zur Landkreiskarte             Kirchen i.d.Gem.Hebertshausen

Schlosskapelle St.Martin in UNTERWEILBACH

ReliquienschreinHeiligenfigurenKruzifixReliquienschreinWappen zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch Grabmal der Grafenfamilie SpretyLourdesgrotte


Kurzb
eschreibung

Die Schlosskapelle ist eines der ältesten und historisch interessantesten Gotteshäuser im Dachauer Land.
Dies liegt vor allem daran, dass sie früher keine Schlosskapelle war.

Im 12.Jahrhundert wurde hier auf einer Wiese die erste Kirche gebaut. Es war eine Turmkirche, die als Typus auch als Wehrkirche bezeichnet wird. Solche Turmkirchen gab es in mehreren Orten des Dachauer Landes. Im 14 m hohen Turm mit einem Grundriss von rd. 10 x 8 m war im Erdgeschoss der Altarraum eingerichtet. Der Keller diente als Beinhaus, das Obergeschoss in Friedenszeiten als Speicher für die Lagerung der Zehentabgaben, in Kriegszeiten als Schutzraum für die Bevölkerung. Die Kirche war eine Filiale der Pfarrei Ampermoching.

In anderen Orten wie z.B. Schwabhausen oder Großinzemoos wurden diese Turm/Wehrkirchen durch den Anbau eines Kirchenschiffs zu einer Chorturmkirche, die im Aussehen nur durch das Fehlen eines gesonderten Altarraums von den üblichen Gotik-bzw.Barockkichen abweichen.
Hier in Weilbach wurde an die Turmkirche eine Burg angebaut. Sie wurde dadurch aber keine exklusive Burgkapelle, sondern blieb weiterhin Filialkirche für die Bewohner von Weilbach.

Um das Jahr 1500 hat man wohl auf Betreiben der Pfarrei Ampermoching die seit mindestens 1444 bestehende Marien-kapelle an der Dorfstraße außerhalb des Schlossbereichs zur Filiale der Pfarrei bestimmt. Vielleicht war der Ärger mit den Burgherren, die die Ampermochinger Pfarrer immer wieder hatten, der Grund dafür. Jedenfalls wird in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 schon von der Filialkirche Beatae Mariae Virginis in Weilbach cum sepultura gesprochen. Damit war auch der Friedhof von der Schlosskirche zur neuen Filialkirche hinübergewandert.

Die Schlosskirche scheint aber noch weiter auch für die Bevölkerung zugänglich gewesen zu sein. Schließlich war im Schloss ein Benefiziat angestellt, der vielleicht regelmäig, sicher aber in Notfällen auch in den Häusern um das Schloss seelsorgerisch tätig geworden ist. Und schließlich war das Schluderbenefizium, aus dem der Schlosskaplan bezahlt wurde, auf beide Kirchen, auf St.Martin im Schloss und auf St.Maria im Dorf gelegt worden.

Im Laufe der letzten 400 Jahre wurde die Turmkirche (nun als Schlosskapelle) mehrmals umgebaut, wurde verkleinert und wieder vergrößert. Derzeit reicht sie über zwei Stockwerke. Das Kellergeschoss mit dem Beinhaus wurde schon vor Jahrhunderten verfüllt.

Innenausstattung

Die Kapelle ist mit einer stuckierten Flachdecke überzogen. Das Deckengemälde ist eine ikonographische Besonderheit. Es zeigt die Krönung Mariens im Himmel durch die Hl.Dreifaltigkeit. Hier ist der Hl.Geist nicht -wie sonst- als Taube, sondern als Mann dargestellt. Er steht als älterer Herr mit lichtem Haar und Vollbart, bekleidet mit einem Rauchmantel, hinter Maria und setzt zusammen mit Jesus, der ein Kreuz in Händen hält und Gottvater (mit angedeuteter Weltkugel und Zepter) der Muttergottes die Krone auf das Haupt.

Der neuromanische Hochaltar in der Schlosskapelle wurde im Zusammenhang mit der großen Renovierung und Neuausstattung 1845 aufgestellt.
Auf ihm stehen Figuren des Patrons St.Martin mit einer Gans zu seinen Füßen (links), der Muttergottes (Mitte) und eines weiteren Heiligen.

Die Kreuzwegbilder Drucke aus dem "Kläglichen PASSIONS-Spiegel", den der berühmte Augsburger Kupferstecher und Verleger Johann Andreas Pfeffel (1674-1750) im 18.Jh. herausgegeben hat.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Burg Weilbach

Die älteste Darstellung eines Schlosses in Unterweilbach hat der bayerische Geograph und Vermesser Peter Apian (1495-1552) in seinen bayerischen Landtafeln gezeichnet. Die 24 Landtafeln bilden zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertrof-fen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind nur die bedeutendsten Orte mit Gebäuden dargestellt. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen. Für die alte Wasserburg in Weilbach ist Apians Zeichnung auch das letzte Bild.


Auszug aus der Karte
von Apian 1568

Rund 70 Jahre später wurde die Burg im 30jährigen Krieg zerstört. Als die Herren von Mandl die Burg 1679 von den Eisenreich kauften, erwarben sie, wie es damals hieß, die Hofmark "sambt denen zweyen geweßten kleinen und in Schwedischen Feinds Zeiten völlig ruinierten Schlößlein". Das heutige Schloss wurde dann von den Freiherrn von Mandl von Grund auf neu erbaut.

Doch die Kapelle ist noch viel älter, wie Grabungen, die im Rahmen einer Sanierung des Schlosses 2008/10 durchgeführt wurden, ergeben haben.


Turmkirche im 12.Jh.
und Filialkirche

Am Anfang stand hier an der Stelle des heutigen Schlosses nur eine Kirche. Diese Kirche wurde den Untersuchungen zufolge in der Zeit des späten 12.Jh. errichtet. Davon stehen heute noch die Mauern im Osten, Norden und Süden. Somit gehört der die Kirche umfassende Gebäudeteil zu den ältesten noch bestehenden Bauwerken des Landkreises Dachau.

