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Landkreiskarte ausführliche
Beschreibg. Kirchen
in der Gem.Erdweg
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Klausenkapelle in WALKERTSHOFEN
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Kurzbeschreibung Etwas versteckt zwischen einem Bauernhaus und einem bewaldeten Hügelabhang liegt im Westen des Dorfes Walkertshofen eine relativ große Kapelle. Sie wurde vor rd. 360 Jahren an der Stelle eines Vorgängerbaues errichtet und war ein Jahrhundert lang Ziel einer regen Marienwallfahrt. Gnadenbild war eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes, die vor einigen Jahrzehnten geraubt wurde. Inzwischen schmückt den Altar die Kopie der Kopie. 1706 hatte man neben die Kapelle eine Eremitenklause gebaut. Der Klausner, ein Frater der Eremitenkongregation, pflegte die Kapelle, betreute die Wallfahrer und unterrichtete die Kinder der Walkertshofener Bauern. Bei der Säkularisation 1804 wurde die Klause in ein landwirtschaftliches Anwesen umgewandelt. Die heutige Kapelle ist ein Bau mit achteckigem Grundriss (Oktogon) und angebautem Chor mit 3/8-Schluss. |
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Der Altar
wurde 1650 errichtet. Bei der Renovierung 1786 hat man klassizistische
Elemente in die barocke Retabel
eingearbeitet. Bis dahin standen als Assistenzfiguren Figuren der Heiligen
Anna und Joachim auf Konsolen neben den Säulen. Mittelpunkt des barocken Altars ist eine Kopie des früheren Gnadenbildes in einem silbergetriebenen Rokokorahmen mit Messingaufsatz. Oben am Rahmen ist ein Schriftband mit dem Text "großer Mirackel Bildniß Maria" zu lesen. Das Bild selbst ist mit "Sancta Maria Auxiliatrix" (Helferin) beschriftet. Das Gestühl besteht aus drei Bankreihen mit geschweiften Stuhlwangen, die wohl noch aus der Zeit von 1709-1719 stammen und somit zu den ältesten im Dachauer Land gehören. In
der Nähe des Eingangs steht noch ein alter Opferstock aus
Eisen mit Beschlagbändern. |
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Vor einigen Jahren wurde die Kapelle vollständig ausgeraubt. Es sind deshalb weder die früheren Gnadenbilder noch die Votivbilder oder die Votivgaben aus der Wallfahrtszeit mehr vorhanden.
In Walkertshofen bestand ein Jahrhundert vor dem Bau der Kapelle (also um 1550) ein vielbesuchtes "Wildbad'', worunter nach damaligem Sprachgebrauch ein mineralisches Heilbad zu verstehen ist. Dieser Badebetrieb endete aber schon nach wenigen Jahren, lange vor dem 30-jährigen Krieg.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen
In Walkertshofen bestand ein Jahrhundert vor
dem Bau der Kapelle (also um 1550) ein vielbesuchtes "Wildbad'', worunter
nach damaligem Sprachgebrauch ein mineralisches Heilbad zu verstehen ist. Dieser
Badebetrieb endete aber schon nach wenigen Jahren, lange vor dem 30-jährigen
Krieg.
Bericht über das Wildbad.....
Die Wallfahrtskapelle hat mit diesem Badebetrieb nichts zu tun. Sie soll nach volkstümlicher Überlieferung während des Dreißigjährigen Krieges durch das Verlöbnis eines Offiziers entstanden sein, der, vom Feind verfolgt, sich im Gebüsch am Mühlberg versteckte und versprach, dort eine Kapelle zu stiften, wenn er unentdeckt bliebe. Ganz wird die Geschichte wohl nicht stimmen, denn die Kapelle bestand schon vor dem Krieg. Vielleicht vermachte er der Kapelle Geld, mit dem das Gotteshaus nach dem Krieg umgebaut wurde. Alte Berichte sprechen ohnehin davon, dass das Brünnlein Ursprung der Kapelle war, weil in ihr Heilkräfte vermutetet wurden.
