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Bericht über die Visitation im Jahr 1560
- in heutigem Deutsch -
[in eckigen Klammern Originaltext-Auszüge]

Im Bericht über die Visitation der Pfarrei "St.Ursula in Pelhaim" heißt es:

Pfarrer ist Andreas Peuschel. Er stammt aus Inchenhofen ["von Inchenhofen purtig"], hat in Ingolstadt studiert ["zu Inglstat studiert"], wurde 1549 in Augsburg ordiniert ["zu Augspurg bei ailf jarn ordiniert"] und feierte seine Primiz im Heimatort ["in patria primiciert"]. Er konnte seine "formata", sein Weihezeugnis vorweisen (als Beleg für seine Angaben beim Lebenslauf), aber keine Admission (= Zulassung). Er predigt an allen Feiertagen aus katholisch zugelassenen Büchern ["predigt all feirtag aus catholischen puechern"], hält aber keinen Katechismusunterricht. Er praktiziert voll nach dem katholischen Ritus ["helts mit predigen, gebett, teutschen gesengen, verkundung der feir und vasstäg, ceremonien, anrueffung der hailigen, vom glauben und werckhen alles catholisch"]. Er glaubt an die sieben Sakramente, lehrt sie und weiß über sie recht gut Bescheid ["glaubt, hellt und lernt 7 sacrament und hat auf derselbigen articl all catholisch und recht geantwurt und gehalten"]. Die "Casus reservatos", die Sünden, die nur der Bischof vergeben kann, kennt er nicht ["casus reservatos waist er nit auswendig"]. Er selbst beichtet allmonatlich. Die Letzte Ölung spendet er, aber sie wird immer weniger gewünscht ["extremam unctionem praucht er, aber es well vasst in den abbruch kommen"]; doch er spricht darüber in der Predigt. In die Pfarrei Pellheim hat ihn Hilarius Perger promoviert, bis zum Tode von Leonhard Höckhmayr. Seit sechs Jahren habe er eine Köchin ["hab ain köchin bei 6 jarn"]. Sie ist 37 Jahre alt, ledig und hat ein Kind. Pfarrer Peuschel betrachtet sie nicht als Ehefrau, sondern als Dienerin ["helts fur sein dienerin"]. Als Hobby gibt der Pfarrer an, dass er gerne lese und "zu seinen dienern sech". Er selbst ist ein ruhiger Mann ["geb kainen spiler oder rumorer"]. Auch vom Kirchenpfleger wird er wegen seines guten Lebenswandels gelobt ["Pfarrer helt sich seines wandels priesterlich"]. Das Einkommen des Pfarrer liegt bei 180 Gulden. Pfarrer Peuschel muss kein Absent zahlen.

Die Pfarrei hat 150 Communicanten, die alle katholisch geblieben sind, fleißig den Gottesdienst besuchen und des Protestantismus unverdächtig sind ["und allerlai frembder religion unverdacht"]. Die Pfarrangehörigen beichten-wie üblich - zweimal im Jahr ["Pfarrvolckh peicht im jar 2mal"]. Sie geben ihre Opfergaben und zahlen ihren Zehent bereitwillig ["Pfarrleuth geben ire oblationes und zehent guetwillig"]. Das Selgeraidt, die Vermächtnisse an die Kirche bei Beerdigungen, wird nach altem Brauch festgesetzt ["selgeraidt nemb er nach dem allten gebrauch"]. Ein Vermögender muss ein Taler stiften ["nimbt von ainer vermuglichen person 1 Taler"]. Die Pfarrei liegt in einer Hofmark, die dem Achaci Degernseer von München gehört. Das Präsentationsrecht hat der bayerische Herzog.

Kirche: Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) beträgt 3 Pfund Silberpfennig und 2 Pfund Wachs. Das Geld wird für Öl und weiteres Wachs ausgegeben. In Pellheim gibt es kein Mesnerhaus ["hat kain mesenhauß"]. Der als "vleissig" gelobte Mesner ist wohl einer der Gütler.
Der Bauzustand der Kirche ist gut ["das gotshauß ist bei guetem paw"]. In dem mit aller Kirchenzier ausgestatteten Gotteshaus befinden sich ein Taufstein ["habet lapideum baptisterium"] und ein Sakramentshaus, das "wol beschlossen" und durch ein Ewiges Licht "beleucht" ist. Das Taufwasser wird in einem Krug aufbewahrt ["Baptismus wirt in aim krueg behalten"]. Das Allerheiligste und die heiligen Öle werden liturgisch rein aufbewahrt ["Sacra et liquores purissime tractanctur"]. An liturgischen Gerätschaften waren vorhanden: 2 vergoldete Kelche aus Silber ["hat 2 silbrin vergulte kelch"] mit Corporale, eine Monstranz aus Messing (ain messinge montrantz"], ein "zerrissens" und zwei "guete" Messbücher, ein Liturgiebuch, ein Kantorenbuch und fünf Messgewänder in gutem Zustand ["5 meßgwandt, zimblich guet"]. Der Visitationsbericht endet mit dem Satz "Sonst bei der kirchen und pfarrhof nit mangel, allein wenig gmäl (=Gemälde) in der kirchen".



Bericht eines Jesuiten vom Sept.1564
12)

Interessant ist noch der Bericht eines Jesuiten vom Sept.1564, in dem er den Zustand der kath.Kirche zur damaligen Zeit beklagt. Der Bericht befasst sich zwar mit mit dem Raum Pfarrkirchen, doch er dürfte auch die Realität in unserer Gegend beschreiben:
  "Wir fanden den Zustand der Religion unglaublich elend und traurig: in den Klöstern, wo die Obern fast insgesamt das schändlichste Leben führen, keine Frömmigkeit; in den Kirchen Schmutz und Unehrerbietigkeit; im Volke Zügellosigkeit; man glaubt, was einem gefällt, und folgt dem, was dem Fleische am meisten schmeichelt; beim Klerus und selbst den Pfarrern die krasseste Unwissenheit und Vernachlässigung ihres Amtes, so daß es nicht wundernimmt, wenn das einfache Volk vom katholischen Glauben abfällt. Ein großer Teil der Priester kann nicht einmal richtig und gut lesen. Offen halten sie Konkubinen. Mit der größten Freiheit bedienen sie sich häretischer Bücher. (...) Fast die Hälfte des baierischen Volkes hier kümmert sich um Gott und die Welt nicht; in religiöser Hinsicht ist alles uneins. Nur stimmen sie darin überein, daß der Papst der Antichrist sei und die heilige Messe ein Greuel....


17.6.2026

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür