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Klausenkapelle Maria Hilf in WALKERTSHOFEN

zur Kirchentür


K
urzbeschreibung

Etwas versteckt zwischen einem Bauernhaus und einem bewaldeten Hügelabhang (ehem.Mühlberg) liegt im Westen des Dorfes Walkertshofen eine relativ große Kapelle. Sie wurde vor rd. 360 Jahren an der Stelle eines Vorgängerbaues errichtet und war ein Jahrhundert lang Ziel einer regen Marienwallfahrt.
Heute steht die Kapelle inmitten von Privatgrund und ist nur mit Erlaubnis der Grundeigentümer zu besichtigen.

In der Vorgängerkapelle, die in den Kirchenrechnungen schon 1630 genannt wurde, war das Gnadenbild eine holzgeschnitzte Vespergruppe (Pieta), durch die das heilkräftige Wasser hindurch geleitet wurde. Das Wasser sprudelte aus der Seitenwunde des Leichnams Jesu, der auf dem Schoß Mariens lag.

Wegen der vielen Wallfahrer wurde um 1650 eine neue Kapelle gebaut. Hier trat an die Seite der Pietà als weiteres Gnadenbild eine Kopie des Passauer Maria-Hilf-Bildes von Lucas Cranach. Die bisherige Kapelle mit der Pietà wurde als Vorhalle in den Neubau mit einbezogen.

1706 hatte man neben die Kapelle eine Eremitenklause gebaut. Der Klausner, ein Frater der Eremitenkongregation 3.Orden des hl.Franziskus) , pflegte die Kapelle, betreute die Wallfahrer und unterrichtete die Kinder der Walkertshofener Bauern. Bei der Säkularisation 1804 wurde die Klause in ein landwirtschaftliches Anwesen umgewandelt.

Die heutige Kapelle ist ein Bau mit achteckigem Grundriss (Oktogon) und  angebautem Chor mit 3/8-Schluss.Bedeckt ist sie mit einem Pyramidendach, auf dem eine zwiebelbekrönte Laterne mit vergoldetem Knauf und einem Kreuz sitzt.


Inneneinrichtung

Der Altar wurde 1650 errichtet. Bei der Renovierung 1786 hat man klassizistische Elemente in das barocke Retabel eingearbeitet. Bis dahin standen als Assistenzfiguren Figuren der Heiligen Anna und Joachim auf Konsolen neben den Säulen.

Der Auszug (Aufsatz) des Altars enthält ein Marienmonogramm. Der Altartisch ist nicht -wie sonst üblich- gemauert, sondern aus Holz gearbeitet.

Mittelpunkt des barocken Altars ist eine Kopie des früheren Gnadenbildes in einem silbergetriebenen Rokokorahmen mit Messingaufsatz. Oben am Rahmen ist ein Schriftband mit dem Text "großer Mirackel Bildniß Maria" zu lesen. Das Bild selbst ist mit "Sancta Maria Auxiliatrix" (Helferin) beschriftet.

Das Gestühl besteht aus drei Bankreihen mit geschweiften Stuhlwangen, die wohl noch aus der Zeit von 1709-1719 stammen und somit zu den ältesten im Dachauer Land gehören.

In der Nähe des Eingangs steht noch ein alter Opferstock aus Eisen mit Beschlagbändern.

Hinter der Kapelle ist das von Prof. J. Henselmann im Jahr 1970 neu gestaltete Bründl zu sehen (Bründlfigur siehe oben). Aus einem Kupferbecken ragt eine Bronze-Blüte hervor, aus deren sechs Ausbuchtungen Wasser fließt. In der sich öffnenden Blüte steht eine Muttergottesfigur.

Vor einigen Jahren wurde die Kapelle vollständig ausgeraubt. Es sind deshalb weder die früheren Gnadenbilder noch die Votivbilder oder die Votivgaben aus der Wallfahrtszeit mehr vorhanden. 

In Walkertshofen bestand ein Jahrhundert vor dem Bau der Kapelle (also um 1550) ein vielbesuchtes "Wildbad'', worunter nach damaligem Sprachgebrauch ein mineralisches Heilbad zu verstehen ist. Dieser Badebetrieb endete aber schon nach wenigen Jahren, lange vor dem 30jährigen Krieg.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kapelle 1630  Neubau 1650  Matrikel 1740  Umbau 1786
 Säkularisation 1804  Beschreibung 1880  Restaurierung 20.Jh  
 Wildbad  Patrozinium  Wallfahrt
 Klause:  Bau der Klause 1706  Ausstattung der Klause  Klausner Schlein (1706-34)  Klausner Roiderer (1731-78)
 Ausstattung
 d.Kapelle :
 Altarraum  Choraltar  Kanzelkreuz  Kirchenbänke
  Kreuzweg   Opferstock   Tabernakel   


In Walkertshofen bestand ein Jahrhundert vor dem Bau der Kapelle (also um 1550) ein vielbesuchtes mineralisches Heilbad, auch "Wildbad''genannt. Dieser -nur im Sommer offene- Badebetrieb endete aber schon nach wenigen Jahren. Ob der Mangel an Brennholz, die Überbeanspruchung der Quelle oder andere Ursachen ihn zum Erliegen brachten, ist nicht geklärt.
Bericht über das Wildbad.....


