Beschreibung
der Kunstdenkmale 1895
St.Jakob Dachau
Die Pfarrkirche
St.Jakob in Dachau ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs
Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von
Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl
im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde.
Pfarrkirche
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Die
Kirche ist nordöstlich gerichtet. Dreischiffige Hallenkirche.
Das Langhaus umfasst drei Joche. Der eingezogene Chor bildet ein
Rechteck, dessen östliche Ecken abgeschrägt sind. An die
so verkürzte Ostseite schliesst sich eine flache, geradlinig
geschlossene Altarnische an. Kräftige Pfeiler von kreuzförmigem
Grundriss tragen die Scheidbögen und Gewölbe. Im Mittelschiff
Kreuzgewölbe, in den Seitenschiffen quergestellte Tonnen mit
Stichkappen. Die Dekoration beschränkt sich auf Ausschmückung
der Profile, Gewölbegrate u. s. w. mit Herzlaub und Eierstäben.
Im westlichen Joch eine Empore mit acht Kreuzgewölben auf sechs
Pfeilern unterwölbt. |
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Nach
Inschrift auf einem Stein aussen an der Südseite neben der
Thüre ist der Abbruch der älteren Kirche am 15. April
1624 begonnen worden, am 9. Mai 1624 wurde der Grundstein
der neuen Kirche gelegt, am 31. Oktober 1625 wurde der erste Gottesdienst
in der Kirche gehalten. Die Jahreszahl 1625 steht auch über
dem Chorbogen. |
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An
der Nordseite des Chores steht der Thurm, welcher in seinem Erdgeschosse
die Sakristei enthält, an die Südseite schliesst sich
eine Kapelle an, gestiftet von dem Pfleger Wilhelm Jocher und seiner
Frau Anna, geb. Mitterspacherin. In der Jocher'schen Kapelle
eine Gedenktafel des Stifters und seiner Frau vom gleichen Jahr. |
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Erhöhung
des Thurmes, dessen unterer Theil dem 15. Jahrhundert angehört,
1674. Restaurirt 1854. Das Aeussere des Thurmes ist mit zierlichen
gothischen Bogenfriesen aus gebranntem Thon geziert. Der achteckige
Aufbau und die Kuppel von 1674 gering.
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Die
Franz-Xaverius-Kapelle unter der Treppe ist 1678 eingerichtet,
Jahreszahl über dem Bogen. |
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Choraltarblatt
von Jos. Hauber (1766- 1834): St. Jakobus wird zum Tode geführt.
Gut |
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Zwei
Nebenaltäre mit je vier gedrehten Säulen, Stuckmarmor;
da der durch einen modernen ersetzte alte Hochaltar nach Reithofer,
Gesch. von Dachau S. 16 von Michael Sporer (1748 - 18 19) aus Wessobrunn
war, so werden auch die beiden Nebenaltäre von diesem Meister
herrühren. |
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Innen
an der Nord wand des Chores zwei Oelbilder: St. Bernhard
und St. Sebastian, koloristisch gut. 18. Jahrhundert. |
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An
den Wänden im Chor und Schiff auf Consolen die lebensgrossen
(grau angestrichenen) Holzstatuen Christi und der 12 Apostel,
sehr bemerkenswerthe charakteristische Arbeiten um 1625. |
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Innen
an der Westwand: St. Anna, sitzend, mit der Rechten auf ein
offenes Buch auf ihrem Schoss deutend, welches die rechts (als Mädchen)
stehende Maria hält Gute bemalte Holzfigur des 18. Jahrhunderts.
H. 100 cm. |
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Ebenda
der selige Rasso im Harnisch, mit breiter Krause und Mantel,
in der L. das Schwert; r. unten ein Engel, eine Krone haltend. Kostümlich
interessante Holzfigur um 1625. H. 196 cm. |
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Grabsteine:
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Innen
an der Südwand der Jocher'schen Kapelle |
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1.Grabstein
des Wilhelm Jocher von Egersperg, Pfleger zu Dachau +3.Mai
1636 und seiner Ehefrau Anna Mitterspacherin; rother Marmor. Die
Inschrifttafel am unteren Rande von zwei Engeln gehalten, zwischen
welchen die beiden Wappen. H. 200, br. 105 cm. |
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An
der Nordwand des Schiffes |
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2.
