiar in Form des Agnus Dei. 45)

Auch ganze Pfarrgemeinden sind in der Liste aufgeführt. So z.B. die Pfarrei Jarzt, die am 2.Mai 1642 aus nicht bekanntem Anlass eine 3 1/2 pfündige Kerze stiftete und sie im folgenden Jahr auf 5 Pfund sowie ein weiteres Jahr später auf 9 Pfund verstärken ließ. Kerzen stifteten auch Schrobenhausen, Rain am Lech, Dasing, Motzenhofen, Tünzhausen und Sigmertshausen.

Ein weiteres Kapitel im 1. Mirakelbuch "Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa" beschreibt die 28 dort geopferten Rosenkränze. Sie bieten, wie Robert Böck in seinem Aufsatz "Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften." 16) schreibt, einen interessanten Querschnitt durch die von barocker Frömmigkeit geprägten Formen der Rosenkränze. Sie umfassen solche mit 3, 5, 6, 7, 10 oder 15 Gesätzen, mit 63 Aveperlen (Birgittenrosenkranz) oder sogar mit 216 Perlen + 16 Untermarken.
Ungewöhnlich ist auch das Material, aus dem die Kugeln bestanden: Koralle, Kristall, Alabaster, Agtstein, Elfenbein, Holz mit Perlmutteinlagen oder Silber.

 

Wallfahrtsmedaille


Vorderseite


Rückseite

Wie bei vielen anderen Wallfahrtsorten in Deutschland wurden auch im Kloster Taxa für die Pilger Wallfahrts-medaillen geprägt. Dies war einerseits ein gutes Geschäft für das Kloster, entsprang andererseits aber auch dem Bedürfnis der Pilger, mit diesen Medaillen von der Wallfahrt nach Taxa ein Stück Heiligkeit in die eigenen vier Wände mitzubringen.
Nach Wikipedia soll der Glaube an die heilkräftige Wirkung so weit gegangen sein, dass man das Pilgerzeichen zur Heilung auf ein erkranktes Körperteil auflegte. Ebenso habe man den Kranken Wasser oder Wein zum Trinken gegeben, in die man das Abzeichen getaucht hatte.  35)

Die Medaillen galten auch als Amulette zur Abwehr des Bösen und wurden zu diesem Zweck im Haus oder Stall aufgehängt (zum Schutz des Viehs vor Krankheiten), auf dem Feld vergraben (für eine gute Ernte) oder an den Rosenkranz gehängt (zum eigenen Schutz).

Brauchtumsreferent Robert Gasteiger aus Dachau besitzt in seiner umfangreichen volkskundlichen Sammlung auch einige Wallfahrtsmedaillen aus dem Dachauer Gebiet. Darunter aus Altomünster, Pipinsried und Taxa. Die Medaille aus Taxa, die die Pilger in der Zeit von 1654 bis Mitte des 18.Jh. erwerben konnten, ist doppelseitig geprägt:
- Die Vorderseite (Avers) ist mit dem Gnadenbild von Taxa versehen. Die Muttergottes sitzt mit dem Kind
  vor dem achtstrahligen Taxastern. Zu ihren Füßen ist auf einem Buch das berühmte Taxa-Ei zu sehen.
  Das Bild wird von dem Text: "S.Maria in Taxa - 1618" umrahmt.
- Die Rückseite (Revers) ist dem Ordensgründer der Augustiner-Barfüßer gewidmet, die die Wallfahrt in Taxa
  betreuten. Bischof Augustinus (354-430) ist hier als Halbfigur im Profil zu sehen. Er ist in das Bischofs-
  gewand gekleidet, mit Mitra und Bischofsstab, und hält ein Herz mit lodernder Flamme (= Liebe zu Gott) in
  der Hand. Der umlaufende Text lautet: "Sanct Augustino ora p(ro) n(obis)".


In Taxa wurden auch weitere Wallfahrtsmedaillen geprägt. Der Medailleur und Goldschmied Philipp Heinrich Müller gestaltete um 1700 eine Medaille, die sich zwar nicht thematisch, aber doch im Detail von der früheren Medaille unterschied. 36)
Müller (1654-1719) lebte in Augsburg und war einer der bedeutendsten Medailleure und Stempelschneider seiner Zeit.
37)
Die Medaille ist aus versilbertem Bronze gegossen und hat folgende Maße: Höhe: 38,9 mm Breite: 33,4 mm Gewicht: 13,38 g Stempelstellung: 12 h. 36)


Vorderseite
Rückseite

Die Vorderseite enthält die Umschrift "S.MARIA AD STELLAM IN TAXA" (Maria auf dem Stern);
die Bilder auf der Medaille zeigen oben in einem strahlenden Stern das Marienbild von Taxa mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Mitte ist die Ansicht des Klosters mit der Kirche zu sehen, zu der Wallfahrer heranziehen Unten liegt ein Ziegelstein mit dem Taxa-Ei und dem Datum 1618. Die Gründung des Klosters geht nach der Legende zurück auf die Auffindung eines
Hühnereis mit dem Relief eines Strahlenkranzes, das nicht ins Nest, sondern "auff einen nagelneuen Zigel-Stain" gelegt worden war.

Auch die Rückseite enthält eine Umschrift: S.NICOLAVS - TOLENTINAS". Der hl.Nikolaus im Mönchshabit kniet vor der auf Wolken schwebenden Jungfrau Maria, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt und dem Heiligen sechs Kugeln, die wahrscheinlich Brote darstellen sollen, mit ihrer rechten Hand reicht. Unten links ein aufgeschlagenes Buch; darüber die Signatur: "P.H.M." (Philipp Heinrich Müller).
36)
St.Nikolaus von Tolentino 1245-1305 (nicht zu verwechseln mit dem hl.Nikolaus von Myra, der 900 Jahre vorher gelebt hat) war ein höchst beliebter Prediger und Krankenseelsorger und führte ein Leben in strenger Askese und tätiger Nächstenliebe. Er war Mitglied des Ordens der Augustiner-Eremiten, dem auch die Mönche in Taxa angehörten. An seinem Gedenktag wird altem Brauch gemäß Brote gesegnet, die gegen Gicht helfen sollen oder bei Bränden in die Flammen geworfen werden, um sie einzudämmen.

Wallfahrtsbilder 41)

Neben den Wallfahrtsmedaillen gab es natürlich auch Andachtsbilder bzw. Wallfahrtsbilder aus Taxa. In der Zeitschrift 'Amperland' (Jahrgang 2018/1) berichtet Horst Heres über die Andachtsbilder von Taxa und zeigt dort viele der über 70 (!) verschiedenen Darstellungen auf den Bildern. Das ist auch ein Hinweis auf die Bedeutung des Wallfahrtsorts Taxa.
Wallfahrtsbilder waren billige und damit beliebte Mitbringsel. Sie gab es am Wallfahrtsort in verschiedenen Größen und in verlockender Vielfalt zu kaufen. Angeboten wurde die Fülle der Namensheiligen für den Wallfahrer und für die Daheimgebliebenen. Sie gehörten zum Sortiment jedes Devotionalienstandes.
Wallfahrtsbilder mit Ansichten von Taxa waren ein Nachweis für den Besuch der Wallfahrt.
Im Format 12 auf 8 cm waren sie ideale Gebetbuch-Einlegebildchen. Auf manchen Andachtsbildern wird auf die legendäre Entstehungslegende mit Sternei oder die vom Gnadenbild ausgehende wundertätige Kraft hingewiesen. Mehr darüber in der Zeitschrift Amperland...
  Die Unterschrift des nebenstehenden Andachtsbildes lautet:
"Maria Stern ich dich Erwehl.
Zum Trost u.Schutz für Leib und Sel
."

Kupferstich von
Philipp Joseph Fill,
Augsburg. 2 Hälfte 18.Jh.


Ort Taxa

Die Ortschaft Taxa, die vor dem Klosterbau lediglich aus einem Gehöft bestanden haben dürfte, entwickelte sich im Schatten des Klosters zu einer blühenden Gemeinde. Die Märkte an den Marienfeiertagen waren gut besucht. Viele speziell auf Wallfahrer eingestellte Handwerker und Händler (Weber, Hutmacher, Bader, Herrgottsschnitzer und Wachszieher) siedelten sich hier an. Im Kloster entstand eine eigene Brauerei.

Aufhebung des Klosters

Zu Beginn der Säkularisation 1802 wurde das Kloster (zusammen mit 48 anderen Männerklöstern und 10 Frauenklöstern in Bayern 38) aufgelöst und gegen den Widerstand der Bevölkerung völlig abgebrochen. Denn Taxa galt für die Aufklärer als eine "Brutstätte des Aberglaubens". Zudem waren die Augustinerbarfüßer ein Orden, der sich von Spenden und durch Betteln finanzierte. Die Beamten um Montgelas sahen in diesem Orden nur volkswirtschaftliche Schädlinge.

Deshalb wurde an Taxa auch ein Exempel statuiert.
Die 17 Patres und 6 Fratres wurden bei Nacht und Nebel abgeholt. Sie durften nicht von ihren Verwandten Abschied nehmen; schließlich stammten die meisten Mönche aus der Umgebung von Taxa. Dennoch kamen hunderte von Menschen nach Taxa und verabschiedeten sich in einer stillen hl.Messe von ihnen.

Die Mönche mussten Bayern verlassen und nach Österreich zum Mutterhaus ihres Ordens gehen; sie erhielten (als bayerische Staatsbürger) in Österreich Asyl. Bei der Übertragung des Gnadenbildes nach Odelzhausen kam es beinahe zum Volksaufstand. Nur mit großer Mühe gelang es, Männer zu finden, die sich zum Tragen des Marienbildes bereitfanden.


Ausschnitt aus der Karte-Bavaria Superior Et Inferior
Cum Quatuor Praefecturis von 1730
Der Zorn des Volkes richtete sich insbesondere gegen den Regierungsbeauftragten
Adam Heydolph
aus Dachau, den die Leute "den Heydeifi" nannten. Der übereifrige, im Glauben wohl nicht fest verwurzelte Beamte soll beim Abtransport der Muttergottesstatue in Anspielung auf das Eiwunder der Gründungslegende geäußert haben:   "Mit eierm Hehnermadl wern ma glei ferti sei".
Der damals wohl 47jährige Heydolf, aus Eggenfelden gebürtig, hatte in Ingolstadt Jura studiert und kam 1791 zum Landgericht Dachau. Er hatte wohl einen schwierigen Charakter. Ein Mitstudent, Joseph von Sasso, schrieb damals an Theodor von Lippert, den damaligen Landrichter in Dachau und Vorgänger Heydolphs:
    "Zu der Anstellung Heydolphs wünsche ich Ihnen aber nicht Glück, ich hätte vielmehr gewunschen, daß Sie einen biedern mann zur Seite bekommen hätten; er machte auf der Universität den Kalfakter ("zudringlicher geschäftiger Mensch") und Fuchsschwanz bey H.Prof.Krenner und wurde allgemein gehaßt. Doch villeicht bin ich auch wider Gebühr voll Abneigung gegen alle Schwätzer.. vielleicht besserte er sich in der großen Welt, ich wünsche es."

Eine besonders unwürdige Rolle spielte auch der frühere Theologe und spätere Kramer und Nachbar des Klosters Ignaz Schmidmair. Er hatte sich in die Gunst der Patres eingeschlichen, arbeitete aber heimlich mit Heydolph zusammen. So schrieb er seinem Auftrag-geber: "ich werde mir Ausspähungen und Aufdeckungen jederzeit zur besonderen Pflicht machen".
Schmidmair kaufte im Oktober 1802 zusammen mit einem Compagnon die Kirchengebäude, riss sie ab und verkaufte das Abbruchmaterial.

Versuche der umliegenden Ortschaften (darunter Sittenbach und 13 weitere Gemeinden) und Privatleuten (darunter Joseph Widmann aus Oberroth), die Kirche durch die beträchtliche Geldspende von 10.000 Gulden vor dem Abriss zu retten, schlugen fehl. Odelzhausen als der eigentliche Gewinner der Klosterauflösung dürfte nicht darunter gewesen sein. Denn das Inventar wurde zum Teil in die Odelzhausener Kirche gebracht; das Übrige wurde verkauft und die Gebäude restlos abgerissen. Auch der 61 ha große Wald wurde verkauft: 40 ha an Graf Minucci von Odelzhausen, 5 ha an Graf von Hundt zu Unterweikertshofen, 7 ha an den Wirt von Oberroth, der Rest an verschiedene weitere Käufer. Die sollen die Kunstgegenstände mit dem Heuwagen fortgebracht haben 30)

"Wie andernorts auch, verlor der hier ansässige Orden der Unbeschuhten Augustinerbarfüßer seine Heimat und seinen Besitz mit Kunst- und Kulturgütern, die der Staat gewinn-bringend veräußerte. Die Schleifung der Klostergebäude, bei der kein Stein auf dem anderen verblieb, kennt in ihrer Radikalität jedoch wenig Vergleichbares" schrieb die Kreisheimatpflegerin Unger-Richter im Jahr 201844)

Nur die Keller erhielten sich noch 150 Jahre lang, auf denen Privathäuser errichtet wurden. Sie dienten im 2.Weltkrieg der Bevölkerung als Luftschutzbunker. Bei Neubauten nach dem Krieg wurden auch diese Keller beseitigt.

Spätere Versuche, die Wallfahrtsstätte wieder zu errichten sind 1817 und 1825 gescheitert. 1826 kam mit dem Bescheid des Münchner Ordinariats das endgültige Aus: Es habe "bey dem seit mehr als 20 Jahren stattgefundenen Verhältnis sein Verbleiben".


Wiederangelegter Friedhof
Inzwischen ist der Friedhof wieder eingerichtet, wie dem nebenstehenden Schild zu
entnehmen ist. Bei Bauarbeiten im Jahr 1986 wurde ein Teil der Gruft freigelegte, in der man Gebeine, hölzerne Gürtelschnallen und Reste von Textilien fand. Man geht davon aus, dass hier die Mönche aus Taxa beigesetzt worden waren. Allerdings waren die Gräber schon einmal (vielleicht im Zuge des Kirchenabrisses 1803) aufgebrochen und durchwühlt worden.