Geschichte der Kapelle  08), 10)

Die Wallfahrtskapelle hat mit diesem Badebetrieb nichts zu tun. Sie soll nach volkstümlicher Überlieferung während des Dreißigjährigen Krieges durch das Verlöbnis eines Offiziers entstanden sein, der, vom Feind verfolgt, sich im Gebüsch am Mühlberg versteckte und versprach, dort eine Kapelle zu stiften, wenn er unentdeckt bliebe. Ganz wird die Geschichte wohl nicht stimmen, denn die Kapelle bestand schon vor dem Krieg. Vielleicht vermachte er der Kapelle Geld, mit dem das Gotteshaus nach dem Krieg umgebaut werden konnte. Alte Berichte sprechen ohnehin davon, dass das Brünnlein Ursprung der Kapelle war.

Vorgängerbauten
Sicher ist, dass die Kapelle schon 1630 bestand. Denn in der Kirchenrechnung dieses Jahres finden sich die Einträge, dass bei der Kapelle Bretter ausgebessert und zwei neue Vorhängeschlösser angebracht werden mussten, weil allein 1630 acht- oder neunmal in den Opferstock eingebrochen worden war. (Originaltext: "In unnser lieben frauen Cappellen eingefangt und mit Pröttern vermacht" sowie "Weillen diß Jars bey diser Capeln über daß 8 oder 9 mahl in Stockh gebrochen worden, umb 2 neue fürheng Schlösßer bezalt").
09),


Wallfahrt

Dies spricht dafür, dass die Kapelle schon damals eine Wallfahrtsstätte war. Ausdrücklich als solche wurde sie 1642 bezeichnet. Damals teilte das bischöfliche Ordinariat in Freising einem nicht näher bezeichneten Geistlichen (wohl dem damaligen Dekan) mit, dass der Walkertshofener Pfarrer die Zelebrationserlaubnis für die Kapelle beantragt habe und der Dekan die Kapelle begutachten und eine Stellungnahme abgeben solle
  (Originaltext: "Marx Pröls, Pfarrer zu Walkertshouen wegen unserer lieben Frauen Capellen daselben, das er darinne celebrieren derffe" nachgesucht und ... beriehrte Capellen, ob es zum celebrieren thauglich oder nit besichtiget und unss hierbey gehorsamblich berichtet").

Für 1643 ist die wunderbare Heilung eines blinden und krummen Kindes an der Quelle und der "darüber erbauten Neuen (!) Capellen" überliefert. Jedenfalls forderte das bischöfliche Ordinariat in Freising mit einem Schreiben vom 29.September den Walkertshofener Pfarrer auf, zu diesem Wunder Stellung zu nehmen
  (Originaltext: "Wir khommen in weithleiffige erfahrung wie daß in dem vor disem entsprungenen Heilbrunnen in euer Pfarr unlangsten mit einem blinden und khrumpen Khindt ein Miracul vorybergangen sein solle; ob nuhn deme also, und wie es darmit hergangen, werdet uns ihr dieses negstens mit umstenden berichten").
Leider sind beide Stellungnahmen nicht erhalten.


Viele Votivtafeln gaben Zeugnis von der florierenden Wallfahrt. Viele kamen, um sich am Brünnlein neben der Kapelle, dem ehem. Heilbrünnlein, die Augen zu benetzen.

Damals war das Gnadenbild eine holzgeschnitzte Pietà-Figurengruppe, durch die das heilkräftige Wasser hindurch geleitet wurde.


Kapellenbau um 1650

Um 1650 wurde wegen des regen Wallfahrtsbetriebs die heute noch bestehende größere Kapelle "zu Ehren Vnser Lieben Frauen Hilff " gebaut. In der Kirchenrechnung der Pfarrei aus diesem Jahr wird der Bau "Wunderthettigen Unnser lieben Frauen Capeln zum Hailsammen Prunnen" genannt.
 Finanzierung
Die Kosten dafür wurden aus Mitteln der Pfarrei, durch Spenden von Privatleuten und Darlehen anderer Kirchen aufgebracht. Außerdem hatte sie schon im Baujahr wieder hohe Opferstockeinnahmen, wie der Kirchenrechnung
09) zu entnehmen ist
  (Originaltext in Anführungszeichen)
"Dises Jar sein bey der Capellen, die wie der Gottsberaith zaigt, wider starckh unnd wundertettig zuenimbt") .
Zwei Großspender sind in der Kirchenrechnung namentlich genannt:
- "Casspar Weber, Oberknecht im weissenpreuhauß zu München, hat zu auferpauung unnser lieben Frauen-Capellen
                         geschenkt: 10 fl. "
- "Item So hat Hannß Zeller von Altstetten, an den ienigen .50.f. so sein Vatter sel.alhero verschafft. lauth vor einem Jahr
                          accordirter massen bezalt: 21 fl. "

Die Kapelle hatte auch einige Darlehensgeber gefunden:

"So hat ds Gottshauß welshouen (Welshofen) auf die in Verttiger (vorjähriger) Rechnung hergebne .8.f.30.kr: noch weitters
 hergelichen: 91.30 fl.
 Mehr so ist weillen mann im Pauen nit fortkhommen kinden von dem Gottshauß St.Pettersberg entlehnet worden, unnd
 par empfangen P: 70 fl. "

Bründl

Die alte Kapelle wurde als Vorhalle in den Neubau einbezogen. Objekte der Verehrung waren eine der zahlreichen Kopien des seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hochverehrten Passauer Mariahilfbildes und -im Vorbau- das alte Vesper-Bild (Pieta).
Das Brunnenwasser wurde -wie in der Bründlkapelle bei Wagenried- durch das Andachtsbild hindurch geleitet, und sprudelte aus der Seitenwunde des im Schoße der Muttergottes ruhenden Christus'. Dadurch erhielt das Wasser eine besondere Weihe. Wir wissen das aus einem Schreiben des Walkertshofener Pfarrers vom 22.September 1672, in dem er schreibt: "..ein Vesper-Bildt, durch welches Brust ain schönes, lichtes lauffendes Wasser oder Hayl-Bründl fluesset..". Nach Pfarrer Mois ist dies "ein Sinnbild dafür, dass uns Menschen alle Gnaden aus den Todeswunden Jesu fließen".