Grabstein des Clement Albrecht Edlen von Vacchiery, Schlosspfleger
zu Dachau +28. April 1758 und seiner Frau Maria Anna, geb. von Steinheil
+ 10. Januar 1784. Einfach. An den beiden Längsrändern
je vier bemalte Wappenschilde. Rother Marmor. H. 182, br. 78 cm.
Gegenüber an der Südwand |
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3.
Grabmal des Jos. Bened. Schmetterer, Weingastgeber und Bierbrauer
+ 7. Januar 1801 (?), bekrönt mit der überlebensgrossen
gut gearbeiteten Büste des Verstorbenen von weissem Marmor,
welche an die Art des Roman Anton Boos erinnert. Außen über
dem südlichen Portal Standfigur des hl. Jakobus major, Holz,
grau angestrichen. Um 1625. |
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Grabsteine
aussen an der Südwand: |
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1.
des Georg Schwanckhler Kastner + 4. Mai 1606 und seiner Hausfrauen
Ursula Lanckhamerin + 1. Juni 1569 und Anna Friedingerin +3. September
1625, mit der vor dem Crucifix knieenden Familie in Hochrelief.
Rother Marmor. H. 255, br. 118 cm. |
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2.
Der Justina Syrlin + 9. Mai 1623, Wittwe des Hanns Pränntl,
Rathes und Rentschreibers in Burghausen. Rother Marmor. H. 88, br.
63,5 cm. |
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3.
Des Hans Holzmair, Hofgärtner in Dachau, verfertigt
1618. |
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Außen an der Nordwand |
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4.
Grabstein der Katharina Khnellin + 1634, Hausfrau des Martin Khnell,
kurf. Kriegsbuchhalter und Commissarius, mit dem Reliefbilde der
vor dem Gekreuzigten knieenden Verstorbenen. Solnh, Stein. H. 93,
br. 42 cm. |
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In
der Sakristei: |
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Lebensgrosse
Halbfigur des hl. Jakobus major, in Silber getrieben, auf
schwarzem, mit silbernen Beschlägen verziertem ausgebauchtem
Holzsockel, laut Inschrift gestiftet von "D:
Jacobo Apostolo Ecclesiae / Parochialis in Dachav Patrono sta
/ tvam hanc argenteam posvit Ferdi / nandvs Zeller SS: Theologiae
Licen. / tiatvs eivsdem Ecclesiae per 16 annos / qvondam Rector
indignvs nvnc vero Ser-/ enissimi Elector Coloniensis, et Consistory
/ Frisingens: Consiliar: ac insignis Ecclesiae Col= / legiatae
ad S: Andream ibid: Canonicvs / 25 Jvly 1696" .
Münchener Arbeit. Marke IGC oder IGO (Joh. Gg. Cockh oder
Joh. Gg. Oxner). H. mit Sockel 102 cm.
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Kelch
mit dem Wappen des Ferdinandus Zeller S, S. TA. L. i6pS, hübsche
Arbeit des Münchener Goldschmiedes Franz Kessler (nach der
Marke). |
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Kelch mit den Reliefs von Maria, Joseph und dem Kinde, Antonius
von Padua, Franziskus und Michael. Augsburger Arbeit. Marke IL.
18. Jahrhundert. (Es könnte sich um die Augsburger Meister
Johannes Lincker oder Johannes Lauterer oder Jakob Lutz +1747 handeln) |
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Friedhofkapelle |
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Friedhofkapelle 6. Erbaut um 1625 von Wilhelm Jocher von Egersberg,
Pfleger in Dachau. - Achteck mit westlicher Vorhalle. Einfache Stuckdekoration.
Unbedeutend. Innen an der Südwand lebensgrosses Holzcrucifix
mit flatterndem Lendentuch. Sehr gute Arbeit der ersten Hälfte
des 16. Jahrhunderts. Unter dem Kreuz die Holzfiguren Maria und
Johannes, gegen 1550. Außen lebensgrosses Holzcrucifix, gutes und
interessantes Werk der |
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Schloss
Dachau |
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H.
Schloss Dachau wurde von dem Herzoge Wilhelm IV. und Albrecht IV.