Geblieben ist das Symbol des Taxasterns. Er hat sich im Wappen der Gemeinde Odelzhausen erhalten.
Und auch im Wappen der Schlossbrauerei Odelzhausen; vielleicht kommt daher der in der Region verbreitete Spruch: "Der hot an "Taxastern" (Vollrausch). 33)


Erhaltene Ausstattungsgegenstände

Die große Kirchenorgel wanderte über einen Zwischenhändler, den Münchner Tändler Lambeck, der sie um 411 Gulden gekauft hatte, nach Altomünster, die kleine Orgel nach Niederroth. Dort stehen beide Prospekte noch heute.
Die mittlere Glocke mit einem Gewicht von 9 Zentnern, die Marienstatue, die Kanzel, Votivbilder, das Kanzelkreuz und die mater dolorosa überführte man nach Odelzhausen. Ein Altar kam nach Schöngeising, der Tabernakel nach Unterweikertshofen.
Der interessante Hinterglas-Kreuzweg und ein weiterer Altar (der allerdings schon früher nach Roßbach abgegeben worden sein soll) befinden sich derzeit in Sixtnitgern-St.Johann. Nach einer anderen Quelle sollen zwei Altäre nach Odelzhausen abgegeben worden sein, wo sie jetzt -im 19.Jh. verändert- als Seitenaltäre dienen. Die übrigen Altäre wurden zusammen mit dem Kirchengebäude abgegeben und wohl verbrannt. Noch heute erhalten sind das Inventar des Bischofzimmers und des Refektoriums, eine Reihe von Gemälden (u.a. von Domenico Zampieri (1581-1641), bedeutende Skulpturen, Kreuze, Bücher, das Uhrwerk der Turmuhr, ein Gipsrelief und viele persönliche Utensilien der Mönche. Die Waldungen erwarb Graf Minucci.

Ein großer Rest der Ausstattung wurde meistbietend verkauft und landete im Privatbesitz auf Bauernhöfen in den Lkr. Dachau und Fürstenfeldbruck. Vor allem der frühere Theologiestudent und Bauer Anton Knoller aus Hochdorf /FFB hatte den Wert der regelrecht verschleuderten Kunstwerke erkannt. Er erwarb bei der Versteigerung Möbel, Skulpturen, Bilder, Bücher, Gebrauchsgegenstände der Mönche und sogar eine große Turmuhr der Klosterkirche und transportierte die Erwerbungen mit sieben (!) Heuwägen ab. Rund 200 Jahre verblieben die Gegenstände im Besitz dieser Familie. Als der letzte Hofbesitzer 2009 starb, ließen die Erben die Gegenstände versteigern.

Versteigerungen 2009/10 43)
Die Gemeinde Odelzhausen hatte schon Jahre vorher versucht, in den Besitz dieser Ausstattungsgegenstände zu gelangen. Nun mussten schnell Sponsoren für die Ersteigerung gefunden werden. Dies gelang unter großem Einsatz des Gemeinderats Dr.Roderich Zauscher. Auch die politische Gemeinde und die Pfarrgemeinde beteiligten sich mit größeren Summen. Zuletzt standen 45.000 Euro für den Ankauf von Kunstwerken zur Verfügung. Bei zwei Versteigerungen 2009 und 2010 erhielt Zauscher den Zuschlag für eine Reihe von Bildern und Plastiken, darunter die wertvollen ehemaligen Kanzelfiguren der Kirche. Auch zwei überlebensgroße Holzbilder der Heiligen Nepomuk und Franz Xaver, sowie eine Reliefgruppe Moses und der brennende Dornbusch konnten erworben werden, ebenso wie die Ikone einer schwarzen Madonna aus dem 17.Jh.

Durch Vermittlung von Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums Freising, gelang es außerdem, ein zuvor schon verkauftes Bozzetto (Modell) für ein Deckengemälde in Kirche oder Kloster zu erwerben. Im Jahr 2014 konnte Odelzhausen Kirchenbank-wangen aus Taxa vom Lippbauern in Wenigmünchen zurückkaufen. Alle Erwerbungen wurden renoviert und im Juni 2015 in einer Ausstellung unter großem Publikumsandrang im Odelzhausener Rathaus gezeigt und in Vorträgen von Bgm. Markus Trinkl, Prof.Dr.Liebhart, Dr.Roderich Zauscher und Robert Gasteiger vorgestellt.
Renate und Roderich Zauscher haben eine detaillierte Beschreibung der Versteigerungen von 2009 und 2010 in der Zeitschrift Amperbote veröffentlicht. Klicken Sie hier...


Bozetto des Deckengemäldes
Der größte und dekorativste Ausstattungsgegenstand ist das Bozetto eines Deckengemäldes. Es handelt sich um ein rd. zwei Quadratmeter großes ovales Gemälde (Ölfarbe auf Leinwand), das als Entwurf für das Deckenfresko diente. In der Malerei wird so ein Entwurf auch als Macchia oder Schizzo bezeichnet. Das Bozetto fertigte Johannes Chrysostomos Winck (1725-1795). Er war einer der bekanntesten Altarblatt- und Kreuzwegmaler der späten Rokokozeit und wirkte hauptsächlich im Fürstbistum Eichstätt. Im Dachauer Land stammt möglicherweise das Altarblatt in der Kapelle zu Lindach von ihm.

Die Skizzierung ist notwendig, weil Fresken auf den nassen Putz gemalt wurden. Die Farbe zog sofort ein und war kaum noch zu korrigieren. Deshalb mussten Fresken gut vorbereitet werden. Es genügte nicht, das Werk nur grob zu skizzieren; das Gemälde musste auf dem Bozetto/Maccia/Schizzo möglichst in jedem Detail ausgearbeitet werden um es dann maßstabsgetreu übertragen zu können.

Bozetto für Deckenbild Krönung Mariens

Das hat z.B. auch Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle so gehalten; das Bozetto für das Jüngste Gericht ist noch erhalten.

Man kann durchaus sagen, dass die eigentliche künstlerische Arbeit am Bozzetto stattfindet. Die Übertragung der künstlerischen Idee auf die Decke ist dann lediglich Handwerkskunst auf höchstem Niveau.

Ein vollends ausgearbeitetes Bozetto lag auch im Sinne des Auftraggebers, weil der nun wusste, was er erwarten durfte und bei Bedarf noch Korrekturen anregen konnte. Der Unterschied zwischen Bozetto und Originalwerk gibt hierzu interessante Aufschlüsse.
Leider wissen wir nicht, an welcher Stelle das Deckenfresko in Taxa angebracht war. Ja, es nicht einmal sicher, ob das Wandgemälde jemals ausgeführt wurde. Da das Gemälde viele stilistische Elemente des Rokoko zeigt, stammt es aus der Zeit von 1730 bis 1780. Da war bis zur überraschenden Aufhebung des Klosters 1802 noch genügend Zeit zur Ausführung.

Thema des Gemäldes von Taxa ist die Krönung Mariens durch die Hl.Dreifaltigkeit. Maria wird von Engeln in den Himmel empor-gehoben. Jesus mit Kreuz, im wallenden roten Mantel, und ein Engel halten die kostbare Krone über die Gottesmutter, die sich demütig verneigt. Abweichend vom sonst üblichen Typus entsprechender Darstellungen legt Gottvater nicht selbst Hand an die Krone, sondern lässt sich von einem Engel vertreten. Die Heilig-Geist-Taube schwebt zwischen den beiden göttlichen Personen. Ein Putto über der Taube hält einen zusätzlichen Kranz aus 6 roten Rosen und 6 weißen Sternen.