Damals, im 12.Jahrhundert, gab es noch keine danebenstehende Burg. Die Kirche war also keine Burgkapelle, sondern ein eigenständiger, frei ste-hender Sakralbau ohne Wohnräume. Man nimmt an, dass es sich um eine Art Wehrkirche gehandelt hat, wie sie wohl auch in einigen Orten der Umge-bung gestanden hatten (z.B. Großinzemoos, Arz-bach, Schwabhausen). Dort wurden diese Wehr-kirchen aber in den späteren Jahrhunderten ver-größert und umgestaltet, sodass nur noch die Lage des Altarraums im Untergeschoss des Turms auf ihre frühere Funktion hinweist.



Modell der Turmkirche

Durch die spätmittelalterlichen Anbauten der Burg ist die Turmkirche äußerlich tatsächlich zu einer Art Burgturm geworden, wie ihn Apian (s.Bild oben rechts) gezeichnet hat. Aber sie hatte noch immer die Funktion einer Filialkirche der Pfarrei Amper-moching. Deshalb ist der Ausdruck "Kirche" tref-fender als die sonst übliche Bezeichnung "Kapelle".

Die Wehrkirche /Turmkirche in Weilbach hatte ei-nen Grundriss von 9,80 x 7,80 Metern u. eine Höhe von 14 Metern; die Mauerdicke betrug 1,60 Meter.

  Vorherrschendes Baumaterial waren Backsteine (32 x 16 x 8,5 cm), die in orangebraunen Bindemittel verlegt waren. Diese Ziegelsteinmaße sind typisch für romanisches Mauerwerk. Die Kirche besaß eine Gewölbedecke; für den Gewölbeansatz wurden eigens hergestellte Formsteine verwendet. Früher war sogar eine halbrunde Apsis vorhanden; die Reste davon sind bei den letzten Renovierungsarbeiten gefunden worden. Diese Rundung hatte sich über die Mauer nach außen erstreckt. Beim Neubau des Schlosses 1690 um die Kirche herum, wurde die Außenfront begradigt. Im Inneren ist die Apsis noch zu erkennen; derzeit steht aber der Altar davor.
Obergeschoss
Über der Kirche war nach Auffassung des Historikers Mittelstrass ein von außerhalb erreichbarer Vorratsraum für Saatgut und Früchte eingerichtet, die die Bauern bei der Kirche als Zehent abliefern mussten. Dafür sprechen größere Mengen Spelzen, Getreidereste und Nussschalen, die bei der Renovierung 2009 im Hohlraum des oberen Ringankers neben Holzmulm gefunden wurde.
Das Untergeschoss der Turmkirche, also das vertiefte Erdgeschoss, war als Karner, als Beinhaus genutzt. Solche Karner wurden seit dem 11./12.Jh. als Folge geänderter Jenseitsvorstellungen (Aufnahme der Lehre vom Fegefeuer in die Theologie) überall angelegt; in späterer Zeit wurden sie häufig unter einem Kirchenraum, also ein paar Meter unter dem Altar platziert. Ausgra-bungen von menschlichen Gebeinen unmittelbar vor dem Altar bestärken diese These.
Es ist davon auszugehen, dass der Bauherr einer solchen Turmkirche nur der Bischof von Freising selbst gewesen sein kann, zu dessen Gebietsherrschaft Unterweilbach damals gehörte und der hier einen Sitz für die Freisinger Ministerialen /Dienstmannen angelegt hatte. Die Kirche war für die Bevölkerung von Unterweilbach zugänglich, die den Raum als ihr Gotteshaus nutzten.


Romanisches Fenster
An der Südmauer fand man 2010 unter dem Putz der neueren Zeit ein Fenster aus der Erbauungszeit, das innen romanische Formen aufweist und nach außen hin seine zweite Funktion als Schießscharte oder Lüftungsschlitz offenbart.
Die Höhe der alten Kapelle ist durch den ebenfalls 2010 aufgedeckten Ansatz des Gewölbes an der Nordseite dokumentiert. Eine Mörtelfuge zeigt den Verlauf.
Von der damaligen Einrichtung ist nur die eiserne Halterung einer Ewig-Licht-Ampel erhalten, die man bei den Ausgrabungen fand.

Altes Gewölbe

Streit um Seelsorge
Um das Jahr 1350 gab es Probleme mit dem Pfarrer in Ampermoching. Der hätte selbst oder durch einen Vertreter (per se vel alium) jeden zweiten Sonntag im Jahr in der Weilbacher Turmkirche die Frühmesse feiern, außerdem an den vier Marienfesten, an allen Aposteltagen, den höchsten Feiertagen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten) und den jeweils folgenden Tagen, dem Kirchweihfest (auch 11.11.) und schließlich an den Heiligenfesten von Johannes d.Täufer (24.6.), Margarete (20.7.), Maria Magdalena (22.7.), Laurentius (10.8.), Michael (29.9.), Martin (11.11.), Katharina (25.11.) und Nikolaus (6.12.). Doch der Pfarrer kam seiner Verpflichtung zumindest bei den Frühmessen nicht nach. So beklagten sich die Weilbacher beim Bischof Albert II. von Hohenberg (1349–1359) in Freising.
Der Streit entstand wohl deshalb, weil in Weilbach ein vom Burgherrn bezahlter Schlosskaplan vorhanden war, der sich aber nur um das Seelenheil der Burgbewohner kümmerte. Der Ampermochinger Pfarrer war der Meinung, der Kaplan könnte die -ohnehin nicht sehr beliebte- Frühmesse (Beginn vor 6 Uhr) und die Beerdigungen übernehmen. Der Bischof fällte einen "Schiedsspruch zwischen dem Niederadeligen Weilbeck und dem Inhaber der Pfarrstelle von Ampermoching, dass alles so bleiben solle, wie es von alters her gewesen" sei. Das war ein Sieg für die Weilbacher.
Aber ähnliche Streitereien in den nachfolgenden Jahrzehnten zeigen, dass sich die Ampermochinger Pfarrer nicht überzeugen ließen und Widerstand gegen die Verpflichtungen in Weilbach leisteten. Letztendlich mit Erfolg. Denn dem Visitationsbericht von 1560 ist zu entnehmen, dass damals der Schlosskaplan für die Frühmessen zuständig war.