(V.) erneuert. Die Erneuerung dürfte nahezu einem Neubau gleichgekommen
sein. Eine nicht mehr vorhandene Inschrift in der Schlosskapelle
besagte: Posterilati, Illustrissimi utriusque B ivariie Principcs,
Comites Palai. Rheni etc. Dux Wilhelmus, ejusque filius Dux Albertus
vetustissimum hoc Castrum ex Ruiiiis prope restitutum novis aedificOs
exornaverunt, Prior MDXL VI^ Alter XII post Annum Christo nato.
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Über
den Markt Dachau 1895
Dachau, der Hauptort
des Bezirkes, war im Mittelalter Sitz einer Grafschaft. Ueber deren
Anfänge sind sichere Nachrichten nicht vorhanden. In der Frühzeit
des 12. Jahrhunderts nannte sich eine Linie des Hauses Scheyern Grafen
von Dachau.
Graf Konrad II. trat
in dem Kriege Heinrich XI. (von Babenberg) gegen Welf VI. um das Herzogthum
Bayern auf Seite des letzteren. Seine Burg Dachau wurde 1142
von Herzog Heinrich und König Konrad III. belagert und zerstört.
Das Greschlecht der Grafen von Dachau erlosch um 1179 mit Konrad III
und die Grafschaft kam an die Grafen von Wittelsbach. Herzog Otto I.
baute das Schloss wieder auf.
Bei der ersten Landestheilung zwischen Ludwig dem Strengen und Heinrich,
1255, kam Dachau an ersteren, somit an Oberbayern, und erscheint nicht
mehr als Grafschaft, sondern als herzogliches Pfleggericht. 1394
wurde der Ort zum Markt erhoben. Wenige Jahre darauf, 1398 und 1403
wurde er, wie die ganze Umgegend, in den Streitigkeiten der Herzöge
von München und Ingolstadt verwüstet und abgebrannt. Nach
dem letzteren Brandschaden erliessen die Herzoge Ernst und Wilhelm an
die Pfleger, die Geschworenen und die Bürgerschaft von Dachau den
Befehl, dass dieselben innerhalb des Grabens allezeit ihre Häuser
mit Ziegeln oder mit Schlierdach (Schlier = Lehm) decken sollten. (Buchinger,
Grafschaft Dachau, S. 52).
Herzog Ernst baute
am Schloss und verlieh 1436 den Bürgern ein Umgeld auf Wein
unter der Bedingung, dass sie am Schlossbau Antheil nehmen. 1443 wurde
verfügt, dass die Strasse von München nach Augsburg wieder
wie vor Alters über Dachau und Friedberg gehen sollte, was wohl
einen Straßenzwang für zollpflichtige Gegenstände bedeutet.
Herzog Sigmund bewohnte,
nachdem er 1467 von der Regierung zurückgetreten war, längere
Zeit das Schloss Dachau. Wilhelm IV. und Albrecht V. nahmen 1546 und
1558 urchgreifende Erneuerungen vor. Auch Wilhelm V. war an der Verschönerung
der Anlage thätig.
Im dreissigjährigen
Kriege wurde Dachau 1633 von den Schweden belagert und eingenommen
und 1648 kamen die Schweden und Franzosen nochmals nach Dachau. Während
des Krieges stiftete der churfürstliche Pfleger Wilhelm Jocher
von Hohenrain das Spital. Das Rathhaus wurde 1615 erbaut, die Kirche
1624 - 1625.
Im spanischen
Erbfolgekrieg und in den napoleonischen Kriegen erlitt der Markt
mancherlei Drangsale. Von den Ereignissen im 18. Jahrhundert ist noch
die Erbauung der Strasse von der Amper den Berg hinan nach dem Schloss
und Markt, welche Churfürst Karl Theodor durch den Direktor des
Strassen- und Wasserbaues Adrian Riedel 1790 ausführen liess, zu
erwähnen.
In seiner Anlage
folgt der Markt Dachau dem allgemeinen Typus der bayerischen Märkte
mit breiter Haupt- und sehr untergeordneten Nebenstrassen. Gewisse Unregelmässigkeiten
sind durch die Lage auf dem Hügel bedingt. Diese ist eine sehr
malerische und hat der Ort und seine nächste Umgebung im Einzelnen,
wie in seiner Gesammterscheinung und dem grossartigen Ausblick über
das Dachauer Moos nach dem Gebirge, hohe landschaftliche Reize .
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