Geschichte der Kapelle
Vorgängerbauten
Sicher ist, dass die Kapelle schon 1630 bestand. Denn in der Kirchenrechnung
dieses Jahres finden sich die Einträge, dass bei der Kapelle Bretter ausgebessert
worden und zwei neue Vorhängschlösser angebracht worden sind, weil
allein 1630 acht- oder neunmal in den Opferstock eingebrochen worden war. (Originaltext:
"In unnser lieben frauen Cappellen eingefangt und mit Pröttern vermacht"
sowie "Weillen diß Jars bey diser Capeln über daß 8 oder
9 mahl in Stockh gebrochen worden, umb 2 neue fürheng Schlösßer
bezalt").
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Dies spricht dafür, dass die Kapelle
schon damals eine Wallfahrtsstätte war. Ausdrücklich als solche
wurde sie 1642 bezeichnet. Damals teilte das bischöfliche
Ordinariat in Freising einem nicht näher bezeichneten Geistlichen
(wohl dem damaligen Dekan) mit, dass der Walkertshofener Pfarrer die Zelebrationserlaubnis
für die Kapelle beantragt habe und der Dekan die Kapelle anschauen
und eine Stellungnahme abgegen solle (Originaltext: "Marx Pröls,
Pfarrer zu Walkertshouen wegen unserer lieben Frauen Capellen daselben,
das er darinne celebrieren derffe" nachgesucht und ... beriehrte
Capellen, ob es zum celebrieren thauglich oder nit besichtiget und unss
hierbey gehorsamblich berichtet").
Leider sind beide Stellungnahmen (die des
Dekans und des Pfarrers) nicht erhalten. Viele Votivtafeln gaben Zeugnis von der florierenden Wallfahrt. Viele kamen, um sich am Brünnlein neben der Kapelle, dem ehem. Heilbrünnlein, die Augen zu benetzen. |
Kapellenbau um 1650
Um 1650 wurde wegen des regen Wallfahrtsbetriebs die heute noch bestehende
größere Kapelle "zu Ehren Vnser Lieben Frauen Hilff " gebaut.
In der Kirchenrechnung der Pfarrei aus diesem Jahr wird der Bau "Wunderthettigen
Unnser lieben Frauen Capeln zum Hailsammen Prunnen" genannt. Die Kosten
dafür wurden aus Mitteln der Pfarrei, durch Spenden von Privatleuten und
Darlehen anderer Kirchen aufgebracht. Außerdem hatte sie schon im Baujahr
wieder hohe Opferstockeinnahmen, wie der Kirchenrechnung zu entnehmen ist (Originaltext:
"Dises Jar sein bey der Capellen, die wie der Gottsberaith zaigt, wider
starckh unnd wundertettig zuenimbt").
Die alte Kapelle wurde als Vorhalle in den Neubau einbezogen. Objekte der Verehrung
waren eine der zahlreichen Kopien des seit der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges hochverehrten Passauer Mariahilfbildes und -im Vorbau- ein Vesper-Bild
(Pieta), durch das das Brunnenwasser floss. Das Wasser wurde -wie in der Bründlkapelle
bei Wagenried- durch das Andachtsbild hindurch geleitet, und sprudelte aus der
Seitenwunde des im Schoße der Muttergottes ruhenden Christus'. Dadurch
erhielt das Wasser eine besondere Weihe. Wir wissen das aus einem Schreiben
des Walkertshofener Pfarrers vom 22.September 1672, in dem er schreibt:
"..ein Vesper-Bildt, durch welches Brust ain schönes, lichtes lauffendes
Wasser oder Hayl-Bründl fluesset..". Nach Pfarrer Mois ist dies
"ein Sinnbild dafür, dass uns Menschen alle Gnaden aus den Todeswunden
Jesu fließen". Mit dem genannten Schreiben suchte der Walkertshofener
Pfarrer Gregor Wibmer beim Ordinariat nach, dass wenigstens einmal in der Woche
eine hl.Messe darin gefeiert werden dürfe, da die Einweihung des Neubaus
auf sich warten lasse und sonst der Eifer des Volkes im Besuch der Gnadenstätte
abnehmen würde. Auch zu diesem Antrag hat der Dekan in Aufkirchen an der
Maisach Philipp Benetius Amman ein Gutachten abgegeben, das noch erhalten ist.
