zur Landkreiskarte                                 Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Marienkapelle in WEIL


Beschreibung 

Die Kapelle steht direkt an der Straße von Indersdorf nach Altomünster.

Die aus zwei großen Bauernhöfen bestehende Ortschaft Weil wurde im 16. Jahrhundert "Wall" genannt. Der Name soll vom römischen Wort villa = Landgut abzuleiten sein. Über Weil führte schon im Altertum eine der beiden Römerstraßen im Landkreis Dachau, die von Augsburg über Irchenbrunn, Altomünster, Westerholzhausen, Indersdorf, Biberbach und Oberndorf (wo sie über die Amper überquerte und den heutigen Landkreis verließ) nach Freising und weiter bis nach Moos a.d. Donau (bei Deggendorf) verlief.

Der Weiler gehörte in früheren Zeiten zur Hofmark Eisenhofen. Im 30jährigen Krieg wurden die Höfe zerstört und die Bewohner umgebracht. 1759 kaufte das Kloster Altomünster beide Höfe und gab sie 35 Jahre später an Siedler aus der Oberpfalz weiter (ähnlich wie in Ruppertskirchen).

Einer der beiden Bauernhöfe gehört der Familie Gronegger. Auf ihrem Grund steht die unter Denkmalschutz stehende Marienkapelle, die wohl aus dem Jahr 1830 stammt

Die Kapelle wird derzeit von der Familie Gronegger restauriert (Kosten rd. 100.000 Euro)
Sie soll im Jahr 2010 fertiggestellt sein.


Über dem Eingang hängt eine Steintafel,
auf die Erbauer genannt sind.

Text auf der Tafel:
Zum seeligen Andenken wurde die Kappelle erbaut von Johann Bükel und Walburga dessen Ehegattin zur Frömmigkeit der Kristen 1830.
Fecit Jakob Schoellhorn M.M. in Aichach

Der Bau besitzt zwei
Fenster; er schließt
in drei Seiten.

In seinem Türmchen
hängt eine kleine Glocke.

Im übrigen ist die
Kapelle derzeit
völlig leer.


Glocke von unten

Zu sehen sind derzeit nur
- das Deckengemälde aus der Erbauungszeit (in der Mitte ein Rundbild des Lamm Gottes' mit Kreuzfahne, auf dem Buch mit den sieben Siegeln liegend.
Hinweis: Diese Darstellung des Lammes greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaia 53,7) und Neuen Testament (Joh 1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt. Die Kreuzfahne über dem Lamm als Zeichen des Sieges über den Tod ist in der Kunst schon seit dem 10./11. Jh. gebräuchlich.

Das Lamm-Gottes-Bild ist um geben von Rocailleverzierungen, die auch die Verbindung zu den äußeren Ovalbildern der vier Evangelisten herstellen. Die Bilder waren in den 1960er Jahren teilweise übertüncht worden.


Deckengemälde - Lamm Gottes

St.Johannes Evangelist
Die Evangelisten sind mit ihren Attributen (Matthäus mit Engel, Lukas mit Stier, Markus mit Löwe und Johannes mit Adler) abgebildet. Die vier Evangelistensymbole Engel, Löwe, Stier und Adler haben ihren Ursprung in den Cherubim,den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet.
Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar. Derzeit werden sie wie folgt gedeutet:  Der Mensch bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin, der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, berichtet und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. Der Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet und den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums.
Das Glasfenster stellt St. Georg als Ritter auf einem prächtig aufgezäumten Schimmel sitzend dar. Mit der Lanze tötet er den Drachen (=das Böse).
  Hinweise: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.   
  Die Bedeutung des Pferdes in der Symbolik hängt wesentlich von seiner Farbe ab. Weiße Pferde waren schon im Altertum die Zugtiere der Wagen von Eos und Helios. Sie gelten deshalb als Lichtbringer. Die mit weißen Rossen in Verbindung gebrachten positiven Vorstellungen zeigen sich auch darin, dass der hl. Georg stets auf einem Schimmel dargestellt werden (in Ebersbach ist es allerdings ein braunes Pferd). Schwarze Pferde symbolisieren dagegen Tod und Verderben.Als Zugtiere für Leichenwagen dienten früher immer Rappen. Schimmel, als weißes Pferd, ist ein Symbol für das Gute. Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.

Hans Schertl

Quellen:
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Anton Mayr, Altoland, 1998
Dip.Ing Klaus-R.Witschel, Eine frühgeschichtliche Straße in Irchenbrunn, Amperland 2001/3 (Römerstraße)
Dr. Eckhard Bieger SJ, das Katholische Symbollexikon, 2004
Dachauer Nachrichten vom 8./9.8.2009 (Baujahr, Renovierung)
Dachauer SZ vom 5.10.2009 (Renovierung)
8 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.11.2011