Messerlaubnis

Mit dem genannten Schreiben suchte der Walkertshofener Pfarrer Gregor Wibmer beim Ordinariat nach, dass wenigstens einmal in der Woche eine hl.Messe darin gefeiert werden dürfe, da die Einweihung des Neubaus auf sich warten lasse und sonst der Eifer des Volkes im Besuch der Gnadenstätte abnehmen würde. Auch zu diesem Antrag hat der Dekan in Aufkirchen an der Maisach Philipp Benetius Amman ein Gutachten abgegeben, das noch erhalten ist. Darin meldet er, er habe andächtige Wallfahrer gesehen. Das Kirchlein sei sauber und mit aller Zier erbaut. Aber der Platz sei so feucht, dass er Bedenken für das Fundament habe. Auch stehe die Kapelle so abseits des Orts, dass er Einbrüche befürchte. Deshalb sollten dort keine Messgewänder aufbewahrt werden.
  (Originaltext: "ersechen, das von deme gemainen Mann ein zimbliche Andacht dahin bezaige zusein, auch das Khürlchlein an Ihme selbst sauber und zierlich gebauet, allainig das es an einem so naß und feuchten orth stehet, das ich zweifle, ob nit mit der Zeit das fundament ohne bstandt sein solle, wie dan zway oder mehr Clufften darzue genuegsames anzaigen geben... weillen erwehntes Sacellum-Kirchlein etwas abseits in dem Thall, das von dem Dorff auch nit woll zu augen khombt, also unsicher wegen nächtlichen Einrechens sein dürfte").
Das Ordinariat bewilligte die Feier der hl.Messe in der Kapelle für die nächsten drei Jahre ("noch uf die negste 3 Jahr").
Das hieß, dass 1675 der Antrag auf Verlängerung gestellt hätte werden müssen. Doch der Pfarrer stellt ihn erst am 20.März 1677. Darin konnte er keinen Erfolgsbericht geben. Er habe, so schrieb er, im vergangenen Jahr mit allen Kräften die Einweihung der Kapelle zuwege bringen wollen, aber durch "das schädliche früehe Hochgewitter und Schauer" seien die Dächer der Pfarrkirche, der Maria-Hilf-Kapelle und der Friedhofsmauer ringsum zerschlagen und das Gemäuer vom Regenwasser beschädigt worden und die Reparatur habe 100 Gulden gekostet. Nun sei die Kapelle "wiederumb auff ein Neueß ausgeweisset, gesäubert und wird auch wiederumben ein gressere Andacht und Zugang verspürrn". Da die Weihe einer Kapelle viel Geld kostete, musste sie weiter verschoben werden. Deshalb bat der Pfarrer ein zweites und ein drittes Mal um Verlängerung, bis endlich am 3.August 1688 die Kapelle in einer feierlichen Zeremonie von Weihbischof Judas Thaddäus Schmid konsekriert werden konnte. In den Altar wurden Reliquien des Märtyrers Hadrianus und den Gefährten des hl.Mauritius und der hl.Columba eingemauert. Das alljährliche Kirchweihfest wurde auf den 1.Sonntag im August bzw. auf den Sonntag vor Laurentius (= 10.8.) gelegt.


Bau der Klause 1706

Ab 1706 errichtete der Eremit Frater Georg Schlein aus dem Dritten Orden des hl. Franziskus auf eigene Kosten eine Klause bei der Mariahilfkapelle. In der Kapelle erneuerte er die Pieta ("woraus das Wasser im kleinen Capellen rindt"), ließ den Altar fassen (= bemalen) und stiftete 4 Leuchter, Kelch, Messgewand, Kreuze, 2 Fahnen, ein Messbuch, eine geschnitzte und vergoldete Maria im Rosenkranz ("Frauen Pilt in dem Rosen Krantz"), die beim Chorbogen von der Decke hing, ein neues Gestühl und zwei Glöckchen für den Dachreiter.

Apostelbilder
Außerdem ließ er an die Emporenbrüstung die zwölf Apostel malen. Diese Apostelbilder sind nicht mehr vorhanden. Wahrscheinlich handelt es sich um die Bilder, die sich heute in der Pfarrkirche Walkertshofen an der Innenseite der Empore befinden. Noch dazu hatte er sich aus Rom einen Ablass verschafft, den Gläubige beim Gebet in der Kapelle erwerben konnten.

1731
wurde das Gotteshaus unter der Regie von Georg Schlein und seinem bereits anwesenden Nachfolger Anton Roiderer umgebaut und eine Verbindung zwischen Klause und Kapelle geschaffen. Der Zugang endete über der Vorhalle, der ehemaligen Brunnenkapelle, in einem Oratorium.