Joachim und Petrus
Blumenkorb
König David
Krönung Mariens
Stefanus
Katharina und Barbara

Eine Schar von Heiligen umgibt die Krönungsszene. Aber nicht alle konzentrieren sich auf die heilige Handlung. Auf der rechten Seite sind die beiden Prinzessinnen (und Nothelferinnen) St.Barbara (mit Kelch und Turm) und Katharina (mit zerbrochenem Marterrad) in ein intensives Gespräch vertieft. St. Joachim, der Vater von Maria, ist mehr mit seinen Täubchen beschäftigt, die er in einem Behältnis mitgebracht hat (Mitte rechts).
Dagegen blicken St.Petrus (mit Schlüsseln), St.Stephanus ( im kurzärmeligen Gewand des Diakons mit einigen Steinen) und St.Zacharias, der Onkel Jesu (im jüd.Priestergewand mit Rauchfass), ganz fasziniert auf den Krönungsvorgang. Über Zacharias wird von Putten ein Gerät (vielleicht die Bundeslade der Israeliten) getragen.
Hinter Stephanus steht ein Heiliger mit Pfeilen in der einen und einer Art Fahne in der anderen Hand. Es könnte sich um Sebastian handeln, der mit Pfeilen gemartert wurde oder um einem Wetterheiligen, denn über der Person kann man eine schwarze Wolke erkennen. Die Pfeile wären dann die Blitze, die aus der Wolke fahren. Der bekannteste Wetterheilige (als Einzelheiliger) in unserer Gegend ist St.Donatus.
Im unteren Bildbereich kniet König David im Hermelinmantel auf einem roten Kissen und spielt die Harfe. Zwei Putten halten das wohl etwas lappige Notenblatt. Ganz links schwingt eine groß dargestellte Person drohend ein Schwert. Um wen es sich handelt, ist mir nicht bekannt. Zwischen den Personen schweben Engel und verrichten verschiedene weitere Tätigkeiten: sie tragen Maria, präsentieren einen Blumenkorb oder halten den Bühnenvorhang, der die Szene umgibt, zurück.

Kanzelfiguren

Christus Evang.MarkusEvang.MatthäusEvang.LukasEvang.Johannes 
Christus+Evangelisten
Ersteigert werden konnten 2010 auch die wertvollen Figuren der vier Evangelisten und von Christus aus der Zeit um 1720. Die fünf ausdrucksstarken Figuren in faltenreichen und wehenden Gewändern zierten die Kanzel in der Klosterkirche (die sich heute in der Odelzhausener Kirche befindet). Hinter den Füßen der Evangelistenfiguren lugen deren Attribute hervor: Matthäus mit Mensch, Lukas mit Stier, Markus mit Löwen und Johannes mit dem Adler. Die Symbole gehen zurück auf die Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7). Dort werden sie als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt.

Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter. Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht
  das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangelium mit der Predigt des Johannes in der
  Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums,
  das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
  das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Kopie der Schwarze Madonna von Brünn
03)
Die Ikone der Schwarzen Madonna in Taxa ist eine Kopie des entsprechenden Originalbildes in der Basilika Mariä Himmelfahrt der Augustinerabtei in Alt-Brünn. Das 134 x 89 cm große Bild dürfte 1765 geschrieben (=gemalt) worden sein.
Das Originalbild in Brünn ist sehr alt. Seine Existenz ist seit dem 14.Jh verbürgt; nach der Legende soll es sogar vor 2000 Jahren vom hl.Lukas gemalt worden sein. Überliefert ist jedenfalls, dass Kaiser Karl IV. (reg.1349-1378) die Ikone im Jahr 1356 dem neugegründeten Kloster der Augustinereremiten vermachte. Gründer des Klosters war übrigens der Bruder des Kaisers, Markgraf Johann Heinrich von Böhmen. 02) Der Orden, zu dem auch der Konvent in Taxa gehörte, hat wohl das Bild als Kopie nach Taxa weitergegeben.

Die Kopie der Ikone in Taxa ist -im Gegensatz zum Originalbild- mit einer vergoldeten Schablone verse-hen, die den Hintergrund des oberen Bildteils bildet und insbesondere die reliefierten Kronen von Maria und dem Jesuskind enthält.
Die Fassung in Taxa erinnert an die offizielle Krönung der Brünner Madonna am 10.Mai 1736 mit gegen-ständlichen Goldkronen und einer Goldkette. Die Kronen mit über 100 Edelsteinen waren von Gold-schmieden in Rom erstellt worden. Deshalb ist in die Kronen von 1736 auch das Wort "Roma" eingraviert.


Madonna von Brünn


Diesen Namen der Stadt Rom finden wir auch auf der Kopie aus Taxa (auf der Krone Mariens). Die Krone des Jesuskindes ist mit der Jahreszahl 1765 versehen; es dürfte das Jahr der Entstehung der Ikone aus Taxa sein.
Auf dem Bild tragen Maria und Jesus gegenständliche Perlenketten, Maria dazu noch eine rautenförmige Goldbrosche.
Der prächtige Rokokorahmen korrespondiert zwar mit dem Goldhintergrund des Bildes, drängt aber die ursprüngliche Form als Ikone in den Hintergrund.


Die Kopie in Taxa war-einer Inschrift auf der Rückseite zufolge- am wundertätigen Original in Brünn anberührt worden. Man ging davon aus, dass durch die Berührung die religiöse Kraft des Originalbildes auf die Kopie übergeht.
Die Augustiner von Brünn schreiben auf ihrer Internetseite:
"Die individuellen Gesichtszüge der Madonna verschwinden im Dunkel und ermöglichen eine mystische Einheit mit dem/der Beter/in".



Heiligenbilder
Zur geretteten Ausstattung gehören auch lebensgroße (185 x 42 cm) Holzbilder der Heiligen Johannes Nepomuk (mit Kreuz und Birett) und Franz Xaver (mit Täufling). Die mit Ölfarbe bemalten Holzbilder könnten bei geistlichen Theatervorführungen als Bühnenrequisiten gedient haben. Die Bilder entstanden im 18.Jh.
 


Joh.Nepomuk

 

 

 

Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, gewann die Verehrung an Dynamik. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai

Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag: 3.Dezember).

 

 


Franz Xaver


Relief "Moses und der brennende Dornbusch"
Wieder beschafft werden konnte auch das zweiteilige Relief "Moses und der brennende Dornbusch". Auch diese Schnitzgruppe könnte "für die augenfällige Illustrierung biblischer Themen gedient haben", wie Renate Zauscher 43) schreibt.
Im brennenden Dornbusch gibt sich Gott zu erkennen und reicht dem vor ihm knienden Moses seine Hand. Die Gestik erinnert an das Schöpfungs-bild von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.


Moses und der brennende Dornbusch
Der brennende Dornbusch ist in der christlichen Ikonologie Symbol der Auferstehung. Auch Jesus interpretiert diese Stelle in diesem Sinne, denn: "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen."
(Lk.20,38)
Die Bibel (Buch Exodus, Kap.3) schildert die Szene:
  "Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. .....
Und der Herr sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen..... "

Weitere ersteigerte Gegenstände:

- Der Altarstein aus der Klosterkirche, ein Gegenstand von hoher Symbolkraft,
- ein 86 x 66 cm großes Ölgemälde von Maria Magdalena aus dem 18.Jh.

