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Marienkapelle in GAGGERS

 
Odelzhausen, Gaggers Str. 2


Beschreibung

Gaggers ist die höchstgelegene Ortschaft der Gemeinde Odelz-hausen (523 m). Der Ort und seine Umgebung sind alter Siedlungs-raum.
Im Jahr 1751 wurden hier 1366 goldene Regen-bogenschüsselchen (Münzen) aus keltischer Zeit (2.Jh vor Chr.) gefunden. Sie waren wohl in Manching geprägt worden. Leider sind nur noch 11 Münzen erhalten, die heute in der staat-lichen Münzsammlung aufbewahrt werden; die übrigen wurden 1753 im Rahmen der Prägung von Golddukaten eingeschmolzen.


Keltische Münzen

Ausgegraben hatten die Münzen Bewohner der Umgebung. Die bayerische Obrigkeit, die den Schatz für sich beanspruchte, erkann-te die kunsthistorische Bedeutung der Münzen nicht und war nur an ihrem Materialwert interessiert. Sie hat "mit allen Mitteln der Wahr-heitsfindung" die Stücke von der Bevölkerung herausgepresst. So wurde auch z.B. Pfarrer Rottmanner wegen angeblicher Unterschla-gung zwei Monate ins Gefängnis gesperrt.

Der Name Regenbogenschüsselchen leitet sich von der Sage ab, nach der an beiden Enden des Regenbogens Goldschätze liegen, die das Licht in Form eines Regenbogens zueinander reflektieren.

Kapelle

Die Kapelle steht inmitten des Dorfes an der Straße nach Sittenbach, im Schatten einer mächtigen, fast 200 Jahre alten Linde.
Sie wurde im Jahr 1857 erbaut und ersetzte eine hölzerne Vorgängerkapelle.
Der durch gelb gestrichene Lisenen gegliederte Bau besitzt ein ziegelgedecktes Satteldach. Der Altarraum ist nicht ausgeschie-den. Der Kapellenraum wird durch vier rundbogige Fenster erhellt. Über dem Eingang sitzt ein kleiner Turm, ein Dachreiter, mit kupfer-nem Spitzhelm. An der Frontseite befindet sich neben dem Portal ein Durchblick. Darüber eine Figurennische und ein Rundfenster.

Beschreibung 1895 
Figuren in der Kapelle von Gaggers sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
  "Kirche
— 
Auf dem Altar zwei Engel. Bemalte Holzfiguren um 1500, sie schweben beide in knieender Stellung; des einen Gewand flattert nach links., des andern nach rechts. H. 31 und 28 cm.
— 
An der Wand rechts vom Altar Pieta. Maria sitzt auf gothisch profilirter Bank und hält den Kopf des nach links liegenden Christus mit der Rechten, mit der Linken hält sie ihren Mantel um dessen Leib und fasst denselben unter der rechten Achselhöhle. Um 1500. Holz. H. 48 cm. (jetzt in Sittenbach)
— 

An der linken Wand bemalte Holzfigur des S. Martin; er hält mit der Rechtenein Buch, mit der Linken den Bischofsstab; neben seinem linken Fuss eine Gans. H. 85 cm. Um 1500.


Im Jahr 2000 wurde die Kapelle außen, im Jahr 2004 auch im Inneren renoviert.

Früher, auf jeden Fall noch im Jahr 1895, befand sich in der Kapelle die Figur einer Pieta aus der Zeit um 1530, die nunmehr in der linken Seitenkapelle der Pfarrkirche in Sittenbach zu sehen ist.

Innenausstattung

Der kleine Altar mit Säulchen, Sprenggiebel und einer goldumrahmten Altarnische stammt aus der Barockzeit.

Madonna
In der Altarnische sitzt auf einem hölzernen Thron die Figur einer mit rotem Brokatstoff bekleideten Madonna mit Kind, die auf das Marienpatronat der Kapelle hinweist.
Maria und das Kind sind mit den königlichen Insignien Kronen, Zepter und Reichsapfel dargestellt.

Unter dem etwas nach vor springenden Nischen-boden hängen vergoldete Quasten.
Vor den Säulchen sind zwei Leuchterenglein mit Kerzen angebracht.


Klicken Sie auf die Figuren: Sie erhalten dann größere BilderChristus auf der RastSt.MartinMuttergottesSt.SebastianKruzifix mit Mater dolorosaalte Fresken
Assistenzfiguren
Als Assistenzfiguren dienen zwei kleine Figürchen:
- eine Nachbildung der Altöttinger Madonna (links) und
- eine Figur des hl. Josef mit einer langen Säge, die ihn als Zimmermann ausweist. Der Pflegevater Jesu hält auch eine Lilie in
  der Hand, die an die Keuschheit der Josefsehe erinnerrt.
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
Altartisch
Auf dem Altartisch steht -jedenfalls in der Passions-zeit- ein Glasschrein mit einer Figur des Christus auf der Rast. Der von vielen Wunden gezeichnete Jesus sitzt auf einem Felsen. Das Kreuz liegt zu seinen Füßen auf der Erde. Er stützt sein Kinn auf den linken Arm.

Christus auf der Rast
Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen, Schönbrunn, Tandern und Westerholzhausen.
 


Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letztere stellen Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage und Trauer. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Auf beiden Seiten des Altars sind schöne Wandlaternen angebracht.

Links vorne hängt ein Kruzifix mit einer darunter stehenden Madonnenfigur (mater dolorosa). Der lange senkrechte Kreuzbalken weist es als Vortragekreuz aus.


Hinter dem Kruzifix wurden kleine Teile der Wand-bemalung unter vielen Tüncheschichten freigelegt.

Wandbemalung
Sie zeigen, wie farbig die Kapelle früher ausgemalt war. Für eine weitere Freilegung fehlt derzeit das Geld.


St.Martin

Auf der linken Seite steht eine farbenprächtige Figur des hl.Martin im Bischofsornat. In den Händen hält er die Bibel und den Bischofsstab. Zu seinen Füßen sitzt eine Gans. Die Figur ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 enthalten. Dort heißt es:
"
An der linken Wand bemalte Holzfigur des S. Martin; er hält mit der Rechten ein Buch, mit der Linken den Bischofsstab; neben seinem linken Fuss eine Gans. H. 85 cm. Um 1500. "

Hinweis: St.Martin ist eine historische Person. Er wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes zum Bischof von Tours ernannt. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.


Die große Sebastiansfigur an der rechten Wand wurde noch im 18.Jh. geschnitzt. Sebastian ist an den Marterbaum gefesselt und von mehreren Pfeilen durchbohrt.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.
Teile der Reliquien Sebastians sind angeblich im ehemaligen Kloster Ebersberg in Oberbayern zu finden. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

St.Sebastian

An der rechten Wand hängt ein Bild des Jesuskindes im vergoldeten Rahmen. Das Kind scheint mit ausgebreiteten Armen auf den Besucher zuzuschweben.

Jesuskind

Hans Schertl

Quellen:
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
Wolfgang Altmann, Neue archäologische Funde der Kelten und Römer im Dachauer Land, Amperland 1992/1
Dachauer Nachrichten vom 14.7.2004 u. 22.7.2004
Dachauer SZ vom 14.15.8.2004
Fam.Arzberger, Gaggers, 2006
http://www.archaeologie-dachau.de/webseiten/logo.php (Zugriff 2015)
Tilman Mittelstrass, Turmkirche, Burgturm, Schlosskapelle in Altbayern, Amperland 2011/3,4 (Regenbogen)

10  Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.2.2017