Klausner Georg Schlein (1706-1734)
Frater Schlein betreute die Wallfahrer, hielt Rosenkranzandachten ab und gab Schulunterricht. Während seines Wirkens in den Jahren 1706 bis 1735 erreicht die Wallfahrt zum Marienbründl ihren Höhepunkt. Votivbilder aus dieser Zeit hängen im Bezirksmuseum Dachau. Erst unter seinen Nachfolgern ließ der Wallfahrtsbetrieb nach.

Die Pfarrei Walkertshofen hatte sich vor dem Bau der Klause gut abgesichert. Sie hatte den Bau nur unter der Bedingung erlaubt, dass die Klause bei Tod oder Wegzug des Klausners in das Eigentum der Pfarrei übergeht. Außerdem hatte man sich das Recht zusichern lassen, den Einsiedler zu entlassen, wenn er kein vorbildliches Leben mehr führt ("falls er seinem standt nach nit fromb und auferpeülich leben wurdte, ihn sogleich wieder abzuschaffen").

Möglicherweise war diese Bestimmung der Grund dafür dass der Pfarrer in Walkertshofen dem Eremiten 1710 verbot, mit dem Volk den Rosenkranz in der Kapelle zu beten. 1719 schickte der Pfarrer Faber sogar eine längere Beschwerdeschrift an das Ordinariat mit teils kleinlichen, teils böswilligen Beschuldigungen, die der Eremit aber bei einem Verhör in Freising leicht widerlegen konnte. Beim Dekan von Hirtlbach, aber auch bei der Bevölkerung in Walkertshofen, war Schlein gut gelitten. Man schrieb vom "gut löblichen Eüffer" des Eremiten und dass man nichts Negatives über ihn hören konnte, obwohl in viele Menschen von Geburt an kannten ("obwohlen in diser Gegendt gebirtig, nichts widriges niemahlen vorkhommen"). Schleich verursachte auch kaum Kosten: er hatte sein ganzes Erbgut in Höhe von 600 Gulden in den Bau der Klause gesteckt; seinen Lebensunterhalt bestritt er durch die Schule. Jedes Kind hatte als Schulgeld wöchentlich nur 1 Kreuzer und 2 Pfennig zu entrichten. Das war ein sehr niedriger Betrag und entsprach in der Kaufkraft 1,20 Euro heute. Bei bis zu 60 Kindern waren das 6 Gulden (entspricht 280 Euro) Einkommen pro Monat.
Frater Schlein hatte sich der Eremitenkongregation der Diözese Freising angeschlossen, deren Sitz in St.Emmeram bei Oberföhring lag. Die Mitglieder dieser Kongregation wohnten als Einsiedler bei abgelegenen Kirchen oder kleinen Waldkapellen und hatten neben der Betreuung dieser Gotteshäuser auch die Aufgabe, den Bauernkindern der Umgebung Schulunterricht zu erteilen. So wurden sie gleichsam die ersten Volksschullehrer auf dem Lande und waren deshalb bei Volk sehr beliebt. Im Bistum Freising waren damals 40 bis 60 Klausner eingesetzt. 1726 wurde Frater Schlein aus Walkertshofen zum Altvater, zum Oberen der Kongregation gewählt. Im Jahr 1734 war Schlein noch Klausner in Walkertshofen. Als man ihn 1735 nochmals zum Altvater wählte, wurde als sein Aufent- haltsort St.Emmeram bei Oberföhrung genannt. Später bezog er die Klause bei der Peterskapelle auf dem Freisinger Domberg. 1743 wird er noch im Visitationsbericht aufgeführt, 1745 wird er als verstorben bezeichnet.

1733, kurz vor dem Tod des Klausners Schlein wurde das Dach repariert. Der Maurer Josef Vierer aus Walkertshofen 05) erstellte dafür einen Überschlag (=Kostenvoranschlag). Einen anderen Überschlag (mit einem Kostenvolumen von 61 Gulden) erstellte der Zimmerer Michael Mayr aus Walkertshofen 07) .

Schmidt'sche Matrikel von 1738 01)
In der
Schmidt'schen Matrikel aus den Jahren 1738/40, die der Freisinger Kanonikus Schmidt verfasst hat, ist auch die Klausenkapelle unter der Bezeichnung "Capella filialis Beatae Mariae Virginis auf dem Prunberg" enthalten. Hier wird nochmals beschrieben, wie das Brunnenwasser, das Heilwasser für die Menschen, aus der Christusfigur sprudelt. Der einzige Altar sei Maria von der immerwährenden Hilfe geweiht. Gottesdienste fanden am Annafest (26.Juli) und am Kirchweihfest Sonntag vor dem Laurentiustag (10.Aug) statt. Und natürlich viele Votivgottesdienste im Zusammenhang mit der Wallfahrt. Schmidt schreibt, es sei eine Sakristei vorhanden; doch die Messgewänder würden vom Zelebranten aus der Pfarrkirche mitgebracht. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

Eine Pfarrbeschreibung von 1758 besagt, dass dort "wie die anwesente Vortiv-Tafflen anzeigen, und wie wenige documenta Parochialia beweisen, vor disem, nemmlichen vor 30-40 Jahr ville beneficia geschehen" sind. 11)

Klausner Anton Roiderer (1731-1778)
Schon 3-4 Jahre bevor Klausner Schlein Walkertshofen verließ hatte er die Klause seinem Nachfolger Anton Roiderer für 200 Gulden übergeben. Der war im Alter von 26 Jahren in die Eremitenkongregation eingetreten und leistete sein Noviziat bei Schlein ab. Frater Anton führte die Arbeit von Schlein weiter. Er betreute die Wallfahrer, besuchte die Kranken, unterrichtete die Kinder und half an Festtagen im Kloster Taxa beim Sakristeidienst aus. Im Jahr 1747 entschloss er sich zu einem Umbau der Klause. Sie sollte mit der Maria-Hilf-Kapelle verbunden werden. In seinem Bittgesuch an das Ordinariat gab er an, dass die Kapelle in den 15 Jahren seiner Anwesenheit schon dreimal geplündert und er selbst von dem Diebsgesindel fünfmal "angepackt" worden sei. Wenn ein Verbin-dungsbau vorhanden wäre, könnte er im Falle eines Einbruchs schnell mit den Glocken Sturm läuten und so die Diebe verscheuchen.