Darin meldet er, er habe andächtige Wallfahrer gesehen. Das Kirchlein sei
sauber und mit aller Zier erbaut. Aber der Platz sei so feucht, dass er Bedenken
für das Fundament habe. Auch stehe die Kapelle so abseits des Orts, dass
er Einbrüche befürchte. Deshalb sollten dort keine Messgewänder
aufbewahrt werden. (Originaltext: "ersechen, das von deme gemainen Mann
ein zimbliche Andacht dahin bezaige zusein, auch das Khürlchlein an Ihme
selbst sauber und zierlich gebauet, allainig das es an einem so naß und
feuchten orth stehet, das ich zweifle, ob nit mit der Zeit das fundament ohne
bstandt sein solle, wie dan zway oder mehr Clufften darzue genuegsames anzaigen
geben... weillen erwehntes Sacellum-Kirchlein etwas abseits in dem Thall, das
von dem Dorff auch nit woll zu augen khombt, also unsicher wegen nächtlichen
Einrechens sein dürfte").
Das Ordinariat bewilligte die Feier der hl.Messe in der Kapelle für die
nächsten drei Jahre ("noch uf die negste 3 Jahr").
Das hieß, dass 1675 der Antrag auf Verlängerung gestellt hätte
werden müssen. Doch der Pfarrer stellt ihn erst am 20.März 1677.
Darin konnte er keinen Erfolgsbericht geben. Er habe, so schrieb er, im vergangenen
Jahr mit allen Kräften die Einweihung der Kapelle zuwege bringen wollen,
aber durch "das schädliche früehe Hochgewitter und Schauer"
seien die Dächer der Pfarrkirche, der Maria-Hilf-Kapelle und der Friedhofsmauer
ringsum zerschlagen und das Gemäuer vom Regenwasser beschädigt worden
und die Reparatur habe 100 Gulden gekostet. Nun sei die Kapelle "wiederumb
auff ein Neueß ausgeweisset, gesäubert und wird auch wiederumben
ein gressere Andacht und Zugang verspürrn". Da die Weihe einer
Kapelle Geld kostete, musste sie weiter verschoben werden. Deshalb musste der
Pfarrer ein zweites und ein drittes Mal um Verlängerung bitten, bis endlich
am 3.August 1688 die Kapelle in einer feierlichen Zeremonie von Weihbischof
Judas Thaddäus Schmid konsekriert werden konnte. In den Altar wurden Reliquien
des Märtyrers Hadrianus und den Gefährten des hl.Mauritius und der
hl.Columba. Das alljährliche Kirchweihfest wurde auf den 1.Sonntag im August
bzw. auf den Sonntag vor Laurentius (= 10.8.) gelegt.
Bau der Klause 1706
Ab 1706 baute der Eremit Frater Georg Schlein aus dem Dritten Orden des
hl. Franziskus auf eigene Kosten eine Klause bei der Mariahilfkapelle. In der
Kapelle erneuerte er die Pietà ("woraus das Wasser im kleinen
Capellen rindt"), ließ den Altar fassen (= bemalen) und stiftete
4 Leuchter, Kelch, Messgewand, Kreuze, 2 Fahnen, ein Messbuch, eine geschnitzte
und vergoldete Maria im Rosenkranz ("Frauen Pilt in dem Rosen Krantz"),
die beim Chorbogen von der Decke hing, ein neues Gestühl und zwei Glöckchen
für den Dachreiter.