Quellen:
01)
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Hans Belting, Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst, S. 374, 1990 (1356)
03) http://www.opatbrno.cz/opat_hist_de.htm, 2015 (Altbrünner Madonna)
04) Renate Zauscher, Vom Marien-Ei und anderen Wundern, DAH-SZ vom 20./21.6.2015 (Taxet)
05) Thomas Führer: Die Aufhebung des Klosters Maria Stern bei Taxa (1. Teil), Amperland 1966
06) Thomas Führer: Die Aufhebung des Klosters Maria Stern bei Taxa (2. Teil), Amperland 1967
07) Dachauer Neueste vom 23.8.1977
08) Regionalanzeiger Landkreis Dachau v. 7.12.1978
09) Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1715)
10) Max Gruber, Zu den vom Landgerichtsschreiber Heydolph durchgeführten Klosteraufhebungen im Lkr.Dachau,
         Amperl.1983(Heydolph)
11) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Maler, Amperland 1987 (Pichler)
12) Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1 (Hans Schütz)
         Der Bildhauer Hans Schütz wurde erstmals 1615 in Fürstenfeldbruck genannt. Er war verheiratet mit Veronika Wöhrlein.
         In Taxa erstellte Schütz Altäre für die erste Kapelle (1619) und für die Klosterkirche (1630). Er schnitzte den Hochaltar mit
         einer Marienfigur und stehendem Kind, zwei Engel, und für die Seitenaltäre Gesimsengel, Wappen und Waffen Christi.
13) Robert Böck, Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa, Amperland 1990 (Schenkungen) und
      Robert Böck, Wallfahrten im Dachauer Land, 1991
14) Dr.Alfred Kaiser, Maria Stern von Taxa. Zur Ikonographie einer verschwundenen Wallfahrtskirche, Amperl.89 (Ausstattg)
15) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
16) Robert Böck, Rosenkranzandacht u. Rosenkr-Bruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperl.1991/2 (Rosenkr.)
17) Eugen Otker, Gack Gack Gack Gack a Ga, 1993
18) Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, Heimatbeilage der bay.Staatszeitung, 1994
19) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Baumaßnahmen 1693)
20) Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom August 1998 (ASantaClara)
21) Dr.Tilman Mittelstraß, Taxa: Archaeologie im Nest der Sterneneier, Amperland 2000
22) Dachauer Nachrichten von 2001 und vom 17.2.2003
23) Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
24) Laura Scherr, Klöster in Bayern, Haus der Bayerischen Geschichte, 2008
25) Prof. Dr.Liebhart, Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa bei Odelzhausen, 2009
26) Faltblatt "Das Kloster Maria Stern in Taxa, 2013
27) Dachauer SZ vom 14./15.8.2014 (Kirchenbankwangen aus dem Kloster)
28) Hermann Fischer/Hans-Wolfgang Theobald, Die rheinischen Orgelbauer Balthasar u.Christian Ludwig König, (Orgelb.König)
29) Dachauer SZ vom 31.7.2001, 26.3.2002 u. vom 4.9.2002
30) Claudia Schuri, Das Ei-Wunder von Taxa, Dachauer Nachrichten vom 10.1.2018
31) Das Kloster Taxa - Beschreibung 1867, Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising 1867
32) Gustav von Bezold und Berthold Riehl, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das Kloster Taxa 1895
33) Eierlei, ein Magazin und ums Ei, Bayerischer Rundfunk 2, Sendung Zeit für Bayern, 31.3.2018, 12-13 Uhr
34) Georg Werner, Ortschronik des Pfarrsprengels Ampermoching, 2018
35) https://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerzeichen
36) Bavarikon, Bayerische Wallfahrtsmedaillen aus sechs Jahrhunderten, 2023
37) Der Goldschmied Philipp Heinrich Müller (1654-1719) lebte in Augsburg und war einer der bedeutendsten Medailleure und        Münzstempelschneider seiner Zeit. Er schuf seit 1677 eine Vielzahl künstlerisch hochwertiger Medaillen auf Herrscher,
       Persönlichkeiten und Ereignisse seiner Zeit. Bekannt sind etwa 260 Münzen und über 400 Medaillen, Müller gab zusammen mit
       Lauffer und Kleinert eine Medaillenreihe der Ahnengalerie römischer Päpste heraus, obwohl er selbst Protestant war.
38) Dr.Dr.Anton Schneider, Die Säkularisation in Bayern, Amperland 2003
39) Lothar Altmann, Die Ansicht Taxas im Gemäldezyklus von Marienwallfahrtsstätten im Münchner Bürgersaal, Amperland 2014
40) Katharina Friedl, Die Ursprungslegende der Walfahrt Maria Stern - Dichtung oder Wahrheit ?; Amperland 2018/1
41) Horst Heres, Andachtsbilder von Taxa, Amperland 2018/1
42) Wilhelm Liebhart, Abraham a Sancta Clara, Taxa und das Birgittenkloster Altomünster, Amperland 2018/1
43) Renate und Roderich Zauscher, Nach der Säkularisation: Kulturgut kehrt zurück, Amperland 2018/1
44) Birgitta Unger-Richter, Zur Kunst- und Baugeschichte der Wallfahrtskirche Maria Stern und ihres Klosters Amperland 2018/1
45) Tomas Repa, 'Ein unbekannter Kupferstich von Maria Stern zu Taxa in Prag- Zur ältesten Bau- und Kunstgeschichte des
       Klosters der Augustiner-Barfüßer in Taxa', Amperland
2019/2

40 Bilder: Schertl (37), Bavarikon (2) Wikimedia (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.7.2026


Das Kloster Taxa - Beschreibung 1867
- Beschreibung des früheren Klosters im Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising 1867- 31)

Wo jetzt seit 1848 erst, durch freiwillige Beiträge der Bewohner dortiger Gegend erbaut, nahe bei Odelzhausen, ein kleines Capellchen steht, während rings um selbes der Pflug die Felder durchfurcht, da befand sich einst ein herrlich Klostergebäude mit geschmackvoller Kirche. Gewaltige Linden schirmten beide gegen die anprallenden Weststürme. Drinnen aber wohnte Gnade und Friede.

Es war dieß das weithin gekannte und weither besuchte Augustinerkloster Maria Stern zu Taxa. Das wundervolle Ei mit dem Bildnisse der Gottesmutter in einem Sterne, welches im Hühnerhofe, unweit des Schlosses Odelzhausen, auf einem neuen Ziegelsteine von der sorgsamen Henne hingelegt worden war, hatte den Gutsherrn, Johann Baptist von Hundt bewogen, dort eine Capelle im Jahr 1616 zu erbauen, und so ein Gelübde freudig zu erfüllen, das er einst auf einer Reise als Gesandter des großen Churfürsten Maximilian I. v.Bayern gethan.

Die Capelle war in Form eines Sternes gebaut und Herzog Wilhelm V., der Fromme, schenkte dahin ein schönes Marienbildniß. Sie ward am 8.September 1619 consecrirt. Es entstand aber alsbald dort eine frequente Wallfahrt, so daß es nothwendig wurde, eine große Kirche zu bauen. Dieß begann auch noch Willhelm Hundt, der spätere Gutsherr Joh.Bapt.Beccaria vergrößerte selbe, und im Jahr 1654 wurde sie vom Bischofe Albert Sigmund v.Freising eingeweiht.

Um dem Andrange der Pilger zu den hl.Sacramenten der Buße und des Altars genügen zu können, ward auch ein Kloster daselbst erbaut und gleichzeitig den Augustinern der strengen Observanz Barfüßer alles übergeben. In Wenings Topographie finden wir eine gute Abbildung des spurlos verschwundenen Taxa. Der berühmte P.Abraham a Santa Clara schrieb über selbes ein Büchlein, das in München 1742 unter dem Namen "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga einer wunderseltsamen Hennen in dem Herzogthum Bayrn, oder Beschreibung der Wallfahrt Maria Stern zu Taxa" erschien. Es enthält Abbildungen des wundersamen Eies vom Jahr 1616, sowie des Klosters. Die Kirche hatte 2 große Kuppel-Thürme mit 5 Glocken; 9 Altäre, auf deren einem die Scapulier-Bruderschaft war. In Mitte der Kirche war eine Crypta, als Begräbnißstätte der dortigen Religiosen; aber auch die Hofmarksherrn von Odelzhausen beanspruch-ten das Sepultur-Recht in dieser Kirche, zu der sie Grund und Boden herschenkt, "auf ewige Zeiten!"