Burgkapelle und Filialkirche

Beim Einbau einer Bodenheizung 2009 entdeckte man Fundamente, die zum Mauerwerk des heutigen Schlosses nicht passten. Es waren die Fundamente einer früheren Burg aus dem 15.Jh.
Damals erwarb Hans Schluder den Kirchenturm (und die evt.schon vorhandenen Burggebäude); er nannte sich ab jetzt "von Weilbach". Die Schluder waren ein bedeutendes Münchner Patrizierge-schlecht, von denen einer bereits zwischen 1291 und 1293 Münchner Stadtrichter war. Sie folgten dem Bestreben der Münchner Patrizier, durch Erwerb eines Landsitzes in den Status eines Niederadels zu gelangen. In der 1.Hälfte des 15.Jh. besaß Hans Schluder den Haupthof und das Dorfgericht zu Hebertshausen, Lappach und Unterweilbach. Schon 1404 gehörte ihm in Weilbach der Narrelhof, 1410 der gesamte Besitz. Ab 1440 war Weilbach eine Hofmark.

Die von Schluder errichtete Burg könnte -den Fundamenten nach- so ausgesehen haben, wie sie der Kartograph und Historiker Apian in seine Bayernkarte des Jahres 1568 eingezeichnet hat. Links die Burg, rechts der Kirchenturm (Bild links).
Beim Burgbau wurde auch die Turmkirche verändert. Das als Karner genutzte Untergeschoss wurde verfüllt. Dabei hat man die Gebeine einer schon zwischen 1280 und 1390 verstorbenen Frau in ein Ehrengrab umgebettet, das nach oben in der Kapelle wohl in einem Boden-Epitaph sichtbar war. Wer die Frau war, ist nicht bekannt.
Auch nach dem Bau der Burg blieb die Kirche im Turm die Filialkirche der Pfarrei Ampermoching. Sie war damals noch immer die einzige Kirche in Weilbach.

Schlossbenefizium von 1444
In der Schmidt'schen Matrikel, aber auch in der Bistumsbeschreibung von 1874 wird auch das Schlossbenefizium der Schluder erwähnt. Es sei im Jahr 1444 von den Münchner Patrizier-Brüdern Joannes und Petrus Schluder zu Weilbach, den damaligen Schlossherren, auf Wunsch ihres Vaters als "Ewig-Messstiftung in der Martinskapelle" eingerichtet worden. Nach Tilmann Mittelstraß gehörten auch die Schwestern zu den Stiftern. Das Stiftungsgut umfasste neben anderem Vermögen auch zwei Güter in Appercha und eines in Pullhausen. Aus den Erträgen dieser Stiftung wurde ein Benefiziat bezahlt. Die Stiftungsverpflichtung betraf zunächst 6 Messen in der Woche; 1740 wurde die Verpflichtung auf 3 Messen und 1792 auf nur noch zwei Messen wöchentlich herabgesetzt, die zum Teil in der Kirche, zum Teil in der Schlosskapelle gefeiert wurden. Der Benefiziat wird auch im Protokoll der Visitation von 1560 erwähnt. Johannes Peckh aus Mammendorf war damals Schlosskaplan und Frühmesser in der Kirche, d.h., er hielt die Frühmesse (nicht später als 6 Uhr). Die Visitatoren haben notiert, dass er täglich seine Stundengebete verrichtet und sich sonst "priesterlich helt", also das Zölibat beachtet. Seine Freizeit widmete Peckh dem Lesen und Studieren. Er habe auch versichert, dass er der katholischen Religion treu bleiben wolle. Sein Einkommen betrug 14 Schäffl Korn, 1/2 Schäffl Weizen, 13 Schäffl Habern und 15 Gulden in Geld. Offensichtlich war er aber nur eine Aushilfe, weil vermerkt wird: "Ist i(h)me dise Meß allein verlihen worden, bis Hieronimus Kheiß wiederumb kombt". Hieronimus Kheiß war einer der beiden Schlossbesitzer und wurde 1565 alleiniger Patron der Kirche.
Anfang des 16.Jh. war das Benefizium nicht mehr so begehrt, weil
- der Wert der Messfeiern für dass Seelenheil der Verstorbenen durch die Reformatoren in Zweifel gezogen wurde,
- das Aussterben der Schluder im Mannesstamme absehbar war.
1524 jedenfalls wurde das Benefizium mit der Frühmessstiftung vom Pfarrer in Röhrmoos mitbedient, der wohl nicht jeden Tag zur Frühmesse nach Weilbach geritten ist; es wird schon damals die 35 Jahre später bekannt gewordene Regelung (2 Frühmessen pro Woche) gegolten haben. Nach der Bistumsbeschreibung 1874 wurde das Schlossbenefizium im Jahr 1815 zu einem Ermeritenbenefizium erhoben und mit den Teisinger'schen Messen in Mariabrunn vereinigt.
Schlossbenefiziaten
1560: Johannes Peckh (aus Mammendorf)
vor und nach 1560: Hieronimus Kheiß
1600: Simon Taller
1692: Martin Freisinger
1782: Georg Nuz aus Günching/Opf
1874: Leo Samberger


Verlust des Filialkirchen-Status'
Um das Jahr 1500 hat man wohl auf Betreiben der Pfarrei Ampermoching die seit mindestens 1444 bestehende Marienkapelle an der Dorfstraße außerhalb des Schlossbereichs zur Filiale der Pfarrei bestimmt. Vielleicht war der Ärger mit den Burgherren, die die Ampermochinger Pfarrer immer wieder hatten (siehe Bericht von 1350), der Grund dafür. Jedenfalls wird in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 schon von der Filialkirche Beatae Mariae Virginis in Weilbach cum sepultura gesprochen. Damit war auch der Friedhof von der Schlosskirche zur neuen Filialkirche hinübergewandert. Das hätte zur Folge haben müssen, dass die Marienkapelle ausgebaut wird oder vielleicht schon worden ist, um die Gläubigen Weilbachs aufzunehmen. Baumßnahmen aus dieser Zeit sind nicht bekannt.
Erst 1596 gab es nachweislich einen Neubau der Marienkirche. Diese Jahreszahl soll in einem alten Messbuch von Unterweilbach als handschriftlicher Vermerk stehen; so besagt das eine Notiz im Erzbischöflichen Archiv. Finanziert wurde der Neubau vor allem von Barbara Kheiss zu Weilbach, der Witwe des früheren Hofmark-Mitbesitzers Hieronimus Kheiß († 1588) ("hat Frau Kheissin Hofmarks Fraw Anno 1596 die Khürchen auff iren Khosten erweitern und bauen lassen"). Am 28.August 1596 wurde der Neubau der Marienkirche im Dorf eingeweiht.