Obwohl der Pfarrer von Walkertshofen -wie fast immer- dagegen war, gestattete das Ordinariat am 10.April 1747 dem Eremiten, dass er den Umbau ausführen dürfe, aber nur mit eigenen Mitteln. Roiderer hat sodann seine Klause näher an die Kapelle herangerückt. Das Vorhaus der Kapelle, das war wie erwähnt die alte Kapelle vor 1650, hat er aufgestockt und vom Oratorium im neuen Stockwerk aus einen Übergang zur Klause gebaut. Unter diesem im Bogen ausgeführte Übergang konnte man hindurchgehen. Mitte des 18.Jh. begann sich das Gedankengut der Aufklärung durchzusetzen. Die Wallfahrten gingen kontinuierlich zurück. Dies spürte auch die Klausenkapelle. Am 16.6.1778 starb Frater Roiderer, nachdem er schon seit einiger Zeit "mit villen Bresten (=Krankheiten) behafft" gewesen war.

Ausstattung der Klause
Schon sechs Jahre vor seinem Tod hatte Roiderer durch eine Schenkungsurkunde die Klause samt Möbeln und allem Vermögen der Eremitenkongregation vermacht. Doch nach seinem Tod forderte die Verwandtschaft -auch wegen einer unglücklichen Bürgschaft, die er dem Welsch-Kramer von Unterweikertshofen geleistet hatte- die Klause als Erbe ein. Daraus entstand ein langer Prozess. Aus den Akten erfahren wir das genaue Inventar der Klause, das einen guten Eindruck von der Wohnung des Eremiten wiedergibt. Das Haus war gemauert, 25 Schuh (7,30 m) lang und 21 Schuh (6,13 m) breit. Es hatte ein Obergeschoss und war nicht mit einem Strohdach sondern schon mit einem Ziegeldach überdeckt. Im Erdgeschoss befanden sich die Küche und die Wohnstube des Klausners, die zugleich Schulzimmer (für 50 Kinder) war. Im Obergeschoss lagen ein Zimmerl mit verschlossener Bettstatt, daneben eine weitere Stube und noch ein Kämmerl. Die Einrichtung bestand aus den notwendigen Möbeln, frommen Bildern, eremitischen Büchern und einigem Hausrat.


Kapellen-Umbau 1786
Während der langen Prozessdauer blieb die Klause unbewohnt. Dies schadete auch der Kapelle, die nicht mehr betreut wurde. Deshalb musste sie 1786 in größerem Umfang restauriert werden. Pfarrer Daubenberger berichtete, dass die "ganz Ruinierte Clausen-Capellen" von Gutthätern wieder hergestellt worden sei. Dabei hat man wahrscheinlich auch den Altar erneuert und zu seiner heutigen Form umgestaltet. Danach wechselten die Klausner in rascher Folge. Der letzte Eremit kam 1798 nach Walkerts-hofen, wo er bis zur Säkularisation 1804 blieb. Frater Kolomann Schneidig, so der Pfarrer, habe sich untadelig benommen und im Schulhalten beständigen Fleiß und Klugheit bewiesen. Nach der Säkularisation heiratete der Frater und blieb als Lehrer in der Gemeinde Walkertshofen.

Säkularisation 1804
Im Jahr 1804 erreichte die Säkularisation auch Walkertshofen. Die Klause fiel den kirchenfeindlichen Gesetzen zum Opfer, doch die Maria-Hilf-Kapelle überstand -anders als das Kloster Taxa oder die Wieskapelle in Großberghofen- die schwierige Zeit. Die Gemeinde erwarb das Gotteshaus und erhielt es auf diese Weise. Nur der Übergang zwischen Klause und Kapelle mitsamt dem Kapellenvorbau mit Oratorium wurde abgerissen und die Klause in ein landwirtschaftliches Anwesen umgewandelt. Später hat man die östlich an den Chor angebaute Sakristei abgetragen, die lange Zeit den Besitzern des Klausner-Gütls als Keller gedient hatte.

Patrozinium
Im Laufe des 19.Jh. geriet das Maria-Hilf-Patrozinium in Vergessenheit und es bürgerte sich der Name "St.Anna-Kapelle" ein. In der Pfarrbeschreibung von 1817 wird berichtet, dass in der Kapelle zwar ein Altar mit dem Bildnis "Mariae-Hilf" sei, das Patrozinium aber am St.Anna-Tag gefeiert werde. Das war auch 1784 schon so, berichtete Pfarrer Ägidius Daubenberger ("In der Eremiten Capellen war allzeit das Patrocinium in festo Sanct Annae"). Die besondere Verehrung der Mutter Anna scheint in Walkertshofen ein alter Ortsbrauch gewesen zu sein. In der oben erwähnten Beschwerdeschrift des Pfarrers Faber von 1719 gegen den Klausner Schlein wird vorgebracht, dass der Klausner - um sich bei den Bauern einzuschmeicheln- einen vollkommenen Ablass auf das St.Anna-Fest erlangen wolle, damit dieser Tag, der in der Pfarrei ohnehin schon in besonderer Andacht gefeiert werde, noch festlicher begangen werden könne. Dass die Kapelle der Muttergottes geweiht ist, besagt eindeutig der Weihetitel von 1688. Zudem waren auf dem Altar St.Anna und St.Joachim nur als Assistenzfiguren angebracht.