| Außerdem ließ er
an die Emporenbrüstung die zwölf
Apostel malen. Diese Apostelbilder sind nicht mehr vorhanden. Möglicherweise
handelt es sich um die Bilder, die sich in der Pfarrkirche Walkertshofen
an der Innenseite der Empore befinden. Noch dazu hatte er sich aus Rom einen
Ablass verschafft, den Gläubige beim Gebet in der Kapelle erwerben
konnten. 1731 wurde das Gotteshaus unter der Regie von Georg Schlein und seinem bereits anwesenden Nachfolger Anton Roiderer umgebaut und eine Verbindung zwischen Klause und Kapelle geschaffen. Der Zugang endete über der Vorhalle, der ehemaligen Brunnenkapelle, in einem Oratorium. |
Klausner
Georg Schlein (1706-1734)
Frater Schlein betreute die Wallfahrer, hielt Rosenkranzandachten ab und gab
Schulunterricht. Während seines Wirkens in den Jahren 1706 bis 1735 erreicht
die Wallfahrt zum Marienbründl ihren Höhepunkt. Votivbilder aus
dieser Zeit hängen im Bezirksmuseum Dachau. Erst unter seinen Nachfolgern
ließ der Wallfahrtsbetrieb nach.
Die Pfarrei Walkertshofen hatte sich vor dem Bau der Klause gut abgesichert.
Sie hatte den Bau nur unter der Bedingung erlaubt, dass die Klause bei Tod oder
Wegzug des Klausners in das Eigentum der Pfarrei übergeht. Außerdem
hatte man sich das Recht zusichern lassen, den Einsiedler zu entlassen, wenn
er kein vorbildliches Leben mehr führte ("falls er seinem standt
nach nit fromb und auferpeülich leben wurdte, ihn sogleich wieder abzuschaffen").
Möglicherweise war diese Bestimmung der Grund dafür dass der Pfarrer
in Walkertshofen dem Eremiten 1710 verbot, mit dem Volk den Rosenkranz in der
Kapelle zu beten. 1719 schickte der Pfarrer Faber sogar eine länger
Beschwerdeschrift an das Ordinariat mit teils kleinlichen, teils böswilligen
Beschuldigungen, die der Eremit aber bei einem Verhör in Freising leicht
widerlegen konnte. Beim Dekan von Hirtlbach, aber auch bei der Bevölkerung
in Walkertshofen war Schlein gut gelitten. Man schrieb vom "gut löblichen
Eüffer" des Eremiten und dass man nichts negatives über ihn hören
konnte, obwohl in viele Menschen von Geburt an kannten ("obwohlen in
diser Gegendt gebirtig, nichts widriges niemahlen vorkhommen"). Schleich
verursachte auch kaum Kosten: er hatte sein ganzes Erbgut in Höhe von 600
Gulden in den Bau der Klause gesteckt; seinen Lebensunterhalt bestritt er durch
die Schule. Jedes Kind hatte als Schulgeld wöchentlich einen nur 1 Kreuzer
und 2 Pfennig zu entrichten. Das war ein sehr niedriger Betrag und entspricht
in der Kaufkraft 1,20 Euro heute. Bei bis zu 60 Kindern waren das 6 Gulden (entspricht
280 Euro) Einkommen pro Monat.
Frater Schlein hatte sich der Eremitenkongregation der Diözese Freising
angeschlossen, deren Sitz in St.Emmeram bei Oberföhring lag. Die Mitglieder
dieser Kongregation wohnten als Einsiedler bei abgelegenen Kirchen oder kleinen
Waldkapellen und hatten neben der Betreuung dieser Gotteshäuser auch die
Aufgabe, den Bauernkindern der Umgebung Schulunterricht zu erteilen. So wurden
sie gleichsam die ersten Volksschullehrer auf dem Lande und waren deshalb bei
Volk sehr beliebt. Im Bistum Freising waren damals 40 bis 60 Klausner eingesetzt.