Umbau
1590
Als man die Burg Ende des 16.Jh (um 1590) durch ein erstes Schloss ersetzte, wurde die Turmkirche umgebaut. Die Zeitangabe um 1590 wird gestützt durch eine Glocke, die nach einem Bericht aus dem Jahr 1980 noch immer im Türmchen über der Schlosskapelle hängt. Sie wurde einer Aufschrift nach 1591 gegossen.


Dreißigjähriger Krieg
Schon zu Beginn der Kampfhandlungen in Bayern, beim Einmarsch der Schweden in Bayern 1632, wurde Weilbach zumindest finanziell schwer getroffen: Es konnte sich nur durch Zahlung einer Brandsteuer von der Vernichtung freikaufen. Das Benefiziaten-haus soll dennoch ruiniert worden sein (1642 brachte der Verkauf des verbliebenen Restholzes nur noch 5 Gulden ein). Die bisher vermutete Brandschatzung durch die Schweden ist zweifelhaft, weil man bei der Restaurierung 2008/10 keine Brandspuren entdeckt hat. Allerdings wurde ein "baulicher Niedergang" in der Zeit des Krieges und danach festgestellt. 1633 verlor das Benefizium schlagartig zwei Drittel seiner Einkünfte, als Soldaten den Bauern des Stiftungshofs in Pullhausen umbrachten und die Gebäude schwer beschädigten.
Die Kapelle wurde ihrer Reliquien beraubt.
Nach dem Krieg wurde das Benefiziatenhaus wieder neu aufgebaut. Ab 1672 wohnte hier ein Benefiziat.



Schlosskapelle

Im Jahr 1678 oder 1679 erwarb der kurfürstl. Hofkammerrat Joh. Georg von Mandl den Besitz von der Familie Eisenreich mit den "zweyen geweßten völlig ruinierten Schlößlein" (wo das zweite "Schlößlein" stand ist unbekannt) und erbaute 1691 etwas versetzt von der Burg das heute noch bestehende repräsentative Haus, das -abgesehen von einer Änderung im 18.Jh.- seither

unverändert blieb. Dabei wurde die bis dahin noch bestehende Turmkirche zu einer reinen Schlosskapelle umgebaut und so in den Schlosskomplex integriert.
Die Nord-, Süd- und Ostmauern wurden um 1 1/2 Schuh (= 45 cm) schmäler, die Westmauer um 6 Schuh (= 1,75 m) nach Osten versetzt. Den Kapellenraum hat man durch Einbeziehung des Obergeschosses um 8 bis 9 Schuh (=2,50 m) erhöht und den Raum neu eingewölbt.
Die Baumaßnahmen sind in einer zeitgenössischen Aufzeich-nung geschildert, die sie hier.... lesen können.


Ansicht des Schlosses um 1700

Der Benefiziat Martin Freisinger weigerte sich nach dem Umbau, in der Kapelle die Messe zu lesen, weil das Gotteshaus durch die Baumaßnahmen entweiht worden sei. Auch der Bischof forderte mit Schreiben vom 2.6.1692 von Baron Mändl einen Bericht wegen möglicher Profanierung an. Der antwortete am 26.Juni, es sei nur eine Mauer (Westmauer) neu aufgebaut worden und der Altar stehe noch an seinem Platz. Das genügte dem Bischof, der daraufhin den Benefiziaten zweimal aufforderte, sein Amt wieder aufzunehmen.


Grafen von Spreti ab 18.Jh.

Seit 1729 ist das Schloss Unterweilbach im Besitz der Grafen von Spreti und (seit 1950) deren Nachkommen, der Familie von Trebra-Lindenau. Schlossherren sind heute Clemens und Sophia von Trebra-Lindenau.


Auch in der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 wird die Schlosskapelle kurz erwähnt. Sie sei in der Nähe des Schloss-Eingangs gelegen. Patron sei der hl.Martin. Dies hatte auch schon Michael Wening in seiner 1718 herausgegebenen Historico-topographica descriptio Bavariae" geschrieben: "Bey dem Schloß ist ein schöne Capell verhanden allwo St.Martin... Patron ist". Das Kirchweihfest und das Patrozinium fanden beide am Martinstag (11.Nov) statt.

Interessant ist eine handschriftliche Notiz des früheren Pfarrers Mathias Angerpointner (1834-1860), des Ururgroßonkels des ehem. Kreisheimatpflegers Angerpointner. Darin steht die Verkündformel, die vor jeder Sonntagspredigt verlesen wurde und die Reihe der Schlossherren-Geschlechter schön zusammenfasst:
"Zum hochseligen Andenken der gnädigen Herrschaften, als der Hochgeborenen, Hochwohlgeborenen Schlutterischen , Kaisischen, Eisenreichischen, Imslandischen, Bernsdorfischen, Schmidischen,nunmehr aber Hochgräflichen von Sprettischen Familien, deren hohen Ahnherren und Ahnfrauen und aller hohen Anverwandten".