Was ist aber auf Erden ewig ? Im Jahre 1802 erhob sich wie eine Windsbraut der Sturm gegen die Klöster und Kirchen in Bayern. Wohl hatten die mächtigen Linden das friedlich schöne Taxa gegen die natürlichen Stürme treu geschützt, hier aber war ihre Kraft unzureichend. Kloster und Kirche wurden ausgeplündert, demolirt, das Gnadenbild Mariä auf Befehl des unvergeßlichen Commissärs Heydolf (!!) verhüllt, durch Laien nach Odelzhausen gebracht, während der genannte königl.Commissär den trauernden Ortsbewohnern verbot, zu beten, und das seit 186 Jahren hochverehrte Bildniß der Mutter Jesu als "Stück Holz" und als "Hühnermädel" schmähte.


Das Kloster Taxa
     im Buch "Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern", Bd.1 32)
1895

von Gustav von Bezold und Berthold Riehl

Taxa war als Wallfahrt und Kloster der Augustiner strenger Observanz (Barfusser) berühmt. Hier war 1616 von Johann Baptist von Hundt eine Kapelle erbaut worden, in der ein Hühnerei mit dem Bildniss der Gottesmutter in einem Stern, das eine Henne an dieser Stelle gelegt hatte, aufbewahrt wurde.
Es entstand bald eine besuchte Wallfahrt, so dass es nöthig wurde, eine grosse Kirche zu bauen, welche 1654 geweiht wurde. Gleichzeitig mit der Kirche wurde ein Kloster errichtet, welches den Augustiner-Barfüßern übergeben wurde. Von 1666 - 1668 war Abraham a Sancta Clara Pater und Prediger in Taxa.
Das Kloster wurde 1802 säcularisirt und die Gebäude nebst der Kirche zerstört. Eine Abbildung bei Wening, Rentamt München Taf. 98. Beschreibung im Kalender für katholische Christen 1871. S. 43 ff.

Zahlreich waren in dem Bezirke die Schlösser und Hofmarken, allein es haben sich nur wenige und diese zumeist nur in verstümmelten Resten erhalten. Vergl. Wening, Rentamt München, Gericht Dachau. Unter den erhaltenen Schlössern sind Haimhausen und Odelzhausen die bedeutendsten. Die Gegend war stets etwas abseits vom grossen Verkehr gelegen, sie entbehrte städtischer Mittelpunkte und grosser Klöster, welche die Kunstübung der Gegend wesentlich beeinflusst hätten, denn auch Indersdorf hat zu keiner Zeit eine bedeutende Kunstthätigkeit entwickelt. Nur im Beginn des 18. Jahrhunderts scheinen Anregungen für den Bau und die Dekoration einiger umliegender Kirchen von Indersdorf ausgegangen zu sein. Der Bezirk ist verhältnissmässig reich an romanischen Bauresten, es lassen sich deren dreizehn nachweisen, welche zwar nicht unverändert auf uns gekommen sind, doch aber zum Theil in solcher Erhaltung, dass wir aus ihnen ein klares Bild der Bauweise gewinnen.

Quelle: Gustav von Bezold und Berthold Riehl, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das Kloster Taxa 1895

 

Gründungsgeschichte aus historischer Sicht
von Prof.Dr.Liebhart 25)

Der Prediger Abraham a Sancta Clara berichtete, am Karfreitag 1618 habe man ein Hühnerei mit dem Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden, das von einer schwarzen Henne auf einen Ziegelstein gelegt worden sei. Dieses Ei habe Johann v.Hundt zum Anlass genommen, die in Seenot versprochene Kapelle in Taxa zu errichten.

Abraham a Sancta Clara hat die Geschichte in seinem 1683 verfassten Buch "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga" veröffentlicht (siehe rechts). Damals lebte er in Graz.
Der Prediger sorgte mit seinen wortgewaltigen und sprachliche pointierten Belehrungen für Furore. In einer Zeit, in der man sich nach "Veranschaulichung der Glaubensinhalte und des Heilsmysteriums" sehnte, entsprach Abraham diesen Erwartungen nur zu gut.
40)
Mehr über Abraham a Sancta Clara...

Buch von Abraham a S.Clara
über Taxa

50 Jahre vor Abraham a Sancta Clara hatte schon der Jesuitenpater Georg Stengel (1585-1651) die Wallfahrtsgeschichte aufgeschrieben. 1634 verfasste er in lateinischer Sprache das Werk "Ova Paschalis", das 100 Deutungen des Eies als Symbol für Geburt und Leben enthält. Darin berichtet er auch, er sei als Gutachter für die in Taxa gelegten Sterneier herangezogen worden.
Die Eier, so schreibt Stengel, hätten ausgesehen, "als wäre ein Siegel in den weichen Kalk gedrückt" bzw. als sei die gerillte Struktur "mit Linien und Strahlen mit einem Pinsel" gemacht worden. Dennoch glaubte auch er an ein Wunder. Das erste Ei "mit aufgedrücktem Stern oder Sonnenkranz" sei "unmittelbar nach (!) Baubeginn der Kapelle an einem Freitag gefunden worden, das zweite "14 Tage darauf". Der Bauherr habe daraus den Schluss gezogen, es sei richtig gewesen, der Kapelle einen sternförmigen Grundriss gegeben zu haben. Von einem Gelübde des Joh.Wilhelm von Hundt ist hier nicht die Rede.


Auch das 1642 angelegte Mirakelbuch, in dem alle Heilungen in Taxa verzeichnet sind, enthält eine Gründungsgeschichte. Sie wurde vom Sulzemooser Pfarrer Matthias Strohmayr verfasst und ist wohl vom Bericht Stengels beeinflusst: "Alß man aber die H.Capellen hatt angefangen zuebauen, hatt sich .. begeben, dass durch ain oder zway Hennen.. zwey tag nacheinander, ..jeden tags ein Ay mit einem inprimirten (=eingedrückten) Stern und ausführlichen Stern seindt gelegt" worden. Das erste Ei sei damals (1642) schon zerbrochen gewesen. Auch hier kein Wort über das Gelübde.


Nach Auffassung von Prof. Dr.Liebhart gab es wahrscheinlich keine Seenot und kein Gelübde, auch kein Marienbild auf den Eiern, keinen Ziegelstein und keine schwarze Henne. Der Kapellenbau diente der Abrundung des neu angelegten Hofes mit Geflügel- und Fischzucht. Die Sternform des Kapellen-Grundrisses könnte auf die Charakterisierung von Maria als "Stern des Meeres" (Lauretanischen Litanei) zurückzuführen sein. Aber auch eine Änderung des Bauplans angesichts der unglaublichen Wirkung des Sternwunders auf die Menschen sei nicht auszuschließen. Abraham a Sancta Clara hat die tatsächlichen Ereignisse umgestellt und reich ausgeschmückt, um daraus eine für die Menschen dieser Zeit schlüssigere Gründungsgeschichte zu erstellen.