1726 wurde Frater Schlein aus Walkertshofen zum Altvater, zum Oberen der Kongregation
gewählt. Im Jahr 1734 war Schlein noch Klausner in Walkertshofen. Als man
ihn 1735 nochmals zum Altvater wählte, wurde als sein Aufenthaltsort St.Emmeram
bei Oberföhrung genannt. Später bezog er die Klause bei der Peterskapelle
auf dem Freisinger Domberg. 1743 wird er noch im Visitationsbericht aufgeführt,
1745 wird er als verstorben bezeichnet.
Schmidt'sche
Matrikel von 1738
In der Schmidt'schen
Matrikel aus den Jahren 1738/40, die der Freisinger Kanonikus
Schmidt verfasst hat, ist auch die Klausenkapelle unter der Bezeichnung "Capella
filialis Beatae Mariae Virginis auf dem Prunberg" enthalten. Hier wird
nochmals beschrieben, wie das Brunnenwasser, das Heilwasser für die Menschen,
aus der Christusfigur sprudelt. Der einzige Altar sei Maria von der immerwährenden
Hilfe geweiht. Gottesdienste fanden am Annafest (26.Juli) und am Kirchweihfest
Sonntag vor dem Laurentiustag (10.Aug) statt. Und natürlich viele Votivgottesdienste
im Zusammenhang mit der Wallfahrt. Schmidt schreibt, es sei eine Sakristei vorhanden;
doch die Messgewänder würden vom Zelebranten aus der Pfarrkirche mitgebracht.
Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.
Klausner
Anton Roiderer (1731-1778)
Schon 3-4 Jahre bevor Klausner Schlein Walkertshofen verließ hatte
er die Klause seinem Nachfolger Anton Roiderer für 200 Gulden übergeben.
Der war im Alter von 26 Jahren in die Eremitenkongregation eingetreten und leistete
sein Noviziat bei Schlein ab. Frater Anton führte die Arbeit von Schlein
weiter. Er betreute die Wallfahrer, besuchte die Kranken, unterrichtete die
Kinder und half an Festtagen im Kloster Taxa beim Sakristeidienst aus. Im Jahr
1747 entschloss er sich zu einem Umbau der Klause. Sie sollte mit dem Maria-Hilf-Kapelle
verbunden werden. In seinem Bittgesuch an das Ordinariat gab er an, dass die
Kapelle in den 15 Jahren seiner Anwesenheit schon dreimal geplündert und
er selbst von dem Diebsgesindel fünfmal "angepackt" worden sei.
Wenn ein Verbindungsbau vorhanden wäre, könnte er im Falle eines Einbruchs
schnell mit den Glocken Sturm läuten und so die Diebe verscheuchen. Obwohl
der Pfarrer von Walkertshofen -wie fast immer- dagegen war, gestattete das Ordinariat
am 10.April 1747 dem Eremiten, dass er den Umbau ausführen dürfe,
aber nur mit eigenen Mitteln. Roiderer hat sodann seine Klause näher an
die Kapelle herangerückt. Das Vorhaus der Kapelle, das war wie erwähnt
die alte Kapelle vor 1650, hat er aufgestockt und vom Oratorium im neuen Stockwerk
aus einen Übergang zur Klause gebaut. Unter diesem im Bogen ausgeführte
Übergang konnte man hindurchgehen. Mitte des 18.Jh. begannen sich das Gedankengut
der Aufklärung durchzusetzen. Die Wallfahrten gingen kontinuierlich zurück.
Dies spürte auch die Klausenkapelle. Am 16.6.1778 starb Frater Roiderer,
nachdem er schon seit einiger Zeit "mit villen Bresten (=Krankheiten)
behafft" gewesen war.