Um 1805 zog man in der Kapelle eine Zwischendecke ein. Der Altar und die Bänke wurden auf diese Zwischendecke gestellt. Den unteren Teil nutzte man -wie es heißt- "ohne Exsecration (=Rücknahme der Weihe) zu begehren" als Brennerei und Waschküche. Aber schon einige Jahrzehnte später, bei der großen Renovierung und Neuausstattung 1845 nach Plänen von Prof. Endreß, wurde die alte Höhe wieder hergestellt. Dabei hat man die Kapelle "im byzantinischen Stil" (= wohl neuromanisch) erneuert und den barocken Altar entfernt.

Heutiger Kapellenbau

Die heutige Kapelle ist ein einfacher Rechteckbau. Er schließt gerade mit der Außenmauer des Schlosses. Im oberen Bereich der Wand, also im oberen der beiden Stockwerke, die die Kapelle umfassen, sind zwei Fenster eingebaut. Die darunter liegenden Fenster sind zugemauert; von außen sind sie als Blindfenster zu sehen. Die frühere halbrunde Apsis ist im Inneren am Mauerwerk noch zu erkennen, wird derzeit aber vom Altar verdeckt. Außen wurde die Apsis schon beim Neubau des Schlosses 1690 begradigt.

Die Kapelle ist mit einer stuckierten Flachdecke überzogen. Der weiße Stuck auf rotem Hintergrund wurde schon 1692 aufgebracht. Der Künstler ist nicht bekannt.

Deckengemälde

Eine ikonographische Besonderheit in der Kapelle ist das Deckengemälde im ockerfarbigen Stuckrah-men. Man geht davon aus, dass es 1692 entstanden ist.
Das Bild zeigt die Krönung Mariens im Himmel durch die Hl.Dreifaltigkeit.

Deckengemälde
Krönung Mariens
Auf diesem Gemälde ist der Hl.Geist nicht -wie sonst- als Taube, sondern als Mann dargestellt. Er steht als älterer Herr mit lichtem Haar und Vollbart, bekleidet mit einem Rauchmantel, hinter Maria und setzt zusammen mit Jesus, der ein Kreuz in Händen hält und Gottvater (mit angedeuteter Weltkugel und Zepter) der Muttergottes die Krone auf das Haupt.
 
Hinweis
: Den Hl.Geist in Menschengestalt statt als Taube kennen wir im Allgemeinen nur aus mittelalterlichen Dreifaltigkeitsbildern. Diese Tradition der Darstellung war um 1743 wieder aufgelebt, als die (im Jahr 2001 durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochene) Kreszentia von Kaufbeuren (1682-1744) die dritte göttliche Person in einer Vision als jungen Mann ge-schaut hatte. Doch die Abbildung als Mensch war nicht lange erlaubt. Papst Benedikt XIV. verbot sie schon zwei Jahre später, im Oktober 1745. Seither darf der Hl.Geist nur noch in der Gestalt der Taube gezeigt werden. Da im Unterweilbacher Fresko der Hl.Geist als alter und nicht als junger Mann gezeigt wird, dürfte hier ein Zusammenhang mit der Vision der hl.Kres-zentia nicht bestehen. Möglicherweise ist das Fresko auch schon bei der Stuckierung der Decke kurz nach 1691 gemalt worden. Im Landkreis Dachau gibt es nur eine weitere ent-sprechende Darstellung des Hl.Geistes im Deckengemälde der Schlosskapelle von Haimhausen, das vom Augsburger Künstler Joh. Georg Bergmüller (1688-1762) im Jahr 1748 geschaffen wurde.



Gott Heiliger Geist



Altar

Der Hochaltar in der Schlosskapelle wurde im Zusammenhang mit der großen Renovierung und Neuausstattung 1845 aufgestellt.
Er ist neuromanisch gearbeitet, einer Stilrichtung, die damals sehr modern war. Sie nimmt die Formensprache des originären romanischen Baustils auf und vermischt ihn mit gotischen, byzantinischen sowie auch erfundenen Stilelementen.



Kruzifix am Altar
Der Altar wird gekrönt durch ein Kruzifix mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden. Es stammt aus der gleichen Zeit wie der Altar. Typisch für die damalige Stilrichtung ist die Abkehr vom leidenden Christus am Kreuz. Er scheint mehr zu schweben als zu hängen, mit den Armen die Welt umfassend. Die Wunden sind unscheinbar und nur an den Händen und Füßen zu sehen.

Den optischen Abschluss des Altars nach oben bildet ein Allianzwappen im kunstvollen Stuckrahmen an der Wand. Links das Wappen der Spreti mit dem aus Felsen wachsenden Farnkraut.

Allianzwappen
Das Retabel (Altarwand) ist blau und golden gefasst und mit Schnitzdekor versehen. Im Blickpunkt stehen drei Nischen, durch vergoldete Pilaster getrennt, die Mittelnische etwas erhöht.

St.Martin    -    Maria    -     ???
Darin befinden sich Figuren des Patrons St.Martin mit einer Gans zu seinen Füßen (links), der Muttergottes (Mitte) und eines mir nicht bekannten Heiligen, der dem roten Schultertuch (Mozetta) nach, ein Domherr gewesen sein könnte. Oft wird Joh.Nepomuk so dargestellt; allerdings fehlen hier alle Attribute dieses Heiligen.
  Hinweis: Martin begegnete als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Er schenkte ihm die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels. In der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus, mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. St.Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.

Das Antependium (die Vorderseite des Altarblocks) ist durch Lisenen in drei Felder gegliedert, die ein Kreuz und zwei Wappen enthalten.


R
eliquienschreine


An beiden Seiten des Altars sind flache Reliquien-schreine aus dem 18.Jh befestigt. Die beiden mit prächtigen, barocken Rahmen umgebenen Schreine enthalten jeweils ein großes und vier kleinere Wachsmedaillons mit Reliefs von Heiligen.

Reliquienschrein
Ob um sie herum -wie sonst üblich- neben den Perlen und Schmucksteinen auch kleine Reliquien mit Silberfäden befestigt sind, ist eher unwahrscheinlich, weil Cedulae, die Pergamentstreifen mit Namen der Heiligen, fehlen.

