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Brunnenkapelle zur Unbefleckten Empfängnis bei WAGENRIED

Lage der Kirche auf der Landkarte ...

     
 Beschreibung

Die Brunnenkapelle zur Unbefleckten Empfängnis von Lourdes -früher Fallkapelle zum göttlichen Erlöser- steht südlich von Wagenried am Waldrand nahe der Straße in Richtung Langenpettenbach.

Das kleine Gotteshaus wird auch in der Bistumsbeschreibung des Dombenefiziaten Anton Mayer aus dem Jahr 1880 erwähnt.
Dort heißt es: "zwischen Arnzell und Wagenried erhebt sich in dichter Wildniß eine Waldcapelle, "der Pfeil" genannt. Aus einer holzgeschnitzten Figur, den Erlöser darstellend, die von einem Pfeil durchbohrt erscheint, fließt Wasser, welches als heilkräftig betrachtet wird".

Die Kapelle muss in dieser Form schon 1840 hier gestanden haben, denn 1890 schrieb der Oberbankdirektor Georg Erhardt dem damaligen Pfarrer Karl Kranz, er habe vor "50 Jahren die Kapelle zum erstenmal besucht".

Dieser Bankdirektor Erhard hatte 1890 angeboten, in der Kapelle eine Lourdesstatue aufzustellen. Zuvor wurde das Gebäude aber unter fachlicher Beteiligung des königlichen Bauamtmanns Friedrich Adelung und des Baumeisters Karg aus Indersdorf gründlich renoviert und zu einer Grotte umgebaut. Die Kosten beliefen sich auf 1458 Mark und 43 Pfennig. Dazu kamen die Sachspenden wie Holz, Baumaterial und Transporte.
Als der Hauptfinanzier Erhardt bat, der Öffentlichkeit ungehinderten Zugang zur und in die Kapelle zu verschaffen, gab es Probleme mit den Besitzern der umliegenden Grundstücke. Wie damals entschieden wurde, ist mir nicht bekannt.
Jedenfalls wurde die neue Marienstatue von Pfarrer Kranz und dem Geistlichen Rat Theodor Weber aus Indersdorf am 19.Mai 1891 benediziert.

Die Kapelle ist also seit 1890/91 eine Lourdes-Grotte. Mittelpunkt ist nunmehr die erwähnte Marienstatue; sie wurde 2011 restauriert.

Die Kapelle war und ist bei Wanderern sehr beliebt und von Wallfahrern gut besucht.

Am Sonntagnachmittag wird häufig eine Andacht abgehalten.

     

Unterhalb der Marienfigur fließt aus einer Röhre Wasser, dem heilende Kraft zugesprochen wird. Durch eine freigelassene Öffnung im Gitter, das Figur und Brunnen abschließt, kann sich der Besucher Wasser abfüllen und mitnehmen. Manche Besucher bringen nicht nur Flaschen sondern mehrere Wasserkanister mit.

Die Kapelle ist seit 1980 im Besitz der Familie Krimmer in Wagenried.

Die Kapelle war früher Ziel von Bittgängen aus Langenpettenbach und Arnzell. So heißt es in einem Bericht:

"Bei der Wallfahrt, welche der Pfarrvikar von Langenpettenbach begleitete, wurde zunächst in der Kapelle die Lauretanischen Litanei gebetet. Anschließend setzten sich die Teilnehmer "im Viereck" zusammen, und der "Villicus" von Wagenried verteilte "nach altem Brauch" kostenlos an jeden einzelnen Wallfahrer Brot und forderte ihn auf, zu essen und zu trinken. Nach der Ausspeisung zogen die Langenpettenbacher mit den nach Hause kehrenden Arnzellern zur Kirche St. Johann Bapt. in Harreszell, wo nochmals gebetet wurde, der Pfarrvikar eine kurze Predigt hielt und den Schlusssegen erteilte".

Hans Schertl

Quellen:
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dachauer Nachrichten vom 10.6.2011 (Renovierung der Marienstatue)
3 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

29.6.2011