Kapellen-Umbau
1786
Während der langen Prozessdauer blieb die Klause unbewohnt. Dies schadete
auch der Kapelle, die nicht mehr betreut wurde. Deshalb musste sie 1786
in größerem Umfang restauriert werden. Pfarrer Daubenberger berichtete,
dass die "ganz Ruinierte Clausen-Capellen" von Gutthätern wieder
hergestellt worden sei. Dabei hat man wahrscheinlich auch den Altar erneuert
und zu seiner heutigen Form umgestaltet. Danach wechselten die Klausner in rascher
Folge. Der letzte Eremit kam 1798 nach Walkertshofen, wo er bis zur Säkularisation
1804 blieb. Frater Kolomann Schneidig, so der Pfarrer, habe sich untadelig benommen
und im Schulhalten beständigen Fleiß und Klugheit bewiesen. Nach
der Säkularisation heiratete der Frater und blieb als Lehrer in der Gemeinde
Walkertshofen.
Säkularisation
1804
Im Jahr 1804 erreichte die Säkularisation auch Walkertshofen. Die Klause
fiel den kirchenfeindlichen Gesetzen zum Opfer, doch die Maria-Hilf-Kapelle
überstand -anders als das Kloster Taxa oder die Wieskapelle in Großberghofen-
die schwierige Zeit. Die Gemeinde erwarb
das Gotteshaus und erhielt es auf diese Weise. Nur
der Übergang zwischen Klause und Kapelle mitsamt dem Kapellenvorbau mit
Oratorium wurde abgerissen und die Klause in ein landwirtschaftliches Anwesen
umgewandelt. Später hat man die östlich an den Chor angebaute Sakristei
abgetragen, die lange Zeit den Besitzern des Klausner-Gütls als Keller
gedient hatte.
Patrozinium
Im Laufe des 19.Jh. geriet das Maria-Hilf-Patrozinium in Vergessenheit und es
bürgerte sich der Name "St.Anna-Kapelle" ein. In der Pfarrbeschreibung
von 1817 wird berichtet, dass in der Kapelle zwar ein Altar mit dem Bildnis
"Mariae-Hilf" sei, das Patrozinium aber am St.Anna-Tag gefeiert werde.
Das war auch 1784 schon so, berichtete Pfarrer Ägidius Daubenberger ("In
der Eremiten Capellen war allzeit das Patrocinium in festo Sanct Annae").
Die besondere Verehrung der Mutter Anna scheint in Walkertshofen ein alter Ortsbrauch
gewesen zu sein. In der oben erwähnten Beschwerdeschrift des Pfarrers Faber
von 1719 gegen den Klausner Schlein wird vorgebracht, dass der Klausner - um
sich bei den Bauern einzuschmeicheln- einen vollkommenen Ablass auf das St.Anna-Fest
erlangen wolle, damit dieser Tag, der in der Pfarrei ohnehin schon in besonderer
Andacht gefeiert werde, noch festlicher begangen werden könne. Dass die
Kapelle der Muttergottes geweiht ist, besagt eindeutig der Weihetitel von 1688.
Zudem waren auf dem Altar St.Anna und St.Joachim nur als Assistenzfiguren angebracht.
Beschreibung 1880
Auch in der Beschreibung der Erzdiözese München und Freising von Mayer/Westermayer
aus der Zeit um 1880 wird die Kapelle als St.Annacapelle aufgeführt.
Im Kuppel-Thurm hingen damals 2 Glocken. Gottesdienst wurde damals am Annafest
(26.Juli) gefeiert. Meßner und Cantor war der Lehrer von Walkertshofen.
Mayer/Westermayer schreiben noch: "Die Capelle wird als Wallfahrt 'Maria
Hilf' viel besucht. Sie wird auch Klause genannt, weil früher ein Klausner
da war".
Restaurierungen im 20.Jh.
Auch nach dem Ersten und
dem Zweiten Weltkrieg drohte ein Abriss des inzwischen fast zur Ruine gewordenen
Bauwerks. Pfarrer Vogel von Vogelstein nach dem Ersten Weltkrieg und der aus
Eisenhofen stammende Münchner Weihbischof Dr.Johannes Neuhäusler (1888-1973)
nach dem Zweiten Weltkrieg konnten den Abbruch aber abwenden.