Joh.Nepomuk
Gut erkennbar sind das große Medaillon mit einem Bild von St.Johannes Nepomuk (Bild links) sowie ein kleineres, das ein Lamm Gottes mit Siegesfahne zeigt (Bild rechts). Solche Lam-Gottes-Medaillons waren die Namensgeber aller Wachs-Medaillons: das sog. "Agnus-Dei".
Denn: Ab dem Mittelalter ließen die Päpste zunächst im ersten sowie in jedem siebenten Jahr ihres Pontifikats, später dann jährlich aus den Resten der geweihten Osterkerze zuerst runde, in der Folge meist ovale "Agnus-Dei-Medaillons" gießen. Wegen ihrer großen Wertschätzung bei den Gläubigen stellte man Agnus-Dei-Medaillons in späterer Zeit auch außerhalb Roms her. Sie wurden oft wie eine Reliquie in eigenen Ostensorien oder Schreinen aufbewahrt. So auch in Unterweilbach.

Lamm Gottes



Bilder an den Wänden

  

                    
        Muttergottes       -     Gekreuzigter       -        Herz Jesu          -     Herz Mariens    -   Verspottung Jesu -   Frauen am Grab Jesu

 


- Ein Gemälde (oben links) zeigt eine weibliche Heilige, wahrscheinlich die Muttergottes, im Gebet versunken.
- Im dunklen Bilderrahmen hängt eine Skulptur. Es ist der Corpus des gekreuzigten Christus ohne Kreuzbalken. Der Hintergrund
   besteht aus Stoff mit Brokatmuster.
- Die Gemälde mit der Darstellung von Herz-Jesu und Herz Mariä sind von einem prächtigen goldfarbenen Rahmen umgeben.
  Die Herz-Jesu-Figur hält ein brennendes Herz mit Kreuz und Dornenkrone in der Hand, Maria ein mit Rosen umwundenes Herz.
  Diese Darstellungen sind Symbole für die Erlöserliebe Christi und die Liebe Mariens zu den Gläubigen. Die Bilder und Figuren
  verbreiteten sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Clemens XIII. im Jahr 1765.
- Die Verspottung Jesu nach der Geißelung ist Thema eines weiteren Gemäldes. Es handelt sich um einen Druck von 1816.
- Das größte Bild stellt die trauernden Frauen am verschlossenen Grabe Christi dar. Im Hintergrund sind die drei leeren Kreuze
  von Golgotha zu sehen.

Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder an den Wänden sind Papierdrucke, umgeben von einem dunkelbraunen, reliefierten Rahmen und einer schmalen Goldleiste. Die Bilder sind Nachdrucke der Stiche, die der kaiserl. Hof-Kupferstecher Andreas Pfeffel aus Augsburg in seinem Buch " Kläglicher PASSIONS-Spiegel" veröffentlicht hat.

Unterhalb der Zeichnung werden links in lateinischer und rechts in deutscher Sprache die abgebildeten Szenen beschrieben und ein Gebet in Gedichtform angefügt.

Wenn Sie alle Bilder einzeln und vergrößert sehen möchten, klicken Sie hier...


K
irchenstühle


     
Kirchenstühle

In der Kapelle stehen für die Besucher traditionelle Kniebänke bereit.

Bei starkem Andrang werden zusätzlich noch schöne gepolsterte Stühle mit Lederbezug aufgestellt. Es handelt sich um restaurierte Antiquitäten aus der Zeit der Grafen Spreti, deren Monogramm "ST" und einer Krone mit 9 Perlen (Grafenkrone) in Goldschrift auf den Stühlen prangt.



Oratorium

An den Seitenwänden
führen Fenster zu Orato-rien im ersten Stockwerk. Sie erlaubten es den Herr-schaften, unbeobachtet vom Volk der Messe beizu-wohnen.


Stuckwappen
Ebenfalls an den Seiten-wänden sind Stuckwappen im ockerfarbigen Rahmen angebracht. Die gezackten Linien sollen auf das Ge-schlecht der Ingenheim hinweisen.
Weitere Wappen sind an der Emporen-brüstung zu sehen. Ganz rechts im neben-stehenden Bild das Wappen der Herren von Schurff, die von 1751-1758 Hofmarksherren in Unterweilbach waren. Es zeigt auf blauem Hintergrund ein gelbes Schurfeisen, d.i. ein Gerät zum Feuerschlagen.
OratoriumOrgelromanisches Fenster



O
rgel


Orgelpositiv

Das Orgelpositiv auf der Empore mit schön geschnitztem Prospekt umfasst 4 Oktaven.

Noch 1870 befand sich in der Schlosskapelle ein wertvoller Kreuzpartikel.

Hans Schertl

Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Beate Nießner, Ortsmonographie über Unterweilbach, 1981
Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Alois Angepointner, Pfarrgeschichte von Ampermoching, Amperland 1985, S. 143
Alois Angepointner, Schlösser und Hofmarken Unterweilbach und Deutenhofen, Amperland (
Brandschatzung)
Dr.Gerhard Hanke,Benefiziaten in Unterweilbach, aus Volks- und heimatkundliche Findlinge aus dem Amperland, Amperland 1988
Georg Otteneder, Unterweilbach, 2007
Dachauer Nachrichten vom 20.2.2009, v. 25.2.2009
Dachauer SZ vom 22.7.2010
Tilman Mittelstrass, Von der Turmkirche zum Kapellenturm - Ausgrabungen im Schloss Unterweilbach, aus Archäologie
                           im Dachauer Land 2008-2010
Tilman Mittelstrass, Turmkirche, Burgturm, Schlosskapelle in Altbayern, Amperland 2011/3 u.4, 2013/1
41 Bilder Hans Schertl (40), v.Trebra-Lindenau (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

22.10.2015

Kreuzwegbilder in der Schlosskapelle Unterweilbach

Die Bilder in der Schlosskapelle sind dem "Kläglichen PASSIONS-Spiegel" entnommen,
den der berühmte Augsburger Kupferstecher und Verleger Johann Andreas Pfeffel (1674-1750) im 18.Jh. herausgegeben hat.