Beschreibung 1880 02)
Auch in der Beschreibung der Erzdiözese München und Freising von Mayer/Westermayer aus der Zeit um 1880 wird die Kapelle als St.Annacapelle aufgeführt. Im Kuppel-Thurm hingen damals 2 Glocken. Gottesdienst wurde damals am Annafest (26.Juli) gefeiert. Meßner und Cantor war der Lehrer von Walkertshofen. Mayer/Westermayer schreiben noch: "Die Capelle wird als Wallfahrt 'Maria Hilf'viel besucht. Sie wird auch Klause genannt, weil früher ein Klausner da war".

Restaurierungen im 20.Jh.
Auch nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg drohte ein Abriss des inzwischen fast zur Ruine gewordenen Bauwerks. Pfarrer Vogel von Vogelstein nach dem Ersten Weltkrieg und der aus Eisenhofen stammende Münchner Weihbischof Dr.Johannes Neuhäusler (1888-1973) nach dem Zweiten Weltkrieg konnten den Abbruch aber abwenden.

1922
: Vogel von Vogelstein notierte 1922:
 
          "Die St-Anna-Kapelle ist sehr reparaturbedürftig. Die einen sagen, daß man sie ganz entfernen soll, die anderen nein,
    
        sie soll erhalten bleiben. Zu den letzteren gehört der Unterzeichnete und eins mit ihm das Generalconservatorium das
  
          Bezirksamt und der Verein für Heimatpflege".
Die kirchliche Oberbehörde bestimmte am 4.Februar 1922, dass "unter keinen Umständen der Abbruch der Annakapelle genehmigt wird". Aber die Reparatur kam nicht in Gang. Der Pfarrer schrieb erneut, dass wegen der Dachschäden in der Kapelle kein Gottesdienst gehalten werden könne. Man habe zwar von "auswärtigen Verehrern der hl.Anna 22.000 Mark erhalten", doch die Spenden der Walkertshofener ließen zu wünschen übrig: Sie warten bis andere die Kapelle mit ihrem Geld restaurieren. Nach der Inflation erhielt das Oktogon der Kapelle ein neues Blechdach und im Inneren wurde die Decke erneuert. Zur gründlichen Entfeuchtung reichten die Mittel aber nicht.

1953:
Bis zum Beginn der Restaurierung nach dem 2.Weltkrieg diente die Kapelle als Hühnerstall und Rumpelkammer, der Fußbogen war herausgerissen, die Mauer hatte ein Loch und der Altar war entfernt. Neuhäusler sorgte durch großen persönlichen Einsatz für die Renovierung der Kapelle. Fassmaler O.Winner fasste den Altar und das Innere neu
13) .
Am 18.10.1970 konnte Neuhäusler "unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung" neu weihen
.

Am 31.Mai 1974 wurde der Bronzebrunnen, den Prof.Josef Henselmann aus München für die Kapelle geschaffen hatte, durch Pfarrer Engelbert Wagner "unter Blitz und Donner" eingeweiht.
12)

Die bisher letzte Renovierung wurde in den Jahren 2017/2018 durchgeführt, nachdem die Kapelle wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden durfte. Das Dach (neue Eindeckung mit roten Biberziegeln), der Dachstuhl und die Decke im Inneren wurde erneuert. 14)


Baubeschreibung 13)

Bei der am äußersten Ortsrand inmitten eines Bauernhofs errichteten Kapelle handelt es sich um einen Bau mit achteckigem Grundriss (Oktogon) und  angebautem Chor mit 3/8-Schluss.  Die Kapelle gehört aber nicht dem Bauern, sondern der Pfarrstiftung Walkertshofen.
Bedeckt ist sie mit einem Pyramidendach (rote Biberplatten) auf dem eine zwiebelbekrönte offene Laterne (aus Kupfer) mit vergoldetem Knauf und einem Kreuz sitzt. Im Türmchen hängen zwei kleine Glocken (andere Quelle
13): 1 Glocke). Ob die 1722 von Anton Benedikt Ernst zusammen mit Johann Matthias Langenecker aus München 06) für die Kapelle gegossenen Glocke noch vorhanden ist, vermag ich leider nicht sagen.

 

Innenausstattung 10), 13)

Altarraum

Der stark eingezogene Altarraum ist eingewölbt (Kreuzgratgewölbe mit Stichkappen) und wird durch zwei ovale Fenster erhellt. Das Kirchenschiff, das Oktogon, besitzt eine Flachdecke mit einer Stuckrahmung.

Vor einigen Jahren wurde die Kapelle vollständig ausgeraubt. Es sind deshalb weder die früheren Gnadenbilder noch die Votivbilder oder die Votivgaben aus der Wallfahrtszeit mehr vorhanden. 


