zur Landkreiskarte                      Kirchen i. d. Gem.Odelzhausen

Marienkapelle in GAGGERS

 

Beschreibung

Gaggers ist die höchstgelegene Ortschaft der Gemeinde Odelzhausen (523 m). Der Ort und seine Umgebung ist alter Siedlungsraum. Im Jahr 1751 wurden hier 1400 goldene Regenbogenschüsselchen (Münzen) aus keltischer Zeit gefunden.

Die Kapelle steht inmitten des Dorfes an der Straße nach Sittenbach im Schatten einer mächtigen, fast 200 Jahre alten Linde.

Sie wurde im Jahr 1857 erbaut und ersetzte eine hölzerne Vorgängerkapelle.

Der außen im Jahr 2000 renovierte Bau mit Satteldach ohne ausgeschiedenen Altarraum ist durch gelb gestrichene Lisenen gegliedert. 

Über dem Eingang sitzt ein Dachreiter mit einem kupfernem Spitzhelm auf. Er besitzt Schallfenster und an der Frontseite eine kleine Bildnische.

 

Früher befand sich in der Kapelle die Figur einer Pietà aus der Zeit um 1530, die nunmehr in der linken Seitenkapelle der Pfarrkirche in Sittenbach zu sehen ist.

Innenausstattung

Auch das Innere der Kirche ist inzwischen restauriert und im Jahre 2004 feierlich eingeweiht worden.

Der kleine Altar mit Säulchen, Sprenggiebel und einer goldumrahmten Altarnische stammt aus der Barockzeit.

In der Altarnische sitzt auf einem hölzernen Thron die mit rotem Brokatstoff bekleidete Madonna mit Kind, die auf das Marienpatronat der Kapelle hinweist.
Maria und das Kind sind mit den königlichen Insignien Kronen, Zepter und Reichsapfel dargestellt.
Unter dem etwas nach vor springenden Nischenboden hängen vergoldete Quasten.

Klicken Sie auf die Figuren: Sie erhalten dann größere BilderChristus auf der RastSt.MartinMuttergottesSt.SebastianKruzifix mit Mater dolorosaalte Fresken

Als Assistenzfiguren dienen eine Nachbildung der Altöttinger Madonna (links) und eine Figur des hl. Josef mit einer Säge, die ihn als Zimmermann ausweist und einer Lilie, die an die Keuschheit der Josefsehe erinnerrt. An den Säulchen sind kleine Leuchterengel angebracht.
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.


Auf dem Altartisch steht jedenfalls in der Passionszeit ein Glasschrein mit einer Figur des Christus auf der Rast. Der mit vielen Wunden gezeichtnete Jesus sitzt auf einem Felsen. Das Kreuz liegt zu seinen Füßen auf der Erde. Er stützt sein Kinn auf den linken Arm.
  Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen, Schönbrunn, Tandern und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf
 

der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passions-mystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage und Trauer. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Beidseits neben dem Altar sind schöne Wandlaternen angebracht.

Links vorne hängt ein Kruzifix mit einer darunter stehenden Madonnenfigur (mater dolorosa). Der lange senkrechte Kreuzbalken weist es als Vortragekreuz aus.

Hinter dem Kruzifix wurden kleine Teile der Wandbemalung unter vielen Tüncheschichten freigelegt. Sie zeigen, wie farbig die Kapelle früher ausgemalt war. Für eine weitere Freilegung fehlt derzeit das Geld.


Die große Sebastiansfigur an der rechten Wand wurde noch im 18.Jh. geschnitzt. Sebastian ist an den Marterbaum gefesselt und von mehreren Pfeilen durchbohrt.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.
Teile der Reliquien Sebastians sind angeblich im ehemaligen Kloster Ebersberg in Oberbayern zu finden.
  Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Auf der linken Seite steht eine farbenprächtige Figur des hl.Martin im Bischofsornat. In den Händen hält er die Bibel und den Bischofsstab. Zu seinen Füßen sitzt eine Gans.

Martin begegnete als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. St.Martin ist eine historische Person. Er wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes zum Bischof von Tours ernannt. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.


An der rechten Wand hängt ein Bild des Jesuskindes im vergoldeten Rahmen. Das Kind scheint mit ausgebreiteten Armen auf den Besucher zuzuschweben.

Hans Schertl

Quellen:
Wolfgang Altmann, Neue archäologische Funde der Kelten und Römer im Dachauer Land, Amperland 1992/1
Dachauer Nachrichten vom 14.7.2004 u. 22.7.2004
Dachauer SZ vom 14.15.8.2004
Fam.Arzberger, Gaggers, 2006
Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.4.2006