1922: Vogel von Vogelstein notierte 1922: "Die St-Anna-Kapelle ist
sehr reparaturbedürftig. Die einen sagen, daß man sie ganz entfernen
soll, die anderen nein, sie soll erhalten bleiben. Zu den letzteren gehört
der Unterzeichnete und eins mit ihm das Generalconservatorium das Bezirksamt
und der Verein für Heimatpflege". Das kirchliche Oberbehörde
bestimmte am 4.Februar 1922, dass "unter keinen Umständen der Abbruch
der Annakapelle genehmigt wird". Aber die Reparatur kam nicht in Gang.
Der Pfarrer schrieb erneut, dass wegen der Dachschäden in der Kapelle kein
Gottesdienst gehalten werden könne. Man habe zwar von "auswärtigen
Verehrern der hl.Anna 22.000 Mark erhalten", doch die Spenden der Walkertshofener
ließen zu wünschen übrig: Sie warten bis andere die Kapelle
mit ihrem Geld restaurieren. Mit einem Anflug von Resignation schrieb der Bischof:
" Es ist zu bedauern, dass die Klausenkapelle entgegen der früheren
pietätsvollen, traditionellen Behandlung seitens der Bewohner der Umgebung,
nunmehr in einem defektem Zustand sich befindet. Man solle sich nochmals mit
allem Nachdruck mit den Parochianen (=Pfarrangehörigen) reden.
Erst nach der Inflation erhielt das Oktogon der Kapelle ein neues Blechdach
und im Inneren wurde die Decke erneuert. Zur gründlichen Entfeuchtung reichten
die Mittel aber nicht.
1953: Bei
Beginn der Restaurierung 1953 diente die Kapelle als Hühnerstall und Rumpelkammer,
der Fußbogen war herausgerissen, die Mauer hatte ein Loch und der Altar
war entfernt. Neuhäusler sorgte durch großen persönlichen Einsatz
für die Renovierung der Kapelle und konnte sie am 18.10.1970 "unter
lebhafter Beteiligung der Bevölkerung" neu weihen.
Bei der am äußersten
Ortsrand neben einem Bauernhof errichteten Kapelle handelt es sich um einen
Bau mit achteckigem Grundriss (Oktogon) und angebautem Chor mit
3/8-Schluss.
Bedeckt ist sie mit einem Pyramidendach auf dem eine zwiebelbekrönte Laterne
mit vergoldetem Knauf und einem Kreuz sitzt. Im Türmchen hängen
zwei kleine Glocken (andere Quelle: 1 Glocke). Ob die 1722 von Anton Benedikt
Ernst zusammen mit Johann Matthias Langenecker aus München für die
Kapelle gegossenen Glocke noch vorhanden ist, vermag ich leider nicht
sagen.
Innenausstattung
Der stark eingezogene Altarraum ist eingewölbt (Kreuzgratgewölbe mit Stichkappen) und wird durch zwei ovale Fenster erhellt. Das Kirchenschiff, das Oktogon, besitzt eine Flachdecke mit einer Stuckrahmung.
Vor einigen Jahren wurde die Kapelle vollständig ausgeraubt. Es sind deshalb weder die früheren Gnadenbilder noch die Votivbilder oder die Votivgaben aus der Wallfahrtszeit mehr vorhanden.
Der Altar
wurde wohl 1786 erneuert; dabei wurden klassizistische Elemente in die barocke
Retabel
eingearbeitet. Bis 1786 standen als Assistenzfiguren Figuren der Heiligen Anna
und Joachim auf Konsolen neben den Säulen. Die Retabel, der Altaraufbau,
ist blau und grau-gelb marmoriert ( = mit Marmormuster bemalt). Die Säulenkapitelle
sind vergoldet. Darüber ein verkröpftes
Gesims mit zwei
seitlichen Vasen. Der Auszug enthält ein Marienmonogramm. Der Altartisch
ist nicht -wie sonst üblich- gemauert, sondern aus Holz gearbeitet.