Gestützt wird diese Skepsis durch Abraham a Santa Clara selbst. Er schrieb in seinem Buch "Abrahamisches Bescheid-Essen", das 1717, also 34 Jahre nach dem "Gack, Gack a Ga":
  "Unter wehrenden Bau aber hat sich diß Wunder zugetragen / weil gleich sein Mayerhof darbey / allwo viel Gefliglwerck wurd auferzogen / so hat ein Henn ein Ey gelegt / darauf gantz natürlich gestalt war ein Stern / und mittn in dem Stern unser lieben Frauen Bild mit dem Jesus Kindl auf den Armen"
'Wehrender Bau' bedeutet, dass der Bau schon imgange war, als sich das Eiwunder zugetragen hat. Das Wunder kann deshalb nicht der Grund für den Bau der Kapelle gewesen sein. 40)

Abraham hat eine schöne Legende erfunden, die seit 1684 den Werdegang der Wallfahrt nachhaltig bis heute beeinflusste. Abraham war ein geschickter Schreiber und Redner, der sehr genau um seine Wirkung wusste. Man muss sich in aller Deutlichkeit bewusst werden, dass er in vollem Wissen und voller Absicht eine Geschichte zusammengedichtet hatte, welche so kaum passiert war. Nichtsdestotrotz sind es Wunder, an welche die Menschen glauben wollen. Diese waren besonders in den harten Zeiten des 17. Jh. vonnöten. Dies zu erkennen und zu erfüllen war die eigentliche Leistung von Abraham ä Sancta Clara. 40)

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Quellen:
25)
Prof.Dr.Liebhart, "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga", Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa, 2009
40) Katharina Friedl, Die Ursprungslegende der Wallfahrt Maria Stern - Dichtung oder Wahrheit ?; Amperland 2018/1

Stern-Eier


Sternei im Huttermuseum

Sterneier sind - nach Robert Böck - durchwegs sehr dünnschalige Eier, die auf einer Seite etwas plattgedrückt sind und dort eine elliptische blasenartige Ausbuchtung aufweisen, von der strahlenförmige Einschnürungen nach außen verlaufen. Bis heute sind solche Sterneier (fast nur) in der Region um Taxa nachgewiesen. Sie gelten nicht nur als Raritäten der Natur, sondern nach wie vor als Glücks- oder Wunderzeichen. Eier von schwarzen Hennen galten früher als Schutz vor Hexen, Teufeln und Unglücksfällen. 30)
Rudolf Kriß führt diese Missbildung der Eierschale auf eine Deformation des Eierstocks zurück. Möglicherweise liegt aber auch ein Kalkmangel vor, durch den sich die Eier beim Erkalten im Nest zusammenziehen. Das sonstige Futter oder die Hühnerrasse sind jedenfalls nicht ursächlich.


Für Abraham a Sancta Clara gab es aber nur übernatürliche Ursachen. Er schrieb, die Sterneier seien ein Zeugnis dafür, wie die "übergebenedeyte Himmelskönigin solches wertheste Herzogthumb und auch die Diözese Freising im Schutz und Schirm" habe. Man sehe daran, dass die Muttergottes nicht nur von den Menschen, sondern auch von den "gagazigeten Hennen" verehrt werde. Deshalb solle man das Bayerland in Mariäland umbenennen.

Sage
der Entstehung des Namens der Grafen v.Hundt
18)

Die Grafenfamilie Hundt hieß vor langer Zeit Altdorff. Eines Tages hat eine Frau Gräfin dieser Familie in Abwesenheit ihres Mannes Zwölflinge geboren. Sie wollte ihrem Mann bei der Rückkehr aber keine zwölf Kinder, sondern nur eines präsentieren. Deshalb befahl sie einer Bediensteten, elf dieser Kinder in einen Sack zu stecken und zu ertränken. Auf dem Weg zum Tatort begegnete sie dem heimkehrenden Grafen, der sie fragte, was sie in dem Sack transportiere. Sie entgegnete: Junge Hunde. Da wollte der Herr Graf einen dieser Hunde sehen. So kam die geplante Mordtat auf. Der Graf ließ seine Gemahlin aber nicht, wie sonst in Sagen üblich, auf dem Scheiterhaufen verbrennen, sondern schwieg über sein Wissen. Er ließ die elf Kinder an einem geheimen Ort aufziehen und präsentierte sie im Alter von sechs Jahren ihrer Mutter. Die zeigte sich reumütig; er war großmütig und verzieh ihr. Doch seiner Nachkommenschaft verordnete er den Namen Hundt.
Auf vielen Gemälden, die die Fam. Hundt in Auftrag gegeben hat, ist ein kleiner, meist weißer Hund zu sehen.

Quelle: Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994



A
braham a Santa Clara  18)


Abraham a Sancta Clara
Abraham a Santa Clara (bürgerlicher Name: Hans Ulrich Megerle) wurde am 2.7.1644 als achtes von zehn Kindern zu Kreenheinstetten im Schwäbischen Jura (Lkr. Sigmaringen) geboren, erhielt seine Ausbildung auf den hohen Schulen des damaligen Bayern in Ingolstadt und Salzburg, trat 1662 in Wien in den Orden der Barfüßer ein. Nach weiteren Studienjahren in Ferrara und Prag wurde er 1666 zum Priester geweiht, wirkte zunächst in Wien und von 1670 bis 1672, also nur zwei Jahre lang, als Sonntagsprediger in Taxa. Dann kehrte er nach Wien zurück und machte dort Karriere: 1677 wurde er kaiserlicher Prediger, ab 1680 Prior des Wiener Augustinerklosters und 1690 Provinzial der deutschsprachigen Provinz des gesamten Ordens. Dazwischen lebte er um 1683 ein paar Jahre in Graz. Die Belagerung Wiens durch die Türken von Juli bis September 1683 erlebte er so von außen.
Er starb im Alter von 65 Jahren am 1.12.1709 in Wien.

Abraham a Sancta Clara gilt als sprachgewaltigster christlicher Prediger im deutschen Sprachraum des 17. Jahrhunderts. Einige Literaturwissenschaftler sehen in dem Ordensmann sogar den eigentlichen Begründer der deutschen Schriftsprache.
Berühmt ist Abraham a Santa Clara vor allem wegen seiner originellen und bilderreichen Sprache, die durchaus einen Hang ins Derbe aufwies. Er selber nannte seine Predigtmethode "dem Volke aufs Maul schauen". Für seine literarische Bekanntheit spricht, dass sich auch Schiller (1759-1805) und Goethe (1749-1832) mit ihm befassten; Abraham a Santa Clara gab die Vorlage zur Kapuzinerpredigt in 'Wallensteins Lager". Jean Paul (1763-1825) wollte "auf das Grab des guten Abraham a Santa Clara eine Blume legen", weil er seinen Humor so schätzte. Auch Eichendorff (1788-1857) und Heidegger (1889-1976) hielten große Stücke auf ihn.