Altar

Der Altar von 1650 wurde wohl 1786 erneuert und erhielt dabei sein heutiges Aussehen mit klassizistischen Elementen in der barocken Retabel. Bis 1786 standen als Assistenzfiguren Figuren der Heiligen Anna und Joachim auf Konsolen neben den Säulen.
Das Retabel, der Altaraufbau, ist blau und grau-gelb marmoriert ( = mit Marmormuster bemalt). Die Säulenkapitelle sind vergoldet. Darüber ein verkröpftes Gesims mit zwei seitlichen Vasen.
Der Auszug enthält ein Marienmonogramm. Der Altartisch ist nicht -wie sonst üblich- gemauert, sondern aus Holz gearbeitet.


Mittelpunkt des barocken, Altars ist ein sog. Mariahilfbild, die Kopie eines vielverehrten Originalgemäldes von Lucas Cranach aus dem Jahr 1530. Es ist ein 88 x 58 cm großes Ölgemälde auf Leinwanduntergrund.

Bis vor wenigen Jahren hing hier in der Kapelle ein 1650 gemaltes Bild, das später etwas überarbeitet worden war. Es war -neben der Pieta mit dem Bründl- das Ziel einer kleinen Marienwallfahrt.

Ende des 20.Jh. wurde das Bild -wie alle übrigen Gegenstände in der Kapelle- gestohlen.
Heute hängt deshalb am Altar nur eine originalgetreue Nachbildung des früheren Gnadenbildes von 1650.



Mariahilfbild

Das Bild ist von einem silbergetriebenen Rahmen im Mischstil von Rokoko und Klassizismus mit punzierten Messingaufsatz eingefasst (1786) 13)
 
Oben am Rahmen ist ein Schriftband mit dem Text "großer Mirackel Bildniß Maria" zu lesen.
Das Bild selbst ist mit "Sancta Maria Auxiliatrix" (= Helferin) beschriftet.

  Hinweis: Das Original des Maria-Hilf-Bildes malte um 1530 der Lutherfreund Lucas Cranach d.Ä. für den sächsischen Kurfürsten (was charakteristisch für die damals noch recht diffusen Konfessionsunterschiede war). Als Geschenk gelangte es 1611 nach Passau, 1625 nach Tirol, wo es heute noch in der Innsbrucker Stadtpfarrkirche hängt. Für Passau wurde 1622 die erwähnte Kopie gefertigt und schon bald in der Kirche "Maria Hilf als wundertätiges Gnadenbild hoch verehrt; besonders wurde es angerufen zur Abwendung der Türkengefahr und der Pest. Im Gefolge seiner Verehrung entstanden im 17./18.Jh zahlreiche "Maria-Hilf-Bruderschaften" um die Zentren Innsbruck, Passau und Wien. Die etwas verspielt-neckische Darstellung voll idyllischer Intimität kam der gefühlsbetonten Frömmigkeit des späten Rokoko besonders entgegen, sodass allenthalben weitere neue Kopien hergestellt wurden, die ehrfürchtigen Zulauf fanden.

Der Tabernakel aus Holz mit weiß-goldener Bemalung besitzt seitliche Volutenpilaster und eine Nische mit Muschelkalotte .
Er misst 68 82 x 35 cm.

 

Sonstige Einrichtungsgegenstände

Das Gestühl besteht aus drei Bankreihen mit geschweiften Stuhlwangen, die wohl noch aus der Zeit von 1709-1719 13) stammen und somit zu den ältesten im Dachauer Land gehören.

An der Wand hängt ein 162 cm hohes Kruzifix aus neuerer Zeit.

Ein weiteres Bild zeigt Christus an der Geißelsäule. Es wurde im 18.Jh mit Öl auf eine Kupferplatte gemalt. 13)

Der Kreuzweg besteht aus 14 ungerahmten Holztäfelchen aus dem Jahr 1965. Sie sind mit "B6 68" signiert.

In der Nähe des Eingangs steht noch ein alter Opferstock aus Eisen mit Beschlagbändern.

Votivgaben  08)
Früher war befanden sich in der Kapelle viele Wachsmotive, Hände, Füße, Menschenfiguren, Wickelkinder, Augen, Rösser und Kühe. Auch Eisenketten waren zu sehen, die geheilte Geisteskranke hingehängt hatten; sie waren vorher damit gefesselt gewesen.
Nach dem 2.Weltkrieg hingen außer einem hölzernen Votivbein und vier Krücken nur noch 16 Votivbilder aus der Zeit zwischen 1849 und 1894 in der Kapelle. Einige davon waren Werke des volkstümlichen Malers Gabinus Dilliz aus Unterweikertshofen ( 1856-1937). Meist zeigten sie eine Darstellung des Gnadenbildes.


Hinter der Kapelle ist das von Prof. J. Henselmann im Jahr 1970 neu gestaltete Bründl zu sehen (Bründlfigur siehe oben). Aus einem Kupferbecken ragt eine Bronze-Blüte hervor, aus deren sechs tütenförmigen Ausbuchtungen Wasser fließt. In der sich öffnenden Blüte steht eine Muttergottesfigur.