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Mittelpunkt des barocken, Altars ist eine Kopie des früheren Gnadenbildes in einem silbergetriebenen Rokokorahmen mit Messingaufsatz. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Oben am Rahmen ist ein Schriftband mit dem Text "großer Mirackel Bildniß Maria" zu lesen. Das Bild selbst ist mit "Sancta Maria Auxiliatrix" (=Helferin) beschriftet. Das geraubte, 88 x 58 cm große Ölgemälde auf Leinwanduntergrund stammte noch aus dem 17.Jh war später übermalt worden. Das Altarbild ist eine von unzähligen Kopien des Gnadenbildes "Maria Hilf' in Passau, das interessanterweise selbst eine Kopie ist. |
Der
Tabernakel aus Holz mit weiß-goldener Bemalung besitzt seitliche
Volutenpilaster und eine Nische mit Muschelkalotte.
Sonstige Einrichtungsgegenstände
Hans Schertl
Am Fronleichnamstag 1550 entdeckte der Gerichtsdiener (andere Quelle: der abgedankte Amtmann) von Kranzberg, Jörg Haffner, der sich in Unterweikertshofen als Bader niedergelassen hatte, die Heilquelle am Fuß des "Mühlberges", westlich von Walkertshofen. Er litt an einer ansteckenden Krankheit und durfte nicht zu anderen Leuten gehen. Als er nach einem Bad in der Quelle seine gelähmte Hand geheilt wurde und auch der Beizollner von Schwabhausen, dem wegen eines ähnlichen Leidens "3 Jahr lang die Kürchen [= der Kirchenbesuch] und baden verboten gewesen", auf gleiche Weise seine Gesundheit wiedergefunden hatte, wurde die Heilquelle rasch bekannt und erregte weites Aufsehen. Aus allen Himmelsrichtungen, sogar von der Pfalz und aus der Schweiz kamen nun Kranke und Gebrechliche in langen Zügen nach Walkertshofen, die hier an der Quelle Heilung suchten.
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Jörg Haffner, bald Jörg "Bader"
genannt, hatte das Wildbad in kurzer Zeit aufgezogen und mit seinem nicht
unbeträchtlichen Vermögen Zuber, Badewannen und die sehr teuren
Kessel angeschafft. Ein zeitgenössischer Holzschnitt vermittelt ein anschauliches
Bild über den Badebetrieb, der sich in notdürftig aufgestellten, offenen
Bretterhütten und Zelten abspielte, wo die Badegäste in hölzernen Zubern
im angewärmten Heilwasser saßen. Der Ruf des Bades war bald über die Grenzen
des Dachauer Landes hinausgedrungen. Badegäste kamen aus ganz Südbayern,
ja sogar aus der Schweiz und aus der Pfalz. Ein Grund war auch, dass sehr
soziale Eintrittspreise verlangt wurden: Baden und Holz waren mit drei
Kreuzern pro Tag abgegolten. |
Doch schon 4 Jahre nach Entdeckung der Quelle war der große Rummel vorbei. Seit Mitte des Jahres 1554 schweigen die Archivalien über das Bad. Ob der Mangel an Brennholz, die Überbeanspruchung der Quelle oder andere Ursachen den Badebetrieb zum Erliegen brachten, wissen wir nicht.
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die
älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising.
München 1874-1880
Dachauer Neueste vom 9./10.7.1977
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes 1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Umbau 1650)
Monsignore Jakob Mois, Kleine Schriften, herausgegeben von Pfarrei und Gemeinde
Rottenbuch, 2007 (Geschichte Klause)
7 Bilder: Alfred Bayer (2), Hans Schertl (5)
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29.3.2010