Aussagen über die Sprache Abrahams a Santa Clara:
Gerd Holzheimer:
"Die Sprache des wortgewaltigen Mönches ist," so schreibt der Münchner Schriftsteller Gerd Holzheimer, "je nach Bedarf humoristisch, satirisch, parodistisch getönt, mit ausgreifenden Wortwiederholungen, gewagten Metaphern, Kalauern, Wortwitzen, Alliterationen und Wortspielen." 18)
Prof.Dr.Liebhart:
Nach Historiker Prof.Dr.Liebhart war er "einer der bedeutendsten Poeten, ein wortgewandter Prediger, der die Menschen in seinen Bann zog. Er hat mit allen Mittel gearbeitet, er hat manipuliert und auf Marketing gesetzt".
30)
Dr.Norbert Göttler:
Der Bezirksheimatpfleger von Oberbayern erklärte in einem Interview 2018:
"Er war ein geistlicher Marktschreier und hat durch eine höchst plastische, derbe Sprache und auch mit Witzen unterfütterte Sprache versucht, die Leute zu erreichen. Heute würde man sagen, so ein Tonfall kommt einem Geistlichen nicht zu. Auch mit Drohungen, Verleumdungen und auch Beschimpfungen hat er nicht gespart." 30)
Friedrich Schiller
"Es ist eine interessante und keineswegs leichte Aufgabe, es ihm zugleich in der Tollheit und in der Geschmeidigkeit nach oder gar zuvorzutun." 40)
Joseph von Eichendorff
"Er ist der Antipode der ihm nicht sympathischen Pietistendichter"
40)

Abraham a Santa Clara besaß auch eine ordentliche Portion Chuzpe: In Wien predigte er einmal, dass es am kaiserlichen Hof Damen gebe, "die nicht wert seien, dass sie ein Hund anbrunzt". Als der Kaiser einen Widerruf dieser Grobheit verlangte, verkündete Abraham von der Kanzel: "Es gibt am Hof auch Damen, die es wert sind, dass sie ein Hund anbrunzt".

Aber die Predigten von Abraham hatten auch außerordentliche reaktionäre Züge. Seine Feindbilder sind eindeutig zu erkennen: Religiös die Moslems, Juden und Protestanten, politisch die Türken, die zum Sturm auf Wien ansetzten und allgemein die Frauen.

Frauen
Den Ausschnitt an den Frauenkleidern nannte er "Satansfenster". Von den Jungfrauen verlangte er, sie sollten sein "wie die Chlocken am Charfreytag (nämlich still) oder wie eine Orgel: "sobald dise angetastet wird, so schreyt sie".
Das Heiraten gleiche für Frauen einem Glückstopf, predigte er:
  "Manche zieht, und erhält einen Kamm, welcher sie tüchtig zauset.
Diese zieht einen Schwamm, einen Säufer, welcher niemals trocken wird.
Jene erhält einen Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt und die Kinder an den Bettelstab versetzt.
Und die Männer warnte er:
  Manche hat jetzt goldne Haare, und bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne.
Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend, und rot, wie die gewisser Tauben.
Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen, wie ein leerer Dudelsack.
Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein alter Kalender, der immer nasses Wetter anzeigt.
Der Mund glänzt wie Corallen, aber bald wird er einer gerupften Blaumeise gleichen.
Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die alabasternen Büchsen der Magdalena.
Tugend besteht, aber Schönheit vergeht.

Die Türken nannte er heimtückisch und wortbrüchig und setzte sie mit dem Teufel gleich, den die Christen mit ihren Sünden selbst herbeigeschworen haben.

Auch eine Reihe von Sprichwörtern stammt von ihm (oder wird ihm zugeschrieben):

- Ein Vorsatz ist wie ein Aal: leichter zu fassen als zu halten.
- Die Pforte im Himmel ist klein, es kann kein Prahlhans hinein.
- Freund und Anker erkennet man, wenn sie Hilf' in Not getan.
- Brummt das Weib den ganzen Tag, so geht der Mann zum Schwarzen Bären.
- Ein Jahrmarkt ohne Hiebe, ein Jüngling ohne Liebe, ein Ehestand, der wohlbestellt, sind selt'ne Dinge in der Welt.
- Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es den Metzger am meisten zu fürchten.
- Sitzt die Maus am Speck, so piepst sie nicht.
- Ein schwerer Beutel macht leicht eitel.
- Er liebt das trübe Wasser wie ein Aal.
- Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach.
- Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man viel Fröhlichkeit, und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich
  Galle, ungeheuer viel Galle.


Quelle: Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994



Der Maler Franz Joachim Beich

Franz Joachim Beich wurde wohl kurz vor dem 15. Oktober 1665 in der Freien Reichsstadt Ravensburg geboren. Das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt, doch die Taufe am 15.10.1665 ist dokumentiert. Der 9-jährige Beich zog mit seiner Familie 1674 nach München. Sein Vater Daniel, ein Maler und Kartograf, hatte eine Anstellung am Münchner Hof erhalten. In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt lebte damals auch der Maler Wilhelm Beich, ein Verwandter, der hier 1611 geboren war und 1642 das Meisterrecht erhalten hatte.
Franz Joachim lernte bei diesem und/oder seinem eigenen Vater Landschaftsmalerei.
1702, im Alter von 37 Jahren, bekam Franz Joachim Beich den ehrenvollen Auftrag, die militärischen Siege von Kurfürst Max Emanuels während der Türkenkriege in zwei monumen-talen Bildern mit einer Größe von jeweils 5,10 m x 9,69 m für den Großen Saal von Schloss Schleißheim zu glorifizieren. Sie stellten den Entsatz von Wien 1683 und die Schlacht bei Mohacs 1687 dar. Das Ergebnis gefiel dem Auftraggeber, der ihm 1704 den Titel eines "kurfürstlichen Kammerdieners und Hofmalers" verlieh.

Bald darauf begann jedoch der Spanische Erbfolgekrieg (1704-1714), die Österreicher besetzten das Land, der Kurfürst floh in die Niederlanden und so gab es für den Hofmaler kaum noch Aufträge. Beich ging für 10 Jahre nach Italien, nach Rom, Livorno und Neapel und er war dort recht erfolgreich. In Neapel scheint er unter den niederländischen und deutschen Landschaftsmalern seiner Zeit ohne Konkurrenz gewesen zu sein,

Franz Joachim Beich im Alter v.79 Jahren

Nach Ende des Krieg kehrte Beich nach München zurück, wo er am 26. Februar 1715 im Alter
von fast 50 Jahren heiratete. 1718 bis 1723 malte er neun oder zehn Schlachtenbilder für den Viktoriensaal in Schloss Schleißheim. Sie hatten längst errungene Siege Max Emanuels über die Osmanen zum Thema und waren wegen ihres Detailreichtums eine wertvolle Quelle für die Heereskunde. In der gleichen Zeit schuf er über Jahre hinweg die Gemälde der Marienwallfahrtsstätten für den Bürgersaal der Marianischen Kongregation. Sie waren in den Augen der Zeitgenossen die Triumphstätten der Landespatronin Maria und das sakrale Gegenstück zu den Schlachtenbildern. Bleich konnte aber auch bei den Wallfahrtsbildern seine langjährige Tätigkeit als Schlachtenmaler nicht verbergen. Die Wallfahrtskirchen werden von einem erhöhten Standpunkt ("Feldherrnhügel") aus dargestellt und erfahren eine Dramatisierung durch Licht und Wolken.
1726 endeten mit dem Tod seines Gönners Max Emanuel die Großaufträge des Hofs. Dafür sprangen jetzt private Auftraggeber ein. Am 16. 10. 1748 starb Franz Joachim Beich, angeblich halb taub und blind, in München. Einen Tag nach seinem 83. Geburtstag.

Quellen:
1. Lothar Altmann, Die Ansicht Taxas im Gemäldezyklus von Marienwallfahrtsstätten im Münchner Bürgersaal, Amperland 2014
2. Bild: Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47533)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür
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