Titelbild des
Kläglichen PASSIONS-Spiegels

Der ganze Titel des Buches lautet:

"Kläglicher PASSIONS-Spiegel, welcher uns vorstellet den schmerzhafften Weg zum Creutz und Todt des wegen unserer Sünden gecreutzigten Heylands JESU CHRISTI, herausgegeben, u. verlegt von Johann Andreas Pfeffel, Ihrer kayserl. Majestät Hoff- Kupfferstecher in Augspurg".

Auf den Kreuzwegbildern werden die abgebildeten Szenen unterhalb der Zeichnung links in lateinischer und rechts in deutscher Sprache beschrieben sowie ein Ermahnung an die Gläubigen in Gedichtform angefügt. Ich habe hier in der folgenden Aufstellung den lateinischen Text nur insoweit wiedergegeben, als er die Szenen beschreibt (fett). Die Texte in deutscher Sprache sind vollständig.

(Vergrößerung der Bilder durch Mouseklick)

1.Station
Iustus Salvator sistit se coram injusto judice Pontio Pilato, qui eum quamvis innocuus ad horrendam crucis mortem damnat.

Der gerechte Heyland erscheint vor dem ungerechten Richter Pontio Pilato,
und wird von demselben, ungeachtet seiner Unschuld, zu den entsetzlichen Todt des Chreutzes verdammt;
2.Station
Improbi carnifices imponunt humeris Christi sancits grave crucis on atquillu cogunt, ut ignominio su hoc lignu ipse ad. morte suam portet.

Die Henckers-Knechte legen dem unschuldige Heyland die schwere Last des Chreutzes auf seine Hl.Schulder u. zwingen ihn, solches selbst zu seinem Todt zu tragen.
Der, welcher ohne Schuld, wird zu dem Todt verdammet;
Er höret mit Gedult Pilati Urtheil an.
Von dem das Leben selbst u. unser Wesen stammet;
Der schweiget, u. betrit die blut'ge Creutzes-Bahn.
Seht, wie die Hencker-Knecht
den liebsten Heyland plagen.
Der ohne alle Schuld der Menschen Sünde trägt.
Der muß auch selbst das Holz zu seinem Todte tragen.
Das ihm die freche Schaar der Hencker aufgelegt.


3.Station

Charissimus ille Salvator, qui propter peccata nostra grave crucis onus ad mortem suam portat, concidit sub eo prima vice.

Der unschuldige Heyland, der wegen unserer Sünde die schwere Last des Chreutzes zu seinem Todt trägt, fällt unter derselben zum ersten mahl.

 


4.Station

Christo crucem suam portanti afflictissima Mater Maria obviam venit, atque illi supremum vale ore singultibus pleno dicit.


Dem Chreutz-tragenden Jesu begegnet seine heilige Mutter Maria, welche sich voller Schmertz von ihm beurlaubet.

Der liebste Heyland fällt, Mensch dencke doch zurücke,
Bedencke, daß du ihm die Last selbst aufgelegt
Dann deiner Sünden Last u. deine bößen Tücke
Seynd Ursach, daß er hier die Last des Chreutzes trägt.
Indem das Heyl der Welt sein Holtz zum Todte träget
Trifft es gantz unverhofft die heil'ge Mutter an
Ihr ist ins Angesicht der Schmertzen eingepräget
Die Zung ist so erstarrt, daß sie kaum reden kan.


5.Station

Quia sub crucis onere viribus destitatus Salvator, Simon Cyrenests deficien ti succurrere cogitur.

 


Weil der liebste Heyland unter der schweren Creutzes Last fast erlieget, so muß ihm Simon von Cyrene dieselbe tragen helffen.

 


6.Station

Ut Christus sudorem a facie sua santissima abstergat, Sancta Veronica ei ex juste piaque commiseratione sudarium porrigit.

Die H.Veronica bietet dem Heyland aus einem gerechten Mitleyde ein Schweiß-Tuch an, damit er den durch die tragende Last verursachte Schweiß von seinem Angesicht abwische.

Die schwere Creutzes Last, die Christus muß empfinden
Wann er das bittre Holtz nach Golgatha hinträgt
Hast du o Menschen Kind durch deine grobe Sünden
Zu seinem Schmerz u. Quahl ihm selbsten aufgelegt.

  Das Lämmlein ist gantz matt, so unsre Sünd geschlachtet
Es muß sein Leib voll Schweiß vor harter Arbeit seyn
Wer diese große Noth hier ohne Schmerz betrachtet
Ist härter noch als Stahl als Eisen, Felß und Stein.


7.Station

Salvator infons a gravi crucis mole ita deprimitur, ut debilis altera vice in Terram cadit.


Der unschuldige Heyland wird von der schweren Last des Creutzes dergestalt darnieder gedrücket, daß er zum Zweyten mahl gantz krafftloß zu Boden fällt.

 


8.Station

Christus consolatur filias Hierosoly-mitanas, quae misera ejum forte deplorant, easque admonet, ut se ipsas potium et peccata sua defleant.

Christus tröstet die Töchter von Jerusalam, die sein Elend beweinen u. ermahnet sie vielmehr über sich selbst u. über ihre Sünden zu weinen.

Das Heyl der gantzen Welt fällt abermahl zu Erden
Ach Mensch fall auch mit ihm betrübt auf deine Knie
Du must durch Creutz u.Noth selbst Christo ähnlich werden
Beweine deine Sünd und seine große Müh.
  Christus sieht voller Schmerz der Weiber Schaar ...
Indem sie Zeuge seyn von seiner Qual u. Pein
Ach ! spricht er Ihr müst euch u.eure Sünd beweinen
Dieweil dieselbigen so gar entsetzlich seyn.


9.Station
Lateinischer Text nicht mehr lesbar.


Der durch die ungeheuere Creutzes-Last gantz abgemattete Heyland fällt mit derselben zum dritten mahl.

 


10.Station

Sanctissimum Christi corpus nudatur, viribus destitutum immanes milites ac eto et felle reficere curant.

Der allerheiligste Leib Christi wird entblößt u. dem krafftlosen Heyland von den Kriegs-Knechten Eßig u.Gall gereicht, um ihn damit zu laben.