Brunnenfigur

Hans Schertl


Bericht über das Wildbad 08), 04), 03)

Am Fronleichnamstag 1550 entdeckte der ehem. Gerichtsdiener von Kranzberg, Jörg Haffner, der sich in Unterweikertshofen als Bader niedergelassen hatte, die Heilquelle am Fuß des "Mühlberges", westlich von Walkertshofen. Er litt an einer ansteckenden Krankheit und durfte nicht zu anderen Leuten gehen. Als er nach einem Bad in der Quelle seine gelähmte Hand geheilt wurde und auch der Beizollner von Schwabhausen, dem wegen eines ähnlichen Leidens "3 Jahr lang die Kürchen [= der Kirchenbesuch] und baden verboten gewesen", auf gleiche Weise seine Gesundheit wiedergefunden hatte, [Originaltext: "er hat nach ihme gebadet und ist wol geheilt worden"] wurde die Heilquelle rasch bekannt und erregte weites Aufsehen. Aus allen Himmelsrichtungen, sogar von der Pfalz und aus der Schweiz kamen nun Kranke und Gebrechliche in langen Zügen nach Walkertshofen, die hier an der Quelle Heilung suchten. Insbesondere die fanden Heilung, die "auswendige und all sichtige Schäden" hatten. Meist haben sie Ganz- oder Teilbäder genommen; Trinkkuren werden nicht beschrieben.

Jörg Haffner, bald Jörg "Bader" genannt, hatte das Wildbad (= mineralisches Heilbad 08) in kurzer Zeit aufgezogen und mit seinem nicht unbeträchtlichen Vermögen Zuber (Prenten), Badewannen und die sehr teuren Kessel (von denen einer über 55 Gulden kostete) angeschafft. Ein zeitgenössischer Holzschnitt von 1551 vermittelt ein anschauliches Bild über den Badebetrieb, der sich in notdürftig aufgestellten, offenen Bretterhütten und Zelten abspielte, wo die Badegäste in hölzernen Zubern im angewärmten Heilwasser saßen.

Der Ruf des Bades war bald über die Grenzen des Dachauer Landes hinaus gedrungen. Badegäste kamen aus ganz Südbayern, ja sogar aus der Schweiz und aus der Pfalz. Ein Grund war auch, dass sehr soziale Eintrittspreise verlangt wurden: Vierstündiges Baden waren mit drei Kreuzern pro Tag abgegolten.
Trotz bestehenden Verbotes wurde das Wasser auf Maultieren bis nach Augsburg weggeführt und dort verkauft.

Daneben hatte fast jedes Bauernhaus eine Badestube, wo die Kurgäste baden konnten ("gar treffliche Bauernhäuser, in denen man überall baden kann"). Sogar der Pfarrer nahm Badegäste auf, sehr zum Ärger der Wirtsleute, da der Pfarrer das Vorrecht hatte, pro Sommer drei Faß Wein auszuschenken, ohne dafür eine Art Getränkesteuer zu entrichten.

Damals war viel los in Walkertshofen. Der Lärm der Schausteller, die sich mit ihren Buden an der Quelle niedergelassen hatten, sei so unerträglich, dass die Kranken keine Ruhe finden könnten, die Weidezäune der Bauern würden im Bad als Brennholz verfeuert, streunende Landsknechte und allerlei Gesindel machten die Gegend unsicher, hieß es. 

Am 9.6.1551 hatte der Hofkammerrat in München drei Beamte nach Walkertshofen gesandt, um den Badebetrieb amtlich zu regeln: Heilwasser durfte nur nach Welshofen, Unterweikertshofen und Großberghofen verkauft werden. Das Bad musste von vier Personen Tag und Nach bewacht werden. Um die Beschaffung von ausreichendem Brennholz zu sichern (Bedarf 200 Klafter), wurden die "Adeligen, Klöster und Private, so sie Holtz in der Nähe besitzen", verpflichtet, solches billig herzugeben und mit Scharwerch, d.h. unentgeltlich zu befördern. Sogar die Konzession für eine Gastwirtschaft wurde erteilt, wenn auch nach hartem Kampf mit den Grund- und Hofmarksherren der Umgebung, die Besitzer von Ehehaftstafernen waren. Doch durften Brot, Wein und Fleisch nicht teurer verkauft werden als anderswo, d.h. in den Gaststätten der Umgebung. Gastwirtschaftspächter wurde der Oberrother Metzger Michael Einhart. Interessant ist, dass als Getränk nur der Wein erwähnt wird, nicht das Bier, das damals noch nicht Volksgetränk war.
Der Badebetrieb war eigentlich nur im Sommer offen. Im Winter hielten sich nur wenige Menschen in Walkertshofen auf.

Doch schon 4 Jahre nach Entdeckung der Quelle war der große Rummel vorbei. Seit Mitte des Jahres 1554 schweigen die Archivalien über das Bad. Ob der Mangel an Brennholz, die Überbeanspruchung der Quelle oder andere Ursachen den Badebetrieb zum Erliegen brachten, wissen wir nicht. 08)


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880

03) Hans-Günter Richardi, Dachauer Neueste vom 9./10.7.1977 (Hauptquelle-Geschichte, Wildbad)
04) Dr.Joseph Scheidl, Das ehemalige Wildbad in Walkertshofen, Amperland, 1966/2
05) Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Vierer)
06) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
07) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Mayr)
08) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991 (Hauptquelle-Geschichte)
09) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Umbau 1650)
10) Monsignore Jakob Mois, Kleine Schriften, herausgegeben von Pfarrei und Gemeinde Rottenbuch, 2007 (Hauptquelle)
11) Robert Böck, Dachauer Weihnachtstaler 2004 (1758)
12) Alois Angerpointner, Altbairische Sagen Teil 1, 3-922394-58-2, (1974)
13) Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
14) Dachauer Nachrichten vom 23.5.2018 (Renovierung)

7 Bilder: Alfred Bayer (2), Hans Schertl (5)

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18.3.2018