O Schmerz ! o große Noth ! der Heyland fällt schon wieder, Der, welcher ohne Schuld, liegt hier ganz abgematt,
Des Creutzes schwere Last stürzt ihn zur Erden nieder,
Das er zu unserm Heyl auf sich genommen hat.
  Des Heylands heilige doch ach ! Zerrißne Glieder
Entblößet voller Spott die tolle Henckers Schaar,
Den Gallen bittern Tranck, der jederman zu wieder,
Reicht man dem schmachtenden zu einem Labsall dar.


11.Station

Atroces milites denudata mansuetissimi Christi membra infantibus pendunt trunco.

Die unbarmhertzige Kriegs-Knechte hefften die entblößten Glieder des sanfftmüthigste Heylands an den schmählichen Stamm des Creutzes.

 


12.Station
Christus inter duos latrones suspensus commendat animam suam a corpore discedente in manus omnipotentes Patri sui coelestis.

Der zwischen zwey Mördern hangende Heyland befiehlet seine von ihrem Leib scheidende Seele in die allmächtigen Hände seines Himmlischen Vatters.

Der liebste Heyland wird ans harte Creutz geschlagen
Man streckt ihm seine Arm u.er läst es geschehn,
Die Unschuld leydet Noth, Schmertz, Marter, Angst u.Plagen,
Damit die schuldigen der Höllen-Quahl entgehn.
  Hier hangt das Heyl der Welt, des Satans Überwinder,
Er schließet seine Seel ins Vatters Händen ein.
Die Erde selbst erbebt, erbebt ihr freche Sünder, ,
Es klaget die Natur, und ihr wollt frölich seyn.

13.Station

Nicodemus et Iosephus Arimathiensis sanctissimum Salvatoris nostri corpus de cruce tulerunt, ida.. sanctae Matri suae commiserunt.


Nicodemus u. Joseph von Arimathia haben den allerheiligsten Leichnam Christi vom Creutz genommen u. seiner heiligen Mutter übergeben.
 


14.Station

Benedictum defuncti Salvatoris nostri Iesu Christi corpus in novum Iosephi Arimathiensis Sepulchrum collocatur.

Der gebenedeyete Leichnam unsers entseelten Heylands Jesu Christi wird in das neue Grab Josephs von Arimathia gelegt.

Mein Jesus wird nunmehr von seinem Creutz genommen.
Ach ! legt denselben doch tief in mein Hertz hinnein;
Er ist nach Ängst und Pein zu seiner Ruh gekommen
Welt gute Nacht, ich will bey meinem Jeus seyn.
  Hier liegt der Lebens-Fürst,hier liegt mein Schatz entseelet
Und ich armseeliger kan noch am Leben seyn ?
Die Sonne meiner Lust, die ich mir auserwehlet,
Schließt jetzt die dunckle Grufft des harte Felsens ein.

 

 

Umbau der Kapelle 1692

"Zu Erbauung des Schloßes zu Unterweilbach, auch bei der alda annectierten Kapellen.... wie dan der altar noch an dem vorigen Orth stehet, daß Sepulcrum ist ein letzteres durch die Schwedischen Feindt zerstiert werden, auch hier hl.reliquien hinwechkommen. Baron Mändl von Deutenhoven und UndWeilbach hat sein Schloß zu diesm UndWeilbach von Grund erbauet. Die Mauern selbiger consecrierten capell als fordere Haubt Mauer sambt den Zwei solchen seiten Mauren, daß Bauvorhaben nach umb anderthalb schuch dünner, die hinder ab wordurch der eingang gar abgebrochen, und nur mehr von Dückh drei schuchen, umb sex schuch weitter in die capell hinein gesötzt alle von acht bis neun schuch erhöhet und das neue gewölb darauf erbauet. "

 

Die Benefiziaten in Unterweilbach

Die Benefiziaten in Unterweilbach wurden aus den Erträgen des Schlossbenefiziums der Schluder bezahlt, das im Jahr 1444 von den Münchner Patrizier-Brüdern Joannes und Petrus Schluder zu Weilbach, den damaligen Schlossherren, auf Wunsch ihres Vaters gestiftet worden ist. Das Stiftungsgut umfasste neben anderem Vermögen auch zwei Güter in Appercha und eines in Pullhausen. Die Stiftungsverpflichtung betraf zunächst 6 Messen in der Woche; 1740 wurde die Verpflichtung auf 3 Messen und 1792 auf nur noch zwei Messen wöchentlich herabgesetzt, die zum Teil in der Kirche, zum Teil in der Schlosskapelle gefeiert wurden. Die Benefiziaten haben die Aufgaben des Schlosskaplans wahrgenommen und auch teilw. die Seelsorge der Unterweilbacher Bevölkerung übernommen.

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von-bis um
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Epitaph für Georg Braun 1804
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von-bis um
 Johannes Peckh
 aus Mammendorf
1560
 Georg Joseph Wandinger
1808
 Simon Taller
1600
 Josef Anton Fritz
1811,
† 1813
 Paulus Ste(ö)cher
1630
 Anton Sedlmaier
1814
 Martin Gretzinger
1709
 Joh.Nepomuk Kiderle
1841-1845
 Achilles v. Riesenfeld
1717
 Michael Schiller
1845
 Anton Kraus
1750
 Theodor Kaußler
1862
 Sebastian v.Puchböck
1752
 Leo Samberger
1870-1874
 Joseph Dallmayr
1753
 Franz Xaver Ruhland
bis 1883
 Thomas Holzer
1758
 Vakanz für 15 Jahre,
 weil sich kein Bewerber fand
 Joseph Bach
1758-1778
 Albert Lindemann
um 1900
 Benedikt Baader
1779
 Eduard Bürchner, Verweser
† 29.5.1919
 Georg Nuz aus Günching/Opf
1782
 Klemens Behr, Verweser
1915-1933
 Bartholomäus Sailler
1788-1791
 Alois Hecker
1933-1936
 Georg Braun
1802-1804
 Dr.Josef Link
1936-1949
 Franz Xaver Plötz
1805
 Albert Steigenberger, Pfarrer
1949-1955